Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 64"

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(DE4 Korrektur-Update Kap. 64)
 
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Kapitel 64
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Kajaljade [黛玉] verfasst fünf Gedichte auf berühmte Schönheiten des Altertums
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">11</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">21</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">31</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_62|<span style="color: #FFD700;">62</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_63|<span style="color: #FFD700;">63</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">64</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_65|<span style="color: #FFD700;">65</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_66|<span style="color: #FFD700;">66</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_67|<span style="color: #FFD700;">67</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_68|<span style="color: #FFD700;">68</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_69|<span style="color: #FFD700;">69</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_70|<span style="color: #FFD700;">70</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">71</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">81</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">91</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">101</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">111</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
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Kette Kaufmann [贾琏] kehrt heim, und die Sonders-Schwestern treten ins Geschehen
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Es wird erzählt, dass Hibiskus Kaufmann [贾蓉], als er sah, dass zu Hause alle Vorbereitungen getroffen waren, eilig zum Tempel zurückfuhr, um Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] Bericht zu erstatten. Daraufhin wurden über Nacht alle Amtsdiener und Gehilfen eingeteilt und sämtliche benötigten Trauerbanner, Tragstangen und anderes Gerät vorbereitet. Man bestimmte die Mao-Stunde <ref>5–7 Uhr morgens</ref> des vierten Tages für den Einzug des Sarges in die Stadt und benachrichtigte alle Verwandten und Freunde. An jenem Tag war das Trauergeleit prächtig und strahlend, die Gäste zahlreich wie Wolken. Vom Eiserne-Schwelle-Kloster bis zum Ningfu säumten weit mehr als zehntausend Schaulustige den Weg. Unter ihnen gab es solche, die seufzten, solche, die neidisch waren, und auch jene Halbgebildeten, die sagten: „Bei einer Trauerfeier ist es besser, bescheiden und aufrichtig zu trauern, als verschwenderisch und gleichgültig zu sein." Die Meinungen gingen auf dem ganzen Weg auseinander. Erst zur Wei-Shen-Stunde <ref>gegen 15–17 Uhr</ref> traf der Zug ein. Der Sarg wurde in der Haupthalle aufgestellt. Nach den Opfern und der Wehklage zerstreuten sich die Verwandten und Freunde allmählich; nur die Familienmitglieder blieben, um die Empfänge und Verabschiedungen zu regeln. Von den nahen Verwandten war nur der Älteste Schwager Xing geblieben. Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann waren nun an die Traueretikette gebunden und mussten neben dem Sarg auf Stroh liegen und Lehmklötze als Kissen benutzen, in bitterer Trauer verharrend. Doch sobald die Besucher fort waren, suchten sie wieder die Gelegenheit, sich mit den jungen Schwägerinnen einzulassen. Auch Schatzjade [宝玉] trug täglich im Ningfu Trauerkleidung; erst abends, wenn die Besucher gegangen waren, kehrte er in den Garten zurück. Phönixglanz [熙凤] war noch nicht genesen und konnte nicht ständig dort sein, doch an Tagen, wenn die Altäre für Rezitationen eröffnet wurden oder Verwandte und Freunde zum Opfern kamen, schleppte sie sich dennoch her, um Dame Sonders bei der Organisation zu helfen.
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_64|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_64|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 64 =
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Eines Tages, nach dem Frühstücksopfer, als die Tage noch lang waren und Herrlichkeit Kaufmann und die anderen vor Erschöpfung neben dem Sarg eingenickt waren, sah Schatzjade, dass keine Gäste kamen, und beschloss, nach Hause zu gehen und nach Kajaljade zu sehen. Er kehrte zunächst ins Yihongyuan zurück. Als er durch das Tor trat, war es still und menschenleer im Hof; nur einige alte Dienerinnen und kleine Mädchen ruhten sich unter der Wandelhalle aus — manche schliefen, manche saßen dösend da. Schatzjade störte sie nicht. Nur Si'er bemerkte ihn, lief herbei und hob den Vorhang hoch. Gerade als sie ihn aufschlug, kam Duftblümchen lachend von drinnen herausgelaufen und wäre beinahe mit Schatzjade zusammengeprallt. Als sie ihn sah, blieb sie lächelnd stehen und sagte: „Wie kommst du hierher? Schnell, halt mir Heitermuster [晴雯] auf — sie will mich schlagen!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da hörte man drinnen Klappern und Poltern — irgendetwas war über den ganzen Boden verstreut worden. Dann kam Heitermuster hinterher und schimpfte: „Du kleines Biest — wohin willst du? Verloren und willst dich nicht schlagen lassen? Schatzjade ist nicht da; mal sehen, wer dich diesmal rettet!" Schatzjade hielt sie lachend auf und sagte: „Die Kleine ist noch jung — ich weiß nicht, womit sie dich beleidigt hat. Um meinetwillen, vergib ihr." Heitermuster hatte nicht erwartet, dass Schatzjade gerade jetzt zurückkam; als sie ihn so plötzlich sah, musste sie unwillkürlich lachen: „Duftblümchen ist wahrhaftig ein verwandelter Fuchsgeist — selbst Beschwörungsformeln, die Götter bannen und Generäle herbeirufen, wirken nicht so schnell!" Dann lachte sie: „Selbst wenn du wirklich einen Gott herbeigerufen hättest, fürchte ich mich nicht!" Damit versuchte sie erneut, Duftblümchen zu fangen. Doch Duftblümchen hatte sich längst hinter Schatzjade versteckt. Schatzjade nahm Heitermuster bei der einen und Duftblümchen bei der anderen Hand und führte sie ins Zimmer. Dort sah er auf dem westlichen Kang Moschusmond, Herbstmuster, Bihen und Zixiao, die gerade mit Steinchen um Kürbiskerne spielten. Duftblümchen hatte gegen Heitermuster verloren und sich geweigert, den Strafklaps entgegenzunehmen, worauf sie weggelaufen war. Heitermuster hatte bei der Verfolgung die Steinchen aus ihrem Schoß über den ganzen Boden verstreut. Schatzjade freute sich: „Bei diesen langen Tagen, wenn ich nicht zu Hause bin, fürchtete ich, ihr würdet euch langweilen, nach dem Essen nur schlafen und davon krank werden. Es ist gut, wenn ihr euch eine Beschäftigung sucht und euch amüsiert!" Als er Dufthauch [袭人] nicht sah, fragte er: „Wo ist eure Schwester Dufthauch?" Heitermuster sagte: „Die Dufthauch? Die wird immer frömmer — sie sitzt ganz allein drinnen vor der Wand wie ein Zen-Mönch. Seit geraumer Zeit bin ich nicht hineingegangen; ich weiß nicht, was sie treibt — nicht ein Laut ist zu hören. Geh schnell nachsehen — vielleicht hat sie inzwischen die Erleuchtung erlangt!"
== 幽淑女悲題五美吟 / 浪蕩子情遺九龍珮 ==
 
=== Die stille, schoene Frau dichtet traurige Verse ueber fuenf Schoenheiten; Der Wuestling hinterlaesst aus Liebe den Neundrachenschmuck ===
 
  
de und wie Djia Liän die Hochzeit gestalten wolle. „Auch Euch würde er bei sich aufnehmen und im Alter für Euch sorgen, und für die zweite Tante würde er mit der Zeit ebenfalls einen Mann suchen“, fügte er zum Schluß noch hinzu.
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Schatzjade hörte das, lachte und ging in das innere Zimmer. Dort saß Dufthauch auf dem Bett am Fenster, einen grauen Seidenstrang in der Hand, und knüpfte Knoten. Als sie Schatzjade eintreten sah, stand sie hastig auf und sagte lachend: „Was hat dieses Biest Heitermuster wieder über mich erzählt! Ich wollte nur schnell diesen Knotenstrang fertig bekommen und hatte keine Zeit, mit ihnen herumzutoben. Deshalb habe ich ihnen gesagt: ‚Geht nur spielen; solange der Zweite Junge Herr nicht da ist, will ich hier still sitzen und mich ein wenig ausruhen.' Daraus hat sie dann diesen ganzen Unsinn gemacht — ‚vor der Wand sitzen', ‚meditieren' — warte nur, gleich reiße ich ihr das Maul auf!" Schatzjade setzte sich lachend neben Dufthauch und sah ihr beim Knotenknüpfen zu. Er fragte: „Bei diesen langen Tagen solltest du dich auch einmal ausruhen, mit ihnen scherzen, oder Schwester Lin besuchen gehen. Es ist so heiß — wozu brauchst du das jetzt?" Dufthauch sagte: „Mir ist aufgefallen, dass das Fächeretui, das du trägst, noch das von damals ist, als im Östlichen Palais die ältere Schwägerin Rong <ref>Qin Lieblich</ref> starb. Dieses blauschwarze Ding trägt man nur in der Familie oder bei Verwandten, wenn im Sommer ein Todesfall ist — ein- oder zweimal im Jahr. Gewöhnlich braucht man keins anzufertigen. Aber jetzt, wo drüben die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, musst du es täglich tragen. Deshalb beeile ich mich, ein neues zu machen. Wenn der Knotenstrang fertig ist, tausche ich das alte gegen das neue aus. Du magst zwar nicht auf solche Dinge achten, aber wenn die Alte Herrin zurückkommt und es sieht, wird sie wieder sagen, wir seien nachlässig und kümmerten uns nicht einmal um deine Kleidung und dein Zubehör." Schatzjade lachte: „Es ist wirklich rücksichtsvoll, dass du daran denkst. Nur solltest du dich nicht überanstrengen — in der Hitze krank zu werden, wäre schlimmer." Während sie sprachen, brachte Duftblümchen schon eine Tasse frisch im kalten Wasser gekühlten Tee. Schatzjade war von Natur aus zart besaitet und wagte selbst im Hochsommer kein Eis zu verwenden; man tauchte nur den Teekrug in eine Schüssel mit frischem Brunnenwasser, das regelmäßig gewechselt wurde, um den Tee zu kühlen. Schatzjade trank eine halbe Tasse aus Duftblümchens Hand und sagte dann zu Dufthauch: „Als ich ging, habe ich Mingyan Bescheid gesagt — wenn beim Ältesten Bruder Zhen wichtige Gäste kommen, soll er mir sofort Nachricht schicken; wenn nichts Dringendes anliegt, gehe ich nicht mehr hinüber." Damit trat er aus der Tür, wandte sich noch um und sagte zu Bihen und den anderen: „Wenn etwas ist, sucht mich bei Fräulein Lin." Damit ging er geradewegs zum Xiaoxiang-Bambushain, um Kajaljade zu besuchen.
Wie hätte die alte Frau You solchen Verlockungen widerstehen können, zumal sie ganz auf Djia Dschëns Unterstützung angewiesen war und Djia Dschën die Sache in die Hand genommen hatte und die Verlobung arrangieren wollte, so daß sie selbst nicht einmal für die Aussteuer zu sorgen brauchte. Außerdem war Djia Liän ein junger Mann aus guter Familie und zehnmal besser als Dschang Hua. Also ging die alte Frau You sofort hinüber, um mit ihrer Tochter zu sprechen.
 
Die zweite Schwester You hatte einen Charakter wie Wasser, und es hatte auch schon etwas Unziemliches zwischen ihr und Djia Dschën gegeben. Daß sie seinerzeit mit Dschang Hua verlobt worden war, wodurch sie für immer auf einen richtigen Platz im Leben verzichten mußte, hatte sie stets bedauert. Was sollte sie also einzuwenden haben, wenn jetzt Djia Liän in sie verliebt war und kein anderer als Djia Dschën sie verloben und verheiraten wollte? Also nickte sie und erklärte sich einverstanden.
 
Die alte Frau You meldete es Djia Jung, Djia Jung meldete es seinem Vater, und dieser ließ schon am nächsten Tag Djia Liän zu sich ins Kloster bitten, um ihm persönlich mitzuteilen, die alte Dame habe ja gesagt.
 
Djia Liäns Freude war übermächtig, und seine Dankesbeteuerungen an Vater und Sohn Djia Dschën und Djia Jung wollten kein Ende nehmen. Dann beratschlagten sie zu zweit und gaben Auftrag, ein Haus zu suchen, Schmuck anfertigen zu lassen und eine Aussteuer anzuschaffen, desgleichen Bett, Vorhänge und alles übrige für das Brautgemach.
 
Schon innerhalb weniger Tage war alles bereit. In der Gasse der Kleinen Blütenzweige, zwei Li von der Straße am Ning-guo- und Jung-guo-Anwesen entfernt, war ein Gehöft von insgesamt zwanzig Säulenzwischenräumen Wohnfläche gekauft worden, ebenso zwei kleine Sklavenmädchen. Darüberhinaus stellte Djia Dschën von seinem eigenen Gesinde Bau Örl und dessen Frau zur Verfügung, um der zweiten Schwester You nach ihrem Umzug aufzuwarten. Die beiden dachten natürlich nicht daran, Einwände zu erheben, als sie hörten, welch einen schönen Posten sie bekommen sollten.
 
Des weiteren ließ Djia Dschën durch einen Boten Dschang Hua und seinen Vater holen und zwang sie, der alten Frau You eine Eheverzichtserklärung zu schreiben.
 
Dschang Huas Großvater war der Verwalter eines kaiserlichen Gutes gewesen. Nach seinem Tod hatte Dschang Huas Vater den Posten bekleidet, und weil er mit Frau Yous erstem Mann befreundet gewesen war, hatten sie Dschang Hua und die zweite Schwester You schon im Mutterleib miteinander verlobt. Später hatten die Dschangs durch einen Rechtsstreit ihr Vermögen verloren, besaßen kaum noch so viel, daß sie sich zu kleiden und zu ernähren vermochten, und konnten sich deshalb eine Schwiegertochter nicht leisten.
 
Nachdem die alte Frau You die Familie ihres verstorbenen ersten Mannes verlassen hatte, um sich wieder zu verheiraten, hatte zwischen beiden Seiten mehr als zehn Jahre lang keinerlei Kontakt mehr bestanden. Als jetzt ein Bote der Djias erschien und die Dschangs holte, um eine Eheverzichtserklärung zu schreiben, waren sie zwar nicht damit einverstanden, aber aus Furcht vor Djia Dschëns Machtposition mußten sie sich beugen und setzten das geforderte Schriftstück auf. Anschließend gab ihnen die alte Frau You zwanzig Liang Silber, und damit galt das Verlöbnis als gelöst. Doch genug jetzt davon.
 
Als Djia Liän sah, daß alle Vorbereitungen getroffen waren, suchte er den dritten Tag des neunten Monats als Glückstag aus, um die zweite Schwester You als Nebenfrau heimzuführen.
 
Im nächsten Kapitel wird mehr davon erzählt.
 
65. Djia Liän nimmt heimlich die zweite Schwester You zur Frau,
 
die dritte Schwester You möchte Liu Hsiang-liän zum Mann haben.
 
