Hongloumeng/de4/Chapter 40

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第四十回 / Kapitel 40

史太君两宴大观园

金鸳鸯三宣牙牌令

Die Herzoginmutter gibt zwei Feste im Garten der Großen Anschauung Die goldene Mandarinenente verkündet dreimal das Dominospiel

Es wird erzählt, dass Schatzjade[1] die Meldung hörte, sofort hineinging und dort Bernstein[2] vor dem Türschirm stehen sah, die ihm zurief: „Komm schnell! Man wartet auf dich, um etwas zu besprechen!"

Schatzjade begab sich in den Hauptraum, wo die Herzoginmutter[3] gerade mit Dame König[4] und den Mädchen des Hauses beratschlagte, wie man Xiangfluss-Wolke[5] die Einladung erwidern solle. Schatzjade sagte: „Ich habe da eine Idee! Da keine fremden Gäste dabei sind, sollten wir die Anzahl der Gänge nicht festlegen. Jeder suche sich nur ein paar Gerichte aus, die er besonders gern isst, und die lassen wir zubereiten. Wir setzen uns auch nicht an große Tafeln, sondern jeder bekommt ein eigenes hohes Tischchen vor sich, mit ein oder zwei seiner Lieblingsspeisen darauf, dazu eine Speiseschachtel mit vielen kleinen Fächern voller Leckereien und ein Selbsteingieß-Kännchen. Wäre das nicht einmal etwas anderes?"

Kaum hatte die Herzoginmutter das gehört, sagte sie: „Sehr gut!" und befahl sogleich, der Küche Bescheid zu geben: „Morgen werden unsere Lieblingsspeisen zubereitet, nach der Zahl der Personen, und in Speiseschachteln gepackt. Auch die Morgenmahlzeit wird im Garten serviert!"

Über der Beratung war es Zeit geworden, die Lampen anzuzünden. Von der Nacht ist nichts weiter zu berichten.

Am nächsten Morgen herrschte zum Glück klares, schönes Wetter. Schon im Morgengrauen war Seidenweiß Pflaume[6] auf den Beinen und beaufsichtigte die alten Bediensteten und Dienstmädchen, die das abgefallene Laub zusammenfegten, Tische und Stühle abwischten und Tee- sowie Weingeschirr bereitstellten. Da sah sie plötzlich Fenger[7] mit Oma Liu[8] und dem kleinen Banchen[9] hereinkommen.

„Die gnädige Frau ist ja eifrig bei der Arbeit!" sagte Fenger.

Seidenweiß Pflaume erwiderte lächelnd: „Ich habe doch gesagt, dass du gestern nicht mehr fortgehen kannst — und du wolltest unbedingt aufbrechen!"

Oma Liu lachte: „Die alte gnädige Frau hat mich hierbehalten. Sie will, dass ich einen fröhlichen Tag mit ihr verbringe!"

Fenger überreichte mehrere große und kleine Schlüssel und sagte: „Unsere junge gnädige Frau lässt bestellen, die hohen Tischchen draußen reichen vielleicht nicht. Man solle lieber die Galerie aufschließen und die dort eingelagerten herunterholen. Die junge gnädige Frau wäre selbst gekommen, aber sie spricht gerade mit der gnädigen Frau. Sie bittet die ältere gnädige Frau, die Galerie zu öffnen und Leute zum Tragen anzuweisen."

Seidenweiß Pflaume ließ Suyun[10] die Schlüssel entgegennehmen und befahl den alten Bediensteten, ein paar Burschen vom Innentor herbeizurufen. Dann stellte sie sich unter die Große Anblick-Galerie[11], blickte hinauf und ließ die Zierbrokatgalerie[12] öffnen. Tisch für Tisch wurde heruntergetragen — Burschen, alte Frauen und Dienstmädchen griffen alle mit an, und mehr als zwanzig Tischchen wurden heruntergebracht.

Seidenweiß Pflaume mahnte: „Vorsichtig! Nicht so hastig, als ob euch der Teufel jagte! Gebt acht auf die Zierleisten!" Dann wandte sie sich lächelnd an Oma Liu: „Großmutter, geh doch auch einmal hinauf und schau dir das an!"

Oma Liu ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie nahm Banchen bei der Hand, stieg die Treppe hinauf und trat ins Innere. Dort lagen dichtgedrängt und dunkel allerlei Stellwände, Tische, Stühle und Laternen in verschiedenen Größen. Obwohl sie die meisten Gegenstände nicht benennen konnte, leuchteten sie in allen fünf Farben und waren jedes für sich ein Wunderwerk. Oma Liu murmelte ein paar Mal „Amitabha Buddha!" und stieg wieder hinunter. Die Tür wurde verriegelt, und alle kamen herunter.

Seidenweiß Pflaume sagte: „Falls die alte gnädige Frau guter Laune ist, sollten wir vorsorglich auch die Boote bereitstellen — Ruder, Stangen, Sonnensegel und alles Zubehör." Die Leute gehorchten, öffneten die Galerie noch einmal und holten alles herunter. Dann schickten sie die Burschen in den Bootsschuppen, um den Bootsführerinnen Bescheid zu geben, sie sollten zwei Barken herausfahren.

Während man noch mit den Vorbereitungen beschäftigt war, kam die Herzoginmutter bereits mit einer ganzen Schar Leute herein. Seidenweiß Pflaume eilte ihr lächelnd entgegen: „Die alte gnädige Frau ist ja vergnügt und schon hier! Ich dachte, Ihr wärt noch beim Frisieren, und wollte Euch gerade frisch gepflückte Chrysanthemen hinüberschicken." Noch während sie sprach, brachte Biyue[13] bereits eine große Jadeschale in Form eines Lotosblattes herbei, gefüllt mit Chrysanthemen in verschiedenen Farben.

Die Herzoginmutter suchte sich eine dunkelrote aus und steckte sie an ihre Schläfe. Dann blickte sie sich um, erblickte Oma Liu und rief lächelnd: „Komm her und lass dir auch eine Blume anstecken!"

Kaum hatte sie das ausgesprochen, zerrte Phönixglanz[14] Oma Liu schon heran und rief lachend: „Lass mich dich herausputzen!" Und damit steckte sie der Alten kreuz und quer einen ganzen Teller voll Blumen ins Haar.

Die Herzoginmutter und alle anderen bogen sich vor Lachen. Oma Liu sagte lächelnd: „Was mein alter Kopf wohl für Verdienste angesammelt hat, dass er heute so vornehm geschmückt wird!"

Die anderen riefen lachend: „Du solltest ihr die Blumen aus dem Haar reißen und sie ihr ins Gesicht werfen! Sie hat dich herausgeputzt wie ein altes Ungeheuer!"

Oma Liu erwiderte lächelnd: „Alt bin ich wohl, aber in jungen Jahren war auch ich eine Schönheit und liebte Blumen und Puder! Jetzt bin ich eben eine alte Schönheit — umso besser!"

Unter Lachen und Scherzen waren sie zum Pavillon der Schimmernden Düfte[15] gelangt. Ein Dienstmädchen brachte eine große Brokat-Matte und breitete sie auf der Liegebank am Geländer aus. Die Herzoginmutter lehnte sich an eine Säule und setzte sich, dann bat sie Oma Liu, neben ihr Platz zu nehmen, und fragte: „Wie gefällt dir dieser Garten?"

Oma Liu rief „Amitabha Buddha!" und sagte: „Bei uns auf dem Land gehen die Leute zur Neujahrszeit in die Stadt und kaufen sich Bilderbogen zum Aufhängen. In der freien Zeit sagen dann alle: 'Ach, wenn man doch einmal in so ein Bild hineingehen und dort spazieren könnte!' Dabei denkt man sich, dass die Bilder ja nur gemalt und nicht echt sind — wo gibt es schon einen solchen Ort in Wirklichkeit? Und nun komme ich heute in diesen Garten und sehe, dass er zehnmal schöner ist als jedes Bild! Wenn doch jemand diesen Garten abmalen könnte! Ich würde das Bild mit nach Hause nehmen und es den Leuten zeigen — da hätte ich noch im Tod etwas davon!"

