Hongloumeng/zh-de/Chapter 23
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說賈元春自那日幸大觀園回宮去後,便命將那日所有的題詠,命探春依次抄錄妥協,自己編次,敘其優劣,又命在大觀園勒石,為千古風流雅事。因此,賈政命人各處選拔精工名匠,在大觀園磨石鐫字,賈珍率領蓉、萍等監工。因賈薔又管理著文官等十二個女戲並行頭等事,不大得便,因此賈珍又將賈菖、賈菱喚來監工。一日,湯蠟釘朱,動起手來。這也不在話下。 且說那個玉皇廟並達摩庵兩處,一班的十二個小沙彌並十二個小道士,如今挪出大觀園來,賈政正想發到各廟去分住。不想後街上住的賈芹之母周氏,正盤算著也要到賈政這邊謀一個大小事務與兒子管管,也好弄些銀錢使用,可巧聽見這件事出來,便坐轎子來求鳳姐。鳳姐因見他素日不大拿班作勢的,便依允了,想了幾句話便回王夫人說:「這些小和尚道士萬不可打發到別處去,一時娘娘出來就要承應。倘或散了,若再用時,可是又費事。依我的主意,不如將他們竟送到咱們家廟裡鐵檻寺去,月間不過派一個人拿幾兩銀子去買柴米就完了。說聲用,走去叫來,一點兒不費事呢。」王夫人聽了,便商之於賈政。賈政聽了笑道:「倒是提醒了我,就是這樣。」 即時喚賈璉來。 當下賈璉正同鳳姐吃飯,一聞呼喚,不知何事,放下飯便走。鳳姐一把拉住,笑道:「你且站住,聽我說話。若是別的事我不管,若是為小和尚們的事,好歹依我這麼著。」如此這般教了一套話。賈璉笑道:「我不知道,你有本事你說去。」鳳姐聽了,把頭一梗,把筷子一放,腮上似笑不笑的瞅著賈璉道:「你當真的,是玩話?」賈璉笑道:「西廊下五嫂子的兒子芸兒來求了我兩三遭,要個事情管管。我依了,叫他等著。好容易出來這件事,你又奪了去。」鳳姐兒笑道:「你放心。園子東北角子上,娘娘說了,還叫多多的種松柏樹,樓底下還叫種些花草。等這件事出來,我管保叫芸兒管這件工程。」賈璉道:「果這樣也罷了。只是昨兒晚上,我不過是要改個樣兒,你就扭手扭腳的。」鳳姐兒聽了,嗤的一聲笑了,向賈璉啐了一口,低下頭便吃飯。 賈璉已經笑著去了,到了前面見了賈政,果然是小和尚一事。賈璉便依了鳳姐主意,說道:「如今看來,芹兒倒大大的出息了,這件事竟交予他去管辦。橫豎照在裡頭的規例,每月叫芹兒支領就是了。」賈政原不大理論這些事,聽賈璉如此說,便如此依了。賈璉回到房中告訴鳳姐兒,鳳姐即命人去告訴了周氏。賈芹便來見賈璉夫妻兩個,感謝不盡。風姐又作情央賈璉先支三個月的,叫他寫了領字,賈璉批票畫了押,登時發了對牌出去。銀庫上按數發出三個月的供給來,白花花二三百兩。賈芹隨手拈一塊,撂予掌平的人,叫他們吃茶罷。於是命小廝拿回家,與母親商議。登時雇了大叫驢,自己騎上,又雇了幾輛車,至榮國府角門,喚出二十四個人來,坐上車,一徑往城外鐵檻寺去了。當下無話。 如今且說賈元春,因在宮中自編大觀園題詠之後,忽想起那大觀園中景緻,自己幸過之後,賈政必定敬謹封鎖,不敢使人進去騷擾,豈不寥落。況家中現有幾個能詩會賦的姊妹,何不命他們進去居住,也不使佳人落魄,花柳無顏。卻又想到寶玉自幼在姊妹叢中長大,不比別的兄弟,若不命他進去,只怕他冷清了,一時不大暢快,未免賈母王夫人愁慮,須得也命他進園居住方妙。想畢,遂命太監夏守忠到榮國府來下一道諭,命寶釵等只管在園中居住,不可禁約封錮,命寶玉仍隨進去讀書。 賈政,王夫人接了這諭,待夏守忠去後,便來回明賈母,遣人進去各處收拾打掃,安設簾幔床帳。別人聽了還自猶可,惟寶玉聽了這諭,喜的無可不可。正和賈母盤算,要這個,弄那個,忽見丫鬟來說:「老爺叫寶玉。」寶玉聽了,好似打了個焦雷,登時掃去興頭,臉上轉了顏色,便拉著賈母扭的好似扭股兒糖,殺死不敢去。賈母只得安慰他道: 「好寶貝,你只管去,有我呢,他不敢委屈了你。況且你又作了那篇好文章。想是娘娘叫你進去住,他吩咐你幾句,不過不教你在裡頭淘氣。他說什麼,你只好生答應著就是了。」一面安慰,一面喚了兩個老嬤嬤來,吩咐:「好生帶了寶玉去,別叫他老子唬著他。」老嬤嬤答應了。 寶玉只得前去,一步挪不了三寸,蹭到這邊來。可巧賈政在王夫人房中商議事情,金釧兒、彩雲、彩霞、繡鸞、繡鳳等眾丫鬟都在廊檐底下站著呢,一見寶玉來,都抿著嘴笑。金釧一把拉住寶玉,悄悄的笑道:「我這嘴上是才擦的香浸胭脂,你這會子可吃不吃了?」彩雲一把推開金釧,笑道:「人家正心裡不自在,你還奚落他。趁這會子喜歡,快進去罷。」寶玉只得挨進門去。原來賈政和王夫人都在裡間呢。趙姨娘打起帘子,寶玉躬身進去。只見賈政和王夫人對面坐在炕上說話,地下一溜椅子,迎春、探春、惜春、賈環四個人都坐在那裡。一見他進來,惟有探春和惜春、賈環站了起來。 賈政一舉目,見寶玉站在跟前,神彩飄逸,秀色奪人,看看賈環,人物委瑣,舉止荒疏,忽又想起賈珠來,再看看王夫人只有這一個親生的兒子,素愛如珍,自己的鬍鬚將已蒼白:因這幾件上,把素日嫌惡處分寶玉之心不覺減了八九。半晌說道:「娘娘吩咐說,你日日外頭嬉游,漸次疏懶,如今叫禁管,同你姊妹在園裡讀書寫字。你可好生用心習學,再如不守分安常,你可仔細!」寶玉連連的答應了幾個「是」。王夫人便拉他在身旁坐下。他姊弟三人依舊坐下。 王夫人摸挲著寶玉的脖項說道:「前兒的丸藥都吃完了?」寶玉答道:「還有一丸。」王夫人道:「明兒再取十丸來,天天臨睡的時候,叫襲人伏侍你吃了再睡。」寶玉道:「只從太太吩咐了,襲人天天晚上想著,打發我吃。」賈政問道:「襲人是何人?」王夫人道:「是個丫頭。」賈政道:「丫頭不管叫個什麼罷了,是誰這樣刁鑽,起這樣的名字?」王夫人見賈政不自在了,便替寶玉掩飾道:「是老太太起的。」賈政道:「老太太如何知道這話,一定是寶玉。」寶玉見瞞不過,只得起身回道:「因素日讀詩,曾記古人有一句詩云:『花氣襲人知晝暖 』。因這個丫頭姓花,便隨口起了這個名字。」王夫人忙又道:「寶玉,你回去改了罷。老爺也不用為這小事動氣。」賈政道:「究竟也無礙,又何用改。只是可見寶玉不務正,專在這些濃詞艷賦上作工夫。」說畢,斷喝一聲:「作業的畜生,還不出去!」王夫人也忙道:「去罷,只怕老太太等你吃飯呢。」寶玉答應了,慢慢的退出去,向金釧兒笑著伸伸舌頭,帶著兩個嬤嬤一溜煙去了。 剛至穿堂門前,只見襲人倚門立在那裡,一見寶玉平安回來,堆下笑來問道:「叫你作什麼?」寶玉告訴他:「沒有什麼,不過怕我進園去淘氣,吩咐吩咐。」一面說,一面回至賈母跟前,回明原委。只見林黛玉正在那裡,寶玉便問他:「你住那一處好?」林黛玉正心裡盤算這事,忽見寶玉問他,便笑道:「我心裡想著瀟湘館好,愛那幾竿竹子隱著一道曲欄,比別處更覺幽靜。」寶玉聽了拍手笑道:「正和我的主意一樣,我也要叫你住這裡呢。我就住怡紅院,咱們兩個又近,又都清幽。」 兩人正計較,就有賈政遣人來回賈母說:「二月二十二曰子好,哥兒姐兒們好搬進去的。這幾日內遣人進去分派收拾。」薛寶釵住了蘅蕪苑,林黛玉住了瀟湘館,賈迎春住了綴錦樓,探春住了秋爽齋,惜春住了蓼風軒,李氏住了稻香村,寶玉住了怡紅院。每一處添兩個老嬤嬤,四個丫頭,除各人奶娘親隨丫鬟不算外,另有專管收拾打掃的。至二十二日,一齊進去,登時園內花招繡帶,柳拂香風,不似前番那等寂寞了。 閑言少敘。且說寶玉自進花園以來,心滿意足,再無別項可生貪求之心。每日只和姊妹丫頭們一處,或讀書,或寫字,或彈琴下棋,作畫吟詩,以至描鸞刺鳳,鬥草簪花,低吟悄唱,拆字猜枚,無所不至,倒也十分快樂。他曾有幾首即事詩,雖不算好,卻倒是真情真景,略記幾首云: 春夜即事 霞綃雲幄任鋪陳,隔巷蟆更聽未真。 枕上輕寒窗外雨,眼前春色夢中人。 盈盈燭淚因誰泣,點點花愁為我嗔。 自是小鬟嬌懶慣,擁衾不耐笑言頻。 夏夜即事 倦繡佳人幽夢長,金籠鸚鵡喚茶湯。 窗明麝月開宮鏡,室靄檀雲品御香。 琥珀杯傾荷露滑,玻璃檻納柳風涼。 水亭處處齊紈動,簾捲朱樓罷晚妝。 秋夜即事 絳芸軒里絕喧嘩,桂魄流光浸茜紗。 苔鎖石紋容睡鶴,井飄桐露濕棲鴉。 抱衾婢至舒金鳳,倚檻人歸落翠花。 靜夜不眠因酒渴,沉煙重撥索烹茶。 冬夜即事 梅魂竹夢已三更,錦罽鸘衾睡未成。 松影一庭惟見鶴,梨花滿地不聞鶯。 女兒翠袖詩懷冷,公子金貂酒力輕。 卻喜侍兒知試茗,掃將新雪及時烹。 因這幾首詩,當時有一等勢利人,見是榮國府十二三歲的公子作的,抄錄出來各處稱頌,再有一等輕浮子弟,愛上那風騷妖艷之句,也寫在扇頭壁上,不時吟哦賞贊。因此竟有人來尋詩覓字,倩畫求題的。寶玉亦發得了意,鎮日家作這些外務。 誰想靜中生煩惱,忽一日不自在起來,這也不好,那也不好,出來進去只是悶悶的。園中那些人多半是女孩兒,正在混沌世界,天真爛漫之時,坐卧不避,嘻笑無心,那裡知寶玉此時的心事。那寶玉心內不自在,便懶在園內,只在外頭鬼混,卻又痴痴的。 茗煙見他這樣,因想與他開心,左思右想,皆是寶玉頑煩了的,不能開心,惟有這件,寶玉不曾看見過。想畢,便走去到書坊內,把那古今小說並那飛燕、合德、武則天、楊貴妃的外傳與那傳奇角本買了許多來,引寶玉看。寶玉何曾見過這些書,一看見了便如得了珍寶。茗煙囑咐他不可拿進園去,「若叫人知道了,我就吃不了兜著走呢。」寶玉那裡舍的不拿進園去,踟躕再三,單把那文理細密的揀了幾套進去,放在床頂上,無人時自己密看。那粗俗過露的,都藏在外面書房裡。 那一日正當三月中浣,早飯後,寶玉攜了一套《會真記》,走到沁芳閘橋邊桃花底下一塊石上坐著,展開《會真記》,從頭細玩。