Xue Mo Desert Daughters/zh-de/Chapter 8
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| 中文 (Original) | Deutsch (Übersetzung) |
|---|---|
| 1232 爹却笑了:"丫头,我那事儿,有九分成了。成了,给那老妖一万,叫她别再逼丫头。我的莹儿,画上的人儿,啥时候这么委屈过?丫头,谁也不嫁。等买卖成了,我养你个老丫头。" | Sie legte alle Kraft in die Kehle. In diesem Moment war das ihre einzig mögliche Form des Widerstands. |
| 1233 莹儿的眼里涌出了泪,背了身,用力眨眼。那泪,飘风中去了,不知去向。 | „Schsch, nicht weinen.“ Xu Pockennarbe geriet in Panik und versuchte, Yinger den Mund zuzuhalten. Yinger nutzte die Chance, befreite eine Hand und packte zu. Xu Pockennarbe schrie offenbar vor Schmerz und drückte ihre Hand wieder zurück. Yinger spürte den Alkoholdunst noch näher kommen, etwas Stacheliges stach in ihr Gesicht. Ein widerlicher Gestank. |
| 1234 爹老这样。“九分成“了一辈子。可爹的心,莹儿懂。爹也能体谅她。莹儿鼻腔一酸,她差点答应爹嫁赵三了。卖了自己,叫跌绊了一辈子的爹过几天清闲 | „Mama –!“ schrie Yinger. Dieser Schrei zerriss die Nacht – wie konnte er die Mutter nicht wecken? Hatten sie es wirklich geduldet? Wagten sie wirklich nicht, diesen Pockennarbe zu verärgern? Fürchteten sie wirklich, die „gute Sache“ der Familie zu gefährden? Yinger war am Ende. Nicht ein Fünkchen Kampfgeist blieb ihr. Besser sterben. Sterben. Hilflos weinte sie. |
| 1235 日子。 | Doch der Alkoholdunst folgte ihrer Stimme. Yinger würgte. Plötzlich blitzte ein Lichtfunke in Yingers verzweifeltem Gehirn auf. |
| 1236 “走,屋里走。这风可利呢。脸上一有水,就叫风吹皴了。"爹伸出手,抹去莹儿脸上又滚下的泪珠。 | Sie biss zu. Mit aller Kraft. |
| 1237 莹儿这才记起了那响动。叫爹撞见,多难受呀。爹可怜。妈可怜。自己也可怜。她轻叹一口气。爹又劝了:"愁啥?丫头,活人还能叫尿憋死?皇天不负有心人呢。我不信别人能搞大买卖,我连个炒麦子也捡不来。只要捡来一颗。只一颗。嘿就够你丫头吃一辈子了。走,走,屋里走。" | Ein bestialischer Schmerzensschrei. |
| 1238 莹儿听到妈特有的大嗓门远远传来,才跟爹进了屋。妈在厨房里响着锅碗,说些不着边际的话,声音很大。莹儿明白妈的意思:“老娘方才可没做啥呀,老娘正做饭呢。"莹儿望望爹叫风吹得发青的脸,鼻头一酸。 | Yinger wurde ruhig. Nachdem alles Rufen vergeblich gewesen war, wurde sie plötzlich ruhig. „Verschwinde!“, befahl Yinger undeutlich. |
| 1239 进了屋上了炕,依旧躺下。爹用他独有的大话语气喧那个“九分成"的大买卖:"嘿那是个猫儿眼。哪面看,那猫儿眼都会朝你转。嘿,夜里也放光。 | „Mmh – mmh –“ antwortete die Gegenseite ebenso undeutlich. |
| 1240 听说那是当初财主逃往台湾时给贴身丫环的礼。几十年了,好容易才保存下来。你猜,咋保存的?你做梦也想不到。人家盘到锅头里。锅头用了几十年,那猫儿眼也藏了几十年。人家要四十万,不多。我给他引的下家。说好的,两头各抽三万谢我。这回,六万一到手,丫头,你吃香的,喝辣的,穿红的,挂绿的,由你。给那老妖一万,塞住她的嘴,叫她少跟个破头野鬼一样毛播你。给她两万也成。我拿上两万,也到白虎关开个窝子,说不定,也能挖个金疤塔呢。剩下的两万,丫头,我给你,你咋花咋花。不想前行,你就一个人过。不受气呀。你想吃就吃,想睡就睡,把那娃娃养大,中个状元你说不定还能当个诰命夫人,风 | Sie ließ los. Ein Blitz erhellte das Zimmer. Sie sah das verzerrte Gesicht. Hörte ein lautes Stöhnen und Luftschnappen. |
| 1241 冠呀,霞帔呀多威风。" | „Verschwinde!“, herrschte sie ihn an. |
| 1242 莹儿笑了,想,也不想太远了,只等那冤家来,望一眼也成。却想到那响动,心倏地暗了,觉得爹很可怜。 | Das undeutliche Stöhnen entfernte sich. |
| 1243 ”又是啥大买卖?”徐麻子的声音。 | Yinger würgte, würgte mehrmals, brachte aber nur Tränen hervor. Da weinte sie einfach los. Weinend zog sie die Schuhe an, ging hinaus, lief in den Hof und schluchzte hemmungslos im strömenden Regen. |
| 1244 一阵恶心。莹儿捏捏喉咙,就是这张恶心的麻脸,方才……她努力不去想它,却听得爹欢欢地打招呼:"哎呀,徐亲家,哪阵风把你刮来了?” | Die Übelkeit drang in jede Pore. Das Herz war vollgestopft mit Klebrigkeit. Nun war der Körper wirklich beschmutzt. Der Regen prasselte auf den Körper herab. Prassel nur. Wasch alles ab. Wasch den Schmutz fort. Yinger öffnete den Mund, weinte und fing zugleich Regenwasser auf. Der Körper war schnell durchnässt, die Kleidung klebte am Leib. Am liebsten hätte sie sich nackt ausgezogen und sich vom Regen von innen bis außen reinwaschen lassen. Im Herzen stöhnte sie unablässig: „Geliebter, ich bin beschmutzt, schmutziger als ein Abort. Ich lasse dich nie wieder an mich heran.“ Dann brach ein entsetzlicher Weinanfall aus ihr hervor. |
| 1245 “西北风。西北风。"徐麻子也欢欢地应。 | Die Blitze waren fort, der Donner war fort, nur der Regen prasselte verständnisvoll und wusch alles rein. |
| 1246 莹儿想,他是否正偷偷地嘲笑爹呢?这号货色,仿佛啥事都没做过似的,无耻透顶了。她很想看看那张麻脸上的芝麻眼里会发出怎样厚颜无耻的光,却又怕自己忍不住恶心。 | Nach einer Weile stolperte Yinger ins Arbeitszimmer. Machte das Licht an. Xu Pockennarbe schnarchte schamlos vor sich hin. |
| 1247 她想:“妈也不嫌恶心……。" | Der Vater war wach, die Mutter auch. Baifu war ein herzloser Mitläufer. Yinger sagte mit versteinertem Gesicht, ohne jemanden anzusehen: „Ich gehe zurück zu den Chens.“ Der Vater seufzte. Die Mutter zögerte einen Moment und sagte dann entschieden: „Nein!“ |
| 1248 爹又欢欢地喧那猫儿眼。徐麻子仍欢欢地应和。吹捧不了几句,爹就不知道高低了。那话越加吞夭吐地地大了。爹的外号”大话”,就是这样得来的。 | Yinger zuckte die Schultern und lachte kalt: „Ich will hin, aber nicht so, wie du sagst – ‚die Alte und den Jungen will sie sich einverleiben’.“ Sie deutete mit dem Kinn auf Xu Pockennarbe. „Der da – der will das.“ |
| 1249 妈做熟了饭,端进书房。莹儿仍不吃,腹内虽奇饿,但她咬了牙。她知道,自己只有这点儿尊严了。一失去,就连说话的份儿也没了。 | Die Mutter brach auf der Stelle zusammen. |
| 1250 爹仍用那“大买卖''劝莹儿。妈虽尖刻地嘲弄他,他却热情不减。莹儿落泪了。 | Yinger ging aus dem Hoftor. Ringsum war es noch dunkel. Der Regen hatte nachgelassen. Der Wind aber war schneidend und peitschte bis ins Herz. Yinger schauderte. Die Nase kitzelte – wahrscheinlich eine Erkältung. Das war nicht schlimm – eine Last war vom Herzen gefallen. Sie hätte nicht gedacht, so schnell aus dem Elternhaus hinauszukommen; eigentlich hatte sie den Hungertod als Drohung geplant. Nur diese Übelkeit hatte sich in die tiefste Seele eingebrannt, und bei der leisesten Berührung wollte sie würgen. |
| 1251 34 | Der Feldweg, der im Regen auftauchte, war voller Schlamm. Auch das war nicht schlimm. Ein paar Stürze schadeten nichts. Menschen waren zum Fallen geboren – es sei denn, man war gelähmt oder tot. Yinger hatte keine Angst vor dem Fallen, wohl aber davor, dass sich die Übelkeit für immer ins Herz einbrennen würde. Wirklich ekelhaft. Sie hatte sich schon hundertmal den Mund gespült, doch die Übelkeit blieb. Ich bin deiner nicht mehr würdig, Geliebter. Ein Schluchzer, und Tränen schossen in die Augen. |
| 1252 夜里,依旧喝酒。徐麻子是个典型的酒鬼,一见酒,连命也不要了。 | Eine Windböe fegte heran, voller Regen, peitschte ins Gesicht. Yinger glitt aus und stürzte. Schlamm bedeckte die halbe Seite ihres Körpers. Kalt war es nicht – der Körper schien taub. Das Herz aber war nicht taub; die Übelkeit wand sich rege und rastlos. |
| 1253 莹儿肚里火烧一样难受。怪,肚里早无食了,咋似火烧呢?不管它。这饿,不管它,它也奈何不了自己。只觉得猜拳声很是刺耳。尤其徐麻子那曳着老痰的含糊的声音,鸡毛一样在嗓子里损。那一粒粒麻子,定然也放光了,红得发亮。 | Wie spät es wohl war? Mitternacht oder Morgengrauen? Das war nicht wichtig. In den Augen der Liangzhou-Menschen gehörte die Nacht den Geistern. Geister eben. Angst vor Geistern – das war die alte Yinger. Jetzt gab es nichts mehr zu fürchten. Würden Geister Menschen fressen? |
| 1254 老这样。爹仍是吞夭吐地地喧大买卖。白福则含糊了舌头,说些不着边际的话。 | Würden sie Kleider zerreißen? Würden sie die schlimmen Dinge tun, die Menschen taten? Nein. Was gab es also zu fürchten? Am meisten fürchtete man Menschen – jene, die wie Menschen aussahen, aber kein Menschenherz hatten. Yinger fürchtete sich sogar ein wenig vor den Eltern. Welche Rolle hatten sie in der Nacht gespielt? Sie wusste es nicht. Besser, es nicht zu wissen. Wüsste sie es, hätte sie Vater und Mutter verloren. Tun wir so, als hättet ihr wirklich geschlafen, geschlafen wie tote Schweine – das muss doch gehen? |
| 1255 当然,他眼里赵三好,有肉吃,有酒喝有钱花比猛子强了百倍。 | Yinger weinte wieder laut. |
| 1256 妈若有所思地纳着鞋底,很少说话。这反常,说明她已经知道莹儿发现了她的丑事。她不敢和莹儿对视。莹儿也不去望她,实在吵噪得耐不住了,她就挣扎着下炕,去了兰兰以前住的小屋。 | Seit Langem war kein Blitz mehr erschienen. Auch gut. Dieses Licht, so hell, konnte den Weg erhellen, die Welt erhellen, das Herz erhellen. Doch wenn es erlosch, zog es nur noch schwärzere Nacht herbei … Dann besser gleich ein einziger schwarzer Block. Ein erstarrter Block, Himmel und Erde und Herz zu Chaos verschmolzen. |
| 1257 腿软,步儿发飘。心的折磨和绝食,已使她虚弱至极了。她挣扎着上了炕,捞过被儿,一躺下,就喘吁吁了。莹儿大睁了眼,望那黑夜。那黑夜,时不时地,就叫闪电撕破了。而后是一串炸心的雷声,然后是泼水声。那水声涨满天地,又涨满了心。莹儿就由了那泼水声去涨满心,省得别的情绪趁虚而入。风也大了,时不时吼几声,仿佛是狼嚎。莹儿迷糊了心,由风嚎去。 | Dieser Blitz – wie ähnlich er dem Lesen war. Ein scharfer Lichtstrahl, der das Leben mit einem Mal erhellte. Sie sah Zukunft, Morgen, Glück … Doch wenn die Wirklichkeit darauf drückte, erlosch er sofort und hüllte alles in Schwärze. Besser, es wäre gleich dunkel geblieben. Wer kein Glück begehrt, kennt keinen Schmerz; wer kein Licht ersehnt, verachtet die Dunkelheit nicht; wer keine Zukunft plant, hadert nicht mit der Gegenwart. Wie jene Parabel: Das Chaos hatte keine sieben Öffnungen und lebte frei und sorglos. Als wohlmeinende Weise ihm welche bohrten, starb es vor Schmerz. Wahrhaftig – besser nie lesen gelernt. Wirr geboren, wirr gestorben. |
| 1258 此刻,那冤家在哪儿?会不会被淋坏?这念头,突地又冒上心了。没治。那冤家,成水中的皮球了,硬按下去,稍不留意又会冒出来。冒出来就冒出来吧。 | Geliebter, auch du bist wie ein Blitz. Ein heller Blitz im Leben, der blendende Schönheit aufleuchten ließ, doch dann sofort erlosch. |
| 1259 那就想你,想你这个冤家的脸,想跟你在一起的时光,可脑中的你却捉迷藏了。 | Die Dunkelheit nach dem Licht ist furchtbar. Hätte ich das gewusst, wärst du besser nie aufgetaucht. Damals hatte ich mich gefügt – gefügt, Mentous Frau zu sein, gefügt, Witwe zu sein, gefügt weiterzugehen, gefügt, mich von der Wirklichkeit zerreißen zu lassen. Vielleicht wäre ich irgendwann stumpf geworden und hätte das Leid nicht mehr gespürt. Diese Xiangxiangs – leben die nicht auch ganz gut? Geliebter, du hast mich ins Elend gestürzt. |
| 1260 你的脸呢?你的可爱昵?你的鲜活呢?躲哪去了?咋费尽了心力搜索,脑中却一片空白?倒是那脑中的轰轰,由隐而现了。冤家,别躲呀。莫非,连这点儿奢侈,也不愿给我?那就滚远点吧。叫我的心死去。死呀,这狗心。 | Yinger schluchzte. Die Tränen verschleierten wieder die Augen. Verschwommen eben. Wozu brauchte sie sie auch? Die Nacht verbarg alles, doch der Weg erstreckte sich im Herzen. Mit geschlossenen Augen wich man nicht vom Weg ab. |
| 1261 屋里突地亮了。一声炸雷。屋里的掩尘纸被震得哗哗作响。莹儿的心却木着。 | Auf der Hauptstraße gab es weniger Schlamm. Sandiger Boden hatte seine Vorteile – der Regen war längst versickert, und man trat nicht mehr in Matsch. Am Wegrand stand ein Oleaster, dunkel wie ein Geisterschatten. Hier spukte es oft. Angeblich konnte man sogar am helllichten Mittag eine Frau in Rot sehen. An diesem Baum hatten sich mehrere Frauen erhängt, alle im roten Hochzeitskleid – daher der Spuk. Yinger hatte keine Angst. Es war doch nur ein weiblicher Geist – auch als Geist bist du eine Frau, was gibt es zu fürchten? Doch das Herz zitterte, und sie ging in die Straßenmitte. Die Mutter hatte gesagt, in der Mitte der Straße gab es einen Bannstrahl. Diesen Strahl fürchteten Geister wie Götter – der Himmelsvater hatte ihn eigens für Nachtwanderer eingerichtet. Dann also die Mitte. Die Mitte war gut. Der Vater sagte immer: „Pferde sind zu schnell, Ochsen zu langsam – auf dem Esel reitet man die goldene Mitte.“ |
| 1262 莹儿想,由你炸吧。索性,你炸了这身子,炸了这心,炸了这世界。她见过一种闪电,骨碌碌滚,一股硫黄味,碰着啥,就烧啥。那年修金刚亥母寺,村人捐了粮,捐了钱叫大头贪了些。夜里,那滚动的闪电就找去了,扑进屋,旋一转,把顶棚上的掩尘纸烧了。大头急了,顶了会兰子的血裤头,才保下了命。莹儿没贪过钱却贪过比钱比命更珍贵的东西,那就由你炸吧。炸吧,把身子炸个粉碎,把心也炸成粉来,把这个莹儿炸没了,融入虚空,融入黑暗。或者,哪儿也不融了,索性消失得无影无踪。 | Dem Weg folgend, immer geradeaus. Der Himmel schien etwas heller zu werden. Die Bäume am Wegrand wurden spärlicher. In den letzten Jahren hatte man rücksichtslos gefällt, das Grün in Häuser und Möbel verwandelt. Verwandelt eben – Yinger konnte sich nicht um alles kümmern. Weniger Bäume bedeuteten auch weniger Unheimlichkeit. Sanddünen, Senken, Strauchwerk – alles verschwamm in der dämmrigen Nacht. Auch gut – alles verborgen, auch die Geisterfrauen. Vielleicht lachten sie gerade über sie, lachten über ihr elendes Leben. … |
