Hongloumeng/zh-de/Chapter 10

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第十回

金寡妇贪利权受辱

张太医论病细穷源

Aus Gewinnsucht nimmt Djin Jungs verwitwete Mutter die Schande in Kauf, bei der Krankendiagnose geht der Arzt Dschang bis ins letzte Detail.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說金榮因人多勢眾,又兼賈瑞勒令,賠了不是,給秦鐘磕了頭,寶玉方纔不吵鬧了。大家散了學,金榮回到家中,越想越氣,說:「秦鐘不過是賈蓉的小舅子,又不是賈家的子孫,附學讀書,也不過和我一樣。他因仗著寶玉和他好,他就目中無人。他既是這樣,就該行些正經事,人也沒的說。他素日又和寶玉鬼鬼祟祟的,只當我們都是瞎子,看不見。今日他又去勾搭人,偏偏的撞在我眼裡。就是鬧出事來,我還怕什麼不成?」   他母親胡氏聽見他咕咕嘟嘟的說,因問道:「你又要爭什麼閒氣?好容易我望你姑媽說了,你姑媽千方百計的才向他們西府里的璉二奶奶跟前說了,你才得了這個念書的地方。若不是仗著人家,咱們家裡還有力量請的起先生?況且人家學里,茶也是現成的,飯也是現成的。你這二年在那裡念書,家裡也省好大的嚼用呢。省出來的,你又愛穿件鮮明衣服。再者,不是因你在那裡念書,你就認得什麼薛大爺了?那薛大爺一年不給不給,這二年也幫了咱們有七八十兩銀子。你如今要鬧出了這個學房,再要找這麼個地方,我告訴你說罷,比登天還難呢!你給我老老實實的頑一會子睡你的覺去,好多著呢。」於是金榮忍氣吞聲,不多一時他自去睡了。次日仍舊上學去了。不在話下。   且說他姑娘,原聘給的是賈家玉字輩的嫡派,名喚賈璜。但其族人那裡皆能象寧榮二府的富勢,原不用細說。這賈璜夫妻守著些小的產業,又時常到寧榮二府里去請請安,又會奉承鳳姐兒並尤氏,所以鳳姐兒尤氏也時常資助資助他,方能如此度日。今日正遇天氣晴明,又值家中無事,遂帶了一個婆子,坐上車,來家裡走走,瞧瞧寡嫂並侄兒。   閒話之間,金榮的母親偏提起昨日賈家學房裡的那事,從頭至尾,一五一十都向他小姑子說了。這璜大奶奶不聽則已,聽了,一時怒從心上起,說道:「這秦鐘小崽子是賈門的親戚,難道榮兒不是賈門的親戚?人都別忒勢利了,況且都作的是什麼有臉的好事!就是寶玉,也犯不上向著他到這個樣。等我去到東府瞧瞧我們珍大奶奶,再向秦鐘他姐姐說說,叫他評評這個理。這金榮的母親聽了這話,急的了不得,忙說道:「這都是我的嘴快,告訴了姑奶奶了,求姑奶奶別去,別管他們誰是誰非。倘或鬧起來,怎麼在那裡站得住。若是站不住,家裡不但不能請先生,反倒在他身上添出許多嚼用來呢。」璜大奶奶聽了,說道:「那裡管得許多,你等我說了,看是怎麼樣!」也不容他嫂子勸,一面叫老婆子瞧了車,就坐上往寧府里來。   到了寧府,進了車門,到了東邊小角門前下了車,進去見了賈珍之妻尤氏。也未敢氣高,殷殷勤勤敘過寒溫,說了些閒話,方問道:「今日怎麼沒見蓉大奶奶?」尤氏說道:「他這些日子不知怎麼著,經期有兩個多月沒來。叫大夫瞧了,又說並不是喜。那兩日,到了下半天就懶待動,話也懶待說,眼神也發眩。我說他:『你且不必拘禮,早晚不必照例上來,你就好生養養罷。就是有親戚一家兒來,有我呢。就有長輩們怪你,等我替你告訴。』連蓉哥我都囑咐了,我說:『你不許累他,不許招他生氣,叫他靜靜的養養就好了。他要想什麼吃,只管到我這裡取來。倘或我這裡沒有,只管望你璉二嬸子那裡要去。倘或他有個好和歹,你再要娶這麼一個媳婦,這麼個模樣兒,這麼個性情的人兒,打著燈籠也沒地方找去。』他這為人行事,那個親戚,那個一家的長輩不喜歡他?所以我這兩日好不煩心,焦的我了不得。偏偏今日早晨他兄弟來瞧他,誰知那小孩子家不知好歹,看見他姐姐身上不大爽快,就有事也不當告訴他,別說是這麼一點子小事,就是你受了一萬分的委曲,也不該向他說才是。誰知他們昨兒學房裡打架,不知是那裡附學來的一個人欺侮了他了。裡頭還有些不幹不淨的話,都告訴了他姐姐。嬸子,你是知道那媳婦的:雖則見了人有說有笑,會行事兒,他可心細,心又重,不拘聽見個什麼話兒,都要度量個三日五夜才罷。這病就是打這個秉性上頭思慮出來的。今兒聽見有人欺負了他兄弟,又是惱,又是氣。惱的是那群混帳狐朋狗友的扯是搬非、調三惑四那些人;氣的是他兄弟不學好,不上心念書,以致如此學里吵鬧。他聽了這事,今日索性連早飯也沒吃。我聽見了,我方到他那邊安慰了他一會子,又勸解了他兄弟一會子。我叫他兄弟到那府里去找寶玉去了,我才看著他吃了半盞燕窩湯,我才過來了。嬸子,你說我心焦不心焦?況且如今又沒個好大夫,我想到他這病上,我心裡倒象針扎似的。你們知道有什麼好大夫沒有?」   金氏聽了這半日話,把方纔在他嫂子家的那一團要向秦氏理論的盛氣,早嚇的都丟在爪窪國去了。聽見尤氏問他有知道好大夫的話,連忙答道:「我們這麼聽著,實在也沒見人說有個好大夫。如今聽起大奶奶這個來,定不得還是喜呢。嫂子倒別教人混治。倘或認錯了,這可是了不得的。」尤氏道:「可不是呢。」正是說話間,賈珍從外進來,見了金氏,便向尤氏問道:「這不是璜大奶奶麼?」金氏向前給賈珍請了安。賈珍向尤氏說道:「讓這大妹妹吃了飯去。」賈珍說著話,就過那屋裡去了。金氏此來,原要向秦氏說說秦鐘欺負了他侄兒的事,聽見秦氏有病,不但不能說,亦且不敢提了。況且賈珍尤氏又待的很好,反轉怒為喜,又說了一會子話兒,方家去了。   金氏去後,賈珍方過來坐下,問尤氏道:「今日他來,有什麼說的事情麼?」尤氏答道:「倒沒說什麼。一進來的時候,臉上倒象有些著了惱的氣色似的,及說了半天話,又提起媳婦這病,他倒漸漸的氣色平定了。