正看到「落紅成陣」,只見一陣風過,把樹頭上桃花吹下一大半來,落的滿身滿書滿地皆是。寶玉要抖將下來,恐怕腳步踐踏了,只得兜了那花瓣,來至池邊,抖在池內。那花瓣浮在水面,飄飄蕩盪,竟流出沁芳閘去了。 回來只見地下還有許多,寶玉正踟躕間,只聽背後有人說道:「你在這裡作什麼?」寶玉一回頭,卻是林黛玉來了,肩上擔著花鋤,鋤上掛著花囊,手內拿著花帚。寶玉笑道:「好,好,來把這個花掃起來,撂在那水裡。我才撂了好些在那裡呢。」林黛玉道:「撂在水裡不好。你看這裡的水乾凈,只一流出去,有人家的地方髒的臭的混倒,仍舊把花遭塌了。那畸角上我有一個花冢,如今把他掃了,裝在這絹袋里,拿土埋上,日久不過隨土化了,豈不乾凈。」寶玉聽了喜不自禁,笑道:「待我放下書,幫你來收拾。」黛玉道:「什麼書?」寶玉見問,慌的藏之不迭,便說道:「不過是《中庸》《大學》。」黛玉笑道:「你又在我跟前弄鬼。趁早兒給我瞧,好多著呢。」寶玉道:「好妹妹,若論你,我是不怕的。你看了,好歹別告訴別人去。真真這是好書!你要看了,連飯也不想吃呢。」一面說,一面遞了過去。林黛玉把花具且都放下,接書來瞧,從頭看去,越看越愛看,不到一頓飯工夫,將十六齣俱已看完,自覺詞藻警人,餘香滿口。雖看完了書,卻只管出神,心內還默默記誦。 寶玉笑道:「妹妹,你說好不好?」林黛玉笑道:「果然有趣。」寶玉笑道:「我就是個『多愁多病身』,你就是那『傾國傾城貌』。」林黛玉聽了,不覺帶腮連耳通紅,登時直豎起兩道似蹙非蹙的眉,瞪了兩隻似睜非睜的眼,微腮帶怒,薄面含嗔,指寶玉道:「你這該死的胡說!好好的把這淫詞艷曲弄了來,還學了這些混話來欺負我。我告訴舅舅舅母去。」說到「欺負」兩個字上,早又把眼睛圈兒紅了,轉身就走。寶玉著了急,向前攔住說道:「好妹妹,千萬饒我這一遭,原是我說錯了。若有心欺負你,明兒我掉在池子里,教個癩頭黿吞了去,變個大忘八,等你明兒做了『一品夫人』病老歸西的時候,我往你墳上替你馱一輩子的碑去。」說的林黛玉嗤的一聲笑了,揉著眼睛,一面笑道:「一般也唬的這個調兒,還只管胡說。呸,原來是『苗而不秀,是個銀樣鑞槍頭』。」寶玉聽了,笑道:「你這個呢?我也告訴去。」林黛玉笑道:「你說你會過目成誦,難道我就不能一目十行麽?」 寶玉一面收書,一面笑道:「正經快把花埋了罷,別提那個了。」二人便收拾落花,正才掩埋妥協,只見襲人走來,說道:「那裡沒找到,摸在這裡來。那邊大老爺身上不好,姑娘們都過去請安,老太太叫打發你去呢。快回去換衣裳去罷。」寶玉聽了,忙拿了書,別了黛玉,同襲人回房換衣不提。 這裡林黛玉見寶玉去了,又聽見眾姊妹也不在房,自己悶悶的。正欲回房,剛走到梨香院牆角上,只聽牆內笛韻悠揚,歌聲婉轉。林黛玉便知是那十二個女孩子演習戲文呢。只是林黛玉素習不大喜看戲文,便不留心,只管往前走。偶然兩句吹到耳內,明明白白,一字不落,唱道是:「原來奼紫嫣紅開遍,似這般都付與斷井頹垣。」林黛玉聽了,倒也十分感慨纏綿,便止住步側耳細聽,又聽唱道是:「良辰美景奈何天,賞心樂事誰家院。」聽了這兩句,不覺點頭自嘆,心下自思道:「原來戲上也有好文章。可惜世人只知看戲,未必能領略這其中的趣味。」想畢,又後悔不該胡想,耽誤了聽曲子。又側耳時,只聽唱道:「則為你如花美眷,似水流年……」林黛玉聽了這兩句,不覺心動神搖。又聽道:「你在幽閨自憐」等句,亦發如醉如痴,站立不住,便一蹲身坐在一塊山子石上,細嚼「如花美眷,似水流年」八個字的滋味。忽又想起前日見古人詩中有「水流花謝兩無情」之句,再又有詞中有「流水落花春去也,天上人間」之句,又兼方纔所見《西廂記》中「花落水流紅,閑愁萬種」之句,都一時想起來,湊聚在一處。仔細忖度,不覺心痛神痴,眼中落淚。正沒個開交,忽覺背上擊了一下,及回頭看時,原來是……且聽下回分解。正是: 妝晨繡夜心無矣,對月臨風恨有之。
注释 |
Kapitel 23 Kaiserliche Gemahlin Urfrühling befiehlt, im Garten der Großen Anschauung zu wohnen — Durch die „Romanze der Westkammer" lernen Schatzjade[1] und Kajaljade[2] verbotene Gefühle kennen Es wird erzählt, dass die Kaiserliche Gemahlin Urfrühling [贾元春] nach ihrem Besuch im Garten der Großen Anschauung [Anm.: 大观园, Garten der Großen Anschauung] in den Palast zurückkehrte und die an jenem Tag verfassten Gedichte von Erkundefrühling der Reihe nach abschreiben ließ, sie selbst ordnete und nach Qualität bewertete. Ferner ordnete sie an, die Gedichte im Garten der Großen Anschauung in Stein meißeln zu lassen, als ein kulturelles Denkmal für alle Zeiten. Daraufhin ließ Aufrecht Kaufmann an verschiedenen Orten die besten Steinmetze auswählen, die im Garten die Steine schliffen und die Schriftzeichen einmeißelten. Herrlichkeit Kaufmann[3] beaufsichtigte zusammen mit Hibiskus Kaufmann[4] und Jia Ping die Arbeiten. Da Jia Qiang mit der Verwaltung der zwölf Schauspielerinnen und ihrer Kostüme beschäftigt und nicht leicht abkömmlich war, rief Herrlichkeit Kaufmann auch Jia Chang und Jia Ling herbei, um die Aufsicht zu führen. Eines Tages wurde mit der Arbeit begonnen: Wachs wurde aufgetragen, Lack aufgebracht und Zinnober eingerieben. Doch davon muss hier nicht weiter die Rede sein. Was nun die zwölf kleinen Mönche und zwölf kleinen Daoisten betrifft, die im Jadekaisertempel und im Bodhidharma-Kloster untergebracht gewesen waren — da sie nun aus dem Großen Garten hinausgebracht worden waren, wollte Aufrecht Kaufmann sie auf verschiedene Tempel verteilen. Doch da kam Zhou-shi, die Mutter von Jia Qin, die in der Hintergasse wohnte, auf die Idee, bei Aufrecht Kaufmann um eine kleine Aufgabe für ihren Sohn zu bitten, damit er etwas Geld verdienen konnte. Als sie von dieser Angelegenheit hörte, kam sie in einer Sänfte, um Phönixglanz[5] um Hilfe zu bitten. Phönixglanz, die sah, dass sie sich gewöhnlich nicht wichtigtat, sagte zu, überlegte ein paar Sätze und ging zu Dame König: „Diese kleinen Mönche und Daoisten dürfen auf keinen Fall anderswohin geschickt werden. Wenn die Kaiserliche Gemahlin eines Tages herauskommt, werden sie gebraucht. Sollten sie sich zerstreut haben, wäre es aufwendig, sie wieder zusammenzubringen. Meiner Meinung nach sollten wir sie