Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 82"
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Wie berichtet, kam Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> aus der Schule zurück und suchte die Alte Ahnin auf. Die Alte Ahnin lachte und sagte: „Gut so, nun ist das wilde Pferd gezäumt! Geh, besuche deinen Vater, und dann kannst du dich ein wenig zerstreuen." Schatzjade gehorchte und ging zu Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref>. Aufrecht Kaufmann fragte: „Schon so früh aus der Schule? Hat der Lehrer dir einen Stundenplan festgelegt?" Schatzjade antwortete: „Ja: Am Morgen die Bücher ordnen, nach dem Essen Schönschrift üben, am Mittag Texte erläutern und Musteraufsätze lesen." Aufrecht Kaufmann nickte und sprach: „Geh nun, setz dich noch eine Weile zur Alten Ahnin. Du solltest auch etwas über die Pflichten des Lebens lernen und nicht nur dem Vergnügen nachjagen. Schlaf abends früh, steh jeden Morgen zeitig auf für die Schule. Hast du verstanden?" | Wie berichtet, kam Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> aus der Schule zurück und suchte die Alte Ahnin auf. Die Alte Ahnin lachte und sagte: „Gut so, nun ist das wilde Pferd gezäumt! Geh, besuche deinen Vater, und dann kannst du dich ein wenig zerstreuen." Schatzjade gehorchte und ging zu Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".</ref>. Aufrecht Kaufmann fragte: „Schon so früh aus der Schule? Hat der Lehrer dir einen Stundenplan festgelegt?" Schatzjade antwortete: „Ja: Am Morgen die Bücher ordnen, nach dem Essen Schönschrift üben, am Mittag Texte erläutern und Musteraufsätze lesen." Aufrecht Kaufmann nickte und sprach: „Geh nun, setz dich noch eine Weile zur Alten Ahnin. Du solltest auch etwas über die Pflichten des Lebens lernen und nicht nur dem Vergnügen nachjagen. Schlaf abends früh, steh jeden Morgen zeitig auf für die Schule. Hast du verstanden?" | ||
| − | Schatzjade beeilte sich, mehrmals „Ja" zu sagen, zog sich zurück, eilte noch schnell zu | + | Schatzjade beeilte sich, mehrmals „Ja" zu sagen, zog sich zurück, eilte noch schnell zu Frau König hinüber und schaute auch bei der Alten Ahnin vorbei. Dann drängte es ihn hinaus; am liebsten wäre er mit einem einzigen Schritt im Xiaoxiang-Pavillon<ref>Xiaoxiang-Pavillon (潇湘馆): Kajaljades Wohnsitz im Garten der Großen Anschauung, benannt nach dem Xiang-Fluss in Hunan.</ref> gewesen. Kaum an der Tür angekommen, klatschte er in die Hände und rief lachend: „Da bin ich wieder!" Was Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> so erschreckte, dass sie zusammenfuhr. Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".</ref> hob den Vorhang, und Schatzjade trat ein und setzte sich. |
Kajaljade sagte: „Ich hörte undeutlich, dass du zum Unterricht gegangen bist — und bist schon wieder zurück?" Schatzjade rief: „Ach du meine Güte! Wurde ich nicht von Vater zum Lernen gerufen? Mir war, als würde ich euch nie wiedersehen. Mühsam habe ich einen ganzen Tag durchgestanden, und nun, da ich euch wiedersehe, ist es, als wäre ich von den Toten auferstanden. Wie wahr ist doch das alte Wort: ‚Ein Tag gleicht drei Herbsten' — das stimmt vollkommen." Kajaljade fragte: „Warst du schon oben?" Schatzjade antwortete: „Überall war ich schon." Kajaljade fragte: „Und anderswo?" Schatzjade: „Nein." Kajaljade sagte: „Du solltest auch die anderen besuchen." Schatzjade entgegnete: „Ich bin zu träge, mich jetzt noch zu bewegen. Ich möchte nur hier bei Schwester sitzen und ein Weilchen plaudern. Vater verlangt, dass ich früh schlafe und früh aufstehe — die anderen besuche ich morgen." Kajaljade sagte: „Sitz noch ein wenig, dann solltest du dich aber ausruhen." Schatzjade erwiderte: „Ich bin doch gar nicht müde, nur gelangweilt bis zum Ersticken. Gerade jetzt, wo wir zusammensitzen und die Langeweile sich zerstreut hat, treibst du mich schon fort." Kajaljade lächelte leicht und rief Purpurkuckuck zu: „Brüh dem Zweiten Herrn eine Schale meines Longjing-Tees auf. Der Zweite Herr studiert jetzt, das ist nicht mehr wie früher." Purpurkuckuck antwortete lachend, holte die Teeblätter und wies eine kleine Magd an, den Tee aufzubrühen. | Kajaljade sagte: „Ich hörte undeutlich, dass du zum Unterricht gegangen bist — und bist schon wieder zurück?" Schatzjade rief: „Ach du meine Güte! Wurde ich nicht von Vater zum Lernen gerufen? Mir war, als würde ich euch nie wiedersehen. Mühsam habe ich einen ganzen Tag durchgestanden, und nun, da ich euch wiedersehe, ist es, als wäre ich von den Toten auferstanden. Wie wahr ist doch das alte Wort: ‚Ein Tag gleicht drei Herbsten' — das stimmt vollkommen." Kajaljade fragte: „Warst du schon oben?" Schatzjade antwortete: „Überall war ich schon." Kajaljade fragte: „Und anderswo?" Schatzjade: „Nein." Kajaljade sagte: „Du solltest auch die anderen besuchen." Schatzjade entgegnete: „Ich bin zu träge, mich jetzt noch zu bewegen. Ich möchte nur hier bei Schwester sitzen und ein Weilchen plaudern. Vater verlangt, dass ich früh schlafe und früh aufstehe — die anderen besuche ich morgen." Kajaljade sagte: „Sitz noch ein wenig, dann solltest du dich aber ausruhen." Schatzjade erwiderte: „Ich bin doch gar nicht müde, nur gelangweilt bis zum Ersticken. Gerade jetzt, wo wir zusammensitzen und die Langeweile sich zerstreut hat, treibst du mich schon fort." Kajaljade lächelte leicht und rief Purpurkuckuck zu: „Brüh dem Zweiten Herrn eine Schale meines Longjing-Tees auf. Der Zweite Herr studiert jetzt, das ist nicht mehr wie früher." Purpurkuckuck antwortete lachend, holte die Teeblätter und wies eine kleine Magd an, den Tee aufzubrühen. | ||
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Dairu sagte: „Das ist auch noch annehmbar. Aber ich habe eine Frage an dich: Du verstehst die Worte des Heiligen — warum leidest du selbst gerade an diesen beiden Gebrechen? Obgleich ich nicht in eurem Haus wohne und dein Vater mir nichts davon erzählt hat, kenne ich doch alle deine Schwächen genau. Als Mensch — wie kann man nicht nach Fortschritt streben? Du bist jetzt gerade im Alter, da ‚die junge Generation zu fürchten' ist: Ob du ‚einen Ruf erlangst' oder ‚nicht mehr zu fürchten bist', liegt ganz in deiner eigenen Hand. Ich gebe dir jetzt einen Monat, um alle alten Texte vollständig aufzuarbeiten; dann noch einen Monat für die Aufsätze. Danach werde ich dir Themen stellen und Aufsätze von dir verlangen. Wehe, du wirst nachlässig — das werde ich keinesfalls dulden! Wie das alte Sprichwort sagt: ‚Wer etwas werden will, hat keine Ruhe; wer Ruhe will, wird nichts.' Merke dir meine Worte gut." Schatzjade sagte ja und musste sich fügen, Tag für Tag seinen Aufgaben nachzugehen. Davon sei nicht weiter berichtet. | Dairu sagte: „Das ist auch noch annehmbar. Aber ich habe eine Frage an dich: Du verstehst die Worte des Heiligen — warum leidest du selbst gerade an diesen beiden Gebrechen? Obgleich ich nicht in eurem Haus wohne und dein Vater mir nichts davon erzählt hat, kenne ich doch alle deine Schwächen genau. Als Mensch — wie kann man nicht nach Fortschritt streben? Du bist jetzt gerade im Alter, da ‚die junge Generation zu fürchten' ist: Ob du ‚einen Ruf erlangst' oder ‚nicht mehr zu fürchten bist', liegt ganz in deiner eigenen Hand. Ich gebe dir jetzt einen Monat, um alle alten Texte vollständig aufzuarbeiten; dann noch einen Monat für die Aufsätze. Danach werde ich dir Themen stellen und Aufsätze von dir verlangen. Wehe, du wirst nachlässig — das werde ich keinesfalls dulden! Wie das alte Sprichwort sagt: ‚Wer etwas werden will, hat keine Ruhe; wer Ruhe will, wird nichts.' Merke dir meine Worte gut." Schatzjade sagte ja und musste sich fügen, Tag für Tag seinen Aufgaben nachzugehen. Davon sei nicht weiter berichtet. | ||
