Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 106
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Kapitel 106: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)
| DE3 (Schwarz) | DE4 (Woesler, 2026) |
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| 106.Wang Hsi-fëng hat ein schlechtes Gewissen ob früherer VergehenDie Herzoginmutter betet zum Himmelsgott und versucht, das Unglück zu vertreiben. | = Kapitel 106 = |
| Als Djia Dschëng hörte, daß es der Herzoginmutter nicht gut ging, eilte er direkt zu ihren Gemächern. Er sah, daß sie aufgeregt und unregelmäßig atmete. Die Dame Wang brachte sie mit Hilfe von Yüan-yang und den anderen Mägden wieder zu sich. Sie verabreichten ihr eines ihrer Duftsprühmittel und Beruhigungspillen, was etwas für Erleichterung sorgte. Doch sie blieb traurig und weinte. Djia Dschëng stand ihr zur Seite, versuchte sie zu trösten und zu beruhigen: „Deine Söhne haben dieses Unglück über die Familie gebracht und dir diesen Kummer bereitet, Mutter. Bitte beruhige dich und gib uns Zeit, daß wir uns um alles kümmern können. Wenn du dadurch erkrankst, ist unsere Schuld nicht mehr zu ertragen!“ | == Phönixglanz bringt Unheil über die Familie und schämt sich zutiefst == |
| „Ich bin jetzt über achtzig“, antwortete die Herzoginmutter, „und seit dem Tag, als ich als junges Mädchen herkam und mit eurem Vater verheiratet wurde, habe ich ein behütetes Leben geführt. Von den Ahnen der Familie wurde ich gesegnet und beschützt. Nie zuvor habe ich auch nur von solchen schlimmen Dingen wie diesen gehört. Nun bin ich alt und sehe, daß Ihr bestraft werdet. Wie könnte ich das ertragen? Lieber sterbe ich und laß Euch in Ruhe.“ | == Die Herzoginmutter betet zum Himmel, um das Unglück abzuwenden == |
| Wieder brach sie in Tränen aus, und Djia Dschëng wurde immer besorgter um ihren Zustand. Plötzlich hörte man draußen eine Stimme rufen: „Neuigkeiten vom Hof für den Herrn!“ | Wie bereits erzählt, hatte Aufrecht Kaufmann erfahren, dass es der Herzoginmutter schlecht ging, und eilte sofort hinein, um nach ihr zu sehen. Er fand sie in einem Zustand des Schreckens, völlig außer Atem. Frau Wang, Mandarinenente und die anderen hatten sie wieder zu Bewusstsein gebracht. Man gab ihr sogleich Pillen zur Beruhigung und zur Lösung des stockenden Atems, und allmählich ging es ihr etwas besser, doch sie vergoss unaufhörlich Tränen der Verzweiflung. Aufrecht Kaufmann stand neben ihr und versuchte sie zu trösten. Er sagte immer wieder: "Es ist die Schuld eurer unwürdigen Söhne, die dieses Unglück herbeigeführt und der gnädigen Mutter solchen Schrecken eingejagt haben. Wenn die gnädige Mutter sich nur etwas beruhigen könnte, können die Söhne draußen die Angelegenheiten noch in Ordnung bringen. Wenn der gnädigen Mutter aber etwas zustößt, wird die Schuld der Söhne nur noch schwerer wiegen." |
| Djia Dschëng eilte hinaus. Ein Gehilfe des Prinzen von Bee-djing wartete in der Hauptempfangshalle auf ihn und begrüßte ihn mit den Worten: „Gute Nachrichten, Herr!“ | Die Herzoginmutter sagte: "Ich habe über achtzig Jahre gelebt. Von meiner Mädchenzeit an, über die Zeit deines Vaters hinweg, haben wir stets unter dem Segen unserer Ahnen gelebt, und nie habe ich von solchen Dingen gehört. Nun, da ich alt bin, muss ich mit ansehen, wie ihr womöglich bestraft werdet — wie soll ich das nur ertragen? Am liebsten würde ich die Augen für immer schließen und euch eurem Schicksal überlassen!" Damit weinte sie erneut. |
| Djia Dschëng dankte dem Gehilfen für sein Kommen und bat ihn, sich zu setzen. „Was befiehlt ihre Hoheit?“, fragte er. |
Aufrecht Kaufmann war zu diesem Zeitpunkt äußerst beunruhigt, als von draußen die Nachricht kam: "Der Herr wird gebeten herauszukommen, es gibt Nachrichten vom Inneren Hof." Aufrecht Kaufmann eilte hinaus und sah den Haushofmeister des Fürsten von Beijing, der ihm sogleich entgegenrief: "Große Freude!" Aufrecht Kaufmann dankte und bat den Haushofmeister, sich zu setzen, und fragte: "Welche Botschaft hat der Fürst?" |
| „Mein Herr und Ihre Hoheit der Prinz von Hsi-ping haben seiner Majestät einen Bericht vorgelegt und sprachen zu Ihren Gunsten, Herr, betonten Ihre Reue und Ihre große Anerkennung der Milde, die Ihnen vom Thron erwiesen wurde. Seine Majestät war äußerst mitfühlend und aufmerksam wegen des kürzlichen Ablebens der kaiserlichen Nebenfrau. Er brachte es nicht über sich, Euch zu bestrafen. Stattdessen setzt er Euch auf Eure frühere Position als Untersekretär an die Arbeitsbehörde zurück. Von dem beschlagnahmten Familieneigentum wird nur jenes von Herrn Schë beschlagnahmt behalten. Der Rest wird Euch zurückgegeben. Seine Majestät verlangt von Euch, die Euch auferlegten Pflichten gewissenhaft und treu auszuführen. Die beschlagnahmten Schuldscheine werden von meinem Herrn persönlich überprüft. Schuldscheine mit Wucherzinsen werden nach dem Gesetz umgehend konfisziert. Schuldscheine, die vernünftige Raten beinhalten, sowie Besitzurkunden für Häuser und Ländereien werden alle an Sie zurückgegeben. Djia Liän werden seine Stellung und sein Rang entzogen, er wird allerdings von weiteren Bestrafungen verschont und freigelassen.“ |
Der Haushofmeister berichtete: "Unser Fürst ist zusammen mit dem Fürsten von Xiping in den Palast gegangen, um Bericht zu erstatten. Er hat dem Thron all Eure Furcht und Eure Dankbarkeit für die kaiserliche Gnade vorgetragen. Seine Majestät zeigte großes Mitgefühl und gedachte auch des kürzlichen Ablebens der Kaiserlichen Nebengemahlin. Er wollte die Strafe nicht verschärfen und verfügte gnädig, dass Ihr weiterhin als Außerordentlicher Beamter im Ministerium für Öffentliche Arbeiten Dienst tun sollt. Was das beschlagnahmte Familienvermögen betrifft: Nur der Besitz von Begnadigung Kaufmann wird eingezogen, alles Übrige wird zurückgegeben. Ferner erging der kaiserliche Befehl, pflichtbewusst den Dienst zu versehen. Lediglich die bei der Durchsuchung gefundenen Schuldscheine sollen von unserem Fürsten geprüft werden: Wo verbotene Wucherzinsen erhoben wurden, wird alles gemäß der Vorschriften eingezogen; was zu den erlaubten Zinssätzen verliehen wurde, wird mitsamt den Urkunden für Grundbesitz vollständig zurückgegeben. Kette Kaufmann wird seines Ranges und Titels enthoben, doch von der Strafe befreit und freigelassen." |
| Djia Dschëng erhob sich von seinem Stuhl und verbeugte sich in die vorgesehene Richtung, aus Dank für die kaiserliche Großzügigkeit. Er verneigte sich auch vor dem Gehilfen, um seine tiefempfundene Dankbarkeit für das Eingreifen des Prinzen zu seinen Gunsten zu zeigen. „Seid so gut und übermittet Seiner Hoheit meinen allergrößten Dank. Morgen werde ich am Hof erscheinen, um Seiner Hoheit meine Dankbarkeit persönlich zu erweisen.“ | Als Aufrecht Kaufmann dies vernommen hatte, erhob er sich sogleich, kniete nieder und dankte für die kaiserliche Gnade. Dann verneigte er sich vor dem Fürsten und bat: "Ich bitte den Herrn Haushofmeister, zunächst meinen demütigsten Dank zu übermitteln. Morgen früh werde ich am Hofe persönlich danken und anschließend dem Fürsten meinen Kotau erweisen." Der Haushofmeister ging. |
| Der Gehilfe des Prinzen brach auf. Kurz darauf erschien ein Beamter, um den Erlaß vorzutragen. Gefolgt von Beamten, die alle Anweisungen sorgfältigst ausführten, die Dokumente einzeln überprüften, nur das konfiszierten, was angegeben war, und den Rest den Eigentümern zurückgaben. Djia Liän wurde freigelassen, während Djia Schës Hausstand und seine Angestellten alle in Staatseigentum übergingen bzw. in den öffentlichen Dienst übernommen wurden. | Kurz darauf wurde der kaiserliche Erlass übermittelt. Die zuständigen Beamten befolgten die Anordnungen und prüften alles einzeln: Was einzuziehen war, wurde eingezogen, was zurückzugeben war, wurde zurückgegeben. Kette Kaufmann wurde freigelassen. Sämtliche Diener und Dienerinnen, die unter Kaufmann Begnadigings Namen standen, wurden registriert und in den Staatsdienst überführt. |
