Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 60"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 60)
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Staubfäden erwiderte: „Was sie drüben hat, ist von drüben. Das hier ist ein Geschenk von mir. Liebe Schwester, nimm es auf jeden Fall mit!"
 
Staubfäden erwiderte: „Was sie drüben hat, ist von drüben. Das hier ist ein Geschenk von mir. Liebe Schwester, nimm es auf jeden Fall mit!"
  
Frühlingsschwälbchen nahm es also entgegen. Als Mutter und Tochter zum Purpurwolken-Hof zurückkamen, waren gerade Unheil Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán — Schatzjades jüngerer Halbbruder, Nebenfrau Zhaos Sohn.</ref> <ref>Chin. 贾环 Jia Huan, Schatzjades jüngerer Halbbruder.</ref> und Zweiter Kaufmann <ref>Chin. 贾琮 Jia Cong.</ref> zu einem Besuch bei Schatzjade erschienen und eben eingetreten. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Ich gehe allein hinein – du brauchst nicht mitzukommen." Die Mutter gehorchte von nun an willig und wagte keinen Widerspruch mehr.
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Frühlingsschwälbchen nahm es also entgegen. Als Mutter und Tochter zum Purpurwolken-Hof zurückkamen, waren gerade Unheil Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán — Schatzjades jüngerer Halbbruder, Nebenfrau Zhaos Sohn.</ref> <ref>Chin. 贾环 Unheil Kaufmann, Schatzjades jüngerer Halbbruder.</ref> und Zweiter Kaufmann <ref>Chin. 贾琮 Jia Cong.</ref> zu einem Besuch bei Schatzjade erschienen und eben eingetreten. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Ich gehe allein hinein – du brauchst nicht mitzukommen." Die Mutter gehorchte von nun an willig und wagte keinen Widerspruch mehr.
  
 
Frühlingsschwälbchen trat ins Zimmer. Schatzjade wusste, sie wollte Bericht erstatten, und nickte ihr zu. Frühlingsschwälbchen verstand und sagte kein Wort. Nachdem sie eine Weile dagestanden hatte, drehte sie sich um, ging hinaus und gab Duftlein ein Zeichen mit den Augen. Duftlein folgte ihr nach draußen, und leise erzählte Frühlingsschwälbchen ihr, was Staubfäden bestellt hatte, und gab ihr den Salpeterpuder.
 
Frühlingsschwälbchen trat ins Zimmer. Schatzjade wusste, sie wollte Bericht erstatten, und nickte ihr zu. Frühlingsschwälbchen verstand und sagte kein Wort. Nachdem sie eine Weile dagestanden hatte, drehte sie sich um, ging hinaus und gab Duftlein ein Zeichen mit den Augen. Duftlein folgte ihr nach draußen, und leise erzählte Frühlingsschwälbchen ihr, was Staubfäden bestellt hatte, und gab ihr den Salpeterpuder.
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Die Dienstfrauen sagten jawohl und gingen hinaus, doch draußen sahen sie einander an und lachten: „Das heißt eine Nadel im großen Meer suchen!" Dennoch riefen sie Nebenfrau Zhaos Gefolge und die Leute aus dem Garten zusammen und befragten sie, doch alle erklärten, sie wüssten von nichts. Es blieb ihnen nichts übrig, als Erkundefrühling zu berichten: „Wir können es im Augenblick nicht feststellen. Wir fahnden in aller Ruhe weiter und werden alle, die ungebührliche Reden führen, zur Bestrafung melden."
 
Die Dienstfrauen sagten jawohl und gingen hinaus, doch draußen sahen sie einander an und lachten: „Das heißt eine Nadel im großen Meer suchen!" Dennoch riefen sie Nebenfrau Zhaos Gefolge und die Leute aus dem Garten zusammen und befragten sie, doch alle erklärten, sie wüssten von nichts. Es blieb ihnen nichts übrig, als Erkundefrühling zu berichten: „Wir können es im Augenblick nicht feststellen. Wir fahnden in aller Ruhe weiter und werden alle, die ungebührliche Reden führen, zur Bestrafung melden."
  
Tanchuns Zorn hatte sich allmählich gelegt, als die Schauspielerin Wermut <ref>Chin. 艾官 Aiguan, Erkundefrühling zugeteilt.</ref> ihr heimlich meldete: „Es ist die Alte Xia! Sie ist schon lange mit uns verfeindet und streut ständig Gerüchte aus, um Unfrieden zu stiften. Neulich hat sie Lotosblatt beschuldigt, Opferpapier verbrannt zu haben; zum Glück sagte Schatzjade, er habe es befohlen, und sie musste klein beigeben. Heute, als ich dem Fräulein ein Taschentuch bringen sollte, sah ich, wie die Alte Xia und die gnädige Nebenfrau lange beisammen standen und tuschelten. Erst als sie mich bemerkten, gingen sie auseinander."
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Erkundefrühlings Zorn hatte sich allmählich gelegt, als die Schauspielerin Wermut <ref>Chin. 艾官 Aiguan, Erkundefrühling zugeteilt.</ref> ihr heimlich meldete: „Es ist die Alte Xia! Sie ist schon lange mit uns verfeindet und streut ständig Gerüchte aus, um Unfrieden zu stiften. Neulich hat sie Lotosblatt beschuldigt, Opferpapier verbrannt zu haben; zum Glück sagte Schatzjade, er habe es befohlen, und sie musste klein beigeben. Heute, als ich dem Fräulein ein Taschentuch bringen sollte, sah ich, wie die Alte Xia und die gnädige Nebenfrau lange beisammen standen und tuschelten. Erst als sie mich bemerkten, gingen sie auseinander."
  
 
Erkundefrühling hörte es an. Obwohl sie den wahren Sachverhalt ahnte, wusste sie auch, dass die Schauspielerinnen alle unter einer Decke steckten und ständig Unfug trieben. Darum sagte sie nur ja und dachte nicht daran, sich auf Wermuts Aussage allein zu verlassen.
 
Erkundefrühling hörte es an. Obwohl sie den wahren Sachverhalt ahnte, wusste sie auch, dass die Schauspielerinnen alle unter einer Decke steckten und ständig Unfug trieben. Darum sagte sie nur ja und dachte nicht daran, sich auf Wermuts Aussage allein zu verlassen.
  
Nun diente in Tanchuns Räumen auch das Mädchen Zikade <ref>Chin. 蝉姐儿 Chanjie'er.</ref>, eine Enkelin eben jener Dienstfrau Xia. Da sie oft für die anderen Dienstmädchen Besorgungen machte und Boten holte, war sie bei allen beliebt. An jenem Tag ging Erkundefrühling nach dem Essen in die Halle, um ihre Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Grüne Tusche <ref>Chin. 翠墨 Cuimo, Tanchuns Dienstmädchen.</ref>, die die Räume hüten sollte, schickte Zikade hinaus, um durch einen Dienstjungen Kuchen kaufen zu lassen.
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Nun diente in Erkundefrühlings Räumen auch das Mädchen Zikade <ref>Chin. 蝉姐儿 Chanjie'er.</ref>, eine Enkelin eben jener Dienstfrau Xia. Da sie oft für die anderen Dienstmädchen Besorgungen machte und Boten holte, war sie bei allen beliebt. An jenem Tag ging Erkundefrühling nach dem Essen in die Halle, um ihre Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Grüne Tusche <ref>Chin. 翠墨 Cuimo, Erkundefrühlings Dienstmädchen.</ref>, die die Räume hüten sollte, schickte Zikade hinaus, um durch einen Dienstjungen Kuchen kaufen zu lassen.
  
 
Zikade erwiderte: „Ich habe gerade den großen Hof gefegt, mir tun Hüfte und Beine weh. Schick doch jemand anderen!"
 
Zikade erwiderte: „Ich habe gerade den großen Hof gefegt, mir tun Hüfte und Beine weh. Schick doch jemand anderen!"