| 1263 隔壁的猜拳声大,都满嗓门叫个声音,爹仍是超人的热情徐麻子拉长了舌头,酒一喝高,他就这副弄样。妈也有了说笑,仿佛啥也没发生过一样。由你们笑去吧。我等这天雷来炸吧。你炸呀炸呀!咋又悄声没气了? | Was gibt es da zu lachen? Damals ging es euch genauso. Jetzt habt ihr die Narben vergessen und lacht über andere – das ist nicht anständig. Als sie das sagte, schämten sie sich. Yinger lächelte. Geht nur, Einsicht ist gut. Ihr seid frei, erlöst – das ist euer Glück. Andere auszulachen gehört sich nicht. Ich bin das Gestern von euch, ihr seid das Morgen von mir – was habt ihr vorzuweisen? |
| 1264 那泼水声随狼嚎似的风声越加猛了。想来那地上,已水流成片了。天也罢,地也罢,已没了界限,都叫水淹了。水真好,把啥都能淹了。那花儿不是唱“眼泪花儿把心淹了"?淹了就好。可又没真淹去,只是泡了。心咸咸的,闷闷的,喳喳的,反倒比不淹难受。 | Der Regen ließ nach. Vom Wolkenbruch zum mäßigen Regen, vom mäßigen zum leichten. Das Helle im Osten wurde allmählich kräftiger. Das Licht, wie Tusche auf Reispapier, breitete sich aus, von klein zu groß, von blass zu kräftig, und nagte am Nachthimmel. Die Nacht löste sich langsam auf. Löse dich auf. Nicht auflösen ging auch – zu einem Block erstarren ging auch. Für Yinger war es gleich. Nur im Tageslicht würde ihr Anblick als begossener Pudel viele fragende Blicke hervorrufen. Peinlich, wenn sie daran dachte. Einst war sie die „Blumenfee“. Jetzt war sie ein einsamer Nachtgeist. Geist eben. Wie es kommt, so kommt es. Wer keine Angst vor Zahnverlust hat – lacht nur. Doch plötzlich dachte sie an den Vater. Wenn sie als Kind weinte, geriet der Vater in Panik und hätte am liebsten die Sterne vom Himmel gepflückt, nie ließ er sie leiden. Jetzt hatte sich der Vater verändert. In der Nacht – die Männerstimme nebenan war eindeutig die des Vaters, doch die Mutter hatte ihn zum Schweigen gebracht. Vater, armer Vater. Wie konntest du zusehen, wie deine Tochter geschändet wurde? Dieser Xu Pockennarbe – nur ein Heiratsvermittler, und schon konnte er einem lebenden Menschen Dreck ins Gesicht reiben. Auf dieser Welt gibt es viele, die mächtiger sind als er – mit deinem Duckmäusertum, hast du da noch einen Ausweg? Vater, armer Vater. Ich weiß, du leidest, innerlich leidest du, nicht wahr? Gutes Essen ohne Salz ist wie Wasser, ein guter Mann ohne Geld ist wie ein Geist. Der Arme verliert den Mut, dem mageren Pferd wächst das Fell lang. Auch du hast die Zähne zermalmt und sie hinuntergeschluckt, nicht wahr? Vater, ich weiß, die Armut hat dir das Rückgrat gebrochen. Nicht wahr, Vater? Yinger weinte wieder laut. |
| 1265 妈几声很脆的笑传来,把风雨泼息了。莹儿皱皱眉头,想到爹那张沙枣树皮似的脸,心里喳得慌。爹这一辈子,图个啥?上了一辈子当却没悔个心。也好,有梦做就好。不像妈,老怨天尤人,老是个气葫芦。因为她已没了梦。没了梦, | Und die Mutter? Du warst doch eine starke Frau. Auf deinem Arm konnte ein Pferd galoppieren, auf deiner Faust konnte ein Mensch stehen. Wie konntest du dich so verändern? Mutter, früher warst du zwar arm, hattest aber noch Rückgrat. Du sagtest immer: „Die Alte ist arm, weil es ihr bestimmt ist.“ Dieser Ton – als könntest du den Himmel verschlingen. Jetzt hast du das „Rückgrat“ verloren, die „Haltung“ eingebüßt, alles ist dahin. Du, die so Starke – wie konntest du auf einmal so weich werden? |
| 1266 活得就苦。自己也像爹,明知道盼的一切,是命运给你的“当“,可她还是愿意上当。有梦,总比无梦好。可就连这可怜的梦,现实也总是搅,叫她做不圆固。 | Yinger wischte sich die Tränen ab. Sie bereute zutiefst jenen Satz, der die Mutter verletzt hatte. Das Herz zog sich zusammen. Wirklich herzlos von ihr. Die Mutter litt schon genug. Den widerlichen Xu Pockennarbe … Und sie selbst hatte der Mutter den Dolch ins Herz gestoßen. Wirklich unmenschlich. Yinger biss sich heftig auf die Lippe, und als sie fürchtete, sie schon durchgebissen zu haben, biss sie sich stattdessen kräftig in die Hand. Das galt ihr selbst. Am liebsten wäre sie zurückgerannt, um vor der Mutter niederzuknien und so lange den Kopf auf den Boden zu schlagen, bis Blut floss, und um Vergebung zu bitten. Beinahe hätte sie sich umgedreht, doch sie hielt sich zurück. Sie wusste: Dieser Aufbruch würde vielleicht ihr Schicksal ändern. Um des Geliebten willen … Geliebter, ich musste der Mutter wehtun. |
| 1267 梦给搅得支离破碎,心也就破碎了。 | Yinger heulte wie eine Wölfin, lang und klagend, ließ sich dann auf die Knie fallen und schlug in Richtung Elternhaus viele Male den Kopf auf den Boden. |
| 1268 那黑重重地压了来。黑色的雨死命地泼。以前,那黑色的心里,还有几个亮点。此刻那亮点也不见了,许是叫心染黑了。 | Als sie aufstand, merkte sie, dass sie in einer Pfütze gekniet hatte. Egal. Dieser Schlamm und dieses Wasser beschmutzten nur die Kleidung. Ein |
| 1269 口很渴。有点儿水喝当然好。可莹儿绝食昵。那水,自然也该绝了。莹儿不想骗自己,要是连自己也骗,真没个活头了。要绝食,就真心实意地绝,把那水也绝了。大不了一死。死真没啥可怕的。一想日后的活,反倒不寒而栗。 | Mal waschen, und alles war sauber – das konnte nichts anrichten. Aber ihre eigenen Worte hatten bewirkt, dass die Mutter keine Mutter mehr sein konnte. Mama, vergib mir. |
| 1270 冤家,你一拍屁股,走了个千净,却把一个巨大的空虚留给了我。好个孤凄。 | Yinger ging weinend und stolpernd. Jetzt war es nicht mehr weit bis zum Haus der Schwiegereltern. Dieses Stück Weg war uneben und voller Schlaglöcher; ging man etwas schneller, stolperte man. Nicht schlimm – hinfallen, aufstehen; blaue Flecken heilen; Schürfwunden verheilen; zu Tode stürzen – noch besser. Aber der Schmerz im Herzen ließ sich nicht tilgen. Wenn sie die Eltern hasste, vernebelte die Wut den Verstand. |
| 1271 我知道你闷,你憋,可你躲开的闷憋,又占据了我的心。只是它更强大。在一个弱女子的心里,它们是为所欲为了。弄得连那首花儿,也懒得唱了。记得不?就是那首:"杠木的扁担闪折了,清水呀落了地了;把我的身子染黑了,你走了阔敞的路了。“那"阔敞'',原是“干散”,可我还是改成了"阔敞''。这是我的祝愿。 | Wenn sie wieder klar wurde, spürte sie das Leid von Vater und Tochter. Könnte sie das Leben noch einmal leben, würde Yinger alles tun, damit die Eltern lächelnd genießen könnten. Doch jetzt war es zu spät. Yinger konnte nur zusehen, wie die Eltern wie Giftspinnen in einer Flasche einander bissen, sich wie Feinde quälten. Da erst verstand Yinger Lingguans Fortgang. Was er getan hatte, war genau das, was sie sich ersehnte. |
| 1272 相信你的路,会越走越阔敞的,而我,已没了路。那落地的清水儿,染黑了我的身子,也染黑了我的心。听,这泼水声,就是那落地的清水呀。冤家,把天都染黑了呢。你这瞎眼的天,虽用那闪电划呀划的,但终究还是叫黑染透了。冤家呀,前世的冤家,今世的冤家,来世的冤家。 | 38 |
| 1273 那闪电,越来越稀了,渐渐不再肆虐。风却不弱,依旧在。夜奇怪地重了,把猜拳声压了,把说笑声压了,把莹儿的眼皮也压了。 | Lanlans Freudenruf riss Yinger aus ihren Erinnerungen. |
| 1274 莹儿堕入了浓浓的黑里。 | Lanlan hatte in einem kleinen Beutel am Packsattel eine halbvolle Flasche Speiseöl entdeckt. Es war eigentlich zum Kochen gedacht und war separat verpackt worden, damit die Töpfe die Flasche nicht zerbrechen – darum war es nicht zusammen mit dem Geschirr abgeworfen worden. Das Öl schmeckte zwar nicht gut, konnte dem Körper aber Nährstoffe liefern. Als pflanzliches Fett lieferte es wesentlich mehr Kalorien als gedörrtes Brot. Lanlan sagte, sie sollten das Öl noch nicht anrühren, denn das gedörrte Brot war trocken und brauchte zum Schlucken Wasser. Das Wasser und das Brot würden für einige Mahlzeiten reichen; das Öl sollten sie erst im äußersten Notfall trinken. |
| 1275 35 | Beim Anblick des Speiseöls fühlte sich auch Yinger etwas erleichtert. |
| 1276 不知过了多久,黑愈加重了,开始扭动着撕扯莹儿。莹儿醒了。身上有只手,在乱抓。浓浓的酒气扑面而来。那喘息,带着噬噬。这是老气管炎患者独有的喘息。是徐麻子。 | Die beiden suchten eine schattige Senke mit Sträuchern und gruben zwei Gruben, beide tief genug, bis feuchter Boden kam. Die größere war für das Kamel. Obwohl Kamele einen inneren Wasserspeicher haben, hielten sie die gnadenlose Sonnenbestrahlung nicht ewig aus; in der feuchten Grube liegend, konnte es die Verdunstung verringern und Feuchtigkeit aufnehmen. Lanlan schnitt mit ihrem tibetischen Messer Sandgras und trug es in die Grube; das Kamel fraß und wich zugleich der giftigen Sonne aus. |
| 1277 “妈呀一''莹儿厉厉地叫。 | Obwohl sie immer noch Hunger und Durst litten, war es bei Weitem erträglicher als nach der Flucht des Kamels. Damals, als „die letzte Munition verschossen“ war, wurden Hunger und Durst zu Krallen, die wahnsinnig an ihnen rissen. Jetzt, mit Nahrung und Wasser, quälten Hunger und Durst sie zwar auch, waren aber einigermaßen auszuhalten. |
| 1278 "叫啥?”徐麻子压低了声:“他们睡了。给,这是钱,买个头巾。"莹儿觉得手里多了卷纸。她一阵恶心,扔在地上。 | Lanlan wusch dem Kamel ab und zu mit Salzwasser die Wunden, wobei sie den Deckel der Plastikflasche zum Anrühren benutzte. Während des Lösens des Salzes hielt Yinger die Wasserflasche zwischen den Knien fest umklammert. Jedes Mal dabei fühlte sich Yinger wie vor einem Feind – ständig fürchtete sie, die Plastikflasche könne sich plötzlich losreißen und die lebensrettende Flüssigkeit in den Sand vergießen. Auch die Luft schien unsichtbare Hände auszustrecken, die ihr die Flasche entreißen wollten. Um sie nicht zu verlieren, wurden ihre Arme ganz steif. Das machte sie immer nervöser, und als Lanlan die Wunden fertig gewaschen hatte, war auch Yinger vor Anspannung völlig erschöpft. |
| 1279 ”*Tä“滚开!”她骂。这麻子竟如些放肆。莹儿气软了。她想翻起身,狠狠甩出一击耳光却是有心无力。 | Nach der Wundbehandlung goss Lanlan das restliche Salzwasser in ihre Handfläche und hielt sie dem Kamel hin. Das Kamel streckte die Zunge aus und leckte die kühle Flüssigkeit auf. Kamele liebten Salz über alles; diese kleine Portion konnte zwar nicht viel ausrichten, war aber eine Belohnung für das Kamel. |
| 1280 "滚开,老畜生!”这是她懂事以来第一次骂人。 | Genau genommen verbrauchte das Kamel sogar etwas mehr Wasser als die beiden Menschen. Das war in Ordnung – alle hatten Angst vor einer Wundinfektion und hofften, dass die Wunde schnell verkrustete. Das Tragen war zwar wichtig, aber noch wichtiger war: Solange sie das Kamel hatten, hatten ihre Herzen festen Boden. |
| 1281 "忍忍,忍忍。只一会儿。就一会儿。"徐麻子喘吁吁道:“不信你个棉花,见了火不着。”他索性扑到莹儿身上,撕她的衣服。 | Die beiden Schwägerinnen ruhten am Tag und wanderten bei Nacht, zwei weitere Nächte lang. Nach der zurückgelegten Strecke hätten sie den Salzsee längst erreichen müssen, doch stattdessen gerieten sie in eine Kieswüste. Beim Anblick der Kieswüste wusste Lanlan im Stillen, dass etwas schiefgelaufen war. Als sie damals zum Salzsee ging, hatte sie keine Kieswüste passiert – sie hatten sich also verlaufen. Das bisschen gedörrtes Brot war aufgegessen, das Wasser fast alle. Das Öl war zwar unangetastet, doch mit diesem bisschen Öl würden sie nicht lange durchhalten. Die Kamelwunde war zwar verheilt, aber sie brachten es nicht übers Herz, wieder aufzusitzen. Wenn die Erschöpfung zu groß wurde, führte eine das Kamel, während die andere sich am Kamelschwanz festhielt und etwas Kraft borgte. Die Beine fühlten sich längst nicht mehr wie ihre eigenen an. |
| 1282 "爹——"莹儿厉厉地叫,带了哭音。她听到隔壁有动静了,先是男声后是女声却终于寂了。 | Später ritten sie abwechselnd – eine Stunde pro Person. |
| 1283 “哥—“她哭喊。声音把风雨都盖了,却刺不破隔壁的寂。 | Die Höcker waren eingesunken, was bedeutete, dass auch die Lebensreserven des Kamels zur Neige gingen. Unterwegs gab es wenige Stellen mit Gras. Obwohl Lanlan die Rastplätze an Stellen mit Bewuchs wählte, damit das Kamel sich stärken konnte, waren die Höcker trotzdem eingesunken. Sie erinnerte sich, dass es auf dem Weg zum Salzsee mehrere Stellen gab, die eigens dazu dienten, die Kamele mit Wasser und Gras zu versorgen. Da sie sich verirrt hatten, war das Kamel beim Futter offensichtlich zu kurz gekommen. Lanlan nahm den Packsattel ab, zog das Polstergras aus dem Sattel und gab es dem Kamel. Dann benutzte sie die Decke als Polster. Doch das bisschen Gras war für das hungrige Kamel ein Tropfen auf den heißen Stein. |
