Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 15
第十五回 / Kapitel 15
王凤姐弄权铁槛寺
秦鲸卿得趣馒头庵
| DE3 (Schwarz/Woesler) | DE4 (Woesler, 4. Aufl.) |
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15.Im Kloster Eiserne Schwelle mißbraucht Hsi-fëng ihre Macht,im Dampfbrötchenkloster findet Tjin Dschung seine Lust. Als Bau-yü aufblickte, sah er, daß Schuee Jung, Prinz Bee-djing, eine Prinzenkappe mit einem reinweißen Pompon und silbernen Flügeln aufhatte. Gekleidet war er in eine weiße, mit fünfklauigen Drachen über Bergen und Meereswellen bestickte Robe, und um den Leib trug er einen roten Lederriemen, der mit Jaspisen verziert war. Sein Gesicht glich einem edlen Jadestein, seine Augen ähnelten leuchtenden Sternen. Er war wirklich eine vollendete Schönheit. Rasch stürzte Bau-yü vor, um den Prinzen respektvoll zu begrüßen, und schon streckte Schuee Jung seinen Arm aus der Sänfte, um ihm aufzuhelfen. Dabei sah er, daß Bau-yü einen silbernen Kopfschmuck und eine Stirnbinde trug, die mit zwei Drachen verziert war, welche aus den Mereswogen auftauchten. Gekleidet war er in eine weiße Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit vierklauigen Drachen bestickt war, und um den Leib hatte er einen silbernen Gürtel, der mit Perlen geschmückt war. Sein Gesicht glich einer Frühlingsblume, seine Augen ähnelten Tupfern aus Lack. Lächelnd sagte Schuee Jung: „Er trägt seinen Namen zu Recht, er gleicht wahrhaftig einem wertvollen Jade!“ Dann fragte er „Und wo ist der Stein, den er im Mund gehabt hat?“ Als Bau-yü die Frage vernahm, holte er seinen Jadestein sogleich unter der Kleidung hervor und reichte ihn dem Prinzen hin. Schuee Jung sah den Stein aufmerksam an, las die Schriftzeichen darauf und fragte: „Ist er tatsächlich beseelt?“ Rasch erwiderte Djia Dschëng: „Es heißt zwar so, aber erprobt ist es nicht.“ Während sich Schuee Jung in Ausdrücken der Verwunderung erging, ordnete er die bunte Schnur an dem Stein und hängte ihn Bau-yü eigenhändig wieder um. Dann faßte er seine Hand und fragte ihn, wie alt er sei und welche Bücher er lese. Bau-yü gab Antwort auf die eine wie die andere Frage, und als Schuee Jung hörte, daß Bau-yüs Rede klar und exakt war, wandte er sich wieder zu Djia Dschëng und sagte lächelnd: „Euer Sohn ist wahrhaftig ein Drachenjunges oder ein Phönixküken. Ich kleiner Prinz will ja einem alten Freund unseres Hauses gegenüber nicht vorlaut sein, aber wer weiß, ob man nicht eines Tages sagen kann: ‚Des jungen Phönix Stimme klingt reiner als des alten Lied.‘“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Djia Dschëng: „Wie wäre mein Köter von Sohn es wert, so goldene Worte zu empfangen! Wenn es im Schatten des Glücks von Euer Hoheit wirklich so käme, wäre es ein Segen für uns.“ „Eines nur ist bedenklich“, nahm der Prinz wieder das Wort. „Bei seinen Gaben erfreut er sich bestimmt der zärtlichsten Liebe von seiten Eurer verehrten Frau Mutter und Eurer werten Gattin. Aber für junge Leute ist es gar nicht gut, so verzärtelt zu werden. Wer nämlich verzärtelt wird, vernachlässigt mit Sicherheit seine Studien. Das habe ich seinerzeit am eigenen Leibe erfahren, und ich denke, mit Eurem Sohn ist es bestimmt nicht anders. Wenn es mit dem Lernen zu Hause nichts werden will, sollte er sich nicht genieren, öfter einmal in mein bescheidenes Haus zu kommen. Zwar bin ich selbst nicht begabt, aber ich werde oft von den bekanntesten Gelehrten des Landes beehrt. Immer, wenn sie in die Hauptstadt kommen, darf auch ich mich ihres Wohlwollens erfreuen. Dadurch kommen viele tüchtige Männer in mein Haus. Wenn Euer Sohn recht oft kommt, um ihr Gespräch zu suchen, werden seine Kenntnisse mit jedem Tag wachsen.“ Djia Dschëng bedankte sich rasch mit einer Verbeugung. Jetzt streifte Schuee Jung eine Gebetsschnur von seinem Handgelenk und reichte sie Bau-yü mit den Worten: „Wir sehen uns heute zum ersten Mal, und in der Eile habe ich kein Geschenk vorbereitet. Diese Gebetsschnur, deren Perlen aus Bachstelzen-Duftholz verfertigt sind, hat mir neulich seine Majestät persönlich verehrt, mag sie einstweilen meine Wertschätzung bekunden!“ Bau-yü nahm die Gabe rasch entgegen, wandte sich um und reichte sie Djia Dschëng. Nachdem sich Djia Dschëng zusammen mit Bau-yü bedankt hatte, traten Djia Schë und Djia Dschën heran und schlugen dem Prinzen vor, sich jetzt nach Hause tragen zu lassen. Aber Schuee Jung sagte: „Die Verstorbene ist bereits in die Gefilde der Unsterblichen aufgestiegen und befindet sich nicht mehr in der Welt des Staubes wie Ihr und wir. Mir ist zwar die Gnade des Himmlischen zuteil geworden, der mir unverdient die Prinzenwürde verliehen hat, aber wie könnte ich es wagen, dem Gefährt einer Unsterblichen in den Weg zu treten!“ Als Djia Schë und die anderen sahen, daß er hartnäckig auf seiner Meinung bestand, blieb ihnen nichts weiter zu tun, als sich zu verabschieden und dem Prinzen für seine Huld zu danken. Sie gingen zurück und befahlen ihrem Gefolge, den Musikanten Ruhe zu gebieten. Erst als der Sarg schwerfällig vorbeigezogen war, forderten sie den Prinzen noch einmal auf, sich zurücktragen zu lassen. Aber davon soll nicht weiter die Rede sein, wir wollen lieber darüber berichten, wie der Trauerzug unter Lärm und Getöse seines Weges zog. Als er das Stadttor erreichte, standen dort die Opferstände der einzelnen Familien von Djia Schës, Djia Dschëngs und Djia Dschëns Amtsgefährten und Untergebenen. Nachdem alle Opfer vollzogen und die Dankesriten dafür ausgeführt waren, passierte der Trauerzug das Stadttor und bewegte sich dann die Straße entlang, die zum Kloster Eiserne Schwelle führte. Jetzt begab sich Djia Dschën mit Djia Jung zusammen zu den Älteren der Familie und bat sie, in den Sänften Platz zu nehmen oder aufs Pferd zu steigen. So setzten sich die Männer von Djia Schës Generation in Wagen und Sänften, Djia Dschëns Altersgefährten aber bestiegen ihre Pferde. Hsi-fëng machte sich Gedanken um Bau-yü und hegte die Befürchtung, er könnte hier außerhalb der Stadt mutwillig seine Kräfte unter Beweis stellen wollen und würde auf die Ermahnungen des Gesindes nicht hören, während sich Djia Dschëng um solche Kleinigkeiten nicht kümmern konnte. Wenn aber Bau-yü etwas zustoßen sollte, würde sie der Herzoginmutter schlecht unter die Augen treten können. Also befahl sie einem Sklavenjungen, ihn zu rufen. Bau-yü blieb nichts weiter übrig, als zu Hsi-fëngs Wagen zu reiten, wo sie ihn lächelnd mit den Worten empfing: „Liebster Vetter, du bist edel und zart wie ein Mädchen, warum mußt du es den andern nachmachen und wie ein Affe auf dem Pferd hocken? Willst du nicht lieber absteigen und mit mir zusammen im Wagen fahren?“ Rasch stieg Bau-yü vom Pferd und schlüpfte zu Hsi-fëng in den Wagen. Lachend und schwatzend fuhren sie weiter, bis bald darauf zwei Reiter in vollem Galopp herangeritten kamen, um unweit von Hsi-fëngs Wagen abzusitzen und dann, mit der Hand an der Deichsel, zu berichten: „Hier ist eine Absteigemöglichkeit. Dort könnt Ihr Rast machen und die Kleider wechseln, junge gnädige Frau.“ Sofort befahl Hsi-fëng, bei Dame Hsing und Dame Wang Weisungen einzuholen. Als ihr Bote zurückkam, meldete er: „Die gnädigen Frauen lassen Euch sagen, sie brauchten nicht zu rasten, Ihr aber solltet ganz nach eigenem Ermessen verfahren.