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111

中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

話說襲人因問平兒,何事這等忙亂。平兒笑道:「都是世人想不到的,說來也好笑,等幾日告訴你,如今沒頭緒呢,且也不得閑兒。」一語未了,只見李紈的丫鬟來了,說:「平姐姐可在這裡,奶奶等你,你怎麼不去了?」平兒忙轉身出來,口內笑說:「來了,來了。」襲人等笑道:「他奶奶病了,他又成了香餑餑了,都搶不到手。」平兒去了不提。   寶玉便叫春燕:「你跟了你媽去,到寶姑娘房裡給鶯兒幾句好話聽聽,也不可白得罪了他。」春燕答應了,和他媽出去。寶玉又隔窗說道:「不可當著寶姑娘說,仔細反叫鶯兒受教導。」   娘兒兩個應了出來,一壁走著,一面說閑話兒。春燕因向他娘道:「我素日勸你老人家再不信,何苦鬧出沒趣來才罷。」他娘笑道:「小蹄子,你走罷,俗語道:『不經一事,不長一智。』我如今知道了。你又該來支問著我。」春燕笑道:「媽,你若安分守己,在這屋裡長久了,自有許多的好處。我且告訴你句話:寶玉常說,將來這屋裡的人,無論家裡外頭的,一應我們這些人,他都要回太太全放出去,與本人父母自便呢。你只說這一件可好不好?」他娘聽說,喜的忙問:「這話果真?」春燕道:「誰可扯這謊做什麼?」婆子聽了,便念佛不絕。   當下來至蘅蕪苑中,正值寶釵、黛玉、薛姨媽等吃飯。鶯兒自去泡茶,春燕便和他媽一徑到鶯兒前,陪笑說「方纔言語冒撞了,姑娘莫嗔莫怪,特來陪罪」等語。鶯兒忙笑讓坐,又倒茶。他娘兒兩個說有事,便作辭回來。忽見蕊官趕出叫:「媽媽姐姐,略站一站。」一面走上來,遞了一個紙包與他們,說是薔薇硝,帶與芳官去擦臉。春燕笑道:「你們也太小氣了,還怕那裡沒這個與他,巴巴的你又弄一包給他去。」蕊官道:「他是他的,我送的是我的。好姐姐,千萬帶回去罷。」 春燕只得接了。娘兒兩個回來,正值賈環賈琮二人來問候寶玉,也才進去。春燕便向他娘說:「只我進去罷,你老不用去。」他娘聽了,自此便百依百隨的,不敢倔強了。   春燕進來,寶玉知道回覆,便先點頭。春燕知意,便不再說一語,略站了一站,便轉身出來,使眼色與芳官。芳官出來,春燕方悄悄的說與他蕊官之事,並與了他硝。寶玉並無與琮環可談之語,因笑問芳官手裡是什麼。芳官便忙遞與寶玉瞧,又說是擦春癬的薔薇硝。寶玉笑道:「虧他想得到。」賈環聽了,便伸著頭瞧了一瞧,又聞得一股清香,便彎著腰向靴桶內掏出一張紙來托著,笑說:「好哥哥,給我一半兒。」寶玉只得要與他。芳官心中因是蕊官之贈,不肯與別人,連忙攔住,笑說道:「別動這個,我另拿些來。」寶玉會意,忙笑包上,說道:「快取來。」   芳官接了這個,自去收好,便從奩中去尋自己常使的。啟奩看時,盒內已空,心中疑惑,早間還剩了些,如何沒了?因問人時,都說不知。麝月便說:「這會子且忙著問這個,不過是這屋裡人一時短了。你不管拿些什麼給他們,他們那裡看得出來?快打發他們去了,咱們好吃飯。」芳官聽了,便將些茉莉粉包了一包拿來。賈環見了就伸手來接。芳官便忙向炕上一擲。賈環只得向炕上拾了,揣在懷內,方作辭而去。   原來賈政不在家,且王夫人等又不在家,賈環連日也便裝病逃學。如今得了硝,興興頭頭來找彩雲。正值彩雲和趙姨娘閑談,賈環嘻嘻向彩雲道:「我也得了一包好的,送你擦臉。你常說,薔薇硝擦癬,比外頭的銀硝強。你且看看,可是這個?」彩雲打開一看,嗤的一聲笑了,說道:「你是和誰要來的?」賈環便將方纔之事說了。彩雲笑道:「這是他們哄你這鄉老呢。這不是硝,這是茉莉粉。」賈環看了一看,果然比先的帶些紅色,聞聞也是噴香,因笑道:「這也是好的,硝粉一樣,留著擦罷,自是比外頭買的高便好。」彩雲只得收了。趙姨娘便說:「有好的給你!誰叫你要去了,怎怨他們耍你!依我,拿了去照臉摔給他去,趁著這回子撞屍的撞屍去了,挺床的便挺床,吵一齣子,大家別心凈,也算是報仇。莫不是兩個月之後,還找出這個碴兒來問你不成?便問你,你也有話說。寶玉是哥哥,不敢衝撞他罷了。難道他屋裡的貓兒狗兒,也不敢去問問不成!」賈環聽說,便低了頭。彩雲忙說:「這又何苦生事,不管怎樣,忍耐些罷了。」趙姨娘道:「你快休管,橫豎與你無干。乘著抓住了理,罵給那些浪淫婦們一頓也是好的。」又指賈環道:「呸!你這下流沒剛性的,也只好受這些毛崽子的氣!平白我說你一句兒,或無心中錯拿了一件東西給你,你倒會扭頭暴筋瞪著眼蹾摔娘。這會子被那起屄崽子耍弄也罷了。你明兒還想這些家裡人怕你呢。你沒有屄本事,我也替你羞。」賈環聽了,不免又愧又急,又不敢去,只摔手說道:「你這麼會說,你又不敢去,指使了我去鬧。倘或往學里告去捱了打,你敢自不疼呢?遭遭兒調唆了我鬧去,鬧出了事來,我捱了打罵,你一般也低了頭。這會子又調唆我和毛丫頭們去鬧。你不怕三姐姐,你敢去,我就伏你。」只這一句話,便戳了他娘的肺,便喊說:「我腸子爬出來的,我再怕不成!這屋裡越發有的說了。」一面說,一面拿了那包子,便飛也似往園中去。彩雲死勸不住,只得躲入別房。賈環便也躲出儀門,自去頑耍。   趙姨娘直進園子,正是一頭火,頂頭正遇見藕官的乾娘夏婆子走來。見趙姨娘氣恨恨的走來,因問:「姨奶奶那去?」趙姨娘又說:「你瞧瞧,這屋裡連三日兩日進來的唱戲的小粉頭們,都三般兩樣掂人分兩放小菜碟兒了。若是別一個,我還不惱,若叫這些小娼婦捉弄了,還成個什麼!」夏婆子聽了,正中己懷,忙問因何。趙姨娘悉將芳官以粉作硝輕侮賈環之事說了。夏婆子道:「我的奶奶,你今日才知道,這算什麼事。連昨日這個地方他們私自燒紙錢,寶玉還攔到頭裡。人家還沒拿進個什麼兒來,就說使不得,不乾不凈的忌諱。這燒紙倒不忌諱?你老想一想,這屋裡除了太太,誰還大似你?你老自己撐不起來;但凡撐起來的,誰還不怕你老人家?如今我想,乘著這幾個小粉頭兒恰不是正頭貨,得罪了他們也有限的,快把這兩件事抓著理扎個筏子,我在旁作證據,你老把威風抖一抖,以後也好爭別的禮。便是奶奶姑娘們,也不好為那起小粉頭子說你老的。」趙姨娘聽了這話,益發有理,便說:「燒紙的事不知道,你卻細細的告訴我。」夏婆子便將前事一一的說了,又說:「你只管說去。倘或鬧起,還有我們幫著你呢。」趙姨娘聽了越發得了意,仗著膽子便一徑到了怡紅院中。   可巧寶玉聽見黛玉在那裡,便往那裡去了。芳官正與襲人等吃飯,見趙姨娘來了,便都起身笑讓:「姨奶奶吃飯,有什麼事這麼忙?」趙姨娘也不答話,走上來便將粉照著芳官臉上撒來,指著芳官罵道:「小淫婦!你是我銀子錢買來學戲的,不過娼婦粉頭之流!我家裡下三等奴才也比你高貴些的,你都會看人下菜碟兒。寶玉要給東西,你攔在頭裡,莫不是要了你的了?拿這個哄他,你只當他不認得呢!好不好,他們是手足,都是一樣的主子,那裡有你小看他的!」芳官那裡禁得住這話,一行哭,一行說:「沒了硝我才把這個給他的。若說沒了,又恐他不信,難道這不是好的?我便學戲,也沒往外頭去唱。我一個女孩兒家,知道什麼是粉頭面頭的!姨奶奶犯不著來罵我,我又不是姨奶奶家買的。『梅香拜把子--都是奴幾』呢!」襲人忙拉他說:「休胡說!」趙姨娘氣的便上來打了兩個耳刮子。襲人等忙上來拉勸,說:「姨奶奶別和他小孩子一般見識,等我們說他。」芳官捱了兩下打,那裡肯依,便拾頭打滾,潑哭潑鬧起來。口內便說:「你打得起我麽?你照照那模樣兒再動手!我叫你打了去,我還活著!」便撞在懷裡叫他打。眾人一面勸,一面拉他。晴雯悄拉襲人說:「別管他們,讓他們鬧去,看怎麼開交!如今亂為王了,什麼你也來打,我也來打,都這樣起來還了得呢!」   外面跟著趙姨娘來的一干的人聽見如此,心中各各稱願,都念佛說:「也有今日!」又有那一干懷怨的老婆子見打了芳官,也都稱願。   當下藕官蕊官等正在一處作耍,湘雲的大花面葵官,寶琴的豆官,兩個聞了此信,慌忙找著他兩個說:「芳官被人欺侮,咱們也沒趣,須得大家破著大鬧一場,方爭過氣來。」四人終是小孩子心性,只顧他們情分上義憤,便不顧別的,一齊跑入怡紅院中。豆官先便一頭,幾乎不曾將趙姨娘撞了一跌。那三個也便擁上來,放聲大哭,手撕頭撞,把個趙姨娘裹住。晴雯等一面笑,一面假意去拉。急的襲人拉起這個,又跑了那個,口內只說:「你們要死!有委曲只好說,這沒理的事如何使得!」趙姨娘反沒了主意,只好亂罵。蕊官藕官兩個一邊一個,抱住左右手;葵官豆官前後頭頂住。四人只說:「你只打死我們四個就罷!」芳官直挺挺躺在地下,哭得死過去。   正沒開交,誰知晴雯早遣春燕回了探春。當下尤氏、李紈、探春三人帶著平兒與眾媳婦走來,忙忙將四個喝住。問起原故,趙姨娘便氣的瞪著眼粗了筋,一五一十說個不清。尤李兩個不答言,只喝禁他四人。探春便嘆氣說:「這是什麼大事,姨娘也太肯動氣了!我正有一句話要請姨娘商議,怪道丫頭說不知在那裡,原來在這裡生氣呢,快同我來。」尤氏李氏都笑說:「姨娘請到廳上來,咱們商量。」   趙姨娘無法,只得同他三人出來,口內猶說長說短。探春便說:「那些小丫頭子們原是些頑意兒,喜歡呢,和他說說笑笑;不喜歡便可以不理他。便他不好了,也如同貓兒狗兒抓咬了一下子,可恕就恕,不恕時也該叫了管家媳婦們去說給他去責罰,何苦自己不尊重,大吆小喝失了體統。