Hongloumeng/de/Chapter 95

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Kapitel 95

因讹成实元妃薨逝 / 以假混真宝玉疯癫

n die kleinste Hoffnung zu klammern. Tan-tschun fragte: „Was hat er gesehen?“ „Er sagte viel“, antwortete Lins Frau, „und manches davon konnte ich nicht verstehen. Aber er sagte das Wort „belohnen“. Liu Tie-dsuee fragte nicht, sondern sagte gleich, ‚Du hast etwas verloren, richtig?‘ !“ „Gütiger Himmel! Das hört sich sehr gut an!“, rief Li Wan. Lins Frau sagte: „Dann fuhr er fort und sagte, daß Zeichen für Belohnung sei aus den Zeichen ‚klein‘ und ‚Mund‘ komponiert, das verlorene Objekt sei also klein genug, daß es in den Mund passe. Es müsse ein Juwel oder ein kostbarer Stein sein.“ Die Leute, die dabei standen, hörten das und lobten: „Der ist ja wirklich ein Weiser!“ und „Wie ging es weiter?“, Lins Frau fuhr fort: „Der Wahrsager sagte, daß unten im Zeichen ‚Belohnung‘ das Zeichen für ‚Muschel‘ sei. Das Zeichen für Muschel, wenn man es genau analysiere, sei eigentlich ein nicht vollständiges Zeichen: ‚sehen‘. Das hieße doch, daß irgendetwas nicht vollständig zu sehen, also verloren sei. Oben gibt es das Zeichen ‚Pfandhaus‘. Das heißt, man sollte im Pfandhaus suchen. Es gab also jemanden, der es verpfändet hat. Das bedeutet, daß man es wiedererlangen könne.



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7 8 Dann machte er darauf aufmerksam, daß wenn man ein ren „Mann“ (siehe Abbildung Nr. 7) zu der linken Seite dazu nehme, die Zusammensetzung ‚etwas auslösen‘ heiße. „Find den Mann beim Pfandleiher, bezahl’ den Preis, und das verlorene Objekt ist ausgelöst.“ „Worauf warten wir?“, riefen die Mädchen. „Suchen wir in der Nach­bar­schaft! Wenn wir unseren Weg durch die Pfandleiher durcharbeiten, werden wir sicher früher oder später das Richtige finden. Und wenn wir den Jade gefunden haben, wird es leicht sein, den Dieb zu finden.“ – „Find den Jade, und wir müssen uns noch nicht einmal darum kümmern, wer der Dieb ist“, sagte Li Wan. Sie wendete sich an Lins Frau und fuhr fort: „Geh und sag’ Fräulein Liän, was du uns gerade gesagt hast. Sie soll sich beruhigen. Und bitte Fräulein Liän darum, jemanden herauszuschicken und die Pfandhäuser zu durchsuchen.“ Lins Frau ging sofort los. Die Dinge schienen nun hoffnungsvoller zu sein, und es kehrte wieder etwas Ruhe ein. Sie warteten in einem etwas benebelten Zustand auf die Rückkehr von Hsiu-yän, als sie sahen, daß Bee-ming den jungen Mädchen vor dem Tor winkte. Ein Dienstmädchen rief hinaus. Bee-ming antwortete: „Schnell! Geh hinein und sag’ Herrn Bau-yü und den Damen und den Herrinnen und jungen Herinnen, daß ich die schönsten Neuigkeiten haben!“ – „Was ist es? Heraus damit!“, sagte das Mädchen. Bee-ming fing an zu lachen und klatschte in die Hände. „Na gut, ich werde es dir sagen. Und dann kannst du hineingehen und es den anderen sa­gen, und wir können die Belohnung untereinander teilen. Rate mal? Mich hat gerade eine absolut glaubwürdige Information über den Aufenthaltsort des verlorenen Jadesteins erreicht!“ Der Ausgang dieser Aufregung wird im nächsten Kapitel erzählt. 95. Ein Gerücht erweist sich als wahr: Die kaiserliche Konkubine stirbt Eine Fälschung wird als das Original angesehen, Bau-yü verliert seinen Verstand.

Bee-ming stand am Tor und meldete die Entdeckung der vermißten Jade. Eine jüngere Magd eilte herbei, um es Bau-yü zu berichten. Als die anderen dies hörten, schoben sie Bau-yü in Richtung des Eingangs, um Bee-ming zu befragen, während sie lauschend im Wandelgang standen. Bau-yü, der über die Neuigkeiten sichtlich erleichtert war, ging hinaus und fragte Bee-ming: „Wo hast du sie gefunden? Los, gib sie mir.“ Bee-ming antwortete: „Ich konnte sie leider nicht mitnehmen. Ich brauche einen Bürgen.“ – „Sag’ mir, wie du das bekommen kannst, damit ich jemanden hin­schicken kann, um es zu holen.“ „Ich hörte, daß Herr Lin vorhatte, den Wahrsager zu konsultieren“, sagte Bee-ming, „also ging ich mit ihm. Als ich das Wort ‚Pfandhaus‘ hörte, hörte ich mir das Weitere nicht mehr an und eilte sofort zu einigen Pfandhäusern. Ich beschrieb ihnen den Jade und einer von ihnen sagte, ‚Wir haben ihn.‘ Ich bat ihn, ihn mir auszuhändigen, doch er verlangte einen Pfandschein von mir. Als ich fragte, für wie viel sie verpfändet wurde, sagte er, sie hätten eine für dreihundert und eine andere für fünfhundert Taels. Die für dreihundert wurde gestern gebracht, die für fünfhundert kam heute.“ – „Schnell,“ unterbrach ihn Bau-yü. „Nimm dreihundert Taels und fünfhundert. Nimm sie beide, und wir werden sehen, welche die Richtige ist.“ Doch Hsi-jën rief spottend von innen: „Du willst ihn dir nicht ansehen? Ich kann mich erinnern, wie mein älterer Bruder mir erzählte, als ich noch ein kleines Mädchen war, daß die Leute, die so mit Jade handeln, meist ein oder zwei von ihrem Bestand verkaufen, wenn sie knapp bei Kasse sind. Jedes Pfandhaus muß also zumindest eine haben.“ Zuerst war jeder von Bee-mings Erzählung hingerissen. Aber nun, nach einigem Nachdenken über Hsi-jëns Worte, fingen sie an zu lachen. „Kommt rein, Herr Bau-yü. Hört nicht auf diesen Narren. Worüber er auch immer spricht, es kann sich nicht um das Richtige handeln.