Hongloumeng/zh-de/Chapter 20
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說寶玉在林黛玉房中說「耗子精」,寶釵撞來,諷刺寶玉元宵不知「綠蠟」之典,三人正在房中互相譏刺取笑。那寶玉正恐黛玉飯後貪眠,一時存了食,或夜間走了困,皆非保養身體之法;幸而寶釵走來,大家談笑,那林黛玉方不欲睡,自己才放了心。忽聽他房中嚷起來,大家側耳聽了一聽,林黛玉先笑道:「這是你媽媽和襲人叫嚷呢。那襲人也罷了,你媽媽再要認真排場他,可見老背晦了。」 寶玉忙要趕過來,寶釵忙一把拉住道:「你別和你媽媽吵才是,他老糊塗了,倒要讓他一步為是。」寶玉道:「我知道了。」說畢走來,只見李嬤嬤拄著拐棍,在當地罵襲人:「忘了本的小娼婦!我抬舉起你來,這會子我來了,你大模大樣的躺在炕上,見我來也不理一理。一心只想妝狐媚子哄寶玉,哄的寶玉不理我,聽你們的話。你不過是幾兩臭銀子買來的毛丫頭,這屋裡你就作耗,如何使得!好不好拉出去配一個小子,看你還妖精似的哄寶玉不哄!」襲人先只道李嬤嬤不過為他躺著生氣,少不得分辨說「病了,才出汗,蒙著頭,原沒看見你老人家」等語。後來只管聽他說「哄寶玉」、「妝狐媚」,又說「配小子」等,由不得又愧又委屈,禁不住哭起來。 寶玉雖聽了這些話,也不好怎樣,少不得替襲人分辨病了吃藥等話,又說:「你不信,只問別的丫頭們。」李嬤嬤聽了這話,益發氣起來了,說道:「你只護著那起狐狸,那裡認得我了,叫我問誰去?誰不幫著你呢,誰不是襲人拿下馬來的!我都知道那些事。我只和你在老太太,太太跟前去講了。把你奶了這麼大,到如今吃不著奶了,把我丟在一旁,逞著丫頭們要我的強。」一面說,一面也哭起來。彼時黛玉寶釵等也走過來勸說:「媽媽你老人家擔待他們一點子就完了。」李嬤嬤見他二人來了,便拉住訴委屈,將當日吃茶,茜雪出去,與昨日酥酪等事,嘮嘮叨叨說個不清。 可巧鳳姐正在上房算完輸贏賬,聽得後面一片聲嚷,便知是李嬤嬤老病發了,排揎寶玉的人。--正值他今兒輸了錢,遷怒於人。便連忙趕過來,拉了李嬤嬤,笑道:「好媽媽,別生氣。大節下老太太才喜歡了一日,你是個老人家,別人高聲,你還要管他們呢,難道你反不知道規矩,在這裡嚷起來,叫老太太生氣不成?你只說誰不好,我替你打他。我家裡燒的滾熱的野雞,快來跟我吃酒去。」一面說,一面拉著走,又叫:「豐兒,替你李奶奶拿著拐棍子,擦眼淚的手帕子。」那李嬤嬤腳不沾地跟了鳳姐走了,一面還說:「我也不要這老命了,越性今兒沒了規矩,鬧一場子,討個沒臉,強如受那娼婦蹄子的氣!」後面寶釵黛玉隨著,見鳳姐兒這般,都拍手笑道:「虧這一陣風來,把個老婆子撮了去了。」 寶玉點頭嘆道:「這又不知是那裡的帳,只揀軟的排揎。昨兒又不知是那個姑娘得罪了,上在他帳上。」一句未了,晴雯在旁笑道:「誰又不瘋了,得罪他作什麼。便得罪了他,就有本事承任,不犯帶累別人!」襲人一面哭,一面拉著寶玉道:「為我得罪了一個老奶奶,你這會子又為我得罪這些人,這還不夠我受的,還只是拉別人。」寶玉見他這般病勢,又添了這些煩惱,連忙忍氣吞聲,安慰他仍舊睡下出汗。又見他湯燒火熱,自己守著他,歪在旁邊,勸他只養著病,別想著些沒要緊的事生氣。襲人冷笑道:「要為這些事生氣,這屋裡一刻還站不得了。但只是天長日久,只管這樣,可叫人怎麼樣才好呢?時常我勸你,別為我們得罪人,你只顧一時為我們那樣,他們都記在心裡,遇著坎兒,說的好說不好聽,大家什麼意思。」一面說,一面禁不住流淚,又怕寶玉煩惱,只得又勉強忍著。 一時雜使的老婆子煎了二和藥來。寶玉見他才有汗意,不肯叫他起來,自己便端著就枕與他吃了,即命小丫頭子們鋪炕。襲人道:「你吃飯不吃飯,到底老太太,太太跟前坐一會子,和姑娘們頑一會子再回來。我就靜靜的躺一躺也好。」寶玉聽說,只得替他去了簪環,看他躺下,自往上房來。同賈母吃畢飯,賈母猶欲同那幾個老管家嬤嬤鬥牌解悶,寶玉記著襲人,便回至房中,見襲人朦朦睡去。自己要睡,天氣尚早。彼時晴雯、綺霰、秋紋、碧痕都尋熱鬧,找鴛鴦琥珀等耍戲去了,獨見麝月一個人在外間房裡燈下抹骨牌。寶玉笑問道:「你怎不同他們頑去?」麝月道:「沒有錢。」寶玉道:「床底下堆著那麼些,還不夠你輸的?」麝月道:「都頑去了,這屋裡交給誰呢?那一個又病了。滿屋裡上頭是燈,地下是火。那些老媽媽子們,老天拔地,伏侍一天,也該叫他們歇歇,小丫頭子們也是伏侍了一天,這會子還不叫他們頑頑去。所以讓他們都去罷,我在這裡看著。」 寶玉聽了這話,公然又是一個襲人。因笑道:「我在這裡坐著,你放心去罷。」麝月道:「你既在這裡,越發不用去了,咱們兩個說話頑笑豈不好?」寶玉笑道:「咱兩個作什麼呢?怪沒意思的,也罷了,早上你說頭癢,這會子沒什麼事,我替你篦頭罷。」麝月聽了便道:「就是這樣。」說著,將文具鏡匣搬來,卸去釵釧,打開頭髮,寶玉拿了篦子替他一一的梳篦。只篦了三五下,只見晴雯忙忙走進來取錢。一見了他兩個,便冷笑道:「哦,交杯盞還沒吃,倒上頭了!」寶玉笑道:「你來,我也替你篦一篦。」晴雯道:「我沒那麼大福。」說著,拿了錢,便摔帘子出去了。 寶玉在麝月身後,麝月對鏡,二人在鏡內相視。寶玉便向鏡內笑道:「滿屋裡就只是他磨牙。」麝月聽說,忙向鏡中擺手,寶玉會意。忽聽唿一聲帘子響,晴雯又跑進來問道:「我怎麼磨牙了?咱們倒得說說。」麝月笑道:「你去你的罷,又來問人了。」晴雯笑道:「你又護著。你們那瞞神弄鬼的,我都知道。等我撈回本兒來再說話。」說著,一徑出去了。這裡寶玉通了頭,命麝月悄悄的伏侍他睡下,不肯驚動襲人。一宿無話。 至次日清晨起來,襲人已是夜間發了汗,覺得輕省了些,只吃些米湯靜養。寶玉放了心,因飯後走到薛姨媽這邊來閑逛。彼時正月內,學房中放年學,閨閣中忌針,卻都是閑時。賈環也過來頑,正遇見寶釵、香菱、鶯兒三個趕圍棋作耍,賈環見了也要頑。寶釵素習看他亦如寶玉,並沒他意,今兒聽他要頑,讓他上來坐了一處。一磊十個錢,頭一回自己贏了,心中十分歡喜。後來接連輸了幾盤,便有些著急。趕著這盤正該自己擲骰子,若擲個七點便贏,若擲個六點,下該鶯兒擲三點就贏了。因拿起骰子來,狠命一擲,一個作定了五,那一個亂轉。鶯兒拍著手只叫「幺」,賈環便瞪著眼,「六——七——八」混叫。那骰子偏生轉出幺來。賈環急了,伸手便抓起骰子來,然後就拿錢,說是個六點。鶯兒便說:「分明是個幺!」寶釵見賈環急了,便瞅鶯兒說道:「越大越沒規矩,難道爺們還賴你?還不放下錢來呢!」鶯兒滿心委屈,見寶釵說,不敢則聲,只得放下錢來,口內嘟囔說:「一個作爺的,還賴我們這幾個錢,連我也不放在眼裡。前兒我和寶二爺頑,他輸了那些,也沒著急。下剩的錢,還是幾個小丫頭子們一搶,他一笑就罷了。」寶釵不等說完,連忙斷喝。賈環道:「我拿什麼比寶玉呢。你們怕他,都和他好,都欺負我不是太太養的。」說著,便哭了。寶釵忙勸他:「好兄弟,快別說這話,人家笑話你。」又罵鶯兒。 正值寶玉走來,見了這般形況,問是怎麼了。賈環不敢則聲。寶釵素知他家規矩,凡作兄弟的,都怕哥哥,卻不知那寶玉是不要人怕他的。他想著:「兄弟們一併都有父母教訓,何必我多事,反生疏了。況且我是正出,他是庶出,饒這樣還有人背後談論,還禁得轄治他了。」更有個呆意思存在心裡。—— 你道是何呆意?因他自幼姊妹叢中長大,親姊妹有元春、探春,伯叔的有迎春、惜春,親戚中又有史湘雲、林黛玉、薛寶釵等諸人。他便料定,原來天生人為萬物之靈,凡山川日月之精秀,只鐘於女兒,鬚眉男子不過是些渣滓濁沫而已。因有這個呆念在心,把一切男子都看成混沌濁物,可有可無。只是父親叔伯兄弟中。因孔子是亘古第一人說下的,不可忤慢,只得要聽他這句話。所以,弟兄之間不過盡其大概的情理就罷了,並不想自己是丈夫,須要為子弟之表率。是以賈環等都不怕他,卻怕賈母,才讓他三分。如今寶釵恐怕寶玉教訓他,倒沒意思,便連忙替賈環掩飾。寶玉道:「大正月里哭什麼?這裡不好,你別處頑去。你天天念書,倒念糊塗了。比如這件東西不好,橫豎那一件好,就棄了這件取那個。難道你守著這個東西哭一會子就好了不成?你原是來取樂頑的,既不能取樂,就往別處去尋樂頑去。