  
Als alles, was Djia Liän mit Djia Dschën und Djia Jung abgesprochen hatte, ins Werk gesetzt war, wurden am zweiten Tag des neuen Monats zunächst die alte Frau You und die dritte Schwester You in die neue Wohnung geschickt. Die alte Frau You mußte zwar erkennen, daß Djia Jung ihnen weit mehr versprochen hatte, aber weil immerhin alles sehr ordentlich war, gaben sich Mutter und Tochter zufrieden. Bau Örl und seine Frau waren gleich vom ersten Zusammentreffen an sehr liebenswürdig und nannten Mutter You nicht anders als ‚alte Dame‘ oder gar ‚alte gnädige Frau‘, während sie die dritte Schwester You mit ‚dritte Tante‘ oder ‚Frau Tante‘ anredeten.
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Gerade hatte er die Qinfang-Brücke passiert, als er Schneegans mit zwei alten Dienerinnen kommen sah, die allerlei Wasserkastanien, Lotosrhizome, Melonen und Früchte trugen. Schatzjade fragte Schneegans eilig: „Eure Fräulein isst doch nie solch kalte Sachen — wozu die ganzen Früchte? Wollt ihr etwa jemanden einladen?" Schneegans lachte: „Ich sage es dir, aber du darfst es nicht dem Fräulein weitererzählen." Schatzjade nickte zustimmend. Schneegans wies die beiden Dienerinnen an: „Bringt die Früchte voraus und übergebt sie der Schwester Purpurkuckuck [紫鹃]. Wenn sie nach mir fragt, sagt ihr, ich erledige noch etwas und komme gleich." Die Dienerinnen gingen. Schneegans sagte: „Unserem Fräulein geht es die letzten beiden Tage etwas besser. Heute nach dem Essen kam das Dritte Fräulein vorbei und wollte sie mitnehmen, um die Zweite Herrin zu besuchen, aber das Fräulein ging nicht mit. Dann hat sie an irgendetwas gedacht, wurde traurig und hat eine ganze Weile geschrieben — ob Gedichte oder Lieder, weiß ich nicht. Als sie mich losschickte, um die Früchte zu holen, hörte ich sie noch Purpurkuckuck beauftragen, den kleinen Räuchertisch aus der Stube freizuräumen, den Tisch in die Mitte des Vorzimmers zu stellen und das Bronzegefäß mit Drachenmuster darauf zu setzen — die Früchte seien für ein bestimmtes Ritual. Wenn sie jemanden einladen wollte, würde sie doch nicht zuerst ein Räuchergefäß aufstellen! Und wenn sie Räucherwerk abbrennen wollte — unser Fräulein hat gewöhnlich nur frische Blumen, Früchte und Quitten im Zimmer und mag es gar nicht, Kleider zu parfümieren. Wenn sie schon Räucherwerk verwendete, würde sie es an ihrem gewöhnlichen Platz anzünden. Sollte etwa eine Dienerin das Zimmer voll gestunken haben und man es mit Räucherwerk vertreiben wollen? Ich verstehe es wirklich nicht." Damit eilte sie davon.
Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache wurde die zweite Schwester You in einer schlichten Sänfte gebracht. Weihrauch, Kerzen und Opfergaben standen bereit, das Brautbett war schon gemacht, Wein und Speisen waren zugerichtet, so daß alles seine Ordnung hatte, und bald erschien auch in einer kleinen Sänfte Djia Liän, schmucklos gekleidet. Gemeinsam vollzogen sie ihren Stirnaufschlag vor Himmel und Erde und verbrannten die papiernen Opfergaben. Die alte Frau You sah, daß ihre Tochter von Kopf bis Fuß frisch eingekleidet und neu geschmückt war, wie sie es zu Hause nie gekannt hatte, und führte sie deshalb höchst zufrieden ins Brautgemach. Wie Djia Liän und die zweite Schwester You in dieser Nacht einem Phönixpärchen gleich auf hunderterlei Weise die Freuden der Liebe genossen, braucht nicht erzählt zu werden.
 
Je mehr Djia Liän von der zweiten Schwester You sah und je länger er sie sah, desto besser gefiel sie ihm, und er vermochte ihr gar nicht genug zu schmeicheln. Bau Örl und dem übrigen Gesinde befahl er, sie durchaus nicht anders zu nennen als ‚junge Herrin‘, auch er selbst redete sie so an, und den Namen Hsi-fëng schien er mit einem Pinselstrich aus seinen Gedanken getilgt zu haben.
 
Wenn er gelegentlich einmal nach Hause kam, sagte er nur, er habe im Ning-guo-Anwesen zu tun und könne sich nicht losmachen. Hsi-fëng und die anderen wußten, wie eng sein Verhältnis zu Djia Dschën war, und da sie sich denken konnten, daß es viel zu bereden gab, schöpften sie keinen Verdacht. Das zahlreiche Gesinde dagegen kümmerte sich nicht um solche Dinge, und die wenigen Neugierigen, die stets hinter jedem Klatsch her waren, bemühten sich, Djia Liän gefällig zu sein, um sich dadurch kleine Vorteile zu verschaffen. Wer von ihnen hätte also etwas verraten sollen? Djia Liäns Dankbarkeit gegenüber Djia Dschën kannte keine Grenze.
 
Jeden Monat zahlte Djia Liän fünf Liang Silber für den täglichen Unterhalt der Yous. Wenn er nicht kam, aßen Mutter und Töchter zu dritt, kam er dagegen, aß das Paar nur zu zweit, während Mutter und Tochter sich in ihre Räume zurückzogen und dort aßen. Djia Liän brachte auch all seine Ersparnisse mit, die er im Laufe der Jahre gemacht hatte, und übergab sie der zweiten Schwester You zur Aufbewahrung.
 
Zwischen Decken und Kissen machte er die zweite Schwester You ausführlich mit dem Charakter und dem Verhalten von Hsi-fëng vertraut und versprach ihr, sie ins Haus zu nehmen, sobald Hsi-fëng tot sei. Dagegen hatte die zweite Schwester You natürlich nichts einzuwenden. So begann sich das Leben des kleinen Haushalts von nicht viel mehr als zehn Personen einzuspielen und gestaltete sich höchst angenehm.
 
Ehe man sich‘s versah, waren zwei Monate vergangen. Im Kloster Eiserne Schwelle waren die Totenmessen zu Ende gelesen, und am Abend kehrte Djia Dschën nach Hause zurück. Da er die Stiefschwestern seiner Frau lange nicht gesehen hatte, wollte er sie gern besuchen. Zuerst aber befahl er einem Sklavenjungen, er solle erkunden gehen, ob Djia Liän dort sei oder nicht. Als der Knabe mit der Meldung zurückkam, er sei nicht dort, war Djia Dschën hocherfreut und schickte sein ganzes Gefolge bis auf zwei vertraute Sklavenjungen fort, die ihm das Pferd führen mußten.
 
Als sie das Haus erreichten, war es eben Zeit, die Lampen anzuzünden. Leise traten sie in den Hof, und die beiden Knaben führten das Pferd in den Stall, um dann in die Gesinderäume zu gehen und zu warten. Djia Dschën trat ins Haus, wo gerade erst die Lampen angezündet worden waren, und begrüßte als erstes die alte Frau You und ihre jüngere Tochter, dann kam auch die zweite Schwester You zu ihnen heraus, und Djia Dschën redete sie wie früher mit ‚Schwägerin‘ an.
 
Als sie Tee tranken und plauderten, fragte Djia Dschën lächelnd: „Wie bist du mit dem Mann zufrieden, den ich dir verschafft habe? Wenn du ihn nicht genommen hättest, würdest du seinesgleichen auch mit der Laterne nicht finden. Demnächst wird dich noch eure ältere Schwester mit Geschenken besuchen kommen.“
 
Inzwischen hatten die zweite Schwester You befohlen, Wein und Zuspeisen zurechtzumachen und die Türen zu schließen, da sie als Verwandte unter sich waren und so keine Tabus bestanden.
 
Als Bau Örl hereintrat, um seinen Gruß zu entbieten, redete Djia Dschën ihn an: „Ich habe dich hierher geschickt, weil du ein guter Kerl bist. In Zukunft wird es noch größere Dinge für dich zu tun geben. Nur darfst du nicht außer Hause Wein trinken gehen und irgendwelche Dinge anstellen. Selbstverständlich wird es auch Belohnungen für dich geben. Und da der junge Herr Liän viel zu tun hat und die Leute in seinem Anwesen recht gemischt sind, kannst du unbesorgt zu mir kommen, falls es hier an irgend etwas fehlt. Schließlich bin ich sein Vetter und kein Fremder.“
 
„Ich habe verstanden“, erwiderte Bau Örl. „Wenn ich nicht alles tue, was in meiner Kraft steht, will ich auf meinen Kopf gern verzichten.“
 
„Das ist es, was du verstehen solltest“, sagte Djia Dschën und nickte dazu.
 
Dann tranken sie zu viert Wein, und da die zweite Schwester You die Situation durchschaute, forderte sie ihre Mutter auf: „Begleitet mich bitte nach drüben, Mutter! Ich bin so furchtsam.“
 
Auch die alte Frau You hatte begriffen und ging tatsächlich mit hinaus, so daß bei Djia Dschën und der dritten Schwester You nur die kleinen Sklavenmädchen zurückblieben. Als aber Djia Dschën so eng an die dritte Schwester You heranrückte, daß er sie mit Schulter und Wange berührte, und sich hunderterlei Freiheiten herausnahm, konnten es die Sklavenmädchen nicht länger mit ansehen und zogen sich ebenfalls zurück, damit sich die beiden keinen Zwang anzutun brauchten und miteinander treiben konnten, was immer sie wollten.
 
Djia Dschëns Sklavenjungen saßen in der Küche und tranken mit Bau Örl zusammen Wein, während Bau Örls Frau am Herd stand und kochte, als plötzlich die beiden Sklavenmädchen lachend hereinkamen und ebenfalls Wein verlangten.
 
„Anstatt drüben aufzuwarten, schleicht ihr hierher, und wenn man euch ruft, und ihr seid nicht da, gibt es Ärger“, hielt Bau Örl ihnen vor.
 
„Du dummer versoffener Hahnrei, laß dich mit gelber Brühe vollaufen, und wenn du genug hast, dann klemm deinen Schwanz zwischen die Beine und mach deinen Kadaver lang!“ schimpfte seine Frau. „Es hat doch einen Dreck mit dir zu tun, ob sie rufen oder nicht. Und in jedem Falle bin ja ich da. Auch wenn es ein Gewitter gibt, wirst du doch nicht naß.“
 
Nun verdankte Bau Örl seinen Aufstieg einzig und allein seiner Frau, und für die jüngste Beförderung galt das erst recht. Obwohl er nichts anderes tat als Geld einstecken und Wein trinken, machte ihm doch weder Djia Liän noch jemand anders einen Vorwurf. Darum gehorchte er seiner Frau aufs Wort, gerade als wäre sie seine Mutter gewesen, und so ging er wirklich schlafen, nachdem er genug getrunken hatte.
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Schneegans sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter <ref>Ozeangleich Wald und Feinsinn Kaufmann, Kajaljades verstorbene Eltern</ref>. Aber ich erinnere mich, dass die Alte Herrin jedes Jahr an diesem Datum eigens Speisen zubereiten und an Schwester Lin schicken lässt, damit sie privat opfert — und dieser Tag ist bereits vorüber. Es muss wohl sein, dass im siebten Monat, dem Monat der Früchte und der Ahnenopfer, wenn jede Familie die Herbstopfer an den Gräbern darbringt, Schwester Lin davon bewegt ist und in ihrem Privatgemach ein eigenes Opfer darbringt — im Sinne des Li Ji: ‚Im Frühling und Herbst opfere man die Früchte der jeweiligen Jahreszeit.' Wenn ich jetzt hingehe und sie trauernd finde, werde ich sie trösten wollen — aber das könnte ihr Kummer sich innerlich nur noch mehr verdichten. Gehe ich aber nicht, trauert sie vielleicht übermäßig, und niemand hält sie zurück. Beides könnte zu Krankheit führen. Am besten gehe ich zunächst kurz zu Schwester Feng, bleibe dort nur einen Moment und kehre dann zurück. Wenn ich Schwester Lin dann noch traurig finde, werde ich behutsam trösten — so wird sie weder in übermäßige Trauer verfallen, noch ihren Kummer unterdrücken müssen."
Seine Frau leistete inzwischen den Sklavenmädchen und den Sklavenjungen Gesellschaft und war bemüht, sich bei ihnen lieb Kind zu machen, weil sie hoffte, sie würden dafür bei Djia Dschën ein gutes Wort für sie einlegen. Da hörten sie, als sie gerade im besten Zuge waren, plötzlich ein Klopfen am Tor, und als Bau Örls Frau rasch hinausging und öffnete, sah sie Djia Liän vom Pferd steigen.
 
„War irgend etwas?“ fragte er.
 
„Euer Herr Vetter ist hier, er sitzt im westlichen Seitengebäude“, gab Bau Örls Frau leise Auskunft.
 
Daraufhin ging Djia Liän in seinen Schlafraum, wo er die zweite Schwester You und ihre Mutter vorfand, die bei seinem Eintritt verlegene Gesichter machten. Er tat aber so, als ob er nichts merkte, und befahl: „Bring uns schnell Wein! Wir wollen ein paar Becher trinken, damit wir besser schlafen können. Ich bin schrecklich müde heute.“
 
Rasch trat die zweite Schwester You auf ihn zu und nahm ihm lächelnd das Obergewand ab, dann reichte sie ihm Tee und stellte ihm tausend Fragen. Djia Liän hatte so viel Freude an ihr, daß ihn das Herz unerträglich zu jucken begann.
 
Bald darauf brachte Bau Örls Frau den Wein, und die beiden tranken einander zu. Die alte Frau You mochte nichts trinken und ging in ihr Zimmer, während eines der beiden Sklavenmädchen erschien, um dem Paar aufzuwarten.
 
Als Djia Liäns vertrauter Sklavenjunge Lung-örl das Pferd in den Stall führte und dort schon ein anderes vorfand, das er bei näherer Betrachtung als Djia Dschëns erkannte, konnte er sich denken, was hier vorging, und begab sich in die Küche, wo er richtig auf Hsi-örl und Schou-örl stieß, die schon beim Wein saßen und sich bei seinem Anblick ebenfalls ihr Teil denken konnten.
 
„Du kommst gerade richtig!“ begrüßten sie ihn lächelnd. „Wir haben nämlich mit dem Pferd unseres Herrn nicht Schritt halten können, und um nicht gegen das nächtliche Ausgehverbot zu verstoßen, haben wir hier um ein Nachtquartier gebeten.“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Lung-örl: „Schlaft nur hier, es ist Platz genug auf den Ofenbetten! Mich hat mein Herr hergeschickt, um das Monatsgeld zu bringen. Ich habe es der jungen Herrin ausgehändigt und übernachte ebenfalls hier.“
 
„Wir haben schon eine Menge getrunken“, sagte Hsi-örl, „komm, trink auch einen Becher!“
 
Aber kaum hatte Lung-örl sich gesetzt und seinen Becher gehoben, hörten sie plötzlich Lärm aus dem Pferdestall. Dort wollten die beiden Pferde einander nicht an der Krippe dulden und hatten begonnen, sich mit den Hufen zu treten. Rasch setzten Lung-örl und die anderen beiden Knaben ihre Becher nieder und stürzten hinaus. Als sie die Pferde mit viel Mühe wieder zur Ruhe gebracht hatten, banden sie sie an anderer Stelle fest, dann kehrten sie in die Küche zurück.
 