“ Bau-yü lachte ebenso. In diesem Moment kehrte Hsiu-yän von ihrer Mission zurück. Bei ihrer Ankunft im Kloster Gefangenes Grün kam sie direkt zur Sache. Würde Miau-yü die Geisteranrufung für sie veranstalten? Ihre Frage wurde von einem kalten Lächeln begleitet. „Ich dachte, du stündest über solchen weltlichen Dingen, Hsiu-yän. Ich bin sicher, wir wären niemals so gute Freunde geworden, wenn ich gewußt hätte, daß solch faules Geschwätz dich dazu bringen könnte, mich zu belästigen. Ohnehin fürchte ich, daß die Séance, die du erwähnst, etwas ist, womit ich nicht vertraut bin.“ Ganz klar wollte sie auf diese Weise das Thema umgehen, und Hsiu-yän bereute, jemals gekommen zu sein. Sie wußte, in welcher schwierigen Verfassung Miau-yü war. Doch nun, da sie das Thema angesprochen hatte, wäre es zu schade, mit leeren Händen zurückzukehren. Sie versuchte nicht, auf den geistigen Kräften ihrer Freundin zu bestehen, statt dessen versuchte sie, Miau-yü dafür zu gewinnen, über die Dringlichkeit zu sprechen, in welcher Hsi-jën und die anderen den Verlust sahen. Da wurde Miau-yü etwas weicher und Hsiu-yän erhob sich und verbeugte sich mehrere Male demütigst vor ihr. Miau-yü seufzte: „Muß man hier auf jedermanns Bitten reagieren? Seit ich hier bin, habe ich es als Geheimnis bewahrt. Wenn ich jetzt für dich eine Ausnahme mache, werde ich nie wieder meine Ruhe haben.“ – „Ich fühlte, daß ich kommen mußte, ihre Not schien so groß“, antwortete Hsiu-yän. „Ich wußte, du würdest Mitleid haben. Wenn jemand anderes fragt, kannst du ruhig ablehnen. Niemand wird dich dazu zwingen.“ Miau-yü lachte. Sie wies einige der Nonnen an, Weihrauch anzuzünden und besorgte selbst den Sandteller und das Geisterschreibgestell aus einer Kiste. Nachdem sie gebetet hatte, forderte sie Hsiu-yän auf, niederzuknien und zu beten. Als dies getan war, standen sie beide und hielten den Stab an seinem Doppelgriff fest. Nach kurzer Zeit begann er, sich über das Brett zu bewegen. Die Buchstaben, die sich mit schnellen Bewegungen im Sand abzeichneten, lauteten wie folgt:

Oje! Ohne Spur kommt es, und ohne Spur geht es. An grünen Berges Fuß steht eine Kiefer, uralt. Warum in den Bergen suchen. Die Berge zu erklimmen ist so schwer. Tritt ein durch meine Tür, und dich erwartet eine freudige Begegnung!

Das Schreiben endete und das Geisterschreibgestell kam zur Ruhe. „Welchen Geist hast du angerufen?“, fragte Hsiu-yän. „Den Krüppelgeist“, antwortete Miau-yü. Hsiu-yän betrachtete das Geschriebene und fragte Miau-yü nach einer Erklärung für diese Zeilen. „Wie könnte ich?“, antwortete sie, „ich verstehe sie selbst nicht. Nimm es mit zu den anderen. Es gibt ja viele, die klüger sind als ich, da bin ich sicher.“ Hsiu-yän zwang sie nicht und kehrte in den Hof zurück. Bei ihrer Ankunft wurde sie mit Fragen überhäuft. „Sag’ uns, was passiert ist!“, riefen sie alle. Anstatt ihnen eine ausführliche Beschreibung der Séance zu geben, gab Hsiu-yän die Abschrift direkt Li Wan. Die Mädchen und Bau-yü versammelten sich, um sie zu lesen. Man kam zwischendurch zu folgender Auslegung: Der Jadestein ließe sich nicht während der Suche nach ihm finden und er war noch nicht unwiederfindbar verloren. Zu einer unvorhersehbaren Zeit, wenn niemand nach ihm suchte, würde er einfach wieder auftauchen. Doch wo war dieser grüne Berg? „Es könnte eine Art versteckter Hinweis sein,“ vermutete Li Wan. „Wir haben mit Sicherheit niemals einen Berg in unserem Garten gehabt, und Berge sprießen nicht einfach aus dem Boden. Die einzige Erklärung, die ich mir vorstellen kann, ist, daß derjenige, der ihn gestohlen hat, die Nerven verlor und sie wegwarf, und nun liegt er hinter irgendeinem Hügel in einem Steingarten bei einem Kiefernbaum. Doch was hat dieses ganze ‚Tritt durch meine Tür‘ am Ende zu bedeuten? Durch wessen Tür?“ – „Welcher Geist wurde angerufen?“, fragte Dai-yü. „Der Krüppelgeist“, sagte Hsiu-yän. „Wenn das die Tür eines Geistes ist, ist es schwer, ihm zu folgen!“ warf Tan-tschun ein. Währenddessen nahm Hsi-jën in ihrer Verzweiflung die Auslegung wörtlich und begann ernsthaft, überall blind zu suchen. Sie drehte jeden Stein im Garten um, doch es nützte nichts. Als sie zurückkam, fragte Bau-yü sie noch nicht einmal, ob sie erfolgreich war, sondern grinste sie nur frech an. „Mein lieber Herr Bau-yü!“, rief Schë-yüä, „sei gnädig und sag’ uns, wo du ihn verloren hast! Wenn nicht, sag’ uns wenigstens, warum wir des­halb leiden müssen!“ – „Du wolltest ja nicht zuhören, als ich sagte, ich habe ihn irgendwo draußen verloren“, protestierte Bau-yü. „Wenn ihr mich jetzt fragt, wie soll ich das noch genau wissen?“ Li Wan und Tan-tschun wiesen darauf hin, daß sie alle einen langen und ermüdenden Tag hatten. Es war bereits zwölf Uhr. Sie bemerkten, daß Dai-yü bereits zu erschöpft gewesen war, um noch länger zu bleiben, und bereits früher nach Hause gegangen war. „Wir sollten jetzt alle zu Bett gehen,“ schlugen sie vor, „morgen kön­nen wir in aller Frische wieder anfangen.