Hao Qiu Zhuan/de-murr/Chapter 17

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Kapitel 17: Wenn verborgene Wahrheiten enthüllt werden, erstrahlt wahre Ritterlichkeit

Aus: Haoh Kjoeh Tschwen, die angenehme Geschichte. Leipzig, 1766

Hinweis: OCR-Digitalisierung. Seitenzahlen als [S. N]. Vergleich mit chinesischem Original und moderner Ubersetzung empfohlen.

Siebentes Kapitel. Tieh-tschong-u gab alsobald seinem Vater von allem Nachricht. Der Mandarin Tieh- ying fagte: „Ob ihr schon beyde in verschiede- nen und abgesonderten Zimmern wohnet, so bin ich doch der Meynung, daß eure Heurath unzers trennlich ist. Warum bringet ihr aber eure Frau nicht in euer eigenes Haus, damit jedermann es wisse, und niemand Ursache zu Lästerungen habe? Der Verschnittene Tschoh-thå-kien ist euch we, gen feiner Nichte gram. Ueberleget es mit eurer Geliebten, was ihr bey so kritischen Umständen thun wollet." Tieh tschong-u gieng sogleich zu Schuey-ping- sin, und hinterbrachte ihr die Worte seines Vaters. „Mein Herr, sagte sie mit ihrer gewöhnlichen Bescheidenheit, ich bin Jh- re Dienerinn, und werde alles thun, was Sie von mir verlangen, damit wir diesem Lårmen, den Ku-schossu, und sein Sohn angefangen haben, ein Ende machen. Wir wollen die Welt überzeu gen, gen, daß unsere Heurathden Gesetzen gemäß sey, und alle noch übrige Ceremonien in Erfüllung bringen." Tieh-tschong-u hörte sie mit dem größten Vergnügen also sprechen. „Sie sind ein Frauenzimmer, sprach er, welches jederzeit der Vernunft Gehör gab. Ich will unsere Entschlies kung meinen Aeltern hinterbringen. Sodann will ich mich an das mathematische Tribunal´a) wenden, mir einen glücklichen Tag zum Hochzeit- feste zu bestimmen, wozu ich alle Mandarinen einladen werde. Denn wir haben noch nicht den Wein einander gereichet, wie es die Gewohnheit mit sich bringet b). Als Ku-scho- ssu erfuhr, daß das junge Paar ihr Hochzeitfest noch einmal begehen wollte, gerieth er in große Verwirrung, was er thun sollte. Endlich überredete er einen von den Mandarinen des Tribunals der Censoren (Ko-tao), Tich- tschong - u nebst Schuey - ping - sin vor dem Kaiser als strafbar anzuklägen. Diese Anklage war also abgefasset: $14 a) Dieses Tribunal heißt Rin - tien-kien. „Ich Es bestehet aus einem Präsidenten, zween Beysißern, und vielen untergeordneten Mandarinen. S. oben a. d. 67 Seite, Anm. m) und S. 49. Du Halde, 2 Th. S. 368. b) Es ist die Gewohnheit bey den Chinesern, daß das jun ge Brautpaar mitten unter ihren Freunden und Anvers wandten einander einen Becher mit Wein zutrinken, ehe sie zu Bette gehen. S. oben S. 86. „Ich Wang yo, Cenfor des Reichs c), ,,übergebe in tiefster Unterthänigkeit und Demuth „Eurer Majestät diese Klagschrift wegen einer ge- „seklofen Heurath, damit Eure Majeståt diefelbe „untersuchen lassen mögen. Unter den fünf allge- meinen Hauptpflichten d) ist die Ehe eine der bors c) Im Portugiesischen heißt er acuzador e avizor do Im perio, d. t. der Anklåger und Censor des Reichs. Die: fer Mandarin war der Präsident des Tribunals der Ro- tao, oder Reichscensoren, wovon ich oben im ersten Kapitel dieses Buches Nachricht ertheilet habe. Uebers. d) Diese bestehen 1) in den Pflichten der Aeltern und Kin- der; 2) eines Fürsten und seiner