你瞧周姨娘,怎不見人欺他,他也不尋人去。我勸姨娘且回房去煞煞性兒,別聽那些混帳人的調唆,沒的惹人笑話,自己呆白給人作粗活。心裡有二十分的氣,也忍耐這幾天,等太太回來自然料理。」 一席話說得趙姨娘閉口無言,只得回房去了。   這裡探春氣的和尤氏李紈說:「這麼大年紀,行出來的事總不叫人敬伏。這是什麼意思,值得吵一吵,並不留體統,耳朵又軟,心裡又沒有計算。這又是那起沒臉面的奴才們的調停,作弄出個呆人替他們出氣。」越想越氣,因命人查是誰調唆的。媳婦們只得答應著,出來相視而笑,都說是「大海裡那裡尋針去?」只得將趙姨娘的人並園中喚來盤詰,都說不知道。眾人沒法,只得回探春:「一時難查,慢慢訪查,凡有口舌不妥的,一總來回了責罰。」   探春氣漸漸平服方罷。可巧艾官便悄悄的回探春說:「都是夏媽和我們素日不對,每每的造言生事。前兒賴藕官燒紙,幸虧是寶玉叫他燒的,寶玉自己應了,他才沒話說。今兒我與姑娘送手帕去,看見他和姨奶奶在一處說了半天,嘁嘁喳喳的,見了我才走開了。」探春聽了,雖知情弊,亦料定他們皆是一黨,本皆淘氣異常,便只答應,也不肯據此為實。   誰知夏婆子的外孫女兒蟬姐兒便是探春處當役的,時常與房中丫鬟們買東西呼喚人,眾女孩兒都和他好。這日飯後,探春正上廳理事,翠墨在家看屋子,因命蟬姐出去叫小幺兒買糕去。蟬兒便說:「我才掃了個大園子,腰腿生疼的,你叫個別的人去罷。」翠墨笑說:「我又叫誰去?你趁早兒去,我告訴你一句好話,你到後門順路告訴你老娘防著些兒。」說著,便將艾官告他老娘話告訴了他。蟬姐聽了,忙接了錢道:「這個小蹄子也要捉弄人,等我告訴去。」說著,便起身出來。至後門邊,只見廚房內此刻手閑之時,都坐在階砌上說閑話呢,他老娘亦在內。蟬兒便命一個婆子出去買糕。他且一行罵,一行說,將方纔之話告訴與夏婆子。夏婆子聽了,又氣又怕,便欲去找艾官問他,又欲往探春前去訴冤。蟬兒忙攔住說:「你老人家去怎麼說呢?這話怎得知道的,可又叨登不好了。說給你老防著就是了,那裡忙到這一時兒。」   正說著,忽見芳官走來,扒著院門,笑向廚房中柳家媳婦說道:「柳嫂子,寶二爺說了:晚飯的素菜要一樣涼涼的酸酸的東西,只別擱上香油弄膩了。」柳家的笑道:「知道。今兒怎遣你來了告訴這麼一句要緊話。你不嫌臟,進來逛逛兒不是?」芳官才進來,忽有一個婆子手裡托了一碟糕來。芳官便戲道:「誰買的熱糕?我先嘗一塊兒。」蟬兒一手接了道:「這是人家買的,你們還希罕這個。」柳家的見了,忙笑道:「芳姑娘,你喜吃這個?我這裡有才買下給你姐姐吃的,他不曾吃,還收在那裡,乾乾凈凈沒動呢。」說著,便拿了一碟出來,遞與芳官,又說:「你等我進去替你頓口好茶來。」一面進去,現通開火頓茶。芳官便拿著熱糕,問到蟬兒臉上說:「稀罕吃你那糕,這個不是糕不成?我不過說著頑罷了,你給我磕個頭,我也不吃。」說著,便將手內的糕一塊一塊的掰了,擲著打雀兒頑,口內笑說:「柳嫂子,你別心疼,我回來買二斤給你。」小蟬氣的怔怔的,瞅著冷笑道:「雷公老爺也有眼睛,怎不打這作孽的!他還氣我呢。我可拿什麼比你們,又有人進貢,又有人作乾奴才,溜你們好上好兒,幫襯著說句話兒。」眾媳婦都說:「姑娘們,罷呀,天天見了就咕唧。」有幾個伶透的,見了他們對了口,怕又生事,都拿起腳來各自走開了。當下蟬兒也不敢十分說他,一面咕嘟著去了。   這裡柳家的見人散了,忙出來和芳官說:「前兒那話兒說了不曾?」芳官道:「說了。等一二日再提這事。偏那趙不死的又和我鬧了一場。前兒那玫瑰露姐姐吃了不曾,他到底可好些?」柳家的道:「可不都吃了。他愛的什麼似的,又不好問你再要的。」芳官道:「不值什麼,等我再要些來給他就是了。」   原來這柳家的有個女兒,今年才十六歲,雖是廚役之女,卻生的人物與平、襲、紫、鴛皆類。因他排行第五,便叫他是五兒。因素有弱疾,故沒得差。近因柳家的見寶玉房中的丫鬟差輕人多,且又聞得寶玉將來都要放他們,故如今要送他到那裡應名兒。正無頭路,可巧這柳家的是梨香院的差役,他最小意殷勤,伏侍得芳官一干人比別的乾娘還好。芳官等亦待他們極好,如今便和芳官說了,央芳官去與寶玉說。寶玉雖是依允,只是近日病著,又見事多,尚未說得。   前言少述,且說當下芳官回至怡紅院中,回覆了寶玉。寶玉正在聽見趙姨娘廝吵,心中自是不悅,說又不是,不說又不是,只得等吵完了,打聽著探春勸了他去後方從蘅蕪苑回來,勸了芳官一陣,方大家安妥。今見他回來,又說還要些玫瑰露與柳五兒吃去,寶玉忙道:「有的,我又不大吃,你都給他去罷。」說著命襲人取了出來,見瓶中亦不多,遂連瓶與了他。   芳官便自攜了瓶與他去。正值柳家的帶進他女兒來散悶,在那邊犄角子上一帶地方逛了一回,便回到廚房內,正吃茶歇腳兒。芳官拿了一個五寸來高的小玻璃瓶來,迎亮照看,裡面小半瓶胭脂一般的汁子,還道是寶玉吃的西洋葡萄酒。母女兩個忙說:「快拿旋子燙滾水,你且坐下。」芳官笑道:「就剩了這些,連瓶子都給你們罷。」五兒聽了,方知是玫瑰露,忙接了,謝了又謝。芳官又問他「好些?」五兒道:「今兒精神些,進來逛逛。這後邊一帶,也沒什麼意思,不過見些大石頭大樹和房子後牆,正經好景緻也沒看見。」芳官道:「你為什麼不往前去?」柳家的道:「我沒叫他往前去。姑娘們也不認得他,倘有不對眼的人看見了,又是一番口舌。明兒托你攜帶他有了房頭,怕沒有人帶著逛呢,只怕逛膩了的日子還有呢。」芳官聽了,笑道:「怕什麼,有我呢。」柳家的忙道:「噯喲喲,我的姑娘,我們的頭皮兒薄,比不得你們。」說著,又倒了茶來。芳官那裡吃這茶,只漱了一口就走了。柳家的說道:「我這裡占著手,五丫頭送送。」   五兒便送出來,因見無人,又拉著芳官說道:「我的話到底說了沒有?」芳官笑道:「難道哄你不成?我聽見屋裡正經還少兩個人的窩兒,並沒補上。一個是紅玉的,璉二奶奶要去還沒給人來;一個是墜兒的,也還沒補。如今要你一個也不算過分。皆因平兒每每的和襲人說,凡有動人動錢的事,得挨的且挨一日更好。如今三姑娘正要拿人扎筏子呢,連他屋裡的事都駁了兩三件,如今正要尋我們屋裡的事沒尋著,何苦來往網裡碰去。倘或說些話駁了,那時老了,倒難迴轉。不如等冷一冷,老太太、太太心閑了,憑是天大的事先和老的一說,沒有不成的。」五兒道:「雖如此說,我卻性急等不得了。趁如今挑上來了,一則給我媽爭口氣,也不枉養我一場;二則添了月錢,家裡又從容些;三則我的心開一開,只怕這病就好了。--便是請大夫吃藥,也省了家裡的錢。」芳官道:「我都知道了,你只放心。」二人別過,芳官自去不提。   單表五兒回來,與他娘深謝芳官之情。他娘因說:「再不承望得了這些東西,雖然是個珍貴物兒,卻是吃多了也最動熱。竟把這個倒些送個人去,也是個大情。」 五兒問:「送誰?」他娘道:「送你舅舅的兒子,昨日熱病,也想這些東西吃。如今我倒半盞與他去。」五兒聽了,半日沒言語,隨他媽倒了半盞子去,將剩的連瓶便放在家伙廚內。五兒冷笑道:「依我說,竟不給他也罷了。倘或有人盤問起來,倒又是一場事了。」他娘道:「那裡怕起這些來,還了得了。我們辛辛苦苦的,裡頭賺些東西,也是應當的。難道是賊偷的不成?」說著,一徑去了。直至外邊他哥哥家中,他侄子正躺著,一見了這個,他哥嫂侄男無不歡喜。現從井上取了涼水,和吃了一碗,心中一暢,頭目清涼。剩的半盞,用紙覆著,放在桌上。   可巧又有家中幾個小廝同他侄兒素日相好的,走來問候他的病。內中有一小伙叫喚錢槐者,乃系趙姨娘之內侄。他父母現在庫上管賬,他本身又派跟賈環上學。因他有些錢勢,尚未娶親,素日看上了柳家的五兒標緻,和父母說了,欲娶他為妻。也曾央中保媒人再四求告。柳家父母卻也情願,爭奈五兒執意不從,雖未明言,卻行止中已帶出,父母未敢應允。近日又想往園內去,越發將此事丟開,只等三五年後放出來,自向外邊擇婿了。錢家見他如此,也就罷了。怎奈錢槐不得五兒,心中又氣又愧,發恨定要弄取成配,方了此願。今日也同人來瞧望柳侄,不期柳家的在內。   柳家的忽見一群人來了,內中有錢槐,便推說不得閑,起身便走了。他哥嫂忙說:「姑媽怎麼不吃茶就走?倒難為姑媽記掛。」柳家的因笑道:「只怕裡面傳飯,再閑了出來瞧侄子罷。」他嫂子因向抽屜內取了一個紙包出來,拿在手內送了柳家的出來,至牆角邊遞與柳家的,又笑道:「這是你哥哥昨兒在門上該班兒,誰知這五日一班,竟偏冷淡,一個外財沒發。只有昨兒有粵東的官兒來拜,送了上頭兩小簍子茯苓霜。餘外給了門上人一簍作門禮,你哥哥分了這些。這地方千年松柏最多,所以單取了這茯苓的精液和了藥,不知怎麼弄出這怪俊的白霜兒來。說第一用人乳和著,每日早起吃一鐘,最補人的;第二用牛奶子;萬不得,滾白水也好。我們想著,正宜外甥女兒吃。原是上半日打發小丫頭子送了家去的,他說鎖著門,連外甥女兒也進去了。本來我要瞧瞧他去,給他帶了去的,又想主子們不在家,各處嚴緊,我又沒什甚麼差使,有要沒緊跑些什麼。況且這兩日風聲,聞得裡頭家反宅亂的,倘或沾帶了倒值多的。姑娘來的正好,親自帶去罷。」   柳氏道了生受,作別回來。剛到了角門前,只見一個小幺兒笑道:「你老人家那裡去了?裡頭三次兩趟叫人傳呢,我們三四個人都找你老去了,還沒來。你老人家卻從那裡來了?這條路又不是家去的路,我倒疑心起來。」那柳家的笑罵道:「好猴兒崽子,……」要知端的,且聽下回分解。