| − | Nun war es so, dass nach Schatzjades Eintritt in die Schule der Hof der Roten Freude sich überaus ruhig und still anfühlte. Dufthauch konnte endlich einige Handarbeiten erledigen. Sie nahm Nadel und Faden zur Hand, um eine Betelnussbeutel-Stickerei anzufertigen, und dachte: „Jetzt, da Schatzjade seinen Lehrplan hat, haben die Mägde auch Ruhe. Hätte es so von Anfang an sein sollen, wäre Heitermuster nicht zu einem so kläglichen Ende gekommen." Wie der Hase stirbt und der Fuchs trauert, seufzte sie unwillkürlich. Dann dachte sie plötzlich an ihr eigenes Schicksal: „Ich bin ja nicht Schatzjades Hauptfrau, sondern nur eine Nebenfrau. Schatzjades Charakter kann man zwar vertrauen, aber wenn er einmal eine strenge Gattin bekommt, werde ich vielleicht ein zweites Schicksal wie Zweitschwester Sonders oder Duftkastanie erleiden. Nach allem, was die Alte Ahnin und | + | Nun war es so, dass nach Schatzjades Eintritt in die Schule der Hof der Roten Freude sich überaus ruhig und still anfühlte. Dufthauch konnte endlich einige Handarbeiten erledigen. Sie nahm Nadel und Faden zur Hand, um eine Betelnussbeutel-Stickerei anzufertigen, und dachte: „Jetzt, da Schatzjade seinen Lehrplan hat, haben die Mägde auch Ruhe. Hätte es so von Anfang an sein sollen, wäre Heitermuster nicht zu einem so kläglichen Ende gekommen." Wie der Hase stirbt und der Fuchs trauert, seufzte sie unwillkürlich. Dann dachte sie plötzlich an ihr eigenes Schicksal: „Ich bin ja nicht Schatzjades Hauptfrau, sondern nur eine Nebenfrau. Schatzjades Charakter kann man zwar vertrauen, aber wenn er einmal eine strenge Gattin bekommt, werde ich vielleicht ein zweites Schicksal wie Zweitschwester Sonders oder Duftkastanie erleiden. Nach allem, was die Alte Ahnin und Frau König durchblicken lassen und was Phönixglanz immer wieder andeutet, wird es zweifellos Kajaljade sein. Und Kajaljade ist nun einmal ein überaus empfindlicher Mensch." Bei diesem Gedanken wurde ihr Gesicht heiß und ihr Herz klopfte; die Nadel stach irgendwohin. Sie legte die Handarbeit beiseite und ging zu Kajaljade hinüber, um ihre Stimmung auszuloten. |
Kajaljade saß gerade da und las. Als sie Dufthauch sah, erhob sie sich leicht und bat sie, Platz zu nehmen. Dufthauch kam ebenfalls eilig entgegen und fragte: „Geht es dem Fräulein in den letzten Tagen viel besser?" Kajaljade erwiderte: „Wie könnte das sein? Nur ein wenig kräftiger bin ich. Was machst du zu Hause?" Dufthauch sagte: „Seit der Zweite Herr in der Schule ist, gibt es im Hause nicht das Geringste zu tun, und so bin ich gekommen, um nach dem Fräulein zu sehen und ein wenig zu plaudern." | Kajaljade saß gerade da und las. Als sie Dufthauch sah, erhob sie sich leicht und bat sie, Platz zu nehmen. Dufthauch kam ebenfalls eilig entgegen und fragte: „Geht es dem Fräulein in den letzten Tagen viel besser?" Kajaljade erwiderte: „Wie könnte das sein? Nur ein wenig kräftiger bin ich. Was machst du zu Hause?" Dufthauch sagte: „Seit der Zweite Herr in der Schule ist, gibt es im Hause nicht das Geringste zu tun, und so bin ich gekommen, um nach dem Fräulein zu sehen und ein wenig zu plaudern." | ||
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Ohne es zu merken, sah sie ein kleines Mädchen kommen, das sagte: „Draußen ist der alte Herr Jia, Regendorf — er bittet das Fräulein um eine Audienz." Kajaljade sagte: „Obwohl ich bei ihm Unterricht hatte, bin ich doch nicht wie ein männlicher Schüler — warum sollte er mich sehen wollen? Zudem hat er bei seinen Besuchen beim Onkel mich nie erwähnt, ich muss ihn also nicht empfangen." Sie wies das Mädchen an: „Sage ihm, ich sei krank und könne nicht herauskommen. Er möge mir seinen Gruß bestellen." Das Mädchen sagte: „Aber er will dem Fräulein gratulieren — aus Nanjing sind Leute gekommen, um Euch abzuholen." | Ohne es zu merken, sah sie ein kleines Mädchen kommen, das sagte: „Draußen ist der alte Herr Jia, Regendorf — er bittet das Fräulein um eine Audienz." Kajaljade sagte: „Obwohl ich bei ihm Unterricht hatte, bin ich doch nicht wie ein männlicher Schüler — warum sollte er mich sehen wollen? Zudem hat er bei seinen Besuchen beim Onkel mich nie erwähnt, ich muss ihn also nicht empfangen." Sie wies das Mädchen an: „Sage ihm, ich sei krank und könne nicht herauskommen. Er möge mir seinen Gruß bestellen." Das Mädchen sagte: „Aber er will dem Fräulein gratulieren — aus Nanjing sind Leute gekommen, um Euch abzuholen." | ||
| − | Da kamen auch noch Phönixglanz zusammen mit | + | Da kamen auch noch Phönixglanz zusammen mit Frau Strafe, Frau König und Schatzspange und sagten lachend: „Wir kommen zum einen, um zu gratulieren, zum anderen, um Abschied zu nehmen." Kajaljade erschrak: „Was redet ihr?" Phönixglanz sagte: „Tu nicht so ahnungslos! Weißt du denn nicht, dass der Herr Lin zum Getreide-Intendanten von Hubei befördert wurde und eine Stiefmutter geheiratet hat, die ihm sehr nach dem Herzen ist? Nun meint man, dass es nicht angehe, dich hier sitzen zu lassen. Man hat Regendorf Kaufmann als Heiratsvermittler gebeten, der dich irgendeinem Verwandten deiner Stiefmutter versprochen hat — es heißt, es sei eine Zweitehe. Deshalb schickt man Leute, um dich nach Hause zu holen. Sobald du ankommst, wird die Hochzeit stattfinden. Alles bestimmt deine Stiefmutter. Weil man befürchtet, dass du auf dem Weg nicht versorgt bist, soll dein Cousin Lian dich begleiten." Kajaljade brach der kalte Schweiß aus. Gleichzeitig schien es ihr undeutlich, als sei ihr Vater wirklich dort im Amt. Ihr Herz drängte; sie beharrte: „Das stimmt nicht, Schwester Phönix treibt ihren Scherz!" Da zwinkerte Frau Strafe Frau König zu: „Sie glaubt es noch nicht! Kommt, gehen wir." Kajaljade sagte mit Tränen: „Bitte bleibt doch einen Moment." Niemand antwortete; alle gingen mit kaltem Lächeln fort. |
Kajaljades Herz brannte vor Angst, doch sie konnte kein Wort hervorbringen. Schluchzend und würgend schien sie plötzlich wieder bei der Alten Ahnin zu sein. Sie dachte: „Wenn es überhaupt Rettung gibt, dann nur durch die Alte Ahnin." Sie kniete nieder, umklammerte die Beine der Alten Ahnin und flehte: „Alte Ahnin, rette mich! In den Süden gehe ich um keinen Preis — und mit einer Stiefmutter, die nicht meine leibliche Mutter ist! Ich will bei der Alten Ahnin bleiben." Doch die Alte Ahnin blickte sie starr an und sagte lächelnd: „Das geht mich nichts an." Kajaljade weinte: „Alte Ahnin, was soll das nur?" Die Alte Ahnin sagte: „Eine Zweitehe ist doch auch nicht schlecht — da bekommst du noch eine Mitgift dazu." Kajaljade schluchzte: „Ich werde der Alten Ahnin keinen unnötigen Groschen kosten, ich bitte nur, dass die Alte Ahnin mich rettet!" Die Alte Ahnin sagte: „Es nützt nichts mehr. Als Frau musst du irgendwann heiraten. Du als Kind verstehst das nicht — hier zu bleiben ist auf Dauer keine Lösung." Kajaljade schluchzte: „Ich will hier bleiben, und sei es als Magd, die sich selbst versorgt und ihr eigenes Brot verdient — wenn nur die Alte Ahnin entscheidet!" Die Alte Ahnin schwieg beharrlich. Kajaljade umklammerte sie weinend: „Alte Ahnin, Ihr wart immer die Gütigste und habt mich am meisten geliebt — warum kümmert Ihr Euch in der Not gar nicht? Sagt nicht, ich sei nur Eure Enkelin mütterlicherseits und stünde Euch ferner — meine Mutter war Eure leibliche Tochter! Um meiner Mutter willen solltet Ihr mich doch beschützen." Sie warf sich weinend in deren Arme. Doch die Alte Ahnin sagte: „Mandarinenente, bring das Fräulein hinaus, damit sie sich ausruht — sie hat mich ganz erschöpft." | Kajaljades Herz brannte vor Angst, doch sie konnte kein Wort hervorbringen. Schluchzend und würgend schien sie plötzlich wieder bei der Alten Ahnin zu sein. Sie dachte: „Wenn es überhaupt Rettung gibt, dann nur durch die Alte Ahnin." Sie kniete nieder, umklammerte die Beine der Alten Ahnin und flehte: „Alte Ahnin, rette mich! In den Süden gehe ich um keinen Preis — und mit einer Stiefmutter, die nicht meine leibliche Mutter ist! Ich will bei der Alten Ahnin bleiben." Doch die Alte Ahnin blickte sie starr an und sagte lächelnd: „Das geht mich nichts an." Kajaljade weinte: „Alte Ahnin, was soll das nur?" Die Alte Ahnin sagte: „Eine Zweitehe ist doch auch nicht schlecht — da bekommst du noch eine Mitgift dazu." Kajaljade schluchzte: „Ich werde der Alten Ahnin keinen unnötigen Groschen kosten, ich bitte nur, dass die Alte Ahnin mich rettet!" Die Alte Ahnin sagte: „Es nützt nichts mehr. Als Frau musst du irgendwann heiraten. Du als Kind verstehst das nicht — hier zu bleiben ist auf Dauer keine Lösung." Kajaljade schluchzte: „Ich will hier bleiben, und sei es als Magd, die sich selbst versorgt und ihr eigenes Brot verdient — wenn nur die Alte Ahnin entscheidet!" Die Alte Ahnin schwieg beharrlich. Kajaljade umklammerte sie weinend: „Alte Ahnin, Ihr wart immer die Gütigste und habt mich am meisten geliebt — warum kümmert Ihr Euch in der Not gar nicht? Sagt nicht, ich sei nur Eure Enkelin mütterlicherseits und stünde Euch ferner — meine Mutter war Eure leibliche Tochter! Um meiner Mutter willen solltet Ihr mich doch beschützen." Sie warf sich weinend in deren Arme. Doch die Alte Ahnin sagte: „Mandarinenente, bring das Fräulein hinaus, damit sie sich ausruht — sie hat mich ganz erschöpft." | ||