Unterthanen; 3) der Eheleute; 4) der jungen Leute gegen die alteu, und 5) gegen Freunde. Diese werden im Buche Siao-hio, oder Schule der Kinder, erkldret, dessen Verfasser dér Doctor (Tsin tsee) Tschuhi ist, der gegen das Jahr Christi 150 lebte. Er sagt unter andern im ersten Ka: pitel: „Der erste Präsident des Oberceremoniencollegit „(Lipu) soll in einem jeden Gebiete einige Befehls- haber bestellen, die dafür sorgen, daß das Volk vor- „nämlich in folgenden drey Stücken unterwiesen werde. 1) In den sechs Tugenden, nämlich der Klugheit, Fröms „migkeit, Weisheit, Billigkeit, Treue, und Verträgliche „keit, 2) In den sechs löblichen Handlungen, nämlich „Gehorsam gegen die Aeltern, Liebe gegen die Brüder, „Einigkeit mit den Anverwandten, Freundschaft mit den Nachbarn, Aufrichtigkeit gegen gute Freunde, und „Barmherzigkeit gegen die Armen und Unglückseligen. »3) In den sechs Arten der Wissenschaften, nämlich in Erlernung der Gebräuche, der Musik, des Bogenschiess » sens, W ,,vornehmsten. Eben deswegen muß sie auch mit ,,allen Ceremonien geschehen, so die Kaiser von „den ältesten Zeiten ber angeordnet haben. Es ist eine unerhörte Sache, daß eine junge Weibs- „person, ohne Vorwissen ihrer Aeltern, `und als ,,lein, unter einem Dache mit einem jungen Men „schen lebe, deffen Aeltern gleichfalls nicht gegen- „wärtig sind; und dieses noch dazu ohne eine „Mittelsperson, oder jemandes Wissen. Alles „dieses ist geschehen. Die Båter der Uebertreter find Schuey-ku-yeh und Tich-ying, beyde „große Staatsråthe Eurer Majestät. Diese wols ,,len nun eilfertig eine Heurath zwischen dem straf- „baren Paare vollziehen, nachdem jedermann das „Verbrechen weis: ja, sie unterstehen sich sögar, „folches mit großem Prachte zu thun. Alle Leute fpotteten über eine unter Standespersonen so un- „erhörte Sache, da sie feyerlich durch die Straf- ,,fen zogen. Da ich alles diefes in Erfahrung „gebracht habe, so ist es meine Schuldigkeit, es „als Eurer Majeståt Unterthan anzuzeigen, das ,,mit die Strafbaren, andern zum Beyspiel, ge= züchtiget werden mögten.“ Sobald der Mandarin Wangyo diese Schrift dem Kaiser überreichet hatte, übergab man sie einem der Staatsråthe, Namens Ko- tschung. Dieser stattete folgenden Bericht ab: Ff 5 »Eine fens, Reutens, Schreibens, und Rechnens." Du Halde, 2 Th. S. 423, 424. feq. " ,,Eine Anklage wider den guten Namen einer Jungfrau muß sehr deutlich bewiesen werden. „Hier ist alles auf ein bloßes Hörensagen gegrün- ,,det. Man muß sorgfältig untersuchen, was für Zeugen zum Erweise dieser Anklage da find.“ ? Der Verschnittene Tschoh-thå-kien betrieb diese Sache auf das äußerste. Dem ungeachtet wurde sie erst lange nachher dem Oberceremonien- gerichte (Ping-pu) zu fernerer Untersuchung übergeben. Tscho thå- kien wandte sich an den Oberverschnittenen, durch welchen er eine Bittschrift an den Kaiser selbst überreichen ließ. Der Kaiser sagte, als er fie gelesen hatte : „Da ,,Tieh tschong-u ein junger Mensch ist, so wird „hierdurch der Vorwand, als håtte er sich wegen „seiner Krankheit im Hause einer jungen Weibs- „person aufgehalten, sehr verdächtig." Der Mandarin Tich-ying erfuhr diese Neuig- keiten, als das Oberceremoniengericht eben mit dem Berichte beschäfftiget war, den es dem Kaiser erstatten sollte. Er gab ohne Verzug dem jun- gen Paare Nachricht davon. „Der Mandarin Wang-yo, sprach er, hat aus Feindschaft wi der euch, dem Kaiser eine Anklage übergeben. Ihr müsset nun auf eure Vertheidigung bedacht seyn, und eine Bittschrift auffeßen.