Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 15

From China Studies Wiki
Jump to navigation Jump to search

EN · DE · 中文 · 正體 · FR · ES · RU

Kapitel 15: Wenn Eltern mit bitteren Bitten befehlen, wie kann man sich weigern?

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Ersies Kapitel. a) chuey-ku-yeh erblickte, als er nach Hause kam, seine Tochter in allen Reizungen und Vorzügen eines Frauenzimmers. Er gab ihr zu erkennen, daß ihn fein Unglück niemals habe nie- derschlagen können, und daß ihn seine Erhöhung niemals hochmüthig machen würde. „Mein größ- tes Vergnügen, sprach er, besteht darinnen, daß ich dich wiederum gesund und wohl erblicke." Er erzählte ihr, daß er bey Hofe einen jungen Men schen habe kennen lernen, den er zu seinem Eidas me erwählet habe, und der in allen Absichten sei- nen Wünschen gemäß wäre. Das junge Frauen- zimmer vermuthete, daß dieses Tieh- tschong-u fen. „Mein Herr, gab sie zur Antwort, sie sind. nunmehro ben Jahren, und meine Mutter ist schon vor langer Zeit gestorben. Ich bin dero einziges Kind, und daher ist es meine Schuldigkeit, Ihnen, fo lang ich lebe, zu dienen.“ Der Mandarin, ihr Vater, fagte lächelnd: „Ihr müsset nicht in diesen Gesinnungen verharren, so lobenswürdig sie auch find. Es wäre übel gehandelt, wenn man diese Gelegenheit aus den Hånden lassen wollte, Euch so glücklich zu verheurathen. Wenn mein bestimm a) Im Chinesischen ist es das funfzehnte. €¢ ter " ter Eidam keine Perfon von so großen Vorzügen wåre, so würde meine Wahl nicht auf ihn gefallen seyn: ja wenn er auch nur den geringsten Fehler von der Welt hätte, so würde ich ihn nicht dazu erwählet haben, ohne euch zuvor darum zu fragen. Alles dieses ist unnöthig, da er ein Jüngling von feinem Verstande, und untadelhafter Redlichkeit ist. Ich fand ihn so vollkommen, daß ich es gar nicht für nothwendig hielt, euch um eure Einwil- ligung zu fragen.“ Das junge Frauenzimmer wurde durch diese Beschreibung in ihrer Meinung befestiget, daß es der Sohn des Mandarin Tieh- ying wäre. Sie versicherte ihren Vater, daß bey einer solchen Person nichts einzuwenden sey. „Al- lein wer weis, fügte sie hinzu, ob nicht noch ans dre Einwendungen bey dieser Heurath statt fin- den?" Diese Worte erinnerten den Mandarin an das, was ihm der junge Mensch gesagt hatte, so, daß er in beyder Reden viele Gleichheit fand. Wisset ihr, sprach er, daß die Person, von wel cher ich rede, der Sohn des Präsidenten der Statt halter ist? Mein Herr, antwortete sie, wäre es irgend jemand anders, so würde ich niemals met ne Einwilligung gegeben haben: er wird nimmer mehr eine solche Heurath treffen, weil dieses wider die Hochachtung einer so ansehulichen und wichti- gen Handlung streiten würde." Schuey - kus yeh verwunderte sich über diese Worte. „Wie kommt es, sprach er, daß ihr von dieser Heurath so sprecher, als wenn sie den Gesetzen zuwider wå- re?" Schuey - ping-sin erzählte ihm hierauf alles, "" alles, was sich in seiner Abwesenheit zugetragen hatte. Wie kann denn nunmehr, fügte sie hin- zu, eine solche Verbindung statt haben, ohne uns beyden beständige Schande zuzuziehen?“ Als ihr Vater dieses hörte, erfreute er sich sehr über ihre feine Denkungsart und Ehrbegierde. Er ward noch mehr überzeuget, daß dieses Paar für einan- der geschaffen sey. „Meine Tochter, sprach er, ich bin sehr vergnügt, daß ich euch so tugendhaft finde. Der Himmel hat euch einen eben so tu- gendhaften Jüngling zur Ehe bestimmet, und ich gab mein Wort von mir, sie vollzogen zu sehen: ihr müsset daher nichts unschickliches dabey denken, fondern glauben, daß diese Heurath vom Himmel bestimmet ist.