你又叫讓他吃飯,他聽見媳婦這麼病,也不好意思只管坐著,又說了幾句閒話兒就去了,倒沒求什麼事。如今且說媳婦這病,你到那裡尋一個好大夫來與他瞧瞧要緊,可別耽誤了。現今咱們家走的這群大夫,那裡要得?一個個都是聽著人的口氣兒,人怎麼說,他也添幾句文話兒說一遍。可倒殷勤的很,三四個人一日輪流著倒有四五遍來看脈。他們大家商量著立個方子,吃了也不見效,倒弄得一日換四五遍衣裳,坐起來見大夫,其實於病人無益。」賈珍說道:「可是。這孩子也糊塗,何必脫脫換換的,倘再著了涼,更添一層病,那還了得。衣裳任憑是什麼好的,可又值什麼,孩子的身子要緊,就是一天穿一套新的,也不值什麼。我正進來要告訴你:方纔馮紫英來看我,他見我有些抑鬱之色,問我是怎麼了。我才告訴他說,媳婦忽然身子有好大的不爽快,因為不得個好太醫,斷不透是喜是病,又不知有妨礙無妨礙,所以我這兩日心裡著實著急。馮紫英因說起他有一個幼時從學的先生,姓張名友士,學問最淵博的,更兼醫理極深,且能斷人的生死。今年是上京給他兒子來捐官,現在他家住著呢。這麼看來,竟是合該媳婦的病在他手裡除災亦未可知。我即刻差人拿我的名帖請去了。今日倘或天晚了不能來,明日想必一定來。況且馮紫英又即刻回家親自去求他,務必叫他來瞧瞧。等這個張先生來瞧了再說罷。」   尤氏聽了,心中甚喜,因說道:「後日是太爺的壽日,到底怎麼辦?」賈珍說道:「我方纔到了太爺那裡去請安,兼請太爺來家來受一受一家子的禮。太爺因說道:『我是清淨慣了的,我不願意往你們那是非場中去鬧去。你們必定說是我的生日,要叫我去受眾人些頭,莫過你把我從前注的《陰騭文》給我令人好好的寫出來刻了,比叫我無故受眾人的頭還強百倍呢。倘或後日這兩日一家子要來,你就在家裡好好的款待他們就是了。也不必給我送什麼東西來,連你後日也不必來,你要心中不安,你今日就給我磕了頭去。倘或後日你要來,又跟隨多少人來鬧我,我必和你不依。』如此說了又說,後日我是再不敢去的了。且叫來升來,吩咐他預備兩日的筵席。」尤氏因叫人叫了賈蓉來:「吩咐來升照舊例預備兩日的筵席,要豐豐富富的。你再親自到西府里去請老太太、大太太、二太太和你璉二嬸子來逛逛。你父親今日又聽見一個好大夫,業已打發人請去了,想必明日必來。你可將他這些日子的病症細細的告訴他。」   賈蓉一一的答應著出去了。正遇著方纔去馮紫英家請那先生的小子回來了,因回道:「奴才方纔到了馮大爺家,拿了老爺的名帖請那先生去。那先生說道:『方纔這裡大爺也向我說了。但是今日拜了一天的客,才回到家,此時精神實在不能支持,就是去到府上也不能看脈。』他說等調息一夜,明日務必到府。他又說,他『醫學淺薄,本不敢當此重薦,因我們馮大爺和府上的大人既已如此說了,又不得不去,你先替我回明大人就是了。大人的名帖實不敢當。』仍叫奴才拿回來了。哥兒替奴才回一聲兒罷。」賈蓉轉身復進去,回了賈珍尤氏的話,方出來叫了來升來,吩咐他預備兩日的筵席的話。來升聽畢,自去照例料理。不在話下。   且說次日午間,人回道:「請的那張先生來了。」賈珍遂延入大廳坐下。茶畢,方開言道:「昨承馮大爺示知老先生人品學問,又兼深通醫學,小弟不勝欽仰之至。」張先生道:「晚生粗鄙下士,本知見淺陋,昨因馮大爺示知,大人家第謙恭下士,又承呼喚,敢不奉命。但毫無實學,倍增顏汗。」賈珍道:「先生何必過謙。就請先生進去看看兒婦,仰仗高明,以釋下懷。」於是,賈蓉同了進去。到了賈蓉居室,見了秦氏,向賈蓉說道:「這就是尊夫人了?」賈蓉道:「正是。請先生坐下,讓我把賤內的病說一說再看脈如何?」那先生道:「依小弟的意思,竟先看過脈再說的為是。我是初造尊府的,本也不曉得什麼,但是我們馮大爺務必叫小弟過來看看,小弟所以不得不來。如今看了脈息,看小弟說的是不是,再將這些日子的病勢講一講,大家斟酌一個方兒,可用不可用,那時大爺再定奪。」賈蓉道:「先生實在高明,如今恨相見之晚。就請先生看一看脈息,可治不可治,以便使家父母放心。」於是家下媳婦們捧過大迎枕來,一面給秦氏拉著袖口,露出脈來。先生方伸手按在右手脈上,調息了至數,寧神細診了有半刻的工夫,方換過左手,亦復如是。診畢脈息,說道:「我們外邊坐罷。」   賈蓉於是同先生到外間房裡床上坐下,一個婆子端了茶來。賈蓉道:「先生請茶。」於是陪先生吃了茶,遂問道:「先生看這脈息,還治得治不得?」先生道:「看得尊夫人這脈息:左寸沉數,左關沉伏,右寸細而無力,右關需而無神。其左寸沉數者,乃心氣虛而生火;左關沉伏者,乃肝家氣滯血虧。右寸細而無力者,乃肺經氣分太虛;右關需而無神者,乃脾土被肝木剋制。心氣虛而生火者,應現經期不調,夜間不寐。肝家血虧氣滯者,必然肋下疼脹,月信過期,心中發熱。肺經氣分太虛者,頭目不時眩暈,寅卯間必然自汗,如坐舟中。脾土被肝木剋制者,必然不思飲食,精神倦怠,四肢酸軟。據我看這脈息,應當有這些癥候才對。或以這個脈為喜脈,則小弟不敢從其教也。」旁邊一個貼身伏侍的婆子道:「何嘗不是這樣呢。真正先生說的如神,倒不用我們告訴了。如今我們家裡現有好幾位太醫老爺瞧著呢,都不能的當真切的這麼說。有一位說是喜,有一位說是病,這位說不相干,那位說怕冬至,總沒有個準話兒。求老爺明白指示指示。」   那先生笑道:「大奶奶這個癥候,可是那眾位耽擱了。要在初次行經的日期就用藥治起來,不但斷無今日之患,而且此時已全愈了。如今既是把病耽誤到這個地位,也是應有此災。依我看來,這病尚有三分治得。吃了我的藥看,若是夜裡睡的著覺,那時又添了二分拿手了。據我看這脈息:大奶奶是個心性高強聰明不過的人,聰明忒過,則不如意事常有,不如意事常有,則思慮太過。此病是憂慮傷脾,肝木忒旺,經血所以不能按時而至。大奶奶從前的行經的日子問一問,斷不是常縮,必是常長的。是不是?」這婆子答道:「可不是,從沒有縮過,或是長兩日三日,以至十日都長過。」先生聽了道:「妙啊!這就是病源了。從前若能夠以養心調經之藥服之,何至於此。這如今明顯出一個水虧木旺的癥候來。待用藥看看。」於是寫了方子,遞與賈蓉,上寫的是:

  益氣養榮補脾和肝湯     人參二錢 白術二錢土炒 雲苓三錢 熟地四錢     歸身二錢酒洗 白芍二錢  川芎錢半 黃芪三錢     香附米二錢制 醋柴胡八分 懷山藥二錢炒 真阿膠二錢蛤粉炒     延胡索錢半酒炒 炙甘草八分     引用建蓮子七粒去心 紅棗二枚

  賈蓉看了,說:「高明的很。還要請教先生,這病與性命終久有妨無妨?」先生笑道:「大爺是最高明的人。人病到這個地位,非一朝一夕的癥候,吃了這藥也要看醫緣了。依小弟看來,今年一冬是不相干的。總是過了春分,就可望全愈了。」賈蓉也是個聰明人,也不往下細問了。於是賈蓉送了先生去了,方將這藥方子並脈案都給賈珍看了,說的話也都回了賈珍並尤氏了。尤氏向賈珍說道:「從來大夫不象他說的這麼痛快,想必用的藥也不錯。」賈珍道:「人家原不是混飯吃久慣行醫的人。因為馮紫英我們好,他好容易求了他來了。既有這個人,媳婦的病或者就能好了。他那方子上有人參,就用前日買的那一斤好的罷。」賈蓉聽畢話,方出來叫人打藥去煎給秦氏吃。不知秦氏服了此藥病勢如何,下回分解。

