Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 71

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Kapitel 71: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)

DE3 (Schwarz) DE4 (Woesler, 2026)
71.Mißgunst äußert sich bei passender Gelegenheit,Yüan-yang stößt auf ein verliebtes Paar. Einundsiebzigstes Kapitel

Wer auf Risse sinnt, erzeugt absichtlich Risse;
Nachdem Djia Dschëng wieder in der Hauptstadt war und alle seine Amtsgeschäfte erledigt hatte, wurde ihm ein Monat Urlaub gewährt, damit er sich zu Hause erholen konnte. Und da er schon allmählich auf den Lebensabend zuschritt, da seine Pflichten schwer waren und sein Körper gebrechlich wurde, und da er schließlich nach mehrjähriger Abwesenheit, die ihn von seinen nächsten Angehörigen getrennt hatte, jetzt froh in den Schoß der Familie zurückgekehrt war, fühlte er sich unendlich glücklich. So vernachlässigte er nun mehr denn je alle ernsten Geschäfte, ob groß oder klein, und gab sich nur der Lektüre hin. Und wenn er der Bücher überdrüssig war, spielte er mit seinen Hausgästen Schach und trank Wein dabei, oder aber er plauderte wohl auch am hellen Tag in den inneren Gemächern mit seiner Mutter und seiner Frau über die Freuden, die einem Heim und Familie gewähren. Das Mandarinenentenmädchen trifft unversehens auf ein Mandarinentenpaar

Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann [1] nach seiner Rückkehr in die Hauptstadt alle seine Amtsgeschäfte erledigt hatte und einen Monat Urlaub zur Erholung zu Hause gewährt bekam. Da er im Alter voranschritt, die Pflichten schwer und der Körper schwach waren, und da er nach mehrjähriger Abwesenheit, die ihn von seinen engsten Angehörigen getrennt hatte, nun froh in den Schoß der Familie zurückgekehrt war, fühlte er sich grenzenlos glücklich. So vernachlässigte er nun alle Angelegenheiten, groß wie klein, noch mehr als zuvor und widmete sich nur noch der Lektüre. Wenn er der Bücher überdrüssig wurde, spielte er mit seinen Hausgästen Schach und trank Wein, oder er plauderte tagsüber in den inneren Gemächern mit Mutter und Ehefrau über die Freuden, die Heim und Familie gewähren.
Da am dritten Tag des achten Monats dieses Jahres der achtzigste Geburtstag der Herzoginmutter war und alle Verwandten und Freunde kommen würden, so daß der Platz für die Festtafeln nicht ausreichen konnte, beriet sich Djia Dschëng rechtzeitig mit Djia Schë, Djia Dschën und Djia Liän, wobei sie übereinkamen, daß vom achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats bis zum fünften Tag des achten Monats im Jung-guo- und im Ning-guo-Anwesen zugleich gefeiert werden sollte. Ins Ning-guo-Anwesen sollten die männlichen, ins Jung-guo-Anwesen die weiblichen Gäste gebeten werden. Im Garten des Großen Anblicks wurden der Brokatbestückte Turm und die Halle des Vortrefflichen Schattens hergerichtet, damit sie den Gästen zum zeitweiligen Aufenthalt dienen konnten. Da in diesem Jahr am dritten Tag des achten Monats der achtzigste Geburtstag der Herzoginmutter [2] war und alle Verwandten und Freunde kommen würden, so dass der Platz für die Festtafeln nicht ausreichen konnte, beriet sich Aufrecht Kaufmann rechtzeitig mit Begnadigung Kaufmann [3], Juwel Kaufmann [4] und Kette Kaufmann [5]. Man kam überein, dass vom achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats bis zum fünften Tag des achten Monats im Rongguofu [6] und im Ningguofu [7] zugleich gefeiert werden sollte. Im Ningguofu sollten die männlichen Gäste empfangen werden, im Rongguofu die weiblichen. Im Garten des Großen Anblicks [8] wurden der Brokatbestückte Turm [9] und die Halle des Vortrefflichen Schattens [10] sowie einige weitere große Räumlichkeiten als Rückzugsorte hergerichtet.
Für den achtundzwanzigsten wurden kaiserliche Schwäger und Schwiegersöhne, Prinzen und Herzöge, Töchter des Kaisers und der kaiserlichen Prinzen, prinzliche Nebenfrauen sowie Mütter und Hauptfrauen hoher Beamter geladen, für den neunundzwanzigsten die Vorsitzenden des Thronsekretariats, die Leiter der Ministerien und des kaiserlichen Haushalts, die Gouverneure und Militärgouverneure der einzelnen Provinzen sowie die Hauptfrauen aller dieser Beamten, für den dreißigsten dann weitere Beamte mit ihren Hauptfrauen sowie enge und ferne Verwandte und Freunde mit ihren Frauen. Für den achtundzwanzigsten waren kaiserliche Schwäger und Schwiegersöhne, Prinzen und Herzöge, Prinzessinnen und Fürstinnen, königliche Gemahlinnen sowie Mütter und Hauptfrauen hoher Beamter geladen. Für den neunundzwanzigsten die Vorsitzenden des Thronsekretariats, die Leiter der Ministerien und des kaiserlichen Haushalts, die Gouverneure und Militärgouverneure der einzelnen Provinzen sowie deren Hauptfrauen. Für den dreißigsten dann weitere Beamte mit ihren Gemahlinnen sowie nahe und ferne Verwandte und Freunde mit deren Frauen.
Am ersten gab Djia Schë sein Fest im Familienkreis, am zweiten Djia Dschëng, am dritten Djia Dschën gemeinsam mit Djia Liän. Am vierten wurde ein Familienfest auf Kosten sämtlicher Sippenangehörigen – groß und klein, vornehm und gering – gegeben, am fünften schließlich ein Fest, das von Lai Da, Lin Dschï-hsiau und den übrigen Verwaltern beider Anwesen gemeinsam finanziert wurde. Am ersten Tag gab Begnadigung Kaufmann sein Fest im Familienkreis, am zweiten Aufrecht Kaufmann, am dritten Juwel Kaufmann gemeinsam mit Kette Kaufmann. Am vierten wurde ein Familienfest auf Kosten aller Sippenmitglieder – groß und klein, vornehm und gering – gegeben, am fünften schließlich ein Fest, das von Lai Da, Lin Zhixiao und den übrigen Verwaltern beider Anwesen gemeinsam finanziert wurde.
Von der ersten Dekade des siebenten Monats an wurden in steter Folge Geschenke gebracht. Vom Ritenministerium wurden auf allerhöchsten Befehl als Geschenke des Kaisers ein Glückwunschzepter aus Gold und Jade, vier Längen bunter Brokat, vier Ringe aus Gold und Jade sowie fünfhundert Liang Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer überbracht. Außerdem schickte Yüan-tschun durch die Eunuchen eine Goldstatuette des Gottes der Langlebigkeit, einen Krückstock aus Adlerholz, eine Gebetsschnur aus Duftholzperlen, eine Dose „Weihrauch des Glücks und der Langlebigkeit“, ein Paar Goldbarren, vier Paar Silberbarren, zwölf Stücken bunten Brokat und vier jadene Becher. Von der ersten Dekade des siebenten Monats an wurden in stetiger Folge Geschenke gebracht. Vom Ritenministerium wurden auf allerhöchsten Befehl als Geschenke des Kaisers ein Glückwunschzepter aus Gold und Jade, vier Längen bunter Brokat, vier Ringe aus Gold und Jade sowie fünfhundert Liang Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer überbracht. Außerdem schickte Yuanchun [11] durch die Eunuchen eine Goldstatuette des Gottes der Langlebigkeit, einen Krückstock aus Adlerholz, eine Gebetsschnur aus Duftholzperlen, eine Dose „Weihrauch des Glücks und der Langlebigkeit", ein Paar Goldbarren, vier Paar Silberbarren, zwölf Stücke bunten Brokat und vier jadene Becher.
Auch unter den Familien der Prinzen kaiserlichen Geblüts und der Schwiegersöhne des Kaisers sowie aller höheren und niederen Zivil- und Militärbeamten, mit denen die Djias Umgang hatten, war keine, die nicht ebenfalls ihre Gaben schickte. Diese können hier nicht alle aufgezählt werden. Auch unter den Familien der Prinzen kaiserlichen Geblüts und der kaiserlichen Schwiegersöhne sowie aller höheren und niederen Zivil- und Militärbeamten, mit denen die Kaufmanns [12] Umgang pflegten, war keine, die nicht ihre Gaben geschickt hätte. Diese können hier nicht alle aufgezählt werden.
In der Haupthalle war ein großer Tisch bereitgestellt worden, der mit rotem Filz bedeckt war und auf dem alle feineren Geschenke aufgebaut wurden, damit die Herzoginmutter sie in Augenschein nehmen konnte. An den ersten beiden Tagen kam sie auch wirklich freudig herüber und sah sich alles an, aber dann hatte sie es satt, wollte nichts mehr sehen und sagte nur: „Sagt Hsi-fëng, sie soll es in Verwahrung nehmen! Ich sehe es mir ein andermal an, wenn ich Langeweile habe.“ In der Haupthalle war ein großer Tisch aufgestellt, mit rotem Filz bedeckt, auf dem alle feinen Geschenke ausgebreitet wurden, damit die Herzoginmutter sie in Augenschein nehmen konnte. Am ersten und zweiten Tag kam sie noch freudig herüber und betrachtete alles, aber dann hatte sie genug davon, wollte nichts mehr sehen und sagte nur: „Sagt dem Phönixglanz-Mädchen [13], sie soll es verwahren! Ich schaue es mir ein andermal an, wenn mir langweilig ist."
Am achtumndzwanzigsten Tag des siebenten Monats glänzten beide Anwesen im Schmuck der Laternen und Seidenrosetten. An den Setzschirmen prangten Phönixbilder, auf den Sitzkissen strahlten Lotosmuster. Die Musik von Flöten und Trommeln drang hinaus in die Straßen und Gassen. Am achtundzwanzigsten Tag des siebenten Monats erstrahlten beide Anwesen im Schmuck der Laternen und Seidenrosetten. An den Setzschirmen prangten Phönixbilder, auf den Sitzkissen leuchteten Lotosmuster. Die Musik von Flöten und Trommeln drang hinaus in die Straßen und Gassen.
Zu Gast ins Ning-guo-Anwesen kamen an diesem Tag nur die Prinzen Bee-djing und Nan-an, der kaiserliche Schwiegersohn Yung-tschang, der Prinz Lë-schan sowie die Träger der Erbtitel einiger Herzogs- und Fürstenhäuser, mit denen die Djias seit Generationen befreundet waren, und ins Jung-guo-Anwesen eine verwitwete Nebenfrau des vorigen Prinzen Nan-an, eine Nebenfrau des Prinzen Bee-djing sowie die Hauptfrauen der befreundeten Herzöge und Fürsten. Im Ningguofu erschienen an diesem Tag nur der Fürst von Beijìng [14], der Vizekönig von Nan'an [15], der kaiserliche Schwiegersohn Yongchang [16], der Prinz Leshan [17] sowie die Träger einiger Erbtitel befreundeter Herzogs- und Fürstenhäuser. Im Rongguofu kamen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, die Gemahlin des Fürsten von Beijìng sowie die Hauptfrauen der befreundeten Herzöge und Fürsten.
Im vollen Festschmuck, wie er ihrem jeweiligen Rang entsprach, gingen ihnen die Herzoginmutter und alle anderen zum Empfang entgegen. Nachdem sie einander begrüßt hatten, wurden die Gäste zunächst in die Halle des Vortrefflichen Schattens im Garten des Großen Anblicks gebeten. Erst nachdem sie hier Tee getrunken hatten und austreten waren, verließen sie wieder den Garten und begaben sich in die Halle der Üppigen Glückwünsche hinüber, um ihre Gratulationen vorzutragen und dann zu Tisch zu gehen. Hierbei gab es ein langes Sichzieren, ehe endlich alle Platz genommen hatten. Im vollen Festschmuck, wie er ihrem jeweiligen Rang entsprach, gingen die Herzoginmutter und alle anderen zum Empfang entgegen. Nachdem man einander begrüßt hatte, wurden die Gäste zunächst in die Halle des Vortrefflichen Schattens im Garten des Großen Anblicks geführt. Erst nachdem sie hier Tee getrunken und sich frisch gemacht hatten, verließen sie den Garten und begaben sich in die Halle der Üppigen Glückwünsche [18], um ihre Gratulationen darzubringen und dann zu Tisch zu gehen. Hierbei zierte man sich lange, ehe endlich alle Platz genommen hatten.
An den beiden Ehrentischen saßen die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an und die Nebenfrau des Prinzen Bee-djing, an den übrigen Tischen der Rangfolge nach abwärts die Frauen der Herzöge und Fürsten. Am ersten Tisch linkerhand saßen als „begleitende Ehrengäste“ die Frau des Fürsten Djin-hsiang und die des Grafen Lin-tschang, und erst am ersten Tisch rechterhand war der Platz der Herzoginmutter. Hinter ihr standen, angeführt von den Damen Hsing und Wang, Frau You und Hsi-fëng mit den anderen jungen Frauen der Familie in keilförmiger Formation, um aufzuwarten. An den beiden Ehrentischen saßen die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an und die Gemahlin des Fürsten von Beijìng, an den übrigen Tischen der Rangfolge nach abwärts die Frauen der Herzöge und Fürsten. Am ersten Tisch zur Linken saßen als begleitende Ehrengäste die Frau des Fürsten Jinxiang [19] und die des Grafen Linchang [20], und erst am ersten Tisch zur Rechten war der Platz der Herzoginmutter. Hinter ihr standen, angeführt von Dame Hsing [21] und Dame Wang [22], Frau You [23] und Phönixglanz [24] mit den anderen jungen Frauen der Familie in keilförmiger Formation, um aufzuwarten.
Außerhalb der Bambusvorhänge waren unter der Aufsicht der Frauen von Lin Dschï-hsiau und Lai Da Sklavenfrauen angetreten, um die Speisen und den Wein hereinzureichen. Hinter den Setzschirmen aber waren unter dem Kommando von Dschou Juees Frau Sklavenmädchen postiert, um etwaige Aufträge entgegenzunehmen. Das Gefolge der Gäste war von weiteren Sklavenfrauen fortgeführt worden, um anderswo bewirtet zu werden. Außerhalb der Bambusvorhänge waren unter der Aufsicht der Frauen von Lin Zhixiao und Lai Da Sklavenfrauen angetreten, um die Speisen und den Wein hereinzureichen. Hinter den Setzschirmen waren unter dem Kommando von Zhou Ruis Frau Sklavenmädchen postiert, um etwaige Aufträge entgegenzunehmen. Das Gefolge der Gäste war von weiteren Sklavenfrauen fortgeführt worden, um anderswo bewirtet zu werden.
Alsbald erschienen auf der Bühne die Schauspieler, um zuerst ihre Glückwünsche auszusprechen. Vor der Bühne traten zwölf Sklavenjungen in gleichartiger Aufmachung an, die noch zu klein waren, um ihr Haar wachsen zu lassen. Einen Augenblick später erschien am Fuße der Treppe ein weiterer kleiner Sklavenjunge mit dem Repertoirzettel und reichte ihn einer Sklavenfrau, deren Aufgabe es war, Meldungen weiterzuleiten. Erst aus ihren Händen empfing ihn Lin Dschï-hsiaus Frau, legte ihn auf ein kleines Tablett und trat damit durch die Tür, um ihn an die Nebenfrau Pee-fëng zu übergeben, die zu Frau Yous Bedienung gehörte. Alsbald betraten die Schauspieler die Bühne, um zuerst ihre Glückwünsche auszusprechen. Vor der Bühne traten zwölf Sklavenjungen in gleichartiger Aufmachung an, die noch zu klein waren, um ihr Haar wachsen zu lassen. Einen Augenblick später erschien am Fuße der Treppe ein weiterer kleiner Sklavenjunge mit dem Repertoirezettel und reichte ihn einer Sklavenfrau, deren Aufgabe es war, Meldungen weiterzuleiten. Erst aus ihren Händen empfing ihn Lin Zhixiaos Frau, legte ihn auf ein kleines Tablett und trat damit durch die Tür, um ihn an die Nebenfrau Peifeng [25] zu übergeben, die zu Frau Yous Bedienung gehörte.