“ Wir wollen nun den Vater dieses schönen Frauenzimmers verlassen, und sehen, was sich in- dessen mit Ku-keh-ssu zugetragen. Als Tschon-ki, wie wir gesehen haben, mit schlechtem Erfolge zurück kam, so gerieth er in das äußerste Mißvergnügen. Sein Freund suchte ihn zu trösten. „Ihr Vater, sprach er, übergab dem Kaiser einen Bericht wider Schuey-ku-yeh und wider einen Kriegsbedienten, den er gewählet hat- te, und beyde werden ihre Köpfe verliehren." Ku-keh-ssu hörte dieses mit Vergnügen, und sie trösteten sich mit der Hoffnung, durch ihr Unglück geråchet zu werden, als endlich b) die Nachricht Cc 2 einlief, b) Unser Verfasser hat alhier einen großen Irrthum in der Erzählung zu Schulden kommen lassen. Am Ende des Hash Kidh Tschwen. einlief, daß Schuey-ku-yeh wiederum von der Landesverweisung zurückgekommen, und zu einer höbern Stelle gelanget sey. Daß alles dieses durch Vermittelung Tieh - tschong-u geschehen wäre, und daß ihm der Mandarin seine Tochter dafür zur Braut bestimmet habe. Ku-keh-ssu gerieth hierüber in eine solche Raferey, daß er endlich in eine Obumacht fiel. Seine Leute eilten herbey, ihm beyzustehen, und ließen ihn nébst Tschon - ki alleine. Wie ermüdet war ich nicht, und was habe ich nicht versuchet, schrie er, meinen End- zweck zu erreichen? Wie oft habe ich mich nicht betros des achten Kapitels des vorigen Buches sagte er, daß zwischen der Befreyung und der siegreichen Zurückkunft des Hu-hiao sechs Monate verflossen wdren; hier seht er beyde Umstände so nahe zusammen, als wenn bender Personen Neuigkeiten durch einerley Bothen überbracht worden waren. Die Stelle heißt also. „Indem sie noch so sprachen, kam ein Bedienter hin- „ein, der eben angelanget war: fie fragten ihn, was er „für Neuigkeiten vom Hofe mitgebracht habe. Nicht „viel Gutes für Sie, sprach er zu seinem Herrn. War- „um? fragte dieser. Weil Tieh-rschong-u dem Gene- „ral Hu - hias die Freyheit dadurch wieder verschafft hat, „gab der Diener zur Antwort, daß er selbst für ihn Bür- „ge wurde. Dieser General ist jezt mit Sieg zurückge- „kommen und sowohl er, als Schuey - ku - yeh, „find zu höhern Würden gelanget: dieser legtere hat sei- „ne Tochter mit Tieh - tschong-u verlobet." Der Herausgeber hat, so viel ihm möglich war, dies sen Irrthum zu vermeiden gesucht, ohne sich allzusehr vom Originale zu entfernen. = betrogen gesehen? Und jetzt führet Tieh- tschong u ohne alle Mühe die Braut davon. Ich will eher des Todes seyn, als daß ich diese Heurath zu stande kommen ließe. Kommt, sprach er zu seinem Freunde, ihr müsset nun euren Ber- stand für mich anstrengen." Ach! verseßte der andere, unsre Anschläge wurden uns allezeit ver- eitelt, da sie noch hülflos und allein war: anjekt ist ihr Vater höher erhoben worden, und wird bald bey ihr seyn: was für eine Hoffnung zu einem glücklichen Erfolge haben wir uns wohl zu vers sprechen?" „Wohlan, versezte Ku-keh-ssu, da ich keine Hoffnung mehr vor mir sehe, meinen Wunsch zu erreichen, so werde ich mich doch satte fam vergnügen können, wenn ich im Stande bin, das Glück meines Mitbuhlers zu vernichten." "" Wir wissen dieses wohl, antwortete sein Freund, die delicate und sonderbare Denkungsart ihres Baters wird ihn auf das Ansehen seiner Familie noch aufmerksamer machen, da er nunmehr eine so große Würde bekleidet. Wir wollen einigen seiner Freunde von der geheimen Bekanntschaft des Tieh-tschongu mit seiner Tochter Nach, richt geben: wann er dieses erfahren wird, fo zweifle ich nicht, daß er die Heurath aufheben werde. Sollte der Mandarin auch dieses nicht achten, so wollen wir uns an den Ko-tao, c) Cc 3 oder c) Dieser Ro-tao ist eigentlich der Präsident des Tribu nals der Censoren, welche (wie bey den Römern) über die öffentlichen Sitten, über die Aufführung der Man- darinen, haoh Kidh Tschwen. øder öffentlichen Censor, wenden, der ihn bey dem Kaiser anklagen, und verursachen wird, daß er seine Stelle verlieret, und daß diese Heurath nicht vor sich gehen kann.“ Ku-keh-ssu hielt die- fen Anschlag für wohl ausgesonnen. „Morgen, sprach er, will ich diese Sache allen Mandarinen in der Stadt bekannt machen.“ „Thun sie dieses ja nicht, versezte der andere; denn der Tschi-fu und Tschi-hien wissen die ganze Sache nach ih ren wahren Umstånden, und kdunten einem sol. chen Gerüchte widersprechen: überdieses werden sie anjeßt die Gunst des Mandarins suchen, der bald allhier eintreffen wird. Wir werden daher