哭一會子,難道算取樂頑了不成?倒招自己煩惱,不如快去為是。」賈環聽了,只得回來。 趙姨娘見他這般,因問:「又是那裡墊了踹窩來了?」一問不答,再問時,賈環便說:「同寶姐姐頑的,鶯兒欺負我,賴我的錢,寶玉哥哥攆我來了。」趙姨娘啐道:「誰叫你上高臺盤去了?下流沒臉的東西!那裡頑不得?誰叫你跑了去討沒意思!」 正說著,可巧鳳姐在窗外過,都聽在耳內,便隔窗說道:「大正月又怎麼了?環兄弟小孩子家,一半點兒錯了,你只教導他,說這些淡話作什麼!憑他怎麼去,還有太太老爺管他呢,就大口啐他!他現是主子,不好了,橫豎有教導他的人,與你什麼相干!環兄弟,出來,跟我頑去。」賈環素日怕鳳姐比怕王夫人更甚,聽見叫他,忙唯唯的出來。趙姨娘也不敢則聲。鳳姐向賈環道:「你也是個沒氣性的!時常說給你:要吃,要喝,要頑,要笑,只愛同那一個姐姐妹妹哥哥嫂子頑,就同那個頑。你不聽我的話,反叫這些人教的歪心邪意,狐媚子霸道的。自己不尊重,要往下流走,安著壞心,還只管怨人家偏心。輸了幾個錢?就這麼個樣兒!」賈環見問,只得諾諾的回說:「輸了一二百。」鳳姐道:「虧你還是爺,輸了一二百錢就這樣!」回頭叫豐兒:「去取一弔錢來,姑娘們都在後頭頑呢,把他送了頑去。你明兒再這麼下流狐媚子,我先打了你,打發人告訴學里,皮不揭了你的!為你這個不尊重,恨的你哥哥牙根癢癢,不是我攔著,窩心腳把你的腸子窩出來了。」喝命:「去罷!」賈環諾諾的跟了豐兒,得了錢,自己和迎春等頑去。不在話下。 且說寶玉正和寶釵頑笑,忽見人說:「史大姑娘來了。」寶玉聽了,抬身就走。寶釵笑道:「等著,咱們兩個一齊走,瞧瞧他去。」說著,下了炕,同寶玉一齊來至賈母這邊。只見史湘雲大笑大說的,見他兩個來,忙問好廝見。正值林黛玉在旁,因問寶玉:「在那裡的?」寶玉便說:「在寶姐姐家的。」 黛玉冷笑道:「我說呢,虧在那裡絆住,不然早就飛了來了。」寶玉笑道:「只許同你頑,替你解悶兒。不過偶然去他那裡一趟,就說這話。」林黛玉道:「好沒意思的話!去不去管我什麼事,我又沒叫你替我解悶兒。可許你從此不理我呢!」說著,便賭氣回房去了。 寶玉忙跟了來,問道:「好好的又生氣了?就是我說錯了,你到底也還坐在那裡,和別人說笑一會子。又來自己納悶。」林黛玉道:「你管我呢!」寶玉笑道: 「我自然不敢管你,只沒有個看著你自己作踐了身子呢。」林黛玉道:「我作踐壞了身子,我死,與你何干!」寶玉道:「何苦來,大正月里,死了活了的。」林黛玉道:「偏說死!我這會子就死!你怕死,你長命百歲的,如何?」寶玉笑道:「要象只管這樣鬧,我還怕死呢?倒不如死了乾凈。」黛玉忙道:「正是了,要是這樣鬧,不如死了乾凈。」寶玉道:「我說我自己死了乾凈,別聽錯了話賴人。」正說著,寶釵走來道:「史大妹妹等你呢。」說著,便推寶玉走了。這裡黛玉越發氣悶,只向窗前流淚。沒兩盞茶的工夫,寶玉仍來了。林黛玉見了,越發抽抽噎噎的哭個不住。寶玉見了這樣,知難輓回,打疊起千百樣的款語溫言來勸慰。不料自己未張口,只見黛玉先說道:「你又來作什麼?橫豎如今有人和你頑,比我又會念,又會作,又會寫,又會說笑,又怕你生氣拉了你去,你又作什麼來?死活憑我去罷了!」寶玉聽了忙上來悄悄的說道:「你這麼個明白人,難道連『親不間疏,先不僭後』也不知道?我雖糊塗,卻明白這兩句話。頭一件,咱們是姑舅姊妹,寶姐姐是兩姨姊妹,論親戚,他比你疏。第二件,你先來,咱們兩個一桌吃,一床睡,長的這麼大了,他是才來的,豈有個為他疏你的?」林黛玉啐道:「我難道為叫你疏他?我成了個什麼人了呢!我為的是我的心。」寶玉道:「我也為的是我的心。難道你就知你的心,不知我的心不成?」林黛玉聽了,低頭一語不發,半日說道:「你只怨人行動嗔怪了你,你再不知道你自己慪人難受。就拿今日天氣比,分明今兒冷的這樣,你怎麼倒反把個青肷披風脫了呢?」寶玉笑道:「何嘗不穿著,見你一惱,我一燥就脫了。」 黛玉嘆道:「回來傷了風,又該餓著吵吃的了。」 二人正說著,只見湘雲走來,笑道:「二哥哥,林姐姐,你們天天一處頑,我好容易來了,也不理我一理兒。」黛玉笑道:「偏是咬舌子愛說話,連個『二』哥哥也叫不出來,只是『愛』哥哥『愛』哥哥的。回來趕圍棋兒,又該你鬧『幺愛三四五』了。」寶玉笑道:「你學慣了他,明兒連你還咬起來呢。」史湘雲道:「他再不放人一點兒,專挑人的不好。你自己便比世人好,也不犯著見一個打趣一個。指出一個人來,你敢挑他,我就伏你。」黛玉忙問是誰。湘雲道:「你敢挑寶姐姐的短處,就算你是好的。我算不如你,他怎麼不及你呢。」黛玉聽了,冷笑道:「我當是誰,原來是他!我那裡敢挑他呢。」 寶玉不等說完,忙用話岔開。湘雲笑道:「這一輩子我自然比不上你。我只保佑著明兒得一個咬舌的林姐夫,時時刻刻你可聽『愛』『厄』去。阿彌陀佛,那才現在我眼裡!」說的眾人一笑,湘雲忙回身跑了。要知端詳,下回分解。
注释 |
Kapitel 20 Phönixglanz spricht ein ernstes Wort und zügelt die Eifersucht — Kajaljade neckt mit witzigen Worten den lispelnden Akzent —- Schatzjade[1] [宝玉] erzählte gerade in Kajaljades[2] [黛玉] Zimmer die Geschichte von den „Ratten-Geistern“, als Schatzspange[3] [宝钗] hereinkam und Schatzjade damit aufzog, dass er am Laternenfest-Abend die Anspielung auf den „grünen Wachs“ [绿蜡] nicht erkannt hatte. Die drei neckten und verspotteten sich gegenseitig im Zimmer. Schatzjade sorgte sich, Kajaljade könne nach dem Essen einschlafen und sich den Magen verderben, oder nachts nicht müde genug sein — beides wäre der Gesundheit nicht zuträglich. Glücklicherweise war Schatzspange gekommen, und man konnte zusammen lachen und plaudern, sodass Kajaljade keine Lust mehr zum Schlafen hatte. Schatzjade war erleichtert. Plötzlich hörte man aus seinem Zimmer lautes Geschrei. Alle spitzten die Ohren. Kajaljade sagte lächelnd als Erste: „Das sind deine Mutter und Dufthauch[4] [袭人], die sich zanken. Bei Dufthauch mag es ja angehen, aber wenn deine Amme sie wirklich ernsthaft ausschimpft, dann ist sie wohl altersverwirrt geworden.“ Schatzjade wollte sofort hinübereilen, doch Schatzspange hielt ihn fest: „Streit nicht mit deiner Amme! Sie ist alt und verwirrt — lass ihr etwas nach.“ Schatzjade sagte: „Ich weiß.