Latest revision as of 19:36, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第八十二回 老学究讲义警顽心 病潇湘痴魂惊恶梦 话说宝玉下学回来,见了贾母。贾母笑道:“好了,如今野马上了笼头了。去罢,见见你老爷,回来散散儿去罢。”宝玉答应着,去见贾政。贾政道:“这早晚就下了学了么?师父给你定了功课没有?”宝玉道:“定了:早起理书,饭后写字,晌午讲书、念文章。”贾政听了,点点头儿,因道:“去罢,还到老太太那边陪着坐坐去。你也该学些人功道理,别一味的贪玩。晚上早些睡,天天上学,早些起来。你听见了?” 宝玉连忙答应几个“是”,退出来,忙忙又去见王夫人,又到贾母那边打了个照面儿。赶着出来,恨不得一步就走到潇湘馆才好。刚进门口,便拍着手笑道:“我依旧回来了。”猛可里倒唬了黛玉一跳。紫鹃打起帘子,宝玉进来坐下。 黛玉道:“我恍惚听见你念书去了,这么早就回来了?”宝玉道:“嗳呀!了不得。我今儿不是被老爷叫了念书去了么?心上倒像没有和你们见面的日子了。好容易熬了一天,这会子瞧见你们,竟如死而复生的一样。真真古人说‘一日三秋’,这话再不错的。”黛玉道:“你上头去过了没有?”宝玉道:“都去过了。”黛玉道:“别处呢?”宝玉道:“没有。”黛玉道:“你也该瞧瞧他们去。”宝玉道:“我这会子懒怠动了,只和妹妹坐着说一会子话儿罢。老爷还叫早睡早起,只好明儿再瞧他们去了。”黛玉道:“你坐坐儿,可是正该歇歇儿去了。”宝玉道:“我那里是乏?只是闷得慌。这会子咱们坐着,才把闷散了,你又催起我来。”黛玉微微的一笑,因叫紫鹃:“把我的龙井茶给二爷沏一碗。二爷如今念书了,比不得头里。”紫鹃笑着答应,去拿茶叶,叫小丫头子沏茶。 宝玉接着说道:“还提什么念书,我最厌这些道学话。更可笑的是八股文章,拿他诓功名混饭吃也罢了,还要说代圣贤立言。好些的,不过拿些经书凑搭凑搭还罢了;更有一种可笑的,肚子里原没有什么,东拉西扯,弄的牛鬼蛇神,还自以为博奥。这那里是阐发圣贤的道理?目下老爷口口声声叫我学这个,我又不敢违拗,你这会子还提念书呢!”黛玉道:“我们女孩儿家虽然不要这个,但小时跟着你们雨村先生念书,也曾看过。内中也有近情近理的,也有清微淡远的。那时候虽不大懂,也觉得好,不可一概抹倒。况且你要取功名,这个也清贵些。”宝玉听到这里,觉得不甚入耳,因想:“黛玉从来不是这样人,怎么也这样势欲熏心起来?”又不敢在他跟前驳回,只在鼻子眼里笑了一声。 正说着,忽听外面两个人说话,却是秋纹和紫鹃。只听秋纹说:“袭人姐姐叫我老太太那里接去,谁知却在这里。”紫鹃道:“我们这里才沏了茶,索性让他喝了再去。”说着,二人一齐进来。宝玉和秋纹笑道:“我就过去,又劳动你来找。”秋纹未及答言,只见紫鹃道:“你快喝了茶去罢,人家都想了一天了。”秋纹啐道:“呸!好混账丫头!”说的大家都笑了。宝玉起身,才辞了出来。黛玉送到屋门口儿,紫鹃在台阶下站着,宝玉出去,才回房里来。 却说宝玉回到怡红院中,进了屋子,只见袭人从里间迎出来,便问:“回来了么?”秋纹应道:“二爷早来了,在林姑娘那边来着。”宝玉道:“今日有事没有?”袭人道:“事却没有。方才太太叫鸳鸯姐姐来吩咐我们:如今老爷发狠叫你念书,如有丫鬟们再敢和你玩笑,都要照着晴雯、司棋的例办。我想伏侍你一场,赚了这些言语,也没什么趣儿。”说着,便伤起心来。宝玉忙道:“好姐姐,你放心,我只好生念书,太太再不说你们了。我今儿晚上还要看书,明日师父叫我讲书呢。我要使唤,横竖有麝月、秋纹呢,你歇歇去罢。”袭人道:“你要真肯念书,我们伏侍你也是欢喜的。” 宝玉听了,赶忙的吃了晚饭,就叫点灯,把念过的《四书》翻出来。只是从何处看起?翻了一本看去,章章里头,似乎明白;细按起来,却不很明白。看着小注,又看讲章。闹到起更以后了,自己想道:“我在诗词上觉得很容易,在这个上头竟没头脑。”便坐着呆呆的呆想。袭人道:“歇歇罢,做工夫也不在这一时的。”宝玉嘴里只管胡乱答应。 麝月、袭人才伏侍他睡下,两个才也睡了。及至睡醒一觉,听得宝玉炕上还是翻来覆去。袭人道:“你还醒着呢么?你倒别混想了,养养神,明儿好念书。”宝玉道:“我也是这样想,只是睡不着。你来给我揭去一层被。”袭人道:“天气不热,别揭罢。”宝玉道:“我心里烦躁的很。”自把被窝褪下来。袭人忙爬起来按住,把手去他头上一摸,觉得微微有些发烧。袭人道:“你别动了,有些发烧了。”宝玉道:“可不是。”袭人道:“这是怎么说呢!”宝玉道:“不怕,是我心烦的原故。你别吵嚷,省得老爷知道了,必说我装病逃学,不然怎么病的这么巧?明儿好了,原到学里去,就完事了。”袭人也觉得可怜,说道:“我靠着你睡罢。”便和宝玉捶了一会脊梁,不知不觉,大家都睡着了。 直到红日高升,方才起来。宝玉道:“不好了,晚了!”急忙梳洗毕,问了安,就往学里来了。代儒已经变着脸说:“怪不得你老爷生气,说你没出息!第二天你就懒惰,这是什么时候才来?”宝玉把昨儿发烧的话说了一遍,方过去了,原旧念书。 到了下晚,代儒道:“宝玉,有一章书,你来讲讲。”宝玉过来一看,却是“后生可畏”章。宝玉心上说:“这还好,幸亏不是《学》、《庸》。”问道:“怎么讲呢?”代儒道:“你把节旨、句子,细细儿讲来。”宝玉把这章先朗朗的念了一遍,说:“这章书是圣人勉励后生,教他及时努力,不要弄到……”说到这里,抬头向代儒一看。代儒觉得了,笑了一笑道: “你只管说,讲书是没有什么避忌的。《礼记》上说‘临文不讳’,只管说。‘不要弄到’什么?”宝玉道:“不要弄到老大无成。先将‘可畏’二字激发后生的志气,后把‘不足畏’三字警惕后生的将来。”说罢,看着代儒。代儒道:“也还罢了。串讲呢?”宝玉道:“圣人说:人生少时,心思才力,样样聪明能干,实在是可怕的。那里料的定他后来的日子,不像我的今日。若是悠悠忽忽,到了四十岁,又到五十岁,既不能够发达,这种人,虽是他后生时像个有用的,到了那个时候,这一辈子就没有人怕他了。”代儒笑道:“你方才节旨讲的倒清楚,只是句子里有些孩子气。‘无闻’二字,不是不能发达做官的话。‘闻’是实在自己能够明理见道,就不做官也是有闻了;不然,古圣贤有遁世不见知的,岂不是不做官的人?难道也是无闻么?‘不足畏’是使人料得定,方与‘焉知’的‘知’字对针,不是‘怕’的字眼。要从这里看出,方能入细。你懂得不懂得?”宝玉道:“懂得了。” 代儒道:“还有一章,你也讲一讲。”代儒往前揭了一篇,指给宝玉。宝玉看是“吾未见好德如好色者也”。宝玉觉得这一章却有些刺心,便陪笑道:“这句话没有什么讲头。”代儒道:“胡说!譬如场中出了这个题目,也说没有做头么?”宝玉不得已,讲道:“是圣人看见人不肯好德,见了色,便好的了不得。殊不想德是性中本有的东西,人偏都不肯好他。至于那个色呢,虽也是从先天中带来,无人不好的。但是德乃天理,色是人欲,人那里肯把天理好的像人欲似的?孔子虽是叹息的话,又是望人回转来的意思。并且见得人就有好德的,好的终是浮浅,直要像色一样的好起来,那才是真好呢。” 代儒道:“这也讲的罢了。我有句话问你:你既懂得圣人的话,为什么正犯着这两件病?我虽不在家中,你们老爷也不曾告诉我,其实你的毛病我却尽知的。做一个人,怎么不望长进?你这会儿正是‘后生可畏’的时候,‘有闻’、‘不足畏’,全在你自己做去了。我如今限你一个月,把念过的旧书全要理清;再念一个月文章。以后我要出题目叫你作文章了。如若懈怠,我是断乎不依的!自古道:‘成人不自在,自在不成人。’你好生记着我的话。”宝玉答应了,也只得天天按着功课干去,不提。 且说宝玉上学之后,怡红院中甚觉清净闲暇,袭人倒可做些活计,拿着针线,要绣个槟榔包儿,想:“这如今宝玉有了功课,丫头们可也没有饥荒了。早要如此,晴雯何至弄到没有结果?”兔死狐悲,不觉叹起气来。忽又想到自己终身:“本不是宝玉的正配,原是偏房。宝玉的为人却还拿得住,只怕娶了一个利害的,自己便是尤二姐、香菱的后身。素来看着贾母、王夫人光景,及凤姐儿往往露出话来,自然是黛玉无疑了。那黛玉就是个多心人。”想到此际,脸红心热,拿着针,不知戳到那里去了。便把活计放下,走到黛玉处,去探探他的口气。 黛玉正在那里看书,见是袭人,欠身让坐。袭人也连忙迎上来问:“姑娘这几天身子可大好了?”黛玉道:“那里能够?不过略硬朗些。你在家里做什么呢?”袭人道:“如今宝二爷上了学,屋里一点事儿没有,因此来瞧瞧姑娘,说说话儿。” 说着,紫鹃拿茶来。袭人忙站起来道:“妹妹坐着罢。”因又笑道:“我前儿听见秋纹说,妹妹背地里说我们什么来着。”紫鹃也笑道:“姐姐信他的话。我说宝二爷上了学,宝姑娘又隔断了,连香菱也不过来,自然是闷的。”袭人道:“你还提香菱呢,这才苦呢!撞着这位太岁奶奶,难为他怎么过?”把手伸着两个指头道:“说起来,比他还利害,连外头的脸面都不顾了。”黛玉接着道:“他也够受了,尤二姑娘怎么死了?”袭人道:“可不是。想来都是一个人,不过名分里头差些,何苦这样毒?外面名声也不好听。”黛玉从不闻袭人背地里说人,今听此话有因,心里一动,便说道:“这也难说。但凡家庭之事,不是东风压了西风,就是西风压了东风。”袭人道:“做了旁边人,心里先怯,那里倒敢欺负人呢?” 说着,只见一个婆子在院里问道:“这里是林姑娘的屋子么?那位姐姐在这里呢?”雪雁出来一看,模糊认的是薛姨妈那边的人,便问道:“作什么?”婆子道:“我们姑娘打发来给这里林姑娘送东西的。”雪雁道:“略等等儿。”雪雁进来回了黛玉,黛玉便叫领他进来。 那婆子进来请了安,且不说送什么,只是觑着眼瞧黛玉。看的黛玉脸上倒不好意思起来,因问道:“宝姑娘叫你来送什么?”婆子方笑着回道:“我们姑娘叫给姑娘送了一瓶儿蜜饯荔枝来。”回头又瞧见袭人,便问道:“这位姑娘,不是宝二爷屋里的花姑娘么?”袭人笑道:“妈妈怎么认的我?”婆子笑道:“我们只在太太屋里看屋子,不大跟太太、姑娘出门,所以姑娘们都不大认得。姑娘们碰着到我们那边去,我们都模糊记得。”说着,将一个瓶儿递给雪雁,又回头看看黛玉,因笑着向袭人说:“怨不得我们太太说,这林姑娘和你们宝二爷是一对儿,原来真是天仙似的。” 袭人见他说话造次,连忙岔道:“妈妈,你乏了,坐坐吃茶罢。”那婆子笑嘻嘻的道:“我们那里忙呢,都张罗琴姑娘的事呢。姑娘还有两瓶荔枝,叫给宝二爷送去。”说着,颤颤巍巍告辞出去。黛玉虽恼这婆子方才冒撞,但因是宝钗使来的,也不好怎么样他。等他出了屋门,才说一声道:“给你们姑娘道费心。”那老婆子还只管嘴里咕咕哝哝的说:“这样好模样儿,除了宝玉,什么人擎受的起?”黛玉只装没听见。袭人笑道:“怎么人到了老来,就是混说白道的?叫人听着又生气,又好笑。”一时雪雁拿过瓶子来给黛玉看,黛玉道:“我懒怠吃,拿了搁起去罢。”又说了一会话,袭人才去了。 一时晚妆将卸,黛玉进了套间,猛抬头看见了荔枝瓶,不禁想起日间老婆子的一番混话,甚是刺心。当此黄昏人静,千愁万绪,堆上心来。想起:“自己身子不牢,年纪又大了。看宝玉的光景,心里虽没别人,但是老太太、舅母又不见有半点意思。深恨父母在时,何不早定了这头婚姻?”又转念一想道:“倘若父母在时,别处定了婚姻,怎能够似宝玉这般人材心地?不如此时尚有可图。”心内一上一下,辗转缠绵,竟像辘轳一般。叹了一会气,掉了几点泪,无情无绪,和衣倒下。 不知不觉,只见小丫头走来说道:“外面雨村贾老爷请姑娘。”黛玉道:“我虽跟他读过书,却不比男学生,要见我做什么?况且他和舅舅往来,从未提起,我也不必见的。”因叫小丫头回复:“身上有病,不能出来,与我请安道谢就是了。”小丫头道:“只怕要与姑娘道喜,南京还有人来接。” 说着,又见凤姐同邢夫人、王夫人、宝钗等都来笑道:“我们一来道喜,二来送行。”黛玉慌道:“你们说什么话?”凤姐道:“你还装什么呆?你难道不知道林姑爷升了湖北的粮道,娶了一位继母,十分合心合意?如今想着你撂在这里不成事体,因托了贾雨村作媒,将你许了你继母的什么亲戚,还说是续弦,所以着人到这里来接你回去。大约一到家中,就要过去的。都是你继母作主。怕的是道儿上没有照应,还叫你琏二哥哥送去。”说得黛玉一身冷汗。黛玉又恍惚父亲果在那里做官的样子。心上急着,硬说道:“没有的事,都是凤姐姐混闹。”只见邢夫人向王夫人使个眼色儿:“他还不信呢!咱们走罢。”黛玉含着泪道:“二位舅母坐坐去。”众人不言语,都冷笑而去。 黛玉此时心中干急,又说不出来,哽哽咽咽,恍惚又是和贾母在一处的似的。心中想道:“此事惟求老太太,或还有救。”于是两腿跪下去,抱着贾母的腿说道:“老太太救我!我南边是死也不去的。况且有了继母,又不是我的亲娘,我是情愿跟着老太太一块儿的。”但见贾母呆着脸儿笑道:“这个不干我的事。”黛玉哭道:“老太太,这是什么事呢!”老太太道:“续弦也好,倒多得一副妆奁。”黛玉哭道:“我在老太太跟前,决不使这里分外的闲钱,只求老太太救我!”贾母道:“不中用了。做了女人,总是要出嫁的,你孩子家不知道,在此地终非了局。”黛玉道:“我在这里,情愿自己做个奴婢过活,自做自吃,也是愿意,只求老太太作主。”见贾母总不言语。黛玉又抱着贾母哭道:“老太太,你向来最是慈悲的,又最疼我的,到了紧急的时候儿,怎么全不管?你别说我是你的外孙女儿,是隔了一层了;我的娘是你的亲生女儿,看我娘分上,也该护庇些。”说着,撞在怀里痛哭。听见贾母道:“鸳鸯,你来送姑娘出去歇歇,我倒被他闹乏了。” 黛玉情知不是路了,求之无用,不如寻个自尽,站起来,往外就走。深痛自己没有亲娘。便是外祖母与舅母、姊妹们,平时何等待的好,可见都是假的。又一想:“今日怎么独不见宝玉?或见他一面,看他还有法儿?”便见宝玉站在面前,笑嘻嘻的道:“妹妹大喜呀!” 黛玉听了这一句话,越发急了,也顾不得什么了,把宝玉紧紧拉住说:“好!宝玉,我今日才知道你是个无情无义的人了!”宝玉道:“我怎么无情无义?你既有了人家儿,咱们各自干各自的了。”黛玉越听越气,越没了主意,只得拉着宝玉哭道:“好哥哥,你叫我跟了谁去?”宝玉道:“你要不去,就在这里住着。你原是许了我的,所以你才到我们这里来。我待你是怎么样的?你也想想。” 黛玉恍惚又像果曾许过宝玉的,心内忽又转悲作喜,问宝玉道:“我是死活打定主意的了,你到底叫我去不去?”宝玉道:“我说叫你住下,你不信我的话,你就瞧瞧我的心。”说着,就拿着一把小刀子往胸口上一划,只见鲜血直流。黛玉吓得魂飞魄散,忙用手捂着宝玉的心窝,哭道:“你怎么做出这个事来?你先来杀了我罢!”宝玉道:“不怕,我拿我的心给你瞧。”还把手在划开的地方儿乱抓。黛玉又颤又哭,又怕人撞破,抱住宝玉痛哭。宝玉道:“不好了!我的心没有了,活不得了!”说着,眼睛往上一翻,咕咚就倒了。 黛玉拚命放声大哭,只听见紫鹃叫道:“姑娘,姑娘!怎么魇住了?快醒醒儿,脱了衣服睡罢。”黛玉一翻身,却原来是一场恶梦。喉间犹是哽咽,心上还是乱跳,枕头上已经湿透,肩背身心但觉冰冷。想了一会:“父母死的久了,和宝玉尚未放定,这是从那里说起?”又想梦中光景,无倚无靠,再真把宝玉死了,那可怎么样好?一时痛定思痛,神魂俱乱。 又哭了一会,遍身微微的出了一点儿汗。扎挣起来,把外罩大袄脱了,叫紫鹃盖好了被窝,又躺下去,翻来覆去,那里睡得着。只听得外面淅淅飒飒,又像风声,又像雨声。又停了一会子,又听得远远的吆呼声儿,却是紫鹃已在那里睡着,鼻息出入之声。自己扎挣着爬起来,围着被坐了一会,觉得窗缝里透进一缕冷风来,吹得寒毛直竖,便又躺下。正要矇眬睡去,听得竹枝上不知有多少家雀儿的声儿,啾啾唧唧,叫个不住。那窗上的纸,隔着屉子,渐渐的透进清光来。 黛玉此时已醒得双眸炯炯,一会儿咳嗽起来,连紫鹃都咳嗽醒了。紫鹃道:“姑娘,你还没睡着么?又咳嗽起来了,想是着了风了。这会儿窗户纸发清了,也待好亮起来了。歇歇儿罢,养养神,别尽着想长想短的了。”黛玉道:“我何尝不要睡,只是睡不着。你睡你的罢。”说了又嗽起来。紫鹃见黛玉这般光景,心中也自伤感,睡不着了。听见黛玉又嗽,连忙起来,捧着痰盒。这时天已亮了。黛玉道:“你不睡了么?”紫鹃笑道:“天都亮了,还睡什么呢?”黛玉道:“既这样,你就把痰盒儿换了罢。” 紫鹃答应着,忙出来换了一个痰盒儿,将手里的这个盒儿放在桌上。开了套间门出来,仍旧带上门,放下撒花软帘,出来叫醒雪雁。开了屋门,去倒那盒子时,只见满盒子痰,痰中有些血星。唬了紫鹃一跳,不觉失声道:“嗳哟!这还了得!”黛玉里面接着问:“是什么?”紫鹃自知失言,连忙改说道:“手里一滑,几乎撂了痰盒子。”黛玉道:“不是盒子里的痰有了什么?”紫鹃道:“没有什么。”说着这句话时,心中一酸,那眼泪直流下来,声儿早已岔了。 黛玉因为喉间有些甜腥,早自疑惑;方才听见紫鹃在外边诧异,这会子又听见紫鹃说话声音带着悲惨的光景,心中觉了八九分。便叫紫鹃:“进来罢,外头看冷着。”紫鹃答应了一声,这一声更比头里凄惨,竟是鼻中酸楚之音。黛玉听了,冷了半截。看紫鹃推门进来时,尚拿绢子拭眼。黛玉道:“大清早起,好好的为什么哭?”紫鹃勉强笑道:“谁哭来?这早起起来,眼睛里有些不舒服。姑娘今夜大概比往常醒的时候更大罢?我听见咳嗽了半夜。”黛玉道:“可不是,越要睡,越睡不着。”紫鹃道:“姑娘身上不大好,依我说,还得自己开解着些。身子是根本,俗语说的:‘留得青山在,依旧有柴烧。’况这里自老太太、太太起,那个不疼姑娘?”只这一句话,又勾起黛玉的梦来,觉得心里一撞,眼中一黑,神色俱变。