Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 105"

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(DE4 Korrektur-Update Kap. 105)
 
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= Kapitel 105 =
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== Die Kaiserliche Garde durchsucht den Ning-Herzogspalast ==
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">11</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">21</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">31</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">71</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">81</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">91</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">101</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_102|<span style="color: #FFD700;">102</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_103|<span style="color: #FFD700;">103</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_104|<span style="color: #FFD700;">104</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">105</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_106|<span style="color: #FFD700;">106</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_107|<span style="color: #FFD700;">107</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_108|<span style="color: #FFD700;">108</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_109|<span style="color: #FFD700;">109</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_110|<span style="color: #FFD700;">110</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">111</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
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== Der Zensor auf dem Apfelschimmel klagt den Präfekten von Ping'an an ==
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Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾政</ref> gerade ein Bankett gab, als plötzlich Lai Da hastig in die Ehrenglücks-Halle gelaufen kam und Aufrecht Kaufmann meldete: "Der Amtsvorsteher Zhao von der Kaiserlichen Garde ist mit mehreren Beamten eingetroffen und sagt, er komme zu einem Besuch. Euer Diener wollte seine Visitenkarte holen, doch Herr Zhao sagte: 'Wir sind die besten Freunde, das ist nicht nötig.' Er ist bereits aus der Kutsche gestiegen und hereinspaziert. Der Herr und die jungen Herren mögen ihm bitte schnell entgegengehen." Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, dachte er bei sich: 'Mit dem alten Zhao habe ich keinerlei Umgang, warum kommt er ausgerechnet jetzt? Wir haben bereits Gäste, ihn dazubehalten wäre unpassend, ihn abzuweisen ebenso.' Während er noch überlegte, sagte Kette Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾琏</ref>: "Onkel, geh schnell! Wenn du noch länger nachdenkst, ist er schon drinnen."
  
