Hongloumeng/zh-de/Chapter 15

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第十五回

王凤姐弄权铁槛寺

秦鲸卿得趣馒头庵

Im Kloster Eiserne Schwelle mißbraucht Hsi-fëng ihre Macht, im Dampfbrötchenkloster findet Tjin Dschung seine Lust.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說寶玉舉目見北靜王水溶頭上戴著潔白簪纓銀翅王帽,穿著江牙海水五爪坐龍白蟒袍,繫著碧玉紅鞓帶,面如美玉,目似明星,真好秀麗人物。寶玉忙搶上來參見,水溶連忙從轎內伸出手來輓住。見寶玉戴著束髮銀冠,勒著雙龍出海抹額,穿著白蟒箭袖,圍著攢珠銀帶,面若春花,目如點漆。水溶笑道:「名不虛傳,果然如『寶』似『玉』。」因問:「銜的那寶貝在那裡?」寶玉見問,連忙從衣內取了遞與過去。水溶細細的看了,又念了那上頭的字,因問:「果靈驗否?」賈政忙道:「雖如此說,只是未曾試過。」水溶一面極口稱奇道異,一面理好彩絛,親自與寶玉帶上,又攜手問寶玉幾歲,讀何書。寶玉一一答應。   水溶見他言语清楚,談吐有致,一面又向賈政笑道:「令郎真乃龍駒鳳雛,非小王在世翁前唐突,將來『雛鳳清於老鳳聲』,未可諒也。」賈政忙陪笑道:「犬子豈敢謬承金獎。賴藩郡餘禎 ,果如是言,亦蔭生輩之幸矣。」水溶又道:「只是一件,令郎如是資質,想老太夫人、夫人輩自然鐘愛極矣;但吾輩後生,甚不宜鐘溺,鐘溺則未免荒失學業。昔小王曾蹈此轍,想令郎亦未必不如是也。若令郎在家難以用功,不妨常到寒第。小王雖不才,卻多蒙海上眾名士凡至都者,未有不另垂青,是以寒第高人頗聚。令郎常去談會談會,則學問可以日進矣。」賈政忙躬身答應。   水溶又將腕上一串念珠卸了下來,遞與寶玉道:「今日初會,傖促竟無敬賀之物,此系前日聖上親賜鶺鴒香念珠一串,權為賀敬之禮。」寶玉連忙接了,回身奉與賈政。賈政與寶玉一齊謝過。於是賈赦、賈珍等一齊上來請回輿,水溶道:「逝者已登仙界,非碌碌你我塵寰中之人也。小王雖上叩天恩,虛邀郡襲,豈可越仙輀而進也?」賈赦等見執意不從,只得告辭謝恩回來,命手下掩樂停音,滔滔然將殯過完,方讓水溶回輿去了。不在話下。   且說寧府送殯,一路熱鬧非常。剛至城門前,又有賈赦、賈政、賈珍等諸同僚屬下各家祭棚接祭,一一的謝過,然後出城,竟奔鐵檻寺大路行來。彼時賈珍帶賈蓉來到諸長輩前讓坐轎上馬,因而賈赦一輩的各自上了車轎,賈珍一輩的也將要上馬。鳳姐兒因記掛著寶玉,怕他在郊外縱性逞強,不服家人的話,賈政管不著這些小事,惟恐有個失閃,難見賈母,因此便命小廝來喚他。寶玉只得來到他車前。鳳姐笑道:「好兄弟,你是個尊貴人,女孩兒一樣的人品,別學他們猴在馬上。下來,咱們姐兒兩個坐車,豈不好?」寶玉聽說,忙下了馬,爬入鳳姐車上,二人說笑前進。   不一時,只見從那邊兩騎馬壓地飛來,離鳳姐車不遠,一齊躥下來,扶車回說:「這裡有下處,奶奶請歇更衣。」鳳姐急命請邢夫人王夫人的示下,那人回來說:「太太們說不用歇了,叫奶奶自便罷。」鳳姐聽了,便命歇了再走。眾小廝聽了,一帶轅馬,岔出人群,往北飛走。寶玉在車內急命請秦相公。那時秦鐘正騎馬隨著他父親的轎,忽見寶玉的小廝跑來請他去打尖。秦鐘看時,只見鳳姐兒的車往北而去,後面拉著寶玉的馬,搭著鞍籠,便知寶玉同鳳姐坐車,自己也便帶馬趕上來,同入一莊門內。早有家人將眾莊漢攆盡。那莊農人家無多房舍,婆娘們無處迴避,只得由他們去了。那些村姑莊婦見了鳳姐、寶玉、秦鐘的人品衣服,禮數款段,豈有不愛看的?   一時鳳姐進入茅堂,因命寶玉等先出去頑頑。寶玉等會意,因同秦鐘出來,帶著小廝們各處游頑。凡莊農動用之物,皆不曾見過。寶玉一見了鍬、钁、鋤、犁等物,皆以為奇,不知何項所使,其名為何。小廝在旁一一的告訴了名色,說明原委。寶玉聽了,因點頭嘆道:「怪道古人詩上說:『誰知盤中餐,粒粒皆辛苦。』正為此也。」一面說,一面又至一間房屋前,只見炕上有個紡車,寶玉又問小廝們:「這又是什麼?」小廝們又告訴他原委。寶玉聽說,便上來擰轉作耍,自為有趣。只見一個約有十七八歲的村莊丫頭跑了來亂嚷:「別動壞了!」眾小廝忙斷喝攔阻,寶玉忙丟開手,陪笑說道:「我因為沒見過這個,所以試他一試。」那丫頭道:「你們那裡會弄這個,站開了,我紡與你瞧。」秦鐘暗拉寶玉笑道:「此卿大有意趣。」寶玉一把推開,笑道:「該死的!再胡說,我就打了!」說著,只見那丫頭紡起線來。寶玉正要說話時,只聽那邊老婆子叫道:「二丫頭,快過來!」那丫頭聽見,丟下紡車,一徑去了。   寶玉悵然無趣。只見鳳姐兒打發人來叫他兩個進去。鳳姐洗了手,換衣服抖灰,問他們換不換。寶玉不換,只得罷了。家下僕婦們將帶著行路的茶壺茶杯、十錦屜盒、各樣小食端來,鳳姐等吃過茶,待他們收拾完備,便起身上車。外面旺兒預備下賞封,賞了那本村主人,莊婦等來叩賞。鳳姐並不在意,寶玉卻留心看時,內中並沒有二丫頭。一時上了車,出來走不多遠,只見迎頭二丫頭懷裡抱著他小兄弟,同著幾個小女孩子說笑而來。寶玉恨不得下車跟了他去,料是眾人不依的,少不得以目相送,爭奈車輕馬快,一時展眼無蹤。   走不多時,仍又跟上大殯了。早有前面法鼓金鐃,幢幡寶蓋:鐵檻寺接靈眾僧齊至。少時到入寺中,另演佛事,重設香壇。安靈於內殿偏室之中,寶珠安於里寢室相伴。外面賈珍款待一應親友,也有擾飯的,也有不吃飯而辭的,一應謝過乏從公侯伯子男一起一起的散去,至未末時分方纔散盡了。裡面的堂客皆是鳳姐張羅接待,先從顯官誥命散起,也到晌午大錯時方散盡了。只有幾個親戚是至近的,等做過三日安靈道場方去。那時邢、王二夫人知鳳姐必不能來家,也便就要進城。王夫人要帶寶玉去,寶玉乍到郊外,那裡肯回去,只要跟鳳姐住著。王夫人無法,只得交與鳳姐便回來了。   原來這鐵檻寺原是寧榮二公當日修造,現今還是有香火地畝佈施,以備京中老了人口,在此便宜寄放。其中陰陽兩宅俱已預備妥貼,好為送靈人口寄居。不想如今後輩人口繁盛,其中貧富不一,或性情參商,有那家業艱難安分的,便住在這裡了;有那尚排場有錢勢的,只說這裡不方便,一定另外或村莊或尼庵尋個下處,為事畢宴退之所。即今秦氏之喪,族中諸人皆權在鐵檻寺下榻,獨有鳳姐嫌不方便,因而早遣人來和饅頭庵的姑子凈虛說了,騰出兩間房子來作下處。   原來這饅頭庵就是水月庵,因他廟裡做的饅頭好,就起了這個渾號,離鐵檻寺不遠。當下和尚工課已完,奠過晚茶,賈珍便命賈蓉請鳳姐歇息。鳳姐見還有幾個妯娌們陪著女親,自己便辭了眾人,帶著寶玉、秦鐘往水月庵來。原來秦業年邁多病,不能在此,只命秦鐘等待安靈罷了。那秦鐘便只跟著鳳姐、寶玉,一時到了水月庵,凈虛帶領智善、智能兩個徒弟出來迎接,大家見過。鳳姐等來至凈室更衣凈手畢,因見智能兒越發長高了,模樣兒越發出息了,因說道:「你們師徒怎麼這些日子也不往我們那裡去?」凈虛道:「可是這幾天都沒工夫,因胡老爺府里產了公子,太太送了十兩銀子來這裡,叫請幾位師父念三日《血盆經》,忙的沒個空兒,就沒來請奶奶的安。」   不言老尼陪著鳳姐。且說秦鐘、寶玉二人正在殿上頑耍,因見智能過來,寶玉笑道:「能兒來了。」秦鐘道:「理那東西作什麼?」寶玉笑道:「你別弄鬼,那一日在老太太屋裡,一個人沒有,你摟著他作什麼呢?這會子還哄我。」秦鐘笑道:「這可是沒有的話。」寶玉笑道:「有沒有也不管你,你只叫他倒碗茶來我吃,就丟開手。」秦鐘笑道:「這又奇了,你叫他倒去,還怕他不倒?何必要我說呢。」寶玉道: 「我叫他倒的是無情意的,不及你叫他倒的是有情意的。」秦鐘只得說道:「能兒,倒碗茶來給我。」那智能兒自幼在榮府走動,無人不識,因常與寶玉秦鐘頑笑。他如今大了,漸知風月,便看上了秦鐘人物風流,那秦鐘也極愛他妍媚,二人雖未上手,卻已情投意合了。今智能見了秦鐘,心眼俱開,走去倒了茶來。秦鐘笑說:「給我。」寶玉叫:「給我!」智能兒抿著嘴笑道:「一碗茶也爭,我難道手裡有蜜!」寶玉先搶得了,吃著,方要問話,只見智善來叫智能去擺茶碟子,一時來請他兩個去吃茶果點心。他兩個那裡吃這些東西?坐一坐仍出來頑耍。   鳳姐也略坐片時,便回至凈室歇息,老尼相送。此時眾婆娘媳婦見無事,都陸續散了,自去歇息,跟前不過幾個心腹常服侍小婢,老尼便趁機說道:「我下有一事,要到府里求太太,先請奶奶一個示下。」鳳姐因問何事。老尼道:「阿彌陀佛!只因當日我先在長安縣內善才庵內出家的時節,那時有個施主姓張,是大財主。他有個女兒小名金哥,那年都往我廟裡來進香,不想遇見了長安府府太爺的小舅子李衙內。那李衙內一心看上,要娶金哥,打發人來求親,不想金哥已受了原任守備的公子的聘定。張家若退親,又怕守備不依,因此說已有了人家。誰知李公子執意不依,定要娶他女兒。張家正無計策,兩處為難。不想守備家聽了此信,也不管青紅皂白,便來作踐辱罵,說一個女孩兒許幾家,偏不許退定禮,就打官司告狀起來。那張家急了,只得著人上京來尋門路,賭氣偏要退定禮。我想如今長安節度雲老爺與府上最契,可以求太太與老爺說聲,打發一封書去,求雲老爺和那守備說聲,不怕那守備不依。若是肯行,張家連傾家孝順,也都情願。」   