Hongloumeng/zh-de/Chapter 114
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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第一百十四回 王熙凤历幻返金陵 甄应嘉蒙恩还玉阙 却说宝玉、宝钗听说凤姐病的危急,赶忙起来,丫头秉烛伺候。正要出院,只见王夫人那边打发人来说:“琏二奶奶不好,还没有咽气,二爷、二奶奶且慢些过去罢。琏二奶奶的病有些古怪:从三更天起到四更时候没有住嘴,说了好些胡话,要船要轿,只说赶到金陵归入什么册子去。众人不懂,他只是哭哭喊喊。琏二爷没有法儿,只得去糊船轿,还没拿来。琏二奶奶喘着气等着呢。太太叫我们过来说,等琏二奶奶去了,再过去罢。” 宝玉道:“这也奇!他到金陵做什么去?”袭人轻轻的说道:“你不是那年做梦,我还记得说有多少册子,莫不琏二奶奶是到那里去罢?”宝玉听了,点头道:“是呀!可惜我都不记得那上头的话了。这么说起来,人都有个定数的了。但不知林妹妹又到那里去了?我如今被你一说,我有些懂的了。若再做这个梦时,我必细细的瞧一瞧,便有未卜先知的分儿了。”袭人道:“你这样的人,可是不可合你说话,我偶然提了一句,你就认起真来了吗?就算你能先知了,又有什么法儿?”宝玉道:“只怕不能先知;若是能了,我也犯不着为你们瞎操心了。” 两人正说着,宝钗走来,问道:“你们说什么?”宝玉恐他盘诘,只说:“我们谈论凤姐姐。”宝钗道:“人要死了,你们还只管议论他。旧年你还说我咒人,那个签不是应了么?”宝玉又想了一想,拍手道:“是的,是的。这么说起来,你倒能先知了。我索性问问你:你知道我将来怎么样?”宝钗笑道:“这是又胡闹起来了。我是就他求的签上的话混解的,你就认了真了。你和我们二嫂子成了一样的了:你失了玉,他去求妙玉扶乩,批出来众人不解,他背地里合我说妙玉怎么前知,怎么参禅悟道。如今他遭此大难,如何自己都不知道?这可是算得前知吗?就是我偶然说着了二奶奶的事情,其实知道他是怎么样了?只怕我连我自己也不知道呢。这些事情,原都是虚诞的,可是信得的么?” 宝玉道:“别提他了。你只说邢妹妹罢,自从我们这里连连的有事,把他这件事竟忘记了。你们家这么一件大事,怎么就草草的完了,也没请亲唤友的?”宝钗道:“你这话又是迂了。我们家的亲戚,只有咱们这里和王家最近:王家没了什么正经人了;咱们家遭了老太太的大事,所以也没请,就是琏二哥张罗了张罗。别的亲戚虽也有一两门子,你没过去,如何知道?算起来,我们这二嫂子的命和我差不多。好好的许了我二哥哥,我妈妈原想要体体面面的给二哥哥娶这房亲事的。一则为我哥哥在监里,二哥哥也不肯大办;二则为咱们家的事;三则为我二嫂子在大太太那边忒苦,又加着抄了家,大太太是一味的苛刻,他也实在难受:所以我和妈妈说了,便将将就就的娶了过去。我看二嫂子如今倒是安心乐意的孝敬我妈妈,比亲媳妇还强十倍呢;待二哥哥也是极尽妇道的;和香菱又甚好,二哥哥不在家,他两个和和气气的过日子。虽说是穷些,我妈妈近来倒安逸好些。就是想起我哥哥来,不免伤心。况且常打发人家里来要使用,多亏二哥哥在外头账头儿上讨来应付他。我听见说,城里的几处房子已经也典了,还剩了一所,如今打算着搬了去住。” 宝玉道:“为什么要搬?住在这里,你来去也便宜些;若搬远了,你去就要一天了。”宝钗道:“虽说是亲戚,到底各自的稳便些。那里有个一辈子住在亲戚家的呢?” 宝玉还要讲出不搬去的理,王夫人打发人来说:“琏二奶奶咽了气了,所有的人都过去了,请二爷、二奶奶就过去。”宝玉听了,也掌不住,跺脚要哭。宝钗虽也悲戚,恐宝玉伤心,便说:“有在这里哭的,不如到那边哭去。”于是两人一直到凤姐那里,只见好些人围着哭呢。宝钗走到跟前,见凤姐已经停床,便大放悲声。宝玉也拉着贾琏的手,大哭起来。贾琏也重新哭泣。平儿等因见无人劝解,只得含悲上来劝止了。众人都悲哀不止。贾琏此时手足无措,叫人传了赖大来,叫他办理丧事。自己回明了贾政,然后去行事。但是手头不济,诸事拮据。又想起凤姐素日的好处来,更加悲哭不已。又见巧姐哭的死去活来,越发伤心。哭到天明,即刻打发人去请他大舅子王仁过来。 那王仁自从王子腾死后,王子胜又是无能的人,任他胡为,已闹的六亲不和。今知妹子死了,只得赶着过来哭了一场。见这里诸事将就,心下便不舒服,说:“我妹妹在你家辛辛苦苦当了好几年家,也没有什么错处,你们家该认真的发送发送才是,怎么这时候诸事还没有齐备?”贾琏本与王仁不睦,见他说些混账话,知他不懂的什么,也不大理他。 王仁便叫了他外甥女儿巧姐过来说:“你娘在时,本来办事不周到,只知道一味的奉承老太太,把我们的人都不大看在眼里。外甥女儿,你也大了,看见我从来沾染过你们没有?如今你娘死了,诸事要听着舅舅的话。你母亲娘家的亲戚,就是我和你二舅太爷了。你父亲的为人,我也早知道了,只有敬重别人的:那年什么尤姨娘死了,我虽不在京,听见说花了好些银子。如今你娘死了,你父亲倒是这样的将就办去,你也不知道劝劝你父亲吗?”巧姐道:“我父亲巴不得要好看,只是如今比不得从前了。现在手里没钱,所以诸事省些是有的。”王仁道:“你的东西还少么?”巧姐儿道:“旧年抄去,何尝还有呢?”王仁道:“你也这样说。我听见老太太又给了好些东西,你该拿出来。”巧姐又不好说父亲用去,只推不知道。王仁便道:“哦!我知道了,不过是你要留着做嫁妆罢咧。”巧姐听了,不敢回言,只气得哽噎难鸣的哭起来了。 平儿生气,说道:“舅老爷,有话等我们二爷进来再说。姑娘这么点年纪,他懂的什么?”王仁道:“你们是巴不得二奶奶死了,你们就好为王了。我并不要什么,好看些,也是你们的脸面。”说着,赌气坐着。 巧姐满心的不舒服,心想:“我父亲并不是没情。我妈妈在时,舅舅不知拿了多少东西去,如今说得这样干净。”于是便不大瞧得起他舅舅了。岂知王仁心里想来,他妹妹不知积攒了多少:“虽说抄了家,那屋里的银子还怕少吗?必是怕我来缠他们,所以也帮着这么说。这小东西儿也是不中用的。”从此王仁也嫌了巧姐儿了。 贾琏并不知道,只忙着弄银钱使用。外头的大事叫赖大办了,里头也要用好些钱,一时实在不能张罗。平儿知他着急,便叫贾琏道:“二爷也别过于伤了自己的身子。”贾琏道:“什么身子!现在日用的钱都没有,这件事怎么办?偏有个糊涂行子又在这里蛮缠,你想有什么法儿?”平儿道:“二爷也不用着急,若说没钱使唤,我还有些东西,旧年幸亏没有抄在里头去,二爷要,就拿去当着使唤罢。”贾琏听了,心想:“难得这样。”便笑道:“这样更好,省得我各处张罗。等我银子弄到手了还你。”平儿道:“我的也是奶奶给的,什么还不还,只要这件事办的好看些就是了。” 贾琏心里倒着实感激他,便将平儿的东西拿了去,当钱使用。诸凡事情,便与平儿商量。秋桐看着,心里就有些不甘,每每口角里头便说:“平儿没有了奶奶,他要上去了。我是老爷的人,他怎么就越过我去了呢?”平儿也看出来了,只不理他。倒是贾琏一时明白,越发把秋桐嫌了,碰着有些烦恼,便拿着秋桐出气。邢夫人知道,反说贾琏不好。贾琏忍气,不提。 再说凤姐停了十馀天,送了殡。贾政守着老太太的孝,总在外书房。那时清客相公渐渐的都辞去了,只有个程日兴还在这里,时常陪着说说话儿。提起家运不好:“一连人口死了好些,大老爷合珍大爷又在外头,家计一天难似一天,外头东庄地亩也不知道怎么样,总不得了!”那程日兴道:“我在这里好些年,也知道府上的人,那一个不是肥己的?一年一年都往他家里拿,那自然府上是一年不够一年了;又添了大老爷、珍大爷那边两处的费用;外头又有些债务;前儿又破了好些财,要想衙门里缉贼追赃,那是难事。老世翁若要安顿家事,除非传那些管事的来,派一个心腹人,各处去清查清查:该去的去,该留的留;有了亏空,着在经手的身上赔补。这就有了数儿了。那一座大园子,人家是不敢买的。这里头的出息也不少,又不派人管了。几年老世翁不在家,这些人就弄神弄鬼儿的,闹的一个人不敢到园里,这都是家人的弊。此时把下人查一查,好的使着,不好的便撵了,这才是道理。” 贾政点头道:“先生,你有所不知。不必说下人,就是自己的侄儿也靠不住。若要我查起来,那能一一亲见亲知?况我又在服中,不能照管这些个。我素来又兼不大理家,有的没的,我还摸不着呢。”程日兴道:“老世翁最是仁德的人,若在别人家,这样的家计,就穷起来,十年五载还不怕,便向这些管家的要也就够了,我听见世翁的家人还有做知县的呢。”贾政道:“一个人若要使起家人们的钱来,便了不得了,只好自己俭省些。但是册子上的产业,若是实有还好,生怕有名无实了。”程日兴道:“老世翁所见极是,晚生为什么说要查查呢!”贾政道:“先生必有所闻。”程日兴道:“我虽知道些那些管事的神通,晚生也不敢言语的。”贾政听了,便知话里有因,便叹道:“我家祖父以来,都是仁厚的,从没有刻薄过下人。我看如今这些人一日不似一日了。在我手里行出主子样儿来,又叫人笑话。” 两人正说着,门上的进来回道:“江南甄老爷来了。”贾政便问道:“甄老爷进京为什么?”那人道:“奴才也打听过了,说是蒙圣恩起复了。”贾政道:“不用说了,快请罢。”那人出去,请了进来。 那甄老爷即是甄宝玉之父,名叫甄应嘉,表字友忠,也是金陵人氏,功勋之后。原与贾府有亲,素来走动的。因前年罣误革了职,动了家产。今遇主上眷念功臣,赐还世职,行取来京陛见。知道贾母新丧,特备祭礼,择日到寄灵的地方拜奠,所以先来拜望。 贾政有服,不能远接,在外书房门口等着。那位甄老爷一见,便悲喜交集。因在制中,不便行礼,遂拉着手,叙了些阔别思念的话。然后分宾主坐下,献了茶,彼此又将别后事情的话说了。贾政问道:“老亲翁几时陛见的?”甄应嘉道:“前日。”