<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 8px 15px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px; font-size: 0.95em;">
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Noch während er sprach, meldete ein Diener vom zweiten Tor: "Herr Zhao ist bereits durch das zweite Tor eingetreten." Aufrecht Kaufmann und die anderen eilten ihm in schnellen Schritten entgegen. Amtsvorsteher Zhao trug ein breites Lächeln im Gesicht, sagte aber nichts und ging geradewegs in die Halle hinauf. Hinter ihm folgten fünf oder sechs Beamte, manche davon bekannt, andere nicht, doch keiner von ihnen sprach ein Wort. Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nicht, was sie davon halten sollten, und konnten nur hinterhergehen und Plätze anbieten. Unter den Verwandten und Freunden erkannten einige Amtsvorsteher Zhao; sie sahen, wie er mit erhobenem Gesicht kaum jemanden beachtete und nur Aufrecht Kaufmann bei der Hand nahm, lächelnd ein paar Höflichkeitsfloskeln wechselte. Als die Anwesenden merkten, dass nichts Gutes im Anzug war, zogen sich manche in die hinteren Räume zurück, andere standen mit gesenkten Händen dabei.
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_105|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_105|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 105 =
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Aufrecht Kaufmann wollte gerade mit aufgesetztem Lächeln ein Gespräch beginnen, als ein Diener aufgeregt hereinplatzte und meldete: "Der Prinz von Xiping ist eingetroffen!" Aufrecht Kaufmann eilte in großer Hast hinaus, um ihn zu empfangen, doch der Prinz war bereits eingetreten. Amtsvorsteher Zhao drängte sich vor, grüßte den Prinzen ehrerbietig und sagte: "Da der Prinz nun hier ist, sollten die mitgekommenen Beamten sogleich mit den Gardisten die vorderen und hinteren Tore bewachen lassen." Die Beamten gehorchten und gingen hinaus.
== 锦衣军查抄宁国府 / 骢马使弹劾平安州 ==
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Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nun, dass etwas Schlimmes bevorstand, und fielen sofort auf die Knie, um den Prinzen zu empfangen. Der Prinz von Xiping stützte sie mit beiden Händen und sagte lächelnd: "Ohne triftigen Grund würde ich nicht zu kommen wagen. Ich bin im Auftrag des Kaisers hier, um eine Angelegenheit zu erledigen, und benötige Herrn Begnadigung zur Entgegennahme des kaiserlichen Erlasses. Da die Tafeln noch nicht abgeräumt sind und wohl Verwandte und Freunde anwesend sind, was unbequem wäre, bitte ich alle Gäste des Hauses, sich zu verabschieden. Nur die Mitglieder des eigenen Haushalts mögen bleiben und weitere Anweisungen abwarten." Amtsvorsteher Zhao warf ein: "Der Prinz ist zwar gnädig, doch was das östliche Anwesen betrifft — der andere Prinz geht bei seinen Aufgaben sehr gründlich vor, die Tore dort dürften längst versiegelt sein." Die Anwesenden begriffen, dass beide Herzogspaläste betroffen waren, und hätten sich am liebsten in Luft aufgelöst. Der Prinz lächelte und sagte: "Meine Herren, gehen Sie nur ruhig. Ich lasse Sie hinausbegleiten und sage den Beamten der Kaiserlichen Garde, dass es sich um Verwandte und Freunde handelt, die nicht behelligt werden sollen — lasst sie sofort passieren." Als die Verwandten und Freunde dies hörten, verschwanden sie wie der Rauch, einer schneller als der andere. Nur Begnadigung Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾赦</ref>, Aufrecht Kaufmann und ihre engsten Angehörigen blieben zurück, totenbleich im Gesicht und am ganzen Leib zitternd.
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Kurz darauf strömten unzählige Gardisten herein, besetzten alle Tore, und keiner im Haus durfte auch nur einen Schritt tun. Amtsvorsteher Zhao setzte nun eine völlig andere Miene auf, wandte sich an den Prinzen und sagte: "Möge der Prinz den kaiserlichen Erlass verlesen, damit wir zur Tat schreiten können." Die Gardisten schoben die Ärmel hoch und machten die Arme frei, bereit zum Zugriff. Der Prinz von Xiping sprach bedächtig: "Ich, der Prinz, handle im kaiserlichen Auftrag und habe den Leiter der Kaiserlichen Garde, Zhao Quan, mitgebracht, um das Vermögen von Begnadigung Kaufmann zu inspizieren." Als Begnadigung Kaufmann und die anderen dies hörten, warfen sie sich alle zu Boden. Der Prinz stand oben und verkündete: "Es ergeht folgender kaiserlicher Erlass: 'Begnadigung Kaufmann hat sich mit Provinzbeamten verschworen, seine Macht missbraucht und Schwächere drangsaliert, Unsere kaiserliche Gnade hintergangen und die Ehre seiner Ahnen besudelt. Sein erblicher Titel wird hiermit aberkannt. So befehlen Wir.'"
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Amtsvorsteher Zhao rief unablässig: "Nehmt Begnadigung Kaufmann fest! Alle anderen unter Bewachung!" Zu diesem Zeitpunkt waren Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann, Kette Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾珍</ref>, Hibiskus Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾蓉</ref>, Kette Kaufmann, Zhi Kaufmann und Lan Kaufmann anwesend; einzig Schatzjade <ref>Chinesisch: 宝玉</ref> hatte sich mit dem Vorwand einer Krankheit bei der Herzoginmutter <ref>Chinesisch: 贾母</ref> verkrochen, und Unheil Kaufmann <ref>Chinesisch: 贾环</ref> ließ sich ohnehin selten blicken — so wurden nur die Anwesenden festgesetzt. Amtsvorsteher Zhao befahl seinen Leuten: "Versammelt alle Beamten, nehmt die Gardisten mit und durchsucht systematisch Raum für Raum, inventarisiert und protokolliert alles." Dieses eine Wort jagte Aufrecht Kaufmann und seinem ganzen Haushalt einen solchen Schrecken ein, dass sie einander nur fassungslos anstarrten; die Gardisten und Amtsdiener hingegen rieben sich freudig die Hände und wollten sich sogleich überall ans Werk machen.
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Der Prinz von Xiping sagte: "Soweit ich weiß, kochen Herr Begnadigung und Herr Aufrecht zwar unter einem Dach, aber mit getrennten Küchen. Es ist nur recht, gemäß dem Erlass das Vermögen von Herrn Begnadigung zu inspizieren. Alles Übrige soll nach Räumen versiegelt werden, bis wir dem Thron Bericht erstattet haben und weitere Anweisungen vorliegen." Amtsvorsteher Zhao erhob sich und sagte: "Ich melde dem Prinzen: Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann haben den Besitz nie geteilt. Zudem verwaltet, wie ich höre, der Neffe Kette Kaufmann den gesamten Haushalt — da muss alles restlos durchsucht werden." Der Prinz von Xiping schwieg dazu. Amtsvorsteher Zhao fuhr fort: "Die Quartiere von Kette Kaufmann und Begnadigung Kaufmann müssen von mir persönlich durchsucht werden." Der Prinz von Xiping erwiderte: "Keine Eile. Lasst zuerst ins Hinterhaus Nachricht geben und die Damen sich zurückziehen, dann ist es nicht zu spät für die Durchsuchung." Kaum hatte er ausgesprochen, hatten Zhaos Diener und Gardisten bereits die Hausleute des Anwesens als Führer gepackt und waren aufgeteilt in alle Richtungen zur Durchsuchung losgestürmt. Der Prinz donnerte: "Kein Durcheinander! Ich werde persönlich die Inspektion vornehmen!" Dann stand er langsam auf und ordnete an: "Keiner meiner Begleiter rührt sich. Alle bleiben hier stehen und warten. Wenn ich zurückkomme, werden wir gemeinsam die Gegenstände zählen und protokollieren."
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Während er noch sprach, kam ein Beamter der Kaiserlichen Garde auf den Knien und meldete: "Im Inneren wurden Hofgewänder und zahlreiche verbotene Gegenstände gefunden. Wir wagten nicht, sie eigenmächtig zu bewegen, und bitten den Prinzen um Anweisung." Kurz darauf erschien eine weitere Gruppe und hielt den Prinzen von Xiping auf, mit der Meldung: "Im östlichen Seitentrakt wurden zwei Kisten mit Grundstücks- und Hausurkunden sowie eine Kiste mit Schuldscheinen beschlagnahmt — alles Wucherzinsen." Der alte Zhao rief: "Was für eine schamlose Wucherei! Das muss alles beschlagnahmt werden! Der Prinz möge sich setzen und mich alles konfiszieren lassen, dann können wir weitersehen."
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Da kam der Haushofmeister des Prinzen und meldete: "Die Torwache hat ausrichten lassen: Seine Majestät hat eigens den Prinzen von Beijng hierher entsandt, um einen Erlass zu verkünden. Der Prinz möge ihm bitte entgegengehen." Als Amtsvorsteher Zhao dies hörte, dachte er bei sich: 'So ein Pech! Ausgerechnet dieser nachsichtige Prinz. Jetzt, wo er kommt, kann ich meine Autorität erst recht nicht mehr ausspielen.' Gleichwohl ging auch er hinaus, um ihn zu empfangen. Der Prinz von Beijng war bereits in der großen Halle eingetroffen und stand nach außen gewandt. Er verkündete: "Es ergeht ein kaiserlicher Erlass. Zhao Quan von der Kaiserlichen Garde, höre und gehorche." Er sprach: "Kaiserlicher Erlass: 'Die Kaiserliche Garde soll lediglich Begnadigung Kaufmann zum Verhör vorführen. Alles Weitere wird dem Prinzen von Xiping überlassen, der gemäß dem Erlass verfahren soll. So befehlen Wir.'" Der Prinz von Xiping nahm den Erlass entgegen und war hocherfreut. Er setzte sich mit dem Prinzen von Beijng zusammen und befahl Amtsvorsteher Zhao, Begnadigung Kaufmann zum Verhör in sein Amt zu bringen.
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Die Durchsuchungstrupps im Inneren hörten, dass der Prinz von Beijng eingetroffen war, und kamen allesamt heraus. Als sie erfuhren, dass Amtsvorsteher Zhao abgezogen war, standen sie verdutzt und lustlos herum und warteten auf Anweisungen. Der Prinz von Beijng wählte zwei zuverlässige Beamte und etwa zehn ältere Gardisten aus und wies alle übrigen hinaus.
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Der Prinz von Xiping sagte: "Ich habe mich gerade über den alten Zhao geärgert. Wie gut, dass der Prinz mit dem kaiserlichen Erlass gekommen ist! Sonst hätten wir hier schweren Schaden erlitten." Der Prinz von Beijng erwiderte: "Als ich bei Hofe erfuhr, dass der Prinz den Auftrag zur Durchsuchung des Kaufmann-Anwesens erhalten hatte, war ich beruhigt und rechnete nicht damit, dass es hier zu Übergriffen kommen würde. Dass der alte Zhao sich so rücksichtslos benommen hat, war nicht vorherzusehen! Aber wo sind Herr Aufrecht und Schatzjade jetzt? Wie sieht es drinnen aus?" Die Beamten meldeten: "Aufrecht Kaufmann und die anderen werden in einem Nebenraum bewacht. Im Inneren ist bereits alles durcheinandergeworfen." Der Prinz von Beijng befahl den Beamten: "Bringt Aufrecht Kaufmann schnell her, ich möchte ihn befragen."
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Die Beamten gehorchten und führten ihn herein. Aufrecht Kaufmann fiel auf die Knie und bat unter Tränen um Gnade. Der Prinz von Beijng erhob sich, nahm ihn bei der Hand und sagte: "Beruhigen Sie sich, Herr Aufrecht." Dann teilte er ihm den kaiserlichen Erlass mit. Aufrecht Kaufmann war so dankbar, dass ihm die Tränen strömten. Er wandte sich nach Norden und dankte dem Kaiser für seine Gnade, dann trat er wieder vor und wartete auf Anweisungen. Der Prinz sagte: "Herr Aufrecht, als vorhin der alte Zhao noch hier war, haben die Gardisten verbotene Gegenstände und Wucherschuldscheine gemeldet — das können wir nicht einfach vertuschen. Die verbotenen Gegenstände waren ursprünglich für die Edle Gemahlin angeschafft worden; das können wir erklären, daran ist nichts Bedenkliches. Doch die Schuldscheine — da müssen wir einen Weg finden. Gehen Sie jetzt bitte mit den Beamten und legen Sie das Vermögen von Herrn Begnadigung ehrlich und vollständig vor, dann ist die Sache erledigt. Auf keinen Fall darf noch etwas verheimlicht werden, sonst laden Sie sich selbst Schuld auf." Aufrecht Kaufmann antwortete: "Das würde der Verurteilte niemals wagen. Nur ist das Erbe unseres Großvaters nie aufgeteilt worden. Jeder besitzt lediglich, was sich in seinen jeweiligen Wohnräumen befindet." Die beiden Prinzen sagten: "Das macht nichts. Übergeben Sie einfach alles, was sich in Herrn Begnädigungss Räumen befindet." Dann befahlen sie den Beamten, gemäß den Anweisungen vorzugehen und nichts willkürlich durcheinanderzuwerfen. Die Beamten gehorchten und gingen.
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Unterdessen hatten die Damen bei der Herzoginmutter ebenfalls ein Festmahl aufgetischt. Frau König <ref>Chinesisch: 王夫人</ref> sagte gerade: "Schatzjade geht nicht hinaus zu den Gästen — pass nur auf, dass dein Vater nicht böse wird." Phönixglanz <ref>Chinesisch: 王熙凤</ref> ächzte trotz ihrer Krankheit: "Ich glaube nicht, dass Schatzjade sich vor den Leuten scheut. Er sieht, dass vorne genügend Leute die Gäste bewirten, und bleibt hier, um aufzupassen — das hat durchaus seinen Sinn. Falls der Herr bemerkt, dass hier drinnen jemand zur Aufsicht fehlt, kann die gnädige Frau Bruder Schatzjade einfach hinausschicken — wäre das nicht gut?" Die Herzoginmutter lachte: "Die Phönixglanz! Krank bis auf die Knochen, aber das spitze Mundwerk ist immer noch dasselbe."
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Gerade als die Stimmung heiter war, stürzten plötzlich Leute von Frau Strafe <ref>Chinesisch: 邢夫人</ref>s Seite schreiend herein: "Gnädige Herrin, gnädige Frauen, es ist ... es ist furchtbar! Lauter Leute mit Stiefeln und Hüten — Räuber sind gekommen! Sie wühlen in den Truhen und Kästen und nehmen alles mit!" Die Herzoginmutter und die anderen erstarrten. Dann kam Friedchen <ref>Chinesisch: 平儿</ref> herein, mit aufgelöstem Haar, die kleine Pfiffigmädchen <ref>Chinesisch: 巧姐</ref> an der Hand, weinend und schluchzend: "Es ist furchtbar! Ich aß gerade mit dem Fräulein zu Mittag, als Lai Wang hereingeführt wurde, gefesselt, und rief: 'Fräulein, schnell, benachrichtigt die gnädigen Frauen, sie sollen sich zurückziehen! Draußen kommt der Prinz, um das Haus zu durchsuchen!' Ich bin fast vor Schreck gestorben. Ich wollte noch ins Zimmer, um die wichtigsten Sachen zu holen, aber eine Gruppe Männer hat mich hinausgedrängt und weggejagt. Was man anziehen und mitnehmen muss — packt schnell zusammen!" Als die Damen Xing und Wang dies hörten, fuhren ihnen die Seelen aus dem Leib, und sie wussten nicht, was sie tun sollten. Phönixglanz hatte zunächst mit weit aufgerissenen Augen zugehört, warf dann den Kopf zurück und stürzte bewusstlos zu Boden. Die Herzoginmutter hatte den Bericht noch nicht zu Ende gehört, da strömten ihr bereits vor Schreck Tränen über das Gesicht, und sie brachte kein Wort mehr heraus.
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In diesem Augenblick zerrten und stießen die Leute im Zimmer einander hin und her, es ging drunter und drüber, als erneut Rufe ertönten: "Die Damen im Inneren sollen sich zurückziehen! Der Prinz kommt herein!" Schatzspange <ref>Chinesisch: 宝钗</ref> und Schatzjade wussten sich nicht zu helfen. Inmitten der Verwirrung, als die Mägde und alten Dienerinnen am Boden einander hin und her zerrten, kam Kette Kaufmann keuchend hereingelaufen und rief: "Alles ist gut, alles ist gut! Der Prinz hat uns gerettet!" Alle wollten ihn befragen, doch Kette Kaufmann war selbst zu aufgelöst. Zuerst sah er Phönixglanz reglos am Boden liegen und schrie weinend um Hilfe. Dann sah er, dass auch die Herzoginmutter erblasst war und kaum noch atmen konnte, und geriet noch mehr in Panik. Glücklicherweise gelang es Friedchen, Phönixglanz wachzurufen und sie von anderen stützen zu lassen. Auch die Herzoginmutter kam wieder zu sich, weinte aber so heftig, dass ihr der Atem versagte und sie benommen auf dem Ofenbett lag. Seidenweiß Pflaume <ref>Chinesisch: 李纨</ref> tröstete sie wieder und wieder. Dann fasste Kette Kaufmann sich und berichtete von der Güte der beiden Prinzen. Da er fürchtete, die Herzoginmutter und Frau Strafe könnten vor Schreck sterben, wenn sie von der Verhaftung Kaufmann Begnädigungss erführen, wagte er vorläufig nicht, es offen zu sagen. Er ging hinaus, um nach seinen eigenen Gemächern zu sehen.
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Kaum durch die Tür, sah er Truhen aufgebrochen und Schränke zertrümmert, die Hälfte aller Gegenstände geraubt. Er stand da mit starrem Blick, Tränen rannen ihm über das Gesicht. Als man ihn von draußen rief, musste er hinausgehen. Er sah Aufrecht Kaufmann mit den Beamten die Gegenstände registrieren, wobei einer vorlas:
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Eine Langlebigkeits-Buddhafigur aus Agarholz; eine Guanyin-Statue aus Agarholz; ein Buddhapodest; zwei Gebetsketten aus Agarholz; ein Ensemble goldener Buddhafiguren; neun vergoldete Spiegeleinfassungen; drei Buddhafiguren aus Jade; ein Ensemble von Langlebigkeitsgott und den Acht Unsterblichen aus Jade; je zwei goldene und jadene Ruyi-Zepter aus Agarholz; siebzehn antike Porzellanvasen und Räuchergefäße; vierzehn Kisten antiker Kostbarkeiten und empfindlicher Gegenstände; ein Jadebecken; zwei kleine Jadebecken; zwei Paar Jadeschalen; zwei große Glaswandschirme; zwei Ofenbett-Schirme; vier Glasteller; vier Jadeteller; zwei Achatteller; vier Teller aus blassem Gold; sechs Paar Goldschüsseln; acht Schüsseln mit Goldgravur; vierzig Goldlöffel; je sechzig große Silberschüsseln und Silberteller; vier Paar dreifach goldgefasste Elfenbeinstäbchen; zwölf vergoldete Henkelkannen; drei Paar Ausgussschüsseln; zwei Teeuntersetzer; hundertsechzig Silbertellerchen und Silberbecher; achtzehn Schwarzfuchsfelle; sechsundfünfzig Zobelfelle; je vierundvierzig Gelb- und Weißfuchsfelle; zwölf Luchsfelle; fünfundzwanzig Wolkenfuchs-Pelzrohlinge; sechsundzwanzig Seeotterfelle; drei Seehundfelle; sechs Tigerfelle; drei Buntfuchsfelle; achtundzwanzig Fischotterfelle; vierzig dunkelrote Schaffelle; dreiundsechzig schwarze Schaffelle; zwanzig Moschusratten-Pelzrohlinge; vierundzwanzig Quadrate Zwergmausfell; vier Rollen Samt; zweihundertdreiundsechzig Graumausfelle; zweiunddreißig Längen japanischer Seidensatin; dreißig Längen ausländisches Wollgewebe; dreiunddreißig Längen Sergegewebe; vierzig Längen feinstes Wollgarn; hundertdreißig Rollen Seidensatin; hundertachtzig Rollen Gaze und Seide; zweiunddreißig Rollen feiner Seidenkrepp; je zweiundzwanzig Rollen Federsatin und Federgaze; dreißig Rollen tibetisches Yakwollgewebe; achtzehn Rollen Zeremoniensatin mit Pythonmuster; dreißig Bündel verschiedenfarbiger Stoffe; hundertzweiunddreißig Pelz- und Lederkleidungsstücke; dreihundertvierzig Kleidungsstücke aus Seide mit Watte-, Zwischen- und einfacher Gaze- oder Seidenfütterung; neun Gürtelbeschläge; über fünfhundert Gegenstände aus Kupfer, Zinn und dergleichen; achtzehn Uhren; neun Audienz-Perlenketten; dreizehn Perlenketten; hundertdreiundzwanzig Schmuckstücke aus Feingold, allesamt mit vollständigem Perlen- und Edelsteinbesatz; drei Garnituren kaiserliche gelbe Satin-Armstützen und Rückenlehnen; acht Garnituren Hofgewänder; zwei Gürtel mit Jadespange; zwölf Rollen gelber Satin; siebentausend Liang Feinsilber; hundertzweiundfünfzig Liang blasses Gold; siebentausendfünfhundert Schnüre Kupfermünzen.
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Sämtliche Gebrauchsgegenstände und das kaiserlich gestiftete Anwesen des Rong-Herzogspalastes wurden einzeln aufgelistet; Grundstücksurkunden und Personalverträge der Dienerschaft wurden allesamt versiegelt und verwahrt.
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Kette Kaufmann hatte von der Seite gelauscht. Als er bemerkte, dass nichts von seinem eigenen Besitz aufgeführt wurde, war er verwundert. Da hörte er die beiden Prinzen fragen: "Unter dem beschlagnahmten Vermögen befinden sich Schuldscheine, die eindeutig Wucherzinsen beinhalten. Wer ist dafür verantwortlich? Herr Aufrecht, sagen Sie die Wahrheit." Aufrecht Kaufmann hörte dies, kniete nieder und schlug den Kopf auf den Boden: "Der Verurteilte kümmerte sich wahrlich nicht um die Haushaltsführung und wusste von diesen Dingen überhaupt nichts. Fragen Sie meinen Neffen Kette Kaufmann, der wird es wissen." Kette Kaufmann eilte herbei, fiel auf die Knie und sagte: "Da diese Kiste mit Dokumenten in meinen Gemächern beschlagnahmt wurde, wie könnte ich ihre Kenntnis leugnen? Ich flehe die Prinzen nur um Gnade an. Mein Onkel wusste wirklich nichts davon." Die beiden Prinzen sprachen: "Euer Vater ist bereits des Verbrechens schuldig befunden worden. Dieser Fall wird zusammen verhandelt. Dass Ihr es eingesteht, ist nur recht und billig. So sei es: Kette Kaufmann wird unter Bewachung gestellt, alle Übrigen verbleiben im Hause. Herr Aufrecht, warten Sie aufmerksam den nächsten kaiserlichen Erlass ab. Wir kehren nun an den Hof zurück, um Bericht zu erstatten. Wachen bleiben hier zur Bewachung." Sie bestiegen ihre Sänften und verließen das Tor. Aufrecht Kaufmann und die anderen knieten am zweiten Tor zum Abschied. Der Prinz von Beijng streckte ihm im Vorübergehen die Hand entgegen und sagte: "Beruhigen Sie sich." In seinem Gesicht zeigte sich aufrichtige Betroffenheit.
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Aufrecht Kaufmann kam erst jetzt wieder einigermaßen zu Sinnen, war aber immer noch wie betäubt. Lan Kaufmann sagte: "Großvater, bitte geh zuerst hinein und sieh nach der Herzoginmutter!" Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, sprang er auf und eilte ins Innere. An jeder Tür begegneten ihm aufgelöste Dienerinnen und Mägde, die alle nicht wussten, was sie tun sollten. Ohne sich aufzuhalten, ging er geradewegs zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort saßen alle mit tränennassen Gesichtern — Frau König, Schatzjade und die anderen umringten die Herzoginmutter in stummer Trauer, jeder vergoss still seine Tränen. Nur Frau Strafe weinte hemmungslos. Als Aufrecht Kaufmann eintrat, riefen alle: "Dem Himmel sei Dank!" Und sie sagten der Herzoginmutter: "Der Herr ist wohlbehalten zurück! Bitte beruhige dich, Großmutter!"
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Die Herzoginmutter öffnete mit letzter Kraft die Augen ein wenig und sagte: "Mein Kind! Ich hätte nicht gedacht, dich noch einmal wiederzusehen!" Kaum hatte sie ausgesprochen, brach sie in lautes Schluchzen aus, und im ganzen Zimmer konnte niemand die Tränen zurückhalten. Aufrecht Kaufmann fürchtete, seine alte Mutter könnte sich krank weinen, unterdrückte seine eigenen Tränen und sagte: "Mutter, beruhige dich. Die Sache ist zugegebenermaßen schwerwiegend. Doch dank der himmlischen Gnade Seiner Majestät und der großen Güte der beiden Prinzen wurde uns mit äußerstem Mitgefühl begegnet. Der ältere Bruder wurde lediglich vorübergehend zum Verhör mitgenommen. Wenn die Angelegenheit geklärt ist, wird Seine Majestät weitere Gnade walten lassen. Im Haus ist jetzt nichts mehr angerührt worden." Als die Herzoginmutter ihren älteren Sohn Begnadigung Kaufmann nirgends erblickte, durchfuhr sie erneut ein Stich ins Herz, und erst nach langem Zureden Aufrecht Kaufmanns beruhigte sie sich etwas.
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Niemand wagte sich fortzubewegen. Nur Frau Strafe ging zu ihren eigenen Gemächern zurück und fand sämtliche Türen mit Papierstreifen versiegelt und verschlossen, ihre Mägde und Dienerinnen darin eingesperrt, ohne jeden Ausweg. Sie schrie vor Verzweiflung auf. Dann konnte sie nur zu Phönixglanz' Gemächern zurückkehren. Auch dort klebten Papierstreifen zu beiden Seiten der Tür, doch die Tür stand noch offen, und von drinnen war leises Schluchzen zu hören. Frau Strafe trat ein und sah Phönixglanz mit geschlossenen Augen auf dem Diwan liegen, das Gesicht aschfahl. Friedchen stand daneben und weinte still. Frau Strafe glaubte, Phönixglanz sei bereits gestorben, und begann wieder zu weinen. Friedchen kam ihr entgegen und sagte: "Gnädige Frau, bitte weint nicht. Wir haben die Herrin gerade herübergetragen, und sie war dem Tode nahe. Nachdem sie ein Weilchen geruht hatte, kam sie wieder zu sich und weinte ein paarmal. Jetzt hat sie sich ein wenig beruhigt. Bitte fasst auch Ihr Euch, gnädige Frau. Aber wie geht es der Herzoginmutter?" Frau Strafe antwortete nicht, sondern ging zurück zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort sah sie sich umringt von Aufrecht Kaufmanns Angehörigen. Ihr eigener Ehemann und Sohn waren verhaftet, ihre Schwiegertochter lag todkrank darnieder, ihre Tochter litt in ihrer Ehe — und nun hatte sie selbst nirgends mehr ein Zuhause. Wie hätte sie ihren Schmerz zurückhalten können? Alle trösteten sie. Seidenweiß Pflaume und die anderen ließen Räume herrichten und baten Frau Strafe, vorläufig dort zu wohnen. Frau König schickte Dienerinnen, um sie zu bedienen.
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Aufrecht Kaufmann saß draußen in seinem Arbeitszimmer, das Herz klopfte ihm bis zum Hals, er drehte nervös an seinem Bart und rieb sich die Hände, während er voller Unruhe auf den kaiserlichen Bescheid wartete. Da hörte er draußen die Wachsoldaten schreien: "Zu welchem Teil des Hauses gehörst du eigentlich? Da du hier aufgetaucht bist, tragen wir dich in unser Register ein! Fesselt ihn und bringt ihn zu den Leuten von der Kaiserlichen Garde!" Aufrecht Kaufmann ging hinaus und sah, dass es Jiao Da war. "Was verschlägt dich hierher?", fragte er. Jiao Da weinte laut und stampfte auf den Boden, den Himmel als Zeugen anrufend: "Ich habe diese nichtsnutzigen jungen Herren immer wieder gewarnt, doch sie behandelten mich wie einen Feind! Der Herr weiß doch, was Jiao Da an der Seite des alten Herrn durchgestanden hat! Und jetzt ist es so weit gekommen! Herrlichkeit Kaufmann und der junge Herr Hibiskus sind beide von irgendeinem Prinzen in Ketten gelegt worden. Drinnen haben die Amtsdiener den Herrinnen die Haare zerzaust und sie in einen leeren Raum gesperrt. Das ganze Gesindel, Männer wie Frauen, wird zusammengepfercht wie Schweine und Hunde! Alles Inventar wurde herausgeschafft und auf die Seite geworfen, Holzmöbel in Stücke geschlagen, Porzellan zu Scherben zerdeppert. Und dann wollten sie auch noch mich fesseln! Ich bin an die neunzig Jahre alt und habe mein ganzes Leben lang nur im Auftrag des alten Herrn andere gefesselt — wann hat es das je gegeben, dass man mich fesselt? Ich sagte ihnen, ich gehöre zum Westpalast, und bin hinausgelaufen. Doch sie wollten mir nicht glauben und zerrten mich hierher. Und nun muss ich sehen, dass es hier genauso schlimm steht. Mein Leben ist mir nichts mehr wert — dann will ich lieber gegen sie kämpfen!" Bei diesen Worten rannte er mit der Stirn gegen die Wand.
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Die Amtsdiener sahen sein hohes Alter und wagten aus Respekt vor den Anordnungen der beiden Prinzen nicht, Gewalt anzuwenden. Sie sagten: "Beruhige dich, alter Mann. Wir führen einen kaiserlichen Befehl aus. Ruh dich erst einmal aus und warte ab, was Seine Majestät anordnet." Aufrecht Kaufmann sagte zwar nichts, doch was der alte Mann berichtet hatte, traf ihn wie ein Messer ins Herz. 'Es ist aus, es ist aus!', sagte er schließlich zu sich selbst. 'Ich hätte nie gedacht, dass wir so vollständig zugrunde gehen würden!'
  