| Djia Liäns Position war nicht zu beneiden. Einige der Dokumente wurden zurückgegeben und von seinem anderen Eigentum wurde nichts beschlagnahmt, doch seine Gemächer waren durchwühlt und geplündert. Nichts als die bloßen Möbel waren an ihrem Platz geblieben. Seine anfängliche Erleichterung darüber, frei und der befürchteten Strafe entgangen zu sein, ging über in ein tiefes Gefühl des Verlustes, wenn er sah, wie sein eigener und Hsi-fëngs Besitz – alles zusammen mit einem Wert von siebzig- bis achtzigtausend Goldtaler – an einem einzigen Morgen verschwunden war. Die Verhaftung seines Vaters, Hsi-fëngs lebensbedrohlicher Gesundheitszustand: Das war zuviel für ihn. Und nun mußte er Djia Dschëng Rechenschaft ablegen, der ihn einbestellte und, sein Schluchzen unterdrückend, ausschalt: „Ich war viel zu oft mit meinen amtlichen Pflichten beschäftigt und habe den Familienangelegenheiten überhaupt zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. | Der arme Kette Kaufmann! Abgesehen von den Dokumenten, die gemäß den Vorschriften freigegeben wurden, war alles aus seinen Gemächern verschwunden. Was nicht offiziell eingezogen worden war, hatten die Durchsuchungsbeamten bereits an sich gerissen. Übrig geblieben waren nur Möbel und Hausrat. Kette Kaufmann war zunächst voller Angst vor Bestrafung gewesen, und seine Freilassung war schon ein großes Glück. Doch wenn er daran dachte, dass die über die Jahre angehäuften Schätze und Phönixglanz' persönliches Vermögen zusammen nicht weniger als fünfzig- bis siebzigtausend Goldstücke betrugen und nun über Nacht dahin waren, wie hätte ihn das nicht schmerzen sollen? Zudem war sein Vater noch im Gefängnis der Kaiserlichen Garde festgehalten, und Phönixglanz lag todkrank darnieder. Kummer und Schmerz überwältigten ihn gleichzeitig. |
| Deshalb habe ich dich und deine Frau den Haushalt führen lassen. Ich kann deinem Vater Vorhaltungen über seine falsche Erziehung machen, doch dieser Wucher, der ans Licht gekommen ist – wer um Himmels willen ist dafür verantwortlich? Familien wie unsere haben mit so etwas nichts zu schaffen. Die Dokumente wurden konfisziert und Aufträge und Zinsen sind verfallen: doch es ist nicht das Geld, es ist der unglaubliche Schlag, den es unserem Ruf versetzt hat!“ | Da rief ihn Aufrecht Kaufmann mit Tränen in den Augen zu sich und fragte: "Weil ich mit meinen Amtspflichten beschäftigt war, habe ich mich wenig um die Haushaltsangelegenheiten gekümmert und daher euch, dich und deine Frau, mit der Gesamtverwaltung betraut. Was dein Vater getrieben hat, war gewiss schwer zu unterbinden. Aber die Wucherzinsen und Ausbeuterei — wer hat das betrieben? Zudem ist so etwas einer Familie wie der unseren ganz und gar unwürdig. Dass es nun eingezogen wurde — beim Geld ist das nicht so schlimm, aber was für ein Ruf geht da hinaus in die Welt!" |
| Djia Liän fiel auf seine Knie: „Ich habe mich immer um die Familienangelegenheiten gekümmert, doch ich habe nie privat etwas zurückbehalten. Alle Konten wurden von den Verwaltern Lai Da, Wu Hsin-deng, Dai Liang und den anderen geführt. Bitte bestelle sie her, und höre die Wahrheit aus ihrem Munde. In den letzten Jahren waren unsere Ausgaben viel höher als unser Einkommen, und es gab Defizite in den Konten, die ich bislang nicht ausgleichen konnte, unabhängig von den Schulden, die ich noch zu bewältigen hatte. Tante Wang wird dir davon erzählen können. Und was das geliehene Geld betrifft, so habe ich keine Vorstellung davon, wo das herkommen könnte. Frag’ doch besser Dschou Juee und Wang Örl.“ – „Du willst mir damit also sagen, daß du nicht weißt, was in deinen eigenen Gemächern vor sich ging, und daß du den ganzen Haushalt allein ließest! Ich sollte besser nicht weiter mit dir darüber reden. Schätze dich selbst glücklich, daß du so einfach davongekommen bist. Jetzt bewegst du dich besser und siehst nach, was mit deinem Vater und Vetter Dschën los ist.“ |
Kette Kaufmann kniete nieder und sagte: "Als ich die Familiengeschäfte führte, habe ich nicht den geringsten eigennützigen Gedanken gehegt. Alle Ein- und Ausgaben wurden von Lai Da, Wu Xindeng, Dai Liang und den anderen verbucht. Der Herr Onkel mag sie rufen und befragen. In den letzten Jahren ist aus der Schatzkammer mehr Silber hinausgegangen als hereingekommen. Obwohl ich nichts aus eigener Tasche zugeschossen habe, habe ich an vielen Stellen Löcher mit leeren Versprechungen gestopft. Der Herr Onkel braucht nur die gnädige Tante zu fragen, dann wird er es wissen. Was die ausgeliehenen Gelder betrifft — selbst ich weiß nicht, woher das Silber stammte. Da müsste man Zhou Rui und Wang'er fragen." |
| Djia Liän fühlte sich sehr streng behandelt, doch hielt er seine Tränen zurück und folgte gehorsam den Anweisungen seines Onkels. | Aufrecht Kaufmann sagte: "Wenn ich dich so höre, weißt du nicht einmal, was in deinem eigenen Haushalt vorgeht, geschweige denn in der übrigen Familie. Ich werde dich jetzt nicht weiter ausfragen. Du bist ein freier Mann — solltest du nicht schleunigst herausfinden, wie es um die Angelegenheiten deines Vaters und deines Vetters Juwel Kaufmann steht?" |
| Ganz allein gelassen sann Djia Dschëng tief seufzend über diese Familientragödie: ‚Es war vergebens, daß mein Großvater und mein Großonkel dem Thron so loyal dienten, der Familie große Ehre und erbliche Titel erwarben. Jetzt sind unsere beiden Haushalte entehrt, beide Titel wurden uns genommen. Und auf weitere Sicht sehe ich keine Ruhepause, keinen aufsteigenden Stern in der jüngeren Generation! Gütiger Himmel! Dank einer Handlung außerordentlicher Großzügigkeit auf Seiten Seiner Majestät wurde ich verschont und habe mein Eigentum zurückerhalten. Doch beide Haushalte müssen sich nun zusammenraufen, und wie könnte ich das alleine bewältigen? Die letzte Offenbarung von Liän war ein weiterer schmerzlicher Schlag. Nicht nur, daß wir keine Rücklagen haben, hinzu kommen noch Schulden. Wir haben offensichtlich über Jahre unwissend über unsere Verhältnisse gelebt! Und alles wegen meiner Dummheit. Ich hasse mich. Wie konnte ich nur so blind sein? Wenn nur [mein ältester Sohn] Dschu-örl noch leben würde! Dschu hätte mich wenigstens unterstützen können. Doch Bau-yü, obwohl er mein Sohn und nun erwachsen ist, wird mir keine Stütze sein.’ | Kette Kaufmann war voller Bitterkeit, hielt die Tränen zurück, antwortete mit einem "Ja" und ging hinaus. |
| Während dieses stillen Monologes mußte Djia Dschëng unfreiwillig weinen, und der Kragen seines Umhangs war naß vor Tränen. „Und Mutter – besonders in Anbetracht ihres hohen Alters, haben wir beinahe in den Tod getrieben. Wer außer mir selbst ist Schuld an diesem frevelhaften Vergehen?“ Er brütete vor sich hin, war in den tiefsten Selbstvorwürfen versunken, als ein Diener eintrat, um die Ankunft verschiedener Freunde und Verwandten anzukündigen. Djia Dschëng empfing sie und dankte jedem einzeln für seine Betroffenheit. „Diese Unglücksfälle bei uns“, sagte er in entschuldigendem Ton zu ihnen, „sind die direkte Folge meiner Unfähigkeit, der jüngeren Generation das nötige Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln.“ |
Aufrecht Kaufmann seufzte immer wieder und dachte bei sich: "Mein Großvater hat sich treu und rastlos für den Staat eingesetzt und große Verdienste erworben, wodurch unsere Familie zwei erbliche Ämter erhielt. Nun haben beide Häuser Verfehlungen begangen, und beide Titel wurden eingezogen. Ich sehe unter all diesen Söhnen und Neffen keinen einzigen, der etwas taugt. Oh Himmel, oh Himmel! Wie konnte es mit der Familie Kaufmann nur so weit kommen! Zwar bin ich durch die außerordentliche Gnade Seiner Majestät begünstigt worden und man hat mir das Familienvermögen zurückgegeben, doch die Ausgaben beider Häuser müssen nun von einem zusammengelegt werden. Wie soll ich das allein stemmen? Was Kette vorhin sagte, hat mich noch mehr erschreckt: Nicht nur ist die Schatzkammer leer, es gibt sogar Schulden! Die ganze Pracht dieser Jahre war nur leerer Schein. Ich kann mir nur selbst Vorwürfe machen, wie konnte ich nur so blind sein! Hätte mein Zhu noch gelebt, hätte ich wenigstens einen starken Arm an meiner Seite. Schatzjade ist zwar herangewachsen, aber er ist ein völlig nutzloser Mensch." Bei diesem Gedanken konnte er die Tränen nicht zurückhalten, die ihm über die Kleider liefen. Dann dachte er weiter: "Die Herzoginmutter ist so hochbetagt, und wir Söhne haben sie keinen einzigen Tag pflegen können. Im Gegenteil, wir haben der alten Dame solchen Schrecken eingejagt, dass sie halb tot war. All diese Sünden — wem kann ich sie anlasten?" |