“ Damit ging er hinüber. Die alte Amme Li [李嬷嬷] stand mit ihrem Stock mitten im Zimmer und beschimpfte Dufthauch: „Du undankbares kleines Miststück! Ich habe dich großgezogen, und jetzt, wo ich herkomme, liegst du breit auf dem Kang und beachtest mich nicht! Du denkst nur daran, dich wie ein Füchsin aufzuspielen und Schatzjade zu bezirzen, damit er nur noch auf dich hört und nicht mehr auf mich! Du bist doch nichts als ein für ein paar läppische Silberlinge gekauftes kleines Ding — und du spielst dich hier als Herrin auf? Das geht nicht! Am besten zerrt man dich raus und verheiratet dich mit irgendeinem kleinen Diener — dann sehen wir, ob du immer noch Schatzjade verführst!“ Dufthauch hatte anfangs geglaubt, die alte Li sei nur böse, weil sie gelegen hatte, und versuchte sich zu erklären: „Ich bin krank und habe geschwitzt, den Kopf zugedeckt — ich habe Euch wirklich nicht kommen sehen.“ Doch als die alte Li weiter von „Schatzjade verführen“ und „Füchsin spielen“ und „mit einem Diener verheiraten“ sprach, kamen Scham und Kränkung zusammen, und Dufthauch konnte ihre Tränen nicht zurückhalten. Schatzjade hörte das alles, konnte aber nichts tun und versuchte, Dufthauch zu verteidigen, indem er von ihrer Krankheit und den Medikamenten sprach: „Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt die anderen Mädchen!“ Die alte Li wurde nur noch wütender: „Du beschützt immer nur diese Füchsinnen und erkennst mich gar nicht mehr! Wen soll ich denn fragen? Die helfen doch alle nur dir! Dufthauch hat sie alle auf ihre Seite gezogen! Ich weiß über alles Bescheid! Ich gehe jetzt zur Herzoginmutter und zur Herrin und erkläre ihnen alles. Ich habe dich mit meiner Milch großgezogen, und jetzt, wo du keine Milch mehr brauchst, wirst du mich los und lässt dich von den Mädchen aufhetzen!“ So jammerte und weinte sie. Inzwischen waren Kajaljade und Schatzspange gekommen und redeten ihr gut zu: „Mama, Ihr alte Dame, habt ein wenig Nachsicht — dann ist alles gut.“ Als die alte Li die beiden sah, ergriff sie deren Hände und klagte über all ihr Unrecht: den Vorfall mit dem Tee und der Entlassung von Qianxü, den Milchrahm von gestern — sie redete und redete ohne Ende. Gerade kam Phönixglanz[5] [熙凤] aus dem oberen Saal, wo sie Gewinn und Verlust beim Glücksspiel abgerechnet hatte. Als sie hinten das Geschrei hörte, wusste sie sofort, dass die alte Amme Li wieder einen ihrer Anfälle hatte und Schatzjades Leute drangsalierte — zumal sie an diesem Tag selbst beim Spiel verloren hatte und ihren Ärger an anderen ausließ. Phönixglanz eilte herein, ergriff die alte Lis Arm und sagte lächelnd: „Liebe Mama, regt Euch nicht auf! Am Neujahrstag war die Herzoginmutter gerade einmal fröhlich, und Ihr als ältere Person solltet die anderen zügeln, wenn sie laut werden — Ihr könnt doch nicht selbst hier Lärm schlagen und die Herzoginmutter ärgern! Sagt mir einfach, wer Euch etwas getan hat, und ich verprügel ihn für Euch. Bei mir zu Hause gibt es dampfend heißes Wildhuhn — kommt, trinken wir zusammen Wein!“ Während sie so redete, zog sie die alte Li schon mit sich fort und rief: „Feng'er [丰儿], nimm der Amme Li den Stock und das Tränentuch ab!“ Die alte Li ließ sich widerstandslos von Phönixglanz mitziehen, redete aber weiter: „Mir ist dieses alte Leben nicht mehr wichtig! Heute mache ich einmal ordentlich Skandal, verliere dabei mein Gesicht — immer noch besser, als mir den Spott dieser frechen Weiber gefallen zu lassen!