Erst als sich Djin Jung infolge der gegnerischen Übermacht und unter dem Druck von Djia Juee bei Tjin Dschung entschuldigt und einen Stirnaufschlag vor ihm gemacht hatte, gab sich Bau-yü zufrieden, und alle gingen auseinander. Doch nachdem Djin Jung zu Hause war, wurde er immer wütender, je länger er über die Sache nachdachte, und murrte vor sich hin: „Tjin Dschung ist bloß der Schwager von Djia Jung und kein Kind der Familie Djia. In der Schule ist er genau wie ich nur geduldet. Doch im Vertrauen auf Bau-yüs Freundschaft dünkt er sich besser als andere. Aber dann müßte er sich auch anständig benehmen, und kein Mensch würde etwas sagen. Statt dessen hat er dauernd Heimlichkeiten mit Bau-yü und glaubt, alle andern seien blind, daß sie nichts merken. Heute wollte er wieder mit jemand anbändeln, und ich mußte ausgerechnet dazukommen. Warum soll ich eigentlich Angst haben, wenn ein Skandal daraus wird?“ „Was willst du wieder für einen Skandal anzetteln?“ fragte seine Mutter, Frau Hu, die ihn murmeln gehört hatte. „So viel Mühe hat es mich gekostet, mit der Tante zu sprechen, und sie hat wieder tausendfache List gebrauchen müssen, ehe sie endlich mit der Frau von Djia Liän im Westanwesen sprechen konnte. Nur so hast du Gelegenheit bekommen zu lernen. Hätten wir wohl die Mittel, ohne fremde Hilfe einen Lehrer anzustellen? Dazu bekommst du noch in der Schule Tee und Essen. In den zwei Jahren, seitdem du dort lernst, haben wir zu Hause ganz schön Wirtschaftsgeld sparen können. Von dem Ersparten hast du hübsche Sachen bekommen, wie du sie gern trägst. Und hast du nicht durch die Schule auch diesen Herrn Hsüä kennengelernt, der uns das ganze Jahr hindurch unter die Arme greift, so daß wir in den zwei Jahren siebzig oder achtzig Liang Silber von ihm bekommen haben? Wenn du jetzt einen Skandal machst und deswegen aus der Schule geworfen wirst, wird es schwerer sein, eine zweite derartige Stelle für dich zu finden, als in den Himmel zu steigen, das sage ich dir. Spiel jetzt lieber noch ein Weilchen, und dann geh schlafen!“ Also verbiß sich Djia Jung den Ärger und hielt seinen Mund. Bald darauf legte er sich schlafen. Am nächsten Tag ging er in die Schule wie immer, und es soll nicht weiter davon die Rede sein. Djin Jungs Tante väterlicherseits war mit einem Angehörigen der Hauptlinie der Djia-Sippe aus der Jade-Generationverheiratet worden, der Djia Huang hieß. Unnötig zu sagen, daß nicht alle Sippenangehörigen der Djias so reich und mächtig waren wie die Djias im Ning-guo- und im Jung-guo-Anwesen. Djia Huang und seine Frau verfügten über einen kleinen Besitz und gingen ansonsten auch häufig ins Ning-guo- und ins Jung-guo-Anwesen, um ihren Gruß zu entbieten. Sie verstanden es, Hsi-fëng und Frau You zu schmeicheln, und wurden deshalb von diesen immer wieder mit Geld und Gut unterstützt. Nur so konnten sie ihr Leben in der jetzigen Weise führen. Heute war das Wetter klar, zu Hause gab es nichts zu tun, darum bestieg Frau Hu mit einer alten Dienerin einen Wagen und fuhr in ihr Elternhaus, um dort ihre verwitwete Schwägerin und ihren Neffen zu besuchen.g ging er in die Schule wie immer, und es soll nicht weiter davon die Rede sein. Djin Jungs Tante väterlicherseits war mit einem Angehörigen der Hauptlinie der Djia-Sippe aus der Jade-Generationverheiratet worden, der Djia Huang hieß. Unnötig zu sagen, daß nicht alle Sippenangehörigen der Djias so reich und mächtig waren wie die Djias im Ning-guo- und im Jung-guo-Anwesen. Djia Huang und seine Frau verfügten über einen kleinen Besitz und gingen ansonsten auch häufig ins Ning-guo- und ins Jung-guo-Anwesen, um ihren Gruß zu entbieten. Sie verstanden es, Hsi-fëng und Frau You zu schmeicheln, und wurden deshalb von diesen immer wieder mit Geld und Gut unterstützt. Nur so konnten sie ihr Leben in der jetzigen Weise führen. Heute war das Wetter klar, zu Hause gab es nichts zu tun, darum bestieg Frau Hu mit einer alten Dienerin einen Wagen und fuhr in ihr Elternhaus, um dort ihre verwitwete Schwägerin und ihren Neffen zu besuchen. Im Laufe des Gesprächs kam Frau Hu dann auf das gestrige Ereignis in der Familienschule der Djias zu sprechen und erzählte es der Schwägerin von Anfang bis Ende in allen Einzelheiten. Hätte Frau Djin nichts davon erfahren, wäre der Fall erledigt gewesen, kaum aber hatte sie davon gehört, stieg Wut aus ihrem Herzen auf, und sie sagte: „Dieses kleine Biest, der Tjin Dschung, ist ein angeheirateter Verwandter der Djias. Ist Jung das etwa nicht genausogut? Es sollte sich doch keiner zu sehr an die Reichen und Mächtigen hängen! Noch dazu, wenn er sich solche Sachen erlaubt! Auch Bau-yü hätte ihn nicht in diesem Maße einseitig in Schutz nehmen dürfen! Aber warte, ich fahre ins Ostanwesen zu Djia Dschëns Frau und spreche mit Tjin Dschungs Schwester! Dann soll sie einmal sagen, wer hier im Recht ist!“ Als Djin Jungs Mutter das hörte, geriet sie in helle Aufregung und sagte rasch: „Daß ich doch meine Zunge nicht im Zaum halten kann! Sonst hätte ich es dir nie erzählt. Fahr nicht dorthin, ich bitte dich! Egal, wer recht hat und wer unrecht, wenn ein Skandal daraus wird, kann Jung dort nicht in der Schule bleiben, und dann können wir nicht nur keinen Lehrer für ihn anstellen, es kommt überdies eine ganze Menge Unkosten für ihn auf uns zu.