Kapitel 60 Jasminpuder[1] ersetzt den Rosensalpeter Rosennektar[2] führt zum Porlingsschnee[3]

Dufthauch[4] fragte Friedchen[5], was sie denn so in Atem halte. Friedchen sagte lächelnd: „Lauter Dinge, auf die kein Mensch kommen würde. Es klingt auch ziemlich lächerlich. In ein paar Tagen erzähle ich es dir. Im Augenblick ist noch alles wirr, und ich habe auch keine Zeit."

Kaum hatte sie ausgeredet, erschien ein Dienstmädchen von Seidenweiß Pflaume und sagte: „Ist Schwester Friedchen hier? Die gnädige Frau wartet auf dich – warum kommst du denn nicht?"

Friedchen machte sogleich kehrt, ging hinaus und rief lachend: „Ich komme, ich komme!"

Dufthauch und die anderen sagten lächelnd: „Seitdem ihre Herrin krank liegt, ist Friedchen begehrt wie ein warmer Sesamkuchen – jeder reißt sich um sie, und keiner bekommt sie zu fassen."

Friedchen war fort, und damit genug von ihr. Schatzjade[6] rief nun Frühlingsschwälbchen und sagte: „Geh mit deiner Mutter zu Fräulein Schatzspange[7] hinüber und sage Drossel ein paar nette Worte. Man kann sie nicht einfach so beleidigen und dann nichts dazu sagen."

Frühlingsschwälbchen sagte „Jawohl!" und ging schon mit ihrer Mutter hinaus, da rief Schatzjade noch durchs Fenster hinterher: „Aber redet nicht in Gegenwart von Fräulein Schatzspange darüber – sonst bekommt Drossel am Ende noch eine Zurechtweisung!"

Mutter und Tochter versprachen es und gingen hinaus. Während sie nebeneinander liefen, unterhielten sie sich. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Was ich dir immer geraten habe, wolltest du mir nicht glauben. Erst musstest du dich blamieren, ehe du Ruhe gibst."

Die Mutter sagte lächelnd: „Geh nur, kleines Biest! ‚Durch Schaden wird man klug', heißt es im Sprichwort. Jetzt weiß ich Bescheid. Brauchst du mir also keine Vorwürfe mehr zu machen."

Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Mutter, wenn du dich hier bescheiden gibst und deinen Dienst in diesen Räumen treu versehst, wirst du auf die Dauer viele Vorteile haben. Ich will dir etwas verraten: Schatzjade hat schon oft gesagt, er wolle eines Tages die gnädige Frau bitten, alle, die in seinen Räumen dienen, freizulassen – ganz gleich, ob sie zum Haus gehören oder von außen kamen –, damit sie nach Belieben zu ihren Eltern zurückkehren können. Sag selbst, wäre das nicht wunderbar?"

Die Mutter fragte aufgeregt: „Ist das wirklich wahr?"

Frühlingsschwälbchen erwiderte: „Wer würde in so einer Sache lügen?"

Als die Dienstfrau das hörte, murmelte sie in einem fort Buddhas Namen.

Im Haselwurzpark angekommen, trafen sie Schatzspange, Kajaljade[8] und Tante Schnee[9] gerade beim Essen an. Drossel war Tee aufbrühen gegangen. Frühlingsschwälbchen trat mit ihrer Mutter vor Drossel hin und sagte lächelnd: „Meine Mutter war vorhin beleidigend zu dir. Du darfst ihr nicht böse sein und es ihr nicht verübeln – wir kommen eigens, um dich um Verzeihung zu bitten."

Drossel bat sie sogleich lächelnd, Platz zu nehmen, und wollte ihnen Tee einschenken. Doch Mutter und Tochter sagten, sie hätten zu tun, und verabschiedeten sich. Sie waren schon im Gehen, da kam plötzlich Staubfäden hinterhergelaufen und rief: „Mütterchen! Schwester! Wartet einen Augenblick!" Sie holte sie ein und drückte ihnen ein Papierpäckchen in die Hand: „Das ist Rosensalpeter. Nehmt ihn für Duftlein[10] mit, sie soll sich das Gesicht damit einreiben."

Frühlingsschwälbchen sagte lächelnd: „Ihr seid wirklich zu kleinlich! Als ob es drüben nichts dergleichen gäbe! Extra schickst du ihr noch ein Päckchen."

Staubfäden erwiderte: „Was sie drüben hat, ist von drüben. Das hier ist ein Geschenk von mir. Liebe Schwester, nimm es auf jeden Fall mit!"

Frühlingsschwälbchen nahm es also entgegen. Als Mutter und Tochter zum Purpurwolken-Hof zurückkamen, waren gerade Unheil Kaufmann[11] [12] und Zweiter Kaufmann [13] zu einem Besuch bei Schatzjade erschienen und eben eingetreten. Frühlingsschwälbchen sagte zu ihrer Mutter: „Ich gehe allein hinein – du brauchst nicht mitzukommen." Die Mutter gehorchte von nun an willig und wagte keinen Widerspruch mehr.

Frühlingsschwälbchen trat ins Zimmer. Schatzjade wusste, sie wollte Bericht erstatten, und nickte ihr zu. Frühlingsschwälbchen verstand und sagte kein Wort. Nachdem sie eine Weile dagestanden hatte, drehte sie sich um, ging hinaus und gab Duftlein ein Zeichen mit den Augen. Duftlein folgte ihr nach draußen, und leise erzählte Frühlingsschwälbchen ihr, was Staubfäden bestellt hatte, und gab ihr den Salpeterpuder.

Schatzjade wusste nicht, worüber er mit Unheil Kaufmann und Zweiter Kaufmann reden sollte, und fragte daher lächelnd Duftlein, was sie in der Hand halte. Duftlein reichte es ihm sogleich und sagte: „Das ist Rosensalpeter gegen die Frühjahrsflechte."

„Wie aufmerksam, dass sie daran gedacht hat!" lobte Schatzjade lächelnd.

Unheil Kaufmann reckte den Hals und spähte auf das Päckchen; als er den frischen Duft wahrnahm, bückte er sich, zog ein Stück Papier aus dem Stiefelschaft, hielt es wie ein Tablett hin und sagte lächelnd: „Lieber Bruder, gib mir die Hälfte ab!"

Schatzjade war schon bereit, ihm etwas zu geben, doch Duftlein, der das Geschenk von Staubfäden zu kostbar war, um es mit anderen zu teilen, fiel ihm rasch in den Arm und sagte lächelnd: „Rühr diesen nicht an – ich hole anderen!"

Schatzjade verstand sofort, wickelte das Päckchen lächelnd wieder ein und sagte: „Dann hol ihn schnell!"

Duftlein nahm das Päckchen, legte es weg und suchte in ihrem Toilettenkästchen nach dem Salpeterpuder, den sie selbst benutzte. Doch als sie die Dose öffnete, war sie leer. Verwundert dachte sie: „Heute Morgen war noch etwas darin – wie kann es jetzt verschwunden sein?" Sie fragte die anderen, aber alle sagten, sie wüssten nichts davon.

Moschusmond[14] sagte: „Was regst du dich jetzt darüber auf? Irgendjemand aus unseren Räumen hat gerade nichts gehabt und es sich genommen. Gib ihnen einfach irgendetwas – die merken das doch nicht. Hauptsache, sie gehen bald, damit wir essen können."

Also wickelte Duftlein ein wenig Jasminpuder ein und brachte es hinüber. Unheil Kaufmann streckte sofort die Hand danach aus, doch Duftlein warf das Päckchen kurzerhand aufs Ruhebett, sodass Unheil Kaufmann es von dort aufheben musste. Er steckte es in seinen Busen, verabschiedete sich und ging.

Da Aufrecht Kaufmann[15] verreist und auch Dame König[16] nicht zu Hause war, hatte Unheil Kaufmann schon seit Tagen die Schule geschwänzt, indem er sich krank stellte. Nachdem er jetzt das Pulver bekommen hatte, machte er sich frohlockend auf die Suche nach Farbwölkchen[17] [18]. Der Zufall wollte es, dass sie gerade mit Nebenfrau Zhao[19] plauderte. Unheil Kaufmann sagte strahlend zu Farbwölkchen: „Ich habe dir etwas Feines mitgebracht zum Einreiben des Gesichts! Du sagst doch immer, Rosensalpeter sei gegen Flechten besser als der Silbersalpeter, den man draußen kauft. Schau einmal, ob es das Richtige ist!"

Farbwölkchen öffnete das Päckchen, warf einen Blick hinein und prustete los: „Von wem hast du dir das geben lassen?"

Unheil Kaufmann erzählte, was sich zugetragen hatte. Farbwölkchen sagte lächelnd: „Die haben dich angeführt wie einen Dorftrottel! Das ist kein Rosensalpeter, das ist Jasminpuder."