beffer darinen, und selbst über die Person des Kaisers, ein wach sames Auge haben. Man hat erstaunliche Beyspiele, wie weit sich ihre Dreiftigkeit und unerschrockenheit er. ftrecke. Sie haben nicht selten Prinzen, Staatsminis fter, und tartarische kaiserliche Statthalter verklagt, ob fie gleich in besonderm kaiserlichen Schuß und Gnade gestanden sind. Damit sie niemand durch Versprechun gen eines größern Glücks gewinnen, oder durch Dro- hungen abschrecken könne; so behält man sie beständig in ihrer Bebienung, und man nimmt ihnen solche nicht ab, als wenn sie zu einer ansehnlichern erhoben werden. Gebdude, Sitten, und Neuerungen sind ihnen haupt- sächlich anbefohlen, und da in China ein Vater für seis ne Kinder stehen muß, so wdre es ein Hauptverbrechen gewesen, wenn Schuey ku yeh seine Tochter sogleich mit ihrem Liebhaber verheurathet hätte, weil man vie- les dabey einwenden konnte. Du Halde, 2 Th. S. 33, 34. Lettres édif. XIII, p. 367. beffer thun, wenn wir unsern Anschlag so lange auszuführen verschieben, bis zwo neue Magistrats- personen ankommen: denn die gegenwärtigen wer- den bald nach Hofe abreisen, um höher befördert zu werden." Aber, erwiederte Ku-keh-ssur ور auch diese werden die Beschaffenheit der Sache untersuchen, und ihre Gerichtsbediente werden sie. ihnen erklären." Wenn wir alle Einwürfe in Erwägung ziehen, und uns dadurch abhalten las sen wollen, sagte Tschon-ki, so wäre es beffer, das ganze Vorhaben aufzugeben. Jedoch es fällt mir etwas bessers ein, wodurch wir unsers Wun- sches theilhaftig werden können. Als ich ben Hofe war, bemerkte ich, daß zwischen Ihrem Va- ter' und Tah- quay, dem großen Mandarin, der durch Ihren Gegner Tieh- tschong-u gestürzek wurde, eine große Vertraulichkeit herrsche. Die Gemahlinn dieses Mandarins starb erst kürzlich, und er fah sich nach einem jungen und schönen Frauenzimmer um, die ihre Stelle einnehmen sollte. Schreiben Sie also an Ihren Vater, und bitten Sie ihn, dem Mandarin Tah- quay Schuey- ping-sin anzupreifen. Auf solche Art wird Ihr Bater sich einen Freund verbinden, da er ihm eine junge und schöne Gemahlinn verschaffet, und Sie werden an Ihrem Gegner gerächet, deffen guter Name dadurch geschwächet wird.“ „Aber Tah quay ist noch immer in der Gefangenschaft, wands te Ku-keh-ssu ein, und niemand darf mit ihm öffentlich sprechen: mein Vater kann ihn also nur heimlich besuchen, und er ist nicht im Stande, ihm Cc 4 nach nach Wunsch beyzustehen.“ „Sie haben recht, versette Tschon - ki; jedoch ich habe noch eine an- dere Ausflucht. Ihr Vater ist ein vertrauter Freund von einem der vornehmsten Verschnittenen des kaiserlichen Palastes: der ganze Hof fürchtet sich vor ihn, weil er beståndig um den Kaiser ist, und von ihm zu Rathe gezogen wird. Dieser vornehme Hofbediente, so sich Tschoh - tha- kien, d) oder den gefährlichen Verschnittenen nennet, hat eine Nichte, die sehr garstig und noch unverbeurathet ist. Machen Sie, daß der Man- darin Ihr Vater Tieh - schong-u als einen schick- lichen Bräutigam für sie anpreiset. Dieser wird sich nicht unterstehen, das Anerbieten eines fo mächtigen Hofmanns auszuschlagen. Wenn er nun einmal mit der Nichte des Tschoh - thå - kien verbeurathet ist, so wird ihm ein so großer Man- darin, als der Kriegspräsident ist, nimmermehr feine einzige Tochter zur andern Frau oder Con- cubine geben." Ku-keh-ssu war mit diesem Anrathen so wohl zufrieden, daß er alfobald an seinen Vater schrieb, und feinen Freund bath, ihn das Schreiben zu überbringen. Er verfahe ihn mit Gelde und allem, was er nöthig hatte, und Tschon - ki reisete unverzüglich nach Hofe ab. ཆོས སྙན Tieh-tschong-u lebte inzwischen einsam in ´feinem Landhause, und trieb daselbst sein Studie- ren mit solchem Fleiße und glücklichem Fortgange, dag d) Das Wort Tschoh bedeutet Gefahr, und Thå - kien einen Verschnittenen. A daß er bey der nächsten Gelehrtenprüfung die Würde eines Kiu- gin, oder Gelehrten vom zweyten Range, erlangte. Dieses geschah im Herbste, da diese Prüfungen durch alle Provinzen angestellet werden. Bald darauf fand er sich bey der großen Prüfung in Peking ein, und that sich so hervor, daß er zu einem Tsin-tsee, e) oder Gelehrten vom ersten Range, gemacht wur de. Er war einer der ersten auf der Liste, und kurz darauf ward er zu einem Mitgliede des kai- ferlichen Tribunals der Han - lin f) ernennet. Der Kaiser erwählte ihn auch zu einem der Ge lehrten, so die Aufsicht über seinen Prinzen hatten. ? Tieh tschong u war nunmehr zwey und zwanzig Jahre alt, g) und feine Aeltern warteten Ec5 blog e) Man sehe die Anmerkung (k) zum ersten Kapitel, im ersten Buche dieser Geschichte, S. 11. f) Man