“ Als Hsi-fëng das vernahm, befahl sie, eine Pause einzulegen. Also lenkten die Sklavenjungen den Wagen aus der Menge heraus und dann schnell in nördlicher Richtung davon. Bau-yü befahl noch rasch aus dem Wagen heraus, man solle den jungen Herrn Tjin zu ihm bitten. Tjin Dschung ritt hinter der Sänfte seines Vaters einher, da kam plötzlich Bau-yüs Sklavenjunge gelaufen und lud ihn zu einer Rast ein. Als Tjin Dschung sich umblickte und sah, daß Hsi-fëngs Wagen nach Norden abgebogen war und Bau-yüs Pferd, das hinten am Wagen angebunden war, nur Sattel und Zaumzeug trug, wußte er, daß Bau-yü bei Hsi-fëng im Wagen sitzen mußte. Also ritt er ihnen hinterher und holte sie ein, als der Wagen eben in einen Bauernhof einfuhr. Die Männer der Bauernfamilie hatte das Gefolge längst fortgejagt, aber da es hier nicht so viele Räume gab, daß sich die Frauen hätten verbergen können, mußten sie bei den Besuchern bleiben. Für die Bauernfrauen und Dorfmädchen waren Hsi-fëng, Bau-yü und Tjin Dschung durch ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihr gelassenes Betragen natürlich ein fesselnder Anblick. Nachdem sie dann in das strohgedeckte Haus getreten waren, befahl Hsi-fëng, Bau-yü solle mit den anderen erst einmal ein wenig an die frische Luft gehen. Bau-yü verstand, was sie wollte, und ging mit Tjin Dschung hinaus, wo sie sich in Begleitung der Sklavenjungen überall umsahen. All die Geräte, wie Bauern sie brauchen, hatte Bau-yü nie gesehen. Als er jetzt Spaten, Haue, Hacke und Pflug erblickte, waren das fremdartige Dinge für ihn, von denen er weder wußte, wozu sie dienten, noch wie sie genannt wurden. Die Sklavenjungen an seiner Seite erklärten ihm von jedem Stück, wie es hieß und was es damit auf sich hatte. Da nickte Bau-yü und sagte mit einem Seufzer: „Kein Wunder, daß es bei einem alten Dichter heißt: ‚Wer ahnt schon, wieviel Mühe es kostet, ein jedes Korn Reis in der Schüssel!‘ Das hat er damit gemeint!“ Bei diesen Worten gelangte er zu einem anderen Gebäude, wo er auf dem Ofenbett ein Spinnrad erblickte. „Was ist das nun wieder?“ fragte er die Sklavenjungen. Sie erklärten es ihm, und Bau-yü trat ein und drehte zum Spaß an dem Spinnrad, was ihm sehr lustig erschien. Da kam plötzlich ein Bauenmädchen von siebzehn, achtzehn Jahren gelaufen und rief aufgeregt: „Mach mir das nicht entzwei, ...“ Sofort schrien die Sklavenjungen sie an und hinderten sie am Weiterreden. Bau-yü aber zog rasch die Hand zurück und sagte lächelnd: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen, da wollte ich es einmal ausprobieren.“ „Was versteht schon Euresgleichen davon!“ sagte das Mädchen. „Geh beiseite, dann zeige ich dir, wie man spinnt!“ Verstohlen zupfte Tjin Dschung an Bau-yüs Gewand und sagte lächelnd: „Die Maid hier deucht mir lustverheißend!“ „Verfluchter Kerl!“ sagte Bau-yü lächelnd und schob ihn weg. „Wenn du weiter Unsinn redest, bekommst du Schläge von mir!“ Damit blickte er wieder zu dem Mädchen, das begonnen hatte, einen Faden zu spinnen. Als Bau-yü eben etwas zu ihr sagen wollte, rief irgendwo eine alte Frau: „Wirst du wohl herkommen, Zweites Mädchen! Aber schnell!“ Da stellte sie das Spinnrad weg und ging fort. Bau-yü aber war die Laune verdorben. Jetzt kam ein Bote, den Hsi-fëng geschickt hatte, um Bau-yü und Tjin Dschung ins Haus zu rufen. Hsi-fëng hatte sich schon die Hände gewaschen und die Kleider gewechselt, um den Staub ausschütteln zu lassen. Jetzt fragte sie Bau-yü und Tjin Dschung, ob sie sich ebenfalls umziehen wollten, aber Bau-yü mochte nicht, und so mußte es unterbleiben. Nun brachten die begleitenden Sklaven und Sklavinnen die mitgeführten Teekannen und Schalen sowie Speiseschachteln mit verschiedenen Kleinigkeiten für einen Imbiß auf den Tisch. Nach dem Teetrinken wartete Hsi-fëng, bis alles eingepackt war, dann stand sie auf, um wieder in den Wagen zu steigen. Draußen hielt Lai Wang ein Päckchen Silber bereit, das er als Geschenk für den Gastgeber überreichte, und die Bauernfrauen bedankten sich fußfällig dafür. Hsi-fëng schenkte dem keine Beachtung, Bau-yü aber sah genau hin, doch das Zweite Mädchen war nicht dabei. Er stieg in den Wagen, und als sie abfuhren, kam sie ihnen nach einer kurzen Wegstrecke entgegen. Sie trug ein kleines Brüderchen auf dem Arm und unterhielt sich lachend mit ein paar jüngeren Mädchen. Bau-yü wäre am liebsten vom Wagen gestiegen und mit ihr gegangen. Weil man ihm das aber kaum gestattet hätte, folgte er ihr wenigstens mit den Augen und bedauerte nur, daß der Wagen so leicht und das Pferd so schnell war. Bald darauf war sie seinen Blicken entschwunden. Es dauerte nicht lange, da hatten sie den Sarg wieder eingeholt, und schon kamen ihnen die Mönche vom Kloster Eiserne Schwelle mit Trommeln und Becken, Bannern und Schirmen entgegen, um den Sarg zu empfangen. Bald darauf waren sie im Kloster, wo noch einmal Sutras verlesen und Weihrauchopfer gebracht wurden, während man den Sarg in einem Seitenraum der inneren Halle aufstellte. Bau-dschu richtete sich dort eine Lagerstatt her, um am Sarg die Nachtwache zu halten. In der äußeren Halle bat Djia Dschën die zahlreichen Verwandten und Freunde zum Essen. Die einen nahmen die Einladung an, die anderen verabschiedeten sich, ohne zu essen. Nachdem sich Djia Dschën bei allen bedankt hatte, brachen die Herzöge, Fürsten, Grafen, Barone und Freiherren der Rangfolge nach Trupp für Trupp auf, und erst am Ende der achten Doppelstunde waren sie alle fort. Drinnen bewirtete Hsi-fëng die weiblichen Gäste, und auch hier brachen die Ranghöchsten zuerst auf. Erst als die Mittagsstunde schon lange vorbei war, waren sie alle abgefahren. Jetzt waren nur noch die engsten Verwandten da, die erst nach Abschluß der dreitägigen Gebete anläßlich der Sargaufstellung zurückkehren würden. Auch Dame Hsing und Dame Wang wollten jetzt in die Stadt zurückfahren, wenn sie auch wußten, daß Hsi-fëng noch nicht mitkommen konnte. Dame Wang wollte Bau-yü mitnehmen, aber Bau-yü, der zum ersten Mal aus der Stadt herausgekommen war, wollte nicht zurück und wünschte nur, zusammen mit Hsi-fëng noch zu bleiben. Da hatte Dame Wang keine andere Wahl, als ihn in Hsi-fëngs Obhut zu geben und nach Hause zu fahren. Das Kloster Eiserne Schwelle hatten seinerzeit die beiden Herzöge Ning-guo und Jung-guo errichten lassen, und es gab noch immer einigen Landbesitz, der die notwendigen Mittel für den Unterhalt des Tempels und der Mönche erbrachte. So konnte man Sippenangehörige, die in der Hauptstadt von ihrem Geschick ereilt wurden, hier unterbringen. Und weil der Tempel mit Räumen für die Toten und die Lebenden wohl versehen war, konnten auch die Angehörigen, die den Sarg begleiteten, hier unterkommen. Da aber die Sippenangehörigen jetzt sehr zahlreich waren und der Reichtum ungleichmäßig unter ihnen verteilt war (vielleicht vertrugen sich auch die Charaktere nicht recht miteinander), blieben nur diejenigen hier im Kloster, die in dürftigen Verhältnissen lebten und sich in ihr Los zu fügen wußten, während die anspruchsvollen Reichen erklärten, hier sei es ihnen zu unbequem, und sich in einem Dorf beziehungsweise in einem Nonnenkloster ein Quartier suchten, wohin sie sich zurückziehen konnten, wenn die jeweiligen Trauerhandlungen zu Ende waren. Diesmal nun, bei der Überführung des Sarges von Frau Tjin, übernachteten im Kloster Eiserne Schwelle alle Sippenangehörigen bis auf Hsi-fëng, der es hier nicht komfortabel genug war. Sie hatte deswegen schon längst jemanden zum Dampfbrötchenkloster geschickt, um die Äbtissin Djing-hsü zu bitten, sie solle ihr zwei Räume als Unterkunft abtreten. Das Dampfbrötchenkloster hieß eigentlich Wassermondkloster, aber weil man dort gute Dampfbrötchen machte, war dieser Scherzname aufgekommen. Es befand sich unweit des Klosters Eiserne Schwelle. Als die Mönche ihr Tagewerk getan hatten und der abendliche Opfertee bereitgestellt war, wurde Djia Jung von Djia Dschën zu Hsi-fëng geschickt, um sie zu bitten, sich zur Ruhe zu begeben. Da noch mehrere junge Frauen des Hauses da waren, die den anderen weiblichen Angehörigen Gesellschaft leisteten, verabschiedete sich Hsi-fëng von allen und begab sich mit Bau-yü und Tjin Dschung zum Wassermondkloster. Tjin Yä hatte, weil er alt und krank war, nicht dableiben können und hatte nur Tjin Dschung befohlen, bis zum Ende der Sargaufstellung zu verweilen. Dieser hielt sich jetzt an Hsi-fëng und Bau-yü. Als sie nach kurzer Zeit zum Wassermondkloster gelangten, kam ihnen Djing-hsü mit den beiden Novizinnen Dschï-schan und Dschï-nëng entgegen, und alle begrüßten einander. Nachdem sich Hsi-fëng umgezogen und ihre Notdurft verrichtet hatte, stellte sie fest, daß Dschï-nëng schon wieder ein Stück gewachsen und noch hübscher geworden war. Und so fragte sie: „Warum seid ihr in der letzten Zeit nicht bei uns gewesen?