鳳姐聽了笑道:「這事倒不大,只是太太再不管這樣的事。」老尼道:「太太不管,奶奶也可以主張了。」鳳姐聽說笑道:「我也不等銀子使,也不做這樣的事。」凈虛聽了,打去妄想,半晌嘆道:「雖如此說,張家已知我來求府里,如今不管這事,張家不知道沒工夫管這事,不希罕他的謝禮,倒像府里連這點子手段也沒有的一般。」   鳳姐聽了這話,便發了興頭,說道:「你是素日知道我的,從來不信什麼是陰司地獄報應的,憑是什麼事,我說要行就行。你叫他拿三千銀子來,我就替他出這口氣。」老尼聽說,喜不自禁,忙說:「有!有!這個不難。」鳳姐又道:「我比不得他們扯篷拉縴的圖銀子。這三千銀子,不過是給打發說去的小廝作盤纏,使他賺幾個辛苦錢,我一個錢也不要他的。便是三萬兩,我此刻也拿的出來。」老尼連忙答應,又說道:「既如此,奶奶明日就開恩也罷了。」鳳姐道:「你瞧瞧我忙的,那一處少了我?既應了你,自然快快的了結。」老尼道:「這點子事,別人的跟前就忙的不知怎麼樣,若是奶奶的跟前,再添上些也不夠奶奶一發揮的。只是俗語說的『能者多勞』,太太因大小事見奶奶妥貼,越發都推給奶奶了,奶奶也要保重金體才是。」一路話奉承的鳳姐越發受用,也不顧勞乏,更攀談起來。   誰想秦鐘趁黑無人,來尋智能。剛至後面房中,只見智能獨在房中洗茶碗,秦鐘跑來便摟著親嘴。智能兒急的跺腳說:「這算什麼!再這麼我就叫喚。」秦鐘求道:「好人,我已急死了。你今兒再不依,我就死在這裡。」智能道:「你想怎樣?除非我出了這牢坑,離了這些人,才依你。」秦鐘道:「這也容易,只是遠水救不得近渴。」說著,一口吹了燈,滿屋漆黑,將智能抱到炕上,就雲雨起來。那智能百般的掙挫不起,又不好叫的,少不得依他了。正在得趣,只見一人進來,將他二人按住,也不則聲。二人不知是誰,唬的不敢動一動。只聽那人嗤的一聲,掌不住笑了,二人聽聲方知是寶玉。秦鐘連忙起來,抱怨道:「這算什麼?」寶玉笑道:「你倒不依,咱們就喊起來。」羞的智能趁黑地跑了。寶玉拉了秦鐘出來道:「你可還和我強?」秦鐘笑道:「好人,你只別嚷的眾人知道,你要怎樣我都依你。」寶玉笑道:「這會子也不用說,等一會睡下,再細細的算帳。」一時寬衣要安歇的時節,鳳姐在裡間,秦鐘寶玉在外間,滿地下皆是家下婆子,打鋪坐更。鳳姐因怕通靈玉失落,便等寶玉睡下,命人拿來塞在自己枕邊。寶玉不知與秦鐘算何帳目,未見真切,未曾記得,此系疑案,不敢纂創。   一宿無話,至次日一早,便有賈母王夫人打發了人來看寶玉,又命多穿兩件衣服,無事寧可回去。寶玉那裡肯回去,又有秦鐘戀著智能,調唆寶玉求鳳姐再住一天。鳳姐想了一想:凡喪儀大事雖妥,還有一半點小事未曾安插,可以指此再住一日,豈不又在賈珍跟前送了滿情;二則又可以完凈虛那事;三則順了寶玉的心,賈母聽見,豈不歡喜?因有此三益,便向寶玉道:「我的事都完了,你要在這裡逛,少不得索性辛苦一日罷了,明兒可是定要走的了。」寶玉聽說,千姐姐萬姐姐的央求:「只住一日,明兒回去的。」於是又住了一夜。   鳳姐便命悄悄將昨日老尼之事,說與來旺兒。來旺兒心中俱已明白,急忙進城找著主文的相公,假托賈璉所囑,修書一封,連夜往長安縣來,不過百里路程,兩日工夫俱已妥協。那節度使名喚雲光,久受賈府之情,這點小事,豈有不允之理,給了回書,旺兒回來。且不在話下。   卻說鳳姐等又過了一日,次日方別了老尼,著他三日後往府里去討信。那秦鐘與智能百般不忍分離,背地裡多少幽期密約,俱不用細述,只得含恨而別。鳳姐又到鐵檻寺中照望一番。寶珠執意不肯回家,賈珍只得派婦女相伴。後回再見。

Als Bau-yü aufblickte, sah er, daß Schuee Jung, Prinz Bee-djing, eine Prinzenkappe mit einem reinweißen Pompon und silbernen Flügeln aufhatte. Gekleidet war er in eine weiße, mit fünfklauigen Drachen über Bergen und Meereswellen bestickte Robe, und um den Leib trug er einen roten Lederriemen, der mit Jaspisen verziert war. Sein Gesicht glich einem edlen Jadestein, seine Augen ähnelten leuchtenden Sternen. Er war wirklich eine vollendete Schönheit. Rasch stürzte Bau-yü vor, um den Prinzen respektvoll zu begrüßen, und schon streckte Schuee Jung seinen Arm aus der Sänfte, um ihm aufzuhelfen. Dabei sah er, daß Bau-yü einen silbernen Kopfschmuck und eine Stirnbinde trug, die mit zwei Drachen verziert war, welche aus den Mereswogen auftauchten. Gekleidet war er in eine weiße Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit vierklauigen Drachen bestickt war, und um den Leib hatte er einen silbernen Gürtel, der mit Perlen geschmückt war. Sein Gesicht glich einer Frühlingsblume, seine Augen ähnelten Tupfern aus Lack. Lächelnd sagte Schuee Jung: „Er trägt seinen Namen zu Recht, er gleicht wahrhaftig einem wertvollen Jade!“ Dann fragte er „Und wo ist der Stein, den er im Mund gehabt hat?“ Als Bau-yü die Frage vernahm, holte er seinen Jadestein sogleich unter der Kleidung hervor und reichte ihn dem Prinzen hin. Schuee Jung sah den Stein aufmerksam an, las die Schriftzeichen darauf und fragte: „Ist er tatsächlich beseelt?“ Rasch erwiderte Djia Dschëng: „Es heißt zwar so, aber erprobt ist es nicht.“ Während sich Schuee Jung in Ausdrücken der Verwunderung erging, ordnete er die bunte Schnur an dem Stein und hängte ihn Bau-yü eigenhändig wieder um. Dann faßte er seine Hand und fragte ihn, wie alt er sei und welche Bücher er lese. Bau-yü gab Antwort auf die eine wie die andere Frage, und als Schuee Jung hörte, daß Bau-yüs Rede klar und exakt war, wandte er sich wieder zu Djia Dschëng und sagte lächelnd: „Euer Sohn ist wahrhaftig ein Drachenjunges oder ein Phönixküken. Ich kleiner Prinz will ja einem alten Freund unseres Hauses gegenüber nicht vorlaut sein, aber wer weiß, ob man nicht eines Tages sagen kann: ‚Des jungen Phönix Stimme klingt reiner als des alten Lied.‘“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Djia Dschëng: „Wie wäre mein Köter von Sohn es wert, so goldene Worte zu empfangen! Wenn es im Schatten des Glücks von Euer Hoheit wirklich so käme, wäre es ein Segen für uns.