Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 111

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Kapitel 111: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)

DE3 (Schwarz) DE4 (Woesler, 2026)
111.Eine ergebene Magd erbringt ihre letzte Pflicht und begleitet ihre Herrin in himmlische GefildeEin schurkischer Diener nimmt Rache und liefert seine Herren Räubern aus. Kapitel 111
Ping-örl eilte hervor und hob mit der Hilfe eines anderen Mädchens Hsi-fëng vom Boden auf. Sie begleiteten sie sanft in ihr Zimmer. Dort legten sie sie vorsichtig auf das Ofenbett, und Ping-örl bat Hsiau-hung sogleich um einen Becher heißes Wasser und diese hielt ihn an ihre Lippen. Hsi-fëng trank einen Schluck und sank dann in einen tiefen Schlaf der Bewußtlosigkeit. Tjiu-tung kam kurz in das Zimmer und sah, wie sie dort lag und ging wieder hinaus. Ping-örl sprach sie auch nicht an, sondern wendete sich stattdessen an Fëng-örl, die an ihrer Seite stand und sagte: „Geh und sag’ es sofort den Damen!“ Mandarinenente folgt ihrer Herrin in den Tod und steigt zum Reich der Großen Leere auf
Fëng-örl informierte die Damen Hsing und Wang, daß die zweite Herrin Blut erbrochen hatte und nicht fähig war, ihre Pflichten weiterhin zu erfüllen. Die Dame Hsing verdächtigte Hsi-fëng der Simulation, aber unterließ es, ihre Verdächtigungen vor ihren weiblichen Verwandten auszusprechen. Ein Sklave, schlimmer als Hund und Schwein, missachtet den Himmel und heuert Diebesbanden an
„Sag’ ihr, sie solle sich dann hinlegen“, sagte sie.

Niemand machte einen weiteren Kommentar. An diesem Abend kam ein endloser Strom von Verwandten und Freunden, um ihr Beileid zu bekunden, und nur dank der Hilfe von wenigen engen Verwandten konnte der Anschein von Normalität erweckt werden. Hsi-fëngs Abwesenheit war ein Stichwort für viele des Personals, die Arbeit ganz aufzugeben, und wenig stand nun zwischen dem Jung-guo-Anwesen und dem totalem Chaos.
Es wird erzählt, daß Phönixglanz [凤姐], als sie die Worte der kleinen Magd vernahm, zugleich zornig, bestürzt und traurig wurde. Unwillkürlich spuckte sie einen Schwall Blut und sank ohnmächtig zu Boden. Friedchen [平儿][1] eilte herbei, stützte sie und rief sogleich Leute, die ihr aufhelfen sollten. Langsam brachten sie Phönixglanz in ihr eigenes Zimmer und betteten sie behutsam auf den Kang. Sogleich ließ sie Kleine Rote [小红] eine Tasse heißes Wasser einschenken und führte sie an Phönixglanz’ Lippen. Phönixglanz nahm einen Schluck, dämmerte aber weiter in ihrer Ohnmacht. Herbstzither [秋桐][2] kam herüber, warf einen flüchtigen Blick auf sie und ging wieder fort. Friedchen rief sie auch nicht zurück. Nur Fenger [丰儿] stand daneben, und Friedchen sagte zu ihr: „Geh schnell und melde es den beiden gnädigen Frauen.“ Also berichtete Fenger den Damen Xing [邢夫人][3] und Wang [王夫人][4], daß Phönixglanz Blut gespuckt habe und sich um nichts mehr kümmern könne. Dame Xing vermutete, daß Phönixglanz nur Krankheit vorschütze, um sich zu drücken. Da zu dieser Stunde die weiblichen Verwandten alle drinnen waren, konnte sie auch nichts Weiteres sagen, glaubte der Sache aber nicht ganz und meinte nur: „Laßt sie sich ausruhen.“ Die übrigen sagten ebenfalls nichts.
Um zehn Uhr abends, als die Gäste, die einen weiten Weg vor sich hatten, gegangen waren, begann sich die Familie, für die Totenwache vorzubereiten, und ein Chor der Klagen erhob sich von den Frauen, die sich innerhalb der Abschirmung für die Beerdigung befanden. Yüan-yang weinte sich selbst in eine Ohnmacht, mußte gestützt werden und wurde energisch geschlagen. Als sie wieder zu sich kam, war alles, was sie sagen konnte: „Die gnädige Frau war immer so gut zu mir! Ich will mit ihr gehen!“ Natürlich kamen und gingen an diesem Abend die Gäste und Verwandten ununterbrochen. Zum Glück kümmerten sich einige nahestehende Angehörige um alles. Die Dienstleute im Hause bemerkten, daß Phönixglanz nicht da war, und so ließen manche es sich leicht sein und drückten sich, es wurde laut durcheinandergelärmt, und alles geriet in ein heilloses Durcheinander — es war kein geordneter Zustand mehr.
Ihre Worte wurden nicht ernst genommen, und eher als natürlicher, wenn nicht sogar übertriebener Ausdruck ihrer Trauer verstanden. Später, als die Zeit für die richtige Trauerwache kam, und über hundert Familienmitglieder und Diener für das Ritual zusammenkamen, wurde Yüan-yang nirgendwo gesehen, und in der allgemeinen Aufregung kümmerte sich niemand darum, nach ihr zu suchen. Nun waren Hu-po und die anderen Mägde [der Herzoginmutter] an der Reihe, zu klagen und ihr Opfer zu bringen, und sie suchten nach Yüan-yang, damit sie sich zu ihnen geselle. Aber sie dachten, sie sei von all dem Weinen zu erschöpft gewesen und gegangen, um sich auszuruhen, also entschieden sie, sie nicht mehr weiter zu suchen.

Als das Ritual vorüber war, bat Djia Dschëng Djia Liän sicherzugehen, daß alles für den Leichenzug vorbereitet war, und besprach mit ihm, wer auf das Haus aufpassen sollte, während die Familie abwesend war.

„Ich habe Yün-örl befohlen, zu Hause zu bleiben, und die Verantwortung zu übernehmen“, sagte Djia Liän. „Und Lin Dschï-hsiau und seine Familie werden ebenfalls zurückbleiben und die Abnahme des Trauertuchs überwachen. Ich weiß noch nicht, wer von den Damen auf die inneren Gemächer aufpassen soll.“ –
Gegen die zweite Nachtwache [5], nachdem die entfernt wohnenden Gäste gegangen waren, machte man sich an die Abschiedszeremonie vor dem Totenschrein. Die Frauen hinter dem Trauervorhang weinten alle eine Weile. Dabei sah man, daß Mandarinenente [鸳鸯][6] sich ganz bewußtlos geweint hatte. Man stützte sie, klopfte und rieb sie, bis sie schließlich wieder zu sich kam und Worte sprach wie: „Die Herzoginmutter hat mich ein Leben lang geliebt, ich will ihr folgen.“ Die Leute dachten, daß jeder in der Trauer solche Dinge sage, und schenkten dem keine weitere Beachtung. Als es dann zur Abschiedszeremonie kam, waren oben und unten wohl über hundert Personen versammelt, nur Mandarinenente war nirgends zu sehen. Alle waren mit dem geschäftigen Treiben beschäftigt, und so hatte niemand nachgezählt. Als Bernstein [琥珀] und die anderen Mägde an der Reihe waren, ihre Traueropfer weinend darzubringen, wollte man Mandarinenente holen, vermutete aber, sie habe sich vom Weinen erschöpft und ruhe sich irgendwo aus, und sagte nichts weiter.
„Ich hörte deine Mutter sagen, deine Frau [Hsi-fëng] sei krank und würde nicht gehen“, antwortete Djia Dschëng. „Also wird sie sowieso zu Hause bleiben. Und deine Schwägerin, die Frau von Bruder Dschën, schlug vor, daß, da sie so krank sei, deine Frau [Hsi-fëng] mit dem vierten Fräulein [Hsi-tschun] und ein paar Mägden und Dienerinnen dablieben, um ihr Gesellschaft zu leisten. Zusammen können sie ein Auge auf die Gemächer der Großmutter werfen.“

Djia Liän hatte seine Einwände gegen diesen Vorschlag. ‚Schwägerin Dschën kommt mit dem vierten Fräulein [Hsi-tschun] nicht aus‘, dachte er bei sich, ‚und hält sie absichtlich von der Prozession ab. Aber sie [Hsi-tschun] kann nicht alleine die Verantwortung übernehmen. Und jene [Hsi-fëng] ist zu krank, um helfen zu können.‘

Er überlegte eine Weile und sagte dann zu Djia Dschëng: „Der gnädige Herr sollte nun gehen und sich ausruhen. Warten wir, bis ich hineingegangen bin und die Sache ausgehandelt habe, dann melde ich mich wieder.“

Djia Dschëng nickte, und Djia Liän ging zu den Gemächern der Dame Hsing.

Früher an diesem Abend brütete Yüan-yang tränenerstickt für sich: ‚Mein ganzes Leben lang habe ich mit der gnädigen Frau verbracht, und nun, da sie tot ist, weiß ich nicht, wohin ich gehen soll. Der erste gnädige Herr ist nicht zu Hause, das ist etwas, wofür man dankbar sein sollte, aber ich mag die Art nicht, wie sich die erste Dame [Hsing] benimmt. Der gnädige Herr [Dschëng] wird sich nie für mich einsetzen, und auf die eine oder andere Weise sieht meine Zukunft sehr schwarz aus. Die jungen Herren werden versuchen, ihren Kopf durchzusetzen. Wir werden dann alle so behandelt, wie sie wollen, manche werden am Bett festgehalten, manche heiraten ihre Pagen... Nun, ich für meinen Teil will das nicht! Eher sterbe ich! Aber wie? Das ist die Frage.‘
Nach der Abschiedszeremonie rief Aufrecht Kaufmann [贾政][7] draußen Kette Kaufmann [贾琮] zu sich und erkundigte sich nach den Einzelheiten des Leichenzuges. Man besprach, wen man zur Bewachung des Hauses abstellen solle. Kette Kaufmann erwiderte: „Von den ranghöheren Leuten habe ich den jungen Yun [贾芸] abgestellt, damit er zu Hause nach dem Rechten sieht und nicht mit zum Begräbnis muß. Von den Dienern habe ich Lin Zhixiao [林之孝] und seine Familie damit betraut, den Abbau der Trauerzelte und ähnliches zu beaufsichtigen. Aber ich weiß nicht, wen man drinnen zur Hausbewachung bestimmen soll.“ Aufrecht Kaufmann sagte: „Ich habe gehört, deine Mutter hat gesagt, daß deine Frau krank sei und nicht mitkönne. Dann laß sie eben zu Hause bleiben. Deine Schwägerin, die Frau Juwel Kaufmanns [贾珍][8], hat noch gesagt, daß deine Frau schwer krank sei, und daß man Xichun [惜春][9], die Viertjüngste, bei ihr lassen solle, damit sie zusammen mit einigen Mägden und alten Dienerinnen die oberen Gemächer bewache.“ Kette Kaufmann hörte das und dachte bei sich: „Die Frau Juwel Kaufmanns und Xichun verstehen sich nicht, deshalb drängt sie darauf, daß Xichun nicht mitgehe. Wenn die Obhut nur ihr anvertraut wird, ist das auch nutzlos. Und unsere eigene ist krank und kann sich auch nicht richtig kümmern.“ Er überlegte eine Weile und antwortete Aufrecht Kaufmann: „Der gnädige Herr möge sich ein wenig ausruhen. Ich gehe hinein und bespreche alles, dann komme ich mit der Antwort.“ Aufrecht Kaufmann nickte, und Kette Kaufmann ging hinein.
Sie machte sich auf den Weg zum inneren Zimmer der alten Dame. Auf der Türschwelle entdeckte sie einen undeutlichen Umriss, im matten Licht, eine Frau mit einem Strick in der Hand, souverän, als wäre sie gerade dabei, sich am Balken zu erhängen. Yüan-yang war überhaupt nicht erschrocken.