| „Das muß man aber klar trennen“, antwortete einer von ihnen. „Wir haben lange über Herrn Schës fragwürdige Erziehung nachgedacht. Und Herr Dschën war auf seine Art noch arroganter und liederlicher. Jetzt ist ihr Fehlverhalten ans Licht gekommen und brachte ihnen öffentliche Zensur. Die Schuld liegt voll und ganz bei ihnen. Es ist höchst bedauerlich, daß ihr Fehlverhalten nun auf Sie zurückfällt, Herr.“ | Während er allein vor sich hin trauerte, meldeten die Diener: "Verschiedene Verwandte und Freunde sind gekommen, um ihre Aufwartung zu machen." Aufrecht Kaufmann dankte einem nach dem anderen. Er sagte: "Unsere Familie ist vom Unglück getroffen. Es ist meine Schuld, dass ich die Söhne und Neffen nicht richtig erzogen habe, und so ist es zu all dem gekommen." |
| „Ich kenne da einige ähnliche Fälle“, kommentierte ein anderer, „doch keiner davon führte zu einer solchen Anklage. Herr Dschën muß irgendjemanden geärgert haben.“ | Einige sagten: "Ich wusste schon lange, dass der ältere Herr Begnadigung nicht recht handelte, und drüben der junge Herr Juwel war noch schlimmer mit seinem übermütigen Treiben. Wenn es nur um Fehler bei Amtsgeschäften gegangen wäre, hätte man sich nichts vorzuwerfen. Aber dass sie es selbst verschuldet haben und nun den Herrn Aufrecht mit hineinziehen — das ist wirklich bedauerlich." |
| „Das Eingreifen des Zensors kann in diesem Fall leicht erklärt werden“, erwiderte ein anderer. „Es scheint, daß einer der Hausangestellten und einige der weniger respektablen Freunde unangenehme Gerüchte verbreitet haben und daß diese zum Zensor vorgedrungen sind. Er wünschte Beweise dafür, bevor sie fortschritten und holte eben diesen Diener von Euch, um ihn zu verhören. Wenn ich bedenke, wie großzügig Ihr mit Euren Angestellten umgeht, kann ich mir kaum vorstellen, daß so etwas passieren konnte.“ – | Andere meinten: "Solche Dinge kommen in vielen Familien vor, und trotzdem wird nicht jeder vom Zensor angeklagt. Hätte der junge Herr Juwel seine Freunde nicht verärgert, wäre es nicht so weit gekommen." |
| „So ist das mit den Angestellten“, bemerkte ein anderer, „sie ziehen ihre Vorteile aus der Großzügigkeit ihrer Herren. Da wir hier unter Freunden sind, kann ich gewiß ganz frei reden. Ich weiß, was für ein unbestechlicher Mann Sie sind, Herr; doch während Sie in Djiang-hsi waren, wurde Ihr Ruf irgendwie befleckt. Das müssen eure Diener gewesen sein. In Zukunft müssen Sie noch vorsichtiger sein. Obwohl Sie dieses Mal mit ihrem Eigentum davongekommen sind, könnte es wesentlich unangenehmer werden, wenn Seine Majestät jemals wieder ihre Pflichttreue in Frage stellen sollten.“ | Wieder andere sagten: "Man kann auch dem Zensor keinen Vorwurf machen. Wir haben gehört, dass es Diener aus eurem Haushalt und einige Bauernkerle waren, die draußen den Lärm gemacht haben. Der Zensor fürchtete, seine Anklage könnte unbegründet sein, und hat deshalb Leute von hier hergelockt, die dann alles ausgeplaudert haben. Ich dachte immer, eure Familie behandele ihre Diener besonders großzügig. Warum kam es trotzdem zu solchen Dingen?" |
| Djia Dschëng schien sehr verstört. „Was meinen sie? Inwiefern wurde mein Ruf befleckt?“ – „Es gibt natürlich keine eindeutigen Beweise dafür“, war die Antwort, „doch wir haben andere sagen gehört, daß sie während ihrer Zeit als Korninspektor ihre Diener beauftragten, Erpressung zu betreiben.“ – |
Noch andere sagten: "Im Grunde kann man keinem Diener trauen. Heute sind wir unter guten Freunden, deshalb wage ich es zu sagen: Selbst Ihr als Beamter in der Provinz — ich kann bezeugen, dass Ihr selbst nicht bestechlich seid. Aber Euer Ruf draußen ist trotzdem nicht gut, und das liegt alles an Euren Dienern. Ihr solltet besser auf der Hut sein. Auch wenn man Euch diesmal das Familienvermögen gelassen hat — wenn Seine Majestät einmal Verdacht schöpft, wird es übel für Euch ausgehen." |
| „Der Himmel sei mein Zeuge“, rief Djia Dschëng aus, „ich habe noch nicht einmal im Traum an so etwas gedacht! Meine Männer haben hinter meinem Rücken krumme Geschäfte betrieben. Noch mehr von solchem Gerede, und ich bin am Ende!“ – | Als Aufrecht Kaufmann das hörte, wurde er unruhig und fragte: "Was habt ihr denn über meinen Ruf gehört?" |
| „Es bringt nichts, davor Angst zu haben“, kommentierte einer aus der Gesellschaft. „Doch ihr solltet Euren jetzigen Hausstand gründlich überprüfen. Sortiert alle widerspenstigen Elemente unter ihnen aus und seid strenger mit ihnen.“ | Die anderen antworteten: "Wir haben zwar keine Beweise gesehen, aber man hört draußen sagen, dass auf Eurem Posten als Getreide-Intendant Eure Pförtner Geld von den Leuten verlangt hätten." |
| In diesem Moment betrat ein Pförtner den Raum: „Herr Sun hat einen Diener mit einer Nachricht geschickt, Herr. Sein Herr ist zu beschäftigt, um selbst zu kommen. Dieser Mann wurde angewiesen, Euch darüber zu informieren, daß die Suns von Euch erwarten, die Schulden von Herrn Schë zu bezahlen.“ | Aufrecht Kaufmann sagte: "Das kann ich vor dem Himmel bezeugen: Niemals habe ich auch nur einen solchen Gedanken gehabt. Aber wenn die Diener draußen Unheil treiben und angeben, dann bin ich es, der dafür geradestehen muss." |
| Djia Dschëng blickte finster und genervt und sagte: „Ich weiß Bescheid.“ Seine Freunde lachten verächtlich: „Dieser Herr Sun macht seinem schlechten Ruf alle Ehre. Wenn das Haus seines Schwiegervaters leergeräumt und sein Eigentum beschlagnahmt ist, kommt er, anstatt Hilfe anzubieten, nur um um Geld zu betteln. Das ist höchst ungebührlich!“ – | Die anderen sagten: "Jetzt Angst zu haben nützt auch nichts mehr. Am besten lasst Ihr die derzeitigen Verwalter streng überprüfen. Wenn sich Diener finden, die ihrem Herrn widersetzt haben, solltet Ihr sie streng bestrafen." |
| „Laßt uns nicht über ihn sprechen“, antwortete Djia Dschëng. „Ich hätte daran denken sollen, daß meine arme Nichte bereits genug durch die Hand dieses jungen Mannes gelitten hat, jetzt quält er auch noch mich.“ | Aufrecht Kaufmann nickte. Da kam ein Pförtner herein und meldete: "Der Schwiegersohn Sun hat jemanden geschickt, um zu sagen, dass er selbst zu beschäftigt sei, um zu kommen, aber jemanden zum Nachschauen geschickt habe. Er sagt, der ältere Herr Begnadigung schulde ihm eine Summe Silber, und die wolle er nun vom Herrn Aufrecht einfordern." |
| Als er sprach, erschien Hsüä Kë. „Ich habe herausgefunden,“ berichtete er Djia Dschëng, „daß Komissar Dschau darauf besteht, jeden Punkt der Anklage zu verfolgen. Ich fürchte, es wird für Onkel Schë und Vetter Dschën nicht leicht.“ – | Aufrecht Kaufmann war innerlich bedrückt und sagte nur: "Ich habe es zur Kenntnis genommen." |
| „In dieser Angelegenheit mußt du die Hilfe des Prinzen suchen“, wiesen Djia Dschëngs Freunde ihn an, „ohne sein Eingreifen werdet ihr alle ruiniert werden.“ | Die Gäste sagten alle mit einem kalten Lachen: "Man sagt ja, der Schwiegersohn Sun Shaozuo sei ein Schandkerl, und so ist es tatsächlich. Jetzt, wo dem Schwiegervater alles genommen wurde, kommt er nicht nur nicht, um nach ihm zu sehen und ihm zu helfen, sondern fordert auch noch hastig Geld ein. Das ist wirklich unverschämt!" |
| Djia Dschëng dankte seinen Besuchern für diesen Rat, den er zu befolgen versicherte, und sie brachen auf. | Aufrecht Kaufmann sagte: "Reden wir jetzt nicht von ihm. Diese Verbindung war von Anfang an eine Fehlentscheidung meines Bruders. Meine Nichte hat schon genug gelitten, und jetzt kommt er auch noch zu mir." |
| Es dämmerte bereits und Djia Dschëng stattete der Herzoginmutter seinen abendlichen Besuch ab. Diese hatte sich sichtlich erholt. Er kehrte in seine Gemächer zurück, saß dort im Stillen und grübelte über Djia Liän und Hsi-fëngs unbedachtes Verhalten. Da ihr Betrug nun ans Licht gekommen war, würde es der ganzen Familie schaden, und er gab ihnen die Schuld dafür. Doch er bedachte auch, daß Hsi-fëng schwer krank war und bei der Plünderung alles verloren hatte, was ihr bestimmt einen schweren Schlag versetzt haben mußte. Er entschied, sie zunächst nicht zu kritisieren, sondern seinen Ärger für sich zu behalten und nichts zu sagen. Der Rest dieser Nacht verlief ohne weitere Ereignisse. | Gerade als sie so sprachen, kam Xue Ke herein und sagte: "Ich habe erfahren, dass der Vorsitzende Zhao vom Kaiserlichen Garde-Gericht unbedingt nach dem Antrag des Zensors verfahren will. Ich fürchte, der ältere Herr Begnadigung und der junge Herr Juwel werden das nicht durchstehen." |