“ Kajaljade und Schatzspange folgten und sahen, wie Phönixglanz die Sache handhabte. Lächelnd klatschten sie in die Hände und sagten: „Glück, dass dieser Wirbelwind kam und die alte Frau wegfegte!“ Schatzjade nickte seufzend: „Schon wieder unergründliche Vorwürfe — und wie immer trifft es die Schwachen. Gestern muss irgendein Mädchen sie geärgert haben, und jetzt wird es auf mein Konto geschrieben.“ Kaum hatte er ausgesprochen, sagte Heitermuster [晴雯] von der Seite lächelnd: „Wer wäre denn so verrückt, sie zu ärgern? Und wenn schon — dann hätte man den Mut, es zuzugeben, statt andere mit hineinzuziehen!“ Dufthauch weinte und zog an Schatzjades Ärmel: „Wegen mir hast du dich mit der alten Amme angelegt, und jetzt machst du wegen mir auch noch mit allen anderen Streit — das ist mir doch schon mehr als genug. Musst du noch andere hineinziehen?“ Schatzjade sah ihren Zustand, dachte an ihre Krankheit und all den Kummer, und schluckte seinen Ärger hinunter. Er beruhigte sie und bat sie, sich wieder hinzulegen und zu schwitzen. Dann ließ er ihr noch eine Dosis Medizin kochen und überwachte, dass sie sie trank. Dufthauch sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn ich mich wegen jeder solchen Sache aufregen würde, könnte ich hier keinen Augenblick mehr bleiben. Aber auf die Dauer — wie soll das gehen? Ich sage dir immer: Mach meinetwegen keinen Streit mit anderen! Du tust es im Moment für uns, aber die anderen merken sich alles und reden gut oder schlecht — was soll das bringen?“ Während sie so sprach, kamen ihr wieder die Tränen, doch sie wollte Schatzjade nicht noch mehr belasten und hielt sie mühsam zurück. Eine alte Dienerin brachte die zweite Dosis Medizin. Schatzjade sah, dass Dufthauch gerade zu schwitzen begann, und wollte sie nicht aufstehen lassen — er reichte ihr die Medizin selbst ans Bett. Dann ließ er das Lager für sie richten. Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht — geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.“ Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Heitermuster, Qixia [绮霰], Herbstmuster und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Mandarinenente [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen. Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“ Sheyü sagte: „Ich habe kein Geld.“ Schatzjade sagte: „Unter dem Bett liegt doch ein ganzer Haufen — reicht das nicht?“ Sheyü sagte: „Wenn alle weggehen, wer passt dann auf das Zimmer auf? Die eine ist krank, überall brennen Laternen, überall sind Öfen. Die alten Dienerinnen haben den ganzen Tag geschuftet — sie sollten sich ausruhen dürfen. Und die kleinen Mädchen haben auch den ganzen Tag bedient — sollen sie jetzt wenigstens etwas spielen gehen. Also habe ich sie alle gehen lassen und passe allein auf.“ Schatzjade hörte diese Worte und dachte: Genau so wie Dufthauch. Er lächelte: „Ich bleibe hier und passe auf — geh du ruhig.“ Sheyü sagte: „Da du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir beide können uns unterhalten und Spaß haben — ist das nicht besser?“ Schatzjade lächelte: „Was sollen wir denn machen? Es ist doch langweilig. Na gut — heute Morgen hast du gesagt, dein Kopf juckt. Da wir nichts zu tun haben, kämme ich dir die Haare.“ Sheyü sagte: „Warum nicht.