“ „Wir konnten einfach nicht abkommen“, erwiderte Djing-hsü. „Im Hause Hu ist ein Sohn geboren worden, und die gnädige Frau hat uns zehn Liang Silber geschickt, damit wir dort drei Tage lang Sutras für eine glückliche Niederkunft lesen. So hatten wir keinen freien Augenblick, um Euch unseren Gruß zu entbieten, junge Herrin!“ Aber nicht davon wollen wir jetzt erzählen, wie die alte Nonne Hsi-fëng Gesellschaft leistete. Als Tjin Dschung und Bau-yü eben in der Haupthalle des Klosters waren, kam Dschï-nëng durch den Raum, und Bau-yü sagte lächelnd zu Tjin Dschung: „Da ist Dschï-nëng!“ „Was kümmert uns das dumme Ding?“ fragte Tjin Dschung. Aber lächelnd hielt ihm Bau-yü entgegen: „Tu doch bloß nicht so! Warum hast du sie denn da neulich bei der alten gnädigen Frau im Zimmer umarmt, als niemand dabei war? Meinst du, ich lasse mir hier etwas vormachen?“ „Aber das stimmt ja gar nicht!“ protestierte Tjin Dschung lächelnd. „Mir soll es egal sein, ob es stimmt oder nicht“, erwiderte Bau-yü. „Ruf sie her, damit sie mir eine Schale Tee eingießt, dann lasse ich dich in Ruhe!“ „Na, du bist ja gut!“ sagte Tjin Dschung darauf. „Meinst du, wenn du es ihr sagst, macht sie es nicht, und darum muß ich es ihr sagen?“ „Bei mir wäre es ohne Gefühl, aber bei dir ist es mit Gefühl!“ erklärte ihm Bau-yü. So blieb Tjin Dschung nichts weiter übrig, als zu rufen: „Dschï-nëng, bring uns eine Schale Tee!“ Diese Dschï-nëng ging von klein auf im Jung-guo-Anwesen ein und aus und war dort mit jedermann bekannt, so hatte sie auch oft mit Bau-yü und Tjin Dschung zusammen gescherzt und gelacht. Jetzt, da sie erwachsen wurde und allmählich um die Liebe zu wissen begann, hatte sie sich in Tjin Dschung verguckt, weil er so eine elegante Erscheinung war. Tjin Dschung seinerseits liebte sie um ihrer Schönheit willen. Und wenn auch noch nichts zwischen den beiden vorgefallen war, waren sie sich doch einig. Als Dschï-nëng jetzt Tjin Dschungs Aufforderung hörte, schlug ihr Herz höher, und ihre Augen strahlten. Sie ging Tee eingießen und brachte ihn. „Gib ihn mir!“ bat Tjin Dschung lächelnd. „Nein, mir!“ rief Bau-yü. Da verzog Dschï-nëng den Mund zu einem Lächeln und fragte: „Müßt ihr euch um eine Schale Tee streiten? Habe ich vielleicht Honig an den Fingern?“ Rasch nahm Bau-yü ihr die Teeschale ab und trank. Als er sie eben etwas fragen wollte, kam Dschï-schan und rief Dschï-nëng weg, um den Teetisch zu decken. Bald darauf kam sie und lud Bau-yü und Tjin Dschung zu Tee mit Obst und Gebäck ein. Aber die beiden machten sich nichts daraus, und nachdem sie ein Weilchen am Tisch gesessen hatten, gingen sie wieder hinaus, um sich draußen die Zeit zu vertreiben. Auch Hsi-fëng saß ein Weilchen am Teetisch, dann ging sie in ihr Zimmer, um zu ruhen. Die Äbtissin begleitete sie, und als Hsi-fëngs Sklavenfrauen sahen, daß weiter nichts zu tun war, gingen sie nacheinander hinaus, um sich schlafen zu legen. Jetzt waren nur noch ein paar ergebene Sklavenmädchen mit im Raum, die zu Hsi-fëngs ständiger Bedienung gehörten, darum nahm die Äbtissin die Gelegenheit wahr und sagte: „Ich habe eine Bitte und hatte in Euer Anwesen kommen wollen, um sie der gnädigen Frau vorzutragen. Aber jetzt möchte ich zuerst Euch nach Eurer Meinung fragen.“ „Was ist es?“ fragte Hsi-fëng. „Buddha Amitabha!“ sagte die Äbtissin, „als ich seinerzeit im Kloster der Guten Begabung in Tschang-an lebte, gehörte zu unserern Gönnern ein reicher Mann namens Dschang. Dieser Dschang hat eine Tochter, die mit Kindheitsnamen Djin-gë heißt und die damals immer in unser Kloster kam, um Weihrauch zu opfern. Sie mußte nun einem Herrn Li begegnen, dem jüngeren Bruder der Frau des Präfekten von Tschang-an, der sich bis über beide Ohren in sie verliebt hat und sie heiraten will. Als er aber jemanden schickte, der für ihn um Djin-gës Hand bitten mußte, stellte sich heraus, daß sie bereits mit dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten von Tschang-an verlobt ist. Aus Furcht vor diesem wagt die Familie Dschang nicht, die Absprache rückgängig zu machen, und sagte nur, ihre Tochter sei bereits verlobt. Das hat aber den jungen Herrn Li von seinem Vorhaben nicht abzubringen vermocht, und er ist fest entschlossen, Djin-gë zu seiner Frau zu machen. Als nun die Familie Dschang keinen Ausweg wußte und beide Seiten in Verlegenheit waren, hat der ehemalige Stadtkommandant von der Sache erfahren, und ohne viel Federlesens ist er gekommen und hat die Dschangs geschmäht und beschimpft, indem er fragte: ‚Mit wieviel Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er hat es ganz entschieden abgelehnt, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und hat Anzeige erstattet. Da ist die Familie Dschang unruhig geworden und hat jetzt Boten in die Hauptstadt geschickt, um hier Protektion zu suchen. Die Verlobung wollen sie auf jeden Fall lösen. Nun habe ich mir gedacht, wo doch Herr Yün, der Garnisonskommandant der Präfektur Tschang-an, so eng mit Eurer Familie befreundet ist, könnte man die gnädige Frau bitten, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, damit er einen Brief an Herrn Yün schreibt, er solle einmal mit diesem ehemaligen Stadtkommandanten reden, denn dann würde dieser ganz bestimmt nachgeben. Wenn sich das machen ließe, wäre die Familie Dschang gern bereit, aus Dankbarkeit ihr gesamtes Vermögen zu opfern.“ „An sich wäre das keine Schwierigkeit“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Aber die gnädige Frau befaßt sich mit solchen Dingen nicht mehr.“ „Wenn die gnädige Frau sich nicht damit befaßt, könnt ja Ihr es regeln“, sagte die Äbtissin. „Ich bin auf Silber nicht erpicht“, entgegnete Hsi-fëng lächelnd. „Ich mache so etwas nicht.“ Als die Äbtissin Djing-hsü das hörte, ließ sie von der Sache ab, aber eine Weile später sagte sie seufzend: „Ihr sagt das so, aber den Dschangs ist bekannt, daß ich Euch darum bitten wollte. Und da sie nicht wissen, daß Ihr keine Zeit habt, Euch um die Sache zu kümmern, und daß Ihr auf ihren Dank keinen Wert legt, wird es für sie so aussehen, als ob Eure Familie nicht imstande wäre, so eine Kleinigkeit zu regeln.“ Diese Worte verfehlten nicht ihre Wirkung auf Hsi-fëng, und sie sagte: „Du kennst mich ja lange genug und weißt, daß ich an eine Vergeltung in Jenseits und Hölle nicht glaube. Wenn ich von etwas sage, es geht, dann geht es auch. Also bestell den Leuten, sie sollen mir dreitausend Liang Silber bringen, dann will ich für sie den Ärger aus der Welt schaffen!“ Jetzt kannte die Freude der Äbtissin keine Grenze, und rasch sagte sie: „Das ist kein Problem, das Silber haben sie!“ „Aber so eine bin ich nicht, die um des Silbers willen Ränke schmiedet“, sagte Hsi-fëng. „Diese dreitausend Liang sind nur die Auslagen für die Diener, die ich dieser Sache wegen losschicken werde. Schließlich muß ja ihre Mühe belohnt werden. Ich selbst will keine einzige Bronzemünze von den Leuten. Wenn es not tut, kann ich dreißigtausend Liang auf den Tisch legen!“ Hastig stimmte ihr die Äbtissin zu und bat: „Würdet Ihr dann morgen so gütig sein, junge gnädige Frau? Dann wäre die Sache geregelt.“ „Du siehst doch, wie beschäftigt ich bin“, sagte Hsi-fëng. „Nirgends kann man auf mich verzichten. Aber wenn ich es dir versprochen habe, werde ich es auch schnell erledigen.