| Früh am nächsten Morgen ging Djia Dschëng zu den Palästen der Prinzen von Bee-djing und Hsi-ping, wo er seine Ehrenbezeugungen darbot und sie bat, Djia Schë und Vetter Dschën zu unterstützen. Die Prinzen versicherten es. Djia Dschëng besuchte weiter andere Freunde und Bekannte, um auch sie um Unterstützung zu bitten. | Alle sagten: "Herr Aufrecht, Ihr solltet den Fürsten um Intervention bitten. Wenn man das nicht irgendwie abwendet, sind die beiden Familien erledigt." |
| Unser Erzähler widmet sich nun Djia Liän. Als er sich umhörte, fand er heraus, daß seinem Vater und Vetter Dschën in der Tat ein ernstes Urteil bevorstand. Und da er sah, daß er ihnen unter keinen Umständen einen Aufschub verschaffen konnte, konnte er nur nach Hause zurückkehren. In seinen Gemächern saß Ping-örl weinend an Hsi-fëngs Seite, während Tjiu-tung im Nebenzimmer um Hsi-fëng klagte. Als Djia Liän sich Hsi-fëng näherte und sah, daß sie dem Tode nahe war, fand er für seine Wehklage keine Worte. Ping-örl sagte weinend zu ihm: „Die Sache hat sich nun einmal so entwickelt. Alles, was weg ist, wird auch nicht mehr wiederkommen. Und sehen Sie sich Frau Liän an, Herr.“ – | Aufrecht Kaufmann sagte seine Hilfe zu und dankte. Die Gäste gingen alle. |
| Liän spuckte aus und sagte. „Nicht einmal für mein Leben besteht noch Hoffnung, wie könnte ich ihr Leben retten?“ | Es war inzwischen Abend geworden. Aufrecht Kaufmann ging hinein, um der Herzoginmutter einen guten Abend zu wünschen, und fand sie etwas besser. Er kehrte in seine eigenen Gemächer zurück und machte Kette Kaufmann und seiner Frau Vorwürfe, dass sie nicht wüssten, was sich gehört. Dass nun die Sache mit den Wucherkrediten herausgekommen war, brachte der ganzen Familie Schande. Er war innerlich sehr aufgebracht. Doch da Phönixglanz schwer krank war und ihr gesamter Besitz beschlagnahmt worden war, konnte sie das natürlich nur bedrücken. Er konnte es ihr im Augenblick nicht vorwerfen und schwieg vorerst. Die Nacht verlief ohne weitere Vorkommnisse. |
| Hsi-fëng hörte das, öffnete ihre Augen und blickte Djia Liän still an. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie sah, wie Djia Liän das Zimmer verließ und sagte zu Ping-örl: So wie die Dinge sich entwickelt haben, solltest du dich nicht mehr um mich kümmern. Ich wünschte nur, ich könnte heute sterben und mit allem fertig sein! Wenn ich dir noch irgend etwas bedeute, dann kümmere dich bitte um die kleine Tjiau-djiä, wenn ich tot bin. Tu es für mich, und meine Seele wird dir in der nächsten Welt dankbar sein.“ | Am nächsten Morgen ging Aufrecht Kaufmann in den Palast, um sich für die kaiserliche Gnade zu bedanken. Dann fuhr er zum Palast des Fürsten von Beijing und zum Palast des Fürsten von Xiping, um sich dort zu bedanken, und bat die beiden Fürsten, sich um seinen Bruder und seinen Neffen zu kümmern. Beide Fürsten sagten ihre Hilfe zu. Aufrecht Kaufmann sprach auch bei befreundeten Amtskollegen vor, um deren Fürsprache zu erbitten. |
| Ping-örl brach in Tränen aus. | Unterdessen hatte Kette Kaufmann erfahren, dass die Angelegenheiten seines Vaters und seines Vetters nicht gut standen. Er wusste keinen Rat und kehrte nach Hause zurück. Friedchen saß weinend bei Phönixglanz, während Qiutong im Nebenzimmer über Phönixglanz schimpfte. Kette Kaufmann ging an ihr Bett und sah Phönixglanz im Todeskampf liegen. So viele Vorwürfe er auch haben mochte, in diesem Augenblick konnte er kein Wort herausbringen. |
| „Nun komm schon“, sagte Hsi-fëng, „du bist doch eine kluge Person! Ich weiß, daß keiner kommen und es mir ins Gesicht sagen würde, doch ich weiß, daß sie mir die Schuld für alles geben, was passiert ist. Andere haben draußen damit angefangen. Doch ich gebe zu, wenn ich das Geld nicht lieben würde, wäre mir das heute nicht widerfahren. All meine Pläne und Vorhaben enden im Nichts. Mein lebenslanges Streben war umsonst. Ich bin zerbrochen, niedriger als die Niedrigen. Ich hasse nur, daß wir keine anständigen Menschen angestellt haben. Ich hörte, daß drüben Vetter Dschën die Verlobte eines Herrn Dschang zur Konkubine nahm und sie zu Tode brachte? Überleg’ mal, wer dieser Herr Dschang sein könnte. Wenn die Geschichte jemals ans Licht kommt, wird Herr Liän entehrt sein. Und wie stehe ich dann da? Ich wünschte, ich könnte sofort sterben! Doch wie? Ich wage nicht, selbst Gold zu schlucken oder Gift einzunehmen. Und du willst einen Arzt rufen! Damit würdest du mir nur schaden!“ | Friedchen sagte weinend: "Was geschehen ist, ist geschehen. Was weg ist, kommt nicht wieder. Aber die Herrin ist in diesem Zustand — wir sollten doch wenigstens noch einmal einen Arzt rufen!" Kette Kaufmann spuckte verächtlich aus: "Pah! Ob ich selber überlebe, weiß ich noch nicht, und da soll ich mich noch um sie kümmern?" |
| Ping-örl wurde mit jedem Wort Hsi-fëngs noch verzweifelter. Sie empfand viel für sie und beschloß, nahe bei ihr zu bleiben und noch besser auf sie aufzupassen, aus Angst, sie könnte sich in ihrer Verzweiflung etwas antun. | Phönixglanz hörte das, öffnete die Augen und blickte ihn an. Obwohl sie kein Wort sagte, liefen ihr die Tränen über die Wangen. Als sie sah, dass Kette Kaufmann hinausging, sagte sie zu Friedchen: "Du solltest nicht so weltfremd sein. Wo wir jetzt stehen, was kümmerst du dich noch um mich? Am liebsten würde ich heute noch sterben. Wenn du nur ein wenig Mitgefühl für mich hast und nach meinem Tod die kleine Qiaojie großziehst, werde ich dir selbst aus dem Totenreich dankbar sein." |
| Glücklicherweise wußte die Herzoginmutter nichts von solch beklemmenden Szenen. Ihre eigene Genesung und ihr Seelenheil wurden von der Kenntnis über Djia Dschëngs Wiedereinstellung stark gefördert und auch von der ständigen Gegenwart von Bau-yü und Bau-tschai an ihrer Seite. Sie hatte immer eine Schwäche für Hsi-fëng gehabt, und nun rief sie Yüan-yang zu sich, und sagte: „Nimm diese Sachen von mir und bring sie hinüber zu Frau Liän. Und gib Ping-örl etwas Geld, daß sie sich gut um sie kümmern kann!“ Sie sagte der Dame Wang auch, sie solle nachsehen, was die Dame Hsing bräuchte. | Friedchen weinte nur noch heftiger. Phönixglanz sagte: "Du bist nicht dumm. Obwohl sie es mir nicht ins Gesicht sagen, geben sie mir bestimmt die Schuld. Die Sache hat zwar draußen angefangen, aber hätte ich nicht Geld verliehen, hätte ich damit nichts zu tun gehabt. Nun waren all meine Pläne und Ränke umsonst. Mein ganzes Leben habe ich gekämpft, um an der Spitze zu stehen, und am Ende bin ich allen hintendran. Und dann habe ich noch dunkel gehört, dass Juwel Kaufmann angeklagt wird, sich die Ehefrau eines ehrlichen Bürgers als Nebenfrau genommen zu haben und sie in den Tod getrieben zu haben, als sie sich weigerte. Da soll ein gewisser Zhang verwickelt sein. Überlege einmal, wer das sonst sein könnte. Wenn diese Sache vor Gericht kommt, wird unser Zweiter Herr nicht davon freikommen. Wie soll ich dann jemals wieder jemandem ins Gesicht blicken? Am liebsten würde ich sofort sterben, aber ich bringe es nicht über mich, Gift zu schlucken oder Gold zu trinken. Wenn du jetzt einen Arzt rufst, ist das nicht Fürsorge, sondern du schadest mir damit!" Friedchen hörte zu und wurde immer verzweifelter. Da die Lage wirklich aussichtslos war und sie fürchtete, Phönixglanz könnte sich etwas antun, wich sie nicht mehr von ihrer Seite. |