‚Wer kann das sein?‘, fragte sie sich. ‚Jemand, der auf demselben Kurs ist wie ich, aber schon einen Schritt weiter ist.’

„Wer bist du?“, sagte sie laut. „Wir scheinen denselben Gedanken zu haben! Laß uns zusammen sterben!“
Doch wer hätte gedacht, daß Mandarinenente zu dieser Stunde, nachdem sie sich ausgeweint hatte, folgende Gedanken hegte: „Mein ganzes Leben habe ich der Herzoginmutter gedient, und für mich selbst habe ich keinen Platz gefunden. Jetzt ist der Erstgeborene Herr [贾赦][10] zwar nicht zu Hause, aber das Benehmen der Erstgeborenen Gnädigen Frau [邢夫人] — das kann ich nicht gutheissen. Der Herr [贾政] ist ein Mann, der sich um nichts kümmert. Wenn es künftig drunter und drüber geht, werden wir dann nicht den Launen jener ausgeliefert sein? Der eine steckt einen in sein Bett, der andere verheiratet einen mit einem Burschen — solche Qualen kann ich nicht ertragen. Da ist es besser, rein zu sterben. Doch wie soll ich es auf die Schnelle anstellen?“ Während sie so grübelte, ging sie in das Nebenzimmer der Herzoginmutter.
Es kam keine Antwort. Yüan-yang ging näher heran und konnte nun sehen, daß es keine der Mägde aus den Gemächern der Herzoginmutter war. Sie schaute genauer hin. Eine kühle Brise umwehte sie, und die Gestalt der Frau löste sich in Luft auf. Yüan-yang stand noch einen Moment länger benebelt dort, dann ging sie zurück in den äußeren Raum und setzte sich gedankenverloren auf die Ecke des Ofenbetts. Plötzlich rief sie: „Natürlich! Das war sie! Herr Jungs erste Frau, vom östlichen [Ning-guo-] Anwesen. Aber sie starb vor langer Zeit. Was hat sie hier gemacht? Ich glaube, sie kam, um mich zu holen. Aber warum mußte sie sich dafür erhängen?“

Nach weiteren Gedanken: „Das ist es! Sie zeigte mir wie!“
Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, da sah sie im trüben Lampenlicht undeutlich eine Frau, die ein Schweißtuch in der Hand hielt und sich offenbar erhängen wollte. Mandarinenente erschrak nicht, sondern dachte bei sich: „Wer ist das? Sie hat denselben Gedanken wie ich — nur ist sie mir schon einen Schritt voraus.“ Und fragte: „Wer bist du? Wir beiden haben dasselbe im Sinn — wenn wir sterben, dann gemeinsam.“ Jene Person antwortete nicht. Mandarinenente ging näher heran und sah, daß es keine Magd aus diesem Haus war. Sie schaute genauer hin und spürte, wie eine eisige Kälte von der Gestalt ausging — und im selben Augenblick war sie verschwunden.
Mit diesem Geistesblitz war ihr das Böse bis ins Mark gedrungen, und ihre Entscheidung war endlich getroffen. Sie erhob sich wie in Trance und ging in ihr Badezimmer. Aus ihrem Mitgift-Koffer nahm sie den Haarzopf heraus, den sie sich einmal abgeschnitten hatte, und steckte ihn in den Ausschnitt ihres Kleides. Sie entknotete das Band um ihre Hüfte und hängte ein Ende über den Balken, wo Tjin [Kë-tjing] gerade gestanden hatte. Dann ergriff sie ein letzter Heulkrampf. Sie hörte, wie sich die Gäste in der Ferne verabschiedeten, und fürchtete, daß jemand hereinkommen könnte und sie überraschte, bevor sie ihre Tat vollenden konnte. Sie zog die Tür zu und holte einen Schemel. Sie stand auf dem Schemel, knüpfte einen Knoten in ihr Band, legte ihren Kopf durch die Schlinge und stieß den Schemel mit dem Fuß fort. ,Endlich!‘ Der letzte Atem war bald aus ihrem Hals gewichen, und ihre sanfte Seele floh aus der sterblichen Hülle.

Die wandernde Seele war noch immer unsicher, wohin sie schwinden sollte, als sie noch einmal den matten Umriß von Tjin [Kë-tjing] vor sich stehen sah. „Erste Frau Jung!“, rief sie, indem sie sich der Erscheinung drängend näherte, „warten Sie auf mich!“

„Ich bin nicht erste Frau Jung,“ kam die Antwort, „ich bin die jüngere Schwester der Ernüchterung, Kë-tjing.“

„Aber Sie sind definitiv erste Frau Jung“, protestierte Yüan-yang. „Wie können Sie das verleugnen?“
Mandarinenente erstarrte für einen Moment, setzte sich dann auf die Kangkante und überlegte sorgfältig: „Ach ja! Das war die junge Frau Rong [秦可卿][11] aus dem Ostanwesen! Die ist doch längst gestorben — wie kommt sie hierher? Sie muß gekommen sein, um mich zu holen. Aber warum hat sie sich erhängt?“ Nach einer Weile sagte sie sich: „Natürlich! Sie wollte mir die Art des Sterbens zeigen.“ Sobald Mandarinenente das dachte, drang ein dunkler Wille in ihre Knochen. Sie stand auf, weinte, öffnete ihre Schmuckschatulle und nahm jene Haarsträhne heraus, die sie einst als Zeichen ihrer Treue abgeschnitten hatte, und steckte sie in ihren Busen. Dann löste sie ein Schweißtuch von ihrem Körper und band es an der Stelle fest, die Frau Qin ihr soeben gezeigt hatte. Sie weinte noch eine Weile, hörte draußen die Gäste aufbrechen und fürchtete, jemand könne hereinkommen. Eilig schloß sie die Zimmertür. Dann rückte sie einen Fußschemel herbei, stieg hinauf, schlang das Schweißtuch zu einer Schlinge und legte sie sich um die Kehle — und stieß den Fußschemel weg. Ach, die Kehle schnürte sich zu, der Atem stockte, und ihre duftende Seele entschwebte dem Körper.
Die andere antwortete: „Es gibt einen Grund dafür. Ich will dir die wahre Geschichte davon erzählen, und dann wirst du sicher verstehen. Ich habe einmal den höchsten Rang im Tribunal der Liebe und Ernüchterung innegehabt. Unter meiner Verantwortung stand die Vergeltung der Schulden der Leidenschaft. Ich ging hinunter in die menschliche Welt, wo ich natürlicherweise dazu bestimmt war, die führende Wohltäterin zu sein. Meine Mission war, die liebeskranken Jungen und die vor Liebeskummer vergehenden Mädchen sehr schnell zurück zum Tribunal zu bringen und für die Vergeltung ihrer Schulden durch meinen Tod mit einer Anhänger-Halskette zu sorgen. Teil dieser Mission war mein Karma, mich zu strafen. Ich habe nun die Täuschung der sterblichen Liebe durchschaut, erhob mich über das Meer der Leidenschaft, um zum Paradies der Liebe zurückzukehren. Dies hinterläßt eine freie Stelle im Land der Illusionen, im Bereich der zärtlichen Verliebtheit. Du wurdest von der Ernüchterung auserwählt, meinen Platz einzunehmen, und ich wurde geschickt, dich dorthin zu begleiten.“

„Aber ich bin eine leidenschaftslose Person!“ protestierte Yüan-yang. „Wie kann ich als Liebende verstanden werden?“
Gerade wußte die Seele nicht, wohin, da erblickte sie undeutlich Frau Qin vor sich. Mandarinenentes Geist eilte ihr hastig nach und rief: „Frau Rong, warte auf mich!“ Jene Person aber sprach: „Ich bin keineswegs die Frau Rong. Ich bin Keqing [可卿], die jüngere Schwester der Warngöttin [警幻][12].“ Mandarinenente sagte: „Du bist doch ganz offensichtlich die Frau Rong — wie kannst du sagen, du seist es nicht?“ Jene Person antwortete: „Das hat schon seine Bewandtnis. Laß mich es dir erklären, dann wirst du von selbst verstehen. Im Palast der Warngöttin war ich von jeher die Erste unter den Verliebten und zuständig für die Schulden der Liebe und des Mondes. Als ich in die irdische Welt hinabstieg, war es an mir, die Erste unter den Liebenden zu sein und all die verliebten und enttäuschten Mädchen frühzeitig ins Amt der Liebe zurückzuführen. Daher war es mein Schicksal, mich zu erhängen. Weil ich die irdischen Gefühle durchschaut habe, das Meer der Leidenschaft überquerte und in den Himmel der Empfindungen zurückkehrte, ist im Traumland der Großen Leere das Amt der ›Vergeblichen Leidenschaft‹ nun ohne Vorsteherin. Die Warngöttin hat nun dich berufen, es an meiner Stelle zu führen. Darum hat sie mich gesandt, dich dorthin zu geleiten.“
„Du verstehst nicht“, antwortete jene, „Erdenmenschen sehen Lust und Liebe als dasselbe an. Das heißt, daß sie alle Arten der Begehrlichkeit und Unsittlichkeit praktizieren, und es als ‚harmlose Romanze‘ abtun. Sie verstehen nicht die wahre Bedeutung des Wortes ‚Liebe‘. Bevor die Gefühle Behagen, Zorn, Trauer und Freude sich in der menschlichen Brust rühren, existiert der ‚natürliche Zustand‘ der Liebe. Das Rühren dieser Gefühle erzeugt Leidenschaft. Unsere Art der Liebe, deine und meine, ist der vorherige natürliche Zustand. Es ist wie eine Knospe, die auf das Öffnen wartet. Diese leidenschaftslose Liebe ist keine wahre Liebe.“

Yüan-yangs Seele signalisierte ihr Verständnis mit einem Nicken, und folgte Tjin Kë-tjing.
Mandarinenentes Geist sprach: „Ich bin doch die Gefühlloseste von allen — wie kann man mich zu einer Gefühlvollen rechnen?“ Jene Person antwortete: „Das weißt du noch nicht. Die Menschen in der Welt verwechseln alle die Wollust mit dem Wort ›Gefühl‹. Deshalb tun sie schamlose Dinge und rühmen sich noch ihrer Leidenschaft, als ob es nichts bedeute. Sie wissen nicht: Dieses eine Wort ›Gefühl‹ — wenn Freude, Zorn, Trauer und Glück noch nicht hervorgetreten sind, dann ist es die Natur; sind sie hervorgetreten, dann ist es das Gefühl. Was dich und mich betrifft, so ist unser Gefühl gerade jenes unausgesprochene — gleich einer Blütenknospe. Würde man es erst herauslassen, dann wäre das Gefühl kein wahres Gefühl mehr.“ Mandarinenentes Geist hörte das, nickte verständnisvoll und folgte Qin Keqing von dannen.
Jetzt defilierte Hu-po und hörte, wie die Damen Hsing und Wang begannen, Anweisungen an die Diener zu geben, die zurückblieben, um auf das Haus aufzupassen. Hu-po ging hinein, um Yüan-yang zu suchen und um sie über die Sänften zu befragen. Sie suchte erfolglos in den äußeren Räumen der Gemächer der Herzoginmutter, und dann bemerkte sie, daß die Tür zum inneren Zimmer angelehnt war, sie drückte ihre Augen an die Öffnung und lugte hindurch in das halberhellte Innere. Ein Aufflackern der Lampe füllte das Zimmer mit schauerlichen Schatten. Kein Geräusch war aus dem Inneren zu hören, sie kehrte zurück und sagte zu sich: „Wo kann das elende Mädchen hin verschwunden sein?“

Auf ihrem Weg nach draußen begegnete sie Dschën-dschu.

„Hast du Schwester Yüan-yang gesehen?“, fragte sie.