ag, als Wang Örl hereingebracht wurde mit den Händen auf dem Rücken.“
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Während er in größter Unruhe auf Nachrichten vom Hof wartete, kam plötzlich Xue Ke atemlos hereingelaufen und rief: "Endlich bin ich drin! Wo ist der Herr Schwiegervater?" Aufrecht Kaufmann sagte: "Du kommst gerade recht. Aber wie haben sie dich hereingelassen?" Xue Ke antwortete: "Ich habe wieder und wieder gebettelt und ihnen Geld versprochen, erst dann ließen sie mich passieren." Aufrecht Kaufmann erzählte ihm von der Hausdurchsuchung und bat ihn, Erkundigungen einzuziehen: "Mit unseren anderen Verwandten und Freunden können wir in dieser kritischen Lage unmöglich Nachrichten austauschen, das wäre zu gefährlich. Du bist der Einzige, der für uns Informationen beschaffen kann." Xue Ke erwiderte: "Was hier geschieht, hätte ich nicht erwartet. Aber die Sache mit dem östlichen Palast habe ich bereits gehört." Aufrecht Kaufmann fragte: "Was genau wird ihnen vorgeworfen?" Xue Ke antwortete: "Ich war heute wegen der Urteilsverkündung meines Bruders beim Strafministerium und erfuhr dort, dass zwei Zensoren Anklage erhoben haben. Gerüchteweise hat der ältere Vetter Juwel Söhne aus vornehmen Familien zum Glücksspiel verleitet — das ist die geringere Anklage. Schwerer wiegt der Vorwurf, er habe die Ehefrau eines einfachen Bürgers gewaltsam zur Nebenfrau genommen, und als sie sich weigerte, habe er sie durch Gewalt in den Tod getrieben. Um die Anklage zu stützen, hat der Zensor unseren Diener Bao Er verhaften lassen und außerdem einen gewissen Herrn Zhang als Zeugen herbeigeholt. Selbst dem Obersten Zensorat drohen Schwierigkeiten, weil dieser Herr Zhang seine Klage schon früher dort eingereicht hatte." Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann mit dem Fuß auf: "Wie weit ist es gekommen! Es ist aus, es ist aus!" Er seufzte tief, und die Tränen strömten ihm über die Wangen.
„Beeilt euch, Fräulein“, sagte er mir, „geht hinein und sagt der gnädigen Herrin sie solle sich verstecken. Der Prinz sei dabei, unseren Besitz zu durchsuchen! Ich starb beinahe vor Angst. Ich ging in unsere Gemächer, um ein paar wichtige Dinge zu retten und lief in einen Gang voller Banditen, die mich aus dem Weg stießen. Ihr solltet Euch besser beeilen und alle Kleider und Dinge einsammeln, bevor es zu spät ist.“
 
Die Damen Hsing und Wang waren völlig entgeistert; Hsi-fëng hörte mit weit aufgerissenen Augen zu, als Ping-örl die Geschichte erzählte, fiel dann mit zurückgeworfenem Kopf auf den Boden und wurde ohnmächtig. Die Herzoginmutter brach in eine Flut von Tränen aus, bevor Ping-örl zu Ende erzählen konnte, und war zu bestürzt, um irgendetwas zu veranlassen. Der ganze Raum war in einem Zustand völliger Verwirrung, und die Diener rannten in Panik durcheinander, Dinge zusammenklaubend, als plötzlich noch mehr Schreie von draußen zu vernehmen waren: „Alle Frauen sollen sich zurückziehen! Seine Hoheit, der Prinz, nähert sich!“
 
Bau-tschai und Bau-yü konnten nur hilflos zusehen, wie die Mägde und Ammen in alle Richtungen flohen. Als nächstes kam Djia Liän angerannt und keuchte: „Alles ist gut! Der Prinz hat uns gerettet“
 
Sie wollten ihn fragen, was geschehen war, doch Djia Liän war selbst zu sehr von der allgemeinen Hysterie angesteckt, um überhaupt irgendeine Information übermitteln zu können. Zuerst sah er, wie Hsi-fëng bewußtlos auf dem Boden lag, und er schrie um Hilfe. Dann sah er, daß die Herzoginmutter ebenfalls von dem Schock erblichen war und fürchtete das Schlimmste. Ping-örl gelang es zusammen mit einer anderen Magd, Hsi-fëng aufzuhelfen. Während die Herzoginmutter, als sie ihr Bewußtsein wiedererlangte, ans Ofenbett gelehnt schluchzte, um Atem ringend, als würde sie jeden Moment wieder ohnmächtig,gab Li Wan ihr Bestes, sie zu trösten. Djia Liän war zuletzt genug erholt, um ihnen von den Ereignissen zu berichten, die stattgefunden hatten und von der Freundlichkeit der beiden Prinzen. Dennoch hielt er die Neuigkeiten von Djia Schës Verhaftung zurück, da er fürchtete, es könnte der Herzoginmutter und der Dame Hsing einen zu großen Schock bereiten. Dann schaute er nach, in welchem Zustand seine eigenen Gemächer waren und fand Truhen und Kisten geöffnet und geplündert. Es war beinahe nichts übrig. Er blickte sich entsetzt um, und Tränen rannen aus seinen Augen. Er hörte, wie man draußen seinen Namen rief und ging hinaus, um Djia Dschëng mit den zwei Prinzen und dem Beamten zu finden, wie sie das Inventar an sich nahmen. Die Gegenstände wurden einer nach dem anderen von jemandem aufgerufen:
 
„Hundertdreiundzwnahzig Stück Rotgold-Schmuck mit vollständigem Perlenbesatz,
 
Dreizehn Perlenketten,
 
Zwei Silbergoldteller,
 
Zwei Goldschüsseln mit aufwendiger Verzierung,
 
Vierzig goldene Löffel,
 
Achtzig große Silberschüsseln,
 
Zwanzig Silberteller,
 
Zwei Elfenbeinstücke mit je drei Goldverzierungen darauf,
 
Vier vergoldete Kannen,
 
Drei Paar vergoldete Spucknäpfe,
 
Zwei Teeservier-Tabletts,
 
Sechsundsiebzig Silbertellerchen,
 
Sechsunddreißig Silber-Schnapsbecher,
 
Achtzehn schwarze Fuchsfelle,
 
Sechs blaugrüne Fuchsfelle,
 
Sechsunddreißig Seeotterfelle,
 
Dreißig Gelbfuchsfelle,
 
Zwölf Luchsmakaken,
 
Drei Fuchsfelle mit gelb-schwarzen Troddeln,
 
Sechzig graue Felle ausländischer Herkunft,
 
Vierzig Felle von grauen Fuchsläufen,
 
Zwanzig tiefbraunrote Schaffelle,
 
Zwei Marderfelle,
 
Zwei Bünde Fell von Gelbfuchsläufen,
 
Zwanzig Stücke Polarfuchsfell,
 
Dreißig Längen ausländisches Wollgewebe,
 
Dreiundzwanzig Längen Sergegewebe,
 
Zwölf Längen ausländisches Florgewebe,
 
Zehn Fellrollen von Dufteichhörnchen,
 
Vier Quadrate Maulwurffelle,
 
Eine Rolle Samt,
 
Ein Quadrat Sika-Hirschfell,
 
Zwei aus Fuchshinterkopf und -hinterteil zusammengenähte Fellrollen,
 
Eine Fellrolle von Marderhundwelpen,
 
Sieben Stück Gewebe aus grünen Daunen von Wildentenköpfen,
 
Einhundertsechzig  Graumausfelle,
 
Acht Dachsfelle,
 
Sechs Tigerfelle,
 
Drei Seehundfelle,
 
Sechzehn Seeotterfelle,
 
Vierzig graue Schaffelle,
 
Dreiundsechzig schwarze Schaffelle,
 
Zehn Mützen mit Fuchsfellrand,
 
Zwölf Mützen mit Blaufuchsfellrand,
 
Zwei Mützen mit Zobelfellrand,
 
Sechzehn Zwergfuchsfelle,
 
Zwei für Mützenränder oder Kragen verwendbare kurze, dunkle Fluß- marderhundfelle,
 
Zwei Otterfelle,
 
Fünfunddreißig Katzenfelle,
 
Zwölf Längen japanische Seide,
 
Einhundertdreißig Rollen Seidengewebe,
 
Einhunderteinundachtzig  Rollen Seidensatin,
 
Zweiunddreißig Rollen Federgarnkrepp,
 
Dreißig Rollen tibetisches Yakwollgewebe,
 
Acht Rollen Satin mit Python-Muster für die Aussteuer,
 
Drei Bündel Leinenstoff,
 
Drei Bündel verschiedenfarbigen Stoffs,
 
Einhundertzweiunddreißig Stück verschiedenfarbige Pelz- und Lederkleidung,
 
Dreihundertvierzig Kleidungsstücke aus Seide mit Baumwollfutter,
 
Zweiunddreißig Jade-Spielzeuge,
 
Neun Gürtelbroschen,
 
Fünfhundert Dekorationsstücke aus Kupfer, Zinn usw.,
 
Achtzehn Uhren,
 
Neun Dekorations-Perlenketten für Audienzgewänder für höhere Beamte,
 
Vierunddreißig Dekostücke mit Python-Muster für die Aussteuer,
 
Drei Sätze Rücken- und Armlehnen-Seidendecken mit Pythonmuster,
 
Acht Kleider für den Kaiserhof für die Aussteuer,
 
Ein Gürtel mit Speckjadering,
 
Zwölf Rollen gelben Satin,
 
Fünftausendzweihundert Liang zweitklassiges Silber,
 
Fünfzig Liang Feingold,
 
Siebentausend Schnüre Silber.
 
  
Alle Möbel und Eigentum, die durch Kaiserliche Gunst dem Jung-guo Zweig der Familie geschenkt wurden, sind ähnlich aufgelistet worden, während Eigentumsurkunden und Anleihen für die Hausdienerschaft in verschiedene Decken verhüllt und verschlossen wurden.“
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Xue Ke sprach ihm ein paar tröstende Worte zu und ging dann wieder hinaus, um Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen. Nach einem halben Tag kehrte er zurück und berichtete: "Es steht schlecht! Ich habe beim Strafministerium nachgefragt, aber nichts über den Bericht der beiden Prinzen an den Thron erfahren. Nur habe ich gehört, dass der Zensor Li heute Morgen eine weitere Anklage eingereicht hat: Der Präfekt von Ping'an habe den Hauptstadtbeamten nach dem Mund geredet, sich bei seinen Vorgesetzten eingeschmeichelt und das einfache Volk unterdrückt — gleich mehrere schwere Anklagepunkte." Aufrecht Kaufmann fragte erschrocken: "Was gehen uns anderer Leute Angelegenheiten an? Was ist denn mit unserer Sache?" Xue Ke sagte: "Wenn von Ping'an die Rede ist, sind wir unmittelbar betroffen — der angeklagte Hauptstadtbeamte ist kein anderer als der ältere Herr Begnadigung. Es geht um die Einmischung in Gerichtsverfahren — das gießt erst recht Öl ins Feuer. Selbst seine Kollegen bei Hofe ziehen sich alle zurück und wollen ihre Hände reinhalten, keiner ist bereit, uns auch nur eine Nachricht zukommen zu lassen. Ebenso die Verwandten und Freunde, die vorhin vom Bankett geflohen sind: Manche sind geradewegs nach Hause gegangen, andere haben sich irgendwo in der Nähe verkrochen, um abzuwarten. Und die entfernten Verwandten aus dem Clan reden bereits auf der Straße: 'Die Errungenschaften der Ahnen — nun ist es so weit! Mal sehen, wem die Titel und Ämter zufallen, da kann sich jeder Hoffnungen machen!'" Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann erneut mit dem Fuß auf: "Das alles ist die Schuld unseres älteren Bruders, seiner grenzenlosen Dummheit! Und das Stillfriede-Anwesen hat sich ebenso unmöglich aufgeführt! Aber genug davon. Ob die Herzoginmutter und Kettes Frau noch am Leben sind, wissen wir nicht einmal. Geh und erkundige dich weiter. Ich werde nach der Herzoginmutter sehen. Sobald es Neuigkeiten gibt, lass es mich so schnell wie möglich wissen." Noch während er sprach, drangen wirre Schreie aus dem Inneren: "Der Herzoginmutter geht es schlecht!"
Djia Liän belauschte diese Aufzählung bis ins kleinste Detail und war äußerst verwirrt, in dieser Auflistung nichts von seinem Eigentum zu hören. Dann setzten die Prinzen seiner Fassungslosigkeit ein Ende, indem sie Djia Dschëng fragten: „Unter den zuvor konfiszierten Gegenständen waren Wucher-Schuldscheine – , wer ist dafür verantwortlich? Sie müssen die Wahrheit sagen, ehrenwerter Dschëng.“
 
Djia Dschëng kniete nieder, drückte die Stirn auf den Boden und sagte: „Ich war leider nicht sorgsam genug darin, meinen Haushalt zu unterweisen. Von diesen Vorgängen weiß ich überhaupt nichts. Mein Neffe Djia Liän kann zweifelsfrei ihre Fragen beantworten.“
 
Djia Liän eilte vor und fiel auf die Knie und sagte: „Da die Truhe mit diesem Inhalt in meinen Gemächern gefunden wurde, wie könnte ich ihre Kenntnis leugnen? Ich kann Euer Hoheit nur um Gnade anflehen. Mein Onkel wußte nichts von ihrer Existenz.“
 
„Ihr Vater wurde bereits verhaftet“, sagten die Prinzen zu Djia Liän. „Dieses Delikt kann zur gleichen Zeit verhandelt werden. Wir fordern euch auf, es zu gestehen.“ Sie wandten sich an ihre Männer und befahlen, Djia Liän festzunehmen und die anderen unter Arrest zu stellen. Zuletzt wandten sie sich an Djia Dschëng: „Sie, Dschëng, warten aufmerksam den nächsten Erlaß seiner Majestät ab. Wir werden nun zurückkehren, um dem Thron Bericht zu erstatten und in dieser Zeit Wachen aufstellen, die hier die Stellung halten.“
 
Sie bestiegen ihre Sänften und wurden aus dem Tor getragen. Djia Dschëng begleitete sie bis zum inneren Tor, wo er sich zum Abschied niederkniete. Der Prinz von Bee-djing streckte ihm im Vorbeigehen eine Hand entgegen, und wies ihn an, sich zu beruhigen. Im Gesicht des Prinzen zeigte sich aufrichtige Betroffenheit.
 