Aus Pee-fëngs Händen nahm Frau You das Tablett entgegen und trug den Zettel darauf zu den Ehrentischen, wo sich die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an erst ein Weilchen höflich zierte, ehe sie einen glückverheißenden Titel auswählte. Nachdem sich auch die Nebenfrau des Prinzen Bee-djing eine Zeitlang geziert hatte, suchte sie ebenfalls eine Szene aus. Anschließend machten auch alle anderen Gäste dieselben Umstände und sagten, man solle nur nach Belieben einige gute Szenen bestimmen, um sie spielen zu lassen. Aus Peifengs Händen nahm Frau You das Tablett entgegen und trug den Zettel darauf zu den Ehrentischen, wo die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an sich erst ein Weilchen höflich zierte, ehe sie eine Szene mit glückverheißendem Titel auswählte. Nachdem sich auch die Gemahlin des Fürsten von Beijìng eine Zeitlang geziert hatte, suchte sie ebenfalls eine Szene aus. Anschließend machten auch alle anderen Gäste dieselben Umstände und sagten, man solle nur nach Belieben einige gute Szenen bestimmen und spielen lassen.
Als nach kurzer Zeit schon die vierte Speise aufgetragen und die Suppe gereicht worden war, verteilte das Gefolge der Gäste die Belohnungen für die Schauspieler. Nachdem alle austreten waren, gingen sie in den Garten zurück, wo feiner Tee serviert wurde. Nun erkundigte sich die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an nach Bau-yü, und die Herzoginmutter gab lächelnd die Auskunft: „Heute wird in mehreren Tempeln das Sutra zum Erhalt der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens verlesen, und er nimmt daran teil.“ Als nach kurzer Zeit schon die vierte Speise aufgetragen und die Suppe gereicht worden war, verteilte das Gefolge der Gäste die Belohnungen für die Schauspieler. Nachdem sich alle frisch gemacht hatten, kehrten sie in den Garten zurück, wo feiner Tee serviert wurde.
Nach den jungen Mädchen gefragt, sagte die Herzoginmutter, wiederum lächelnd: „Die einen sind krank, die anderen schwächlich, außerdem sind sie scheu gegenüber Fremden. Darum habe ich ihnen gesagt, sie sollen meine Räume beaufsichtigen. Und da genug Schaupielertruppen im Hause sind, habe ich eine davon hinübergeschickt, damit sie bei mir in der Halle vor unsern Mädchen und ihren Kusinen aus den Familien ihrer Tanten etwas vorführt.“ Nun erkundigte sich die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an nach Schatzjade [26], und die Herzoginmutter gab lächelnd Auskunft: „Heute wird in mehreren Tempeln das Sutra zum Erhalt der Gesundheit und zur Verlängerung des Lebens verlesen, und er nimmt daran teil."
„Wenn das so ist“, sagte die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an, „laßt sie doch durch jemand herüberbitten!“ Als nach den jungen Mädchen gefragt wurde, sagte die Herzoginmutter, wiederum lächelnd: „Die einen sind krank, die anderen schwächlich, außerdem sind sie scheu gegenüber Fremden. Darum habe ich ihnen gesagt, sie sollen meine Räume beaufsichtigen. Und da genug Schauspieltruppen im Hause sind, habe ich eine davon hinübergeschickt, damit sie bei mir in der Halle vor unseren Mädchen und ihren Kusinen aus den Familien ihrer Tanten etwas vorführt."
Also wandte die Herzoginmutter den Kopf nach Hsi-fëng und befahl ihr, sie solle Hsiang-yün, Bau-tschai, Bau-tjin und Dai-yü herüberholen. „Außer diesen bringst du nur das dritte Fräulein zu ihrer Begleitung mit!“ setzte sie noch hinzu. „Wenn das so ist", sagte die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an, „lasst sie doch durch jemanden herüberbitten!"
Hsi-fëng ging in die Räume der Herzoginmutter hinüber, wo die Mädchen eben Naschwerk knabberten und dabei dem Theaterspiel zusahen. Auch Bau-yü war gerade von seinem Tempelbesuch zurückgekommen. Also wandte die Herzoginmutter den Kopf nach Phönixglanz und befahl ihr, sie solle Wolkenmädchen [27], Schatzspange [28] und Kajaljade [29] herüberholen. „Außer diesen bringst du nur das dritte Fräulein zu ihrer Begleitung mit!" setzte sie hinzu.
Als Hsi-fëng ihre Bestellung ausgerichtet hatte, folgten ihr Bau-tschai, Bau-tjin, Dai-yü, Tan-tschun und Hsiang-yün in den Garten, wo sie die Besucherinnen begrüßten und sich nach ihrem Befinden erkundigten. Phönixglanz ging in die Räume der Herzoginmutter hinüber, wo die Mädchen gerade Naschwerk knabberten und dem Theaterspiel zusahen. Auch Schatzjade war gerade von seinem Tempelbesuch zurückgekommen. Als Phönixglanz ihre Bestellung ausgerichtet hatte, folgten Schatzspange und ihre Schwester Schatzharfe [30], Kajaljade, Erkunderin [31] und Wolkenmädchen – fünf Personen – in den Garten, wo sie die Besucherinnen begrüßten und sich nach ihrem Befinden erkundigten.
Einige Besucherinnen waren mit den Mädchen bereits bekannt, manche sahen sie zum ersten Mal, aber alle lobten sie ohne Ende. Am vertrautesten war die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an mit Hsiang-yün, darum warf sie ihr lächelnd vor: „Da bist du hier im Hause, aber anstatt herüberzukommen, wenn du hörst, ich sei zu Besuch, wartest du, bis ich dich holen lasse! Morgen werde ich mit deinem Onkel deswegen abrechnen!“ Einige Besucherinnen waren mit den Mädchen bereits bekannt, manche sahen sie zum ersten Mal, aber alle lobten sie ohne Ende. Am vertrautesten war die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an mit Wolkenmädchen, darum warf sie ihr lächelnd vor: „Da bist du hier im Hause, aber anstatt herüberzukommen, wenn du hörst, ich sei zu Besuch, wartest du, bis ich dich holen lasse! Morgen werde ich mit deinem Onkel deswegen abrechnen!"
Nun faßte sie mit der einen Hand Tan-tschun, mit der anderen Bau-tschai, erkundigte sich nach ihrem Alter und lobte sie gleich noch einmal in einem fort. Dann ließ sie die beiden wieder los, faßte statt dessen Dai-yü und Bau-tjin bei den Händen, musterte sie sorgfältig und spendete auch ihnen höchstes Lob. „Ihr seid alle so lieb“, sagte sie lächelnd, „daß ich nicht weiß, wen von euch ich am meisten loben soll!“ Nun fasste sie mit der einen Hand Erkunderin, mit der anderen Schatzspange, erkundigte sich nach ihrem Alter und lobte sie gleich noch einmal in einem fort. Dann ließ sie die beiden wieder los, fasste stattdessen Kajaljade und Schatzharfe bei den Händen, musterte sie sorgfältig und spendete auch ihnen höchstes Lob. „Ihr seid alle so lieb", sagte sie lächelnd, „dass ich nicht weiß, wen von euch ich am meisten loben soll!"
Schon hatte jemand fünf Satz Geschenke zurechtgemacht, die von der verwitweten Nebenfrau des Prinzen Nan-an in Reserve gehalten worden waren, und jedes der Mädchen bekam einen goldenen und einen jadenen Fingerring sowie eine Armkette aus Duftholzperlen. „Lacht bitte nicht über das wertlose Zeug!“ bat die verwitwete Nebenfrau. „Nehmt es und schenkt es euren Mägden!“ Es hatte bereits jemand fünf Satz Geschenke zurechtgemacht, die von der verwitweten Nebenfrau bereitgehalten worden waren, und jedes der Mädchen bekam einen goldenen und einen jadenen Fingerring sowie eine Armkette aus Duftholzperlen. „Lacht bitte nicht über das wertlose Zeug!" bat die verwitwete Nebenfrau. „Nehmt es und schenkt es euren Mägden!"
Sofort fielen die fünf Mädchen auf die Knie und bedankten sich. Auch von der Nebenfrau des Prinzen Bee-djing bekamen sie fünferlei Geschenke. Was die übrigen gaben, braucht nicht im einzelnen erläutert zu werden. Sofort verbeugten sich die fünf Mädchen und bedankten sich. Auch von der Gemahlin des Fürsten von Beijìng bekamen sie fünferlei Geschenke. Was die übrigen gaben, braucht nicht im Einzelnen erläutert zu werden.
Nach dem Teetrinken spazierten alle ein wenig durch den Garten, und dann bat die Herzoginmutter sie an die Tafel zurück. Aber die verwitwete Nebenfrau des Prinzen Nan-an entschuldigte sich, sie fühle sich nicht recht wohl. „Nicht zu kommen wäre nicht recht gewesen“, sagte sie, „aber jetzt müßt Ihr schon gestatten, daß ich mich verabschiede.“ Nach dem Teetrinken spazierten alle ein wenig durch den Garten, und dann bat die Herzoginmutter sie an die Tafel zurück. Aber die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an entschuldigte sich, sie fühle sich nicht recht wohl. „Nicht zu kommen wäre nicht recht gewesen", sagte sie, „aber jetzt müsst Ihr schon gestatten, dass ich mich verabschiede."
Die Herzoginmutter konnte sie nicht gut nötigen und begleitete sie deshalb nach einigem höflichen Hinundher bis zum Gartentor, wo diese in ihre Sänfte stieg und sich forttragen ließ. Die Nebenfrau des Prinzen Bee-djing blieb noch ein Weilchen, dann nahm auch sie Abschied. Von den anderen blieben manche bis zum Schluß, manche auch nicht. Die Herzoginmutter konnte sie nicht gut nötigen und begleitete sie deshalb nach einigem höflichen Hinundher bis zum Gartentor, wo jene in ihre Sänfte stieg und sich forttragen ließ. Die Gemahlin des Fürsten von Beijìng blieb noch ein Weilchen, dann nahm auch sie Abschied. Von den anderen blieben manche bis zum Schluss, manche auch nicht.
Da die Herzoginmutter von den Anstrengungen des Tages erschöpft war, empfing sie die Besucherinnen des nächsten Tages nicht persönlich, und an ihrer Statt mußten sich die Damen Hsing und Wang mit ihnen abgeben. Als die jungen Männer aus den befreundeten Familien erschienen, um der Herzoginmutter ihre Geburtstagsgrüße zu entbieten, wurden sie in die Halle geführt, um sich dort zu verbeugen, und erwidert wurden diese Verbeugungen durch Djia Schë, Djia Dschëng und Djia Dschën, die die Besucher anschließend ins Ning-guo-Anwesen zu Tisch führten. Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Da die Herzoginmutter von den Anstrengungen des Tages erschöpft war, empfing sie die Besucherinnen des nächsten Tages nicht persönlich, und an ihrer statt mussten sich Dame Hsing und Dame Wang mit ihnen abgeben. Als die jungen Männer aus den befreundeten Familien erschienen, um der Herzoginmutter ihre Geburtstagsgrüße zu entbieten, wurden sie in die Halle geführt, um sich dort zu verbeugen, und erwidert wurden diese Verbeugungen durch Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und Juwel Kaufmann, die die Besucher anschließend ins Ningguofu zu Tisch führten. Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein.
Frau You ging an all diesen Tagen nicht in das andere Anwesen hinüber. Am Tage betreute sie die Besucherinnen, und bei Nacht schlief sie im Garten des Großen Anblicks in den Räumen von Li Wan. Eines Abends sagte die Herzoginmutter, nachdem Frau You ihr beim Abendessen aufgewartet hatte: „Ihr seid alle müde, und auch ich bin müde, darum seht zu, daß ihr etwas zu essen bekommt, und dann legt euch schlafen. Morgen müssen wir wieder früh aufstehen, um den Trubel über uns ergehen zu lassen.“ Frau You ging an all diesen Tagen nicht ins andere Anwesen hinüber. Tagsüber betreute sie die Besucherinnen, und nachts schlief sie im Garten des Großen Anblicks in Li Wans Räumen. Eines Abends sagte die Herzoginmutter, nachdem Frau You ihr beim Abendessen aufgewartet hatte: „Ihr seid alle müde, und auch ich bin müde. Darum seht zu, dass ihr etwas zu essen bekommt, und dann legt euch schlafen. Morgen müssen wir wieder früh aufstehen, um den Trubel über uns ergehen zu lassen."
Frau You sagte: „Jawohl!“ und zog sich zurück. Dann begab sie sich in die Räume von Hsi-fëng, um zu essen. Hsi-fëng selbst war gerade im zweistöckigen Speichergebäude, um die Leute zu beaufsichtigen, die einen neuen Setzschirm wegstellten, den die Herzoginmutter geschenkt bekommen hatte, und so befand sich in ihren Räumen nur Ping-örl, damit beschäftigt, Hsi-fëngs Kleider zusammenzulegen. Also fragte Frau You: „Hat eure junge Herrin schon gegessen?“ Frau You sagte: „Jawohl!" und zog sich zurück. Dann begab sie sich in die Räume von Phönixglanz, um zu essen. Phönixglanz selbst war gerade im zweistöckigen Speichergebäude, um die Leute zu beaufsichtigen, die einen neu geschenkten Setzschirm wegstellten, und so befand sich in ihren Räumen nur Friedchen [32], damit beschäftigt, Phönixglanz' Kleider zusammenzulegen.
„Würden wir Euch nicht hergebeten haben, junge gnädige Frau, wenn wir gegessen hätten?“ fragte Ping-örl lächelnd zurück. Also fragte Frau You: „Hat eure junge Herrin schon gegessen?"
„Wenn das so ist, werde ich zusehen, daß ich anderswo etwas zu essen finde“, sagte Frau You, ebenfalls lächelnd. „Ich halte es vor Hunger nicht mehr aus.“ Und damit wandte sie sich zum Gehen. „Würden wir Euch nicht hergebeten haben, junge gnädige Frau, wenn wir schon gegessen hätten?" fragte Friedchen lächelnd zurück.
„Bleibt doch bitte, junge gnädige Frau!“ forderte Ping-örl sie rasch mit lächelndem Gesicht auf. „Hier ist Gebäck. Damit könnt Ihr Euch ein wenig stärken, und nachher kommt Ihr zum Essen wieder!“ „Wenn das so ist, werde ich zusehen, dass ich anderswo etwas zu essen finde", sagte Frau You, ebenfalls lächelnd. „Ich halte es vor Hunger nicht mehr aus." Und damit wandte sie sich zum Gehen.
„So beschäftigt, wie ihr hier seid, gehe ich lieber in den Garten und falle den Mädchen zur Last“, sagte Frau You und ging nun wirklich hinaus. Da Ping-örl sie nicht zu halten vermochte, mußte sie ihr wohl oder übel ihren Willen lassen. „Bleibt doch bitte, junge gnädige Frau!" forderte Friedchen sie rasch lächelnd auf. „Hier ist Gebäck. Damit könnt Ihr Euch ein wenig stärken, und nachher kommt Ihr zum Essen wieder!"