| 1284 ”他们,知道。怕啥?拔了胡萝卜窝窝儿在哩。又不是黄花闺女。明日个,给你买个裤子,成不?好料子。我说话算数。骗你,我得大背疮。”他把莹儿的两只手背了,压在她身下,开始解扣子。 | Immerhin heilte die Wunde schnell. Das lag wohl in der Natur des Tieres. Weil sie ständig Lasten trugen, wurde der Kamelrücken immer wieder aufgescheuert. Mit der Zeit bildete sich eine sehr harte, dicke Schwiele. Mit Salzwasser gewaschen, verkrustete die Wunde rasch. Solange das Kamel also noch Kraft hatte, konnte es sie tragen. |
| 1285 哺丕!"莹儿哭了。一只手已按上胸膛了,自己的手却被压在身下。她连挣一下的力气也没了。另一只手开始解她的裤带。 | In der Kieswüste fanden sie hin und wieder Gras, das Kamel fraß gierig. Lanlan war überzeugt: Nach einem Monat solchen Fressens würden sich die Höcker wieder aufrichten. Doch sie waren nicht zum Kamelhüten unterwegs, sondern mussten den Salzsee finden. Lanlan überlegte angestrengt und kam schließlich zu dem Schluss, dass sie den Salzsee verpasst hatten. Sie sagte, ganz sicher. Der Salzsee war eigentlich eine Oase in der Wüste, nicht besonders groß – wenn man in der Ferne auch nur ein, zwei Li daneben lag, konnte man ihn knapp verfehlen. |
| 1286 "哇——"莹儿突地爆发出哭声。那声音,不像人声,连那手也给惊住了。 | Was tun? |
| 1287 她把所有的力气都运到喉咙上。此刻,这是她唯一可行的挣扎方式了。 | Lanlan sagte, es bliebe nur, umzukehren, und sobald sie wieder in der Sandwüste wären, nach Westen zu gehen. Mit etwas Glück würden sie vielleicht doch noch auf den Salzsee stoßen. |
| 1288 "乖乖,别哭。"徐麻子慌了,用手去捂莹儿的口。莹儿趁机抽出了手,抓了一把。徐麻子显是痛了,又背了她的手。莹儿觉得酒气又近了,有东西开始扎脸。一股恶臭喷了过来。 | Zurück in der Sandwüste banden die beiden das Kamel an einen Strauch und bestiegen den höchsten Sandberg in Sichtweite. Mit Beinen, schwerer als mit Blei gefüllt, stiegen sie Schritt für Schritt hinauf. Sie brauchten mindestens zwei Stunden. Beide brachen erschöpft zusammen. Erst nach langem Atemholen suchten sie die Umgebung ab. Sie hatten geglaubt, vom höchsten Sandberg aus alles überblicken zu können. Doch oben angekommen stellten sie fest, dass ein Berg höher war als der andere. Hoffnungslos. Sie sahen nur Welle um Welle aufbrausender Sandberge. Vom Gehen ganz zu schweigen – allein beim Hinschauen verließ einen der Mut. |
| 1289 “妈—-"莹儿叫。这声音,把夜都撕破了,咋叫不醒妈呢?莫非,他们真默许了?真不敢得罪这麻子?真怕坏了家里的好事?莹儿绝望了,连一丝儿挣扎的心也没了。还是死吧。死吧。她无助地哭了。 | Yinger ließ sich in den Sand fallen und wollte lange kein Wort sagen. |
| 1290 那酒味却循声搜来了。莹儿一阵反胃。忽然,一丝亮光进了莹儿绝望的大脑。 | Auch Lanlan schwieg mit finsterer Miene. Beiden war zum Weinen, aber die Tränen kamen nicht. Der Kopf war leer. Wenn doch nur am Horizont ein weißer Fleck zu sehen wäre … Doch am Horizont waren nur Sandberge. Selbst wenn sie bis zum Horizont kletterten, ob dort der Salzsee lag, blieb ungewiss. |
| 1291 她狠狠咬去。 | Lanlan sagte: Gehen wir hinunter. |
| 1292 一声兽似的惨叫。 | Yinger sagte: Ich kann mich wirklich nicht mehr bewegen. Am besten sterbe ich auf diesem Sandberg und werde ein Haufen Knochen. |
| 1293 莹儿冷静了。在所有的呼救无济于事后,她反倒冷静了。"滚开!"莹儿含糊地命令。 | Lanlan sagte: Gehen wir, wenn wir den Weg gegangen sind, der zu gehen ist, sehen wir weiter. |
| 1294 "嗯—嗯——“对方也含糊地应。 | Beim Blick auf das Kamel, das unten wie ein gelber Punkt aussah, dachte Yinger: Hätte ich gewusst, dass es so kommt, warum den Sandberg besteigen? Es hatte viel Kraft gekostet und sie nur mutlos gemacht. |
| 1295 她松了口。一道闪电亮了。她看到那张扭曲的脸。听到一阵很响的呻吟和抽气声。 | Da sie sich nicht mehr bewegen konnte, war Yinger auch zu faul, den sanften Hang hinunterzugehen. Sie ging einfach zur steilen Seite, hockte sich hin, setzte sich in den Sand und rutschte hinab. Unerwartet war es, als hätte sie Flügel bekommen – der Wind pfiff an den Ohren, und Körper und Seele wurden auf einmal leicht. An einer flachen Mulde hörte sie Lanlan rufen: Pass auf deine Hose auf! Wenn du weiter rutschst, scheuert es bestimmt ein großes Loch in deinen Hintern. |
| 1296 | Obwohl ihr die Hose auch leidtat, war das Gefühl einfach zu herrlich. Yinger dachte: In diesem Moment weiß ich nicht einmal, wo mein Leben hängt – was kümmert mich die Hose? Sie sprang die Sanddüne hinunter. Der fließende Sand trug sie wie Wasser – ein unbeschreibliches Gefühl. So leicht war ihr schon lange nicht mehr. Sie schrie begeistert. Die stille Sandmulde wurde lebendig. Lanlan ließ sich anstecken, vergaß ebenfalls ihre Hose und rutschte im Sand hinunter. Beide schrien begeistert und vertrieben die Schwermut der letzten Tage. |
| 1297 | Nach einer Weile hatte Yinger Angst, der Sand könnte ihre Hose tatsächlich durchscheuern, und wechselte die Position. Das war möglich – hätten sie wirklich ein Loch, wäre es ihnen beim Salzsee peinlich. Sie drehte sich auf den Rücken, den Kopf nach oben, und begann, auf der Sanddüne zu schwimmen. Bei jedem Armzug glitt ihr Körper ein Stück abwärts. Sand rieselte in den Kragen und kitzelte angenehm. Lanlan begann ebenfalls zu schwimmen. Die Sandmulde hallte von ihren fröhlichen Rufen wider. Diese unverhoffte Freude wusch alle Sorgen fort. |
| 1298 气“滚!”她斥道。 | Unten am Sandberg angelangt, spuckten beide lachend den Sand aus dem Mund. Seit Jahren lebten sie stets unter den Augen anderer und hatten nie so ausgelassen getobt. Ausgerechnet an diesem Ort, der einer Sackgasse gleichkam, hatten sie auf einmal ihre verlorene Mädchenhaftigkeit wiedergefunden. |
| 1299 含糊的呻吟远去了。 | Um ihre gute Laune zu feiern, trank jede einen Schluck Speiseöl. |
| 1300 莹儿一阵恶心,呕了几下,却呕出了眼泪。她索性哭了。她哭着穿了鞋,出了门,走到院里,在滂沦的雨中大哭。 | 39 |
| 1301 恶心浸入每一个毛孔了。心里塞满黏物。这下,身子真黑了。雨,泼水似的往身上落。泼吧.洗吧。把那脏洗去。莹儿张开口,边哭,边接雨水。身子很快湿透了.衣服贴身上了。她真想脱光衣服,叫雨从里到外清洗一遍。心里却在不停地呻吟"冤家,我脏了,比茅厕还脏了。再不叫你碰了。“她爆出一阵吓人的大哭。 | Die Freude eben hatte alle Kraft aufgezehrt. Nach dem Toben kehrten die Sorgen ins Herz zurück. Wie weit konnte sie noch gehen? Würde sie den Salzsee erreichen? Je öfter man sich das fragte, desto grauer wurde das Herz – also lieber nicht daran denken. |
| 1302 闪电没了,雷声没了,倒是雨知心贴肺地泼着,洗刷着一切。 | Als die Gluthitze der Sonne etwas nachließ, stiegen sie aufs Kamel und ritten nach Westen. Gehen garantierte nicht, den Salzsee zu finden, aber Stillstehen bedeutete sicheren Tod in der Sandwüste. Also lieber gehen. Manchmal stieß selbst ein blinder Esel auf einen Heuhaufen. Vielleicht begegneten sie Menschen auf dem Weg zum Salzsee oder Hirten. Egal wen sie träfen – unter der Nase saß ein Mund, man brauchte nur zu fragen, und der andere würde antworten. Träfe man auf gute Menschen, gäbe es vielleicht sogar etwas zu essen und zu trinken. In der Abenddämmerung entdeckten sie ein Kamelskelett neben einem Sandwirbel. Das Kamel erschrak und warf den Kopf so heftig herum, dass es die beiden fast vom Rücken schleuderte. Lanlan war erfreut. Es war das menschennächste, was sie in der Gegend gesehen hatten. Am auffälligsten war der Schädel – zwei große schwarze Augenhöhlen starrten die Ankommenden an. Er musste schon lange ratlos dagestanden haben. |
| 1303 哭了一阵,莹儿跌跌撞撞地进了书房。拉亮了灯。徐麻子无耻地打着呼噜。 | Das Skelett war ziemlich vollständig, auch Zähne und Rippen waren noch intakt. Offensichtlich war das Kamel weder vor noch nach dem Tod von Raubtieren angefallen worden. Beim Anblick des Skeletts eines Artgenossen schnaubte und schüttelte das Kamel lange den Kopf und stieß dabei immer wieder ein Schnauben aus. Nach dem alten Shun bedeutete das, das Kamel sehe einen Geist. Geister fürchteten Speichel. Wachte der Geist des toten Kamels noch neben dem Skelett? Es hieß, es gebe Wächtergeister, die so lange blieben, wie die Knochen nicht begraben waren. Yinger glaubte nicht, dass bei hellichtem Tag ein Geist neben dem Skelett wachte, doch ihr lief dennoch ein kalter Schauer über den Rücken. |
| 1304 爹醒着,妈也醒着。白福是无心无肝的附声。莹儿木着脸,谁也不望,说: “我可到陈家去了。"爹叹口气.妈迟疑了一下,坚决地说: “不行!” | Lanlan sagte: Schau, das war ein Salztransport. Sie zeigte auf die Stofffetzen neben dem Skelett und sagte: Das ist bestimmt ein Kamel, das Mongolen beim Salztransport zu Tode geritten haben. Yinger sah keine Anzeichen eines Salztransports, freute sich aber trotzdem. Immerhin – irgendeine Entdeckung war besser als keine. Unterwegs hatten sie außer Wüste, Kiesflächen und Wüstenpflanzen kaum etwas Menschengemachtes gesehen. Das Skelett bewies zumindest, dass hier Menschen gewesen waren. |
| 1305 莹儿耸耸肩冷笑道: “我想去,可不是像你说的,老的嫩的都想啃。“她用下巴扬扬徐麻子, “人家,才想呢。" | Dann aber dachte sie: Vielleicht war das Skelett von einem Wildkamel. Um Lanlan nicht die Freude zu nehmen, sprach sie es nicht aus. In einer ausweglosen Lage brauchte man Hoffnung – selbst wenn sie trügerisch war, war sie besser als Verzweiflung. |
| 1306 妈一下子软了。 | Yinger dachte: Selbst wenn dieses Kamel tatsächlich auf dem Weg zum Salzsee gestorben war, bewies das, dass der Salzsee noch weit entfernt war – wäre er nah gewesen, hätte sich das Kamel bis zum Ziel geschleppt. Wenn sie weiter über die Todesursache nachdachte, wurde sie noch mutloser. Zumindest gab es in der Nähe wohl keine Wasserquelle und kein frisches Gras – warum sonst wäre das Kamel gestorben? Dem Anschein nach war es verdurstet oder an einer Krankheit gestorben. Vor dem Tod hatte es sich wohl in sein Schicksal gefügt. Es saß da wie ein meditierender alter Mönch, in Gleichmut. Ruhig lag es in der Sandmulde, mit der Miene eines, der dem erhobenen Schwert des Schicksals seinen Hals darbot. Yinger seufzte tief. Sie dachte an ihr eigenes Schicksal. |
| 1307 莹儿出了庄门。四下里仍黑。雨小了。风却凛洌得紧,一直泼进心里。莹儿打个哆嗦。鼻头痒痒了,怕是要伤风了。这倒不怕,心头卸下了一副重担哩。想不到会这么快出了娘家门,原打算以死相胁呢。只是那恶心,已印到灵魂深处了,稍一触及,便想呕。 | Lanlan ließ das Kamel niederkauern, und die beiden stiegen auf. Das Kamel schwankte vor und zurück, wiegte sich eine ganze Weile, bis es sich erhob. Yinger blickte zurück zum Skelett und sagte: Leb wohl – wer kann etwas dafür, auch ein bitteres Schicksal zu haben? Bei dem Gedanken, dass auch sie irgendwo weiter vorn zu einem Skelett werden könnte, überkam sie Traurigkeit. |
| 1308 那雨中隐现的小路上充满了泥泞。这也不怕。摔几跤也没啥。人生来就是摔跤的,除非瘫子和死人。莹儿不怕摔跤,倒是怕那恶心会永久印在心里。真是恶心。她已用水漱了百十次嘴,但恶心依旧。配不上你了,冤家。她嗖咽一声,泪突地涌入眼眶了。 | Je weiter sie kamen, gab es zwar keinen deutlichen Weg, aber immer mehr Knochen – Skelette oder einzelne Beinknochen, die schräg im Sand steckten und ins Auge stachen. Yinger dachte: So wie es aussieht, muss das hier ein Kamelweg oder eine Weide sein, woher kämen sonst so viele Knochen? Sie wurde etwas leichter ums Herz. |
| 1309 一股风吹来,裹着雨,泼在脸上。莹儿脚下一滑,摔倒了。泥浆沾了半边身子。倒是不冷,身子仿佛木了。心却没木,那恶心,醒醒地蠕动个不停。 | Etwas weiter entdeckten sie neben einem Skelett sogar einen Packsattel. Dieser Beweis war natürlich eindeutig. Das Holz des Packsattels war fast verwittert. Daneben lag Kamelmist von unbestimmtem Alter. Lanlan war bester Stimmung – wie auch immer, sie befanden sich auf einem Kamelweg. Yinger freute sich natürlich auch, war aber auch besorgt: Auf diesem Abschnitt lagen so viele Skelette – das bewies, dass hier viele Kameltreiber vorbeigekommen waren, aber auch, dass die Kamele nach der langen Reise hier an ihre Lebensgrenze stießen. Yinger begriff: Das Schicksal, dem sie gegenüberstanden, war ebenso furchtbar wie die Gebeine am Wegrand. Führte dieser Weg wirklich zum Salzsee? Wie weit war es noch? Würden ihre Kräfte bis zur nächsten Wasserquelle reichen? Alles war ungewiss. Lanlan wusste das sicher auch – sie wollte es nur nicht aussprechen. |