sehe die zweyte Anmerkung des fünften Kapitels des dritten Buches. g) Dieses scheinet wider dasjenige zu streiten, was man insgemein von der langsamen Art zu studieren, so ben den Chinesern gewöhnlich ist, aufgezeichnet findet. Allein bey Personen von ausserordentlichen Fähigkeiten ist auch hier eine Ausnahme wegen Ertheilung der Gelehrten- würden zu machen. P. Parennin sagt unter andern in einem Schreiben aus Peking vom eilften Auguft, 1730, daß er junge Leute gekannt habe, welche nicht allein zu Tsin-tsee, sondern auch zu Han-lin, che sie noch das zwanzigste Jahr erreichten, ernennet worden. Sie hatten diese Vorzüge theils der Stärke ihres Ge- nies, blos auf die Zurückkunft des Mandarins Schuey- Fuyeh, um die Heurath ihres Sohnes alsdann zu vollziehen, und ihm seine, allzuweit getriebenen Bedenklichkeiten wegen dieser Verbindung zu bes nehmen. Zweytes Kapitel. as Jahr, so Schuey - ku-yeh zu Hause zu- bringen durfte, war nunmehr verflossen, und der Kaiser fandte ihm einen Befehl, nach Hofe nies, theils ihrem glücklichen Gedächtnisse, theils auch den großen Kosten zu danken, so ihre Aeltern auf ihre Erziehung wandten. Ich weis, fährt dieser gelehrte „Jesuit fort, daß der Vater eines solchen jungen Tsin- tsee, der selbst diese Würde bekleidete, an seiner Tafel „beständig drey andere Gelehrte gespeiset habe, denen »er gute Belohnungen für die Aufsicht über seinen Sohn »gab. Einer derselben lehrete ihn in gebundener und „ungebundener Rede 'Aufsåge machen, der andere gab wihm Anweisung schöne Charakteren zu zeichnen, und der dritte erklärte ihm die vernehmsten Stücke der Geschichte, die Ursachen des Verfalles gewisser Dyna- „stien, und des großen Namens, den die folgenden er- reichten. Man gab ihm in Gesprächen einen Begriff von den Gesetzen, man brachte ihm die Grundsäge der "Sittenlehre die Tugenden großer Kaiser, und die „Beyspiele einer seltenen Treue und Redlichkeit gegen „den Regenten bey, wodurch manche Familien berühınt »wurden. Da dieser junge Mensch ein lebhaftes Na- »turell hatte, und alles leicht fassete, so wurde er bald fo gelehrt, als seine Lehrmeister." Lettres édifiantes et curieufes, Recueil XXI, p. 105. · 4II Hofe zurücke zu kommen. Sobald dieses der Mandarin Tichying vernahm, fchrieb er an ihn, und bath ihn, daß er das junge Frauenzim- mer mit sich nach Pe-king bringen mögte. Er gab diefes feiner Tochter zu erkennen, daß sie ihn begleiten müsse. Schuey-ping-fin bezeugte ihrem Vater den kindlichen Gehorsam. „Warum bin ich denn Ihre Tochter, sprach sie, wenn ich Sie nicht begleiten sollte; nur muß ich demüthig um eine Gewogenheit bitten. Der Mandarin fragte sie, was dieses wäre? „Daß Sie so gu- tig seyn mögten, antwortete sie, nicht in die Voll- ziehung der Heurath mit Tieh - tschong - u zu willigen, wenn Ihnen bey Hofe Vorstellungen deswegen gemacht werden.' Der alte Manda. rin lächelte über ihre Bitte, und versicherte sie, daß er nichts wider ihr Wohl oder ihre Ehre un- ternehmen würde. Sie beschloffen sodann, bag Schuey-gowin ihre Angelegenheiten überhaupt, Schuey yong aber das Hauswesen besorgen follte, und ste reiseten nach Pe-king ab, allwo fte nach einem Monate anlangten. 66. So bald Schuey-ku- yeh dem Kaiser seine Aufwartung gemacht hatte, kamen alle große Mandarinen, ihn zu besuchen. Unter diesen war auch der Mandarin Tieh-ying. Sein Sohn that eben dieses, und da dieser junge Mandarin fich in dem Bisitenbillete, wodurch er sich anmeks den ließ, nur Vetter, und nicht Eidam nannte, so schrieb dieses Schuey - ku-yeh der Bescheiden- heit des Tich-tschong-u zu, und empfieng ihn auf auf das höflichste. Er erfreuete sich über die maaßen, daß Tich-tschong-u ein großer Mans darin geworden, und in seiner Person a) zuge- nommen hatte. Dieses junge und delicate Paar, sagte er bey sich selbst, mag noch so vieles wider ihre Verheurathung einwenden: wir alten Leute werden sie schon wider ihren Willen doch noch glücklich zu machen wissen.