“ Darauf sagte Frau Djin: „Was macht das schon groß aus? Laß mich nur mit ihr sprechen, dann wollen wir weitersehen!“ Und ohne sich von der Schwägerin etwas sagen zu lassen, befahl sie der Dienerin, den Wagen bereitmachen zu lassen, dann stieg sie ein und begab sich zum Ning-guo-Anwesen. Hier fuhr sie durch die Einfahrt hinein, verließ den Wagen am östlichen Seitentor und ging zu Fuß weiter. Als sie zu Djia Dschëns Gattin, Frau You, kam, wagte sie nicht, ihrem Zorn freien Lauf zu lassen. Sie sprach vielmehr höflich vom Wetter und einigen Nichtigkeiten, ehe sie fragte: „Warum bekomme ich denn Jungs Frau heute gar nicht zu Gesicht?“ „Ich weiß auch nicht, was in jüngster Zeit mit ihr ist“, antwortete Frau You. „Sie hat schon mehr als zwei Monate nicht ihre Regel bekommen, aber als wir einen Arzt holten, sagte er, daß sie nicht guter Hoffnung sei. In den letzten Tagen fühlt sie sich nachmittags so matt, daß sie sich nicht bewegen und auch nicht unterhalten mag. Außerdem flimmert es ihr vor den Augen. Ich habe ihr gesagt: ‚Du brauchst dich nicht so starr an die Vorschriften zu halten und mußt uns nicht morgens und abends deinen Gruß entbieten wie sonst! Ruh dich nur schön aus! Wenn Verwandte kommen, bin ich ja da, und wenn die Älteren sich wundern sollten, erkläre ich es ihnen.‘ Auch Jung habe ich eingeschärft, wie er sich zu verhalten hat. ‚Du darfst sie jetzt nicht überanstrengen und darfst sie auch nicht ärgern‘, habe ich ihm gesagt. ‚Gönn ihr nur Ruhe, und wenn sie auf etwas Appetit haben sollte, kommst du es bei mir holen, und was du bei mir nicht findest, kannst du unbesorgt bei der Frau von Vetter Liän holen lassen. Wenn ihr etwas zustoßen sollte, wirst du eine zweite Frau mit ihrem Aussehen und ihrem Wesen nirgendwo finden können, und wenn du sie mit der Laterne suchst!‘ Wer von den Verwandten und von den Älteren mag sie nicht ihres Charakters und ihres Verhaltens wegen! Das hat mir in den letzten Tagen viel Kummer gemacht, und ich war in schrecklicher Sorge. Dann mußte ausgerechnet heute früh ihr Bruder zu ihr kommen und sich wie ein Kindskopf ohne Sinn und Verstand benehmen, wo er doch hätte sehen müssen, daß ihr nicht wohl ist, und deshalb nichts hätte sagen dürfen, auch wenn etwas gewesen wäre, ganz zu schweigen von so einer Lappalie. Auch wenn ihm noch so großer Schimpf angetan worden wäre, hätte er doch vor ihr davon schweigen müssen. Da haben sie sich gestern in der Schule geprügelt, und irgendwer, der dort mitlernen darf, hat ihn beleidigt, dabei sind die schmutzigsten Wörter gefallen. Das hat er ihr alles erzählt. Ihr kennt sie ja, Schwägerin, wenn sie auch in Gegenwart von andern stets scherzt und lacht und tätig ist, ist sie doch bedachtsam und nimmt alles so schwer. Egal, was man ihr sagt, grübelt sie drei Tage und fünf Nächte darüber nach. Auch ihre Krankheit hat sie sich durch diesen Charakterzug angegrübelt. Als sie heute hörte, ihr Bruder sei von jemand beleidigt worden, war sie empört und hat sich erregt. Empört war sie über den schlechten Umgang, den er hat, über diese unverschämten Taugenichtse, die nur die Tatsachen auf den Kopf stellen und den Leuten Schlechtigkeiten nachsagen können, und erregt hat sie sich über ihren Bruder, der nicht ordentlich lernt und nicht fleißig ist, wodurch es dann zu einem Skandal in der Schule kommt. Nachdem er ihr von dieser Sache erzählt hatte, aß sie heute nicht einmal ihre Morgenmahlzeit. Als ich das erfuhr, war ich eben zu ihr gegangen, um sie ein bißchen zu beruhigen. Auch mit ihrem Bruder habe ich gesprochen. Ich habe ihm gesagt, er solle zu Bau-yü hinübergehen. Dann habe ich aufgepaßt, daß sie ein halbes Schälchen Schwalbennestersuppeaß, ehe ich wieder hergekommen bin. Sagt selbst, Schwägerin, ob ich Grund zum Kummer habe oder nicht! Noch dazu haben wir keinen guten Arzt. Wenn ich an diese Krankheit denke, ist mir, als ob Nadeln in mein Herz stächen. Wißt Ihr nicht einen guten Arzt?“ Als Frau Djin diesen langen Redeschwall hörte, verflog ihre ganze Wut, die sie eben noch an Frau Tjin hatte auslassen wollen, vor Schreck bis ins ferne Djawaland. Als dann Frau You fragte, ob sie nicht einen guten Arzt wüßte, antwortete sie rasch: „Soweit wir hörten, hat wirklich niemand einen guten Arzt erwähnt. Aber nach dem, was Ihr gerade erzählt habt, ist sie vielleicht doch in anderen Umständen. Ihr dürft auf keinen Fall zulassen, daß sie einer falschen Behandlung ausgesetzt wird, Schwägerin. Eine Fehldiagnose wäre hier wirklich fürchterlich!“ „Eben, eben!“ sagte Frau You, und im selben Augenblick kam Djia Dschën von draußen herein. Als er Frau Djin erblickte, fragte er seine Frau: „Ist das nicht die Frau von Vetter Huang?“ Frau Djin trat vor und entbot Djia Dschën ihren Gruß. „Lad die junge Frau Schwägerin zum Essen ein!“ forderte Djia Dschën seine Frau auf und ging in den Nachbarraum. Eigentlich war ja Frau Djin gekommen, um Frau Tjin zu Rede zu stellen, weil Tjin Dschung ihren Neffen beleidigt hatte, aber dann hörte sie, Frau Tjin sei krank, und so konnte sie sie nicht nur nicht zur Rede stellen, sie wagte nicht einmal, die Sache auch nur zu erwähnen. Als dann noch Djia Dschën und Frau You so freundlich zu ihr waren, verwandelte sich ihr Zorn