| 1310 不知道啥时候了。半夜,还是凌晨?这并不重要。在凉州人眼里,夜是鬼的世界。鬼就鬼吧。怕鬼的,是以前的莹儿。现在,没啥怕头了。那鬼,会吃人吗? | Am meisten besorgte sie das Kamel. Sie hatten das Öl für die Kalorien, aber die Höcker waren zu leeren Hautlappen zusammengefallen. Wie weit konnte es noch durchhalten? Immerhin trug es zwei erwachsene Frauen – mindestens hundert Kilo. Beim Aufstehen mit ihnen schwankte es jedes Mal lange. Bergauf zitterte es, als würde es umfallen. Später stiegen sie bergauf ab und hielten sich am Kamelschwanz fest. Offenbar näherte sich auch das Kamel seiner Belastungsgrenze. Warum sonst hätte es beim Anblick des Skeletts so stark reagiert? |
| 1311 会撕衣服吗?会做那些人常做的坏事吗?不会。那有啥好怕的?最怕的,是人, | Nach einer Ruhepause tranken beide einen Schluck Öl und Wasser und machten sich für den Nachtmarsch bereit. Die Skelette machten die Nacht zwar unheimlich, erinnerten aber auch daran, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Yinger dachte: Solange sie auf dem Weg waren, war alles gut – am schlimmsten war es, wie eine kopflose Fliege blind umherzuirren. |
| 1312 | Lanlan sagte: Nicht die Langsamkeit ist zu fürchten, sondern das Stehenbleiben. Solange die Richtung stimmt, ist jeder Schritt ein Schritt näher. |
| 1313 是那些人模人样却不长人心的人。莹儿甚至有些怕爹妈了。夜里那戏,他们扮演了啥角色?不知道。还是不知道好。知道了,就失去爹妈了。权当你们真睡了,睡成了死猪,总成吧? | Sie riefen: Qiao! Qiao! Das war der Befehl zum Niederkauern. |
| 1314 莹儿又哭出声来。 | Das Kamel zögerte einen Moment und kauerte sich langsam nieder. |
| 1315 闪电许久没出现了。也好。那光明,虽亮,能一下子照亮路,照亮世界,照亮心。可一熄,却牵来更黑的夜……索性就黑成一块吧。成凝固的一块,混沌了天,混沌了地混沌了心。 | Lanlan seufzte: Das Kamel ist am Ende seiner Kräfte. |
| 1316 这闪电,多像那念书呀。利利的一道光,一下就照亮人生了。她看到了前途、未来、幸福……可叫现实一压就倏地熄了,把啥都罩黑中了。还不如索性就黑了的好。不奢求幸福就没有痛苦不渴望光明就不嫌弃黑暗;不构建未来,就不埋怨现在。真像那寓言了。那混沌,本无七窍,原也活得逍遥。叫多事的智者凿了,反倒痛苦死了。真的,不念书多好。糊涂了生,糊涂死。 | Die beiden stiegen auf. Lanlan ruckte mehrmals am Zügel und rief: Chaoshao! Das Kamel schwankte und versuchte aufzustehen. Es schwankte mehrmals, stemmte einmal die Vorderbeine hoch, sank aber wieder zusammen. Es stöhnte und kämpfte vergebens. Lanlan sagte: Reite du allein, ich steige ab. Sie stieg ab, gab Kommandos und zog gleichzeitig am Kamelschwanz nach oben. |
| 1317 冤家,你也是闪电呀。在生命里亮亮地一闪,闪出炫目的美,却又倏地熄了。 | Das Kamel stieß einen langen Seufzer aus, lag da und rührte sich nicht mehr. |
| 1318 亮过后的暗,是那样地可怕。早知如此,你还是不出现的好。那时,我已认命了,我会认命做愍头媳妇,认命做寡妇,认命前行,认命叫现实撕扯去。也许,后来就木了,觉不出苦了。那香香们,不也活得挺好吗?冤家,你可害苦我了。 | Yinger verstand, dass es am Ende war, und stieg ebenfalls ab. Sie sah, dass das Kamel die Nüstern weit aufgerissen hatte und schwer und mühsam |
| 1319 莹儿嗖咽了一下。泪又模糊了双眼。模糊就模糊了吧,反正也用它不着。夜把啥都隐了,那路,却在心里延伸着。闭了眼,也不会偏离。 | atmete. Obwohl es auf den umliegenden Dünen trockenes Sandgras gab, schaute das Kamel nicht einmal hin. Yinger begriff: Es war zu durstig. Die Kehle war längst zu dürrem Leder geworden; es konnte das Sandgras nicht mehr hinunterschlucken, das trockener war als die Sonne selbst. Yinger war dem Kamel dankbar – ohne es lägen sie irgendwo in einer Senke. Sie beschloss: Auf keinen Fall durfte sie es noch reiten; auch sein Körper war nicht aus Eisen. |
| 1320 上了大路,泥汴少了。沙地有沙地的好处,那雨早渗了,踩上去,不再有泥浆。路旁有棵沙枣树黑黝黝似鬼影。这儿常闹鬼。据说有时的焦光晌午,就能看到一个红衣女鬼。这树上,吊死过几个女子,都穿着当媳妇时的红衣,就闹鬼了。莹儿不怕。不就是个女鬼吗?你成了鬼,也是个女的有啥好怕的?可心却怯了,就到路中间走。听妈说,路当中,有道煞。这煞,鬼怕神惊,是老天爷专为夜行人设的。那就走中间吧。中间好。爹常说“马太快,牛太慢,骑个毛驴儿走中间。" | Lanlan trieb es noch einmal an. Doch das Kamel klagte nur, als wollte es sagen: Geht ohne mich, ich kann wirklich nicht mehr. Yinger hatte von Lingguan gehört, dass Kamele, solange sie auch nur einen Funken Kraft hatten, mit aller Macht ihre Pflicht taten. Sie schonten sich nie. In früheren Karawanen brachen manche einfach zusammen und starben. Sie fragte sich, ob die Skelette es aufgewühlt hatten. Möglich. Wie ein todkranker Alter, der plötzlich erfährt, dass sein Gefährte gestorben ist – der Tod peitschte seinen Willen nieder. Yinger tätschelte seinen Kopf und sagte: Wovor hast du Angst? Die sind die, und du bist du. Das Kamel stöhnte, als wolle es sagen: Ich habe keine Angst, ich kann nur wirklich nicht mehr. |
| 1321 沿了路,一直儿走去。天似乎亮了些。路旁的树渐渐稀了。这些年,伐得厉害,把那翠绿,变成房子呀家具呀。变就变吧,莹儿管不了许多。树稀了,阴森味也少了。沙丘呀,沙洼呀柴棵呀都模糊了,模糊成朦胧的夜了。也好,把啥都隐了,把女鬼也隐了。说不准,她们正笑自己呢,笑自己活得恓惶。…… | Die Höcker waren zu Hautlappen zusammengefallen, die Rippen traten hervor. Das Kamel atmete schwer und streckte immer wieder die Zunge heraus. |
| 1322 这有啥好笑的?当初,你们也和我差不多。现在,你们好了伤疤忘了疼,望别人的笑声,不道德。这一说,她们就害羞了。莹儿笑了。去吧,知错就好。你们自由了,脱孽了,是你们的造化取笑别人,就不该了。我是昨日的你们,你们是明日的我,你们有个啥好炫耀的。 | Die Kamelzunge war dick belegt, in Gelb und Schwarz. Das plötzliche Zusammenbrechen hing zwar mit dem Nährstoffmangel zusammen, hatte aber sicher auch seelische Ursachen. Yinger wusste nicht, wie sie sein seelisches Leiden heilen sollte. Es war unmöglich – sie konnte weder im Nu die Kamelsprache erlernen noch in seinen Kopf schlüpfen. Sie dachte: Egal was geschieht, wir dürfen es nicht zurücklassen – nicht nur, weil ein Kamel zwei- bis dreitausend Yuan wert war, sondern weil es ihr Gefährte geworden war. |
| 1323 雨小了。由暴雨而中雨,由中雨而小雨了。东方的亮色,渐渐浓了。那亮,如洞在宣纸上的墨水一样,由小渐大,由淡至浓,一下下撬那夜幕。夜就慢慢地化了。由你化去吧。不化也好,凝成一块也好。在莹儿看来,一样。只是在昼里,自己这落汤鸡样,会勾来许多眼里的问号。想想,也怪难堪的。当初,是“花儿仙子'呀。现在,成夜行的孤鬼了。孤鬼就孤鬼吧。到哪山,打哪柴。只要不怕掉牙,由你们笑去。却倏地想起爹来。小时候,她一哭,爹就手忙脚乱,恨不得摘下星星,从不曾委屈了她。现在,爹变了。夜里,隔壁的那男声,明明是爹呀,却叫妈喝息了。爹呀好可怜的爹。你咋能眼睁睁叫女儿受辱?那徐麻子,不过是个媒人,就能叫他活人眼里下蛆。这世上,比他牛气的,多啦,你唯唯诺诺,还有活路吗?爹苦命的爹.我知道你苦,心里苦,对不?好饭没盐水一样,好汉没钱鬼一样。人穷志短马瘦毛长。你也是牙咬断了,往肚里吞,对不?爹我知道,穷把你的脊梁骨抽了。是吧?爹。莹儿又哭出声了。 | Plötzlich verstand sie, warum es hier so viele Skelette gab. Die Skelette sagten den Kamelen unmissverständlich: Wir sind tot, du wirst auch sterben. Das war eine furchtbare Suggestion. Sie erinnerte sich: Als Mentou todkrank war, hatte er anfangs noch Hoffnung gehabt. Damals flackerte seine Lebensflamme schwach, immer kurz vorm Erlöschen. Als er schließlich die Wahrheit begriffen hatte, starb er sofort. So war es wohl auch beim Kamel. Es glaubte, dass so viele Kamele hier gestorben waren, also konnte es auch selbst der ausweglosen Lage nicht entkommen. Manche Kamele hatten vielleicht noch genug Kraft, doch die Suggestion zerschmetterte ihren letzten Funken Zuversicht. Yinger dachte: Ich darf auf keinen Fall wie diese toten Kamele werden. Solange das Herz nicht stirbt, stirbt der Mensch nicht. |
| 1324 那么,妈呢?你可是个要强的女人呀。胳膊上跑得马,拳头上立得人。咋也变了?妈以前,你穷是穷,还有些底气。你常说“穷是老娘的合该穷。“那口气天都吞了的现在,你"底”也丢了, “气”也散了,啥也没了。那么强大的你,咋一下子就软了? | Sie überlegte, wie sie dieses Kamel retten konnte, das seinen letzten Funken Hoffnung verloren hatte. Da sie nicht in sein Herz schlüpfen konnte, brauchte sie einen anderen Weg. Sie dachte und dachte und fand keinen anderen als ihm etwas Speiseöl einzuflößen. |
| 1325 莹儿抹把泪。她很后悔那句伤妈的话。心一下下抽了。真不长心。她想,妈已经够苦了。叫那恶心的徐麻子……可自己,竟拿锥子捅她的心。真不是人。莹儿用力咬嘴唇,怕已咬烂了,就狠狠咬了一口。她这是旺自己。真想跑回去,跪在妈面前,一下下磕头,磕出血来,请她原谅。她差点要转过身去了,可还是忍了。明知道,这一出来,也许会改变命运的。为了那个冤家……冤家呀,只有伤母亲了。 | Als sie es vorschlug, erklärte Lanlan stirnrunzelnd: Das ist das Letzte, was wir haben, und der Weg ist vielleicht noch weit. Yinger sagte: Wir können es doch nicht zurücklassen. Es ist fortgelaufen und wieder zurückgekommen, um uns zu finden … Lanlan sagte: Dann eben so. Schlimmstenfalls sterben wir zusammen. Yinger sagte: Genau. Wenn wir leben, leben wir zusammen. Und wenn wir sterben müssen, sterben wir mit dem Kamel zusammen. |
| 1326 莹儿像母狼一样,长长地嚎几声,嗅地跪倒,朝娘家方向,一气磕了许多个头。 | Lanlan holte die Ölflasche hervor. Als sie sie schwenkte, wirbelte das Öl an der Flaschenwand und zeichnete schöne Muster. Yinger spürte, wie eine unsichtbare Kraft ihr Herz zusammenpresste; Lanlan ging es wohl genauso. Dieses Öl – die beiden hätten noch zwei, drei Schluck trinken können. Es war wenig, aber es war das einzige Nahrungsmittel, das sie noch hatten. |
| 1327 起身时,才发现自己跪积水中了。没啥。这泥呀,水呀,不过污了衣裤。一 | Das Kamel starrte gierig auf die Flüssigkeit – so hatte es auch vorher geschaut, wenn die beiden tranken. Es wusste natürlich, dass es eine Köstlichkeit war. Früher, wenn die Karawane vom Salzsee kam, bekam es manchmal etwas Schmalz vom Herrn. Das waren keine gewöhnliche Sandgrashalme. Sandgras konnte zwar den Hunger stillen, aber die trockene Zunge, hart wie eine Strohsandale, und die raue Speiseröhre, rau wie Schmirgelpapier, konnten es nicht aufnehmen. Diese Flüssigkeit hingegen war glatt und trug einen Hauch kühler Anmut. Das Kamel konnte sie nur gierig anstarren, die Schluckbewegung der beiden Frauen beobachten. Es konnte sogar das gluckernde Geräusch hören, wenn der dicke, glänzende Nektar die Speiseröhre hinabglitt. Die ausgedörrten Zellen jubelten und riefen wie Schafe, die verdurstet zum Brunnen stürmen. Das Kamel wusste, es konnte nur zuschauen. Schauen war schon viel – nach all der trockenen Wüste noch einmal das kühle, glatte Wirbeln an der Flaschenwand zu sehen, war schmerzhaft und erregend zugleich. |
| 1328 | Natürlich erwartete es nicht, dass die hübsche Frau – obwohl auch ihre Lippen von schwarzen, trockenen Krusten bedeckt waren – ihm den Flaschenhals entgegenstrecken würde. Es dachte, sie necke es. Die Dorfbewohner neckten es immer so. Man sagte, durchs Dachfenster Luzerne baumeln lassen gebe dem alten Esel Liebeskummer. Auch Kamelen bereiteten sie solchen Liebeskummer. Die Dorfkinder hielten ihm zartes Gras hin, und sobald es den Mund öffnete, zogen sie das Gras weg und lachten schadenfoh. So waren Menschen. Früher schloss es bei solchen Neckereien stolz die Augen. Aber wissen Sie – was für eine Versuchung war dieser Hauch von Kühle in diesem Augenblick! Allein der Anblick war ein Genuss. Natürlich war dieser Genuss auch Qual – wie ein lediger Mann, den das Verlangen verzehrte, vor einem obszönen Film: Er wurde zwar rot und keuchte, doch seine rollenden Augen ließen keine einzige quälend erregende Szene aus. |
| 1329 水洗百净,终究碍不了啥事。但自己那话,却叫妈当不成妈了。妈呀,原谅我。 | Dem Kamel ging es genauso. |
| 1330 莹儿边哭,边跌撞着走。现在离婆家的路不远了。这段路,不很平,多坑洼,走得稍快些,便跌绊了。不要紧摔倒了,爬起来摔青了,会复原摔烂了,会痊愈,摔死了:更好。那心里的痛,却难消了。恨爹娘时一股气蒙了心智。 | Doch der Flaschenhals wurde tatsächlich seinem Maul entgegengestreckt. Natürlich war es überrascht. Natürlich wusste es auch, was der Inhalt für die beiden Frauen bedeutete. Es blickte der Frau in die Augen und suchte nach dem Zeichen einer Neckerei – doch was es sah, waren Augen voller Fürsorge. Es erinnerte sich: Als es als Jungtier in ein Mauseloch trat und sich das Bein brach, hatte die Mutter es genauso angesehen. Natürlich vergaß es diesen Blick nie. Man sollte sein Gedächtnis nicht unterschätzen: Es erinnerte sich an einen Streich von vor über zehn Jahren, vergaß aber auch nicht, dass ihm jemand vor acht Jahren eine Handvoll frisches Gras gegeben hatte. Kamele gehörten zu den Tieren mit dem besten Gedächtnis. In dieser Hinsicht übertrafen sie sogar Pferde. Wie Pferde galten sie als menschennah, nur waren sie noch gutmütiger. |
