Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 118"

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Kapitel 118
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Aus altem Groll betrügt der Onkel die schwache Nichte,
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_118|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_118|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
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Erschreckende Rätselverse — Gattin und Nebenfrau ermahnen den Verblendeten
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= Kapitel 118 =
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Es wird erzählt, dass die beiden Damen Xing und Wang, nachdem sie Yous Rede angehört hatten, wussten, dass die Sache kaum mehr rückgängig zu machen war. Frau König sagte schließlich: „Wenn das Fräulein den Weg der Frömmigkeit gehen will, so muss dies wohl eine Verwurzelung aus einem früheren Leben sein, und wir können sie wirklich nicht davon abhalten. Nur, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren ins Kloster geht, das ist doch keine rechte Sache. Da deine Schwägerin nun gesagt hat, dir das geistliche Leben zu gestatten, so ist das auch etwas Gutes. Doch eines muss ich sagen: Das Haar braucht nicht geschoren zu werden. Wenn das Herz wahrhaftig ist, kommt es auf das Haar nicht an. Bedenke, auch Wunderjade<ref>Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wunderbare Jade". Buddhistische Nonne im Großen Garten.</ref> übte ihren Glauben mit vollem Haar — und als ihr weltliches Herz sich einmal regte, da trieb es sie so weit! Wenn das Fräulein darauf besteht, so nehmen wir das Zimmer des Fräuleins als ihre stille Kammer. Was die Dienerinnen des Fräuleins betrifft, so muss man sie befragen: Wer bereit ist, dem Fräulein zu folgen, für die kommt keine Heiratsvermittlung mehr in Frage; wer nicht folgen will, für die wird anders vorgesorgt." Als Bedauerfrühling<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bedauerfrühling". Vierte und jüngste Tochter der Kaufmann-Familie.</ref> dies hörte, trocknete sie ihre Tränen und dankte den beiden Damen Xing und Wang sowie Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders.
== 记微嫌舅兄欺弱女 / 惊谜语妻妾谏痴人 ==
 
  
wachsinniger.
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Nachdem Frau König gesprochen hatte, fragte sie Buntschirm und die anderen: „Wer ist bereit, dem Fräulein ins geistliche Leben zu folgen?" Buntschirm und die anderen antworteten: „Wen die gnädigen Damen bestimmen, dem fügen wir uns." Frau König wusste, dass sie nicht willens waren, und überlegte gerade, wen sie bestimmen sollte. Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch". Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> stand hinter Schatzjades Rücken und rechnete damit, dass er gewiss heftig weinen würde, und war auf der Hut vor einem Rückfall seiner alten Krankheit. Doch zu aller Überraschung seufzte Schatzjade nur: „Wahrhaft bewundernswert!" Dufthauch fühlte sich innerlich nur noch trauriger. Schatzspange sprach kein Wort, aber bei jeder Gelegenheit versuchte sie ihn zu ergründen; als sie sah, dass er in seiner Verblendung nicht erwachte, konnte sie nur im Stillen Tränen vergießen. Frau König wollte eben die Dienstmädchen herbeirufen und befragen, als Purpurkuckuck<ref>Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.</ref> hervortrat, vor Frau König niederkniete und sprach: „Eben haben die gnädige Dame nach den Schwestern gefragt, die dem Vierten Fräulein dienen — was hält die gnädige Dame davon?" Frau König erwiderte: „Wie könnte man jemanden dazu zwingen? Wer bereit ist, wird es von selbst sagen." Purpurkuckuck sprach: „Dass das Fräulein ins geistliche Leben treten will, ist natürlich ihr eigener Wunsch und keineswegs die Absicht der anderen Schwestern. Ich habe der gnädigen Dame etwas zu sagen: Ich will auch keineswegs die Schwestern auseinanderreißen, jede hat ihren eigenen Willen. Ich habe Fräulein Lin eine Zeit lang gedient, und wie Fräulein Lin mich behandelt hat, das wissen auch die gnädigen Damen — ihre Güte war wahrhaftig bergeshoch und unvergleichlich. Als sie starb, hätte ich ihr am liebsten in den Tod folgen wollen, doch sie war nicht von hier, und ich selbst habe die Gnade der Herrschaft empfangen, sodass ich ihr nicht in den Tod folgen konnte. Da nun das Vierte Fräulein ins geistliche Leben treten will, so bitte ich die gnädigen Damen, mich ihr zuzuweisen, damit ich dem Fräulein ein Leben lang diene. Ich weiß nicht, ob die gnädigen Damen es erlauben? Wenn sie es erlauben, wäre das mein Glück."
„Das Register weltlichen Ruhmes betretend,
 
Durchbricht er die erste Schranke seines weltlichen Käfigs.“
 
Wir müssen nun Bau-yü und Djia Lan auf ihrem Weg zum Examen verlassen und zu Djia Huan zurückkehren. Die Aufregung über die Abreise der ‚Kandidaten‘ hatte in ihm ein noch ärgerlicheres Gefühl als zuvor hinterlassen, und mit ihrer Abwesenheit hatte er nun die Freiheit, seinen Plan auszuführen: „Rache an meiner eigenen Mutter! Jetzt ist niemand mehr im Haus und die Dame Hsing wird tun, was ich sage. Ich muß niemanden fürchten.“
 
Mit entschlossenem Schritt eilte er zur Dame Hsing, um seinen Respekt zu erweisen, und unterhielt sich mit ihr in einem äußerst unterwürfigen Ton. Sie fühlte sich natürlich geschmeichelt und sagte zu ihm: „Jetzt sprichst du wie ein intelligentes Kind! Natürlich bin ich der Mensch, der die Entscheidung bei einer Gelegenheit wie der von Tchiau-djie zu treffen hat. Es war sehr dumm von deinem Vetter Liän, seine Mutter nicht zu achten und das in die Hände eines anderen zu legen.“ –
 
„Was den Prinzen betrifft, ist es deine Seite der Familie, die er erkennt“, sagte Djia Huan. „Die ganze Sache ist besiegelt, und sie bereiten nun eine große Fuhre an Geschenken für euch vor. Wenn dieser Prinz mit deiner Enkelin verheiratet ist, wird Onkel Schë dir eine wichtige Position verleihen müssen. Es wird uns allen zugute kommen. Ich möchte Mutter bestimmt nicht kritisieren, doch während der ganzen Zeit, als Yüän-tschun eine Kaiserliche Konkubine war, hat sie uns nicht gerade freundlich behandelt. Ich hoffe, Tchiau-djie wird nicht so undankbar sein. Ich muß mit ihr sprechen.“ –
 
„Ja, du solltest mit ihr reden“, sagte die Dame Hsing, „so wird sie sehen, was Du alles für sie getan hast. Ich bin sicher, wenn ihr Vater zu Hause wäre, hätte er nie eine so gute Partie für sie gefunden! Diese dumme Kreatur Ping-örl hat Dinge dagegen gesagt und protestiert, sodaß Deine Mutter nicht zustimmt. Es ist wahrscheinlich nicht mehr als wirres Gezeter. Wir dürfen keine Zeit verlieren, sonst kommt Liän zurück, und sie werden ihn auch gegen uns aufhetzen, und wir werden das Ganze nie durchbekommen.
 
„Was den Prinzen betrifft, ist die Sache bereits fest beschlossen“, sagte Djia Huan. „Sie warten nur darauf, daß du das Horoskop schickst. Dann wird sie nach prinzlichem Brauch drei Tage später zur Hochzeit abgeholt. Es gibt nur eine Bedingung, die zu berücksichtigen ist. Sie sagen, in Anbetracht der Umstände, weil es nicht ordnungsgemäß ist, die Enkelin eines entehrten Beamten zu ehelichen, das daß Ganze ohne große Zeremonie ablaufen wird. Später, wenn Onkel Schë begnadigt und wieder in sein Amt eingesetzt ist, wird die Vereinigung mit allen Festlichkeiten gefeiert werden.“ –
 
„Natürlich stimme ich zu“, sagte die Dame Hsing, „was sie vorschlagen, ist nur richtig.“ –
 
„In diesem Fall mußt du ihnen dann nur noch die Acht Zeichen für Tchiau-djies Horoskop schicken.“ –
 
„Dummer Junge! Was können wir Frauen denn machen? Sage besser Yün, er soll es dir aufschreiben!“
 
Djia Huan war über die Antwort der Dame Hsing begeistert und stimmte ihrem Vorschlag umgehend zu, welcher ihm sehr entgegenkam. Er eilte hinüber, um sich mit Djia Yün zu besprechen, und bat Wang Jën, zum Palast des Prinzen zu gehen, um den Vertrag zu unterschreiben und das Geld zu empfangen.
 
Die Unterhaltung zwischen Djia Huan und der Dame Hsing wurde von einer der Mägde der Dame Hsing gehört, welche mit Ping-örl sehr vertraut war und die deshalb, sobald sich die passende Gelegenheit bot, sofort zu Ping-örl ging und ihr erzählte, was vorgefallen war. Ping-örl hatte die ganze Zeit gewußt, daß dieser Heiratsplan nicht Gutes bringen würde, und hatte Tchiau-djie bereits alles erzählt, was sie darüber wußte. Als sie erstmals hörte, daß sie verheiratet werden sollte, hatte Tchiau-djie die ganze Nacht geweint, sie bestand darauf, daß man auf die Rückkehr ihres Vaters wartete, bevor eine Entscheidung getroffen würde, und verlangte, daß man der Dame Hsing nicht gehorchen sollte. Nun, da die letzten Neuigkeiten eingetroffen waren, begann sie zu heulen und wollte sich selbst bei der Dame Hsing beschweren. Ping-örl hielt sie allerdings davon ab: „Sie müssen sich beruhigen, Fräulein. Die Dame Hsing ist Ihre eigene Großmutter und, da Ihr Vater fort ist, hat sie das Recht, diese Entscheidung zu treffen. Außerdem unterstützt sie Ihr eigener Onkel. Alle hängen darin zusammen und Sie sind allein. Sie werden sie nicht davon abbringen können. Und ich bin nur eine Magd, ich kann nichts sagen. Wir müssen uns selbst einen Plan überlegen und nicht unüberlegt handeln!“
 
„Seid besser schnell“, riet ihnen die Magd der Dame Hsing, „in wenigen Tagen wird Fräulein Tchiau-djie mitgenommen.
 
Mit diesen düsteren Worten kehrte sie in die Gemächer der Dame Hsing zurück.
 
Ping-örl drehte sich um und sah, wie Tchiau-djie zusammengekauert dalag und untröstlich weinte. Sie streckte eine Hand aus, um sie etwas zu trösten: „Es bringt nichts zu weinen, Fräulein. Es gibt jetzt nichts, was Ihr Vater für Sie tun könnte. Von dem, was sie sagen, scheint es, als ob...
 
Bevor sie ihren Satz beenden konnte, erschien ein Botschafter der Dame Hsing und kündigte an: „Dies ist in der Tat ein glücklicher Tag für Fräulein Tchiau-djie! Würde Ping-örl bitte vorbereiten, was immer Fräulein Tchiau-djie gern mit sich nehmen möchte. Ihre Aussteuer kann bis Herrn Liäns Wiederkehr warten.“
 
Ping-örl tat so, als würde sie diesen Anweisungen gehorchen, bis die Dame Wang selbst erschien. Tchiau-djie umarmte sie ängstlich und weinte in ihren Schoß. Die Dame Wang weinte selbst: „Sei doch nicht traurig, Kind. Ich habe mit deiner Großmutter gesprochen und alles getan, was ich für dich tun kann, und man entgegnete mir nichts als Beleidigungen. Ich kann sie nicht davon abbringen. Wir müssen das nun durchstehen und alles so weit wie möglich hinauszögern. Währenddessen müssen wir jemanden zu deinem Vater schicken, um ihm zu berichten, was hier vorgeht.“
 
„Doch habt ihr es nicht gehört, Herrin?“, sagte Ping-örl, „an diesem Morgen war Herr Huan bei der Dame Hsing. Nach Brauch des Prinzen wird die Braut in drei Tagen abgeholt. Die Dame Hsing hat bereits Herrn Yün gebeten, das Horoskop vorzubereiten. Wenn Herr Liän zurückkehrt, wird alles schon vorbei sein!“
 
Wie sie hörte, daß Huan involviert war, war die Dame Wang sprachlos vor Zorn. Dann brüllte sie heraus: „Bringt ihn zu mir! Bringt ihn zu mir! Zu mir!“ Ein Diener befolgte gehorsam ihren Befehl, doch kehrte mit der Nachricht zurück, daß Herr Huan an diesem Morgen bereits früh mit Herrn Djia Tchiang und Herrn Wang Jën ausgegangen sei.
 
„Wo ist der Djia Yün?“, fragte die Dame Wang.
 
„Das wissen wir nicht“, lautete die Antwort.
 
Die Leute versammelten sich in Tchiau-djies Zimmer und standen untätig herum. Die Dame Wang besaß nicht mehr die Nerven, um sich direkt mit der Dame Hsing auseinanderzusetzen. Jeder weinte bitterlich auf der Schulter des anderen.
 
Gerade als die Schwermut ihren Tiefpunkt erreicht hatte, kam ein Dienstmädchen herein, um anzukündigen, daß Oma Liu am Tor des Hauses angekommen war.
 
„Wir sind alle völlig durcheinander“, kommentierte die Dame Wang, „wie können wir in so einem Moment Gäste empfangen? Sucht eine Entschuldigung und bittet sie zu gehen.“ –
 
„Vielleicht sollten Sie sie hereinbitten, Herrin“, sagte Ping-örl, „sie ist immerhin Tchiau-djies Ziehmutter. Wir sollten ihr sagen, was hier abläuft.
 
Die Dame Wang sagte nichts. Die Amme verließ das Zimmer und kehrte kurze Zeit später mit Oma Liu zurück, die alle anwesenden Damen begrüßte. Als sie sah, daß ihre Augen vom Weinen gerötet waren und da sie nicht wußte, was los war, fragte sie nach einigem Zögern: „Was geht hier vor? Trauert ihr um Frau Liän?“
 
Die Erwähnung ihrer Mutter ließ Tchiau-djie wieder hemmungslos weinen.
 
„Es gibt keinen Grund, dir die Sache vorzuenthalten, Großmutter“, sagte Ping-örl. „Und als ihre Ziehmutter sollten sie die Wahrheit wissen.“
 
Sie erzählte Oma Liu nun die ganze Geschichte. Zuerst war Oma Liu entsetzt. Dann, nach einer langen Stille, begann sie zu lachen. „Eine kluge, junge Frau wie du sollte mit schwierigeren Dingen zurecht kommen. Schaut euch die ganzen Balladen an, sie sind voll schlauer Handlungen und Modelle zur Lösung vieler Probleme.
 
„Oh, Oma Liu!“, flehte Ping-örl, „wenn dir eine Möglichkeit einfällt, so sag’ sie uns bitte!“ –
 
„Es ist ganz einfach“, sagte die alte Frau. „Wir dürfen es aber niemandem erzählen, und wir müssen einen schnellen Weg und ein Versteck finden – mehr brauchen wir nicht.“ –
 
„Das könnt ihr nicht ernst meinen!“, protestierte Ping-örl, „wo könnte sich eine Familie wie die unsere verstecken?“ –
 
„Nun“, sagte Oma Liu, „wenn ihr bereit dazu seid – und das geht nur, wenn ihr beide in unsere Stadt kommt. Ich kann Fräulein Tchiau-djie verstecken und zur gleichen Zeit werde ich meinen Schwiegersohn beauftragen, einen Mann mit einem Brief, den Fräulein Tchiau-djie selbst schreiben muß, direkt zu Herrn Liän zu schicken. Wenn er erst angekommen ist, wird sich gewiß alles von selbst ergeben.“
 
„Und wenn die Dame Hsing es herausfindet?“, fragte Ping-örl. „Wissen sie, daß ich hier bin?“, fragte Oma Liu.
 
„Die Dame Hsing lebt vorn und, da sie die Leute immer so garstig behandelt, erzählt ihr niemand, was los ist. Wärt ihr durch das vordere Tor gekommen, hätte sie vielleicht davon gewußt. Aber so, wie es aussieht, haben wir nichts zu befürchten.“
 
„Nun gut“, sagte Oma Liu, „wir vereinbaren einen Zeitpunkt, und dann trage ich meinem Schwiegersohn auf, einen Wagen zu euch zu schicken.“ –
 
„Wir dürfen keine Zeit verlieren“, drängte Ping-örl, „wir müssen so schnell wie möglich sein.“
 
Sie ging mit der Dame Wang in den inneren Raum, und nachdem sie alle Diener fortgeschickt hatte, erklärte sie ihr Oma Lius Plan. Die Dame Wang dachte gründlich darüber nach und befand ihn als zu riskant.
 
„Doch es ist unsere einzige Hoffnung!“, flehte Ping-örl, „wenn ich ehrlich zu Ihnen sein darf, Herrin, denke ich, Sie sollten es tun. Sie müssen vorgeben, nichts davon zu wissen. Später können Sie dann zur Dame Hsing gehen und sie fragen, wo Tchiau-djie hingegangen ist. Man wird Herrn Liän eine Nachricht schicken, und sicherlich wird er kurz darauf hier sein.“
 
Die Dame Wang blieb ruhig und seufzte tief. Tchiau-djie hatte sie reden gehört und fügte ihr Flehen dem von Ping-örl hinzu: „Oh Tantchen, bitte! Rette mich! Ich weiß, daß Vater dir dankbar sein wird, wenn er zurückkommt.“
 
„Wir müssen mit dem Plan beginnen“, sagte Ping-örl entschlossen. „Ihr könnt in eure Gemächer zurückkehren, Herrin. Doch schickt bitte jemanden, der Tchiau-djies Zimmer bewacht.“ –
 
„Nun gut, doch haltet es geheim!“ drängte die Dame Wang. „Und ihr beide, denkt daran, so viele Kleider und Bettzeug wie möglich mitzunehmen.“ –
 
„Wenn es klappen soll, müssen wir vor allem schnell sein“, sagte Ping-örl, „wenn sie mit dem unterschriebenen Vertrag zurückkommen, wird es zu spät sein!“
 
Das schien die Dame Wang wieder zur Vernunft zu bringen: „Ja! Natürlich! Ihr müßt euch beeilen! Ihr könnt euch auf mich verlassen!“ Die Dame Wang kehrte in ihre eigenen Gemächer zurück und bemühte sich, die Dame Hsing in eine Konversation zu verwickeln und hielt sie damit in Schach.
 