紫鹃连忙端着痰盒,雪雁捶着脊梁,半日才吐出一口痰来,痰中一缕紫血,簌簌乱跳。紫鹃、雪雁脸都吓黄了。两个旁边守着,黛玉便昏昏躺下。紫鹃看着不好,连忙努嘴,叫雪雁叫人去。 雪雁才出屋门,只见翠缕、翠墨两个人笑嘻嘻的走来。翠缕便道:“林姑娘怎么这早晚还不出门?我们姑娘和三姑娘都在四姑娘屋里,讲究四姑娘画的那张园子景儿呢。”雪雁连忙摆手儿。翠缕、翠墨二人倒都唬了一跳,说:“这是什么原故?”雪雁将方才的事一一告诉他二人。二人都吐了吐舌头儿,说:“这可不是玩的,你们怎么不告诉老太太去?这还了得!你们怎么这么糊涂!”雪雁道:“我这里才要去,你们就来了。” 正说着,只听紫鹃叫道:“谁在外头说话?姑娘问呢。”三个人连忙一齐进来。翠缕、翠墨见黛玉盖着被,躺在床上,见了他二人,便说道:“谁告诉你们了,你们这样大惊小怪的?”翠墨道:“我们姑娘和云姑娘才都在四姑娘屋里,讲究四姑娘画的那张园子图儿,叫我们来请姑娘,不知道姑娘身上又欠安了。”黛玉道:“也不是什么大病,不过觉得身子略软些,躺躺儿就起来了。你们回去告诉三姑娘和云姑娘,饭后若无事,倒是请他们到这里坐坐罢。宝二爷没到你们那边去?”二人答道:“没有。”翠墨又道:“宝二爷这两天上了学了,老爷天天要查功课,那里还能像从前那么乱跑呢?”黛玉听了,默然不言。二人又略站了一会,都悄悄的退出来了。 且说探春、湘云正在惜春那边评论惜春所画《大观园图》说:这个多一点,那个少一点;这个太疏,那个太密。大家又议着题诗,着人去请黛玉商议。正说着,忽见翠缕、翠墨二人回来,神色匆忙。湘云便先问道:“林姑娘怎么不来?”翠缕道:“林姑娘昨日夜里又犯了病了,咳嗽了一夜。我们听见雪雁说,吐了一盒子痰血。”探春听了,诧异道:“这话真么?”翠缕道:“怎么不真?”翠墨道:“我们刚才进去去瞧了瞧,颜色不成颜色,说话儿的气力儿都微了。”湘云道:“不好的这么着,怎么还能说话呢?”探春道:“怎么你这么糊涂?不能说话,不是已经……”说到这里,却咽住了。惜春道:“林姐姐那样一个聪明人,我看他总有些瞧不破,一点半点儿都要认起真来。天下事,那里有多少真的呢?”探春道:“既这么着,咱们都过去看看。倘若病的利害,咱们也过去告诉大嫂子,回老太太,传大夫进来瞧瞧,也得个主意。”湘云道:“正是这样。”惜春道:“姐姐们先去,我回来再过去。” 于是探春、湘云扶了小丫头,都到潇湘馆来,进入房中。黛玉见他二人,不免又伤起心来。因又转念想起梦中:“连老太太尚且如此,何况他们?况且我不请他们,他们还不来呢!”心里虽是如此,脸上却碍不过去,只得勉强令紫鹃扶起,口中让坐。探春、湘云都坐在床沿上,一头一个,看了黛玉这般光景,也自伤感。探春便道:“姐姐,怎么身上又不舒服了?”黛玉道:“也没什么要紧,只是身子软得很。” 紫鹃在黛玉身后,偷偷的用手指那痰盒儿。湘云到底年轻,性情又兼直爽,伸手便把痰盒拿起来看。不看则已,看了吓的惊疑不止,说:“这是姐姐吐的?这还了得!”初时黛玉昏昏沉沉,吐了也没细看。此时见湘云这么说,回头看时,自己早已灰了一半。探春见湘云冒失,连忙解说道:“这不过是肺火上炎,带出一半点来,也是常事。偏是云丫头,不拘什么,就这样蝎蝎螫螫的。”湘云红了脸,自悔失言。 探春见黛玉精神短少,似有烦倦之意,连忙起身说道:“姐姐静静的养养神罢,我们回来再瞧你。”黛玉道:“累你二位惦着。”探春又嘱咐紫鹃:“好生留神伏侍姑娘。”紫鹃答应着。探春才要走,只听外面一个人嚷起来。 未知是谁,下回分解。 一日三秋——语本《诗经·王风·采葛》:“彼采萧兮,一日不见,如三秋兮。”朱熹集注:“言思念之深,未久而似久也。”意谓一日不见,就像离别了三年。形容思念殷切。 牛鬼蛇神──牛鬼:佛教所谓阴间地狱中的牛头鬼。见于《妙法莲华经·卷二·譬喻品》:“复有诸鬼,首如牛头。” 蛇神:传说中的蛇身人面神。见于晋·王嘉《拾遗记·卷二·夏禹》:“禹凿龙关之山……又见一神,蛇身人面。禹因与语,神即示禹八卦之图……蛇身之神,即羲皇也。” 语出唐·杜牧《李贺集序》:“鲸呿鳌掷,牛鬼蛇神,不足为其虚荒诞幻也。”意谓牛头鬼与蛇身人面神。引申以比喻猎奇逐异、虚幻怪诞的作品。 小注、讲章──明、清通行的《四书》、“五经”读本,多作为儒生科举考试的课本,故原文的文句有注释(称“小注”),一段文章有大意讲解(称“讲章”),一般用双行小字夹排在原文当中。 “后生可畏”章──指的是《论语·子罕》中以“后生可畏”开头的一节。这一节的全文是:“子曰:‘后生可畏,焉知来者之不如今也。四十、五十而无闻焉,斯亦不足畏也已。’”这段话的大意是:年轻人因为潜力很大,有可能超过前辈,因而是令人敬畏的。如果一个人到了四十岁、五十岁还默默无闻,一事无成,就可以断定他将不会有大出息,因而不会被人敬畏。这是孔子激励弟子要勤奋学习,才能有所成就,否则就浪费了大好青春。 《礼记》上说“临文不讳”──《礼记》:西汉戴圣编撰,共四十九篇,均取材于先秦旧籍。因同时人戴德亦有《礼记》八十五篇,故前者又称《小戴礼》,后者又称《大戴礼》,以便区别。 临文不讳:语出《礼记·曲礼上》:“《诗》、《书》不讳,临文不讳,庙中不讳。”在封建时代,帝王和尊长的名字不得直称和直书,谓之“避讳”。但在抄写或讲解儒家经典时例外,可以直抄或直称其名,谓之“临文不讳”。 遁世不见知──语出《四书》中的《中庸》(即《礼记·中庸》):“子曰:‘……君子遵道而行,半途而废,吾弗能已矣。君子依乎中庸,遁世不见知而不悔,唯圣者能之。”意谓圣人谨守中庸之道,遁世隐居,甘心于默默无闻而不后悔。 吾未见好德如好色者也──此语出自《论语·子罕》:“子曰:‘吾未见好德如好色者也。’”本节就只有这一句话。意谓我(孔子)从来没有见过看重德行像爱好女色那样的人;换言之,世人的好色远远胜过好德。 正犯着这两件病──指贾宝玉不喜欢读书,犯了浪费“后生可畏”青春年华的毛病;喜欢与女孩子们厮混,犯了“好色”胜于“好德”的毛病。 身子不牢——身体不结实,不健康,病弱。 |
Zweiundachtzigstes Kapitel Der alte Gelehrte warnt mit seinen Erläuterungen ein eigensinniges Herz, Die kranke Xiaoxiang erschrickt in verworrenem Traum aus bösem Schlaf Wie berichtet, kam Schatzjade[1] aus der Schule zurück und suchte die Alte Ahnin auf. Die Alte Ahnin lachte und sagte: „Gut so, nun ist das wilde Pferd gezäumt! Geh, besuche deinen Vater, und dann kannst du dich ein wenig zerstreuen." Schatzjade gehorchte und ging zu Aufrecht Kaufmann[2]. Aufrecht Kaufmann fragte: „Schon so früh aus der Schule? Hat der Lehrer dir einen Stundenplan festgelegt?" Schatzjade antwortete: „Ja: Am Morgen die Bücher ordnen, nach dem Essen Schönschrift üben, am Mittag Texte erläutern und Musteraufsätze lesen." Aufrecht Kaufmann nickte und sprach: „Geh nun, setz dich noch eine Weile zur Alten Ahnin. Du solltest auch etwas über die Pflichten des Lebens lernen und nicht nur dem Vergnügen nachjagen. Schlaf abends früh, steh jeden Morgen zeitig auf für die Schule. Hast du verstanden?" Schatzjade beeilte sich, mehrmals „Ja" zu sagen, zog sich zurück, eilte noch schnell zu Frau König hinüber und schaute auch bei der Alten Ahnin vorbei. Dann drängte es ihn hinaus; am liebsten wäre er mit einem einzigen Schritt im Xiaoxiang-Pavillon[3] gewesen. Kaum an der Tür angekommen, klatschte er in die Hände und rief lachend: „Da bin ich wieder!" Was Kajaljade[4] so erschreckte, dass sie zusammenfuhr. Purpurkuckuck[5] hob den Vorhang, und Schatzjade trat ein und setzte sich. Kajaljade sagte: „Ich hörte undeutlich, dass du zum Unterricht gegangen bist — und bist schon wieder zurück?" Schatzjade rief: „Ach du meine Güte! Wurde ich nicht von Vater zum Lernen gerufen? Mir war, als würde ich euch nie wiedersehen. Mühsam habe ich einen ganzen Tag durchgestanden, und nun, da ich euch wiedersehe, ist es, als wäre ich von den Toten auferstanden. Wie wahr ist doch das alte Wort: ‚Ein Tag gleicht drei Herbsten' — das stimmt vollkommen." Kajaljade fragte: „Warst du schon oben?" Schatzjade antwortete: „Überall war ich schon." Kajaljade fragte: „Und anderswo?" Schatzjade: „Nein." Kajaljade sagte: „Du solltest auch die anderen besuchen." Schatzjade entgegnete: „Ich bin zu träge, mich jetzt noch zu bewegen. Ich möchte nur hier bei Schwester sitzen und ein Weilchen plaudern. Vater verlangt, dass ich früh schlafe und früh aufstehe — die anderen besuche ich morgen." Kajaljade sagte: „Sitz noch ein wenig, dann solltest du dich aber ausruhen." Schatzjade erwiderte: „Ich bin doch gar nicht müde, nur gelangweilt bis zum Ersticken. Gerade jetzt, wo wir zusammensitzen und die Langeweile sich zerstreut hat, treibst du mich schon fort." Kajaljade lächelte leicht und rief Purpurkuckuck zu: „Brüh dem Zweiten Herrn eine Schale meines Longjing-Tees auf. Der Zweite Herr studiert jetzt, das ist nicht mehr wie früher." Purpurkuckuck antwortete lachend, holte die Teeblätter und wies eine kleine Magd an, den Tee aufzubrühen. Schatzjade fuhr fort: „Sprich mir bloß nicht vom Lernen! Mir sind diese moralischen Reden am verhasstesten. Am lächerlichsten sind die Achtgliedrigen Aufsätze: Wenn man sie benutzt, um sich Amt und Brot zu erschwindeln, meinetwegen — aber dann noch zu behaupten, man spräche im Namen der Heiligen und Weisen! Die Besseren flicken wenigstens noch ein paar Klassiker-Stellen zusammen; aber dann gibt es noch eine Sorte, die wirklich zum Lachen ist: im Kopf haben sie nichts, ziehen alles von hier und dort herbei, bis es vor Ochsendämonen und Schlangengöttern wimmelt, und halten sich auch noch für tiefsinnig. Was hat das mit der Darlegung der Lehre der Heiligen zu tun? Und jetzt besteht Vater unablässig darauf, dass ich das lerne — ich wage nicht zu widersprechen. Und du fängst jetzt auch noch vom Lernen an!" Kajaljade erwiderte: „Wir Mädchen brauchen das zwar nicht, aber als ich klein war und bei eurem Lehrer Regendorf unterrichtet wurde, habe ich auch hineingeschaut. Manches darin ist dem Gefühl und der Vernunft nahe, manches ist von klarer Feinheit und stiller Tiefe. Damals verstand ich nicht viel davon, fand es aber schön; man sollte nicht alles über einen Kamm scheren. Zudem ist es für den Erwerb der Beamtenlaufbahn immerhin eine ehrbare Sache." Als Schatzjade das hörte, klang es ihm unangenehm in den Ohren. Er dachte: „Kajaljade war nie so ein Mensch — wieso ist auch sie nun von Ehrgeiz und Eigennutz berauscht?" Aber er wagte nicht, ihr zu widersprechen, und lachte nur leise durch die Nase. Während sie noch sprachen, hörten sie draußen zwei Personen reden — es waren Herbstmuster und Purpurkuckuck. Herbstmuster sagte: „Schwester Dufthauch[6] hat mich geschickt, ihn bei der Alten Ahnin abzuholen, und nun ist er hier." Purpurkuckuck entgegnete: „Wir haben gerade erst Tee aufgebrüht, lass ihn doch austrinken, bevor er geht." Beide kamen zusammen herein. Schatzjade sagte lachend zu Herbstmuster: „Ich komme gleich, warum musstest du dich bemühen, mich zu suchen?" Ehe Herbstmuster antworten konnte, sagte Purpurkuckuck: „Trink schnell deinen Tee und geh — die Leute haben den ganzen Tag an dich gedacht." Herbstmuster spuckte aus: „Pfui! Was für ein freches Ding!" Alle lachten. Schatzjade erhob sich und verabschiedete sich. Kajaljade begleitete ihn bis zur Zimmertür, Purpurkuckuck stand unten an der Treppe, und erst als Schatzjade gegangen war, kehrten sie ins Zimmer zurück. Nun kam Schatzjade im Hof der Roten Freude an, betrat sein Zimmer und sah Dufthauch aus dem hinteren Raum entgegenkommen. Sie fragte: „Bist du zurück?" Herbstmuster antwortete: „Der Zweite Herr war schon lange da, er war drüben bei Fräulein