“ Sie stellte den Schminkspiegel hin, nahm die Haarnadeln ab, öffnete das Haar, und Schatzjade kämmte es ihr sorgfältig Strähne für Strähne. Nach kaum fünf Strichen kam Heitermuster eilig herein, um Geld zu holen. Als sie die beiden sah, sagte sie spöhtisch: „Na, den Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht getrunken, aber die Brauttoilette wird schon gemacht!“ Schatzjade lächelte: „Komm her, ich kämme dir auch die Haare.“ Heitermuster sagte: „So viel Glück habe ich nicht!“ Damit nahm sie das Geld und rauschte hinaus, wobei der Vorhang klirrte. Schatzjade stand hinter Sheyü, Sheyü sass vor dem Spiegel, und beide sahen sich darin an. Schatzjade lächelte im Spiegel: „Von allen hier ist sie die Einzige, die ständig stichelt.“ Sheyü sah das im Spiegel und winkte hastig mit der Hand. Schatzjade verstand. Da hörte man schon den Vorhang klirren — Heitermuster stürmte zurück und fragte: „Ich stichle also? Das müssen wir uns mal genauer ansehen!“ Sheyü lächelte: „Geh du und spiel! Was fragst du mich?“ Heitermuster lächelte: „Du beschützt ihn wieder! Was ihr beide hinter vorgehaltener Hand treibt, weiß ich ganz genau. Wartet, bis ich mein Geld zurückgewonnen habe, dann reden wir weiter!“ Damit rauschte sie wieder hinaus. Schatzjade kämmte Sheyüs Haar fertig und bat sie, leise aufzupassen, damit Dufthauch nicht gestört würde. Die Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Morgen, als Dufthauch aufstand, fühlte sie sich besser — sie hatte nachts geschwitzt und die Erkältung überwunden. Sie ass nur etwas Reissuppe und ruhte sich weiter aus. Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei. Hagedorn Kaufmann [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Duftkastanie [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Hagedorn Kaufmann sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös. Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Hagedorn Kaufmann starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs — sieben — acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen. Hagedorn Kaufmann wurde hektisch, griff nach dem Würfel und dann nach dem Geld und behauptete, es sei eine Sechs gewesen. Ying'er sagte: „Das war eindeutig eine Eins!“ Schatzspange sah, dass Hagedorn Kaufmann wütend wurde, und wies Ying'er zurecht: „Je größer du wirst, desto weniger Anstand hast du! Würde ein junger Herr dich betrügen? Leg das Geld sofort hin!“ Ying'er, zutiefst gekränkt, wagte nicht zu widersprechen, da Schatzspange es so befahl, und legte das Geld hin. Dabei murmelte sie: „Ein junger Herr — und betrügt uns um ein paar läppische Münzen! Mich beachtet er auch nicht. Als ich neulich mit dem jungen Herren Schatzjade spielte und er verlor — viel mehr als das! — hat er es einfach hingenommen. Das restliche Geld haben ein paar kleine Mädchen sich gegriffen, und er hat nur gelacht.“ Schatzspange unterbrach sie hastig. Hagedorn Kaufmann sagte: „Was soll ich mich mit Schatzjade vergleichen! Ihr habt alle Angst vor ihm, seid nett zu ihm und gemein zu mir — bloß weil er der Sohn der Hauptfrau ist und ich nicht!“ Dabei begann er zu weinen. Schatzspange tröstete ihn eilig: „Lieber Bruder, sag so etwas nicht — man lacht dich aus!