Ungezogene Knaben, die einen Verdacht hegen, stiften Unruhe im Schulzimmer. Aus: Jin­yu­yuan 1889a. in Freude, und erst nachdem sie das Gespräch noch eine Weile fortgesetzt hatte, fuhr sie wieder nach Hause. Nachdem Frau Djin gegangen war, kam Djia Dschën ins Zimmer zurück, setzte sich und fragte seine Frau: „Hat sie etwas gewollt, daß sie heute gekommen ist?“ „Gesagt hat sie nichts“, antwortete Frau You. „Als sie kam, machte sie wohl ein Gesicht, als ob sie verärgert sei, aber als ich dann so lange mit ihr sprach und dabei die Krankheit unserer Schwiegertochter erwähnte, hat sie sich allmählich beruhigt, und dann hast du noch gesagt, ich solle sie zum Essen einladen. Aber das war ihr wohl peinlich, nachdem sie gehört hatte, die Schwiegertochter sei krank, darum hat sie nur noch ein Weilchen hier gesessen und ein paar Belanglosigkeiten erzählt, dann ist sie fort. Um aber wieder auf die Krankheit der Schwiegertochter zu kommen, das Wichtigste ist jetzt, daß du einen guten Arzt für sie findest. Das darfst du nicht versäumen! Die jetzt ins Haus kommen, taugen doch allesamt nichts. Jeder von ihnen redet einem nur nach dem Munde. Sie plappern nach, was man sagt, und fügen ein paar hochtrabende Redensarten dazu. Sie machen sich viel Mühe, und drei oder vier Mann kommen vier, fünf Mal am Tage, um abwechselnd die Pulse zu fühlen, danach beraten sie alle miteinander und schreiben ein Rezept, nur helfen ihre Mittel nicht. So muß sich die Schwiegertochter vier, fünf Mal am Tag anziehen und aufsetzen, um die Ärzte zu empfangen, und das ist doch auch nicht gut für eine Kranke!“ „Das ist aber auch zu töricht von dem Kind!“ sagte Djia Dschën darauf. „Warum muß sie sich andauernd ausziehen und wieder anziehen? Es wäre ja nicht auszudenken, wenn sie sich auch noch erkälten würde und so eine weitere Krankheit bekäme! Was kosten schon Kleider, auch wenn es die allerbesten sind? Auf ihren Körper kommt es an! Selbst wenn wir sie jeden Tag neu einkleiden müßten, wäre das nicht zu teuer. Aber als ich eben hereinkam, hatte ich dir erzählen wollen, daß Fëng Dsï-ying mich gerade besucht hat. Als er bemerkte, daß ich etwas bedrückt aussah, fragte er, was mit mir sei, und da habe ich ihm erzählt, daß die Schwiegertochter sich plötzlich sehr unwohl fühlt und daß ich in den letzten Tagen wirklich sehr besorgt bin, weil ich keinen guten Arzt finde und nicht herausbekommen kann, ob sie in anderen Umständen oder krank ist und ob es Komplikationen geben kann oder nicht. Da hat mir Fëng Dsï-ying gesagt, er habe einen Lehrer aus seinen Kindertagen, der mit Familiennamen Dschang und mit Rufnamen You-schï heiße, ein tiefgreifendes, umfangreiches Wissen besitze und sich dabei auch in medizinischen Dingen gründlich auskenne, ja, der sogar zu erkennen vermöge, ob ein Kranker sterben müsse oder nicht. Der sei dieses Jahr in die Hauptstadt gekommen, um für seinen Sohn einen Beamtentitel zu erwerben, und wohne in Fëngs Haus. Wer weiß denn, ob die Schwiegertochter nicht gerade unter seinen Händen gesund werden soll! Ich habe sofort jemand mit einer Namenskarte losgeschickt, um ihn herzubitten. Wenn es heute schon zu spät sein sollte und er nicht mehr kommen könne, kommt er bestimmt morgen, denke ich. Außerdem ist Fëng Dsï-ying sofort nach Hause gegangen, um persönlich mit ihm zu sprechen. Sicher kann er ihn bewegen, herzukommen und sie zu untersuchen. Wenn er hier war, wollen wir weitersehen!“ Über diese Nachricht war Frau You sehr glücklich. Jetzt fragte sie: „Übermorgen ist der Geburtstag des alten gnädigen Herrn. Wie soll er eigentlich begangen werden?“ „Ich bin gerade bei ihm gewesen, um ihm meinen Gruß zu entbieten“, sagte Djia Dschën, „und habe ihn bei dieser Gelegenheit gebeten, nach Hause zu kommen, um die Glückwünsche der ganzen Familie entgegenzunehmen. Aber darauf hat er gesagt: ‚Ich bin daran gewöhnt, den Schmutz der Welt zu fliehen, und möchte müßigen Getümmels wegen nicht wieder an euren Stätten des Alltags sein. Ihr werdet sagen, es sei mein Geburtstag und ich solle kommen, um alle vor mir ihren Stirnaufschlag machen zu lassen, aber lieber wäre es mir, du ließest den ‚Text der verborgenen Vorherbestimmung‘, zu dem ich seinerzeit Kommentare verfaßte, von jemandem sauber abschreiben und Druckplatten danach schneiden. Das wäre hundertmal besser, als von mir zu verlangen, daß ich ohne jeden Grund aller Leute fußfällige Ehrerbietung über mich ergehen lasse! Wenn übermorgen und am Tag darauf die ganze Familie zu dir nach Hause kommt, dann bewirte sie schön, und damit mag die Sache ihr Bewenden haben. Ihr sollt mir auch nichts herbringen, und du sollst übermorgen auch nicht extra hierher kommen. Falls dir das im Herzen Unruhe bereitet, kannst du schon heute deinen Stirnaufschlag vor mir machen. Solltest du übermorgen doch kommen, noch dazu mit lauter Leuten, die mich nur belästigen, nehme ich dir das auf jeden Fall übel!‘ Nachdem er das ein ums andere Mal gesagt hat, traue ich mich übermorgen wirklich nicht hin. Aber laß Lai Schëng kommen und trage ihm auf, eine Festtafel für zwei Tage vorzubereiten!“ Also schickte Frau You jemanden nach Djia Jung und sagte zu ihm: „Laß Lai Schëng in der üblichen Weise eine Festtafel für zwei Tage herrichten, aber üppig soll sie sein! Dann gehst du selbst ins Westanwesen und lädst die alte gnädige Frau, die beiden gnädigen Frauen und die Frau von Vetter Liän zu uns ein. Außerdem hat dein Vater heute von einem tüchtigen Arzt erfahren und hat schon jemand zu ihm geschickt, um ihn herbitten zu lassen. Ich denke, morgen wird er bestimmt kommen, dann mußt du ihm alle Krankheitszeichen der letzten Tage genau schildern!“ Djia Jung versprach das eine wie das andere und ging hinaus. Dort stieß er auf den Sklavenjungen, der eben in Fëng Dsï-yings Haus gewesen war, um den Arzt Dschang herzubitten, der ihm nun berichtete: „Eben war ich mit der Namenskarte unseres gnädigen Herrn im Hause des gnädigen Herrn Fëng, um den Arzt herzubitten. Der Arzt hat gesagt: ‚Gerade hat mir der Herr hier davon erzählt, aber ich habe den ganzen Tag Besuche gemacht und bin gerade erst zur Tür herein. Darum bin ich heute beim besten Willen nicht mehr imstande, mich zu konzentrieren. Selbst wenn ich heute käme, könnte ich keine Diagnose mehr stellen. Wartet, bis ich mich über Nacht erholt habe, morgen werde ich kommen.‘ Und dann hat er noch gesagt: ‚Meine medizinischen Kenntnisse sind nur gering, und eigentlich wage ich nicht, diesem schwerwiegenden Ruf Folge zu leisten. Weil es aber Herr Fëng deinem Herrn schon versprochen hat, muß ich wohl kommen. Sag das deinem Herrn! Die Namenskarte deines Herrn wage ich wirklich nicht zu behalten.‘ Dann hat er mir befohlen, die Karte zurückzubringen. Meldet das bitte statt meiner!“ Djia Jung machte kehrt und ging noch einmal zu Djia Dschën und Frau You hinein, um ihnen alles zu berichten, dann erst kam er wieder heraus, ließ Lai Schëng rufen und trug ihm auf, ein Festmahl für zwei Tage vorzubereiten. Als Lai Schëng den Auftrag vernommen hatte, ging er fort, um alles wie üblich herzurichten. Aber davon soll nicht weiter die Rede sein. Am nächsten Tag um die Mittagsstunde wurde gemeldet: „Der Arzt Dschang ist gekommen!