“ „Andere Leute würde so eine Kleinigkeit wer weiß was für Mühe kosten“, fuhr die Äbtissin fort, „für Euch aber könnte noch einiges dazukommen, und es wäre noch immer nicht so viel, daß Ihr Euch anstrengen müßtet. Nur sagt das Sprichwort: ‚Wer viel kann, muß viel tun.‘ Die gnädige Frau sieht, daß Ihr großen und kleinen Aufträgen gewachsen seid, also überträgt sie alles Euch, aber Ihr solltet auch auf Eure werte Gesundheit achten!“ Diese Schmeichelei berührte Hsi-fëng so wohltuend, daß sie ihre Müdigkeit vergaß und sich noch weiter ins Gespräch einließ. Inzwischen aber machte sich Tjin Dschung die Dunkelheit und die Stille zunutze und begab sich auf die Suche nach Dschï-nëng. Er fand sie allein in einem der rückwärtigen Räume, wo sie eben das Teegeschirr abwusch. Tjin Dschung eilte auf sie zu, schloß sie in seine Arme und küßte sie auf den Mund. In ihrer Aufregung stampfte Dschï-nëng mit dem Fuß auf und sagte: „Was soll das? Wenn du das noch einmal machst, schreie ich!“ „Liebste, ich sterbe vor Ungeduld!“ flehte Tjin Dschung. „Wenn du mich heute wieder nicht erhörst, komme ich auf der Stelle um!“ „Wie denkst du dir das?“ sagte Dschï-nëng. „Erst muß ich aus diesem Kerker heraus und von diesen Leuten weg sein, ehe ich dir nachgeben kann.“ „Das ist schön und gut“, wandte Tjin Dschung ein, „aber Wasser in der Ferne kann den Durst in der Nähe nicht löschen!“ Damit blies er die Lampe aus, so daß es stockfinster im Raum wurde, und trug Dschï-nëng auf das Ofenbett, wo er das Wolken-und-Regen-Spiel mit ihr zu spielen begann. Trotz aller Anstrengungen gelang es Dschï-nëng nicht, wieder aufzustehen, und da es schlecht anging zu rufen, konnte sie nichts anderes tun, als ihn gewähren zu lassen. Als sie eben ihre Lust hatten, kam plötzlich jemand zur Tür herein und preßte sie beide auf das Ofenbett nieder, ohne ein Wort dabei zu sagen. Da sie nicht wußten, wer es war, wagten sie sich vor Schreck nicht zu rühren. Aber dann lachte der Eindringling prustend los, und an der Stimme erkannten sie Bau-yü. Rasch erhob sich Tjin Dschung und sagte vorwurfsvoll: „Was soll das?“ Aber lachend sagte Bau-yü: „Wenn du nicht gehorchst, rufe ich!“ Die beschämte Dschï-nëng lief im Schutze der Dunkelheit davon, Bau-yü aber zog Tjin Dschung aus dem Raum und fragte: „Willst du es immer noch abstreiten?“ Lächelnd antwortete Tjin Dschung: „Ich mache alles, was du willst, mein Bester, wenn du nur still bist und niemand davon erfährt.“ „Schon gut!“ sagte Bau-yü. „Nach dem Schlafengehen rechnen wir miteinander ab!“ Bald darauf war es Zeit, sich auszukleiden und ins Bett zu gehen. Hsi-fëng schlief im Innenraum, Tjin Dschung und Bau-yü im Vorzimmer. Überall auf dem Fußboden hatten sich die alten Sklavinnen der Familie Lagerstätten bereitet, um Nachtwache zu halten. Hsi-fëng, die befürchtete, Bau-yüs beseelter Jadestein könnte verlorengehen, schickte jemanden den Stein holen, als Bau-yü sich schlafen gelegt hatte, und schob ihn unter ihr eigenes Kissen. Wie Bau-yü mit Tjin Dschung abgerechnet hat, wissen wir nicht. Niemand hat es gesehen, niemand hat es vermerkt. Es ist ein Fall, der wegen Mangels an Beweisen nicht zu klären ist, und etwas erdichten wollen wir nicht. Weiter ist über diese Nacht nichts zu sagen. Am nächsten Tag kamen früh am Morgen Boten von der Herzoginmutter und Dame Wang, um nach Bau-yü zu sehen und ihm zu bestellen, er solle sich warm anziehen und lieber nach Hause kommen, wenn hier nichts weiter zu tun sei. Aber wie hätte wohl Bau-yü dazu bereit sein sollen! Außerdem drängte ihn auch der verliebte Tjin Dschung, er solle Hsi-fëng bitten, noch einen Tag zu bleiben. „Alle wichtigen Trauerriten sind schon vollzogen, aber einige Kleinigkeiten sind doch noch offen“, überlegte Hsi-fëng. „Die könnte man schon zum Anlaß nehmen, um noch einen Tag zu bleiben. Dann hätte ich Djia Dschëns Wunsch bis ins letzte erfüllt. Zum anderen ließe sich die Sache regeln, um die mich Djing-hsü gebeten hat. Und außerdem kann ich noch Bau-yü einen Gefallen damit tun, und wenn die Herzoginmutter das erfährt, freut sie sich.“ Diese drei Vorteile bewogen Hsi-fëng, zu Bau-yü zu sagen: „Ich habe hier nichts weiter zu tun, aber wenn du noch einen Tag länger bleiben möchtest, muß ich die Mühen wohl auf mich nehmen. Morgen aber müssen wir auf jeden Fall abfahren!“ Als Bau-yü das hörte, nannte er sie tausend und abertausend Mal ‚liebste Kusine‘ und beteuerte, er wolle ja nur noch diesen einen Tag bleiben, am nächsten Morgen könnten sie in die Stadt zurückkehren. Also verbrachten sie noch eine weitere Nacht im Kloster. Hsi-fëng befahl dann, die Sache, die ihr am Tag zuvor die Äbtissin vorgetragen hatte, in aller Heimlichkeit Lai Wang mitzuteilen. Lai Wang verstand auch, worum es ging, und eilte sofort in die Stadt, wo er dem jungen Mann, der den Schriftwechsel führte, befahl, in Djia Liäns Namen einen Brief aufzusetzen. Dann brach er noch am Abend desselben Tages nach Tschang-an auf, und da die Entfernung nicht mehr als einhundert Li betrug, war schon in zwei Tagen alles erledigt. Yün Guang, der Garnisonskommandant der dortigen Präfektur, der sich schon lange der Freundschaft der Djias erfreute, sah keinen Grund, ihnen die Bitte abzuschlagen. Er schrieb einen Antwortbrief, und Lai Wang machte sich auf den Heimweg. Aber davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Nachdem Hsi-fëng noch einen Tag im Kloster verbracht hatte, verabschiedete sie sich von der Äbtissin und trug ihr auf, in drei Tagen zu ihr ins Anwesen zu kommen, um sich einen Bescheid zu holen. Tjin Dschung und Dschï-nëng vermochten sich kaum voneinander zu trennen. Heimlich trafen sie mancherlei verstohlene Abrede, die hier nicht wiederholt werden muß, aber dann hieß es, der Not gehorchend, voneinander Abschied nehmen. Hsi-fëng fuhr noch einmal ins Kloster Eiserne Schwelle, um einen letzten Blick auf alles zu werfen. Dort hatte es sich Bau-dschu inzwischen in den Kopf gesetzt, nicht wieder nach Hause zurückzukehren, und so war Djia Dschën gezwungen, ihr Sklavinnen zur Gesellschaft zu schicken. Im weiteren mehr davon! |
Wie bereits erzählt, blickte Schatzjade[1] auf und sah den Prinzen des Nördlichen Friedens, mit dem persönlichen Namen Wasserschmelze[2], der eine reinweiße Prinzenmütze mit silbernen Flügeln und einem makellosen Pompon auf dem Kopf trug. Er war in eine weiße Drachenrobe gekleidet, bestickt mit fünfklauigen sitzenden Drachen über Bergen und Meereswogen, und um die Hüften trug er einen roten Ledergürtel, besetzt mit grüner Jade. Sein Gesicht glich einem edlen Jadestein, seine Augen leuchteten wie Sterne — wahrhaft eine vollendete Schönheit! Schatzjade stürzte rasch vor, um den Prinzen respektvoll zu begrüßen. Wasserschmelze streckte sogleich die Hand aus der Sänfte, um ihn bei der Hand zu fassen. Er musterte Schatzjade und sah, dass dieser einen silbernen Haarreif mit zwei aus den Meereswogen auftauchenden Drachen als Stirnband trug, dazu eine weiße Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit Drachen bestickt war, und einen silbernen Gürtel, der mit Perlen geschmückt war. Sein Gesicht glich einer Frühlingsblume, seine Augen ähnelten Tupfern aus Lack. Wasserschmelze sagte lächelnd: „Er trägt seinen Namen zu Recht — wahrhaftig wie ein ‚Schatz‘, wie eine ‚Jade‘!“ Dann fragte er: „Wo ist denn jener Edelstein, den er im Munde getragen hat?“ Als Schatzjade die Frage vernahm, holte er den Stein sogleich unter dem Gewand hervor und reichte ihn dem Prinzen hinüber. Wasserschmelze betrachtete ihn eingehend, las die darauf eingravierten Schriftzeichen und fragte: „Ist er tatsächlich wundersam beseelt?“ Aufrecht Kaufmann[3] antwortete eilig: „So sagt man zwar, doch erprobt ist es bisher nicht.