Die Herzoginmutter hörte das und wies lächelnd auf Bedauerfrühling[16]: „Sieh dir meine kleine Enkelin an — sie kann malen! Morgen lassen wir sie ein Bild davon anfertigen, einverstanden?"

Oma Liu war hocherfreut, lief sofort zu Bedauerfrühling und fasste sie bei den Händen: „Mein liebes Fräulein! In deinem Alter, mit diesem hübschen Gesicht und dann auch noch so ein Talent — bist du nicht eine wiedergeborene Unsterbliche?"

Nachdem die Herzoginmutter ein Weilchen geruht hatte, machte sie sich auf, Oma Liu alles zu zeigen. Zuerst gingen sie zum Haus am Fluss Xiao und Xiang[17]. Kaum durch das Tor getreten, sah man zu beiden Seiten des Weges Bambus, den Boden bedeckte grünes Moos, und in der Mitte schlängelte sich ein schmaler, mit kleinen Steinen gepflasterter Pfad.

Oma Liu trat zur Seite und überließ der Herzoginmutter und den anderen den Weg; sie selbst ging neben dem Pfad auf dem bloßen Erdboden. Bernstein zog sie am Ärmel und sagte: „Großmutter, komm auf den Weg herauf! Pass auf, das Moos ist glitschig!"

Oma Liu erwiderte: „Das macht nichts! Wir sind solche Wege gewöhnt. Geht ihr Fräulein nur voran! Schade wäre es um eure hübschen bestickten Schuhe, wenn sie schmutzig würden." Dabei achtete sie nach oben auf die Leute, mit denen sie sprach, und nicht auf den Boden unter ihren Füßen — und tatsächlich glitt sie aus und fiel mit einem Plumps hin. Alle klatschten in die Hände und brachen in lautes Gelächter aus.

Die Herzoginmutter schimpfte lachend: „Ihr kleinen Spitzbuben! Helft ihr doch auf, anstatt dazustehen und zu lachen!"

Doch Oma Liu hatte sich bereits selbst aufgerappelt und lachte ebenfalls: „Kaum prahlt man, schon bekommt man eine auf den Mund!"

Die Herzoginmutter fragte sie: „Hast du dir die Hüfte verdreht? Lass die Mädchen sie dir ausklopfen!"

Oma Liu winkte ab: „So verwöhnt bin ich nicht! Jeden Tag falle ich zwei-, dreimal hin — wenn ich mir dabei jedes Mal die Knochen klopfen ließe, wäre ich ja nie fertig!"

Purpurkuckuck[18] hatte bereits den Perlenvorhang hochgerafft. Die Herzoginmutter und die anderen traten ein und setzten sich. Kajaljade[19] brachte persönlich auf einem kleinen Teetablett eine Tasse Tee mit Deckel und reichte sie der Herzoginmutter.

Dame König sagte: „Wir trinken keinen Tee. Du brauchst nicht einzugießen, mein Kind."

Kajaljade hörte das und befahl einem Dienstmädchen, den Stuhl, auf dem sie gewöhnlich am Fenster saß, an die untere Seite zu rücken, und bat Dame König, darauf Platz zu nehmen.

Oma Liu sah die Schreibpinsel und das Tuschreibstein-Set auf dem Tisch am Fenster und die Bücherregale, die bis oben hin mit Büchern gefüllt waren. „Das muss wohl das Arbeitszimmer eines der jungen Herren sein", sagte sie.

Die Herzoginmutter lachte und wies auf Kajaljade: „Das hier ist das Zimmer meiner Enkeltochter mütterlicherseits!"

Oma Liu betrachtete Kajaljade aufmerksam, dann sagte sie lächelnd: „Das sieht doch gar nicht aus wie das Nähzimmer eines Fräuleins — es ist ja schöner als das allerfeinste Gelehrtenzimmer!"

Die Herzoginmutter fragte: „Wo ist denn Schatzjade?"

Die Dienstmädchen antworteten: „Er ist unten auf dem Teich im Boot."

Die Herzoginmutter wunderte sich: „Wer hat denn Boote vorbereiten lassen?"

Seidenweiß Pflaume beeilte sich zu antworten: „Als wir vorhin die Galerie öffneten, um die Tischchen zu holen, habe ich vorsorglich auch die Boote bereitstellen lassen, für den Fall, dass die alte gnädige Frau Lust auf eine Bootsfahrt hätte."

Die Herzoginmutter wollte gerade etwas sagen, als gemeldet wurde: „Die gnädige Frau Tante ist da!" Kaum hatten sich die Herzoginmutter und die anderen erhoben, trat Tante Schnee[20] schon ein. Sie nahm lächelnd Platz und sagte: „Die alte gnädige Frau ist ja vergnügt und schon so früh hier!"

Die Herzoginmutter lachte: „Ich habe doch gesagt, wer zu spät kommt, wird bestraft — und nun kommt ausgerechnet die Frau Tante zu spät!"

Nach ein wenig Geplauder fiel der Herzoginmutter auf, dass der Gaze-Stoff an den Fenstern seine Farbe verloren hatte. Sie sagte zu Dame König: „Wenn man diesen Stoff frisch aufzieht, sieht er hübsch aus, aber mit der Zeit verliert er seinen Glanz. In diesem Hof gibt es ja auch keine Pfirsich- oder Aprikosenbäume — der Bambus ist ohnehin grün, und wenn man dazu noch grüne Gaze nimmt, passt es nicht zusammen. Ich erinnere mich, dass wir früher vier oder fünf verschiedenfarbige Fenstergazen hatten. Morgen soll man ihr die Fenster damit neu bespannen."

Phönixglanz sagte eilig: „Gestern habe ich im Magazin nachgesehen. In einer großen Kiste lagen noch einige Ballen silberrosafarbener Zikadenfügelgaze — mit verschiedenen Mustern: Blütenzweige, Wolken-und-Glück-Muster, hundert Schmetterlinge zwischen Blüten. Die Farben waren noch leuchtend, und der Stoff war ganz leicht und weich — so etwas habe ich noch nie gesehen! Ich habe zwei Ballen herausgenommen, um daraus Steppdecken mit Gazeüberzug zu machen. Die müssten sehr schön werden."

Die Herzoginmutter hörte das und lachte: „Pfui! Alle Welt sagt, du hättest schon alles gesehen und alles erlebt — und du erkennst nicht einmal diese Gaze? Und morgen wirst du wieder große Reden schwingen!"

Tante Schnee und die anderen sagten lachend: „Was sie auch alles gesehen und erlebt haben mag — wie könnte sie sich mit der alten gnädigen Frau messen? Warum klärt Ihr sie nicht auf? Dann können auch wir etwas lernen."

Phönixglanz sagte ebenfalls lachend: „Liebste Ahnin, bitte belehrt mich!"

Die Herzoginmutter wandte sich lächelnd an Tante Schnee und die Gesellschaft: „Diese Gaze ist älter als ihr alle zusammen! Kein Wunder, dass sie sie für Zikadenfügelgaze hält — sie sieht auch ein wenig so aus, und wer sich nicht auskennt, verwechselt sie. Ihr richtiger Name ist 'Zarter Rauch-Stoff'[21]."

Phönixglanz sagte: „Ein schöner Name! Aber so groß, wie ich schon bin, und so viele hundert Sorten Seide und Gaze ich gesehen habe — von diesem Namen habe ich noch nie gehört."