“ Djia Dschën führte den Gast in die Empfangshalle, wo sie sich niedersetzten. Erst als der Tee getrunken war, hob Djia Dschën an: „Gestern hat mich Herr Fëng über Eure Qualitäten und Kenntnisse belehrt und mich auch wissen lassen, wie gründlich Ihr Euch in den letzten Feinheiten der Medizin auskennt. Ich kann gar nicht freudig genug zu Euch aufblicken!“ „Ich bin nur ein plumper kleiner Gelehrter, und mein Wissen ist seicht und beschränkt“, erwiderte der Arzt. „Herr Fëng hat mich darüber aufgeklärt, daß in Eurem Hause auch unbedeutende Gelehrte ohne Überheblichkeit behandelt werden. Außerdem habt Ihr mich rufen lassen, und wie könnte ich es wagen, Eurem Befehl nicht nachzukommen? Nur habe ich gar keine wirklichen Kenntnisse, und das vermehrt meinen Angstschweiß um ein vielfaches!“ „Warum müßt Ihr so übermäßig bescheiden sein?“ fragte Djia Dschën. „Geht bitte hinein und untersucht meine Schwiegertochter! Ich verlasse mich darauf, in meiner Unkenntnis durch Eure Weisheit erleuchtet zu werden!“ Daraufhin führte Djia Jung den Arzt hinein. Als sie in die Wohngemächer kamen und der Arzt Frau Tjin erblickte, fragte er Djia Jung: „Ist das Eure verehrte Gemahlin?“ „Sie ist es“, erwiderte Djia Jung. „Nehmt bitte Platz und laßt mich die Krankheit beschreiben, ehe Ihr ihre Pulse fühlt!“ „Mir scheint, es wäre besser, erst darüber zu sprechen, nachdem ich ihr die Pulse gefühlt habe“, sagte der Arzt. „Ich bin zum ersten Mal in Eurer erhabenen Residenz und bin völlig unwissend. Nur weil Herr Fëng mich so dringend darum bat, konnte ich nicht umhin zu kommen. Wollen wir sehen, ob ich das Richtige treffe oder nicht, wenn ich ihr erst die Pulse gefühlt habe! Dann könnt Ihr mir den Zustand der Kranken in den letzten Tagen schildern, und anschließend wollen wir ein Rezept dafür überlegen. Ob es anwendbar ist oder nicht, könnt Ihr dann entscheiden.“ „Ihr seid wirklich ein Weiser, und ich kann es nur bedauern, daß ich erst heute Eure Bekanntschaft mache!“ sagte Djia Jung. „Also fühlt bitte die Pulse und sagt mir, ob die Krankheit zu heilen ist, damit meine Eltern wieder Ruhe finden!“ Sklavinnen brachten ein großes Unterlegkissen und streiften Frau Tjin die Ärmel zurück, um ihre Handgelenke zu entblößen, und erst jetzt streckte der Arzt seine Hand aus und legte sie auf die Pulsgegend des rechten Armes. Er wartete, bis sein Atem ruhig ging, und zählte die Pulsschläge danach. Erst als er sich längere Zeit vollkommen darauf konzentriert hatte, wechselte er zum linken Arm hinüber und verfuhr dort genauso. Als er fertig war, sagte er: „Setzen wir uns draußen hin!“ Also ging Djia Jung mit ihm ins Vorzimmer hinaus, wo sie sich aufs Bett setzten, und eine Alte brachte Tee. „Bitte!“ sagte Djia Jung und trank zur Gesellschaft mit. Dann fragte er: „Wie lautet Eure Diagnose, nachdem Ihr die Pulse gefühlt habt? Ist die Krankheit noch zu heilen?“ „Bei Eurer verehrten Gemahlin ist der linke untere Puls schwach und beschleunigt, der linke mittlere Puls kaum spürbar, der rechte untere Puls ist zart und kraftlos, der rechte mittlere Puls matt und ohne Energie“, erklärte der Arzt. „Daß der linke untere Puls schwach und beschleunigt ist, zeigt an, daß die Lebenskraft des Herzens geschwächt ist, wodurch Feuer erzeugt wird. Daß der linke mittlere Puls kaum spürbar ist, zeigt an, daß die Lebenskraft der Leber stockt, was Blutarmut hervorruft. Daß der rechte untere Puls zart und kraftlos ist, zeigt an, daß die Lebenskraft der Lungenbahn zu schwach ist. Und daß der rechte mittlere Puls matt und ohne Energie ist, zeigt an, daß das Holzelement der Leber das Übergewicht über das Erdelement der Milz hat. Schwache Lebenskraft des Herzens und dadurch erzeugtes Feuer müssen sich in Regelstörungen und Schlaflosigkeit äußern. Bei einer Stockung der Lebenskraft der Leber und Blutarmut muß eine schmerzhafte Schwellung unter den Rippen vorliegen, die Regel muß fehlen, und im Herzen muß Hitze auftreten. Bei schwacher Lebenskraft der Lungenbahn ist der Kopf ständig benommen, und vor den Augen flimmert es, in den frühen Morgenstunden gibt es mit Sicherheit Schweißausbrüche und ein Gefühl, als ob man in einem Boot säße. Bei Übergewicht des Holzelements der Leber über das Erdelement der Milz müssen Appetitlosigkeit, Mattigkeit des Geistes und schmerzhafte Schwäche der vier Gliedmaßen die Folge sein. Das sind die Krankheitszeichen, die meiner Meinung nach bei diesen Pulsen vorliegen müssen. Daß solche Pulse eine Schwangerschaft anzeigen sollen, ist eine Ansicht, der ich nicht zu folgen wage.“ „Alles ist genau, wie Ihr es gesagt habt“, bestätigte eine alte Sklavin, die zur unmittelbaren Bedienung gehörte. „Der Herr sagt es so unfehlbar, als ob er ein Gott wäre. Was bedarf es da unserer Schilderung! Wir hatten schon so viele Hofärzte im Hause, die sie untersuchten, aber keiner hat es so genau zu treffen vermocht. Der eine sagt, sie sei in anderen Umständen, der andere sagt, sie sei krank, der dritte sagt, es habe nichts damit auf sich, und der nächste sagt, sie müsse zur Wintersonnenwende auf der Hut sein. Keiner wußte etwas Genaues. Gebt uns bitte klare Unterweisungen, Herr!“ Lächelnd sagte der Arzt: „Die Krankheitssymptome der jungen gnädigen Frau sind zu lange von niemand beachtet worden. Hätte sie die richtigen Medikamente bekommen, seitdem sie zum erstenmal ihre Regel hatte, dann wäre es zu dem jetzigen Leiden erst gar nicht gekommen, und sie wäre heute schon vollkommem gesund. Nachdem die Krankheit aber so lange verschleppt worden ist, mußte es notwendig zu dem jetzigen Übel kommen. Ich bin der Meinung, daß noch drei Zehntel Aussicht auf Heilung bestehen. Wir müssen abwarten, ob sie nachts schlafen kann, nachdem sie meine Arznei eingenommen hat. Dann kämen noch zwei Zehntel Hoffnung hinzu. Nach den Pulsen, wie ich sie gefühlt habe, ist die junge gnädige Frau ein Mensch von edelstem Charakter und unübertrefflicher Klugheit. Aber wer zu klug ist, trifft ständig auf Dinge, die nicht nach seinem Sinn sind. Trifft nun einer ständig auf Dinge, die nicht nach seinem Sinn sind, dann grübelt er zuviel. Die Krankheit ist dadurch hervorgerufen worden, daß sorgenvolle Gedanken die Milz geschädigt haben und das Holzelement der Leber zu üppig geworden ist. Deshalb kann die Regel nicht zur rechten Zeit kommen. Bei der jungen gnädigen Frau ist doch die Regel sicher nie zu früh, sondern immer zu spät gekommen, oder?“ „Aber ja!“ antwortete die Alte. „Zu früh ist sie nie gekommen, manchmal zwei, drei Tage zu spät, manchmal sogar ganze zehn.“ „Aha!“ sagte der Arzt. „Die Krankheitsursache ist klar. Hätte man ihr rechtzeitig ein Mittel gegeben, um das Herz zu stärken und die Regel zu ordnen, hätte es dazu nicht kommen müssen! Jetzt sprechen alle Zeichen dafür, daß das Wasserelement zu schwach und das Holzelement zu stark ist. Wollen wir abwarten, was die Arznei bewirkt!“ Dann schrieb er ein Rezept und reichte es Djia Jung. Darauf stand:

„Absud zur Förderung der Lebenskräfte, Stärkung des Bluts, Kräftigung der Milz und

Harmonisierung der Leber

Ginsengwurzel 2 Tjiän,

Spindelkrautwurzel, in fein zermahlenem alten Ofenlehm geröstet

2

Tjiän,

Kokos-Porling aus Yün-nan 3 Tjiän,

aufbereitete Rehmannienwurzel 4 Tjiän,

Engelwurz, mit Reiswein besprengt 2 Tjiän,

Wurzel der weißen Pfingstrose, gekocht 2 Tjiän,

Madaunwurzel 1½ Tjiän,

Tragantwurzel 3 Tjiän,

gemahlene Zypergraswurzel 3 Tjiän,

mit Essig getränkte Hasenohrwurzel 8 Fën,

Yamswurzel aus Huai-ning, geröstet 2 Tjiän,

echter Eselsleim, mit Pulver aus Venusmuschelschalen geröstet

2

Tjiän,

Lerchenspornwurzel, in Reiswein gekocht 1½ Tjiän,

mit Honig kandiertes Süßholz 8 Fën.

Als Zusätze: sieben Lotosblumenkerne ohne Keim aus Fu-djiän und zwei rote Jujuben.“

Nachdem Djia Jung das Rezept gelesen hatte, sagte er: „Das ist wahrhaft weise! Aber ich möchte Euch noch um Belehrung darüber bitten, ob die Krankheit lebensgefährlich ist oder nicht.“ Lächelnd erwiderte der Arzt: „Ein Mann von Eurer Klugheit müßte wissen, daß eine Krankheit in diesem Stadium nicht nur einen Tag lang Beschwerden verursacht. Nach Einnahme des Medikaments müssen wir erst einmal sehen, welche Heilungsaussichten vom Schicksal bestimmt sind! Meiner Meinung nach ist für diesen Winter nichts zu befürchten, und wenn sie die Frühlings-Tagundnachtgleiche übersteht, dürfen wir auf eine vollständige Heilung hoffen.“ Djia Jung war verständig genug, nicht mit weiteren Fragen in den Arzt zu dringen. Als er ihn hinausgeleitet hatte, brachte er Djia Dschën das Rezept und die Diagnose. Ihm und Frau You berichtete er auch alles, was der Arzt ihm sonst noch gesagt hatte. „Keiner der Ärzte hatte sich so treffend geäußert“, sagte Frau You zu Djia Dschën. „Ich denke, auch auf sein Rezept ist bestimmt Verlaß.“ „Dabei praktiziert er nicht zum Gelderwerb“, sagte Djia Dschën. „Nur weil ich mit Fëng Dsï-ying befreundet bin, hat der ihn mit größter Mühe bewegen können, zu uns zu kommen. Vielleicht ist die Krankheit der Schwiegertochter mit seiner Hilfe wirklich zu heilen. In dem Rezept ist auch Ginsengwurzel enthalten, dafür kann nur das eine Djin Ginseng genommen werden, das wir neulich gekauft haben.“ Als Djia Jung alles angehört hatte, ging er hinaus und befahl jemandem, die Zutaten für die Arznei zu besorgen, sie zu kochen und den fertigen Trank Frau Tjin einzugeben. Wie sich Frau Tjins Zustand veränderte, nachdem sie das Mittel genommen hatte, wird im nächsten Kapitel erzählt.