Nach ihrer Abfahrt gelang es Djia Dschëng, sich wieder zu sammeln, obwohl er immer noch unter einem schweren Schock litt. Djia Lan bat ihn: „Großvater, bitte schaue nach der gnädigen Frau. Dann solltest du dir überlegen, wie man etwas über das östliche Anwesen erfahren kann.“ Djia Dschëng ging hastig hinein. An jeder Tür begegnete er aufgelösten Mägden und Dienstmädchen, alle fragten sich, was wohl als Nächstes käme. Zu beschäftigt, um sie zu befragen, eilte er sofort in die Gemächer der Herzoginmutter und fand dort die Dame Wang, Bau-yü und die anderen um die Herzoginmutter versammelt mit Gesichtern voller Tränen; es herrschte Stille im Raum. Nur die Dame Hsing weinte laut. Das Erscheinen von Djia Dschëng ließ Rufe wie „Der Himmel sei gesegnet!“ ertönen und alle versicherten der gnädigen Frau: „Der Herr ist gesund und sicher wieder da! Bitte, mach’ dir keine Sorgen mehr, Großmutter!“
 
Die Herzoginmutter atmete kaum hörbar aus, öffnete ihre Augen ein wenig und sagte: „Oh, mein Sohn! Ich dachte, ich würde dich niemals wieder sehen!“
 
Während sie sprach, brach sie in lautes Schluchzen aus, und keiner im Zimmer konnte die Tränen mehr zurückhalten. Djia Dschëng fürchtete, daß diese ganzen Gefühlsausbrüche die Gesundheit der Herzoginmutter gefährden könnten und hielt seine eigenen Tränen zurück: „Bitte beruhige dich, Mutter. Ich kann den Ernst der Angelegenheit nicht bestreiten. Doch dank des Kaisers Großzügigkeit und der großen Gunst der beiden Prinzen wurden wir mit großem Mitgefühl behandelt. Bruder Schë wurde nur zur Befragung abgeführt und, wenn sein Fall untersucht worden ist, wird seine Majestät Nachsicht zeigen. Momentan wurde aus dem Haus noch nichts entfernt.“
 
Als die Herzoginmutter ihren älteren Sohn Djia Schë nicht sehen konnte, versetzte es ihrem Herzen wieder einen Stich, und es dauerte eine Zeit, bis Djia Dschëng sie wieder trösten konnte.
 
Alle blieben dort, nur die Dame Hsing wagte sich aus dem Zimmer. Sie ging zu ihren Gemächern und fand alle Türen mit Papierstreifen versiegelt und verschlossen und ihre Mägde und Dienstmädchen waren darin gefangen. Es gab keinen Ausweg für sie, und sie schrie vor Verzweiflung. Sie konnte nur in Hsi-fëngs Gemächer zurückkehren. An beiden Seiten der Tür klebten auch Papierstreifen, aber die Tür war noch offen. Von innen konnte sie jemanden schluchzen hören. Sie ging hinein und sah Hsi-fëng mit geschlossenen Augen auf ihrem Sofa liegen, ihr Gesicht war aschfahl. Ping-örl stand leise weinend daneben. Die Dame Hsing glaubte, Hsi-fëng sei bereits tot, und sie weinte wieder. Ping-örl kam zu ihr: „Bitte, Herrin, weinen Sie nicht! Wir haben Frau Liän zurückgetragen, und sie sah so gut wie tot aus. Sie hatte geschlafen, wachte dann wieder auf und begann zu weinen. Jetzt ist sie noch mehr erledigt. Versuchen Sie bitte, ruhig zu sein, Herrin. Wie hat es die gnädige Herrin aufgenommen?“
 
Die Dame Hsing beantwortete ihre Frage nicht, sondern kehrte zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Dort war sie umgeben von Djia Dschëngs Familie. Ihr Ehemann und Sohn waren verhaftet, ihre Schwiegertochter war dem Tode nah, ihre neu verheiratete Tochter wurde mißhandelt, und jetzt konnte sie selbst nirgens mehr hin. Die anderen hatten Mitleid mit ihrer Qual und gaben ihr Bestes, um sie zu trösten. Li Wan schickte einen Diener, um ihr eine Unterkunft zu besorgen, während die Dame Wang einige ihrer Mägde und Dienstmädchen beauftragte, sie zu bedienen.
 
Djia Dschëng war währenddessen in sein äußeres Studierzimmer zurückgegangen und streichelte seinen Bart, rieb sich nervös die Hände, wartete voller Unruhe auf das Ergebnis des Berichtes des Prinzen für den Thron. Er hörte eine der Wachen draußen rufen: „Meine Güte, zu welchem Teil des Hauses gehörst du denn? Weil du hier aufgetaucht bist, müssen wir dich in unser Buch eintragen. Bindet ihn fest und bringt ihn zu den Goldjacken.“
 
Djia Dschëng ging raus zum Tor und sah, daß der Mann, um den es ging, Djiau Da, der „treue alte Bewahrer“ des Ning-guo-Hauses war. „Was zum Teufel führt dich her?“, fragte er.
 
Djiau Da schrie laut, den Himmel als Zeugen anrufend: „Habe ich diese zu nichts zu gebrauchenden Herren nicht immer wieder gewarnt – und Sie sagten immer, ich sei gegen Sie! Doch Ihr, Herr, Ihr wißt von den Wunden, die ich an der Seite meines Herren erlitt! Und jetzt schauen Sie, wie weit es gekommen ist! Herr Dschën und Herr Jung liegen beide in Ketten bei irgend so einem Prinzen. Die Frauen werden grob behandelt, ausgeraubt, und von irgendwelchen Wachen in leere Räumen eingesperrt. Die einfachen Leute sind alle zusammen eingepfercht, Herr, wie Schweinehunde! Alles an Inventar wurde rausgenommen und zur Seite geworfen, schöne alte Möbel zerschlagen und Porzellan zerdeppert... Und jetzt legen die ihre Hände an mich! Ich gehe auf die neunzig zu und ich habe nur im Auftrag des Herrn die Hände anderer festgebunden. Und jetzt will man das mit mir machen! Ich habe ihnen gesagt, daß ich aus dem westlichen Anwesen bin, und bin hinausgegangen. Doch sie wollten mir nicht glauben und schubsten mich herum. Und jetzt muß ich sehen, daß hier auch alles schlecht ist. Nichts ist übrig, wofür es sich lohnt zu leben. Dann will ich lieber mit ihnen kämpfen!“
 
Er sagte es und stieß mit der Stirn gegen die Wand. Er bedrohte wirklich die Wachen, die ihn aus Respekt vor seinem Alter und hoffend, nicht gegen die Anordnungen der Prinzen zu verstoßen, zurückhaltend behandelten. „Beruhige dich, alter Mann. Wir sind hier, um einen Kaiserlichen Befehl auszuführen. Jetzt nimm es nicht so schwer und warte, was seine Majestät befiehlt.“
 
Währenddessen sagte Djia Dschëng nichts, obwohl er tief von dem getroffen war, was der alte Mann gesagt hatte.
 
‚Es ist hoffnungslos!‘, sagte er schließlich zu sich selbst. ,Ich hätte nie gedacht, daß wir so enden!‘
 
Er wartete ängstlich auf Nachrichten aus dem Palast, bis er Hsüä Kë in den Hof rennen hörte, der atemlos ausrief: „Das war aber einfach, hier hereinzukommen. Da ist Onkel Dschëng.“
 
Djia Dschëng sagte: „Du kommst gerade richtig. Aber wie haben sie dich hereingelassen?“
 
„Ich habe gebettelt und gewinselt, ihnen Geld versprochen und zum Schluß haben sie mich durchgelassen.“
 
Djia Dschëng erzählte ihm von der  Beschlagnahmung und bat ihn her­aus­zufinden, was eigentlich los war: „Wir können mit unseren Freunden und Verwandten keine Nachrichten auszutauschen. Das wäre zu gefährlich. Du bist der Einzige, der uns dabei helfen kann.“
 
„Ich habe von der Klage gegen das Ning-guo-Anwesen gehört“, sagte Hsüä Kë, „doch ich hatte nicht gedacht, daß es auch hier so schlimm aussieht.“
 
„Doch was wird uns zur Last gelegt?“, fragte Djia Dschëng.
 
„Heute früh“, antwortete Hsüä Kë, „war ich bei der Strafbehörde. Ich erkundigte mich nach Vetter Pans Urteil. Doch während ich dort war, hörte ich von den Beschuldigungen, die von zwei Zensoren gegen Vetter Dschën vorgetragen wurden. Eine war für die Bestechung von Söhnen aus adeligen Familien, Anstiftung zum Spielen und so etwas. Das war die geringere Anklage: Die andere legt zur Last, die Verlobte eines unschuldigen Mannes weggenommen zu haben. Als sie sich wehrte, so sagte die Beschuldigung, wurde ihr physische Gewalt angetan, wodurch sie zu Tode gekommen ist. Um die Anklage zu stützen, hat der besagte Zensor einen unserer Diener, Bau Örl, verhaften lassen und einen Zeugen, Herrn Dschang, kommen lassen. Sogar der Hauptzensor könnte in Schwierigkeiten sein, da dieser Dschang sich eigentlich vor einiger Zeit an sie gewandt hat und er dessen Anklage verworfen hat.“
 
Djia Dschëng stampfte mit dem Fuß, bevor Hsüä Kë zu Ende gesprochen hatte. „Wie weit ist es nur gekommen? Wir sind wahrlich am Ende!“ Er seufzte und seine Tränen strömten.
 
Hsüä Kë versuchte, ihn zu trösten und ging dann wieder fort, um Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen. Nach einem halben Tag kam er zurück und berichtete: „Es sieht schlecht aus.“ – „Bei der Strafbehörde konnte ich nichts über die zwei Prinzen und ihren Bericht an den Thron herausfinden. Doch ich habe etwas anderes herausgefunden. Früher am Morgen hatte ein Zensor namens Li eine Anklage gegen den Präfekten von Ping-an vorgelegt, beschuldigte ihn dabei, sich mit seinem Vorgesetzten aus der Hauptstadt verbündet zu haben, dabei viel Geld unterschlagen und das einfache Volk unterdrückt zu haben.
 
„Das ist seine Sache. Was hat das mit uns zu tun?“, antwortete Djia Dschëng etwas nervös.
 
„Mit Ping-an sind wir gemeint“, sagte Hsüä Kë. „Der Vorgesetzte aus der Hauptstadt bei Zensor Li ist tatsächlich Onkel Schë: Das bedeutet, daß er Geld veruntreut hat, das ist noch viel schlimmer als gedacht. Seine Freunde am Hof verstecken sich alle, wollen ihre Hände so sauber wie möglich halten, und es ist noch nicht einmal jemand bereit, uns auf dem Laufenden zu halten. Es ist dasselbe mit den Verwandten und Freunden, die von der Feier geflohen sind. Manche sind direkt nach Hause gegangen, andere haben ein Versteck gefunden, worin sie verweilen können, bis der Sturm vorüber ist. Einige Mitglieder des Clans fragen öffentlich, wer denn der Glückliche sein wird, die Titel und Ämter zu erhalten, die unsere Familie verloren hat. Alle haben sie ein Auge darauf geworfen...“
 
Djia Dschëng stampfte mit dem Fuß auf und unterbrach ihn wieder:
 
„Das sind alles Folgen der Dummheit meines älteren Bruders! Und von den unehrenhaften Wegen, die das Ning-guo-Anwesen eingeschlagen hat! Aber genug davon. Wer weiß, ob die gnädige Frau und die Schwiegertochter der Lians noch leben! Du solltest besser mit deinen Erkundigungen fortfahren, während ich nach der Herzoginmutter sehe. Sobald es etwas Neues gibt, laßt es mich möglichst schnell wissen.
 
Während sie sprachen, war ein wirrer Schrei von innen zu hören: „Der gnädigen Herrin geht es schlecht!
 
Djia Dschëng eilte in großer Aufregung fort. Um herauszufinden, ob sie noch lebte, lese man das nächste Kapitel.
 
106. Wang Hsi-fëng hat ein schlechtes Gewissen ob früherer Vergehen
 
Die Herzoginmutter betet zum Himmelsgott und versucht, das Unglück zu vertreiben.
 
  
Als Djia Dschëng hörte, daß es der Herzoginmutter nicht gut ging, eilte er direkt zu ihren Gemächern. Er sah, daß sie aufgeregt und unregelmäßig atmete. Die Dame Wang brachte sie mit Hilfe von Yüan-yang und den anderen Mägden wieder zu sich. Sie verabreichten ihr eines ihrer Duftsprühmittel und Beruhigungspillen, was etwas für Erleichterung sorgte. Doch sie blieb traurig und weinte. Djia Dschëng stand ihr zur Seite, versuchte sie zu trösten und zu beruhigen: „Deine Söhne haben dieses Unglück über die Familie gebracht und dir diesen Kummer bereitet, Mutter. Bitte beruhige dich und gib uns Zeit, daß wir uns um alles kümmern können. Wenn du dadurch erkrankst, ist unsere Schuld nicht mehr zu ertragen!“
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Aufrecht Kaufmann eilte in größter Aufregung hinein.
„Ich bin jetzt über achtzig“, antwortete die Herzoginmutter, „und seit dem Tag, als ich als junges Mädchen herkam und mit eurem Vater verheiratet wurde, habe ich ein behütetes Leben geführt. Von den Ahnen der Familie wurde ich gesegnet und beschützt. Nie zuvor habe ich auch nur von solchen schlimmen Dingen wie diesen gehört. Nun bin ich alt und sehe, daß Ihr bestraft werdet. Wie könnte ich das ertragen? Lieber sterbe ich und laß Euch in Ruhe.“
 
Wieder brach sie in Tränen aus, und Djia Dschëng wurde immer besorgter um ihren Zustand. Plötzlich hörte man draußen eine Stimme rufen: „Neuigkeiten vom Hof für den Herrn!“
 
Djia Dschëng eilte hinaus. Ein Gehilfe des Prinzen von Bee-djing wartete in der Hauptempfangshalle auf ihn und begrüßte ihn mit den Worten: „Gute Nachrichten, Herr!“
 
Djia Dschëng dankte dem Gehilfen für sein Kommen und bat ihn, sich zu setzen.
 
„Was befiehlt ihre Hoheit?“, fragte er.
 
„Mein Herr und Ihre Hoheit der Prinz von Hsi-ping haben seiner Majestät einen Bericht vorgelegt und sprachen zu Ihren Gunsten, Herr, betonten Ihre Reue und Ihre große Anerkennung der Milde, die Ihnen vom Thron erwiesen wurde. Seine Majestät war äußerst mitfühlend und aufmerksam wegen des kürzlichen Ablebens der kaiserlichen Nebenfrau. Er brachte es nicht über sich, Euch zu bestrafen. Stattdessen setzt er Euch auf Eure frühere Position als Untersekretär an die Arbeitsbehörde zurück. Von dem beschlagnahmten Familieneigentum wird nur jenes von Herrn Schë beschlagnahmt behalten. Der Rest wird Euch zurückgegeben. Seine Majestät verlangt von Euch, die Euch auferlegten Pflichten gewissenhaft und treu auszuführen.
 