„Nein“, antwortete Dschën-dschu, „ich suche selbst nach ihr. Die Damen wollen mit ihr sprechen. Sehr wahrscheinlich ist sie im inneren Zimmer eingeschlafen.“ – „Ich habe gerade dort nachgesehen – sie schien nicht dort zu sein“, sagte Hu-po.

„Die Lampe muß abgedreht werden, und es ist sehr dunkel und unheimlich dort drinnen. Ich bin nicht wirklich hineingegangen. Sollen wir zusammen hineingehen und richtig nachsehen?“ Die zwei Mägde betraten den Raum. Zuerst drehten sie die Lampe ab. „Wer hat den Schemel hierher gestellt?“, rief Dschën-dschu. „Ich wäre fast darüber gestolpert.“

Als sie sprach, sah sie hoch, und ihr entfuhr ein entsetzlicher Schrei.

„Oh! Sie fiel zurück und traf Hu-po, die selbst hochschaute, schrie und wie angewurzelt stehenblieb. Ihre Schreie wurden bald gehört und andere Mägde kamen in das Zimmer gerannt. Es gab noch mehr Schreckensschreie, und man schickte sofort nach den Damen Hsing und Wang.

Als die Dame Wang und Bau-tschai die Neuigkeiten hörten, brachen sie beide in Tränen aus und machten sich auf den Weg zu den Gemächern der Herzoginmutter, um es selbst zu sehen.

„Ich hätte nie gedacht, daß Yüan-yang so etwas tun könnte!“, rief die Dame Hsing. „Schicke sofort jemanden, um den gnädigen Herrn [Dschëng] zu informieren!“
Hier nun hatte Bernstein nach der Abschiedszeremonie gehört, wie die beiden Damen Xing und Wang die Leute einteilten, die das Haus bewachen sollten. Sie wollte Mandarinenente fragen, wie man am nächsten Tag die Kutschen einteilen solle, und suchte sie in der Herzoginmutter Zimmer, fand sie aber nicht. Dann suchte sie im Nebenzimmer. Kaum an der Tür angekommen, sah sie, daß die Tür angelehnt war. Durch den Türspalt blickte sie hinein und sah im halbdunklen Lampenlicht nur Schatten und Umrisse. Sie bekam Angst. Da drinnen war es ganz still. Sie ging zurück und murmelte: „Wohin ist dieses Frauenzimmer denn gelaufen?“ Unvermittelt traf sie auf Perle [珍珠] und fragte: „Hast du Schwester Mandarinenente gesehen?“ Perle sagte: „Ich suche sie auch. Die gnädigen Frauen warten darauf, mit ihr zu sprechen. Sie schläft bestimmt im Nebenzimmer.“ Bernstein sagte: „Ich habe nachgesehen, sie ist nicht drin. Die Lampe ist nicht geputzt worden, es ist stockfinster und unheimlich. Ich habe mich nicht hineingetraut. Laß uns jetzt zusammen hineingehen und nachschauen.“ Bernstein und die anderen gingen hinein. Gerade wollte Bernstein den Lampendocht zurechtzupfen, da sagte Perle: „Wer hat denn den Fußschemel hierher gestellt? Beinahe wäre ich gestolpert.“ Bei diesen Worten schaute sie nach oben, stieß einen entsetzten Schrei aus — „Auweia!“ — , taumelte rückwärts und stürzte Bernstein in die Arme. Auch Bernstein sah es nun und schrie laut auf, doch ihre Beine wollten sich nicht von der Stelle rühren.
Bau-yü stand sprachlos, einen Ausdruck von erstarrtem Schrecken in den Augen. Hsi-jën und seine anderen Mägde trösteten ihn: „Weine, wenn du mußt, aber versteinere nicht so!“ Die Leute draußen hatten es gehört und rannten herein. Als sie es sahen, schrien alle durcheinander und meldeten es den Damen Xing und Wang. Dame Wang, Schatzspange [宝钗] und die übrigen hörten es, eilten alle weinend herbei. Dame Xing sagte: „Ich hätte nicht gedacht, daß Mandarinenente solche Entschlossenheit besitzt! Schickt schnell jemanden, um es dem Herrn zu melden.“
Endlich bekam er einen heftigen Heulanfall. ‚Welch ein besonderes Mädchen war Yüan-yang, so einen Tod zu suchen!‘, dachte er bei sich selbst. ‚In ihrem Geschlecht ist sicherlich die klarste Essenz konzentriert! Sie hat einen passenden und noblen Tod gefunden. Wir, Großmutters eigene Enkel, sind jämmerlich in diesem Vergleich. Wir haben uns selbst weniger ergeben gezeigt, als ihre Magd.’

Er fand etwas seltsam Tröstendes in diesem Gedanken, und als Bau-tschai zu ihm kam, um seine Tränen zu trocknen, lächelte er wieder.

„Oh Liebes!“, weinte Hsi-jën und die andere Magd, „Er wird wieder verrückt!“

„Es gibt keinen Grund sich zu sorgen“, versicherte Bau-tschai ihr. „Ohne Zweifel hat er seine Gründe!“

Bau-yü war erfreut, daß Bau-tschai dies sagte. ‚Vielleicht versteht sie mich wirklich‘, dachte er bei sich, ,wenn es so ist, ist sie die einzige.‘

Als Djia Dschëng ankam, war er noch in Phantasievorstellungen befangen.

„Yüan-yang ist ein gutes Kind!“, rief Djia Dschëng mit einem ernsten Seufzer der Bewunderung. „Die Liebe der der gnädigen Frau war nicht umsonst!“ Er wandte sich an Djia Liän: „Schicke jemanden, um für sie einen Sarg zu kaufen, und leg sie noch in dieser Nacht hinein! Morgen werden ihre Überreste zusammen mit denen von der gnädigen Frau [Mutter] versandt, und ihr Sarg kann hinter dem der gnädigen Frau aufgebahrt werden. Auf diese Art kann ihr nobler Akt ein angemessenes Ende finden.“
Nur Schatzjade [宝玉] war, als er die Nachricht vernahm, so erschrocken, daß seine Augen starr wurden. Dufthauch [袭人][13] und die anderen stützten ihn hastig und sagten: „Wenn du weinen willst, dann weine, aber halte den Atem nicht an!“ Schatzjade brachte es mit aller Kraft endlich fertig zu weinen. In Gedanken sagte er sich: „Ein Mensch wie Mandarinenente — und ausgerechnet eine solche Todesart!“ Dann dachte er weiter: „Wahrhaftig, der reine Geist zwischen Himmel und Erde wohnt einzig und allein in diesen Frauen. Sie hat den rechten Ort zum Sterben gefunden. Wir am Ende sind nur trübe Materie. Wir sind zwar die Enkel und Söhne der Herzoginmutter, aber wer von uns könnte sich mit ihr messen?“ Und schon wurde er wieder froh. Schatzspange hatte zunächst gehört, daß Schatzjade laut geweint hatte, doch als sie zu ihm kam, sah sie, daß er schon wieder lächelte. Dufthauch und die anderen sagten hastig: „Es ist nicht gut! Er wird wieder verrückt!“ Schatzspange aber sagte: „Es ist nichts. Er hat seine eigenen Gedanken dabei.“ Schatzjade hörte das und freute sich noch mehr über Schatzspanges Worte: „Sie versteht doch mein Herz — wer sonst könnte das?“
Djia Liän ging hinaus, um diese Anweisungen auszuführen, und gab Befehl, Yüan-yangs Körper herunterzuholen und im inneren Zimmer aufbahren zu lassen. Gerade war er in wirren Gedanken versunken, da kam Aufrecht Kaufmann herein und seufzte aufrichtig: „Das gute Kind! Die Herzoginmutter hat sie nicht umsonst ein Leben lang geliebt!“ Sogleich befahl er Kette Kaufmann: „Geh hinaus und laß noch in der Nacht einen Sarg kaufen und den Leichnam einkleiden. Morgen soll er gleich mit dem Trauerzug der Herzoginmutter hinausgetragen und hinter ihrem Sarg aufgebahrt werden, damit ihr Herzenswunsch erfüllt sei.“ Kette Kaufmann sagte ja und ging hinaus. Hier drinnen befahl man, Mandarinenente herabzunehmen und im Nebenzimmer aufzubahren.
Als Ping-örl die Neuigkeiten [von Yüan-yangs Freitod] hörte, kam sie mit Ying-örl und Hsi-jën sowie einigen anderen Mägden, und sie alle weinten bitterlich vor Yüan-yangs Leiche. Die Gelegenheit nahm Dsï-djüan zum Anlaß, an ihre eigene Zukunft und die Bedenklichkeit ihrer eigenen Situation zu denken, und sie bedauerte, daß sie nicht selbst den Weg Yüan-yangs genommen hatte, und Fräulein Lin [Dai-yü] nicht ins Grab gefolgt war. Wenn sie dies getan hätte, hätte sie wenigstens ihre Pflicht als Magd erfüllt und so einen ehrwürdigen Tod gehabt. In Bau-yüs Gemächern tat sie nichts mehr, als die ganze Zeit zu warten. Obwohl er ihr gegenüber sehr aufmerksam und liebevoll war, wußte sie, daß sie davon nichts hatte. All diese Gedanken fügten ihren Klagen eine persönliche Note hinzu.

Die Dame Wang schickte sofort nach Yüan-yangs Schwägerin. Sie sagte ihr, daß sie die Beerdigung beaufsichtigen solle, und sie gab, nachdem sie dies mit der Dame Hsing besprochen hatte, ihre Schwägerin eine Beihilfe von einhundert Tael vom Geld der gnädigen Frau. Sie versprach auch, alle privaten Sachen von Yüan-yang auszusondern und sie ihr zu geben, sobald sie Zeit hatbe. Ihre Schwägerin verneigte sich, und, nachdem sie ein paar Zeichen der Trauer gezeigt hatte, freute sich sehr.
Auch Friedchen erfuhr davon und kam herbei. Zusammen mit Dufthauch, Goldamsel [莺儿][14] und den übrigen Mägden weinten sie herzbrechend. Unter ihnen dachte auch Purpurkuckuck [紫鹃][15] daran, daß sie selbst im Leben keinen festen Platz habe. Am liebsten wäre sie dem Fräulein Lin [林黛玉][16] in den Tod gefolgt — das hätte die Treue zwischen Herrin und Dienerin vollendet und zugleich den rechten Ort zum Sterben bedeutet. Nun schwebte sie nur zwecklos in Schatzjades Gemächern, und obgleich Schatzjade sie weiterhin zärtlich und innig behandelte, so zählte das am Ende doch nicht. Daher weinte sie noch bitterlicher als die anderen.
„Welch wundervollen Mut unser Mädchen [Yüan-yang] zeigte!“, rief sie. „Und was für ein glückliches Mädchen sie ist, so einen Ruhm gewonnen zu haben, und so eine glänzende Beerdigung dafür zu erhalten!“

Eine der nahestehenden Dienerinnen tadelte sie: „Das ist genug von dir! Einhundert Taels sind ein armer Handel für ein lebendes Mädchen! Denke daran, wieviel mehr Profit du hättest machen können, wenn du sie dem ersten Herrn [Schë] nur schon früher gegeben hättest! Dann könntest du dich noch mehr freuen!“

Die Worte trafen sie sehr, und ihre [Yüan-yangs] Schwägerin ging mit rotem Kopf. Am inneren Tor traf sie Lin Dschï-hsiau mit einigen Männern, die den Sarg trugen und kehrte mit ihnen zurück; sie half ihnen, den Leichnam von Yüan-yang in den Sarg zu legen, und setzte selbst eine Trauermiene auf.

Djia Dschëng verehrte sie [Yüan-yang] als eine ‚aus Demut vor der Herzoginmutter‘ Gestorbene, schickte nach Räucherduft und erzündete selbst drei Räucherstäbchen vor ihrem Sarg.