“ „Eines nur ist bedenklich“, nahm der Prinz wieder das Wort. „Bei seinen Gaben erfreut er sich bestimmt der zärtlichsten Liebe von seiten Eurer verehrten Frau Mutter und Eurer werten Gattin. Aber für junge Leute ist es gar nicht gut, so verzärtelt zu werden. Wer nämlich verzärtelt wird, vernachlässigt mit Sicherheit seine Studien. Das habe ich seinerzeit am eigenen Leibe erfahren, und ich denke, mit Eurem Sohn ist es bestimmt nicht anders. Wenn es mit dem Lernen zu Hause nichts werden will, sollte er sich nicht genieren, öfter einmal in mein bescheidenes Haus zu kommen. Zwar bin ich selbst nicht begabt, aber ich werde oft von den bekanntesten Gelehrten des Landes beehrt. Immer, wenn sie in die Hauptstadt kommen, darf auch ich mich ihres Wohlwollens erfreuen. Dadurch kommen viele tüchtige Männer in mein Haus. Wenn Euer Sohn recht oft kommt, um ihr Gespräch zu suchen, werden seine Kenntnisse mit jedem Tag wachsen.“ Djia Dschëng bedankte sich rasch mit einer Verbeugung. Jetzt streifte Schuee Jung eine Gebetsschnur von seinem Handgelenk und reichte sie Bau-yü mit den Worten: „Wir sehen uns heute zum ersten Mal, und in der Eile habe ich kein Geschenk vorbereitet. Diese Gebetsschnur, deren Perlen aus Bachstelzen-Duftholzverfertigt sind, hat mir neulich seine Majestät persönlich verehrt, mag sie einstweilen meine Wertschätzung bekunden!“ Bau-yü nahm die Gabe rasch entgegen, wandte sich um und reichte sie Djia Dschëng. Nachdem sich Djia Dschëng zusammen mit Bau-yü bedankt hatte, traten Djia Schë und Djia Dschën heran und schlugen dem Prinzen vor, sich jetzt nach Hause tragen zu lassen. Aber Schuee Jung sagte: „Die Verstorbene ist bereits in die Gefilde der Unsterblichen aufgestiegen und befindet sich nicht mehr in der Welt des Staubes wie Ihr und wir. Mir ist zwar die Gnade des Himmlischen zuteil geworden, der mir unverdient die Prinzenwürde verliehen hat, aber wie könnte ich es wagen, dem Gefährt einer Unsterblichen in den Weg zu treten!“ Als Djia Schë und die anderen sahen, daß er hartnäckig auf seiner Meinung bestand, blieb ihnen nichts weiter zu tun, als sich zu verabschieden und dem Prinzen für seine Huld zu danken. Sie gingen zurück und befahlen ihrem Gefolge, den Musikanten Ruhe zu gebieten. Erst als der Sarg schwerfällig vorbeigezogen war, forderten sie den Prinzen noch einmal auf, sich zurücktragen zu lassen. Aber davon soll nicht weiter die Rede sein, wir wollen lieber darüber berichten, wie der Trauerzug unter Lärm und Getöse seines Weges zog. Als er das Stadttor erreichte, standen dort die Opferstände der einzelnen Familien von Djia Schës, Djia Dschëngs und Djia Dschëns Amtsgefährten und Untergebenen. Nachdem alle Opfer vollzogen und die Dankesriten dafür ausgeführt waren, passierte der Trauerzug das Stadttor und bewegte sich dann die Straße entlang, die zum Kloster Eiserne Schwelle führte. Jetzt begab sich Djia Dschën mit Djia Jung zusammen zu den Älteren der Familie und bat sie, in den Sänften Platz zu nehmen oder aufs Pferd zu steigen. So setzten sich die Männer von Djia Schës Generation in Wagen und Sänften, Djia Dschëns Altersgefährten aber bestiegen ihre Pferde. Hsi-fëng machte sich Gedanken um Bau-yü und hegte die Befürchtung, er könnte hier außerhalb der Stadt mutwillig seine Kräfte unter Beweis stellen wollen und würde auf die Ermahnungen des Gesindes nicht hören, während sich Djia Dschëng um solche Kleinigkeiten nicht kümmern konnte. Wenn aber Bau-yü etwas zustoßen sollte, würde sie der Herzoginmutter schlecht unter die Augen treten können. Also befahl sie einem Sklavenjungen, ihn zu rufen. Bau-yü blieb nichts weiter übrig, als zu Hsi-fëngs Wagen zu reiten, wo sie ihn lächelnd mit den Worten empfing: „Liebster Vetter, du bist edel und zart wie ein Mädchen, warum mußt du es den andern nachmachen und wie ein Affe auf dem Pferd hocken? Willst du nicht lieber absteigen und mit mir zusammen im Wagen fahren?