„Ihr drei schlaft hier!“ sagte Bau Örls Frau zu ihnen. „Der Tee ist auch fertig, da gehe ich jetzt.“ Mit diesen Worten ging sie hinaus und machte die Tür hinter sich zu.
 
Hsi-örl, der schon einige Becher getrunken hatte, konnte kaum noch aus den Augen sehen, und als Lung-örl und Schou-örl die Tür abgeschlossen hatten und sich dann wieder nach ihm umsahen, lag er stocksteif auf dem Ofenbett. Also stießen sie ihn an und baten: „Komm hoch und leg dich ordentlich schlafen! Wenn du nur an dich denkst, sind wir beide schlecht dran.“
 
Aber Hsi-örl erwiderte ihnen: „Heute wollen wir uns ehrlich und gerecht eine tüchtige Portion Sesambrötchen backen! Und wer den Musterknaben spielen will, dem vögele ich seine Mutter gründlich durch!“
 
Lung-örl und Schou-örl merkten, daß er betrunken war, also verzichteten sie auf überflüssige Worte, bliesen das Licht aus und legten sich schlafen, so gut es ging.
 
Auch die zweite Schwester You hatte den Lärm im Pferdestall gehört und war darüber unruhig geworden. Mit ein paar Worten lenkte sie Djia Liän ab. Djia Liän war schon nach wenigen Bechern in Frühlingsstimmung gekommen, also befahl er, den Wein und die Zuspeisen abzutragen, dann verschloß er die Tür und begann sich auszuziehen. Die zweite Schwester You trug nur eine halblange dunkelrote Jacke, und die schwarzen Wolken ihres Haares hingen lose herab. Mit ihren weingeröteten Wangen sah sie noch lieblicher aus als bei Tage. Djia Liän nahm sie in die Arme und sagte lächelnd: „Alle sagen, meine Hexe sei hübsch, ich aber finde, sie ist nicht würdig, dir die Schuhe zu reichen.“
 
„Ich bin zwar schön, aber ich habe keinen Charakter“, gab die zweite Schwester You zurück. „Mir scheint, die Häßlichen haben es besser.“
 
„Das verstehe ich nicht. Wie meinst du das?“ fragte Djia Liän sofort.
 
„Ihr haltet mich alle für ein Dummchen, das von nichts eine Ahnung hat“, klagte die zweite Schwester You unter Tränen. „Wir sind jetzt seit zwei Monaten Mann und Frau, das ist keine lange Zeit, aber es reicht, um zu wissen, daß du nicht dumm bist. Ich werde dir im Leben als Mensch und im Tod als Geist gehören. Als deine Frau werde ich mich mein Leben lang auf dich stützen, wie könnte ich dir also auch nur ein Wort verschweigen?! Ich habe eine Stütze gefunden, aber was wird aus meiner jüngeren Schwester? Das, was jetzt ist, ist nichts für ewig. Es muß dauerhaft für sie gesorgt werden.“
 
„Sei unbesorgt!“ sagte Djia Liän und lächelte, „ich bin nicht von der eifersüchtigen Sorte. Was gewesen ist, weiß ich, darüber brauchst du nicht zu erschrecken. Es muß dir natürlich peinlich sein, daß mein Vetter der Mann deiner Schwester wird, aber ich werde die Ausnahme machen!“
 
Mit diesen Worten verließ er den Raum und ging in den westlichen Hof, wo er durchs Fenster sah, daß die Lampen hell brannten und die beiden vergnügt beim Wein saßen. Er schob die Tür auf, trat ins Zimmer und sagte lächelnd: „Ich wollte den Herrn Vetter begrüßen, wenn er schon einmal hier ist.“
 
Djia Dschën brachte vor Scham kein Wort hervor und hatte keine andere Wahl, als aufzustehen und Djia Liän einen Platz anzubieten.
 
„Was ist dir denn?“ fragte Djia Liän lächelnd. „Haben wir uns nicht immer bestens vertragen? Dafür, was du für mich getan hast, würde ich mich für dich in Stücke hauen lassen, so unendlich dankbar bin ich dir. Wie könnte ich Ruhe finden, wenn du an mir zweifelst? Also benimm dich wieder wie früher, sonst komme ich nie wieder hierher, auch wenn ich dann ohne Sohn sterben muß.“
 
Bei den letzten Worten kniete er nieder, und verwirrt half ihm Djia Dschën wieder auf. Dabei sagte er nur: „Ich werde alles tun, was du befiehlst, Vetter.“
 
Sofort rief Djia Liän: „Bringt uns noch Wein, ich will ein paar Becher mit meinem Vetter trinken!“ Dann griff er nach der Hand der dritten Schwester You und forderte sie auf: „Komm her, du sollst auch einen Becher mit dem Vetter deines Mannes trinken!“
 
„Also, du bist ja einer!“ sagte Djia Dschën lächelnd. „Ich werde diesen Becher leeren!“ Und schon stürzte er den Wein in einem Zug hinunter.
 
Derweilen stieg die dritte Schwester You aufs Ofenbett, wies mit der Hand auf Djia Liän und sagte lächelnd: „Spar dir deine schönen Worte und laß mich ungeschoren! Meinst du, ich wäre blind? Wenn du Schattentheater spielen willst, mußt du aufpassen, daß du nicht ein Loch in den Bildschirm reißt. Du mußt dir nichts vormachen und darfst dir nicht einbilden, wir wüßten nicht, wie es in eurem Hause zugeht. Wenn ihr beide glaubt, bloß weil ihr ein bißchen schnödes Geld ausgegeben habt, könntet ihr uns beide als Huren betrachten und herkommen, um euch mit uns zu amüsieren, habt ihr euch verrechnet.
 
Ich weiß, daß mit deiner Frau kein Auskommen ist und daß du deshalb meine Schwester als Nebenfrau hierher gebracht hast. Aber einen gestohlenen Gong darf man nicht schlagen. Diese Frau Hsi-fëng würde ich gern einmal treffen, nur um zu sehen, wie viele Köpfe und wie viele Hände sie eigentlich hat.
 
Solange ihr nur schön friedlich bleibt, soll alles gut sein, aber wenn ihr euch nur das mindeste leistet, was wir nicht hinnehmen können, bin ich imstande, euch die Gedärme herauszureißen. Und anschließend fechte ich es mit diesem Weibsstück aus, auch wenn es das Leben kostet, sonst will ich nicht länger die dritte Schwester You sein! – Wein trinken wollt ihr? Also los, trinken wir!“
 
Mit diesen Worten griff sie nach der Kanne, goß sich einen Becher Wein ein und trank ihn zur Hälfte aus. Dann schlang sie den Arm um Djia Liäns Nacken, flößte ihm den restlichen Wein ein und sagte: „Mit deinem Vetter habe ich schon getrunken, jetzt wollen wir es uns miteinander gemütlich machen!“
 
Djia Liän wurde vor lauter Schreck wieder nüchtern, und auch Djia Dschën hatte nicht erwartet, daß sich die dritte Schwester You so schamlos benehmen könnte. Beide Vettern waren aus den Freudenhäusern einiges gewöhnt, jetzt aber hatten ihnen die Worte eines jungen Mädchens die Sprache verschlagen.
 
Die dritte Schwester You ließ jedoch nicht locker und rief nach ihrer Schwester. „Wenn wir uns schon vergnügen wollen, müssen wir es zu viert tun!“ verlangte sie. „Sagt nicht das Sprichwort ‚Bequemer als zu Hause hat man es nirgends‘? Sie sind Vettern, und wir sind Schwestern, da sind wir uns doch nicht fremd. Also komm nur!“
 
Der zweiten Schwester You war die Sache höchst unangenehm, und Djia Dschën glaubte, eine Gelegenheit gefunden zu haben, um sich wegzustehlen, aber die dritte Schwester You ließ ihn nicht fort. Jetzt begann Djia Dschën zu bereuen, daß er überhaupt gekommen war, denn das hätte er nie erwartet, daß er und Djia Liän nicht auch mit der dritten Schwester You leichtes Spiel haben sollten.
 
Die dritte Schwester You trug jetzt ihr Haar in einem losen Knoten, ihre dunkelrote Jacke stand halb offen, so daß ihr lauchgelbes Brusttuch und ein Streifen schneeweißes Fleisch zu sehen waren. Ihre Beine in grünen Hosen und roten Strümpfen sowie ihre ‚Goldlotos‘-Füßchen0 hielt sie keinen Augenblick züchtig still, mal klopfte sie damit auf den Boden, mal öffnete und schloß sie sie. Ihre Ohrgehänge schwangen wie Schaukeln hin und her, ihre weidenblattförmigen Brauen wirkten im Lampenlicht wie dunkler Nebel, und ihr sandelduftender Mund schien wie mit Zinnober betupft. Ihre Augen, die sonst klar wie Herbstwasser strahlten, waren nach dem Weingenuß umflort und verführerisch.
 
Mit all dem stellte die dritte Schwester You nicht nur ihre ältere Schwester in den Schatten, nach dem Urteil von Djia Dschën und Djia Liän verfügte keine einzige von den Frauen vornehmen und geringen Standes, die sie bisher gesehen hatten, über solche Zartheit und solchen Charme. Beide Vettern fühlten sich wie betäubt, und als sie unwillkürlich die Hände nach der dritten Schwester You ausstrecken wollten, hatte die Wollüstigkeit des Anblicks sie selbst dazu unfähig gemacht.
 
Mühelos konnte sich die dritte Schwester You davon überzeugen, daß die beiden nichts anderes mehr kannten und nichts anderes mehr sahen als sie. Sie waren nicht einmal mehr imstande, einen vernünftigen Satz zu äußern, und alles, woran sie noch dachten, waren Wein und Lust. Sie selbst dagegen sprach laut und ungeniert, tat sich keinerlei Zwang an und hielt die beiden kräftig zum Narren. Nicht sie hatten die Männer zur Prostituierten gemacht, sie hatten sich vielmehr vor ihr prostituiert.
 
Als die dritte Schwester You genug getrunken hatte und ihre Stimmung verflogen war, erlaubte sie den beiden nicht, länger zu bleiben, und warf sie kurzerhand hinaus. Dann verschloß sie die Tür und legte sich schlafen.
 
Von nun an brauchten nur die Sklavenmädchen oder die alten Sklavenfrauen etwas nicht recht zu machen, schon schimpfte die dritte Schwester You in den höchsten Tönen über Djia Liän, Djia Dschën und Djia Jung und sagte, die drei hätten eine arme Witwe und ihre verwaisten Töchter schändlich betrogen. Djia Dschën seinerseits wagte von nun an nicht mehr, ohne weiteres in die Gasse der Kleinen Blütenzweige zu kommen. Nur manchmal, wenn die dritte Schwester You in der Stimmung dazu war und ihn durch einen Sklavenjungen einladen ließ, traute er sich noch hierher und fügte sich dann stets ihren Wünschen.
 
Die dritte Schwester You aber hatte von Natur aus die unerträgliche Neigung, sich zusätzlich zu ihrer Schönheit und ihrem Charme extravagant herauszustaffieren und mit zahllosen unzüchtigen Gesten und wollüstigen Posen, die ihr keine andere nachmachen konnte, die Männer dahin zu bringen, daß ihnen das Wasser im Munde zusammenlief und die Sinne ihnen schwanden, daß sie sich ihr nähern wollten und nicht durften, sie fliehen wollten und nicht konnten. Sie völlig verwirrt und kopflos zu machen, darin bestand ihr Vergnügen.
 
Ihre Mutter und ihre Schwester bemühten sich nach Kräften, ihr dieses Benehmen auszureden, aber darauf erwiderte sie: „Du bist dumm, Schwester! Wir sind Mädchen wie Gold und Jade, wenn wir uns für nichts und wieder nichts von diesen Strolchen besudeln ließen, müßten wir ja als ganz und gar unfähig gelten. Zumal sie dieses bösartige Frauenzimmer im Hause haben, und wir nur so lange in Sicherheit sind, wie sie nichts von uns weiß.
 
Sobald sie von uns erfährt, gibt es für sie keinen Grund, sich tatenlos mit diesem Zustand abzufinden, und es wird mit Sicherheit einen gewaltigen Skandal geben. Wer dabei überlebt und wer daran zugrunde geht, ist noch gar nicht abzusehen. Wenn ich nicht jetzt die Gelegenheit nutze, um mich über sie lustig zu machen und sie zu demütigen, um mich an ihnen schadlos zu halten, bleibt nachher von mir nur ein schlechter Ruf zurück, und zur Reue ist es dann zu spät.“
 
Dieser Rede entnahmen ihre Mutter und ihre Schwester, daß sie nicht gewillt war, auf sie zu hören, und damit mußten sie sich notgedrungen abfinden.
 
In bezug auf Kleidung und Speisen wurde die dritte Schwester You von Tag zu Tag wählerischer. Gab man ihr Silber, dann wollte sie Gold, bekam sie Perlen, verlangte sie Edelsteine. Setzte man ihr fettes Gänsefleisch vor, dann ließ sie statt dessen feiste Enten schlachten, wenn sie nicht gar in Zorn geriet und die Speisen mitsamt dem Tisch umwarf. Gefielen ihr die Kleider nicht, die man ihr zuteilte, dannn zerschlitzte sie sie mit der Schere, mochten sie auch aus Seide oder Brokat sein und nagelneu. Und jeden Streifen, den sie abriß, begleitete sie mit einem Fluch. So hatte Djia Dschën keinen einzigen glücklichen Tag mit ihr und gab nur große Mengen Sündengeld für sie aus.
 
Wenn Djia Liän kam, hielt er sich nur in den Räumen der zweiten Schwester You auf. Er bereute ein wenig, was er getan hatte, aber andererseits war nun einmal die zweite Schwester You eine sehr gefühlvolle Frau, die ihn für den Rest ihrer Tage als Herrn und Meister betrachtete und die auch stets wußte, wo ihn der Schuh drückte. Ihre Nachgiebigkeit und Friedfertigkeit waren zehnmal größer als die von Hsi-fëng, über alles und jedes beriet sie sich mit ihm und erlaubte sich nicht, auf Grund ihrer eigenen Fähigkeiten selbstherrlich zu entscheiden.
 
Auch in Schönheit, Redeweise und Betragen übertraf sie Hsi-fëng noch zu fünf Zehnteln. Aber wenn sie sich auch gebessert hatte, haftete ihr doch, da sie einmal gestrauchelt war, der Makel der Unzüchtigkeit an, durch den alle ihre Vorzüge null und nichtig wurden. Djia Liän aber sagte dazu: „Welcher Mensch ist schon frei von Fehlern? Die Hauptsache ist, er stellt sie ab, sobald er sie einmal erkannt hat.“ Deshalb rührte er nicht an ihre vergangene Unkeuschheit und hielt sich nur an ihre jetzige Güte. So klebten sie aneinander wie Leim und Lack und waren so vertraut miteinander wie Fisch und Wasser. Sie waren ein Herz und eine Seele, schworen sich, miteinander zu leben und zu sterben, und für Hsi-fëng und Ping-örl war in Djia Liäns Gedanken kein Platz mehr.
 