“ „Wir ha ben alles dieses schon lange vermuthet, gaben bey- de dem Mandarin zur Antwort. Wir sind zur Vertheidigung besit, sobald wir von Seiner Maje- stat den Befehl dazu erhalten werden." Das J Das Ping pu, oder Oberhofgericht der Gebräuche, sandte dem Statthalter der Proving Schan-tong Befehl zu, in dieser Sache Unters suchungen anzustellen. Sobald Ku-scho-ssu Wind davon bekam, schrieb er an seinen Sohn, und belehrte ihn, wie er den Tschi-hien auf sei- ne Seite ziehen mögte. Er befahl ihm, keine Unkosten zu sparen, und schrieb mit eigener Hand -´an diese Magistratsperson. Ku - keh - ssu er- freuete sich, da er Hoffnung vor sich sah, seine Absichten erreichen zu können. Er nahm hundert große Goldstücke e) zu sich, sie nebst dem Briefe feines e) Portug. Cem panos de ouro. Die Engländer nennen diese großen Goltstücke Shoes of Gold, und die Hollan der Goldschuits, oder Goldboote, wegen ihrer Gestalt. Sie sind von dem feinesten Golde. Es giebt zweyerley Gattungen, einige wiegen 200 Dukaten, andere halb so viel. Oben S. 264, k) sind auch silberne Schuits be: nennet, deren 200 fünfhundert holländische Gulden ma: chen. Die Kupfermünze ist in China die cinzige, so ne= prägt wird. Silber und Göld aber wird, wie andere Waaren, gewogen. Zu dem Ende führen die Chineser kleine Waagen und Gewichte ben sich, die in einem schös nen lackirten Futterale stecken. Diese Waage hat sehr viel dhnliches mit der Schnellwaage. Sie bestehet aus einem kleinen Brett, aus welchem ein Arm von Elfen- bein, oder Ebenholz hervorgehet, nebst dem im Reiche üblichen Gewichte. Dieser Arm, der auf drey Seiten in sehr kleine Theilchen abgetheilet ist, wird von seidenen Faden nach seinen verschiedenen Seiten angezogen, um allerley darauf abwägen zu können. Das Bezahlen nimmt feines Vaters, dem Tschi-hien einzuhändigen. Der Name dieses Mandarins war Wey-phey f). Es war eben diejenige Person, deren Liebste Tich- tschong-u vormals befreyet hatte. Wey-phey war noch nicht lange Tschi-hien. Ku-keh-ssu händigte ihm die hundert großen Goldstücke, nebst dem Schreiben seines Vaters ein. Er wurde sehr bestürzt, als er aus demselben fah, was für üble Absichten man wider seinen Wohlthäter im Schil- de führe, und daß er ein Werkzeug dabey abgeben sollte. Jedoch verbarg er seine wahren Gesinnun gen gegen Ku - keh - ssu, nahm das Geschenk an, und versprach, dem Willen des Mandarins Ku-scho-ssu gemäß zu handeln. Ku-keh-ssu gieng höchst vergnügt von ihm. Wey-phey befahl sogleich allen Schreibern feines Tribunals, die Sache des Tieh-tschong-u zu untersuchen, und ihm Bericht zu erstatten, unter welchem Vor- wande ihn Schuey-ping-sin in ihr Haus auf- genommen habe. Sie sagten ihm einmüthig, daß fie nimmt oft mehr Zeit weg, als das Kaufen. Gold wird nur bey Bezahlung großer Summen gebraucht. E& würde in China von falschen Geldmünzen wimmeln, wenn man geprägtes Gold oder Silber daselbst einfüh- rete. Ausländer schneiden diese Panos de ouro von ein- ander, damit sie nicht