Die beschlagnahmten Schuldscheine werden von meinem Herrn persönlich überprüft. Schuldscheine mit Wucherzinsen werden nach dem Gesetz umgehend konfisziert. Schuldscheine, die vernünftige Raten beinhalten, sowie Besitzurkunden für Häuser und Ländereien werden alle an Sie zurückgegeben. Djia Liän werden seine Stellung und sein Rang entzogen, er wird allerdings von weiteren Bestrafungen verschont und freigelassen.“
 
Djia Dschëng erhob sich von seinem Stuhl und verbeugte sich in die vorgesehene Richtung, aus Dank für die kaiserliche Großzügigkeit. Er verneigte sich auch vor dem Gehilfen, um seine tiefempfundene Dankbarkeit für das Eingreifen des Prinzen zu seinen Gunsten zu zeigen. „Seid so gut und übermittet Seiner Hoheit meinen allergrößten Dank. Morgen werde ich am Hof erscheinen, um Seiner Hoheit meine Dankbarkeit persönlich zu erweisen.“
 
Der Gehilfe des Prinzen brach auf. Kurz darauf erschien ein Beamter, um den Erlaß vorzutragen. Gefolgt von Beamten, die alle Anweisungen sorgfältigst ausführten, die Dokumente einzeln überprüften, nur das konfiszierten, was angegeben war, und den Rest den Eigentümern zurückgaben. Djia Liän wurde freigelassen, während Djia Schës Hausstand und seine Angestellten alle in Staatseigentum übergingen bzw. in den öffentlichen Dienst übernommen wurden.
 
Djia Liäns Position war nicht zu beneiden. Einige der Dokumente wurden zurückgegeben und von seinem anderen Eigentum wurde nichts beschlagnahmt, doch seine Gemächer waren durchwühlt und geplündert. Nichts als die bloßen Möbel waren an ihrem Platz geblieben. Seine anfängliche Erleichterung darüber, frei und der befürchteten Strafe entgangen zu sein, ging über in ein tiefes Gefühl des Verlustes, wenn er sah, wie sein eigener und Hsi-fëngs Besitz – alles zusammen mit einem Wert von siebzig- bis achtzig­tausend Goldtaler – an einem einzigen Morgen verschwunden war. Die Verhaftung seines Vaters, Hsi-fëngs lebensbedrohlicher Gesundheitszustand: Das war zuviel für ihn. Und nun mußte er Djia Dschëng Rechenschaft ablegen, der ihn einbestellte und, sein Schluchzen unterdrückend, ausschalt: „Ich war viel zu oft mit meinen amtlichen Pflichten beschäftigt und habe den Familienangelegenheiten überhaupt zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht.
 
Deshalb habe ich dich und deine Frau den Haushalt führen lassen. Ich kann deinem Vater Vorhaltungen über seine falsche Erziehung machen, doch dieser Wucher, der ans Licht gekommen ist – wer um Himmels willen ist dafür verantwortlich? Familien wie unsere haben mit so etwas nichts zu schaffen. Die Dokumente wurden konfisziert und Aufträge und Zinsen sind verfallen: doch es ist nicht das Geld, es ist der unglaubliche Schlag, den es unserem Ruf versetzt hat!“
 
Djia Liän fiel auf seine Knie: „Ich habe mich immer um die Familienangelegenheiten gekümmert, doch ich habe nie privat etwas zurückbehalten. Alle Konten wurden von den Verwaltern Lai Da, Wu Hsin-deng, Dai Liang und den anderen geführt. Bitte bestelle sie her, und höre die Wahrheit aus ihrem Munde. In den letzten Jahren waren unsere Ausgaben viel höher als unser Einkommen, und es gab Defizite in den Konten, die ich bislang nicht ausgleichen konnte, unabhängig von den Schulden, die ich noch zu bewältigen hatte. Tante Wang wird dir davon erzählen können. Und was das geliehene Geld betrifft, so habe ich keine Vorstellung davon, wo das herkommen könnte. Frag’ doch besser Dschou Juee und Wang Örl.“ –
 
„Du willst mir damit also sagen, daß du nicht weißt, was in deinen eigenen Gemächern vor sich ging, und daß du den ganzen Haushalt allein ließest! Ich sollte besser nicht weiter mit dir darüber reden. Schätze dich selbst glücklich, daß du so einfach davon gekommen bist. Jetzt bewegst du dich besser und siehst nach, was mit deinem Vater und Vetter Dschën los ist.“
 
Djia Liän fühlte sich sehr streng behandelt, doch hielt er seine Tränen zurück und folgte gehorsam den Anweisungen seines Onkels.
 
Ganz allein gelassen sann Djia Dschëng tief seufzend über diese Familientragödie: ‚Es war vergebens, daß mein Großvater und mein Großonkel dem Thron so loyal dienten, der Familie große Ehre und erbliche Titel erwarben. Jetzt sind unsere beiden Haushalte entehrt, beide Titel wurden uns genommen. Und auf weitere Sicht sehe ich keine Ruhepause, keinen aufsteigenden Stern in der jüngeren Generation, der uns aus diesem Elend befreien könnte! Gütiger Himmel! Daß es mit unserem Geschlecht so weit gekommen ist! Dank einer Handlung außerordentlicher Großzügigkeit auf Seiten Seiner Majestät wurde ich verschont und habe mein Eigentum zurückerhalten. Doch beide Haushalte müssen sich nun zusammenraufen, und wie könnte ich das alleine bewältigen? Die letzte Offenbarung von Liän war ein weiterer schmerzlicher Schlag. Nicht nur, daß wir keine Rücklagen haben, hinzu kommen schwere Schulden. Wir haben offensichtlich über Jahre unwissend über unsere Verhältnisse gelebt! Und alles wegen meiner Dummheit. Ich hasse mich. Wie konnte ich nur so blind sein? Wenn nur mein ältester Sohn noch leben würde! Dschu hätte mich wenigstens unterstützen können. Doch Bau-yü, obwohl er mein Sohn und nun erwachsen ist, wird mir keine Stütze sein.’
 
Während dieses stillen Monologes mußte Djia Dschëng unfreiwillig weinen, und der Kragen seines Umhangs war naß vor Tränen.
 
„Und Mutter – besonders in Anbetracht ihres hohen Alters, haben wir beinahe in den Tod getrieben. Wer außer mir selbst ist Schuld an diesem frevelhaften Vergehen?“
 
Er brütete vor sich hin, war in den tiefsten Selbstvorwürfen versunken, als ein Diener eintrat, um die Ankunft verschiedener Freunde und Verwandten anzukündigen. Djia Dschëng empfing sie und dankte jedem einzeln für seine Betroffenheit.
 
„Diese Unglücksfälle bei uns“, sagte er in entschuldigendem Ton zu ihnen, „sind die direkte Folge meiner Unfähigkeit, der jüngeren Generation das nötige Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln.“
 
„Das muß man aber klar trennen“, antwortete einer von ihnen. „Wir haben lange über Herrn Schës fragwürdige Erziehung nachgedacht. Und Herr Dschën war auf seine Art noch arroganter und liederlicher. Jetzt ist ihr Fehlverhalten ans Licht gekommen und brachte ihnen öffentliche Zensur. Die Schuld liegt voll und ganz bei ihnen. Es ist höchst bedauerlich, daß ihr Fehlverhalten nun auf Sie zurückfällt, Herr.“
 
„Ich kenne da einige ähnliche Fälle“, kommentierte ein anderer, „doch keiner davon führte zu einer solchen Anklage. Herr Dschën muß irgendjemanden geärgert haben.“
 
„Das Eingreifen des Zensors kann in diesem Fall leicht erklärt werden“, erwiderte ein anderer. „Es scheint, daß einer der Hausangestellten und einige der weniger respektablen Freunde unangenehme Gerüchte verbreitet haben und daß diese zum Zensor vorgedrungen sind. Er wünschte Beweise dafür, bevor sie fortschritten und holte eben diesen Diener von Euch, um ihn zu verhören. Wenn ich bedenke, wie großzügig Ihr mit Euren Angestellten umgeht, kann ich mir kaum vorstellen, daß so etwas passieren konnte.“ –
 
„So ist das mit den Angestellten“, bemerkte ein anderer, „sie ziehen ihre Vorteile aus der Großzügigkeit ihrer Herren. Da wir hier unter Freunden sind, kann ich gewiß ganz frei reden. Ich weiß, was für ein unbestechlicher Mann Sie sind, Herr; doch während Sie in Djiang-hsi waren, wurde Ihr Ruf irgendwie befleckt. Das müssen eure Diener gewesen sein. In Zukunft müssen Sie noch vorsichtiger sein. Obwohl Sie dieses Mal mit ihrem Eigentum davongekommen sind, könnte es wesentlich unangenehmer werden, wenn Seine Majestät jemals wieder ihre Pflichttreue in Frage stellen sollten.“
 
Djia Dschëng schien sehr verstört. „Was meinen sie? Inwiefern wurde mein Ruf befleckt?“ –
 
„Es gibt natürlich keine eindeutigen Beweise dafür“, war die Antwort, „doch wir haben andere sagen gehört, daß sie während ihrer Zeit als Korninspektor ihre Diener beauftragten, Erpressung zu betreiben.“ –
 
„Der Himmel sei mein Zeuge“, rief Djia Dschëng aus, „ich habe noch nicht einmal im Traum an so etwas gedacht! Meine Männer haben hinter meinem Rücken krumme Geschäfte betrieben. Noch mehr von solchem Gerede, und ich bin am Ende!“ –
 
„Es bringt nichts, davor Angst zu haben“, kommentierte einer aus der Gesellschaft. „Doch ihr solltet Euren jetzigen Hausstand gründlich überprüfen. Sortiert alle widerspenstigen Elemente unter ihnen aus und seid strenger mit ihnen.“
 
In diesem Moment betrat ein Pförtner den Raum: „Herrn Schës Schwiegersohn, Herr Sun, hat einen Diener mit einer Nachricht geschickt, Herr. Sein Herr ist zu beschäftigt, um selbst zu kommen. Dieser Mann wurde angewiesen, Euch darüber zu informieren, daß die Suns von Euch erwarten, die Schulden von Herrn Schë zu bezahlen.“
 
Djia Dschëng blickte finster und genervt und sagte: „Ich weiß Bescheid.“ Seine Freunde lachten verächtlich: „Dieser Herr Sun macht seinem schlechten Ruf alle Ehre. Wenn das Haus seines Schwiegervaters leergeräumt und sein Eigentum beschlagnahmt ist, kommt er, anstatt Hilfe anzubieten, nur um um Geld zu betteln. Das ist höchst ungebührlich!“ –
 
„Laßt uns nicht über ihn sprechen“, antwortete Djia Dschëng. „Diese ganze Geschichte habe ich meinem älteren Bruder zu verdanken. Ich hätte daran denken sollen, daß meine arme Nichte bereits genug durch die Hand dieses jungen Mannes gelitten hat, jetzt quält er auch noch mich.“
 
Als er sprach, erschien Hsüä Kë. „Ich habe herausgefunden,“ berichtete er Djia Dschëng, „daß Komissar Dschau darauf besteht, jeden Punkt der Anklage zu verfolgen. Ich fürchte, es wird für Onkel Schë und Vetter Dschën nicht leicht.“ –
 
„In dieser Angelegenheit mußt du die Hilfe des Prinzen suchen“, wiesen Djia Dschëngs Freunde ihn an, „ohne sein Eingreifen werdet ihr alle ruiniert werden.“
 
Djia Dschëng dankte seinen Besuchern für diesen Rat, den er zu befolgen versicherte, und sie brachen auf.
 
Es dämmerte bereits und Djia Dschëng stattete der Herzoginmutter seinen abendlichen Besuch ab. Diese hatte sich sichtlich erholt. Er kehrte in seine Gemächer zurück, saß dort im Stillen und grübelte über Djia Liän und Hsi-fëngs unbedachtes Verhalten. Da ihr Betrug nun ans Licht gekommen war, würde es der ganzen Familie schaden, und er gab ihnen die Schuld dafür. Doch er bedachte auch, daß Hsi-fëng schwer krank war und bei der Plünderung alles verloren hatte, was ihr bestimmt einen schweren Schlag versetzt haben mußte. Er entschied, sie zunächst nicht zu kritisieren, sondern seinen Ärger für sich zu behalten und nichts zu sagen. Der Rest dieser Nacht verlief ohne weitere Ereignisse.
 
Früh am nächsten Morgen ging Djia Dschëng zu den Palästen der Prinzen von Bee-djing und Hsi-ping, wo er seine Ehrenbezeugungen darbot und sie bat, Djia Schë und Vetter Dschën zu unterstützen. Die Prinzen versicherten es. Djia Dschëng besuchte weiter andere Freunde und Bekannte, um auch sie um Unterstützung zu erbitten.
 
Unser Erzähler widmet sich nun Djia Liän. Als er sich umhörte, fand er heraus, daß seinem Vater und Vetter Dschën in der Tat ein ernstes Urteil bevorstand. Und da er sah, daß er ihnen unter keinen Umständen einen Aufschub verschaffen konnte, konnte er nur nach Hause zurückkehren. In seinen Gemächern saß Ping-örl weinend an Hsi-fëngs Seite, während Tchiu-tung im Nebenzimmer um Hsi-fëng klagte. Als Djia Liän sich Hsi-fëng näherte und sah, daß sie dem Tode nahe war, fand er für seine Wehklage keine Worte. Ping-örl sagte weinend zu ihm: „Die Sache hat sich nun einmal so entwickelt. Alles, was weg ist, wird auch nicht mehr wiederkommen. Und sehen Sie sich Frau Liän an, Herr. Nur ein Arzt kann sie heilen.“ –
 
Liän spuckte aus und sagte. „Nicht einmal für mein Leben besteht noch Hoffnung, wie könnte ich ihr Leben retten?“
 
Hsi-fëng hörte das, öffnete ihre Augen und blickte Djia Liän still an. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie sah, wie Djia Liän das Zimmer verließ und sagte zu Ping-örl: „Kümmere dich nicht mehr um den Haushalt! So wie die Dinge sich entwickelt haben, solltest du dich nicht mehr um mich kümmern. Ich wünschte nur, ich könnte heute sterben und mit allem fertig sein! Wenn ich dir noch irgend etwas bedeute, dann kümmere dich bitte um die kleine Tchiau-djie, wenn ich tot bin. Tu es für mich, und meine Seele wird dir in der nächsten Welt dankbar sein.“
 
Ping-örl brach in Tränen aus.
 
„Nun komm schon“, sagte Hsi-fëng, „du bist doch eine kluge Person! Ich weiß, daß keiner kommen und es mir ins Gesicht sagen würde, doch ich weiß, daß sie mir die Schuld für alles geben, was passiert ist. Das ist nicht wahr. Andere haben draußen damit angefangen. Doch ich gebe zu, wenn ich das Geld nicht lieben würde, wäre mir das heute nicht widerfahren. All meine Pläne und Vorhaben enden im Nichts. Mein lebenslanges Streben war umsonst. Ich bin zerbrochen, niedriger als die Niedrigen. Ich hasse nur, daß wir keine anständigen Menschen angestellt haben. Ich hörte, daß drüben Vetter Dschën die Verlobte eines Herrn Dschang zur Konkubine nahm und sie zu Tode brachte? Überleg’ mal, wer dieser Herr Dschang sein könnte. Wenn You Örl-djies Geschichte jemals ans Licht kommt, wird Herr Liän entehrt sein. Und wie stehe ich dann da? Ich wünschte, ich könnte sofort sterben! Doch wie? Ich wage nicht, selbst Gold zu schlucken oder Gift einzunehmen. Und du willst einen Arzt rufen! Damit würdest du mir nur schaden!“
 
Ping-örl wurde mit jedem Wort Hsi-fëngs noch verzweifelter. Sie empfand viel für sie und beschloß, nahe bei ihr zu bleiben und noch besser auf sie aufzupassen, aus Angst, sie könnte sich in ihrer Verzweiflung etwas antun.
 