Noch immer redete die zweite Schwester You zwischen Decken und Kissen auf Djia Liän ein: „Berate dich mit deinem Vetter Dschën und such mit ihm zusammen einen eurer Bekannten aus, um ihn mit meiner Schwester zu verloben! Sie hier im Hause zu behalten ist auf die Dauer nicht das Richtige. Was willst du machen, wenn schließlich ein Skandal daraus wird?“
 
„Ich habe meinen Vetter neulich schon deswegen angesprochen, aber er will einfach nicht von ihr lassen“, berichtete Djia Liän. „Ich habe gesagt: ‚Sie ist ein schönes, fettes Stück Hammelfleisch, nur leider so heiß, daß man sich den Mund daran verbrennt, eine liebliche Rose, aber mit solchen Stacheln, daß man sich die Hände daran zersticht. Wir kriegen sie bestimmt nicht herum, darum ist die einzige Möglichkeit die, jemand zu suchen, um sie zu verloben.‘ Darauf druckste er nur herum und ließ das Thema fallen. Was also soll ich deiner Meinung nach tun?“
 
„Sei unbesorgt!“ sagte die zweite Schwester You. „Morgen reden wir meiner Schwester noch einmal zu, und wenn sie einverstanden ist, soll sie so weitermachen wie bisher. Wenn ihm das zuviel wird, kann er nicht anders, als sie zu verloben.“
 
„Völlig richtig!“ stimmte Djia Liän zu.
 
Am nächsten Tag ließ die zweite Schwester You eine besondere Weintafel herrichten, und Djia Liän ging nicht aus dem Hause. Um die Mittagszeit bat sie dann ihre Schwester herüber und nötigte sie mit der Mutter zusammen auf die Ehrenplätze. Da konnte sich die dritte Schwester You denken, worum es ging, und ohne daß ihre Schwester den Mund aufzumachen brauchte, sagte sie nach der dritten Runde Wein unter Tränen: „Wenn du mich heute eingeladen hast, Schwester, willst du bestimmt über ein wichtiges Zeremoniell mit mir sprechen. Aber ich bin keine Närrin, und so brauchen wir die häßlichen Dinge, die es gegeben hat, nicht wieder und wieder aufzuwärmen. Ich weiß das alles, und es hat keinen Sinn, noch darüber zu reden.
 
Nachdem du deinen Platz im Leben gefunden hast und auch Mutter dadurch eine Bleibe hat, muß ich auch für mich eine Lösung finden, damit alles seine Ordnung hat. Aber diese wichtigste Entscheidung im Leben gilt bis ans Grab, und darum ist sie kein Kinderspiel. Ich habe es mir überlegt und will mich in mein Los fügen, aber ich gehe nur mit jemand, der nach meinem Herzen und meinem Sinn ist. Wenn ihr jemand aussucht, und er wäre reich wie Schï Tschung0, talentiert wie Tsau Dschï0 und schön wie Pan Yüä0, wäre mein Leben dennoch vergeudet, wenn er mein Herz nicht gewinnt.“
 
„Das ist kein Problem“, sagte Djia Liän lächelnd, „wen du uns nennst, der soll es sein. Alle Geschenke geben wir, auch deine Mutter braucht sich keine Sorgen zu machen.“
 
Weinend erklärte die dritte Schwester You: „Meine Schwester weiß, wen ich meine, ich brauche keinen Namen zu nennen.“
 
Lächelnd fragte Djia Liän nun die zweite Schwester You, wer es sei, aber diese kam nicht darauf, wen ihre Schwester meinte. Während sie sich gemeinsam den Kopf zerbrachen, glaubte Djia Liän plötzlich, er müsse des Rätsels Lösung gefunden haben, darum klatschte er lächelnd in die Hände und sagte: „Ich weiß es! An ihm ist nichts auszusetzen, du hast wirklich einen guten Blick.“
 
Nun war es an der zweiten Schwester You zu fragen: „Wer ist es?“
 
„Wen soll sie wohl anders wollen? Bestimmt ist es Bau-yü!“ sagte Djia Liän lächelnd.
 
Schon glaubten die zweite Schwester You und auch ihre Mutter, Djia Liän müsse recht haben, da spuckte die dritte Schwester You aus und fragte: „Wenn wir zehn Schwestern wären, müßten wir wohl zehn Vettern von euch heiraten, ja? Gibt es vielleicht außer in eurer Familie keine guten Männer mehr auf der Welt?“
 
Verwundert fragten sich die anderen, wen es sonst noch geben könnte, da sagte die dritte Schwester You: „Ihr dürft nicht nur in der unmittelbaren Umgebung suchen! Denk einmal daran, was vor fünf Jahren war, Schwester, dann hast du es!“
 
Kaum hatte sie das gesagt, kam plötzlich Djia Liäns vertrauter Sklavenjunge Hsing-örl herein und meldete: „Der alte gnädige Herr verlangt dringend nach Euch. Ich habe gesagt, Ihr wärt drüben im Haus Eures Onkels, und bin dann hierher geeilt, um Euch zu holen.“
 
„Hat gestern niemand nach mir gefragt?“ erkundigte Djia Liän sich rasch.
 
„Ich habe der jungen Herrin gesagt, Ihr wärt im Familientempel, um mit Herrn Dschën noch etwas wegen des hunderttägigen Totenrituals zu besprechen und könntet wohl nicht nach Hause kommen“, berichtete Hsing-örl.
 
Nun befahl Djia Liän, sein Pferd zu holen, und ritt in Lung-örls Begleitung davon, während Hsing-örl zurückbleiben mußte, um aufzuwarten, falls jemand käme. Die zweite Schwester You reichte ihm zwei Teller mit Speisen, ließ einen großen Becher bringen, den sie für ihn mit Wein füllte, und befahl ihm dann, er solle sich vor das Ofenbett hocken und essen und trinken. Dabei begann sie, ihn gründlich auszufragen. Wie alt seine junge Herrin sei, ob sie wirklich so tückisch sei, wie alt die alte gnädige Frau und die gnädige Frau seien, wie viele junge Fräulein im Haus seien – dies und alle möglichen anderen Familienangelegenheiten wollte sie wissen.
 
Hsing-örl hockte lächelnd vor dem Ofenbett und aß, zugleich gab er der alten Frau You und ihren Töchtern einen ausführlichen Bericht über die Verhältnisse im Jung-guo-Anwesen. Dabei sagte er: „Ich tue Dienst am zweiten Tor, dort arbeiten wir schichtweise in zwei Gruppen zu je vier Mann, zusammen sind wir also acht. Einige von uns sind Vertraute der jungen Herrin, die andern Vertraute des jungen Herrn. Die Vertrauten der jungen Herrin wagen wir nicht herauszufordern, sie aber fordern uns heraus. Die junge Herrin selbst hat ein böses Herz und eine spitze Zunge. Unser junger Herr ist sicher nicht schlecht, aber er gilt nicht viel in ihren Augen.
 
Dann ist da noch seine Beischläferin Ping-örl. Das ist ein guter Mensch. Obwohl sie auf der Seite der jungen Herrin steht, tut sie doch hinter ihrem Rücken viel Gutes. Die junge Herrin vergibt uns nicht, wenn wir einen Fehler gemacht haben, aber sie brauchen wir nur zu bitten, dann ist die Sache erledigt. Die junge Herrin ist in der ganzen Familie bei hoch und niedrig verhaßt, alles andere ist nur Verstellung, weil jeder Angst vor ihr hat. Eine Ausnahme bilden lediglich die alte gnädige Frau und die gnädige Frau. Und das liegt nur daran, daß niemand von den Leuten, die sie zu Gesicht bekommen, an die junge Herrin heranreicht, und weil diese ihnen ständig nach dem Munde redet. Darum wird alles getan, was sie sagt, und niemand wagt, sie zu hindern. Am liebsten möchte sie alle Ausgaben einsparen und das Silber zu einem Berg anhäufen, nur damit die alte gnädige Frau und die gnädige Frau sagen, sie verstehe zu wirtschaften.
 
Wer wüßte nicht, wie sie das Gesinde quält, nur um sich bei den Familienoberen lieb Kind zu machen. Wenn sich etwas Gutes ereignet, wartet sie nicht, bis andere es melden, sondern schiebt sich selbst damit in den Vordergrund. Wenn sich aber etwas Schlechtes ereignet, oder sie selbst hat einen Fehler gemacht, dann zieht sie den Kopf ein und wälzt alles auf andere ab. Ja, sie stellt sich noch daneben und schürt das Feuer. Selbst ihre Schwiegermutter, die erste gnädige Frau, hat nur Verachtung für sie und sagt: ‚Sie ist ein Spatz, der hoch hinaus will, eine Krähe, so schwarz wie die anderen auch. Um die eigene Familie kümmert sie sich nicht, für andere aber läuft sie sich die Hacken ab.‘ Wenn nicht die alte gnädige Frau schützend vor ihr stände, hätte sie sie längst zu sich hinübergenommen.“
 
„Wer weiß, wie du eines Tages von mir sprechen wirst, wenn du hinter ihrem Rücken so über sie herziehst!“ sagte die zweite Schwester You lächelnd. „Schließlich stehe ich eine ganze Stufe tiefer als sie, da wirst du wohl über mich noch mehr zu erzählen wissen.
 
Sofort fiel Hsing-örl auf die Knie und versicherte: „Müßte ich nicht Angst haben, daß mich der Donner erschlägt, wenn es so wäre, wie Ihr sagt, Herrin? Es wäre für uns alle ein Glück gewesen, wenn der junge Herr gleich beim ersten Mal jemand wie Euch gefunden hätte. Dann hätten wir etwas weniger Schläge und Schelte bekommen und brauchten nicht so in Zittern und Zagen zu leben. Wer von uns Dienern des jungen Herrn lobt Euch nicht heimlich und offen für Eure heilige Tugend und Euer Mitgefühl gegen die Dienerschaft?! Wir haben schon darüber gesprochen, daß wir den jungen Herrn bitten wollen, hierher kommen zu dürfen, um Euch zu dienen.“
 
„Steh endlich auf, du Affenbrut!“ sagte die zweite Schwester You lächelnd. „Kaum daß man einen Scherz macht, bekommst du so einen Schreck! Was wolltet ihr hier? Ich frage mich vielmehr, ob nicht ich zu eurer jungen Herrin gehen sollte.“
 
„Das dürft Ihr auf gar keinen Fall!“ riet ihr Hsing-örl und winkte dabei sogar mit der Hand ab. „Das beste ist, wenn Ihr sie Euer Leben lang nicht zu Gesicht bekommt. Laßt Euch das gesagt sein, Herrin. Wenn sie auch honigsüße Reden führt, ist doch ihr Herz gallebitter. Sie ist falsch und verlogen, während sie Euch mit den Augen anlächelt, zieht sie Euch mit dem Fuß die Beine weg. Sie lodert förmlich vor Liebenswürdigkeit, doch heimlich hält sie schon den Dolch in der Hand. Sie ist einfach zu allem fähig. Wahrscheinlich kann nicht einmal die dritte Tante mit ihrer flinken Zunge gegen sie an, wie sollte ihr da ein gütiger, gesitteter Mensch gewachsen sein, wie Ihr es seid?!“
 
„Aber was kann sie mir anhaben, wenn ich ihr mit Respekt begegne?“ fragte die zweite Schwester You.
 
„Ihr müßt nicht denken, daß ich vielleicht flunkere, weil ich den Wein getrunken habe“, sagte Hsing-örl. „Selbst wenn Ihr höflich und zuvorkommend seid, wird sie Euch dennoch nie in Frieden lassen, sobald sie festgestellt hat, daß Ihr schöner und beliebter seid als sie. Wenn andere eine Essigflasche sind, so ist sie ein Essigkrug, ja ein ganzer Essigkübel. Wenn der junge Herr eine von den Mägden zu aufmerksam ansieht, bekommt sie es fertig und läßt sie vor seinen Augen windelweich prügeln.
 
Obwohl doch Fräulein Ping-örl seine Beischläferin ist, macht sie es ihr zehnmal zum Vorwurf, wenn sie in ein oder zwei Jahren auch nur einmal mit dem jungen Herrn zusammen ist. Sie hat ihr deswegen so zugesetzt, daß Fräulein Ping-örl in Wut geriet und geheult und getobt hat. ‚Ich bin schließlich nicht auf eigenen Wunsch geworden, was ich bin‘, hat sie gesagt. ‚Ihr habt mir immer wieder zugeredet, und als ich nicht nachgeben wollte, habt Ihr gesagt, das sei Auflehnung. Und jetzt kommt Ihr mir so.‘ Da hat die Herrin sie zufriedengelassen und hat sich sogar bei ihr entschuldigt.“
 
„Jetzt lügst du aber!“ wandte die zweite Schwester You lächelnd ein. „Was sollte so eine Hexe von einer Beischläferin fürchten?“
 
„Dazu sagt der Volksmund ‚Alles auf der Welt läßt sich vernünftig erklären‘“, entgegnete Hsing-örl. „Diese Ping-örl ist von klein auf ihre Magd, und von den vieren, die sie bei ihrer Hochzeit mitgebracht hat, ist sie die einzige Vertraute, die ihr geblieben ist, die andern sind verheiratet worden beziehungsweise gestorben. Zur Beischläferin des jungen Herrn hat sie sie gemacht, um zum einen zu zeigen, wie gütig sie ist, und zum andern, um das Herz des jungen Herrn zu fesseln, damit er nicht fremd geht.
 
Außerdem gab es noch einen Grund: Nach den Regeln des Hauses bekommt jeder der jungen Herren, wenn er erwachsen, aber noch nicht verheiratet ist, zwei ‚Aufwärterinnen‘. Die hatte auch unser junger Herr, aber als die junge Herrin ins Haus gekommen war, dauerte es nicht einmal ein halbes Jahr, da hatte sie die beiden unter irgendwelchen Vorwänden weggeschickt. Dagegen konnte zwar niemand gut etwas sagen, aber ihr selbst war es peinlich, und so hat sie Fräulein Ping-örl gezwungen, die Beischläferin des jungen Herrn zu werden.
 
Dieses Fräulein Ping-örl ist ein rechtschaffener Mensch. Sie hat sich die Sache nie zu Herzen genommen und denkt auch nicht daran, die beiden gegeneinander aufzubringen. Statt dessen dient sie ihrer Herrin treu und aufrichtig, und nur deswegen wird sie von ihr geduldet.“
 
„So ist das also!“ sagte die zweite Schwester You. „Aber ich habe gehört, es gibt bei euch noch eine verwitwete junge Herrin und ein paar junge Fräulein. Wie finden die sich denn damit ab, wenn die junge Herrin so gräßlich ist?“
 
Lächelnd klatschte Hsing-örl in die Hände und sagte: „Ihr kennt unsere junge Witwe nicht, Herrin. Ihr Spitzname ist Großer Bodhisattwa, denn sie ist der gütigste Mensch, den man sich denken kann. Außerdem gibt es in den Hausregeln auch dafür Festlegungen. Verwitwete junge Herrinnen haben sich nicht um das Hauswesen zu kümmern, sondern still und zurückgezogen ihre Witwenschaft zu pflegen. Weil viele junge Fräulein im Hause sind, hat man ihr diese anvertraut, damit sie ihnen Lesen und Schreiben, Nadelarbeiten und Sittlichkeit beibringt. Das ist ihre einzige Aufgabe, um andere Dinge kümmert sie sich nicht.
 