Ping-örl beauftragte einen Diener, ihre Sachen vorzubereiten, mit der An­weisung, dabei nicht zu heimlich zu erscheinen. „Wenn irgend jemand
 
her­­einkommt und sieht, was du tust, sag’ einfach, du führst die Anweisungen der Dame Hsing aus und daß du eine Kutsche für Oma Lius Heimreise bestellst.“ In der Zeit wurden die Männer am hinteren Tor bestochen und angewiesen, eine Kutsche zu besorgen. Ping-örl kleidete Tchiau-djie so, daß sie wie Oma Lius Enkelin Tjing-örl aussah und eilte mit ihr hinaus. Sie gab vor, sich von der „Liu Familie“ verabschieden zu wollen und sprang in letzter Minute selbst in die Kutsche. Obwohl das hintere Tor durchgehend geöffnet war, gab es nur einen oder zwei Männer, die es pflichtgemäß zu bewachen hatten. Für die verschiedenen anderen Hausangestellten war das Anwesen so groß und unterbesetzt  – in der Tat beinahe menschenleer –, daß es sicher war,
 
  
Aus: Chengjiaben 1791.
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Die beiden Damen Xing und Wang hatten noch nicht geantwortet, da hörte man Schatzjade, der an dieser Stelle an Kajaljade dachte, und eine Welle der Traurigkeit überflutete ihn, sodass ihm die Tränen bereits hinabrannen. Alle wollten ihn gerade fragen, da brach er in lautes Lachen aus, trat vor und sprach: „Eigentlich sollte ich das nicht sagen, aber da Purpurkuckuck von der gnädigen Dame meinem Gemach zugeteilt wurde, wage ich es: Bitte erlaubt es ihr, erfüllt ihr den guten Vorsatz!" Frau König erwiderte: „Früher, als deine Schwestern verheiratet wurden, hast du so geweint, als ob du sterben wolltest; jetzt siehst du, dass die Vierte Schwester ins Kloster gehen will, und anstatt sie davon abzuhalten, nennst du es eine gute Sache. Was meinst du eigentlich? Ich verstehe dich ehrlich gesagt nicht mehr." Schatzjade sprach: „Es ist beschlossen, dass die Vierte Schwester ins geistliche Leben tritt, und die Vierte Schwester hat sich fest entschlossen. Wenn es wirklich so ist, habe ich ein Wort an die gnädige Dame; wenn es nicht feststeht, wage ich es nicht, Unsinn zu reden." Bedauerfrühling sagte: „Zweiter Bruder, deine Rede ist doch lächerlich. Wenn jemand keinen festen Entschluss hätte, könnte er die gnädigen Damen umstimmen? Ich sage es wie Purpurkuckuck: Lasst man es mir zu, so ist es mein Glück; lasst man es mir nicht zu, so bleibt mir noch der Tod — was sollte ich fürchten? Da der Zweite Bruder etwas zu sagen hat, soll er nur reden."
daß ihre Abreise unbemerkt blieb. Allerdings  hatte die Dame Hsing den Ruf,  gemein zu den Dienern zu sein, und diese mißbilligten, soweit sie es wußten, was sie mit Tchiau-djie vorhatte. Außerdem waren sie auf Ping-örls Seite und allzu bereit, Tchiau-djies Flucht zu übersehen. Die Dame Hsing war überaus erfolgreich in eine Diskussion mit der Dame Wang vertieft und vernahm absolut nichts von der Flucht.
 
Die Dame Wang war immer noch sehr vorsichtig. Nachdem sie mit der Dame Hsing gesprochen hatte, begab sie sich auf den Weg zu Bau-tschai, versuchte dabei, so wenig Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen und saß dort, erfüllt von Zweifeln am Erfolg des Unternehmens. Als sie sah, wie abgelenkt die Dame Wang war, fragte Bau-tschai sie, was in ihr vorging und diese erzählte ihr alles im Vertrauen.
 
„Das ist sehr gefährlich!“, meinte Bau-tschai, „wir müssen schnell Djia Yün finden und ihm auftragen, sein Vorhaben aufzugeben.“ –
 
„Aber ich kann noch nicht einmal Huan finden!“, klagte Frau Wang.
 
„Verhalte dich so, als wüßtest du überhaupt nichts“, empfahl ihr Bau-tschai, „ich werde jemanden finden, der es der Dame Hsing berichtet.“
 
Die Dame Wang nickte und verließ Bau-tschai, um ihren Plan fortzusetzen.
 
Unsere Geschichte widmet sich nun dem Mongolischen Prinzen. Dieser junge Edelmann war in der Tat nach nichts anderem auf der Suche, als nach ansehnlichen Konkubinen für seinen Harem und nach der Empfehlung eines professionellen Vermittlers hatte er zwei seiner Frauen geschickt, um Tchiau-djie genau zu betrachten. Als sie zurückkamen und ihr Herr sie über die Herkunft der jungen Dame befragte, wagten sie nicht, ihm die Wahrheit zu sagen. Der Prinz war beinahe erschrocken zu hören, daß sie einer so alten und noblen Familie entstammte: „Das ist doch ungeheuerlich! So etwas ist streng verboten! Ich war kurz davor, ein ernsthaftes Verbrechen zu begehen. Außerdem wurde ich bereits bei Seiner Majestät zu einer Audienz geladen und werde in Kürze einen passenden Tag wählen, mich auf die Rückkehr von meiner Reise zu begeben. Falls jemand kommen sollte, um die Angelegenheit weiter zu verfolgen, schickt ihn fort!“
 
Dies war genau der Tag, an welchem Djia Yün und Wang Jën dem Palast Tchiau-djies Horoskop überbringen wollten. Als sie ankamen, erhielten sie einen groben Empfang: „Seine Hoheit haben angeordnet, daß jede Person, die es wagt, ein Mitglied der Familie Djia zu entehren, wie ein gewöhnlicher Bürger verhaftet und einem Gerichtsverfahren unterzogen wird. Was für eine abscheuliche Art, sich in solch friedlichen Zeiten so zu verhalten!“
 
Wang Jën und Djia Yün schlichen sich sofort kleinlaut wieder zurück, grummelten zu sich selbst, daß jemand sie betrogen habe, und gingen übelgelaunt getrennte Wege.
 
Djia Huan wartete zu Hause auf Neuigkeiten und war sehr bestürzt, als er die Vorladung der Dame Wang erhielt. Er sah Djia Yün allein nach Hause kommen und eilte zu ihm: „Und? Ist alles in die Wege geleitet?“
 
Djia Yün stampfte wütend auf den Boden: „Es ist fürchterlich! Irgend etwas ist schief gelaufen! Ich frage mich, wer dafür verantwortlich ist!“
 
Er erzählte Huan die ganze Geschichte, der zuerst sprachlos vor Wut war, dann platzte er heraus: „Noch an diesem Morgen war ich bei der Dame Hsing und schwärmte ihr von dieser Heirat vor. Aber was soll ich jetzt machen? Ihr wollt mich ruinieren!“
 
Gerade als sie überlegten, wie sie die Situation retten könnten, ertönte ein wirrer Lärm aus den inneren Gemächern. Sie hörten, wie ihre eigenen Namen gerufen wurden, „von den Damen verlangt“ und sie schlichen sich beschämt in die Gemächer der Dame Wang.
 
„Da habt ihr ja etwas Tolles angerichtet!“, rief die Dame Wang, die sie bereits wutentbrannt erwartete. „Also, jetzt habt ihr Tchiau-djie und Ping-örl in den Tod getrieben! Das Letzte, das ihr tun könnt, ist ihre Leichen zurückbringen.“
 
Beide knieten zu ihren Füßen nieder. Djia Huan wagte nicht, seinen Mund zu öffnen, doch Djia Yün neigte seinen Kopf und sagte: „Ich hätte nie gewagt, es selbst zu tun. Wir haben diese Heirat nur vor euch erwähnt, Großtante, weil Großonkel Hsing und Onkel Wang es vorgeschlagen haben. Es war alles ihre Idee. Dann stimmte Großtante Hsing allem zu und bat mich, das Horoskop zu schreiben. Jetzt will die andere Seite aussteigen. Wie könnt ihr uns beschuldigen, Tchiau-djie in den Tod getrieben zu haben?“
 
„Huan hat deiner Großtante Hsing erzählt, daß sie in drei Tagen ankommen würden, um das Mädchen mitzunehmen“, sagte Frau Wang. „Wer hat je von einer ordnungsgemäßen Hochzeit gehört, die in so einer Eile vollzogen wird? Ich werde keine weiteren Fragen stellen. Gebt mir nur Tchiau-djie zurück! Wir werden sehen, was Herr Dschëng bei seiner Ankunft entscheiden wird, wie mit euch zu verfahren ist.“
 
Die Dame Hsing weinte in stiller Scham. Die Dame Wang wandte sich als  nächstes an Djia Huan: „Die unglückliche Frau Dschau hat ihren Sohn offensichtlich genauso niederträchtig hinterlassen, wie sie selbst war!“
 
Sie rief eine der Mägde, um ihr zu helfen, und begab sich ins Schlafgemach.
 
Alleingelassen begannen Djia Huan, Djia Yün und die Dame Hsing, sich gegenseitig zu beschuldigen, bis einer von ihnen sagte: „Was bringt es denn, sich einander die Schuld zuzuschieben? Das Mädchen ist möglicherweise gar nicht tot. Ping-örl hat sie mit Sicherheit bei irgend einem Verwandten versteckt.“
 
Die Dame Hsing rief die Wächter von den vorderen und hinteren Toren zu sich und, nachdem sie sie ermahnt hatte, fragte sie sie, wo Tchiau-djie und Ping-örl hingegangen seien.
 
„Es nützt nichts, uns zu fragen, Herrin“, antworteten sie wie aus einem Munde. „Fragt einen der Verwalter, die sollten es eigentlich wissen. Ihr müßt euch keine Sorgen machen, Herrin. Falls die Dame Wang uns befragen sollte, werden wir auch ihr nichts erzählen können. Wenn einer von uns geschlagen wird oder eine Strafe bekommt, so müssen wir alle bestraft werden. Seit Herr Liän gegangen ist, war es eine reine Schande, was in dem Anwesen vorgefallen ist. Wir haben noch nicht einmal unseren Lohn oder die monatliche Getreidezuteilung erhalten. Sie waren nur am Trinken und am Spielen, am Herumschäkern mit hübschen, jungen Theater-Schauspielerinnen, Mädchen wurden eingeladen – sollten sich so die Herren der Familie verhalten?
 
Djia Yün und Djia Huan waren still. Es kam ein Diener der Dame Wang mit neuen Anweisungen, Ping-örl und Tchiau-djie so schnell wie möglich zu finden, was sie in noch größere Verzweiflung stürzte. Sie wagten noch nicht einmal, die Diener in Tchiau-djies eigenen Gemächern zu befragen, da sie wußten, daß sie zu feindselig waren, um ihnen zu verraten, wohin die beiden verschwunden sein könnten. Dies konnten sie jedoch der Dame Wang kaum sagen. Stattdessen befragten sie das Haus eines jeden Verwandten und fanden immer noch nicht die geringste Spur. Die Dame Hsing in den inneren und Djia Huan in den äußeren Gemächern verbrachten einige hektische Tage und Nächte.
 
Zuletzt kam der Tag, an dem die Prüfungen beendet waren und die Kandidaten aus ihren Zellen freigelassen wurden. Die Dame Wang wartete gespannt auf die Rückkehr von Bau-yü und Djia Lan, und als der Mittag kam und es immer noch kein Zeichen von ihnen gab, begannen sie, Li Wan und Bau-tschai, sich alle zu sorgen; sie schickten einen Diener nach dem anderen, um herauszufinden, was aus ihnen geworden war. Die Diener konnten keine Neuigkeiten überbringen, und keiner von ihnen wagte es, mit leeren Händen zurückzukehren. Später wurde eine weitere Gruppe mit demselben Auftrag losgeschickt, doch mit dem gleichen Ergebnis. Die drei Damen waren außer sich vor Angst.
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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Schatzjade sprach: „Auch was ich sage, ist keine Enthüllung, denn dies ist gewiss bestimmt. Ich will euch ein Gedicht vortragen, hört zu." Die Anwesenden sagten: „In solch bitterem Augenblick kommst du mit Gedichten und ärgerst die Leute!" Schatzjade erwiderte: „Es ist kein selbstverfasstes Gedicht; ich habe es an einem Ort gelesen, den ich einmal besucht habe. Hört nur zu!" Die Anwesenden sagten: „Nun gut, trag es vor, aber erzähle nichts Zusammenphantasiertes!" Schatzjade erklärte sich nicht weiter und sprach:
Als der Abend anbrach, kehrte schließlich einer zurück: es war Djia Lan. Sie waren froh, ihn zu sehen und fragten sofort: „Wo ist Bau-yü?“
 
Er grüßte sie noch nicht einmal und brach sofort in Tränen aus. „Verloren!“ schluchzte er.
 
Für einige Minuten war die Dame Wang taub. Dann brach sie bewußtlos auf ihrem Ofenbett zusammen. Glücklicherweise waren Tsai-yün und einige der anderen Mägde da, um ihr zu helfen, und sie brachten sie wieder zu sich, dabei weinten sie selbst hysterisch. Bau-tschai starrte mit einem gläsernen Ausdruck in den Augen vor sich hin, während Hsi-jën unentwegt schluchzte. Das einzige, wozu sie Zeit gefunden hatten, war Djia Lan zu schelten:
 
„Dummkopf! Du warst bei Bau-yü – wie konnte er verloren gehen?“ –
 
„Vor dem Examen waren wir im selben Zimmer, wir aßen zusammen, wir schliefen zusammen. Sogar als er hinein ging, waren wir nicht voneinander getrennt, wir waren stets in Sichtweite des Anderen. Heute früh hatte Onkel Bau-yü seinen Zettel eher beendet und wartete auf mich. Wir gaben unsere Zettel zur selben Zeit ab und gingen zusammen. Als wir das Drachentor draußen  erreicht hatten, war dort eine große Menge, und ich habe ihn aus den Augen verloren. Die Diener, die uns abholen wollten, fragten mich, wo er sei, und Li Guee sagte ihnen: „Soeben war er noch klar wie Tageslicht hier, im nächsten Moment war er weg. Wie kann er so plötzlich in der Menge verschwunden sein?“ Ich habe Li Guee und den anderen aufgetragen, sich in Suchtrupps aufzuteilen, während ich mit einigen Männern in jeder Zelle nachsah. Doch es gab kein Zeichen von ihm. Deshalb bin ich so spät zurück.“
 
Frau Wang hatte währenddessen nur geschluchzt, ohne ein Wort zu sagen. Bau-tschai ahnte bereits im Ansatz die Wahrheit. Hsi-jën weinte untröstlich weiter. Djia Tchiang und die anderen Männer brauchten keine weiteren Anweisungen, sondern brachen sofort in verschiedene Richtungen auf, um die Suche fortzusetzen. Die Sicht war schlecht, jeder war in trüber Stimmung und die Willkommensfeier umsonst vorbereitet. Djia Lan vergaß seine eigene Erschöpfung und wollte mit den anderen losgehen. Doch die Dame Wang hielt ihn zurück: „Mein Kind! Dein Onkel ist verloren. Wenn wir dich auch noch verlieren, ist das mehr, als wir ertragen können! Du erholst dich nun, sei ein guter Junge!“
 
Er wollte eigentlich nicht zurückbleiben, doch stimmte er zu, als auch You-schï ihr Flehen der Dame Wang überbrachte.
 
Die einzige Person, die in diesem Moment nicht überrascht zu sein schien, war Hsi-tschun. Sie fühlte sich nicht frei, ihre Gedanken mitzuteilen, sondern erkundigte sich bei Bau-tschai: „Hatte Bau-yü den Jadestein bei seinem Aufbruch mit sich genommen?“
 
„Aber natürlich“, antwortete sie, „ohne ihn geht er nirgendwohin.“
 
Hsi-tschun war still. Hsi-jën erinnerte sich, wie sie Bau-yü aufgelauert hatten und ihm den Jade aus der Hand rissen, und sie hatten den üblen Verdacht, daß das Unglück des heutigen Tages etwas mit dem Mönch zu tun hatte. Ihr Herz stach sie vor Kummer, die Tränen liefen ihr über die Wangen, und sie begann unaufhaltsam zu jammern. Erinnerungen an die Zuneigung, die Bau-yü ihr einst entgegengebracht hatte, überwältigten sie. „Ich weiß, daß ich ihn manchmal genervt habe und er wütend auf mich war. Doch er fand immer einen Weg, damit fertig zu werden. Er war so nett zu mir und so fürsorglich. In erhitzten Momenten hat er oft angekündigt, ein Mönch werden zu wollen. Ich habe ihm nie geglaubt. Und jetzt ist er fort!
 