„Für ihre Treue und ihre Hingabe“, sagte er, indem er eine ernste Verbeugung machte, „sie verdient es, über den Rang einer einfachen Magd erhoben zu werden. Die jüngere Generation muß ihr die Ehre erweisen.“
Dame Wang ließ sogleich Mandarinenentes Schwägerin hereinkommen und trug ihr auf, die Einkleidung der Toten zu beaufsichtigen. Gemeinsam mit Dame Xing wurde dann aus dem Nachlaß der Herzoginmutter eine Belohnung von hundert Silbertael an die Schwägerin angewiesen. Man versprach ihr ferner, daß ihr, sobald Ruhe eingekehrt sei, alle persönlichen Habseligkeiten Mandarinenentes überlassen werden sollten. Die Schwägerin kotaute und ging hinaus, und zu jedermanns Erstaunen freute sie sich und sagte: „Wahrhaftig, unsere junge Herrin hatte Charakter und Glück: Sie hat sich einen guten Ruf erworben und bekommt ein ehrenvolles Begräbnis.“ Eine alte Dienerin neben ihr bemerkte: „Genug davon, Schwägerin! Jetzt hast du eine lebendige junge Herrin für hundert Silbertael verkauft und freust dich so. Damals, als man sie dem Erstgeborenen Herrn geben wollte, hättest du erst recht nicht gewußt, wieviel Silber du bekommen hättest — da hättest du dich noch mehr freuen müssen.“ Diese Worte trafen die Schwägerin ins Herz, sie wurde rot im Gesicht und ging fort. Gerade am zweiten Tor angekommen, sah sie, wie Lin Zhixiao mit Trägern den Sarg hereinbrachte. So folgte sie ihnen, half bei der Einkleidung und heuchelte ein paar Trauerlaute.
Bau-yüs Freude kannte keine Grenzen. Er trat nach vorne, mit fast übertriebener Erfurcht verneigte er sich mehrfach mit der Stirn am Boden. Djia Liän erinnerte sich auch an ihre [Yüan-yangs] vergangene Freundlichkeit ihm gegenüber und wäre ihm sofort darin gefolgt, aber die Dame Hsing hielt ihn zurück: „Einer der Herren ist wirklich genug. Zuviel davon könnte ihre Chancen der Wiedergeburt ruinieren.“

Djia Liän unterließ es. Aber Bau-tschai fühlte sich unwohl bei den Worten der Dame Hsing. „Streng genommen, sollte ich mich nicht vor ihr verneigen“, sagte sie, „aber dies ist ein besonderer Fall. Wir sind alle zu gebunden an unser Einverständnis mit den Lebenden, um einer extremen Zurschaustellung der Trauer nachzugeben. Aber Yüan-yang hat für uns gehandelt. Sie hat den vollsten Ausdruck unserer Demut gezeigt, und nun sollten wir sie bitten, der Großmutter weiterhin in der nächsten Welt an unserer Statt zu dienen. Das wäre wenigstens ein kleines Zeichen unserer Liebe!“

Bau-tschai ging an Ying-örls Arm vor und schüttete ein Trankopfer von Wein vor den Sarg [von Yüan-yang], die Tränen strömten im Überfluß an ihren Wangen hinunter. Als das Trankopfer beendet war, verneigte sie sich mehrere Male und weinte heftig. Einige der Versammelten kommentierten ironisch, daß nun beide Bau-yü und seine Frau verblödet seien. Andere protestierten, daß ihr Benehmen doch ein gutes Herz bekunde. Manche beschränkten sich darauf, zu bemerken, daß sie wenigstens einen Sinn dafür hatten, was gut und richtig sei. Djia Dschëng war für seinen Teil zufrieden mit ihnen.

Er hatte nun die Hausaufsichts-Maßnahmen geregelt, und man stimmte darin überein, daß Hsi-fëng und Hsi-tschun zurückgelassen wurden, während alle anderen Damen an der Prozession teilnehmen würden. Niemand schlief viel in dieser Nacht.
Aufrecht Kaufmann, weil Mandarinenente für die Herzoginmutter gestorben war, ließ Räucherstäbchen bringen, entzündete drei davon, verneigte sich und sprach: „Sie ist eine Opfertote — man darf sie nicht als bloße Magd behandeln. Ihr Jüngeren alle solltet ihr die Ehre erweisen.“ Schatzjade hörte das und war überglücklich. Er trat vor und verrichtete ehrfürchtig mehrere Kowtaus. Kette Kaufmann gedachte der Güte, die Mandarinenente ihm einst erwiesen hatte, und wollte ebenfalls vortreten, um ihr seine Reverenz zu erweisen. Doch Dame Xing sagte: „Ein Herr genügt. Wenn ihr sie mit zu vielen Ehrbezeigungen überhäuft, kann sie nicht in Frieden davonziehen.“ So wagte Kette Kaufmann nicht mehr vorzutreten. Schatzspange war über diese Worte empört und sagte: „Eigentlich steht es mir nicht zu, ihr meine Reverenz zu erweisen. Aber da die Herzoginmutter dahingeschieden ist, haben wir alle noch unerledigte Pflichten und wagten keine Eigenmächtigkeit. Sie aber hat bereitwillig an unserer Statt die Kindespflicht erfüllt. Wir sollten sie bitten, die Herzoginmutter auf ihrem letzten Weg in den Westen gut zu begleiten — das wäre doch das Mindeste, was wir von Herzen tun können!“ Bei diesen Worten ließ sie sich von Pirol stützen, trat vor den Totenschrein, opferte Wein, und die Tränen rannen ihr bereits in Strömen übers Gesicht. Nach der Libation verbeugte sie sich mehrmals und weinte bitterlich um sie. Die Leute sagten teils, daß Schatzjade und seine Frau beide Narren seien, teils, daß die beiden guten Herzens seien, teils, daß sie die Etikette zu wahren wüßten. Aufrecht Kaufmann jedenfalls war sehr zufrieden.
Um vier Uhr am Morgen konnte man den Trauerzug draußen zusammenkommen hören, und um sieben Uhr waren alle bereit voranzuschreiten, Djia Dschëng vorweg, in voller Trauerkleidung und weinend, ganz wie es die Riten für den Sohn verlangten. Als der Trauerzug auf die Straße stieß, war diese mit Beerdigungsständen unzähliger Familien gesäumt, was hier nicht im einzelnen beschrieben werden muß. Zum Schluß erreichten sie das Kloster Eiserne Schwelle, und die Särge wurden ausgesetzt, während die trauernden Männer sich vorbereiteten, die Nacht im Tempel zu verbringen. Zugleich wurde beschlossen, daß Phönixglanz und Xichun weiterhin das Haus bewachen sollten, während alle übrigen den Trauerzug begleiteten. In jener Nacht wagte niemand, ruhig zu schlafen. Um die fünfte Nachtwache [17] hörte man draußen schon die Leute sich versammeln. Zur Stunde Chen [18] setzte sich der Trauerzug in Bewegung. Aufrecht Kaufmann als Ältester trug das grobe Hanfgewand, weinte und klagte und erfüllte in vollem Maße die Pflicht eines pietätvollen Sohnes. Als der Sarg das Tor passierte, wurden von den verschiedenen Familien Weiheopfer am Wegesrand dargebracht. Die Pracht entlang des Weges braucht nicht im Einzelnen beschrieben zu werden. Nach einem halben Tagesmarsch gelangte man zum Eisenschwellen-Tempel [铁槛寺], wo die Särge beigesetzt wurden. Alle Trauersöhne blieben selbstverständlich über Nacht im Tempel. Davon braucht nicht weiter berichtet zu werden.
Zu Hause beaufsichtigte Lin Dschï-hsiau die Abnahme des Beerdigungstuches, schraubte vorsichtig die Türen ab und stellte Klappen vor die Fenster, fegte den Hof und bestimmte die Wachen für die Nachtwache. Es war eine sehr gut etablierte Regel im Jung-guo-Anwesen, daß das innerste Tor um zehn Uhr geschlossen wurde, und nach dieser Stunde war der Besuch der inneren Gemächer für die Männer streng verboten. Weibliche Angestellte hielten drinnen Wache. Hsi-fëng hatte sich durch die Ruhe einer Nacht ein bißchen von ihrem Zusammenbruch erholt. Obwohl sie ein wenig gefaßter schien, war sie noch nicht fähig aufzustehen. Ping-örl und Hsi-tschun machten daher eine Besichtigungsrunde und gaben den Frauen der Nachtwache Anweisungen, bevor sie sich in ihre separaten Gemächern zurückzogen. Was nun das Haus betrifft: Lin Zhixiao leitete den Abbau der Trauerzelte, ließ Türen und Fenster wieder einsetzen, den Hof fegen und stellte Nachtwachen ab, die abends die Runde machten. Im Rongguo-Anwesen war es freilich Brauch, daß nach der zweiten Nachtwache das dritte Tor verschlossen wurde und kein Mann mehr hineingelassen wurde. Im Inneren oblag es allein den Frauen, die Nachtrunden zu gehen. Phönixglanz hatte zwar über Nacht allmählich wieder etwas zu Kräften gefunden, doch bewegen konnte sie sich nicht. Nur Friedchen ging zusammen mit Xichun einmal durch alle Räume, gab den Nachtwächterinnen ihre Anweisungen, und dann kehrten alle in ihre Gemächer zurück.
Unsere Erzählung wendet sich nun Dschou Juees Ziehsohn, Hë San, zu, – der, wie man sich vielleicht erinnert, im Vorjahr geschlagen und von Djia Dschën vertrieben wurde, weil er mit einem anderen Diener, Bau Örl, gekämpft hatte. Seitdem hatte er die meiste Zeit in Spielhäusern verbracht. Wegen des Todes der Herzoginmutter dachte er [Hë San], daß es da eine Möglichkeit der Wiedergutmachung oder wenigstens irgendeine Arbeit für ihn gebe, und er fragte am Jung-guo-Anwesen ein paar Tage hintereinander nach. Endlich wurde ihm klar, daß es aussichtslos war, und er kehrte seufzend zurück in eine der Spielhallen, in die er öfter ging, und ließ sich in einen Stuhl fallen. Seine Freunde bemerkten seinen niedergeschlagenen Zustand und fragten ihn: „Alter [Hë] San,, alter Freund, warum versuchst Du nicht einmal Dein Glück? Wer weiß, vielleicht wendet sich dein Glück.“

„Würde ich gerne!“, rief Hë San bitter. „Aber ich habe keine Münze zum Zahlen mehr.“

„Nach all der Zeit, die du bei deinem alten Ziehvater Dschou [Juee] verbracht hast? Wir wissen auch nicht, wieviel Geld du aus dem Djia-Haushalt genommen hast. Komm uns hier nicht wieder so, einen auf arm zu machen!“

„Das denkt ihr! Oh, sie haben genug – Millionen in der Tat, – aber sie behalten alles schön für sich. Sie wollen es nicht ausgeben. Sie hängen daran und am Ende muß es ein Feuer oder einen Dieb geben, damit sie davon ablassen!“

„Du kannst nicht von uns erwarten, daß wir glauben, daß sie so reich sind, nach dem, was man in der Durchsuchung beschlagnahmt hat?“