Frau You ging dann geradewegs zum Garten, wobei sie feststellen mußte, daß sowohl das Haupttor als auch die Nebentore des Gartens noch nicht geschlossen waren. Auch brannten noch überall die bunten Laternen. Darum wandte sie den Kopf und befahl einem ihrer kleinen Sklavenmädchen, die diensthabenden Frauen zu rufen. Das Mädchen ging in die Wachstube, aber hier war nicht die Spur eines Menschen, nicht einmal sein Schatten. Also kehrte sie zu Frau You zurück, um ihr dies zu melden. Darauf befahl ihr Frau You, eine von den Verwalterinnen zu holen. „So beschäftigt, wie ihr hier seid, gehe ich lieber in den Garten und falle den Mädchen zur Last", sagte Frau You und ging nun wirklich hinaus. Da Friedchen sie nicht zu halten vermochte, musste sie ihr wohl oder übel ihren Willen lassen.
Das Mädchen sagte: „Jawohl!“ und ging hinaus zu der Plattform außerhalb des Innentors, wo die Verwalterinnen ihren Versammlungs- und Beratungsplatz hatten, aber auch hier fand sie nur zwei alte Sklavenfrauen vor, die damit beschäftigt waren, Gemüse und Obst in Portionen zu teilen. Diese fragte sie nun: „Welche von den Verwalterinnen ist hier? Die junge gnädige Frau aus dem Ostanwesen hat ihr auf der Stelle etwas zu sagen.“ Frau You ging geradewegs zum Garten, wobei sie feststellen musste, dass sowohl das Haupttor als auch die Nebentore noch nicht geschlossen waren. Auch brannten noch überall die bunten Laternen. Darum wandte sie den Kopf und befahl einem ihrer kleinen Sklavenmädchen, die diensthabenden Frauen zu rufen. Das Mädchen ging in die Wachstube, aber hier war nicht die Spur eines Menschen. Also kehrte sie zu Frau You zurück, um dies zu melden. Darauf befahl ihr Frau You, eine von den Verwalterinnen zu holen.
Die beiden Alten waren ganz in ihr Geschäft vertieft, und außerdem hörten sie, es handle sich um die junge gnädige Frau aus dem anderen Anwesen. Darum nahmen sie die Sache nicht weiter ernst und antworteten: „Die Verwalterfrauen sind eben nach Hause gegangen.“ Das Mädchen sagte: „Jawohl!" und ging hinaus zu der Plattform außerhalb des Innentors, wo die Verwalterinnen ihren Versammlungs- und Beratungsplatz hatten. Aber auch hier fand sie nur zwei alte Sklavenfrauen vor, die damit beschäftigt waren, Gemüse und Obst in Portionen zu teilen. Sie fragte: „Welche der Verwalterinnen ist hier? Die junge gnädige Frau aus dem Ostanwesen hat ihr auf der Stelle etwas zu sagen."
„Dann geht ihr zu einer von ihnen nach Hause und holt sie!“ verlangte das Mädchen. Die beiden Alten waren ganz in ihr Geschäft vertieft, und außerdem hörten sie, es handle sich nur um die junge gnädige Frau aus dem anderen Anwesen. Darum nahmen sie die Sache nicht weiter ernst und antworteten: „Die Verwalterfrauen sind eben nach Hause gegangen."
„Wir haben hier nur aufzupassen und niemand zu holen“, erwiderten die Alten. „Wenn ihr wollt, daß sie geholt wird, müßt ihr jemand beauftragen, der dazu da ist, Bestellungen auszurichten.“ „Dann geht ihr zu einer von ihnen nach Hause und holt sie!" verlangte das Mädchen.
„Also, ... also, das ist ja Aufruhr!“ empörte sich das Mädchen. „Wieso wollt ihr sie nicht holen? So könnt ihr mit jemand umgehen, der hier neu ist, aber nicht mit mir! Wer holt sie denn sonst, wenn nicht ihr?! Wenn ihr hört, es gibt etwas zu verdienen oder eine der Verwalterfrauen soll ein Geschenk bekommen, dann reißt ihr euch darum, sie zu holen, und würdet am liebsten noch mit dem Schwanz wedeln, jetzt aber wißt ihr nicht, wer wer ist. Würdet ihr genauso antworten, wenn ihr für die Gattin des jungen Herrn Liän jemand holen solltet?“ „Wir haben hier nur aufzupassen und niemanden zu holen", erwiderten die Alten. „Wenn ihr wollt, dass sie geholt wird, müsst ihr jemanden beauftragen, der dazu da ist, Bestellungen auszurichten."
Die beiden Frauen hatten zuvor Wein getrunken, außerdem hatte das Sklavenmädchen mit seinen Worten an einen wunden Punkt gerührt, und die Scham darüber brachte die beiden in Zorn. Deshalb erwiderten sie: „Daß du dich nicht schämst, solchen Unsinn zu schwatzen! Schließlich ist es unsere Sache, ob wir jemand holen oder nicht, und dich geht das gar nichts an. „Also, ... also, das ist ja Aufruhr!" empörte sich das Mädchen. „Wieso wollt ihr sie nicht holen? So könnt ihr mit jemandem umgehen, der hier neu ist, aber nicht mit mir! Wer holt sie denn sonst, wenn nicht ihr?! Wenn ihr hört, es gibt etwas zu verdienen, oder eine der Verwalterfrauen soll ein Geschenk bekommen, dann reißt ihr euch darum, sie zu holen, und würdet am liebsten noch mit dem Schwanz wedeln. Jetzt aber wisst ihr nicht, wer wer ist. Würdet ihr genauso antworten, wenn ihr die Gattin des jungen Herrn Lián jemanden holen solltet?"
Außerdem brauchst du uns hier nicht madig zu machen. Denk einmal daran, wie sich deine Eltern vor euren eigenen Verwaltern noch viel mehr lieb Kind zu machen verstehen als wir! Oder hältst du uns vielleicht für blind? Jeder soll nur hübsch vor der eigenen Tür kehren! Wenn du das Zeug dazu hast, kannst du eure Leute drüben ausschmieren, aber bei uns bist du an der falschen Adresse!“ Die beiden Frauen hatten zuvor Wein getrunken, außerdem hatte das Sklavenmädchen mit seinen Worten an einen wunden Punkt gerührt, und die Scham darüber brachte die beiden in Zorn. Deshalb erwiderten sie: „Dass du dich nicht schämst, solchen Unsinn zu schwatzen! Schließlich ist es unsere Sache, ob wir jemanden holen oder nicht, und dich geht das gar nichts an. Außerdem brauchst du uns hier nicht madig zu machen. Denk einmal daran, wie sich deine Eltern vor euren eigenen Verwaltern noch viel mehr lieb Kind zu machen verstehen als wir! Oder hältst du uns vielleicht für blind? Es heißt: ‚Klares Wasser, Nudeln drin – du isst, und ich sehe es.' [33] Jeder soll nur hübsch vor der eigenen Tür kehren! Wenn du das Zeug dazu hast, kannst du eure Leute drüben ausschmieren, aber bei uns bist du an der falschen Adresse!"
Das Sklavenmädchen war blaß geworden vor Zorn. „Gut, gut, das will ich mir merken!“ sagte sie. Und damit machte sie kehrt und ging zum Gartentor zurück, um Frau You von der Sache zu unterrichten. Das Sklavenmädchen war blass geworden vor Zorn. „Gut, gut, das will ich mir merken!" sagte es. Und damit machte es kehrt und ging zum Gartentor zurück, um Frau You davon zu unterrichten.
Aber Frau You war inzwischen längst in den Garten hineingegangen, wo sie Hsi-jën, Bau-tjin und Hsiang-yün traf, die mit zwei Nonnen aus dem Ksitigarbha-Kloster plauderten und sich von ihnen Geschichten erzählen ließen. Als Frau You sagte, sie sei hungrig, gingen sie mit ihr in den Hof der Freude am Roten, wo Hsi-jën einen Imbiß – sowohl mehrere Fleischspeisen als auch fleischlose Gerichte – auftun ließ, den sie für Frau You in den Vorraum herausbrachte. Die beiden Nonnen tranken mit Bau-tjin und Hsiang-yün zusammen Tee und erzählten weiter ihre Geschichten. Da trat das kleine Sklavenmädchen von Frau You herein, das sich unverzüglich auf die Suche nach ihr gemacht hatte, und berichtete wutentbrannt in aller Ausführlichkeit, was sie soeben von den beiden alten Sklavenfrauen hatte anhören müssen. Aber Frau You war inzwischen längst in den Garten hineingegangen, wo sie Dufthauch [34], Schatzharfe und Wolkenmädchen traf, die mit zwei Nonnen aus dem Ksitigarbha-Kloster [35] plauderten und sich von ihnen Geschichten erzählen ließen. Als Frau You sagte, sie sei hungrig, gingen sie mit ihr zum Hof der Freude am Roten [36], wo Dufthauch einen Imbiss – sowohl Fleischspeisen als auch fleischlose Gerichte – auftun ließ und Frau You im Vorraum servierte.
„Wer waren die beiden?“ erkundigte sich Frau You sofort mit verächtlichem Lächeln. Die beiden Nonnen tranken mit Schatzharfe und Wolkenmädchen zusammen Tee und erzählten weiter ihre Geschichten. Da trat das kleine Sklavenmädchen herein, das sich auf die Suche nach Frau You gemacht hatte, und berichtete wutentbrannt in aller Ausführlichkeit, was es von den beiden alten Sklavenfrauen hatte anhören müssen.
„Nicht doch!“ mischten sich da die beiden Nonnen ein, und im Verein mit ihnen auch Bau-tjin und Hsiang-yün, die befürchteten, Frau You könnte sich aufregen. „Bestimmt hat sie sich verhört!“ „Wer waren die beiden?" erkundigte sich Frau You sofort mit verächtlichem Lächeln.
Dann stießen die beiden Nonnen das kleine Sklavenmädchen an und sagten lächelnd: „Du bist aber hitzig, Kind! Du hättest es doch nicht melden müssen, was die beiden dummen alten Weiber gesagt haben. Tagelang hat deine Herrin ihren kostbaren Leib strapazieren müssen, jetzt hat sie noch keinen Schluck getrunken und keinen Happen gegessen, und es war uns erst zur Hälfte gelungen, sie mit unseren Scherzen wieder aufzuheitern, da kommst du und erzählst solche Sachen!“ „Nicht doch!" mischten sich die beiden Nonnen ein, und mit ihnen auch Schatzharfe und Wolkenmädchen, die befürchteten, Frau You könnte sich aufregen. „Bestimmt hat sie sich verhört!"
Hsi-jën faßte das kleine Sklavenmädchen schnell bei der Hand, um es hinauszuführen, und redete ihm lächelnd zu: „Ruh dich draußen erst mal ein bißchen aus, Schwesterchen! Ich werde gleich jemand nach den Verwalterinnen schicken!“ Dann stießen die beiden Nonnen das kleine Sklavenmädchen an und sagten lächelnd: „Du bist aber hitzig, Kind! Du hättest es doch nicht melden müssen, was die beiden dummen alten Weiber gesagt haben. Tagelang hat deine Herrin ihren kostbaren Leib strapazieren müssen, jetzt hat sie noch keinen Schluck getrunken und keinen Happen gegessen, und es war uns erst zur Hälfte gelungen, sie mit unseren Scherzen wieder aufzuheitern. Da kommst du und erzählst solche Sachen!"
„Laß nicht nach den Verwalterinnen schicken, sondern nach diesen beiden Alten!“ verlangte Frau You. „Und dann laß Hsi-fëng von drüben holen!“ Dufthauch fasste das kleine Sklavenmädchen schnell bei der Hand, um es hinauszuführen, und redete ihm lächelnd zu: „Ruh dich draußen erst mal ein bisschen aus, Schwesterchen! Ich werde gleich jemanden nach den Verwalterinnen schicken!"
Lächelnd erklärte Hsi-jën: „Ich werde sie herbitten!“ „Lass nicht nach den Verwalterinnen schicken, sondern nach diesen beiden Alten!" verlangte Frau You. „Und dann lass Phönixglanz von drüben holen!"
„Nein!“ sagte Frau You. „Du gehst mir nicht!“ Lächelnd erklärte Dufthauch: „Ich werde sie herbitten!"
Sofort erhoben sich nun die beiden Nonnen von ihren Plätzen und sagten lächelnd: „Ihr wart doch sonst immer großmütig, junge gnädige Frau. Und meint Ihr nicht, daß es Gerede geben würde, wenn Ihr ausgerechnet zum Geburtstag der alten Ahne wütend werdet?“ Auch Bau-tjin und Hsiang-yün redeten mit lächelndem Gesicht begütigend auf Frau You ein. „Nein!" sagte Frau You. „Du gehst mir nicht!"
„Wenn nicht der Geburtstag der alten gnädigen Frau wäre, würde ich auf keinen Fall nachgeben“, erklärte Frau You. „Aber so mag es hingehen.“ Sofort erhoben sich die beiden Nonnen von ihren Plätzen und sagten lächelnd: „Ihr wart doch sonst immer großmütig, junge gnädige Frau. Und meint Ihr nicht, dass es Gerede geben würde, wenn Ihr ausgerechnet zum Geburtstag der alten Ahne wütend werdet?" Auch Schatzharfe und Wolkenmädchen redeten mit lächelndem Gesicht begütigend auf Frau You ein.
Inzwischen hatte Hsi-jën schon ein Sklavenmädchen zum Gartentor geschickt, um jemanden von dort zu holen, und dieses Mädchen stieß auf niemand anders als auf Dschou Juees Frau. Also erzählte sie ihr den ganzen Vorfall, und wenn Dschou Juees Frau auch nichts damit zu tun hatte, so genoß sie doch als langjährige Sklavin, die von Dame Wang mit in die Ehe gebracht worden war, einiges Ansehen und hatte es verstanden, sich durch geschickte Schmeicheleien bei der gesamten Herrschaft beliebt zu machen. „Wenn nicht der Geburtstag der alten gnädigen Frau wäre, würde ich auf keinen Fall nachgeben", erklärte Frau You. „Aber so mag es hingehen."
Als sie sich angehört hatte, was vorgefallen war, lief sie spornstreichs zum Hof der Freude am Roten, trat hier mit schnellem Schritt ins Haus und versicherte dabei lautstark: „Es ist unerhört, wie man Euch so erzürnen konnte, junge gnädige Frau! Bei uns sind jetzt Sitten eingerissen, die einfach nicht zu ertragen sind. Und wie zum Tort mußte ich nicht dabeisein. Wäre ich dabeigewesen, dann hätte ich den beiden auf der Stelle ein paar Ohrfeigen verpaßt, und in ein paar Tagen hätte ich mit ihnen abgerechnet.“ Inzwischen hatte Dufthauch schon ein Sklavenmädchen zum Gartentor geschickt, um jemanden zu holen, und dieses Mädchen stieß auf niemand anderen als auf Zhou Ruis Frau [37]. Also erzählte sie ihr den ganzen Vorfall. Zhou Ruis Frau war zwar nicht in der Verwaltung tätig, aber da sie als langjährige Sklavin, die Dame Wang mit in die Ehe gebracht hatte, einiges Ansehen genoss und sich durch geschickte Schmeicheleien bei der gesamten Herrschaft beliebt gemacht hatte, nahm sie die Sache sofort in die Hand.
Lächelnd blickte Frau You sie an und sagte: „Gut, daß du da bist, Schwester Dschou! Entscheide du, ob das richtig ist: Um diese Zeit stehen die Tore noch weit offen, und die Laternen brennen noch hell. Alles mögliche Volk kann hier ein- und ausgehen. Was, wenn etwas passiert? Deshalb wollte ich den Diensthabenden sagen, sie sollten die Lampen ausblasen und die Tore zumachen. Dann aber stellte sich heraus, daß keine Menschenseele zur Stelle war.“ Als sie sich angehört hatte, was vorgefallen war, lief sie spornstreichs zum Hof der Freude am Roten, trat hier mit schnellem Schritt ins Haus und versicherte dabei lautstark: „Es ist unerhört, wie man Euch so erzürnen konnte, junge gnädige Frau! Bei uns sind jetzt Sitten eingerissen, die einfach nicht zu ertragen sind. Und wie zum Tort musste ausgerechnet ich nicht dabeisein. Wäre ich dabeigewesen, dann hätte ich den beiden auf der Stelle ein paar Ohrfeigen verpasst, und in ein paar Tagen hätte ich mit ihnen abgerechnet."