| 1331 醒来,却觉出爹女的苦来。若重活一次人,莹儿就会想尽办法,叫爹妈微笑着享受去。可现在, 了。莹儿只能眼睁睁望着,一任爹妈像瓶中的毒蜘蛛,你咬我一口,我咬你一;,仇人似的折腾.莹儿这才理解了灵官的出走。他做的,不正是她盼的吗? | Das Kamel war wirklich gerührt. Es zweifelte nicht an der Botschaft in diesen Augen. Es verstand: Sie wollte ihm die kühle Flüssigkeit wirklich geben. Es wusste zwar nicht, dass es das Letzte war, doch es hatte längst aus dem Verhalten der beiden begriffen, wie kostbar es war – sie tranken nur alle paar Stunden einen winzigen Schluck. Beim Trinken schlossen sie die Augen und genossen lange nach – natürlich wollten sie den Geschmack tief in ihre Seele einprägen. Natürlich. |
| 1332 36 | Das Kamel wollte sagen: Trinkt ihr! Trinkt ihr! Seine Höflichkeit hatte es vom Herrn gelernt – der war genauso. Er wollte offensichtlich trinken, doch wenn jemand ihn einlud, sagte er genau diese Worte. Der Herr war natürlich nur scheinhöflich; das Kamel aber meinte es ernst. |
| 1333 兰兰的欢呼声惊醒了回忆中的莹儿。 | Obwohl die Gedanken des Kamels klar und deutlich waren, verstanden die Menschen sie nie. Nichts zu machen. Das Kamel wusste auch, dass es das Schwierigste auf der Welt war, ein Menschenherz zu ändern, darum schwieg es stets. Es brachte es wirklich nicht über sich, etwas so Kostbares zu trinken. Es brauchte nur einen Eimer trübes Wasser – selbst mit Würmern, Grasresten oder Kaulquappen darin konnte es mit geschlossenen Augen trinken. Die Frauen nicht – sie hatten nur noch dieses Wenige. Das Kamel schüttelte also entschieden den Kopf. |
| 1334 兰兰在驮架上的小袋里发现了多半瓶清油,那原是做饭用的,怕叫锅们碰碎瓶子,另装了,这才没跟锅碗们一起被扔下去。这清油虽不好喝,却能给身体提供养分。人家毕竟是植物脂肪,产生的热量要比馈馈大。兰兰说,这油先别动,因为馈馈千,吃时非得用水,不然咽不下去。那些水和馈馈先凑合几顿,这油到万不得已时再喝。 | Natürlich rechnete es nicht damit, dass man ihm den Flaschenhals in den Mund steckte, und schon gar nicht, dass diese glatte Flüssigkeit sich auf der Zunge ausbreitete. Es hörte die Geschmacksknospen auf der Zunge wahnsinnig jubeln, laut wie Zikaden in der Gluthitze. Ein wundersamer Geschmack drang sofort in die tiefste Seele. Diesen Geschmack würde es nie vergessen, nicht einmal im Tod. Es war nicht einmal mehr ein Geschmack. Es wurde zum Wirbelwind der Freude, zum Tsunami des Wohlgeschmacks … und noch viele Vergleiche mehr, die dem Kamel beim besten Willen nicht einfielen. Es fand die kleinen Knospen auf der Zunge wirklich gierig – sie rissen wahnsinnig ihre Mäuler auf, wie zahme Fische, die um Futter bettelten. |
| 1335 一见那清油,莹儿也觉得心里清凉了些。 | Obwohl die Flüssigkeit glatt und klebrig war, schlürften sie jede Menge auf. Das Kamel spürte, wie die Zunge feucht wurde. Es dachte: Jetzt kann ich wieder Gras fressen. Wenn ich Gras fresse, kann ich die beiden schönen Frauen weitertragen. Es kannte zwar die menschlichen Schönheitsideale nicht, erkannte aber an den Blicken des anderen Geschlechts, dass die beiden wirklich schön waren. Es vergaß nie die jungen Blicke der zwei alten Hirten unterwegs. Die hätten ihnen sicher nicht die Kleider vom Leib gerissen – doch ihre Augen hatten genau das getan. |
| 1336 两人找个有柴棵的阴洼,挖了两个坑,都挖到见了潮气。大些的那个叫骆驼用。骆驼体内虽有水袋,也禁不起烈日长久地暴晒,叫它也卧入湿坑,就能少些蒸发并吸些潮气。兰兰用藏刀砍些沙秸,抱进坑里,骆驼边吃边躲那毒日头。 | Die Flüssigkeit aus der Flasche floss weiter, immer mehr glatte Köstlichkeit. Die Zungenknospen konnten gar nicht so schnell schlucken. Die Kühle glitt in die Kehle. Die Speiseröhre wogte freudig, wie ein Glied beim Eindringen in eine Kamelstute. Weil sie so ausgedörrt war, klang das Schlucken wie eine sich häutende Schlange – ja, eine Klapperschlange. Das Kamel dachte: Die Speiseröhre musste voller Risse sein, wie ein ausgetrocknetes Flussbett mit kreuz und quer verlaufenden Spalten. Das schloss es aus dem stechenden Gefühl beim Schlucken von trockenem Gras. Dort hätte es eigentlich glatt sein müssen, mit einer Schleimhaut bedeckt. Jetzt war es ein trockenes Flussbett geworden. Dieser Durst war wirklich abscheulich, schlimmer als der Bulle Spaltmaul im Dorf. Spaltmaul war schon schlimm genug – wenn er brünstig wurde, jagte er den schönen Stuten nach. Wenn er sie einholte, biss er ihnen in die Hinterbeine. Die Stuten wehrten sich, wirklich, aber wenn das Bein einmal im Maul steckte, war jede Gegenwehr ein Biss gegen sich selbst. … Die junge Stute wurde dann von Spaltmaul zu Boden gezerrt, und was dann kam, war unerträglich. Unzählige junge Stuten wanden sich stöhnend unter Spaltmaul. Noch schlimmer: Manche Stuten klebten nach ein, zwei Vergewaltigungen dann freiwillig an ihm. Jedes Mal, wenn das Kamel daran dachte, empfand es tiefen Ekel. Doch der Durst war schlimmer als Spaltmaul – der Beweis war: Wenn der Durst kam, vertrieb er sogar Spaltmaul aus dem Kopf. Offensichtlich war der Ekel vor dem Durst noch größer als vor Spaltmaul. |
| 1337 虽仍是又饥又渴,但比驼逃走后的那时好受多了。那时,因“弹尽粮绝"' | Das Kamel spürte, wie die Speiseröhre sich wild wand – natürlich war es glücklich. Es gab nichts Schöneres, als Speiseöl durch eine Speiseröhre fließen zu fühlen, die trocken war wie Yamswurzelschale. Es hörte sogar das freudige Stöhnen der Speiseröhre. Dieses Stöhnen klang wie damals, als es zum ersten Mal in eine junge Kamelstute eindrang und unwillkürlich aufstöhnte. Kamelhengste waren wie Männer. Männer wollten unberührte Jungfrauen; bei Kamelen war es genauso. Kamele nannten die unerfahrenen Stuten „Rohkamele“. Speiseöl war noch besser als ein Rohkamel. Die Speiseröhre dachte gewiss ebenso – sonst hätte sie nicht so gewogen und gestöhnt. Man hat wohl noch nie das Stöhnen einer Speiseröhre gehört – es war himmlische Musik. Das Kamel kannte zwar nicht das Sprichwort „Der größte Klang ist Stille“, verstand aber dennoch die lautlose, brausende Symphonie der Speiseröhre. Draußen brannte der trockene, heiße Himmel, selbst die Luft glühte – da hatte jener Faden von Kühle und Glätte natürlich eine Durchdringungskraft, die bis in die tiefste Seele reichte. Das Kamel war der Frau dankbar. Sie gab ihm etwas so Kostbares. Es dachte: Wäre ich ein Mann, würde ich sie bestimmt umwerben. Aber das Kamel dachte nur. Sein Instinkt sagte ihm: Tagträume sind eine schlechte Angewohnheit. |
| 1338 饥渴就成了爪子,疯狂地撕扯她们。现在,有了食物和水,饥渴虽也折磨人,却相对能忍受了。 | Die Kühle glitt weiter in den Magen. Auch der Magen begann freudig zu arbeiten. Die Bewegungen des Magens waren wahrlich monströs – eigentlich hätte er dunkelrot sein sollen, doch inzwischen war er schwarz. Nicht nur schwarz, sondern auch hart, wie halb getrocknetes Rindsleder. Nicht nur hart, sondern auch geschrumpft. Er sah aus wie das Gesicht einer Achtzigjährigen, wie Oleasterrinde, wie ein drei Tage in der Sonne getrockneter Schweinehals, wie eine fünf Stunden in Salzlake und Sojasoße gekochte Nachgeburt – all diese „Ähnlichkeiten“ wogten zusammen, natürlich ein Ungeheuer. Es gab knirschende und schmatzende Geräusche von sich, wie dreihundert Mäuse beim gemeinsamen Zähneschleifen. Im Magen wirbelten staubige Krümel auf. Sie hatten in den Falten des Magens gelauert; da der Magensaft unangekündigt verschwunden war, nutzen sie die Gelegenheit, sich zu strecken und ihre Glieder zu lockern. Auch sie entdeckten freudig das Speiseöl, das die Speiseröhre hinabrann. Da der Magen noch keine Fenster hatte – das war die Spezialität der Schakale – war es im Magenraum etwas dunkel. Die Staubpartikel konnten das halbtransparente Etwas natürlich nicht sehen, das kokett heranglitt. Da die Zellen unterwegs plünderten, kam die Köstlichkeit nur langsam voran, doch ihr Duft eilte als Vorhut voraus und stieg ihnen in die Nase. Man sollte den Magen nicht unterschätzen – das war kein gewöhnlicher Sack, sondern eine ganze Welt. |
| 1339 兰兰时不时用塑料拉子的盖子化些盐水,给驼清洗伤口。她化盐时,就叫莹儿将水拉子放在腿间秷桔了。每到这时,莹儿便如临大敌,老觉得塑料拉子会猛然挣脱秷桔,将这些救命液体洒进沙里。空气里也仿佛伸出了许多只手,来抢她手中的拉子。为了不叫它们抢去,她的手臂都酸了。这一来,闹得她越来越紧张,待得兰兰洗完伤口,她也累出了一身的酸困。 | Natürlich – wenn man ihn zu Trockenfleisch machte, starb diese Welt, und es blieb nur ein Stück Starres, das man lobend kommentierte. |
| 1340 | Dem Gehirn ging es nicht anders. Solange es lebte, hatte es tausend Berechnungen und zehntausend Stimmungen. Aus ihm erwuchsen die zärtlichsten Liebesgeschichten. Doch wenn es starb und man es aß, schmeckte man nur eine weiche, etwas stinkende, durchaus auch duftende Masse – aber die vielen Geschichten, die es einst gehabt hatte, konnte man unmöglich herausschmecken. Dem Magen ging es genauso. |
| 1341 | Die Bewegungen des monströsen Magens waren furchtbar. Man konnte alle Worte der Welt verwenden, um sie zu beschreiben, und doch blieben sie blass. Wenn man drei Tage in der Wüste gedurstet hätte, dem Tode nahe, mit der Seele halb im Jenseits – und dann einen schimmernden kühlen See erblickte, würde man denselben Laut ausstoßen. Aber nicht von den Stimmbändern, sondern aus der Seele. Ein Brausen wie ein kosmischer Wirbelsturm, der neun Himmel durchdrang und sich in wild greifende und tanzende Hände verwandelte, die sich kaum in Noten fassen ließen. Das Kamel mochte diese wild tanzenden Hände nicht – sie waren Räuber. Sie wollten das bisschen Feuchtigkeit für sich beanspruchen und riefen: Angriff! Tötet! Schnappt! Raubt! Ihre Schritte hallten wirr. Das Kamel schämte sich für sie. Es blickte verlegen zu der Frau mit der Flasche. Es wollte sich erklären, wusste aber nicht, was es sagen sollte. |
| 1342 洗完伤口,兰兰将剩下的盐水倒进手心,伸给骆驼。骆驼就伸出舌头,将那汪清凉舔了。骆驼最爱吃盐,这清凉虽抵不了大用,但也算是对骆驼的犒劳吧。 | Die wahnsinnigen Hände raubten alle dicke, glatte Flüssigkeit, die in den Magen gelangt war. Wie ein Schwamm, der Wasser aufsaugt, wie Frühlingsregen auf Salzboden, wie Kaulquappen im Walmaul – lautlos und restlos. Sie warteten gierig auf mehr. Das Kamel auch. Doch dann klapperte der Flaschenhals gegen die Zähne. Die Frau schüttelte die Flasche, damit das letzte Öl von der Flaschenwand in das Kamelmaul glitt. Das Kamel spürte die Zähne vibrieren. |
| 1343 细算来,倒是骆驼喝的水,比人还多一些。这也好,谁也怕骆驼的伤口感染,都希望它早些结痂。驮人虽也重要,但更重要的,是一有了骆驼,心就落到了实处。 | Die Frau warf die leere Flasche in die Sandmulde. Das Kamel wollte ihr sagen: Wirf die Flasche nicht weg, sie kann noch Wasser fassen. Wenn sie Hirten oder Kameltreibern begegneten, könnten sie um eine Flasche Wasser bitten. Es rief. Die Frau verstand natürlich nicht. |
| 1344 姑嫂二人昼伏夜行,又行了两夜。按行程,早该见着盐池了,不料,却进入了一片戈壁。一见那戈壁,兰兰暗叫坏事了。记得那时她去盐池,并没见着这戈壁,说明她们走岔了。那点儿馍已吃光了,水也只剩下一点了。清油虽没动,但就这点儿清油,熬不了多久的。驼的伤口虽已结痂两人却不忍心再骑它。累极了,就一人牵骆驼,一人扯了骆驼尾巴,就能借些力。腿早不像是自己的了。 | Das Kamel dachte: Findet sie es vielleicht eklig, dass ich den Flaschenhals berührt habe? |
| 1345 后来,她们就轮换着骑骆驼,一人骑一个时辰。 | Traurig blickte das Kamel zur Sandmulde. Lass es, dachte es. Sie hat es weggeworfen – es ist ihr Ding, was geht es dich an? |
| 1346 驼峰已塌了下来,说明骆驼的生命贮备也不多了。途中有草的地方不多,虽然兰兰尽量选有草处昼伏,叫骆驼补充些营养,但驼峰仍然塌了。记得以前去盐池的道上,有几处地方,是专门为骆驼补充水草的。因迷了路,骆驼显然在吃食上吃了亏。兰兰就卸下驮架,从鞍子里抽出垫草,叫骆驼吃。然后,将褥子当了垫子。但那点儿草,对于饥饿的骆驼,仍是杯水车薪。 | Doch dann sah es, wie die andere Frau die Flasche aufhob, den Hals mit dem Jackenzipfel abwischte und sie in den Beutel steckte, der an seinem Rücken hing. |