einfach in unseren Familientempel, den Eisernen Schwellen-Tempel [Anm.: 铁槛寺], schicken. Wir brauchen nur monatlich jemanden mit etwas Silber für Brennholz und Reis hinzuschicken. Wenn wir sie brauchen, können wir sie jederzeit rufen — das macht überhaupt keine Mühe." Dame König besprach es mit Aufrecht Kaufmann. Aufrecht Kaufmann lachte: „Das hat mich daran erinnert, ja, machen wir es so." Sogleich ließ er Kette Kaufmann rufen. Kette Kaufmann saß gerade mit Phönixglanz beim Essen, als er den Ruf hörte. Ohne zu wissen, worum es ging, legte er die Stäbchen hin und wollte aufspringen. Phönixglanz hielt ihn fest und lachte: „Bleib stehen und hör mir zu! Wenn es wegen etwas anderem ist, kümmere ich mich nicht darum, aber wenn es um die kleinen Mönche geht, dann mach es auf jeden Fall so, wie ich es sage." Sie instruierte ihn Punkt für Punkt. Kette Kaufmann lachte: „Ich weiß von nichts — wenn du so tüchtig bist, geh du hin!" Phönixglanz hörte das, reckte den Hals, legte die Stäbchen nieder und sah Kette Kaufmann halb lächelnd, halb schmollend an: „Meinst du das ernst oder ist es ein Scherz?" Kette Kaufmann lachte: „Der Neffe der fünften Schwägerin auf der Westgalerie, der junge Yun, hat mich zwei-, dreimal gebeten, ihm eine Aufgabe zu geben. Ich habe zugesagt und ihn warten lassen. Endlich kommt diese Sache heraus, und du nimmst sie mir weg." Phönixglanz lachte: „Sei beruhigt. An der nordöstlichen Ecke des Gartens sagte die Kaiserliche Gemahlin, man solle noch mehr Kiefern und Zypressen pflanzen, und am Fuße des Gebäudes noch Blumen und Gräser. Wenn dieser Auftrag herauskommt, garantiere ich, dass Yun ihn bekommt." Kette Kaufmann sagte: „Na gut, wenn das so ist." Dann: „Nur gestern Nacht wollte ich ein wenig Abwechslung, und du hast dich gleich gesträubt..." Phönixglanz hörte das und lachte prustend, spuckte einmal in Jia Liens Richtung und senkte den Kopf, um weiterzuessen. Kette Kaufmann war schon lachend davongeeilt. Vor Aufrecht Kaufmann bestätigte sich: Es ging um die kleinen Mönche. Kette Kaufmann folgte Phönixglanzs Plan und sagte: „Wie es aussieht, ist der junge Qin inzwischen tüchtig geworden. Man könnte ihm diese Angelegenheit übertragen. Er soll einfach monatlich gemäß den üblichen Vorschriften die Gelder abheben." Aufrecht Kaufmann kümmerte sich nicht weiter um solche Dinge und stimmte zu. Kette Kaufmann kehrte in sein Zimmer zurück und berichtete Phönixglanz. Phönixglanz ließ sogleich Frau Zhou Bescheid geben. Jia Qin kam, um Kette Kaufmann und Phönixglanz seinen Dank auszusprechen. Phönixglanz bat Kette Kaufmann dann noch, drei Monatsgehälter im Voraus auszuzahlen. Jia Qin schrieb eine Quittung, Kette Kaufmann visierte sie und gab die Marke heraus. Sogleich wurden aus der Silberkammer drei Monatsrationen ausgezahlt — zwei- bis dreihundert Liang blitzenden Silbers. Jia Qin nahm beiläufig ein Stück heraus, warf es dem Kassenwart zu und sagte: „Trinkt Tee davon." Dann ließ er einen Diener das Silber nach Hause tragen und besprach sich mit seiner Mutter. Sofort mietete er einige Esel und Wagen, ritt selbst voraus und holte die vierundzwanzig Mönche und Daoisten aus dem Seitentor des Rong-Herrenhauses ab, um sie zum Eisernen Schwellen-Tempel vor der Stadt zu bringen. Was nun die Kaiserliche Gemahlin Urfrühling betrifft: Nachdem sie im Palast die Gedichte aus dem Großen Garten geordnet hatte, dachte sie plötzlich an die Schönheit des Gartens. Sie wusste, dass Aufrecht Kaufmann ihn nach ihrem Besuch gewissenhaft versiegelt und verschlossen halten würde, ohne dass jemand ihn betreten dürfe — wie öde und trostlos! Da es in der Familie doch einige dichtende und schreibende Schwestern gebe, warum sie nicht dort wohnen lassen, damit weder die Schönen verkümmerten noch die Blumen und Weiden ihr Antlitz verlören. Dann dachte sie an Schatzjade, der von klein auf unter seinen Schwestern aufgewachsen war — anders als die