Es war nun zwei Uhr morgens, und es gab immer noch kein Zeichen von Bau-yü. Li Wan, die fürchtete, daß die Dame Wang durch ihren ausschweifenden Kummer Schaden nehmen könne, gab ihr Bestes, sie zu trösten und riet ihr, in ihr Zimmer zu gehen. Der Rest der Familie begleitete sie in ihr Zimmer, mit Ausnahme von der Dame Hsing, die in ihre eigenen Gemächer zurückkehrte, und Djia Huan, der immer noch niedergeschlagen war und es gar nicht erst gewagt hatte, sich zu zeigen. Frau Wang hatte Djia Lan aufgetragen, zurück in sein Zimmer zu gehen, und verbrachte selbst eine schlaflose Nacht. Am nächsten Tag in der Dämmerung kehrten einige der Diener, die am vorigen Tag losgeschickt worden waren, zurück, um zu berichten, daß sie überall gesucht hätten und es ihnen nicht gelungen war, die geringste Spur von Bau-yü zu entdecken. Über den Morgen kam eine ganze Reihe Verwandter, darunter Tante Hsüä, Hsüä Kë, Schï Hsiang-yün, Bau-tjin und die alte Frau Li, um sich nach der Gesundheit der Dame Wang und Neuigkeiten von Bau-yü zu erkundigen.
 
Nach einigen solcher Tage war die Dame Wang so von Kummer erfüllt, daß sie weder essen noch trinken konnte und ihr Leben in ernster Gefahr zu sein schien. - Da kündigte ein Diener plötzlich einen Botschafter des Kommandanten der Küstenregion an, der die Neuigkeit brachte, Tan-tschun würde am nächsten Tag in der Stadt ankommen. Obwohl dies nicht vollständig den Kummer über Bau-yüs Verschwinden beseitigen konnte, fühlte die Dame Wang zumindest einen Hauch von Trost bei dem Gedanken, Tan-tschun wiederzusehen. Am nächsten Tag erschien Tan-tschun am Jung-guo-Anwesen und alle kamen heraus, um sie zu begrüßen, fanden sie lieblicher als je zuvor und wunderhübsch gekleidet. Als Tan-tschun sah, wie sehr die Dame Wang gealtert war und wie gerötet die Augen eines jeden in der Familie waren, drangen ihr Tränen in die Augen, und es dauerte eine Zeit, bis sie aufhören konnte zu weinen und alle angemessen begrüßen konnte. Es bekümmerte sie auch zu sehen, daß Hsi-tschun die Schwesternschaft gewählt hatte, und sie weinte wieder, doch dann erfuhr sie auch von Bau-yüs seltsames, Verschwinden und von dem vielen Unglück der Familie. Doch war sie mit der Gabe ausgestattet, immer die passenden Worte zu finden, und ihre natürliche Gelassenheit vermittelte der Versammlung zumindest einen Hauch von Ruhe und der Dame Wang und dem Rest der Familie wirklichen Trost. Am nächsten Tag kam ihr Gatte zu Besuch, und als er erfuhr, wie die Dinge standen, bat er sie, zu Hause zu bleiben und ihre Familie zu trösten. Die Mägde und die alten Dienstmädchen, die sie zu ihrem neuen Heim begleitet hatten, waren überaus erfreut über die Wiedervereinigung mit ihren alten Freunden.
 
Der gesamte Haushalt, Herren und Dienerschaft, wartete immer noch ängstlich Tag und Nacht auf Nachrichten von Bau-yü. - In einer Nacht nun, gegen fünf Uhr, kamen einige Diener zum inneren Tor, kündigten an, sie hätten wunderbare Nachrichten zu verkünden;  daraufhin eilte eine Handvoll jüngerer Mägde in die inneren Gemächer, ohne den älteren Mägden erst Bescheid zu geben.
 
„Herrin, Damen!“, riefen sie, „wunderbare Neuigkeiten!“
 
Die Dame Wang glaubte, daß Bau-yü müsse gefunden worden sein, erhob sich aus ihrem Bett und fragte voller Begeisterung: „Wo haben sie ihn gefunden? Schickt ihn sofort zu mir!“ –
 
„Er steht auf dem siebten Platz der Liste der erfolgreichen Kandidaten!“, rief die Magd.
 
„Doch ist er gefunden worden?“
 
Die Magd war still. Die Dame Wang setzte sich wieder.
 
„Wer ist auf dem siebten Platz?“, fragte Tan-tschun. – „Herr Bau-yü.“
 
Während sie sprachen, hörten sie von draußen eine Stimme rufen: „Herr Lan hat auch bestanden!“
 
Ein Diener eilte hinaus, um das offizielle Schreiben zu empfangen, auf welchem geschrieben stand, daß Djia Lan den einhundertdreißigsten Platz in der Liste eingenommen hatte.
 
Da es immer noch nichts Neues über Bau-yüs Verbleib gab, fühlte sich Li Wan nicht frei, ihre Gefühle von Stolz und Freude zum Ausdruck zu bringen. Und die Dame Wang, die erleichtert war, daß Djia Lan bestanden hatte, dachte nur bei sich: „Wenn Bau-yü auch hier wäre, was gäbe das für ein glückliches Fest!“
 
Bau-tschai war immer noch in einer trüben Stimmung, doch hielt sie es für unangemessen, zu weinen. Die anderen waren damit beschäftigt, ihre Glückwünsche auszusprechen und die heitere Seite des Ganzen zu betrachten: „Da es Bau-yüs Schicksal war zu bestehen, kann er nicht lange verloren bleiben. In ein oder zwei Tagen wird er bestimmt gefunden.“
 
Diese logische Erwägung ließ die Dame Wang ein wenig lächeln, und man nutzte diese Gelegenheit, um sie zu überzeugen, etwas zu essen und zu trinken. Einen Moment später hörte man Bee-mings Stimme, die aufgeregt vom inneren Tor rief: „Da Herr Bau-yü nun bestanden hat, wird er sicherlich bald gefunden!“ – „Was macht dich da so sicher?“, fragten sie ihn.
 
„Es gibt ein Sprichwort: ‚Wenn ein Mann einmal sein Examen besteht, wird die ganze Welt seinen Namen vernehmen.‘ Jetzt wird jeder Herrn Bau-yüs Namen kennen, und wohin er auch immer geht, irgend jemand wird ihn uns nach Hause bringen.“ –
 
„Dieser Bee-ming mag zwar ein kleiner Teufel sein, doch was er sagt, macht Sinn ,“ stimmten die Mägde überein.
 
Hsi-tschun sah dies anders: „Wie kann ein erwachsener Mann wie Bau-yü verloren gehen? Wenn ihr mich fragt, hat er sich bewußt von den Ketten der Welt gelöst und sich für das Leben eines Mönches entschieden. Und in diesem Fall wird es schwierig sein, ihn zu finden.“
 
Dies brachte die Damen alle wieder zum Weinen.
 
„Das ist bestimmt wahr“, sagte Li Wan, „da viele Männer der alten Zeit ihren weltlichen Rängen entsagt haben und sich entschieden haben, Buddhas oder Heilige zu werden.“ –
 
„Doch wenn er seine eigenen Eltern verstößt“, seufzte die Dame Wang, „dann verfehlt er seine Pflicht als Heiliger. Und wie kann er in diesem Fall darauf hoffen, ein Heiliger oder ein Buddha zu werden?“ –
 
„Es ist das Beste, vernünftig zu sein“, kommentierte Tan-tschun. „Bau-yü war immer anders. Er hat seinen Jadestein seit seiner Geburt, und jeder hielt dies für günstig. Doch zurückblickend kann ich sehen, daß er ihm nur Unglück gebracht hat. Wenn noch einige Tage vergangen sind und wir ihn immer noch nicht gefunden haben – ich will dich jetzt nicht enttäuschen, Mutter – doch ich denke, in diesem Fall müssen wir die Tatsache einsehen, daß das Schicksal es so beschlossen hat und jenseits unseres Verstehens liegt. Es wäre besser, nicht von ihm zu denken, daß er aus deinem Leib geboren wurde. Sein Schicksal ist nämlich die Frucht des Karmas, das Ergebnis deiner angesammelten Verdienste aus früheren Leben.“
 
Bau-tschai hörte diesem ruhig zu. Hsi-jën konnte es nicht länger ertragen, ihr Herz schmerzte, ihr war schwindelig, und sie sank bewußtlos zu Boden. Die Dame Wang war ihretwegen sehr betroffen und trug einer der Mägde auf, ihr hochzuhelfen.
 
Djia Huan fühlte sich äußerst schlecht. Auf dem Gipfel seiner Unehre bezüglich der Angelegenheit mit Tchiau-djie kam noch die zusätzliche Demütigung, daß er mit ansehen mußte, daß sein Bruder und sein Neffe ihr Examen bestanden hatten. Er verfluchte Tchiang und Yün dafür, ihn in diesen Ärger getrieben zu haben. Tan-tschun würde ihn gewiß in die Pflicht nehmen, da sie nun zurück war. Und doch hatte er es nicht gewagt, sich zu verstecken. Er war nur noch ein Häufchen erbärmlichen Elends.
 
Am nächsten Tag mußte Djia Lan am Hof erscheinen, um sich für sein erfolgreiches Bestehen zu bedanken. Dort begegnete er Dschën Bau-yü und fand heraus, daß er auch bestanden hatte. So gehörten alle drei zur gleichen „Klasse“. Als Lan Bau-yüs seltsames Verschwinden erwähnte, seufzte Dschën Bau-yü und bot einige Worte des Trostes an.
 
Der leitende Prüfer präsentierte die erfolgreichen Aufsätze der Kandidaten dem Herrscher und seine Majestät las einen nach dem anderen durch und fand sie alle ausgeglichen und überzeugend, dabei bezog er den Umfang des Lernens und die Zuverlässigkeit des Urteils mit ein. Als er zwei Djias aus Nanking auf dem siebten und einhundertdreißigsten Platz bemerkte, fragte er, ob sie in irgendeiner Form mit der Konkubine Djia verwandt seien. Einer der Minister rief Djia Bau-yü und Djia Lan zu einer Befragung bezüglich dieser Angelegenheit herbei. Djia Lan erwähnte bei seiner Ankunft die Umstände des Verschwindens seines Onkels und gab einen vollen Bericht der drei früheren Familiengenerationen, was der Minister umgehend an den Thron weiterleitete. Als Folge dieser Information und, weil seine Majestät ein Herrscher von Weisheit und Mitgefühl waren, wies er den Minister an, in Anbetracht des besonderen Leistungsumfanges der Familie, einen vollen Bericht ihres Falles einzureichen. Dies tat der Minister und verfaßte darüber eine detaillierte Denkschrift. Seine Majestät war so betroffen, daß er dem Minister beim Lesen dieser Schrift befahl, die Fakten, die zu Djia Schës Verurteilung geführt hatten, noch einmal zu überprüfen. Danach fiel der kaiserliche Blick auf eine weitere Beschreibung in der Denkschrift, nämlich dem Erfolg des derzeitigen Feldzuges: Die Störungen an der Küste waren beruhigt, „die See befriedet, die Flüsse gereinigt und den ehrlichen Bürgern war wieder die Freiheit gewährt, ein ungestörtes Leben zu führen“. Seine Majestät war über diese Neuigkeiten höchst erfreut und befahl seiner Schar an Ministern, sich eine passende Belohnung auszudenken und auch eine allgemeine Amnestie im Reich zu verkünden.
 
Als Djia Lan den Hof verlassen und gegangen war, um sich von seinem Prüfer zu verabschieden, hörte er von der Amnestie und eilte nach Hause, um es der Dame Wang und dem Rest der Familie zu erzählen. Alle schienen begeistert, obwohl ihre Heiterkeit durch Bau-yüs Abwesenheit getrübt war. Tante Hsüä war besonders froh über die Neuigkeiten und traf bereits Vorbereitungen für die Bezahlung von Hsüä Pans Bußgeld, da die Aufhebung seines Todesurteils nun Teil der Amnestie war.
 
Einige Tage später wurde angekündigt, daß Dschën Bau-yü und sein Vater ihre Gratulation anbieten wollten, und die Dame Wang schickte Djia Lan hinaus, um sie zu empfangen. Kurz danach kehrte Djia Lan mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht zurück:
 
„Gute Neuigkeiten! Onkel Dschën Bau-yüs Vater hat am Hof von einem Erlaß gehört, der Großonkel Schë und Onkel Dschën aus dem Ning-guo-Anwesen begnadigt und den erblichen Ning-guo Rang wiederherstellt. - Djia Dschëng von Jung-guo behält den erblichen Titel, und nach seiner Trauerphase wird er als dauerhafter Sekretär im Arbeitsministerium wieder eingesetzt. Auch das ganze beschlagnahmte Familieneigentum wird wiederhergestellt. Seine Majestät haben Onkel Bau-yüs Aufsatz gelesen und waren höchst begeistert davon. Als sie herausfanden, daß der betroffene Kandidat der jüngere Bruder der kaiserlichen Nebenfrau war, und als der Prinz von Bei-jing noch einige Lobesworte hinzufügte, drückten seine Majestät das Verlangen aus, ihn zu einer Audienz an den Hof zu rufen. Die Minister sagten ihm dann, daß Bau-yü nach dem Examen verschwunden sei; ich war es, der sie an erster Stelle darüber informiert hatte, und daß bereits überall erfolglos nach ihm gesucht würde, worauf seine Majestät ein weiteres Edikt verfaßten, daß alle Besatzungen in der Stadt nach ihm suchen sollten. Du kannst nun beruhigt sein, Großmutter. Wenn sich seine Majestät höchstpersönlich darum kümmern, wird Bau-yü mit Sicherheit bald gefunden.“
 
Die Dame Wang und der Rest der Familie waren begeistert und beglückwünschten sich gegenseitig zu diesem Ereignis.
 
Währenddessen saßen Djia Huan und seine Gefährten immer noch auf heißen Kohlen und suchten überall nach Tchiau-djie. Diese war, nachdem sie mit Ping-örl und Oma Liu die Stadt verlassen hatte, im Dorf angekommen und in Oma Lius bestem Zimmer einquartiert worden, das zu diesem Anlaß besonders gesäubert worden war. Obwohl ihre tägliche Nahrung bloß aus einfacher Dorfkost bestand, war sie gesund und sauber und mit der kleinen Tjing-örl, die ihnen Gesellschaft leistete, ging es ihr gut. Es gab einige wohlhabende Familien in diesem Dorf, die, als sie gehört hatten, daß ein Fräulein Djia bei Oma Liu war, darauf bestanden, selbst vorbeizuschauen. Sie schwärmten alle über ihre feenhafte Erscheinung und beschenkten sie mit Obst, frischem Gemüse und Wildbret. In der Tat erregte Tchiau-djies Anwesenheit bedenkliche Aufregung. Die reichste Familie waren die Dschous, deren Vermögen sich zum einen aus Geld, zum anderen aus erheblichem Großgrundbesitz zusammensetzte. Sie hatten nur einen einzigen Sohn in der Familie, einen kultivierten, gutaussehenden Burschen von vierzehn Jahren, der von einem Privatlehrer unterrichtet worden war und gerade das vorbereitende Lizenziats-Examen bestanden hatte. Als seine Mutter einen Blick auf Tchiau-djie warf, war sie völlig hingerissen.
 
‚Was für ein Jammer!‘, dachte sie bei sich mit einem tiefen Seufzer des Bedauerns, ,ein Junge aus einer ländlichen Familie wie der unseren würde gewiß niemals zu so einem wohlerzogenen Mädchen passen.‘ Eine ganze Weile stand sie dort in Gedanken versunken, und Oma Liu hatte bereits eine Ahnung, was in ihr vorgehen könnte.
 
„Ich weiß, was ihr denkt“, sagte sie, „warum sollte ich keine Hochzeit für euch vorschlagen?“
 
Frau Dschou lachte: „Macht euch nicht über mich lustig! Eine so große Familie wie die ihrige gemessen an unserem Rang!“ –
 
„Nun, es würde keinem schaden, diesen Vorschlag zu machen“, antwortete Oma Liu. „Wir werden sehen.“
 
Die beiden beließen es so und gingen ihrer Wege.
 
Oma Liu war begierig zu wissen, was sich zuletzt im Jung-guo-Anwesen ereignet hatte und schickte Ban-örl in die Stadt, um es herauszufinden. Er gelangte an die Straße der zwei Herzöge, wo er eine Ansammlung von Kutschen vor einem Anwesen erblickte und stellte sich so, daß er vernehmen konnte, was es für Neuigkeiten gab. Und dies konnte er hören: „Der Rang beider Familien wurde wiederhergestellt, und sie erhielten ihr beschlagnehmtes Eigentum zurück. Es scheint bei ihnen bergauf zu gehen. Doch der junge Bau-yü ist spurlos verschwunden, nachdem er sein Examen bestanden hatte.“
 
Ban-örl war begeistert, von der Wiederherstellung der familiären Gunst zu hören, und wollte gerade zurück nach Hause gehen, um seiner Großmutter von diesen erfreulichen Nachrichten zu berichten, als er sah, wie einige Pferde das äußere Tor hochzogen. Die Reiter stiegen ab, und die Torwächter begrüßten sie auf Knien: „Willkommen zu Hause, Herr! Und Glückwunsch! Wie ist die Gesundheit von Herrn Schë?“
 
„Besser“, antwortete der junge Mann, der zuerst abgestiegen war, „und er hat die großzügige Erlaubnis  seiner Majestät erhalten,  zurück  nach Hause
 
  
Tchiau-djie. Aus: Gai Qi 1879.
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Durchschaut ist aller drei Lenze flüchtiger Glanz,
zu kommen.“ Nach einer kurzen Pause fragte er: „Was machen diese Männer dort drüben?“
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Das Mönchsgewand tauscht den Schmuck der früheren Jahre ein.
„Seine Majestät haben einen Beamten mit einem Dekret hergeschickt. Sie verlangen nach einem Familienmitglied, um alles beschlagnahmte Eigentum zurückzugeben.“
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Erbarmungswürdig die Tochter aus edlem und besticktem Haus,
Der junge Herr wanderte fröhlich hinein, und Ban-örl, der daraus schloß, daß es Djia Liän sein mußte, wartete nicht auf weitere Neuigkeiten, sondern eilte nach Hause, um Oma Liu alles zu berichten. Ein Lächeln breitete sich auf dem Gesicht der alten Dame aus, als sie dies hörte, und sie ging sofort zu Tchiau-djie und gratulierte ihr zu diesen guten Neuigkeiten.
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Einsam ruht sie beim blauen Licht an der Seite des alten Buddha.
„Das haben wir alles dir zu verdanken, Großmutter“, sagte Ping-örl mit einem dankbaren Lächeln, „ohne deine Hilfe hätte Fräulein Tchiau-djie niemals dieses glückliche Ende erlebt.“
 
Tchiau-djie selbst war noch viel begeisterter. Dann kam der Botschafter, der mit einem Brief an Dija Liän geschickt worden war, zurück.
 