betrogen werden. Tavernier, 2 Th. S. 6. Du Halde, 2 Th. S. 194. ~S. oben auf der 19ten und folgenden Seite, wo es alle- mal Wey: phey heißen muß. Wey - zhey ist ein Drucks fehler. S. 23. Anm. fie es aus Dankbarkeit gethan håtte, weil er sie von Ku-keh-ssu befreyete, der sie mit Gewalt entführen wollte. „Der Pao Tschi-hien, so vor Ihnen diese Stelle bekleidete, fügten sie hin- zu, hatte einigen Zweifel wegen ihrer Tugend, und bediente sich eines Spions, der auf ihre Hands lungen genau Acht haben, und sich zu diesem Ens de in dem Hause des jungen Frauenzimmers vers bergen mußte. Allein er brachte dem Pao Tschis hien eine so vortheilhafte Nachricht von beyden, daß er für den jungen Fremden eine große Ach- tung trug, und ihn als eine vortreffliche Person anfah. Wey-phey ließ diesen Spion g), nebst dem Vorsteher der Bonzen, bey denen Tieh- tschong-u krank wurde, vor sich rufen. fragte beyde, und beyde stimmten vollkommen in ihren Aussagen überein. Dieses gab den Tschis hien das größte Vergnügen von der Welt, da er die Aufführung dieses Paars so rein befand. Er wartete nur noch auf die Befehle des Oberceremo niengerichtes, und des Statthalters der Proving, feinen Bericht zu erstatten. Nach fünf Tagen ers hielt er diefelben. Er schrieb so nach Hofe, daß diese Sache in das hellefte Licht gesetzt wurde. Das Obertribunal Ping-pu bezeigte große Frcus de über die reine und untadelhafte Aufführung Tieh-tschong-u, den sie nun als eine vortreff liche Person h) ansahen, und sogleich die Bosheit g) Schan-yih. S. 210 dieser Geschichte. h) Im Chinesischen heißt es: „als einen Heiligen." Er des Wie bes Mandarins Ku-schossu erkannten. Sie machten ihm diese Nachricht zu wissen, und ließen - sie ihm selbst lesen. Ku-scho - ssu gerieth in eine solche Wuth, daß er wider den Tschi-hien viele Scheltworte ausstieß. „Er hat ja erst neu- lich die Würde eines Gelehrten erlanget, fagte er, und ist noch nicht lange in seinem Posten. kann er die Wahrheit dieser Sache wissen? Er ist sehr übereilig, wenn er diesen Verbrecher durch so schlechte Ausflüchte lossprechen will. Ich kann diese Kühnheit nicht unbestrafet sehen.“ Er Lag bierauf Wang-yo sehr an, eine andere Bitt- schrift dem Kaiser zu überreichen, der sie annahm, und befahl, den Tschi-hien Wey-phey nach Hofe zu berufen, wegen seines erstatteten Berichts Rechenschaft zu geben. Wey-phey erhielt die- fen Befehl vom Statthalter, der ihm zugleich wif- sen ließ, daß er sich aufs beste zur Vertheidigung bereit halten sollte, weil er mit mächtigen Fein- ben zu thun habe. Der Tschi-hien machte dem Statthalter seine Aufwartung, und stattete sei= · nen Dank bey ihm ab, weil er ihm diese Nachricht ertheilet hatte, er versicherte aber auch zugleich diesen Mandarin, daß er sich im geringsten nicht fürchte, da er sich in nichts strafbar fånde. Er nahm den Spion Schan-yih, nebst dem Vor- steher der Bonzen i) mit sich nach Hofe. Er vergag i) Unser chinesischer Verfasser scheinet diesen Umstand in der Folge dieser Geschichte vergessen zu haben. Denn dieser Vorsteher der Bonzen kommt nie als Zeuge vor, der 靠 ​vergaß auch das Schreiben des Mandarins Ku- scho-ssu, und die hundert Goldstücke nicht. So- bald er daselbst ankam, verlangte er bey dem obersten Criminalgerichte (Hing - pu) k) Ge- hör. Man fragte ihn, wie er so geschwinde von der Aufführung Tieh-tschong-u und des jungen Frauenzimmers urtheilen könnte, da er doch kürzs lich zur Würde eines Tschi -hien in der Stadt