“ Während Wasserschmelze nicht aufhörte, den Stein zu bestaunen und zu bewundern, ordnete er die bunte seidene Schnur und hängte ihn Schatzjade eigenhändig wieder um den Hals. Dann nahm er seine Hand und fragte ihn, wie alt er sei und welche Bücher er lese. Schatzjade gab auf jede Frage bereitwillig Antwort. Als Wasserschmelze hörte, wie klar und gewandt seine Rede war und wie geistreich er sich auszudrücken wusste, wandte er sich lächelnd an Aufrecht Kaufmann und sagte: „Euer Sohn ist wahrlich ein Drachenjunges und ein Phönixküken! Ich kleiner Prinz will einem alten Freund unseres Hauses gegenüber gewiss nicht anmaßend sein, doch ‚des jungen Phönix Stimme klingt reiner als des alten Lied‘ [Anm.: Zitat aus einem Gedicht von Li Shangyin (李商隐): Das junge Talent übertrifft das ältere.] — das sollte man nicht voreilig für unmöglich halten.“ Aufrecht Kaufmann erwiderte, ebenfalls lächelnd, mit einer tiefen Verbeugung: „Wie wäre mein Köter von Sohn es wert, solch goldene Lobsprüche zu empfangen! Doch sollte es im Glücksschatten Eurer fürstlichen Hoheit tatsächlich so kommen, wäre es ein Segen für unsere gesamte Nachkommenschaft.“ Wasserschmelze fuhr fort: „Eines nur will ich bemerken: Bei den glänzenden Anlagen Eures Sohnes erfreut er sich gewiss der innigsten Zuneigung Eurer verehrten Frau Mutter und Eurer werten Gemahlin. Doch für uns jüngere Leute ist übermäßige Verwöhnung gar nicht gut — wer verwöhnt wird, vernachlässigt mit Sicherheit seine Studien. Das habe ich seinerzeit am eigenen Leibe erfahren, und ich vermute, mit Eurem Sohn ist es nicht anders. Wenn es ihm zu Hause schwerfällt, sich aufs Lernen zu konzentrieren, so braucht er sich nicht zu genieren, öfter einmal in mein bescheidenes Haus zu kommen. Zwar bin ich selbst nicht sonderlich begabt, doch erfreue ich mich der Gunst zahlreicher berühmter Gelehrter aus allen Küstenregionen, die, wann immer sie in die Hauptstadt kommen, mir ihre besondere Aufmerksamkeit schenken. So versammeln sich in meinem bescheidenen Hause nicht wenige ausgezeichnete Köpfe. Wenn Euer Sohn öfter kommen und sich mit ihnen austauschen würde, könnten seine Kenntnisse mit jedem Tag wachsen.“ Aufrecht Kaufmann bedankte sich hastig mit einer tiefen Verbeugung. Daraufhin streifte Wasserschmelze eine Gebetsschnur von seinem Handgelenk und reichte sie Schatzjade mit den Worten: „Wir begegnen uns heute zum ersten Mal, und in der Eile habe ich wahrhaftig kein angemessenes Geschenk vorbereitet. Diese Gebetsschnur aus Bachstelzen-Duftholz [Anm.: 鶺鴒香, ein seltenes, kostbares Räucherholz.] hat mir vor kurzem der Kaiser persönlich verehrt — möge sie einstweilen als Zeichen meiner Wertschätzung dienen!“ Schatzjade nahm die Gabe rasch entgegen, drehte sich um und überreichte sie Aufrecht Kaufmann. Aufrecht Kaufmann und Schatzjade bedankten sich gemeinsam. Daraufhin traten Begnadigung Kaufmann[4], Herrlichkeit Kaufmann[5] und die übrigen herbei und baten den Prinzen, sich in seine Sänfte zurücktragen zu lassen. Doch Wasserschmelze sprach: „Die Verstorbene ist bereits in die Gefilde der Unsterblichen aufgestiegen und weilt nicht mehr in der staubigen Welt, in der wir uns gewöhnlichen Sterblichen bewegen. Obwohl mir durch die Gnade des Kaisers die Prinzenwürde zuteilwurde — die ich unverdient empfing —, wie dürfte ich es wagen, dem Gefährt einer Unsterblichen in den Weg zu treten?“ Als Begnadigung Kaufmann und die anderen sahen, dass er hartnäckig auf seiner Meinung bestand, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zu verabschieden und dem Prinzen für seine Huld zu danken. Sie kehrten zurück und befahlen ihrem Gefolge, die Musikanten schweigen zu lassen. Erst als der mächtige Trauerzug schwerfällig vorbeigezogen war, ließen sie den Prinzen Wasserschmelze in seine Sänfte steigen und davonfahren. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein. Wir wollen nun von dem Leichenbegängnis des Ning-Guo-Hauses berichten. Es ging auf dem ganzen Weg überaus prunkvoll und lebhaft zu. Kaum war der Zug am Stadttor angelangt, da standen dort bereits die Opferstände, die von den Amtsgefährten und Untergebenen von Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann aufgestellt worden waren, und sie hielten Familie um Familie ihre Opferzeremonien ab. Nachdem man sich bei allen bedankt hatte, zog man durch das Tor und hielt geradewegs auf die große Straße zum Eiserne-Schwelle-Tempel [铁槛寺] zu. Zu diesem Zeitpunkt kam Herrlichkeit Kaufmann mit Hibiskus Kaufmann[6] zu den älteren Familienmitgliedern, um sie zu bitten, in ihre Sänften zu steigen oder ihre Pferde zu besteigen. So setzten sich Begnadigung Kaufmann und die Männer seiner Generation in Wagen und Sänften, und Herrlichkeit Kaufmanns Altersgenossen machten ebenfalls Anstalten, aufzusitzen. Phönixglanz[7] aber machte sich Sorgen um Schatzjade — sie fürchtete, er könnte hier draußen vor der Stadt seinen Übermut unter Beweis stellen wollen und sich von den Dienern nichts sagen lassen. Aufrecht Kaufmann konnte sich um solche Kleinigkeiten nicht kümmern, und wenn Schatzjade etwas zustoßen sollte, würde sie der Herzoginmutter[8] schlecht unter die Augen treten können. Also schickte sie einen Sklavenjungen los, um ihn zu rufen. Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu ihrem Wagen zu reiten. Phönixglanz empfing ihn lächelnd: „Liebster Vetter, du bist ein vornehmer Herr, zart wie ein Mädchen — warum musst du es den anderen nachmachen und wie ein Affe auf dem Pferd hocken? Steig lieber ab, wir beiden fahren zusammen im Wagen — wäre das nicht viel schöner?“ Als Schatzjade das hörte, stieg er eilig vom Pferd und kletterte in Phönixglanz' Wagen. Lachend und plaudernd fuhren sie weiter. Es dauerte nicht lange, da kamen aus der Ferne zwei Reiter im vollen Galopp herangeprescht. Nicht weit von Phönixglanz' Wagen sprangen sie vom Pferd, fassten die Deichsel und berichteten: „Hier gibt es eine Einkehr, gnädige junge Frau — Ihr könntet hier rasten und Euch frisch machen.“ Sofort befahl Phönixglanz, bei Dame Strafe[9] und Dame König[10] Weisungen einzuholen. Als der Bote zurückkam, meldete er: „Die gnädigen Frauen lassen sagen, sie brauchten keine Rast, Ihr aber sollt ganz nach eigenem Ermessen verfahren.“ Als Phönixglanz das vernahm, ordnete sie an, hier eine Pause einzulegen. Die Sklavenjungen lenkten daraufhin den Wagen aus dem Trauerzug heraus und fuhren in nördlicher Richtung im Galopp davon. Schatzjade rief noch eilig aus dem Wagen heraus, man solle den jungen Herrn Qin[11] zu ihm bitten. Liebglocke Minne ritt gerade hinter der Sänfte seines Vaters einher, als plötzlich Schatzjades Sklavenjunge herangelaufen kam und ihn zum Rasten einlud. Als Liebglocke Minne sich umblickte, sah er Phönixglanz' Wagen nach Norden abbiegen. Hinten am Wagen war Schatzjades Pferd mit Sattel und Packtasche angebunden — da wusste er, dass Schatzjade bei Phönixglanz im Wagen saß. Er lenkte sein Pferd hinterher und holte sie ein, als sie gerade in das Tor eines Bauernhofes einfuhren. Die Dienerschaft hatte die Dorfbewohner des Hofes bereits fortgescheucht. Da das Bauernanwesen nicht über viele Räume verfügte, hatten die Frauen keine Möglichkeit, sich zu verbergen, und mussten die Besucher gewähren lassen. Die Dorfmädchen und Bauernfrauen, die nun Phönixglanz, Schatzjade und Liebglocke Minne in ihrem prachtvollen Aufzug und mit ihrem vornehmen Betragen erblickten — wie hätten sie da nicht fasziniert hinstarren sollen? Alsbald betrat Phönixglanz die strohgedeckte Stube und befahl Schatzjade und den anderen, erst einmal ein wenig hinausgehen und sich draußen umschauen. Schatzjade verstand den Wink und ging mit Liebglocke Minne hinaus. In Begleitung der Sklavenjungen streiften sie umher und betrachteten alles. Alle Gerätschaften, wie Bauern sie brauchen, hatte Schatzjade noch nie gesehen. Als er jetzt Spaten, Haue, Hacke und Pflug erblickte, waren das für ihn die wundersamsten Dinge — er wusste weder, wofür sie dienten, noch wie sie hießen. Die Sklavenjungen an seiner Seite erklärten ihm von jedem Stück den Namen und die Verwendung. Als Schatzjade das hörte, nickte er seufzend und sprach: „Kein Wunder, dass es in jenem alten Gedicht heißt: ‚Wer weiß denn, dass ein jedes Korn auf dem Teller mit bitterstem Schweiß erkauft ist?