anderen Brüder. Wenn man ihn nicht ebenfalls in den Garten einziehen ließe, würde er sich einsam fühlen, und Herzoginmutter[6] und Dame König müssten sich Sorgen machen. Also sollte auch er einziehen und dort seinen Studien nachgehen. So beschlossen, sandte sie den Eunuchen Xia Shouzhong zum Rong-Herrenhaus mit einer Anordnung: Schatzspange[7] und die anderen Mädchen sollten frei im Garten wohnen, und auch Schatzjade solle dorthin ziehen, um zu lesen. Aufrecht Kaufmann und Dame König empfingen die Anordnung. Nachdem der Eunuch gegangen war, berichteten sie Herzoginmutter und ließen überall reinigen, aufräumen, Vorhänge aufhängen und Betten herrichten. Alle hörten die Nachricht mit gemischten Gefühlen; nur Schatzjade war außer sich vor Freude. Er besprach schon mit der Herzoginmutter, was er mitnehmen und was er einrichten wolle, als plötzlich eine Dienerin meldete: „Der Herr Vater ruft nach Schatzjade." Schatzjade erschrak wie vom Blitz getroffen, verlor augenblicklich alle Begeisterung, wurde bleich im Gesicht und klammerte sich an Herzoginmutter wie an ein Malzbonbon — lieber hätte er sich totschlagen lassen, als zu gehen. Herzoginmutter tröstete ihn: „Mein Schatz, geh nur. Ich bin ja da, er wird dir nichts tun. Außerdem hast du doch diesen guten Aufsatz geschrieben. Wahrscheinlich will die Kaiserliche Gemahlin, dass du im Garten wohnst, und dein Vater wird dir nur ein paar Anweisungen geben — nicht herumzutollen und dergleichen. Was er auch sagt, antworte einfach brav." Dann rief sie zwei alte Ammen und wies sie an: „Bringt Schatzjade sicher hin, und lasst seinen Vater ihn nicht erschrecken." Die Ammen gehorchten. Schatzjade musste nach vorne gehen, wobei er kaum vorankam. Zum Glück war Aufrecht Kaufmann gerade im Zimmer von Dame König und besprach etwas mit ihr. Goldarmreif [金钏]'er, Caiyun, Caixia, Xiuluan und Xiufeng standen alle auf der Veranda. Als sie Schatzjade kommen sahen, kicherten alle hinter vorgehaltener Hand. Goldarmreif'er packte Schatzjade, flüsterte lachend: „Ich habe gerade frische Lippen-Rouge aufgetragen — willst du kosten oder nicht?" Caiyun schob Goldarmreif'er beiseite und lachte: „Er fühlt sich gerade nicht wohl — hör auf, ihn aufzuziehen! Nutz die gute Stimmung und geh schnell hinein." Schatzjade musste sich durchs Tor schieben. Aufrecht Kaufmann und Dame König saßen drinnen auf dem Kang und redeten miteinander; auf einer Reihe Stühle saßen Willkommensfrühling, Erkundefrühling, Bedauerfrühling und Unheil Kaufmann. Als er eintrat, standen nur Erkundefrühling, Bedauerfrühling und Unheil Kaufmann auf. Aufrecht Kaufmann blickte auf und sah Schatzjade vor sich stehen — geistvoll und anmutig, von bestechender Schönheit. Dann sah er Unheil Kaufmann — unbeholfen im Auftreten, linkisch in den Manieren. Plötzlich dachte er an den verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann. Er bedachte, dass Dame König nur diesen einen leiblichen Sohn hatte und ihn über alles liebte, und dass sein eigener Bart bereits ergraute. Aus all diesen Gründen schwand sein gewohnter Widerwille gegen Schatzjade um acht oder neun Zehntel. Nach einer langen Pause sagte er: „Die Kaiserliche Gemahlin hat angeordnet: Du verbringst deine Tage draußen beim Spielen und wirst immer nachlässiger. Nun sollst du mit deinen Schwestern im Garten lesen und schreiben. Lerne fleißig! Wenn du dich nicht an die Regeln hältst, pass nur auf!" Schatzjade antwortete eilig mehrmals mit „Ja". Dame König zog ihn neben sich auf den Kang. Die drei Geschwister setzten sich wieder. Dame König strich Schatzjade über den Nacken und fragte: „Hast du die Pillen von neulich alle aufgebraucht?" Schatzjade sagte: „Es ist noch eine übrig." Dame König sagte: „Morgen lass dir zehn neue geben. Jeden Abend vor dem Schlafengehen soll Dufthauch[8] dir eine geben." Schatzjade sagte: „Seit die gnädige Mutter es angeordnet hat, denkt Dufthauch jeden