Unheil Kaufmann sah sich das Pulver noch einmal an: Tatsächlich war es rötlicher als gewöhnlicher Salpeter, und als er daran roch, strömte es einen durchdringenden Duft aus. Lächelnd sagte er: „Es ist doch auch etwas Gutes. Ob nun Salpeter oder Puder – behalt es und reib dir das Gesicht damit ein. Solange es besser ist als das Zeug, das man draußen kauft, ist es doch recht."

Farbwölkchen steckte es notgedrungen ein. Nebenfrau Zhao aber sagte: „Dir gibt man natürlich etwas Gutes! Wer hat dich geheißen, darum zu bitten? Jetzt brauchst du dich nicht zu wundern, dass man sich über dich lustig macht. Wenn du auf mich hörst, gehst du hin und schleuderst es ihr ins Gesicht! Gerade jetzt, wo die einen unterwegs sind und die anderen krank im Bett liegen – das ist die Gelegenheit, ordentlich Krach zu schlagen, damit die alle aus ihrer Behaglichkeit aufgeschreckt werden! Das wäre eine Revanche! In zwei Monaten fragt kein Mensch mehr danach. Und selbst wenn man dich fragt, hast du genug zu sagen. Schatzjade ist dein älterer Bruder, und gegen ihn willst du nicht anrennen – gut. Aber musst du deshalb auch Angst haben, so ein Hündchen oder Kätzchen aus seinen Räumen zur Rede zu stellen?"

Unheil Kaufmann senkte nur den Kopf. Farbwölkchen sagte rasch: „Wozu einen Streit vom Zaun brechen? Wie es auch sei – das Klügste ist, Geduld zu üben."

Nebenfrau Zhao fuhr sie an: „Du halt dich da heraus! Dich geht es nichts an. Man sollte die Gelegenheit nutzen und diesen schamlosen Weibsstücken ordentlich die Meinung sagen – das wäre schon etwas wert." Dann deutete sie auf Unheil Kaufmann, spuckte aus und schimpfte: „Pfui! Du erbärmlicher Schlappschwanz! Natürlich lässt du dich von diesen grünen Rotznasen demütigen! Wenn ich dir ein Wort sage oder dir versehentlich das Falsche gebe, dann verdrehst du die Augen, die Stirnadern schwellen dir, und du trampelst und wirfst Sachen nach deiner eigenen Mutter! Aber jetzt, wo dich diese Gören zum Narren halten, lässt du dir alles gefallen. Und du bildest dir ein, das Gesinde werde dich eines Tages noch respektieren? Zu nichts bist du zu gebrauchen – ich schäme mich für dich!"

Unheil Kaufmann war beschämt und aufgebracht zugleich, doch er wagte nicht zu gehen. Er machte eine unwirsche Handbewegung und sagte: „Du verstehst so gut zu reden, aber du gehst ja selbst nicht hin! Du schickst mich vor, um den Skandal anzuzetteln. Wenn es an die Schule gemeldet wird und ich Prügel bekomme, tut es dir ja nicht weh! Jedes Mal hast du mich aufgestachelt, und wenn dann der Skandal da war und ich Prügel und Schelte bekam, hast du nur stumm den Kopf gesenkt. Jetzt willst du mich schon wieder gegen die kleinen Mägde aufhetzen. Wenn du keine Angst vor der dritten Schwester [20] hast, dann geh doch selbst – dann gebe ich mich geschlagen!"

Mit diesem einen Satz hatte er seiner Mutter mitten ins Herz getroffen. Sie schrie: „Ich soll mich fürchten vor einem, der aus meinem eigenen Leib gekrochen ist? Da hätten wir ja schöne Zustände!" Während sie das sagte, schnappte sie sich das Päckchen mit dem Puder und stürmte in Richtung Garten davon. Farbwölkchen, die sie beim besten Willen nicht zurückhalten konnte, suchte in einem anderen Zimmer Zuflucht. Unheil Kaufmann verschwand durchs Zeremonialtor und ging seinem Vergnügen nach.

Nebenfrau Zhao stürmte wie eine Furie in den Garten. Zufällig kam ihr Lotosblats Pflegemutter, die Dienstfrau Xia[21], entgegen. Als sie Nebenfrau Zhao wutschnaubend herankommen sah, fragte sie: „Wohin des Wegs, gnädige Nebenfrau?"

„Sieh dir das an!" rief Nebenfrau Zhao. „Selbst diese kleinen Schauspielerhuren, die erst vor zwei, drei Tagen ins Haus gekommen sind, erlauben sich, uns Leute nach Rang und Stand zu sortieren und kleine Schälchen vorzusetzen! [22] Bei jemand anderem würde es mich nicht ärgern, aber von diesen kleinen Ludern brauche ich mir doch keinen Spott gefallen zu lassen!"

Das traf genau die Empfindungen der Dienstfrau Xia, und sie fragte eilig nach dem Grund. Nebenfrau Zhao erzählte ihr ausführlich, wie Duftlein den Unheil Kaufmann verächtlich behandelt hatte, indem sie ihm Jasminpuder statt Rosensalpeter gab.

Die Dienstfrau Xia sagte: „Gnädige Frau, davon erfahrt Ihr heute erst? Das ist doch gar nichts! Erst gestern haben sie hier heimlich Opfergeld verbrannt, und Schatzjade hat sich noch als Schutzschild davor gestellt. Wenn andere etwas hereinbringen wollen, heißt es, das gehe nicht, das sei unrein und bringe Unglück. Aber Opferpapier verbrennen – das bringt wohl kein Unglück? Überlegt einmal: Wer steht hier im Haus über Euch, außer der gnädigen Frau selbst? Ihr braucht Euch nur aufzurichten, und jedermann wird Respekt vor Euch haben!

Meiner Meinung nach solltet Ihr die Gelegenheit nutzen: Diese kleinen Huren sind ohnehin nichts Ordentliches – wenn man sie beleidigt, hat das keine großen Folgen. Greift diese beiden Vorfälle auf und statuiert ein Exempel! Ich trete als Zeugin auf. Wenn Ihr jetzt Eure Autorität behauptet, könnt Ihr Euch auch künftig in anderen Dingen Respekt verschaffen. Wegen dieser kleinen Huren werden die junge gnädige Frau und die Fräulein kaum ein Wort gegen Euch erheben."

Nebenfrau Zhao fühlte sich in ihrer Meinung erst recht bestärkt und sagte: „Von der Sache mit dem Opfergeld weiß ich nichts – erzähl mir das der Reihe nach!"

Die Dienstfrau Xia berichtete ihr in allen Einzelheiten und fügte hinzu: „Geht nur hin und sagt, was zu sagen ist! Wenn es Ärger gibt, sind wir da, um Euch beizustehen."

Nebenfrau Zhao war nun völlig aufgeputscht und marschierte schnurstracks in den Purpurwolken-Hof. Dort traf es sich, dass Schatzjade gehört hatte, Kajaljade sei im Haselwurzpark, und dorthin gegangen war. Duftlein saß gerade mit Dufthauch und den anderen beim Essen. Als sie Nebenfrau Zhao hereinkommen sahen, standen alle auf und sagten lächelnd: „Gnädige Nebenfrau, esst doch mit! Was führt Euch so eilig her?"

Nebenfrau Zhao antwortete nicht. Sie trat vor, schleuderte Duftlein den Puder ins Gesicht, deutete mit dem Finger auf sie und schimpfte: „Du schamlose kleine Hure! Für mein Geld hat man dich gekauft, damit du die Schauspielerei lernst – du bist nichts weiter als eine Dirne! Die geringste Sklavin in meinem Haus steht höher als du, aber du erdreistest dich, die Leute nach ihrem Stand zu behandeln! Schatzjade wollte ihm etwas geben, und du hast ihn daran gehindert – hat er etwa von deinem gegeben? Mit diesem Zeug hast du meinen Sohn hinters Licht geführt und geglaubt, er merke es nicht! Ob es dir gefällt oder nicht: Sie sind Brüder, beide sind sie Herren dieses Hauses – wie kommst du dazu, ihn geringzuschätzen?"

Wie hätte Duftlein solche Worte ertragen können! Unter Tränen erwiderte sie: „Der Salpeter war alle, darum habe ich ihm das gegeben. Hätte ich gesagt, er sei alle, hätte er mir nicht geglaubt. Ist denn das etwas Schlechtes? Ja, ich habe die Schauspielerei gelernt, aber ich bin nie außer Hause aufgetreten. Ich bin ein Mädchen – was weiß ich von Huren und Dirnen! Gnädige Nebenfrau, Ihr habt keinen Grund, mich zu beschimpfen. Und außerdem habt nicht Ihr mich gekauft. ‚Wenn die Magd mit der Magd Freundschaft schließt – sind beide Sklavinnen!' [23]"

Dufthauch zog sie rasch am Arm zurück: „Hör auf mit dem Unsinn!"

Nebenfrau Zhao aber war außer sich vor Wut, trat vor und versetzte Duftlein zwei schallende Ohrfeigen. Dufthauch und die anderen eilten herbei, hielten sie fest und redeten ihr zu: „Gnädige Nebenfrau, seid doch verständiger als das Kind! Überlasst es uns, mit ihr zu reden!"

Duftlein jedoch wollte nach den Schlägen nicht einlenken, warf sich hin und her, rollte über den Boden und gebärdete sich wie außer sich. Unter Tränen schrie sie: „Du schlägst mich? Schau erst in den Spiegel, wie du aussiehst, ehe du die Hand gegen mich hebst! Dann schlag mich doch tot – ich lebe noch!" Sie stieß Nebenfrau Zhao den Kopf vor die Brust und schrie, sie solle nur zuschlagen.

Alle redeten auf sie ein und versuchten, sie wegzuziehen. Heitermuster[24] aber nahm Dufthauch unauffällig beiseite und flüsterte: „Kümmere dich nicht darum! Lass sie sich ruhig streiten – wir wollen sehen, wie sie wieder auseinanderkommen! König Krawall regiert heute. Was soll das: die eine kommt und schlägt, die andere kommt und schlägt – wenn das so weitergeht, wo soll das enden?"