„Ihr versteht es nicht“, anwortete Hë San. „Es wurde nur das genommen, was sie nicht verstecken konnten. Die alte Dame hatte selbst noch eine Menge, als sie starb, und sie wollen keine Münze davon ausgeben. Es wurde alles in ihr Zimmer geräumt. Sie werden es nach der Beerdigung aufteilen.“
Nun ist von He San [何三] zu erzählen, dem Adoptivsohn von Zhou Rui [周瑞]. Im vergangenen Jahr, als Juwel Kaufmann [贾珍] die Geschäfte führte, hatte He San sich mit Bao Er [鲍二] geprügelt, wofür Juwel Kaufmann ihn verprügeln und hinauswerfen ließ. Seither verbrachte er seine Tage in Spielhöllen. Als er nun erfuhr, daß die Herzoginmutter gestorben war, rechnete er sich aus, daß es allerlei Aufgaben geben müsse, an denen sich verdienen ließe. Doch nachdem er einige Tage die Lage sondiert hatte, war keine Gelegenheit in Sicht. Seufzend kehrte er in die Spielhölle zurück und setzte sich verdrossen nieder. Die Spieler fragten: „Dritter, willst du nicht mitspielen und dein Geld zurückgewinnen?“ He San antwortete: „Zurückgewinnen möchte ich schon, nur habe ich kein Geld mehr!“ Die anderen sagten: „Du warst doch tagelang bei deinem großen Herrn Zhou — wer weiß, wieviel Geld du aus dem Anwesen mitgebracht hast. Und jetzt willst du vor uns den Armen spielen.“ He San sagte: „Ihr redet leicht. Die haben Gold und Silber, wer weiß wieviele Hunderttausend, verstecken es nur und geben es nicht aus. Eines Tages, wenn es nicht vom Feuer verbrannt wird, dann wird es von Dieben gestohlen — dann erst werden sie es bereuen!“ Die anderen sagten: „Lüg doch nicht, bei denen wurde das Haus durchsucht — wieviel Gold und Silber soll da noch übrig sein?“ He San sagte: „Das wißt ihr eben nicht. Was beschlagnahmt wurde, das konnte man nicht verbergen. Aber nach dem Tod der Herzoginmutter sind noch jede Menge Gold und Silber übrig. Keiner rührt es an, alles lagert in den Gemächern der Herzoginmutter. Man wartet, bis nach dem Begräbnis alles aufgeteilt wird.“
Diese Worte schienen auf ein Mitglied der Gesellschaft einen besonders starken Eindruck gemacht zu haben, denn dieser Mann rief nach einigen weiteren Würfelspielen aus: „Alles was ich tue, ist verlieren! Ich versuche nichts mehr. Ich gehe ins Bett.“

Als er hinausging, nahm er Hë San an die Seite und murmelte: „Auf ein Wort, alter San.“

Hë San folgte ihm hinaus.

„Ich kann nicht ertragen, daß ein gescheiter Junge arm ist, das ist doch ungerecht.“ –

„Das ist mein Schicksal“, murmelte Hë San, „was kann ich dafür?“ –

„Ich dachte nur, da du gesagt hast, daß das Jung-guo-Anwesen voller Geld sei, warum nimmst du nicht selbst etwas?“ –

„Mein Bruder“, erwiderte Hë San. „Es mag voller Geld sein, aber das heißt nicht, daß sie uns eine Münze davon abgeben!“

Der Mann lachte. „Nun, wenn sie es nicht weggeben wollen, warum behelfen wir uns dann nicht.“

Hë San begann zu verstehen, worauf er hinaus wollte.

„Und wie schlägst du vor, dies zu tun?“, fragte er.
Unter den Anwesenden hörte einer besonders aufmerksam zu. Er würfelte noch ein paarmal und sagte dann: „Ich habe ein paar Münzen verloren, aber ich will auch kein Glück mehr erzwingen. Ich gehe schlafen.“ Damit stand er auf und zog He San am Ärmel: „Dritter, ich muß dir etwas sagen.“ He San folgte ihm hinaus. Der Mann sagte: „Du bist ein gewitzter Kerl und trotzdem so arm — das finde ich ungerecht.“ He San sagte: „Das Schicksal will, daß ich arm bin — was soll ich da machen?“ Der Mann sagte: „Du hast doch gerade gesagt, im Rongguo-Anwesen liege so viel Silber herum — warum holst du dir nicht etwas davon?“ He San sagte: „Mein Bester, sie haben zwar viel Gold und Silber, aber wenn du und ich hingehen und höflich um ein, zwei Qian bitten — glaubst du, die geben uns etwas?“ Der Mann lachte: „Wenn sie es uns nicht geben, können wir es uns doch nehmen, oder?“
„Oh, zeig ein bißchen Mumm, Junge! Sei nicht so schwach!“ war die Antwort. „Ich hätte schon lange meine Finger danach ausgestreckt.“ –

„Welche Art ,Mumm‘ hast du da?“

Die Stimme des Mannes wurde zu einem Flüstern: „Wenn du viel Geld daraus machen willst, ist alles, was du tun mußt, mir den Weg hinein zu zeigen – ich habe ein paar Freunde in dieser Art Geschäft, erstklassige Arbeiter. Das sind die Richtigen für diese Arbeit. Und so sind sie [die Djias] alle unterwegs zu der Beerdigung, und es sind nur wenige Frauen zu Hause zurückgeblieben. Wohlgemerkt, könnte eine ganze Garnison von Männern nicht meine Freunde einschüchtern... Aber vielleicht hast du Angst?“

„Ich!“, warf Hë San erhitzt ein, „ich habe keine Angst! Glaubst du, ich habe Angst vor dem alten Ziehvater? Nun, er ist nur deshalb mein Ziehvater, weil meine Ziehmutter mich darum gebeten hat. Er ist ein Nichts. Aber das hört sich für mich alles etwas heikel an. Könnte uns viel Ärger bereiten. Sie [die Djias] haben Verbindungen zu jedem Amt. Angenommen wir schaffen es, das Zeug herauszuholen, wäre es schwer, es los zu werden.“

„Diesmal hast du Glück“, sagte der andere. „Einige meiner seefahrenden Freunde sind zufällig gerade in diesem Moment hier und warten nur auf einen Dienst wie diesen. Wenn wir nur erst einmal das Geld in unseren Händen haben, würden du und ich hier nur unsere Zeit vergeuden. Wir wären viel besser dran, wenn wir mit meinen Freunden zur See fahren und unser Geld dort ausgeben! Gute Idee, oder? Natürlich, wenn du den Gedanken nicht erträgst, dich von deiner alten Ziehmutter zu trennen, müssen wir sie auch mitnehmen. Laßt uns alle das Glück finden, einverstanden?“ –

„Alter, du bist wohl betrunken!“, rief Hë San, „du weißt nicht, wovon du redest. Die ganze Idee ist verrückt.“
He San verstand die Andeutung und fragte hastig: „Wie stellst du dir das vor?“ Der Mann sagte: „Ich sage ja, du hast keinen Mumm. Wäre ich es, hätte ich es längst geholt.“ He San fragte: „Was hast du denn für Fähigkeiten?“ Der Mann senkte die Stimme und sagte: „Wenn du reich werden willst, dann gib den Anstoß. Ich habe Freunde, die haben übernatürliche Fähigkeiten. Gar nicht zu reden davon, daß die alle zum Begräbnis fortgezogen sind und nur ein paar Frauen im Haus geblieben sind — selbst wenn noch so viele Männer da wären, hätten wir keine Angst. Ich fürchte nur, du hast nicht den Mut dazu.“ He San sagte: „Was soll ich denn nicht wagen! Glaubst du, ich habe Angst vor diesem Adoptivvater? Ich habe ihn nur meiner Adoptivmutter zuliebe als Vater anerkannt, er ist doch gar nichts Besonderes! Was du eben gesagt hast — ich fürchte nur, es klappt nicht, und stattdessen holen wir uns Ärger. Welches Amt kennen die nicht? Nicht nur, daß wir es vielleicht nicht stehlen können — selbst wenn wir es schaffen, wird es rauskommen.“ Der Mann sagte: „Dann ist dein Glücksstern aufgegangen! Meine Freunde — manche kommen sogar von der Küste. Zur Zeit sind sie alle hier in der Gegend. Sie warten auf eine günstige Gelegenheit und einen passenden Zugang. Wenn der Fang gelingt, nützt es dir und mir nichts, hier zu bleiben. Besser, wir hauen alle zusammen ab, gehen aufs Meer und lassen es uns gutgehen — wäre das nicht schön? Und wenn du dich von deiner Adoptivmutter nicht trennen kannst, nehmen wir sie einfach auch mit, und alle zusammen feiern — was sagst du?“ He San sagte: „Alter, bist du betrunken? Was ist das für wildes Gerede!“ Damit zog er den Mann an einen abgelegenen Ort, und die beiden berieten sich eine Weile. Dann trennten sie sich und gingen jeder seiner Wege. Davon sei zunächst nicht weiter berichtet.
Trotzdem nahm er den Mann in eine ruhige Seitenstraße, und die zwei redeten dort noch eine längere Weile, bevor sie getrennte Wege gingen. Unsere Geschichte muß sie für die übrige Zeit dort verlassen.

Wir müssen nun aber zu Bau Yung zurück, der, Gartenpfleger geworden war, nachdem er eine Rüge von Djia Dschëng erhalten hatte. Im allgemeinen Betrieb der Beerdigung der Herzoginmutter hatte niemand daran gedacht, ihm eine Aufgabe zu geben. Er war davon nicht betroffen und fuhr mit seinen eigenen Angelegenheiten fort, kochte für sich und führte ein mehr oder weniger sorgloses und unabhängiges Leben. Wenn er sich langweilte, schlief er, und wenn er wach war, übte er mit Säbel und Stock im Garten. Er war sehr wohl über die Prozession für die Herzoginmutter unterrichtet, hatte aber dort keine Aufgabe und machte an jenem Tag einen Spaziergang im Garten. Da sah er den Umriß einer Nonne, begleitet von einer dauistischen Oberin, auf dem Weg zum Seitentor. Sie klopften. Er ging hin: „Wohin gehen sie, Meisterin?“

Die Oberin antwortete: „Wir hörten, daß die Trauerwache der der gnädigen Frau vorüber ist, und da wir das vierte Fräulein [Hsi-tschun] nicht in der Prozession sehen konnten, dachten wir, sie sei zu Hause geblieben. Die Schwester dachte, sie möchte allein sein, und kam, um sie zu sehen.“ –

„Niemand aus der Familie ist zu Hause“, sagte Bau Yung. „Ich bin für den Garten verantwortlich, und ich muß sie bitten, zu ihren Gemächern zurückzukehren. Wenn Sie sie besuchen wollen, warten Sie bitte, bis die Herrschaften von der Prozession zurück sind.“ –

„Woher kommst denn du Grobian?“ protestierte die Oberin entrüstet. „Was geht es dich an, wohin wir gehen?“ –

„Ich mag Sie nicht,“ anwortete Bau Yung. „Ich habe sie nicht gerufen. Was können Sie da schon machen?“ –

„Nun, das ist richtige Meuterei!“, rief die Oberin ärgerlich. „Als die gnädige Frau noch lebte, hat man uns nie aufgehalten, wenn wir irgendwo-

hin gingen. Woher kommst denn du, Ganove, daß du anfängst, dich in so einer anmaßenden Art aufzuspielen? Es ist mir egal, wenn du sagst, ich werde hier hinausgehen!“
Es ist nun von Bao Yong [包勇][19] zu erzählen. Nachdem er von Aufrecht Kaufmann ausgescholten worden war, hatte man ihn zur Bewachung des Gartens abkommandiert. Als dann die Sache mit der Herzoginmutter eintrat, hatte man ihn darüber vergessen und ihm keine besondere Aufgabe zugewiesen. Er kümmerte sich auch nicht darum, kochte für sich selbst, schlief, wenn ihm langweilig war, und wenn er wach war, übte er im Garten mit Schwert und Stock — ganz frei und ungebunden. An jenem Tag, als der Trauerzug der Herzoginmutter frühmorgens aufbrach, wußte er zwar davon, da man ihm aber keine Aufgabe zugewiesen hatte, streifte er nach Belieben umher. Da sah er eine Nonne in Begleitung einer daoistischen Dienerin [道婆] zum Gartentor kommen und anklopfen. Bao Yong ging hin und fragte: „Ehrwürdige Schwestern, wohin des Weges?“ Die daoistische Dienerin antwortete: „Wir haben gehört, daß die Angelegenheiten der Herzoginmutter heute erledigt werden. Da das Viertfräulein nicht zum Begräbnis mitgegangen ist, muß es wohl zu Hause sein. Wir fürchten, daß es sich einsam fühlt, und unsere Meisterin möchte es besuchen.“ Bao Yong sagte: „Die Herrschaften sind alle nicht zu Hause. Das Gartentor bewache ich. Geht bitte zurück. Wenn ihr kommen wollt, dann wartet, bis die Herrschaften zurückgekehrt sind.“ Die Dienerin sagte: „Was bist du denn für ein schwarzer Kohlenkopf, daß du dich erdreistest, uns das Kommen und Gehen zu verbieten?“ Bao Yong sagte: „Ich mag euch Leute nicht, und wenn ich sage, ihr kommt nicht herein, dann könnt ihr nichts daran ändern.“ Die Dienerin wurde zornig und schrie: „Das ist ja die verkehrte Welt! Selbst als die Herzoginmutter noch lebte, konnte man uns nicht am Kommen und Gehen hindern. Was bist du für ein brutaler Räuber, so gesetzlos und rücksichtslos! Ich gehe gerade hier hindurch!“ Damit schlug sie mit der Hand heftig mehrmals auf den Türklopfer.
Sie packte den Türknauf und zog mehrere Male mit all ihrer Kraft daran.