| 1347 好在那伤口倒长得快。这也是天性吧。因为老驮东西,驼背老被磨烂。久了,就结成了很硬很厚的老茧。盐一洗,伤口很快就结痂了。这样,只要骆驼有体力,就能驮她们。 | 40 |
| 1348 进了戈壁,倒时不时能碰些草,骆驼吃得很欢。兰兰相信,这样吃上一个月,骆驼的峰子当然会再度耸起,但她们此行,不是为了牧驼,而是要找盐池。兰兰拧眉想呀算呀终于认定她们错过了盐池。她说肯定是的。那盐池,其实是沙漠里的一块绿洲,并不太大,你只要在远方错上一里半里,就可能跟它交臂而过。 | Die zwei Frauen und das Kamel wanderten weiter in die Abenddämmerung. Das Kamel konnte zwar aufstehen, aber noch keine Reiter tragen. Das war eine Verschlimmerung der Lage. Reiten war zwar anstrengend – das Steißbein wurde immer vom Kamelrückgrat aufgescheuert und brannte höllisch, und der Rücken tat immer weh –, aber der Kraftverbrauch war geringer als zu Fuß. Der Schluck Öl hatte zwar weder Hunger noch Durst gelöscht, die Kalorien reichten aber wohl, um den Körper am Laufen zu halten. Nun mussten sie die himmelhohen Sandberge zu Fuß erklimmen. Beide waren das Sandlaufen nicht gewöhnt und hatten noch kein „Schwielenpolster“ – das heißt, ihr Körperfett hatte sich noch nicht in Muskeln für den Sandweg verwandelt. Yinger spürte, wie ihre Waden messerscharf schmerzten. Bei jedem Schritt sank der Fuß ein, und bei jedem Einsinken wurde der Messerschmerz stärker. Auch die Fußsohlen brannten bei jedem Schritt. Nach zu vielen Schritten erschlaffte der ganze Körper. |
| 1349 咋办? | Obwohl sie sich damit tröstete, dass jeder Schritt sie dem Ziel näherbrachte, sah sie bei jedem Blick nur riesige schwarze Sandberge. Die Sterne waren wie immer tief, aber Sterne waren Sterne und sie waren sie. Yinger hatte das Interesse an Sternen verloren; die Poesie der ersten Wüstennächte war längst verflogen. Sie dachte nicht einmal daran, ein Volkslied zu singen. Da verstand sie, warum so viele Frauen die Volkslieder nicht so liebten wie sie – sie standen vielleicht vor denselben Umständen wie jetzt. Wenn das Überleben zur erdrückenden Last wurde, war Poesie ein Luxus. Poesie war eine Stimmung. Sie brauchte zwar das Leid als Hintergrund, doch wenn das Leid wie ein Berg hereinbrach, blieb für die Poesie kein Raum zum Überleben. |
| 1350 兰兰说,只好往回走了,等进了沙漠,再往西走。要是运气好的话,不定就能跟盐池碰个响头的。 | Also weitergehen. |
| 1351 再进了沙漠,两人将驼拴在柴棵上,上了一座看起来最高的沙山。两人拖着比灌了铅更重的腿,几步一缓地上了沙山。她们用了至少两个小时,两人都累瘫了.喘了好一阵气她们才四面搜寻。原以为这沙山最高,一登上,就会一览众’ | Mit messerscharf schmerzenden Waden, den Blick auf den verschwommenen Weg in der weiten Dämmerung gerichtet, ließ Yinger die Gedanken erstarren, die Poesie einfrieren und das Herz verstummen – und bewachte die Hoffnung. Sie hielt sich am Kamelschwanz fest, borgte aber nur bergauf etwas Kraft. Auf flachem Grund versuchte sie, ihre bleischweren Beine so schnell wie möglich zu bewegen, um dem Kamel nicht zur Last zu fallen. |
| 1352 山小的。不料,一上来,才发现,一山更比一山高。真没治。她们只能望见一浪浪啸卷而去的沙山。别说走,只眯一眼,就魂飞魂散了。 | Lanlan hielt mit der rechten Hand den Kamelhaltezaum – es sah aus, als triebe sie das Kamel, aber auch sie borgte Kraft. Der Halfter war von ihrem Vater eigens für die Wüstenreise hinzugefügt worden. Normalerweise brauchte ein Kamel keinen Halfter, denn es wurde mit dem Nasenring am Nasenstift gehalten. Aber wenn man am Zügel zog, bereitete das dem Kamel Schmerzen. Die Kamelnase war extrem empfindlich. Gegen ein störrisches Kamel gab es zwei Methoden: Erstens den Zügel lockern und dann ruckartig ziehen – das lockere und straffe Rucken riss am Nasenstift, und dem Kamel schossen sofort Tränen in die Augen. Wer es ausprobieren wollte, brauchte sich nur kräftig auf die Nase zu klatschen. Zweitens mit einer Peitsche auf die Kamelnase schlagen – wenige Hiebe, und das widerspenstigste Kamel wurde zahm. |
| 1353 莹儿一屁股坐在沙上,半天不想说一句话。 | Der Halfter bestand aus einigen Lederriemen, die um den Kamelkopf gelegt wurden. Wenn Lanlan daran zog, lag der Druck auf dem Kopf – selbst bei kräftigem Ziehen tat es dem Kamel nicht weh und sie konnte sich Kraft borgen. |
| 1354 兰兰也沉了脸无语。两人欲哭无泪,脑中一片空白。哪怕能看到天边有一片白~ 可是天边仍是沙山。就算她们爬到天边,那儿有没有盐池仍是说不清的事。 | Yinger hielt sich am Kamelschwanz fest und ging durch den Sand. Schon ein wenig geborgte Kraft machte das Gehen leichter. Obwohl beide sich am Kamel stützten, sparten sie ihm im Vergleich zum Reiten erhebliche Energie. |
| 1355 兰兰说下吧。 | Trotz der messerscharfen Beinschmerzen schloss Yinger immer wieder die Augen. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Wäre sie nicht ab und zu über Sand gestolpert, wäre sie eingeschlafen. Nichts zu machen – die Müdigkeit war wie Wein, der in der Grube immer stärker wurde. In einem Moment glaubte sie sogar, sie liege im Bett, ließ los und legte sich in den Sand. Zum Glück blickte Lanlan sich gerade um, als sie mit dem Kamel um eine Sanddüne bog. Lanlan sagte: Zum Glück war es windstill. Sonst hätte ich dich nie wiedergefunden. Wind verwischt alle Spuren im Sand und erzeugt seltsame Geräusche – er kann meine Stimme fortragen und dafür andere Laute erzeugen, die dich in die Irre führen. Du glaubst, sie kämen von mir, und folgst ihnen an einen Ort, wo ich dich nie wiederfinde. Viele, die in der Wüste verdurstet sind, starben genau so. |
| 1356 莹儿说,我实在不想动了。索性,死在沙山上算了,变成一堆骨头。 | Um zu verhindern, dass Yinger wieder einschlief, nahm Lanlan ein Seil, band ein Ende um Yingers Taille und das andere am Packsattel fest. |
| 1357 兰兰说走吧,该走的路走过了,再说。 | Lanlan ließ das Seil etwas länger; solange Yinger sich am Kamelschwanz festhielt, war es locker. Sobald sie losließ, straffte es sich sofort, und Lanlan, die das andere Ende in der Hand hielt, konnte anhalten und die vielleicht wieder in den Sand gefallene Yinger wecken. Voraussetzung war natürlich, dass Lanlan das Kamel gut führte – sonst würde ein Schrecken des Kamels Yinger umreißen. Die Situation wäre wie bei einem Reiter, der vom Pferd fällt, dessen Fuß aber im Steigbügel hängenbleibt – er konnte zu Brei geschleift werden. Als Vorsichtsmaßnahme band Lanlan das Ende am Packsattel mit einer Schlaufe, die sich im Notfall mit einem Ruck lösen ließ. |
| 1358 望着山下黄点似的骆驼,莹儿想,早知这样,上沙山千啥?既费了好多体力,也弄得心灰意冷了。 | So taumelten die Schwägerinnen halb schlafend, halb wach zwischen den Sandbergen. Beim Eintritt in die Wüste hatten sie noch eine Kamelglocke gehabt, die aber bei der Flucht vor den Schakalen verloren gegangen war. So gab es unterwegs nur das Knirschen des Sands. Ab und zu hörte man das Kamel laut schnauben, wie ein Donnerschlag, der die immerzu wegdämmernde Yinger weckte. |
| 1359 既然走不动了,莹儿也懒得再沿缓坡下走,她索性走到陡坡处,一蹲,坐在沙上,滑了下去。不料,那一滑,竟像长了翅膀,耳旁风呼呼着,身心一下子轻快了。到了一个缓洼,她听得兰兰喊,你小心裤子,要是再溜,你屁股上肯定会磨出个大洞。 | Die Taschenlampe hatte kaum noch Batterie. Obwohl sie sparsam leuchteten, ging die Leistung auch bei stetigem Sparen zur Neige. Nur beim Wegsuchen wagte Lanlan, die Lampe einzuschalten. Manchmal beleuchtete der Strahl ein verrenktes Skelett. Früher hätten beide aufgeschrien, doch inzwischen waren sie an die Skelette gewöhnt. Blieben sie lange aus, wurde Lanlan unruhig – sie fürchtete, sich wieder verlaufen zu haben. Die Skelette waren nicht alle von Kamelen; manchmal sah man welche, die wie Hunde aussahen, doch sie konnten Hund und Fuchs nicht unterscheiden. Eigentlich müsste der wandernde Sand die Skelette zuschütten, doch seltsamerweise tat er es nicht – vielleicht weil die Sandberge im Norden den starken Wind abhielten. Doch das war nur eine Vermutung. Vieles in der Natur ließ sich nicht erklären – was eigentlich so sein müsste, war ganz anders, wie die Mondsichelquelle in Dunhuang: Eigentlich hätte der Sand sie längst verschlingen müssen, doch nein – sie bestand seit tausend Jahren. |
| 1360 虽也心疼裤子,但那感觉实在太妙。莹儿想,这会儿,命都不知在哪儿悬着昵管啥裤子?就跳下沙坡。沙流如水,载了她,感觉爽极了。许久了,还没这么轻松昵.她兴奋地叫着。沉寂的沙洼顿时鲜活了。兰兰也被感染了,她也不管啥裤子不裤子了,也坐在沙上溜下。两人都兴奋地叫着,把几天来的沉闷叫没了。 | Gegen Mitternacht konnten die beiden wirklich nicht mehr und rasteten. Kaum hielten sie an, versank Yinger im Schlaf. |
| 1361 滑了一阵,莹儿怕屁股着沙处真叫沙磨破了,就换了姿势。这是可能的。要是真磨出了洞,就算她们到了盐池,也会羞于见人。她便又翻过身,仰着头,在沙坡上游起泳来。她每一划沙,身子就嗖地下一截。沙流进了衣领,弄得身子痒痒地怪舒服。兰兰也开始游泳。沙洼里回响着她们欢乐的叫声。这不期而至的快乐,洗尽了她们的忧虑。 | Lanlan wagte nicht, sich zu setzen, aus Angst, ebenfalls einzuschlafen. Sie wusste: Wenn sie nachts nicht möglichst weit kamen, würde die Tagessonne sie zu Mumien ausdörren. |
| 1362 到了沙山下,两人边晊晊地吐溅入口中的沙,边笑成一团。多年了,她们总是活在别人的视线里,从来没这样疯过。不承想,在这算得上绝境的地方,她们竟一下子拣回了丢失了很久的女儿性。 | Aber der Durst war unerträglich. In der Plastikflasche war nur noch ein winziger Rest Wasser – höchstens drei bis fünf Schluck. Das war lebensgefährlich wenig. So sehr der Durst auch wie Flammen in Kehle und Herz brannte – sie wagte nicht, das Wasser anzurühren. Lanlan dachte: Dieses Wasser soll nur zum Lebensretten dienen. Sollte eine von ihnen einen Sonnenstich erleiden, konnte die andere sie damit retten. Man durfte diese wenigen Tropfen nicht unterschätzen – manchmal konnten ein paar Tropfen den bereits eintretenden Tod noch hinauszögern. |
| 1363 为庆祝她们的好心情,两人各喝了一口清油。 | Die Müdigkeit war überwältigend, unwiderstehlich wie Nacht und Tod. Lanlan lehnte sich an das Kamel und döste kurz. Sie hatte das Kamel nicht hinlegen lassen, denn sobald es sich legte, würde auch sie sich unwillkürlich in den Schlaf fallen lassen … nein, nicht in den Schlaf – sie hatte keine Kraft mehr zu träumen. Sie lehnte sich einfach an das stehende Kamel. Sobald es sich bewegte – ob es ging oder sich hinlegte –, würde sie aufwachen, dachte sie. |
| 1364 | Dann schloss sie die Augen. Sie fühlte, wie sie in eine riesige Schwärze sank. |
| 1365 | Als Yinger erwachte, schlief Lanlan noch tief. Das Kamel hatte sich längst niedergelegt. Lanlans Oberkörper lehnte an ihm. Auch das Kamel schlief – aber vorsichtig. Eigentlich hätte es sich auf die Seite legen und alle viere ausstrecken können. So schliefen Kamele normalerweise. Erfahrene Kameltreiber schliefen daher nie neben dem Kamel, aus Angst, es könnte sich im Schlaf umdrehen und sie erdrücken. Dieses Kamel war klug und war in Kniesitzposition eingeschlafen. Offenbar wollte es Lanlan weder erdrücken noch aufwecken. |
| 1366 方才那阵欢乐,将所有的精力都耗尽了。疯了一阵后,忧虑又进心了.自己究竟能走多远?能否到达盐池?这号问题,问得越多,心就越灰,索性不去想它。 | Es war schon hell, alles lag offen da. Nicht weit entfernt starrte ein Menschenschädel mit bleckenden Zähnen Yinger an. Yinger kümmerte sich nicht darum. Sie wollte Lanlan noch etwas schlafen lassen, entschied dann aber, die kühle Morgenstunde zum Wandern zu nutzen. Sie rüttelte mehrmals, bis Lanlan aufwachte. Lanlan riss erschrocken die Augen auf, als könne sie nicht glauben, dass es hell war. Sie sagte: Sieh mich an, wie konnte ich so tief schlafen? Yinger sagte: Manchmal gehorcht der Körper nicht. |
| 1367 看看毒日头的劲道减了些,就骑上骆驼,向西走去。走虽不一定能找到盐池,但不走肯定会困死在沙海里。两下相比,还是走吧。有时瞎驴也能碰个草垛不定啥时候,她们或是碰到去盐池的人,或是碰到牧人。无论碰见啥人,鼻子底下长嘴哩你只要开口问,人家肯定会答复你。要是碰到好人,或许还会给你些食水呢.黄昏时分,她们见到了一架驼骨,它立在一个沙旋儿旁。骆驼吃了一惊,倏地一抡脑袋,差点将两人甩下驼背。兰兰很高兴。这是她们在附近看到的跟人最亲近的东西。最扎眼的是头骨,两个黑洞洞的大眼望着来人,它一定茫然许久了。 | Als die Müdigkeit etwas nachließ, kamen Hunger und Durst zurück. Wenn der Durst stark genug war, trat der Hunger in den Hintergrund. Eigentlich hatten sie das Wasser zum Lebensretten aufsparen wollen, doch der Durst war zu mächtig – sogar Lanlan änderte ihre Meinung. Sie füllte den Plastikdeckel mit Wasser, gab ihn Yinger, trank selbst einen Deckel, und beide befeuchteten sich die Lippen mit der Zunge. Natürlich nutzte es nichts – die Lippen waren längst trocken wie Yamswurzelschale, sie ließen sich nicht befeuchten. Lanlans Lippen waren sogar stark geschwollen. Seltsam – bei solchem Durst hatten die Lippen noch die Kraft und den Willen, so dick anzuschwellen. |