„Ist das die Möglichkeit?“ empörte sich Dschou Juees Frau. „Neulich erst hat unsere zweite junge Herrin angeordnet, in diesen Tagen, wo so viel Trubel herrscht und so ein gemischtes Volk im Anwesen ist, sollten die Tore geschlossen und die Lampen gelöscht werden, sobald es Abend wird, und niemand, der nicht in den Garten gehört, sollte mehr eingelassen werden. Und nun war einfach niemand da! Wenn die Feiern erst zu Ende sind, werden wohl einige Leute Schläge bekommen müssen!“ Lächelnd blickte Frau You sie an und sagte: „Gut, dass du da bist, Schwester Zhou! Entscheide du, ob das richtig ist: Um diese Zeit stehen die Tore noch weit offen, und die Laternen brennen noch hell. Alles mögliche Volk kann hier ein- und ausgehen. Was, wenn etwas passiert? Deshalb wollte ich den Diensthabenden sagen, sie sollten die Lampen ausblasen und die Tore zumachen. Dann aber stellte sich heraus, dass keine Menschenseele zur Stelle war."
Nun erzählte Frau You noch, was ihr das Sklavenmädchen berichtet hatte, und Dschou Juees Frau sagte: „Regt Euch nicht auf, junge gnädige Frau! Wenn das Fest vorüber ist, werde ich den Verwalterinnen sagen, sie sollen die beiden tüchtig durchklopfen lassen. Und dann sollen sie sich auch erkundigen, wer denen beigebracht hat zu sagen, jeder solle hübsch vor der eigenen Tür kehren. Die Lampen zu löschen und das Haupttor wie die Nebentore zu schließen habe ich schon angeordnet.“ „Ist das die Möglichkeit?" empörte sich Zhou Ruis Frau. „Neulich erst hat unsere zweite junge Herrin [38] angeordnet, in diesen Tagen, wo so viel Trubel herrscht und so ein gemischtes Volk im Anwesen ist, sollten die Tore geschlossen und die Lampen gelöscht werden, sobald es Abend wird, und niemand, der nicht in den Garten gehört, sollte noch eingelassen werden. Und nun war einfach niemand da! Wenn die Feiern erst zu Ende sind, werden wohl einige Leute Schläge bekommen müssen!"
Während es noch aufgeregt hin- und herging, erschien eine Botin von Hsi-fëng, um Frau You zum Essen zu bitten. Diese aber fertigte die Sklavin ab: „Ich habe keinen Hunger, eben erst habe ich etwas Gebäck gegessen! Deine Herrin soll bitte allein essen!“ Nun erzählte Frau You noch, was ihr das Sklavenmädchen berichtet hatte, und Zhou Ruis Frau sagte: „Regt Euch nicht auf, junge gnädige Frau! Wenn das Fest vorüber ist, werde ich den Verwalterinnen sagen, sie sollen die beiden tüchtig durchklopfen lassen. Und dann sollen sie sich auch erkundigen, wer denen beigebracht hat zu sagen, jeder solle hübsch vor der eigenen Tür kehren. Die Lampen zu löschen und das Haupttor wie die Nebentore zu schließen habe ich schon angeordnet."
Dschou Juees Frau, die einige Zeit später auf bequeme Weise fortgehen konnte, erstattete Hsi-fëng über den Vorfall Bericht und setzte dann noch hinzu: „Die beiden Alten gehören zu den Verwalterinnen. Sooft wir mit ihnen sprechen, führen sie sich auf wie bissige Hunde. Wenn Ihr sie nicht verwarnt und belehrt, ist das für die Ehre der älteren jungen Herrin unerträglich.“ Während es noch aufgeregt hin- und herging, erschien eine Botin von Phönixglanz, um Frau You zum Essen zu bitten. Diese aber fertigte die Sklavin ab: „Ich habe keinen Hunger, eben erst habe ich etwas Gebäck gegessen! Deine Herrin soll bitte allein essen!"
„Dann schreib die beiden namentlich auf, und wenn die Feiern vorüber sind, soll man sie gefesselt in das andere Anwesen hinüberbringen, wo meine Schwägerin ihnen nach eigenem Ermessen eine Belehrung erteilen soll. Ob sie ihnen ein paar Schläge gibt oder Gnade walten läßt und ihnen verzeiht, liegt ganz bei ihr“, entschied Hsi-fëng. „Was ist da schon groß dabei?“ Zhou Ruis Frau, die einige Zeit später hinausging, erstattete Phönixglanz über den Vorfall Bericht und setzte dann noch hinzu: „Die beiden Alten gehören zu den Verwalterinnen. Sooft wir mit ihnen sprechen, führen sie sich auf wie bissige Hunde. Wenn Ihr sie nicht verwarnt und belehrt, ist das für die Ehre der älteren jungen Herrin unerträglich."
Dschou Juees Frau hatte begierig auf jedes Wort gelauscht, denn sie war auf diese Frauen schon lange böse. Als sie Hsi-fëngs Gehöft wieder verlassen hatte, gab sie einem Sklavenjungen den Auftrag, Lin Dschï-hsiaus Frau über Hsi-fëngs Anordnung zu unterrichten und ihr zu sagen, sie solle unverzüglich die ältere junge Herrin aufsuchen. Außerdem gab sie sofort jemandem den Befehl, die beiden alten Sklavenfrauen zu binden und unter Bewachung im Pferdestall einzusperren. „Dann schreib die beiden namentlich auf, und wenn die Feiern vorüber sind, soll man sie gefesselt in das andere Anwesen hinüberbringen, wo meine Schwägerin ihnen nach eigenem Ermessen eine Belehrung erteilen soll. Ob sie ihnen ein paar Schläge gibt oder Gnade walten lässt und ihnen verzeiht, liegt ganz bei ihr", entschied Phönixglanz. „Was ist da schon groß dabei?"
Lin Dschï-hsiaus Frau wußte natürlich nicht, was es jetzt, da schon die Lampen brannten, noch zu erledigen gab, aber sie stieg rasch in den Wagen und kam angefahren. Zuerst wollte sie zu Hsi-fëng. Aber als sie vom Innentor aus Bescheid geben ließ, erschien ein Sklavenmädchen, um ihr zu sagen: „Meine Herrin hat sich gerade schlafen gelegt. Die ältere junge Herrin ist im Garten, geht nur zu ihr!“ Zhou Ruis Frau hatte begierig auf jedes Wort gelauscht, denn sie war auf diese Frauen schon lange böse. Als sie Phönixglanz' Gehöft wieder verlassen hatte, gab sie einem Sklavenjungen den Auftrag, Lin Zhixiaos Frau über Phönixglanz' Anordnung zu unterrichten und ihr zu sagen, sie solle unverzüglich die ältere junge Herrin aufsuchen. Außerdem gab sie sofort jemandem den Befehl, die beiden alten Sklavenfrauen zu binden und unter Bewachung im Pferdestall einzusperren.
Also begab sich Lin Dschï-hsiaus Frau in den Garten zum Reisduftdorf. Als die Sklavenmädchen sie drinnen anmeldeten, tat es Frau You leid, daß man sie herbemüht hatte, deshalb rief sie sie schnell herein und sagte ihr mit lächelnder Miene: „Ich hatte nur nach dir gefragt, weil ich jemand von den Leuten suchte und niemand zu finden war. Wer hat dich jetzt rufen lassen, wenn du schon fort warst? Den Weg hast du umsonst gemacht, denn es war weiter nichts Wichtiges, und die Sache hat sich schon erledigt.“ Lin Zhixiaos Frau wusste natürlich nicht, was es jetzt, da schon die Lampen brannten, noch zu erledigen gab, aber sie stieg rasch in den Wagen und kam angefahren. Zuerst wollte sie zu Phönixglanz. Aber als sie vom Innentor aus Bescheid geben ließ, erschien ein Sklavenmädchen, um ihr zu sagen: „Meine Herrin hat sich gerade schlafen gelegt. Die ältere junge Herrin ist im Garten, geht nur zu ihr!"
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Lin Dschï-hsiaus Frau: „Die zweite junge Herrin hat jemand geschickt, um mich holen zu lassen, und wie es hieß, wolltet Ihr mir etwas sagen.“ Also begab sich Lin Zhixiaos Frau in den Garten zum Reisduftdorf [39]. Als die Sklavenmädchen sie drinnen anmeldeten, tat es Frau You leid, dass man sie herbemüht hatte, deshalb rief sie sie schnell herein und sagte ihr lächelnd: „Ich hatte nur nach dir gefragt, weil ich jemanden suchte und niemanden finden konnte. Wer hat dich jetzt rufen lassen, da du schon fort warst? Den Weg hast du umsonst gemacht, denn es war weiter nichts Wichtiges, und die Sache hat sich schon erledigt."
„Nicht doch!“ erklärte Frau You lächelnd, „ich wußte nicht, daß du schon fort warst, und hatte vergeblich nach dir gefragt. Irgend jemand muß das unnötigerweise Schwägerin Hsi-fëng erzählt haben, wahrscheinlich war es Schwester Dschou. Fahr nur wieder nach Hause und ruh dich aus! Es war nichts Besonderes.“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Lin Zhixiaos Frau: „Die zweite junge Herrin hat jemanden geschickt, um mich holen zu lassen, und wie es hieß, wolltet Ihr mir etwas sagen."
Li Wan wollte noch erklären, was sich zugetragen hatte, doch Frau You hinderte sie daran. Angesichts dieser Umstände hatte Lin Dschï-hsiaus Frau keine andere Wahl, als den Garten wieder zu verlassen. Dabei führte ihr der Zufall Nebenfrau Dschau in den Weg, die lächelnd zu ihr sagte: „Ei, ei, Schwägerin! Was machst du denn noch hier, anstatt zu Hause zu sitzen und dich auszuruhen?“ „Nicht doch!" erklärte Frau You lächelnd. „Ich wusste nicht, dass du schon fort warst, und hatte vergeblich nach dir gefragt. Irgendjemand muss das unnötigerweise Schwägerin Phönixglanz erzählt haben, wahrscheinlich war es Schwester Zhou. Fahr nur wieder nach Hause und ruh dich aus! Es war nichts Besonderes."
Lächelnd erklärte ihr Lin Dschï-hsiaus Frau den Grund, sagte ihr, so und so sei es gewesen, und es sei dies eine merkwürdige Geschichte. Li Wan [40] wollte noch erklären, was sich zugetragen hatte, doch Frau You hinderte sie daran. Angesichts dieser Umstände hatte Lin Zhixiaos Frau keine andere Wahl, als den Garten wieder zu verlassen. Dabei führte ihr der Zufall Nebenfrau Zhao [41] in den Weg, die lächelnd zu ihr sagte: „Ei, ei, Schwägerin! Was machst du denn noch hier, anstatt zu Hause zu sitzen und dich auszuruhen?"
Nun hatte Nebenfrau Dschau größte Freude daran, solcherlei Dinge genau auszuforschen, und stand stets auf gutem Fuß mit den Frauen von der Verwaltung, um sich mit ihnen auszutauschen, damit sie um so besser ihre Ränke spinnen konnte. Über den Vorfall von vorhin hatte sie schon zu acht, neun Zehnteln Bescheid gewußt, und als sie jetzt die Erklärung hörte, die Lin Dschï-hsiaus Frau ihr gab, erzählte sie dieser, so und so habe sich die Sache zugetragen. Lächelnd erklärte ihr Lin Zhixiaos Frau den Grund – so und so sei es gewesen, und es sei dies eine merkwürdige Geschichte.
„Das war es also!“ sagte Lin Dschï-hsiaus Frau darauf lächelnd. „Aber das ist doch kaum einen Furz wert! Wenn die junge Herrin gnädig ist, wird sie nichts weiter sagen, und selbst wenn sie engherzig sein sollte, gibt es ein paar Schläge dafür, mehr nicht.“ Nun hatte Nebenfrau Zhao größte Freude daran, solcherlei Dinge genau auszuforschen, und stand stets auf gutem Fuß mit den Frauen von der Verwaltung, um sich mit ihnen auszutauschen, damit sie umso besser ihre Ränke spinnen konnte. Über den Vorfall wusste sie schon zu acht, neun Zehnteln Bescheid, und als sie jetzt Lin Zhixiaos Frau hörte, erzählte sie dieser den genauen Hergang.
„Schwerwiegend ist die Sache wahrhaftig nicht, meine Schwägerin“, sagte Nebenfrau Dschau darauf. „Aber man sieht doch daran, daß die ein bißchen gar zu hemmungslos sind. Da lassen sie dich extra herholen, um sich offen über dich lustig zu machen und dich an der Nase herumzuführen. Aber fahr jetzt nur nach Hause und ruh dich aus! Morgen ist wieder viel zu tun. Deshalb will ich dich auch nicht noch zum Tee einladen.“ „Das war es also!" sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd. „Aber das ist doch kaum einen Furz wert! Wenn die junge Herrin gnädig ist, wird sie nichts weiter sagen, und selbst wenn sie engherzig sein sollte, gibt es ein paar Schläge dafür, mehr nicht."
Damit war das Gespräch beendet, und Lin Dschï-hsiaus Frau wollte schon hinausgehen, als am Nebentor die Töchter der beiden Sklavenfrauen von vorhin auf sie zu traten und weinend baten, sie möge ein gutes Wort für ihre Mütter einlegen. „Schwerwiegend ist die Sache wahrhaftig nicht, meine Schwägerin", sagte Nebenfrau Zhao darauf. „Aber man sieht doch daran, dass sie ein bisschen gar zu hemmungslos sind. Da lassen sie dich extra herholen, um sich offen über dich lustig zu machen und dich an der Nase herumzuführen. Aber fahr jetzt nur nach Hause und ruh dich aus! Morgen ist wieder viel zu tun. Deshalb will ich dich auch nicht noch zum Tee einladen."
„Ihr seid ganz schön dumm“, sagte Lin Dschï-hsiaus Frau darauf lächelnd zu ihnen, „wer hat denn eure Mütter geheißen, erst zu trinken und dann solchen Unsinn zu reden, daß ein Skandal daraus wurde? Und ich habe nicht einmal davon gewußt. Die zweite junge Herrin hat Leute geschickt, um sie zu binden, und selbst mir hat man Vorwürfe gemacht. Wie käme ich also dazu, für sie zu bitten?“ Damit war das Gespräch beendet, und Lin Zhixiaos Frau wollte schon hinausgehen, als am Nebentor die Töchter der beiden Sklavenfrauen von vorhin auf sie zutraten und weinend baten, sie möge ein gutes Wort für ihre Mütter einlegen.
Aber die beiden Sklavenmädchen waren nicht älter als sieben oder acht Jahre und kannten sich deshalb nicht aus. Darum bettelten sie schluchzend weiter und trieben Lin Dschï-hsiaus Frau damit so in die Enge, daß sie schließlich sagte: „Ihr dummen Dinger! Den richtigen Weg laßt ihr außer acht, statt dessen belästigt ihr mich. Du da, deine ältere Schwester ist doch jetzt dem Sohn von Tante Fee, der alten Magd der gnädigen Frau von drüben, zur Frau gegeben worden. Geh also hinüber und erzähl die Sache deiner Schwester, damit ihre Schwiegermutter mit der gnädigen Frau spricht, dann ist alles erledigt!“ „Ihr seid ganz schön dumm", sagte Lin Zhixiaos Frau darauf lächelnd zu ihnen, „wer hat denn eure Mütter geheißen, erst zu trinken und dann solchen Unsinn zu reden, dass ein Skandal daraus wurde? Und ich habe nicht einmal davon gewusst. Die zweite junge Herrin hat Leute geschickt, um sie zu binden, und selbst mir hat man Vorwürfe gemacht. Wie käme ich also dazu, für sie zu bitten?"