贾政道:“主上隆恩,必有温谕。”甄应嘉道:“主上的恩典,真是比天还高,下了好些旨意。”贾政道:“什么好旨意?”甄应嘉道:“近来越寇猖獗,海疆一带小民不安,派了安国公征剿贼寇。主上因我熟悉土疆,命我前往安抚,但是即日就要起身。昨日知老太太仙逝,谨备瓣香,至灵前拜奠,稍尽微忱。” 贾政即忙叩首拜谢,便说:“老亲翁即此一行,必是上慰圣心,下安黎庶。诚哉莫大之功,正在此行。但弟不克亲睹奇才,只好遥聆捷报。现在镇海统制是弟舍亲,会时务望青照。”甄应嘉道:“老亲翁与统制是什么亲戚?”贾政道:“弟那年在江西粮道任时,将小女许配与统制少君,结缡已经三载。因海口案内未清,继以海寇聚奸,所以音信不通。弟深念小女,俟老亲翁安抚事竣后,拜恳便中一视。弟即修字数行,烦尊纪带去,便感激不尽了。” 甄应嘉道:“儿女之情,人所不免。我正有奉托老亲翁的事:昨蒙圣恩召取来京,因小儿年幼,家下乏人,将贱眷全带来京。我因钦限迅速,昼夜先行,贱眷在后缓行,到京尚需时日。弟奉旨出京,不敢久留。将来贱眷到京,少不得要到尊府,定叫小犬叩见。如可教诲,遇有姻事可图之处,望乞留意为感。”贾政一一答应。那甄应嘉又说了几句话,就要起身,说:“明日在城外再见。”贾政见他事忙,谅难再坐,只得送出书房。 贾琏、宝玉早已伺候在那里代送,因贾政未叫,不敢擅入。甄应嘉出来,两人上去请安。应嘉一见宝玉,呆了一呆,心想:“这个怎么甚像我家宝玉?只是浑身缟素。”问道:“至亲久阔,爷们都不认得了。”贾政忙指贾琏道:“这是家兄名赦之子琏二侄儿。”又指着宝玉道:“这是第二小犬,名叫宝玉。”应嘉拍手道:“奇!我在家听见说老亲翁有个衔玉生的爱子,名叫宝玉,因与小儿同名,心中甚为罕异。后来想着这个也是常有的事,不在意了。岂知今日一见,不但面貌相同,且举止一般,这更奇了!”问起年纪,道:“比这里的哥儿略小一岁。”贾政便又提起承荐包勇,将问及“令郎哥儿与小儿同名”的话述了一遍。应嘉因属意宝玉,也不暇问及那包勇的好歹,只连连的称道:“真真罕异!”因又拉着宝玉的手,极致殷勤。又恐安国公起身甚速,急须预备长行,勉强分手徐行。贾琏、宝玉送出,一路又问了宝玉好些,然后才登车而去。那贾琏、宝玉回来见了贾政,便将应嘉问的话回了一遍。贾政命他二人散去。贾琏又去张罗,算明凤姐丧事的账目。 宝玉回到自己房中,告诉了宝钗,说是:“常提的甄宝玉,我想一见不能,今日倒先见了他父亲了。我还听得说,宝玉也不日要到京了,要求拜望我们老爷呢。他也说和我一模一样的,我只不信。若是他后儿到了咱们这里来,你们都去瞧瞧,看他果然和我像不像?”宝钗听了道:“嗳!你说话怎么越发没前后了?什么男人同你一样都说出来了,还叫我们瞧去呢!”宝玉听了,知是失言,脸上一红,连忙的还要解说。 不知何话,下回分解。 玉阙——指皇宫或朝廷。唐·太宗李世民《赋帘》诗:“参差垂玉阙,舒卷映兰宫。” 沾染——指在经济上沾光,占便宜。 温谕——对皇帝谕旨的敬称。意谓皇帝的谕旨是对臣下的关怀温恤。 越寇——指今浙江一带的盗贼。 越:春秋时越国之地,其国都会稽即今浙江绍兴。 瓣香——原指如同劈作瓜瓣形的沉香,多用于敬佛及尊者。这里泛指香,兼喻恭敬之意。 微忱——对自己心意的谦称。 尊纪——对他人之仆的尊称。 纪:“纪纲”的简称。即仆人。典出《左传·僖公二十四年》:“秦伯送卫于晋三千人,实纪纲之仆。”后即以“纪纲”代指仆人。 |
Kapitel 114 Phönixglanz[1] durchwandert die Illusionen und kehrt nach Jinling zurück Zhen Yingjia[2] empfängt kaiserliche Gnade und kehrt an den Jadehof zurück Es wird erzählt, dass Schatzjade[3] und Schatzspange[4], als sie hörten, Phönixglanz sei in kritischem Zustand, eilig aufstanden. Die Dienstmädchen hielten Kerzen bereit und warteten auf. Gerade als sie den Hof verlassen wollten, schickte Frau König[5] jemanden herüber, der sagte: „Der Zweiten Herrin Kette geht es schlecht, doch sie hat den letzten Atem noch nicht getan. Der Zweite junge Herr und die Zweite junge Herrin mögen noch ein wenig warten. Die Krankheit der Zweiten Herrin Kette hat etwas Seltsames an sich: Von der dritten Nachtwache bis zur vierten hat sie ununterbrochen geredet, allerlei wirres Zeug gesagt, nach Boot und Sänfte verlangt und immer nur davon gesprochen, sie müsse eilig nach Jinling, um dort in irgendein Register eingetragen zu werden. Niemand versteht, was sie meint; sie weint und schreit nur. Der Zweite Herr Kette wusste sich keinen Rat und ließ ein Papierboot und eine Papiersänfte basteln, doch die sind noch nicht fertig. Die Zweite Herrin Kette liegt keuchend da und wartet. Die Gnädige Frau schickt uns zu sagen: Wartet, bis die Zweite Herrin Kette gegangen ist, und kommt dann erst herüber." Schatzjade sagte: „Das ist ja merkwürdig! Was will sie denn in Jinling?" Dufthauch[6] flüsterte leise: „Erinnerst du dich an den Traum, den du damals hattest? Ich weiß noch, du hast von vielen Registern erzählt. Könnte es sein, dass die Zweite Herrin Kette dorthin geht?" Als Schatzjade das hörte, nickte er und sagte: „Ja, stimmt! Leider kann ich mich an die Worte darin nicht mehr erinnern. So betrachtet, hat also jeder Mensch ein vorbestimmtes Schicksal. Ich frage mich nur, wohin die Schwester Lin gegangen ist. Jetzt, wo du mich daran erinnerst, beginne ich manches zu verstehen. Wenn ich diesen Traum noch einmal träumen könnte, würde ich ganz genau hinschauen — dann hätte ich die Gabe, die Zukunft vorherzusehen." Dufthauch sagte: „Mit einer Person wie dir kann man wirklich nicht reden! Ich habe nur beiläufig etwas erwähnt, und schon nimmst du es für bare Münze. Und selbst wenn du die Zukunft kennen würdest — was könntest du denn daran ändern?" Schatzjade sagte: „Ich fürchte nur, dass ich die Zukunft nicht sehen kann; wenn ich es aber könnte, bräuchte ich mir euretwegen nicht mehr so vergeblich den Kopf zu zerbrechen." Während die beiden noch sprachen, kam Schatzspange herüber und fragte: „Worüber redet ihr?" Schatzjade fürchtete, sie würde ihn ins Verhör nehmen, und sagte nur: „Wir sprechen