Lin." Schatzjade fragte: „Ist heute etwas vorgefallen?" Dufthauch erwiderte: „Eigentlich nichts. Vorhin hat die Gnädige Frau die Schwester Mandarinenente[7] geschickt mit einer Botschaft an uns: Da der Herr Vater nun streng darauf besteht, dass du lernst, werden alle Mägde, die es wagen, mit dir zu scherzen, nach dem Beispiel von Heitermuster[8] und Schachspielerin bestraft. Wenn ich bedenke, wie ich dich die ganze Zeit bedient habe, nur um mir solche Worte einzuhandeln — da ist wenig Trost dabei." Dabei wurde sie traurig. Schatzjade beeilte sich zu sagen: „Liebe Schwester, sei unbesorgt, ich werde nur brav lernen, und dann wird die Gnädige Frau euch nicht mehr schelten. Heute Abend muss ich noch lesen, morgen verlangt der Lehrer, dass ich einen Text erläutere. Wenn ich etwas brauche, sind Moschusmond[9] und Herbstmuster ja da — ruh dich aus." Dufthauch sagte: „Wenn du wirklich bereit bist zu lernen, bedienen wir dich gern." Schatzjade hörte es, aß hastig sein Abendessen und ließ die Lampe anzünden. Er holte die „Vier Bücher" hervor, die er durchgenommen hatte. Nur — wo sollte er anfangen? Er blätterte ein Buch durch: Kapitel für Kapitel schien es ihm verständlich; doch wenn er genauer nachprüfte, war es gar nicht so klar. Er las die Anmerkungen und die Erläuterungen. So trieb er es, bis die erste Nachtwache geschlagen hatte, und dachte bei sich: „Bei Gedichten und Versen fällt mir alles leicht, aber hierbei bin ich völlig ratlos." Er saß da und starrte vor sich hin. Dufthauch sagte: „Ruh dich aus, die Arbeit läuft nicht weg." Schatzjade murmelte nur wirre Antworten. Moschusmond und Dufthauch brachten ihn zu Bett, und erst dann legten auch sie sich schlafen. Doch als Dufthauch einmal aufwachte, hörte sie, wie Schatzjade sich auf dem Kang noch immer hin und her wälzte. Sie sagte: „Du bist noch wach? Zergrüble dir nicht den Kopf, schone deine Kräfte, damit du morgen gut lernen kannst." Schatzjade sagte: „Das denke ich auch, nur kann ich nicht einschlafen. Komm, nimm mir eine Decke ab." Dufthauch entgegnete: „Es ist nicht heiß, lass das lieber." Schatzjade sagte: „Mir ist so unruhig ums Herz." Er strampelte die Decke von sich. Dufthauch kroch eilig auf, hielt ihn fest und legte die Hand auf seine Stirn — sie fühlte sich leicht fiebrig an. Sie sagte: „Bleib still liegen, du hast etwas Fieber." Schatzjade bestätigte: „Ja wohl." Dufthauch fragte: „Was soll das nur?" Schatzjade sagte: „Keine Angst, das kommt von meiner inneren Unruhe. Mach keinen Lärm, sonst erfährt Vater es und sagt bestimmt, ich stellte mich krank, um die Schule zu schwänzen — wie käme es sonst, dass die Krankheit so günstig fällt? Morgen bin ich besser, dann gehe ich wie gewohnt zur Schule, und die Sache ist erledigt." Dufthauch empfand Mitleid und sagte: „Ich lege mich neben dich." Sie klopfte ihm eine Weile den Rücken, und ohne es zu bemerken, schliefen beide ein. Erst als die rote Sonne hoch am Himmel stand, wachten sie auf. Schatzjade rief: „Das ist schlimm, es ist spät!" Eilig wusch und kämmte er sich, fragte nach dem Befinden der Eltern und eilte zur Schule. Dairu hatte schon ein finsteres Gesicht aufgesetzt und sagte: „Kein Wunder, dass dein Vater sich ärgert und sagt, du taugst nichts! Am zweiten Tag bist du schon faul — was ist das für eine Zeit, um zu kommen?" Schatzjade erklärte das Fieber vom Vorabend, und damit war die Sache überstanden; er lernte wie gewohnt weiter. Am späten Nachmittag sagte Dairu: „Schatzjade, da ist ein Kapitel — komm und erläutere es mir." Schatzjade kam herbei und sah, dass es das Kapitel „Die junge Generation ist zu fürchten" war. Schatzjade dachte bei sich: „Das geht noch an, zum Glück ist es nicht aus dem ‚Großen Lernen' oder der ‚Lehre von der Mitte'." Er fragte: „Wie soll ich es erläutern?" Dairu antwortete: „Erkläre mir den Kerngedanken und die einzelnen Sätze ausführlich." Schatzjade las das Kapitel erst einmal laut vor und sagte dann: „In diesem Kapitel ermutigt der Heilige die junge Generation, sich rechtzeitig anzustrengen, damit sie nicht am Ende …" An dieser Stelle hielt er inne und blickte zu Dairu auf. Dairu bemerkte es, lächelte und sprach: „Sprich nur weiter. Beim Erläutern von Texten gibt es keine Tabus. Im ‚Buch der Riten' heißt es: ‚Beim Lesen von Texten gelten keine Namenstabus.' Sprich frei. ‚Damit sie nicht am Ende' — was?" Schatzjade fuhr fort: „Damit sie nicht am Ende alt werden, ohne etwas erreicht zu haben. Zunächst spornt der Heilige mit den Worten ‚zu fürchten' den Ehrgeiz der jungen Generation an; dann warnt er mit ‚nicht mehr zu fürchten' vor einer verschwendeten Zukunft." Damit blickte er Dairu an. Dairu sagte: „Das mag angehen. Und die fortlaufende Erläuterung?" Schatzjade sagte: „Der Heilige sprach: Wenn ein Mensch jung ist, sind sein Verstand und seine Fähigkeiten überaus klug und tüchtig — das ist wahrhaft furchteinflößend. Wie kann man da im Voraus wissen, ob seine Zukunft nicht so sein wird wie meine Gegenwart? Wenn er aber sorglos und nachlässig mit vierzig oder fünfzig Jahren immer noch nichts erreicht hat, dann wird er, obgleich er in seiner Jugend vielversprechend wirkte, sein ganzes Leben lang von niemandem mehr gefürchtet werden." Dairu lachte und sagte: „Den Kerngedanken hast du eben klar dargelegt, nur in den einzelnen Sätzen ist noch etwas Kindisches. Die Worte ‚ohne Ruf' bedeuten nicht, dass man es nicht zu Amt und Karriere bringt. ‚Ruf' bedeutet, dass man wahrhaft die Vernunft durchdrungen und den rechten Weg erkannt hat; dann hat man auch ohne Amt einen ‚Ruf'. Andernfalls — gab es unter den alten Heiligen und Weisen nicht auch solche, die sich von der Welt zurückzogen und unbekannt blieben? Waren das etwa keine Menschen ohne Amt? Kann man ihnen etwa ‚keinen Ruf' zuschreiben? ‚Nicht mehr zu fürchten' bedeutet, dass man ihn einschätzen kann — dies steht dem ‚Wie kann man wissen' des ‚Wissens' gegenüber und hat nicht die Bedeutung von ‚fürchten'. Erst wenn man es von dieser Seite betrachtet, dringt man ins Detail vor. Verstehst du?" Schatzjade antwortete: „Ja, ich verstehe." Dairu fuhr fort: „Noch ein Kapitel sollst du erläutern." Er blätterte eine Seite vor und zeigte es Schatzjade. Schatzjade sah, dass es sich um „Ich habe noch keinen gesehen, der die Tugend so liebte wie die Schönheit" handelte. Schatzjade spürte, dass dieses Kapitel sein Innerstes traf, und sagte mit verlegenem Lächeln: „Über diesen Satz gibt es nicht viel zu sagen." Dairu rief: „Unsinn! Wenn bei einer Prüfung dieses Thema gestellt würde, würdest du auch sagen, darüber lasse sich nichts schreiben?" Schatzjade musste sich fügen und erläuterte: „Der Heilige sah, dass die Menschen die Tugend nicht pflegen wollten. Sobald sie Schönheit erblickten, waren sie ganz und gar hingerissen. Sie bedachten nicht, dass die Tugend etwas ist, das der menschlichen Natur von Anbeginn innewohnt, und doch will niemand sie pflegen. Was aber die Schönheit betrifft — sie ist zwar auch etwas, das man von Geburt an mitbringt, und niemand liebt sie nicht. Doch die Tugend ist himmlische Vernunft, die Schönheit hingegen menschliche Begierde. Wie könnte der Mensch bereit sein, die himmlische Vernunft ebenso zu lieben wie die menschliche Begierde? Obwohl der Heilige damit sein Bedauern ausdrückt, hofft er zugleich, dass die Menschen umkehren. Zudem zeigt er, dass es zwar Menschen gibt, die die Tugend lieben, doch ihre Liebe bleibt stets oberflächlich. Erst wenn man sie so liebte wie die Schönheit, wäre es wahre Tugendliebe." Dairu sagte: „Das ist auch noch annehmbar. Aber ich habe eine Frage an dich: Du verstehst die Worte des Heiligen — warum leidest du selbst gerade an diesen beiden Gebrechen? Obgleich ich nicht in eurem Haus wohne und dein Vater mir nichts davon erzählt hat, kenne ich doch alle deine Schwächen genau. Als Mensch — wie kann man nicht nach Fortschritt streben? Du bist jetzt gerade im Alter, da ‚die junge Generation zu fürchten' ist: Ob du ‚einen Ruf erlangst' oder ‚nicht mehr zu fürchten bist', liegt ganz in deiner eigenen Hand. Ich gebe dir jetzt einen Monat, um alle alten Texte