Abend daran und gibt sie mir." Aufrecht Kaufmann fragte: „Wer ist Dufthauch?" Dame König sagte: „Eine Dienerin." Aufrecht Kaufmann sagte: „Eine Dienerin kann heißen, wie sie will — wer ist so frech und gibt ihr einen solchen Namen?" Dame König sah, dass Aufrecht Kaufmann ungehalten wurde, und versuchte, Schatzjade zu decken: „Den Namen hat die alte Herrin gegeben." Aufrecht Kaufmann sagte: „Woher sollte die alte Herrin so etwas kennen? Das muss Schatzjade gewesen sein." Schatzjade sah, dass die Tarnung aufgeflogen war, stand auf und antwortete: „Beim Lesen stieß ich auf einen alten Vers: ‚Der Blütenduft überwältigt und kündet warme Tage' [Anm.: 花气袭人知昼暖, Vers von Lu You (1125-1210)]. Da diese Dienerin den Nachnamen Hua [Blume] trägt, nannte ich sie so." Dame König sagte eilig: „Schatzjade, geh zurück und ändere den Namen. Der Herr Vater muss sich wegen solcher Kleinigkeiten nicht aufregen." Aufrecht Kaufmann sagte: „Im Grunde ist es belanglos, es muss nicht geändert werden. Nur zeigt es, dass Schatzjade sich nicht dem Wesentlichen widmet, sondern sich nur mit üppiger Lyrik und Liebesgedichten beschäftigt." Dann donnerte er: „Verschwinde, du Taugenichts!" Dame König sagte eilig: „Geh! Die Großmutter wartet mit dem Essen auf dich." Schatzjade verneigte sich und zog sich langsam zurück. Er streckte Goldarmreif'er die Zunge heraus, und mit den beiden Ammen raste er davon. Kaum war er an der Galerie angekommen, sah er Dufthauch an die Tür gelehnt stehen. Als sie Schatzjade heil zurückkommen sah, lächelte sie erleichtert: „Was wollte er von dir?" Schatzjade erzählte: „Nichts Besonderes, nur Ermahnungen wegen des Gartens — dass ich dort nicht herumtollen soll." Während er sprach, ging er zu Herzoginmutter und berichtete alles. Da sah er Kajaljade dort sitzen. Schatzjade fragte: „Wo möchtest du am liebsten wohnen?" Kajaljade hatte gerade darüber nachgedacht und sagte lächelnd: „Ich finde das Xiaoxiang-Haus [Anm.: 潇湘馆, benannt nach den Flüssen Xiao und Xiang] am schönsten — ich liebe diese Bambusse hinter dem geschwungenen Geländer, dort ist es stiller als anderswo." Schatzjade hörte das, klatschte lachend in die Hände: „Genau wie ich es mir gedacht habe! Ich wollte dich auch dort einquartieren! Ich wohne im Hof der Roten Freude [Anm.: 怡红院, Yihong Yuan] — wir wären ganz nah beieinander, und beide in schöner Ruhe." Während die beiden noch berieten, kam jemand von Aufrecht Kaufmann mit der Nachricht: Der zweiundzwanzigste des zweiten Monats sei ein günstiger Tag für den Einzug der jungen Herren und Damen; man solle in den nächsten Tagen alles vorbereiten. Schatzspange bezog das Hengwu-Haus [Anm.: 蘅芜苑, „Hof der wohlriechenden Kräuter"], Kajaljade das Xiaoxiang-Haus, Willkommensfrühling die Zhuijin-Galerie, Erkundefrühling das Qiushuang-Atelier, Bedauerfrühling den Liaofeng-Pavillon, Seidenweiß Pflaume das Dorf des Reisdufts [Anm.: 稻香村], und Schatzjade den Hof der Roten Freude. Jeder Wohnstätte wurden zwei alte Ammen und vier Dienerinnen zugeteilt, zusätzlich zu den eigenen Ammen und persönlichen Mädchen; außerdem waren eigene Reinigungskräfte abgestellt. Am zweiundzwanzigsten zogen alle ein, und sogleich schmückten sich Blumen mit Bändern und Weiden wiegten sich im Wind — ganz anders als die frühere Einsamkeit. Ohne weitere Umschweife: Seit Schatzjade in den Garten eingezogen war, fühlte er sich zutiefst zufrieden und hatte kein weiteres Verlangen. Täglich verbrachte er die Zeit mit seinen Schwestern und Dienerinnen — las, schrieb, spielte Qin, spielte Schach, malte, dichtete, stickte Phönixe, schmückte sich mit Blumen, sang leise, löste Rätsel und spielte Fingerspiele. Er war rundum glücklich. Er verfasste einige Gelegenheitsgedichte, die zwar nicht herausragend, doch von wahren Empfindungen und echten Szenen zeugten. Hier seien einige zitiert: Nächtliche Szene im Frühling Rosige Gaze und Wolkenbaldachin, üppig drapiert, In