“ Nach einigen Unterredungen nahm Tich- tschong - u von dem Mandarin Abschied. So bald er sich entfernet hatte, kam der Geheimschrei ber des Tribunals des Schuey-ku- yeh zu ihm, und sagte: „Herr, ich habe einen Anverwand- ten, der ein Bedienter des Mandarin Tah - quay ist. Er war hier und sagte mir, daß sich sein Herr entschuldigen ließe, weil er durch seine Ge- fangenschaft außer Stand gefeßet sey, Sie zu be fuchen: er låsset Eurer Excellenz seine Hochachtung bezeugen. Er sagte mir ferner, daß Tah - quay- sich gerne wiederum verbeurathen wollte. Seine Absicht gehet auf Dero Tochter, und der Mandarin Ku a) d. i. daß er dick und von gutem Ansehen war. „Die „Chineser, sagt P. le Comte, sind von uns in dem Be- griffe von der Schönheit und Artigkeit sehr verschieden. „Ein Mann, der gut aussehen will, muß groß, und von „fetter Leibesgestalt seyn; er muß eine breite Stirne, kleine flache Augen, eine kurze Nase, fehr breite Oh- „ren, einen kleinen Mund, einen langen Bart und schwarze Haare haben. Er muß seinen Lehnsessel aus- „füllen, wenn er eine gute Figur machen will " Le Com- pte, T. I, p. 191. (6 Ku-scho-ssu wird den Heurathscontract für ihn schließen. „Gut, versette Schuey-ku-yeh; was für eine Antwort gabet ihr ihm darauf?" ,,Ich sagte ihm, antwortete der Gerichtsbediente, daß sie schon lange mit dem Mandarin Tieh- tschong-ú verløbet fen. Er fragte mich hierauf, wann diese Heurath vollzogen werden sollte? Ich konnte ihm keine Nachricht dave geben, und hielt es für meine Schuldigkeit, dieses Eurer Excellenz zu hinterbringen. Der Mandarin befahl ihm, allen denen, so sich bey ihm wegen der Vermäh Lung erkundigen würden, zu sagen, daß sie in zween Tagen vor sich gehen sollte. „Diefer Man- darin, dachte Schuey-ku-yeh, ist ein Mann' von einer schlimmen Denkungsart, und seine Vor- schläge geschehen nur deswegen, uns Unruhe zu machen und unser Vorhaben zu hindern. Wenn er auch sich an den Kaiser wendete, so wird dies ses nichts schaden, weil meine Tochter bereits ver lobet ist: jedoch ist es besser die Heurath zu voll ziehen, um dadurch allen Hindernissen vorzubeus gen. Er erzählte hierauf seiner Tochter alles, was ihm sein Geheimschreiber hinterbracht hatte. „Wenn wir eure Heurath nicht geschwind vollzie hen, sprach er, so kann uns dieser Tah-quay viele Verwirrung machen. 66 Dieses schöne Frauenzimmer merkte so gleich, daß Ku-keh-ssu, oder sein Vater, dieses angestiftet habe. ,,Sollte Tahquay, sprach sie zu ihrem Vater, uns fer- nere Hindernisse in den Weg legen, so können wir bey seiner Majestät dem Kaiser Hülfe suchen: (6 viels (6 vielleicht wird ihn dieses aufs neue in Ungnade bringen, und zu einer Erneuerung seiner vorigen Strafe dienen. „Man handelt am_klügsten,´ antwortete Schuey-ku-yeh, wenn man sich sei- nem Feinde nicht widerseßet, sondern ihn vermei- det. Wenn wir so gleich diese Heurath vollzie- ben, so wird seine Absicht dadurch vernichtet wer den." Ehe Schuey-ping-sin noch antworten konnte, kam ein Bedienter, ihm zu melden, daß Tieh -ying ihn ersuchen ließe, wegen einer wich- tigen Sache zu ihm zu kommen. Der Mandarin befahl so gleich, ihm sein Pferd zu bringen, und eilte dem Hause des Tieh -ying zu. " So bald er abgestiegen war, nahm ihn Tieh- ying bey der Hand und führte ihn in den Saal. „Als ich diesen Morgen vom Hofe zurück kam, fagte er, begegnete mir der Verschnittene Tschoh- tha-kien; er machte mir eine sehr tiefe Berbeus gung, und sagte, er wolle sich von mir eine Ge- fålligkeit ausbitten, die ich ihm nicht abschlagen würde. Er habe eine Nichte, welche er gerne an meinen Sohn verheurathen wollte. Ich fagte ihm, daß dieses nicht seyn könnte, weil er schon bereits verlobet wåre. Er gab mir zur Antwort, daß dieses nichts zu bedeuten håtte, weil die Heu- rath noch nicht vollzogen worden sey. Diese Ber- schnittenen b) find naseweise und freche Schlingel, und b) „Die Verschnittenen," sagt geu-yang-fieu, der berühmte Urheber der Dynastie Song, (im J. 427) wenn sie in großem Ansehen stehen, sind jederzeit als eine und thun sich viel auf ihr Anschen bey Hofe zu gute. Ich habe daher den Entschluß gefasset, Sie zu mir zu bitten, damit wir die Vermählung so bald, als es nur möglich ist, vollziehen, und ich dieser Sache wegen nicht mehr geplaget werde." ,,Wie? schrie Schuey-ku-yeh, hat man Sie auch beunruhiget? Heute that man mir auch im Namen des Mandarins Tah - quay Vorschläge.