vollständig aufzuarbeiten; dann noch einen Monat für die Aufsätze. Danach werde ich dir Themen stellen und Aufsätze von dir verlangen. Wehe, du wirst nachlässig — das werde ich keinesfalls dulden! Wie das alte Sprichwort sagt: ‚Wer etwas werden will, hat keine Ruhe; wer Ruhe will, wird nichts.' Merke dir meine Worte gut." Schatzjade sagte ja und musste sich fügen, Tag für Tag seinen Aufgaben nachzugehen. Davon sei nicht weiter berichtet. Nun war es so, dass nach Schatzjades Eintritt in die Schule der Hof der Roten Freude sich überaus ruhig und still anfühlte. Dufthauch konnte endlich einige Handarbeiten erledigen. Sie nahm Nadel und Faden zur Hand, um eine Betelnussbeutel-Stickerei anzufertigen, und dachte: „Jetzt, da Schatzjade seinen Lehrplan hat, haben die Mägde auch Ruhe. Hätte es so von Anfang an sein sollen, wäre Heitermuster nicht zu einem so kläglichen Ende gekommen." Wie der Hase stirbt und der Fuchs trauert, seufzte sie unwillkürlich. Dann dachte sie plötzlich an ihr eigenes Schicksal: „Ich bin ja nicht Schatzjades Hauptfrau, sondern nur eine Nebenfrau. Schatzjades Charakter kann man zwar vertrauen, aber wenn er einmal eine strenge Gattin bekommt, werde ich vielleicht ein zweites Schicksal wie Zweitschwester Sonders oder Duftkastanie erleiden. Nach allem, was die Alte Ahnin und Frau König durchblicken lassen und was Phönixglanz immer wieder andeutet, wird es zweifellos Kajaljade sein. Und Kajaljade ist nun einmal ein überaus empfindlicher Mensch." Bei diesem Gedanken wurde ihr Gesicht heiß und ihr Herz klopfte; die Nadel stach irgendwohin. Sie legte die Handarbeit beiseite und ging zu Kajaljade hinüber, um ihre Stimmung auszuloten. Kajaljade saß gerade da und las. Als sie Dufthauch sah, erhob sie sich leicht und bat sie, Platz zu nehmen. Dufthauch kam ebenfalls eilig entgegen und fragte: „Geht es dem Fräulein in den letzten Tagen viel besser?" Kajaljade erwiderte: „Wie könnte das sein? Nur ein wenig kräftiger bin ich. Was machst du zu Hause?" Dufthauch sagte: „Seit der Zweite Herr in der Schule ist, gibt es im Hause nicht das Geringste zu tun, und so bin ich gekommen, um nach dem Fräulein zu sehen und ein wenig zu plaudern." Während sie sprachen, brachte Purpurkuckuck den Tee. Dufthauch sprang eilig auf und sagte: „Bleib sitzen, Schwester." Dann lachte sie und fuhr fort: „Neulich hörte ich von Herbstmuster, dass du hinter meinem Rücken etwas über uns gesagt hast." Purpurkuckuck lachte ebenfalls: „Glaub ihr doch nicht, Schwester. Ich sagte nur, dass der Zweite Herr jetzt in der Schule ist, das Fräulein Schatzspange[10] nicht mehr herüberkommt und selbst Duftkastanie nicht mehr vorbeischaut — da langweilt man sich natürlich." Dufthauch sagte: „Du erwähnst Duftkastanie — die hat es wirklich schwer! Mit dieser Unheilsgöttin von Schwägerin — wie soll sie das nur aushalten?" Sie streckte zwei Finger aus und sagte: „Die ist, wenn ich so sagen darf, noch schlimmer als jene andere, die nicht einmal mehr den Anstand nach außen wahrt." Kajaljade schloss sich an: „Ja, die hat genug gelitten. Wie ist die Zweitschwester Sonders ums Leben gekommen?" Dufthauch sagte: „Nicht wahr? Bedenkt man es recht, sind doch alle Menschen gleich — nur weil der Status ein wenig anders ist, warum solche Grausamkeit? Auch der Ruf nach draußen ist nicht gut." Kajaljade hatte noch nie gehört, dass Dufthauch hinter anderer Leute Rücken so sprach. Da diese Worte einen Grund zu haben schienen, rührte es etwas in ihrem Herzen, und sie sagte: „Das ist schwer zu sagen. In Familienangelegenheiten ist es eben so: Entweder beugt der Ostwind den Westwind nieder, oder der Westwind beugt den Ostwind nieder." Dufthauch erwiderte: „Wer nur die Nebenfrau ist, hat von vornherein schon Angst im Herzen — wie sollte sie da wagen, andere zu schikanieren?" Während sie noch sprachen, fragte eine alte Dienerin draußen im Hof: „Ist dies das Gemach des Fräuleins Lin? Ist die Schwester hier?" Schneegans kam heraus und erkannte sie undeutlich als jemanden aus Tante Schnee[11]s Haushalt. Sie fragte: „Was gibt es?" Die Alte antwortete: „Unser Fräulein schickt mich, dem Fräulein Lin hier etwas zu bringen." Schneegans sagte: „Warte einen Augenblick." Schneegans ging hinein und meldete es Kajaljade. Kajaljade ließ sie hereinführen. Die Alte trat ein, grüßte und musterte, statt zu sagen, was sie brächte, zunächst Kajaljade mit zusammengekniffenen Augen. Kajaljade wurde es unangenehm und sie fragte: „Was lässt das Fräulein Bao mir bringen?" Erst jetzt lachte die Alte und antwortete: „Unser Fräulein lässt dem Fräulein ein Glas eingelegte Litschis schicken." Dann erblickte sie Dufthauch und fragte: „Ist diese junge Dame nicht die Blumen-Schwester aus dem Gemach des Zweiten Herrn Bao?" Dufthauch lachte: „Woher kennt Ihr mich, Mütterchen?" Die Alte lachte: „Wir hüten nur die Zimmer bei der Gnädigen Frau und begleiten Gnädige Frau und die Fräulein selten nach draußen, daher kennen wir die Fräulein nicht alle. Wenn die Fräulein aber gelegentlich zu uns herüberkommen, erinnern wir uns vage." Damit reichte sie Schneegans ein Glas, wandte sich wieder um, betrachtete Kajaljade und sagte lachend zu Dufthauch: „Kein Wunder, dass unsere Gnädige Frau sagt, dieses Fräulein Lin und Euer Zweiter Herr Bao seien füreinander bestimmt — wahrhaftig, wie ein Wesen aus dem Himmel." Dufthauch merkte, dass die Alte unbedacht sprach, und lenkte schnell ab: „Mütterchen, Ihr seid gewiss müde, setzt Euch und trinkt eine Tasse Tee." Die Alte lachte vergnügt: „Wir sind gerade beschäftigt — alle sind mit den Angelegenheiten des Fräuleins Qin beschäftigt. Das Fräulein hat noch zwei Gläser Litschis, die dem Zweiten Herrn Bao gebracht werden sollen." Damit verabschiedete sie sich zitternd und schlurfend. Kajaljade ärgerte sich zwar über die Unverschämtheit der Alten, aber da Schatzspange sie geschickt hatte, konnte sie ihr nichts antun. Erst als die Alte zur Tür hinaus war, rief sie ihr nach: „Richtet Eurem Fräulein meinen Dank für die Mühe aus." Die alte Dienerin murmelte noch vor sich hin: „Bei solcher Schönheit — wer außer Schatzjade wäre ihrer würdig?" Kajaljade tat, als hätte sie nichts gehört. Dufthauch lachte: „Wie kommt es, dass alte Leute so wirres Zeug reden? Man ärgert sich und muss gleichzeitig lachen." Bald brachte Schneegans das Glas herüber und zeigte es Kajaljade. Kajaljade sagte: „Ich habe keine Lust zu essen, stell es fort." Sie plauderten noch eine Weile, dann ging Dufthauch. Als das Abendlicht bereits verblasste, betrat Kajaljade das innere Gemach. Ihr Blick fiel zufällig auf das Litschi-Glas, und unwillkürlich erinnerte sie sich an das wirre Gerede der alten Dienerin vom Tage — es stach ihr ins Herz. In dieser stillen Abendstunde überkamen sie tausend Sorgen und Kümmernisse. Sie dachte: „Mein Körper ist schwach, und ich werde älter. Schatzjades Herz gehört zwar keinem anderen, doch die Alte Ahnin und die Tante zeigen nicht die geringste Absicht. Warum haben meine Eltern, als sie noch lebten, diese Verlobung nicht früh festgelegt?" Dann dachte sie wieder: „Hätten meine Eltern mich damals anderswo verlobt, wo fände ich einen Mann von Schatzjades Aussehen und Charakter? So wie die Dinge jetzt stehen, gibt es vielleicht noch Hoffnung." Ihr Herz schwankte hin und her, die Gedanken verschlangen sich wie eine Seilwinde. Sie seufzte eine Weile, vergoss einige Tränen, und ohne Stimmung und Regung legte sie sich angekleidet nieder. Ohne es zu merken, sah sie ein kleines Mädchen kommen, das sagte: „Draußen ist der alte Herr Jia, Regendorf — er bittet das Fräulein um eine Audienz." Kajaljade sagte: „Obwohl ich bei ihm Unterricht hatte, bin ich doch nicht wie ein männlicher Schüler — warum sollte er mich sehen wollen? Zudem hat er bei seinen Besuchen beim Onkel mich nie erwähnt, ich muss ihn also nicht empfangen." Sie wies das Mädchen an: „Sage ihm, ich sei krank und könne nicht herauskommen. Er möge mir seinen Gruß bestellen." Das Mädchen sagte: „Aber er will dem Fräulein gratulieren — aus Nanjing sind Leute gekommen, um Euch abzuholen." Da kamen auch noch Phönixglanz