Draußen hörten die Dienstfrauen, die Nebenfrau Zhao begleitet hatten, den Lärm und freuten sich insgeheim. Sie riefen Buddhas Namen an und sagten: „Endlich ist es so weit! Das hat sie verdient!" Auch die anderen alten Dienstfrauen, die einen Groll auf die Schauspielerinnen hegten, waren zufrieden, als sie hörten, dass Duftlein Schläge bekam.

Lotosblatt und Staubfäden spielten unterdessen zusammen an einem anderen Ort. Sonnenblume [25], die Xiangji zugeteilt war, und Bohne [26], die nun bei Schatznadel [27] diente, erfuhren die Nachricht und stürzten zu den beiden: „Duftlein wird drangsaliert – das ist eine Schmach für uns alle! Nur wenn wir zusammen ordentlich Krawall schlagen, werden wir uns Respekt verschaffen!"

Die vier waren Kinder, die allein die gerechte Empörung sahen, die sie ihrer Freundin schuldig waren, und an nichts anderes dachten. Gemeinsam rannten sie in den Purpurwolken-Hof. Bohne preschte als Erste vor und rammte Nebenfrau Zhao mit dem Kopf, dass diese beinahe gestürzt wäre. Auch die anderen drei stürmten heulend auf sie los, zerrten und rammten sie, bis Nebenfrau Zhao völlig eingekeilt war. Heitermuster und die anderen lachten und taten nur so, als wollten sie die Mädchen wegziehen.

Dufthauch rannte aufgeregt hin und her, zog die eine weg, und schon lief die nächste los. Sie rief: „Seid ihr von Sinnen! Wenn ihr euch ungerecht behandelt fühlt, könnt ihr darüber reden, aber so etwas gehört sich nicht!"

Nebenfrau Zhao wusste sich nicht mehr zu helfen und konnte nur noch wild drauflosschimpfen. Staubfäden und Lotosblatt hielten sie rechts und links an den Armen fest, Sonnenblume und Bohne stemmten sich von vorn und hinten gegen sie. Alle vier sagten: „Schlagt uns vier doch alle tot, wenn Euch danach ist!"

Duftlein lag unterdessen der Länge nach auf dem Boden und heulte zum Steinerweichen.

In dieser ausweglosen Lage erschienen plötzlich – denn Heitermuster hatte Frühlingsschwälbchen losgeschickt, um Erkundefrühling[28] zu benachrichtigen – Dame Sonders, Seidenweiß Pflaume und Erkundefrühling zusammen mit Friedchen und einer Schar Dienstfrauen. Sie herrschten die vier Mädchen an, innezuhalten, und fragten nach dem Grund. Nebenfrau Zhao, mit stierem Blick und geschwollenen Stirnadern, sprudelte alles wirr und zusammenhanglos hervor.

Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume antworteten nicht darauf und hielten nur die vier Mädchen in Schach. Erkundefrühling seufzte und sagte: „Was ist das schon für eine große Sache! Gnädige Nebenfrau, Ihr geratet auch wirklich zu schnell in Rage. Ich wollte gerade etwas mit Euch bereden; die Mädchen sagten, sie wüssten nicht, wo Ihr seid – und Ihr seid hier und tobt. Kommt bitte mit mir!"

Auch Dame Sonders und Seidenweiß Pflaume sagten lächelnd: „Gnädige Nebenfrau, kommt doch in die Halle herüber, damit wir uns beraten können."

Nebenfrau Zhao blieb nichts anderes übrig, als ihnen zu folgen. Dabei hörte sie aber nicht auf, sich lang und breit zu beklagen.

Erkundefrühling sagte: „Diese kleinen Mädchen sind doch nur Spielzeuge. Wenn sie einem gefallen, plaudert und scherzt man mit ihnen; wenn nicht, lässt man sie unbeachtet. Und wenn sie sich einmal schlecht benehmen, ist das nicht anders, als wenn ein Kätzchen oder Hündchen einen kratzt oder beißt: Man verzeiht ihnen, wenn man kann, und wenn man nicht kann, lässt man die Verwalterinnen kommen und sie bestrafen. Warum sich so weit erniedrigen, herumzubrüllen und sein Ansehen aufs Spiel zu setzen?

Seht Euch Nebenfrau Zhou an: Warum beleidigt sie niemand? Warum muss sie niemanden zur Rede stellen? Ich rate Euch, geht in Eure Räume zurück und lasst Euch ein wenig abkühlen. Hört nicht auf die Aufhetzung dieser Bösewichter – sonst macht Ihr Euch zum Gespött und tut ohne Not anderen die Schmutzarbeit. Und wenn Ihr noch so aufgebracht seid: Geduldet Euch diese paar Tage, bis die gnädige Frau zurück ist – dann wird alles seine Ordnung finden."

Diese Worte brachten Nebenfrau Zhao endlich zum Schweigen, und notgedrungen begab sie sich in ihre Räume.

Erkundefrühling aber sagte aufgebracht zu Dame Sonders und Frau Li: „So alt ist sie schon, aber mit ihrem Verhalten verdient sie sich keinen Respekt. Was soll das – lohnt es sich, wegen so einer Nichtigkeit zu streiten und jede Würde zu verlieren? Sie ist gutgläubig und hat kein Urteil. Bestimmt haben wieder diese schamlosen Sklavinnen sie aufgehetzt und sie als Werkzeug benutzt, um ihren eigenen Groll abzuladen." Je mehr sie darüber nachdachte, desto wütender wurde sie, und sie befahl, herauszufinden, wer die Anstifterin sei.

Die Dienstfrauen sagten jawohl und gingen hinaus, doch draußen sahen sie einander an und lachten: „Das heißt eine Nadel im großen Meer suchen!" Dennoch riefen sie Nebenfrau Zhaos Gefolge und die Leute aus dem Garten zusammen und befragten sie, doch alle erklärten, sie wüssten von nichts. Es blieb ihnen nichts übrig, als Erkundefrühling zu berichten: „Wir können es im Augenblick nicht feststellen. Wir fahnden in aller Ruhe weiter und werden alle, die ungebührliche Reden führen, zur Bestrafung melden."

Erkundefrühlings Zorn hatte sich allmählich gelegt, als die Schauspielerin Wermut [29] ihr heimlich meldete: „Es ist die Alte Xia! Sie ist schon lange mit uns verfeindet und streut ständig Gerüchte aus, um Unfrieden zu stiften. Neulich hat sie Lotosblatt beschuldigt, Opferpapier verbrannt zu haben; zum Glück sagte Schatzjade, er habe es befohlen, und sie musste klein beigeben. Heute, als ich dem Fräulein ein Taschentuch bringen sollte, sah ich, wie die Alte Xia und die gnädige Nebenfrau lange beisammen standen und tuschelten. Erst als sie mich bemerkten, gingen sie auseinander."

Erkundefrühling hörte es an. Obwohl sie den wahren Sachverhalt ahnte, wusste sie auch, dass die Schauspielerinnen alle unter einer Decke steckten und ständig Unfug trieben. Darum sagte sie nur ja und dachte nicht daran, sich auf Wermuts Aussage allein zu verlassen.

Nun diente in Erkundefrühlings Räumen auch das Mädchen Zikade [30], eine Enkelin eben jener Dienstfrau Xia. Da sie oft für die anderen Dienstmädchen Besorgungen machte und Boten holte, war sie bei allen beliebt. An jenem Tag ging Erkundefrühling nach dem Essen in die Halle, um ihre Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Grüne Tusche [31], die die Räume hüten sollte, schickte Zikade hinaus, um durch einen Dienstjungen Kuchen kaufen zu lassen.

Zikade erwiderte: „Ich habe gerade den großen Hof gefegt, mir tun Hüfte und Beine weh. Schick doch jemand anderen!"

Grüne Tusche sagte lächelnd: „Wen soll ich sonst schicken? Geh lieber gleich – ich will dir auch etwas Gutes verraten. Geh zum Hintertor und sage unterwegs deiner Großmutter, sie solle auf der Hut sein." Damit erzählte sie Zikade, was Wermut über die Großmutter berichtet hatte.

Zikade nahm sofort das Geld entgegen und sagte: „Dieses kleine Biest will auch noch intrigieren? Warte nur, ich sage es meiner Großmutter!" Sie stand auf und ging hinaus. Am Hintertor angelangt, sah sie, dass das gesamte Küchenpersonal gerade freie Zeit hatte und auf den Treppenstufen saß und plauderte. Auch ihre Großmutter war dabei. Zikade beauftragte eine Dienstfrau, Kuchen kaufen zu gehen, und erzählte dann, halb schimpfend, halb berichtend, ihrer Großmutter alles.

Die Dienstfrau Xia war gleichermaßen ärgerlich und ängstlich. Sie wollte sofort zu Wermut gehen und sie zur Rede stellen und außerdem bei Erkundefrühling ihre Unschuld beteuern. Doch Zikade hielt sie zurück: „Was willst du dort sagen? Wie willst du erklären, woher du das weißt? Das richtet nur neuen Schaden an. Ich habe es dir gesagt, damit du vorsichtig bist, das genügt. Wozu die Aufregung?"

Während sie noch sprachen, kam plötzlich Duftlein vorbei. Sie lehnte sich an das Hoftor und rief lächelnd in die Küche hinein: „Schwägerin Liu! Der junge Herr Schatzjade lässt ausrichten: Er möchte zum Abendessen ein Gemüsegericht – etwas Kühles und Saures, aber bitte kein Sesamöl, das macht es zu fettig."

Frau Liu sagte lächelnd: „Verstanden! Wie kommt es denn, dass heute ausgerechnet du eine so wichtige Nachricht überbringst? Wenn es dir hier nicht zu schmutzig ist, komm doch herein und sieh dich ein wenig um!"