“ Rasch stieg Bau-yü vom Pferd und schlüpfte zu Hsi-fëng in den Wagen. Lachend und schwatzend fuhren sie weiter, bis bald darauf zwei Reiter in vollem Galopp herangeritten kamen, um unweit von Hsi-fëngs Wagen abzusitzen und dann, mit der Hand an der Deichsel, zu berichten: „Hier ist eine Absteigemöglichkeit. Dort könnt Ihr Rast machen und die Kleider wechseln, junge gnädige Frau.“ Sofort befahl Hsi-fëng, bei Dame Hsing und Dame Wang Weisungen einzuholen. Als ihr Bote zurückkam, meldete er: „Die gnädigen Frauen lassen Euch sagen, sie brauchten nicht zu rasten, Ihr aber solltet ganz nach eigenem Ermessen verfahren.“ Als Hsi-fëng das vernahm, befahl sie, eine Pause einzulegen. Also lenkten die Sklavenjungen den Wagen aus der Menge heraus und dann schnell in nördlicher Richtung davon. Bau-yü befahl noch rasch aus dem Wagen heraus, man solle den jungen Herrn Tjin zu ihm bitten. Tjin Dschung ritt hinter der Sänfte seines Vaters einher, da kam plötzlich Bau-yüs Sklavenjunge gelaufen und lud ihn zu einer Rast ein. Als Tjin Dschung sich umblickte und sah, daß Hsi-fëngs Wagen nach Norden abgebogen war und Bau-yüs Pferd, das hinten am Wagen angebunden war, nur Sattel und Zaumzeug trug, wußte er, daß Bau-yü bei Hsi-fëng im Wagen sitzen mußte. Also ritt er ihnen hinterher und holte sie ein, als der Wagen eben in einen Bauernhof einfuhr. Die Männer der Bauernfamilie hatte das Gefolge längst fortgejagt, aber da es hier nicht so viele Räume gab, daß sich die Frauen hätten verbergen können, mußten sie bei den Besuchern bleiben. Für die Bauernfrauen und Dorfmädchen waren Hsi-fëng, Bau-yü und Tjin Dschung durch ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihr gelassenes Betragen natürlich ein fesselnder Anblick. Nachdem sie dann in das strohgedeckte Haus getreten waren, befahl Hsi-fëng, Bau-yü solle mit den anderen erst einmal ein wenig an die frische Luft gehen. Bau-yü verstand, was sie wollte, und ging mit Tjin Dschung hinaus, wo sie sich in Begleitung der Sklavenjungen überall umsahen. All die Geräte, wie Bauern sie brauchen, hatte Bau-yü nie gesehen. Als er jetzt Spaten, Haue, Hacke und Pflug erblickte, waren das fremdartige Dinge für ihn, von denen er weder wußte, wozu sie dienten, noch wie sie genannt wurden. Die Sklavenjungen an seiner Seite erklärten ihm von jedem Stück, wie es hieß und was es damit auf sich hatte. Da nickte Bau-yü und sagte mit einem Seufzer: „Kein Wunder, daß es bei einem alten Dichter heißt: ‚Wer ahnt schon, wieviel Mühe es kostet, ein jedes Korn Reis in der Schüssel!‘Das hat er damit gemeint!“ Bei diesen Worten gelangte er zu einem anderen Gebäude, wo er auf dem Ofenbett ein Spinnrad erblickte. „Was ist das nun wieder?“ fragte er die Sklavenjungen. Sie erklärten es ihm, und Bau-yü trat ein und drehte zum Spaß an dem Spinnrad, was ihm sehr lustig erschien. Da kam plötzlich ein Bauenmädchen von siebzehn, achtzehn Jahren gelaufen und rief aufgeregt: „Mach mir das nicht entzwei, ...“ Sofort schrien die Sklavenjungen sie an und hinderten sie am Weiterreden. Bau-yü aber zog rasch die Hand zurück und sagte lächelnd: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen, da wollte ich es einmal ausprobieren.“ „Was versteht schon Euresgleichen davon!“ sagte das Mädchen. „Geh beiseite, dann zeige ich dir, wie man spinnt!“ Verstohlen zupfte Tjin Dschung an Bau-yüs Gewand und sagte lächelnd: „Die Maid hier deucht mir lustverheißend!“ „Verfluchter Kerl!“ sagte Bau-yü lächelnd und schob ihn weg. „Wenn du weiter Unsinn redest, bekommst du Schläge von mir!“ Damit blickte er wieder zu dem Mädchen, das begonnen hatte, einen Faden zu spinnen. Als Bau-yü eben etwas zu ihr sagen wollte, rief irgendwo eine alte Frau: „Wirst du wohl herkommen, Zweites Mädchen! Aber schnell!