‘ [Anm.: Berühmte Verse aus dem Gedicht ‚Mitleid mit den Bauern‘ (悯农) von Li Shen (李绅, Tang-Dynastie).] — genau dies ist damit gemeint!“ Während er so sprach, gelangte er zu einem anderen Gebäude. Dort erblickte er auf dem Kang [Anm.: 炕, ein beheizbares Ofenbett, typisch für Nordchina.] ein Spinnrad. Schatzjade fragte wieder die Sklavenjungen: „Was ist das für ein Ding?“ Die Sklavenjungen erklärten es ihm. Schatzjade trat heran, drehte neugierig daran und fand es höchst vergnüglich. Da kam plötzlich ein Bauernmädchen von etwa siebzehn, achtzehn Jahren herbeigelaufen und rief aufgeregt: „Lasst die Finger davon, ihr macht es mir noch kaputt!“ Die Sklavenjungen fuhren sie sogleich barsch an und wollten sie abhalten. Schatzjade aber zog rasch die Hand zurück und sagte lächelnd: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen und wollte es einmal ausprobieren.“ Das Mädchen sagte: „Was versteht Euresgleichen davon! Geht beiseite, dann zeige ich Euch, wie man spinnt.“ Liebglocke Minne zupfte verstohlen an Schatzjades Ärmel und flüsterte lächelnd: „Diese Maid scheint mir überaus reizvoll!“ Schatzjade stieß ihn lachend weg: „Verdammter Kerl! Wenn du weiter solchen Unsinn redest, bekommst du Schläge von mir!“ Damit blickte er wieder hin, und das Mädchen hatte begonnen, einen Faden zu spinnen. Gerade als Schatzjade etwas zu ihr sagen wollte, rief von drüben eine alte Frau: „Zweites Mädchen, komm schnell herüber!“ Das Mädchen ließ das Spinnrad stehen und lief sofort davon. Betrübt und verstimmt stand Schatzjade da. Bald darauf schickte Phönixglanz jemanden, um die beiden hereinzurufen. Phönixglanz hatte sich bereits die Hände gewaschen, die Kleider gewechselt und den Staub ausgeklopft. Sie fragte die beiden, ob sie sich ebenfalls umziehen wollten. Schatzjade mochte nicht, also ließ man es dabei bewenden. Nun brachten die mitreisenden Dienerinnen und Sklavinnen die unterwegs mitgeführten Teekannen und Teetassen herein, dazu kunstvoll zusammengestellte Speisetabletts mit allerlei kleinen Leckereien. Nachdem Phönixglanz und die anderen ihren Tee getrunken hatten und alles eingepackt war, stiegen sie wieder in den Wagen. Draußen hatte Wanger [旺儿] bereits ein Trinkgeldpäckchen bereitgehalten und überreichte es dem Gastgeber des Dorfes. Die Bauernfrauen kamen herbei, um sich fußfällig zu bedanken. Phönixglanz schenkte dem keine Beachtung, doch Schatzjade blickte aufmerksam hin — das Zweite Mädchen war nirgends dabei. Sie stiegen in den Wagen und fuhren los. Kaum waren sie ein kurzes Stück gefahren, da kam ihnen das Zweite Mädchen entgegen: Es trug ein kleines Brüderchen auf dem Arm und unterhielt sich lachend mit ein paar jüngeren Mädchen. Schatzjade wäre am liebsten vom Wagen gesprungen und ihr nachgelaufen — doch er wusste, dass man ihm das kaum gestatten würde. So musste er ihr wenigstens mit den Augen folgen, konnte aber nichts tun. Der Wagen war zu leicht und die Pferde zu schnell — im Nu war sie seinen Blicken entschwunden. Kaum eine Weile weiter, da hatten sie den großen Trauerzug wieder eingeholt. Schon von vorn ertönten die Ritualtrommel und die goldenen Becken, Bannern und Prunkschirmen flatterten im Wind: Die Mönche des Eiserne-Schwelle-Tempels kamen ihnen mit der vollen Pracht einer Empfangsprozession entgegen. Bald darauf war man im Kloster angelangt, wo erneut buddhistische Zeremonien abgehalten und frischer Weihrauch entzündet wurde. Der Sarg wurde in einem Seitenraum der inneren Halle aufgestellt. Baozhu, die Dienerin der Verstorbenen, richtete sich im angrenzenden Gemach ein, um die Totenwache am Sarg zu halten. In der äußeren Halle bewirtete Herrlichkeit Kaufmann die zahlreichen Verwandten und Freunde. Die einen nahmen die Einladung zum Essen an, die anderen verabschiedeten sich ohne zu speisen. Nachdem er sich bei allen der Reihe nach bedankt hatte, brachen die Herzöge, Fürsten, Grafen, Barone und Freiherren Gruppe um Gruppe auf, und erst gegen Ende der achten Doppelstunde [Anm.: 未末, ca. 15 Uhr.] waren sie schließlich alle fort. Im Inneren übernahm Phönixglanz die Bewirtung der weiblichen Gäste. Auch hier brachen die Ranghöchsten, die Damen der Würdenträger, als Erste auf, und erst weit nach Mittag war die letzte Gästin abgefahren. Nur einige wenige der engsten Verwandten blieben noch — sie wollten erst nach Abschluss der dreitägigen Gebetszeremonie für die Sargaufstellung abreisen. Dame Strafe und Dame König wussten, dass Phönixglanz noch nicht nach Hause kommen konnte, und schickten sich nun an, in die Stadt zurückzukehren. Dame König wollte Schatzjade mitnehmen, doch Schatzjade, der zum ersten Mal draußen vor der Stadt war, wollte um nichts in der Welt zurück und bestand darauf, bei Phönixglanz zu bleiben. Dame König blieb nichts anderes übrig, als ihn in Phönixglanz' Obhut zu geben und allein nach Hause zu fahren. Nun muss man wissen, dass das Eiserne-Schwellen-Kloster einst von den beiden Herzögen des Ning-Guo-Hauses und des Rong-Guo-Hauses [Anm.: 宁荣二公, die Begründer der beiden Zweige der Kaufmann-Familie.] erbaut worden war. Noch immer gab es Stiftungsland mit Einkünften, um den Unterhalt des Klosters zu sichern, damit Sippenangehörige, die in der Hauptstadt verstorben waren, hier bequem aufgebahrt werden konnten. Das Kloster verfügte über Räumlichkeiten sowohl für die Toten als auch für die Lebenden, sodass die Trauernden, die den Sarg begleiteten, hier ebenfalls unterkommen konnten. Da jedoch die Nachkommenschaft inzwischen sehr zahlreich geworden war und der Reichtum ungleich verteilt — manche vertrugen sich zudem nicht recht mit den anderen —, blieben nur diejenigen hier im Kloster, die in bescheidenen Verhältnissen lebten und sich in ihr Los fügten. Die Wohlhabenden und Standesbewussten hingegen erklärten, es sei ihnen hier nicht komfortabel genug, und suchten sich anderswo ein Quartier — in einem Dorf oder einem Nonnenkloster —, um sich nach den jeweiligen Zeremonien dorthin zurückzuziehen. Bei den gegenwärtigen Trauerfeierlichkeiten für Frau Qin[12] nächtigten nun alle Sippenangehörigen im Eiserne-Schwelle-Tempel — einzig Phönixglanz fand es dort nicht angemessen genug. Sie hatte deshalb bereits zuvor jemanden zum Dampfbrötchen-Kloster geschickt, um die Äbtissin Jingxu [净虚] zu bitten, ihr zwei Räume als Unterkunft freizumachen. Dieses Dampfbrötchen-Kloster hieß eigentlich Wassermond-Kloster [水月庵], doch weil die Nonnen dort so vorzügliche Dampfbrötchen zubereiteten, hatte sich der Spitzname eingebürgert. Es lag unweit des Eiserne-Schwelle-Tempels. Nachdem die Mönche ihre abendlichen Gebete vollendet und der Opfertee dargebracht worden war, schickte Herrlichkeit Kaufmann seinen Sohn Hibiskus Kaufmann zu Phönixglanz, um sie zu bitten, sich zur Ruhe zu begeben. Da noch einige junge Schwägerinnen da waren, die den weiblichen Verwandten Gesellschaft leisteten, verabschiedete sich Phönixglanz von allen und begab sich zusammen mit Schatzjade und Liebglocke Minne zum Wassermond-Kloster. Qin Zhongs Vater Qin Ye [秦业] war alt und krank und hatte nicht bleiben können — er hatte Liebglocke Minne lediglich aufgetragen, bis zum Abschluss der Sargaufstellung auszuharren. So hielt sich Liebglocke Minne jetzt einfach an Phönixglanz und Schatzjade. Als sie nach kurzer Wegstrecke das Wassermond-Kloster erreichten, kam ihnen die Äbtissin Jingxu mit ihren beiden Novizinnen Weisheitsgüte [智善] und Weisheitskraft [智能] entgegen, und alle begrüßten einander. Phönixglanz ging in das ruhige Gästezimmer, wechselte die Kleider und wusch sich die Hände. Als sie Weisheitskraft erblickte, stellte sie fest, dass diese abermals ein Stück gewachsen und noch hübscher geworden war. Sie sagte: „Warum seid ihr — Meisterin und Schülerin — in letzter Zeit nicht bei uns gewesen?