Duftlein trat gerade ein, als eine Dienstfrau mit einem Teller Kuchen kam. Duftlein scherzte: „Wer hat den warmen Kuchen gekauft? Ich will ein Stück kosten!"

Zikade riss ihr den Teller weg und sagte: „Der ist für andere bestellt. Für euresgleichen ist so etwas doch nichts Besonderes."

Frau Liu sah es und rief sogleich lächelnd: „Duftlein! Wenn du so etwas magst, hier – ich habe vorhin Kuchen gekauft, für deine ältere Schwester. Sie hat noch keinen gegessen, er liegt noch da, ganz sauber und unberührt." Sie brachte einen vollen Teller heraus, reichte ihn Duftlein und sagte: „Warte, ich gehe hinein und brühe dir einen ordentlichen Tee!" Damit ging sie hinein und fachte das Feuer an.

Duftlein nahm den warmen Kuchen, hielt ihn Zikade vors Gesicht und sagte: „Wer ist schon auf deinen Kuchen erpicht? Ist das hier etwa keiner? Ich habe nur Spaß gemacht. Selbst wenn du mir einen Kotau machst, esse ich deinen Kuchen nicht!" Damit brach sie die Kuchenstücke eins nach dem anderen in Bröckchen und warf sie den Spatzen hin. Lachend rief sie: „Schwägerin Liu, nimm's nicht schwer! Ich kaufe dir nachher zwei Pfund Kuchen als Ersatz."

Zikade kochte vor Wut, starrte sie an und zischte: „Der Donnergott hat doch Augen im Kopf – warum erschlägt er so eine Sünderin nicht! Und sie wagt es auch noch, mich zu ärgern! Was bin ich schon gegen euresgleichen? Euch bringt man Tribut und dient euch wie ein Sklave, alles tut man für euch, nur damit ihr bei Gelegenheit ein gutes Wort einlegt …"

Die Dienstfrauen sagten: „Mädchen, hört doch auf! Kaum seht ihr euch, geht das Gezänk los." Einige klügere unter ihnen, die sahen, dass die beiden aneinandergerieten, standen lieber auf und machten sich aus dem Staub, weil sie einen neuen Zwischenfall fürchteten. Auch Zikade traute sich nicht, weiter auf Duftlein loszugehen, und zog sich murrend zurück.

Als Frau Liu sah, dass sich alle entfernt hatten, kam sie rasch heraus und fragte Duftlein: „Hast du neulich die Sache erwähnt?"

Duftlein erwiderte: „Ja. In ein, zwei Tagen bringe ich es noch einmal zur Sprache. Aber dann hat diese unverwüstliche Zhao mir auch noch eine Szene gemacht! – Hat die Schwester den Rosennektar getrunken? Geht es ihr ein wenig besser?"

Frau Liu sagte: „Aber ja, sie hat alles ausgetrunken! Er hat ihr so wunderbar geschmeckt, dass sie sich gar nicht traut, dich um mehr zu bitten."

Duftlein sagte: „Das ist doch nicht der Rede wert. Ich besorge einfach noch welchen und bringe ihn ihr."

Frau Liu hatte nämlich eine Tochter, gerade sechzehn Jahre alt. Obwohl nur ein Küchenmädchenkind, konnte sie es an Schönheit mit Friedchen, Dufthauch, Purpurkuckuck[32] und Mandarinenente[33] aufnehmen. Da sie die Fünfte war, nannte man sie Fünfchen [34]. Weil sie von Natur aus kränklich war, hatte man ihr keine Stelle zugewiesen. In letzter Zeit aber hatte Frau Liu erfahren, dass in Schatzjades Räumen der Dienst leicht und das Personal zahlreich sei, und zudem gehört, Schatzjade wolle dafür sorgen, dass alle seine Dienstmädchen eines Tages freigelassen würden. Darum wollte sie Fünfchen dort unterbringen, wenigstens dem Namen nach.

Nur wusste sie nicht, wie sie es bewerkstelligen sollte. Der Zufall kam ihr zu Hilfe: Als Bedienstete des Birnendufthofs hatte sie Duftlein und die anderen Schauspielerinnen besser umsorgt als die eigentlichen Pflegemütter, und diese verhielten sich dafür auch sehr gut zu ihr. So hatte sie Duftlein ihre Bitte vorgetragen, und Duftlein hatte bei Schatzjade ein Wort eingelegt. Schatzjade war zwar einverstanden gewesen, aber da er krank geworden war und sich manches andere ereignet hatte, war er noch nicht dazu gekommen, die Sache in die Wege zu leiten.

Doch genug der Vorgeschichte. Duftlein ging in den Purpurwolken-Hof zurück und erstattete Schatzjade Bericht.

Als Schatzjade von Nebenfrau Zhaos Tobsuchtsanfall erfahren hatte, war ihm das äußerst unangenehm gewesen. Einzugreifen schien ihm ebenso falsch wie nicht einzugreifen, und so hatte er notgedrungen gewartet, bis es vorbei war. Erst als man ihm sagte, Erkundefrühling habe Nebenfrau Zhao zum Gehen bewogen, war er aus dem Haselwurzpark zurückgekehrt, hatte Duftlein eine Weile beruhigt, und alle waren wieder zur Ruhe gekommen.

Als Duftlein jetzt zurückkam und sagte, sie brauche noch etwas Rosennektar für Liu Fünfchen, sagte Schatzjade sogleich: „Es ist noch welcher da, und ich trinke ohnehin nicht oft davon. Gib ihr alles!" Er ließ Dufthauch die Flasche holen. Als er sah, dass nur noch wenig darin war, überließ er Duftlein die Flasche mitsamt dem Inhalt.

Duftlein brachte die Flasche persönlich hinüber. Frau Liu hatte ihre Tochter gerade in den Garten geholt, damit sie sich zerstreuen konnte. Sie waren in einer abgelegenen Ecke spazieren gegangen und saßen nun in der Küche, tranken Tee und ruhten sich aus. Duftlein kam mit einer fünf Zoll hohen kleinen Glasflasche herein. Als sie sie gegen das Licht hielt, sah man darin eine zur knappen Hälfte gefüllte scharlachrote Flüssigkeit wie Rouge. Mutter und Tochter hielten sie für den europäischen Traubenwein, den Schatzjade trank, und riefen eilig: „Wir holen den Weinwärmer und machen heißes Wasser! Setz dich doch!"

Duftlein sagte lächelnd: „Das ist der ganze Rest – die Flasche bekommt ihr dazu." Erst jetzt erkannte Fünfchen, dass es Rosennektar war. Hastig nahm sie die Flasche entgegen und bedankte sich wieder und wieder.

Duftlein fragte, ob es ihr besser gehe. Fünfchen erwiderte: „Heute fühle ich mich etwas kräftiger, darum bin ich hereingekommen, um mich umzusehen. Aber hier hinten ist nichts Besonderes – nur ein paar große Steine, hohe Bäume und Rückwände von Gebäuden. Die wirklich schönen Stellen habe ich gar nicht zu sehen bekommen."

Duftlein fragte: „Warum bist du nicht nach vorne gegangen?"

Frau Liu sagte: „Ich habe es ihr nicht erlaubt. Die Fräulein kennen sie nicht, und wenn jemand sie sieht, dem das nicht recht ist, gibt es nur wieder Gerede. Wenn sie erst dank deiner Hilfe eine Stelle hat, wird sie noch oft genug jemand zum Spazierengehen mitnehmen. Vielleicht kommt sogar der Tag, an dem sie es satt hat!"

Duftlein sagte lächelnd: „Wovor denn Angst? Auf mich ist Verlass!"

Frau Liu rief: „Ach, mein liebes Fräulein! Wir sind Leute mit dünner Haut – nicht so wie ihr!" Und sie goss Duftlein Tee ein. Aber wie hätte Duftlein solchen Tee trinken mögen! Sie spülte sich nur den Mund damit und ging.

Frau Liu sagte: „Ich bin hier beschäftigt – Fünfchen, begleite sie ein Stück!"

Fünfchen brachte sie hinaus, und als niemand in der Nähe war, hielt sie Duftlein am Arm fest und fragte: „Hast du wirklich meinetwegen gesprochen?"

Duftlein sagte lächelnd: „Glaubst du, ich führe dich an der Nase herum? Nach dem, was ich gehört habe, sind bei uns wirklich noch zwei Stellen frei. Die eine ist die von Rote Jade [35], die Zweite gnädige Frau hat sie angefordert, aber noch keinen Ersatz geschickt. Die andere ist die von Pendant [36] – auch die ist noch nicht nachbesetzt. Wenn du jetzt eine davon bekommst, ist das keine Übertreibung. Aber Friedchen sagt immer wieder zu Dufthauch: Bei allem, was Personal und Geld betrifft, sei es besser, so lange wie möglich zu warten. Fräulein Erkundefrühling ist darauf aus, ein Exempel zu statuieren. Selbst Angelegenheiten aus ihren eigenen Räumen hat sie zwei- oder dreimal abgelehnt, und jetzt wartet sie nur darauf, dass bei uns etwas beantragt wird.

Warum also ins offene Messer laufen? Wenn wir jetzt etwas vorbringen und es wird abgelehnt, dann ist es für alle Zeiten vorbei und lässt sich nicht mehr rückgängig machen. Besser, wir warten, bis sich die Wogen geglättet haben und die Herzoginmutter[37] und die gnädige Frau wieder Muße haben. Wenn wir zuerst mit den Älteren sprechen, wird uns auch die größte Bitte nicht abgeschlagen."

Fünfchen erwiderte: „Du hast ja recht, aber ich bin ungeduldig und kann nicht warten. Wenn ich jetzt eine Stelle bekomme, dann habe ich erstens meiner Mutter einen Gefallen getan, damit sie mich nicht umsonst großgezogen hat; zweitens bekommen wir das Monatsgeld, und zu Hause wird es ein wenig leichter; drittens würde mir ein Stein vom Herzen fallen, und vielleicht würde dann auch meine Krankheit besser – wir könnten uns wenigstens den Arzt und die Medizin sparen."