Nur weil die zweite junge Herrin schon so lange krank ist und viele Dinge zu erledigen waren, hat sie eine Zeitlang ausgeholfen. Aber große Entscheidungen hat sie dabei auch nicht getroffen, statt dessen hat sie sich an die herkömmlichen Regeln gehalten, nicht so wie die zweite junge Herrin, die stets viel Gewese macht, um ihre Tüchtigkeit zur Schau zu stellen.
 
Von unserm ältesten Fräulein ist nicht viel zu sagen. Wenn sie nicht ihre Vorzüge besäße, hätte sie auch nicht so großes Glück erfahren. Das zweite Fräulein heißt mit Spitznamen die Holzpuppe, denn sie würde nicht einmal au! sagen, wenn man sie pikte. Das dritte Fräulein wird die Rose genannt...“
 
Sofort fragten beide Schwestern You, was das zu bedeuten habe, und Hsing-örl erklärte: „Eine Rose ist schön und duftig, und jedermann mag sie, aber sie hat auch Stacheln, an denen man sich die Finger zersticht. Auch sie ist wunderbar begabt, aber leider hat nicht die gnädige Frau sie geboren, sie ist ein Phönix aus einem Krähennest. Unser viertes Fräulein ist noch klein.
 
  
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Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst." Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen." Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird." Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen." Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück.
[[Category:Hongloumeng]]
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Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Bambushains trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da." Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?" Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?" Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ..." Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit.
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Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?" Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?" Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!" Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange [宝钗] lachend herein: „Was will Bruder Bao denn sehen?" Schatzjade hatte noch nicht gelesen, was darauf stand, und wusste auch nicht, was Kajaljade davon hielt; er wagte nicht vorschnell zu antworten und sah nur Kajaljade lachend an. Kajaljade lud Schatzspange zum Sitzen ein und sagte lachend: „In der alten Geschichte habe ich viele talentierte und schöne Frauen gefunden, deren Lebensschicksal zugleich bewundernswert, beneidenswert, beklagenswert und beseufzenswert war. Heute Nachmittag, nach dem Essen, hatte ich nichts zu tun und habe mir einige von ihnen ausgewählt, um aufs Geratewohl ein paar Gedichte darüber zu verfassen. Gerade als Erkundefrühling [探春] mich besuchen und zur Zweiten Schwägerin mitnehmen wollte, war mir zu unwohl, um mitzugehen. Ich hatte gerade fünf Stück fertig, als mich die Müdigkeit überkam und ich sie liegen ließ — und da kam der Zweite Junge Herr und sah sie. Im Grunde schadet es nichts, wenn er sie liest; nur fürchte ich, dass er sie unbesonnen anderen zeigt." Schatzjade sagte eilig: „Wann hätte ich je etwas anderen gezeigt! Der Fächer neulich — ich mochte nur die Gedichte über die weißen Begonien und habe sie in kleiner Kursivschrift abgeschrieben, nur um sie bequemer in der Hand lesen zu können. Ich weiß sehr wohl, dass Gedichte und Schriften aus dem Frauengemach nicht leichtfertig nach außen getragen werden dürfen. Seit du es gesagt hast, habe ich sie nie aus dem Garten gebracht." Schatzspange sagte: „Schwester Lins Bedenken sind berechtigt. Da du sie auf den Fächer geschrieben hast — wenn du ihn einmal vergisst und ins Studierzimmer mitnimmst und die jungen Herren ihn sehen, werden sie unweigerlich fragen, wer sie verfasst hat. Wenn das sich herumspricht, wäre das unschicklich. Seit alters heißt es: ‚Talentlosigkeit ist die Tugend der Frau' <ref>berühmtes konfuzianisches Diktum</ref>. Züchtigkeit und Stille stehen an erster Stelle, Handarbeit an zweiter. Die Dichtkunst ist nur ein Zeitvertreib des Frauengemachs — man kann sie beherrschen oder auch nicht. Junge Frauen aus Häusern wie dem unseren brauchen keinen Ruf als Dichterinnen." Dann lächelte sie Kajaljade zu: „Zeig sie mir — das schadet nicht. Nur darf Bruder Bao sie nicht nach draußen tragen." Kajaljade lachte: „Wenn du schon so sprichst, brauchst auch du sie nicht zu sehen." Dann zeigte sie auf Schatzjade und lachte: „Er hat sie mir längst entrissen!" Schatzjade nahm sie nun aus dem Busen, rückte neben Schatzspange, und beide lasen aufmerksam. Darauf stand:
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Xi Shi <ref>die berühmteste der Vier Schönheiten des chinesischen Altertums</ref>
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Ein Zeitalter der Schönheit verging mit den Wellen;
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Im leeren Wu-Palast denkt sie vergeblich an Kindertage.
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Lacht nicht die Nachbarin aus dem Ostdorf, die ihr Stirnrunzeln nachahmte —
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Mit weißem Haar wäscht jene am Bach noch immer ihr Tuch.
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Yu Ji <ref>Konkubine des Königs Xiang Yu, die sich nach seiner Niederlage das Leben nahm</ref>
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Herzzerreißend wiehert das Rabenpferd im Nachtsturm;
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Yu Ji, dein stiller Gram vor dem Doppelpupilligen!
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Qing Bu und Peng Yue ließen sich später zerstückeln —
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Besser doch, das Schwert zu trinken im Zelt von Chu!
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Wang Zhaojun <ref>die Han-Hofdame, die zu den Xiongnu geschickt wurde</ref>
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Überirdische Schönheit erschreckt die Welt, als sie den Han-Palast verlässt;
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Das Los der Schönen ist seit je dasselbe.
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Selbst wenn der Kaiser Schönheit gering achtete —
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Warum gab er dem Hofmaler die Macht über Leben und Tod?
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Lü Zhu <ref>die schöne Konkubine, die sich für ihren Herrn Shi Chong vom Turm stürzte</ref>
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Scherben und Perlen werden gleichermaßen geworfen;
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Wann hätte Shi Chong je seine Schönheit wirklich geschätzt?
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Es war allein das Glück aus früheren Leben,
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Das ihr den Trost gab, gemeinsam in den Tod zu gehen.
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Hong Fu <ref>die mutige Frau, die Li Jing erkannte und mit ihm floh</ref>
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Mit langem Gruß und heldenhaftem Gespräch — ein ganz besondres Wesen;
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Mit scharfem Blick erkannte die Schöne den Helden im Elend.
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In Yang Sus Palast verweste nur noch ein lebender Leichnam —
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Wie könnte man eine Heldin dort in Ketten halten?
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Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten<ref>Chin. 五美吟 Wǔ Měi Yín. Kajaljades Gedichte auf fünf tragische Schönheiten des Altertums spiegeln indirekt ihr eigenes Schicksal: Jede der besungenen Frauen war schön, begabt und dem Untergang geweiht.</ref>' geben?" Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi<ref>Wang Anshi (王安石, 1021–1086), berühmter Reformpolitiker und Dichter der Song-Dynastie.</ref> dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu<ref>Ouyang Xiu (欧阳修, 1007–1072), einer der „Acht Großen Prosaisten der Tang und Song“.</ref> schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen."
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Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein." Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kette Kaufmann von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmanns, Dame Königs und der anderen und begrüßte dann Kette Kaufmann selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Erkundefrühling, Bedauerfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kette Kaufmann: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen." Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kette Kaufmann von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung.
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Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Dame König und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Dame König und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Kette Kaufmann hatten die Alte Herrin nach Hause gebracht und waren sofort herübergekommen. Als die Alte Herrin eintrat, kamen ihr Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann mit der ganzen Verwandtschaft weinend entgegen. Vater und Sohn stützten sie, einen auf jeder Seite, und führten sie vor den Sarg, wo Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann auf den Knien in die Arme der Alten Herrin stürzten und bitterlich weinten. Die Alte Herrin, eine betagte Frau, konnte bei diesem Anblick ebenfalls nicht an sich halten und umarmte Zhen und Rong, weinend ohne Ende. Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann trösteten sie mühsam, bis sie sich ein wenig beruhigte. Dann ging sie zum rechten Flügel des Sargraums, wo sie Dame Sonders und ihre Schwiegertochter traf, und es folgte eine weitere Szene bitterer Tränen. Danach traten die anderen der Reihe nach vor, um ihre Aufwartung zu machen. Da Herrlichkeit Kaufmann sah, dass die Alte Herrin gerade erst nach Hause gekommen war und noch keine Ruhe gehabt hatte, und er fürchtete, sie könnte sich vor dem Sarg zu sehr grämen, bat er sie wiederholt, nach Hause zurückzukehren. Dame König und die anderen drängten ebenfalls. Die Alte Herrin gab schließlich nach und kehrte zurück. Tatsächlich hielt eine betagte Person Wind, Frost und Trauer schlecht aus: Am Abend fühlte sie sich benommen, die Augen schmerzten, die Nase war verstopft und die Stimme heiser. Eilig ließ man den Arzt kommen, den Puls fühlen und Medizin verschreiben. Ein halber Tag und eine halbe Nacht voller Aufregung folgten. Glücklicherweise wirkte das Mittel schnell, und die Krankheit griff nicht auf die inneren Organe über; gegen die dritte Nachtwache brach ein leichter Schweiß aus, der Puls beruhigte sich und das Fieber sank — alle atmeten auf. Am nächsten Tag nahm sie weiter Medizin ein.
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Einige Tage später kam der Termin für Andacht Kaufmann [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Begnadigung Kaufmann, Kette Kaufmann, Frau Strafe, Dame König und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Herrlichkeit Kaufmann, Dame Sonders und Herrlichkeit Kaufmann blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Dame Sonders und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an.
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Kette Kaufmann hatte seit langem von den Sonders-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Andacht Kaufmanns Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester <ref>Drittschwester Sonders, eine stolze und entschlossene Frau</ref> begegnete ihm jedoch kühl und gleichgültig; nur die Zweite <ref>Zweitschwester Sonders<ref>Chin. 尤二姐 Yóu Èrjiě. 二姐 „Zweite Schwester“. Heimliche Geliebte von Kette Kaufmann.</ref>, sanft und nachgiebig</ref> zeigte deutlich Interesse. Aber es gab zu viele Augen und Ohren, und er fand keine Gelegenheit. Zudem fürchtete er, Herrlichkeit Kaufmann könnte eifersüchtig werden, und wagte nicht, sich zu bewegen — so begnügten sich beide mit stillem Einverständnis. Nach der Beisetzung waren im Hause Herrlichkeit Kaufmanns wenig Leute: Nur die alte Dame Sonders mit der Zweiten und Dritten Schwester und einigen groben Dienstmägden bewohnten die Haupträume; alle übrigen Mägde und Konkubinen waren mit ins Kloster gezogen. Draußen dienten die Bediensteten nur als Nachtwachen und Türhüter; tagsüber, wenn nichts zu tun war, betraten sie die inneren Gemächer nicht. Kette Kaufmann sah seine Gelegenheit. Unter dem Vorwand, Herrlichkeit Kaufmann Gesellschaft zu leisten, schlief er ebenfalls im Tempel, nutzte aber häufig den Anlass, für Herrlichkeit Kaufmann die Hausverwaltung zu erledigen, um ins Ningfu zu kommen und die Zweite Schwester zu umwerben.
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Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Herrlichkeit Kaufmann und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?" Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen." Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle." Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte zu Herrlichkeit Kaufmann: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Echt aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm." Herrlichkeit Kaufmann ging zu Dame Sonders, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken."
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Herrlichkeit Kaufmann und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kette Kaufmann hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kette Kaufmann fragte, worum es gehe; Herrlichkeit Kaufmann erzählte alles. Kette Kaufmann dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!" Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen." Kette Kaufmann sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm." Kette Kaufmann lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!" Herrlichkeit Kaufmann trug noch Herrlichkeit Kaufmann auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt." Herrlichkeit Kaufmann sagte zu allem ja und folgte Kette Kaufmann hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt.
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Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kette Kaufmann kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante <ref>Phönixglanz</ref> sei schön, aber nach meiner Meinung reicht sie nicht im Mindesten an deine Zweite Tante heran!" Herrlichkeit Kaufmann durchschaute seine Absicht und sagte lachend: „Wenn Onkel sie so sehr schätzt, soll ich als Heiratsvermittler fungieren und sie als Zweitfrau für dich arrangieren?" Kette Kaufmann lachte: „Meinst du das im Scherz oder im Ernst?" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ich meine es durchaus ernst." Kette Kaufmann lachte wieder: „Selbstverständlich wäre mir das recht. Nur fürchte ich, deine Tante stimmt nicht zu; und vielleicht will deine Großmutter auch nicht. Außerdem habe ich gehört, dass deine Zweite Tante bereits verlobt ist." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das alles ist kein Hindernis. Meine Zweite und Dritte Tante sind nicht die leiblichen Kinder meines Großvaters — sie sind von meiner Großmutter mitgebracht worden. Soweit ich weiß, hat meine Großmutter, als sie noch in jener Familie lebte, die Zweite Tante bereits dem Sohn des kaiserlichen Getreidepächters Zhang verlobt — eine Verlobung im Mutterleib. Später geriet die Familie Zhang in einen Prozess und verarmte; meine Großmutter heiratete aus jener Familie fort, und seit über zehn Jahren hatten die beiden Familien keinen Kontakt mehr. Meine Großmutter klagt oft darüber und will die Verlobung lösen; mein Vater will die Zweite Tante anderweitig verheiraten. Man wartet nur auf einen guten Kandidaten; dann schickt man jemanden zu den Zhangs, gibt ihnen zehn, zwanzig Liang und lässt einen Auflösungsbrief schreiben. Bei ihrer Armut werden sie, wenn sie Silber sehen, kaum widersprechen. Außerdem wissen sie, mit was für einem Haus sie es zu tun haben — sie wagen es nicht, zu widersprechen. Wenn ein Mann wie der Onkel sie zur Zweitfrau nehmen will, werden Großmutter und Vater bestimmt einverstanden sein. Das einzige Problem ist die Tante ..." Kette Kaufmann hörte das, und sein Herz blühte auf; er konnte nur noch stumm und dümmlich grinsen. Herrlichkeit Kaufmann überlegte noch einen Moment und sagte dann lachend: „Wenn der Onkel den Mut hat, meinem Plan zu folgen, garantiere ich, dass alles glattgeht — es kostet nur ein paar Taler mehr." Kette Kaufmann sagte hastig: „Was für ein Plan? Sag schnell — ich bin einverstanden!" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wenn der Onkel nach Hause kommt, verrät er mit keinem Wort etwas. Ich berichte meinem Vater und verhandle mit der Großmutter. Dann kaufen wir hinter unserem Palais ein kleines Haus und die nötige Ausstattung und verlegen zwei Gruppen Dienstboten dorthin. An einem günstigen Tag wird ohne Aufsehen geheiratet, und die Dienstboten dürfen kein Wort verlauten lassen. Die Tante lebt drinnen in ihrem tiefen Palais und wird es so bald nicht erfahren. Der Onkel wohnt an beiden Orten. Nach einem Jahr oder anderthalb — selbst wenn es herauskommt, gibt es höchstens eine Schelte vom Herrn Vater. Der Onkel sagt einfach, die Tante bekomme keine Kinder, und es sei um der Nachkommenschaft willen geschehen, deshalb habe er es heimlich arrangiert. Selbst die Tante wird, wenn der Reis schon zu Brei gekocht ist, sich fügen müssen. Dann bittet man die Alte Herrin um Vermittlung — das wird schon gut gehen." Seit alters heißt es: „Begierde macht den Verstand blind." Kette Kaufmann war nur von der Schönheit der Zweiten Schwester geblendet und hielt Herrlichkeit Kaufmanns Plan für narrensicher. Dass er noch in Trauerkleidung war, dass das Nehmen einer Zweitfrau neben der rechtmäßigen Gattin unschicklich war, dass sein strenger Vater und seine eifersüchtige Frau Einwände haben würden — all das schob er beiseite. Doch er ahnte nicht, dass auch Herrlichkeit Kaufmann es keineswegs gut meinte: Seit langem hatte er mit seinen Tanten ein Verhältnis, doch weil Herrlichkeit Kaufmann im Hause war, konnte er sich nicht frei bewegen. Wenn nun Kette Kaufmann die Zweite Schwester heiratete und sie außerhalb lebte, konnte er in Kette Kaufmanns Abwesenheit leichter mit ihr zusammenkommen. Kette Kaufmann dachte an so etwas nicht im Mindesten und dankte Herrlichkeit Kaufmann gerührt: „Lieber Neffe, wenn du das wirklich zustande bringst, kaufe ich dir zwei bildschöne Dienstmädchen zum Dank!" Damit waren sie am Tor des Ningfu angelangt. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Der Onkel geht hinein und holt das Silber von der Großmutter; gibt es Yu Lu. Ich gehe zuerst zur Alten Herrin und mache meine Aufwartung." Kette Kaufmann nickte lächelnd: „Sag vor der Alten Herrin nicht, dass wir zusammen gekommen sind." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Verstanden." Dann flüsterte er Kette Kaufmann ins Ohr: „Wenn du heute die Zweite Tante triffst, sei ja nicht voreilig — wenn es Ärger gibt, ist danach alles viel schwieriger." Kette Kaufmann lachte: „Hör auf mit dem Unsinn — geh schon!" Herrlichkeit Kaufmann ging, um der Alten Herrin seine Aufwartung zu machen.
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Kette Kaufmann betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kette Kaufmann stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Herrlichkeit Kaufmann seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweitschwester Sonders mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester keine Spur. Kette Kaufmann begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kette Kaufmann ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?" Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich." Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kette Kaufmann schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kette Kaufmann wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?" Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen." Kette Kaufmann rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kette Kaufmann fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kette Kaufmann nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Dame Sonders und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kette Kaufmann blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kette Kaufmann wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kette Kaufmann war beruhigt.
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Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kette Kaufmann sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist." Die alte Dame Sonders ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kette Kaufmann sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben." Die alte Dame Sonders lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?" Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Dame Sonders, die es an Kette Kaufmann weiterreichte. Kette Kaufmann ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten." Die Dienerin ging.
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Da hörte man im Hof Herrlichkeit Kaufmanns Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kette Kaufmann: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen." Kette Kaufmann wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Herrlichkeit Kaufmann zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?" Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kette Kaufmann und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester <ref>Drittschwester Sonders, die deutlich temperamentvoller ist</ref> schimpfte mit halb lächelndem, halb zornigem Gesicht: „Du verdorbener kleiner Affenbalg! Warte, bis ich dir gleich den Mund zerfetze!" Damit lief sie auf ihn zu. Herrlichkeit Kaufmann rannte lachend hinaus, und Kette Kaufmann verabschiedete sich ebenfalls lachend. Im Saal angekommen, gab er den Dienern noch Anweisungen, nicht zu spielen und zu trinken. Dann ermahnte er Herrlichkeit Kaufmann, schnell mit seinem Vater zu sprechen. Er selbst nahm Yu Lu mit, vervollständigte das Silber und übergab es ihm zur Auszahlung. Dann machte er bei Begnadigung Kaufmann und der Alten Herrin seine Aufwartung — davon sei hier nicht weiter die Rede.
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Herrlichkeit Kaufmann, als Yu Lu mit Kette Kaufmann gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Herrlichkeit Kaufmann: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr." Dann erzählte er beiläufig von Kette Kaufmanns Wunsch, die Zweitschwester Sonders als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen." Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir." Dann gab er Herrlichkeit Kaufmann noch einige Anweisungen und ging zu Dame Sonders, um ihr die Sache mitzuteilen. Dame Sonders wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Herrlichkeit Kaufmanns Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen.
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Am nächsten Morgen fuhr Herrlichkeit Kaufmann tatsächlich wieder in die Stadt zur Großmutter und überbrachte seines Vaters Botschaft. Er fügte viele Worte hinzu: wie gut Kette Kaufmann sei, dass Phönixglanz ohnehin kränkle und es mit ihr nicht mehr lange dauern könne; einstweilen kaufe man ein Haus außerhalb; nach ein oder zwei Jahren, sobald Phönixglanz sterbe, werde er die Zweite Tante als rechtmäßige Gattin ins Haus nehmen. Er beschrieb, wie sein Vater die Verlobung arrangiere, wie Kette Kaufmann die Hochzeit durchführe, wie man die Großmutter zu sich nehme, damit sie ihren Lebensabend genieße; und dass man auch der Dritten Schwester drüben einen Mann suchen wolle. Er redete so betörend, dass die alte Dame Sonders schließlich einwilligte. Zudem war sie zeitlebens auf Herrlichkeit Kaufmanns finanzielle Unterstützung angewiesen; es war Herrlichkeit Kaufmann, der die Verlobung arrangierte; die Mitgift brauchte sie nicht selbst zu kaufen; und Kette Kaufmann war ein junger Edelmann, zehnmal besser als Zhang Hua. Also ging sie eilig zur Zweiten Schwester, um es mit ihr zu besprechen. Die Zweite Schwester war von wankelmütigem Charakter; schon zuvor hatte sie es mit dem Schwager nicht bei der Schicklichkeit belassen und stets bedauert, damals dem Zhang Hua versprochen worden zu sein, was ihr ganzes weiteres Leben ruiniert hatte. Da Kette Kaufmann nun Zuneigung zeigte und ihr Schwager die Heirat vermittelte, gab es nichts, was sie hätte ablehnen wollen. Sie nickte zustimmend. Man teilte Herrlichkeit Kaufmann die Antwort mit; Herrlichkeit Kaufmann berichtete seinem Vater.
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Am nächsten Tag ließ Herrlichkeit Kaufmann Kette Kaufmann in den Tempel bitten und teilte ihm mit, dass die alte Dame Sonders zugestimmt habe. Kette Kaufmann war außer sich vor Freude und dankte Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann überschwänglich. Die beiden besprachen alles: Man schickte Leute los, um ein Haus zu suchen, Schmuck anfertigen zu lassen und für die Zweite Schwester Mitgift sowie Bett und Vorhänge für das neue Haus zu kaufen. Binnen weniger Tage war alles erledigt. In der Kleinen Blumenzweiggasse, etwa zwei Li hinter der Ning-Rong-Straße, kaufte man ein Haus mit über zwanzig Zimmern und dazu zwei kleine Mägde. Plötzlich fiel ihm der Diener Bao Er ein: Dessen Frau hatte damals ein Verhältnis mit Kette Kaufmann gehabt, und als Phönixglanz sie erwischte und einen Skandal machte, hatte sich die Frau vor Scham erhängt. Kette Kaufmann hatte Lin Zhixiao zweihundert Liang für die Bestattung versprechen lassen und Bao Er noch privat etwas Silber gegeben mit dem Versprechen, ihm eines Tages eine neue Frau zu suchen. Bao Er hatte nun Ansehen und Geld und diente Kette Kaufmann weiterhin ergeben. Kette Kaufmann rief ihn und seine neue Frau ins neue Haus, damit sie dort für die Zweite Schwester bereitstünden. Dann ließ er den Vater und Sohn Zhang herbeischaffen und nötigte sie, der alten Dame Sonders einen Auflösungsbrief für die Verlobung auszustellen. Zhang Huas Großvater war einst kaiserlicher Getreidepächter gewesen, doch dann gestorben. Sein Vater hatte das Amt weitergeführt und war mit dem verstorbenen ersten Mann der alten Dame Sonders befreundet gewesen — deshalb die Verlobung im Mutterleib zwischen Zhang Hua und der Zweiten Schwester You. Doch dann war die Familie Zhang in einen Prozess geraten und hatte alles verloren; sie konnten sich nicht einmal ernähren, geschweige denn eine Schwiegertochter aufnehmen. Die alte Dame Sonders hatte jene Familie verlassen und neu geheiratet; seit über zehn Jahren war der Kontakt abgerissen. Als die Jia-Diener die Zhangs nun herbeischaffen ließen und sie zur Auflösung der Verlobung zwangen, waren diese zwar unwillig, fürchteten aber die Macht der Kaufmann-Familie und wagten nicht zu widersprechen. Also schrieben sie den Auflösungsbrief. Die alte Dame Sonders gab ihnen zwanzig Liang Silber — von der Auflösung der Verlobung sei hier nicht weiter die Rede.
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Als Kette Kaufmann und die anderen sahen, dass alles geregelt war, wählten sie den dritten des Monats als glückverheißenden Tag für die Hochzeit mit der Zweiten Schwester.
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Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
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Es heißt dazu:
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Nur weil die Brüder der gleichen Familie der Lust frönten,
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Ließen sie die zusammengewachsenen Äste zu Speer und Hellebarde greifen.