Glücklicherweise wußte die Herzoginmutter nichts von solch beklemmenden Szenen. Ihre eigene Genesung und ihr Seelenheil wurden von der Kenntnis über Djia Dschëngs Wiedereinstellung stark gefördert und auch von der ständigen Gegenwart von Bau-yü und Bau-tschai an ihrer Seite. Sie hatte immer eine Schwäche für Hsi-fëng gehabt, und nun rief sie Yüan-yang zu sich, und sagte: „Nimm diese Sachen von mir und bring sie hinüber zu Frau Liän. Und gib Ping-örl etwas Geld, daß sie sich gut um sie kümmern kann! Falls sie wieder krank ist, werde ich den Rest meines Besitzes gründlich durchsehen und schauen, was ich noch für sie finden kann.“ Sie sagte der Dame Wang auch, sie solle nachsehen, was die Dame Hsing bräuchte.
 
Das gesamte Vermögen des Ning-guo-Anwesens, eingeschlossen Eigentum und Angestellte, wurden inventarisiert und beschlagnahmt. Die Herzoginmutter ließ eine Kutsche besorgen, die You-schï und Djia Jungs Frau herüberholen sollte. Diese beiden Damen und Vetter Dschëns zwei Konkubinen, Pei-fëng und Djie Yüän, waren als einzige in den luxuriösen Gemächern des Ning-guo-Anwesens übriggeblieben. Nicht ein einziger Diener war mehr dort. Die Herzoginmutter verzichtete auf Gemächer, in denen Hsi-tschun gewohnt hatte. Sie verlangte nach vier Ammen und zwei Mägden, um ihr aufzuwarten, und ordnete an, daß ihre Speisen und andere tägliche Erforderlichkeiten aus der Hauptküche gebracht werden sollten. Sie schickte ihnen auch Kleidung und andere Notwendigkeiten und wies die Haushalts-Kasse an, ihnen die gleichen monatlichen Beträge zu gewähren wie den Mitgliedern des Jung-guo Zweiges.
 
Doch es stand außer Frage, Geld von den Konten zu besorgen, um die Ausgaben (hauptsächlich Bestechung), die bei Djia Schë, Vetter Dschën und Djia Jung im Kerker anfielen, zu decken. Hsi-fëng hatte kein Geld und Djia Liän war hoch verschuldet, wohingegen Djia Dschëng, der keine Erfahrung mit Familien-Finanzen hatte, auf seine charakteristische Art nur fruchtlos sagen konnte: „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und bin zuversichtlich, daß sie tun werden, was sie können.“
 
Djia Liän fiel keine Möglichkeit ein, um an Geld zu kommen. Es würde nichts bringen, sich an Hsi-fëngs Seite der Familie zu wenden. Die Hsüäs waren bankrott, ihr älterer Onkel Wang Dsï-teng war tot, und die anderen Wangs waren nicht in der Position zu helfen. Am Ende schickte er aus Verzweiflung geheim einen Mann zum Jung-guo-Anwesen mit der Anweisung, eine Landfläche mit einem Wert von tausend Silbertael zu verkaufen. Dieses Geld würde er seinen Familienmitgliedern im Gefängnis anbieten. Als die Bediensteten sahen, zu welchen Methoden ihr Herr gezwungen war, entschieden manche, selbst ihren Nutzen aus der Situation zu ziehen und erfanden Vorwände dafür, gegen Mietanteile des östlichen Landsitzes der Familie auf eigene Rechnung Geld auszuleihen. Doch darauf werden wir später in der Geschichte noch eingehen.
 
Die Herzoginmutter sah die Familie ihrer erblichen Titel beraubt. Sie sah einen ihrer Söhne und zwei andere Männer im Kerker die Verhandlung erwarten. Sie hörte die ganze Nacht das Weinen der Damen Hsing und You-schï, und Hsi-fëng lag im Sterben. Bau-yü und Bau-tschai trösteten sie zwar, doch sie konnten ihr den Kummer und den Schmerz nicht nehmen, die ihr Herz schwer machten. Eines Tages gegen Abend schickte sie Bau-yü zurück in seine Wohnung, erhob sich mühevoll ohne Hilfe von ihrem Sofa und trug Yüan-yang und den anderen Mägden auf, überall vor den Buddhastatuen Räucherstäbchen anzuzünden. Zuletzt gab sie Anweisungen, im eigenen Hof ein großes scheffelförmiges Bündel Räucherstäbchen anzuzünden und ging auf ihren Stock gestützt in den Hof. Hu-po wußte, daß sie vorhatte zu beten und legte ihr eine große rote Meditationsmatte zurecht, damit sie darauf niederknien konnte. Die alte Dame kniete nieder und machte mehrere Kotaus. Sie rezitierte eine Strophe aus einem Sutra und begann mit Tränen in den Augen zu den Göttern von Himmel und Erde zu beten: „Allmächtiger höchster Buddha! Ich, deine demütige Dienerin, in die Familie Schï geboren und verheiratet mit dem Hause Djia, erbitte ergeben deine Barmherzigkeit. Über viele Generationen haben wir nichts Falsches gemacht, wir haben uns nicht in den Wegen der Gewalt und des Hochmuts verirrt. Ich habe demütig und unzureichend mein Bestes versucht, dem Pfad der Rechtschaffenheit zu folgen, meinen Ehemann zu unterstützen und meinen Söhnen zu helfen. Doch die jüngere Generation hat mit mutwilliger Sorglosigkeit gehandelt, sie haben sich dem Zorn des Schicksals ausgeliefert, und jetzt wurde unser Heim geplündert und unser Eigentum geraubt. Mein Sohn und zwei jüngere Männer
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
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Was sich weiter zutrug, wird im nächsten Kapitel erzählt.
sitzen im Gefängnis und haben das Schlimmste zu befürchten. Die Schuld dieses Unglücks lastet allein auf meinen Schultern, da ich der jüngeren Generation nicht die richtigen Verhaltens-Grundsätze vermitteln konnte. Nun verbeuge ich mich und bitte den Allmächtigen Himmel, uns zu schützen. Möge denen im Gefängnis ihr Kummer zur Freude werden, mögen die Kränklichen wieder  ihre Gesundheit erlangen.  Möge ich  für alles  sühnen und die Schuld der Familie auf meinen Schultern tragen!  Und möge den Söhnen und Enkeln vergeben werden! Sei gnädig mit mir, allmächtiger Himmel, und erhöre mein gläubiges Flehen. Schenke mir einen frühen Tod, daß ich für die Sünden meiner Kinder und Enkelkinder büßen kann!“
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Als dieses Gebet beendet war, brach die Herzoginmutter zusammen und begann so kläglich zu schluchzen, daß sie nur noch keuchen konnte. Yüan-yang und Hu-po trösteten sie, halfen ihr auf die Beine und begleiteten sie zurück ins Haus.
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<small>Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.</small>
Die Dame Wang kam kurz danach mit Bau-yü und Bau-tschai, um ihren abendlichen Besuch abzustatten. Der bedauerliche Zustand der Herzoginmutter rührte sie sehr, und alle drei weinten laut. Bau-tschai hatte ihren eigenen Grund zum Kummer. Die Zukunft ihres Bruders war ungewiß. Keiner wußte, ob sein Urteil gemildert oder er freigelassen würde. Und obwohl Djia Dschëng und die Dame Wang nicht direkt von den derzeitigen Ereignissen betroffen waren, konnte Bau-tschai selbst sehen, daß die Familie Djia um sie herum dezimiert wurde. Während ihr Ehemann sich so blöde und hilflos wie immer benahm. Als sie über ihre eigene Notlage nachdachte, war ihr Schluchzen sogar noch anrührender als das der Herzoginmutter und der Dame Wang.
 
Bau-yü sah, daß Bau-tschai so verzweifelt war und wurde auch sehr traurig. „Großmutter ist in ihrem Alter mit Sorgen überhäuft, Mutter und Vater haben auch nichts als Kummer. Meine Schwestern und Kusinen sind fort, zerstreut wie Wolken von den vier Winden, und jeder Tag macht mich noch einsamer, mit nichts, was mich noch hält, außer den Erinnerungen an eine glückliche Vergangenheit, an die goldenen Tage der Poesietreffen im Garten. Seit Kusine Dai-yüs Tod kann ich nichts tun, um meine Lethargie und Depression loszuwerden, und ich muß mich zusammenreißen, nicht ständig zu weinen, um Bau-tschai nicht zu bekümmern, die selber um ihren Bruder und ihre Mutter trauert und nur sehr selten ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen läßt.“
 
Bau-tschais untröstliches Weinen traf ihn so sehr, daß er selber laut hoffnungslos zu weinen begann, was wiederum Yüan-yang, Tsai-yün, Ying-örl und Hsi-jën traurig stimmte, und bald weinte jeder von ihnen bitterlich aus eigenen Beweggründen. Zuletzt ging die Welle dieses hinderlichen Kummers bis zu den anderen Mägden über, und es war niemand mehr übrig, der selber hätte trösten können. Ein Chor des Jammers erfüllte den Raum und erreichte die Ohren der Dienstmädchen in der Nachtschicht, welche dies umgehend Djia Dschëng berichteten.
 
Djia Dschëng grübelte immer noch in seinem Arbeitszimmer, was inzwischen zur Gewohnheit geworden war, als die Neuigkeiten ihn erreichten.
 
  
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<references />
[[Category:Hongloumeng]]
 

Latest revision as of 19:30, 28 April 2026

Kapitel 105

Die Kaiserliche Garde durchsucht den Ning-Herzogspalast

Der Zensor auf dem Apfelschimmel klagt den Präfekten von Ping'an an

Es wird erzählt, dass Aufrecht Kaufmann [1] gerade ein Bankett gab, als plötzlich Lai Da hastig in die Ehrenglücks-Halle gelaufen kam und Aufrecht Kaufmann meldete: "Der Amtsvorsteher Zhao von der Kaiserlichen Garde ist mit mehreren Beamten eingetroffen und sagt, er komme zu einem Besuch. Euer Diener wollte seine Visitenkarte holen, doch Herr Zhao sagte: 'Wir sind die besten Freunde, das ist nicht nötig.' Er ist bereits aus der Kutsche gestiegen und hereinspaziert. Der Herr und die jungen Herren mögen ihm bitte schnell entgegengehen." Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, dachte er bei sich: 'Mit dem alten Zhao habe ich keinerlei Umgang, warum kommt er ausgerechnet jetzt? Wir haben bereits Gäste, ihn dazubehalten wäre unpassend, ihn abzuweisen ebenso.' Während er noch überlegte, sagte Kette Kaufmann [2]: "Onkel, geh schnell! Wenn du noch länger nachdenkst, ist er schon drinnen."

Noch während er sprach, meldete ein Diener vom zweiten Tor: "Herr Zhao ist bereits durch das zweite Tor eingetreten." Aufrecht Kaufmann und die anderen eilten ihm in schnellen Schritten entgegen. Amtsvorsteher Zhao trug ein breites Lächeln im Gesicht, sagte aber nichts und ging geradewegs in die Halle hinauf. Hinter ihm folgten fünf oder sechs Beamte, manche davon bekannt, andere nicht, doch keiner von ihnen sprach ein Wort. Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nicht, was sie davon halten sollten, und konnten nur hinterhergehen und Plätze anbieten. Unter den Verwandten und Freunden erkannten einige Amtsvorsteher Zhao; sie sahen, wie er mit erhobenem Gesicht kaum jemanden beachtete und nur Aufrecht Kaufmann bei der Hand nahm, lächelnd ein paar Höflichkeitsfloskeln wechselte. Als die Anwesenden merkten, dass nichts Gutes im Anzug war, zogen sich manche in die hinteren Räume zurück, andere standen mit gesenkten Händen dabei.

Aufrecht Kaufmann wollte gerade mit aufgesetztem Lächeln ein Gespräch beginnen, als ein Diener aufgeregt hereinplatzte und meldete: "Der Prinz von Xiping ist eingetroffen!" Aufrecht Kaufmann eilte in großer Hast hinaus, um ihn zu empfangen, doch der Prinz war bereits eingetreten. Amtsvorsteher Zhao drängte sich vor, grüßte den Prinzen ehrerbietig und sagte: "Da der Prinz nun hier ist, sollten die mitgekommenen Beamten sogleich mit den Gardisten die vorderen und hinteren Tore bewachen lassen." Die Beamten gehorchten und gingen hinaus.

Aufrecht Kaufmann und die anderen wussten nun, dass etwas Schlimmes bevorstand, und fielen sofort auf die Knie, um den Prinzen zu empfangen. Der Prinz von Xiping stützte sie mit beiden Händen und sagte lächelnd: "Ohne triftigen Grund würde ich nicht zu kommen wagen. Ich bin im Auftrag des Kaisers hier, um eine Angelegenheit zu erledigen, und benötige Herrn Begnadigung zur Entgegennahme des kaiserlichen Erlasses. Da die Tafeln noch nicht abgeräumt sind und wohl Verwandte und Freunde anwesend sind, was unbequem wäre, bitte ich alle Gäste des Hauses, sich zu verabschieden. Nur die Mitglieder des eigenen Haushalts mögen bleiben und weitere Anweisungen abwarten." Amtsvorsteher Zhao warf ein: "Der Prinz ist zwar gnädig, doch was das östliche Anwesen betrifft — der andere Prinz geht bei seinen Aufgaben sehr gründlich vor, die Tore dort dürften längst versiegelt sein." Die Anwesenden begriffen, dass beide Herzogspaläste betroffen waren, und hätten sich am liebsten in Luft aufgelöst. Der Prinz lächelte und sagte: "Meine Herren, gehen Sie nur ruhig. Ich lasse Sie hinausbegleiten und sage den Beamten der Kaiserlichen Garde, dass es sich um Verwandte und Freunde handelt, die nicht behelligt werden sollen — lasst sie sofort passieren." Als die Verwandten und Freunde dies hörten, verschwanden sie wie der Rauch, einer schneller als der andere. Nur Begnadigung Kaufmann [3], Aufrecht Kaufmann und ihre engsten Angehörigen blieben zurück, totenbleich im Gesicht und am ganzen Leib zitternd.

Kurz darauf strömten unzählige Gardisten herein, besetzten alle Tore, und keiner im Haus durfte auch nur einen Schritt tun. Amtsvorsteher Zhao setzte nun eine völlig andere Miene auf, wandte sich an den Prinzen und sagte: "Möge der Prinz den kaiserlichen Erlass verlesen, damit wir zur Tat schreiten können." Die Gardisten schoben die Ärmel hoch und machten die Arme frei, bereit zum Zugriff. Der Prinz von Xiping sprach bedächtig: "Ich, der Prinz, handle im kaiserlichen Auftrag und habe den Leiter der Kaiserlichen Garde, Zhao Quan, mitgebracht, um das Vermögen von Begnadigung Kaufmann zu inspizieren." Als Begnadigung Kaufmann und die anderen dies hörten, warfen sie sich alle zu Boden. Der Prinz stand oben und verkündete: "Es ergeht folgender kaiserlicher Erlass: 'Begnadigung Kaufmann hat sich mit Provinzbeamten verschworen, seine Macht missbraucht und Schwächere drangsaliert, Unsere kaiserliche Gnade hintergangen und die Ehre seiner Ahnen besudelt. Sein erblicher Titel wird hiermit aberkannt. So befehlen Wir.'"

