Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 50"

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(DE4 Korrektur-Update Kap. 50)
 
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Kapitel 50
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An der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Gemeinschaftsgedicht
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">[1-10]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">[11-20]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">[21-30]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">[31-40]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_42|<span style="color: #FFD700;">42</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_43|<span style="color: #FFD700;">43</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_44|<span style="color: #FFD700;">44</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_45|<span style="color: #FFD700;">45</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_46|<span style="color: #FFD700;">46</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_47|<span style="color: #FFD700;">47</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_48|<span style="color: #FFD700;">48</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_49|<span style="color: #FFD700;">49</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">'''50'''</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">[51-60]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">[61-70]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">[71-80]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">[81-90]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">[91-100]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">[101-110]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">[111-120]</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
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Im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel
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<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 8px 15px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px; font-size: 0.95em;">
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Es wird erzählt, dass Schatzspange [薛宝钗]<ref>Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.</ref> sagte: „Wir sollten doch eine feste Reihenfolge haben. Lasst mich das aufschreiben.“ Damit ließ sie alle Lose ziehen, um die Abfolge zu bestimmen. Phönixglanz [王熙凤]<ref>Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.</ref> sagte: „Wenn ihr es so macht, möchte ich auch eine Zeile an den Anfang setzen.“ Alle sagten lachend: „Das ist umso besser!“ Schatzspange schrieb über den Namen „Alte Reisduftbäuerin“ noch das Zeichen „Feng“. Frau Li [李纨]<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.</ref> erklärte Phönixglanz das Thema. Phönixglanz überlegte lange und sagte dann lachend: „Lacht mich nicht aus. Ich habe nur eine einzige grobe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“ Alle sagten lachend: „Je gröber, desto besser! Sag sie uns und geh dann ruhig deinen Geschäften nach.“
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_50|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_50|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 50 =
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich dachte mir, wenn es schneit, muss der Nordwind wehen. Letzte Nacht habe ich die ganze Nacht den Nordwind gehört, und so habe ich meine Zeile:
== 五言排律──即每句五字、全诗至少十句(即五联)的律诗。 排律:即由律诗(八句)加以铺排(加长)而成的诗,每首至少十句,多则不限。如下面的联句五言排律长达七十句三十五联(韵)。除首联和尾联外,中间各联的上下联必须对仗,与律诗的要求相同;但也可以隔句对仗,称为“扇对”。排律一般分为五言、七言两种。​ ==
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    ‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht ...‘
=== 二萧韵──即汉字下平声第二韵部,因以“萧”字打头,故称。凡列在此韵部的汉字皆可相互押韵。​ ===
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Geht das?“
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Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar grob, doch sieht man nicht, was danach kommen wird – und gerade das ist die richtige Art, ein Gedicht zu beginnen. Sie ist nicht nur gut, sie lässt auch den Nachfolgenden weiten Raum. So soll sie als Erste stehen. Alte Reisduftbäuerin, schreib sie schnell auf und dichte weiter!“
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Phönixglanz, Tante Li und Friedchen [平儿]<ref>Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.</ref> tranken noch zwei Becher Wein und gingen dann. Frau Li schrieb die Zeile auf und fuhr selbst fort:
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    Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht,
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    und morgens noch wirbeln die Flocken.
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    Im Schmutz der Erde – wie rein doch das Weiß,
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Duftkastanie [香菱]<ref>Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie“. Konkubine von Becken Schnee, ehemals Zhen Heldenlotus.</ref> sprach:
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    wie Jade bedeckt liegt der Boden.
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    Dem welken Gras wird neues Leben geschenkt,
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Erkundefrühling [探春]<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.</ref> fuhr fort:
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    verdorrtes Röhricht trägt neuen Schmuck.
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    Der Preis steigt für ländlichen Wein,
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Prachtamt Pflaume [李綺]<ref>Chin. 李綺 Lǐ Qǐ, Nichte von Frau Li.</ref> setzte hinzu:
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    reiche Ernte füllt herrschaftliche Speicher.
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    Das Messrohr zeigt den Winterbeginn an,
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Muster Pflaume [李紋]<ref>Chin. 李紋 Lǐ Wén, Nichte von Frau Li.</ref> sprach weiter:
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    der Große Wagen hat sich gedreht.
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    Die kalten Berge verloren ihr Grün,
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Xiuyan [岫烟]<ref>Chin. 岫烟 Xiùyān, vollst. 邢岫烟 Xíng Xiùyān. Nichte von Dame Strafe.</ref> ergänzte:
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    der gefrorene Bach liegt reglos und still.
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    Leicht hält der Schnee auf dürren Weidenzweigen,
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Xiangji [史湘云]<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine Nichte der Herzoginmutter, temperamentvoll und fröhlich.</ref> fügte hinzu:
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    doch nicht auf zerrissenen Bananenblättern.