Die Herzoginmutter lachte: „Wie alt bist du denn schon, und wie viele Dinge hast du gesehen, von denen du nicht weißt, wohin damit — und tust so, als wüsstest du alles! Von diesem 'Zarten Rauch-Stoff' gibt es nur vier Farben: die eine ist himmelblau wie nach dem Regen, die zweite herbst-ocker, die dritte kieferngrün, und die vierte eben silberrosa. Wenn man Bettvorhänge oder Fensterschirme daraus macht und sie von fern betrachtet, sehen sie aus wie feiner Rauch — daher der Name 'Zarter Rauch-Stoff'. Die silberrosafarbene heißt auch 'Schleier des Abendrots'[22]. Heutzutage gibt es selbst bei der Gaze für den kaiserlichen Gebrauch nichts mehr, das so weich, dicht und leicht zugleich wäre."

Tante Schnee sagte lachend: „Nicht nur Phönixglanz hat das noch nie gesehen — auch ich habe nie davon gehört!"

Phönixglanz hatte, während sie sprach, längst jemanden losgeschickt, einen Ballen zu holen. Die Herzoginmutter sagte: „Ist es nicht genau dieser! Ursprünglich nahm man ihn nur zum Bespannen von Fenstern; später haben wir probeweise Bettdecken und Vorhänge daraus gemacht, und es war auch gut. Morgen sucht ein paar Ballen heraus und bespannt ihr die Fenster mit dem silberrosafarbenen."

Phönixglanz versprach es. Alle betrachteten den Stoff und lobten ihn über alle Maßen. Auch Oma Liu beäugte ihn mit zusammengekniffenen Augen und sagte bewundernd: „Amitabha Buddha! Bei uns auf dem Land könnte man sich nicht einmal Kleider daraus leisten — und bei euch nimmt man ihn zum Fensterbespannen! Ist das nicht schade?"

Die Herzoginmutter sagte: „Für Kleider sieht er gar nicht gut aus." Phönixglanz zog sogleich den Saum ihres eigenen dunkelroten wattierten Seidenjäckchens hervor und zeigte es der Herzoginmutter und Tante Schnee: „Seht nur meinen Stoff!"

Die Herzoginmutter und Tante Schnee sagten: „Das ist auch schon vom Feinsten — das ist die aktuelle kaiserliche Hofmanufaktur-Ware. Und trotzdem kommt sie nicht an jene heran."

Phönixglanz sagte: „Dieses dünne Ding hier wird schon kaiserliche Hofware genannt, dabei kann es sich nicht einmal mit der gewöhnlichen Beamtenqualität messen!"

Die Herzoginmutter sagte: „Sucht noch einmal nach — vielleicht gibt es auch noch blaue. Wenn ja, holt alles heraus: Gebt dieser lieben Verwandten Liu zwei Ballen, hängt mir einen als Vorhang auf, und aus dem Rest macht mit Futter unterlegt Westen für die Mädchen. Sonst liegt er nur herum und wird von Motten zerfressen."

Phönixglanz versprach es sofort und ließ alles fortbringen. Die Herzoginmutter erhob sich lächelnd: „Hier ist es eng. Gehen wir weiter und schauen uns noch anderes an!"

Oma Liu rief „Amitabha Buddha!" und sagte: „Alle sagen ja, die großen Häuser haben große Zimmer. Gestern habe ich den Hauptraum der alten gnädigen Frau gesehen, mit den riesigen Schränken, Tischen und Betten — das war wirklich imposant! Der Schrank allein ist größer und höher als unser ganzes Haus! Kein Wunder, dass im Hinterhof eine Leiter steht — ich hatte mich schon gewundert, wozu die wohl dient; auf dem Dach trocknet man ja nichts. Dann fiel mir ein: Die braucht man bestimmt, um den hohen Schrank ganz oben zu öffnen und Sachen herein- und herauszunehmen! Und nun sehe ich dieses kleine Zimmer hier, das ist noch hübscher und ordentlicher als das große. Alles darin ist ein Augenschmaus — ich weiß nicht einmal die Namen dafür! Je länger ich schaue, desto weniger kann ich mich losreißen."

Phönixglanz sagte: „Es gibt noch Schöneres! Ich führe dich überall hin." Damit verließen sie das Haus am Fluss Xiao und Xiang.

In der Ferne sahen sie eine Gruppe Leute, die auf dem Teich ein Boot steuerten. Die Herzoginmutter sagte: „Wenn schon Boote bereitstehen, dann wollen wir fahren!" Und sie wandte sich in Richtung der Purpurkastanien-Insel und des Knöterich-Ufers[23]. Noch ehe sie den Teich erreicht hatten, kamen ihnen mehrere alte Bedienstete mit identischen, in gedrehter Seide gefassten und mit Gold plattierter Fünffarben-Speisetruhen entgegen.

Phönixglanz fragte Dame König eilig, wo die Morgenmahlzeit serviert werden solle. Dame König erwiderte: „Fragt die alte gnädige Frau — wo sie will, dort servieren wir."

Die Herzoginmutter hörte das und sagte über die Schulter: „Bei deiner dritten Schwester ist es schön. Nimm die Leute mit und decke dort auf — wir fahren von hier aus mit dem Boot hinüber."

Phönixglanz kehrte sofort um und ging zusammen mit Erkundefrühling[24], Seidenweiß Pflaume, Mandarinenente[25] und Bernstein den kurzen Weg zum Atelier des Herbstgeistes[26] und ließ in der Halle des Morgentauschimmers[27] die Tische aufstellen.

Mandarinenente sagte lachend: „Jeden Tag reden wir darüber, wie die Herren draußen beim Essen und Trinken immer einen Schmarotzer dabeihaben, über den sie sich lustig machen. Heute haben wir auch einen bekommen — und zwar eine Schmarotzerin!"

Seidenweiß Pflaume war eine gutmütige Person und verstand nicht, was Mandarinenente meinte. Phönixglanz aber wusste sofort, dass von Oma Liu die Rede war, und sagte lachend: „Dann wollen wir uns heute auf ihre Kosten amüsieren!" Die beiden steckten die Köpfe zusammen und schmiedeten einen Plan.

Seidenweiß Pflaume mahnte lächelnd: „Ihr tut auch nie etwas Gutes! Ihr seid doch keine kleinen Kinder mehr, und trotzdem treibt ihr solchen Unfug! Passt auf, die alte gnädige Frau wird euch schelten!"

Mandarinenente lachte: „Das geht dich überhaupt nichts an. Lass mich nur machen!"

Während sie noch sprachen, kam die Herzoginmutter mit ihrer Gesellschaft an, und alle setzten sich, wie es ihnen behagte. Zuerst brachten die Dienstmädchen zwei Tabletts mit Tee, und alle tranken. Dann legte Phönixglanz die Plätze fest: Sie hatte ein Tuch aus westlichem Stoff in der Hand, darin eingewickelt ein Paar Essstäbchen aus Ebenholz mit dreifacher Silbereinlage, und verteilte alles auf den Tischen.

Die Herzoginmutter befahl: „Rückt den kleinen Tisch aus Nanmu-Holz [28] herüber, damit unsere liebe Verwandte Liu dicht neben mir sitzen kann." Man brachte sofort den Tisch herbei.

Phönixglanz warf Mandarinenente verstohlene Blicke zu. Mandarinenente zog Oma Liu hinaus und flüsterte ihr eine ganze Reihe Anweisungen zu, dann sagte sie: „So sind bei uns die Regeln — wenn du etwas falsch machst, lachen wir dich aus!" Als alles abgesprochen war, kehrten sie an ihre Plätze zurück.

Tante Schnee hatte bereits gegessen und nahm keinen Platz ein; sie saß nur abseits und trank Tee. Die Herzoginmutter saß mit Schatzjade, Xiangfluss-Wolke, Kajaljade und Schatzspange[29] an einem Tisch. Dame König saß mit den drei Schwestern Willkommensfrühling[30], Erkundefrühling und Bedauerfrühling an einem anderen. Oma Liu saß neben der Herzoginmutter.