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 64 Kajaljade [黛玉] verfasst fünf Gedichte auf berühmte Schönheiten des Altertums Kette Kaufmann [贾琏] kehrt heim, und die Sonders-Schwestern treten ins Geschehen

Es wird erzählt, dass Hibiskus Kaufmann [贾蓉], als er sah, dass zu Hause alle Vorbereitungen getroffen waren, eilig zum Tempel zurückfuhr, um Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] Bericht zu erstatten. Daraufhin wurden über Nacht alle Amtsdiener und Gehilfen eingeteilt und sämtliche benötigten Trauerbanner, Tragstangen und anderes Gerät vorbereitet. Man bestimmte die Mao-Stunde [1] des vierten Tages für den Einzug des Sarges in die Stadt und benachrichtigte alle Verwandten und Freunde. An jenem Tag war das Trauergeleit prächtig und strahlend, die Gäste zahlreich wie Wolken. Vom Eiserne-Schwelle-Kloster bis zum Ningfu säumten weit mehr als zehntausend Schaulustige den Weg. Unter ihnen gab es solche, die seufzten, solche, die neidisch waren, und auch jene Halbgebildeten, die sagten: „Bei einer Trauerfeier ist es besser, bescheiden und aufrichtig zu trauern, als verschwenderisch und gleichgültig zu sein." Die Meinungen gingen auf dem ganzen Weg auseinander. Erst zur Wei-Shen-Stunde [2] traf der Zug ein. Der Sarg wurde in der Haupthalle aufgestellt. Nach den Opfern und der Wehklage zerstreuten sich die Verwandten und Freunde allmählich; nur die Familienmitglieder blieben, um die Empfänge und Verabschiedungen zu regeln. Von den nahen Verwandten war nur der Älteste Schwager Xing geblieben. Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann waren nun an die Traueretikette gebunden und mussten neben dem Sarg auf Stroh liegen und Lehmklötze als Kissen benutzen, in bitterer Trauer verharrend. Doch sobald die Besucher fort waren, suchten sie wieder die Gelegenheit, sich mit den jungen Schwägerinnen einzulassen. Auch Schatzjade [宝玉] trug täglich im Ningfu Trauerkleidung; erst abends, wenn die Besucher gegangen waren, kehrte er in den Garten zurück. Phönixglanz [熙凤] war noch nicht genesen und konnte nicht ständig dort sein, doch an Tagen, wenn die Altäre für Rezitationen eröffnet wurden oder Verwandte und Freunde zum Opfern kamen, schleppte sie sich dennoch her, um Dame Sonders bei der Organisation zu helfen.

Eines Tages, nach dem Frühstücksopfer, als die Tage noch lang waren und Herrlichkeit Kaufmann und die anderen vor Erschöpfung neben dem Sarg eingenickt waren, sah Schatzjade, dass keine Gäste kamen, und beschloss, nach Hause zu gehen und nach Kajaljade zu sehen. Er kehrte zunächst ins Yihongyuan zurück. Als er durch das Tor trat, war es still und menschenleer im Hof; nur einige alte Dienerinnen und kleine Mädchen ruhten sich unter der Wandelhalle aus — manche schliefen, manche saßen dösend da. Schatzjade störte sie nicht. Nur Si'er bemerkte ihn, lief herbei und hob den Vorhang hoch. Gerade als sie ihn aufschlug, kam Duftblümchen lachend von drinnen herausgelaufen und wäre beinahe mit Schatzjade zusammengeprallt. Als sie ihn sah, blieb sie lächelnd stehen und sagte: „Wie kommst du hierher? Schnell, halt mir Heitermuster [晴雯] auf — sie will mich schlagen!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da hörte man drinnen Klappern und Poltern — irgendetwas war über den ganzen Boden verstreut worden. Dann kam Heitermuster hinterher und schimpfte: „Du kleines Biest — wohin willst du? Verloren und willst dich nicht schlagen lassen? Schatzjade ist nicht da; mal sehen, wer dich diesmal rettet!" Schatzjade hielt sie lachend auf und sagte: „Die Kleine ist noch jung — ich weiß nicht, womit sie dich beleidigt hat. Um meinetwillen, vergib ihr." Heitermuster hatte nicht erwartet, dass Schatzjade gerade jetzt zurückkam; als sie ihn so plötzlich sah, musste sie unwillkürlich lachen: „Duftblümchen ist wahrhaftig ein verwandelter Fuchsgeist — selbst Beschwörungsformeln, die Götter bannen und Generäle herbeirufen, wirken nicht so schnell!" Dann lachte sie: „Selbst wenn du wirklich einen Gott herbeigerufen hättest, fürchte ich mich nicht!" Damit versuchte sie erneut, Duftblümchen zu fangen. Doch Duftblümchen hatte sich längst hinter Schatzjade versteckt. Schatzjade nahm Heitermuster bei der einen und Duftblümchen bei der anderen Hand und führte sie ins Zimmer. Dort sah er auf dem westlichen Kang Moschusmond, Herbstmuster, Bihen und Zixiao, die gerade mit Steinchen um Kürbiskerne spielten. Duftblümchen hatte gegen Heitermuster verloren und sich geweigert, den Strafklaps entgegenzunehmen, worauf sie weggelaufen war. Heitermuster hatte bei der Verfolgung die Steinchen aus ihrem Schoß über den ganzen Boden verstreut. Schatzjade freute sich: „Bei diesen langen Tagen, wenn ich nicht zu Hause bin, fürchtete ich, ihr würdet euch langweilen, nach dem Essen nur schlafen und davon krank werden. Es ist gut, wenn ihr euch eine Beschäftigung sucht und euch amüsiert!" Als er Dufthauch [袭人] nicht sah, fragte er: „Wo ist eure Schwester Dufthauch?" Heitermuster sagte: „Die Dufthauch? Die wird immer frömmer — sie sitzt ganz allein drinnen vor der Wand wie ein Zen-Mönch. Seit geraumer Zeit bin ich nicht hineingegangen; ich weiß nicht, was sie treibt — nicht ein Laut ist zu hören. Geh schnell nachsehen — vielleicht hat sie inzwischen die Erleuchtung erlangt!"