Nun wußte die eine, was sie zu tun hatte, aber die andere flehte weiter, bis Lin Dschï-hsiaus Frau ausspuckte und schimpfte: „Dummes Gör! Wenn sie hinübergeht und mit ihrer Schwester spricht, ist doch alles gut. Wieso sollte man nur ihre Mutter laufen lassen, deine Mutter dagegen unbedingt schlagen?“ Mit diesen Worten stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. Aber die beiden Sklavenmädchen waren erst sieben oder acht Jahre alt und verstanden die Zusammenhänge nicht. Darum bettelten sie schluchzend weiter und trieben Lin Zhixiaos Frau damit so in die Enge, dass sie schließlich sagte: „Ihr dummen Dinger! Den richtigen Weg lasst ihr außer Acht, stattdessen belästigt ihr mich. Du da, deine ältere Schwester ist doch jetzt dem Sohn von Tante Fei, der alten Magd der gnädigen Frau von drüben, zur Frau gegeben worden. Geh also hinüber und erzähl die Sache deiner Schwester, damit ihre Schwiegermutter mit der gnädigen Frau spricht, dann ist alles erledigt!"
Das kleine Mädchen ging dann wirklich zu seiner Schwester, und diese sprach mit der alten Fee. Die alte Fee war von Dame Hsing als Sklavenmädchen mit in die Ehe gebracht worden und hatte früher auch einiges gegolten. Aber weil Dame Hsing in der letzten Zeit bei der Herzoginmutter nicht mehr hoch im Kurs stand, hatte auch ihr gesamtes Gefolge an Macht eingebüßt, und jeder, der hier bei Djia Dschëng über ein bißchen Ansehen verfügte, belauerte die Leute aus Djia Schës Haushalt argwöhnisch wie ein Tiger. Nun wusste die eine, was sie zu tun hatte, aber die andere flehte weiter, bis Lin Zhixiaos Frau ausspuckte und schimpfte: „Dummes Gör! Wenn sie hinübergeht und mit ihrer Schwester spricht, ist doch alles gut. Wieso sollte man nur ihre Mutter laufen lassen, deine Mutter dagegen unbedingt schlagen?" Mit diesen Worten stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon.
Die alte Fee machte gern von den Vorrechten Gebrauch, die ihr auf Grund ihres Alters zustanden, nutzte die Machtstellung von Dame Hsing für sich aus, und wenn sie Wein getrunken hatte, pflegte sie wüst zu zanken, um sich Luft zu machen. Als sie jetzt bei so einem großartigen Anlaß wie dem Geburtstag der Herzoginmutter tatenlos zusehen mußte, wie andere bei der Erledigung von Sonderaufträgen ihren Witz und ihr Talent einzusetzen verstanden und ein großes Gewese darum machten, war sie schon längst verärgert, hatte andeutungsweise geschimpft und gescholten und mit haltlosen Behauptungen für Unruhe gesorgt. Doch in Djia Dschëngs Haushalt nahm niemand sie für voll. Das kleine Mädchen ging dann wirklich zu seiner Schwester, und diese sprach mit der alten Fei [42]. Die alte Fei war von Dame Hsing als Sklavenmädchen mit in die Ehe gebracht worden und hatte früher auch einiges gegolten. Aber weil Dame Hsing in der letzten Zeit bei der Herzoginmutter nicht mehr hoch im Kurs stand, hatte auch ihr gesamtes Gefolge an Macht eingebüßt, und jeder, der auf Aufrecht Kaufmanns Seite über ein bisschen Ansehen verfügte, belauerte die Leute aus Begnadigung Kaufmanns Haushalt argwöhnisch wie ein Tiger.
Die Nachricht, daß die Schwiegermutter ihres Sohnes auf Befehl von Dschou Juees Frau in Fesseln gelegt worden sei, goß nun erst recht Öl ins Feuer, und mutig geworden durch den Wein, den sie genossen hatte, wies die alte Fee mit der Hand in Richtung der Trennmauer zwischen den beiden Gehöften und schimpfte dabei, was das Zeug hielt. Die alte Fei machte gern von den Vorrechten Gebrauch, die ihr aufgrund ihres Alters zustanden, nutzte die Machtstellung von Dame Hsing für sich aus, und wenn sie Wein getrunken hatte, pflegte sie wüst zu zanken, um sich Luft zu machen. Als sie jetzt bei so einem großartigen Anlass wie dem Geburtstag der Herzoginmutter tatenlos zusehen musste, wie andere bei der Erledigung von Sonderaufträgen ihren Witz und ihr Talent einsetzten und ein großes Gewese darum machten, war sie schon längst verärgert, hatte andeutungsweise geschimpft und mit haltlosen Behauptungen für Unruhe gesorgt. Doch in Aufrecht Kaufmanns Haushalt nahm niemand sie für voll.
Dann ging sie zu Dame Hsing und sagte, die Schwiegermutter ihres Sohnes habe durchaus nichts verbrochen. „Nur ein müßiges kleines Wortgefecht mit einer Magd der jungen gnädigen Frau aus dem andern Anwesen hat sie gehabt“, beteuerte sie, „doch auf Betreiben von Dschou Juees Frau hat unsere eigene junge Herrin sie gefesselt in den Pferdestall sperren lassen, und nach dem Fest soll sie sogar geschlagen werden. Dabei ist sie eine Frau von weit über siebzig Jahren. Ich bitte Euch, gnädige Frau, sprecht mit der zweiten jungen Herrin, damit sie ihr dies eine Mal noch verzeiht!“ Die Nachricht, dass die Schwiegermutter ihres Sohnes auf Befehl von Zhou Ruis Frau in Fesseln gelegt worden sei, goss nun erst recht Öl ins Feuer. Mutig geworden durch den Wein, den sie genossen hatte, wies die alte Fei mit der Hand in Richtung der Trennmauer zwischen den beiden Gehöften und schimpfte dabei, was das Zeug hielt.
Schon nach der Schlappe, sie in der Sache mit Yüan-yang hatte einstecken müssen, mußte Dame Hsing erleben, wie sie von der Herzoginmutter immer kühler behandelt wurde, während Hsi-fëng ein höheres Ansehen genoß als sie. Und als jetzt die verwitwete Nebenfrau des vorigen Prinzen Nan-an dagewesen war und die Mädchen hatte sehen wollen, hatte die Herzoginmutter zwar Tan-tschun rufen lassen, aber Ying-tschun hatte sie behandelt, als wenn es sie gar nicht gäbe. Deshalb war Dame Hsing schon längst verärgert und mißmutig, ohne daß sie das auch nur hätte zeigen dürfen. Dann ging sie zu Dame Hsing und sagte, die Schwiegermutter ihres Sohnes habe durchaus nichts verbrochen. „Nur ein müßiges kleines Wortgefecht mit einer Magd der jungen gnädigen Frau aus dem anderen Anwesen hat sie gehabt", beteuerte sie, „doch auf Betreiben von Zhou Ruis Frau hat unsere eigene junge Herrin sie gefesselt in den Pferdestall sperren lassen, und nach dem Fest soll sie sogar geschlagen werden. Dabei ist sie eine Frau von weit über siebzig Jahren. Ich bitte Euch, gnädige Frau, sprecht mit der zweiten jungen Herrin, damit sie ihr dies eine Mal noch verzeiht!"
Außerdem war Dame Hsing von kleinen Leuten umgeben, die ihre Mißgunst und ihren Groll nicht zu äußern wagten und deshalb nur im Verborgenen Gerüchte in Umlauf setzten, Reibereien verursachten und bemüht waren, ihre Herrin aufzustacheln. Anfangs hatten sie sich nur über die Sklaven aus dem anderen Haushalt beklagt, dann waren sie allmählich auch über Hsi-fëng hergezogen. „Sie schmeichelt sich nur bei der alten gnädigen Frau ein, um Macht zu gewinnen und für ihr eigenes Glück zu sorgen“, sagten sie. „Der junge Herr Liän aber wird von ihr gegängelt, und die zweite gnädige Frau wird von ihr aufgehetzt, damit sie Euch als der eigentlichen gnädigen Frau den schuldigen Respekt verweigert.“ Schon nach der Schlappe, die sie in der Sache mit Mandarinenente [43] hatte einstecken müssen, musste Dame Hsing erleben, wie sie von der Herzoginmutter immer kühler behandelt wurde, während Phönixglanz ein höheres Ansehen genoss als sie. Und als jetzt die verwitwete Nebenfrau des Vizekönigs von Nan'an dagewesen war und die Mädchen hatte sehen wollen, hatte die Herzoginmutter zwar Erkunderin rufen lassen, aber Yingchun [44] hatte sie behandelt, als gäbe es sie gar nicht. Deshalb war Dame Hsing schon längst verärgert und missmutig, ohne dass sie es auch nur hätte zeigen dürfen.
Zu guter Letzt hatten sie sich sogar an Dame Wang selbst herangewagt und behauptet: „Daß die alte gnädige Frau Euch nicht mag, liegt nur daran, daß sie von der zweiten gnädigen Frau und von der Frau des zweiten jungen Herrn gegen Euch scharfgemacht wird.“ Außerdem war Dame Hsing von kleinen Leuten umgeben, die ihre Missgunst und ihren Groll nicht zu äußern wagten und deshalb nur im Verborgenen Gerüchte in Umlauf setzten, Reibereien verursachten und bemüht waren, ihre Herrin aufzustacheln. Anfangs hatten sie sich nur über die Sklaven aus dem anderen Haushalt beklagt, dann waren sie allmählich auch über Phönixglanz hergezogen. „Sie schmeichelt sich nur bei der alten gnädigen Frau ein, um Macht zu gewinnen und für ihr eigenes Glück zu sorgen", sagten sie. „Der junge Herr Lián aber wird von ihr gegängelt, und die zweite gnädige Frau wird von ihr aufgehetzt, damit sie Euch als der eigentlichen gnädigen Frau den schuldigen Respekt verweigert."
Mochte Dame Hsing auch ein Herz aus Eisen und eine Galle aus Bronze haben, aber sie war und blieb doch eine Frau, und so waren ihre Gedanken unvermeidlich auch nicht ganz von Mißgunst frei. Darum war Hsi-fëng ihr in jüngster Zeit zutiefst verhaßt, und als sie jetzt von dem neuesten Vorfall erfuhr, fragte sie nicht viel danach, wer im Recht war und wer im Unrecht. Zu guter Letzt hatten sie sich sogar an Dame Wang herangewagt und behauptet: „Dass die alte gnädige Frau Euch nicht mag, liegt nur daran, dass sie von der zweiten gnädigen Frau und von der Frau des zweiten jungen Herrn gegen Euch aufgehetzt wird."
Als Dame Hsing am nächsten Morgen in aller Frühe hinüberging, um der Herzoginmutter ihren Gruß zu entbieten, war bereits die ganze Sippe versammelt und hatte Platz genommen, um die Theatervorführung zu sehen. Die Herzoginmutter war in bester Laune, und weil heute niemand von der entfernteren Verwandtschaft anwesend war, sondern nur die Kinder und Kindeskinder aus der eigenen Sippe, erschien sie in bequemer Kleidung und alltäglichem Schmuck, um in der Halle die Geburtstagsgrüße zu empfangen. Mochte Dame Hsing auch ein Herz aus Eisen und eine Galle aus Bronze haben – sie war und blieb doch eine Frau, und so waren ihre Gedanken unvermeidlich nicht ganz frei von Missgunst. Darum war Phönixglanz ihr in jüngster Zeit zutiefst verhasst, und als sie jetzt von dem neuesten Vorfall erfuhr, fragte sie nicht viel danach, wer im Recht war und wer im Unrecht, und sagte nichts weiter dazu.
Mitten im Raum stand eine einzige Ruhebank, komplett mit Kissen, Polstern und Fußbank versehen. Darauf machte es sich die Herzoginmutter bequem. Rings um die Ruhebank standen gleichartige niedrige Schemel, auf denen die Mädchen Bau-tschai, Bau-tjin, Dai-yü, Hsiang-yün, Ying-tschun, Tan-tschun und Hsi-tschun sie umgaben. Djia Biäns Mutter hatte auch ihre Tochter Hsi-luan mitgebracht, ebenso Djia Tjiungs Mutter ihre Tochter Sï-djiä, und weitere Großnichten der Herzoginmutter aus anderen Zweigen der Sippe waren ebenfalls da, insgesamt an die zwanzig Mädchen verschiedenen Alters. Am nächsten Morgen, als Dame Hsing in aller Frühe hinüberging, um der Herzoginmutter ihren Gruß zu entbieten, war bereits die ganze Sippe versammelt und hatte Platz genommen, um die Theatervorführung zu sehen. Die Herzoginmutter war in bester Laune, und weil heute niemand von der entfernteren Verwandtschaft anwesend war, sondern nur die Kinder und Kindeskinder aus der eigenen Sippe, erschien sie in bequemer Kleidung und alltäglichem Schmuck, um in der Halle die Geburtstagsgrüße zu empfangen.
Aber die Herzoginmutter fand nur an Hsi-luan und Sï-djiä Gefallen, die hübsch gewachsen waren und sich in Redeweise und Betragen von der Menge abhoben, weshalb sie den beiden befahl, näher zu kommen und sich bei ihr vor der Ruhebank zu setzen. Bau-yü aber saß mit auf der Ruhebank zu Füßen der Herzoginmutter und klopfte ihr die Beine. Mitten im Raum stand eine einzige Ruhebank, komplett mit Kissen, Polstern und Fußbank versehen. Darauf machte es sich die Herzoginmutter bequem. Rings um die Ruhebank standen gleichartige niedrige Schemel, auf denen die Mädchen Schatzspange, Schatzharfe, Kajaljade, Wolkenmädchen, Yingchun, Erkunderin und Xichun [45] sie umgaben. Kaufmann Biàns [46] Mutter hatte auch ihre Tochter Xiluan [47] mitgebracht, ebenso Qiong Kaufmanns Mutter ihre Tochter Sijie [48], und weitere Großnichten der Herzoginmutter aus anderen Zweigen der Sippe waren ebenfalls da, insgesamt an die zwanzig Mädchen verschiedenen Alters.
Am Ehrentisch war Tante Hsüä plaziert, zu beiden Seiten aber saß die gesamte weibliche Verwandtschaft in der Reihenfolge der Familienzweige und Generationen. Außerhalb der Bambusvorhänge saßen im Säulengang beiderseits vor der Halle die männlichen Sippenangehörigen, ebenfalls nach der Rangfolge geordnet. Aber die Herzoginmutter fand nur an Xiluan und Sijie Gefallen, die hübsch gewachsen waren und sich in Redeweise und Betragen von der Menge abhoben, weshalb sie den beiden befahl, näher zu kommen und sich bei ihr vor der Ruhebank zu setzen. Schatzjade aber saß mit auf der Ruhebank zu Füßen der Herzoginmutter und klopfte ihr die Beine.
Zuerst entboten die weiblichen Gäste gruppenweise den zeremoniellen Gruß, dann erst die männlichen. Die Herzoginmutter lehnte derweilen lässig auf ihrer Ruhebank, und ehe sie durch jemand sagen ließ: „Ihr könnt auf die Zeremonie verzichten!“, hatten schon alle den Gruß vollzogen. Anschließend waren unter Lai Das Führung die Männer vom Gesinde an der Reihe, und sie knieten vom Zeremonialtor bis vor die Halle. Nachdem sie alle ihre Stirnaufschläge gemacht hatten, folgten die Sklavenfrauen, dann die Sklavenmädchen aus den einzelnen Wohngebäuden. Das Ganze dauerte genausolange, wie man braucht, um zwei, drei Portionen Reis zu essen. Am Ehrentisch war Tante Schnee [49] platziert, zu beiden Seiten aber saß die gesamte weibliche Verwandtschaft in der Reihenfolge der Familienzweige und Generationen. Außerhalb der Bambusvorhänge saßen im Säulengang beiderseits vor der Halle die männlichen Sippenangehörigen, ebenfalls nach der Rangfolge geordnet.