Miau-yü war sprachlos vor Wut, als sie dieser Unterhaltung zuhörte. Sie wollte sich gerade schon wieder auf den Heimweg machen, als die alten Frauen auf der anderen Seite des Tores vom Streit hörten. Sie machten auf, um nachzuschauen. Sie folgerten, daß Miau-yü von Bau Yung belästigt worden sein müsse, und da sie wußten, daß sie die Damen des Hauses näher kannte, besonders das vierte Fräulein [Hsi-tschun], fürchteten die alten Frauen, daß sie [Miau-yü] später den Vorfall melden könne, weil sie sie nicht durchlassen wollten und dadurch in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnten. Sie eilten hinter ihr her: „Wir hatten keine Ahnung, daß die Meisterin hier ist, Oberin. Wir entschuldigen uns dafür, daß wir das Tor so langsam geöffnet haben. Unser vierte Fräulein [Hsi-tschun] ist zu Hause, und wäre erfreut, die Meisterin zu sehen. Bitte kommen Sie herein. Dieser dumme Hauswart ist neu hier. Er weiß gar nichts. Wir werden später den Damen von ihm berichten. Sie werden ihn schlagen lassen und ihm kündigen.“
Miaoyu [妙玉][20] war so erzürnt, daß sie kein Wort mehr sagte und sich sogleich umdrehen und gehen wollte. Doch da öffnete die alte Pförtnerin des zweiten Tors, die den Streit gehört hatte, eilig die Tür. Als sie sah, daß Miaoyu sich bereits zum Gehen gewandt hatte, wußte sie sogleich, daß Bao Yong sie beleidigt haben mußte. In letzter Zeit wußten alle Dienerinnen, daß die gnädigen Frauen und Xichun eine Vorliebe für sie hatten. Die Pförtnerin fürchtete, daß Miaoyu später erzählen könnte, man habe sie nicht hereingelassen — wie sollte sie das dann verantworten? Sie lief ihr eilig nach und sagte: „Wir wußten nicht, daß die ehrwürdige Meisterin kommt, darum haben wir zu spät geöffnet. Unser Viertfräulein ist daheim und hat gerade an die Meisterin gedacht. Bitte kehrt doch um! Der Gartenwächter ist ein Neuer, er kennt unsere Verhältnisse nicht. Wenn wir es der gnädigen Frau melden, bekommt er Prügel und wird hinausgeworfen, das ist alles.“ Obwohl Miaoyu das hörte, ignorierte sie es. Doch die Pförtnerin vom Seitentor holte sie ein und bat immer wieder, bis sie schließlich sagte, sie fürchte, selbst bestraft zu werden, und beinahe vor ihr niederkniete. Miaoyu konnte nicht anders und folgte schließlich der Dienerin hinein. Bao Yong sah das Ganze und konnte natürlich nicht weiter einschreiten. Er stieß ärgerlich die Luft aus, riß die Augen auf und kehrte seufzend um.
Zuerst weigerte sich Miau-yü, ihre Meinung zu ändern. Aber die alten Frauen bedrängten sie weiter und bettelten sie an, sie nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Sie waren schon dabei, auf ihre Knie zu fallen, bis sie am Ende keine andere Wahl hatte, als zurückzukehren und ihnen in das Anwesen zu folgen. Als Bau Yung sah, wie die Dinge standen, machte er verständlicherweise keine weiteren Einwände, sondern ging zurück in sein Zimmer, starrte vor sich hin und brütete in seinen Gedanken.

Miau-yü brachte die dauistische Oberin direkt zu Hsi-tschuns Gemächern. Sie schilderten die Aufregung von eben und redeten eine Weile.

„Derzeit gibt es keinen Mann in den inneren Gemächern. Ich habe immer noch ein paar Nächte, bevor die anderen nach Hause kommen“, sagte Hsi-tschun. „Die zweite Herrin [Hsi-fëng] ist krank, und ich bin ganz alleine. Es ist so langweilig und beängstigend! Wenn ich nur jemanden hätte, der mir Gesellschaft leisten würde! Nun, da Sie den ganzen Weg gekommen sind, wollen Sie nicht die Nacht bleiben? Bitte! Wir könnten Go zusammen spielen und reden.“
Hier nun brachte Miaoyu mit ihrer daoistischen Dienerin Xichun einen Höflichkeitsbesuch ab und plauderte ein wenig. Xichun sagte: „Ich muß zu Hause das Haus bewachen und ein paar Nächte durchhalten. Doch die Zweitherrin [Phönixglanz] ist krank, und ich bin allein, es ist mir langweilig und unheimlich. Wenn nur jemand bei mir wäre, dann wäre ich beruhigt. Hier drinnen ist kein einziger Mann. Da du heute so freundlich bist herzukommen — wenn du mir eine Nacht Gesellschaft leisten wolltest und wir Go spielen und plaudern könnten, ginge das?“ Miaoyu wollte eigentlich nicht, aber angesichts von Xichuns Hilflosigkeit — und als sie das Wort Go hörte — überkam sie eine frohe Laune, und sie sagte zu. Sie schickte die daoistische Dienerin zurück, um ihre Teeutensilien und Nachtgewand zu holen und von einer Novizin herbringen zu lassen. Alle saßen zusammen und plauderten die Nacht hindurch. Xichun war überglücklich und befahl Buntschirm [彩屏], das im Vorjahr gesammelte Regenwasser aufzusetzen und guten Tee zuzubereiten. Miaoyu aber hatte ihr eigenes Teegeschirr dabei.
Zunächst war Miau-yü abgeneigt. Aber sie hatte Mitleid mit Hsi-tschun, und dann erhellten sich ihre Augen bei der Erwähnung des Spiels Go, und sie war einverstanden zu bleiben. Sie bat die Oberin, zur Einsiedelei zurückzukehren und schickte nach einer der Novizinnen, ihre Teesachen, Kleidung und Bettsachen zu holen. Hsi-tschun war erfreut und wies Tsai-ping an, etwas vom Regenwasservorrat des Vorjahres zu holen, was gelagert und was beiseite gestellt worden war, um Tee zu machen. Miau-yü hatte ihr eigenes Teeservice. Die Novizin kam gerade mit Miau-yüs Dingen an, Hsi-tschun machte Tee, und die zwei ließen sich bald von einer geistigen Unterhaltung tragen, die bis acht Uhr am Abend ging, als Tsai-ping das Go-Brett auslegte und sie sich zum Spielen niedersetzten. Hsi-tschun verlor die ersten zwei Spiele, aber dann gab Miau-yü ihr eine Vorgabe von vier, und sie gewann das nächste Spiel mit einem halben Punkt.

Bevor sie sich versahen, war es bereits zwei Uhr in der Früh. Draußen war die Nacht atemlos still.

„Ich muß um vier Uhr meditieren“, sagte Miau-yü. „Geh nun, und ruhe! Meine eigene Magd kann auf mich aufpassen.“ Diese wollte noch nicht gehen, aber fügte sich, aus Respekt vor Miau-yüs religiösen Bräuchen. Sie war dabei, in ihr Schlafzimmer zu gehen, als sie plötzlich einen lauten Schrei von den Frauen der Wache für die östlichen Hauptgemächer hörte, was bald von Hsi-tschuns eigenen Dienerinnen aufgenommen wurde: „Hilfe! Hilfe! Jemand ist eingebrochen!“
Die daoistische Dienerin war noch nicht lange fort, da kam eine weitere Novizin und brachte Miaoyus tägliche Gebrauchsgegenstände. Xichun bereitete persönlich den Tee zu. Die beiden verstanden sich wunderbar und redeten einen halben Tag lang. Als es etwa die erste Nachtwache schlug [21], stellte Buntschirm das Go-Brett auf, und die beiden begannen zu spielen. Xichun verlor zwei Partien nacheinander. Miaoyu gab ihr dann eine Vorgabe von vier Steinen, und Xichun gewann um einen halben Stein. [22] Unversehens war es schon die vierte Nachtwache [23]. Der Himmel war weit, die Erde still, und zehntausend Geräusche waren verstummt. Miaoyu sagte: „Zur fünften Nachtwache muß ich meditieren. Meine eigene Magd wird mich bedienen. Geh und ruh dich aus.“ Xichun konnte sich kaum trennen, doch da Miaoyu sich sammeln wollte, wagte sie nicht, weiter zu drängen.
Hsi-tschun, Tsai-ping und die anderen Mägde hatten sich bis ins Mark erschrocken. Das nächste, was sie hörten, war das Schreien der Männer der Nachtwache in den äußeren Gemächern.

„Nein, oh nein!“, rief Miau-yü, „da müssen Diebe im Hause sein!“

Sie wagte nicht die Tür zu öffnen und verdunkelte ihre Lampe. Sie lugte durch ein Loch im Fenster und konnte mehrere Männer draußen im Hof stehen sehen. Erst war sie sprachlos vor Schreck, dann drehte sie sich um, kroch leise zurück, gestikulierte mit ihren Händen und sagte endlich zu den anderen: „Möge der Himmel uns schützen! Was für große, kräftige Männer da draußen sind!“

Als sie redete, gab es ein Klappern auf dem Dach über ihren Köpfen, und sie hörte die Nachtwachen in den Hof stürmen und rufen: „Haltet den Dieb!“ – Ein anderer sagte: „Die Gemächer der Herzoginmutter wurden vollständig ausgeraubt! Es war niemand zu sehen! Die anderen sind bereits zum Ostflügel gegangen. Wir durchsuchen den Westflügel.“

Als sie die vertrauten Stimmen hörte, rief eine von Hsi-tschuns Ammen aus dem äußeren Zimmer: „Einige von ihnen sind aufs Dach geklettert!“

„Seht!“, riefen die Nachtwachen, „da sind sie! Dort oben!“
Gerade wollte sie sich zur Ruhe begeben, da hörte sie plötzlich aus den östlichen oberen Gemächern die Nachtwächterinnen in ein lautes Geschrei ausbrechen. Die alten Dienerinnen bei Xichun stimmten sogleich ein: „Nicht gut! Da sind Leute eingedrungen!“ Xichun, Buntschirm und die anderen waren zu Tode erschrocken. Man hörte, wie draußen auch die männlichen Nachtwächter laut zu rufen begannen. Miaoyu sagte: „Das ist schlimm! Hier müssen Diebe eingebrochen sein!“ Hastig verriegelten sie die Zimmertür und löschten das Licht. Durch das Guckloch im Fenster spähte Miaoyu hinaus und sah mehrere Männer im Hof stehen. Vor Entsetzen wagte sie keinen Laut, drehte sich um, gestikulierte mit den Händen und kroch leise wieder herab. Sie flüsterte: „Nicht gut! Draußen stehen einige kräftige Kerle.“ Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, da hörte man auf dem Dach unaufhörlich Geräusche, und schon kamen von draußen Nachtwächter herein und riefen nach den Dieben. Einer sagte: „In den oberen Gemächern ist alles weg, aber kein Mensch zu sehen. Im Osten sind welche hingelaufen, kommt, wir gehen nach Westen!“ Eine von Xichuns alten Dienerinnen hörte, daß es eigene Leute waren, und rief aus dem Vorzimmer: „Hier sind welche aufs Dach geklettert!“ Die Nachtwächter sagten: „Seht ihr? Da sind sie!“ Alle schrien durcheinander. Vom Dach flogen Ziegelsteine herab, und niemand wagte sich nach vorn.
Es entstand ein Durcheinander, mehrere Ziegel flogen vom Dach herunter, und keine der Nachtwachen hatte den Mut, zur Verfolgung hinaufzuklettern. Sie standen alle hilflos da, als neuer Krach aus der Richtung des Seitentors zum Garten ausbrach. Hereinstürmte ein großer, massiger Mann, mit einem Holzstock in der Hand. Sie versuchten alle erfolglos, sich zu verstecken.