„Herr Liän sagt, er sei sehr dankbar. Er bat mich, Fräulein Tchiau-djie sofort nach Hause zu geleiten und euch diese stattliche Belohnung auszuhändigen.“ Oma Liu war überaus erleichtert, daß sich alles zum Guten gewendet hatte, und sie schickte jemanden, der zwei Kutschen besorgen sollte. Dann bat sie Tchiau-djie und Ping-örl, diese für ihre Heimkehr zu benutzen, doch sie wollten nur ungern aufbrechen. Sie waren mit Oma Lius Heim schon vertraut geworden, und die kleine Tjing-örl war in Tränen aufgelöst, weil sie sich von ihren neu gewonnenen Freunden verabschieden mußte. Oma Liu sah, wie vertraut sie miteinander geworden waren, so sagte sie Tjing-örl, sie könne mit ihnen allen zusammen in der Kutsche bis zur Stadt fahren. Und so begaben sie sich zurück zum Jung-guo-Anwesen.
 
Es soll daran erinnert werden, wie Djia Liän, nachdem er von der schweren Krankheit seines Vaters gehört hatte, sofort zu ihm ins Exil gereist war. Als Vater und Sohn sich dort trafen, gab es eine tränenreiche Szene, die wir hier nun nicht im einzelnen beschreiben müssen. Djia Schës Gesundheit hatte sich gerade wieder ein wenig erholt, und wie Djia Liän einen Brief mit den neuesten und nicht allzu fröhlichen Begebenheiten von zuhause erhielt, bat er seinen Vater um Erlaubnis, wieder zurückzukehren. Auf seinem Weg hörte er von der Amnestie und gelangte zwei Tage später wieder zu Hause an, genau an dem Tag, als das Edikt dem Jung-guo-Anwesen übermittelt wurde – gerade in dem Moment, als die Dame Hsing sich fragte, wer im Namen der Familie diesen Erlaß empfangen könnte. Djia Lan war nun gewissermaßen dazu auserkoren, diese Funktion zu erfüllen, doch er war eigentlich noch zu jung. Dann wurde Djia Liäns Ankunft angekündigt. Er begrüßte alle um sich, und die Wiedervereinigung bot Anlaß zu Kummer und Freude. Dennoch war keine Zeit mehr, noch länger zu reden, und Djia Liän eilte in die Haupthalle, um den Kaiserlichen Abgesandten zu empfangen, der sich nach Djia Schës Gesundheit erkundigte und sagte: „Morgen müßt Ihr zur Kaiserlichen Schatzkammer gehen, um eure Entschädigung zu erhalten. Die Ning-guo Residenz tritt wieder in den Besitz eurer Familie.“
 
Die Männer erhoben sich, und der Abgesandte ging wieder fort.
 