Gewöhnlich standen beim Essen der Herzoginmutter kleine Dienstmädchen bereit, die Spucknapf, Fliegenwedel und Servietten hielten. Mandarinenente versah diesen Dienst normalerweise nicht mehr, doch heute nahm sie eigens den Fliegenwedel in die Hand. Die Dienstmädchen wussten, dass sie Oma Liu einen Streich spielen wollte, und traten beiseite, um ihr freie Bahn zu lassen. Mandarinenente stand dienend bereit und flüsterte Oma Liu zu: „Vergiss nicht, was ich dir gesagt habe!"

Oma Liu flüsterte zurück: „Seid unbesorgt, Fräulein."

Oma Liu nahm Platz und griff nach den Essstäbchen — sie waren ungewöhnlich schwer und lagen unbequem in der Hand. Das hatte nämlich seinen Grund: Phönixglanz und Mandarinenente hatten sich abgesprochen und Oma Liu eigens ein Paar alte, vierkant geschliffene, elfenbeinerne, goldverzierte Essstäbchen gegeben.

Oma Liu betrachtete sie und sagte: „Diese Dinger hier sind ja schwerer als unsere Eisenschaufeln zu Hause! Wie soll man damit umgehen?" Alle lachten laut.

Dann kam eine Frau mit einer Speisetruhe herein und stellte sich in die Mitte, ein Dienstmädchen hob den Deckel — darin standen zwei Schüsseln mit Speisen. Seidenweiß Pflaume nahm die eine und stellte sie auf den Tisch der Herzoginmutter. Phönixglanz aber wählte absichtlich die Schüssel mit Taubeneier-Bällchen und stellte sie auf Oma Lius Tisch.

Die Herzoginmutter sagte: „Bitte, greift zu!" — und Oma Liu stand auf, räusperte sich laut und rief: „Oma Liu, Oma Liu — die frisst so viel wie eine Kuh! Wenn sie eine alte Muttersau vorgesetzt bekommt, hebt sie den Kopf nicht mehr!" Dann blies sie die Backen auf und sagte kein Wort mehr.

Einen Augenblick lang waren alle verdutzt, doch dann brach — oben wie unten — schallendes Gelächter aus. Xiangfluss-Wolke konnte sich nicht mehr halten und prustete ihren ganzen Bissen Reis heraus. Kajaljade verschluckte sich vor Lachen und sank über den Tisch zusammen, „Au, au!" stöhnend. Schatzjade war längst in den Schoß der Herzoginmutter gerollt, und die Herzoginmutter lachte so heftig, dass sie Schatzjade umklammerte und „mein Herzblatt!" rief. Dame König lachte so sehr, dass sie nur noch mit dem Finger auf Phönixglanz zeigen konnte, aber kein Wort herausbrachte. Tante Schnee konnte sich ebenfalls nicht beherrschen — sie spuckte ihren Tee über Erkundefrühlings Kleid. Erkundefrühling ließ vor Lachen ihre Reisschale fahren, die sich über Willkommensfrühlings Kleid ergoss. Bedauerfrühling sprang von ihrem Stuhl auf, zerrte an ihrer Amme und rief: „Knete mir den Bauch, mir tun die Eingeweide weh!" Am Boden gab es keine Einzige, die sich nicht vor Lachen krümmte — die einen schlichen sich hinaus und hockten sich lachend in eine Ecke, die anderen kamen mit unterdrücktem Lachen herbei, um den Fräulein beim Kleiderwechseln zu helfen. Nur Phönixglanz und Mandarinenente hielten die Fassung und nötigten Oma Liu weiter zum Essen.

Oma Liu nahm die Essstäbchen — und spürte, dass sie ihr nicht gehorchten. Sie sagte: „Die Hühner hier sind aber auch hübsch! Und sie legen so niedliche kleine Eierchen! Ich will mal versuchen, mir eins aufzugabeln." [31]

Alle, die gerade aufgehört hatten zu lachen, brachen erneut in Gelächter aus. Die Herzoginmutter lachte, bis ihr die Tränen kamen; Bernstein klopfte ihr von hinten den Rücken. Die Herzoginmutter sagte lachend: „Das hat bestimmt wieder dieses Phönixglanz-Schandmaul angerichtet! Glaubt ihren Worten nicht!"

Oma Liu lobte eben noch die niedlichen kleinen Eier und wollte eines aufgabeln. Phönixglanz sagte lachend: „Ein Liang Silber das Stück! Probier schnell — wenn sie kalt werden, schmecken sie nicht mehr."

Oma Liu streckte die Stäbchen aus und versuchte, ein Taubenei zu fassen, doch es gelang ihr nicht. Sie stocherte in der Schüssel herum und herum, bis sie es endlich zu fassen bekam. Kaum streckte sie den Hals, um es in den Mund zu stecken, glitt es herunter und rollte über den Boden. Eilig legte sie die Stäbchen hin und wollte es selbst aufheben, aber die Bedienung hatte es schon aufgelesen und hinausgetragen.

Oma Liu seufzte: „Ein Liang Silber — und ehe man sich's versieht, ist es weg, ohne dass man einen Ton gehört hätte!" [32]

Niemand konnte mehr essen; alle schauten nur noch auf Oma Liu und lachten. Die Herzoginmutter sagte: „Was habt ihr ihr da für Essstäbchen gegeben! Es ist doch keine Festtafel für Ehrengäste! Das war wieder Phönixglanz' Einfall — tauscht sie sofort aus!"

Die Bediensteten hatten gar keine solchen Elfenbeinstäbchen bereit — Phönixglanz und Mandarinenente hatten sie eigens mitgebracht. Auf den Befehl hin nahmen sie die Stäbchen weg und gaben Oma Liu stattdessen ein Paar aus Ebenholz mit Silbereinlage.

Oma Liu sagte: „Die goldenen sind weg, jetzt kommen die silbernen — aber auch die liegen mir nicht so gut in der Hand wie unsere daheim!"

Phönixglanz sagte: „Wenn Gift im Essen wäre, würde sich das Silber verfärben — daran erkennt man es."

Oma Liu erwiderte: „Wenn in eurem Essen Gift wäre, dann wäre unser Essen reines Arsenik! Aber selbst vergiftet würde ich noch alles aufessen!"

Die Herzoginmutter fand die Alte so amüsant und sah sie so herzhaft essen, dass sie ihr auch ihre eigenen Speisen hinüberreichte. Außerdem befahl sie einer alten Bediensteten, dem kleinen Banchen von allem etwas in seine Schale zu legen.

Als das Essen beendet war, begab sich die Herzoginmutter mit den anderen in Erkundefrühlings Schlafgemach zum Plaudern. Hier wurde der Tisch abgeräumt und ein neuer gedeckt. Oma Liu sah zu, wie Seidenweiß Pflaume und Phönixglanz einander gegenübersaßen und aßen, und seufzte: „Alles andere beiseite — was ich an eurem Haus am meisten bewundere, sind eure feinen Sitten! Da sagt man wirklich zu Recht: 'Höflichkeit kommt aus den großen Häusern'."

Phönixglanz sagte eilig und lächelnd: „Nimm es uns nicht übel! Vorhin war das doch nur ein Spaß unter uns."

Kaum hatte sie das gesagt, kam auch Mandarinenente herein und sagte lachend: „Großmutter, seid nicht böse! Ich bitte Euch um Verzeihung!"

Oma Liu erwiderte lächelnd: „Was sagt Ihr da, Fräulein! Wir haben doch zusammen die alte gnädige Frau aufgeheitert — was gibt es da böse zu sein? Als Ihr mir vorhin die Anweisungen gabt, habe ich sofort verstanden, worum es ging. Es war doch nur ein Spaß! Wenn ich es mir wirklich zu Herzen genommen hätte, dann hätte ich gar nichts gesagt."

Mandarinenente schalt die Bediensteten: „Warum schenkt ihr der Großmutter keinen Tee ein?"

Oma Liu wehrte ab: „Die Schwägerin vorhin hat mir schon Tee gebracht, ich habe bereits getrunken. Das Fräulein sollte nun auch selbst essen."