Amtsvorsteher Zhao rief unablässig: "Nehmt Begnadigung Kaufmann fest! Alle anderen unter Bewachung!" Zu diesem Zeitpunkt waren Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann, Kette Kaufmann, Herrlichkeit Kaufmann [4], Hibiskus Kaufmann [5], Kette Kaufmann, Zhi Kaufmann und Lan Kaufmann anwesend; einzig Schatzjade [6] hatte sich mit dem Vorwand einer Krankheit bei der Herzoginmutter [7] verkrochen, und Unheil Kaufmann [8] ließ sich ohnehin selten blicken — so wurden nur die Anwesenden festgesetzt. Amtsvorsteher Zhao befahl seinen Leuten: "Versammelt alle Beamten, nehmt die Gardisten mit und durchsucht systematisch Raum für Raum, inventarisiert und protokolliert alles." Dieses eine Wort jagte Aufrecht Kaufmann und seinem ganzen Haushalt einen solchen Schrecken ein, dass sie einander nur fassungslos anstarrten; die Gardisten und Amtsdiener hingegen rieben sich freudig die Hände und wollten sich sogleich überall ans Werk machen.

Der Prinz von Xiping sagte: "Soweit ich weiß, kochen Herr Begnadigung und Herr Aufrecht zwar unter einem Dach, aber mit getrennten Küchen. Es ist nur recht, gemäß dem Erlass das Vermögen von Herrn Begnadigung zu inspizieren. Alles Übrige soll nach Räumen versiegelt werden, bis wir dem Thron Bericht erstattet haben und weitere Anweisungen vorliegen." Amtsvorsteher Zhao erhob sich und sagte: "Ich melde dem Prinzen: Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann haben den Besitz nie geteilt. Zudem verwaltet, wie ich höre, der Neffe Kette Kaufmann den gesamten Haushalt — da muss alles restlos durchsucht werden." Der Prinz von Xiping schwieg dazu. Amtsvorsteher Zhao fuhr fort: "Die Quartiere von Kette Kaufmann und Begnadigung Kaufmann müssen von mir persönlich durchsucht werden." Der Prinz von Xiping erwiderte: "Keine Eile. Lasst zuerst ins Hinterhaus Nachricht geben und die Damen sich zurückziehen, dann ist es nicht zu spät für die Durchsuchung." Kaum hatte er ausgesprochen, hatten Zhaos Diener und Gardisten bereits die Hausleute des Anwesens als Führer gepackt und waren aufgeteilt in alle Richtungen zur Durchsuchung losgestürmt. Der Prinz donnerte: "Kein Durcheinander! Ich werde persönlich die Inspektion vornehmen!" Dann stand er langsam auf und ordnete an: "Keiner meiner Begleiter rührt sich. Alle bleiben hier stehen und warten. Wenn ich zurückkomme, werden wir gemeinsam die Gegenstände zählen und protokollieren."

Während er noch sprach, kam ein Beamter der Kaiserlichen Garde auf den Knien und meldete: "Im Inneren wurden Hofgewänder und zahlreiche verbotene Gegenstände gefunden. Wir wagten nicht, sie eigenmächtig zu bewegen, und bitten den Prinzen um Anweisung." Kurz darauf erschien eine weitere Gruppe und hielt den Prinzen von Xiping auf, mit der Meldung: "Im östlichen Seitentrakt wurden zwei Kisten mit Grundstücks- und Hausurkunden sowie eine Kiste mit Schuldscheinen beschlagnahmt — alles Wucherzinsen." Der alte Zhao rief: "Was für eine schamlose Wucherei! Das muss alles beschlagnahmt werden! Der Prinz möge sich setzen und mich alles konfiszieren lassen, dann können wir weitersehen."

Da kam der Haushofmeister des Prinzen und meldete: "Die Torwache hat ausrichten lassen: Seine Majestät hat eigens den Prinzen von Beijng hierher entsandt, um einen Erlass zu verkünden. Der Prinz möge ihm bitte entgegengehen." Als Amtsvorsteher Zhao dies hörte, dachte er bei sich: 'So ein Pech! Ausgerechnet dieser nachsichtige Prinz. Jetzt, wo er kommt, kann ich meine Autorität erst recht nicht mehr ausspielen.' Gleichwohl ging auch er hinaus, um ihn zu empfangen. Der Prinz von Beijng war bereits in der großen Halle eingetroffen und stand nach außen gewandt. Er verkündete: "Es ergeht ein kaiserlicher Erlass. Zhao Quan von der Kaiserlichen Garde, höre und gehorche." Er sprach: "Kaiserlicher Erlass: 'Die Kaiserliche Garde soll lediglich Begnadigung Kaufmann zum Verhör vorführen. Alles Weitere wird dem Prinzen von Xiping überlassen, der gemäß dem Erlass verfahren soll. So befehlen Wir.'" Der Prinz von Xiping nahm den Erlass entgegen und war hocherfreut. Er setzte sich mit dem Prinzen von Beijng zusammen und befahl Amtsvorsteher Zhao, Begnadigung Kaufmann zum Verhör in sein Amt zu bringen.

Die Durchsuchungstrupps im Inneren hörten, dass der Prinz von Beijng eingetroffen war, und kamen allesamt heraus. Als sie erfuhren, dass Amtsvorsteher Zhao abgezogen war, standen sie verdutzt und lustlos herum und warteten auf Anweisungen. Der Prinz von Beijng wählte zwei zuverlässige Beamte und etwa zehn ältere Gardisten aus und wies alle übrigen hinaus.

Der Prinz von Xiping sagte: "Ich habe mich gerade über den alten Zhao geärgert. Wie gut, dass der Prinz mit dem kaiserlichen Erlass gekommen ist! Sonst hätten wir hier schweren Schaden erlitten." Der Prinz von Beijng erwiderte: "Als ich bei Hofe erfuhr, dass der Prinz den Auftrag zur Durchsuchung des Kaufmann-Anwesens erhalten hatte, war ich beruhigt und rechnete nicht damit, dass es hier zu Übergriffen kommen würde. Dass der alte Zhao sich so rücksichtslos benommen hat, war nicht vorherzusehen! Aber wo sind Herr Aufrecht und Schatzjade jetzt? Wie sieht es drinnen aus?" Die Beamten meldeten: "Aufrecht Kaufmann und die anderen werden in einem Nebenraum bewacht. Im Inneren ist bereits alles durcheinandergeworfen." Der Prinz von Beijng befahl den Beamten: "Bringt Aufrecht Kaufmann schnell her, ich möchte ihn befragen."

Die Beamten gehorchten und führten ihn herein. Aufrecht Kaufmann fiel auf die Knie und bat unter Tränen um Gnade. Der Prinz von Beijng erhob sich, nahm ihn bei der Hand und sagte: "Beruhigen Sie sich, Herr Aufrecht." Dann teilte er ihm den kaiserlichen Erlass mit. Aufrecht Kaufmann war so dankbar, dass ihm die Tränen strömten. Er wandte sich nach Norden und dankte dem Kaiser für seine Gnade, dann trat er wieder vor und wartete auf Anweisungen. Der Prinz sagte: "Herr Aufrecht, als vorhin der alte Zhao noch hier war, haben die Gardisten verbotene Gegenstände und Wucherschuldscheine gemeldet — das können wir nicht einfach vertuschen. Die verbotenen Gegenstände waren ursprünglich für die Edle Gemahlin angeschafft worden; das können wir erklären, daran ist nichts Bedenkliches. Doch die Schuldscheine — da müssen wir einen Weg finden. Gehen Sie jetzt bitte mit den Beamten und legen Sie das Vermögen von Herrn Begnadigung ehrlich und vollständig vor, dann ist die Sache erledigt. Auf keinen Fall darf noch etwas verheimlicht werden, sonst laden Sie sich selbst Schuld auf." Aufrecht Kaufmann antwortete: "Das würde der Verurteilte niemals wagen. Nur ist das Erbe unseres Großvaters nie aufgeteilt worden. Jeder besitzt lediglich, was sich in seinen jeweiligen Wohnräumen befindet." Die beiden Prinzen sagten: "Das macht nichts. Übergeben Sie einfach alles, was sich in Herrn Begnädigungss Räumen befindet." Dann befahlen sie den Beamten, gemäß den Anweisungen vorzugehen und nichts willkürlich durcheinanderzuwerfen. Die Beamten gehorchten und gingen.

Unterdessen hatten die Damen bei der Herzoginmutter ebenfalls ein Festmahl aufgetischt. Frau König [9] sagte gerade: "Schatzjade geht nicht hinaus zu den Gästen — pass nur auf, dass dein Vater nicht böse wird." Phönixglanz [10] ächzte trotz ihrer Krankheit: "Ich glaube nicht, dass Schatzjade sich vor den Leuten scheut. Er sieht, dass vorne genügend Leute die Gäste bewirten, und bleibt hier, um aufzupassen — das hat durchaus seinen Sinn. Falls der Herr bemerkt, dass hier drinnen jemand zur Aufsicht fehlt, kann die gnädige Frau Bruder Schatzjade einfach hinausschicken — wäre das nicht gut?" Die Herzoginmutter lachte: "Die Phönixglanz! Krank bis auf die Knochen, aber das spitze Mundwerk ist immer noch dasselbe."

Gerade als die Stimmung heiter war, stürzten plötzlich Leute von Frau Strafe [11]s Seite schreiend herein: "Gnädige Herrin, gnädige Frauen, es ist ... es ist furchtbar! Lauter Leute mit Stiefeln und Hüten — Räuber sind gekommen! Sie wühlen in den Truhen und Kästen und nehmen alles mit!" Die Herzoginmutter und die anderen erstarrten. Dann kam Friedchen [12] herein, mit aufgelöstem Haar, die kleine Pfiffigmädchen [13] an der Hand, weinend und schluchzend: "Es ist furchtbar! Ich aß gerade mit dem Fräulein zu Mittag, als Lai Wang hereingeführt wurde, gefesselt, und rief: 'Fräulein, schnell, benachrichtigt die gnädigen Frauen, sie sollen sich zurückziehen! Draußen kommt der Prinz, um das Haus zu durchsuchen!' Ich bin fast vor Schreck gestorben. Ich wollte noch ins Zimmer, um die wichtigsten Sachen zu holen, aber eine Gruppe Männer hat mich hinausgedrängt und weggejagt. Was man anziehen und mitnehmen muss — packt schnell zusammen!" Als die Damen Xing und Wang dies hörten, fuhren ihnen die Seelen aus dem Leib, und sie wussten nicht, was sie tun sollten. Phönixglanz hatte zunächst mit weit aufgerissenen Augen zugehört, warf dann den Kopf zurück und stürzte bewusstlos zu Boden. Die Herzoginmutter hatte den Bericht noch nicht zu Ende gehört, da strömten ihr bereits vor Schreck Tränen über das Gesicht, und sie brachte kein Wort mehr heraus.

In diesem Augenblick zerrten und stießen die Leute im Zimmer einander hin und her, es ging drunter und drüber, als erneut Rufe ertönten: "Die Damen im Inneren sollen sich zurückziehen! Der Prinz kommt herein!" Schatzspange [14] und Schatzjade wussten sich nicht zu helfen. Inmitten der Verwirrung, als die Mägde und alten Dienerinnen am Boden einander hin und her zerrten, kam Kette Kaufmann keuchend hereingelaufen und rief: "Alles ist gut, alles ist gut! Der Prinz hat uns gerettet!" Alle wollten ihn befragen, doch Kette Kaufmann war selbst zu aufgelöst. Zuerst sah er Phönixglanz reglos am Boden liegen und schrie weinend um Hilfe. Dann sah er, dass auch die Herzoginmutter erblasst war und kaum noch atmen konnte, und geriet noch mehr in Panik. Glücklicherweise gelang es Friedchen, Phönixglanz wachzurufen und sie von anderen stützen zu lassen. Auch die Herzoginmutter kam wieder zu sich, weinte aber so heftig, dass ihr der Atem versagte und sie benommen auf dem Ofenbett lag. Seidenweiß Pflaume [15] tröstete sie wieder und wieder. Dann fasste Kette Kaufmann sich und berichtete von der Güte der beiden Prinzen. Da er fürchtete, die Herzoginmutter und Frau Strafe könnten vor Schreck sterben, wenn sie von der Verhaftung Kaufmann Begnädigungss erführen, wagte er vorläufig nicht, es offen zu sagen. Er ging hinaus, um nach seinen eigenen Gemächern zu sehen.

Kaum durch die Tür, sah er Truhen aufgebrochen und Schränke zertrümmert, die Hälfte aller Gegenstände geraubt. Er stand da mit starrem Blick, Tränen rannen ihm über das Gesicht. Als man ihn von draußen rief, musste er hinausgehen. Er sah Aufrecht Kaufmann mit den Beamten die Gegenstände registrieren, wobei einer vorlas:

Eine Langlebigkeits-Buddhafigur aus Agarholz; eine Guanyin-Statue aus Agarholz; ein Buddhapodest; zwei Gebetsketten aus Agarholz; ein Ensemble goldener Buddhafiguren; neun vergoldete Spiegeleinfassungen; drei Buddhafiguren aus Jade; ein Ensemble von Langlebigkeitsgott und den Acht Unsterblichen aus Jade; je zwei goldene und jadene Ruyi-Zepter aus Agarholz; siebzehn antike Porzellanvasen und Räuchergefäße; vierzehn Kisten antiker Kostbarkeiten und empfindlicher Gegenstände; ein Jadebecken; zwei kleine Jadebecken; zwei Paar Jadeschalen; zwei große Glaswandschirme; zwei Ofenbett-Schirme; vier Glasteller; vier Jadeteller; zwei Achatteller; vier Teller aus blassem Gold; sechs Paar Goldschüsseln; acht Schüsseln mit Goldgravur; vierzig Goldlöffel; je sechzig große Silberschüsseln und Silberteller; vier Paar dreifach goldgefasste Elfenbeinstäbchen; zwölf vergoldete Henkelkannen; drei Paar Ausgussschüsseln; zwei Teeuntersetzer; hundertsechzig Silbertellerchen und Silberbecher; achtzehn Schwarzfuchsfelle; sechsundfünfzig Zobelfelle; je vierundvierzig Gelb- und Weißfuchsfelle; zwölf Luchsfelle; fünfundzwanzig Wolkenfuchs-Pelzrohlinge; sechsundzwanzig Seeotterfelle; drei Seehundfelle; sechs Tigerfelle; drei Buntfuchsfelle; achtundzwanzig Fischotterfelle; vierzig dunkelrote Schaffelle; dreiundsechzig schwarze Schaffelle; zwanzig Moschusratten-Pelzrohlinge; vierundzwanzig Quadrate Zwergmausfell; vier Rollen Samt; zweihundertdreiundsechzig Graumausfelle; zweiunddreißig Längen japanischer Seidensatin; dreißig Längen ausländisches Wollgewebe; dreiunddreißig Längen Sergegewebe; vierzig Längen feinstes Wollgarn; hundertdreißig Rollen Seidensatin; hundertachtzig Rollen Gaze und Seide; zweiunddreißig Rollen feiner Seidenkrepp; je zweiundzwanzig Rollen Federsatin und Federgaze; dreißig Rollen tibetisches Yakwollgewebe; achtzehn Rollen Zeremoniensatin mit Pythonmuster; dreißig Bündel verschiedenfarbiger Stoffe; hundertzweiunddreißig Pelz- und Lederkleidungsstücke; dreihundertvierzig Kleidungsstücke aus Seide mit Watte-, Zwischen- und einfacher Gaze- oder Seidenfütterung; neun Gürtelbeschläge; über fünfhundert Gegenstände aus Kupfer, Zinn und dergleichen; achtzehn Uhren; neun Audienz-Perlenketten; dreizehn Perlenketten; hundertdreiundzwanzig Schmuckstücke aus Feingold, allesamt mit vollständigem Perlen- und Edelsteinbesatz; drei Garnituren kaiserliche gelbe Satin-Armstützen und Rückenlehnen; acht Garnituren Hofgewänder; zwei Gürtel mit Jadespange; zwölf Rollen gelber Satin; siebentausend Liang Feinsilber; hundertzweiundfünfzig Liang blasses Gold; siebentausendfünfhundert Schnüre Kupfermünzen.