“ Und sie schimpfte noch einmal mit Ying'er. Gerade kam Schatzjade herein. Er sah die Situation und fragte, was los sei. Hagedorn Kaufmann wagte nichts zu sagen. Schatzspange kannte die Familienregeln: Jüngere Brüder fürchteten ihre älteren Brüder. Doch sie wusste auch, dass Schatzjade anders war — er wollte nicht, dass man ihn fürchtete. Er dachte: Die Brüder haben alle Vater und Mutter, die sie erziehen — warum sollte ich mich einmischen und die Beziehung kaputt machen? Außerdem bin ich der Sohn der Hauptfrau, er der einer Konkubine — selbst so gibt es schon Gerede hinter meinem Rücken. Und dann war da noch ein weiterer eigensinniger Gedanke: Seit seiner Kindheit unter Schwestern aufgewachsen — leibliche wie Urfrühling und Erkundefrühling, Cousinen wie Willkommensfrühling und Bedauerfrühling, Verwandte wie Xiang-Flusswolke Geschichte[6][7] [史湘云], Kajaljade und Schatzspange — war er überzeugt, dass der Himmel seine Essenz nur in Frauen goss, während Männer nichts als trüber Abschaum waren. Deshalb behandelte er seine Brüder nur mit der angemessenen Höflichkeit, die Konfuzius vorschrieb, ohne sich als Vorbild aufzuspielen. Hagedorn Kaufmann und die anderen fürchteten ihn daher nicht — nur die Herzoginmutter ließen sie ihm drei Schritte voraus. Schatzspange, die befürchtete, Schatzjade könne Hagedorn Kaufmann zurechtweisen und die Sache verschlimmern, vertuschte die Angelegenheit. Schatzjade sagte: „Am Neujahrstag weinen — was soll das? Wenn es dir hier nicht gefällt, geh woanders spielen! Das ist wie mit einem Gegenstand — wenn dieser nicht gefällt, nimm einen anderen. Musst du vor diesem einen Ding sitzen und weinen? Wird es dadurch besser? Du bist doch hergekommen, um Spaß zu haben — wenn es keinen Spaß macht, geh woanders, wo es Spaß macht. Zu weinen ist doch kein Vergnügen — das bringt nur Kummer!“ Hagedorn Kaufmann hörte das und trollte sich. Konkubine Zhao [赵姨娘] sah ihn kommen und fragte: „Woher kriechst du wieder angeschlichen?“ Auf ihre erste Frage antwortete er nicht. Beim zweiten Mal sagte Hagedorn Kaufmann: „Ich habe mit Schwester Schatzspange gespielt, Ying'er hat mich betrogen und mein Geld genommen, und Bruder Schatzjade hat mich weggeschickt.“ Konkubine Zhao spuckte aus: „Wer hat dich geheißen, dich auf die große Bühne zu stellen? Du hast keinen Stolz! Überall könntets du spielen — aber nein, du musst dorthin rennen und dich blamieren!“ Gerade sprach sie so, als Phönixglanz draußen am Fenster vorbeiging und jedes Wort hörte. Durch das Fenster sagte sie: „Schon wieder Ärger am Neujahrstag? Bruder Hagedorn ist noch ein Kind — wenn er einen kleinen Fehler macht, dann erzieh ihn, statt solchen Unsinn zu reden! Egal was er tut — es gibt noch seinen Vater und seine Mutter, die ihn erziehen — was geht es dich an? Bruder Hagedorn, komm raus, spiel mit mir!“ Hagedorn Kaufmann fürchtete Phönixglanz noch mehr als Dame König. Als er ihren Ruf hörte, kam er eilig und gehorsam heraus. Konkubine Zhao wagte nichts zu sagen. Phönixglanz sagte zu Hagedorn Kaufmann: „Du hast auch gar keinen Mumm! Ich sage dir immer: Wenn du essen, trinken, spielen oder lachen willst, dann spiel mit wem du willst — der Schwester oder dem Bruder, der dir gefällt. Du hörst nicht auf mich und lässt dich von diesen Leuten mit bösen Gedanken füttern. Wenn du dich selbst nicht achtst und unter dein Niveau sinkst und dann andere beschuldigst, parteiisch zu sein — ein paar Münzen verloren, und schon so ein Gezeter!