“ Die Versammlung löste sich auf. Bau-yü ging direkt schlafen. Hsi-jën und die anderen Mägde konnten allerdings nicht einschlafen und saßen die ganze Nacht über weinend und grübelnd beisammen. Doch wir müssen sie nun für eine Weile verlassen und unsere Aufmerksamkeit Dai-yü zuwenden. Als sie zu Hause angelangt war, drehten sich ihre Gedanken nur noch um das eine Thema, das sie immer beschäftigte, der Bund aus Gold und Jade. An dieser Stelle waren ihre Schlußfolgerungen ergiebiger als üblich. „Wie kann jemals Wahres an der Prophezeiung des buddhistischen Mönchs und des dauistischen Priesters gewesen sein?“ rang sie mit sich selbst. „Wenn es wirklich einen Bund aus Gold und Jade gäbe, wie konnte Bau-yü seinen Jade nur auf die Weise verlieren? Vielleicht ist es meinetwegen, daß Gold und Jade auseinandergehen...“ Weitere Gedanken dieser Art beruhigten ihren Geist. Die Müdigkeit von den Strapazen dieses Tages schien von ihr zu fallen, und sie begann wieder zu lesen. Dsï-djüan hingegen war völlig erschöpft und drängte ihre Herrin wiederholt, schlafen zu gehen. Dai-yü legte sich nieder, doch überlegte sie weiter. Dieses Mal waren es die Begonienblumen, die ihre Gedanken bestimmten. „Bau-yüs Jade ist kein gewöhnlicher Stein. Er ist mit ihm geboren und was mit ihm geschieht, ist von großer Bedeutung. Wenn die Begonien ein gutes Omen waren, warum sollte er dann zur selben Zeit seinen Jade verlieren? Das kann nur unheilvoll sein. Ich fürchte, ihm wird etwas Schlimmes passieren.“ Sie wurde wieder traurig. Dann dachte sie aber wieder, daß die Freude des Blumenblühens und die Trauer um den Jade vorherbestimmt waren. Sie lag bis vier Uhr wach. Früh am nächsten Morgen, schickte die Dame Wang Diener, um die Pfandleiher zu befragen, während Hsi-fëng ihre eigenen geheimen Untersuchungen einleitete. Mehrere Tage vergingen, aber trotz der gemeinsamen Bemühungen, gab es noch immer kein Zeichen des verschwundenen Jade. Zum Glück war noch kein Wort über die Katastrophe zur Herzoginmutter oder Djia Dschëng vorgedrungen. Aber Hsi-jën und die anderen Mädchen lebten von Tag zu Tag in unerträglicher Spannung, während Bau-yü, der nun mehrere Tage nicht zur Schule ging, stufenweise mißmutiger, lustloser und stiller wurde. Die Dame Wang war nicht zu besorgt darüber, denn sie sah es als vorübergehendes Leid an, welches durch den Verlust des Jade hervorgerufen wurde. Sie saß eines Tages in Gedanken verloren, als Djia Liän in ihre Gemächer kam, und, nachdem er ihr seine Aufwartung gemacht hatte, mit einem selbstgefälligen Lächeln ankündigte: „Onkel Dschëng hat heute von Yü-tsun gehört, daß Onkel Wang Dsï-teng auf eine Stelle im Kaiserhof befördert wurde. Er bekam die kaiserliche Anordnung, zur Hauptstadt zu kommen. Seine offizielle Einsetzung wird am zwanzigsten des ersten Monats des nächsten Jahres sein, und eine wichtige Botschaft wurde geschickt, worin er von der Grenze berufen wird. Er wird Tag und Nacht reisen und sollte hier etwa in zwei Wochen ankommen. Ich bin nur hierher gekommen, um dir diese Nachrichten zu bringen, Tante.“ Die Dame Wang war höchst erfreut. Sie hatte gerade daran gedacht, wie wenige aus ihrer eigenen Familie um sie herum waren, ein Mangel, der durch die jüngsten Probleme ihrer Schwester besonders deutlich geworden war. Ihr Buder Dsï-teng war auswärts beschäftigt und konnte deshalb keinen Einfluß in ihrem Sinne ausüben. Aber nun mit seiner neuen Anordnung und der Rückkehr zur Hauptstadt, konnte sie eine Auferstehung des Ansehens der Wang Familie heraufziehen sehen, von welchem auch Bau-yü profitieren könnte. Für die nächste Zeit fühlte sie sich fähig, ihre Angst über den verlorenen Jade leichter zu nehmen, und freute sich mehr und mehr über die Rückkehr ihres Bruders. Ein oder zwei Tage später kam Djia Dschëng unerwartet und mit Tränen-beflecktem Gesicht und sagte ihr schnaufend: „Du mußt die Herzoginmutter sofort informieren, daß ihre sofortige Anwesenheit im Palast erforderlich ist. Es muß keine große Gruppe gehen. Es wird reichen, wenn du Mutter begleitest. Die kaiserliche Nebenfrau wurde plötzlich schwer krank. Draußen wartet ein Eunuch des Hofes. Er sagt, daß die klare Diagnose der Schule der Ärzte eine unheilbare Lungenentzündung sei.“ Die Dame Wang brach in Tränen aus. „Dies ist nicht die Zeit zu weinen“, sagte Djia Dschëng, „du mußt nun gehen und Mutter sofort Bescheid sagen. Bring es ihr behutsam bei. Wir dürfen der alten Dame keinen zu großen Schreck versetzen.“ Nachdem er das gesagt hatte, ging Djia Dschëng hinaus und gab dem Personal Anweisungen. Die Dame Wang trocknete ihre Augen und ging zu den Gemächern der Herzoginmutter. Sie sagte nur, das Yüän-tschun krank sei und daß sie zum Palast gehen müsse, um ihre Aufwartung zu machen. Die Herzoginmutter betete zu Buddha. „Wie konnte sie wieder krank werden? Letztes Mal, wenn du dich erinnerst, hatte ich so eine Angst, und dann haben wir herausgefunden, daß ich mir das alles eingebildet hatte. Wenn ich es mir nur jetzt einbilden würde!