der Nachbargasse — das Froschquaken der Nachtwache, halb gehört. Auf dem Kissen leichter Frost, am Fenster der Regen rinnt, Im Frühlingslicht vor den Augen — die Träume des Herzens. Die Kerze weint glänzende Tränen — für wen? Die Blüten grollen mit Sorgenfalten — meinetwegen. Nur weil das Dienstmädchen verwöhnt und träge ist, Hüllt sie sich in die Decke, lachend und schwatzend unaufhörlich. Nächtliche Szene im Sommer Die müde Stickerin träumt lang ihren stillen Traum, Im goldnen Käfig ruft der Papagei nach Tee. Das Fenster hell — Moschusmonds Spiegel öffnet sich, Im Zimmerduft — Tanyuns Räucherwerk schwebt sacht. Aus Bernsteinkelch fließt glatt der Lotustau, Die gläserne Balustrade fängt des Weidenbachs Kühle ein. Am Wasserhaus allenthalben wehen Fächer aus Seide, Der Vorhang rollt sich auf — am Turmgemach endet die Abendtoilette. Nächtliche Szene im Herbst In Schatzjades Gemach herrscht Stille, kein Geräusch, Des Mondes Glanz durchdringt den roten Gaze-Stoff. Moos versiegelt Steinmuster, wo der Kranich schläft, Vom Brunnen rieselt Tautropfen auf die Krähe im Baum. Mit Decken kommt die Dienerin — der goldne Phönix faltet sich, Am Geländer kehrt man heim — die smaragdne Blume fällt. In stiller Nacht, schlaflos vom Durst nach Wein, Schürt man den Weihrauch und verlangt nach Tee. Nächtliche Szene im Winter Pflaumenduft und Bambusträume — schon dritte Nachtwache, Im Brokatgewand, in Gänsedaunendecken — und doch kein Schlaf. Des Kiefernschattens ganzer Hof — nur ein Kranich, Birnenblüten bedecken den Boden — keine Drossel singt. Des Mädchens smaragdner Ärmel ist kalt im Dichtersinnen, Des jungen Herrn goldner Zobel — des Weines Wärme schwindet. Doch freut es, dass die Dienerin den Tee zu prüfen weiß Und frischen Schnee zusammenfegt, um ihn rechtzeitig aufzubrühen. Wegen dieser Gedichte gab es nun gewisse Menschen, die, weil sie erfuhren, ein zwölf- oder dreizehnjähriger Knabe aus dem Rong-Herrenhaus habe sie geschrieben, sie abschrieben und überall lobten. Andere, leichtsinnige junge Herren, die die eleganten und leidenschaftlichen Verse liebten, schrieben sie auf Fächer und Wände und rezitierten sie unentwegt. So kamen Leute, die um Gedichte, Kalligraphie, Gemälde und Inschriften baten. Schatzjade war begeistert und beschäftigte sich täglich mit solchen Äußerlichkeiten. Doch wer hätte gedacht, dass aus der Ruhe Unruhe erwächst? Eines Tages wurde er grundlos missmutig. Dies war nicht recht und jenes nicht recht, er lief ein und aus und war nur betrübt. Die meisten Bewohner des Gartens waren junge Mädchen, die in ihrer unschuldigen Welt lebten — sie saßen und lagen, ohne sich zu scheuen, lachten und scherzten arglos und wussten nichts von Schatzjades Herzenssorgen. Schatzjade fühlte sich innerlich unwohl und mochte nicht mehr im Garten bleiben; draußen trieb er sich herum, doch blieb er auch dort versunken und abwesend. Der Diener Mingyan sah seinen Herrn so und überlegte, wie er ihn aufheitern könnte. Er dachte hin und her — alles, womit Schatzjade sonst spielte, war ihm längst über, nichts konnte ihn erfreuen. Nur eines hatte Schatzjade noch nie gesehen. Entschlossen ging er in eine Buchhandlung und kaufte eine große Menge alter und neuer Romane sowie Geschichten über Zhao Feiyan und Zhao Hede, Wu Zetian und Yang Guifei [Anm.: berühmte Schönheiten und Herrscherinnen der chinesischen Geschichte] und allerlei Theaterstücke. Er brachte sie Schatzjade. Schatzjade, der solche Bücher noch nie gesehen hatte, behandelte sie wie kostbare Schätze. Mingyan ermahnte ihn: „Nimm sie nicht mit in den Garten! Wenn jemand es erfährt, werden sie mich bei lebendigem Leib häuten!" Doch Schatzjade konnte sich unmöglich davon trennen, überlegte hin und her und wählte schließlich einige mit feinem und dichtem Text aus, nahm sie mit in den Garten und versteckte sie unterm Bettdach, um sie heimlich zu lesen, wenn niemand da war. Die gröberen