  
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Seidenweiß Pflaume und Schatzspange hörten dies und riefen entsetzt: „Das ist nicht gut! Dieser Mensch ist vom Wahnsinn befallen!" Als Frau König diese Worte hörte, nickte sie seufzend mit dem Kopf und fragte: „Schatzjade, wo hast du das eigentlich gelesen?" Schatzjade wollte es nicht verraten und antwortete: „Die gnädige Dame braucht nicht zu fragen, es gibt seinen Ort." Frau König überlegte eine Weile, und als sie den Sinn erfasste, brach sie erneut in Tränen aus: „Du sagst, das neulich sei nur ein Scherz gewesen, und woher kommt dann plötzlich dieses Gedicht? Ach, ich habe es verstanden. Was soll ich denn mit euch allen anfangen? Ich weiß auch keinen Rat mehr, ich muss euch wohl gewähren lassen. Aber wartet, bis ich die Augen schließe, und dann tut jeder, was er will — damit hat es sich." Schatzspange versuchte sie zu trösten, doch ihr eigenes Herz wurde mehr als von einem Messer zerfleischt; sie konnte sich nicht mehr beherrschen und brach in lautes Weinen aus. Dufthauch weinte bereits, als verginge sie in Schmerz, und nur dank Herbstgaze<ref>Chin. 秋纹 Qiūwén, wörtl. „Herbstmuster". Eine von Schatzjades Zofen.</ref>, die sie stützte, blieb sie aufrecht.
[[Category:Hongloumeng]]
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Schatzjade aber weinte nicht und tröstete auch nicht, sondern schwieg. Orchidee Kaufmann<ref>Chin. 贾兰 Jiǎ Lán, wörtl. „Orchidee Kaufmann". Enkel von Aufrecht Kaufmann, Sohn von Seidenweiß Pflaume.</ref> und Kreis Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil Kaufmann". Schatzjades jüngerer Halbbruder.</ref> hörten all dies und gingen jeder für sich davon.
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Seidenweiß Pflaume gab sich alle Mühe zu erklären: „Das kommt alles nur daher, dass Bruder Schatzjade sieht, wie die Vierte Schwester ins Kloster geht — vor lauter Schmerz redet er wirres Zeug, das darf man nicht für bare Münze nehmen. Nur die Sache mit Purpurkuckuck bleibt zu klären: ob sie genehmigt wird oder nicht, damit sie aufstehen kann." Frau König sagte: „Was heißt hier genehmigen oder nicht? Wenn ein Mensch sich einmal etwas fest vorgenommen hat, kann man ihn ohnehin nicht umstimmen. Doch was Schatzjade sagt, ist wohl auch gewiss bestimmt." Purpurkuckuck verbeugte sich mit einem Kopfstoß bis zum Boden. Bedauerfrühling dankte Frau König noch einmal. Purpurkuckuck verbeugte sich auch vor Schatzjade und Schatzspange. Schatzjade sprach ein „Amitabha Buddha! Bewundernswert, bewundernswert! Ich hätte nicht gedacht, dass du als erste die Erlösung findest." Schatzspange war gewöhnlich gefasst, doch auch sie konnte sich kaum noch beherrschen. Nur Dufthauch, ohne sich um Frau Königs Anwesenheit zu kümmern, weinte hemmungslos und sagte: „Ich möchte ebenfalls dem Vierten Fräulein ins geistliche Leben folgen!" Schatzjade lächelte: „Auch du hast ein gutes Herz, aber du kannst dieses reine Glück nicht genießen." Dufthauch schluchzte: „Soll das heißen, dass ich sterben muss?" Als Schatzjade dies hörte, fühlte er sich betrübt, konnte aber nichts sagen.
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Da es bereits die fünfte Nachtwache war, bat Schatzjade Frau König, sich zur Ruhe zu begeben. Seidenweiß Pflaume und die anderen gingen auseinander. Buntschirm und die übrigen versorgten Bedauerfrühling vorübergehend und wurden später an Ehemänner vermittelt; Purpurkuckuck diente ihr ein Leben lang und wankte nie in ihrem Vorsatz: doch dies gehört in eine spätere Erzählung.
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Nun sei von Aufrecht Kaufmann<ref>Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann". Schatzjades Vater.</ref> berichtet, der den Sarg der Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ. Oberhaupt der Kaufmann-Familie, Großmutter von Schatzjade.</ref> begleitete und mit ihm gen Süden reiste. Auf dem Weg begegneten sie den Schiffen der aus dem Krieg heimkehrenden Truppen, die Wasserstraßen waren verstopft, und sie kamen nicht schnell voran, was ihn unterwegs sehr beunruhigte. Zum Glück begegnete er Beamten von der Seeküste und erfuhr, dass der Oberkommandierende der Seeverteidigung nach Beijing zurückberufen worden sei; so hoffte er, dass Frühlingserforscherin<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin". Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.</ref> gewiss nach Hause zurückkehren werde, was ihm ein wenig Erleichterung verschaffte. Doch als er den genauen Zeitpunkt der Abreise nicht in Erfahrung bringen konnte, wurde er wieder unruhig. Da er berechnete, dass sein Reisegeld nicht ausreichen würde, schrieb er notgedrungen einen Brief und schickte einen Diener zu Lai Shangrong an dessen Amtssitz, um fünfhundert Tael Silber zu leihen, und ließ den Mann ihm unterwegs entgegenkommen, um die Ausgaben zu decken.
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Nach einigen Tagen hatte Aufrecht Kaufmanns Schiff erst ein Dutzend Li zurückgelegt, als jener Diener zurückkam und dem Schiff entgegenfuhr. Er übergab Lai Shangrongs unterwürfiges Antwortschreiben. In dem Brief klagte dieser über vielerlei Nöte und legte fünfzig Tael Silber bei. Aufrecht Kaufmann war außer sich vor Zorn und befahl dem Diener auf der Stelle: „Bring es sofort zurück, schick den Originalbrief zurück, und richte ihm aus, er brauche sich keine Mühe zu geben!" Der Diener konnte nichts anderes tun, als zu Lai Shangrongs Amtssitz zurückzukehren. Lai Shangrong empfing den ungeöffneten Brief und das Silber, war bedrückt und wusste, dass er die Sache nicht ordentlich erledigt hatte. Er legte weitere hundert Tael dazu und bat den Boten, sie mitzunehmen und ein gutes Wort für ihn einzulegen. Doch der Mann weigerte sich, das Paket mitzunehmen, warf es hin und ging.
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Lai Shangrong war beunruhigt und schrieb sofort einen Brief nach Hause, um seinem Vater Bescheid zu geben, damit dieser einen Weg finde, Urlaub zu beantragen und sich aus dem Dienstverhältnis freizukaufen. Daraufhin baten die Lais durch Rosenholz Kaufmann und Efeu Kaufmann bei Frau König um Gnade und Freilassung. Rosenholz Kaufmann wusste, dass dies unmöglich war, wartete einen Tag ab und behauptete dann fälschlich, Frau König habe nicht zugestimmt, und gab diese Antwort weiter. Die Familie Lai beantragte einerseits Urlaub und schickte andererseits jemanden zu Lai Shangrongs Amtssitz mit der Weisung, er solle sich krankheitshalber von seinem Amt zurückziehen. Frau König wusste von alledem nichts.
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Als Efeu Kaufmann die falsche Ausrede von Rosenholz Kaufmann hörte, verlor er alle Hoffnung. In letzter Zeit hatte er draußen auch noch einiges an Geld verspielt und konnte die Schulden nicht begleichen. Er wandte sich an Kreis Kaufmann, um sich Geld zu leihen. Kreis Kaufmann war selbst ohne einen einzigen Heller; obwohl seine Mutter, die Nebenfrau Zhao, einige Ersparnisse gehabt hatte, hatte er sie längst durchgebracht und konnte andere nicht versorgen. Da fiel ihm ein, wie Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix-Glanz". Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.</ref> ihn schlecht behandelt hatte, und nun, da Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann". Phönixglanz' Ehemann.</ref> nicht zu Hause war, wollte er sich an Klugmädchen<ref>Chin. 巧姐 Qiǎojiě, wörtl. „Geschickte Schwester". Tochter von Phönixglanz und Kette Kaufmann.</ref> rächen. Also brachte er dieses Angebot an Efeu Kaufmann heran und beklagte sich absichtlich vor ihm: „Ihr seid schon groß genug, und wo es die Gelegenheit gibt, Geld zu machen, traut ihr euch nicht, aber ihr kommt zu mir, der keines hat, und fragt." Efeu Kaufmann erwiderte: „Dritter Onkel, das ist doch lächerlich. Wir sind zusammen unterwegs, haben zusammen unseren Spaß, wo gibt es da Geld zu verdienen?" Kreis Kaufmann sagte: „Hast du neulich nicht gehört, dass jemand erzählt hat, ein Barbarenfürst wolle sich eine Nebenfrau kaufen? Warum besprichst du das nicht mit Onkel Wang und bietest Klugmädchen an?" Efeu Kaufmann entgegnete: „Onkel, ein Wort, das dich vielleicht ärgert, aber wenn ein Barbarenfürst Geld ausgibt, um jemanden zu kaufen — glaubst du, der wird danach noch mit unserer Familie verkehren?" Kreis Kaufmann flüsterte Efeu Kaufmann einige Worte ins Ohr.
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Efeu Kaufmann nickte zwar, hielt Kreis Kaufmann' Vorschlag aber für Kindergerede und nahm es nicht ernst. Da kam zufällig König Ren<ref>Chin. 王仁 Wáng Rén. Phönixglanz' Bruder mütterlicherseits.</ref> herein und sagte: „Was tuschelt ihr zwei da, wollt ihr es vor mir verheimlichen?" Efeu Kaufmann flüsterte ihm Kreis Kaufmann' Worte ins Ohr. König Ren klatschte in die Hände: „Das wäre ja ein feines Geschäft und bringt Silber! Ich fürchte nur, ihr traut euch nicht. Wenn ihr es wagt, so bin ich als leiblicher Onkel befugt zu entscheiden. Es muss nur sein, dass der Dritte, Kreis Kaufmann, es bei der Ersten Frau<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén. Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.</ref> vorträgt, ich rede mit Onkel Xing, und wenn die gnädigen Damen nachfragen, dann stimmt ihr alle überein — das ist alles."
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Nachdem Kreis Kaufmann und die anderen sich beraten hatten, ging König Ren los, um Onkel Xing zu suchen; Efeu Kaufmann ging zu den beiden Damen Xing und Wang, und was er erzählte, klang wie die Krone auf dem Juwel. Frau König hörte ihm zwar zu, glaubte ihm aber nicht. Frau Strafe hörte, dass Onkel Xing Bescheid wisse, war in ihrem Herzen einverstanden und schickte jemanden, Onkel Xing zu holen und ihn zu befragen. Onkel Xing hatte bereits von König Ren gehört und konnte sich zudem seinen Teil vom Gewinn versprechen, also sprach er vor Frau Strafe: „Dieser Prinz ist ein höchst angesehener Mann. Wenn man in diese Heiratsverbindung einwilligt, wird er zwar nicht die Erste Frau, aber sobald sie erst einmal eingeheiratet hat, bekommt der Schwager seinen Beamtenposten zurück, und das Ansehen des Hauses ist wiederhergestellt." Frau Strafe war eine Frau ohne eigene Meinung, und der einfältige Onkel betörte sie mit seinen falschen Worten. Sie ließ König Ren kommen und befragte ihn, und der schilderte alles noch glanzvoller. Daraufhin schickte Frau Strafe sogar jemanden hinaus, um Efeu Kaufmann zu folgen und die Sache voranzutreiben.
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König Ren fand sogleich einen Mittelsmann und ging zum Gästehaus des Barbarenfürsten, um die Sache zu besprechen. Der Barbarenfürst kannte die Hintergründe nicht und wollte jemanden zur Besichtigung schicken. Efeu Kaufmann bestach auch die Leute, die zur Besichtigung kamen, und erklärte ihnen: „Dies geschieht heimlich und ohne Wissen des ganzen Hauses. Sagt nur, es sei ein Königshaus, das um die Hand anhält. Wenn die Sache beschlossen ist, hat die Großmutter entschieden, der leibliche Onkel bürgt — da gibt es nichts zu befürchten." Die Besichtiger stimmten zu. Efeu Kaufmann sandte dann Nachricht an Frau Strafe und teilte es auch Frau König mit. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und die anderen wussten nichts von den wahren Umständen und hielten es für eine gute Nachricht, worüber sich alle freuten.
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An jenem Tag kamen tatsächlich einige Frauen, alle in prächtigem Putz. Frau Strafe empfing sie und plauderte über Belanglosigkeiten. Da sie wusste, dass die Besucherin eine Dame mit Hofrang war, wagte sie es nicht, sie geringzuschätzen. Da die Sache noch nicht beschlossen war, hatte Frau Strafe Klugmädchen auch nicht eingeweiht, sondern nur gesagt, eine Verwandte komme zu Besuch, sie solle sich zeigen. Klugmädchen war noch ein Kind und kümmerte sich nicht um solche Dinge; sie folgte ihrer Amme hinüber. Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' erste Kammerzofe und Vertraute.</ref> war beunruhigt und ging mit. Es waren zwei Frauen da, die wie Hofdamen gekleidet waren. Als sie Klugmädchen sahen, musterten sie sie von Kopf bis Fuß, standen dann auf, nahmen Klugmädchens Hand und betrachteten sie noch einmal, saßen kurz und gingen. Klugmädchen war ganz beschämt, kehrte in ihr Zimmer zurück und grübelte; da sie wusste, dass es keine solche Verwandte gab, fragte sie Friedchen.
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Friedchen hatte die Besucher schon bei ihrem Eintritt beobachtet und ahnte zu acht oder neun Zehnteln: „Das müssen Brautschauer gewesen sein. Aber da der Zweite Herr nicht zu Hause ist und die Erste Frau die Entscheidung trifft, weiß ich nicht, aus welchem Fürstenhaus sie kommen. Wenn es ein standesgemäßer Heiratsantrag wäre, würden sie nicht so mustern. Diese Leute sehen nicht nach einem Haus des kaiserlichen Clans aus, sondern eher nach einer auswärtigen Adresse. Dem Fräulein sage ich jetzt noch nichts, erst will ich mich genau erkundigen." Friedchen achtete sorgfältig darauf und erkundigte sich; alle Dienstmädchen und Dienerinnen, die Friedchen einst befehligt hatte, erzählten ihr, was sie von den Gerüchten draußen gehört hatten. Friedchen erschrak zutiefst und wusste sich keinen Rat. Obwohl sie es Klugmädchen nicht sagte, eilte sie sofort zu Seidenweiß Pflaume und Schatzspange, um sie zu bitten, Frau König zu informieren.
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Frau König erkannte, dass die Sache nicht gut stand, und sprach mit Frau Strafe darüber. Doch Frau Strafe vertraute auf die Worte ihres Bruders und König Rens und verdächtigte Frau König, keine guten Absichten zu haben. Sie sagte: „Die Enkelin ist alt genug, und da Kette Kaufmann nicht zu Hause ist, habe ich das Recht zu entscheiden. Außerdem ist es ihr leiblicher Großonkel und ihr leiblicher Onkel, die nachgeforscht haben — sollten sie etwa weniger zuverlässig sein als andere? Ich bin auf jeden Fall dafür; sollte etwas schiefgehen, brauchen weder ich noch Kette Kaufmann jemand anderem Vorwürfe zu machen." Frau König hörte dies, unterdrückte ihren Zorn, sagte noch einige Worte und ging hinaus. Sie erzählte es Schatzspange und vergoss selbst Tränen.
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Schatzjade riet: „Die gnädige Dame möge sich nicht beunruhigen. Ich sehe voraus, dass diese Sache nicht zustande kommen wird. Dies ist durch Klugmädchens Schicksal bestimmt; die gnädige Dame brauche sich nur nicht einzumischen." Frau König sagte: „Kaum öffnest du den Mund, sagst du verrückte Sachen. Die Leute haben es schon abgemacht und wollen sie bald abholen. Wenn es nach Friedchens Worten ginge — würde dein Zweiter Bruder Kette mir nicht Vorwürfe machen? Gar nicht zu reden von unserer eigenen Großnichte — selbst die Kinder von Verwandten sollten es gut haben. Nichte Xing, für die wir die Ehe vermittelt haben, verheiratet mit deinem Zweiten Schwager — leben sie jetzt nicht in Frieden und Eintracht? Und Nichte Qin, die die Familie Mei geheiratet hat — ich habe gehört, sie lebe in Wohlstand und Überfluss. Nur Nichte Shi — da hat ihr Onkel entschieden, erst war es gut, doch jetzt ist der Schwiegersohn an der Schwindsucht gestorben, und deine Schwester Geschichte hat sich entschlossen, als Witwe zu leben — ein hartes Los. Wenn Klugmädchen an die falsche Familie gerät, wäre das nicht ein Zeichen meines bösen Herzens?"
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Gerade als sie so sprach, kam Friedchen, um Schatzspange zu besuchen und zugleich Frau Strafes Stimmung zu erkunden. Frau König wiederholte Frau Strafes Worte. Friedchen stand eine halbe Ewigkeit reglos da, kniete dann nieder und flehte: „Klugmädchens ganze Zukunft hängt von der gnädigen Dame ab! Wenn man den Leuten glaubt, wird das Fräulein nicht nur ein Leben lang leiden, sondern was sollen wir sagen, wenn der Zweite Herr Kette zurückkommt?" Frau König erwiderte: „Du bist ein verständiger Mensch, steh auf und höre mir zu: Klugmädchen ist schließlich die Enkelin der Ersten Frau; wenn sie entscheiden will, kann ich sie da aufhalten?" Schatzjade riet: „Es ist kein Problem; es genügt, wenn man Klarheit hat." Friedchen fürchtete, Schatzjade könnte in seinem Wahnsinn alles herausschreien, und sagte nichts weiter; sie verabschiedete sich von Frau König und ging.
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Frau König dachte an all ihren Verdruss, bekam einen Anfall von Herzschmerz, ließ sich von einer Dienerin stützen und ging mühsam in ihr eigenes Zimmer zurück, wo sie sich hinlegte. Sie ließ Schatzjade und Schatzspange nicht kommen und sagte, sie brauche nur ein wenig zu schlafen, dann werde es ihr besser gehen. Doch sie selbst war bedrückt. Als sie hörte, dass die Schwägerin Li zu Besuch gekommen war, konnte sie sie auch nicht empfangen. Da trat Orchidee Kaufmann ein, begrüßte sie und berichtete: „Heute Morgen hat jemand von Großvaters Seite einen Brief gebracht, die Burschen draußen haben ihn hereingetragen. Meine Mutter hat ihn angenommen und wollte gerade herüberkommen; aber da meine Großmutter mütterlicherseits kam, hat sie mich vorausgeschickt, ihn der gnädigen Dame zu zeigen. Nachher kommt meine Mutter, um der gnädigen Dame Bericht zu erstatten. Und meine Großmutter will auch herkommen." Damit überreichte er den Brief. Frau König nahm den Brief entgegen und fragte: „Was will deine Großmutter?" Orchidee Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch nicht. Ich habe nur meine Mutter sagen hören, dass aus der Familie des Schwiegersohns meiner Dritten Tante eine Nachricht gekommen ist." Frau König erinnerte sich: Seinerzeit hatte man Prachtamt Pflaume für Zhen Schatzjade<ref>Chin. 甄宝玉 Zhēn Bǎoyù, wörtl. „Wahrer Kostbare Jade". Schatzjades Doppelgänger aus der Familie Echt.</ref> vorgeschlagen, danach waren Verlobungsgeschenke ausgetauscht worden, und nun wollte die Familie Echt die Braut wohl abholen; darum sei die Schwägerin Li gekommen, um dies zu besprechen. Sie nickte. Dann öffnete sie den Brief und las:
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Unterwegs treffe ich fortwährend auf Schiffe der siegreich heimkehrenden Küstentruppen und kann nicht schnell vorankommen. Ich habe gehört, dass Frühlingserforscherin mit ihrem Schwiegervater und Ehemann in die Hauptstadt kommt; ich weiß nicht, ob es davon Nachricht gibt? Kette Kaufmanns letztem Schreiben entnehme ich, dass der Älteste Herr nicht wohl ist — gibt es schon Gewissheit darüber? Schatzjade und Orchidee — die Prüfungszeit rückt näher; sie müssen aufrichtig lernen und dürfen nicht nachlässig sein. Es wird noch einige Zeit dauern, bis der Sarg der Alten Dame zu Hause ankommt. Mir geht es gut, sorgt euch nicht. Dies zur Kenntnis an Schatzjade und andere. Eigenhändig geschrieben am soundsovielten. Kaufmann Nelke<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng. Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.</ref> in besonderem Schreiben.
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Frau König las fertig und reichte den Brief Orchidee Kaufmann: „Nimm ihn mit und zeige ihn deinem Zweiten Onkel, dann gib ihn deiner Mutter zurück."
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Gerade als sie so sprach, kamen Seidenweiß Pflaume und die Schwägerin Li herein, begrüßten sie und erkundigten sich nach dem Befinden. Frau König bat sie, Platz zu nehmen. Die Schwägerin Li erzählte von den Hochzeitsplänen der Familie Echt für Prachtamt Pflaume. Man beratschlagte eine Weile. Seidenweiß Pflaume fragte Frau König: „Hat die gnädige Dame den Brief des Herrn gelesen?" Frau König sagte: „Ja." Orchidee Kaufmann gab den Brief seiner Mutter. Seidenweiß Pflaume las ihn und sagte: „Die Dritte Schwester ist schon mehrere Jahre verheiratet und nie gekommen. Wenn sie jetzt in die Hauptstadt zurückkehrt, wird die gnädige Dame ein wenig erleichtert sein." Frau König erwiderte: „Ich habe ohnehin Herzschmerzen, aber als ich las, dass Frühlingserforscherin zurückkehrt, wurde mir etwas besser — nur weiß ich nicht, wann sie ankommt." Die Schwägerin Li erkundigte sich nach Aufrecht Kaufmanns Befinden auf der Reise. Seidenweiß Pflaume wandte sich an Orchidee Kaufmann: „Hast du gesehen, mein Junge? Die Prüfung rückt näher, dein Großvater macht sich solche Sorgen. Nimm den Brief schnell und zeig ihn dem Zweiten Onkel." Die Schwägerin Li fragte: „Die beiden haben doch nie eine Aufnahmeprüfung bestanden — wie können sie dann an der Provinzialprüfung teilnehmen?" Frau König erklärte: „Als ihr Großvater als Getreideintendant aufbrach, hat er für beide den Status eines kaiserlichen Studenten durch Zuwendung erworben." Die Schwägerin Li nickte. Orchidee Kaufmann nahm den Brief und ging hinaus, um Schatzjade aufzusuchen.
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Nun wird berichtet, dass Schatzjade, nachdem er Frau König verabschiedet hatte, gerade den Aufsatz „Herbstwasser" aus dem Zhuangzi in der Hand hielt und ihn sorgfältig studierte. Schatzspange kam aus dem inneren Zimmer und sah, dass er so versunken las, dass er über die Worte hinaus war. Sie trat näher und sah, was es war, und ihr Herz wurde schwer. Sie dachte: „Er behandelt diese weltflüchtigen und menschenfernen Reden als ernsthafte Angelegenheit; das wird auf die Dauer nicht gut gehen." Bei seinem Anblick erkannte sie, dass Ermahnung vergeblich wäre; so setzte sie sich neben Schatzjade und starrte ihn nur an. Schatzjade bemerkte es und fragte: „Was ist denn nun wieder los?" Schatzspange erwiderte: „Bedenke, da wir Mann und Frau sind, bist du meine lebenslange Stütze — doch nicht im Sinne privater Leidenschaften. Was Glanz und Reichtum betrifft, so sind sie in der Tat nur flüchtige Wolken vor dem Auge. Doch seit alters haben die Heiligen und Weisen den Charakter des Menschen als das Wesentliche betrachtet ..."
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Schatzjade hörte nicht einmal zu Ende; er legte das Buch beiseite und sagte mit einem leisen Lächeln: „Du sprichst von ‚Charakter als Wurzel' und von ‚Heiligen und Weisen'; doch weißt du, dass die alten Heiligen und Weisen gesagt haben: ‚Verliere nicht das Herz des Neugeborenen'? Was ist so gut am Neugeborenen? Nichts weiter als Unwissenheit und Begierdelosigkeit, ohne Gier und ohne Furcht. Wir aber sind von Geburt an in Gier, Zorn, Verblendung und Liebe versunken, wie im Schlamm — wie könnten wir diesem Netz aus Staub entkommen? Erst jetzt begreife ich die vier Zeichen ‚Versammlung und Zerstreuung, schwebendes Leben'; die Alten haben es gesagt, aber niemand hat es wirklich verstanden. Wenn du schon von Charakter als Wurzel sprichst — wer hat denn je jenen ersten Schritt zum Urbeginn erreicht?" Schatzspange erwiderte: „Du sprichst vom ‚Herz des Neugeborenen', doch die alten Heiligen und Weisen meinten damit Treue und Kindespflicht, nicht Weltflucht und Loslösung von allen Banden. Yao, Shun, Yu, Tang, die Könige von Zhou und Konfuzius — sie alle trachteten unablässig danach, das Volk zu retten und die Welt zu ordnen. Was man ‚Herz des Neugeborenen' nennt, ist im Grunde nichts anderes als ‚Mitleid'. Doch was du eben sagtest — die Bande des Himmels abzuwerfen — was wäre das für ein Weg?"
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Schatzjade nickte lächelnd und sagte: „Yao und Shun haben Chao und Xu nicht gezwungen, Wu und Zhou haben Yi und Qi nicht gezwungen." Schatzspange unterbrach ihn, bevor er ausreden konnte: „Was du da sagst, ist noch falscher. Wenn seit alters alle nur Chao, Xu, Yi und Qi gewesen wären, warum verehrt man dann Yao, Shun, Zhou und Konfuzius als Heilige und Weise? Und dass du dich mit Yi und Qi vergleichst, ist vollends unsinnig. Yi und Qi lebten am Ende der Shang-Dynastie und hatten mit vielen schwierigen Umständen zu kämpfen; darum suchten sie einen Vorwand und flohen. In dieser gesegneten Zeit aber genießen wir seit Generationen die Gnade des Staates; unsere Vorfahren lebten in Brokat und Jade. Und seit deiner Geburt — von der seligen Herzoginmutter über den Herrn Vater und die gnädige Dame — haben sie dich wie einen Schatz gehütet. Bedenke selbst, ob das, was du eben gesagt hast, richtig oder falsch ist."
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Schatzjade hörte zu und antwortete nicht, er hob nur den Kopf und lächelte leise. Schatzspange ermahnte ihn weiter: „Da du nun keine Argumente mehr hast, rate ich dir, von nun an das Herz zu sammeln und dich ordentlich dem Studium zu widmen. Wenn du es schaffst, den Titel eines Graduierten zu erlangen, selbst wenn du dann aufhörst — so hast du die Gnade des Himmels und die Verdienste der Vorfahren nicht umsonst empfangen." Schatzjade nickte, seufzte und sagte: „Den Titel zu erlangen, ist eigentlich gar nicht so schwer. Doch dein ‚von nun an aufhören' und ‚nicht umsonst die Gnade des Himmels und die Verdienste der Vorfahren empfangen' — das weicht nicht von der rechten Spur ab."
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Bevor Schatzspange antworten konnte, kam Dufthauch herein und sagte: „Was die Zweite Herrin eben von den alten Heiligen und Weisen sagte, davon verstehen wir nichts. Ich denke nur an uns alle, die wir von klein auf dem Zweiten Herrn gefolgt sind und so viel Mühe auf uns genommen haben. Nach der Vernunft ist das unsere Pflicht, aber der Zweite Herr sollte auch Rücksicht nehmen. Und wie viel Kindespflicht die Zweite Herrin für den Zweiten Herrn vor dem Herrn Vater und der gnädigen Dame geleistet hat! Selbst wenn der Zweite Herr die eheliche Verbindung nicht ernst nimmt, sollte er doch die Menschen nicht so enttäuschen. Was die Sache mit den Unsterblichen angeht — das sind doch lauter Lügen; wer hat je einen Unsterblichen gesehen, der in die Menschenwelt herabgestiegen ist? Woher kommt dieser Mönch, der solches wirres Zeug redet, und der Zweite Herr glaubt es? Der Zweite Herr ist ein gebildeter Mensch — wiegen denn die Worte jenes Mönches schwerer als die des Herrn Vaters und der gnädigen Dame?" Schatzjade hörte zu und senkte schweigend den Kopf.
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Dufthauch wollte noch weitersprechen, als von draußen Schritte zu hören waren, und jemand fragte durchs Fenster: „Ist der Zweite Onkel da?" Schatzjade erkannte Orchidee Kaufmanns Stimme, stand auf und sagte lächelnd: „Komm nur herein." Auch Schatzspange stand auf. Orchidee Kaufmann trat ein, mit strahlendem Lächeln begrüßte er Schatzjade und Schatzspange, fragte nach Dufthauchs Befinden. Auch Dufthauch erkundigte sich. Dann überreichte er den Brief Schatzjades Blick. Schatzjade nahm ihn in die Hand, las ihn und fragte: „Deine Dritte Tante kehrt zurück?" Orchidee Kaufmann antwortete: „Da Großvater es so schreibt, wird sie wohl zurückkehren." Schatzjade nickte schweigend, in Gedanken versunken. Orchidee Kaufmann fragte dann: „Hat der Onkel es gelesen? Am Ende schreibt der Großvater, wir sollen fleißig lernen. Der Onkel hat in letzter Zeit wohl keine Aufsätze geschrieben?" Schatzjade lächelte: „Ich will auch ein paar üben, um für diesen Titel gerüstet zu sein." Orchidee Kaufmann sagte: „Wenn der Onkel so denkt, dann lass uns ein paar Themen aufstellen. Ich schreibe mit, damit ich mich auch in der Prüfung ein wenig zurechtfinde. Sonst gibt man ein leeres Blatt ab und macht sich lächerlich — nicht nur ich, auch der Onkel würde ausgelacht." Schatzjade erwiderte: „So schlimm wird es bei dir nicht sein." Darauf forderte Schatzspange Orchidee Kaufmann auf, sich zu setzen. Schatzjade saß weiterhin auf seinem Platz, Orchidee Kaufmann setzte sich seitlich. Die beiden sprachen über Aufsätze und Literatur, und bald waren sie in bester Stimmung.
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Schatzspange sah, wie vergnügt die beiden plauderten, ging ins innere Zimmer zurück und überlegte: „Nach dem, was Schatzjade jetzt zeigt, ist er vielleicht wirklich zur Besinnung gekommen. Nur vorhin hat er einzig die vier Worte ‚von nun an aufhören' ausdrücklich gebilligt — was das wohl wieder zu bedeuten hat?" So war Schatzspange noch im Zweifel. Nur Dufthauch beobachtete, wie gern er über Literatur sprach und wie freudig er die Prüfung erwähnte, und dachte bei sich: „Amitabha Buddha! Endlich, wie schwer war es doch, ihn wie aus den Vier Büchern herauszupredigen!"
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Hier sprach Schatzjade mit Orchidee Kaufmann über Literatur; Goldamsels<ref>Chin. 莺儿 Yīng'ér, wörtl. „Goldamsel". Schatzspanges Kammerzofe.</ref> brachte ihnen Tee. Orchidee Kaufmann stand auf, um ihn entgegenzunehmen, und dann besprachen sie noch die Regeln der Prüfung und den Vorschlag, zusammen mit Zhen Schatzjade zu lernen. Auch Schatzjade schien dem zugeneigt.
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Als Orchidee Kaufmann sich bald verabschiedete, ließ er den Brief bei Schatzjade. Schatzjade betrachtete den Brief, ging lächelnd ins Innere und gab ihn Moschusmond zur Aufbewahrung. Dann kam er heraus und legte jenen Band des Zhuangzi weg und ließ einige seiner einstigen Lieblingsbücher wie den „Cantong qi", den „Yuanming bao" und den „Wudeng huiyuan" von Mondschein, Herbstgaze, Goldamsel und den anderen wegtragen und beiseite stellen.
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Schatzspange fand sein Verhalten höchst bemerkenswert und wollte ihn auf die Probe stellen. Sie fragte lächelnd: „Dass du sie nicht mehr liest, ist vernünftig, aber warum sie wegtragen lassen?" Schatzjade antwortete: „Jetzt ist mir alles klar geworden; diese Bücher taugen nichts. Am liebsten würde ich sie alle verbrennen, um reinen Tisch zu machen." Schatzspange war überaus erfreut. Doch dann hörte sie, wie Schatzjade leise vor sich hin murmelte: „Im Kanon des Inneren steht keine Buddhanatur, Jenseits der Goldenen Elixiere gibt es ein Unsterblichkeitsschiff." Schatzspange hatte nicht genau hingehört, verstand nur „keine Buddhanatur" und „Unsterblichkeitsschiff", und ihr Misstrauen erwachte erneut; sie wollte abwarten, wie er sich weiter verhielt. Schatzjade ließ Mondschein, Herbstgaze und die anderen ein stilles Arbeitszimmer einrichten und suchte die gesammelten Spruchsammlungen, die berühmten Musteraufsätze und die Huldigungsgedichte zusammen, stellte sie im stillen Zimmer auf und begann tatsächlich, in aller Ruhe zu lernen. Erst da beruhigte sich Schatzspange.
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Dufthauch war wahrhaftig sprachlos — so etwas hatte sie weder gehört noch gesehen. Sie flüsterte Schatzspange lächelnd zu: „Die gnädige Herrin hat so überzeugend gesprochen, mit nur einer Rede hat sie den Zweiten Herrn zur Einsicht gebracht. Nur schade, dass es ein wenig spät kam, die Prüfung steht unmittelbar bevor." Schatzspange nickte und lächelte leise: „Ruhm und Ehre haben ihre eigene Bestimmung; ob er besteht oder nicht, hängt nicht davon ab, wann er zu lernen begonnen hat. Ich wünsche mir nur, dass er von nun an sein Herz dem rechten Weg zuwendet und die früheren Verirrungen für immer ablegt — das wäre genug." An dieser Stelle, da niemand sonst im Zimmer war, sagte sie leise: „Dass er jetzt bereut und umkehrt, ist sehr gut. Nur eines fürchte ich: Er könnte in seine alte Krankheit von damals zurückfallen und wieder den Umgang mit den Mädchen suchen — auch das wäre nicht gut." Dufthauch erwiderte: „Da hat die Herrin recht. Seit der Zweite Herr dem Mönch glaubt, hat er die Schwestern kalt behandelt; wenn er nun nicht mehr an den Mönch glaubt, fürchte ich wirklich, dass er in die alte Krankheit zurückfällt. Ich denke, um die Herrin und mich kümmert sich der Zweite Herr ohnehin nicht besonders. Purpurkuckuck ist fort; jetzt bleiben nur noch die vier: Unter ihnen hat Fünfchen etwas Verführerisches an sich; ich habe gehört, ihre Mutter habe bei der Ersten Herrin und der Herrin um Erlaubnis gebeten, sie herauszunehmen und zu verheiraten — aber vorerst ist sie noch hier. Mondschein und Herbstgaze haben zwar nichts Schlimmes getan, aber der Zweite Herr hat in jenen Jahren doch allerlei Schabernack mit ihnen getrieben. Wenn ich es recht bedenke, ist nur Goldamsel da, um die sich der Zweite Herr nicht besonders kümmert, und Goldamsel ist auch besonnen. Ich denke, zum Teekochen und Wasserbringen genügt es, wenn Goldamsel mit den kleinen Mädchen aufwartet — was meint die Herrin dazu?" Schatzspange erwiderte: „Genau darüber habe ich auch nachgedacht. Dein Vorschlag ist gut." Von da an wurde Goldamsel bestimmt, mit den kleinen Mädchen aufzuwarten.
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Jener Schatzjade verließ fortan sein Zimmer nicht mehr und schickte täglich nur jemanden, um bei Frau König nach ihrem Befinden zu fragen. Als Frau König von seinem Wandel hörte, war ihre Freude unbeschreiblich.
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Am dritten Tag des achten Monats war der Todestag der Herzoginmutter. Schatzjade kam morgens zum Kowtau, ging dann zurück und begab sich in sein stilles Arbeitszimmer. Nach dem Essen waren Schatzspange, Dufthauch und die Schwestern bei den Damen Xing und Wang im vorderen Raum und plauderten. Schatzjade saß allein im stillen Zimmer und meditierte in tiefer Versenkung. Da brachte Goldamsel eine Schale mit Melonen und Früchten herein und sagte: „Die gnädige Dame hat sie dem Zweiten Herrn zum Essen geschickt; es sind Opfergaben der Alten Dame." Schatzjade stand auf, sprach seinen Dank aus, setzte sich wieder und sagte: „Stell sie dort hin."
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Goldamsel stellte die Früchte ab und flüsterte Schatzjade zu: „Drüben bei der gnädigen Dame lobt man den Zweiten Herrn." Schatzjade lächelte leise. Goldamsel fuhr fort: „Die gnädige Dame hat gesagt: Wenn der Zweite Herr jetzt so fleißig ist und bei der Prüfung besteht, und nächstes Jahr noch den Titel eines Jinshi erlangt und Beamter wird — dann haben der Herr Vater und die gnädige Dame nicht umsonst auf den Zweiten Herrn gehofft." Schatzjade nickte nur und lächelte leise. Da fiel Goldamsel plötzlich ein, wie Schatzjade damals im Garten, als sie für ihn die Pflaumenblüten-Kordeln knüpfte, zu ihr gesagt hatte: „Unser Fräulein wird mich eines Tages in ein Haus mitnehmen, das vom Schicksal gesegnet ist — wer weiß, in welches!" So sagte sie: „Wenn der Zweite Herr wirklich besteht, das wäre doch das Glück unserer Herrin! Erinnert sich der Zweite Herr noch an jenes Jahr im Garten, als er mich bat, die Pflaumenblüten-Kordeln zu knüpfen, und dabei sagte: ‚Unser Fräulein wird mich eines Tages in ein gesegnetes Haus mitnehmen — wer weiß, in welches!' Nun, der Zweite Herr hat doch Glück, nicht wahr?"
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Als Schatzjade dies hörte, regte sich erneut sein Staubherz. Rasch sammelte er seine Gedanken und beruhigte seinen Atem, dann sagte er mit leisem Lächeln: „Was du da sagst — ich habe Glück, und euer Fräulein hat auch Glück. Was aber hast du davon?" Goldamsel errötete bis über beide Ohren, lächelte gezwungen und sagte: „Wir Dienstmädchen bleiben unser Leben lang Dienstmädchen — was für ein Glück sollten wir haben?" Schatzjade lächelte: „Wenn du es wirklich schaffst, dein ganzes Leben lang Dienstmädchen zu bleiben, dann hast du ein größeres Glück als wir alle." Goldamsel fand, das klinge wieder wie Wahnsinn, und fürchtete, sie könnte Schatzjades alte Krankheit hervorlocken; sie machte sich bereit zu gehen. Da sagte Schatzjade lächelnd: „Dummes Mädchen, ich will es dir sagen."
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Was Schatzjade noch sagte, davon erzählt das nächste Kapitel.
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<small>Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.</small>
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<references />