“ Er erzählte ihm sodann alles, was ihm sein Ge- heimschreiber hinterbracht hatte. ,, Lasset uns, fügte er hinzu, dieser Sache auf einmal ein Ende machen. Wenn die Heurathsceremonie vorbey ist, so wird auch der Kaiser selbst diese Verbin dung nicht aufheben können. Sie soll noch heute vor sich gehen, ob gleich meine Tochter schwerlich dazu zu bringen seyn wird, weil sie behauptet, daß man wieder die Gesetze des Wohlstandes und der Gewohnheiten handeln würde." „Mein Sohn, verfekte Schuey-ku-yeh, redet eben >> fo. Ich glaube, daß sie beyde einander heim- lich lieben: eben deswegen müssen wir ihre Einwendungen nicht achten, sondern uns un ferer väterlichen Gewalt bedienen." Ste ha ben recht, sprach der Mandarin Tieh. Wå- ren uns nicht so freche Anfinnungen zugemu. thet worden, so wollten wir ihnen långere Frist gönnen: allein bey diesen Umständen ist nicht ein Augen- Sie find eine Pest des Staats betrachtet worden. „noch weit mehr in denselben zu fürchten, als die Wei- „ber, und das ist genug gesagt." Du Halde, 2 Ch. G. 618, Uebers. Augenblick zu verfäumen. Ich vermuthe, daß es ihnen beyden schwer fiele, wenn sie einander ent- (6 fagen sollten, und hoffe, sie werden sich unsern Wünschen gemäß bezeigen. Beyde Mandarinen nahmen hierauf von einander Abschied. Tieh ying ließ seinen Sohn zu sich rufen, und erzählte ihm, was so wohl dem Kriegspräsi- denten als auch ihm selbst hinterbracht worden. „Anjeßt, sprach er, ist es hohe Zeit für dich, das junge Frauenzimmer zu heurathen; dieses ist das einzige Mittel, allen fernern Beunruhigungen vorzubeugen. „Mein Herr, antwortete ihm sein Sohn, es ist meine Schuldigkeit allen Jhren Befehlen nachzuleben: nur ist es mir leid, daß dieses so schnell geschehen soll. Was das Anfu- chen des Verschnittenen betrifft, so ist ganz gewiß Ku-scho - ssu die Ursache davon: allein, was hat es denn auch zu bedeuten, daß er mir seine Nich te anbietet ? Seine Bemühung wird fruchtlos seyn. « >> So müsset ihr doch wenigstens dem Frauenzimmer aus ihrer Unruhe helfen, wenn auch ihr selbst diesen Anfällen widerstehen kön net," erwiederte der Mandarin. „Sagen Sie nur ihrem Vater, er sollte vorgeben, daß wir schon verheurathet wären, versehete Tieh- tschong-u. Dieses wird allen unfern Feinden das Maul stopfen, und uns auf einmal von ih ihrem unverschämten Zumuthen befreyen. können uns indeffen so lange eingezogen und abge, sondert halten, bis sich eine schicklichere Gelegen- heit eräuget." Der Mandarin Tieh ließ sich Wir diesen diesen Vorschlag seines Sohnes gefallen, und wollte nicht weiter in ihn sehen. „Wenn ihr bey de, fügte er hinzu, die Welt nur äußerlich über zeuget, daß ihr verheurathet seyd, so ist es schon genug: ihr könnet in eurem Häuse thun, was euch beliebet, und immerhin eine Zeitlang abge- sondert bleiben.“ Er trug sodann gewissen Leu- ten auf, einen glücklichen Tag zur öffentlichen Hochzeitceremonie zu wählen. D Drittes Kapitel. - - er Mandarin Schuey ku yeh übersendete am folgenden Morgen dem Pråsidenten der Statthalter Tieh - ying folgenden Brief: „Nachdem ich gestern mit Eurer Excellenz ge „sprochen hatte, verfügte ich mich nach Hause, „und sagte zu meiner Tochter, daß sie die Heurath „vollziehen sollte. Sie konnte aber auf keine Art ,,und Weise dazu gebracht werden. Endlich gab „sie nach vielen Einwendungen ihre Bewilligung, „daß man vorgeben sollte, sie wäre mit Dero Sohn verheurathet; sie bath sich aber hierbey aus, daß sie zu Hause noch wie vorher einsam leben dürfte. Ich will daher Eurer Excellenz ,,zu überlegen geben, ob dieses denenselben gefäls „lig ist." Der Mandarin Tich-ying war über dieses Billet entzücket. Es schien ihm sehr sonderbar zu Dd seyn, seyn, daß dieses junge Paar einerley Gesinnungen hågte. Der Himmel, sagte er bey sich selbst, hat sie für einander geschaffen. In ihren Glückg, umstånden, Sitten und Gesinnungen ist eine wun- derbare Gleichheit. Allein, wenn sie nicht in ei nem Hause beysammen wohnen, so wird es bald. kund werden, daß sie nicht verheurathet sind. Ich will daher meinen Sohn im Hause Schuey - ku- yeh wohnen lassen, und niemand wird sodann wissen, wie die Sache beschaffen ist.