“ Jingxu erwiderte: „Ach, die letzten Tage hatten wir einfach keine freie Minute! Im Hause des Herrn Hu [胡老爷] wurde ein Sohn geboren, und die gnädige Frau hat zehn Liang Silber herübergeschickt, damit wir mehrere Nonnen einladen und drei Tage lang das Blutkesselsutra [Anm.: 血盆经, ein buddhistisches Sutra, das bei Geburten und für Wöchnerinnen rezitiert wird.] lesen lassen. Wir waren so beschäftigt, dass wir nicht dazu kamen, Euch unsere Aufwartung zu machen, gnädige junge Frau!“ Doch lassen wir beiseite, wie die alte Nonne Phönixglanz Gesellschaft leistete. Erzählen wir stattdessen von Liebglocke Minne und Schatzjade, die in der Haupthalle des Klosters herumstreiften und spielten. Als Weisheitskraft vorbeikam, sagte Schatzjade lächelnd: „Sieh mal, Weisheitskraft ist da!“ Liebglocke Minne entgegnete: „Was soll ich mit dem Ding?“ Schatzjade lachte: „Tu doch nicht so unschuldig! Neulich bei der Herzoginmutter, als kein Mensch im Zimmer war — warum hast du sie da in den Armen gehalten? Und jetzt willst du mich für dumm verkaufen?“ Liebglocke Minne lachte verlegen: „Das ist doch frei erfunden!“ Schatzjade sagte: „Ob es stimmt oder nicht — das ist mir einerlei. Sag ihr nur, sie soll mir eine Schale Tee eingießen, dann lasse ich dich in Ruhe.“ Liebglocke Minne wandte ein: „Das ist doch merkwürdig — wenn du sie selbst darum bittest, wird sie doch auch einschenken, warum soll ich es ihr sagen?“ Schatzjade erklärte: „Wenn ich sie darum bitte, geschieht es ohne Gefühl. Wenn du sie bittest, geschieht es mit Gefühl!“ So blieb Liebglocke Minne nichts anderes übrig, als zu rufen: „Weisheitskraft! Bring uns doch bitte eine Schale Tee!“ Diese Weisheitskraft ging von klein auf im Rong-Guo-Haus ein und aus, und es gab dort niemanden, der sie nicht kannte. So hatte sie auch oft mit Schatzjade und Liebglocke Minne zusammen gescherzt und gelacht. Jetzt, da sie heranwuchs und allmählich um die Dinge zwischen Mann und Frau zu wissen begann, hatte sie ein Auge auf Liebglocke Minne geworfen, weil er eine so elegante und anmutige Erscheinung war. Liebglocke Minne seinerseits war von ihrer Schönheit bezaubert. Obwohl noch nichts Handfestes zwischen ihnen vorgefallen war, hatten sie sich im Herzen längst gefunden. Als Weisheitskraft nun Liebglocke Minne sah, schlug ihr Herz höher und ihre Augen strahlten. Sie ging Tee eingießen und brachte ihn. Liebglocke Minne sagte lächelnd: „Gib ihn mir!“ Schatzjade rief: „Nein, gib ihn mir!“ Weisheitskraft verzog den Mund zu einem spitzbübischen Lächeln und sagte: „Streitet ihr euch etwa um eine Schale Tee? Habe ich vielleicht Honig an den Fingern?“ Schatzjade schnappte sich die Schale als Erster und trank. Gerade als er Weisheitskraft etwas fragen wollte, kam Weisheitsgüte und rief Weisheitskraft weg, um die Teetabletts zu richten. Kurz darauf kamen sie und luden die beiden zum Tee mit Obst und Gebäck ein. Doch die beiden mochten von alldem nichts. Sie saßen einen Augenblick, dann gingen sie wieder hinaus, um sich zu vergnügen. Auch Phönixglanz saß noch ein Weilchen am Teetisch, dann zog sie sich in das ruhige Gästezimmer zurück, um auszuruhen. Die Äbtissin begleitete sie. Als die Dienerinnen und Sklavinnen sahen, dass nichts weiter zu tun war, gingen sie nacheinander hinaus und legten sich hin. Nur einige wenige Vertraute, die zu Phönixglanz' ständiger Bedienung gehörten, blieben im Zimmer. Die alte Nonne nutzte die Gelegenheit und sagte: „Ich hätte da eine Angelegenheit, derentwegen ich eigentlich zu Euch ins Anwesen kommen und die gnädige Frau bitten wollte. Doch zunächst möchte ich die gnädige junge Frau nach ihrer Meinung fragen.“ Phönixglanz fragte, worum es gehe. Die alte Nonne sagte: „Amitabha Buddha! Es ist so: Seinerzeit, als ich noch im Kloster der Guten Begabung [善才庵] in der Provinzstadt Chang'an lebte, da gab es dort einen Gönner namens Zhang, einen wohlhabenden Mann. Er hatte eine Tochter mit dem Kindheitsnamen Jinge [金哥]. Eines Tages kam dieses Mädchen in unser Kloster, um Weihrauch zu opfern, und musste dabei dem jungen Li [李衙内] begegnen — dem jüngeren Bruder der Gattin des Präfekten von Chang'an. Dieser junge Herr Li verliebte sich auf der Stelle in sie und wollte sie unbedingt heiraten. Er schickte Brautwerber los, doch es stellte sich heraus, dass Jinge bereits dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten [Anm.: 守备, ein mittlerer Militärbeamter.] verlobt war und die Verlobungsgeschenke entgegengenommen hatte. Die Familie Zhang wagte es nicht, die Verlobung aufzulösen, aus Furcht, der Stadtkommandant würde es nicht hinnehmen, und erklärte nur, das Mädchen sei bereits vergeben. Doch der junge Herr Li ließ sich davon keineswegs abbringen und bestand darauf, sie zur Frau zu nehmen. Die Familie Zhang steckte zwischen beiden Seiten in der Klemme und wusste nicht ein noch aus. Als schließlich die Familie des Stadtkommandanten von der Sache erfuhr, kam sie ohne viel Federlesens zu den Zhangs, beschimpfte und demütigte sie und fragte: ‚Mit wie vielen Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er lehnte es ganz entschieden ab, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und erhob Klage vor Gericht. Da bekam die Familie Zhang Angst und schickte Boten in die Hauptstadt, um Protektion zu suchen, und erklärte trotzig, man wolle die Verlobung auf jeden Fall lösen. Nun habe ich mir gedacht: Der Garnisonskommandant Yun [云老爷] in Chang'an steht doch in engster Verbindung mit Eurer verehrten Familie. Wenn man die gnädige Frau bitten könnte, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, damit er dem Kommandanten Yun einen Brief schreibt und jener mit dem ehemaligen Stadtkommandanten ein Wort redet — dann würde dieser ganz bestimmt nachgeben. Und wenn es gelingen sollte, wäre die Familie Zhang bereit, ihr gesamtes Vermögen als Dank darzubringen.“ Phönixglanz hörte zu und sagte lächelnd: „An und für sich wäre das keine schwierige Sache. Nur befasst sich die gnädige Frau mit solchen Angelegenheiten nicht mehr.“ Die Äbtissin sagte: „Wenn die gnädige Frau sich nicht damit befasst, könntet ja Ihr die Sache in die Hand nehmen!“ Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Ich bin auf Silber nicht erpicht und mache solche Geschäfte nicht.“ Als die Äbtissin Jingxu das hörte, ließ sie alle Hoffnung fahren. Doch nach einer Weile seufzte sie und sagte: „Ihr sagt das so. Aber die Familie Zhang weiß bereits, dass ich hierher gekommen bin, um bei Euch vorstellig zu werden. Wenn Ihr nun die Sache nicht regelt, werden sie nicht etwa denken, Ihr hättet keine Zeit gehabt oder der Lohn sei Euch gleichgültig — nein, es wird so aussehen, als ob Eure Familie nicht einmal über so viel Einfluss verfüge, eine solche Kleinigkeit zu erledigen.“ Diese Worte verfehlten ihre Wirkung auf Phönixglanz nicht, und sie fuhr auf: „Du kennst mich doch seit langem! Du weißt, dass ich noch nie an ein Jenseits, eine Hölle oder himmlische Vergeltung geglaubt habe. Was ich anpacke, das wird gemacht, und wenn ich sage, etwas geht, dann geht es. Sag den Leuten, sie sollen dreitausend Liang Silber bringen — dann schaffe ich ihnen den Ärger vom Hals!“ Als die Äbtissin das hörte, kannte ihre Freude keine Grenzen, und sie rief hastig: „Die haben sie, die haben sie! Das ist kein Problem!“ Phönixglanz fuhr fort: „Aber so eine bin ich nicht — eine, die sich für ein paar Silberlinge krumm macht und Ränke schmiedet! Diese dreitausend Liang sind nur die Auslagen für den Diener, den ich damit losschicke — sein Reisegeld und eine Belohnung für seine Mühe. Ich selbst will keinen einzigen Heller von den Leuten! Wenn es darauf ankäme, könnte ich auch dreißigtausend Liang auf der Stelle aufbringen.