über die Schwester Phönixglanz." Schatzspange sagte: „Der Mensch liegt im Sterben, und ihr führt immer noch Reden über sie. Letztes Jahr hast du noch gesagt, ich würde jemanden verwünschen — hat sich das Orakel denn nicht bewahrheitet?" Schatzjade dachte noch einmal nach, klatschte in die Hände und rief: „Richtig, richtig! So betrachtet, kannst du also tatsächlich die Zukunft vorhersagen. Dann frage ich dich doch gleich: Weißt du, wie es mir in Zukunft ergehen wird?" Schatzspange lachte und sagte: „Jetzt fängst du wieder an zu scherzen! Ich habe damals nur das Los, das sie gezogen hatte, auf gut Glück gedeutet — und du nimmst es für Ernst. Du und unsere Schwägerin, ihr seid ganz gleich: Als du deinen Jade verloren hattest, bat sie Wunderjade[7] um eine Geisterschrift, und als die Leute die Antwort nicht verstanden, sagte sie mir im Vertrauen, wie hellsichtig Wunderjade sei, wie tief sie in die Meditation eingedrungen sei und den Weg begriffen habe. Jetzt aber hat Wunderjade selbst dieses schwere Unglück erlitten — wie kann man da sagen, sie könne die Zukunft voraussehen? Und selbst wenn ich zufällig einmal richtig lag, was die Schwägerin betrifft — woher soll ich wirklich wissen, wie es um sie steht? Ich fürchte, ich weiß nicht einmal, was mir selbst bevorsteht. All diese Dinge sind von Grund auf nichtig und trügerisch — wie kann man ihnen Glauben schenken?" Schatzjade sagte: „Sprechen wir nicht mehr davon. Sag mir lieber etwas über die Schwester Strafe. Seit bei uns hier ein Unglück nach dem anderen eintrifft, habe ich ihre Angelegenheit ganz vergessen. Eine so bedeutende Sache in eurer Familie — wie konnte sie so hastig und nachlässig abgetan werden, ohne Verwandte und Freunde einzuladen?" Schatzspange sagte: „Da sprichst du wieder weitschweifig! Von den Verwandten unserer Familie sind wir hier und die Wangs am nächsten; bei den Wangs gibt es keine tüchtigen Leute mehr; und bei uns hat es die große Trauerfeier für die Herzoginmutter gegeben, deshalb wurde auch niemand eingeladen — der Schwager Kette hat das Nötigste arrangiert. Es gibt zwar noch ein, zwei andere Verwandte, aber du warst ja nicht dort, woher willst du das wissen? Wenn man es bedenkt, ist das Schicksal unserer Schwägerin dem meinen recht ähnlich. Sie war ordentlich meinem Zweiten Bruder versprochen worden, und meine Mutter wollte ihm eigentlich eine angemessene Hochzeit ausrichten. Erstens aber sitzt mein älterer Bruder im Gefängnis, und der Zweite Bruder wollte ohnehin keine große Feier; zweitens wegen der Angelegenheiten in eurem Hause; und drittens hatte unsere Schwägerin es bei der Ersten Gnädigen Frau allzu schwer, und nach der Hausdurchsuchung wurde die Erste Gnädige Frau nur noch strenger — sie konnte es wirklich kaum noch ertragen. Darum habe ich mit meiner Mutter gesprochen, und so wurde sie eben notdürftig herübergeholt. Ich sehe, dass unsere Schwägerin jetzt geradezu aus ganzem Herzen meine Mutter versorgt und ehrt — besser als eine leibliche Schwiegertochter, ja zehnmal besser sogar; auch meinem Zweiten Bruder gegenüber erfüllt sie alle Pflichten einer Ehefrau; und mit Duftkastanie[8] versteht sie sich auch bestens — wenn der Zweite Bruder nicht zu Hause ist, leben die beiden friedlich und einträchtig miteinander. Obwohl es ihnen an Geld fehlt, hat meine Mutter in letzter Zeit mehr Ruhe und Behagen. Nur wenn sie an meinen älteren Bruder denkt, kann sie die Tränen nicht zurückhalten. Obendrein schickt er ständig Leute nach Hause, um Geld zu verlangen — zum Glück schafft es der Zweite Bruder, draußen bei den Geschäftsleuten etwas aufzutreiben, um ihn zufriedenzustellen. Ich habe gehört, dass einige Häuser in der Stadt bereits verpfändet worden sind und nur noch eines übrig ist; jetzt planen sie, dorthin umzuziehen." Schatzjade sagte: „Warum denn umziehen? Wenn sie hier wohnen bleiben, hast du es doch bequemer, hin und her zu gehen; wenn sie weit weg ziehen, brauchst du einen ganzen Tag, um hinzugelangen." Schatzspange sagte: „Obwohl man verwandt ist, hat doch