“ Tieh- ying fragte den Mandarin um seine Meinung. Schuey - ku - yeh billigte es vollkommen. Sie statteten beyderseits Besuche bey einander ab, und die Heurath wurde an einem glücklichen Tage, im Beyseyn sehr vieler Mandarinen, mit dem größ- ten Prachte vollzogen. Tieh-tschong-u verfü gete sich mit vielem Gepränge nach der Wohnung der Braut. Er wurde von seinem Vater und den übrigen Mandarinen begleitet. So bald er vor dem Thore war, gieng ihm der Pråsident selbst entgegen, und empfieng ihn. Nach den gewöhn- lichen Ceremonien wurden die Hochzeitgåste mit einem prächtigen Gastmahle bewirthet. Bräutigam aber verließ sie, und wurde in die in- nern Zimmer geführet. Der Weil es schon Abend war, so hatte man die- felben auf das schönste beleuchtet. Als er in den zweyten Saal trat, kam ihm Schuey-ping-sin in Begleitung vieler Weibsperfonen entgegen. Sie empfieng ihn mit der edlen und ungezwungenen Art, wie man einem Freunde begegnet. ,,Mein Herr, ឌ Herr, sprach sie zu ihm, ich bin Ihnen für die mir geleisteten Gütigkeiten ewig verbunden, und mein Leben würde das nicht bezahlen, was ich Ih, nen schuldig bin. Ich bin heute so glücklich, Sie auf Befehl meines Vaters allhier bey mir zu se hen, und ich bin sehr erfreuet, daß ich Ihnen meinen Dank auf das neue abstatten kann." Nach einer tiefen Neigung ließ sie ihm einen Sef- fel bringen. Tieh-tschong-u ward über die Schönheit ihrer Person, über ihren prächtigen Puk, und über ihre ausnehmende Höflichkeit ent» zücket. Er glaubte einen Engel vor sich zu sehen. So bald er sich aus dieser angenehmen Beßtürzung erholet hatte, redete er sie also an: „Madam, ich kann nicht Worte genug finden, das Glück, fo ich von Ihren Hånden empfangen habe, zu be schreiben. Dero Wohlthaten find tief in mein Herz geschrieben, und sie beschäfftigen des Tages meine Gedanken, und des Nachts meine Träu- me. Ich bin so glücklich, Sie heute mit Erlaub, niß des Mandarins, Jhres Vaters, allhier zu sex hen, und Ihnen meine Danksagung abzustatten. Er machte ihr sodann eine tiefe Verbeugung, und beyde berührten der Gewohnheit gemäß mit ihren Häuptern den Teppich, den man zu diesem Ende aufgebreitet hatte. Sie fetten sich, und tranken Thee mit einander. Hierauf ließen sie sich an zwo verschiedenen Tafeln nieder, und ein jedes frank dem andern drey Becher Wein zu.

Tieh tschong u fieng das Gespräch an. „Madam, sagte er, ich bin Ihnen für alle Wohl. DD 2 tha- " thaten, insonderheit aber für Dero mir ertheilte gute Lehren a) so viel Dank schuldig, daß ich sie nimmermehr vergessen werde. Ihnen habe ich es zu danken, daß ich zu den hohen Ehrenstellen ge- langet bin, in denen ich stehe.” Hätte ich nicht das Glück gehabt, Sie von ungefähr anzutreffen, so würde ich sonder Zweifel noch immer ein Herum- streicher seyn." „Ihre gegenwärtigen Umstände sind nicht dem zuzuschreiben, was ich Ihnen sag- te. Es war nur eine Kleinigkeit. Ein jedes Kind kann von ohngefähr einem den Weg weisen, den er verlohren hat. Die Quelle Ihres Ruhms war die Hülfe, so Sie dem jungen Frauenzimmer erzeigten, welche Tah - quay entführen wollte b), und der großmüthige Beystand, den Sie dem Ge- nerale Hu-hiav leisteten. Nur Sie allein konn ten so edle Handlungen ausüben. Sie sind der- jenige, so meinem Vater die Gnade des Kaisers wiederum zuwege brachte. Diese Wohlthat kann niemals nach Würden belohnet werden. glücklich bin ich nicht, daß ich Ihnen nun meinen Dank bezeugen kann! Erlauben Sie mir nur noch ein Wort hinzuzufügen. Als ich Sie nach meinem Hause bringen ließ, Sie desto besser in Ihrer Krankheit zu pflegen, so geschah dieses nicht aus einer übeln Absicht. Ich kann den Himmel zum Zeugen deswegen anrufen. Die Bosheit der Welt machte, daß man von uns sehr übel sprach. Bie Sol. a) Siehe oben, S. 205, 206. b) Im ersten Buche dieser Geschichte, S. 25, und 39. Sollen wir durch ein paar vergnügte Tage den übrigen Theil unsers Lebens verdunkeln? Ich halte dafür, daß es besser wäre, wenn wir diese. Wolke ruhig vorben gehen sehen, ehe wir die Heus rath wirklich vollziehen. Dieß sind meine Gesin- nungen: ich werde sehr vergnügt seyn, wenn die Jhrigen damit übereinstimmen." Tieh-tschong-u machte ihr eine tiefe Verbeugung, und sagte ihr, daß er vollkommen ihrer Meinung beypflichte, und daß er selbst dieses so sehnlich wünsche, als man nach einem starken Regen in der Dürre feuf- zet. „Es ist nicht ohne, fügte er hinzu, daß die Einwilligung unserer Aeltern schon genug seyn würde, die Vollziehung unsrer Heurath zu rechtfertigen; da es aber doch einige An- merkungen nach sich ziehen würde, so ist es bes fer, noch ein wenig zu verziehen.