“ Sie fragte: „Wie viel hast du verloren?“ Hagedorn Kaufmann murmelte kleinlaut: „Ein- bis zweihundert.“ Phönixglanz sagte: „Und du willst ein junger Herr sein? Wegen ein- bis zweihundert Münzen so ein Theater!“ Sie rief: „Feng'er, hol eine Schnur Geld!“ Dann wandte sie sich wieder an ihn: „Die Schwestern spielen alle hinten — bring ihn hin und lass ihn spielen. Und wenn du noch einmal so eine Szene machst, verprügel ich dich erst und lass es dann in der Schule melden, dass man dir das Fell abzieht!“ Sie scheuchte ihn weg: „Los jetzt!“ Hagedorn Kaufmann folgte Feng'er gehorsam, bekam sein Geld und ging mit Willkommensfrühling und den anderen spielen. Davon ist nicht weiter zu berichten. Schatzjade sass noch bei Schatzspange, als plötzlich jemand meldete: „Fräulein Xiang-Flusswolke Geschichte [史湘云] ist da!“ Schatzjade sprang auf und wollte gehen. Schatzspange lächelte: „Warte, wir gehen zusammen und begrüssen sie!“ Sie stiegen vom Kang und gingen gemeinsam zur Herzoginmutter. Dort lachte und redete Xiang-Flusswolke Geschichte schon laut und fröehlich. Als sie die beiden kommen sah, begrüsste sie sie herzlich. Gerade stand Kajaljade daneben und fragte Schatzjade: „Wo warst du?“ Schatzjade sagte: „Bei Schwester Schatzspange.“ Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Ach so! Kein Wunder — dort war er festgehalten, sonst wäre er längst hergeflogen.“ Schatzjade lächelte: „Darf ich denn nur mit dir spielen und dir die Langeweile vertreiben? Kaum gehe ich einmal zu ihr, sagst du so etwas.“ Kajaljade sagte: „Was für ein sinnloses Gerede! Ob du gehst oder nicht, geht mich doch nichts an! Ich habe dich ja nicht gebeten, mir die Langeweile zu vertreiben! Du brauchst mir nie wieder zu kommen!“ Damit ging sie verargert in ihr Zimmer. Schatzjade eilte ihr nach und fragte: „Was ist denn schon wieder? Wenn ich etwas Falsches gesagt habe — du hättest wenigstens dort sitzen bleiben und mit den anderen plaudern können! Stattdessen gehst du hierher und grübelst allein vor dich hin.“ Kajaljade sagte: „Was geht es dich an!“ Schatzjade lächelte: „Natürlich kümmere ich mich — ich kann doch nicht zusehen, wie du dir selbst schadest.“ Kajaljade sagte: „Wenn ich mir schade und krank werde und sterbe — was geht es dich an!“ Schatzjade sagte: „Na hör mal, Neujahr — gleich ist es Tod und Sterben!“ Kajaljade sagte: „Ich sage eben 'Tod'! Ich sterbe jetzt sofort! Hast du Angst vor dem Sterben? Du sollst hundert Jahre lang leben — bitte sehr!“ Schatzjade lächelte: „Wenn du so weitermachst, brauche ich gar nicht Angst vor dem Sterben zu haben — dann sterbe ich besser gleich.“ Kajaljade sagte rasch: „Genau! Wenn es so weitergeht, ist es besser, gleich zu sterben.“ Schatzjade sagte: „Ich meine mich — ich sterbe besser gleich. Hör genau zu und schieb mir nichts in die Schuhe!“ Da kam Schatzspange herein und sagte: „Xiangfluss-Wolke wartet auf dich!“ Sie schob Schatzjade mit sich fort. Kajaljade, nun allein, wurde nur noch trübsinniger, setzte sich ans Fenster und weinte. Kaum waren zwei Tassen Tee vergangen, kam Schatzjade schon zurück. Als Kajaljade ihn sah, schluchzte sie nur noch heftiger. Schatzjade wusste, dass er sie nicht so einfach zurückgewinnen konnte, sammelte tausend sanfte Worte und begann, sie zu trösten. Doch bevor er den Mund öffnen konnte, sagte Kajaljade: „Was kommst du noch? Geh! Du hast jetzt jemanden zum Spielen, die besser lesen, besser schreiben, besser dichten, besser reden und besser lachen kann als ich, die dir nicht böse wird und dich mitzieht, wenn du gehen willst. Was willst du hier? Lass mich leben oder sterben, wie es kommt!