Als nächstes wurden zahlreiche Käfige mit Vögeln gebracht, denen dann im Hof die Freiheit gegeben wurde. Und als Djia Schë mit seinen Helfern zusammen das Opfergeld für den Himmel, für die Erde und für den Stern der Langlebigkeit verbrannt hatte, begannen das Theaterspiel und das Weintrinken. Zuerst entboten die weiblichen Gäste gruppenweise den zeremoniellen Gruß, dann erst die männlichen. Die Herzoginmutter lehnte derweilen lässig auf ihrer Ruhebank, und ehe sie durch jemanden sagen ließ: „Ihr könnt auf die Zeremonie verzichten!", hatten schon alle den Gruß vollzogen. Anschließend waren unter Lai Das Führung die Männer vom Gesinde an der Reihe, und sie knieten vom Zeremonialtor bis vor die Halle. Nachdem alle ihre Stirnaufschläge gemacht hatten, folgten die Sklavenfrauen, dann die Sklavenmädchen aus den einzelnen Wohngebäuden. Das Ganze dauerte so lange wie zwei, drei Mahlzeiten.
In ihre Räume zog sich die Herzoginmutter nicht vor Ende des Hauptteils der Vorführung zurück, um sich auszuruhen, wobei sie die anderen aufforderte, es sich bequem zu machen. Außerdem beauftragte sie Hsi-fëng, sie solle Hsi-luan und Sï-djiä für ein paar Tage dabehalten, ehe sie wieder nach Hause zurückkehrten. Also ging Hsi-fëng hinaus, um mit den Müttern der beiden zu sprechen, und da diese stets nur Wohltaten von ihr empfangen hatten, bedurfte es kaum eines Wortes. Auch die beiden Mädchen waren gern damit einverstanden, sich im Garten zu vergnügen, und so gingen sie zur Nacht nicht mit fort. Als Nächstes wurden zahlreiche Käfige mit Vögeln gebracht, denen dann im Hof die Freiheit gegeben wurde. Und als Begnadigung Kaufmann mit seinen Helfern zusammen das Opfergeld für den Himmel, für die Erde und für den Stern der Langlebigkeit [50] verbrannt hatte, begannen das Theaterspiel und das Weintrinken.
Als die Gesellschaft am Abend auseinanderging, trat Dame Hsing vor aller Augen mit lächelnder Miene an Hsi-fëng heran und sagte: „Wie ich gehört habe, hast du dich gestern Abend geärgert und hast die Frau des Verwalters Dschou losgeschickt, um zwei alte Frauen in Fesseln legen zu lassen, weil sie irgend etwas verbrochen haben. In ihre Räume zog sich die Herzoginmutter nicht vor Ende des Hauptteils der Vorführung zurück, um sich auszuruhen, wobei sie die anderen aufforderte, es sich bequem zu machen. Außerdem beauftragte sie Phönixglanz, sie solle Xiluan und Sijie für ein paar Tage dabehalten, ehe sie wieder nach Hause zurückkehrten. Also ging Phönixglanz hinaus, um mit den Müttern der beiden zu sprechen, und da diese stets Wohltaten von ihr empfangen hatten, bedurfte es kaum eines Wortes. Auch die beiden Mädchen waren gern damit einverstanden, sich im Garten zu vergnügen, und so gingen sie zur Nacht nicht mit fort.
Eigentlich dürfte ich natürlich nicht für sie bitten, aber ich sage mir, heute hat die alte gnädige Frau ihren Ehrentag, und an einem solchen Tag pflegt jeder, selbst wenn er sonst böse ist, Geld und Reis zu verteilen, um den Armen und Alten zu helfen, bei uns dagegen fängt man an, die Leute zu quälen. Nicht um meinetwillen, aber um der alten gnädigen Frau willen laß die beiden laufen!“ Nachdem sie das gesagt hatte, stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon. Als die Gesellschaft am Abend auseinanderging, trat Dame Hsing vor aller Augen mit lächelnder Miene an Phönixglanz heran und sagte: „Wie ich gehört habe, hast du dich gestern Abend geärgert und hast die Frau des Verwalters Zhou losgeschickt, um zwei alte Frauen in Fesseln legen zu lassen, weil sie irgendetwas verbrochen haben. Eigentlich dürfte ich natürlich nicht für sie bitten, aber ich sage mir, heute hat die alte gnädige Frau ihren Ehrentag, und an einem solchen Tag pflegt jeder, selbst wenn er sonst böse ist, Geld und Reis zu verteilen, um den Armen und Alten zu helfen. Bei uns dagegen fängt man an, die Leute zu quälen. Nicht um meinetwillen, aber um der alten gnädigen Frau willen lass die beiden laufen!" Nachdem sie das gesagt hatte, stieg sie in ihren Wagen und fuhr davon.
Als Hsi-fëng diese Worte anhören mußte, noch dazu in Gegenwart so vieler Zeugen, wußte sie im ersten Moment vor Scham und Zorn nicht, was sie tun sollte. Blau angelaufen vor unterdrückter Wut, wandte sie den Kopf nach Lai Das Frau und sagte mit lächelnder Miene: „Was heißt denn das? Weil sich gestern welche von unsern Leuten gegen meine Schwägerin aus dem andern Anwesen vergangen haben und ich Angst hatte, sie könnte das übelnehmen, habe ich es einfach ihr überlassen, die beiden auf freien Fuß zu setzen, denn sie hatten sich ja nicht gegen mich vergangen. Wer hat denn da wieder einmal so einen flinken Zuträger gehabt?“ Als Phönixglanz diese Worte anhören musste, noch dazu in Gegenwart so vieler Zeugen, wusste sie im ersten Moment vor Scham und Zorn nicht, was sie tun sollte. Blau angelaufen vor unterdrückter Wut, wandte sie den Kopf nach Lai Das Frau und sagte lächelnd: „Was heißt denn das? Weil sich gestern einige unserer Leute gegen meine Schwägerin aus dem anderen Anwesen vergangen haben und ich Angst hatte, sie könnte das übelnehmen, habe ich es einfach ihr überlassen, die beiden auf freien Fuß zu setzen, denn sie hatten sich ja nicht gegen mich vergangen. Wer hat denn da wieder so einen flinken Zuträger gehabt?"
Jetzt wollte Dame Wang wissen, worum es ging, und lächelnd berichtete Hsi-fëng über den Vorfall vom vergangenen Tag. Jetzt wollte Dame Wang wissen, worum es ging, und lächelnd berichtete Phönixglanz über den Vorfall vom vergangenen Tag.
„Davon habe ja nicht einmal ich etwas gewußt“, erklärte Frau You staunend und lächelte ebenfalls. „Du bist wirklich zu weit gegangen.“ „Davon habe ja nicht einmal ich etwas gewusst", erklärte Frau You staunend und lächelte ebenfalls. „Du bist wirklich zu weit gegangen."
„Da es um deine Ehre ging, wollte ich, daß du ihnen eine Belehrung erteilst. Das ist nicht mehr, als die Etikette verlangt“, verteidigte sich Hsi-fëng. „Wenn umgekehrt ich bei euch drüben beleidigt werde, wirst du mir ja den Schuldigen ebenfalls ausliefern, um mir Genugtuung zu geben. Diese Form darf schließlich nicht verletzt werden, egal um was für einen guten Sklaven es sich handelt. Wer weiß, wer da wieder hinübergelaufen ist, um seinen Diensteifer zu beweisen, und jetzt wird eine Staatsaffäre daraus gemacht.“ „Da es um deine Ehre ging, wollte ich, dass du ihnen eine Belehrung erteilst. Das ist nicht mehr, als die Etikette verlangt", verteidigte sich Phönixglanz. „Wenn umgekehrt ich bei euch drüben beleidigt werde, wirst du mir ja den Schuldigen ebenfalls ausliefern, um mir Genugtuung zu geben. Diese Form darf schließlich nicht verletzt werden, egal um was für einen guten Sklaven es sich handelt. Wer weiß, wer da wieder hinübergelaufen ist, um seinen Diensteifer zu beweisen, und jetzt wird eine Staatsaffäre daraus gemacht."
„Aber deine Schwiegermutter hat recht“, sagte Dame Wang. „Und schließlich ist auch die Frau deines Vetters Dschën keine Fremde, so daß diese leeren Förmlichkeiten nicht nötig sind. Das Wichtigste ist, daß die alte gnädige Frau Geburtstag hat, darum müssen die beiden freigelassen werden.“ Und schon wandte sie den Kopf und erteilte jemandem den Befehl, die beiden alten Sklavenfrauen in Freiheit zu setzen. „Aber deine Schwiegermutter hat recht", sagte Dame Wang. „Und schließlich ist auch die Frau deines Vetters Zhēn keine Fremde, so dass diese leeren Förmlichkeiten nicht nötig sind. Das Wichtigste ist, dass die alte gnädige Frau Geburtstag hat, darum müssen die beiden freigelassen werden." Und schon wandte sie den Kopf und befahl jemandem, die beiden alten Sklavenfrauen freizulassen.
Ohne daß Hsi-fëng es wollte, wurden ihre Empörung und ihre Beschämung immer größer, je länger sie über die Sache nachdachte, doch unversehens verwandelte sich ihr Ärger in Kummer, und schon begannen ihr die Tränen herunterzulaufen. Niedergeschlagen ging sie in ihre Räume zurück, um sich dort auszuweinen, ohne daß jemand sie dabei sah. Aber ausgerechnet jetzt mußte die Herzoginmutter Hu-po zu ihr schicken, um auszurichten, sie wolle sie sofort sprechen. Ohne dass Phönixglanz es wollte, wurden ihre Empörung und ihre Beschämung immer größer, je länger sie über die Sache nachdachte, doch unversehens verwandelte sich ihr Ärger in Kummer, und schon begannen ihr die Tränen herunterzulaufen. Vor Ärger ging sie in ihre Räume, um sich dort auszuweinen, ohne dass jemand es bemerkte. Aber ausgerechnet jetzt musste die Herzoginmutter Bernstein [51] zu ihr schicken, um auszurichten, sie wolle sie sofort sprechen.
Als Hu-po sah, daß Hsi-fëng weinte, sagte sie verwundert: „Nanu, was ist Euch denn? Eben war doch noch alles gut. Ihr werdet drüben dringend erwartet.“ Als Bernstein sah, dass Phönixglanz weinte, sagte sie verwundert: „Nanu, was ist Euch denn? Eben war doch noch alles gut. Ihr werdet drüben dringend erwartet."
Rasch wischte sich Hsi-fëng die Tränen ab, wusch sich das Gesicht, versah es erneut mit Rouge und Puder, und dann erst ging sie mit Hu-po zusammen hinüber. Rasch wischte sich Phönixglanz die Tränen ab, wusch sich das Gesicht, versah es erneut mit Rouge und Puder, und dann erst ging sie mit Bernstein zusammen hinüber.
„Wie viele Setzschirme waren unter den Geschenken, die ich bekommen habe?“ fragte die Herzoginmutter. Die Herzoginmutter fragte: „Wie viele Setzschirme waren unter den Geschenken, die ich bekommen habe?"
„Insgesamt waren es sechzehn“, gab Hsi-fëng Auskunft, „zwölf große und vier kleine, um sie auf das Ofenbett zu stellen. Erste Qualität war aber nur ein großer aus zwölf Teilen, der von der Familie Dschën aus dem Süden kam. Auf der einen Seite zeigt er auf dunkelrotem Grund ein Seidenwebbild zum Thema ‚Das ganze Bett voller Rangabzeichen‘, auf der anderen Seite ist mit Goldlack das Schriftzeichen schou – ‚Langlebigkeit‘ – in hundert verschiedenen Formen aufgemalt. Ganz annehmbar war ansonsten nur ein gläserner Wandschirm, den die Wus, die Familie des Admirals der Guang-dung-See, geschickt haben.“ Phönixglanz antwortete: „Insgesamt waren es sechzehn, zwölf große und vier kleine Ofenbettschirme. Erste Qualität war aber nur einer, ein großer aus zwölf Teilen, der von der Familie Zhēn [52] aus dem Süden kam. Auf der einen Seite zeigt er auf dunkelrotem Grund ein Seidenwebbild zum Thema ‚Das ganze Bett voller Amtstafeln' [53], auf der anderen Seite ist mit Blattgold die ‚Hundert-Langlebigkeit-Darstellung' [54] aufgemalt. Ganz annehmbar war ansonsten nur ein gläserner Wandschirm, den die Wus, die Familie des Admirals der Guangdong-See, geschickt haben."
„Dann heb mir diese beiden auf und stell sie gut weg, ich werde sie weiterverschenken!“ befahl die Herzoginmutter, und Hsi-fëng sagte: „Jawohl!“. „Dann heb mir diese beiden auf und stell sie gut weg – ich werde sie weiterverschenken!" befahl die Herzoginmutter, und Phönixglanz sagte: „Jawohl!"
Da trat plötzlich Yüan-yang heran und starrte Hsi-fëng unverwandt ins Gesicht, bis die Herzoginmutter fragte: „Warum schaust du sie so an? Kennst du sie nicht mehr?“ Da trat plötzlich Mandarinenente [55] heran und starrte Phönixglanz unverwandt ins Gesicht, bis die Herzoginmutter fragte: „Warum schaust du sie so an? Kennst du sie nicht mehr?"
Lächelnd erwiderte Yüan-yang: „Ich wundere mich nur, daß ihre Augen geschwollen sind, darum habe ich sie angesehen.“ Lächelnd erwiderte Mandarinenente: „Ich wundere mich nur, dass ihre Augen geschwollen sind, darum habe ich sie angesehen."
Als die Herzoginmutter das hörte, ließ sie Hsi-fëng näher treten und schaute sie mit zusammengekniffenen Augen nun ebenfalls an. Als die Herzoginmutter das hörte, ließ sie Phönixglanz näher treten und schaute sie mit zusammengekniffenen Augen ebenfalls an. „Die Augen haben gejuckt, deshalb habe ich sie gerieben, und davon sind sie ein bisschen geschwollen", sagte Phönixglanz lächelnd.
„Die Augen haben gejuckt, deshalb habe ich sie gerieben, und davon sind sie ein bißchen geschwollen“, sagte Hsi-fëng und lächelte dabei. „Habt Ihr Euch auch nicht wieder einmal über jemanden ärgern müssen?" fragte Mandarinenente.
„Habt Ihr Euch auch nicht wieder einmal über jemand ärgern müssen?“ fragte Yüan-yang. „Wer würde sich trauen, mich zu ärgern?" fragte Phönixglanz zurück. „Und selbst wenn ich mich geärgert hätte, würde ich an so einem Tag nicht wagen zu weinen."
„Wer würde sich trauen, mich zu ärgern?“ fragte Hsi-fëng zurück. „Und selbst wenn ich mich geärgert hätte, würde ich an so einem Tag nicht wagen zu weinen.“ „Eben!" sagte die Herzoginmutter. „Ich will gerade zu Abend essen. Du wirst mir dabei Gesellschaft leisten und isst dann mit Zhēns Frau zusammen, was übrigbleibt. Ihr beide sollt gemeinsam mit den beiden Äbtissinnen hier ‚Buddha-Bohnen' für mich auslesen, damit auch ihr euch ein langes Leben sichern könnt. Neulich haben es die Mädchen zusammen mit Schatzjade gemacht, und heute seid ihr an der Reihe, damit es nicht heißt, ich bevorzugte jemanden."