“ „Die Eilfer- tigkeit unserer Aeltern kommt von dem ungestü- men Anhalten des Tah- quay und des Verschnit, tenen her, erwiederte Schuey-ping-sin. Th re große Sorgfalt für den Wohlstand vergrößert die Hochachtung, so ich bereits für Sie håge.“ „Diese Leute, sprach Tieh-tschong-u, so Sie erwähnen, wissen nichts von unsern Angelegen- heiten: sie sind blos von Ku-keh- ssu angetrie- ben worden, uns zu beunruhigen. So bald sie erfahren, daß wir verheurathet sind, so werden ihre Måuler gestopfet seyn, und sie müssen uns in Frieden lassen.“ Sie können aber doch gleichwohl, fagte Schuey-ping-sin, von uns üble Nachreden ausstreuen, und daher ist es am " DD 3 besten, besten, daß sich eines des andern eine Zeitlang enthalte." ,,Als ich frank in Dero Haus ge- bracht ward, verfehte hierauf Tieh - tschong- u, glaubte ich, daß niemand als vier We- fen etwas davon wiffe, nämlich Himmel und Erde, c) Sie, und ich.“___„Wohlan, antwortete fie, c) Die Chineser sprechen vom Himmel und Erde, als von Gottheiten Allein die Jefuiten haben erwiesen, daß sie den Beherrscher der ganzen Welt (Schin-ti) darunter verstehen. Es ist merkwürdig, daß sie in ihrer Sprache kein Wort haben, so eigentlich das Wort Gott aus- druckt. Sie werden daher für öffentliche Atheisten ge- halten. Allein es ist gewiß, daß sie schon in den älte- ften Zeiten verschiedene Ausdrücke, und auch gottes= dienstliche Gebräuche hatten, welche eine Erkenntniß ei- ner göttlichen Vorsehung anzeigen. Tien, sagen die Ausleger ihrer kanonischen Bücher, ist der Geist, der den Himmel regieret. Oben, S. 109. a) Es sind in Peking zwey prachtige Gebäude, so dem Gottesdienste gewidmet sind. Das eine heißt Tien- tang, der Tempel des Himmels, und das andere Tis tang, der Tempel der Erde, und der Kaiser bringt jährlich in eigner hoher Person Opfer. Der Kaiser bringt auch alle Jahre der Erde sein ge= wöhnliches Opfer, und pflüget sodann mit eigner Hand. Der Ort, wo er pflüget, ist eine erhabene Gegend, die einige Stadien von der Mittagsseite der Stadt Pe: king entfernet ist. Erst opfert der Kaiser, und nach dem Opfer kommt er mit drey Prinzen und neun Präsidenten an, den Acker zu bearbeiten. Verschiedene große Her- ren führen kostbare Kasten bey sich, darinne das Getreis de ist, das ausgeffet werden soll. Der ganze Hof woh- net fie, wenn der Himmel etwas beschließt, so wird er es auch vollenden. Der Befehl unserer Ael- tern würde uns schon genugsam in den Augen der Welt rechtfertigen: allein diese geheime Ursache machet, daß wir uns nur äußerlich als Eheleute bezeigen müssen, bis die Schwierigkeit gehoben seyn wird, die uns jeßt verbeut, es wirklich zu seyn.“ Der junge Mandarin war über ihre vor- treffliche Gesinnungen sehr erfreuet. „Ihr edles Herz, sprach er, lehret mich, und bestärket mich in der Pflicht, die ich der Tugend; dem großen Gefeße der Natur, schuldig bin.“ Auf solche Art unterredeten sie sich von der Achtung, die man für Ehre und Tugend tragen muß. Sie erzählten einander die Kunstgriffe, und Anschläge, so Ku-keh-ssu und sein Vater wider Dd 4 Be wet dieser Handlung mit großer Stille bey. Der Kais fer ziehet den Pflug etliche mal auf und nieder. Wenn er vom Pfluge weggehet, treten die Prinzen und Mans darinen an seine Stelle. Das übrige holen die Bauren nach, denen der Kaiser eine Belohnung austheilen läßt. Ein jeder bekommt vier Stücke gemachten Cattun, sich Davon kleiden zu lassen. Die eingedrnteten Früchte werden dem Tien oder Schang - ti zum Opfer gebracht. Der Kaiser Wen- ti, fo 179 Jahre vor Christi Geburt regierte, grub mit eigenen Händen das Land in seinem Garten um, wodurch er seine Minister und Hofbediente verflichtete, die Unterthanen zum Ackerbaue aufzumun- tern. Du Halde, 2 Th. S. 28 und 85. 3 Th. S. 9. Magalhaen, Kap. 21. Martinii Hift. fin. p. 11. feq. fie geschmiedet hatte. Sie würden sehr aufge, räumt. Endlich stunden sie von der Tafel auf, und giengen in zwey abgesonderte Zimmer, so, daß ihre Heurath ein bloßes Blendwerk war. Man wird in den folgenden Kapiteln finden, was dieses für Folgen nach sich gezogen habe.