Sämtliche Gebrauchsgegenstände und das kaiserlich gestiftete Anwesen des Rong-Herzogspalastes wurden einzeln aufgelistet; Grundstücksurkunden und Personalverträge der Dienerschaft wurden allesamt versiegelt und verwahrt.

Kette Kaufmann hatte von der Seite gelauscht. Als er bemerkte, dass nichts von seinem eigenen Besitz aufgeführt wurde, war er verwundert. Da hörte er die beiden Prinzen fragen: "Unter dem beschlagnahmten Vermögen befinden sich Schuldscheine, die eindeutig Wucherzinsen beinhalten. Wer ist dafür verantwortlich? Herr Aufrecht, sagen Sie die Wahrheit." Aufrecht Kaufmann hörte dies, kniete nieder und schlug den Kopf auf den Boden: "Der Verurteilte kümmerte sich wahrlich nicht um die Haushaltsführung und wusste von diesen Dingen überhaupt nichts. Fragen Sie meinen Neffen Kette Kaufmann, der wird es wissen." Kette Kaufmann eilte herbei, fiel auf die Knie und sagte: "Da diese Kiste mit Dokumenten in meinen Gemächern beschlagnahmt wurde, wie könnte ich ihre Kenntnis leugnen? Ich flehe die Prinzen nur um Gnade an. Mein Onkel wusste wirklich nichts davon." Die beiden Prinzen sprachen: "Euer Vater ist bereits des Verbrechens schuldig befunden worden. Dieser Fall wird zusammen verhandelt. Dass Ihr es eingesteht, ist nur recht und billig. So sei es: Kette Kaufmann wird unter Bewachung gestellt, alle Übrigen verbleiben im Hause. Herr Aufrecht, warten Sie aufmerksam den nächsten kaiserlichen Erlass ab. Wir kehren nun an den Hof zurück, um Bericht zu erstatten. Wachen bleiben hier zur Bewachung." Sie bestiegen ihre Sänften und verließen das Tor. Aufrecht Kaufmann und die anderen knieten am zweiten Tor zum Abschied. Der Prinz von Beijng streckte ihm im Vorübergehen die Hand entgegen und sagte: "Beruhigen Sie sich." In seinem Gesicht zeigte sich aufrichtige Betroffenheit.

Aufrecht Kaufmann kam erst jetzt wieder einigermaßen zu Sinnen, war aber immer noch wie betäubt. Lan Kaufmann sagte: "Großvater, bitte geh zuerst hinein und sieh nach der Herzoginmutter!" Als Aufrecht Kaufmann dies hörte, sprang er auf und eilte ins Innere. An jeder Tür begegneten ihm aufgelöste Dienerinnen und Mägde, die alle nicht wussten, was sie tun sollten. Ohne sich aufzuhalten, ging er geradewegs zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort saßen alle mit tränennassen Gesichtern — Frau König, Schatzjade und die anderen umringten die Herzoginmutter in stummer Trauer, jeder vergoss still seine Tränen. Nur Frau Strafe weinte hemmungslos. Als Aufrecht Kaufmann eintrat, riefen alle: "Dem Himmel sei Dank!" Und sie sagten der Herzoginmutter: "Der Herr ist wohlbehalten zurück! Bitte beruhige dich, Großmutter!"

Die Herzoginmutter öffnete mit letzter Kraft die Augen ein wenig und sagte: "Mein Kind! Ich hätte nicht gedacht, dich noch einmal wiederzusehen!" Kaum hatte sie ausgesprochen, brach sie in lautes Schluchzen aus, und im ganzen Zimmer konnte niemand die Tränen zurückhalten. Aufrecht Kaufmann fürchtete, seine alte Mutter könnte sich krank weinen, unterdrückte seine eigenen Tränen und sagte: "Mutter, beruhige dich. Die Sache ist zugegebenermaßen schwerwiegend. Doch dank der himmlischen Gnade Seiner Majestät und der großen Güte der beiden Prinzen wurde uns mit äußerstem Mitgefühl begegnet. Der ältere Bruder wurde lediglich vorübergehend zum Verhör mitgenommen. Wenn die Angelegenheit geklärt ist, wird Seine Majestät weitere Gnade walten lassen. Im Haus ist jetzt nichts mehr angerührt worden." Als die Herzoginmutter ihren älteren Sohn Begnadigung Kaufmann nirgends erblickte, durchfuhr sie erneut ein Stich ins Herz, und erst nach langem Zureden Aufrecht Kaufmanns beruhigte sie sich etwas.

Niemand wagte sich fortzubewegen. Nur Frau Strafe ging zu ihren eigenen Gemächern zurück und fand sämtliche Türen mit Papierstreifen versiegelt und verschlossen, ihre Mägde und Dienerinnen darin eingesperrt, ohne jeden Ausweg. Sie schrie vor Verzweiflung auf. Dann konnte sie nur zu Phönixglanz' Gemächern zurückkehren. Auch dort klebten Papierstreifen zu beiden Seiten der Tür, doch die Tür stand noch offen, und von drinnen war leises Schluchzen zu hören. Frau Strafe trat ein und sah Phönixglanz mit geschlossenen Augen auf dem Diwan liegen, das Gesicht aschfahl. Friedchen stand daneben und weinte still. Frau Strafe glaubte, Phönixglanz sei bereits gestorben, und begann wieder zu weinen. Friedchen kam ihr entgegen und sagte: "Gnädige Frau, bitte weint nicht. Wir haben die Herrin gerade herübergetragen, und sie war dem Tode nahe. Nachdem sie ein Weilchen geruht hatte, kam sie wieder zu sich und weinte ein paarmal. Jetzt hat sie sich ein wenig beruhigt. Bitte fasst auch Ihr Euch, gnädige Frau. Aber wie geht es der Herzoginmutter?" Frau Strafe antwortete nicht, sondern ging zurück zu den Gemächern der Herzoginmutter. Dort sah sie sich umringt von Aufrecht Kaufmanns Angehörigen. Ihr eigener Ehemann und Sohn waren verhaftet, ihre Schwiegertochter lag todkrank darnieder, ihre Tochter litt in ihrer Ehe — und nun hatte sie selbst nirgends mehr ein Zuhause. Wie hätte sie ihren Schmerz zurückhalten können? Alle trösteten sie. Seidenweiß Pflaume und die anderen ließen Räume herrichten und baten Frau Strafe, vorläufig dort zu wohnen. Frau König schickte Dienerinnen, um sie zu bedienen.

Aufrecht Kaufmann saß draußen in seinem Arbeitszimmer, das Herz klopfte ihm bis zum Hals, er drehte nervös an seinem Bart und rieb sich die Hände, während er voller Unruhe auf den kaiserlichen Bescheid wartete. Da hörte er draußen die Wachsoldaten schreien: "Zu welchem Teil des Hauses gehörst du eigentlich? Da du hier aufgetaucht bist, tragen wir dich in unser Register ein! Fesselt ihn und bringt ihn zu den Leuten von der Kaiserlichen Garde!" Aufrecht Kaufmann ging hinaus und sah, dass es Jiao Da war. "Was verschlägt dich hierher?", fragte er. Jiao Da weinte laut und stampfte auf den Boden, den Himmel als Zeugen anrufend: "Ich habe diese nichtsnutzigen jungen Herren immer wieder gewarnt, doch sie behandelten mich wie einen Feind! Der Herr weiß doch, was Jiao Da an der Seite des alten Herrn durchgestanden hat! Und jetzt ist es so weit gekommen! Herrlichkeit Kaufmann und der junge Herr Hibiskus sind beide von irgendeinem Prinzen in Ketten gelegt worden. Drinnen haben die Amtsdiener den Herrinnen die Haare zerzaust und sie in einen leeren Raum gesperrt. Das ganze Gesindel, Männer wie Frauen, wird zusammengepfercht wie Schweine und Hunde! Alles Inventar wurde herausgeschafft und auf die Seite geworfen, Holzmöbel in Stücke geschlagen, Porzellan zu Scherben zerdeppert. Und dann wollten sie auch noch mich fesseln! Ich bin an die neunzig Jahre alt und habe mein ganzes Leben lang nur im Auftrag des alten Herrn andere gefesselt — wann hat es das je gegeben, dass man mich fesselt? Ich sagte ihnen, ich gehöre zum Westpalast, und bin hinausgelaufen. Doch sie wollten mir nicht glauben und zerrten mich hierher. Und nun muss ich sehen, dass es hier genauso schlimm steht. Mein Leben ist mir nichts mehr wert — dann will ich lieber gegen sie kämpfen!" Bei diesen Worten rannte er mit der Stirn gegen die Wand.

Die Amtsdiener sahen sein hohes Alter und wagten aus Respekt vor den Anordnungen der beiden Prinzen nicht, Gewalt anzuwenden. Sie sagten: "Beruhige dich, alter Mann. Wir führen einen kaiserlichen Befehl aus. Ruh dich erst einmal aus und warte ab, was Seine Majestät anordnet." Aufrecht Kaufmann sagte zwar nichts, doch was der alte Mann berichtet hatte, traf ihn wie ein Messer ins Herz. 'Es ist aus, es ist aus!', sagte er schließlich zu sich selbst. 'Ich hätte nie gedacht, dass wir so vollständig zugrunde gehen würden!'

Während er in größter Unruhe auf Nachrichten vom Hof wartete, kam plötzlich Xue Ke atemlos hereingelaufen und rief: "Endlich bin ich drin! Wo ist der Herr Schwiegervater?" Aufrecht Kaufmann sagte: "Du kommst gerade recht. Aber wie haben sie dich hereingelassen?" Xue Ke antwortete: "Ich habe wieder und wieder gebettelt und ihnen Geld versprochen, erst dann ließen sie mich passieren." Aufrecht Kaufmann erzählte ihm von der Hausdurchsuchung und bat ihn, Erkundigungen einzuziehen: "Mit unseren anderen Verwandten und Freunden können wir in dieser kritischen Lage unmöglich Nachrichten austauschen, das wäre zu gefährlich. Du bist der Einzige, der für uns Informationen beschaffen kann." Xue Ke erwiderte: "Was hier geschieht, hätte ich nicht erwartet. Aber die Sache mit dem östlichen Palast habe ich bereits gehört." Aufrecht Kaufmann fragte: "Was genau wird ihnen vorgeworfen?" Xue Ke antwortete: "Ich war heute wegen der Urteilsverkündung meines Bruders beim Strafministerium und erfuhr dort, dass zwei Zensoren Anklage erhoben haben. Gerüchteweise hat der ältere Vetter Juwel Söhne aus vornehmen Familien zum Glücksspiel verleitet — das ist die geringere Anklage. Schwerer wiegt der Vorwurf, er habe die Ehefrau eines einfachen Bürgers gewaltsam zur Nebenfrau genommen, und als sie sich weigerte, habe er sie durch Gewalt in den Tod getrieben. Um die Anklage zu stützen, hat der Zensor unseren Diener Bao Er verhaften lassen und außerdem einen gewissen Herrn Zhang als Zeugen herbeigeholt. Selbst dem Obersten Zensorat drohen Schwierigkeiten, weil dieser Herr Zhang seine Klage schon früher dort eingereicht hatte." Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann mit dem Fuß auf: "Wie weit ist es gekommen! Es ist aus, es ist aus!" Er seufzte tief, und die Tränen strömten ihm über die Wangen.

Xue Ke sprach ihm ein paar tröstende Worte zu und ging dann wieder hinaus, um Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen. Nach einem halben Tag kehrte er zurück und berichtete: "Es steht schlecht! Ich habe beim Strafministerium nachgefragt, aber nichts über den Bericht der beiden Prinzen an den Thron erfahren. Nur habe ich gehört, dass der Zensor Li heute Morgen eine weitere Anklage eingereicht hat: Der Präfekt von Ping'an habe den Hauptstadtbeamten nach dem Mund geredet, sich bei seinen Vorgesetzten eingeschmeichelt und das einfache Volk unterdrückt — gleich mehrere schwere Anklagepunkte." Aufrecht Kaufmann fragte erschrocken: "Was gehen uns anderer Leute Angelegenheiten an? Was ist denn mit unserer Sache?" Xue Ke sagte: "Wenn von Ping'an die Rede ist, sind wir unmittelbar betroffen — der angeklagte Hauptstadtbeamte ist kein anderer als der ältere Herr Begnadigung. Es geht um die Einmischung in Gerichtsverfahren — das gießt erst recht Öl ins Feuer. Selbst seine Kollegen bei Hofe ziehen sich alle zurück und wollen ihre Hände reinhalten, keiner ist bereit, uns auch nur eine Nachricht zukommen zu lassen. Ebenso die Verwandten und Freunde, die vorhin vom Bankett geflohen sind: Manche sind geradewegs nach Hause gegangen, andere haben sich irgendwo in der Nähe verkrochen, um abzuwarten. Und die entfernten Verwandten aus dem Clan reden bereits auf der Straße: 'Die Errungenschaften der Ahnen — nun ist es so weit! Mal sehen, wem die Titel und Ämter zufallen, da kann sich jeder Hoffnungen machen!'" Noch bevor Xue Ke zu Ende gesprochen hatte, stampfte Aufrecht Kaufmann erneut mit dem Fuß auf: "Das alles ist die Schuld unseres älteren Bruders, seiner grenzenlosen Dummheit! Und das Stillfriede-Anwesen hat sich ebenso unmöglich aufgeführt! Aber genug davon. Ob die Herzoginmutter und Kettes Frau noch am Leben sind, wissen wir nicht einmal. Geh und erkundige dich weiter. Ich werde nach der Herzoginmutter sehen. Sobald es Neuigkeiten gibt, lass es mich so schnell wie möglich wissen." Noch während er sprach, drangen wirre Schreie aus dem Inneren: "Der Herzoginmutter geht es schlecht!"

Aufrecht Kaufmann eilte in größter Aufregung hinein.

Was sich weiter zutrug, wird im nächsten Kapitel erzählt.


Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.

  1. Chinesisch: 贾政
  2. Chinesisch: 贾琏
  3. Chinesisch: 贾赦
  4. Chinesisch: 贾珍
  5. Chinesisch: 贾蓉
  6. Chinesisch: 宝玉
  7. Chinesisch: 贾母
  8. Chinesisch: 贾环
  9. Chinesisch: 王夫人
  10. Chinesisch: 王熙凤
  11. Chinesisch: 邢夫人
  12. Chinesisch: 平儿
  13. Chinesisch: 巧姐
  14. Chinesisch: 宝钗
  15. Chinesisch: 李纨