| Das gesamte Vermögen des Ning-guo-Anwesens, eingeschlossen Eigentum und Angestellte, wurden inventarisiert und beschlagnahmt. Die Herzoginmutter ließ einen Wagen besorgen, der Frau You und Djia Jungs Frau herüberholen sollte. Diese beiden Damen und Vetter Dschëns zwei Konkubinen, Pei-fëng und Djie Yüän, waren als einzige in den luxuriösen Gemächern des Ning-guo-Anwesens übriggeblieben. Nicht ein einziger Diener war mehr dort. Sie verlangte nach vier Ammen und zwei Mägden, um ihr aufzuwarten, und ordnete an, daß ihre Speisen und andere tägliche Erforderlichkeiten aus der Hauptküche gebracht werden sollten. Sie schickte ihnen auch Kleidung und andere Notwendigkeiten und wies die Haushalts-Kasse an, ihnen die gleichen monatlichen Beträge zu gewähren wie den Mitgliedern des Jung-guo Zweiges. | Glücklicherweise wusste die Herzoginmutter nichts von den Einzelheiten. Da sie sich in den letzten Tagen etwas besser fühlte und Aufrecht Kaufmann nichts zugestoßen war und Schatzjade und Schatzspange ihr täglich zur Seite standen und sie keinen Moment allein ließen, war sie etwas beruhigt. Da sie Phönixglanz von jeher am meisten liebte, rief sie Mandarinenente: "Nimm etwas von meinen persönlichen Dingen und bringe es Phönixglanz. Und gib Friedchen auch etwas Silbergeld und sage ihr, sie solle sich gut um Phönixglanz kümmern. Ich werde später alles weitere anordnen." Ferner wies sie Frau Wang an, sich um die Dame Xing zu kümmern. |
| Doch es stand außer Frage, Geld von den Konten zu besorgen, um die Ausgaben (hauptsächlich Bestechung), die bei Djia Schë, Vetter Dschën und Djia Jung im Kerker anfielen, zu decken. Hsi-fëng hatte kein Geld und Djia Liän war hoch verschuldet, wohingegen Djia Dschëng, der keine Erfahrung mit Familien-Finanzen hatte, auf seine charakteristische Art nur fruchtlos sagen konnte: „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und bin zuversichtlich, daß sie tun werden, was sie können.“ | Zu dieser Zeit war das Ningguo-Anwesen bereits in Staatsbesitz übergegangen. Sämtlicher Besitz, Grundstücke und Dienerschaft waren registriert und eingezogen worden. Die Herzoginmutter ließ eine Kutsche schicken, um Frau You mit ihrer Schwiegertochter herüberzuholen. Das einst so stolze Ningguo-Anwesen — es waren nur noch die beiden Frauen übrig geblieben, dazu Peifeng und Xieluan, ohne einen einzigen Diener. Die Herzoginmutter wies ihnen ein Haus neben Xichuns Wohnung zu, stellte vier ältere Dienerinnen und zwei junge Mägde zu ihrer Bedienung ab. Mahlzeiten und täglicher Bedarf wurden aus der großen Küche geliefert. Kleidung und sonstige Dinge schickte die Herzoginmutter ebenfalls. Für kleinere Ausgaben wurde ein Budget aus der Haupt-Kassenstelle bewilligt, berechnet nach dem monatlichen Satz jedes Mitglieds des Rongguo-Anwesens. |
| Djia Liän fiel keine Möglichkeit ein, um an Geld zu kommen. Es würde nichts bringen, sich an Hsi-fëngs Seite der Familie zu wenden. Die Hsüäs waren bankrott, ihr älterer Onkel Wang Dsï-tëng war tot, und die anderen Wangs waren nicht in der Position zu helfen. Am Ende schickte er aus Verzweiflung geheim einen Mann zum Jung-guo-Anwesen mit der Anweisung, eine Landfläche mit einem Wert von tausend Silbertael zu verkaufen. Dieses Geld würde er seinen Familienmitgliedern im Gefängnis anbieten. Als die Bediensteten sahen, zu welchen Methoden ihr Herr gezwungen war, entschieden manche, selbst ihren Nutzen aus der Situation zu ziehen und erfanden Vorwände dafür, gegen Pachtanteile des östlichen Landsitzes der Familie auf eigene Rechnung Geld auszuleihen. Doch darauf werden wir später in der Geschichte noch eingehen. | Begnadigung Kaufmann, Juwel Kaufmann und Rong Kaufmann waren im Gefängnis der Kaiserlichen Garde, und für ihren Unterhalt dort konnte die Kassenstelle tatsächlich nichts aufbringen. Phönixglanz besaß inzwischen nichts mehr, und Kette Kaufmann war von Schulden erdrückt. Aufrecht Kaufmann verstand nichts von Haushaltsangelegenheiten und sagte nur: "Ich habe bereits Fürsprecher beauftragt, man wird sich schon kümmern." Kette Kaufmann wusste keinen Rat. Er dachte an die Verwandten: Die Familie der Tante Xue war bereits ruiniert, Onkel Wang Ziteng war tot. Die übrigen Verwandten gab es zwar, aber keiner konnte helfen. So musste er heimlich jemanden aufs Land schicken, um einige Ländereien für ein paar tausend Goldstücke zu verkaufen, damit die Gefängniskosten gedeckt werden konnten. Bei diesem Treiben sahen die Diener, dass die Herrschaft am Ende war, und trieben selbst ihr Unwesen. Auch die Pachteinnahmen vom Ostgut wurden unter allerlei Vorwänden angezapft. Doch davon wird später erzählt. |
| Die Herzoginmutter sah die Familie ihrer erblichen Titel beraubt. Sie sah einen ihrer Söhne und Enkel im Kerker die Verhandlung erwarten. Sie hörte die ganze Nacht das Weinen der Damen Hsing und You, und Hsi-fëng lag im Sterben. Bau-yü und Bau-tschai trösteten sie zwar, doch sie konnten ihr den Kummer und Schmerz nicht nehmen, die ihr Herz schwer machten. Eines Tages gegen Abend schickte sie Bau-yü zurück in seine Wohnung, erhob sich mühevoll ohne Hilfe von ihrem Sofa und trug Yüan-yang und den anderen Mägden auf, überall vor den Buddhastatuen Räucherstäbchen anzuzünden. Zuletzt gab sie Anweisungen, im eigenen Hof ein großes scheffelförmiges Bündel Räucherstäbchen anzuzünden und ging auf ihren Stock gestützt in den Hof. Hu-po wußte, daß sie vorhatte zu beten und legte ihr eine große rote Meditationsmatte zurecht, damit sie darauf niederknien konnte. Die alte Dame kniete nieder und machte mehrere Kotaus. Sie rezitierte eine Strophe aus einem Sutra und begann mit Tränen in den Augen zu den Göttern von Himmel und Erde zu beten: „Allmächtiger höchster Buddha! Ich, deine demütige Dienerin, in die Familie Schï geboren und verheiratet mit dem Hause Djia, erbitte ergeben deine Barmherzigkeit. Über viele Generationen haben wir nichts Falsches gemacht, wir haben uns nicht in den Wegen der Gewalt und des Hochmuts verirrt. Ich habe demütig und unzureichend mein Bestes versucht, dem Pfad der Rechtschaffenheit zu folgen, meinen Ehemann zu unterstützen und meinen Söhnen zu helfen. Doch die jüngere Generation hat mit mutwilliger Sorglosigkeit gehandelt, sie haben sich dem Zorn des Schicksals ausgeliefert, und jetzt wurde unser Heim geplündert und unser Eigentum geraubt. Mein Sohn und | Die Herzoginmutter sah, wie die erblichen Titel der Ahnen eingezogen worden waren, wie ihre Söhne und Enkel im Gefängnis saßen und verhört wurden. Die Dame Xing und Frau You weinten Tag und Nacht, und Phönixglanz lag im Sterben. Zwar waren Schatzjade und Schatzspange an ihrer Seite, doch die konnten sie nur trösten, nicht aber ihre Sorgen teilen. Tag und Nacht fand sie keine Ruhe, grübelte vor und zurück, und die Tränen trockneten nicht. |
| sitzen im Gefängnis und haben das Schlimmste zu befürchten. Die Schuld dieses Unglücks lastet allein auf meinen Schultern, da ich der jüngeren Generation nicht die richtigen Verhaltens-Grundsätze vermitteln konnte. Nun verbeuge ich mich und bitte den Allmächtigen Himmel, uns zu schützen. Möge denen im Gefängnis ihr Kummer zur Freude werden, mögen die Kränklichen wieder ihre Gesundheit erlangen. Möge ich für alles sühnen und die Schuld der Familie auf meinen Schultern tragen! Und möge den Söhnen und Enkeln vergeben werden! Sei gnädig mit mir, allmächtiger Himmel, und erhöre mein gläubiges Flehen. Schenke mir einen frühen Tod, daß ich für die Sünden meiner Kinder und Enkelkinder büßen kann!“ | Eines Abends schickte sie Schatzjade fort. Sie richtete sich mühsam auf und befahl Mandarinenente, in allen Buddhahallen Weihrauch anzuzünden. In ihrem eigenen Hof ließ sie eine große Weihrauchschale aufstellen, stützte sich auf ihren Stock und ging hinaus in den Hof. Hupo wusste, dass die Herzoginmutter Buddha anbeten wollte, und legte ein großes, scharlachrotes Filzkissen zum Knien aus. Die Herzoginmutter steckte Räucherstäbchen an, kniete nieder, machte zahllose Verbeugungen, betete eine Weile zu Buddha und sprach dann unter Tränen zum Himmel und zur Erde: |
| Als dieses Gebet beendet war, brach die Herzoginmutter zusammen und begann so kläglich zu schluchzen, daß sie nur noch keuchen konnte. Yüan-yang und Hu-po trösteten sie, halfen ihr auf die Beine und begleiteten sie zurück ins Haus. | "Erhabener Himmel und barmherziger Buddha, hört mich an! Ich, Shi aus dem Hause Kaufmann, bete in aufrichtiger Demut und flehe um die Barmherzigkeit des Buddha. Seit Generationen hat unsere Familie niemals Gewalt geübt oder andere tyrannisiert. Ich habe meinem Mann geholfen und meine Söhne unterstützt, und wenn ich auch nicht immer Gutes tun konnte, so habe ich doch nie Böses getan. Es muss an der jüngeren Generation liegen, die in Hochmut und Verschwendung, in Ausschweifung und Vergeudung lebte, bis schließlich das ganze Haus durchsucht und beschlagnahmt wurde. Nun sitzen Söhne und Enkel im Gefängnis, und es steht schlimm um sie. All dies geschieht wegen meiner Sünden allein, weil ich die Jüngeren nicht erzogen habe. So ist es dahin gekommen. Ich flehe den erhabenen Himmel an, uns zu beschützen: Mögen die Gefangenen dem Unheil entkommen und in Glück gewandelt werden; mögen die Kranken bald genesen. Alle Sünden der Familie will ich allein auf mich nehmen; ich bitte um Gnade für Söhne und Enkel. Wenn der erhabene Himmel meine aufrichtige Demut erhört, so gewähre mir einen baldigen Tod und verschone meine Nachkommen." |