verbarg er im äußeren Arbeitszimmer. An einem Tag Mitte des dritten Monats ging Schatzjade nach dem Frühstück mit einem Exemplar der „Romanze der Westkammer" [Anm.: 会真记/西厢记, das berühmte Liebesstück von Wang Shifu] zum Brückenrand des Qinfang-Wehrs und setzte sich unter einem Pfirsichbaum auf einen Stein. Er schlug das Buch auf und las von Anfang an. Gerade war er bei der Stelle „Herabfallende Blütenblätter wie ein Heer" angelangt, da wehte ein Windstoß und blies die Hälfte der Pfirsichblüten herab — sie bedeckten seinen ganzen Körper, das Buch und den Boden. Schatzjade wollte sie abschütteln, fürchtete aber, mit den Füßen darauf zu treten. So sammelte er die Blütenblätter in seine Kleider und schüttete sie am Teichrand ins Wasser. Die Blüten trieben auf der Oberfläche, schaukelten hin und her und flossen hinaus durch das Qinfang-Wehr. Als er zurückkam, lagen noch viele auf dem Boden. Während er noch unschlüssig dastand, hörte er hinter sich jemanden sagen: „Was machst du hier?" Schatzjade drehte sich um — es war Kajaljade, die eine Blumenhacke auf der Schulter trug, an der ein Blumenbeutel hing, und einen Blumenbesen in der Hand hielt. Schatzjade lachte: „Wunderbar! Komm, feg diese Blüten zusammen und wirf sie ins Wasser! Ich habe eben schon viele hineingeworfen." Kajaljade sagte: „Ins Wasser werfen ist nicht gut. Hier ist das Wasser sauber, aber sobald es hinausfließt, in bewohnte Gebiete, wird es schmutzig und stinkend — die Blüten würden entweiht. Dort drüben an der Ecke habe ich ein Blumengrab [Anm.: 花冢, ein Grab für gefallene Blüten — eine der berühmtesten Szenen des Romans]. Ich werde sie zusammenfegen, in diesen Seidenbeutel tun und mit Erde begraben. Mit der Zeit werden sie mit der Erde vergehen — ist das nicht sauberer?" Schatzjade hörte das und war überglücklich: „Warte, ich lege mein Buch hin und helfe dir!" Kajaljade fragte: „Was für ein Buch?" Schatzjade erschrak und versuchte hastig, es zu verstecken: „Nur der ‚Zhongyong' und der ‚Daxue' [Anm.: zwei konfuzianische Klassiker]." Kajaljade lachte: „Machst du mir wieder etwas vor! Zeig schnell her!" Schatzjade sagte: „Liebe Schwester, vor dir habe ich keine Angst. Wenn du es liest, verspreche mir nur, es niemandem zu verraten. Es ist wirklich ein gutes Buch! Wenn du es liest, vergisst du sogar das Essen." Damit reichte er es ihr. Kajaljade legte ihre Blumengeräte ab, nahm das Buch und las es von Anfang an — je mehr sie las, desto mehr war sie gefesselt. In weniger als einer Mahlzeit hatte sie alle sechzehn Akte durchgelesen und fühlte, wie die Worte sie berauschten und wie ein süßer Nachgeschmack auf ihren Lippen lag. Obwohl sie fertig war, saß sie nur still da und rezitierte die Worte im Stillen. Schatzjade lachte: „Schwester, wie findest du es?" Kajaljade lachte: „Es ist wirklich wunderbar!" Schatzjade lachte: „Ich bin der ‚Vielkranke mit viel Kummer', und du bist die ‚Schönheit, die Reiche stürzt'." [Anm.: Zitate aus der „Westkammer", mit denen Zhang Sheng und Cui Yingying beschrieben werden] Kajaljade hörte das und wurde augenblicklich bis über beide Ohren rot, richtete ihre Augenbrauen auf — halb gerunzelt, halb nicht — riss die Augen weit auf — halb offen, halb nicht — die Wangen vor Zorn leicht gerötet, die schmalen Lippen voller Groll, deutete auf Schatzjade und sagte: „Dieser verdammte Kerl! Was redest du für verbotenes Zeug? Erst schleppst du diese unzüchtigen Stücke an und lernst daraus solche frevelhaften Worte, um mich zu beleidigen! Das sage ich dem Onkel und der Tante!" Bei den Worten „beleidigen" röteten sich bereits ihre Augenringe, und sie drehte sich um und wollte gehen. Schatzjade geriet in Panik, eilte vor und versperrte ihr den Weg: „Liebe Schwester, tausendmal Verzeihung! Es war falsch von mir. Wenn ich dich absichtlich beleidigt habe, dann soll ich morgen in den Teich fallen und von einer räudigen Schildkröte verschlungen