“ Da stellte sie das Spinnrad weg und ging fort. Bau-yü aber war die Laune verdorben. Jetzt kam ein Bote, den Hsi-fëng geschickt hatte, um Bau-yü und Tjin Dschung ins Haus zu rufen. Hsi-fëng hatte sich schon die Hände gewaschen und die Kleider gewechselt, um den Staub ausschütteln zu lassen. Jetzt fragte sie Bau-yü und Tjin Dschung, ob sie sich ebenfalls umziehen wollten, aber Bau-yü mochte nicht, und so mußte es unterbleiben. Nun brachten die begleitenden Sklaven und Sklavinnen die mitgeführten Teekannen und Schalen sowie Speiseschachteln mit verschiedenen Kleinigkeiten für einen Imbiß auf den Tisch. Nach dem Teetrinken wartete Hsi-fëng, bis alles eingepackt war, dann stand sie auf, um wieder in den Wagen zu steigen. Draußen hielt Lai Wang ein Päckchen Silber bereit, das er als Geschenk für den Gastgeber überreichte, und die Bauernfrauen bedankten sich fußfällig dafür. Hsi-fëng schenkte dem keine Beachtung, Bau-yü aber sah genau hin, doch das Zweite Mädchen war nicht dabei. Er stieg in den Wagen, und als sie abfuhren, kam sie ihnen nach einer kurzen Wegstrecke entgegen. Sie trug ein kleines Brüderchen auf dem Arm und unterhielt sich lachend mit ein paar jüngeren Mädchen. Bau-yü wäre am liebsten vom Wagen gestiegen und mit ihr gegangen. Weil man ihm das aber kaum gestattet hätte, folgte er ihr wenigstens mit den Augen und bedauerte nur, daß der Wagen so leicht und das Pferd so schnell war. Bald darauf war sie seinen Blicken entschwunden. Es dauerte nicht lange, da hatten sie den Sarg wieder eingeholt, und schon kamen ihnen die Mönche vom Kloster Eiserne Schwelle mit Trommeln und Becken, Bannern und Schirmen entgegen, um den Sarg zu empfangen. Bald darauf waren sie im Kloster, wo noch einmal Sutras verlesen und Weihrauchopfer gebracht wurden, während man den Sarg in einem Seitenraum der inneren Halle aufstellte. Bau-dschu richtete sich dort eine Lagerstatt her, um am Sarg die Nachtwache zu halten. In der äußeren Halle bat Djia Dschën die zahlreichen Verwandten und Freunde zum Essen. Die einen nahmen die Einladung an, die anderen verabschiedeten sich, ohne zu essen. Nachdem sich Djia Dschën bei allen bedankt hatte, brachen die Herzöge, Fürsten, Grafen, Barone und Freiherren der Rangfolge nach Trupp für Trupp auf, und erst am Ende der achten Doppelstunde waren sie alle fort. Drinnen bewirtete Hsi-fëng die weiblichen Gäste, und auch hier brachen die Ranghöchsten zuerst auf. Erst als die Mittagsstunde schon lange vorbei war, waren sie alle abgefahren. Jetzt waren nur noch die engsten Verwandten da, die erst nach Abschluß der dreitägigen Gebete anläßlich der Sargaufstellung zurückkehren würden. Auch Dame Hsing und Dame Wang wollten jetzt in die Stadt zurückfahren, wenn sie auch wußten, daß Hsi-fëng noch nicht mitkommen konnte. Dame Wang wollte Bau-yü mitnehmen, aber Bau-yü, der zum ersten Mal aus der Stadt herausgekommen war, wollte nicht zurück und wünschte nur, zusammen mit Hsi-fëng noch zu bleiben. Da hatte Dame Wang keine andere Wahl, als ihn in Hsi-fëngs Obhut zu geben und nach Hause zu fahren. Das Kloster Eiserne Schwelle hatten seinerzeit die beiden Herzöge Ning-guo und Jung-guo errichten lassen, und es gab noch immer einigen Landbesitz, der die notwendigen Mittel für den Unterhalt des Tempels und der Mönche erbrachte. So konnte man Sippenangehörige, die in der Hauptstadt von ihrem Geschick ereilt wurden, hier unterbringen. Und weil der Tempel mit Räumen für die Toten und die Lebenden wohl versehen war, konnten auch die Angehörigen, die den Sarg begleiteten, hier unterkommen. Da aber die Sippenangehörigen jetzt sehr zahlreich waren und der Reichtum ungleichmäßig unter ihnen verteilt war (vielleicht vertrugen sich auch die Charaktere nicht recht miteinander), blieben nur diejenigen hier im Kloster, die in dürftigen Verhältnissen