“ Schatzjade trat näher und fluisterte: „Du bist doch ein kluger Mensch — weißt du nicht, dass 'Nähere nicht durch Fernere verdrängt werden und Fruhe nicht durch Späte' [亲不间疏,先不僭后]? Auch ich bin zwar einfältig, aber diese beiden Sätze verstehe ich. Erstens: Wir sind Kinder von Geschwistern mütterlicherseits, Schatzspange dagegen ist eine Cousine väterlicherseits — von der Verwandtschaft her steht sie dir nach. Zweitens: Du kamst zürst, wir haben am selben Tisch gegessen und im selben Bett geschlafen und sind so gross geworden. Sie ist erst später gekommen — wie könnte ich ihretwegen dich vernachlässigen?“ Kajaljade spuckte aus: „Glaubst du, ich verlange von dir, sie zu vernachlässigen? Was wäre ich dann für ein Mensch? Mir geht es um mein Herz!“ Schatzjade sagte: „Mir auch! Mir geht es auch um mein Herz! Weißt du nur von deinem Herzen und nicht von meinem?“ Kajaljade senkte den Kopf und schwieg lange. Dann sagte sie: „Du beklagst dich immer nur, dass andere dich ohne Grund schmähen. Aber weißt du gar nicht, dass du selbst die Menschen zum Verzweifeln bringst? Nimm nur das heutige Wetter: Es ist offensichtlich so kalt — und du hast deinen grüngesäumten Pelzumhang ausgezogen!“ Schatzjade lächelte: „Natürlich hatte ich ihn an! Aber als ich sah, wie du dich aufregtest, wurde mir so heiß, dass ich ihn ausgezogen habe.“ Kajaljade seufzte: „Wenn du dir eine Erkältung holst, musst du wieder hungern und nach Essen jammern.“ Während sie noch sprachen, kam Xiangfluss-Wolke herein und lächelte: „Großer Bruder, Schwester Lin — ihr spielt immer zusammen! Kaum komme ich einmal, beachtet ihr mich gar nicht.“ Kajaljade lächelte: „Da ist ja jemand, der sich gern verspricht und trotzdem so viel redet! Du kriegst nicht einmal 'Zweiter Bruder' [二哥哥] über die Lippen — immer nur 'Ai-Bruder, Ai-Bruder' [爱哥哥]. Wenn wir dann Brettspiel spielen, rufst du wohl: 'Ai-eins-drei-vier-fünf' statt 'Zwei-eins-drei-vier-fünf'!“ Schatzjade lächelte: „Wenn du ihn ständig nachahmst, fängst du morgen selbst noch an zu lispeln!“ Xiangfluss-Wolke sagte: „Nie lässt sie jemanden in Ruhe — immer muss sie Fehler finden! Zeig mir eine einzige Person, die du nicht zu kritisieren wagst, und ich erkenne deine Überlegenheit an!“ Kajaljade fragte: „Wer denn?“ Xiangfluss-Wolke sagte: „Wenn du dich traust, Schwester Schatzspanges Fehler aufzuzeigen, dann erkenne ich dich an. Ich bin gewiss nicht so gut wie du — aber ist sie etwa schlechter als du?“ Kajaljade hörte das und sagte kühl lächelnd: „Ach so — natürlich sie! Wie könnte ich es wagen, sie zu kritisieren!“ Schatzjade wollte rasch ablenken und das Thema wechseln. Xiangfluss-Wolke aber lächelte: „In diesem Leben kann ich mich nicht mit dir messen. Ich kann nur den Himmel bitten, dass du einen lispelnden Schwager bekommst [林姐夫], der dir den ganzen Tag lang 'Ai' und 'Er' ins Ohr redet. Amitabha, das wäre ein Anblick für mich!“ Alle lachten. Xiangfluss-Wolke drehte sich um und rannte davon. Was als Nächstes geschah, wird im folgenden Kapitel erzählt. [Ende des zwanzigsten Kapitels] Anmerkungen
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