“ Die Dame Wang redete mit der gnädigen Frau und drängte gleichzeitig Yüan-yang und die anderen Mädchen, nach ihren Hofgewändern zu suchen, und fing an, sie anzukleiden. Sie hastete dann zu ihren Gemächern, zog sich um und kehrte zurück, um der Herzoginmutter aufzuwarten. Nach einer kurzen Weile waren sie fertig, und gingen aus dem Raum in die Haupthalle zu den Sänften, in denen sie zum Palast getragen wurden. Yüän-tschun war, seit sie für den Kaiserhof ausgewählt wurde, zu einem wertgeschätzten Objekt der Gunst des Kaisers geworden, und als Ergebnis etwas dick geworden. Unter stetem Druck und täglicher Erschöpfung vom Le­ben am Hof, hatte sie eine chronische bronchiale Krankheit entwickelt. Ein paar Tage vorher, als sie spät von einer Aufwartung von einem Bankett wieder­kam, hatte sie eine Erkältung bekommen, welches schnell ihr altes Leiden zu­rückbrachte. Diesmal jedoch, war es eine schwere Attacke. Schleim blockier­­te ihre Atemwege, was zu Kälte und Mattigkeit in ihren Gliedern führ­te. Der Kaiser wurde informiert, ein Arzt des Hofes wurde sofort gerufen. Aber sie konnte die Medizin nicht schlucken, die ihr verordnet wurde, und sogar die abschwellenden Salze, die man versuchte, ihr zu verabreichen, hatten keinen förderlichen Effekt. Besorgt um ihren kritischen Zustand, berichteten die anwesenden Eunuchen seiner Majestät, daß die nötigen Schutzmaßnahmen vorgenommen werden sollten. Und daher wurde ihre nächststehenden Familienangehörigen zum Palast gerufen. Die Herzoginmutter und die Dame Wang zeigten sich selbst am Palast und betraten das Schlafzimmer der kaiserlichen Konkubine, um sie im Schleim erstickt zu finden, wie ihr Spucke aus dem Mund floß, nicht fähig zu sprechen. Als sie ihre Großmutter auf sich zukommen sah, nahm ihr Gesicht den bemitleidenswertesten Ausdruck an, als wollte sie weinen, nur ohne Tränen. Die Herzoginmutter kam vor, um ihr ihre Aufwartung zu machen, und sprach ein paar tröstende Worte. Ein wenig später wurden die offiziellen Karten von Djia Dschëng und anderen hereingebracht, und eine wartende Frau gab sie der kaiserlichen Nebenfrau zum Anschauen. Sie hatte jedoch nicht länger die Kraft, sie anzusehen, und ihr Gesicht wurde von Minute zu Minute blasser. Die Eunuchen waren dabei, dies wieder dem Kaiser zu berichten, und vorhersehend, daß die anderen Konkubinen bald ankommen würden, um ihren letzten Respekt zu erweisen, baten sie die Djia-Verwandten, ob sie freundlicherweise hinausgehen würden, um draußen in einem Vorzimmer zu warten. Die Herzoginmutter und die Dame Wang hatten keine Wahl, als sich den Gepflogenheiten am Hof zu beugen, und rissen sich selbst los. Sie hielten ihre Tränen zurück und verließen das Zimmer traurigen Herzens. Sie konnten sehen, wie Nachrichten im Palast umherliefen, und kurz danach kam ein Eunuch heraus und schickte nach einem Hofbeamten von der kaiserlichen Behörde für Astronomie. Die Herzoginmutter wußte nur zu gut, was das hieß. Er wollte ein günstiges Datum für die Beerdigung erfragen. Es war alles vorbei. Aber sie traute sich noch immer nicht, sich zu bewegen. Es dauerte nicht lange, bis ein junger Eunuch herauskam, um eine palastamtliche Ankündigung zu machen: „Die kaiserliche Nebenfrau Djia ist gestorben. Es war der neunzehnte im zwölften Monat. Der Frühlingsanfang fiel auf den achtzehnten des zwölften Monats in diesem Jahr, welches das Jahr Djia Yin war; der neunzehnte des Monats war daher auch, astrologisch gesehen, im Monat Yin des folgenden Mau-Jahres. Die kaiserliche Nebenfrau wurde vierundreißig Jahre alt.“ Die Herzoginmutter erhob sich, tat ihr Bestes, ihre Fassung zu wahren, und verließ den Palast, kletterte in ihre Sänfte und wurde nach Hause getragen. Djia Dschëng und die anderen wurden auch benachrichtigt, und auch sie traten die traurige Heimreise an. Die Dame Hsing, Li Wan, Hsi-fëng, Bau-yü und die anderen Familienmitglieder standen an beiden Seiten des Hofes vor der Haupthalle des Jung-guo-Anwesens aufgereiht, um erst die Herzoginmutter und dann Djia Dschëng und die Dame Wang zu grüßen, als sie zurückkamen. Unsere Erzählung überspringt die tränenreiche Familien­sze­ne. Früh am nächsten Tag gingen alle Familienmitglieder mit einem offiziellen Rang zum Palast hinüber, um ihren Respekt zu erweisen und um zu trauern, wie es die Riten vorschrieben. Die Beerdigung folgte den Vorschriften für Konkubinen des Kaisers. Sie wurden hineingebeten, um in aller Ruhe trauern zu können. Auch Herzog Djia Dschëng erschien zur Beerdigung, aber er konnte nicht verhindern, daß er vom Bauministerium oft befragt wurde und seine Kollegen von ihm Rat suchten. Er war mit beiden Seiten beschäftigt. – Die vorhergehenden Hofbeerdigungen für die Kaiserin­wit­we und die Dschou-Konkubine war überhaupt nicht damit zu vergleichen. Weil Yüän-tschun ohne Nachkommenschaft gestorben war, gab man ihr post­hum den Titel: „Tugendhafte kaiserliche Nebenfrau des höchsten Ranges“. Das war in Übereinstimmung mit den Herrscherregeln. Aber nichts mehr da­von. Jeder in der Familie Djia wurde sehr beschäftigt gehalten, sie reisten täg­lich zum Palast und wieder zurück, solange die Beerdigung dauerte. Glücklicherweise verbesserte sich Hsi-fëngs Gesundheit in letzter Zeit, und sie war fähig aufzustehen und den Haushalt zu verwalten. Sie bereitete außerdem die Feier für die Rückkehr von Wang Dsï-teng vor. Ihr eigener älterer Bruder, Wang Jën war nun, da sein