| 1368 驼骨比较完整,牙齿和肋条也没散架。看得出,骆驼在死前和死后都没遭到野兽的撕扯。看到同类的尸骨,骆驼抡头甩耳了好一阵,时不时就打个响鼻,突突几声。按老顺的说法,那是骆驼看到了鬼。鬼最怕唾沫。莫非,死驼的灵魂还守在骨架旁?听说有种守尸鬼,骨头几时不入土,它也就一直守着。莹儿不信这大天白日,会有个鬼守着骨架,但还是心里发毛了。 | Sie trieben das Kamel wieder auf den Weg. Der Körper war das Letzte, was man verwöhnen durfte – solange man sich bewegte, ging es einigermaßen. Auch der Schmerz war da, doch der Körper gewöhnte sich daran. Sobald man aber rastete, erwachten Erschöpfung und Schmerz. Yinger spürte, wie der Schmerz im ganzen Körper erwachte, heftiger als in der Nacht. Bei starkem Schmerz sollte man eigentlich den Durst vergessen, doch so war es nicht – Durst und Schmerz wirbelten wie zwei Windhosen auf sie ein. Die Müdigkeit ließ etwas nach, sodass sie klarer gehen konnte. Ob das Glück oder Unglück war, ließ sich schwer sagen – denn bei großer Müdigkeit ertranken Schmerz und Durst in der Erschöpfung. Jetzt, da die Müdigkeit nachließ, reckten Durst und Schmerz die Köpfe. Sie hatten scharfe Zähne, die bei jedem Schritt an ihr rissen. Yinger dachte gar nicht mehr an den Weg – allein der Kampf gegen Schmerz und Durst verbrauchte all ihre Aufmerksamkeit. |
| 1369 兰兰说,瞧,这是驮盐去的。她指着驼骨旁的碎布屑说,这定然是蒙古人驮盐时累死的驼。莹儿看不出驮盐的迹象,但还是很高兴。毕竞,能发现些啥总是好一些。一路上,除了沙漠、戈壁和沙生植物,很少见到跟人有关的东西。这驼骨至少说明,这儿来过人。 | Weiter vorn wurden die Sandberge flacher und gingen in Sanddünen über. Pflanzen waren weiterhin selten; gelegentlich traf man auf welche, aber meist verdorrtes Sandgras, das das Kamel nicht einmal eines Blickes würdigte. Am Boden fand sich Kamelmist. Lanlan zerrieb einige Brocken – sie zeigten alle ein hohes Alter. An einem Sandwirbel wuchsen ein paar Dornbüsche mit Kamelhaar dran, doch die Büsche waren längst verdorrt, was bedeutete, dass das Grundwasser nicht mehr ausreichte, um die Wüstenpflanzen am Leben zu halten. |
| 1370 但又想,说不定,这骨架,是野骆驼的呢。怕折了兰兰的兴头,莹儿没说出这话。人在绝境里,是需要盼头的哪怕它是虚幻的,也比绝望好些。 | In diesem Moment war der Salzsee in Yingers Augen nicht mehr nur ein Salzsee. So war es mit vielen Dingen – sobald man etwas im Herzen trug und es trotz aller Suche nicht fand, wuchs es im Herzen von Tag zu Tag. So wie der Geliebte, so wie dieser Salzsee. Yinger dachte: In diesem Moment war der Salzsee für sie beinahe ein heiliger Ort. Sie hatte noch nie einen Pilger gesehen, der so nach seinem reinen Land suchte. Gerade weil der „Salzsee“ in ihrem Herzen so bedeutsam war, bekam diese leidvolle Lebensreise ihren Sinn. |
| 1371 莹儿想,即使这驼真是去盐池的路上死的,也说明盐池离这儿还远,要是近的话驼会挣扎着到目的地的。要是再推测驼的死因她越加心灰了。至少,近处可能没水源,也没嫩草,不然,驼咋会死?瞧那样子,若不是渴死的,便是病死的。死前,它肯定听天由命了。它像坐化的老僧一样坦然。它静静地卧在沙洼里,在命运举了刀抡来时一副引颈受戮的模样。莹儿长长地叹口气。她想到了自己的命运。 | Um sich vom quälenden Schmerz und Durst abzulenken, dachte Yinger bewusst an andere Dinge. Zuerst dachte sie an den Geliebten. Ob auch er, als er aus dem Sandgebiet in die große Welt zog, eine solche Feuerprobe zwischen Leben und Tod durchlitten hatte? Vor ihren Augen erschien Lingguans Gesicht. Auch er schwitzte, auch seine Lippen waren so geschwollen wie Lanlans. Dieses Bild hatte sie von Lanlan abgeleitet – die beiden ähnelten sich etwas. Sie dachte: Auch er musste Schmerzen erlitten haben, Hunger und Durst, Verzweiflung … |
| 1372 兰兰叫驼卧了,两人又骑了驼。骆驼前仰后俯,晃摇好一阵,才起来了。莹儿回头望望驼骨,说,再见吧,谁叫你也是个苦命昵。想到自己也可能会在前方某处,变成一副骨架,就不由得一阵伤感。 | Alles, was sie durchmachte, hatte wohl auch er durchgemacht. Bei dem Gedanken wurde ihr warm ums Herz. Sie fühlte: Sie litt nicht allein, sondern „sie“ litten gemeinsam. Das war gut. Sie dachte: Wenn sie den Geliebten eines Tages wiedersähe, würde sie ihm von dieser Reise erzählen. Dann läge er auf der Sanddüne vor dem Dorf, und sie schmiegte sich an seine Brust. Der Wüstenwind striche kühl daher und löste ihr Haar, ein paar Strähnen wehten ihm ins Gesicht. Sie schlösse glückselig die Augen und erzählte gemächlich von dieser langen, abenteuerlichen Wüstenreise. Er würde natürlich staunen, aber nicht aufgeregt – das war nicht seine Art. Er würde sie nur ansehen, mit Bewunderung, mit Zärtlichkeit und mit einer Kraft, die sie in die Tiefe seiner Seele zog. Obwohl er äußerlich ruhig bliebe, würde in seinem Herzen gewiss ein Sturm wüten. Natürlich konnte er sich nicht vorstellen, dass zwei zarte Frauen sich mit den wilden Schakalen herumschlugen, Durst, Schmerz, Verzweiflung und Einsamkeit ertrugen. |
| 1373 再往前走,虽没明显的路,但遇到的骨头多了,或是骨架,或是腿骨啥的斜插在沙里,很扎眼。莹儿想,看这样子,这儿不是驼道,便是牧场,不然咋会有这么多骨头呢?她轻松了些。 | Sie dachte: Geliebter, all das tue ich eigentlich für dich. |
| 1374 又走了一段路,她们发现一具骨架旁,竟有个驮架。这证据,当然很充分了。那驮架上的木头快风化了.旁边,还有不定何年何月屙下的骆驼粪。兰兰兴致很高,不管咋说,总算走在驼道上了。莹儿当然也高兴,但也有些担忧,这段路上竟有那么多骨架,既说明了这儿走过好多驮户,也说明经过长途跋涉的驼们,一到这儿,就接近生命极限了。莹儿明白,她们面临的,是跟这沿途的白骨一样可怕的命运这条路是否真的通向盐池?究竟还有多远?她们的体力能否熬到见到水源?一切的一切,都是未知数。兰兰定然也明白这,她只是不愿意点破而已。 | Sie dachte: Er würde sie gewiss mit tiefem Blick ansehen. Sie konnte sogar seine Augen vor sich sehen. Sie war überzeugt: Diese Reise zwischen Leben und Tod würde zum Zeugnis ihrer Liebe werden. |
| 1375 最叫她担心的,却是骆驼。她们有清油提供热量,驼峰却塌成皮囊了。它还能支持多远?毕竟驮两个大活人,少些算,也有二百斤。好几次,它驮着她们起身时,总要摇晃好一阵。上坡时也老是颤巍巍的,像要摔倒。后来,上坡时她们就只好下了驼背,拽了驼尾借些力。看来,驼的体能也接近了极限。不然,见到那驼骨时,它咋会受那么大的刺激呢? | Nach einer Weile des Denkens an Lingguan begann Yinger, an den Salzsee zu denken. Natürlich konnte sie sich sein Aussehen nicht vorstellen. Gerade deshalb besaß er dieses Geheimnisvolle. In der endlosen Mühsal und Suche war der Salzsee zum Totem geworden. Sie hoffte natürlich, dass diese Reise zum Salzsee ihr Schicksal ändern könnte, zumindest ihr Leben. Sie erinnerte sich: Immer wenn es der Familie schlecht ging, trieb der alte Shun seine Kamele zum Salzsee. Er brachte stets etwas Hoffnung zurück. Doch wie sah der wirkliche Salzsee aus? Je weiter sie ging, desto größer wurde ihre Sorge. Wenn nach all dem Leid der Salzsee sie enttäuschte, würde sie untröstlich sein. In ihrem Leben hatte es immer Hoffnungsschimmer gegeben – in jedem Alter andere. Doch schließlich waren alle zu Seifenblasen in der Luft geworden: Im Schweben noch bunt schillernd, zerplatzten sie stets und hinterließen unerträgliche Leere und Verlust. Sie wünschte sich, der Salzsee wäre nicht ebenso. Ihr Herz war so müde und hielt kein Auf und Ab mehr aus. |
| 1376 缓了一阵,两人各喝口清油和水,准备走夜路。驼骨们虽使夜里浸满了阴森,但也在提醒她们路的正确。莹儿想,只要上了路就好,就怕像没头苍蝇般瞎撞。 | Doch Schmerz und Durst rissen sie immer wieder aus ihren Tagträumen. Staubiges Gelb drang ständig in die Augen, die Sonne begann wieder zu brennen. Die Sanddünen wogten endlos in die Ferne, kein Ende in Sicht. Wer wusste schon, in welcher Falte der Wüste der Salzsee sich verbarg? Sie wagte kaum noch, in die Ferne zu blicken. Bei jedem Fernblick erschrak sie und verzweifelte. |
| 1377 兰兰说不怕慢,就怕站,只要方向对,走一步,就近一步。 | Nach einer Rast tranken die beiden den letzten Schluck Wasser. Seit zwei Tagen hatten sie nicht mehr uriniert. Das getrunkene Wasser wurde nicht mehr ausgeschieden. Beim letzten Schluck schwiegen beide – beide wussten, was das bedeutete. |
| 1378 她们喊几声跷!跷!这是叫骆驼卧的命令。 | Gehen wir, sagte Lanlan. |
| 1379 骆驼迟疑了一下,缓慢地卧了。 | Sie gingen mit dem Kamel in den Mittag hinein. Yinger wollte natürlich wie zuvor tagsüber rasten und nachts wandern, doch die Taschenlampe war nutzlos geworden und sie konnten nicht garantieren, nachts den richtigen Weg zu finden. Außerdem – wenn wirklich alles aufgebraucht war, verbrauchte der Körper auch in einer tiefen Grube noch Energie. Lanlan sagte: Vielleicht sind wir bald da. Sie sagte noch viele „Vielleichts“: |
| 1380 兰兰叹息道,骆驼太累了。 | Vielleicht begegneten sie Menschen, vielleicht fänden sie eine Wasserquelle, vielleicht stießen sie auf Essbares … So viele „Vielleichts“ – alles Hoffnungen. Ein einziges „Vielleicht“ würde genügen, um sie aus der Not zu befreien. Doch der Mittag rückte näher, bevor ein „Vielleicht“ sich erfüllte. |
| 1381 两人上了驼,兰兰抖了几次缰绳喝了几声:嘲哨!骆驼晃着身子,想爬起来。它晃了几次,一次好容易撑起了前腿,却又卧下了。它叫了几声,又徒劳地挣扎几次。兰兰说,你先骑,我下来。她下了驼,边喊口令,边扯了驼尾上抬。 | Die Sonne hörte natürlich nicht auf zu brennen, nur weil ihnen Wasser fehlte. Und der Körper hörte nicht auf, Wasser zu verlieren, nur weil es künftige „Vielleichts“ gab. |
| 1382 骆驼长长地叹息一声,卧在那儿,不动了。 | Der Wasserverlust begann im Gehirn. Beide litten unter Benommenheit und Halluzinationen. Halluzinationen waren nicht so schlimm, aber die Benommenheit riss gierig den Schlund auf und wollte sie verschlingen. Lanlan mahnte ständig: Nicht einschlafen, nicht einschlafen. Yinger wusste: Wer jetzt einschlief, würde nie wieder aufwachen. Sie ermutigten und ermahnten sich gegenseitig, doch die Augenlider wurden vom brüllenden Durst zusammengeklebt. |
| 1383 莹儿明白它力不从心了,也下了驼。她发现,驼大张着鼻孔,正缓慢而吃力 | Als Erstes stürzte das Kamel. Es lag mit halb offenen Augen da, die Nüstern weit aufgerissen, und atmete schwer, als würde ein riesiger Blasebalg in seinem Innern langsam gezogen. Yinger dachte: Es hat schon viel geleistet. Das bisschen Öl hatte genug Energie geliefert, um sie über mehrere große Sandberge zu tragen. Am meisten fürchtete sie, dass es zusammenbrach – denn wenn es jetzt umfiel, hatten sie nicht die Kraft, es zu retten. Sie dachte: Der Salzsee ist bald da – „natürlich“ bald – du darfst nicht zusammenbrechen. |
| 1384 | Lanlan blickte stumm auf das Kamel und seufzte lang. |
| 1385 地呼咘着。周围的沙丘上虽有干沙秸,骆驼却不望。莹儿明白,它太渴了,喉咙早成千皮了,它已咽不下那比日头爷还燥的沙秸了。莹儿很感激骆驼,要不是它,她们还不定趴在哪个洼里昵。她想,说啥也不能骑它了,它也不是铁打的身子呀。 | Das Kamel zitterte eine Weile und legte sich dann langsam hin. Es streckte Hals und Beine aus, die Atemzüge wurden immer länger. Wenn es starb, mussten sie eine Entschädigung zahlen – aber an Geld dachte keine mehr. Was Yinger beschäftigte, war sein Leben. |
| 1386 兰兰又吆喝几声。驼却只是哀叫,仿佛说,你们走吧,我真的不行了。莹儿听灵官说,骆驼只要有一点儿力气就会拼了老命,去千自己该干的事。它们是不惜力的。先前的驼队里,走着走着,就有倒毙者。她想,是不是驼骨刺激了它呢?有可能。就像那患了绝症的老人,忽然发现同伴死了。那死,会像鞭子一样抽垮它的意志。莹儿拍拍它的头,说,你怕啥呀?它们是它们,你是你。驼叫了一声,仿佛说,我不是怕,我是实在走不动了。 | Diese Fürsorge glich der, die sie ihrem sterbenden Mann entgegengebracht hatte. Nur war die Benommenheit bereits wie Leim in ihrem Denken. Sie wusste, das Kamel würde bald sterben, und danach würden sie selbst dran sein. Doch im Herzen empfand sie kaum Trauer – außer einem leisen Unwillen konnte sie an nichts anderes denken. |
| 1387 驼的峰子软成了皮袋,肋条也露了出来。驼吃力地呼吸着,时不时伸出舌头。 | Yinger setzte sich. Nicht weil sie wollte – die Beine setzten sich von selbst. Nichts zu machen. Solange das Kamel noch stand, hatte sie einen Halt. Jetzt, wo es gefallen war, konnte sie allein nicht einmal die Sanddüne vor ihr überwinden – und selbst wenn, was dann? Dahinter lagen weitere Dünen. Sie war zu müde, um über Leben und Tod nachzudenken. Sie wollte nur die Augen schließen und herrlich schlafen. Sie wusste, dieser Schlaf würde sie aus diesem Leben in ein anderes tragen, aber auch das kümmerte sie nicht. Wenn das Gehirn schlafen wollte, was konnte man tun? |