jeder seinen eigenen Haushalt, das ist angenehmer. Wo gibt es denn das, dass jemand ein Leben lang bei Verwandten wohnt?" Schatzjade wollte gerade weitere Gründe darlegen, warum sie nicht umziehen sollten, als Frau König jemanden herüberschickte, der sagte: „Die Zweite Herrin Kette hat den letzten Atem getan. Alle sind schon hinübergegangen — der Zweite junge Herr und die Zweite junge Herrin mögen bitte sogleich kommen." Als Schatzjade das hörte, konnte auch er sich nicht beherrschen, stampfte mit dem Fuß auf und wollte weinen. Schatzspange war zwar ebenfalls betrübt, fürchtete aber, Schatzjade könnte sich zu sehr grämen, und sagte: „Anstatt hier zu weinen, sollten wir besser dort drüben weinen." So gingen die beiden geradewegs zu Phönixglanz' Gemächern. Dort sahen sie, wie viele Leute um sie herumstanden und weinten. Schatzspange trat vor, sah, dass Phönixglanz bereits auf dem Totenbett aufgebahrt war, und brach in lautes Weinen aus. Schatzjade ergriff Kette Kaufmanns[9] Hand, und beide weinten hemmungslos. Kette Kaufmann weinte von Neuem. Friedchen[10] und die anderen sahen, dass niemand tröstete, und kamen mit verhaltener Trauer herbei, um die Weinenden zu beruhigen. Alle trauerten ohne Unterlass. Kette Kaufmann wusste sich keinen Rat. Er ließ Lai Da rufen, um ihn mit der Beisetzung zu beauftragen. Dann meldete er alles Aufrecht Kaufmann[11] und ging an die Ausführung. Doch die Mittel waren knapp und alles war beengt. Als er an Phönixglanz' einstige Verdienste dachte, weinte er noch bitterer. Und als er sah, wie die kleine Jie[12] weinte, als wolle sie sterben, war er noch betrübter. Er weinte, bis der Tag anbrach, und schickte sogleich jemanden, um seinen Schwager König Ren[13] herbeizubitten. Jener König Ren hatte, seitdem König Ziteng gestorben war — und König Zisheng, ein unfähiger Mensch, ihm freie Hand ließ — , bereits alle sechs Verwandtschaftsgrade gegeneinander aufgebracht. Nun, als er vom Tod seiner Schwester erfuhr, eilte er herbei und weinte eine Runde. Als er sah, dass hier alles nur notdürftig hergerichtet war, wurde er unwillig und sagte: „Meine Schwester hat jahrelang in eurer Familie mühsam den Haushalt geführt, ohne sich etwas zuschulden kommen zu lassen. Ihr solltet sie gebührend bestatten! Warum ist jetzt noch nichts richtig vorbereitet?" Kette Kaufmann war mit König Ren von jeher nicht gut ausgekommen. Als er dessen unsinnige Reden hörte, wusste er, dass er von nichts eine Ahnung hatte, und beachtete ihn kaum. König Ren rief daraufhin seine Nichte Jie herbei und sagte: „Als deine Mutter noch lebte, hat sie die Dinge nie richtig gehandhabt und nur immer der Herzoginmutter geschmeichelt, während sie unsere Leute kaum eines Blickes würdigte. Nichte, du bist inzwischen groß genug — hast du je gesehen, dass ich euch auch nur ein einziges Mal ausgenutzt hätte? Jetzt, da deine Mutter tot ist, musst du in allen Dingen auf deinen Onkel hören. Von der mütterlichen Seite deiner Mutter sind nur noch ich und dein Zweiter Großonkel übrig. Deines Vaters Art kenne ich auch: er hat nur für andere Respekt — damals, als die Tante You starb, war ich zwar nicht in der Hauptstadt, aber ich habe gehört, dass er viel Silber ausgegeben hat. Jetzt aber, da deine Mutter gestorben ist, richtet dein Vater alles so sparsam aus — sagst du ihm denn kein Wort?" Jie antwortete: „Mein Vater hätte liebend gern alles prachtvoll ausgerichtet, doch die Zeiten sind nicht mehr wie früher. Er hat kein Geld in der Hand, darum muss bei allem gespart werden." König Ren sagte: „Hast du denn nicht genug eigene Sachen?" Jie antwortete: „Letztes Jahr bei der Hausdurchsuchung — was ist denn noch übrig geblieben?" König Ren sagte: „Du redest auch so! Ich habe gehört, dass die Herzoginmutter wieder allerhand Dinge verschenkt hat — die solltest du hervorholen." Jie wollte nicht sagen, dass ihr Vater alles verbraucht hatte, und schob vor, sie wisse nichts davon. König Ren sagte darauf: „Oho! Ich verstehe schon — du willst es dir nur als Mitgift aufheben!" Als Jie