Schatzjade hörte das, lachte und ging in das innere Zimmer. Dort saß Dufthauch auf dem Bett am Fenster, einen grauen Seidenstrang in der Hand, und knüpfte Knoten. Als sie Schatzjade eintreten sah, stand sie hastig auf und sagte lachend: „Was hat dieses Biest Heitermuster wieder über mich erzählt! Ich wollte nur schnell diesen Knotenstrang fertig bekommen und hatte keine Zeit, mit ihnen herumzutoben. Deshalb habe ich ihnen gesagt: ‚Geht nur spielen; solange der Zweite Junge Herr nicht da ist, will ich hier still sitzen und mich ein wenig ausruhen.' Daraus hat sie dann diesen ganzen Unsinn gemacht — ‚vor der Wand sitzen', ‚meditieren' — warte nur, gleich reiße ich ihr das Maul auf!" Schatzjade setzte sich lachend neben Dufthauch und sah ihr beim Knotenknüpfen zu. Er fragte: „Bei diesen langen Tagen solltest du dich auch einmal ausruhen, mit ihnen scherzen, oder Schwester Lin besuchen gehen. Es ist so heiß — wozu brauchst du das jetzt?" Dufthauch sagte: „Mir ist aufgefallen, dass das Fächeretui, das du trägst, noch das von damals ist, als im Östlichen Palais die ältere Schwägerin Rong [3] starb. Dieses blauschwarze Ding trägt man nur in der Familie oder bei Verwandten, wenn im Sommer ein Todesfall ist — ein- oder zweimal im Jahr. Gewöhnlich braucht man keins anzufertigen. Aber jetzt, wo drüben die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, musst du es täglich tragen. Deshalb beeile ich mich, ein neues zu machen. Wenn der Knotenstrang fertig ist, tausche ich das alte gegen das neue aus. Du magst zwar nicht auf solche Dinge achten, aber wenn die Alte Herrin zurückkommt und es sieht, wird sie wieder sagen, wir seien nachlässig und kümmerten uns nicht einmal um deine Kleidung und dein Zubehör." Schatzjade lachte: „Es ist wirklich rücksichtsvoll, dass du daran denkst. Nur solltest du dich nicht überanstrengen — in der Hitze krank zu werden, wäre schlimmer." Während sie sprachen, brachte Duftblümchen schon eine Tasse frisch im kalten Wasser gekühlten Tee. Schatzjade war von Natur aus zart besaitet und wagte selbst im Hochsommer kein Eis zu verwenden; man tauchte nur den Teekrug in eine Schüssel mit frischem Brunnenwasser, das regelmäßig gewechselt wurde, um den Tee zu kühlen. Schatzjade trank eine halbe Tasse aus Duftblümchens Hand und sagte dann zu Dufthauch: „Als ich ging, habe ich Mingyan Bescheid gesagt — wenn beim Ältesten Bruder Zhen wichtige Gäste kommen, soll er mir sofort Nachricht schicken; wenn nichts Dringendes anliegt, gehe ich nicht mehr hinüber." Damit trat er aus der Tür, wandte sich noch um und sagte zu Bihen und den anderen: „Wenn etwas ist, sucht mich bei Fräulein Lin." Damit ging er geradewegs zum Xiaoxiang-Bambushain, um Kajaljade zu besuchen.

Gerade hatte er die Qinfang-Brücke passiert, als er Schneegans mit zwei alten Dienerinnen kommen sah, die allerlei Wasserkastanien, Lotosrhizome, Melonen und Früchte trugen. Schatzjade fragte Schneegans eilig: „Eure Fräulein isst doch nie solch kalte Sachen — wozu die ganzen Früchte? Wollt ihr etwa jemanden einladen?" Schneegans lachte: „Ich sage es dir, aber du darfst es nicht dem Fräulein weitererzählen." Schatzjade nickte zustimmend. Schneegans wies die beiden Dienerinnen an: „Bringt die Früchte voraus und übergebt sie der Schwester Purpurkuckuck [紫鹃]. Wenn sie nach mir fragt, sagt ihr, ich erledige noch etwas und komme gleich." Die Dienerinnen gingen. Schneegans sagte: „Unserem Fräulein geht es die letzten beiden Tage etwas besser. Heute nach dem Essen kam das Dritte Fräulein vorbei und wollte sie mitnehmen, um die Zweite Herrin zu besuchen, aber das Fräulein ging nicht mit. Dann hat sie an irgendetwas gedacht, wurde traurig und hat eine ganze Weile geschrieben — ob Gedichte oder Lieder, weiß ich nicht. Als sie mich losschickte, um die Früchte zu holen, hörte ich sie noch Purpurkuckuck beauftragen, den kleinen Räuchertisch aus der Stube freizuräumen, den Tisch in die Mitte des Vorzimmers zu stellen und das Bronzegefäß mit Drachenmuster darauf zu setzen — die Früchte seien für ein bestimmtes Ritual. Wenn sie jemanden einladen wollte, würde sie doch nicht zuerst ein Räuchergefäß aufstellen! Und wenn sie Räucherwerk abbrennen wollte — unser Fräulein hat gewöhnlich nur frische Blumen, Früchte und Quitten im Zimmer und mag es gar nicht, Kleider zu parfümieren. Wenn sie schon Räucherwerk verwendete, würde sie es an ihrem gewöhnlichen Platz anzünden. Sollte etwa eine Dienerin das Zimmer voll gestunken haben und man es mit Räucherwerk vertreiben wollen? Ich verstehe es wirklich nicht." Damit eilte sie davon.

Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Schneegans sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter [4]. Aber ich erinnere mich, dass die Alte Herrin jedes Jahr an diesem Datum eigens Speisen zubereiten und an Schwester Lin schicken lässt, damit sie privat opfert — und dieser Tag ist bereits vorüber. Es muss wohl sein, dass im siebten Monat, dem Monat der Früchte und der Ahnenopfer, wenn jede Familie die Herbstopfer an den Gräbern darbringt, Schwester Lin davon bewegt ist und in ihrem Privatgemach ein eigenes Opfer darbringt — im Sinne des Li Ji: ‚Im Frühling und Herbst opfere man die Früchte der jeweiligen Jahreszeit.' Wenn ich jetzt hingehe und sie trauernd finde, werde ich sie trösten wollen — aber das könnte ihr Kummer sich innerlich nur noch mehr verdichten. Gehe ich aber nicht, trauert sie vielleicht übermäßig, und niemand hält sie zurück. Beides könnte zu Krankheit führen. Am besten gehe ich zunächst kurz zu Schwester Feng, bleibe dort nur einen Moment und kehre dann zurück. Wenn ich Schwester Lin dann noch traurig finde, werde ich behutsam trösten — so wird sie weder in übermäßige Trauer verfallen, noch ihren Kummer unterdrücken müssen."

Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst." Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen." Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird." Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen." Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück.

Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Bambushains trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da." Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?" Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?" Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ..." Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit.

Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?" Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?" Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!" Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange [宝钗] lachend herein: „Was will Bruder Bao denn sehen?" Schatzjade hatte noch nicht gelesen, was darauf stand, und wusste auch nicht, was Kajaljade davon hielt; er wagte nicht vorschnell zu antworten und sah nur Kajaljade lachend an. Kajaljade lud Schatzspange zum Sitzen ein und sagte lachend: „In der alten Geschichte habe ich viele talentierte und schöne Frauen gefunden, deren Lebensschicksal zugleich bewundernswert, beneidenswert, beklagenswert und beseufzenswert war. Heute Nachmittag, nach dem Essen, hatte ich nichts zu tun und habe mir einige von ihnen ausgewählt, um aufs Geratewohl ein paar Gedichte darüber zu verfassen. Gerade als Erkundefrühling [探春] mich besuchen und zur Zweiten Schwägerin mitnehmen wollte, war mir zu unwohl, um mitzugehen. Ich hatte gerade fünf Stück fertig, als mich die Müdigkeit überkam und ich sie liegen ließ — und da kam der Zweite Junge Herr und sah sie. Im Grunde schadet es nichts, wenn er sie liest; nur fürchte ich, dass er sie unbesonnen anderen zeigt." Schatzjade sagte eilig: „Wann hätte ich je etwas anderen gezeigt! Der Fächer neulich — ich mochte nur die Gedichte über die weißen Begonien und habe sie in kleiner Kursivschrift abgeschrieben, nur um sie bequemer in der Hand lesen zu können. Ich weiß sehr wohl, dass Gedichte und Schriften aus dem Frauengemach nicht leichtfertig nach außen getragen werden dürfen. Seit du es gesagt hast, habe ich sie nie aus dem Garten gebracht." Schatzspange sagte: „Schwester Lins Bedenken sind berechtigt. Da du sie auf den Fächer geschrieben hast — wenn du ihn einmal vergisst und ins Studierzimmer mitnimmst und die jungen Herren ihn sehen, werden sie unweigerlich fragen, wer sie verfasst hat. Wenn das sich herumspricht, wäre das unschicklich. Seit alters heißt es: ‚Talentlosigkeit ist die Tugend der Frau' [5]. Züchtigkeit und Stille stehen an erster Stelle, Handarbeit an zweiter. Die Dichtkunst ist nur ein Zeitvertreib des Frauengemachs — man kann sie beherrschen oder auch nicht. Junge Frauen aus Häusern wie dem unseren brauchen keinen Ruf als Dichterinnen." Dann lächelte sie Kajaljade zu: „Zeig sie mir — das schadet nicht. Nur darf Bruder Bao sie nicht nach draußen tragen." Kajaljade lachte: „Wenn du schon so sprichst, brauchst auch du sie nicht zu sehen." Dann zeigte sie auf Schatzjade und lachte: „Er hat sie mir längst entrissen!" Schatzjade nahm sie nun aus dem Busen, rückte neben Schatzspange, und beide lasen aufmerksam. Darauf stand:

Xi Shi [6]
Ein Zeitalter der Schönheit verging mit den Wellen;
Im leeren Wu-Palast denkt sie vergeblich an Kindertage.
Lacht nicht die Nachbarin aus dem Ostdorf, die ihr Stirnrunzeln nachahmte —
Mit weißem Haar wäscht jene am Bach noch immer ihr Tuch.
Yu Ji [7]
Herzzerreißend wiehert das Rabenpferd im Nachtsturm;
Yu Ji, dein stiller Gram vor dem Doppelpupilligen!
Qing Bu und Peng Yue ließen sich später zerstückeln —
Besser doch, das Schwert zu trinken im Zelt von Chu!
Wang Zhaojun [8]
Überirdische Schönheit erschreckt die Welt, als sie den Han-Palast verlässt;
Das Los der Schönen ist seit je dasselbe.
Selbst wenn der Kaiser Schönheit gering achtete —
Warum gab er dem Hofmaler die Macht über Leben und Tod?
Lü Zhu [9]
Scherben und Perlen werden gleichermaßen geworfen;
Wann hätte Shi Chong je seine Schönheit wirklich geschätzt?
Es war allein das Glück aus früheren Leben,
Das ihr den Trost gab, gemeinsam in den Tod zu gehen.
Hong Fu [10]
Mit langem Gruß und heldenhaftem Gespräch — ein ganz besondres Wesen;
Mit scharfem Blick erkannte die Schöne den Helden im Elend.
In Yang Sus Palast verweste nur noch ein lebender Leichnam —
Wie könnte man eine Heldin dort in Ketten halten?

Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten[11]' geben?" Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi[12] dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu[13] schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen."

Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein." Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kette Kaufmann von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Aufrecht Kaufmanns, Dame Königs und der anderen und begrüßte dann Kette Kaufmann selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Seidenweiß Pflaume, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Erkundefrühling, Bedauerfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kette Kaufmann: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen." Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kette Kaufmann von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung.

Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Dame König und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Dame König und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Kette Kaufmann hatten die Alte Herrin nach Hause gebracht und waren sofort herübergekommen. Als die Alte Herrin eintrat, kamen ihr Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann mit der ganzen Verwandtschaft weinend entgegen. Vater und Sohn stützten sie, einen auf jeder Seite, und führten sie vor den Sarg, wo Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann auf den Knien in die Arme der Alten Herrin stürzten und bitterlich weinten. Die Alte Herrin, eine betagte Frau, konnte bei diesem Anblick ebenfalls nicht an sich halten und umarmte Zhen und Rong, weinend ohne Ende. Begnadigung Kaufmann und Kette Kaufmann trösteten sie mühsam, bis sie sich ein wenig beruhigte. Dann ging sie zum rechten Flügel des Sargraums, wo sie Dame Sonders und ihre Schwiegertochter traf, und es folgte eine weitere Szene bitterer Tränen. Danach traten die anderen der Reihe nach vor, um ihre Aufwartung zu machen. Da Herrlichkeit Kaufmann sah, dass die Alte Herrin gerade erst nach Hause gekommen war und noch keine Ruhe gehabt hatte, und er fürchtete, sie könnte sich vor dem Sarg zu sehr grämen, bat er sie wiederholt, nach Hause zurückzukehren. Dame König und die anderen drängten ebenfalls. Die Alte Herrin gab schließlich nach und kehrte zurück. Tatsächlich hielt eine betagte Person Wind, Frost und Trauer schlecht aus: Am Abend fühlte sie sich benommen, die Augen schmerzten, die Nase war verstopft und die Stimme heiser. Eilig ließ man den Arzt kommen, den Puls fühlen und Medizin verschreiben. Ein halber Tag und eine halbe Nacht voller Aufregung folgten. Glücklicherweise wirkte das Mittel schnell, und die Krankheit griff nicht auf die inneren Organe über; gegen die dritte Nachtwache brach ein leichter Schweiß aus, der Puls beruhigte sich und das Fieber sank — alle atmeten auf. Am nächsten Tag nahm sie weiter Medizin ein.

Einige Tage später kam der Termin für Andacht Kaufmann [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Begnadigung Kaufmann, Kette Kaufmann, Frau Strafe, Dame König und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Herrlichkeit Kaufmann, Dame Sonders und Herrlichkeit Kaufmann blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Dame Sonders und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an.

Kette Kaufmann hatte seit langem von den Sonders-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Andacht Kaufmanns Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester [14] begegnete ihm jedoch kühl und gleichgültig; nur die Zweite Cite error: Closing </ref> missing for <ref> tag, sanft und nachgiebig</ref> zeigte deutlich Interesse. Aber es gab zu viele Augen und Ohren, und er fand keine Gelegenheit. Zudem fürchtete er, Herrlichkeit Kaufmann könnte eifersüchtig werden, und wagte nicht, sich zu bewegen — so begnügten sich beide mit stillem Einverständnis. Nach der Beisetzung waren im Hause Herrlichkeit Kaufmanns wenig Leute: Nur die alte Dame Sonders mit der Zweiten und Dritten Schwester und einigen groben Dienstmägden bewohnten die Haupträume; alle übrigen Mägde und Konkubinen waren mit ins Kloster gezogen. Draußen dienten die Bediensteten nur als Nachtwachen und Türhüter; tagsüber, wenn nichts zu tun war, betraten sie die inneren Gemächer nicht. Kette Kaufmann sah seine Gelegenheit. Unter dem Vorwand, Herrlichkeit Kaufmann Gesellschaft zu leisten, schlief er ebenfalls im Tempel, nutzte aber häufig den Anlass, für Herrlichkeit Kaufmann die Hausverwaltung zu erledigen, um ins Ningfu zu kommen und die Zweite Schwester zu umwerben.

Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Herrlichkeit Kaufmann und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?" Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen." Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle." Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte zu Herrlichkeit Kaufmann: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Echt aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm." Herrlichkeit Kaufmann ging zu Dame Sonders, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken."

Herrlichkeit Kaufmann und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kette Kaufmann hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kette Kaufmann fragte, worum es gehe; Herrlichkeit Kaufmann erzählte alles. Kette Kaufmann dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!" Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen." Kette Kaufmann sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter." Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm." Kette Kaufmann lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!" Herrlichkeit Kaufmann trug noch Herrlichkeit Kaufmann auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt." Herrlichkeit Kaufmann sagte zu allem ja und folgte Kette Kaufmann hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt.

Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kette Kaufmann kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante [15] sei schön, aber nach meiner Meinung reicht sie nicht im Mindesten an deine Zweite Tante heran!" Herrlichkeit Kaufmann durchschaute seine Absicht und sagte lachend: „Wenn Onkel sie so sehr schätzt, soll ich als Heiratsvermittler fungieren und sie als Zweitfrau für dich arrangieren?" Kette Kaufmann lachte: „Meinst du das im Scherz oder im Ernst?" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Ich meine es durchaus ernst." Kette Kaufmann lachte wieder: „Selbstverständlich wäre mir das recht. Nur fürchte ich, deine Tante stimmt nicht zu; und vielleicht will deine Großmutter auch nicht. Außerdem habe ich gehört, dass deine Zweite Tante bereits verlobt ist." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Das alles ist kein Hindernis. Meine Zweite und Dritte Tante sind nicht die leiblichen Kinder meines Großvaters — sie sind von meiner Großmutter mitgebracht worden. Soweit ich weiß, hat meine Großmutter, als sie noch in jener Familie lebte, die Zweite Tante bereits dem Sohn des kaiserlichen Getreidepächters Zhang verlobt — eine Verlobung im Mutterleib. Später geriet die Familie Zhang in einen Prozess und verarmte; meine Großmutter heiratete aus jener Familie fort, und seit über zehn Jahren hatten die beiden Familien keinen Kontakt mehr. Meine Großmutter klagt oft darüber und will die Verlobung lösen; mein Vater will die Zweite Tante anderweitig verheiraten. Man wartet nur auf einen guten Kandidaten; dann schickt man jemanden zu den Zhangs, gibt ihnen zehn, zwanzig Liang und lässt einen Auflösungsbrief schreiben. Bei ihrer Armut werden sie, wenn sie Silber sehen, kaum widersprechen. Außerdem wissen sie, mit was für einem Haus sie es zu tun haben — sie wagen es nicht, zu widersprechen. Wenn ein Mann wie der Onkel sie zur Zweitfrau nehmen will, werden Großmutter und Vater bestimmt einverstanden sein. Das einzige Problem ist die Tante ..." Kette Kaufmann hörte das, und sein Herz blühte auf; er konnte nur noch stumm und dümmlich grinsen. Herrlichkeit Kaufmann überlegte noch einen Moment und sagte dann lachend: „Wenn der Onkel den Mut hat, meinem Plan zu folgen, garantiere ich, dass alles glattgeht — es kostet nur ein paar Taler mehr." Kette Kaufmann sagte hastig: „Was für ein Plan? Sag schnell — ich bin einverstanden!" Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Wenn der Onkel nach Hause kommt, verrät er mit keinem Wort etwas. Ich berichte meinem Vater und verhandle mit der Großmutter. Dann kaufen wir hinter unserem Palais ein kleines Haus und die nötige Ausstattung und verlegen zwei Gruppen Dienstboten dorthin. An einem günstigen Tag wird ohne Aufsehen geheiratet, und die Dienstboten dürfen kein Wort verlauten lassen. Die Tante lebt drinnen in ihrem tiefen Palais und wird es so bald nicht erfahren. Der Onkel wohnt an beiden Orten. Nach einem Jahr oder anderthalb — selbst wenn es herauskommt, gibt es höchstens eine Schelte vom Herrn Vater. Der Onkel sagt einfach, die Tante bekomme keine Kinder, und es sei um der Nachkommenschaft willen geschehen, deshalb habe er es heimlich arrangiert. Selbst die Tante wird, wenn der Reis schon zu Brei gekocht ist, sich fügen müssen. Dann bittet man die Alte Herrin um Vermittlung — das wird schon gut gehen." Seit alters heißt es: „Begierde macht den Verstand blind." Kette Kaufmann war nur von der Schönheit der Zweiten Schwester geblendet und hielt Herrlichkeit Kaufmanns Plan für narrensicher. Dass er noch in Trauerkleidung war, dass das Nehmen einer Zweitfrau neben der rechtmäßigen Gattin unschicklich war, dass sein strenger Vater und seine eifersüchtige Frau Einwände haben würden — all das schob er beiseite. Doch er ahnte nicht, dass auch Herrlichkeit Kaufmann es keineswegs gut meinte: Seit langem hatte er mit seinen Tanten ein Verhältnis, doch weil Herrlichkeit Kaufmann im Hause war, konnte er sich nicht frei bewegen. Wenn nun Kette Kaufmann die Zweite Schwester heiratete und sie außerhalb lebte, konnte er in Kette Kaufmanns Abwesenheit leichter mit ihr zusammenkommen. Kette Kaufmann dachte an so etwas nicht im Mindesten und dankte Herrlichkeit Kaufmann gerührt: „Lieber Neffe, wenn du das wirklich zustande bringst, kaufe ich dir zwei bildschöne Dienstmädchen zum Dank!" Damit waren sie am Tor des Ningfu angelangt. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Der Onkel geht hinein und holt das Silber von der Großmutter; gibt es Yu Lu. Ich gehe zuerst zur Alten Herrin und mache meine Aufwartung." Kette Kaufmann nickte lächelnd: „Sag vor der Alten Herrin nicht, dass wir zusammen gekommen sind." Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Verstanden." Dann flüsterte er Kette Kaufmann ins Ohr: „Wenn du heute die Zweite Tante triffst, sei ja nicht voreilig — wenn es Ärger gibt, ist danach alles viel schwieriger." Kette Kaufmann lachte: „Hör auf mit dem Unsinn — geh schon!" Herrlichkeit Kaufmann ging, um der Alten Herrin seine Aufwartung zu machen.

Kette Kaufmann betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kette Kaufmann stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Herrlichkeit Kaufmann seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweitschwester Sonders mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester keine Spur. Kette Kaufmann begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kette Kaufmann ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?" Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich." Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kette Kaufmann schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kette Kaufmann wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?" Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen." Kette Kaufmann rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kette Kaufmann fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kette Kaufmann nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Dame Sonders und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kette Kaufmann blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kette Kaufmann wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Dame Sonders und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kette Kaufmann war beruhigt.

Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kette Kaufmann sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist." Die alte Dame Sonders ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kette Kaufmann sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben." Die alte Dame Sonders lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?" Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Dame Sonders, die es an Kette Kaufmann weiterreichte. Kette Kaufmann ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten." Die Dienerin ging.

Da hörte man im Hof Herrlichkeit Kaufmanns Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kette Kaufmann: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen." Kette Kaufmann wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Herrlichkeit Kaufmann zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?" Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kette Kaufmann und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester [16] schimpfte mit halb lächelndem, halb zornigem Gesicht: „Du verdorbener kleiner Affenbalg! Warte, bis ich dir gleich den Mund zerfetze!" Damit lief sie auf ihn zu. Herrlichkeit Kaufmann rannte lachend hinaus, und Kette Kaufmann verabschiedete sich ebenfalls lachend. Im Saal angekommen, gab er den Dienern noch Anweisungen, nicht zu spielen und zu trinken. Dann ermahnte er Herrlichkeit Kaufmann, schnell mit seinem Vater zu sprechen. Er selbst nahm Yu Lu mit, vervollständigte das Silber und übergab es ihm zur Auszahlung. Dann machte er bei Begnadigung Kaufmann und der Alten Herrin seine Aufwartung — davon sei hier nicht weiter die Rede.

Herrlichkeit Kaufmann, als Yu Lu mit Kette Kaufmann gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Herrlichkeit Kaufmann: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr." Dann erzählte er beiläufig von Kette Kaufmanns Wunsch, die Zweitschwester Sonders als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen." Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Herrlichkeit Kaufmann überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir." Dann gab er Herrlichkeit Kaufmann noch einige Anweisungen und ging zu Dame Sonders, um ihr die Sache mitzuteilen. Dame Sonders wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Herrlichkeit Kaufmanns Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen.

Am nächsten Morgen fuhr Herrlichkeit Kaufmann tatsächlich wieder in die Stadt zur Großmutter und überbrachte seines Vaters Botschaft. Er fügte viele Worte hinzu: wie gut Kette Kaufmann sei, dass Phönixglanz ohnehin kränkle und es mit ihr nicht mehr lange dauern könne; einstweilen kaufe man ein Haus außerhalb; nach ein oder zwei Jahren, sobald Phönixglanz sterbe, werde er die Zweite Tante als rechtmäßige Gattin ins Haus nehmen. Er beschrieb, wie sein Vater die Verlobung arrangiere, wie Kette Kaufmann die Hochzeit durchführe, wie man die Großmutter zu sich nehme, damit sie ihren Lebensabend genieße; und dass man auch der Dritten Schwester drüben einen Mann suchen wolle. Er redete so betörend, dass die alte Dame Sonders schließlich einwilligte. Zudem war sie zeitlebens auf Herrlichkeit Kaufmanns finanzielle Unterstützung angewiesen; es war Herrlichkeit Kaufmann, der die Verlobung arrangierte; die Mitgift brauchte sie nicht selbst zu kaufen; und Kette Kaufmann war ein junger Edelmann, zehnmal besser als Zhang Hua. Also ging sie eilig zur Zweiten Schwester, um es mit ihr zu besprechen. Die Zweite Schwester war von wankelmütigem Charakter; schon zuvor hatte sie es mit dem Schwager nicht bei der Schicklichkeit belassen und stets bedauert, damals dem Zhang Hua versprochen worden zu sein, was ihr ganzes weiteres Leben ruiniert hatte. Da Kette Kaufmann nun Zuneigung zeigte und ihr Schwager die Heirat vermittelte, gab es nichts, was sie hätte ablehnen wollen. Sie nickte zustimmend. Man teilte Herrlichkeit Kaufmann die Antwort mit; Herrlichkeit Kaufmann berichtete seinem Vater.

Am nächsten Tag ließ Herrlichkeit Kaufmann Kette Kaufmann in den Tempel bitten und teilte ihm mit, dass die alte Dame Sonders zugestimmt habe. Kette Kaufmann war außer sich vor Freude und dankte Herrlichkeit Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann überschwänglich. Die beiden besprachen alles: Man schickte Leute los, um ein Haus zu suchen, Schmuck anfertigen zu lassen und für die Zweite Schwester Mitgift sowie Bett und Vorhänge für das neue Haus zu kaufen. Binnen weniger Tage war alles erledigt. In der Kleinen Blumenzweiggasse, etwa zwei Li hinter der Ning-Rong-Straße, kaufte man ein Haus mit über zwanzig Zimmern und dazu zwei kleine Mägde. Plötzlich fiel ihm der Diener Bao Er ein: Dessen Frau hatte damals ein Verhältnis mit Kette Kaufmann gehabt, und als Phönixglanz sie erwischte und einen Skandal machte, hatte sich die Frau vor Scham erhängt. Kette Kaufmann hatte Lin Zhixiao zweihundert Liang für die Bestattung versprechen lassen und Bao Er noch privat etwas Silber gegeben mit dem Versprechen, ihm eines Tages eine neue Frau zu suchen. Bao Er hatte nun Ansehen und Geld und diente Kette Kaufmann weiterhin ergeben. Kette Kaufmann rief ihn und seine neue Frau ins neue Haus, damit sie dort für die Zweite Schwester bereitstünden. Dann ließ er den Vater und Sohn Zhang herbeischaffen und nötigte sie, der alten Dame Sonders einen Auflösungsbrief für die Verlobung auszustellen. Zhang Huas Großvater war einst kaiserlicher Getreidepächter gewesen, doch dann gestorben. Sein Vater hatte das Amt weitergeführt und war mit dem verstorbenen ersten Mann der alten Dame Sonders befreundet gewesen — deshalb die Verlobung im Mutterleib zwischen Zhang Hua und der Zweiten Schwester You. Doch dann war die Familie Zhang in einen Prozess geraten und hatte alles verloren; sie konnten sich nicht einmal ernähren, geschweige denn eine Schwiegertochter aufnehmen. Die alte Dame Sonders hatte jene Familie verlassen und neu geheiratet; seit über zehn Jahren war der Kontakt abgerissen. Als die Jia-Diener die Zhangs nun herbeischaffen ließen und sie zur Auflösung der Verlobung zwangen, waren diese zwar unwillig, fürchteten aber die Macht der Kaufmann-Familie und wagten nicht zu widersprechen. Also schrieben sie den Auflösungsbrief. Die alte Dame Sonders gab ihnen zwanzig Liang Silber — von der Auflösung der Verlobung sei hier nicht weiter die Rede.

Als Kette Kaufmann und die anderen sahen, dass alles geregelt war, wählten sie den dritten des Monats als glückverheißenden Tag für die Hochzeit mit der Zweiten Schwester.

Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

Es heißt dazu:

Nur weil die Brüder der gleichen Familie der Lust frönten,
Ließen sie die zusammengewachsenen Äste zu Speer und Hellebarde greifen.
  1. 5–7 Uhr morgens
  2. gegen 15–17 Uhr
  3. Qin Lieblich
  4. Ozeangleich Wald und Feinsinn Kaufmann, Kajaljades verstorbene Eltern
  5. berühmtes konfuzianisches Diktum
  6. die berühmteste der Vier Schönheiten des chinesischen Altertums
  7. Konkubine des Königs Xiang Yu, die sich nach seiner Niederlage das Leben nahm
  8. die Han-Hofdame, die zu den Xiongnu geschickt wurde
  9. die schöne Konkubine, die sich für ihren Herrn Shi Chong vom Turm stürzte
  10. die mutige Frau, die Li Jing erkannte und mit ihm floh
  11. Chin. 五美吟 Wǔ Měi Yín. Kajaljades Gedichte auf fünf tragische Schönheiten des Altertums spiegeln indirekt ihr eigenes Schicksal: Jede der besungenen Frauen war schön, begabt und dem Untergang geweiht.
  12. Wang Anshi (王安石, 1021–1086), berühmter Reformpolitiker und Dichter der Song-Dynastie.
  13. Ouyang Xiu (欧阳修, 1007–1072), einer der „Acht Großen Prosaisten der Tang und Song“.
  14. Drittschwester Sonders, eine stolze und entschlossene Frau
  15. Phönixglanz
  16. Drittschwester Sonders, die deutlich temperamentvoller ist