| 1388 驼舌上有很厚的苔,颜色或黄或黑。驼的倏然瘫软,虽然与缺养分有关,肯定还有精神原因.莹儿不知道如何才能解除它精神上的疾患。没办法,她既不能瞬息间学会驼语,也不能钻进它的脑子。她想,不管咋说,我们不能扔下它,不仅因为驼值两三千块钱还因为它已成为她们的伙伴。 | Lanlan biss die Zähne zusammen und blickte erst aufs Kamel, dann auf Yinger. Ihr Gesicht war dürr und hager, mit vielen Schweißrinnen, in den Nasenfalten schwarzer Staub und Schmutz. Yinger erkannte an Lanlans Gesicht ihr eigenes Elend, doch auch daran verschwendete sie keine Gedanken mehr. |
| 1389 她忽然明白,为啥这地方有那么多的驼骨。那驼骨,明明在提醒驼们:我们死了,你也该死了。这真是可怕的暗示。记得,愍头患了绝症后,曾一度抱有幻想。那时,他的生命之火一直在微弱地燃烧,总是欲熄未熄。等他终千明白了真相后,马上就死了。想来,驼也是这样。驼以为好多驼都死在这儿,它也一定走不出绝境的.有些驼的体力虽能支持,但那暗示,却一下子摧垮了它们最后的一点儿信念。莹儿想, 自己可千万不能学那些死去的驼呀。她想,只要心不死,人是死不了的。 | Lanlan sagte: Halt noch aus. Ich gehe Wasser suchen. |
| 1390 她想,如何救这失去了最后一点信心的驼呢?既然无法钻进它的心中,总得想个别的法子。她想呀想呀觉得除了给它灌些清油外,也实在没个别的法子。 | Yinger wollte sagen: Wo soll es hier Wasser geben? Doch sie verstand: Suchen war besser als Nichtstun. Suchen garantierte zwar keinen Fund, aber Nichtsuchen garantierte den Tod. |
| 1391 她一说,兰兰拧着眉头解释道,那可是最后一点了,路可能还远呢。莹儿说,我们总不能丢下它,人家已逃了出去,又来找我们……兰兰说成大不了,我们死在一起。莹儿说,就是,活了,一起活,真要死的话,我们和骆驼一起死。 | Lanlan wartete keine Antwort ab. Sie nahm die Flasche und schleppte sich Schritt für Schritt zur Sandmulde im Norden. Sie ging sehr langsam; die Gelenke knackten. In ihrer Benommenheit wurde Lanlan zu einem wandelnden Skelett. Yinger dachte: Wenn sie ging, kam sie vielleicht nie zurück. |
| 1392 兰兰取出油瓶,一晃,油就在瓶壁上旋了,旋出很美的纹路。莹儿觉得心叫无形的东西挤压了一下,想来兰兰也这样。这些油,两人还能喝个两三口,虽不多,但这是唯一的食物了。 | Lanlan verschwand langsam hinter der Sanddüne und hinterließ eine Leere. Der Eindruck war wie ein Wassertropfen, der im Sand versickerte. |
| 1393 骆驼贪婪地望那液体,以前她们喝时它就这样。它当然知道那是美味。以前,清油下来时,主人也会赏些稠油给它。那东酉可不是沙秸。沙秸虽能充饥,但干成麻鞋底的舌头和枯燥成砂纸的食道是无法接受它的。这液体却不然,它滑滑的,带着一抹清凉的神韵。它只能贪婪地望它,望着那两个女人下咽时喉部的蠕动。它甚至能听到那稠亮的甘露滑入食道时发出的咕咕声。千得冒烟的细胞们欢快地叫着,像渴极奔井的羊那样发出眻眻的声音。驼明白自己只能看一看。能看已经很不错了,看惯了干燥的沙漠,再看一眼瓶壁上倏然一旋的清凉和润滑,真是痛苦又刺激的事。 | Yinger wollte rufen: Warum lässt du mich allein? Sie war etwas traurig. Sie wollte sagen: Wenn schon sterben, dann zusammen – gemeinsam. |
| 1394 它当然想不到那个好看的——虽然她的嘴上也布满了于燥的黑皮——女人会将瓶口伸向它。它以为她在逗自己昵。村里人老这样逗它。人说天窗里吊首蓿,给老驴种相思病。人们也常给骆驼种诸如此类的相思病.村里娃儿就老举些嫩草引诱它,等得你张口去叨时,他们却倏地拿开了草,发出恶作剧的笑。人都是这样。以前,面对这号捉弄,它总是高傲地闭上眼。但你要知道,此刻那晕清凉是多大的诱惑呀!哪怕你望它一眼,也是享受呢。当然,这享受也是痛苦,就像一个叫欲火烧烤的光棍汉面对黄色录像一样,他虽然赤红了脸呼咘,但那双滴溜溜的眼,仍不会放过每一个叫他痛苦又刺激的镜头。 | Das Kamel lag immer noch blinzelnd da und keuchte. Die Einbuchtung am Bauch blähte sich mal auf, mal fiel sie ein. Yinger dachte: War da drinnen vielleicht ein Schakal, der Därme verschlang? Dieses grausige kleine Tier war vielleicht im Schlaf durch den After in den Kamelbauch gekrochen. Seltsam – Yinger hatte keine Angst. Sie dachte: Dann verschling halt. Erst die des Kamels, dann meine. |
| 1395 骆驼也一样。 | Kein Laut. Sie erinnerte sich: Früher zur Mittagszeit gab die Sonne ein gewaltiges Heulen von sich, wie tausend Zikaden im Chor. Jetzt war die Sonne verstummt. In der Sandmulde war kein Geräusch zu hören. Auch das Keuchen des Kamels verebbte. Sein Bauch blähte und wogte noch, doch es war kein Laut mehr da. Auch ihren eigenen Herzschlag spürte sie nicht mehr. Eine riesige Stille verschmolz mit ihr. War sie etwa schon tot? Sie hob den Blick zum Himmel – er war blau wie Seide, die Wolken waren fadendünne Streifen. Liefen sie um die Wette? Oder darum, wer am längsten stillstand? Egal. |
| 1396 可那瓶口,竟然伸向它的嘴。它当然感到意外。它当然也知道其中的妙物对两个女人意味着啥。它望望那女人的眼,想捕捉到捉弄它的意蕴,没想到,它看到的,是一双充满了关切的眼。记得,小时候,它一脚踩入鼠洞弄折了腿后,母亲就那样看它。它当然忘不了那眼。你别小看它的记忆,它能记得十多年前某人对它的捉弄,也忘不了八年前某人给过它一把青草。它是最有记性的动物之一.在这一点上,它甚至超过了马。跟马一样,它是公认的能通人性,而且更加厚道。 | Dann dachte sie, Lanlan habe sie belogen: Sie suchte gar kein Wasser, sondern hatte den Körper verlassen und war in eine andere Welt gegangen. |
| 1397 驼真的被感动了。它毫不怀疑那眼中发出的信息。它明白她是真的想将那清凉给它.它虽然不知道那是仅有的,但早就从两人的举止中明白了它的珍贵—— | Diese andere Welt war natürlich besser. Wirklich unaufrichtig von ihr. Wenn schon gehen, dann lieber zusammen. Doch auch zum Grollen war sie zu müde, denn die Benommenheit webte bereits ein riesiges Netz, das in die Luft geworfen war und gleich auf ihren Kopf niederfallen würde. Es war schon mehrmals gefallen – einmal wie ein Spinnennetz, einmal wie ein Fischernetz, jedes Mal zäher, dichter, enger. Sie wusste: Diesmal würde das Netz ihre Seele einfangen. Früher hatte sie sich nie um ihre Seele gekümmert. Als sie mit Lingguan zusammen war, spürte sie hauptsächlich die Beteiligung des Körpers. Erst nach der Trennung trat die Seele hervor. Doch ohne die Beteiligung des Körpers kannte die Seele nur den Schmerz der Sehnsucht. Wenn du, Netz der Benommenheit, sie einfängst – auch gut. |
| 1398 人家都几个时辰喝一小口呢。喝时她们都闭了眼品味许久,她们当然想叫那味儿印入自己的灵魂深处。当然。 | Das Kamel fiel zur Seite. Es streckte alle viere aus und lag auf der Sanddüne, wie immer beim Schlafen. Das bedeutete: Es hatte keine Kraft mehr zum Knien. Sein Blut war sicher schon dickflüssig – ihres natürlich auch. Jedes Mal, wenn die Sonne die Zunge herausstreckte, leckte sie etwas Feuchtigkeit weg. Die Sonne wollte lecken – man musste sie lassen. Sie war schließlich die Sonne. Obwohl keine Wolke das weiße Licht verdeckte, spürte Yinger keine Hitze. Auch den Durst hatte die Benommenheit ertränkt. Als Nächstes würde sie die Seele ertränken. Yinger dachte: Wenn du ertränken willst, dann ertränke. |
| 1399 驼想说你们喝吧!你们喝吧!它的客气是跟主人学的,主人就这样。他明明想喝酒但别人邀他时他却说这句话。主人当然是虚情假意的,驼却认真。 | Sie wollte noch vor dem Ertrinken der Seele an Lingguan denken, aber die Benommenheit war tyrannisch – sie konnte vieles ertränken, also auch die Bilder, die Yinger sehen wollte. Sie erinnerte sich, dass Lingguan hübsch war, aber wie genau, war vernebelt. Das Gehirn war ihr ärgster Feind: Wenn sie nicht an ihn denken wollte, drängten sich die Bilder auf und setzten Leib und Seele in Brand. Wollte sie an ihn denken, war nicht einmal ein Schatten da. |
| 1400 驼心里的话虽也明白清晰,但人类总是听不懂。没办法。驼也知道改变人心是世上最难的工程,所以它总是沉默。它真的不忍心喝下那么好的东西。它只要一盆浑水就成,哪怕有虫子,哪怕有草渣,哪怕有蜊斛,它都能闭了眼饮上一气。她们可不成,她们就那么一点了。驼于是坚决地摇了摇头。 | Eine schwarze Krähe erschien auf einer nahen Sanddüne und krächzte. Yinger wusste: Sie lag im Sterben. Man sagte, Krähen liebten Menschenfleisch, ihr Geruch war fein – sie rochen den Todesgeruch an Lebenden und krächzten immer beim Sterben, weshalb die Menschen glaubten, sie brächten Unglück. Lingguan hatte jedoch gesagt, Krähen seien heilige Vögel, die Lakaien von Mahakala, dem großen Schutzgott des Buddhismus. |
| 1401 驼当然想不到人家会将瓶口塞进它嘴里,也想不到那滑滑的液体竟会在舌上漫延开来。它听到舌上的味蕾们疯狂地叫着,叫声像炎阳下的知了那样喧嚣。一股奇异的味道立马渗入它的灵魂深处。它死也忘不了这味道。这甚至不能算味道了。它成了快乐的旋风美味的海啸……还有好些比喻驼死活想不出来了。它觉得舌上的小蕾真是贪婪,它们疯狂地大张了口,跟养熟了的鱼儿乞食时一样。 | Yinger dachte: Wenn du sagst, sie seien heilige Vögel, dann opfere ich mich ihnen. Den Schakalen wollte sie sich nicht hingeben, den Krähen schon – natürlich wegen dieser Erklärung. Sie hoffte nur, der heilige Vogel möge nicht schon an ihr fressen, solange ihre Seele noch da war. |
| 1402 虽然那液体是滑滑的黏黏的,它们还是咂光了好多。驼觉得舌头润泽了许多。它想,这下,又能吃些草了。吃了草,就能接着驮这两个美丽的女人了。它虽然不晓得人类关于美的标准,但它能从另一性别的人的眼里发现她们真的很美。它忘不了途中那两个老牧人的年轻眼神。他们不一定真的扒她们的衣服,那眼睛却明明这样做了。 | Man sagte, Krähen fraßen zuerst die Augäpfel. Das war unerträglich. Warum ausgerechnet die Augäpfel? |
| 1403 瓶中的液体仍在流着,滑滑的妙物越来越多,舌营们吞不及它们了。那清凉又滑向了喉管。喉管欢快地蠕动着,跟它进入母驼产道的阳物一样。因为干燥缺水,那蠕动时的声音像没蜕尽的蛇在游动。对,就是叫响尾蛇的那种。驼想,那喉管,想来裂了好多口子,很像干涸的河床里横七竖八的千口。这一点是从它吞咽千草时的被刚感觉里推测出的。那地方,本该是滑滑的,有层黏膜昵。现在倒好,成千河床了。它觉得这干渴真是可恶,比村里的豁鼻梁恶驼更坏。豁鼻梁就够坏了,发情时,老是追美丽的母驼。追到后就咬它们的后腿,母驼们挣呀挣呀它们是真挣的,但腿既然已到人家的嘴里,你的挣就等于咬你自己。……小母驼终于就给豁鼻梁扯倒在地,然后就不堪回首了。无数的小母驼就那样在豁鼻梁的身下蠕动着哀鸣。更有些可恶的母驼,叫豁鼻梁强暴一两次后,反倒老跟它黏糊在一起。每次一想这,它就感到强烈的厌恶。但那千渴,却比豁鼻梁更坏,证据是当千渴袭来时,连豁鼻梁都躲出了心。显然,它对干渴的厌恶,完全超过了对豁鼻梁的厌恶。 | Sie beschloss, sich vor dem letzten Atemzug mit dem Gesicht nach unten zu legen – notfalls das Gesicht im gelben Sand zu vergraben. Sie konnte es nicht ertragen, dass der schwarze Vogel nach ihren schönen Augen pickte. |
| 1404 驼感到食管在疯狂地扭动着,它当然很快乐。没有比清油进入干裂成山药皮的食管更快乐的事了。它甚至听到了食管快乐的呻吟。那呻吟很像它第一次深 | Noch mehr Krähen kamen, krächzten im Chor und starrten sie an. Als das Kamel das Krächzen hörte, öffnete es ebenfalls die Augen. Natürlich wusste es, was die Rufe bedeuteten. Es blickte zu Yinger, Yinger blickte zu ihm – beide tauschten eine stumme, ohnmächtige Einvernehmlichkeit. Die Augen wurden noch trockener. Im Kopf begann es zu dröhnen. |
| 1405 | Yinger dachte: Das Fleisch auf den Knochen unterwegs hatten sicher die Krähen gefressen. In der Sandwüste fand man kaum etwas Besseres als Menschenfleisch – allein die Geschmeidigkeit übertraf die jedes gewöhnlichen Tieres. Natürlich hofften sie, dass jemand in ihrem Revier verdurstete. Dann erfülle ich euch den Wunsch. Dann dachte sie: Hatten die Krähen schon Lanlans Augäpfel gefressen und kamen nun zu ihr? Sie sah tatsächlich Lanlan blutüberströmt in einer Sandmulde liegen. Da war es wieder – das Gehirn stritt ständig mit ihr. Was sie sehen wollte, zeigte es nicht. Was sie nicht sehen wollte, warf es ihr blutig vor die Augen. |
| 1406 入生驼体内时身不由己地发出的那种。公驼跟男人一样。男人喜欢没叫人用过的处女,公驼也一样。公驼将那些未经驼事的母驼叫生驼。清油比生驼还好。食管也定然这样认为,不然它是不会那样蠕动和呻吟的。你肯定没听过食管的呻吟,那真是天簇。驼虽不知道”大音稀声”这个成语,但还是听懂了食管那无声地啸卷着的大乐。你想,身外是千燥炎热的天空,连空气都在燃烧,身内的那一线清凉和润滑当然会有沁入灵魂深处的穿透力的。驼很感激那女人,她竟将这么好的东西让给它。驼想,要是我是男人的话,我一定会追求她的。但驼也仅仅是想想而巳。它的天性告诉它,做梦是个不好的习惯。 | Yinger schüttelte mühsam den Kopf. |
| 1407 清凉又滑向胃部。胃也惊喜地蠕动起来。胃蠕动时真像个怪物,它本该是暗红的,但现在早黑了。不但黑了,而且硬了,跟晒得半千的牛皮一样。不但硬了,而且还收缩了。那模样,跟八十多岁的老妪的脸差不多,跟沙枣树皮差不多,跟挂在屋檐下晒了三天的猪尿脖差不多,跟放在卤水和酱油里煮了五个时辰的胎衣差不多——这么多”差不多”一齐蠕动,当然是怪物了。它发出咋嗦昧嗦的声响很像三百个老鼠在一起磨牙。胃里顿时弥漫了好多尘埃般的碎屑。它们本来潜伏在胃的皱折处,因为胃液的不辞而别,它们趁机飘了起来,舒活舒活筋骨,活动活动精神。它们也惊喜地发现了顺食管下行的清油。因为胃里还没开窗户昵—— | Benommen sah sie einige Krähen heranfliegen und über ihrem Kopf kreisen. Wirklich ungeduldig. Sie hielten sie bestimmt schon für tot. Oder sie wollten, wie Menschen, die lebendiges Affenhirn löffelten, Frisches probieren. Bestimmt. |
| Yinger war bereit, sich von ihnen fressen zu lassen, aber nicht, solange sie noch atmete. Sie schwang die tote Taschenlampe, stellte aber fest, dass sie als Waffe untauglich war. Also riss sie die Peitsche vom Kamelhalfter. Die war als Reserve gedacht – falls das Kamel nicht gehorchte, konnte man es damit auf die Nase schlagen. Unterwegs hatte niemand die Peitsche benutzt, was bewies, dass beide Kamele brav gewesen waren. Kaum hatte Yinger die Peitsche abgerissen, als ein schwarzer Schatten heranstürzte. Sie sammelte heimlich alle Kraft. | |
| Natürlich war dieses „alle Kraft“ nur genug, um die Peitsche auf eine gewisse Geschwindigkeit zu bringen. Offensichtlich hatte die Krähe sie für tot gehalten und rechnete nicht mit dem dunklen Schatten, der auf sie zuschnellte. Sie ahnte nicht, dass ihre eigene Geschwindigkeit viel zu groß war – selbst wenn die Peitsche still in der Luft gelegen hätte, wäre sie beim Aufprall benommen geworden. Und nun kam ihr die Peitsche entgegen. | |
| Ein dumpfer Schlag, und die Krähe rollte in die Sandmulde. |