  • Tsi - nan gelanget fey? Ob er vielleicht gar

bestochen worden, sie frey zu sprechen? „Da ich zum Tschi hien von Seiner Majeståt ernannt worden bin, gab Wey-phey zur Antwort, so erforderte es meine Pflicht, alles genau zu prů- fen. Es ist wahr, daß ich selbst von dieser Sa- che keine Wissenschaft habe; allein ich befragte meine Gerichtsbediente um alles, was sie davon wußten. Sie sagten mir, daß der Pao Tschi- hien durch einen Spion auf die Aufführung dieser jungen Personen genaue Acht haben laffen, und dieser erklärte mir auch die ganze Beschaffenheit. Eure Excellenzen fragten mich, ob ich vielleicht von Tieh-tschong-u bestochen worden, Ich habe von diesem Mandarin nichts erhalten. Aber von Ku-schossu erhielt ich nicht nur ein eigen- bändiges Sendschreiben, sondern noch über dieses bun der auch noch über dieses, wie die andern Verbrecher, billig eine Strafe verdienet hätte, da er im folgenden Kapitel des Giftmischens beschuldiget wird. Man weiß auch nicht, warum des Schuey - gowin nicht mehr ge- dacht wird. k) Oben, S. 57. hundert große Goldstücke von dessen Sohne. Hier stehet der Spion, der von allem ein Zeuge ist, was ich in meinem Berichte gemeldet habe, und hier ist auch der Brief nebst dem Golde." Die Manda, rinen erschracken über die maaßen, da sie dieses vernahmen. Sie fanden Wey-phey unschul dig, und ließen ihn mit dem Befehle von sich, des Kaisers fernern Willen zu erwarten, und sich bereit zu halten, vor ihnen wieder zu erscheinen, so bald sie ihn würden rufen lassen. Wey-phey machte die gewöhnliche Verbeugung, und entfer nete sich. Achtes Kapitel zie Mandarinen des Hing-pu sahen, daß sie nunmehr Ku-schossu nicht mehr schonen könnten, wenn sie sich nicht selbst in Gefahr sehen wollten. Sie ließen durch das Oberceremonien- gericht (Li-pu) a) dem Kaiser von allem Bericht abstatten. Als ihn der Monarch gelesen hatte, fagte er: Dieses ist eine seltene Begebenheit. Wenn dieses wahr ist, so haben wir eine ganz auf- ferordentliche Person in unserm Reiche. Der Verschnittene Tscho-thå-kien, der eben zugegen war, sprach zu Seiner Majestät: „Diese Nach- richten kommen von einem neuen Tschi-hien her, der alles nur von andern Personen weis. Wenn ich mich unterfangen darf, etwas vorzuschlagen, so hielte a) Oben, S. 56. Ant. hielte ich für nothwendig, die Wahrheit dieses Be- richts zu untersuchen. Denn warum zeigte der Mandarin Tich-ying Eurer Majestät nicht diese Heurath an? Die jungen Leute kamen sogleich zu- fammen, so bald sie einander sahen, und lange hernach heurathen sie erst einander." Der Kaiser befann sich ein wenig. Endlich sagte er zu Tschoh-tha-kien: Ihr habet recht. Befeh- let einer jeden Parthey, mir eine Schrift zu über- geben. Ich will nachmals die Sache selbst un tersuchen.