das hörte, wagte sie nicht zu widersprechen; sie konnte nur unter Schluchzen und Würgen aufweinen. Friedchen wurde ärgerlich und sagte: „Herr Schwager, wenn Sie etwas zu besprechen haben, warten Sie, bis unser Zweiter Herr hereinkommt. Das Fräulein ist noch so jung — was versteht sie davon?" König Ren sagte: „Ihr wartet doch nur darauf, dass die Zweite Herrin stirbt, damit ihr selbst das Sagen habt. Ich will ja gar nichts — aber ein anständiges Begräbnis wäre auch euer Ansehen." So sagte er und setzte sich trotzig hin. Jie fühlte sich zutiefst unwohl und dachte: „Mein Vater ist keineswegs herzlos. Als meine Mutter noch lebte, hat der Onkel wer weiß wie viele Dinge mitgenommen — und jetzt redet er so, als wäre nichts gewesen." Von da an blickte sie auf ihren Onkel herab. König Ren aber dachte sich seinerseits, seine Schwester müsse so einiges angehäuft haben: „Auch wenn das Haus durchsucht wurde — an Silber in ihren Zimmern kann es doch nicht fehlen! Die fürchten nur, ich könnte sie bedrängen, und deshalb redet sie auch so. Dieses kleine Ding taugt auch nichts." Von da an hegte auch König Ren Groll gegen Jie. Kette Kaufmann wusste von alledem nichts; er war nur damit beschäftigt, Silber aufzutreiben. Die großen Angelegenheiten draußen überließ er Lai Da; drinnen aber wurde ebenfalls viel Geld gebraucht, und es war auf die Schnelle unmöglich, alles zusammenzubringen. Friedchen sah, wie besorgt er war, und sagte zu Kette Kaufmann: „Der Zweite Herr sollte sich nicht durch übermäßige Trauer selbst zugrunde richten." Kette Kaufmann sagte: „Was für ein Körper! Schon für die täglichen Ausgaben ist kein Geld da — wie soll diese Angelegenheit bezahlt werden? Und dann sitzt da noch dieser unsinnige Kerl und macht Ärger — was soll man da tun?" Friedchen sagte: „Der Zweite Herr braucht sich nicht zu sorgen. Was Geld angeht, habe ich noch einige Dinge. Letztes Jahr zum Glück wurden sie bei der Hausdurchsuchung nicht mitgenommen. Wenn der Zweite Herr sie braucht, nehme er sie und versetze sie." Als Kette Kaufmann das hörte, dachte er bei sich: „Wie schätzenswert!" Er lächelte und sagte: „Das ist noch besser, dann brauche ich mich nicht überall abzumühen. Wenn ich Silber aufgetrieben habe, gebe ich es dir zurück." Friedchen sagte: „Was ich habe, hat mir auch die gnädige Herrin gegeben — von Zurückgeben kann keine Rede sein. Hauptsache, diese Angelegenheit wird anständig ausgerichtet." Kette Kaufmann war ihr von Herzen dankbar. Er nahm Friedchens Sachen, versetzte sie und verwendete das Geld. Alle Angelegenheiten besprach er fortan mit Friedchen. Herbstzither[14] sah das mit Missgunst und sagte bei jeder Gelegenheit: „Seit die gnädige Herrin tot ist, will Friedchen nach oben aufsteigen. Ich bin eine Frau des gnädigen Herrn — wie kann sie mich einfach übergehen?" Friedchen merkte das wohl, beachtete sie aber nicht. Kette Kaufmann hingegen wurde nur umso klarer im Kopf und begann, Herbstzither zu verabscheuen. Wenn er verärgert war, ließ er seinen Zorn an Herbstzither aus. Erste Frau Strafe[15] erfuhr davon und gab stattdessen Kette Kaufmann die Schuld. Kette Kaufmann schluckte seinen Ärger und schwieg. Was nun Phönixglanz betrifft: Nachdem sie etwas mehr als zehn Tage aufgebahrt worden war, wurde sie zu Grabe getragen. Aufrecht Kaufmann hielt die Trauerzeit für die Herzoginmutter ein und blieb in seinem äußeren Arbeitszimmer. Die Gesellschafter und Berater hatten sich nach und nach verabschiedet; nur noch ein gewisser Cheng Rixing war geblieben und leistete ihm bisweilen Gesellschaft beim Plaudern. Man sprach über das Unglück der Familie: „Einer nach dem anderen ist gestorben, der Erste Herr und der Herr Zhen sind draußen in der Verbannung, die Haushaltskasse wird von Tag zu Tag knapper, und wie es um die Ländereien im Osten steht, weiß auch niemand — es steht schlecht um alles!" Jener Cheng Rixing sagte: „Ich bin schon viele Jahre hier und kenne die Leute dieses Hauses. Wer hat sich denn nicht die eigenen Taschen gefüllt? Jahr für Jahr haben sie alles in