“ Die Äbtissin stimmte eilig zu und bat: „Wenn dem so ist, gnädige junge Frau — würdet Ihr die Güte haben, die Sache schon morgen in Gang zu setzen?“ Phönixglanz sagte: „Sieh mich doch an, wie viel ich um die Ohren habe — überall werde ich gebraucht! Aber wenn ich es dir versprochen habe, werde ich es auch rasch zu Ende bringen.“ Die Äbtissin schmeichelte weiter: „So eine Kleinigkeit — andere Leute würde sie in die allergrößte Aufregung versetzen. Aber vor Euch, gnädige junge Frau, da könnte noch einiges mehr dazukommen, und es wäre noch immer nicht genug, Euch ins Schwitzen zu bringen! Freilich sagt das Sprichwort: ‚Wer viel kann, muss viel tun.‘ Die gnädige Frau sieht, dass Ihr großen und kleinen Aufgaben gleichermaßen gewachsen seid, also überträgt sie Euch alles. Aber Ihr solltet auch auf Eure kostbare Gesundheit achten, gnädige junge Frau!“ Diese Schmeicheleien taten Phönixglanz so wohl, dass sie alle Müdigkeit vergaß und sich noch weiter in das Gespräch vertiefte. Doch wer konnte ahnen, dass unterdessen Liebglocke Minne die Dunkelheit und die Stille nutzte, um sich auf die Suche nach Weisheitskraft zu machen! Er schlich zum rückwärtigen Trakt und fand Weisheitskraft allein in einem Zimmer, wo sie Teegeschirr spülte. Liebglocke Minne stürzte auf sie zu, schloss sie in die Arme und küsste sie. In ihrer Aufregung stampfte Weisheitskraft mit dem Fuß auf und rief: „Was soll das! Wenn du das noch einmal tust, schreie ich!“ Liebglocke Minne flehte: „Liebste! Ich sterbe vor Sehnsucht! Wenn du mich heute wieder zurückweist, bringe ich mich auf der Stelle um!“ Weisheitskraft sagte: „Was stellst du dir vor? Erst muss ich aus diesem Kerker heraus und von diesen Leuten fort sein — dann erst kann ich dir nachgeben.“ Liebglocke Minne wandte ein: „Das klingt schön und gut — aber fernes Wasser kann den nahen Durst nicht löschen!“ Damit blies er mit einem Atemzug die Lampe aus. Der ganze Raum lag in stockfinsterer Dunkelheit. Er trug Weisheitskraft auf den Kang und begann das Wolken-und-Regen-Spiel [Anm.: 云雨, klassischer euphemistischer Ausdruck für geschlechtliche Vereinigung, abgeleitet aus dem Traum des Königs von Chu.] mit ihr zu spielen. Weisheitskraft wehrte sich und strampelte, doch sie konnte sich nicht befreien, und da es schlecht anging zu rufen, musste sie ihn schließlich gewähren lassen. Gerade als sie am meisten in ihren Freuden versunken waren, kam plötzlich jemand herein, drückte sie beide nieder, ohne ein Wort zu sagen. Die beiden wussten nicht, wer es war, und wagten sich vor Schreck nicht zu rühren. Doch dann platzte der Eindringling prustend vor Lachen heraus, und an der Stimme erkannten sie — Schatzjade! Liebglocke Minne sprang hastig auf und rief vorwurfsvoll: „Was soll das?“ Schatzjade lachte: „Wenn du nicht gehorchst, rufe ich alle herbei!“ Die beschämte Weisheitskraft lief im Schutz der Dunkelheit davon. Schatzjade zog Liebglocke Minne aus dem Zimmer und fragte: „Willst du es immer noch abstreiten?“ Liebglocke Minne antwortete lachend: „Liebster Freund, ich tue alles, was du willst — nur sei still und erzähle niemandem davon!“ Schatzjade sagte: „Jetzt müssen wir nicht davon reden. Nachher, wenn wir im Bett liegen, rechnen wir in aller Ruhe ab.“ Bald darauf war es Zeit, sich zu entkleiden und zur Ruhe zu begeben. Phönixglanz schlief im inneren Gemach, Liebglocke Minne und Schatzjade im Vorzimmer. Überall auf dem Fußboden hatten sich die alten Sklavinnen Lagerstätten bereitet und hielten Nachtwache. Phönixglanz, die fürchtete, der Beseelte Jadestein [通灵玉] könnte verlorengehen, wartete, bis Schatzjade eingeschlafen war, und ließ sich den Stein bringen, den sie unter ihr eigenes Kopfkissen schob. Was für eine Abrechnung Schatzjade mit Liebglocke Minne hielt, wissen wir nicht. Niemand hat es mit eigenen Augen gesehen, niemand hat es zu Papier gebracht. Es bleibt ein ungeklärter Fall — und etwas erdichten wollen wir nicht. Über den Rest der Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Morgen, in aller Frühe, schickten die Herzoginmutter und Dame König Boten, um nach Schatzjade zu sehen. Man ließ ihm ausrichten, er solle sich warm anziehen und, wenn nichts weiter anstehe, lieber nach Hause kommen. Doch wie hätte Schatzjade bereit sein sollen, zurückzukehren! Zudem stachelte ihn Liebglocke Minne, der sich von Weisheitskraft nicht losreißen mochte, heimlich an, Phönixglanz zu bitten, noch einen Tag zu bleiben. Phönixglanz überlegte einen Augenblick: Erstens waren zwar alle wichtigen Trauerriten erledigt, doch etliche Kleinigkeiten standen noch aus — das konnte man als Vorwand nehmen, um noch einen Tag zu bleiben, und damit hätte sie Herrlichkeit Kaufmann den allergrößten Gefallen getan. Zweitens konnte sie die Sache regeln, um die Jingxu sie gebeten hatte. Und drittens tat sie Schatzjade einen Gefallen, und wenn die Herzoginmutter davon erfuhr, würde sie sich nur freuen. Da sie in dieser Überlegung drei Vorteile auf einmal erkannte, sagte sie zu Schatzjade: „Meine Geschäfte sind eigentlich alle erledigt. Aber wenn du noch einen Tag hierbleiben willst, muss ich wohl die Mühe auf mich nehmen. Morgen aber — morgen fahren wir ganz bestimmt ab!“ Schatzjade war überglücklich und nannte sie tausend- und abertausendmal „liebste Schwester“ und beteuerte, er wolle ja nur noch diesen einen Tag bleiben, am nächsten Morgen könnten sie in die Stadt zurückkehren. So verbrachten sie noch eine weitere Nacht im Kloster. Phönixglanz ließ daraufhin den Diener Laiwanger [来旺儿] heimlich zu sich rufen und trug ihm die Angelegenheit auf, die ihr die Äbtissin am Vortag vorgetragen hatte. Laiwanger verstand sofort, worum es ging. Er eilte in die Stadt, fand den Schreiber, der die Korrespondenz führte, gab in Kette Kaufmanns[13] Namen einen Brief in Auftrag und brach noch in derselben Nacht nach Chang'an auf. Da die Entfernung nicht mehr als hundert Li betrug, war in zwei Tagen alles erledigt. Der Garnisonskommandant hieß Yun Guang [云光] und stand seit langem in der Schuld des Hauses Kaufmann — wie hätte er da eine solche Lappalie abschlagen können? Er gab einen Antwortbrief mit, und Laiwanger machte sich auf den Heimweg. Doch davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Phönixglanz verbrachte noch einen weiteren Tag im Kloster und verabschiedete sich am übernächsten Tag von der Äbtissin, der sie auftrug, in drei Tagen ins Anwesen zu kommen, um sich den Bescheid abzuholen. Liebglocke Minne und Weisheitskraft vermochten sich kaum voneinander zu trennen. Heimlich trafen sie im Verborgenen allerlei verstohlene Absprachen, die hier nicht im Einzelnen wiederholt werden müssen — doch dann mussten sie, der Not gehorchend, unter Tränen Abschied nehmen. Phönixglanz fuhr noch einmal zum Eiserne-Schwelle-Tempel hinüber, um einen letzten Blick auf die Dinge zu werfen. Baozhu hatte sich unterdessen in den Kopf gesetzt, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, und so war Herrlichkeit Kaufmann gezwungen, ihr Sklavinnen als Gesellschaft zur Seite zu stellen. Im Weiteren mehr davon! |
- ↑ Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎyù, wörtl. „Schatzjade Kaufmann“.
- ↑ Chin. 水溶 Shuǐ Róng. 水 shuǐ „Wasser“; 溶 róng „schmelzen/auflösen“. Ein eleganter, kunstsinniger Prinz.
- ↑ Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng.
- ↑ Chin. 贾赦 Jiǎ Shè.
- ↑ Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Stillfriede-Anwesens.
- ↑ Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng.
- ↑ Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix des Glanzes“.
- ↑ Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die Ahnherrin der Kaufmann-Familie.
- ↑ Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén.
- ↑ Chin. 王夫人 Wáng Fūrén.
- ↑ Chin. 秦钟 Qín Zhōng, Schulfreund Schatzjades.
- ↑ Chin. 秦可卿 Qín Kěqīng, die Verstorbene.
- ↑ Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadekette Kaufmann“.