Phönixglanz zog Mandarinenente heran: „Setz dich zu uns und iss mit, dann gibt es nachher keinen Ärger." Mandarinenente setzte sich, die alten Frauen brachten Schale und Stäbchen, und die drei aßen zusammen.

Oma Liu sagte lächelnd: „Ich sehe, ihr alle esst nur so ein winziges Bisschen und seid dann fertig. Kein Wunder, dass euch der Wind umweht!"

Mandarinenente fragte: „Was ist heute vom Essen übrig geblieben?" Die alten Frauen antworteten: „Es ist noch einiges da — die Leute warten alle und essen zusammen, wenn es verteilt wird."

Mandarinenente sagte: „Das ist zu viel für sie. Sucht zwei Schüsseln aus und schickt sie Friedchen[33] in die Gemächer der jungen gnädigen Frau."

Phönixglanz sagte: „Sie hat schon gegessen, schickt ihr nichts."

Mandarinenente erwiderte: „Wenn sie es nicht isst, füttert damit eure Katze." Die alten Frauen wählten eilig zwei Gerichte aus und ließen sie in einer Truhe hinüberbringen.

Mandarinenente fragte: „Wo ist Suyun?" Seidenweiß Pflaume antwortete: „Sie essen hier alle zusammen — wozu suchst du sie?"

Mandarinenente sagte: „Dann ist es gut." Phönixglanz ergänzte: „Dufthauch[34] ist nicht hier. Lass doch jemanden auch ihr zwei Gerichte schicken." Mandarinenente nickte und befahl, auch dorthin etwas zu bringen.

Dann fragte Mandarinenente die alten Frauen: „Sind die Leckerei-Schachteln für den Weinumtrunk später schon fertig gepackt?"

Die Frauen antworteten: „Es dauert wohl noch ein Weilchen."

Mandarinenente sagte: „Dann treibt sie an!" Die Frauen versprachen es.

Phönixglanz und die anderen kamen zu Erkundefrühlings Zimmer. Die Herzoginmutter und ihre Gesellschaft plauderten gerade fröhlich miteinander. Erkundefrühling liebte die Weite und hatte die drei Räume ihres Zimmers nicht durch Trennwände unterteilt. In der Mitte stand ein großer Tisch aus Huali-Rosenholz mit einer Marmorplatte; darauf lagen berühmte Kalligraphie-Vorlagen und Dutzende kostbarer Tuschsteine; Pinselhalter und Pinseltöpfe aller Art waren so dicht mit Pinseln gespickt, dass sie aussahen wie ein kleiner Wald.

Auf der einen Seite stand eine scheffelgroße Ru-Ware-Blumenvase [35], bis obenhin gefüllt mit weißen Chrysanthemen, deren Blütenköpfe wie Kristallkugeln leuchteten. An der Westwand hing in der Mitte ein großes Gemälde von Mi Xiangyang [36] — „Regen und Nebel" —, links und rechts davon ein Spruchpaar in der Handschrift des Yan Lugong [37]:

Rauch und Wolken formen das Gebein des Müßiggängers, Quellen und Steine nähren ein Leben in der Wildnis.

Auf dem Tisch stand ein großes Dreifußgefäß. Auf einem Regal aus Rotem Sandelholz links thronte eine große Schale aus Guan-Ware [38], darin lagen Dutzende leuchtend gelber, durchbrochener Buddhahand-Zitronen [39]. Auf einem lackierten Regal rechts hing ein weißes Jade-Klangspiel in Fischform, daneben ein kleiner Schlägel.

Der kleine Banchen hatte sich etwas eingewöhnt und wollte den Schlägel nehmen, um auf das Klangspiel zu schlagen — die Dienstmädchen hielten ihn eilig zurück. Dann wollte er eine Buddhahand-Zitrone haben und hineinbeißen. Erkundefrühling suchte ihm eine aus und sagte: „Damit kannst du spielen, aber essen kann man sie nicht."

An der Ostseite stand ein breites Tagesbett. Über dem Alkoven-Bett [40] hing ein lauchgrüner, doppelt bestickter Gaze-Vorhang mit Blumen- und Insektenmotiven.

Der kleine Banchen lief hinüber und schaute sich die Stickerei an: „Das ist eine Heuschrecke! Und das eine Grille!" Oma Liu gab ihm sofort eine Ohrfeige und schimpfte: „Du ungezogener Bengel! Fasst alles an mit deinen schmutzigen Fingern! Man lässt dich herein, damit du etwas siehst, und schon wirst du frech!" Banchen fing an zu weinen, und die anderen mussten ihn erst beruhigen.

Die Herzoginmutter schaute durch das Gazefenster in den Hinterhof und bemerkte: „Die Paulownien unter dem hinteren Dachvorsprung wachsen auch schön — nur ein wenig dünn noch."

Während sie sprach, wehte plötzlich eine Brise herein, und man vernahm in der Ferne leise den Klang von Trommeln und Musik. Die Herzoginmutter fragte: „Wer feiert denn da Hochzeit? Die Straße scheint ganz in der Nähe zu sein."

Dame König und die anderen antworteten lächelnd: „Die Straße ist viel zu weit weg, um sie von hier zu hören. Das sind unsere zehn, fünfzehn Mädchen, die ihre Blasmusik üben."

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Wenn sie schon üben, warum lasst ihr sie nicht hereinkommen? Dann können auch sie sich ein wenig umschauen, und wir haben unseren Spaß!"

Phönixglanz schickte sofort jemanden hinaus und ließ die Musikerinnen holen. Gleichzeitig befahl sie, Tische aufzustellen und rote Filzmatten auszubreiten.

Die Herzoginmutter sagte: „Stellt alles im Wasserpavillon des Lotoswurzelduftes auf — mit dem Rauschen des Wassers klingt die Musik noch schöner! Wir werden unten in der Zierbrokatgalerie Wein trinken — da ist es geräumig, und man hört die Musik aus der Nähe."

Alle stimmten zu. Die Herzoginmutter wandte sich lächelnd an Tante Schnee: „Gehen wir! Die Mädchen hier sehen es nicht gern, wenn man bei ihnen herumhockt — sie fürchten, ihre Zimmer werden schmutzig. Wir wollen kein schlechtes Benehmen zeigen; setzen wir uns lieber brav ins Boot und trinken Wein!"

Alle erhoben sich zum Aufbruch. Erkundefrühling lachte: „Was redet Ihr da, alte gnädige Frau! Wir würden Euch und die gnädige Frau Tante auf Knien bitten, bei uns zu verweilen, und Ihr würdet nicht kommen!"

Die Herzoginmutter lachte: „Meine dritte Enkeltochter hier ist brav — nur die zwei 'Jade'-Kinder sind unmöglich. Wenn wir nachher betrunken sind, gehen wir ihnen absichtlich in die Zimmer und machen Krawall!"

Alle lachten und verließen zusammen das Haus. Bald waren sie am Knöterich-Ufer[41] angelangt. Die aus Suzhou angeworbenen Bootsführerinnen hatten bereits zwei Begonien-Barken herangesteuert. Man half der Herzoginmutter, Dame König, Tante Schnee, Oma Liu, Mandarinenente und Jadeglöckchen[42] in das eine Boot; auch Seidenweiß Pflaume stieg noch hinzu. Phönixglanz sprang ebenfalls auf und stellte sich am Bug auf — sie wollte das Boot selber staken.

Die Herzoginmutter rief aus der Kajüte: „Das ist kein Spielzeug! Es ist zwar kein Fluss, aber das Wasser ist tief genug! Komm sofort herein!"

Phönixglanz lachte: „Keine Angst! Alte Ahnin, seid ganz unbesorgt!" Und mit einem Stoß der Stange schob sie das Boot ab. Doch als sie die Mitte des Teiches erreichten, schwankte das Boot bei so vielen Passagieren bedenklich, und Phönixglanz reichte eilig die Stange einer Bootsfrau und hockte sich hin.