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 118

Aus altem Groll betrügt der Onkel die schwache Nichte, Erschreckende Rätselverse — Gattin und Nebenfrau ermahnen den Verblendeten

Es wird erzählt, dass die beiden Damen Xing und Wang, nachdem sie Yous Rede angehört hatten, wussten, dass die Sache kaum mehr rückgängig zu machen war. Frau König sagte schließlich: „Wenn das Fräulein den Weg der Frömmigkeit gehen will, so muss dies wohl eine Verwurzelung aus einem früheren Leben sein, und wir können sie wirklich nicht davon abhalten. Nur, dass ein Mädchen aus einer Familie wie der unseren ins Kloster geht, das ist doch keine rechte Sache. Da deine Schwägerin nun gesagt hat, dir das geistliche Leben zu gestatten, so ist das auch etwas Gutes. Doch eines muss ich sagen: Das Haar braucht nicht geschoren zu werden. Wenn das Herz wahrhaftig ist, kommt es auf das Haar nicht an. Bedenke, auch Wunderjade[1] übte ihren Glauben mit vollem Haar — und als ihr weltliches Herz sich einmal regte, da trieb es sie so weit! Wenn das Fräulein darauf besteht, so nehmen wir das Zimmer des Fräuleins als ihre stille Kammer. Was die Dienerinnen des Fräuleins betrifft, so muss man sie befragen: Wer bereit ist, dem Fräulein zu folgen, für die kommt keine Heiratsvermittlung mehr in Frage; wer nicht folgen will, für die wird anders vorgesorgt." Als Bedauerfrühling[2] dies hörte, trocknete sie ihre Tränen und dankte den beiden Damen Xing und Wang sowie Seidenweiß Pflaume und Dame Sonders.

Nachdem Frau König gesprochen hatte, fragte sie Buntschirm und die anderen: „Wer ist bereit, dem Fräulein ins geistliche Leben zu folgen?" Buntschirm und die anderen antworteten: „Wen die gnädigen Damen bestimmen, dem fügen wir uns." Frau König wusste, dass sie nicht willens waren, und überlegte gerade, wen sie bestimmen sollte. Dufthauch[3] stand hinter Schatzjades Rücken und rechnete damit, dass er gewiss heftig weinen würde, und war auf der Hut vor einem Rückfall seiner alten Krankheit. Doch zu aller Überraschung seufzte Schatzjade nur: „Wahrhaft bewundernswert!" Dufthauch fühlte sich innerlich nur noch trauriger. Schatzspange sprach kein Wort, aber bei jeder Gelegenheit versuchte sie ihn zu ergründen; als sie sah, dass er in seiner Verblendung nicht erwachte, konnte sie nur im Stillen Tränen vergießen. Frau König wollte eben die Dienstmädchen herbeirufen und befragen, als Purpurkuckuck[4] hervortrat, vor Frau König niederkniete und sprach: „Eben haben die gnädige Dame nach den Schwestern gefragt, die dem Vierten Fräulein dienen — was hält die gnädige Dame davon?" Frau König erwiderte: „Wie könnte man jemanden dazu zwingen? Wer bereit ist, wird es von selbst sagen." Purpurkuckuck sprach: „Dass das Fräulein ins geistliche Leben treten will, ist natürlich ihr eigener Wunsch und keineswegs die Absicht der anderen Schwestern. Ich habe der gnädigen Dame etwas zu sagen: Ich will auch keineswegs die Schwestern auseinanderreißen, jede hat ihren eigenen Willen. Ich habe Fräulein Lin eine Zeit lang gedient, und wie Fräulein Lin mich behandelt hat, das wissen auch die gnädigen Damen — ihre Güte war wahrhaftig bergeshoch und unvergleichlich. Als sie starb, hätte ich ihr am liebsten in den Tod folgen wollen, doch sie war nicht von hier, und ich selbst habe die Gnade der Herrschaft empfangen, sodass ich ihr nicht in den Tod folgen konnte. Da nun das Vierte Fräulein ins geistliche Leben treten will, so bitte ich die gnädigen Damen, mich ihr zuzuweisen, damit ich dem Fräulein ein Leben lang diene. Ich weiß nicht, ob die gnädigen Damen es erlauben? Wenn sie es erlauben, wäre das mein Glück."

Die beiden Damen Xing und Wang hatten noch nicht geantwortet, da hörte man Schatzjade, der an dieser Stelle an Kajaljade dachte, und eine Welle der Traurigkeit überflutete ihn, sodass ihm die Tränen bereits hinabrannen. Alle wollten ihn gerade fragen, da brach er in lautes Lachen aus, trat vor und sprach: „Eigentlich sollte ich das nicht sagen, aber da Purpurkuckuck von der gnädigen Dame meinem Gemach zugeteilt wurde, wage ich es: Bitte erlaubt es ihr, erfüllt ihr den guten Vorsatz!" Frau König erwiderte: „Früher, als deine Schwestern verheiratet wurden, hast du so geweint, als ob du sterben wolltest; jetzt siehst du, dass die Vierte Schwester ins Kloster gehen will, und anstatt sie davon abzuhalten, nennst du es eine gute Sache. Was meinst du eigentlich? Ich verstehe dich ehrlich gesagt nicht mehr." Schatzjade sprach: „Es ist beschlossen, dass die Vierte Schwester ins geistliche Leben tritt, und die Vierte Schwester hat sich fest entschlossen. Wenn es wirklich so ist, habe ich ein Wort an die gnädige Dame; wenn es nicht feststeht, wage ich es nicht, Unsinn zu reden." Bedauerfrühling sagte: „Zweiter Bruder, deine Rede ist doch lächerlich. Wenn jemand keinen festen Entschluss hätte, könnte er die gnädigen Damen umstimmen? Ich sage es wie Purpurkuckuck: Lasst man es mir zu, so ist es mein Glück; lasst man es mir nicht zu, so bleibt mir noch der Tod — was sollte ich fürchten? Da der Zweite Bruder etwas zu sagen hat, soll er nur reden."

Schatzjade sprach: „Auch was ich sage, ist keine Enthüllung, denn dies ist gewiss bestimmt. Ich will euch ein Gedicht vortragen, hört zu." Die Anwesenden sagten: „In solch bitterem Augenblick kommst du mit Gedichten und ärgerst die Leute!" Schatzjade erwiderte: „Es ist kein selbstverfasstes Gedicht; ich habe es an einem Ort gelesen, den ich einmal besucht habe. Hört nur zu!" Die Anwesenden sagten: „Nun gut, trag es vor, aber erzähle nichts Zusammenphantasiertes!" Schatzjade erklärte sich nicht weiter und sprach:

Durchschaut ist aller drei Lenze flüchtiger Glanz, Das Mönchsgewand tauscht den Schmuck der früheren Jahre ein. Erbarmungswürdig die Tochter aus edlem und besticktem Haus, Einsam ruht sie beim blauen Licht an der Seite des alten Buddha.

Seidenweiß Pflaume und Schatzspange hörten dies und riefen entsetzt: „Das ist nicht gut! Dieser Mensch ist vom Wahnsinn befallen!" Als Frau König diese Worte hörte, nickte sie seufzend mit dem Kopf und fragte: „Schatzjade, wo hast du das eigentlich gelesen?" Schatzjade wollte es nicht verraten und antwortete: „Die gnädige Dame braucht nicht zu fragen, es gibt seinen Ort." Frau König überlegte eine Weile, und als sie den Sinn erfasste, brach sie erneut in Tränen aus: „Du sagst, das neulich sei nur ein Scherz gewesen, und woher kommt dann plötzlich dieses Gedicht? Ach, ich habe es verstanden. Was soll ich denn mit euch allen anfangen? Ich weiß auch keinen Rat mehr, ich muss euch wohl gewähren lassen. Aber wartet, bis ich die Augen schließe, und dann tut jeder, was er will — damit hat es sich." Schatzspange versuchte sie zu trösten, doch ihr eigenes Herz wurde mehr als von einem Messer zerfleischt; sie konnte sich nicht mehr beherrschen und brach in lautes Weinen aus. Dufthauch weinte bereits, als verginge sie in Schmerz, und nur dank Herbstgaze[5], die sie stützte, blieb sie aufrecht.

Schatzjade aber weinte nicht und tröstete auch nicht, sondern schwieg. Orchidee Kaufmann[6] und Kreis Kaufmann[7] hörten all dies und gingen jeder für sich davon.

Seidenweiß Pflaume gab sich alle Mühe zu erklären: „Das kommt alles nur daher, dass Bruder Schatzjade sieht, wie die Vierte Schwester ins Kloster geht — vor lauter Schmerz redet er wirres Zeug, das darf man nicht für bare Münze nehmen. Nur die Sache mit Purpurkuckuck bleibt zu klären: ob sie genehmigt wird oder nicht, damit sie aufstehen kann." Frau König sagte: „Was heißt hier genehmigen oder nicht? Wenn ein Mensch sich einmal etwas fest vorgenommen hat, kann man ihn ohnehin nicht umstimmen. Doch was Schatzjade sagt, ist wohl auch gewiss bestimmt." Purpurkuckuck verbeugte sich mit einem Kopfstoß bis zum Boden. Bedauerfrühling dankte Frau König noch einmal. Purpurkuckuck verbeugte sich auch vor Schatzjade und Schatzspange. Schatzjade sprach ein „Amitabha Buddha! Bewundernswert, bewundernswert! Ich hätte nicht gedacht, dass du als erste die Erlösung findest." Schatzspange war gewöhnlich gefasst, doch auch sie konnte sich kaum noch beherrschen. Nur Dufthauch, ohne sich um Frau Königs Anwesenheit zu kümmern, weinte hemmungslos und sagte: „Ich möchte ebenfalls dem Vierten Fräulein ins geistliche Leben folgen!" Schatzjade lächelte: „Auch du hast ein gutes Herz, aber du kannst dieses reine Glück nicht genießen." Dufthauch schluchzte: „Soll das heißen, dass ich sterben muss?" Als Schatzjade dies hörte, fühlte er sich betrübt, konnte aber nichts sagen.

Da es bereits die fünfte Nachtwache war, bat Schatzjade Frau König, sich zur Ruhe zu begeben. Seidenweiß Pflaume und die anderen gingen auseinander. Buntschirm und die übrigen versorgten Bedauerfrühling vorübergehend und wurden später an Ehemänner vermittelt; Purpurkuckuck diente ihr ein Leben lang und wankte nie in ihrem Vorsatz: doch dies gehört in eine spätere Erzählung.