lebten und sich in ihr Los zu fügen wußten, während die anspruchsvollen Reichen erklärten, hier sei es ihnen zu unbequem, und sich in einem Dorf beziehungsweise in einem Nonnenkloster ein Quartier suchten, wohin sie sich zurückziehen konnten, wenn die jeweiligen Trauerhandlungen zu Ende waren. Diesmal nun, bei der Überführung des Sarges von Frau Tjin, übernachteten im Kloster Eiserne Schwelle alle Sippenangehörigen bis auf Hsi-fëng, der es hier nicht komfortabel genug war. Sie hatte deswegen schon längst jemanden zum Dampfbrötchenkloster geschickt, um die Äbtissin Djing-hsü zu bitten, sie solle ihr zwei Räume als Unterkunft abtreten. Das Dampfbrötchenkloster hieß eigentlich Wassermondkloster, aber weil man dort gute Dampfbrötchen machte, war dieser Scherzname aufgekommen. Es befand sich unweit des Klosters Eiserne Schwelle. Als die Mönche ihr Tagewerk getan hatten und der abendliche Opfertee bereitgestellt war, wurde Djia Jung von Djia Dschën zu Hsi-fëng geschickt, um sie zu bitten, sich zur Ruhe zu begeben. Da noch mehrere junge Frauen des Hauses da waren, die den anderen weiblichen Angehörigen Gesellschaft leisteten, verabschiedete sich Hsi-fëng von allen und begab sich mit Bau-yü und Tjin Dschung zum Wassermondkloster. Tjin Yä hatte, weil er alt und krank war, nicht dableiben können und hatte nur Tjin Dschung befohlen, bis zum Ende der Sargaufstellung zu verweilen. Dieser hielt sich jetzt an Hsi-fëng und Bau-yü. Als sie nach kurzer Zeit zum Wassermondkloster gelangten, kam ihnen Djing-hsü mit den beiden Novizinnen Dschï-schan und Dschï-nëng entgegen, und alle begrüßten einander. Nachdem sich Hsi-fëng umgezogen und ihre Notdurft verrichtet hatte, stellte sie fest, daß Dschï-nëng schon wieder ein Stück gewachsen und noch hübscher geworden war. Und so fragte sie: „Warum seid ihr in der letzten Zeit nicht bei uns gewesen?“ „Wir konnten einfach nicht abkommen“, erwiderte Djing-hsü. „Im Hause Hu ist ein Sohn geboren worden, und die gnädige Frau hat uns zehn Liang Silber geschickt, damit wir dort drei Tage lang Sutras für eine glückliche Niederkunft lesen. So hatten wir keinen freien Augenblick, um Euch unseren Gruß zu entbieten, junge Herrin!“ Aber nicht davon wollen wir jetzt erzählen, wie die alte Nonne Hsi-fëng Gesellschaft leistete. Als Tjin Dschung und Bau-yü eben in der Haupthalle des Klosters waren, kam Dschï-nëng durch den Raum, und Bau-yü sagte lächelnd zu Tjin Dschung: „Da ist Dschï-nëng!“ „Was kümmert uns das dumme Ding?“ fragte Tjin Dschung. Aber lächelnd hielt ihm Bau-yü entgegen: „Tu doch bloß nicht so! Warum hast du sie denn da neulich bei der alten gnädigen Frau im Zimmer umarmt, als niemand dabei war? Meinst du, ich lasse mir hier etwas vormachen?“ „Aber das stimmt ja gar nicht!“ protestierte Tjin Dschung lächelnd. „Mir soll es egal sein, ob es stimmt oder nicht“, erwiderte Bau-yü. „Ruf sie her, damit sie mir eine Schale Tee eingießt, dann lasse ich dich in Ruhe!“ „Na, du bist ja gut!“ sagte Tjin Dschung darauf. „Meinst du, wenn du es ihr sagst, macht sie es nicht, und darum muß ich es ihr sagen?“ „Bei mir wäre es ohne Gefühl, aber bei dir ist es mit Gefühl!“ erklärte ihm Bau-yü. So blieb Tjin Dschung nichts weiter übrig, als zu rufen: „Dschï-nëng, bring uns eine Schale Tee!“ Diese Dschï-nëng ging von klein auf im Jung-guo-Anwesen ein und aus und war dort mit jedermann bekannt, so hatte sie auch oft mit Bau-yü und Tjin Dschung zusammen gescherzt und gelacht. Jetzt, da sie erwachsen wurde und allmählich um die Liebe zu wissen begann, hatte sie sich in Tjin Dschung

Am Wegesrand wird Bao-yü dem Prinzen Bee-djing vorgestellt. Aus: Chengjiaben 1791.

verguckt, weil er so eine elegante Erscheinung war. Tjin Dschung seinerseits liebte sie um ihrer Schönheit willen. Und wenn auch noch nichts zwischen den beiden vorgefallen war, waren sie sich doch einig.