“ Als man dieses dem jungen Paare anzeigte, erfreueten sie sich eben so sehr deswegen, als sich Kuz scho-ssu furchte. Dieser Manda- rin wollte andern Fallen legen, und sah nun, daß er selbst darein fiele. In dieser großen Verlegen- heit faßte er den Entschluß, in seiner Bittschrift die Heurathsvorschläge zu melden, die fein Sohn Schuey - ping - sin that, und zugleich Ursachen anzuführen, warum er nachher davon abgelassen habe. Er überreichte also dem Kaiser folgendes Memorial: „Ich, Eurer Majestät Vafall, überreiche diese Bittschrift, wegen der sich kürzlich eräugeten Bes „gebenheit. Ich war anfangs entschlossen, mei- ,,nen Sohn mit der Tochter des Mandarin „Schuey-ku-yeh zu verehligen. Ich wandte „mich deswegen an ihren Vater. 'Allein da ich ,,nachher vieles erfuhr, so dem guten Namen des ,,jungen Frauenzimmers nachtheilig war, legte ich „diefes Vorhaben bey seite. Wie sollte sie denn G g „mein ,,mein Sohn mit Gewalt haben entführen wol- ,,len? b) Ich überlasse dieses Eurer Majestät, zur Beurtheilung." Tieh-tschong-u übergab dem Monarchen diese Antwort, auf die Schrift seines Feindes : „Ich Tich tschong-u rede in diesem mei- ,,nem Memoriale die lautere Wahrheit. Ich ,,wollte zuvor mich nicht unterstehen, Eurer Ma- ,,jestät wegen dieser Sache beschwerlich zu seyn, „da sie von geringer Wichtigkeit war, und nur „Privatpersonen angieng. Als ich mit Erlaub, „niß meines Vaters durch die Provinzen reisete, wurde ich einst in der Stadt Tsi-nan durch ei „nen großen Lårmen auf der Straße aufgehalten. „Ich fragte nach der Ursache davon. Man sag- ,,te mir, daß der Sohn des Ku- scho-ssu ,,die Tochter des Schuey-ku-yeh entführen, ,,und sie mit Gewalt heurathen wollte. So jung „ich auch war, so sehr entrüstete ich mich über „diese Unbilligkeit. Ich behauptete, daß die Ein- „willigung beyder Theile, nebst andern Ceremo, ,,nien, zu einer rechtmäßigen Heurath 'gehören. „Der Tschi-hien gab meinen Vorstellungen ,,Beyfall, und ließ das Frauenzimmer wieder in „ihre Wohnung bringen. Bisher kannte ich we- ,,der Ku-keh-ssu, noch Schuey-ping-sin, ,,und hatte keine andere Absicht, als Friede und "" Einig- b) Der Kaiser konnte dieses aus dem Berichte des Wey- phey wissen. 3 .. nei b te, 1. g 二​街 ​ins Jen יד „Einigkeit zu befördern. Ku-keh-ssu faßte ei- ,,nen heftigen Groll gegen mich. ,,in einem Bonzenkloster auf. " "7 Ich hielt mich Er beredete den „Vorsteher desselben, mir Gift zu geben. Dieser ‚wurde mir auch in meiném Essen beygebracht. „Ich wurde sehr krank, und mein Leben war schon. ,,fast verlohren, als Schuey-ping-fin Nach, „richt davon bekam, daß dieses wegen ihrer ge- „schähe. Sie war sehr um mich besorget, und „ließ mich durch ihre Leute in ihr Haus bringen. „Ich war so schwach, daß ich nicht wußte, wohin ,,man mich trug. Sie that dieses aus Dankbar- ,,keit, wegen der Dienste, die sie mir zu danken „zu haben glaubte. So lange ich mich in ihrem „Hause befand, beobachtete ich die reinste Un- „schuld, und gab nicht den mindesten Anlaß zur „Låsterung. Was die Heurath anlanget, die ich „nachher feyerlich mit ihr begieng, so geschah die-- „ses aus Gehorsam gegen meinen Vater und Mut- „ter. Meine Befreyung des Generals Hu-hiao „gab Gelegenheit dazu. Dieser brachte durch ,,feine erhaltenen Siege den Vater des jungen „Frauenzimmers aus der Tartarey zurück, wohin „er auf Angeben Ku-scho-ssu eine geraume Zeit „verwiesen wurde. Der General sah mich jung „und unverheurathet. Er wollte mir seinen Dank „bezeigen, und wurde der Brautwerber und die „Mittelsperson für mich. Er bath sich von „Schuey-ku-yeh aus, mir seine Tochter zu ge- ,,ben. Alles dieses geschah ohne mein Wissen. „Ob nun schon diese Heurath zweymal öffentlich, G$ 2 gesche, Haoh Kish Tschwen. „geschehen, so ist sie doch noch nicht wirklich voll- zogen worden: so sorgfältig waren wir beyde, unsern Ruhm zu erhalten. Wir haben bisher „unter einem Dache so unschuldig, als Kinder, „gelebet. Alles dieses habe ich in diesem Memo- „riale, auf Eurer Majestät Befehl, anzeigen „wollen.