| Die Dame Wang kam kurz danach mit Bau-yü und Bau-tschai, um ihren abendlichen Besuch abzustatten. Der bedauerliche Zustand der Herzoginmutter rührte sie sehr, und alle drei weinten laut. Bau-tschai hatte ihren eigenen Grund zum Kummer. Die Zukunft ihres Bruders war ungewiß. Keiner wußte, ob sein Urteil gemildert oder er freigelassen würde. Und obwohl Djia Dschëng und die Dame Wang nicht direkt von den derzeitigen Ereignissen betroffen waren, konnte Bau-tschai selbst sehen, daß die Familie Djia um sie herum dezimiert wurde. Während ihr Ehemann sich so blöde und hilflos wie immer benahm. Als sie über ihre eigene Notlage nachdachte, war ihr Schluchzen sogar noch anrührender als das der Herzoginmutter und der Dame Wang. | Als sie in ihrer stillen Andacht diese Worte sprach, konnte sie die Tränen nicht mehr halten und begann bitterlich zu schluchzen. Mandarinenente und Zhenzhu versuchten sie zu trösten und führten sie behutsam in ihr Gemach zurück. |
| Bau-yü sah, daß Bau-tschai so verzweifelt war und wurde auch sehr traurig. „Großmutter ist in ihrem Alter mit Sorgen überhäuft, Mutter und Vater haben auch nichts als Kummer. Meine Schwestern und Kusinen sind fort, zerstreut wie Wolken von den vier Winden, und jeder Tag macht mich noch einsamer, mit nichts, was mich noch hält, außer den Erinnerungen an eine glückliche Vergangenheit, an die goldenen Tage der Poesietreffen im Garten. Seit Kusine Dai-yüs Tod kann ich nichts tun, um meine Lethargie und Depression loszuwerden, und ich muß mich zusammenreißen, nicht ständig zu weinen, um Bau-tschai nicht zu bekümmern, die selber um ihren Bruder und ihre Mutter trauert und nur sehr selten ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen läßt.“ | Da kamen Frau Wang, Schatzjade und Schatzspange herein, um der Herzoginmutter eine gute Nacht zu wünschen. Als sie die Herzoginmutter so in Trauer sahen, brachen auch sie drei in lautes Weinen aus. |
| Bau-tschais untröstliches Weinen traf ihn so sehr, daß er selber laut hoffnungslos zu weinen begann, was wiederum Yüan-yang, Tsai-yün, Ying-örl und Hsi-jën traurig stimmte, und bald weinte jeder von ihnen bitterlich aus eigenen Beweggründen. Zuletzt ging die Welle dieses hinderlichen Kummers bis zu den anderen Mägden über, und es war niemand mehr übrig, der selber hätte trösten können. Ein Chor des Jammers erfüllte den Raum und erreichte die Ohren der Dienstmädchen in der Nachtschicht, welche dies umgehend Djia Dschëng berichteten. | Schatzspange trug noch eine weitere Last der Trauer: Ihr Bruder saß draußen im Gefängnis und stand vor der Hinrichtung, und ob sein Urteil gemildert werden konnte, war ungewiss. Die Schwiegereltern waren zwar nicht in Gefahr, doch der Niedergang der Familie war offensichtlich. Schatzjade war immer noch halb verrückt und ohne jeden Ehrgeiz. Wenn sie an ihr weiteres Leben dachte, weinte sie noch bitterer als die Herzoginmutter und Frau Wang. |
| Djia Dschëng grübelte immer noch in seinem Arbeitszimmer, was inzwischen zur Gewohnheit geworden war, als die Neuigkeiten ihn erreichten. Er sprang alarmiert auf und eilte zu den Gemächern der Herzoginmutter. Auf seinem Weg hörte er den Klang weinender Stimmen in der Ferne und fürchtete das Schlimmste für die alte Dame. Als er eilig die Gemächer betrat, war er tödlich besorgt. Er fand sie zu seiner großen Erleichterung schluchzend, aber lebendig. | Auch Schatzjade hatte, als er Schatzspange so sah, seinen eigenen Kummer. Er dachte: "Die Herzoginmutter ist alt und findet keine Ruhe. Vater und Mutter sind bei diesem Anblick untröstlich. Die Schwestern sind wie Wolken zerstreut, von Tag zu Tag werden es weniger. Wenn ich an die fröhlichen Tage im Garten denke, als wir Gedichte schrieben und Dichterversammlungen abhielten — was für ein fröhliches Treiben war das! Seit Schwester Dai-yü gestorben ist, bin ich in tiefer Schwermut versunken. Nun habe ich zwar Schwester Schatzspange an meiner Seite, und so kann ich nicht ständig weinen. Zudem sorgt sie sich selbst um ihren Bruder und ihre Mutter und zeigt nur selten ein Lächeln. Und heute, da ich sie so untröstlich sehe, bricht mir das Herz noch mehr." Und er begann laut zu schluchzen. |
| Er wandte sich an die versammelte Familie und hielt ihnen vor: „Die Herzoginmutter ist traurig. In einem solchen Moment solltet ihr die gnädige Frau Djia besser trösten und mit eurem kollektiven Gejammer nicht alles noch schlimmer machen.“ | Mandarinenente, Caiyun, Yinger, Dufthauch schauten zu, und jede hatte ihre eigenen traurigen Gedanken; auch sie begannen schluchzend zu weinen. Die übrigen Mägde wurden von dem Anblick ergriffen und weinten ebenfalls. Niemand tröstete mehr, und aus dem ganzen Raum drang Wehklagen zum Himmel empor. Die Nachtwächterinnen draußen erschraken und meldeten es eilig Aufrecht Kaufmann. |
| Als alle die Stimme von Djia Dschëng hörten, herrschte plötzlich Stille, alle starrten sich verblüfft an. Djia Dschëng sagte der Herzoginmutter ein paar Worte, dann sprach er zu den anderen. ‚Wir kamen her, um die gnädige Frau aufzuheitern,‘ dachten sie bei sich, ‚wir wollten sie trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und damit alles nur noch schlimmer machen?‘ |
Aufrecht Kaufmann grübelte gerade in seinem Arbeitszimmer, als die Nachricht von den Leuten der Herzoginmutter kam. Voller Sorge sprang er auf und eilte in die inneren Gemächer. Schon von Weitem hörte er viele weinende Stimmen und fürchtete, der Herzoginmutter sei etwas Schlimmes zugestoßen. Halb von Sinnen vor Angst stürzte er hinein, doch als er sah, dass sie aufrecht saß und nur weinte, fiel ihm ein Stein vom Herzen. |
| Sie waren immer noch in einem Zustand der Verwirrung, als eine altes Dienstmädchen mit zwei Frauen aus dem Schï-Haushalt eintraf. Nachdem sie vor der Herzoginmutter geknickst und alle Anwesenden gegrüßt hatten, überbrachten sie ihre Nachricht: „Unser hochedler Herr, die hochedle Herrin, die kaiserliche Konkubine, und Fräulein Schï haben uns mit einer Nachricht geschickt: Sie haben von Euren Neuigkeiten gehört und möchten Euch versichern, daß dies keine schlimme Sache sei. Sie befürchteten, daß Herr Dschëng und die Herzoginmutter sich grundlos Sorgen machten und baten uns, nachdrücklich zu sagen, daß Herr Dschëng sich beruhigen solle. Er selbst sei nicht in Gefahr. Fräulein Schï wäre selbst gekommen, doch wird sie in einigen Tagen heiraten.“ | Er sagte: "Wenn die Herzoginmutter traurig ist, solltet ihr sie trösten! Wie könnt ihr alle zusammen losweinen?" Daraufhin hörten alle hastig auf und starrten sich gegenseitig verdutzt an. Aufrecht Kaufmann trat vor, um die alte Dame zu beruhigen, und sagte auch den anderen ein paar Worte. Alle dachten bei sich: "Wir wollten doch die Herzoginmutter aufmuntern und trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und das Weinen noch schlimmer machen?" |
| Die Herzoginmutter fühlte sich etwas unbeholfen, den Dienstmädchen ihre Dankbarkeit auszudrücken. „Wenn ihr zurückkehrt“, sagte sie, „überbringt Eurem Herrn und Eurer Herrin meine Hochachtung. Was unserer Familie widerfuhr, war vom Schicksal so bestimmt. An einem anderen Tag werde ich den Hochedlen persönlich für ihre Anteilnahme danken. Und für Hsiang-yüns Hochzeit bin ich sicher, daß sie sich einen guten jungen Ehemann gewählt hat. Ich wäre sehr froh, etwas von seiner Familie zu hören.“ – „Seine Familie ist nicht besonders wohlhabend“, antworteten die Frauen. „Doch er ist ein angenehmer, junger Mann und hat eine freundliche Natur. Wir haben ihn einige Male gesehen, und er ähnelt äußerlich sehr eurem Herrn Bau-yü. Er hat auch ein besonderes literarisches Talent.“ | Während sie noch ganz durcheinander waren, führte eine alte Dienerin zwei Frauen aus dem Haushalt der Familie Shi herein. Nachdem sie der Herzoginmutter ihren Respekt erwiesen und alle Anwesenden begrüßt hatten, sagten sie: "Unser Herr, unsere Herrin und unser Fräulein haben uns geschickt, um zu sagen: Sie haben von den Ereignissen in Ihrem Hause gehört — es ist wirklich keine große Sache, nur ein vorübergehender Schreck. Sie fürchten, die Herzoginmutter, der Herr und die gnädige Frau könnten sich Sorgen machen, und lassen ausrichten, dass der Herr Aufrecht außer Gefahr ist. Unser Fräulein wollte selbst kommen, aber da ihre Hochzeit in wenigen Tagen bevorsteht, kann sie leider nicht." |