„Wir müssen sie alle stoppen, jeden von ihnen!“, brüllte der Neuankömmling. „Folgt mir!“

Sie standen alle paralysiert vor Angst da, während der stockschwingende Mann fortfuhr, eine Predigt zu halten. Einer der Scharfsinnigeren von ihnen erkannte ihn endlich als Bau Yung, und langsam gewannen die anderen ihre Nerven zurück und begannen zitternd zu berichten: „Einer der Diebe ist ganz entkommen! Aber ein paar sind noch auf dem Dach.“

Als Bau Yung das hörte, rannte er sofort auf das Dach und nahm die Verfolgung auf.
Gerade wußte man sich keinen Rat, da dröhnte vom Gartentor ein gewaltiger Schlag, die Tür brach auf, und herein stürmte ein großer, schlanker Mann mit einem Holzknüppel in der Hand. Alle erschraken und versuchten sich zu verstecken. Da hörte man den Mann brüllen: „Laßt keinen einzigen entwischen! Alle mir nach!“ Die Hausbediensteten erschraken davon nur noch mehr; weich in den Knien und ohne Kraft in den Beinen konnten sie nicht einmal mehr laufen. Nur jener Mann stand mitten auf dem Platz und brüllte ununterbrochen. Einer unter den Bediensteten, der schärfere Augen hatte, erkannte ihn schließlich. Wer war es? Kein anderer als Bao Yong, den die Familie Zhen [甄] empfohlen hatte. Da faßten die Leute allmählich wieder Mut und sagten zitternd: „Einer ist entkommen, die anderen sind noch auf dem Dach.“ Bao Yong duckte sich zu Boden, schwang sich auf das Dach und nahm die Verfolgung der Diebe auf.
Nachdem der Hauptteil ihrer Mission erfüllt war, waren die Diebe, die wußten, wie wenig das Djia-Anwesen bewacht war, zufällig um Hsi-tschuns Hof geschlichen, und hatten einen Blick auf eine attraktive junge Nonne geworfen, was alle möglichen bösartigen Gedanken in ihnen weckte. Sie wußten, daß die Gemächer sorglos von ein paar alten, verängstigten Frauen gesichert waren, und waren dabei, die Tür einzutreten, als sie jemanden draußen kommen hörten und auf das Dach entflohen. Sie sahen bald, daß sie ihren Verfolgern zahlenmäßig überlegen waren und entschlossen sich, alles auszukämpfen, als ein Mann auf das Dach kletterte und ihnen nachsetzte.

Er war alleine, und sie griffen ihn daher mit ihren Knüppeln an, doch nur um schnell geschlagen zu werden. Mit wenigen mächtigen und flinken Schlägen seines Stocks hatte Bau Yung bald einen vom Dach gestürzt, während der Rest über die Mauer in den Garten floh, wo andere von ihnen warteten, um das Diebesgut entgegenzunehmen. Diese zogen nun ihre Schwerter zur Verteidigung der Zurückkehrenden. Als sie sahen, daß es nur einer war, umkreisten sie ihn.

„Ihr Räuber!“, brüllte Bau Yung, „traut sich einer, gegen mich zu kämpfen?“ –
Die Diebe wußten, daß im Hause Kaufmann kaum jemand war. Zunächst hatten sie im Hof umhergeschlichen und durch das Fenster in Xichuns Zimmer geblickt, wo sie eine bildschöne Nonne erblickten. Sogleich stiegen üble Gedanken in ihnen auf. Da sie wußten, daß in den oberen Gemächern nur Frauen waren, und da sie auch Angst hatten: Gerade wollten sie die Tür eintreten, da hörten sie draußen jemanden hereinkommen und sie verfolgen. Darum kletterten die Räuber aufs Dach. Sie sahen, daß es nicht viele Verfolger waren, und wollten noch Widerstand leisten. Da erblickten sie plötzlich einen Mann, der aufs Dach stieg und sie jagte. Die Diebe sahen, daß es nur einer war, und schenkten ihm keine Beachtung. Sie stellten sich ihm mit kurzen Waffen entgegen. Doch Bao Yong führte einen mächtigen Hieb mit seinem Knüppel, und einer der Diebe stürzte vom Dach. Die übrigen flohen halsüberkopf über die Gartenmauer. Bao Yong verfolgte sie auch über das Dach.
„Sie haben einen von uns umgehauen!“, rief einer aus der Bande. „Egal ob er noch lebt, wir versuchen besser, ihn hier rauszuschaffen!“ Doch im Garten hatten sich bereits einige Komplizen versteckt, die das Diebesgut entgegennahmen und schon vieles hinausgeschafft hatten. Als die fliehenden Kameraden zurückkamen, hoben alle ihre Waffen zum Schutz. Da der Verfolger nur ein einzelner Mann war, hielten sie ihn für unterlegen und wandten sich ihm sogar entgegen. Bao Yong sah das und wurde wütend: „Diese Galgenvögel wagen es, sich mit mir zu messen!“ Die Räuber sagten: „Einer unserer Kameraden wurde von denen niedergeschlagen, wir wissen nicht, ob er lebt oder tot ist. Kommt, wir holen ihn raus!“ Bao Yong hörte die Stimmen und schlug sogleich zu. Die Räuber schwangen ihre Waffen, vier oder fünf umzingelten Bao Yong und hieben wild auf ihn ein. Die Nachtwächter draußen faßten ebenfalls Mut und drängten nach. Die Räuber sahen, daß sie ihn nicht bezwingen konnten, und ergriffen die Flucht.
Als Bau Yung die Stimme hörte, griff er an, aber vier oder fünf der Diebe kreisten ihn ein und schwenkten ihre Waffen. Das Gewühl hörte erst auf, als einige der Nachtwachen genug Mut aufbrachten, um Bau Yung zu Hilfe zu eilen. Die unterzähligen Diebe flüchteten. Bau Yung, noch in der Verfolgung, stolperte über ein Objekt, welches auf dem Boden lag, und als er wieder auf die Füße kam, sah er, daß es eine Truhe war, und er folgerte, daß die Diebe ihre Beute nicht mitnehmen konnten, und gab daher seine Verfolgung auf. Sie müßten jetzt sowieso weit weg und unerreichbar sein, dachte er. Er sagte den Dienern, sie sollten Licht holen. Bei genauerer Betrachtung entdeckte er, daß da einige Truhen waren und daß sie alle leer waren. Er gab den Befehl, daß sie weggebracht würden und rannte zurück in das Hauptgebäude. Seine fehlende Vertrautheit mit der Lage der Zimmer im Herrenhaus brachte ihn zu Hsi-fëngs Gemächern, wo alle Lichter brannten.

„Waren die Diebe hier?“, fragte er.

„Wir haben die Türen nicht aufgemacht“, kam Ping-örls zitternde Stimme von innen. Aber wir hörten Geschrei von den Hauptgemächern, geh besser dorthin!“

Bau Yung wußte nicht, wo das war, aber er sah die anderen Wachmänner in der Ferne und folgte ihnen zu den Hauptgemächern, wo er die Türen aufstieß, und die Frauen der Nachtwache schluchzend vorfand.

In diesem Moment kamen Djia Yün und Lin Dschï-hsiau an, entsetzt von der Nachricht über den Einbruch. Sie fanden die Tür der gnädigen Frau weit offen vor und konnten im Lampenlicht sehen, daß das Schloß und die Truhen und Regale drinnen alle aufgebrochen waren. Es gab Flüche von den Frauen des Nachtdienstes: „Seid ihr halb tot? Wußtet ihr nicht einmal, daß da Diebe im Haus waren?“
Bao Yong wollte ihnen noch nachjagen, da stolperte er über eine Truhe. Er blieb stehen und überlegte: „Die Sachen sind noch nicht alle fort, die Diebe sind geflohen.“ Er verfolgte sie nicht weiter, sondern rief den Leuten zu, Lampen zu bringen. Auf dem Boden lagen nur ein paar leere Truhen. Er ließ sie beiseite schaffen und wollte dann zu den oberen Gemächern laufen. Da er aber die Wege nicht kannte, gelangte er zu Phönixglanz’ Gemächern, wo die Lichter hell brannten. Er fragte: „Waren hier Diebe?“ Friedchen antwortete von drinnen mit zitternder Stimme: „Hier ist die Tür gar nicht aufgemacht worden. Wir hörten nur, daß drüben bei den oberen Gemächern nach Dieben gerufen wurde — geh lieber dorthin.“ Bao Yong fand den Weg nicht und sah dann in der Ferne die Nachtwächter vorbeikommen. Er schloß sich ihnen an und gelangte so zu den oberen Gemächern. Die Türen standen offen, und die Nachtwächterinnen saßen dort und weinten.
„Es gibt eine Liste für den Nachtdienst“, kam die tränenerstickte Antwort, „und wir sind die Wache von zehn bis zwölf Uhr. Wir haben nie eine Runde ausgelassen, wir haben vorne und hinten alles überprüft. Die Diebe kamen in der Folgeschicht zwischen zwölf und vier Uhr, genau, nachdem wir unsere Pflicht erfüllt hatten. Wir hörten Geschrei, aber wir konnten niemanden sehen, und als wir nachschauten, waren die Dinge bereits weg. Bitte, Herren, befragen Sie die Wache nach uns, nicht uns!“ –

„Ihr solltet sterben, elender Haufen!“, sagte Lin Dschï-hsiau. „Ich rede später mit euch. Erst muß ich den Rest des Hauses untersuchen.“

Die Nachtwachen führten ihn zu Frau Yous Gemächern, welche sicher geschlossen waren. Sie hörten die Stimmen von drinnen weinen: „Wir wären vor Angst fast gestorben.“

„Hat jemand etwas von hier gestohlen?“, fragte Lin. Die Frauen öffneten endlich die Tür. „Uns wurde nichts gestohlen.“
Bald darauf kamen Jia Yun und Lin Zhixiao ebenfalls herein. Als sie den Einbruch sahen, gerieten alle in Aufregung. Man ging hinein und prüfte: Die Tür zu den Gemächern der Herzoginmutter stand weit offen. Im Lampenlicht sah man, daß das Schloß aufgebrochen war. Drinnen waren Truhen und Schränke bereits geöffnet. Man schimpfte die Nachtwächterinnen: „Seid ihr alle tot? Die Diebe kommen herein, und ihr merkt nichts?“ Die Nachtwächterinnen sagten unter Tränen: „Wir waren die Schicht für die zweite und dritte Nachtwache. Wir haben keine Pause gemacht und sind vorn und hinten patrouilliert. Die andere Schicht hatte die vierte und fünfte Wache. Kaum waren wir abgelöst, hörten wir sie schreien, aber keine einzige Person war zu sehen. Als wir nachsahen, war alles schon weg. Bitte, die Herren mögen die Schicht der vierten und fünften Wache befragen.“ Lin Zhixiao sagte: „Ihr verdient alle den Tod! Darüber reden wir später. Zuerst gehen wir überall nachsehen.“
Als nächstes führte Lin Dschï-hsiau seine Männer zu Hsi-tschun, wo sie wieder Stimmen von drinnen hörten: „Herr, rette uns! Fräulein [Hsi-tschun] ist vor Angst fast gestorben! Bitte, wachen sie auf, Fräulein!“

Lin befahl ihnen, die Tür zu öffnen, und fragte sie, was passiert sei. Eine Amme erschien in der Tür:
Die männlichen Nachtwächter führten sie zu Frau You [尤氏][24]. Deren Tür war fest verschlossen. Einige Stimmen von drinnen riefen: „Wir sind zu Tode erschrocken!“ Lin Zhixiao fragte: „Hier ist nichts gestohlen worden?“ Die Frauen drinnen öffneten erst dann die Tür und sagten: „Hier ist nichts weggekommen.“
„Die Diebe kämpften in unserem Hof, und Fräulein [Hsi-tschun] ist vor Schreck in Ohnmacht gefallen. Glücklicherweise haben Meisterin Miau und Tsai-ping sie wieder zu Bewußtsein gebracht. Hier wurde nichts gestohlen.“ – „Was meinst du mit kämpfen?“, fragte Lin Dschï-hsiau.