“ Das junge Frauenzimmer überreichte folgen- de Schrift: „Ich Schuen-ping-sin übergebe, dem. „Befehle Eurer Majestät gemäß, diesen wahren „Bericht. Ich ward durch den Tod meiner Mut- „ter, und durch das Exilium meines Vaters, eine ,,Weyse. Ich lebte einfam in meinem Hause, des-. „sen fen Thüre immer verschlossen war. Wie hätte. ich auf eine Heurath denken follen? Alles kommt. ,,vom Mandarin Ku-schossu her, was sich „vom „jegt eråuget. Sein Sohn, der auch in Tsi-nan. „wohnte, hielt mich für so verächtlich, daß er „mich mit Gewalt heurathen wollte. Er bekam. ,,mich durch einen erdichteten Befehl von Eurer „Majeståt in seine Gewalt. Als man mich weg- „trug, begegnete mir Tieh-tschong-u. Dieser ,,nahm sich meiner bey dem Tschi-hien an.. Diese Magistratsperson ließ mich wiederum nach. meinem Hause bringen. Ku-keh-ssu ward. hierüber so erbittert, daß er den heftigsten Hag ,,wider meinen Befreyer faßte, und auf Rache ,,bedacht war. Tieh-tschong-u hatte seinen „Aufenthalt in einem Bonzenkloster. Ku-keh- "" fsu befahl dem Vorsteher desselben, ihm Gift zu „geben. Dieses geschah, und er war dem Tode „fehr nahe. Als ich von seiner Lebensgefahr „Nachricht erhielt, entschloß ich mich, lieber mei- „nen guten Namen hintan zu sehen, als meinen Wohlthäter umkommen zu sehen. Ich ließ ihn ,,also in mein Haus bringen, ihm in feiner Krank- ,,beit beyzustehen. Ich lebte mit ihm unter einem „Dache höchst rein und unschuldig, ohne den ge- „ringsten båsen Vorfah. >> رد Er selbst ist eben so ,,rein, als ich. Alles, was man von einer un- „rechtmäßigen Heurath ausstreute, ist falsch. Mein Vater hat sie selbst gestiftet. Der Gene „ral Hu-hiao war die Mittelsperson dabey, und „nahm die Mühe über sich, den Heurathsvertrag „zu Stande zu bringen. Ob wir nun schon vers ,,beurathet sind, so haben wir doch einander noch „nicht beygewohnet. Weil diefes uns nur allein „angebet, sö hielten wir für unnöthig, Eurer- „Majestät deswegen vorher beschwerlich zu fallen. Anicht aber nehme ich mir diese Freyheit, da es „Eure Majestät befehlen, und überlaffe es Des „nenselben, die Gerechtigkeit meiner Sache nach „Dero Weisheit zu untersuchen.' » Das Memorial des Mandarins Tích -ying lautete also: „Ich der Tu-tscha-yuen, oder vorderste „Mandarin der Statthalter, Namens Tieh- ,,ying, überreiche Eurer Majestät in tieffter De- Die Heurathsceremonien Gg3 „müssen „muth diese Schrift. " „müssen von den beyderseitigen Aeltern beobachtet ,,werden. Wenn ein Vater feinen Sohn verheu- „rathen will, so ist er verbunden, ihm eine tu- ,,gendhafte Person zur Frau zu wählen. Da ,,mein Sohn die Würde eines der vornehmsten Gelehrten im Reiche bekleidet, so muß er noth- „wendig alle Gebräuche und Gewohnheiten ver- „stehen, und desto weniger wird er wider die Ge- „feße handeln. Wir, Eurer Majestät Untertha- ,,nen, welche zu den hohen Würden eines Man ,,darins erhoben worden sind, wollten uns nie- „mals unterstehen, etwas wider die Gefeße vor- „zunehmen. Das junge Frauenzimmer Schuey- ping-sin ist zu vernünftig und zu tugendhaft, „als daß sie etwas wider ihre Ehre zugelassen ‚båtte, und was man als unrechtmäßig bey die- „fer Heurath augab, ist ungegründet, Gewiffe