Dann stiegen Willkommensfrühling und ihre Schwestern sowie Schatzjade in das zweite Boot und folgten. Die übrigen alten Bediensteten und Dienstmädchen gingen am Ufer entlang mit.

Schatzjade sagte: „Diese verdorrten Lotosblätter sind abscheulich! Warum lässt man sie nicht endlich entfernen?"

Schatzspange erwiderte lächelnd: „In den letzten Tagen ist der Garten keinen Tag zur Ruhe gekommen — jeden Tag wird er besichtigt. Wann soll man da noch Leute zum Aufräumen schicken?"

Kajaljade sagte: „Im Allgemeinen mag ich Li Yishans [43] Gedichte nicht besonders, aber diesen einen Vers liebe ich: 'Lasst das welke Laub, des Regens Klang zu hören'[44]. Und ausgerechnet ihr wollt das welke Laub nicht stehen lassen!"

Schatzjade sagte: „Wahrhaftig ein schöner Vers! Von nun an lassen wir es stehen." Während sie noch sprachen, waren sie am Blütenkanal unter dem Efeuhafen[45] angelangt. Die Kühle drang einem bis auf die Knochen; an beiden Ufern standen welkes Gras und verfallene Wasserkastanien — alles atmete die Melancholie des Herbstes.

Die Herzoginmutter erblickte am Ufer ein helles, weites Gebäude und fragte: „Ist das nicht das Haus deiner Kusine Schnee?" Alle bestätigten es. Die Herzoginmutter befahl sofort, ans Ufer zu steuern, und stieg die Wolkenstufen-Steintreppe hinauf. Gemeinsam betraten sie den Garten der Haselwurzranken[46]. Ein seltsamer Duft schlug ihnen entgegen. Die wundersamen Kräuter und märchenhaften Ranken wurden mit zunehmender Kälte nur noch grüner und kräftiger; an allen hatten sich Beeren gebildet, die wie Korallenkügelchen in Trauben herabhingen.

Doch als sie das Innere des Hauses betraten, sah es aus wie eine Schneehöhle — kahl und leer, keinerlei Ziergegenstände. Auf dem Tisch stand nur eine schlichte Ding-Ware-Vase mit ein paar Chrysanthemenzweigen, daneben lagen zwei Bücher, ein Tee-Kästchen und eine Teetasse — das war alles. Über dem Bett hing nur ein schlichter blaugrüner Gaze-Vorhang, und Decken und Kissen waren von größter Einfachheit.

Die Herzoginmutter seufzte: „Das Mädchen ist zu bescheiden! Wenn du keine Ziergegenstände hast, hättest du deine Tante darum bitten sollen. Und ich — ich habe auch nicht daran gedacht. Eure Sachen sind natürlich zu Hause geblieben und nicht mitgekommen." Dann befahl sie Mandarinenente, einige Antiquitäten zu holen, und schalt Phönixglanz: „Warum hast du deiner kleinen Schwester keine Zierstücke geschickt? So geizig!"

Dame König und Phönixglanz antworteten beide lächelnd: „Sie will nichts davon! Wir haben ihr welche geschickt, aber sie hat alles zurückgegeben."

Tante Schnee sagte ebenfalls lächelnd: „Zu Hause hat sie sich auch nie für solche Dinge interessiert."

Die Herzoginmutter schüttelte den Kopf: „Das geht nicht. Erstens: Auch wenn sie anspruchslos ist — wenn Verwandte zu Besuch kommen und so etwas sehen, macht es keinen guten Eindruck. Zweitens: Ein junges Mädchen mit einem so kahlen Zimmer — das ist kein gutes Zeichen! Da können wir alten Frauen gleich im Pferdestall schlafen gehen. In den Büchern und Theaterstücken sind die Gemächer junger Damen doch stets aufs Feinste geschmückt! Unsere Mädchen brauchen es zwar nicht mit den Romanheldinnen aufzunehmen, aber ganz so weit sollten sie sich nicht davon entfernen. Wenn schöne Dinge vorhanden sind — warum stellt man sie nicht auf? Wer es schlicht liebt, kann ja ein paar Stücke weglassen. Ich verstehe mich aufs Einrichten — aber jetzt bin ich alt und habe keine Lust mehr dazu. Die Mädchen sind auch recht geschickt im Herrichten, nur fürchte ich, sie könnten es zu gewöhnlich machen und schöne Dinge falsch aufstellen. Ich sehe aber, dass sie keinen schlechten Geschmack haben. Also werde ich dir dein Zimmer selbst einrichten — ich garantiere, es wird stilvoll und doch schlicht. Ich habe noch zwei Lieblingsstücke, die ich bis heute aufbewahrt habe. Schatzjade hat sie noch nicht zu Gesicht bekommen — hätte er sie einmal gesehen, wären sie weg gewesen!"

Dann rief sie Mandarinenente herbei und erteilte ihr persönlich Anweisungen: „Du holst die Miniatur-Landschaft mit den Steinen, den Gaze-Tischparavent und das Dreifußgefäß aus geräuchertem Speckstein[47] — diese drei Stücke stellst du auf dem Tisch hier auf, das genügt. Dann hol noch den weißen Seiden-Bettvorhang mit der Tusche-Malerei und den Kalligraphien und tausch den jetzigen Vorhang aus."

Mandarinenente sagte: „Diese Dinge sind alle oben in der Ostgalerie verstaut, ich weiß nicht, in welcher Kiste. Es wird eine Weile dauern, sie zu suchen — kann ich sie morgen bringen?"

Die Herzoginmutter sagte: „Morgen oder übermorgen — wie du willst. Nur vergiss es nicht!"

Damit saßen sie noch ein Weilchen, dann erhoben sie sich und gingen geradewegs zur Zierbrokatgalerie. Die Musikschülerinnen unter Wenguan[48] kamen herauf, grüßten und fragten, welche Stücke sie spielen sollten. Die Herzoginmutter sagte: „Spielt einfach ein paar Stücke, in denen ihr euch sicher fühlt."

Die Musikerinnen gingen hinunter zum Lotoswurzelduftkiosk[49], und dort spielten sie fortan.

Phönixglanz hatte bereits alles herrichten lassen. Oben standen links und rechts zwei Ruhebetten mit bestickten Brokat-Matten. Vor jedem Bett standen zwei geschnitzte Lacktischchen — manche in Begonienform, manche in Pflaumenblütenform, manche wie Lotosblätter, manche wie Sonnenblumen, manche eckig, manche rund, jedes in anderer Gestalt. Auf dem einen stand ein Räuchergefäß mit Blumenvase, dazu ein Naschwerk-Kästchen; das andere war frei gelassen, damit jeder seine Lieblingsspeisen darauf stellen konnte.

Die zwei Ruhebetten mit je zwei Tischchen oben waren für die Herzoginmutter und Tante Schnee bestimmt. Darunter stand ein Stuhl mit zwei Tischchen für Dame König. Alle anderen hatten je einen Stuhl und ein Tischchen. An der Ostseite saß Oma Liu, darunter Dame König. An der Westseite saßen der Reihe nach Xiangfluss-Wolke, Schatzspange, Kajaljade, dann Willkommensfrühling, Erkundefrühling und Bedauerfrühling, und ganz am Ende Schatzjade. Seidenweiß Pflaume und Phönixglanz hatten ihre Tischchen innerhalb der dritten Geländerreihe aufstellen lassen, außerhalb des Gaze-Paravents der zweiten Reihe. Auch die Naschwerk-Kästchen waren jeweils in der Form des dazugehörigen Tischchens gehalten. Jeder hatte ein Selbsteingieß-Kännchen aus geschwärztem Silber mit westlicher Gravur und einen Becher aus Zehnerfarben-Emaille.