Onkel ins Kabinett berufen wurde, auch mit seiner Familie auf dem Weg in die Hauptstadt. Hsi-fëng war froh darüber. Das Wissen, daß sie diese zusätzlichen Wangs um sich herum haben würde, gaben ihr neue Zufriedenheit und hatten einen förderlichen Effekt auf ihre Gesundheit. Nun, da Hsi-fëng wieder auf und munter war, lud die Dame Wang die Hälfte ihrer Verantwortung auf sie ab, und mit der sicheren Aussicht, daß sie ihren älteren Bruder bald wieder in der Haupstadt haben würde, fühlte sie sich beruhigter. Nur Bau-yü nahm nicht an den Beerdigungsriten seiner älteren Schwestern teil, da er keinen offiziellen Titel besaß. Er ging auch nicht zur Schule, der Lehrer schob seinen Zustand auf die kürzlichen Ereignisse in der Familie, wärend Djia Dschëng viel zu beschäftigt war, um die Studien seines Sohnes zu prüfen. Man könnte von Bau-yü erwarten, daß er dies als ideale Gelegenheit nutzt, um sich in der schönen Gesellschaft seiner Schwester und den Kusinen täglich zu amüsieren. Aber von dem Tag, an dem er seinen Jade verlor, saß er nur die ganze Zeit herum und tat nichts, und wenn er sprach, tat er dies in zusammenhanglosem Gemurmel. Als die Herzoginmutter und die anderen vom Palast zurückkehrten, rief ihn jemand hinüber, um seine Aufwartung zu machen; wenn ihn niemand rief, blieb er, wo er war. All diese Zeit fühlten sich Hsi-jën und seine anderen Mädchen immer schuldiger und besorgter. Sie trauten sich nicht, ihn zu tadeln, aus Angst, er könnte einen Wutanfall bekommen. Jeden Tag trank er seinen Tee und aß seine Mahlzeiten, wenn sie vor ihm hingestellt wurden. Wenn ihm nichts hingestellt worden wäre, hätte er auch nichts gewollt. Es dämmerte Hsi-jën bald, daß dies nicht nur eine Laune von ihm war, sondern eine wirkliche Krankheit. Als sie einen freien Moment hatte, schlich sie hinüber zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß und redete mit Dsï-djüan. „Wenn nur deine Herrin mit ihm reden könnte und versuchte ihn aufzuheitern“, sagte sie. Dsï-djüan leitete diese Nachricht direkt weiter an Dai-yü. Aber Dai-yü sah sich nun selbst als Bau-yüs zukünftige Braut, und fühlte nun den Drang, sich ihm gegenüber mit gewissenhaftem Anstand zu benehmen. „Wenn er kommen sollte, mich zu sehen,“ stritt sie mit sich selbst, „sollte ich ihn höflich empfangen, um unserer Freundschaft aus Kindertagen willen. Aber wenn es darum geht, daß ich zu ihm hinüber gehe, um ihn zu sehen, so kommt das gar nicht in Frage.“ Also stellte sie sich dem Flehen Hsi-jëns gegenüber taub. Hsi-jën erzählte dies als nächstes heimlich Tan-tschun. Aber Tan-tschun war selbst in Trauer. In ihren Gedanken war das seltsame Blühen der Begonien, das erste einer Serie schlechter Omen, gefolgt von dem noch seltsameren Verlust der kostbaren Jade, und nun vom Tod ihrer Schwester. Während die Familienreichtümer so offensichtlich im Verfall begriffen waren, wie könnte sie noch die Stimmung finden, Bau-yü aufzuheitern? Außerdem waren sie auch als Bruder und Schwester Mann und Frau, und sie konnte ihn nicht ständig sehen. Sie besuchte ihn ein- oder zweimal, aber ihre Anwesenheit schien ihm gleichgültig zu sein, und sie unternahm keine weiteren Anstren­gun­gen. Bau-tschai wußte auch von der vermißten Jade. Ihre Mutter hatte ihr bereits von der beabsichtigten Verlobung von Bau-yü erzählt. An dem Tag, an dem sie der Ehe mit Bau-yü zugestimmt hatte, kam sie nach Hause und berichtete es Bau-tschai. „Obwohl es der Antrag deiner Tante Wang ist“, hatte sie zu Bau-tschai gesagt, „habe ich noch immer nicht meine endgültige Zusage dazu gegeben. Ich sagte, wir sollten warten, bis Pan nach Hause kommt. Was sagst du zu der Idee? Bist du einverstanden?“ – „Mutter“, antwortete Bau-tschai, in einem sehr ernsten Ton, „du mußt mich nicht fragen. Die Zukunft einer Tochter liegt in den Händen der Eltern. Seit Vater tot ist, liegt die Entscheidung nur bei dir. Frag’ Pan um Rat, wenn du willst, aber warum mich?“ Frau Hsüä war sehr gerührt von dieser zur Schaustellung von Anstand ihrer Tochter, ein Beweis, daß ihr Grundcharakter nicht in irgendeiner Weise durch ihre luxuriöse Kindheit verzogen worden war. Sie wollte Bau-yüs Namen ihr gegenüber nicht mehr erwähnen. Bau-tschai für ihren Teil hielt ein striktes Tabu von diesem Tag an für diese zwei Silben aufrecht. Als sie daher von der vermißten Jade hörte, hielt sie sich trotz der Sorge, die sie fühlte, damit zurück, weitere Fragen zu stellen und gab sich mit dem zufrieden, was sie von anderen um sich herum herausbekam, während sie weiterhin gänzliche Gleichgültigkeit zur Schau stellte. Frau Hsüä, auf der anderen Seite, schickte mehrere Male ein Mädchen hinüber, um nach Bau-yü zu fragen. Sie war auch sehr besorgt über ihren eigenen Sohn, und erwartete ungeduldig die Ankunft ihres älteren Bruders. Sein Einfluß würde Pans Freilassung sichern. Mit dem Tod der kaiserlichen Konkubine konnte sie sehen, wie beschäftigt die Djias waren. Aber da es Hsi-fëng gut genug ging, um sich um den Haushalt zu kümmern, hatte sie nicht das Gefühl, sie oft besuchen zu müssen. Die, die am meisten unter all dem litt, war Hsi-jën, obwohl sie versuchte, ruhig und gefaßt zu