„Eben!“ sagte die Herzoginmutter, „ich will gerade zu Abend essen. Du wirst mir dabei Gesellschaft leisten und ißt dann mit Dschëns Frau zusammen, was übrigbleibt. Ihr beide sollt gemeinsam mit den beiden Äbtissinnen hier ‚Buddha-Bohnen‘ für mich auslesen, damit auch ihr euch ein langes Leben sichern könnt. Neulich haben es die Mädchen zusammen mit Bau-yü gemacht, und heute seid ihr an der Reihe, damit es nicht heißt, ich bevorzugte jemand.“ Während sie das sagte, wurde der Tisch als Erstes mit Fastenspeisen gedeckt, die von den beiden Nonnen verzehrt wurden, und dann erst wurden Fleischgerichte aufgetragen. Nachdem die Herzoginmutter sich satt gegessen hatte, wurden die Reste in den Vorraum hinausgetragen. Hier aßen Frau You und Phönixglanz schon, als die Herzoginmutter befahl, man solle auch noch Xiluan und Sijie rufen.
Während sie das sagte, wurde der Tisch als Erstes mit Fastenspeisen gedeckt, die von den beiden Nonnen verzehrt wurden, und dann erst wurden Fleischgerichte aufgetragen. Nachdem die Herzoginmutter sich satt gegessen hatte, wurden die Reste in den Vorraum hinausgetragen. Hier saßen Frau You und Hsi-fëng schon beim Essen, als die Herzoginmutter befahl, man solle auch noch Hsi-luan und Sï-djiä rufen. Erst als die vier mit dem Essen fertig waren und sich die Hände gewaschen hatten und nachdem Weihrauch angezündet worden war, wurde ein Shēng [56] Bohnen hereingebracht. Die Nonnen sprachen ein Gebet, und anschließend wurden die Bohnen einzeln verlesen und in einen Korb getan, und bei jeder einzelnen Bohne wurde der Name Buddhas angerufen. Am nächsten Tag würde daraus Brei gekocht werden, um an einer Straßenkreuzung an die Passanten verteilt zu werden. Zum Schluss hörte sich die Herzoginmutter, die sich bequem auf ihrem Ruhesitz ausgestreckt hatte, noch ein paar buddhistische Erbauungsgeschichten von Ursache und Vergeltung an, die ihr die beiden Nonnen erzählten.
Erst als die vier mit dem Essen fertig waren und sich die Hände gewaschen hatten und nachdem Weihrauch angezündet worden war, wurde ein Schëng Bohnen hereingebracht. Dann sprachen die Nonnen ein Gebet, und anschließend wurden die Bohnen einzeln verlesen und in einen Korb getan, und bei jeder einzelnen Bohne wurde der Name Buddhas angerufen. Am nächsten Tag würde daraus Brei gekocht werden, um an einer Straßenkreuzung an die Passanten verteilt zu werden. Von Bernstein wusste Mandarinenente inzwischen längst, dass Phönixglanz geweint hatte, und von Friedchen hatte sie sich auch den Grund dafür sagen lassen. Nachdem am Abend alle fort waren, berichtete sie: „Die zweite junge gnädige Frau hat doch geweint. Sie ist vor allen Leuten von der gnädigen Frau des älteren Herrn gekränkt worden."
Zum Schluß hörte sich die Herzoginmutter, die sich bequem auf ihrem Ruhesitz ausgestreckt hatte, noch ein paar buddhistische Erbauungsgeschichten von Ursache und Vergeltung an, die ihr die beiden Nonnen erzählten. Als die Herzoginmutter nach den näheren Umständen fragte, erzählte Mandarinenente den ganzen Hergang. Darauf sagte die Herzoginmutter: „Daran zeigt sich, dass Phönixglanz weiß, was sich gehört. Kann man denn, nur weil ich Geburtstag habe, zulassen, dass die Sklaven ungestraft sämtliche Herrschaften unserer Sippe beleidigen? Nur weil die gnädige Frau des älteren Herrn immer gleich aufbraust, aber nicht durchzugreifen wagt, wollte sie heute einmal ein Exempel statuieren und hat Phönixglanz absichtlich vor allen Leuten gekränkt..."
Von Hu-po wußte Yüan-yang inzwischen längst, daß Hsi-fëng geweint hatte, und von Ping-örl hatte sie sich auch noch den Grund dafür sagen lassen. Nachdem am Abend alle Besucher fort waren, berichtete sie: „Die zweite junge gnädige Frau hat doch geweint. Sie ist vor allen Leuten von der Frau des älteren gnädigen Herrn gekränkt worden.“ Während sie das eben sagte, kam Schatzharfe zur Tür herein, und so musste sie das Thema fallenlassen. Stattdessen fragte sie: „Wo warst du?"
Als die Herzoginmutter nach den näheren Umständen fragte, erzählte ihr Yüan-yang den ganzen Hergang, und daraufhin sagte die Herzoginmutter: „Daran zeigt sich, daß Hsi-fëng weiß, was sich gehört. Kann man denn, nur weil ich Geburtstag habe, zulassen, daß die Sklaven ungestraft sämtliche Herrschaften unserer Sippe beleidigen? Nur weil die Frau des älteren gnädigen Herrn immer gleich aufbraust, aber nicht durchzugreifen wagt, wollte sie heute einmal ein Exempel statuieren und hat Hsi-fëng absichtlich vor allen Leuten gekränkt...“ „Wir haben alle zusammen im Garten bei Schwester Lin [57] geplaudert", gab Schatzharfe Auskunft.
Während sie das eben sagte, kam Bau-tjin zur Tür herein, und so mußte sie das Thema fallenlassen. Statt dessen fragte sie: „Wo warst du?“ Da fiel der Herzoginmutter plötzlich etwas ein, und sofort rief sie eine alte Sklavenfrau herein, um ihr aufzutragen: „Geh in den Garten und schärfe dort allen das Folgende ein: Die beiden Mädchen, die ich zu Besuch hierbehalten habe, sind zwar arm, aber sie sind nichts anderes als die Mädchen unseres Hauses, darum soll sich jedermann aufmerksam um sie kümmern. Ich weiß, dass bei uns Männer und Frauen ‚ein Herz haben, das nur für die Reichen schlägt, und zwei Augen, die nur die Vornehmen sehen'. Darum würden sie die beiden wohl kaum für voll nehmen. Aber wenn es irgendjemand wagt, sie geringzuschätzen, und ich erfahre davon, lasse ich das nicht durchgehen."
„Wir haben alle zusammen im Garten bei Kusine Lin geplaudert“, gab Bau-tjin Auskunft. Als die Alte „Jawohl!" gesagt hatte und eben gehen wollte, erbot sich Mandarinenente: „Ich werde gehen, um das auszurichten. Wer würde auf sie schon hören!" Und mit diesen Worten begab sie sich geradewegs in den Garten.
Da fiel der Herzoginmutter plötzlich etwas ein, und sofort rief sie eine von den alten Sklavenfrauen herein, um ihr aufzutragen: „Geh in den Garten und schärfe dort allen das Folgende ein: Die beiden Mädchen, die ich zu Besuch hierbehalten habe, sind zwar arm, aber sie sind nichts anderes als die Mädchen des Hauses, darum soll sich jedermann aufmerksam um sie kümmern. Ich weiß, daß bei uns Männer und Frauen ein Herz haben, das nur für die Reichen schlägt, und zwei Augen, mit denen sie nur die Vornehmen sehen. Darum würden sie die beiden wohl kaum für voll nehmen. Aber wenn es irgendwer wagt, sie geringzuschätzen, und ich erfahre davon, lasse ich ihm das nicht durchgehen.“ Zuerst ging sie ins Reisduftdorf, aber Li Wan und Frau You waren nicht da. Auf Mandarinenentes Frage erklärten die Mägde: „Sie sind beide beim dritten Fräulein."
Als die Alte jawohl gesagt hatte und eben gehen wollte, erbot sich Yüan-yang: „Ich werde gehen, um das auszurichten. Wer würde auf sie schon hören?!“ Und mit diesen Worten begab sie sich geradewegs in den Garten. Zuerst ging sie ins Reisduftdorf, aber Li Wan und Frau You waren beide nicht da. Auf Yüan-yangs Frage erklärten die Sklavenmädchen, sie seien beim dritten gnädigen Fräulein. Da machte Mandarinenente kehrt und ging in die Halle des Grüns am Morgen [58]. Tatsächlich fand sie hier alle Gartenbewohnerinnen bei einem fröhlichen Plausch. Als man sie kommen sah, fragten alle lachend: „Was machst du denn um diese Zeit noch hier?" Und man bot ihr einen Platz an.
Da machte Yüan-yang wieder kehrt und ging in die Halle des Grüns am Morgen. Tatsächlich fand sie hier alle Bewohnerinnen des Gartens bei einem fröhlichen Plausch. Als man sie kommen sah, hieß es: „Was machst du denn noch hier?“ Und sie bekam einen Platz angeboten. Mandarinenente lachte: „Darf ich nicht auch ein wenig spazieren gehen?" Dann überbrachte sie, was die Herzoginmutter gesagt hatte.
„Darf ich nicht ebenfalls hier spazierengehen?“ fragte Yüan-yang lächelnd, aber dann überbrachte sie, was die Herzoginmutter gesagt hatte. Rasch hatte sich Li Wan erhoben, um die Botschaft stehend anzuhören, und ließ dann aus jedem Gartenhaus eine der verantwortlichen Mägde holen, damit diese es allen zur Kenntnis brachten.
Rasch hatte sich Li Wan erhoben, um die Botschaft stehend anzuhören, und nun ließ sie aus jedem Gartenhaus eines der verantwortlichen Sklavenmädchen holen, damit diese es allen anderen zur Kenntnis brachten. Doch nun genug davon. Frau You sagte lächelnd: „Die alte gnädige Frau denkt auch wirklich an alles! Wir sind jung und kräftig, aber selbst vereint würden zehn von uns an sie nicht heranreichen."
Etwas später sagte dann Frau You mit lächelndem Gesicht: „Die alte gnädige Frau denkt auch wirklich an alles! Wir sind jung und kräftig, aber selbst vereint würden zehn von uns an sie nicht heranreichen.“ Li Wan bekräftigte: „Phönixglanz-Mädchen versucht mit seiner Teufelsschläue, ihr Schritt zu halten, aber wir bringen das nicht fertig."
Das unterstrich auch Li Wan mit den Worten: „Nur Schwägerin Hsi-fëng mit ihrer Teufelsschläue kann beinahe mit ihr Schritt halten, aber wir bringen das nicht fertig.“ Mandarinenente sagte: „Hört auf und lasst sie aus dem Spiel! Sie ist auch nur ein armes Ding. Zwar hat sie sich in all den Jahren vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau kein einziges Mal etwas zuschulden kommen lassen, aber insgeheim hat sie nicht wenige beleidigt. Alles in allem ist es nicht leicht, sich als Mensch zu benehmen. Wenn man zu aufrichtig ist und nicht anpassungsfähig, werfen einem die Schwiegereltern vor, man sei einfältig, und die Hausleute haben keinen Respekt vor einem. Passt man sich aber an, dann macht man es den einen recht und den anderen unrecht. Bei uns im Haus ist es noch besser gekommen. Diese frischgebackenen ‚Herrinnen' mit der Knechtsmarkierung, die alles haben, was ihr Herz begehrt, und schon selbst nicht mehr wissen, was sie wollen – bei der geringsten Unzufriedenheit wetzen sie heimlich die Zunge und stiften Unheil. Nur weil ich Angst habe, es könnte die alte gnädige Frau aufregen, wage ich nicht, ihr auch nur das Geringste zu erzählen. Wenn ich bloß den Mund auftun würde, hätte hier kein Mensch mehr friedliche Tage. Ich dürfte das nicht vor Euch sagen, drittes Fräulein, aber wenn die alte gnädige Frau Schatzjade bevorzugt und heimlich deswegen gegrollt wird, lässt man das noch angehen – es heißt eben, sie habe eine Schwäche für ihn. Aber wenn die alte gnädige Frau Euch bevorzugt, muss ich auch hören, das sei nicht recht. Ist das nicht lachhaft?"
„Hört auf und laßt sie aus dem Spiel!“ sagte Yüan-yang. „Sie ist auch nur ein armes Ding. Zwar hat sie sich in all den Jahren vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau kein einziges Mal etwas zuschulden kommen lassen, aber wie viele Leute hat sie insgeheim beleidigt. Alles in allem ist es nicht leicht, sich als Mensch zu benehmen. Wenn man zu anständig ist und nicht anpassungsfähig, dann werfen einem die Schwiegereltern vor, man sei simpel, und die Leute haben keinen Respekt vor einem. Erkunderin lächelte: „Dumme Menschen gibt es viele, wie könnte man sie alle ernst nehmen? Das eine sage ich euch: Einfache Leute mit kleiner Familie haben es besser. Sie leben zwar etwas ärmlicher, aber doch höchst vergnüglich, und so geht es allen gut. Leute wie wir leben in großer Familie, und Außenstehende denken, uns Fräuleins, die wir tausend oder zehntausend Liang Silber mitbekommen, müsse es wer weiß wie gut gehen. Wie können sie ahnen, dass es bei uns unsagbaren Kummer gibt und dass es hier schlimmer zugeht als bei ihnen selber!"
Paßt man sich aber an, dann macht man es den einen recht und den andern unrecht. Bei uns im Haus ist es noch besser gekommen. Diese frischgebackenen ‚Herrinnen‘, die doch nur gemeine Sklavinnen waren, haben alles, was ihr Herz begehrt, und wissen schon selbst nicht mehr, was sie wollen. Bei der geringsten Unzufriedenheit wetzen sie dann heimlich die Zunge und stiften Unheil. Schatzjade warf ein: „Nicht jeder macht sich solche unnötigen Sorgen wie du. Immer wieder habe ich dir gesagt: Hör nicht auf das profane Geschwätz und denk auch nicht an diese profanen Dinge, sondern schätze den Reichtum und genieße den Glanz. Das ist das einzig Wahre. Du hast es noch besser als unsereiner, der dieses ungetrübte Glück nicht genießen darf und sich stattdessen dem schmutzigen Getriebe der Welt stellen muss."
Nur weil ich Angst habe, es könnte die alte gnädige Frau aufregen, wage ich nicht, ihr auch nur das geringste davon zu erzählen. Wenn ich bloß den Mund auftun würde, hätte hier kein Mensch mehr friedliche Tage. Ich dürfte das nicht vor Euch sagen, drittes gnädige Fräulein, aber wenn die alte gnädige Frau Bau-yü bevorzugt, und es wird heimlich deswegen gegrollt, läßt man das noch angehen, es heißt eben, sie habe nun einmal eine Schwäche für ihn. Aber wenn die alte gnädige Frau Euch bevorzugt, muß ich auch hören, das sei nicht recht. Ist das nicht lachhaft?“ Frau You hielt ihm entgegen: „Es ist aber auch nicht jeder wie du und macht sich überhaupt keine Gedanken. Du tollst nur mit deinen Schwestern und Kusinen herum. Wenn du Hunger hast, isst du, und wenn du müde bist, schläfst du. Auch in ein paar Jahren wird es mit dir noch genauso sein. Die Zukunft ist dir doch ganz einerlei."
„Dumme Menschen gibt es viele, wie könnte man sie alle ernst nehmen?“ erwiderte Tan-tschun lächelnd. „Das eine sage ich euch, einfache Leute mit einer kleinen Familie haben es besser. Sie leben zwar etwas ärmlicher, aber doch höchst vergnüglich, und so geht es jedermann gut. Leute wie wir leben in großer Familie, und Außenstehende denken, uns Fräulein, die wir tausend oder zehntausend Liang Silber mitbekommen, müsse es wer weiß wie gut gehen. Wie können sie ahnen, daß es bei uns unsagbaren Kummer gibt und daß es hier schlimmer zugeht als bei ihnen selber!“ Schatzjade lachte: „Ein Tag, den ich mit meinen Schwestern und Kusinen verbringen kann, ist immerhin ein Tag. Wenn ich tot bin, ist es vorbei. Was heißt also Zukunft?"