Als alle saßen, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Trinken wir erst ein paar Becher! Heute wollen wir auch ein Trinkspiel machen — dann wird es erst interessant."

Tante Schnee und die anderen sagten lachend: „Die alte gnädige Frau hat bestimmt ein feines Trinkspiel auf Lager, nur wir können so etwas nicht! Ihr wollt uns absichtlich betrunken machen. Wir trinken lieber gleich ein paar Becher mehr."

Die Herzoginmutter lachte: „Heute sind Sie aber auch übermäßig bescheiden, Frau Tante! Haben Sie genug von mir altem Menschen?"

Tante Schnee lachte: „Nicht bescheiden — ich fürchte nur, ich bringe nichts Gescheites zustande, und alle lachen mich aus."

Dame König sagte eilig und lächelnd: „Wenn Ihr nichts Passendes wisst, trinkt Ihr eben einen Becher mehr. Dann geht Ihr betrunken schlafen. Wer sollte uns auslachen?"

Tante Schnee nickte lachend: „In Ordnung. Aber zuerst muss die alte gnädige Frau einen Becher auf das Spielen trinken."

Die Herzoginmutter lachte: „Selbstverständlich!" und trank einen Becher.

Phönixglanz trat rasch in die Mitte und sagte lächelnd: „Da wir ein Trinkspiel machen, sollten wir Mandarinenente-Schwester die Spielleiterin sein lassen — das ist am besten!" Alle wussten, dass die Herzoginmutter bei Trinkspielen stets Mandarinenente als Souffleuse brauchte, und sagten daher: „Genau richtig."

Phönixglanz zog Mandarinenente herbei. Dame König sagte lächelnd: „Wenn sie mitspielt, kann sie ja nicht stehenbleiben." Sie befahl einem kleinen Dienstmädchen: „Stellt einen Stuhl an den Tisch der beiden gnädigen Frauen!"

Mandarinenente ließ sich halb widerstrebend nieder, bedankte sich für den Platz, setzte sich und trank ebenfalls einen Becher Wein. Dann sagte sie lächelnd: „Beim Trinkspiel gilt das Gebot wie beim Heer — kein Unterschied von hoch und niedrig, ich allein bin die Herrin! Wer meinen Worten zuwiderhandelt, wird bestraft!"

Dame König und die anderen sagten lachend: „Selbstverständlich! Sag an!"

Mandarinenente hatte noch nicht den Mund aufgetan, als Oma Liu schon vom Stuhl sprang, die Hände abwehrend hob und rief: „Treibt keinen Schabernack mit mir! Ich gehe nach Hause!"

Alle lachten: „Das geht nicht!"

Mandarinenente herrschte die kleinen Dienstmädchen an: „Zieht sie auf ihren Platz zurück!" Die Mädchen lachten und zerrten Oma Liu tatsächlich wieder auf ihren Stuhl.

Oma Liu rief nur: „Verschont mich!" Mandarinenente drohte: „Wer noch einen Mucks sagt, bekommt einen ganzen Krug als Strafe!" Oma Liu verstummte.

Mandarinenente erklärte: „Ich nenne jetzt Dominostein-Kombinationen. Wir beginnen bei der alten gnädigen Frau und gehen der Reihe nach bis Oma Liu. Ich nenne eine Kombination aus drei Steinen: erst den ersten, dann den zweiten, dann den dritten, und am Schluss den Namen der ganzen Kombination. Ob Vers, Lied, Sprichwort oder Redensart — alles muss sich reimen. Wer sich irrt, bekommt einen Strafbecher!" [50]

Alle sagten lachend: „Ein schönes Spiel! Dann los!"

Mandarinenente begann: „Ich habe eine Kombination. Links liegt ein 'Himmel'." [51]

Die Herzoginmutter sagte: „Über meinem Haupt der blaue Himmel."

Alle riefen: „Gut!"

Mandarinenente: „In der Mitte liegt ein 'Fünf und Sechs'."

Die Herzoginmutter: „Die Pflaumenblüten an der Sechsten Brücke duften bis auf die Knochen." [52]

Mandarinenente: „Es bleibt ein 'Sechs und Eins'."

Die Herzoginmutter: „Die rote Sonne steigt empor über die Wolken."

Mandarinenente: „Zusammen ergibt sich der 'Zottelhaar-Geist'." [53]

Die Herzoginmutter: „Dieser Geist klammert sich an Zhong Kuis Bein." [54]

Alle lobten: „Vortrefflich!" Die Herzoginmutter trank einen Becher.

Mandarinenente fuhr fort: „Neue Kombination. Links liegt ein 'Langer Fünfer'."

Tante Schnee: „Pflaumenblüten tanzen im Wind, Blatt um Blatt."

Mandarinenente: „Rechts wieder ein 'Langer Fünfer'."

Tante Schnee: „Im zehnten Mond duftet die Pflaume auf dem Berggrat."

Mandarinenente: „In der Mitte 'Zwei und Fünf' — das macht die Misch-Sieben."

Tante Schnee: „Die Weberin und der Kuhhirte treffen sich am Siebenten Abend." [55]

Mandarinenente: „Zusammen ergibt das 'Erlang wandert über die fünf Berge'."

Tante Schnee: „Kein Mensch auf Erden erreicht der Götter Glück."

Alle lobten und tranken.

Mandarinenente: „Neue Kombination. Links ein 'Langes Eins' — zwei Punkte leuchten hell."

Xiangfluss-Wolke: „Zwei Gestirne — Sonne und Mond — erleuchten Himmel und Erde."

Mandarinenente: „Rechts wieder ein 'Langes Eins' — zwei Punkte hell."

Xiangfluss-Wolke: „Müßig fallen die Blüten — lautlos berühren sie den Boden."

Mandarinenente: „In der Mitte noch ein 'Eins und Vier'."

Xiangfluss-Wolke: „Am Sonnenrand ragt der rote Aprikosenbaum in die Wolken."

Mandarinenente: „Zusammen sind es 'Neun reife Kirschen'."

Xiangfluss-Wolke: „Aus dem Kaiserpark trug sie ein Vogel davon."

Sie trank ihren Becher. Mandarinenente: „Neue Kombination. Links ein 'Langes Drei'."

Schatzspange: „Paarweise schwatzen die Schwalben zwischen den Dachbalken."

Mandarinenente: „Rechts ein 'Langes Drei'."

Schatzspange: „Die Wasserranken schwanken im Wind — grüne Bänder, endlos lang."

Mandarinenente: „In der Mitte 'Drei und Sechs' — neun Punkte."

Schatzspange: „Drei Gipfel ragen halb hinaus in den blauen Himmel." [56]

Mandarinenente: „Zusammen ergibt das 'Die Eisenkette fesselt das einsame Boot'."

Schatzspange: „Wohin man blickt — Wind und Wellen, überall Kummer."

Sie trank.

Mandarinenente: „Links ein 'Himmel'."

Kajaljade: „Welch schöner Tag — und doch, wie schade um die Zeit!" [57]

Schatzspange hörte das, drehte sich um und sah Kajaljade an. [58] Kajaljade aber war nur darauf bedacht, keine Strafe zu kassieren, und kümmerte sich nicht darum.

Mandarinenente: „In der Mitte ein 'Brokatarabien' — die Farben sind hübsch."

Kajaljade: „Nicht einmal ein Dienstmädchen kommt, um hinter dem Gazefenster zu melden." [59]

Mandarinenente: „Es bleibt 'Zwei und Sechs' — acht Punkte nebeneinander."

Kajaljade: „Zwei Reihen blicken zum Jadethron empor und leiten die Morgenaudenz." [60]

Mandarinenente: „Zusammen ergibt das den 'Korb'."

Kajaljade: „Der Wanderstab der Unsterblichen trägt Pfingstrosen." [61]

Sie trank einen Schluck.

Mandarinenente: „Links 'Vier und Fünf' — Blüten-Neun."

Willkommensfrühling: „Pfirsichblüten, vom Regen schwer ..."