Nun sei von Aufrecht Kaufmann[8] berichtet, der den Sarg der Herzoginmutter[9] begleitete und mit ihm gen Süden reiste. Auf dem Weg begegneten sie den Schiffen der aus dem Krieg heimkehrenden Truppen, die Wasserstraßen waren verstopft, und sie kamen nicht schnell voran, was ihn unterwegs sehr beunruhigte. Zum Glück begegnete er Beamten von der Seeküste und erfuhr, dass der Oberkommandierende der Seeverteidigung nach Beijing zurückberufen worden sei; so hoffte er, dass Frühlingserforscherin[10] gewiss nach Hause zurückkehren werde, was ihm ein wenig Erleichterung verschaffte. Doch als er den genauen Zeitpunkt der Abreise nicht in Erfahrung bringen konnte, wurde er wieder unruhig. Da er berechnete, dass sein Reisegeld nicht ausreichen würde, schrieb er notgedrungen einen Brief und schickte einen Diener zu Lai Shangrong an dessen Amtssitz, um fünfhundert Tael Silber zu leihen, und ließ den Mann ihm unterwegs entgegenkommen, um die Ausgaben zu decken.

Nach einigen Tagen hatte Aufrecht Kaufmanns Schiff erst ein Dutzend Li zurückgelegt, als jener Diener zurückkam und dem Schiff entgegenfuhr. Er übergab Lai Shangrongs unterwürfiges Antwortschreiben. In dem Brief klagte dieser über vielerlei Nöte und legte fünfzig Tael Silber bei. Aufrecht Kaufmann war außer sich vor Zorn und befahl dem Diener auf der Stelle: „Bring es sofort zurück, schick den Originalbrief zurück, und richte ihm aus, er brauche sich keine Mühe zu geben!" Der Diener konnte nichts anderes tun, als zu Lai Shangrongs Amtssitz zurückzukehren. Lai Shangrong empfing den ungeöffneten Brief und das Silber, war bedrückt und wusste, dass er die Sache nicht ordentlich erledigt hatte. Er legte weitere hundert Tael dazu und bat den Boten, sie mitzunehmen und ein gutes Wort für ihn einzulegen. Doch der Mann weigerte sich, das Paket mitzunehmen, warf es hin und ging.

Lai Shangrong war beunruhigt und schrieb sofort einen Brief nach Hause, um seinem Vater Bescheid zu geben, damit dieser einen Weg finde, Urlaub zu beantragen und sich aus dem Dienstverhältnis freizukaufen. Daraufhin baten die Lais durch Rosenholz Kaufmann und Efeu Kaufmann bei Frau König um Gnade und Freilassung. Rosenholz Kaufmann wusste, dass dies unmöglich war, wartete einen Tag ab und behauptete dann fälschlich, Frau König habe nicht zugestimmt, und gab diese Antwort weiter. Die Familie Lai beantragte einerseits Urlaub und schickte andererseits jemanden zu Lai Shangrongs Amtssitz mit der Weisung, er solle sich krankheitshalber von seinem Amt zurückziehen. Frau König wusste von alledem nichts.

Als Efeu Kaufmann die falsche Ausrede von Rosenholz Kaufmann hörte, verlor er alle Hoffnung. In letzter Zeit hatte er draußen auch noch einiges an Geld verspielt und konnte die Schulden nicht begleichen. Er wandte sich an Kreis Kaufmann, um sich Geld zu leihen. Kreis Kaufmann war selbst ohne einen einzigen Heller; obwohl seine Mutter, die Nebenfrau Zhao, einige Ersparnisse gehabt hatte, hatte er sie längst durchgebracht und konnte andere nicht versorgen. Da fiel ihm ein, wie Phönixglanz[11] ihn schlecht behandelt hatte, und nun, da Kette Kaufmann[12] nicht zu Hause war, wollte er sich an Klugmädchen[13] rächen. Also brachte er dieses Angebot an Efeu Kaufmann heran und beklagte sich absichtlich vor ihm: „Ihr seid schon groß genug, und wo es die Gelegenheit gibt, Geld zu machen, traut ihr euch nicht, aber ihr kommt zu mir, der keines hat, und fragt." Efeu Kaufmann erwiderte: „Dritter Onkel, das ist doch lächerlich. Wir sind zusammen unterwegs, haben zusammen unseren Spaß, wo gibt es da Geld zu verdienen?" Kreis Kaufmann sagte: „Hast du neulich nicht gehört, dass jemand erzählt hat, ein Barbarenfürst wolle sich eine Nebenfrau kaufen? Warum besprichst du das nicht mit Onkel Wang und bietest Klugmädchen an?" Efeu Kaufmann entgegnete: „Onkel, ein Wort, das dich vielleicht ärgert, aber wenn ein Barbarenfürst Geld ausgibt, um jemanden zu kaufen — glaubst du, der wird danach noch mit unserer Familie verkehren?" Kreis Kaufmann flüsterte Efeu Kaufmann einige Worte ins Ohr.

Efeu Kaufmann nickte zwar, hielt Kreis Kaufmann' Vorschlag aber für Kindergerede und nahm es nicht ernst. Da kam zufällig König Ren[14] herein und sagte: „Was tuschelt ihr zwei da, wollt ihr es vor mir verheimlichen?" Efeu Kaufmann flüsterte ihm Kreis Kaufmann' Worte ins Ohr. König Ren klatschte in die Hände: „Das wäre ja ein feines Geschäft und bringt Silber! Ich fürchte nur, ihr traut euch nicht. Wenn ihr es wagt, so bin ich als leiblicher Onkel befugt zu entscheiden. Es muss nur sein, dass der Dritte, Kreis Kaufmann, es bei der Ersten Frau[15] vorträgt, ich rede mit Onkel Xing, und wenn die gnädigen Damen nachfragen, dann stimmt ihr alle überein — das ist alles."

Nachdem Kreis Kaufmann und die anderen sich beraten hatten, ging König Ren los, um Onkel Xing zu suchen; Efeu Kaufmann ging zu den beiden Damen Xing und Wang, und was er erzählte, klang wie die Krone auf dem Juwel. Frau König hörte ihm zwar zu, glaubte ihm aber nicht. Frau Strafe hörte, dass Onkel Xing Bescheid wisse, war in ihrem Herzen einverstanden und schickte jemanden, Onkel Xing zu holen und ihn zu befragen. Onkel Xing hatte bereits von König Ren gehört und konnte sich zudem seinen Teil vom Gewinn versprechen, also sprach er vor Frau Strafe: „Dieser Prinz ist ein höchst angesehener Mann. Wenn man in diese Heiratsverbindung einwilligt, wird er zwar nicht die Erste Frau, aber sobald sie erst einmal eingeheiratet hat, bekommt der Schwager seinen Beamtenposten zurück, und das Ansehen des Hauses ist wiederhergestellt." Frau Strafe war eine Frau ohne eigene Meinung, und der einfältige Onkel betörte sie mit seinen falschen Worten. Sie ließ König Ren kommen und befragte ihn, und der schilderte alles noch glanzvoller. Daraufhin schickte Frau Strafe sogar jemanden hinaus, um Efeu Kaufmann zu folgen und die Sache voranzutreiben.

König Ren fand sogleich einen Mittelsmann und ging zum Gästehaus des Barbarenfürsten, um die Sache zu besprechen. Der Barbarenfürst kannte die Hintergründe nicht und wollte jemanden zur Besichtigung schicken. Efeu Kaufmann bestach auch die Leute, die zur Besichtigung kamen, und erklärte ihnen: „Dies geschieht heimlich und ohne Wissen des ganzen Hauses. Sagt nur, es sei ein Königshaus, das um die Hand anhält. Wenn die Sache beschlossen ist, hat die Großmutter entschieden, der leibliche Onkel bürgt — da gibt es nichts zu befürchten." Die Besichtiger stimmten zu. Efeu Kaufmann sandte dann Nachricht an Frau Strafe und teilte es auch Frau König mit. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und die anderen wussten nichts von den wahren Umständen und hielten es für eine gute Nachricht, worüber sich alle freuten.

An jenem Tag kamen tatsächlich einige Frauen, alle in prächtigem Putz. Frau Strafe empfing sie und plauderte über Belanglosigkeiten. Da sie wusste, dass die Besucherin eine Dame mit Hofrang war, wagte sie es nicht, sie geringzuschätzen. Da die Sache noch nicht beschlossen war, hatte Frau Strafe Klugmädchen auch nicht eingeweiht, sondern nur gesagt, eine Verwandte komme zu Besuch, sie solle sich zeigen. Klugmädchen war noch ein Kind und kümmerte sich nicht um solche Dinge; sie folgte ihrer Amme hinüber. Friedchen[16] war beunruhigt und ging mit. Es waren zwei Frauen da, die wie Hofdamen gekleidet waren. Als sie Klugmädchen sahen, musterten sie sie von Kopf bis Fuß, standen dann auf, nahmen Klugmädchens Hand und betrachteten sie noch einmal, saßen kurz und gingen. Klugmädchen war ganz beschämt, kehrte in ihr Zimmer zurück und grübelte; da sie wusste, dass es keine solche Verwandte gab, fragte sie Friedchen.

Friedchen hatte die Besucher schon bei ihrem Eintritt beobachtet und ahnte zu acht oder neun Zehnteln: „Das müssen Brautschauer gewesen sein. Aber da der Zweite Herr nicht zu Hause ist und die Erste Frau die Entscheidung trifft, weiß ich nicht, aus welchem Fürstenhaus sie kommen. Wenn es ein standesgemäßer Heiratsantrag wäre, würden sie nicht so mustern. Diese Leute sehen nicht nach einem Haus des kaiserlichen Clans aus, sondern eher nach einer auswärtigen Adresse. Dem Fräulein sage ich jetzt noch nichts, erst will ich mich genau erkundigen." Friedchen achtete sorgfältig darauf und erkundigte sich; alle Dienstmädchen und Dienerinnen, die Friedchen einst befehligt hatte, erzählten ihr, was sie von den Gerüchten draußen gehört hatten. Friedchen erschrak zutiefst und wusste sich keinen Rat. Obwohl sie es Klugmädchen nicht sagte, eilte sie sofort zu Seidenweiß Pflaume und Schatzspange, um sie zu bitten, Frau König zu informieren.

Frau König erkannte, dass die Sache nicht gut stand, und sprach mit Frau Strafe darüber. Doch Frau Strafe vertraute auf die Worte ihres Bruders und König Rens und verdächtigte Frau König, keine guten Absichten zu haben. Sie sagte: „Die Enkelin ist alt genug, und da Kette Kaufmann nicht zu Hause ist, habe ich das Recht zu entscheiden. Außerdem ist es ihr leiblicher Großonkel und ihr leiblicher Onkel, die nachgeforscht haben — sollten sie etwa weniger zuverlässig sein als andere? Ich bin auf jeden Fall dafür; sollte etwas schiefgehen, brauchen weder ich noch Kette Kaufmann jemand anderem Vorwürfe zu machen." Frau König hörte dies, unterdrückte ihren Zorn, sagte noch einige Worte und ging hinaus. Sie erzählte es Schatzspange und vergoss selbst Tränen.

Schatzjade riet: „Die gnädige Dame möge sich nicht beunruhigen. Ich sehe voraus, dass diese Sache nicht zustande kommen wird. Dies ist durch Klugmädchens Schicksal bestimmt; die gnädige Dame brauche sich nur nicht einzumischen." Frau König sagte: „Kaum öffnest du den Mund, sagst du verrückte Sachen. Die Leute haben es schon abgemacht und wollen sie bald abholen. Wenn es nach Friedchens Worten ginge — würde dein Zweiter Bruder Kette mir nicht Vorwürfe machen? Gar nicht zu reden von unserer eigenen Großnichte — selbst die Kinder von Verwandten sollten es gut haben. Nichte Xing, für die wir die Ehe vermittelt haben, verheiratet mit deinem Zweiten Schwager — leben sie jetzt nicht in Frieden und Eintracht? Und Nichte Qin, die die Familie Mei geheiratet hat — ich habe gehört, sie lebe in Wohlstand und Überfluss. Nur Nichte Shi — da hat ihr Onkel entschieden, erst war es gut, doch jetzt ist der Schwiegersohn an der Schwindsucht gestorben, und deine Schwester Geschichte hat sich entschlossen, als Witwe zu leben — ein hartes Los. Wenn Klugmädchen an die falsche Familie gerät, wäre das nicht ein Zeichen meines bösen Herzens?"

Gerade als sie so sprach, kam Friedchen, um Schatzspange zu besuchen und zugleich Frau Strafes Stimmung zu erkunden. Frau König wiederholte Frau Strafes Worte. Friedchen stand eine halbe Ewigkeit reglos da, kniete dann nieder und flehte: „Klugmädchens ganze Zukunft hängt von der gnädigen Dame ab! Wenn man den Leuten glaubt, wird das Fräulein nicht nur ein Leben lang leiden, sondern was sollen wir sagen, wenn der Zweite Herr Kette zurückkommt?" Frau König erwiderte: „Du bist ein verständiger Mensch, steh auf und höre mir zu: Klugmädchen ist schließlich die Enkelin der Ersten Frau; wenn sie entscheiden will, kann ich sie da aufhalten?" Schatzjade riet: „Es ist kein Problem; es genügt, wenn man Klarheit hat." Friedchen fürchtete, Schatzjade könnte in seinem Wahnsinn alles herausschreien, und sagte nichts weiter; sie verabschiedete sich von Frau König und ging.

Frau König dachte an all ihren Verdruss, bekam einen Anfall von Herzschmerz, ließ sich von einer Dienerin stützen und ging mühsam in ihr eigenes Zimmer zurück, wo sie sich hinlegte. Sie ließ Schatzjade und Schatzspange nicht kommen und sagte, sie brauche nur ein wenig zu schlafen, dann werde es ihr besser gehen. Doch sie selbst war bedrückt. Als sie hörte, dass die Schwägerin Li zu Besuch gekommen war, konnte sie sie auch nicht empfangen. Da trat Orchidee Kaufmann ein, begrüßte sie und berichtete: „Heute Morgen hat jemand von Großvaters Seite einen Brief gebracht, die Burschen draußen haben ihn hereingetragen. Meine Mutter hat ihn angenommen und wollte gerade herüberkommen; aber da meine Großmutter mütterlicherseits kam, hat sie mich vorausgeschickt, ihn der gnädigen Dame zu zeigen. Nachher kommt meine Mutter, um der gnädigen Dame Bericht zu erstatten. Und meine Großmutter will auch herkommen." Damit überreichte er den Brief. Frau König nahm den Brief entgegen und fragte: „Was will deine Großmutter?" Orchidee Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch nicht. Ich habe nur meine Mutter sagen hören, dass aus der Familie des Schwiegersohns meiner Dritten Tante eine Nachricht gekommen ist." Frau König erinnerte sich: Seinerzeit hatte man Prachtamt Pflaume für Zhen Schatzjade[17] vorgeschlagen, danach waren Verlobungsgeschenke ausgetauscht worden, und nun wollte die Familie Echt die Braut wohl abholen; darum sei die Schwägerin Li gekommen, um dies zu besprechen. Sie nickte. Dann öffnete sie den Brief und las:

Unterwegs treffe ich fortwährend auf Schiffe der siegreich heimkehrenden Küstentruppen und kann nicht schnell vorankommen. Ich habe gehört, dass Frühlingserforscherin mit ihrem Schwiegervater und Ehemann in die Hauptstadt kommt; ich weiß nicht, ob es davon Nachricht gibt? Kette Kaufmanns letztem Schreiben entnehme ich, dass der Älteste Herr nicht wohl ist — gibt es schon Gewissheit darüber? Schatzjade und Orchidee — die Prüfungszeit rückt näher; sie müssen aufrichtig lernen und dürfen nicht nachlässig sein. Es wird noch einige Zeit dauern, bis der Sarg der Alten Dame zu Hause ankommt. Mir geht es gut, sorgt euch nicht. Dies zur Kenntnis an Schatzjade und andere. Eigenhändig geschrieben am soundsovielten. Kaufmann Nelke[18] in besonderem Schreiben.

Frau König las fertig und reichte den Brief Orchidee Kaufmann: „Nimm ihn mit und zeige ihn deinem Zweiten Onkel, dann gib ihn deiner Mutter zurück."

Gerade als sie so sprach, kamen Seidenweiß Pflaume und die Schwägerin Li herein, begrüßten sie und erkundigten sich nach dem Befinden. Frau König bat sie, Platz zu nehmen. Die Schwägerin Li erzählte von den Hochzeitsplänen der Familie Echt für Prachtamt Pflaume. Man beratschlagte eine Weile. Seidenweiß Pflaume fragte Frau König: „Hat die gnädige Dame den Brief des Herrn gelesen?" Frau König sagte: „Ja." Orchidee Kaufmann gab den Brief seiner Mutter. Seidenweiß Pflaume las ihn und sagte: „Die Dritte Schwester ist schon mehrere Jahre verheiratet und nie gekommen. Wenn sie jetzt in die Hauptstadt zurückkehrt, wird die gnädige Dame ein wenig erleichtert sein." Frau König erwiderte: „Ich habe ohnehin Herzschmerzen, aber als ich las, dass Frühlingserforscherin zurückkehrt, wurde mir etwas besser — nur weiß ich nicht, wann sie ankommt." Die Schwägerin Li erkundigte sich nach Aufrecht Kaufmanns Befinden auf der Reise. Seidenweiß Pflaume wandte sich an Orchidee Kaufmann: „Hast du gesehen, mein Junge? Die Prüfung rückt näher, dein Großvater macht sich solche Sorgen. Nimm den Brief schnell und zeig ihn dem Zweiten Onkel." Die Schwägerin Li fragte: „Die beiden haben doch nie eine Aufnahmeprüfung bestanden — wie können sie dann an der Provinzialprüfung teilnehmen?" Frau König erklärte: „Als ihr Großvater als Getreideintendant aufbrach, hat er für beide den Status eines kaiserlichen Studenten durch Zuwendung erworben." Die Schwägerin Li nickte. Orchidee Kaufmann nahm den Brief und ging hinaus, um Schatzjade aufzusuchen.