Einer der Wachmänner antwortete: „Es war Onkel Bau [Yung], der den Tag rettete. Er kletterte auf das Dach und jagte sie davon. Und ich hörte, daß er einen von ihnen umgehauen hat.“

„Ja“, fügte Bau Yung ein, „der Körper liegt drüben am Gartentor.“
Lin Zhixiao führte seine Leute dann zu Xichuns Hof. Von drinnen hörte man rufen: „Es ist furchtbar! Das Fräulein ist vor Schreck ohnmächtig geworden. Wacht doch auf!“ Lin Zhixiao ließ die Tür öffnen und fragte, was geschehen sei. Die alte Dienerin öffnete und sagte: „Die Diebe haben hier im Hof gekämpft, und das Fräulein ist vor Angst zusammengebrochen. Zum Glück haben die ehrwürdige Meisterin Miao und Buntschirm sie wieder zu sich gebracht. Gestohlen wurde nichts.“ Lin Zhixiao fragte: „Wie kam es hier zum Kampf?“ Ein Nachtwächter sagte: „Zum Glück ist der Herr Bao aufs Dach gestiegen und hat die Diebe verjagt. Man hat gehört, daß er einen von ihnen niedergeschlagen hat.“ Bao Yong sagte: „Der liegt drüben am Gartentor. Geht schnell und schaut nach.“
Djia Yün und sein Gefolge gingen hinüber zum Gartentor, und tatsächlich lag dort der tote Körper eines Mannes auf dem Boden, welcher bei genauerer Untersuchung sehr dem Ziehsohn von Dschou Juee, Hë San, ähnelte. Sie waren alle sehr erschüttert von dieser Entdeckung. Ein Mann wurde zurückgelassen, um den Körper zu bewachen und zwei wurden zu den vorderen und letzten Gartentoren geschickt, um dort zu wachen, bei beiden wurden die Schlösser intakt vorgefunden. Lin gab nun den Befehl, das Haupttor zu öffnen und den Diebstahl der Polizei zu melden. Jia Yun und die anderen gingen dorthin und fanden tatsächlich einen Mann tot auf dem Boden liegen. Bei genauerem Hinsehen sah er aus wie He San, der Adoptivsohn Zhou Ruis. Alle waren bestürzt. Man stellte einen Mann zur Bewachung der Leiche ab und schickte zwei weitere, um Vorder- und Hintertor zu sichern. An den Toren fand man alle Schlösser noch intakt.
Die Polizei kam sofort und begann mit den Untersuchungen. Die Diebe, so folgerten sie, waren von einer Nebenstraße auf das Dach geklettert und hinüber zu den Gemächern im westlichen Hof gegangen. Dort fand man zerbrochene Ziegel und noch mehr Spuren, die genau bis zum Ende des Gartens führten.

„Sie waren keine Diebe, sondern bewaffnete Räuber!“, riefen die Nachtwachen. Der Polizist sagte: „Es scheint ein Diebstahl zu sein, es gibt keine Beweise für Fackeln oder irgendetwas anderes, das auf einen bewaffneten Raubüberfall schließen läßt. Welche Hinweise habt ihr für diese Anschuldigung?“

„Als wir sie gejagt haben, fingen sie an, Ziegel vom Dach zu werfen, sodaß wir uns ihnen nicht nähern konnten. Aber unser Mann mit Namen Bau [Yung] kletterte auf das Dach, lief ihnen nach und jagte sie bis zum Garten, wo noch viel mehr von ihnen warteten und kämpften. Aber als sie sahen, daß sie es nicht mit unserem Bau aufnehmen konnten, flohen sie!“ –

„Seht mal“, rief der Beamte, „wenn sie wirklich bewaffnete Diebe waren, wären sie sicher im Stande gewesen einen einzigen Gegner zu übermannen. Jedenfalls, genug davon: Findet heraus, was genau gestohlen wurde und überbringt uns eine Inventarliste. Dann können wir einen genauen Bericht über diese Sache machen.“
Lin Zhixiao ließ das Haupttor öffnen und erstattete der Garnison Meldung. Sogleich kam ein Beamter, um die Tatorte zu untersuchen. Man stellte fest, daß die Diebe durch eine hintere Seitengasse aufs Dach geklettert waren, dann über das Dach des Westhofs — dort waren die Ziegel zertrümmert — und weiter durch den hinteren Garten entkommen waren. Die Nachtwächter riefen alle: „Das waren keine gewöhnlichen Diebe, das waren Räuber!“ Der Beamte entgegnete gereizt: „Es gab weder Fackeln noch blanke Waffen — wie soll das ein Raubüberfall gewesen sein?“ Die Nachtwächter sagten: „Als wir die Diebe verfolgten, warfen sie Ziegel vom Dach, so daß wir uns nicht nähern konnten. Zum Glück kletterte unser Herr Bao aufs Dach und schlug sie in die Flucht. Im Garten waren noch mehr von ihnen, die regelrecht mit Herrn Bao kämpften. Erst als sie ihn nicht bezwingen konnten, flohen sie.“ Der Beamte sagte: „Na, hört mal! Wenn es wirklich Räuber wären, hätten sie doch einen einzelnen Mann überwältigen können, oder nicht? Schluß jetzt damit. Stellt fest, was gestohlen wurde, reicht eine Verlustliste ein, und wir erstatten Bericht.“
Djia Yün und die anderen Männer gingen nun zu den Hauptgemächern, wo sie Hsi-fëng vorfanden, die sich selbst trotz ihrer Krankheit dorthin geschleppt hatte. Und sie trafen Hsi-tschun an. Djia Yün fragte nach Hsi-fëngs Gesundheit und grüßte Hsi-tschun, und dann machten sie sich alle an die wenig beneidenswerte Aufgabe, zu bestimmen, was vermißt wurde. Da Yüan-yang tot war, und Hu-po und die anderen Mägde bei der Beerdigung waren, wußte keiner, wo man anfangen sollte. Die gestohlenen Sachen waren alles persönliche Dinge der gnädigen Frau und waren immer unter Verschluß gehalten worden. Sie waren noch nie gezählt worden.

„Die Truhen und Regale waren voll von so vielen verschiedenen Dingen“, sagten sie, „und nun sind sie alle leer. Die Diebe müssen genügend Zeit gehabt haben, um ihre Arbeit zu tun. Was haben die Frauen der Nachtwache um Himmels willen gemacht? Da der Tote Dieb Hë San ist, der Ziehsohn von Dschou Juee, waren sie wahrscheinlich alle gemeinsam beteiligt.“

Als Hsi-fëng das hörte, quollen ihr vor Wut die Augen aus dem Kopf.
Jia Yun und die anderen kehrten in die oberen Gemächer zurück. Dort hatte sich Phönixglanz schon trotz ihrer Krankheit hergeschleppt, und auch Xichun war da. Jia Yun erkundigte sich nach Phönixglanz’ Befinden und grüßte Xichun. Dann machte man sich daran, den Verlust zu ermitteln. Da Mandarinenente tot war und Bernstein und die anderen mit dem Trauerzug fort waren, hatte niemand die Dinge je gezählt — alles war unter Verschluß gewesen. Von wo aus hätte man eine Bestandsaufnahme beginnen sollen? Alle sagten: „In den Truhen und Schränken war so viel drin, und jetzt ist alles leer. Der Diebstahl muß erhebliche Zeit in Anspruch genommen haben. Was haben die Nachtwächterinnen nur getrieben? Außerdem ist der Erschlagene He San, Zhou Ruis Adoptivsohn — die steckten bestimmt alle unter einer Decke.“ Phönixglanz hörte das und war so zornig, daß ihre Augen starr hervorquollen. Sie befahl: „Fesselt alle Nachtwächterinnen und übergebt sie dem Garnisonsgericht zum Verhör!“ Die Frauen schrien Zeter und Mordio, fielen auf die Knie und flehten um Gnade.
„Fessle alle betroffenen Frauen“, befahl sie, „und übergib sie der Polizei zum Verhör.“

Es gab allgemeines Aufschreien, Bitten um Gnade, Frauen auf ihren Knien, die bettelten.
Wie sie bestraft wurden und ob die gestohlenen Güter je wiedergefunden werden — das wird im nächsten Kapitel erzählt.
Um zu erfahren, was mit ihnen gemacht wurde, und ob die gestohlenen Güter gefunden wurden oder nicht, lese man bitte das nächste Kapitel. ----
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.
  1. Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' erste Kammerzofe und Vertraute.
  2. Chin. 秋桐 Qiūtóng, wörtl. „Herbstzither". Nebenfrau von Kette Kaufmann.
  3. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén. Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.
  4. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén. Ehefrau von Aufrecht Kaufmann, Mutter von Schatzjade.
  5. ca. 21–23 Uhr
  6. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente". Kammerzofe der Herzoginmutter.
  7. Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann". Schatzjades Vater.
  8. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn. Oberhaupt des Ningguo-Zweigs der Kaufmann-Familie.
  9. Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrfrühling". Vierte und jüngste Tochter der Kaufmann-Familie.
  10. Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, wörtl. „Begnadigung Kaufmann". Älterer Bruder von Aufrecht Kaufmann.
  11. Chin. 秦可卿 Qín Kěqīng. Schwiegertochter der Ningguo-Familie, früh verstorben.
  12. Chin. 警幻 Jǐnghuàn, wörtl. „Warnung vor der Illusion". Göttin im Land der Großen Leere.
  13. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch". Schatzjades erste Kammerzofe.
  14. Chin. 莺儿 Yīng'ér, wörtl. „Goldamsel". Schatzspanges Kammerzofe.
  15. Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.
  16. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade". Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.
  17. ca. 3–5 Uhr
  18. ca. 7–9 Uhr
  19. Chin. 包勇 Bāo Yǒng, wörtl. „Tapferer Bao". Von der Familie Zhen empfohlener Wächter.
  20. Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wunderbare Jade". Buddhistische Nonne im Großen Garten.
  21. ca. 19–21 Uhr
  22. Im Go gibt es insgesamt 361 Punkte; bei gleichstarken Spielern wird mit einem halben Punkt Vorgabe gespielt, so daß es stets einen Sieger gibt.
  23. ca. 1–3 Uhr
  24. Chin. 尤氏 Yóu Shì. Ehefrau von Juwel Kaufmann.

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