zusammen mit Frau Strafe, Frau König und Schatzspange und sagten lachend: „Wir kommen zum einen, um zu gratulieren, zum anderen, um Abschied zu nehmen." Kajaljade erschrak: „Was redet ihr?" Phönixglanz sagte: „Tu nicht so ahnungslos! Weißt du denn nicht, dass der Herr Lin zum Getreide-Intendanten von Hubei befördert wurde und eine Stiefmutter geheiratet hat, die ihm sehr nach dem Herzen ist? Nun meint man, dass es nicht angehe, dich hier sitzen zu lassen. Man hat Regendorf Kaufmann als Heiratsvermittler gebeten, der dich irgendeinem Verwandten deiner Stiefmutter versprochen hat — es heißt, es sei eine Zweitehe. Deshalb schickt man Leute, um dich nach Hause zu holen. Sobald du ankommst, wird die Hochzeit stattfinden. Alles bestimmt deine Stiefmutter. Weil man befürchtet, dass du auf dem Weg nicht versorgt bist, soll dein Cousin Lian dich begleiten." Kajaljade brach der kalte Schweiß aus. Gleichzeitig schien es ihr undeutlich, als sei ihr Vater wirklich dort im Amt. Ihr Herz drängte; sie beharrte: „Das stimmt nicht, Schwester Phönix treibt ihren Scherz!" Da zwinkerte Frau Strafe Frau König zu: „Sie glaubt es noch nicht! Kommt, gehen wir." Kajaljade sagte mit Tränen: „Bitte bleibt doch einen Moment." Niemand antwortete; alle gingen mit kaltem Lächeln fort. Kajaljades Herz brannte vor Angst, doch sie konnte kein Wort hervorbringen. Schluchzend und würgend schien sie plötzlich wieder bei der Alten Ahnin zu sein. Sie dachte: „Wenn es überhaupt Rettung gibt, dann nur durch die Alte Ahnin." Sie kniete nieder, umklammerte die Beine der Alten Ahnin und flehte: „Alte Ahnin, rette mich! In den Süden gehe ich um keinen Preis — und mit einer Stiefmutter, die nicht meine leibliche Mutter ist! Ich will bei der Alten Ahnin bleiben." Doch die Alte Ahnin blickte sie starr an und sagte lächelnd: „Das geht mich nichts an." Kajaljade weinte: „Alte Ahnin, was soll das nur?" Die Alte Ahnin sagte: „Eine Zweitehe ist doch auch nicht schlecht — da bekommst du noch eine Mitgift dazu." Kajaljade schluchzte: „Ich werde der Alten Ahnin keinen unnötigen Groschen kosten, ich bitte nur, dass die Alte Ahnin mich rettet!" Die Alte Ahnin sagte: „Es nützt nichts mehr. Als Frau musst du irgendwann heiraten. Du als Kind verstehst das nicht — hier zu bleiben ist auf Dauer keine Lösung." Kajaljade schluchzte: „Ich will hier bleiben, und sei es als Magd, die sich selbst versorgt und ihr eigenes Brot verdient — wenn nur die Alte Ahnin entscheidet!" Die Alte Ahnin schwieg beharrlich. Kajaljade umklammerte sie weinend: „Alte Ahnin, Ihr wart immer die Gütigste und habt mich am meisten geliebt — warum kümmert Ihr Euch in der Not gar nicht? Sagt nicht, ich sei nur Eure Enkelin mütterlicherseits und stünde Euch ferner — meine Mutter war Eure leibliche Tochter! Um meiner Mutter willen solltet Ihr mich doch beschützen." Sie warf sich weinend in deren Arme. Doch die Alte Ahnin sagte: „Mandarinenente, bring das Fräulein hinaus, damit sie sich ausruht — sie hat mich ganz erschöpft." Kajaljade erkannte, dass alles verloren war und weiteres Flehen nutzlos. Lieber wollte sie in den Tod gehen. Sie stand auf und stürzte hinaus, in tiefem Schmerz darüber, keine leibliche Mutter mehr zu haben. Die Großmutter, die Tanten, die Schwestern — wie gut sie sie immer behandelt hatten! Nun zeigte sich, dass alles nur Schein gewesen war. Dann dachte sie: „Wo ist heute Schatzjade? Wenn ich ihn noch einmal sehen könnte — hat er vielleicht ein Mittel?" Da stand Schatzjade vor ihr und sagte grinsend: „Herzlichen Glückwunsch, Schwesterchen!" Als Kajaljade das hörte, wurde ihre Verzweiflung grenzenlos. Alle Rücksicht vergessend, packte sie Schatzjade fest und rief: „Gut, Schatzjade! Heute erst erkenne ich, was für ein herzloser, treuloser Mensch du bist!" Schatzjade erwiderte: „Wieso herzlos und treulos? Da du nun einem anderen versprochen bist, geht jeder seinen eigenen Weg." Kajaljade wurde mit jedem Wort wütender und ratloser, klammerte sich weinend an Schatzjade und rief: „Guter Bruder, wohin soll ich gehen?" Schatzjade sagte: „Wenn du nicht gehen willst, bleib hier. Du warst doch mir versprochen, deshalb bist du in unser Haus gekommen. Wie ich dich behandelt habe — denk doch daran." Kajaljade war es undeutlich zumute, als hätte sie Schatzjade tatsächlich einst ihr Jawort gegeben. Plötzlich wandelte sich ihre Trauer in Freude, und sie fragte: „Ich bin nun fest entschlossen, auf Leben und Tod — sagst du mir nun endgültig, soll ich gehen oder nicht?" Schatzjade antwortete: „Ich sage dir, du sollst hierbleiben. Wenn du mir nicht glaubst, dann sieh dir mein Herz an." Mit diesen Worten nahm er ein kleines Messer und ritzte sich quer über die Brust. Frisches Blut strömte hervor. Kajaljade erschrak zu Tode, presste die Hand auf Schatzjades Herz und schluchzte: „Was hast du getan? Töte lieber erst mich!" Schatzjade sagte: „Hab keine Angst, ich zeige dir mein Herz." Dabei griff er mit der Hand in die aufgeritzte Stelle. Kajaljade zitterte, weinte und fürchtete, man könnte sie überraschen. Sie umklammerte Schatzjade und schluchzte bitterlich. Schatzjade rief: „Es ist zu spät! Mein Herz ist fort — ich kann nicht leben!" Seine Augen verdrehten sich nach oben, und mit einem dumpfen Laut fiel er um. Kajaljade schrie aus Leibeskräften, da hörte sie Purpurkuckuck rufen: „Fräulein, Fräulein! Ein Albtraum hat Euch gepackt — wacht auf, zieht Euch um und legt Euch schlafen." Kajaljade wälzte sich um — es war nur ein böser Traum gewesen. In der Kehle würgte es sie noch, das Herz hämmerte wild. Das Kopfkissen war durchnässt, Schultern und Rücken fühlten sich eiskalt an. Sie überlegte: „Meine Eltern sind längst tot, und zwischen Schatzjade und mir ist noch nichts vereinbart — wie kam ich auf solche Gedanken?" Dann dachte sie an den Traum: So hilflos und verlassen! Und wenn Schatzjade wirklich stürbe — was sollte sie dann tun? Aus dem Schmerz erwuchs neuer Schmerz, und ihre Seele geriet in Aufruhr. Sie weinte noch eine Weile, und am ganzen Körper trat leichter Schweiß hervor. Mühsam richtete sie sich auf, zog den äußeren Mantel aus, ließ sich von Purpurkuckuck die Decke richten und legte sich wieder hin. Doch sie wälzte sich hin und her und konnte nicht einschlafen. Draußen hörte sie ein Rauschen und Rascheln, das wie Wind, aber auch wie Regen klang. Dann war es wieder still, und von fern hörte sie Rufe — doch es war nur Purpurkuckuck, die bereits schlief und deren Atem hörbar ein und aus ging. Mühsam richtete sie sich auf, wickelte sich in die Decke und saß eine Weile da. Aus den Fensterfugen drang ein kühler Luftzug, der ihr eine Gänsehaut über den Körper jagte. Sie legte sich wieder hin. Gerade wollte sie in einen Halbschlummer sinken, da hörte sie auf dem Bambus unzählige Spatzen zwitschern und piepsen, ohne aufzuhören. Das Fensterpapier wurde durch den Rahmen hindurch allmählich von klarem Licht durchschienen. Kajaljade war nun hellwach, die Augen weit offen. Bald begann sie zu husten, und auch Purpurkuckuck wurde davon geweckt. Purpurkuckuck sagte: „Fräulein, seid Ihr immer noch nicht eingeschlafen? Wieder hustet Ihr — vermutlich habt Ihr Euch erkältet. Das Fensterpapier wird schon hell, es wird bald Morgen. Ruht Euch aus, schont Eure Kräfte und grübelt nicht endlos hin und her." Kajaljade sagte: „Ich möchte ja schlafen, aber ich kann nicht. Schlaf du weiter." Dann hustete sie erneut. Purpurkuckuck sah Kajaljades Zustand, und auch ihr Herz zog sich zusammen; sie konnte nicht mehr schlafen. Als sie Kajaljade wieder husten hörte, stand sie eilig auf und hielt ihr die Spuckschale hin. Inzwischen war es hell geworden. Kajaljade fragte: „Willst du nicht mehr schlafen?" Purpurkuckuck lachte: „Es ist schon Tag — was soll ich noch schlafen?" Kajaljade sagte: „Dann wechsle die Spuckschale." Purpurkuckuck antwortete bejahend, eilte hinaus, wechselte die Spuckschale und stellte die benutzte auf den Tisch. Sie öffnete die Tür des inneren Gemachs, zog sie wieder zu, ließ den bestickten Vorhang herab, weckte Schneegans und öffnete die äußere Tür. Als sie die Schale ausleeren wollte, sah