werden und mich in eine riesige Schildkröte verwandeln — und wenn du dereinst als ‚hohe Dame ersten Ranges' alt und krank zum Grabe gehst, trage ich deinen Grabstein mein Leben lang auf dem Rücken!" Kajaljade musste prusten, rieb sich die Augen und sagte halb lachend: „Du erschreckst einen zu Tode mit deinen Schwüren! Und dann schwatzt du weiter Unsinn! Im Grunde bist du ein ‚Hübscher ohne Substanz — wie eine Lanze aus Zinn, die nur silbern glänzt'." [Anm.: ebenfalls ein Zitat aus der „Westkammer"] Schatzjade hörte das und lachte: „Und was ist mit dir? Das sage ich auch weiter!" Kajaljade lachte: „Du rühmst dich, alles nach einmaligem Lesen zu behalten — meinst du, ich könne nicht zehn Zeilen auf einen Blick lesen?" Schatzjade sammelte sein Buch ein und sagte lachend: „Komm, lass uns die Blüten begraben, statt davon zu reden." Die beiden sammelten die gefallenen Blüten ein und begruben sie ordentlich. Da kam Dufthauch und sagte: „Ich habe dich überall gesucht! Dort drüben ist der ältere Herr [Anm.: Begnadigung Kaufmann] unwohl, und die Fräulein sind alle hingegangen, um nach ihm zu sehen. Die alte Herrin hat nach dir geschickt. Geh schnell zurück und zieh dich um!" Schatzjade hörte das, nahm eilig sein Buch, verabschiedete sich von Kajaljade und ging mit Dufthauch zurück, um sich umzuziehen. Nachdem Schatzjade gegangen war, fand sich Kajaljade allein. Gerade wollte sie in ihr Zimmer zurückkehren und ging eben an der Mauer des Lixiang-Hofes [Anm.: 梨香院, der Hof, in dem die Schauspielerinnen probten] vorbei, als sie von drinnen den Klang einer Flöte vernahm, lang und melodisch, und Gesang, sanft und innig. Kajaljade, die normalerweise nicht viel für Theater übrig hatte, ging unachtsam weiter. Da drangen zwei Zeilen an ihr Ohr, klar und deutlich, jede Silbe vernehmbar: „So öffnen sich die scharlachroten und karmesinroten Blüten überall, Und all die Pracht — verfällt der bröckelnden Mauer und dem trockenen Schacht." [Anm.: aus der „Päonienlaube" (牡丹亭) von Tang Xianzu (1550-1616)] Kajaljade hörte das und war tief gerührt. Sie blieb stehen und horchte. Wieder erklang: „Welch schöner Tag, welch prächtige Szene — Doch ach, die Freude — in wessen Garten blüht sie?" Als sie das hörte, konnte sie nicht anders als nickend seufzen und dachte: „In der Oper gibt es also auch gute Literatur. Schade, dass die Menschen nur Opern anschauen, ohne den tieferen Sinn darin zu begreifen." Als ihr dies bewusst wurde, bedauerte sie, dass sie in Gedanken versunken das Zuhören versäumt hatte. Sie lauschte wieder und hörte: „Denn du, mein zärtlich-blühendes Geschöpf, Und ich — die Jahre fließen wie das Wasser hin..." Diese Worte erschütterten Kajaljade bis ins Innerste. Dann hörte sie: „In deinem stillen Gemach bemitleidest du dich selbst..." und Ähnliches — da war sie wie berauscht und betäubt, konnte nicht mehr stehen und sank auf einen Felsen nieder. Sie schmeckte und wog die acht Worte „zärtlich-blühendes Geschöpf, Jahre fließen wie Wasser" [Anm.: 如花美眷,似水流年] in ihrem Herzen. Plötzlich fielen ihr alte Verse ein: „Wasser fließt und Blumen welken — beiden fehlt das Herz", und dann ein Liedvers: „Der Blüten Fall und des Wassers Lauf — der Frühling geht dahin, Himmel und Erde!", und dann die Zeile aus der „Westkammer", die sie eben gelesen hatte: „Blüten fallen, rot treibt das Wasser, tausend Sorten müßiger Gram" — alles kam auf einmal zusammen in ihr. Sie sann und sann, und ohne es zu merken, schmerzte ihr das Herz und trübten sich ihre Gedanken, und Tränen rannen. Gerade war sie in diesem Zustand gefangen, als plötzlich jemand ihr von hinten auf den Rücken klopfte — und als sie sich umdrehte, sah sie, dass es war... Doch das erzählt das nächste Kapitel. So heißt es: Morgens beim Schminken, nachts beim Sticken — das Herz ist weit fort, Im Mondschein und Wind weht der Gram herüber von dort.
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