„Personen, die mich hassen und neiden, haben ,,mir diese Verdrießlichkeiten zugezogen. Ich „übergebe daher Eurer Majeståt dieses Memorial, „deren Weisheit diese Sache in ein klares Licht „seßen wird.“ Der Vater der jungen Dame überreichte fol gendes: „Ich, der Präsident des Oberhofgerichts der „Waffen, Schuey-ku-yeh übergebe Eurer Ma- „jeståt in tiefster Demuth diese Zeilen. Heura, ,,then müssen mit Einwilligung beyder Theile, ohne „allen Zwang, geschlossen werden. Meine Toch, „ter wollte durchaus Ku-keh-ssu nicht heura ,,then, ,,then, deffen Vater einer der Räthe Eurer Ma- „jeståt c) ist, und nothwendig wegen seiner Wür- ,,de alle Gesetze und Gewohnheiten wiffen muß. Dennoch aber ist er sehr strafbar, weil er noch ,,immer fortfähret, Eurer Majestät Bittschriften ,,voll Lügen und Unwahrheiten zu übergeben, und „die Ehre des Frauenzimmers, insonderheit mei- „ner Tochter, zu schånden, welche schon bereits Eurer Majestät ihr Memorial überreichet hat." Diese fünf Bittschriften wurden dem Kaiser eingehåndiget. Der Monarch ließ alle seine Staatsråthe in seinem Palaste zusammen kom- men, und übergab ihnen diese Memoriale, sie genau zu prüfen. Sie thaten es, und fanden alles wahrhaftig; daß nämlich Ku-keh - ssu das junge Frauenzimmer mit Gewalt entführen wol- len, und daß Tieh-tschong-u wegen seiner Krankheit in ihr Haus gebracht worden sey. Al- lein sie konnten nicht entscheiden, ob beyde so rein und unschuldig wåren, als sie vorgaben. Zu diesem Ende mußte der Mandarin befraget werden, der dazumal das Amt des Tschi-hien bekleidete, als sich diese Sache eråugete. fertigte sogleich einen Befehl an diesen Mandarin aus, bey Hofe zu erscheinen. Als er ankam, fragte ihn der Kaiser selbst nach allen Umstånden. „Ist euch, als dem damaligen Tschi-hien dieser Gegend, die Sache zwischen Tieh-tschong-u, und Schuey ping sin bekannt? sprach der Gg 4 Man Mo- c) Ro-lao, Monarch zu ihm. Hier habt ihr fünf Bittschrif ten; sebet, welcher Theil Recht hat, und saget mir die Wahrheit, von allem, was euch bekannt ist; wo nicht, so sollt ihr eben so scharf, als die Verbrecher selbst, bestrafet werden." Der Pao Tschi-hien las diese fünf Memo- riale, und versicherte Seine Majestät, daß, nach seiner Kenntniß von dieser Sache, die Beklagten die lautere Wahrheit gemeldet hätten, daß er aber wegen der Rechtmäßigkeit ihrer Heurath keinen Ausspruch thun könnte, weil diefe in Pe- king vollzogen wurde. Der Verschnittene Tschoh gab dem Kaiser zu erkennen, daß es vielleicht mit allem vorhergehen- den seine Richtigkeit haben mögte; daß es aber `nicht im geringsten wahrscheinlich sey, daß beyde eine so strenge Keuschheit beobachtet hätten, als fie vorgaben. Der Kaiser billigte diese Anmer- kung. Er ließ allen Mandarinen wissen, daß sie fich morgen, nebst Tiel tschong u und der - jungen Dame im Palaste einfinden sollten. -