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    Moschuskohle glüht im Bronzegefäß,
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Kostbarzither Schnee [薛宝琴]<ref>Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, jüngere Kusine von Schatzspange, berühmt für ihre Schönheit und Dichtkunst.</ref> machte weiter:
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    in bestickten Ärmeln wärmt goldener Zobel.
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    Sein Glanz beschämt den Spiegel am Fenster,
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Kajaljade [林黛玉]<ref>Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Kajaljade, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.</ref> fiel ein:
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    sein Duft verklebt den Pfeffer an der Wand.
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    Der schiefe Wind bläst immerfort,
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Schatzjade [贾宝玉]<ref>Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.</ref> knüpfte an:
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    reine Träume werden flüchtig und fern.
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    Woher weht der Klang der Pflaumenflöte?
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Schatzspange setzte fort:
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    Wer bläst die jadenem Flöte zu Haus?
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    Die Riesenschildkröte fürchtet, die Erdachse sinke,
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Hier unterbrach Frau Li lächelnd: „Ich gehe nachschauen, ob man euch frischen Wein wärmt.“ Sie trug Kostbarzither Schnee auf fortzufahren, doch Xiangji war bereits aufgestanden:
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    in Schneewolken kämpfen sich Drachen.
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    Einsam ein Boot kehrt zum öden Ufer zurück,
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Nun erhob sich auch Kostbarzither Schnee und sprach:
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    die Reitgerte weist nach der Brücke am Ba-Fluss.
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    Mit Pelzen beschenkt gedenkt man des Grenzheers,
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Xiangji wollte natürlich niemandem nachstehen, und niemand war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen hoch und rief:
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    mit Watte gefüttert gedenkt man der Pflichtarbeit.
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    Hügel und Höhlen unterscheiden sich kaum,
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Schatzspange lobte laut und setzte selbst hinzu:
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    Zweige und Äste fürchten, bewegt zu werden.
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    Schneeweiß trägt jeder leichten Schritt,
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Eilig schaltete Kajaljade sich ein:
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    es tanzt und wirbelt wie schlanke Taille.
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    Gekochte Taro bringt neuen Genuss,
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Dabei stieß sie Schatzjade an und befahl ihm, weiterzumachen. Schatzjade aber war ganz versunken darin, wie Schatzspange, Kostbarzither Schnee und Kajaljade zu dritt mit Xiangji wetteiferten – er fand es überaus unterhaltsam und hatte das Dichten vergessen. Erst als Kajaljade ihn anstieß, setzte er fort:
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    gestreutes Salz erinnert an alte Lieder.
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    Im Schilfmantel sitzt noch der Angler am Fluss,
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Xiangji lachte: „Hör auf, du taugst nichts und hältst uns nur auf!“ Da hörte man Kostbarzither Schnee fortfahren:
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    die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
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    Wie kauernde Elefanten türmen sich Berge,
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Eilig schloss Xiangji an:
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    wie eine gewundene Schlange zieht der Pfad sich fern.
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    Blüten entstehen durch Kälte erst,
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Schatzspange und die anderen lobten laut. Erkundefrühling fuhr fort:
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    ihre Farbe trotzt dem Frost und welkt nicht.
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    Im tiefen Hof erschrecken frierende Spatzen,
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Während Xiangji durstig nach ihrem Tee griff, sagte Xiuyan schon:
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    im leeren Gebirge weint ein alter Kauz.
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    Die Flocken tanzen treppauf, treppab,
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Eilig stellte Xiangji die Teeschale ab und setzte fort:
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    sie treiben im Teich auf und nieder.
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    Strahlend glänzen sie im frühen Morgenrot,
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Kajaljade fuhr fort:
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    verschwenderisch fallen sie in die lange Nacht.
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    Die Treue vergisst die Kälte von drei Fuß Eis,
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Lachend sagte Xiangji rasch:
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    guter Schnee vertreibt des Herrschers Sorgen.
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    Erstarrt auf dem Lager – wer fragt nach dem Armen?
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Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:
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    lustwandelnd freut sich der Reisende.
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    Der Himmelswebstuhl zerschneidet weiße Bänder,
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Wieder rief Xiangji eilig:
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    im Luftspiegelungsmeer ging das Meerseidentuch verloren.
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Kajaljade ließ Xiangji keine Zeit und sprach sogleich:
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    Einsam blickt man auf Terrassen und Hallen,
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Eilig fuhr Xiangji fort:
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    in schlichter Armut denkt man an Reisschale und Kürbisflasche.
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Auch Kostbarzither Schnee gab nicht nach und sagte sofort:
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    Das Eis im Kessel beginnt zu kochen für den Tee,
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Xiangji fand großes Vergnügen daran und rief lachend:
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    doch nur schwer will das Laub im Ofen brennen.