Nun wird berichtet, dass Schatzjade, nachdem er Frau König verabschiedet hatte, gerade den Aufsatz „Herbstwasser" aus dem Zhuangzi in der Hand hielt und ihn sorgfältig studierte. Schatzspange kam aus dem inneren Zimmer und sah, dass er so versunken las, dass er über die Worte hinaus war. Sie trat näher und sah, was es war, und ihr Herz wurde schwer. Sie dachte: „Er behandelt diese weltflüchtigen und menschenfernen Reden als ernsthafte Angelegenheit; das wird auf die Dauer nicht gut gehen." Bei seinem Anblick erkannte sie, dass Ermahnung vergeblich wäre; so setzte sie sich neben Schatzjade und starrte ihn nur an. Schatzjade bemerkte es und fragte: „Was ist denn nun wieder los?" Schatzspange erwiderte: „Bedenke, da wir Mann und Frau sind, bist du meine lebenslange Stütze — doch nicht im Sinne privater Leidenschaften. Was Glanz und Reichtum betrifft, so sind sie in der Tat nur flüchtige Wolken vor dem Auge. Doch seit alters haben die Heiligen und Weisen den Charakter des Menschen als das Wesentliche betrachtet ..."

Schatzjade hörte nicht einmal zu Ende; er legte das Buch beiseite und sagte mit einem leisen Lächeln: „Du sprichst von ‚Charakter als Wurzel' und von ‚Heiligen und Weisen'; doch weißt du, dass die alten Heiligen und Weisen gesagt haben: ‚Verliere nicht das Herz des Neugeborenen'? Was ist so gut am Neugeborenen? Nichts weiter als Unwissenheit und Begierdelosigkeit, ohne Gier und ohne Furcht. Wir aber sind von Geburt an in Gier, Zorn, Verblendung und Liebe versunken, wie im Schlamm — wie könnten wir diesem Netz aus Staub entkommen? Erst jetzt begreife ich die vier Zeichen ‚Versammlung und Zerstreuung, schwebendes Leben'; die Alten haben es gesagt, aber niemand hat es wirklich verstanden. Wenn du schon von Charakter als Wurzel sprichst — wer hat denn je jenen ersten Schritt zum Urbeginn erreicht?" Schatzspange erwiderte: „Du sprichst vom ‚Herz des Neugeborenen', doch die alten Heiligen und Weisen meinten damit Treue und Kindespflicht, nicht Weltflucht und Loslösung von allen Banden. Yao, Shun, Yu, Tang, die Könige von Zhou und Konfuzius — sie alle trachteten unablässig danach, das Volk zu retten und die Welt zu ordnen. Was man ‚Herz des Neugeborenen' nennt, ist im Grunde nichts anderes als ‚Mitleid'. Doch was du eben sagtest — die Bande des Himmels abzuwerfen — was wäre das für ein Weg?"

Schatzjade nickte lächelnd und sagte: „Yao und Shun haben Chao und Xu nicht gezwungen, Wu und Zhou haben Yi und Qi nicht gezwungen." Schatzspange unterbrach ihn, bevor er ausreden konnte: „Was du da sagst, ist noch falscher. Wenn seit alters alle nur Chao, Xu, Yi und Qi gewesen wären, warum verehrt man dann Yao, Shun, Zhou und Konfuzius als Heilige und Weise? Und dass du dich mit Yi und Qi vergleichst, ist vollends unsinnig. Yi und Qi lebten am Ende der Shang-Dynastie und hatten mit vielen schwierigen Umständen zu kämpfen; darum suchten sie einen Vorwand und flohen. In dieser gesegneten Zeit aber genießen wir seit Generationen die Gnade des Staates; unsere Vorfahren lebten in Brokat und Jade. Und seit deiner Geburt — von der seligen Herzoginmutter über den Herrn Vater und die gnädige Dame — haben sie dich wie einen Schatz gehütet. Bedenke selbst, ob das, was du eben gesagt hast, richtig oder falsch ist."

Schatzjade hörte zu und antwortete nicht, er hob nur den Kopf und lächelte leise. Schatzspange ermahnte ihn weiter: „Da du nun keine Argumente mehr hast, rate ich dir, von nun an das Herz zu sammeln und dich ordentlich dem Studium zu widmen. Wenn du es schaffst, den Titel eines Graduierten zu erlangen, selbst wenn du dann aufhörst — so hast du die Gnade des Himmels und die Verdienste der Vorfahren nicht umsonst empfangen." Schatzjade nickte, seufzte und sagte: „Den Titel zu erlangen, ist eigentlich gar nicht so schwer. Doch dein ‚von nun an aufhören' und ‚nicht umsonst die Gnade des Himmels und die Verdienste der Vorfahren empfangen' — das weicht nicht von der rechten Spur ab."

Bevor Schatzspange antworten konnte, kam Dufthauch herein und sagte: „Was die Zweite Herrin eben von den alten Heiligen und Weisen sagte, davon verstehen wir nichts. Ich denke nur an uns alle, die wir von klein auf dem Zweiten Herrn gefolgt sind und so viel Mühe auf uns genommen haben. Nach der Vernunft ist das unsere Pflicht, aber der Zweite Herr sollte auch Rücksicht nehmen. Und wie viel Kindespflicht die Zweite Herrin für den Zweiten Herrn vor dem Herrn Vater und der gnädigen Dame geleistet hat! Selbst wenn der Zweite Herr die eheliche Verbindung nicht ernst nimmt, sollte er doch die Menschen nicht so enttäuschen. Was die Sache mit den Unsterblichen angeht — das sind doch lauter Lügen; wer hat je einen Unsterblichen gesehen, der in die Menschenwelt herabgestiegen ist? Woher kommt dieser Mönch, der solches wirres Zeug redet, und der Zweite Herr glaubt es? Der Zweite Herr ist ein gebildeter Mensch — wiegen denn die Worte jenes Mönches schwerer als die des Herrn Vaters und der gnädigen Dame?" Schatzjade hörte zu und senkte schweigend den Kopf.

Dufthauch wollte noch weitersprechen, als von draußen Schritte zu hören waren, und jemand fragte durchs Fenster: „Ist der Zweite Onkel da?" Schatzjade erkannte Orchidee Kaufmanns Stimme, stand auf und sagte lächelnd: „Komm nur herein." Auch Schatzspange stand auf. Orchidee Kaufmann trat ein, mit strahlendem Lächeln begrüßte er Schatzjade und Schatzspange, fragte nach Dufthauchs Befinden. Auch Dufthauch erkundigte sich. Dann überreichte er den Brief Schatzjades Blick. Schatzjade nahm ihn in die Hand, las ihn und fragte: „Deine Dritte Tante kehrt zurück?" Orchidee Kaufmann antwortete: „Da Großvater es so schreibt, wird sie wohl zurückkehren." Schatzjade nickte schweigend, in Gedanken versunken. Orchidee Kaufmann fragte dann: „Hat der Onkel es gelesen? Am Ende schreibt der Großvater, wir sollen fleißig lernen. Der Onkel hat in letzter Zeit wohl keine Aufsätze geschrieben?" Schatzjade lächelte: „Ich will auch ein paar üben, um für diesen Titel gerüstet zu sein." Orchidee Kaufmann sagte: „Wenn der Onkel so denkt, dann lass uns ein paar Themen aufstellen. Ich schreibe mit, damit ich mich auch in der Prüfung ein wenig zurechtfinde. Sonst gibt man ein leeres Blatt ab und macht sich lächerlich — nicht nur ich, auch der Onkel würde ausgelacht." Schatzjade erwiderte: „So schlimm wird es bei dir nicht sein." Darauf forderte Schatzspange Orchidee Kaufmann auf, sich zu setzen. Schatzjade saß weiterhin auf seinem Platz, Orchidee Kaufmann setzte sich seitlich. Die beiden sprachen über Aufsätze und Literatur, und bald waren sie in bester Stimmung.

Schatzspange sah, wie vergnügt die beiden plauderten, ging ins innere Zimmer zurück und überlegte: „Nach dem, was Schatzjade jetzt zeigt, ist er vielleicht wirklich zur Besinnung gekommen. Nur vorhin hat er einzig die vier Worte ‚von nun an aufhören' ausdrücklich gebilligt — was das wohl wieder zu bedeuten hat?" So war Schatzspange noch im Zweifel. Nur Dufthauch beobachtete, wie gern er über Literatur sprach und wie freudig er die Prüfung erwähnte, und dachte bei sich: „Amitabha Buddha! Endlich, wie schwer war es doch, ihn wie aus den Vier Büchern herauszupredigen!"

Hier sprach Schatzjade mit Orchidee Kaufmann über Literatur; Goldamsels[19] brachte ihnen Tee. Orchidee Kaufmann stand auf, um ihn entgegenzunehmen, und dann besprachen sie noch die Regeln der Prüfung und den Vorschlag, zusammen mit Zhen Schatzjade zu lernen. Auch Schatzjade schien dem zugeneigt.

Als Orchidee Kaufmann sich bald verabschiedete, ließ er den Brief bei Schatzjade. Schatzjade betrachtete den Brief, ging lächelnd ins Innere und gab ihn Moschusmond zur Aufbewahrung. Dann kam er heraus und legte jenen Band des Zhuangzi weg und ließ einige seiner einstigen Lieblingsbücher wie den „Cantong qi", den „Yuanming bao" und den „Wudeng huiyuan" von Mondschein, Herbstgaze, Goldamsel und den anderen wegtragen und beiseite stellen.

Schatzspange fand sein Verhalten höchst bemerkenswert und wollte ihn auf die Probe stellen. Sie fragte lächelnd: „Dass du sie nicht mehr liest, ist vernünftig, aber warum sie wegtragen lassen?" Schatzjade antwortete: „Jetzt ist mir alles klar geworden; diese Bücher taugen nichts. Am liebsten würde ich sie alle verbrennen, um reinen Tisch zu machen." Schatzspange war überaus erfreut. Doch dann hörte sie, wie Schatzjade leise vor sich hin murmelte: „Im Kanon des Inneren steht keine Buddhanatur, Jenseits der Goldenen Elixiere gibt es ein Unsterblichkeitsschiff." Schatzspange hatte nicht genau hingehört, verstand nur „keine Buddhanatur" und „Unsterblichkeitsschiff", und ihr Misstrauen erwachte erneut; sie wollte abwarten, wie er sich weiter verhielt. Schatzjade ließ Mondschein, Herbstgaze und die anderen ein stilles Arbeitszimmer einrichten und suchte die gesammelten Spruchsammlungen, die berühmten Musteraufsätze und die Huldigungsgedichte zusammen, stellte sie im stillen Zimmer auf und begann tatsächlich, in aller Ruhe zu lernen. Erst da beruhigte sich Schatzspange.

Dufthauch war wahrhaftig sprachlos — so etwas hatte sie weder gehört noch gesehen. Sie flüsterte Schatzspange lächelnd zu: „Die gnädige Herrin hat so überzeugend gesprochen, mit nur einer Rede hat sie den Zweiten Herrn zur Einsicht gebracht. Nur schade, dass es ein wenig spät kam, die Prüfung steht unmittelbar bevor." Schatzspange nickte und lächelte leise: „Ruhm und Ehre haben ihre eigene Bestimmung; ob er besteht oder nicht, hängt nicht davon ab, wann er zu lernen begonnen hat. Ich wünsche mir nur, dass er von nun an sein Herz dem rechten Weg zuwendet und die früheren Verirrungen für immer ablegt — das wäre genug." An dieser Stelle, da niemand sonst im Zimmer war, sagte sie leise: „Dass er jetzt bereut und umkehrt, ist sehr gut. Nur eines fürchte ich: Er könnte in seine alte Krankheit von damals zurückfallen und wieder den Umgang mit den Mädchen suchen — auch das wäre nicht gut." Dufthauch erwiderte: „Da hat die Herrin recht. Seit der Zweite Herr dem Mönch glaubt, hat er die Schwestern kalt behandelt; wenn er nun nicht mehr an den Mönch glaubt, fürchte ich wirklich, dass er in die alte Krankheit zurückfällt. Ich denke, um die Herrin und mich kümmert sich der Zweite Herr ohnehin nicht besonders. Purpurkuckuck ist fort; jetzt bleiben nur noch die vier: Unter ihnen hat Fünfchen etwas Verführerisches an sich; ich habe gehört, ihre Mutter habe bei der Ersten Herrin und der Herrin um Erlaubnis gebeten, sie herauszunehmen und zu verheiraten — aber vorerst ist sie noch hier. Mondschein und Herbstgaze haben zwar nichts Schlimmes getan, aber der Zweite Herr hat in jenen Jahren doch allerlei Schabernack mit ihnen getrieben. Wenn ich es recht bedenke, ist nur Goldamsel da, um die sich der Zweite Herr nicht besonders kümmert, und Goldamsel ist auch besonnen. Ich denke, zum Teekochen und Wasserbringen genügt es, wenn Goldamsel mit den kleinen Mädchen aufwartet — was meint die Herrin dazu?" Schatzspange erwiderte: „Genau darüber habe ich auch nachgedacht. Dein Vorschlag ist gut." Von da an wurde Goldamsel bestimmt, mit den kleinen Mädchen aufzuwarten.

Jener Schatzjade verließ fortan sein Zimmer nicht mehr und schickte täglich nur jemanden, um bei Frau König nach ihrem Befinden zu fragen. Als Frau König von seinem Wandel hörte, war ihre Freude unbeschreiblich.

Am dritten Tag des achten Monats war der Todestag der Herzoginmutter. Schatzjade kam morgens zum Kowtau, ging dann zurück und begab sich in sein stilles Arbeitszimmer. Nach dem Essen waren Schatzspange, Dufthauch und die Schwestern bei den Damen Xing und Wang im vorderen Raum und plauderten. Schatzjade saß allein im stillen Zimmer und meditierte in tiefer Versenkung. Da brachte Goldamsel eine Schale mit Melonen und Früchten herein und sagte: „Die gnädige Dame hat sie dem Zweiten Herrn zum Essen geschickt; es sind Opfergaben der Alten Dame." Schatzjade stand auf, sprach seinen Dank aus, setzte sich wieder und sagte: „Stell sie dort hin."

Goldamsel stellte die Früchte ab und flüsterte Schatzjade zu: „Drüben bei der gnädigen Dame lobt man den Zweiten Herrn." Schatzjade lächelte leise. Goldamsel fuhr fort: „Die gnädige Dame hat gesagt: Wenn der Zweite Herr jetzt so fleißig ist und bei der Prüfung besteht, und nächstes Jahr noch den Titel eines Jinshi erlangt und Beamter wird — dann haben der Herr Vater und die gnädige Dame nicht umsonst auf den Zweiten Herrn gehofft." Schatzjade nickte nur und lächelte leise. Da fiel Goldamsel plötzlich ein, wie Schatzjade damals im Garten, als sie für ihn die Pflaumenblüten-Kordeln knüpfte, zu ihr gesagt hatte: „Unser Fräulein wird mich eines Tages in ein Haus mitnehmen, das vom Schicksal gesegnet ist — wer weiß, in welches!" So sagte sie: „Wenn der Zweite Herr wirklich besteht, das wäre doch das Glück unserer Herrin! Erinnert sich der Zweite Herr noch an jenes Jahr im Garten, als er mich bat, die Pflaumenblüten-Kordeln zu knüpfen, und dabei sagte: ‚Unser Fräulein wird mich eines Tages in ein gesegnetes Haus mitnehmen — wer weiß, in welches!' Nun, der Zweite Herr hat doch Glück, nicht wahr?"

Als Schatzjade dies hörte, regte sich erneut sein Staubherz. Rasch sammelte er seine Gedanken und beruhigte seinen Atem, dann sagte er mit leisem Lächeln: „Was du da sagst — ich habe Glück, und euer Fräulein hat auch Glück. Was aber hast du davon?" Goldamsel errötete bis über beide Ohren, lächelte gezwungen und sagte: „Wir Dienstmädchen bleiben unser Leben lang Dienstmädchen — was für ein Glück sollten wir haben?" Schatzjade lächelte: „Wenn du es wirklich schaffst, dein ganzes Leben lang Dienstmädchen zu bleiben, dann hast du ein größeres Glück als wir alle." Goldamsel fand, das klinge wieder wie Wahnsinn, und fürchtete, sie könnte Schatzjades alte Krankheit hervorlocken; sie machte sich bereit zu gehen. Da sagte Schatzjade lächelnd: „Dummes Mädchen, ich will es dir sagen."

Was Schatzjade noch sagte, davon erzählt das nächste Kapitel.


Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.

  1. Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wunderbare Jade". Buddhistische Nonne im Großen Garten.
  2. Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bedauerfrühling". Vierte und jüngste Tochter der Kaufmann-Familie.
  3. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch". Schatzjades erste Kammerzofe.
  4. Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.
  5. Chin. 秋纹 Qiūwén, wörtl. „Herbstmuster". Eine von Schatzjades Zofen.
  6. Chin. 贾兰 Jiǎ Lán, wörtl. „Orchidee Kaufmann". Enkel von Aufrecht Kaufmann, Sohn von Seidenweiß Pflaume.
  7. Chin. 贾环 Jiǎ Huán, wörtl. „Unheil Kaufmann". Schatzjades jüngerer Halbbruder.
  8. Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann". Schatzjades Vater.
  9. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ. Oberhaupt der Kaufmann-Familie, Großmutter von Schatzjade.
  10. Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin". Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.
  11. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix-Glanz". Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.
  12. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kette Kaufmann". Phönixglanz' Ehemann.
  13. Chin. 巧姐 Qiǎojiě, wörtl. „Geschickte Schwester". Tochter von Phönixglanz und Kette Kaufmann.
  14. Chin. 王仁 Wáng Rén. Phönixglanz' Bruder mütterlicherseits.
  15. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén. Ehefrau von Begnadigung Kaufmann.
  16. Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen". Phönixglanz' erste Kammerzofe und Vertraute.
  17. Chin. 甄宝玉 Zhēn Bǎoyù, wörtl. „Wahrer Kostbare Jade". Schatzjades Doppelgänger aus der Familie Echt.
  18. Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng. Sohn von Herrlichkeit Kaufmann.
  19. Chin. 莺儿 Yīng'ér, wörtl. „Goldamsel". Schatzspanges Kammerzofe.