sie, dass sie randvoll mit Schleim war — und im Schleim waren Blutflecken. Purpurkuckuck erschrak, und unwillkürlich entfuhr ihr: „O weh! Das darf doch nicht wahr sein!" Kajaljade rief von drinnen: „Was ist denn?" Purpurkuckuck bemerkte ihren Versprecher und korrigierte sich schnell: „Mir ist die Schale beinahe aus der Hand gerutscht." Kajaljade fragte: „Ist etwa etwas mit dem Auswurf in der Schale?" Purpurkuckuck sagte: „Nein, nichts." Während sie diese Worte sprach, wurde ihr das Herz schwer, die Tränen liefen ihr herab, und ihre Stimme klang schon ganz verändert. Kajaljade hatte selbst schon einen süßlich-blutigen Geschmack in der Kehle gespürt und war misstrauisch geworden. Als sie vorhin Purpurkuckucks erschrockenen Ausruf gehört hatte und nun auch Purpurkuckucks traurige Stimme vernahm, wusste sie fast sicher, woran sie war. Sie rief: „Komm herein, du erkältest dich draußen." Purpurkuckuck antwortete — und dieser Ton war noch trauriger als zuvor, ein Klang unterdrückter Tränen. Als Kajaljade das hörte, wurde ihr eiskalt. Sie sah Purpurkuckuck hereinkommen und sich mit dem Tuch die Augen wischen. Kajaljade fragte: „So früh am Morgen, warum weinst du?" Purpurkuckuck zwang sich zu einem Lächeln: „Wer weint denn? Heute Morgen sind meine Augen etwas gereizt. Fräulein, Ihr wart heute Nacht wohl noch länger wach als gewöhnlich? Ich hörte Euch die halbe Nacht husten." Kajaljade sagte: „Allerdings. Je mehr ich schlafen wollte, desto wacher wurde ich." Purpurkuckuck sagte: „Fräulein, Ihr müsst Euch selbst Erleichterung verschaffen, wenn Ihr nicht gesund seid. Der Körper ist das Wichtigste. Wie das Sprichwort sagt: ‚Solange die grünen Berge stehen, braucht man kein Brennholz zu fürchten.' Zudem gibt es hier, von der Alten Ahnin und der Gnädigen Frau angefangen, niemanden, der das Fräulein nicht liebte!" Bei diesen Worten wurde Kajaljade an ihren Traum erinnert, und sie fühlte einen Stich im Herzen, ihre Augen verdunkelten sich, ihre Farbe veränderte sich. Purpurkuckuck hielt schnell die Spuckschale hin, Schneegans klopfte ihr den Rücken, und nach langer Zeit spuckte Kajaljade einen Klumpen Schleim aus — darin ein Streifen purpurnen Blutes, der zitternd aufspritzte. Purpurkuckuck und Schneegans wurden leichenblass vor Schreck. Sie wachten zu beiden Seiten, und Kajaljade sank benommen zurück. Purpurkuckuck sah, dass es schlimm stand, und deutete mit einer Geste Schneegans an, jemanden zu rufen. Schneegans trat gerade vor die Tür, da kamen Cuilü und Cuimo lachend herbei. Cuilü fragte: „Warum ist das Fräulein Lin zu so später Stunde noch nicht herausgekommen? Unser Fräulein und das Dritte Fräulein sind drüben beim Vierten Fräulein und besprechen das Gemälde, das sie von der Gartenlandschaft gemalt hat." Schneegans winkte hastig mit den Händen. Cuilü und Cuimo erschraken und fragten: „Was ist geschehen?" Schneegans erzählte ihnen alles. Beide streckten erschrocken die Zunge heraus und sagten: „Das ist kein Spaß! Warum habt ihr es nicht der Alten Ahnin gemeldet? So geht das doch nicht! Wie könnt ihr nur so begriffsstutzig sein!" Schneegans sagte: „Ich wollte gerade gehen, da kamt ihr schon." Gerade in diesem Moment rief Purpurkuckuck von drinnen: „Wer spricht dort draußen? Das Fräulein fragt." Alle drei gingen eilig zusammen hinein. Cuilü und Cuimo sahen, dass Kajaljade unter der Decke lag. Als sie die beiden erblickte, sagte sie: „Wer hat es euch erzählt, dass ihr so ein Aufheben macht?" Cuimo antwortete: „Unser Fräulein und die Wolken-Schwester sind gerade beim Vierten Fräulein drüben und besprechen das Gemälde. Wir sind geschickt worden, das Fräulein einzuladen, und wussten nicht, dass Ihr wieder unwohl seid." Kajaljade sagte: „Es ist nichts Schlimmes, ich fühle mich nur etwas schwach. Wenn ich mich ein wenig hinlege, stehe ich wieder auf. Sagt dem Dritten Fräulein und der Wolken-Schwester, sie mögen nach dem Essen, falls sie nichts zu tun haben, hierher kommen und bei mir sitzen. Ist der Zweite Herr Bao bei euch gewesen?" Beide verneinten. Cuimo fügte hinzu: „Der Zweite Herr Bao geht in letzter Zeit in die Schule; der Herr Vater kontrolliert jeden Tag die Aufgaben — da kann er nicht mehr wie früher überall herumrennen." Kajaljade hörte es und schwieg. Die beiden standen noch einen Augenblick, dann zogen sie sich leise zurück. Indessen besprachen Erkundefrühling[12] und Xiangfluss-Wolke[13] bei Bedauerfrühling[14] das von Bedauerfrühling gemalte Bild des „Gartens der Großen Anschauung": hier fehlte ein Strich, dort war es zu viel; dies war zu weitläufig, jenes zu dicht. Man diskutierte auch über passende Inschriften und schickte nach Kajaljade, um sie um Rat zu bitten. Gerade da kehrten Cuilü und Cuimo mit verstörten Mienen zurück. Xiangfluss-Wolke fragte als Erste: „Warum kommt das Fräulein Lin nicht?" Cuilü antwortete: „Das Fräulein Lin hatte gestern Nacht wieder einen Anfall und hat die ganze Nacht gehustet. Wie wir von Schneegans hörten, hat sie eine ganze Schale Blutsputum ausgespuckt." Erkundefrühling fragte erschrocken: „Ist das wahr?" Cuilü sagte: „Wie sollte es nicht wahr sein?" Cuimo ergänzte: „Wir sind gerade hinein und haben nachgesehen — ihre Gesichtsfarbe ist gar keine Farbe mehr, und die Kraft zum Sprechen ist ganz schwach geworden." Xiangfluss-Wolke sagte: „Wenn es so schlimm ist, wie kann sie dann noch sprechen?" Erkundefrühling erwiderte: „Wie kannst du so begriffsstutzig sein? Wenn sie nicht mehr sprechen kann, dann ist sie ja bereits …" Bei diesen Worten brach sie ab. Bedauerfrühling sagte: „Schwester Lin ist doch so ein kluger Mensch, aber mir scheint, sie kann gewisse Dinge einfach nicht loslassen; jede Kleinigkeit nimmt sie sich zu Herzen. Aber wo gibt es in der Welt so viel Wahres?" Erkundefrühling sagte: „Wenn es so steht, dann lasst uns alle zu ihr gehen. Wenn die Krankheit ernst ist, sollten wir es der Schwägerin melden, damit sie der Alten Ahnin Bescheid sagt und einen Arzt holt — man muss doch zu einem Entschluss kommen." Xiangfluss-Wolke stimmte zu: „Ganz recht." Bedauerfrühling sagte: „Geht schon vor, ich komme nach." So gingen Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke, gestützt von kleinen Mägden, zum Xiaoxiang-Pavillon. Als sie eintraten, konnte Kajaljade sich des Kummers nicht erwehren. Dann dachte sie an den Traum: „Selbst die Alte Ahnin war so — was soll ich von den anderen erwarten? Zudem habe ich sie nicht gerufen; sie wären von allein nicht gekommen!" In ihrem Herzen dachte sie so, doch dem Anstand halber ließ sie sich von Purpurkuckuck aufrichten und bat sie herein. Erkundefrühling und Xiangfluss-Wolke setzten sich je an ein Ende des Bettrandes. Als sie Kajaljade in diesem Zustand sahen, waren auch sie bewegt. Erkundefrühling fragte: „Schwester, was fehlt dir schon wieder?" Kajaljade antwortete: „Nichts Ernstes, ich fühle mich nur sehr kraftlos." Hinter Kajaljades Rücken deutete Purpurkuckuck verstohlen auf die Spuckschale. Xiangfluss-Wolke, noch jung an Jahren und von aufrichtigem Temperament, griff sogleich nach der Schale. Als sie hineinblickte, erschrak sie zutiefst und rief: „Das hat Schwester ausgespuckt? So geht das doch nicht!" Anfangs hatte Kajaljade im Halbschlummer es nicht genau angesehen. Als Xiangfluss-Wolke nun so sprach und Kajaljade hinblickte, sank ihr Herz sofort. Erkundefrühling sah Xiangfluss-Wolkes Unbesonnenheit und beeilte sich zu erklären: „Das ist nur ein wenig Lungenfeuer — ein paar Blutspuren, das kommt häufig vor. Die Wolken-Schwester muss sich immer gleich so aufregen!" Xiangfluss-Wolke errötete und bereute ihren Ausrutscher. Erkundefrühling sah, dass Kajaljades Kräfte nachließen und sie erschöpft wirkte, und erhob sich schnell: „Schwester, ruh dich still aus. Wir kommen später wieder nach dir sehen." Kajaljade sagte: „Ich danke euch beiden für eure Sorge." Erkundefrühling ermahnte Purpurkuckuck noch: „Pass gut auf das Fräulein auf." Purpurkuckuck bejahte. Erkundefrühling wollte gerade gehen, da hörte man draußen jemanden losschimpfen. Wer es war, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). |