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Kajaljade sagte ebenfalls lachend:
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    Keinen Besen hat der Mönch in den Bergen,
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Kostbarzither Schnee lachte auch:
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    im Schnee vergraben gräbt das Kind nach der Zither.
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Xiangji krümmte sich vor Lachen und murmelte eine Zeile. Die anderen fragten: „Was hast du gesagt?“ Xiangji rief laut:
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    Am Steinturm schläft friedlich der Kranich,
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Kajaljade hielt sich lachend die Brust und schrie:
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    auf weichem Teppich wärmt sich die Katze.
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Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:
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    Im Mondschein türmen sich silberne Wogen,
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Xiangji setzte schnell fort:
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    in Wolken verbirgt sich die rote Burg.
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Lachend deklamierte Kajaljade:
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    Der Pflaumenduft dringt durch den Schnee, zum Kauen zart,
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Schatzspange lobte und schloss sofort an:
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    der Bambus im Regen klingt wie betrunken.
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Kostbarzither Schnee sprach ebenfalls eilig:
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    Den Brautentengurt benetzt der Schnee,
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Xiangji setzte rasch fort:
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    am Eisvogelschmuck gefriert der Reif.
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Kajaljade fuhr fort:
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    Auch ohne Wind weht es sanft und still,
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Lachend ergänzte Kostbarzither Schnee:
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    auch ohne Regen rauscht es unaufhörlich.
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Xiangji hatte sich vor Lachen nach vorn geworfen. Die anderen hatten es längst aufgegeben mitzudichten und beobachteten nur noch lachend, wie die drei sich gegenseitig überboten. Kajaljade stieß Xiangji an, damit sie weitermache, und sagte: „Dein Talent ist wohl erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch leisten kann!“ Doch Xiangji warf sich in Schatzspanges Arme und konnte nicht aufhören zu lachen. Schatzspange schob sie hoch und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann verbrauche alle Reime der Xiao-Reimgruppe, dann erst gebe ich mich geschlagen!“
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Lachend erhob sich Xiangji und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr – ich kämpfe ums Überleben!“
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Die anderen sagten lachend: „Dann sag du es uns.“
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Erkundefrühling, die längst eingesehen hatte, dass sie keinen Beitrag mehr würde leisten können, hatte alle Verse niedergeschrieben und machte nun darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluss.“ Frau Li nahm ihr die Blätter aus der Hand und bildete die nächste Zeile:
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    Heutige Freuden im Vers festhalten,
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Prachtamt Pflaume schloss ab:
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    die Urkaiser Shun und Yao im Gedicht verehren.
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Frau Li sagte: „Genug, genug! Auch wenn die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist – die übrigen Silben gewaltsam zu verwenden, würde das Gedicht nur verderben.“
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Alle gingen das Gedicht sorgfältig durch. Da Xiangji die meisten Zeilen beigesteuert hatte, sagten alle lachend: „Das ist ganz dem Hirschfleisch zu verdanken.“
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Frau Li sagte lächelnd: „Wenn man es Zeile für Zeile beurteilt, ist alles wie aus einem Guss – nur Schatzjades Beitrag fällt wieder ab.“ Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich kann nun einmal keine Gemeinschaftsgedichte. Ihr müsst mir das nachsehen.“
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Frau Li sagte lächelnd: „Wir können dir doch nicht bei jeder Sitzung etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim sei zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren Fehler eingebaut, und jetzt verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute wirst du bestraft! Vorhin habe ich gesehen, wie schön die roten Pflaumenbäume im Kloster Gefangenes Grün [栊翠庵] blühen. Ich möchte einen Zweig davon für meine Vase. Aber Wunderjade [妙玉]<ref>Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wundersame Jade“. Eine buddhistische Nonne, die im Kloster Gefangenes Grün im Garten lebt.</ref> ist mir in ihrem Wesen zuwider, und ich lasse sie deswegen links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“
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Alle fanden die Strafe zugleich elegant und unterhaltsam. Auch Schatzjade nahm sie gern auf sich und wollte gleich losgehen. Doch Xiangji und Kajaljade sagten beide: „Draußen ist es eiskalt. Trink erst einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“
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Xiangji griff sofort nach der Kanne, und Kajaljade reichte einen großen Becher, den Xiangji bis zum Rand füllte. Xiangji sagte lachend: „Wenn du unseren Wein trinkst und dann keinen Zweig bringst, wird deine Strafe verdoppelt!“ Rasch leerte Schatzjade den Becher und stapfte durch den Schnee davon.