ihre eigenen Häuser geschafft — da ist es nur natürlich, dass das Vermögen des gnädigen Hauses von Jahr zu Jahr schwindet. Dazu kommen die Ausgaben für den Ersten Herrn und den Herrn Zhen an zwei verschiedenen Orten; draußen gibt es Schulden; und neulich hat man wieder viel Geld verloren. Auf die Behörden zu hoffen, dass sie die Diebe fassen und die gestohlenen Güter wiederbeschaffen — das ist aussichtslos. Wenn der gnädige Herr die Haushaltsangelegenheiten in Ordnung bringen will, muss er die Verwalter zu sich rufen und einen Vertrauensmann losschicken, um überall gründlich nachzuprüfen: Was weg muss, muss weg; was bleiben soll, soll bleiben; wo Fehlbeträge sind, müssen die Verantwortlichen Ersatz leisten. Dann hat man klare Verhältnisse. Jener große Garten — den wagt kein Fremder zu kaufen. Die Erträge daraus sind beträchtlich, doch es ist niemand mehr damit beauftragt, ihn zu verwalten. In den Jahren, da der gnädige Herr nicht zu Hause war, haben die Leute dort allerhand Spuk und Geistergeschichten inszeniert, sodass sich niemand mehr in den Garten traut — das ist alles das Werk der Hausdiener. Wenn man jetzt die Untergebenen überprüft und die Guten behält, die Schlechten aber fortjagt — das wäre der rechte Weg." Aufrecht Kaufmann nickte und sagte: „Herr Cheng, da gibt es manches, was Sie nicht wissen. Von den Untergebenen einmal abgesehen — nicht einmal auf die eigenen Neffen kann ich mich verlassen. Wenn ich das alles überprüfen wollte, wie sollte ich alles selbst sehen und selbst erfahren? Zudem bin ich in der Trauerzeit und kann mich um solche Dinge nicht kümmern. Ich habe mich von jeher nicht viel um den Haushalt gekümmert — ob etwas da ist oder nicht, davon habe ich kaum eine Vorstellung." Cheng Rixing sagte: „Der gnädige Herr ist ein Mensch von höchster Güte und Milde. In einem anderen Hause könnte man, selbst wenn das Vermögen zusammengeschrumpft wäre, noch zehn oder fünfzehn Jahre davon leben. Man bräuchte nur die Verwalter zur Rechenschaft zu ziehen — das allein würde genügen. Ich habe gehört, dass unter den Hausdienern des gnädigen Herrn sogar einer ist, der es zum Bezirksvorsteher gebracht hat." Aufrecht Kaufmann sagte: „Wenn ein Herr erst einmal anfängt, das Geld seiner Diener einzutreiben, dann ist es um ihn geschehen. Es ist besser, selbst sparsamer zu leben. Doch die Güter und Besitzungen, die in den Büchern verzeichnet sind — wenn die wirklich noch vorhanden sind, ist es gut; ich fürchte nur, dass sie nur dem Namen nach existieren, ohne dass etwas Reales dahintersteckt." Cheng Rixing sagte: „Eben darum sage ich ja, dass eine Überprüfung nötig ist!" Aufrecht Kaufmann sagte: „Sie müssen etwas gehört haben." Cheng Rixing sagte: „Obwohl ich einiges über die Machenschaften der Verwalter weiß, wage ich nicht, darüber zu sprechen." Als Aufrecht Kaufmann das hörte, merkte er, dass hinter diesen Worten etwas steckte, und seufzte: „Seit meinem Großvater und Urgroßvater ist unser Haus stets gütig und milde gewesen — nie hat man die Untergebenen schlecht behandelt. Ich sehe aber, dass die heutigen Leute mit jedem Tag schlimmer werden. Wenn ich nun in meiner Person den strengen Herrn hervorkehre, macht man sich über mich lustig." Während die beiden noch sprachen, kam der Türhüter herein und meldete: „Der alte Herr Zhen aus Jiangnan ist eingetroffen." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was führt den Herrn Zhen in die Hauptstadt?" Der Diener antwortete: „Euer Diener hat sich erkundigt — es heißt, er sei durch kaiserliche Gnade wieder in sein Amt eingesetzt worden." Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann erübrigt sich jedes weitere Wort — bitten Sie ihn schnell herein." Der Diener ging hinaus und führte den Gast herein. Jener Herr Zhen war niemand anderes als der Vater von Zhen Schatzjade[16] — er hieß Zhen Yingjia, mit dem Beinamen Youzhong, stammte ebenfalls aus Jinling und war ein Nachkomme verdienter Beamter. Er war seit Langem mit dem Hause Kaufmann verwandt und hatte regen Umgang mit ihnen gepflogen. Vor zwei Jahren war er durch eine Verwicklung seines Amtes enthoben und sein Familienbesitz eingezogen worden. Nun aber hatte der Kaiser sich der Verdienste seiner Ahnen erinnert, ihm seinen erblichen Titel zurückgegeben und ihn zur Audienz in die Hauptstadt befohlen. Da er vom jüngsten Ableben der Herzoginmutter erfahren hatte, brachte er besondere Opfergaben mit, wählte einen Tag, um am Ort der vorläufigen Aufbahrung seinen Respekt zu erweisen, und kam deshalb zunächst zu einem Besuch vorbei. Aufrecht Kaufmann trug Trauerkleidung und konnte den Gast nicht draußen empfangen; er wartete an der Tür des äußeren Arbeitszimmers. Als jener Herr Zhen ihn erblickte, war er zugleich traurig und froh. Da man sich in der Trauerzeit befand, konnte man die üblichen Höflichkeitsformen nicht einhalten; so ergriff er seine Hände und tauschte Worte der Sehnsucht und des langen Getrenntseins aus. Dann setzten sie sich nach Gast und Gastgeber getrennt, Tee wurde gereicht, und beide erzählten einander von den Geschehnissen seit ihrer Trennung. Aufrecht Kaufmann fragte: „Wann hat der verehrte Herr Schwager die Audienz gehabt?" Zhen Yingjia antwortete: „Vorgestern." Aufrecht Kaufmann sagte: „Des Kaisers Gnade ist groß — gewiss gab es gnädige Weisungen." Zhen Yingjia sagte: „Die Gnade Seiner Majestät ist wahrlich höher als der Himmel — er hat eine ganze Reihe von Erlassen herabgegeben." Aufrecht Kaufmann fragte: „Was für günstige Erlasse?" Zhen Yingjia sagte: „In letzter Zeit treiben die Piraten in Zhejiang ihr Unwesen, und die Bevölkerung an den Küsten kommt nicht zur Ruhe. Der Anguo-Gong wurde mit einem Feldzug gegen die Räuber beauftragt. Da Seine Majestät weiß, dass ich mit der Gegend vertraut bin, hat er mir befohlen, dorthin zu gehen und das Volk zu beruhigen. Ich muss allerdings sogleich aufbrechen. Als ich gestern vom Hinscheiden der alten Gnädigen Frau erfuhr, habe ich eine bescheidene Räucherung vorbereitet, um am Traueraltar meinen Respekt zu erweisen und ein wenig meine aufrichtige Anteilnahme auszudrücken." Aufrecht Kaufmann dankte sogleich mit einer tiefen Verbeugung und sagte: „Mit dieser Reise wird der verehrte Herr Schwager gewiss das kaiserliche Herz beruhigen und das Volk befrieden. Das ist wahrhaftig ein großes Verdienst und liegt ganz in dieser Reise. Nur dass ich die glänzenden Taten nicht mit eigenen Augen werde sehen können — ich werde aus der Ferne auf Siegesnachrichten lauschen. Der kommandierende General an der Küste ist ein Verwandter meines bescheidenen Hauses — wenn Sie ihn treffen, bitte ich um Ihre gütige Fürsorge." Zhen Yingjia fragte: „In welcher verwandtschaftlichen Beziehung steht der gnädige Herr zum Kommandierenden General?" Aufrecht Kaufmann sagte: „Als ich damals das Amt des Getreidewegeinspektors in Jiangxi bekleidete, habe ich meine Tochter mit dem Sohn des Kommandierenden Generals verlobt; sie sind inzwischen drei Jahre verheiratet. Wegen des Falles an der Hafenmündung und wegen der Seeräuber war der Briefverkehr unterbrochen. Ich sorge mich sehr um meine Tochter. Wenn der verehrte Herr Schwager die Befriedung abgeschlossen hat, bitte ich ihn, bei Gelegenheit einmal nach ihr zu sehen. Ich werde einige Zeilen verfassen und sie einem Diener des Herrn Schwager mitgeben — das wäre mir eine große Erleichterung." Zhen Yingjia sagte: „Die Sorge um Söhne und Töchter — das ist nur menschlich. Ich hätte seinerseits auch eine Bitte an den verehrten Herrn Schwager: Durch die kaiserliche Gnade nach der Hauptstadt berufen, habe ich, da mein Sohn noch jung ist und es an Leuten im Hause fehlt, meine ganze Familie mitgebracht. Da ich unter kaiserlichem Eilbefehl stehe, bin ich Tag und Nacht vorausgereist; meine Familie folgt in langsamerer Reise und wird noch einige Tage bis zur Ankunft in der Hauptstadt brauchen. Da ich den kaiserlichen Befehl habe und die Hauptstadt rasch verlassen muss, kann ich mich nicht lange aufhalten. Wenn meine Familie in der Hauptstadt eingetroffen ist, wird sie gewiss das verehrte Haus aufsuchen, und