Duftlein sagte: „Das weiß ich ja alles. Sei ganz beruhigt." Damit verabschiedeten sie sich, und Duftlein ging ihres Weges.

Allein von Fünfchen sei erzählt, die zu ihrer Mutter zurückkehrte und ihr für Duftleins Güte dankte. Die Mutter sagte: „Dass wir so etwas Kostbares bekommen, hätte ich nie gedacht! Freilich, trinkt man zu viel davon, erzeugt es innere Hitze. Am besten gießen wir etwas davon ab und schenken es jemandem – das wäre ein schöner Freundschaftsbeweis."

„Wem denn?" fragte Fünfchen.

„Deinem Vetter, dem Sohn deines Onkels", antwortete die Mutter. „Er hat seit gestern Fieber und sehnt sich nach so etwas. Ich gieße ihm ein halbes Schälchen ab und bringe es ihm hinüber."

Fünfchen schwieg eine Weile, sah dann zu, wie ihre Mutter ein halbes Schälchen füllte und die Flasche mit dem Rest in den Küchenschrank stellte. Dann sagte sie mit kühlem Lächeln: „Wenn du mich fragst, solltest du ihm lieber nichts davon geben. Wenn jemand anfängt nachzuforschen, gibt das nur neuen Ärger."

Die Mutter erwiderte: „So ängstlich darf man nicht sein! Wir schuften hier drinnen hart genug – wenn dabei ein wenig für uns abfällt, ist das nur recht und billig. Es ist ja nicht gestohlen!" Damit ging sie hinaus und begab sich geradewegs zum Haus ihres älteren Bruders.

Der Neffe lag noch immer zu Bett. Als er und seine Eltern sahen, was Frau Liu brachte, freuten sie sich sehr. Sie schöpften frisches Brunnenwasser, mischten den Nektar hinein, und der Kranke trank eine Schale davon. Sogleich wurde ihm leichter ums Herz, und seine Gedanken und Blicke waren wieder klar. Das Schälchen mit dem übrigen Nektar wurde mit Papier zugedeckt und auf den Tisch gestellt.

Der Zufall wollte es, dass einige Dienstjungen des Hauses, die mit dem Neffen befreundet waren, auf einen Krankenbesuch kamen. Unter ihnen befand sich ein gewisser Qian Huai, ein Neffe mütterlicherseits von Nebenfrau Zhao. Seine Eltern verwalteten die Rechnungsbücher in den Speichern; er selbst war als Begleiter Kaufmann Drittem beim Schulbesuch zugeteilt. Da die Familie über einiges Geld und Ansehen verfügte und er noch nicht verheiratet war, hatte er ein Auge auf die hübsche Fünfchen geworfen und seinen Eltern erklärt, er wolle sie zur Frau nehmen. Mehrfach waren Vermittler deswegen hin und her gelaufen.

Das Ehepaar Liu hätte zwar gern zugestimmt, doch Fünfchen selbst war entschieden dagegen. Sie sagte es zwar nie offen, doch ihr ganzes Verhalten sprach deutlich genug, sodass ihre Eltern keine Zusage zu geben wagten. Seit Fünfchen nun hoffte, in den Garten aufgenommen zu werden, hatten sie den Ehep erst recht fallengelassen und wollten warten, bis Fünfchen in drei bis fünf Jahren freigelassen würde, um ihr dann außerhalb des Anwesens einen Bräutigam zu suchen.

Auch die Qians hatten die Sache ruhen lassen, als sie die Haltung der Lius sahen. Nur Qian Huai konnte es nicht verwinden, dass Fünfchen ihm verweigert wurde, und hatte sich in den Kopf gesetzt, sie um jeden Preis zur Frau zu bekommen. Heute war er mit den anderen gekommen, um Frau Lius Neffen zu besuchen, und hatte nicht erwartet, Frau Liu dort anzutreffen.

Als Frau Liu plötzlich die Gruppe junger Männer kommen sah und Qian Huai darunter erkannte, sagte sie hastig, sie habe keine Zeit, stand auf und wollte gehen.

Bruder und Schwägerin riefen ihr nach: „Du gehst schon, ohne Tee getrunken zu haben? Es war lieb, dass du an uns gedacht hast!"

Frau Liu erwiderte lächelnd: „Ich fürchte, drinnen wird bald aufgetragen. Wenn ich wieder Zeit habe, komme ich noch einmal nach dem Jungen sehen." Da nahm die Schwägerin ein kleines Päckchen aus einer Schublade, begleitete Frau Liu hinaus und steckte es ihr in einer Mauerecke mit den Worten zu:

„Dein Bruder hatte am Tor Dienst, aber diese fünf Tage waren trostlos öde – keine einzige Nebeneinnahme fiel ab. Nur gestern kam ein Beamter aus Guangdong zum Antrittsbesuch und brachte der Herrschaft als Geschenk zwei kleine Körbe voll Porlingsschnee mit [38]. Außerdem gab er den Torwächtern ein Körbchen als Torgeschenk, und davon hat dein Bruder dieses Päckchen bekommen.

In jener Gegend wachsen uralte Kiefern und Lebensbäume ohne Zahl; man gewinnt dort den Extrakt des Porlingpilzes und verarbeitet ihn mit Arzneien zu diesem herrlich weißen Schnee. Am besten mischt man ihn mit Muttermilch und trinkt jeden Morgen nach dem Aufstehen eine Schale – das ist ein wunderbares Stärkungsmittel. Sonst kann man auch Kuhmilch nehmen, und notfalls tut es kochendes Wasser. Wir haben uns gedacht, das müsste gerade das Richtige für Fünfchen sein. Heute Vormittag habe ich schon ein kleines Mädchen zu euch geschickt, aber sie sagte, eure Tür sei verschlossen und Fünfchen mit dir in den Garten gegangen.

Eigentlich wollte ich es ihr persönlich bringen, aber dann dachte ich: Die Herrschaft ist nicht zu Hause, überall wird streng kontrolliert, und ich habe keinen dienstlichen Vorwand. Außerdem hört man seit zwei Tagen, drinnen gehe es drunter und drüber – wenn ich da hineingeraten wäre, hätte es böse Folgen haben können. Darum ist es gut, dass du selbst gekommen bist. Nimm es gleich mit."

Frau Liu bedankte sich herzlich, verabschiedete sich und ging. Gerade als sie das Seitentor erreichte, kam ihr ein kleiner Dienstjunge entgegen und sagte lächelnd: „Da seid Ihr ja endlich! Von drinnen hat man schon zwei-, dreimal nach Euch geschickt; drei oder vier von uns sind noch unterwegs, um Euch zu suchen. Aber wo kommt Ihr denn her? Der Weg hier führt doch gar nicht zu Eurem Zuhause – da kommen mir ja Zweifel!"

Frau Liu schimpfte lachend: „Du kleines Äffchen …"

Wer wissen will, wie es weiterging, muss das nächste Kapitel lesen.

  1. Chin. 茉莉粉 mòlì fěn — ein kosmetisches Puder aus Jasminblütenessenz.
  2. Chin. 玫瑰露 méiguī lù — Rosenblütendestillat, ein kostbares Getränk und Heilmittel.
  3. Chin. 茯苓霜 fúlíng shuāng — ein kostbares Stärkungsmittel aus dem Porling-Pilz (Poria cocos).
  4. Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.
  5. Chin. 平儿 Píng'ér — Phönixglanz' treue Kammerzofe.
  6. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.
  7. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.
  8. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine.
  9. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.
  10. Chin. 芳官 Fāngguān — eine der Schauspielerinnen.
  11. Chin. 贾环 Jiǎ Huán — Schatzjades jüngerer Halbbruder, Nebenfrau Zhaos Sohn.
  12. Chin. 贾环 Unheil Kaufmann, Schatzjades jüngerer Halbbruder.
  13. Chin. 贾琮 Jia Cong.
  14. Chin. 麝月 Shèyuè — eine von Schatzjades Zofen.
  15. Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng — Schatzjades strenger Vater, derzeit auf Dienstreise.
  16. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.
  17. Chin. 彩云 Cǎiyún — Dienstmädchen bei Dame König.
  18. Chin. 彩云 Caiyun, Dienstmädchen bei Dame König.
  19. Chin. 赵姨娘 Zhào Yíniáng — Aufrecht Kaufmanns Nebenfrau, Mutter von Erkundefrühling und Unheil Kaufmann.
  20. Erkundefrühling.
  21. Chin. 夏婆子 Xià Pózǐ — eine Dienstfrau, Verbündete der Nebenfrau Zhao.
  22. Redewendung für: jemanden nach seinem Stand unterschiedlich behandeln..
  23. Chin. Sprichwörtliche Redensart die darauf anspielt, dass auch Nebenfrau Zhao ursprünglich eine Sklavin war..
  24. Chin. 晴雯 Qíngwén — eine von Schatzjades Zofen.
  25. Chin. 葵官 Kuiguan.
  26. Chin. 豆官 Douguan.
  27. Chin. 宝琴 Kostbarzither Schnee.
  28. Chin. 探春 Tànchūn — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns, führt derzeit den Haushalt.
  29. Chin. 艾官 Aiguan, Erkundefrühling zugeteilt.
  30. Chin. 蝉姐儿 Chanjie'er.
  31. Chin. 翠墨 Cuimo, Erkundefrühlings Dienstmädchen.
  32. Chin. 紫鹃 Zǐjuān — Kajaljades treue Kammerzofe.
  33. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng — die treue Kammerzofe der Herzoginmutter.
  34. Chin. 五儿 Wu'er, auch: Liu Wu'er.
  35. Chin. 红玉 Hongyü, die von Phönixglanz abgeworben wurde.
  36. Chin. 坠儿 Zhui'er, die wegen Diebstahls entlassen wurde.
  37. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.
  38. Chin. 茯苓霜 Fuling-Shuang, ein pulverisiertes Mittel aus dem Porling-Pilz, der auf den Wurzeln alter Kiefern wächst – ein kostbares Stärkungsmittel der traditionellen chinesischen Medizin.