„Nicht jeder macht sich solche unnötigen Sorgen wie du“, warf Bau-yü ein. „Immer wieder habe ich dir gesagt, hör nicht auf das profane Geschwätz und denk auch nicht an diese profanen Dinge, sondern schätze den Reichtum und genieße den Glanz. Das ist das einzig Wahre. Du hast es noch besser als unsereiner, der dieses ungetrübte Glück nicht genießen darf und sich statt dessen dem schmutzigen Getriebe der Welt stellen muß.“ Li Wan und die anderen sagten lachend: „So ein Unsinn wieder einmal! Nehmen wir an, du machst wirklich keine Karriere und bleibst bis an dein Lebensende hier in der Familie – werden denn die Mädchen auch niemals das Haus verlassen?"
„Es ist aber auch nicht jeder ist wie du und macht sich überhaupt keine Gedanken“, hielt ihm Frau You entgegen. „Du tollst nur mit deinen Schwestern und Kusinen herum. Wenn du Hunger hast, ißt du, und wenn du müde bist, schläfst du. Auch in ein paar Jahren wird es mit dir noch genau dasselbe sein. Die Zukunft ist dir doch ganz einerlei.“ Frau You setzte lächelnd hinzu: „Kein Wunder, wenn die Leute sagen, er sei nur dem Äußeren nach erwachsen. Er ist wirklich dumm und töricht."
„Ein Tag, den ich mit meinen Schwestern und Kusinen verbringen kann, ist immerhin ein Tag, und wenn ich tot bin, ist es vorbei“, gab Bau-yü lächelnd zurück. „Was heißt also Zukunft?“ Schatzjade lachte: „Des Menschen Schicksal ist ungewiss. Vielleicht sterbe ich heute oder morgen, dieses oder nächstes Jahr. Aber dann habe ich doch mein Leben nach meinen Wünschen gelebt."
„So ein Unsinn wieder einmal!“ sagte Li Wan, der die anderen lächelnd beipflichteten. „Nehmen wir einmal an, du machst wirklich keine Karriere und bleibst bis an dein Lebensende hier in der Familie, werden aber vielleicht auch die Mädchen niemals das Haus verlassen?“ „Er redet wieder einmal irre, wir dürfen nicht länger mit ihm streiten!" fielen die anderen ein. „Etwas anderes als Torheiten und Verrücktheiten bekommen wir sowieso nicht von ihm zu hören."
Und Frau You setzte lächelnd hinzu: „Kein Wunder, wenn die Leute von ihm sagen ‚Außen hui, innen pfui.‘ Er ist wirklich dumm und töricht.“ Xiluan sagte lachend: „Zweiter Bruder, so darfst du nicht reden! Wenn meine Schwestern wirklich alle verheiratet sind, wird es der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau bestimmt langweilig. Dann komme ich und leiste dir Gesellschaft!"
„Des Menschen Schicksal ist ungewiß“, entgegnete ihnen Bau-yü lächelnd, „vielleicht sterbe ich heute oder morgen, dieses oder nächstes Jahr, aber dann habe ich doch mein Leben nach meinen Wünschen gelebt...“ Li Wan und Frau You lachten: „Fängst du auch an, Unsinn zu schwatzen? Wirst du etwa nicht heiraten? Wen willst du einlullen mit diesen Worten?"
„Er redet wieder einmal irre, wir dürfen nicht länger mit ihm streiten!“ fielen ihm die anderen ins Wort. „Etwas anderes als Torheiten und Verrücktheiten bekommen wir sowieso nicht von ihm zu hören.“ Daraufhin ließ Xiluan den Kopf sinken. Da schon die Nachtwache geschlagen wurde, ging jeder in seine Räume, um sich schlafen zu legen. Von den einzelnen Personen soll hier nicht weiter die Rede sein.
Hsi-luan aber sagte: „Vetter Bau-yü, so mußt du nicht reden! Wenn meine Kusinen wirklich alle verheiratet sind, wird es der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau bestimmt auch langweilig werden. Dann komme ich und leiste dir Gesellschaft!“ Mandarinenente machte sich auf den Rückweg und kam gerade zum Gartenausgang, als sie dort eines der Nebentore nur angelehnt fand und den Türbalken noch nicht vorgelegt. Um diese Zeit war im Garten niemand mehr unterwegs, lediglich aus der Wachstube leuchtete abgeblendeter Lampenschein, und der Himmel war vom schwachen Halbmond nur matt beleuchtet.
„Fängst du jetzt auch an, Unsinn zu schwatzen?“ fragten Li Wan und Frau You sie lächelnd, „wirst du etwa nicht heiraten? Wen willst du einlullen mit deinen Worten?“ Mandarinenente hatte keine Begleiterin bei sich und auch keine Laterne. Allein, mit leichtem Schritt, wurde sie von den Nachtwachen nicht bemerkt. Da sie ein kleines Bedürfnis hatte, verließ sie den gepflasterten Weg und ging über den Rasen auf einen mächtigen Kassiabaum hinter den künstlichen Felsen zu, der einen breiten Schatten warf.
Daraufhin ließ Hsi-luan den Kopf sinken, und da schon die Nachtwache geschlagen wurde, ging jeder in seine Räume, um sich schlafen zu legen. Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Kaum war sie um den Felsvorsprung gebogen, hörte sie plötzlich das Rascheln von Kleidern, was ihr einen gewaltigen Schreck einjagte. Bei näherem Hinsehen bemerkte sie zwei Gestalten, die sich, als sie sich entdeckt sahen, zwischen den Bäumen und Sträuchern verstecken wollten. Aber Mandarinenente hatte scharfe Augen und erkannte im Mondlicht an dem roten Rock, dem losen Haarknoten und der großen, kräftigen Figur, dass eine der beiden Gestalten Siqi [59] sein musste, die in Yingchuns Räumen diente.
Als auch Yüan-yang jetzt nach Hause ging und zum Ausgang des Gartens kam, fand sie dort eines der Nebentore nur angelehnt und den Türbalken noch nicht vorgelegt. Um diese Zeit war im Garten niemand mehr unterwegs, lediglich aus der Wachstube leuchtete abgeblendeter Lampenschein, und der Himmel war von der schmalen Mondsichel nur schwach beleuchtet. So wurde Yüan-yang, die keine Begleiterin bei sich hatte und auch keine Laterne trug, von den Nachtwachen nicht bemerkt, zumal ihr Schritt leicht war. Weil sie nun eben ein kleines Bedürfnis hatte, verließ sie den gepflasterten Weg und ging über den Rasen auf einen mächtigen Kassiabaum hinter den künstlichen Felsen zu, der einen breiten Schatten warf. Mandarinenente nahm an, Siqi habe mit einem anderen Mädchen hier dasselbe Geschäft wie sie verrichten wollen und sich nun, als sie sie gesehen hatte, absichtlich versteckt, um ihr aus Schabernack einen Schreck einzujagen. Darum rief sie lachend: „Siqi, wenn du nicht sofort vorkommst, sondern mich erschreckst, dann schreie ich um Hilfe und lasse dich als Einbrecher festnehmen! So ein großes Mädchen und muss noch Tag und Nacht kindische Spiele treiben, ohne je genug zu bekommen!"
Aber kaum war Yüan-yang um den Felsvorsprung gebogen, hörte sie plötzlich das Rascheln von Kleidern, was ihr keinen geringen Schreck einjagte. Bei näherem Hinsehen bemerkte sie zwei Gestalten, die sich jetzt, als sie sich entdeckt sahen, zwischen den Bäumen und Sträuchern verstecken wollten. Aber Yüan-yang hatte gute Augen und erkannte im Licht des Mondes an dem roten Rock, den losen Haarknoten und der großen, kräftigen Figur, daß eine der beiden Gestalten Sï-tji sein mußte, die in Ying-tschuns Räumen diente. Mandarinenentes Worte waren nur als Scherz gemeint. Aber Siqi war ängstlich wie alle Missetäter und glaubte nicht anders, als dass Mandarinenente alles durchschaut hätte. Da sie befürchtete, wenn Mandarinenente riefe, würden alle davon erfahren, und weil andererseits Mandarinenente ihr gegenüber stets freundlich und gütig gewesen war, stürzte sie aus ihrem Versteck hervor, fasste Mandarinenente bei den Händen, ließ sich auf die Knie fallen und flehte: „Bloß nicht rufen, gute Schwester!"
Sie nahm nun an, Sï-tji habe mit einem weiteren Mädchen zusammen genau wie sie hier ein kleines Geschäft verrichten wollen und sich nun, als sie sie gesehen hatte, absichtlich versteckt, um ihr aus Schabernack einen Schreck einzujagen. Darum rief sie lachend: „Sï-tji, wenn du nicht sofort vorkommst, sondern mich erschreckst, dann schreie ich um Hilfe und lasse dich als Einbrecher festnehmen! So ein großes Mädchen und muß noch Tag und Nacht kindische Spiele treiben, ohne je genug zu bekommen!“ Mandarinenente, die keinen Grund für so ein Benehmen sah, half ihr sofort wieder auf und fragte lächelnd: „Was soll denn das heißen?"
Yüan-yangs Worte waren nur als ein Scherz gedacht, und sie wollte lediglich erreichen, daß Sï-tji aus ihrem Versteck kam. Aber Sï-tji war ängstlich wie alle Missetäter und glaubte nicht anders, als daß Yüan-yang alles durchschaut hätte. Da sie befürchtete, wenn Yüan-yang riefe, würden alle davon erfahren, was die Sache nur noch schlimmer machen konnte, und weil andererseits Yüan-yang im Unterschied zu anderen Leuten stets freundlich und gütig zu ihr gewesen war, stürzte sie jetzt hinter dem Baum hervor, faßte Yüan-yang bei den Händen, ließ sich auf die Knie fallen und bat: „Bloß nicht rufen, meine gute ältere Schwester!“ Da wurde Siqis ganzes Gesicht rot, und Tränen strömten ihr herab. Mandarinenente erinnerte sich plötzlich, dass der zweite Schatten mehr wie der eines jungen Burschen ausgesehen hatte, und konnte sich die Sache schon zu acht oder neun Zehnteln zusammenreimen. Vor Scham wurde sie selbst rot bis über die Ohren, und zugleich bekam sie Angst. Aber sie fasste sich und fragte hastig und leise: „Wer ist er?"
Yüan-yang, die keinen Grund für so ein Benehmen sah, half Sï-tji sofort wieder auf die Beine und fragte lächelnd: „Was soll denn das heißen?“ Siqi kniete erneut vor ihr nieder und sagte: „Es ist mein Vetter mütterlicherseits."
Da wurde Sï-tji rot und begann auch noch zu weinen. Jetzt erinnerte sich Yüan-yang wieder, daß der zweite Schatten mehr wie der eines jungen Burschen ausgesehen hatte, und so konnte sie sich die Sache schon zu acht oder neun Zehnteln zusammenreimen. Doch bei diesem Gedanken wurde sie selber rot bis über die Ohren, und zugleich bekam sie auch Angst. Aber dann nahm sie sich zusammen und fragte hastig und leise: „Wer ist er?“ Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: „Sterben solltest du dafür!"
Wieder kniete Sï-tji vor ihr nieder und sagte: „Er ist mein Vetter, der Sohn einer Tante väterlicherseits.“ Siqi wandte den Kopf und rief mit gedämpfter Stimme: „Du brauchst dich nicht mehr zu verstecken. Die Schwester hat dich schon gesehen. Komm schnell heraus und mach einen Kotau vor ihr!"
Yüan-yang spuckte aus und schimpfte: „Sterben solltest du dafür!“ Notgedrungen kam der Sklavenjunge hinter dem Baum hervorgekrochen und begann so eifrig mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen, als stampfe er im Mörser Knoblauch.
Indessen wandte Sï-tji den Kopf und rief mit gedämpfter Stimme: „Du brauchst dich nicht mehr zu verstecken, die Schwester hier hat dich schon gesehen! Komm schnell heraus und mach einen Stirnaufschlag vor ihr!“ Eilig wandte sich Mandarinenente ab, aber Siqi klammerte sich an ihr fest und flehte unter Tränen: „Unser Schicksal liegt in deinen Händen, große Schwester! Ich bitte dich nur um eines: Schenk uns das Leben!"
Notgedrungen kam der Sklavenjunge hinter einem Baum hervorgekrochen und begann, so eifrig mit dem Kopf auf den Boden zu schlagen, als ob er im Mörser Knoblauch zu stampfen hätte. „Du kannst unbesorgt sein!" versprach Mandarinenente. „Ich erzähle auf keinen Fall jemandem davon, dann wird es schon in Ordnung gehen."
Eilig wandte Yüan-yang sich ab, aber Sï-tji klammerte sich an ihr fest und flehte unter Tränen: „Unser Schicksal liegt in deinen Händen, große Schwester! Ich bitte dich nur um das eine: Schenk uns das Leben!“ Das hatte sie kaum gesagt, als vom Tor her die Stimme einer Wächterin zu hören war: „Das Fräulein Jin [60] muss schon hinausgegangen sein. Schließen wir also ab!"
„Du kannst unbesorgt sein!“ versprach Yüan-yang. „Ich erzähle auf keinen Fall jemand davon, dann wird es schon in Ordnung gehen.“ Mandarinenente, die sich nicht schnell genug aus Siqis Umklammerung losmachen konnte, rief sofort: „Ich bin noch hier drüben! Wartet einen Augenblick, ich komme gleich!"
Das hatte sie kaum gesagt, als vom Tor her die Stimme einer Wächterin zu hören war: „Das Fräulein Djin muß schon hinausgegangen sein. Schließen wir also ab!“ Nach diesen Worten musste Siqi wohl oder übel loslassen und Mandarinenente gehen lassen –
Yüan-yang, die sich nicht schnell genug aus Sï-tjis Umklammerung losmachen konnte, rief sofort: „Ich bin noch hier drüben! Wartet einen Augenblick, ich komme gleich!“
  1. 贾政
  2. 贾母
  3. 贾赦
  4. 贾珍
  5. 贾琏
  6. 荣国府
  7. 宁国府
  8. 大观园
  9. 缀锦阁
  10. 嘉荫堂
  11. 元春
  12. 贾家
  13. 凤丫头
  14. 北静王
  15. 南安郡王
  16. 永昌驸马
  17. 乐善郡王
  18. 荣庆堂
  19. 锦乡侯
  20. 临昌伯
  21. 邢夫人
  22. 王夫人
  23. 尤氏
  24. 王熙凤
  25. 佩凤
  26. 贾宝玉
  27. 史湘云
  28. 薛宝钗
  29. 林黛玉
  30. 宝琴
  31. 探春
  32. 平儿
  33. Sprichwort, das bedeutet: Jeder kann sehen, was der andere tut.
  34. 袭人
  35. 地藏庵
  36. 怡红院
  37. 周瑞家的
  38. Erkunderin
  39. 稻香村
  40. 李纨
  41. 赵姨娘
  42. 费婆子
  43. 鸳鸯
  44. 迎春
  45. 惜春
  46. 贾琚
  47. 喜鸾
  48. 四姐儿
  49. 薛姨妈
  50. 寿星
  51. 琥珀
  52. 甄家
  53. 满床笏
  54. 百寿图
  55. 鸳鸯
  56. 升, Hohlmaß
  57. Kajaljade
  58. 晓翠堂
  59. 司棋
  60. 金姑娘
Nach diesen Worten mußte Sï-tji wohl oder übel loslassen, damit Yüan-yang gehen konnte.

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