bleiben, und sich um Bau-yü zu kümmern. Er schien nichts zu verstehen, und sie konnte nur mit heimlicher Angst über ihm wachen. Nach ein paar Tagen wurde Yüän-tschuns Sarg im kaiserlichen Tempel der Ruhe aufgebahrt, und Großmutter Djia und die anderen älteren Familienmitglieder nahmen ein paar Tage an den Begräbnisfeiern teil. Bau-yü wurde täglich mehr und mehr wie ein Geisteskranker. Er hatte kein Fieber und keine physischen Schmerzen, aber er aß wenig und schlief noch weniger und wurde sehr unzusammenhängend in dem, was er sagte. Hsi-jën, Schë-yüä und die anderen Mädchen waren mit ihrer Weisheit am Ende und gingen mehrere Male zu Hsi-fëng, um dies zu berichten; die kam oft hinüber, um sehen, wie es ihm ging. Zuerst dachte sie, daß er einfach verärgert war, weil seinen Jade nicht gefunden worden war. Aber nun, als sie seinen verstörten Zustand sah, in den er versank, schickte sie nach dem Doktor. Der Arzt machte tägliche Besuche, und mehr als eine Art der Medizin wurde verschrieben, aber alles schien mehr zu schaden als Gutes zu bringen. Alle Fragen, wo er Schmerzen fühle, war er unfähig zu beantworten. Als Yüän-tschuns Beerdigungszeremonien beendet waren, gingen Großmutter Djias Gedanken wieder an Bau-yü, sie kam in den Garten, um ihn zu besuchen und wurde von der Dame Wang begleitet. Hsi-jën sagte Bau-yü, er solle hinausgehen und sie höflich begrüßen. Bau-yü war immer noch nicht fähig sich angemessen zu verhalten, war aber in der Lage, seine Großmutter entsprechend zu begrüßen, mit Hsi-jën an seiner Seite, die ihm zu jeder Bewegung soufflierte. „Mein lieber Junge!“, rief Großmutter Djia, „ich bin so erleichtert! Sie haben mich glauben lassen, daß du ernsthaft krank seist. Aber nun sehe ich, daß du so ziemlich dein altes Ich bist.“ Die Dame Wang schien ebenfalls angenehm überrascht zu sein. Bau-yü sagte nichts und schenkte ihnen ein dummes Grinsen. Sie gingen hinein und setzten sich. Als Großmutter Djia ihn etwas fragte, konnte er nur wiederholen, was immer Hsi-jën sagte. Es wurde ihnen allen schnell klar, daß er, soweit von seinem wahren Ich entfernt, wenig mehr als ein Trottel war. Je mehr Großmutter Djia dies sah, desto mehr verblüffte und peinigte es sie. „Als ich hereinkam“, sagte sie, „schien er wohlauf zu sein. Aber wenn ich genau hinschaue, kann ich sehen, daß er geistesgestört ist. Diese Krankheit ist tatsächlich sehr ernst. Er scheint seinen Geist verloren zu haben. Kann mir bitte jemand sagen, was passiert ist?“ Die Dame Wang erkannte, daß sie es ihr nicht länger verschweigen konnten. Um Hsi-jëns Willen, die in schrecklicher Angst da stand, hielt sie sich an Bau-yüs Geschichte und erzählte Großmutter Djia, daß er seinen Jade bei der Feier des Grafen von Lin-an verloren hatte, sie flüsterte dies alles der gnädigen Frau ins Ohr, aus Angst, sie könnte allzu schockiert sein. „Den Dienern wurde befohlen, überall zu suchen“, fügte sie hinzu. „Wir haben verschiedene Wahrsager befragt, und sie sagten alle, es sei bei einem Pfandleiher, es kann also nur eine Frage der Zeit sein, bevor wir es finden.“ Die Herzoginmutter erhob sich in großer Aufregung, Tränen strömten ihre Wangen hinunter. „Wie konnte er so ein schönes Ding verlieren? Du bist nicht geeignet, auf ihn aufzupassen! Was ist mit seinem Vater? Hat er sich etwa nicht darum gekümmert?“ Die Dame Wang konnte sehen, daß die Herzoginmutter sehr zornig war. Sie befahl Hsi-jën und den anderen niederzuknien, und antwortete selbst, mit reuevollem Gesicht und geneigtem Kopf: „Ich hatte Angst, dich zu verärgern, Mutter, und daß sein Vater zornig würde, also habe ich es ihm noch nicht erzählt.“ „Aber siehst du es denn nicht?“, rief die Herzoginmutter, „der Jadestein ist Bau-yüs Leben. Indem er ihn verlor, verlor er seinen Geist. Was werden wir machen? Die Menschen in der ganzen Stadt haben vom Jadestein gehört. Wenn ihn jemand mitnimmt, wird er ihn kaum zurückbringen. Schicke sofort jemanden zu seinem Vater und bitte ihn herzukommen. Ich muß mit ihm darüber sprechen.“ Die Dame Wang, Hsi-jën und all die anderen Anwesenden waren in größter Angst vor den möglichen Folgen und flehten die Herzoginmutter an, nachzugeben. „Stell’ dir vor, wie zornig Herr Dschëng sein wird, Mutter! Denk’ an den armen Bau-yü! Um seinetwillen, gib uns eine letzte Chance. Wir werden überall suchen.“ – „Warum solltet ihr den Zorn seines Vaters fürchten? Ich werde hier sein“, sagte die Herzoginmutter bestimmt. Sie befahl Schë-yüä, jemanden zu Djia Dschëng zu schicken. Kurz darauf kam die Nachricht zurück, daß dieser einen Freund besuche. „Nun, wir werden ohne ihn weitermachen“, sagte die Herzoginmutter. Zunächst einmal wird keiner der Diener bestraft. Das sind meine Anweisungen, und ich übernehme die volle Verantwortung. Schicke nach Liän und sage ihm, er soll eine Belohnung ausschreiben, und Kopien verbreiten, wo immer Bau-yü an diesem Tag hin ging, als er den Jade verlor. Es soll heißen: „Belohnung für das Zurückbringen des Jadesteins, zehntausend Tael Silber. Belohung für Nachrichten, die zu seiner Entdeckung führen, fünftausend Tael Silber.