ich werde meinen unbedeutenden Sohn zum Besuch vorbeischicken. Wenn er belehrt werden kann und sich eine günstige Gelegenheit für eine Heirat ergibt, bitte ich um wohlwollende Aufmerksamkeit." Aufrecht Kaufmann sagte zu allem Ja und Amen. Jener Zhen Yingjia sprach noch einige Worte und wollte dann aufbrechen mit den Worten: „Morgen sehen wir uns außerhalb der Stadt noch einmal." Aufrecht Kaufmann sah, dass er es eilig hatte und wohl kaum länger bleiben konnte, und geleitete ihn bis zum Arbeitszimmer hinaus. Kette Kaufmann und Schatzjade hatten schon die ganze Zeit draußen gewartet, um den Gast zu verabschieden; da Aufrecht Kaufmann sie aber nicht gerufen hatte, wagten sie nicht, eigenmächtig einzutreten. Als Zhen Yingjia herauskam, traten die beiden vor und begrüßten ihn. Zhen Yingjia erblickte Schatzjade und stutzte einen Moment — in Gedanken sagte er sich: „Wie kann der meinem Schatzjade so ähnlich sehen? Nur dass er ganz in weiße Trauerkleidung gehüllt ist." Er sagte: „Als nahe Verwandte, die sich so lange nicht gesehen haben — die jungen Herren erkenne ich nicht mehr." Aufrecht Kaufmann zeigte eilig auf Kette Kaufmann und sagte: „Dies ist der zweite Sohn meines älteren Bruders Begnadigung Kaufmann — Kette." Dann zeigte er auf Schatzjade und sagte: „Dies ist mein zweiter unbedeutender Sohn, er heißt Schatzjade." Zhen Yingjia klatschte in die Hände und rief: „Erstaunlich! Zu Hause habe ich gehört, dass der verehrte Herr Schwager einen geliebten Sohn hat, der mit einem Jadestück im Mund zur Welt kam und Schatzjade heißt — da er denselben Namen trägt wie mein Sohn, fand ich das höchst verwunderlich. Dann aber dachte ich, solche Dinge kommen ja vor, und dachte nicht weiter darüber nach. Doch dass er, nun da ich ihn heute sehe, nicht nur das gleiche Gesicht hat, sondern auch dieselbe Art und Weise — das ist wahrhaft erstaunlich!" Er fragte nach dem Alter und sagte: „Er ist ein Jahr jünger als unser Junge." Aufrecht Kaufmann erwähnte dann noch, wie er seinerzeit durch eine Empfehlung den Bao Yong[17] aufgenommen habe, und erzählte auch die Geschichte, wie sein Sohn denselben Namen trage. Zhen Yingjia aber hatte nur Augen für Schatzjade und kümmerte sich nicht weiter um Bao Yongs Ergehen; er sagte nur immer wieder: „Wahrhaft erstaunlich, wahrhaft erstaunlich!" Er fasste Schatzjade bei der Hand und war überaus herzlich. Doch weil er fürchtete, der Anguo-Gong könnte bald aufbrechen, und er dringend die Reise vorbereiten musste, riss er sich nur mit Mühe los und ging langsam. Kette Kaufmann und Schatzjade geleiteten ihn hinaus und beantworteten unterwegs noch viele Fragen nach Schatzjade; dann erst stieg Zhen Yingjia in seine Kutsche. Kette Kaufmann und Schatzjade kehrten zurück, meldeten sich bei Aufrecht Kaufmann und berichteten die Fragen, die Zhen Yingjia gestellt hatte. Aufrecht Kaufmann entließ die beiden. Kette Kaufmann ging, um die Abrechnung der Bestattungskosten für Phönixglanz vorzunehmen. Schatzjade kehrte in sein eigenes Zimmer zurück und erzählte Schatzspange alles. Er sagte: „Den immer wieder erwähnten Zhen Schatzjade — ich dachte, es wäre unmöglich, ihn je zu sehen, doch heute habe ich zuerst einmal seinen Vater getroffen. Ich habe auch gehört, dass Schatzjade in wenigen Tagen in der Hauptstadt eintrifft und unseren Herrn Vater besuchen will. Auch er sagt, er sehe genauso aus wie ich — ich kann es einfach nicht glauben. Wenn er in den nächsten Tagen zu uns kommt, geht alle und schaut euch an, ob er mir wirklich ähnlich sieht!" Schatzspange hörte das und sagte: „Ach! Wie redest du denn — immer wirrer! Dass ein fremder Mann dir ähnlich sieht, muss man ja nicht gleich aussprechen, und dann noch uns auffordern, ihn anzuschauen!" Als Schatzjade das hörte, merkte er, dass er sich verplappert hatte; sein Gesicht wurde rot, und er wollte hastig eine Erklärung nachschieben. Was er dann sagte, wird im nächsten Kapitel erzählt. Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.
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