| Der Herzoginmutter gefiel diese Beschreibung sehr, und sie sagte erfreut. „Wir sind ja alle aus dem Süden. Auch wenn wir hier lange leben, haben ihre und unsere Familie stets die alten südlichen Heiratssitten aufrecht erhalten, und deswegen haben wir den Bräutigam bis zum heutigen Tage nicht zu Gesicht bekommen. Gerade eben dachte ich noch an meine eigene Familie, besonders an. Sie war mir immer die Liebste. Als kleines Mädchen hatte sie immer mehr als zweihundert Tage im Jahr bei mir verbracht. Ich hatte mir vorgenommen, ihr selbst einen angenehmen Ehemann zu suchen, wenn sie erwachsen würde, doch da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich kaum die Initiative ergreifen. Nun, da das Glück sie begünstigt und sie eine gute Partie gefunden hat, bin ich ja beruhigt. Ich weiß, daß sie noch in diesem Monat heiraten wird, und ich hätte an dem Empfang so gern ein Glas Wein mitgetrunken. Leider hat es bei uns Verwicklungen gegeben und mein Herz ist wie ein kochender Topf, wie könnte ich in diesem Zustand zur Hochzeit gehen? Bitte überbringt ihnen bei Eurer Rückkehr meine Hochachtung und sagt, daß wir alle ihnen das Beste wünschen. Und sagt Fräulein Schï, sie soll sich meinetwegen nicht sorgen. Ich bin jetzt über achtzig und wenn ich sterbe, habe ich keinen Grund, mich zu beklagen. Ich konnte meinen Segen genug auskosten. Mein einziges Gebet ist, daß sie und ihr Mann glücklich miteinander leben und ein hohes Alter erreichen. Dann kann ich zufrieden sterben.“ | Die Herzoginmutter fand es etwas unbeholfen, sich bei Dienerinnen zu bedanken, und sagte: "Richtet meinen Gruß aus, wenn ihr zurückkehrt. Es ist das Schicksal unserer Familie, dass es so kommen musste. Wir sind ihrem Herrn und ihrer Herrin für die Anteilnahme sehr dankbar. An einem anderen Tag werde ich persönlich meinen Dank aussprechen. Euer Fräulein heiratet — der Bräutigam braucht sicher nicht extra vorgestellt zu werden. Wie steht es um seine familiären Verhältnisse?" |
| Während sie sprach, kamen der Herzoginmutter wieder die Tränen. Eines der Dienstmädchen der Familie Schï sagte: „Bitte macht euch nicht selbst unglücklich, gnädige Frau Djia. Wenn Fräulein Schï erst verheiratet ist und ihren Neunten Tag gefeiert hat, bin ich sicher, werden sie und ihr Mann herkommen, um bei Euch vorbeizuschauen. So können Sie ihn selbst kennenlernen, und das wird Euch erfreuen.“ | Die beiden Frauen antworteten: "Die Familie ist nicht besonders wohlhabend, aber der junge Herr ist sehr gut aussehend und von freundlichem Wesen. Wir haben ihn mehrmals gesehen, und er ähnelt fast eurem Herrn Schatzjade. Man hört auch, dass sein literarisches Talent vortrefflich sei." |
| Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen. Bau-yü schien die einzige Person zu sein, die von den Neuigkeiten über Hsiang-yüns bevorstehende Hochzeit betroffen war. Er schaute etwas verwirrt und dachte bei sich: „Warum müssen die Mädchen nur unmittelbar, sobald sie erwachsen sind, verheiratet werden? Einmal verheiratet, haben sie kaum Freiheiten mehr. Sogar die liebe Hsiang-yün muß dem Willen ihres Onkels gehorchen. Wenn wir sie bald wieder treffen, wird es wieder das Gleiche sein. Sie wird einfach nur distanziert zu mir sein. Wozu soll ich denn noch leben, wenn ich für immer so gemieden werde?“ | Die Herzoginmutter hörte das mit Freude und sagte: "Wenn es so ist, dann ist das wunderbar, das ist das Glück eurer Fräulein. Nur halten wir in unserer Familie noch an den Sitten des Südens fest, deshalb haben wir den Bräutigam noch nicht gesehen. Neulich musste ich an meine eigene Familie denken. Ich habe die junge Xiangyun immer am meisten geliebt. Von den dreihundertsechzig Tagen im Jahr hat sie früher mehr als zweihundert bei mir verbracht. So ist sie bei mir aufgewachsen, und ich wollte ihr eigentlich selbst einen guten Ehemann suchen. Aber da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich die Sache nicht in die Hand nehmen. Nun, da das Glück ihr einen guten Bräutigam beschert hat, bin ich beruhigt. Sie heiratet noch in diesem Monat, und ich hatte vorgehabt, dabei ein Glas Hochzeitswein zu trinken. Doch nun, mit all dem Ärger bei uns, ist mein Herz wie ein kochender Kessel — wie könnte ich da zu einer Hochzeit gehen? Richtet bei eurer Rückkehr meine besten Grüße aus und sagt: Alle bei uns lassen grüßen. Und richtet eurem Fräulein aus, sie solle sich meinetwegen keine Sorgen machen. Ich bin über achtzig — selbst wenn ich sterbe, kann man nicht sagen, ich hätte kein gesegnetes Leben gehabt. Ich wünsche mir nur, dass sie nach der Hochzeit mit ihrem Mann in Eintracht und Frieden hundert Jahre alt werden. Dann kann ich beruhigt sterben." |
| Er hätte beinahe wieder geweint. Doch seiner Großmutter zuliebe bemühte er sich, nicht zu weinen, und stattdessen brütete er im Stillen. | Bei diesen Worten kamen ihr unwillkürlich die Tränen. |
| Djia Dschëng war immer noch besorgt um die Gesundheit der Herzoginmutter und kam gerade vorbei, um zu sehen, wie es ihr ging. Er stellte eine leichte Verbesserung fest und ging wieder hinaus. Er bestellte den Verwalter Lai Da zu sich, trug diesem auf, die vollständigen Haushaltsbücher mit allen Hausangestellten in verantwortlichen Stellungen zu bringen. Er ging das Register Eintrag für Eintrag durch. Abgesehen von Djia Schës Dienern, die verhaftet worden waren, waren dort mehr als dreißig Familien in dem Register mit insgesamt zweihundertzwöf männlichen und weiblichen Angestellten aufgeführt. Djia Dschëng schickte nach einundzwanzig männlichen Dienern, die zur Zeit im Haus angestellt waren und ging mit ihnen sämtliche Einnahmen und Ausgaben der letzten Jahre in verschiedenen Bereichen durch. Der Hauptverwalter zeigte das Kontenbuch zur näheren Betrachtung, und Djia Dschëng konnte auf einen Blick sehen, daß nichts im Gleichgewicht war. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um einiges und zusätzliche Ausgaben fielen über mehrere Jahre in Zusammenhang mit der kaiserlichen Nebenfrau an. Weiterhin wurden Einträge über unregelmäßige Anleihen außerhalb gefunden. Als er die Renten des Familienvermögens in den östlichen Provinzen betrachtete, konnte er sehen, daß das Einkommen in den letzten Jahren auf weniger als die Hälfte als noch zu Großvaters Zeiten gesunken war, während die Familienausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Diese offensichtliche Mißwirtschaft war ein großer Schock für ihn und er stampfte verärgert mit dem Fuß: „Das ist ungeheuerlich! Ich dachte, Liän sei in der Lage, mit so etwas zurecht zu kommen. Und jetzt sehe ich, daß wir uns in den Ruin gewirtschaftet haben, nur um eine leere Fassade aufrecht zu erhalten. Wir haben weit über unsere Verhältnisse gelebt. Diese Sorglosigkeit mußte ins Verderben führen. Und jetzt ist es zu spät, um mit dem Sparen anzufangen.“ | Die Frau sagte: "Die gnädige Herrin möge sich nicht grämen. Wenn das Fräulein verheiratet ist und nach dem Neunten Tag zurückkehrt, wird sie gewiss mit ihrem Gemahl kommen, um der Herzoginmutter ihren Respekt zu erweisen. Dann wird sich die gnädige Herrin freuen!" |
| Er ging mit den Händen hinter dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg aus diesem tiefen Familienelend. Seine Diener wußten, daß ihr Herr nicht der Mann für Haushaltsbücher war und jedes Bemühen seinerseits nichts bringen würde. | Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen. |