“ Und da gibt es keine Frage, daß wir nicht alles zahlen, wenn wirklich jemand den Jadestein hat. Das ist der einzige Weg, auf dem wir ihn jemals wiederfinden werden. Wenn wir uns nur auf unsere eigenen Leute verlassen, können wir bis zu unserem Lebensende suchen.“ Die Dame Wang traute sich nicht, ihre Vorbehalte zu diesem Plan vorzubringen. Die Herzoginmutter schickte den Text zu Djia Liän, der die Aushänge so schnell wie möglich machen sollte. „Bringt Bau-yüs Sachen in meine Gemächer,“ wies die Herzoginmutter einen der Diener an. „Nur Hsi-jën und Tjiu-wën dürfen mitkommen. Der Rest kann hierbleiben und nach seinen Gemächern schauen.“ Bau-yü blieb während dieser ganzen Zeit stumm und grinste dumm. Die Herzoginmutter half ihm aufzustehen, nahm ihn an der Hand und führte ihn hinaus, Hsi-jën und die anderen stützten ihn auf seinem Weg durch den Garten. Als sie ihre Gemächer erreichten, bat die Herzoginmutter die Dame Wang sich zu setzen, und sie selbst beaufsichtigte das Aufräumen des inneren Zimmers. Als dies getan war, sprach sie mit der Dame Wang: „Du weißt, warum ich ihn hierher gebracht habe, oder? Erstens leben hier jetzt so wenige Leute im Garten, und ich kann nicht anders, als irgendetwas Seltsames über die Weise zu fühlen, daß die Pflanzen im Hof der Freude am Roten so plötzlich sterben und so plötzlich blühen. Früher konnte er sich immer an seinen Jade halten, um irgendwelche schlimmen Einflüsse von sich fernzuhalten. Aber jetzt, da der Jadestein verloren ist, befürchte ich, daß Böses einfacher hineinkommt. Deshalb dachte ich, es wäre das Beste für ihn, hier bei mir zu bleiben. Er sollte besser für ein paar Tage nicht hinausgehen. Wenn der Arzt kommt, kann er ihn hier sehen.“ – „Natürlich hast du recht“, sagte die Dame Wang sofort. „Bau-yü wohnt mit dir zusammen, und es ist gut, daß meine Mutter mit Glück gesegnet ist, daß wird seine Genesung unterstützen.“ – „Mein Glück? Nichts davon! Es ist sauberer hier, das ist alles, und es gibt viele Sutren, die er lesen kann, damit er seine Gedanken ordnen kann. Frag’ ihn, ob er einverstanden ist.“ Als seine Mutter ihn danach fragte, lächelte Bau-yü bloß. Endlich, aufgefordert von Hsi-jën, antwortete er, „ja, Mutter.“ Die Dame Wang war zu Tränen gerührt von dem erbärmlichen Schauspiel, daß ihr Sohn darbot, aber beherrschte sich in Anwesenheit der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter konnte sehen, daß die Dame Wang sich Sorge machte, und sagte ihr, sie solle zurück in ihre Gemächer gehen. „Laß ihn bei mir. Ich werde auf ihn aufpassen. Wenn sein Vater diesen Abend nach Hause kommt, sag’ ihm, daß es keinen Grund für ihn gibt hierher zu kommen und mich zu sehen. Ich will nicht, daß er es jetzt schon weiß.“ Als die Dame Wang gegangen war, befahl die Herzoginmutter Yüan-yang eines ihrer beruhigenden Mittel zu bringen. Bau-yü nahm es; und da müssen wir sie jetzt verlassen. Djia Dschëng hörte an diesem Abend auf seinem Weg nach Hause aus seiner Kutsche heraus folgende Unterhaltung von der Straße: „Wenn du reich werden willst, kenne ich einen leichten Weg.“ – „Oh? Was wäre das?“ „Ich hörte heute, daß am Jung-guo-Anwesen einer der jungen besseren Leute einen Jadestein verloren hat, und sie haben Zettel mit einer Belohnung ausgehängt, mit allen Details – Form, Größe, Farbe etc. Zehntausend bieten sie jedem an, der es zurückbringt, und fünftausend für Informationen!“ Djia Dschëng konnte nicht jedes Wort verstehen. Aber er hörte genug, um alarmiert zu sein. Er eilte nach Hause, und bei der Ankunft rief er einen der Diener und befragte ihn über die ganze Angelegenheit. „Ich wußte bis heute nichts davon, Herr“, antwortete der Diener. „Das erste, was ich hörte war diesen Nachmittag, als Herr Liän uns die Anweisungen der Herzoginmutter gab, die Anhänge aufzuhängen.“ – „Unsere Familie muß ja zugrundegehen!“, sagte Djia Dschëng zu sich selbst mit einem bitteren Seufzen. „Mein Sohn ist der Fluch unseres Lebens! Als er ein Kind war, war er das Gespräch der Nachbarschaft. Es brauchte mehr als die letzten zehn Jahre, um ihre Zungen zum Schweigen zu bringen, und nun müssen wir solchen Wind machen, um den Jadestein zu finden! Das kann ja nicht sein!“ Er ging ohne weitere Verzögerung hinein und befragte die Dame Wang, die ihm die ganze Geschichte erzählte. Als er erfuhr, daß die Belohnung die Idee der Herzoginmutter war, wußte Djia Dschëng, daß er sie nicht sehr gut offen ablehnen konnte. Er kritisierte die Dame Wang stattdessen für ihre Rolle darin, ging noch einmal hinaus und gab Anweisung, die Aushänge wieder herunter zu nehmen, ohne daß es die Herzoginmutter erfahre. Wie sich herausstellte, hatten sie bereits ein paar Vandalen heruntergeholt. Trotzdem kam ein oder zwei Tage später ein Mann am Haupttor des Jung-guo-Anwesens an, der behauptete, den Jadestein zu bringen. Die Diener waren verzückt. „Gib ihn her!“, riefen sie. „Wir werden ihn für dich hineinbringen.“ – „Nicht so schnell!“ Der Mann kramte in seinem Gewand herum und holte den Aushang mit der Belohnung hervor. „Sieh her“, sagte er, und zeigte auf die Worte auf dem Aushang. „Das ist doch das, was euer Herr angebracht hat, oder? ‚Zehntausend Tael Silber für die Rückgabe des Jadesteins‘ – hier steht es deutlich. Ich mag heute vielleicht arm sein, aber wartet, bis ich meine zehntausend Taels habe. Dann bin ich ja ein gemachter Mann.