Alle riefen: „Strafe! Der Reim stimmt nicht, und es passt auch nicht!" Willkommensfrühling lachte und trank einen Becher.

In Wahrheit hatten Phönixglanz und Mandarinenente beide nur darauf gewartet, Oma Lius Antworten zu hören, und deshalb absichtlich die anderen straucheln lassen. Alle kassierten Strafen. Als Dame König an der Reihe war, sprach Mandarinenente stellvertretend für sie. Dann war Oma Liu dran.

Oma Liu sagte: „Wir Bauersleute spielen dieses Spiel auch manchmal, wenn wir nichts zu tun haben, nur sagen wir nicht so hübsche Sachen dabei. Ich will es aber trotzdem versuchen."

Alle sagten lachend: „Es ist ganz einfach! Sag nur drauflos, es macht gar nichts!"

Mandarinenente sagte lächelnd: „Links 'Vier und Vier' — das ist ein Mensch."

Oma Liu überlegte lange, dann sagte sie: „Ein Bauer ist es eben!" Alle brachen in schallendes Gelächter aus. Die Herzoginmutter rief lachend: „Gut gesagt! Genau so muss man es machen!"

Oma Liu sagte ebenfalls lachend: „Wir Bauersleute reden eben von dem, was wir kennen — lacht nur nicht!"

Mandarinenente: „In der Mitte 'Drei und Vier' — grün neben rot."

Oma Liu: „Ein großes Feuer hat die Raupen verbrannt."

Alle lachten: „Das gibt es wirklich! Nur zu — sag deine Sachen!"

Mandarinenente: „Rechts 'Eins und Vier' — die sehen hübsch aus."

Oma Liu: „Ein Rettich und eine Knolle Knoblauch."

Wieder lachten alle. Mandarinenente sagte lachend: „Zusammen ergibt das 'Ein Blumenzweig'."

Oma Liu machte mit beiden Händen eine große Geste und sagte: „Die Blüte ist verwelkt — aber daraus wächst ein dicker Moschuskürbis!"

Schallendes Gelächter brach aus. Gerade in diesem Augenblick hörte man draußen Lärm —

Was dort geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.


Anmerkungen

  1. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann-Jade" — der männliche Protagonist des Romans, ein verträumter junger Mann aus der Kaufmann-Familie.
  2. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein" — ein Dienstmädchen der Herzoginmutter.
  3. 贾母 Jiǎ Mǔ, wörtl. „Matriarchin der Kaufmann-Familie" — die Großmutter des Hauses Kaufmann (Jiǎ), eine der mächtigsten Figuren des Romans.
  4. 王夫人 Wáng Fūrén — Schatzjades Mutter, zweite Frau des Aufrecht Kaufmann.
  5. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Geschichtsschreiber Wolke-am-Xiang-Fluss" — Schatzjades lebenslustige Kusine, eine begabte Dichterin.
  6. 李纨 Lǐ Wán — die tugendhafte junge Witwe des verstorbenen Perle Kaufmann, Schatzjades älteste Schwägerin.
  7. Chin. 丰儿
  8. 刘姥姥 Liú Lǎolao — eine einfache Bäuerin, die die Kaufmann-Familie besucht und für komische Szenen sorgt.
  9. Chin. 板儿
  10. Chin. 素云
  11. Chin. 大观楼
  12. Chin. 缀锦阁
  13. Chin. 碧月
  14. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Heiterer König-Phönix" — die energische und verschlagene Haushälterin des Kaufmann-Anwesens.
  15. Chin. 沁芳亭
  16. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bedauerfrühling" — Schatzjades jüngste Schwester (eigentlich Nichte).
  17. Chin. 潇湘馆
  18. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck" — Kajaljade's treue Kammerzofe.
  19. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal Wald-Jade" — die weibliche Protagonistin, Schatzjades Kusine mütterlicherseits, berühmt für ihre Dichtkunst und Empfindsamkeit.
  20. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee" — Schatzspanges Mutter, Schwester von Dame König.
  21. Chin. 软烟罗
  22. Chin. 霞影纱
  23. Chin. 紫菱洲蓼溆
  24. 探春 Tànchūn, wörtl. „Erkundefrühling" — Schatzjades dritte Halbschwester (Tochter der Nebenfrau Zhao), klug und tatkräftig.
  25. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente" — die treue Leibdienerin der Herzoginmutter.
  26. Chin. 秋爽斋
  27. Chin. 晓翠堂
  28. Nanmu (楠木), ein kostbares, aromatisches Holz aus Südchina
  29. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Kostbare Schnee-Haarspange" — Schatzjades Kusine aus der Familie Xue, klug, besonnen und tugendreich.
  30. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommensfrühling" — Schatzjades zweite Schwester.
  31. Oma Liu hält die Taubeneier für besonders kleine Hühnereier.
  32. Im Chinesischen ein Wortspiel — „keinen Ton gehört" bezieht sich sowohl auf das lautlos davonrollende Ei als auch auf das verschwundene Silber.
  33. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen" — Phönixglanz' loyale Kammerzofe und engste Vertraute.
  34. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — Schatzjades treueste Kammerzofe, besonnen und pflichtbewusst.
  35. Ru-Ware (汝窑) ist die seltenste und kostbarste Keramik der Song-Dynastie
  36. Mi Fu (米芾, 1051–1107), auch Mi Xiangyang genannt, einer der größten Kalligraphen und Maler der Song-Dynastie
  37. Yan Zhenqing (颜真卿, 709–785), einer der berühmtesten Kalligraphen Chinas
  38. Guan-Ware (官窑) ist eine der fünf berühmten Keramikarten der Song-Dynastie
  39. Die Buddhahand (佛手) ist eine fingerförmige Zitrusfrucht, die als Ziergegenstand und Glückssymbol dient
  40. Ein Babu-Bett (拔步床) ist ein großes Bett mit eigenem, vorhangumschlossenen Vorraum
  41. Chin. 蓼漵
  42. Chin. 玉钏儿
  43. Li Shangyin (李商隐, ca. 813–858), Tang-Dichter, auch Li Yishan genannt
  44. Chin. 留得残荷听雨声
  45. Chin. 花漵萝港
  46. Chin. 蘅芜苑
  47. Chin. 墨烟冻石
  48. Chin. 文官
  49. Chin. 藕香榭
  50. Das Dominospiel (牙牌令) mit den typischen chinesischen Domino-Steinen erforderte umfangreiche Bildung, da zu jedem Stein ein passender poetischer Vers gesagt werden musste.
  51. Der 'Himmel' (天) ist der höchste Dominostein mit zwölf Augen (6+6).
  52. Die Sechs Brücken (六桥) sind eine berühmte Sehenswürdigkeit am Westsee in Hangzhou.
  53. Name einer Dominostein-Kombination.
  54. Zhong Kui (钟馗) ist der berühmte Dämonenjäger der chinesischen Mythologie.
  55. Das Qixi-Fest (七夕), am siebten Tag des siebten Mondmonats, an dem sich die Weberin (Wega) und der Kuhhirte (Altair) auf der Milchstraße treffen dürfen.
  56. Vers aus Li Bais berühmtem Gedicht über das Yangzi-Panorama bei Nanjing.
  57. Vers aus der berühmten Oper 'Der Pfingstrosenpavillon' (牡丹亭) von Tang Xianzu.
  58. Kajaljade zitiert aus einer als anstößig geltenden Oper — Schatzspange bemerkt dies mit einem vielsagenden Blick.
  59. Ebenfalls ein Zitat aus dem 'Pfingstrosenpavillon' — die Szene, in der die junge Protagonistin vergeblich auf eine Nachricht ihres Geliebten wartet.
  60. Vers aus einem Tang-Gedicht über die kaiserliche Audienz.
  61. Ein feinsinniger Vers — der 'Korb' zum Blumenpflücken wird zur eleganten Metapher.

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