| „Es bringt nichts, sich unnötig zu sorgen, Herr“, rieten sie ihm, „es ist mit jedem Haushalt das Gleiche, sogar bei den Prinzen aus dem Reich! Wenn Sie ihre Konten sehen könnten, würden Sie sehen, daß jene ebenso wenig mit ihrem Vermögen haushalten können. Sie bewahren nur den Anschein und wursteln den ganzen Tag herum so gut, wie sie können. Bedenkt nur, daß ihr Euch glücklich schätzen solltet. Der Kaiser war so freundlich und gestattete Ihnen, Euer Familieneigentum zu bewahren. Doch selbst wenn alles konfisziert worden wäre, so würdet Ihr doch immer noch auf die eine oder andere Art zurechtkommen!“ | Während die anderen nicht weiter darauf achteten, hatte allein Schatzjade zugehört und war in Gedanken versunken. Er dachte bei sich: "Warum müssen Mädchen, wenn sie erwachsen werden, unbedingt verheiratet werden? Kaum sind sie verheiratet, werden sie zu einem ganz anderen Menschen. Schwester Xiangyun, so ein Mensch, und ihr Onkel hat sie einfach in eine Ehe gedrängt. Wenn sie mich in Zukunft sieht, wird sie sich bestimmt nicht mehr um mich kümmern. Wenn man so weit ist, dass sich niemand mehr um einen kümmert, wozu dann noch leben?" |
| „Was redet ihr für einen Unsinn“, rief Djia Dschëng wütend, „ihr Diener seid wertlose Räuber, selbst der letzte von euch! Als es eurem Herrn gut ging, habt ihr alles wie verrückt ausgegeben. Und wenn nichts mehr übrig ist, flieht wer fliehen kann. Was bedeutet es euch, ob wir leben oder sterben? Ihr sagt, wir können glücklich sein, daß nicht alles konfisziert wurde, doch was wißt ihr eigentlich davon? Erkennt ihr nicht, daß so, wie es mit unserem Ruf aussieht, es schwierig sein wird, dem Konkurs zu entgehen? Und wenn ihr euch so benehmt, als wäret ihr reich, so redet, als wäret ihr wichtig, aber Leute von vorne bis hinten anschwindelt, dann haben wir keine Chance. Wenn Unheil kommt, seid ihr froh, daß wir die Folgen auf uns nehmen. Ich bin darüber informiert, daß einer von euch, ein Diener mit dem Namen Bau Örl, die Gerüchte verbreitet hat, die meinen Bruder und Herrn Dschën beschuldigt haben. Warum ist sein Name nicht in dem Register aufgeführt?“ – | Bei diesem Gedanken überkam ihn erneut der Kummer. Da die Herzoginmutter sich gerade erst beruhigt hatte, wagte er nicht zu weinen und saß nur stumm und bedrückt da. |
| „Er steht nicht offiziell in unseren Büchern, Herr“, lautete die Antwort, „er gehörte eigentlich zum Ning-guo Register. Dann fiel sein Blick auf Herrn Liän als eine vertrauenswürdige Person, und er und seine Frau wurden von Herrn Liän aufgenommen. Seine Frau starb, und danach ging er in das Ning-guo-Anwesen zurück. Einmal, als Sie in der Behörde so beschäftigt waren, Herr, waren die Herzoginmutter, die anderen Damen und die anderen jungen Herren zum Trauern im Mausoleum, da kam Herr Dschën herüber, um auf dieser Seite alles zu untersuchen und nahm Bau Örl mit sich. Bau Örl ging danach mit ihm wieder zurück ins Ning-guo-Anwesen. Es ist viele Jahre her, daß Sie sich mit solchen Angelegenheiten beschäftigt haben, Herr, und es überrascht kaum, daß Sie von diesen Dingen nichts wissen. Wahrscheinlich denken Sie, sein Name sei der Einzige, der nicht im Register steht. Tatsächlich hat jeder Mann seine verschiedenen Angehörigen – sogar Diener haben ihre eigenen Diener!“ – „Unerhört!“ protestierte Djia Dschëng. | Nach einer Weile kam Aufrecht Kaufmann noch einmal herein, um nach der Herzoginmutter zu sehen. Es ging ihr etwas besser, und er ging wieder hinaus. Er ließ den Verwalter Lai Da rufen und trug ihm auf, das vollständige Personalregister aller verantwortlichen Familiendiener zu bringen. Er ging alles durch. Abgesehen von den unter Begnadigung Kaufmann eingezogenen Personen waren noch über dreißig Familien aufgeführt, zusammen zweihundertzwölf Personen beiderlei Geschlechts. Aufrecht Kaufmann ließ die einundvierzig männlichen Diener, die derzeit im Dienst standen, vortreten und befragte sie zu den jährlichen Ein- und Ausgaben des Haushalts. Der Hauptverwalter legte die Kontobücher der letzten Zeit vor. Als Aufrecht Kaufmann hineinschaute, sah er, dass die Ausgaben die Einnahmen bei weitem überstiegen. Zudem kamen über Jahre hinweg Kosten für den kaiserlichen Palast hinzu, und in den Büchern fanden sich zahlreiche von außen aufgenommene Schulden. Dann prüfte er die Pachteinnahmen aus den Ländereien in der östlichen Provinz: In den letzten Jahren betrugen sie nicht einmal die Hälfte von dem, was zu Großvaters Zeiten hereinkam, während die Ausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Aufrecht Kaufmann war entsetzt und stampfte wütend mit dem Fuß auf: "Das ist ja ungeheuerlich! Ich dachte, Kette führe den Haushalt und habe alles im Griff. Nun erfahre ich, dass wir schon seit Jahren weit über unsere Verhältnisse leben und nur den schönen Schein wahren. Die erblichen Titel und Besoldungen hat man für nebensächlich gehalten — wie hätte das nicht zum Ruin führen sollen? Wenn ich jetzt anfange zu sparen, ist es längst zu spät." Damit ging er mit den Händen auf dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg. |
| Djia Dschëng verstand, daß er sowieso nicht in kurzer Zeit alles herausfinden könnte, und er entließ seine Diener. Er hatte sich fest vorgenommen, erst abzuwarten, was bei der Untersuchung von Djia Schë und Vetter Dschën herauskam, und dann erst zu entscheiden, was zu tun war. | Die Diener wussten, dass Aufrecht Kaufmann nichts von der Haushaltsführung verstand und sich vergeblich sorgte. Sie sagten: "Der Herr braucht sich nicht so aufzuregen. Allen Familien geht es so. Wenn man alles zusammenrechnet, haben selbst die Fürstenhäuser nicht genug. Man wahrt eben den Anschein und wurstelt sich durch. Immerhin hat der Herr durch die kaiserliche Gnade wenigstens dieses bisschen Familienvermögen behalten dürfen. Wenn alles eingezogen worden wäre, würde der Herr doch trotzdem weiterleben!" |
| Einen Tag später saß er in seinem Studierzimmer und rechnete im Haushaltsbuch, als ein Diener herbeieilte, um ihn zu informieren, daß seine Präsenz am Hof verlangt würde. Djia Dschëng brach auf der Stelle voller Unruhe auf. | Aufrecht Kaufmann fuhr sie zornig an: "Redet keinen Unsinn! Ihr Knechte seid die gewissenlosesten Kreaturen: Wenn es eurem Herrn gut ging, habt ihr nach Belieben herumgewirtschaftet. Wenn alles aufgebraucht ist, lauft ihr einer nach dem anderen davon. Kümmert ihr euch, ob euer Herr lebt oder stirbt? Ihr sagt, es sei nicht alles beschlagnahmt worden — aber wisst ihr denn: Draußen steht unser Ruf so schlecht, dass wir nicht einmal das Grundkapital retten können. Und ihr prahlt noch draußen herum, gebt an und betrügt die Leute? Wenn dann Ärger kommt, schiebt ihr alles auf den Herrn. Was die Sache des älteren Herrn Begnadigung und des Herrn Juwel betrifft — es heißt, ein Familiendiener namens Bao Er hat den Lärm gemacht. Ich sehe aber in diesem Register keinen Bao Er. Wie ist das zu erklären?" |
| Um herauszufinden, ob das Urteil für ihn günstig oder eher schlecht war, muß man das nächste Kapitel lesen. | Die Diener antworteten: "Dieser Bao Er steht nicht in unserer Personalliste. Früher war er im Register des Ningguo-Anwesens geführt. Weil der Zweite Herr ihn für verlässlich hielt, hat er ihn mitsamt seiner Frau herübergeholt. Nachdem seine Frau gestorben war, ging er zurück ins Ningguo-Anwesen. Als der Herr damals mit seinen Amtsgeschäften beschäftigt war und die Herzoginmutter, die gnädigen Frauen und die jungen Herren zum Mausoleum gereist waren, übernahm der Herr Juwel die Haushaltsaufsicht und holte Bao Er mit herüber. Danach ging der auch wieder. Der Herr hat sich seit Jahren nicht um solche Angelegenheiten gekümmert und kann davon natürlich nichts wissen. Der Herr denkt vielleicht, dass nur die Personen im Register existieren. In Wirklichkeit hat aber jeder seine eigenen Verwandten — sogar Diener haben wieder Diener." |
| Aufrecht Kaufmann rief: "Unerhört!" Er sah ein, dass sich das alles nicht auf die Schnelle klären ließ, und schickte die Diener fort. Er hatte sich bereits fest vorgenommen, zunächst den Ausgang der Verfahren gegen Begnadigung Kaufmann und die anderen abzuwarten und dann zu entscheiden. | |
| Eines Tages saß er in seinem Arbeitszimmer und rechnete, als ein Bote hereingestürzt kam und rief: "Der Herr wird gebeten, sofort zum Inneren Hof zu kommen, man wünscht ihn zu befragen!" Aufrecht Kaufmann erschrak zutiefst und machte sich auf den Weg. | |
| Ob Glück oder Unglück, wird im nächsten Kapitel erzählt. | |
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| Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026. | |