“ Der Pförtner konnte sehen, daß er ein schwieriger Mensch war. „Nun, laß uns wenigstens nachsehen, damit wir hineingehen und berichten können.“ Zuerst verweigerte der Mann das. Aber bald wurde er überredet und holte den Jadestein aus seinem Gewand hervor, zeigte den Stein eilig auf seiner Handfläche und sagte: „Ihr sucht doch das hier?“ Diese Diener waren alle für Außenarbeiten zuständig, und obwohl sie von der Geschichte von Bau-yüs Jade gehört hatten, hatten sie sie selten gesehen. Das war also die erste Gelegenheit, das Ding aus nächster Nähe zu betrachten. Dies hielt sie nicht davon ab, in sehr aufgeregtem Zustand in das Haus zu rennen, um die ersten mit der Nachricht zu sein. Sie fanden heraus, daß beide Djia Dschëng und Djia Schë nicht da waren. Es war Djia Liän, der ihren Bericht erhielt. „Ist der Jadestein echt oder falsch?“, fragte er sie skeptisch. „Ich habe ihn mit eigenen Augen gesehen!“, antwortete einer von ihnen. „Er wollte ihn uns aber nicht hergeben, sondern bestand darauf, einen der Herren zu sehen, damit er ihn direkt für das Geld eintauschen könne.“ Djia Liän konnte nicht anders, als von ihrem Enthusiasmus angesteckt zu werden, und ging sofort los, um es der Dame Wang und der Herzoginmutter zu sagen. Als Hsi-jën es hörte, war sie überglücklich und faltete die Hände für ein Dankgebet an Buddha. Die Herzoginmutter stand ganz zu ihrem Wort. „Sag’ Liän, er soll ihn sofort in das Studierzimmer einladen“, sagte sie zu der Dame Wang in plötzlicher Aufregung, „wenn wir uns den Jadestein angesehen haben, bekommt er sofort sein Geld.“ Djia Liän tat wie befohlen und lud den Fremden ein, behandelte ihn sehr höflich und drückte reichliche Danksagungen aus. „Ich möchte nur, daß der Besitzer einen Blick darauf wirft, wenn ich darf“, sagte er, „dann kannst du dein Geld haben, jede Münze davon, daß versichere ich dir.“ Widerstrebend gab der Mann ihm ein kleines Paket, welches in roter Seide eingewickelt war. Djia Liän öffnete es. Da lag ein strahlender Jadestein. Sicher war er es! Djia Liän, um die Wahrheit zu sagen, hatte nie groß darauf geachtet, während der Jadestein um Bau-yüs Hals hing. Nun blickte er zum ersten Mal genau darauf. Die Inschrift kam ihm bekannt vor. Er erinnerte sich an manche der Wörter, wie „vertreibt Unheil“. Mit großer Freude schritt er hinein, um es der Herzoginmutter und der Dame Wang zu zeigen, und ließ einen Diener bei dem Fremden. Nun hatte die ganze Familie die Neuigkeit gehört und versammelte sich in den Gemächern der Herzoginmutter. Sie warteten ungeduldig, jeder war bemüht, den Jadestein als erstes zu sehen. Hsi-fëng sah Djia Liän hereinkom­men, streckte ihre Hand aus, schnappte ihm das Paket weg und, ohne es selbst anzusehen, gab sie es der Herzoginmutter in die Hand. „Gönnst du mir nicht einmal Lob für eine so kleine Sache wie der hier?“, fragte Djia Liän spöttisch. Die Herzoginmutter öffnete das Seidenbündel und untersuchte den Stein. Es schien sehr viel dumpfer, als sie es in Erinnerung hatte. Sie rieb den Stein zwischen den Fingern. Yüan-yang brachte ihre Brille, und setzte sie ihr auf. Sie untersuchte ihn wieder. „Wie auffällig! Das muß er bestimmt sein; und doch scheint er sein ursprüngliches Leuchten ganz verloren zu haben.“ Nun untersuchte die Dame Wang ihn. Sie konnte ihn auch nicht mit Sicherheit identifizieren und bat Hsi-fëng herzukommen und ihn anzusehen. „Da ist eine gewisse Ähnlichkeit“, sagte Hsi-fëng nach ihrer Inspektion. „Aber die Farbe ist nicht richtig. Wir sollten es Bau-yü selbst zeigen. Er wird es wissen.“ Hsi-jën stand an ihrer Seite, und konnte einen Blick darauf werfen. Ihre Augen sagten ihr, daß dies nicht der Jade war, aber ihr Herz war zu voll von Hoffnung, um ihrer Stimme zu erlauben, ihre Befürchtungen kundzutun. Hsi-fëng nahm den Stein aus den Händen der Herzoginmutter und ging mit Hsi-jën, ihn Bau-yü zu zeigen, der gerade erwacht war. „Dein Stein wurde gefunden!“, rief Hsi-jën. Bau-yüs Augen waren immer noch müde vom Schlaf. Er nahm den Stein in seine Hand, und ohne lange darauf zu schauen, ließ er ihn auf den Boden fallen. „Na, versuch’ mich für dumm zu verkaufen!“, sagte er und lächelte kalt. Hsi-fëng hob ihn sofort auf. „Das ist merkwürdig“, sagte sie. „Wie kannst du das sagen, ohne einen Blick darauf zu werfen?“ Bau-yü lächelte nur wieder. Die Dame Wang war mittlerweile gekommen und beobachtete, was passierte. „Das ist nur natürlich“, kommentierte sie. „Der seltsame Jadestein kam mit ihm auf die Welt, es ist sein eigener. Er wüßte in jedem Fall, ob dies der echte ist oder nicht. Jemand muß den Belohnungsaushang gelesen haben und ihn gefälscht haben. Die Wahrheit dämmerte ihnen allen. Djia Liän, der alles vom äußeren Zimmer hörte, sagte sofort: „Wenn er falsch ist. Dann gib ihn mir! Ich werde ihn zusammen mit dem Betrüger hinauswerfen! Wie kann er es wagen, uns in einer so ernsten Angelegenheit einen Streich zu spielen!“ – „Nicht, Liän!“, rief die Herzoginmutter, „gib ihn ihm zurück und sag’ ihm, er soll gehen.