Als Dschï-nëng jetzt Tjin Dschungs Aufforderung hörte, schlug ihr Herz höher, und ihre Augen strahlten. Sie ging Tee eingießen und brachte ihn. „Gib ihn mir!“ bat Tjin Dschung lächelnd. „Nein, mir!“ rief Bau-yü. Da verzog Dschï-nëng den Mund zu einem Lächeln und fragte: „Müßt ihr euch um eine Schale Tee streiten? Habe ich vielleicht Honig an den Fingern?“ Rasch nahm Bau-yü ihr die Teeschale ab und trank. Als er sie eben etwas fragen wollte, kam Dschï-schan und rief Dschï-nëng weg, um den Teetisch zu decken. Bald darauf kam sie und lud Bau-yü und Tjin Dschung zu Tee mit Obst und Gebäck ein. Aber die beiden machten sich nichts daraus, und nachdem sie ein Weilchen am Tisch gesessen hatten, gingen sie wieder hinaus, um sich draußen die Zeit zu vertreiben. Auch Hsi-fëng saß ein Weilchen am Teetisch, dann ging sie in ihr Zimmer, um zu ruhen. Die Äbtissin begleitete sie, und als Hsi-fëngs Sklavenfrauen sahen, daß weiter nichts zu tun war, gingen sie nacheinander hinaus, um sich schlafen zu legen. Jetzt waren nur noch ein paar ergebene Sklavenmädchen mit im Raum, die zu Hsi-fëngs ständiger Bedienung gehörten, darum nahm die Äbtissin die Gelegenheit wahr und sagte: „Ich habe eine Bitte und hatte in Euer Anwesen kommen wollen, um sie der gnädigen Frau vorzutragen. Aber jetzt möchte ich zuerst Euch nach Eurer Meinung fragen.“ „Was ist es?“ fragte Hsi-fëng. „Buddha Amitabha!“ sagte die Äbtissin, „als ich seinerzeit im Kloster der Guten Begabung in Tschang-anlebte, gehörte zu unserern Gönnern ein reicher Mann namens Dschang. Dieser Dschang hat eine Tochter, die mit Kindheitsnamen Djin-gë heißt und die damals immer in unser Kloster kam, um Weihrauch zu opfern. Sie mußte nun einem Herrn Li begegnen, dem jüngeren Bruder der Frau des Präfekten von Tschang-an, der sich bis über beide Ohren in sie verliebt hat und sie heiraten will. Als er aber jemanden schickte, der für ihn um Djin-gës Hand bitten mußte, stellte sich heraus, daß sie bereits mit dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten von Tschang-an verlobt ist. Aus Furcht vor diesem wagt die Familie Dschang nicht, die Absprache rückgängig zu machen, und sagte nur, ihre Tochter sei bereits verlobt. Das hat aber den jungen Herrn Li von seinem Vorhaben nicht abzubringen vermocht, und er ist fest entschlossen, Djin-gë zu seiner Frau zu machen. Als nun die Familie Dschang keinen Ausweg wußte und beide Seiten in Verlegenheit waren, hat der ehemalige Stadtkommandant von der Sache erfahren, und ohne viel Federlesens ist er gekommen und hat die Dschangs geschmäht und beschimpft, indem er fragte: ‚Mit wieviel Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er hat es ganz entschieden abgelehnt, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und hat Anzeige erstattet.de Ohren in sie verliebt hat und sie heiraten will. Als er aber jemanden schickte, der für ihn um Djin-gës Hand bitten mußte, stellte sich heraus, daß sie bereits mit dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten von Tschang-an verlobt ist. Aus Furcht vor diesem wagt die Familie Dschang nicht, die Absprache rückgängig zu machen, und sagte nur, ihre Tochter sei bereits verlobt. Das hat aber den jungen Herrn Li von seinem Vorhaben nicht abzubringen vermocht, und er ist fest entschlossen, Djin-gë zu seiner Frau zu machen. Als nun die Familie Dschang keinen Ausweg wußte und beide Seiten in Verlegenheit waren, hat der ehemalige Stadtkommandant von der Sache erfahren, und ohne viel Federlesens ist er gekommen und hat die Dschangs geschmäht und beschimpft, indem er fragte: ‚Mit wieviel Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er hat es ganz entschieden abgelehnt, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und hat Anzeige erstattet. Da ist die Familie Dschang unruhig geworden und hat jetzt Boten in die Hauptstadt geschickt, um hier Protektion zu suchen. Die Verlobung wollen sie auf jeden Fall lösen. Nun habe ich mir gedacht, wo doch Herr Yün, der Garnisons­komman­dant der Präfektur Tschang-an, so eng mit Eurer Familie befreundet ist, könnte man die gnädige Frau bitten, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, damit er einen Brief an Herrn Yün schreibt, er solle einmal mit diesem ehemaligen Stadtkommandanten reden, denn dann würde dieser ganz bestimmt nachgeben. Wenn sich das machen ließe, wäre die Familie Dschang gern bereit, aus Dankbarkeit ihr gesamtes Vermögen zu opfern.“ „An sich wäre das keine Schwierigkeit“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Aber die gnädige Frau befaßt sich mit solchen Dingen nicht mehr.“ „Wenn die gnädige Frau sich nicht damit befaßt, könnt ja Ihr es regeln“, sagte die Äbtissin. „Ich bin auf Silber nicht erpicht“, entgegnete Hsi-fëng lächelnd. „Ich mache so etwas nicht.“ Als die Äbtissin Djing-hsü das hörte, ließ sie von der Sache ab, aber eine Weile später sagte sie seufzend: „Ihr sagt das so, aber den Dschangs ist bekannt, daß ich Euch darum bitten wollte. Und da sie nicht wissen, daß Ihr keine Zeit habt, Euch um die Sache zu kümmern, und daß Ihr auf ihren Dank keinen Wert legt, wird es für sie so aussehen, als ob Eure Familie nicht imstande wäre, so eine Kleinigkeit zu regeln.“ Diese Worte verfehlten nicht ihre Wirkung auf Hsi-fëng, und sie sagte: „Du kennst mich ja lange genug und weißt, daß ich an eine Vergeltung in Jenseits und Hölle nicht glaube. Wenn ich von etwas sage, es geht, dann geht es auch. Also bestell den Leuten, sie sollen mir dreitausend Liang Silber bringen, dann will ich für sie den Ärger aus der Welt schaffen!“

Dschï-nëng. Aus: Gai Qi 1879. Jetzt kannte die Freude der Äbtissin keine Grenze, und rasch sagte sie: „Das ist kein Problem, das Silber haben sie!“ „Aber so eine bin ich nicht, die um des Silbers willen Ränke schmiedet“, sagte Hsi-fëng. „Diese dreitausend Liang sind nur die Auslagen für die Diener, die ich dieser Sache wegen losschicken werde. Schließlich muß ja ihre Mühe belohnt werden. Ich selbst will keine einzige Bronzemünze von den Leuten. Wenn es not tut, kann ich dreißigtausend Liang auf den Tisch legen!“ Hastig stimmte ihr die Äbtissin zu und bat: „Würdet Ihr dann morgen so gütig sein, junge gnädige Frau? Dann wäre die Sache geregelt.“ „Du siehst doch, wie beschäftigt ich bin“, sagte Hsi-fëng. „Nirgends kann man auf mich verzichten. Aber wenn ich es dir versprochen habe, werde ich es auch schnell erledigen.“ „Andere Leute würde so eine Kleinigkeit wer weiß was für Mühe kosten“, fuhr die Äbtissin fort, „für Euch aber könnte noch einiges dazukommen, und es wäre noch immer nicht so viel, daß Ihr Euch anstrengen müßtet. Nur sagt das Sprichwort: ‚Wer viel kann, muß viel tun.‘ Die gnädige Frau sieht, daß Ihr großen und kleinen Aufträgen gewachsen seid, also überträgt sie alles Euch, aber Ihr solltet auch auf Eure werte Gesundheit achten!“ Diese Schmeichelei berührte Hsi-fëng so wohltuend, daß sie ihre Müdigkeit vergaß und sich noch weiter ins Gespräch einließ. Inzwischen aber machte sich Tjin Dschung die Dunkelheit und die Stille zunutze und begab sich auf die Suche nach Dschï-nëng. Er fand sie allein in einem der rückwärtigen Räume, wo sie eben das Teegeschirr abwusch. Tjin Dschung eilte auf sie zu, schloß sie in seine Arme und küßte sie auf den Mund. In ihrer Aufregung stampfte Dschï-nëng mit dem Fuß auf und sagte: „Was soll das? Wenn du das noch einmal machst, schreie ich!“ „Liebste, ich sterbe vor Ungeduld!“ flehte Tjin Dschung. „Wenn du mich heute wieder nicht erhörst, komme ich auf der Stelle um!“ „Wie denkst du dir das?“ sagte Dschï-nëng. „Erst muß ich aus diesem Kerker heraus und von diesen Leuten weg sein, ehe ich dir nachgeben kann.“ „Das ist schön und gut“, wandte Tjin Dschung ein, „aber Wasser in der Ferne kann den Durst in der Nähe nicht löschen!“ Damit blies er die Lampe aus, so daß es stockfinster im Raum wurde, und trug Dschï-nëng auf das Ofenbett, wo er das Wolken-und-Regen-Spiel mit ihr zu spielen begann. Trotz aller Anstrengungen gelang es Dschï-nëng nicht, wieder aufzustehen, und da es schlecht anging zu rufen, konnte sie nichts anderes tun, als ihn gewähren zu lassen. Als sie eben ihre Lust hatten, kam plötzlich jemand zur Tür herein und preßte sie beide auf das Ofenbett nieder, ohne ein Wort dabei zu sagen. Da sie nicht wußten, wer es war, wagten sie sich vor Schreck nicht zu rühren. Aber dann lachte der Eindringling prustend los, und an der Stimme erkannten sie Bau-yü. Rasch erhob sich Tjin Dschung und sagte vorwurfsvoll: „Was soll das?“ Aber lachend sagte Bau-yü: „Wenn du nicht gehorchst, rufe ich!“ Die beschämte Dschï-nëng lief im Schutze der Dunkelheit davon, Bau-yü aber zog Tjin Dschung aus dem Raum und fragte: „Willst du es immer noch abstreiten?“ Lächelnd antwortete Tjin Dschung: „Ich mache alles, was du willst, mein Bester, wenn du nur still bist und niemand davon erfährt.“ „Schon gut!“ sagte Bau-yü. „Nach dem Schlafengehen rechnen wir miteinander ab!“ Bald darauf war es Zeit, sich auszukleiden und ins Bett zu gehen. Hsi-fëng schlief im Innenraum, Tjin Dschung und Bau-yü im Vorzimmer. Überall auf dem Fußboden hatten sich die alten Sklavinnen der Familie Lagerstätten bereitet, um Nachtwache zu halten. Hsi-fëng, die befürchtete, Bau-yüs beseelter Jadestein könnte verlorengehen, schickte jemanden den Stein holen, als Bau-yü sich schlafen gelegt hatte, und schob ihn unter ihr eigenes Kissen. Wie Bau-yü mit Tjin Dschung abgerechnet hat, wissen wir nicht. Niemand hat es gesehen, niemand hat es vermerkt. Es ist ein Fall, der wegen Mangels an Beweisen nicht zu klären ist, und etwas erdichten wollen wir nicht. Weiter ist über diese Nacht nichts zu sagen. Am nächsten Tag kamen früh am Morgen Boten von der Herzoginmutter und Dame Wang, um nach Bau-yü zu sehen und ihm zu bestellen, er solle sich warm anziehen und lieber nach Hause kommen, wenn hier nichts weiter zu tun sei. Aber wie hätte wohl Bau-yü dazu bereit sein sollen! Außerdem drängte ihn auch der verliebte Tjin Dschung, er solle Hsi-fëng bitten, noch einen Tag zu bleiben. „Alle wichtigen Trauerriten sind schon vollzogen, aber einige Kleinigkeiten sind doch noch offen“, überlegte Hsi-fëng. „Die könnte man schon zum Anlaß nehmen, um noch einen Tag zu bleiben. Dann hätte ich Djia Dschëns Wunsch bis ins letzte erfüllt. Zum anderen ließe sich die Sache regeln, um die mich Djing-hsü gebeten hat. Und außerdem kann ich noch Bau-yü einen Gefallen damit tun, und wenn die Herzoginmutter das erfährt, freut sie sich.“ Diese drei Vorteile bewogen Hsi-fëng, zu Bau-yü zu sagen: „Ich habe hier nichts weiter zu tun, aber wenn du noch einen Tag länger bleiben möchtest, muß ich die Mühen wohl auf mich nehmen. Morgen aber müssen wir auf jeden Fall abfahren!“ Als Bau-yü das hörte, nannte er sie tausend und

Tjin Dschung findet im Dampfbrötchenkloster seine Lust. Aus: Jinyu­yuan, 1889a. abertausend Mal ‚liebste Kusine‘ und beteuerte, er wolle ja nur noch diesen einen Tag bleiben, am nächsten Morgen könnten sie in die Stadt zurückkehren. Also verbrachten sie noch eine weitere Nacht im Kloster. Hsi-fëng befahl dann, die Sache, die ihr am Tag zuvor die Äbtissin vorgetragen hatte, in aller Heimlichkeit Lai Wang mitzuteilen. Lai Wang verstand auch, worum es ging, und eilte sofort in die Stadt, wo er dem jungen Mann, der den Schriftwechsel führte, befahl, in Djia Liäns Namen einen Brief aufzusetzen. Dann brach er noch am Abend desselben Tages nach Tschang-an auf, und da die Entfernung nicht mehr als einhundert Li betrug, war schon in zwei Tagen alles erledigt. Yün Guang, der Garnisonskommandant der dortigen Präfektur, der sich schon lange der Freundschaft der Djias erfreute, sah keinen Grund, ihnen die Bitte abzuschlagen. Er schrieb einen Antwortbrief, und Lai Wang machte sich auf den Heimweg. Aber davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Nachdem Hsi-fëng noch einen Tag im Kloster verbracht hatte, verabschiedete sie sich von der Äbtissin und trug ihr auf, in drei Tagen zu ihr ins Anwesen zu kommen, um sich einen Bescheid zu holen. Tjin Dschung und Dschï-nëng vermochten sich kaum voneinander zu trennen. Heimlich trafen sie mancherlei verstohlene Abrede, die hier nicht wiederholt werden muß, aber dann hieß es, der Not gehorchend, voneinander Abschied nehmen. Hsi-fëng fuhr noch einmal ins Kloster Eiserne Schwelle, um einen letzten Blick auf alles zu werfen. Dort hatte es sich Bau-dschu inzwischen in den Kopf gesetzt, nicht wieder nach Hause zurückzukehren, und so war Djia Dschën gezwungen, ihr Sklavinnen zur Gesellschaft zu schicken. Im weiteren mehr davon!