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Frau Li wollte jemanden mitschicken, doch Kajaljade hielt sie eilig zurück: „Nicht nötig, mit einer Begleitung würde er ihn nicht bekommen.“ Frau Li nickte und sagte: „Da hast du recht.“ Dann befahl sie den Dienstmädchen, eine Vase in Mädchenschulterform zu holen und mit Wasser zu füllen, damit der Zweig hineingestellt werden könne. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Schatzjade zurück ist, sollten wir die roten Pflaumenblüten besingen.“
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Sogleich rief Xiangji: „Ich mache als Erste ein Gedicht!“ Aber Schatzspange widersprach sofort: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall noch mehr zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die anderen nicht zum Zuge kommen lassen – das ist doch langweilig. Wenn Schatzjade zurück ist, soll er zur Strafe allein eins dichten. Er sagte ja, er könne keine Gemeinschaftsgedichte – nun soll er eben allein dichten.“
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Kajaljade lachte: „Das stimmt. Und ich habe noch eine weitere Idee: Das Gemeinschaftsgedicht war nicht genug, also lasst diejenigen, die am wenigsten beigetragen haben, über die roten Pflaumenblüten dichten.“
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Schatzspange stimmte zu: „Genau richtig! Höhlennebel Strafe und die Li-Schwestern haben ihr Talent nicht zeigen können, und sie sind zudem unsere Gäste. Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji haben sich so viel genommen – wir alle sollten nicht weiterdichten und es ganz diesen dreien überlassen.“
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Frau Li wandte ein: „Prachtamt Pflaume dichtet nicht so gut, lasst lieber Kostbarzither Schnee an ihrer Stelle schreiben.“ Dem musste Schatzspange sich fügen. Dann schlug sie vor: „Als Reime nehmen wir die drei Schriftzeichen ‚Hong‘ – Rot, ‚Mei‘ – Pflaume und ‚Hua‘ – Blüte. Jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht: Höhlennebel Strafe auf den Reim ‚Hong‘, Muster Pflaume auf den Reim ‚Mei‘ und Kostbarzither Schnee auf den Reim ‚Hua‘.“
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Frau Li protestierte: „Schatzjade einfach so davonkommen zu lassen, damit bin ich nicht einverstanden.“ Eilig schaltete Xiangji sich ein: „Ich habe ein gutes Thema für ihn!“ Alle wollten wissen, welches. Xiangji sagte: „Er soll über ‚Besuch bei Wunderjade mit der Bitte um einen roten Pflaumenzweig‘ dichten – wäre das nicht köstlich?“ Alle sagten: „Das ist köstlich!“
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Kaum war das Wort gefallen, da kam Schatzjade strahlend mit einem Zweig roter Pflaumenblüten auf der Schulter herein. Die Dienstmädchen nahmen ihn sofort entgegen und stellten ihn in die Vase. Alle bedankten sich lachend. Schatzjade sagte lachend: „Bewundert ihn jetzt nur – ihr wisst ja nicht, wie viel Mühe es mich gekostet hat!“ Während er das sagte, reichte ihm Erkundefrühling schon einen Becher gewärmten Wein, und die Mädchen kamen herbei, ihm Cape und Hut abzunehmen und den Schnee abzubürsten. Aus jedem Haushalt wurden zusätzliche Kleidungsstücke gebracht, und auch Dufthauch [袭人]<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> hatte jemanden mit einer halbneuen Fuchsklauenjacke geschickt.
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Frau Li befahl, einen Teller mit gedämpften großen Taroknollen aufzutragen sowie zwei weitere Teller mit roten Mandarinen, goldgelben Orangen und Oliven, und ließ sie Dufthauch bringen.
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Xiangji berichtete Schatzjade eilig von den Gedichtthemen und drängte ihn, schnell zu schreiben. Schatzjade bat: „Liebe Schwestern, lasst mich den Reim selbst wählen, anstatt ihn festzulegen.“ Alle sagten: „Mach, wie du willst.“
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Dabei bewunderten alle den Pflaumenzweig. Er war nur etwa zwei Fuß hoch, aber ein Seitenast ragte kreuz und quer hervor, wohl fünf bis sechs Fuß lang. Kleinere Zweige sprossen davon ab – manche gewunden wie verschlungene Drachen, manche starr wie erstarrte Würmer, manche einsam und dünn wie ein Pinsel, manche dicht gedrängt wie ein Wäldchen. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, und ihr Duft übertraf selbst Orchideen. Alle waren voll des Lobes.
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Unterdessen hatten Höhlennebel Strafe, Muster Pflaume und Kostbarzither Schnee ihre Gedichte bereits fertig und schrieben sie nieder. Die anderen lasen sie in der Reihenfolge der Reime „Rot“, „Pflaume“ und „Blüte“. Sie lauteten:
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Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Rot“
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Höhlennebel Strafe
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    Noch blüht kein Pfirsich, keine Aprikose rot,
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    schon lacht sie im Ostwind trotz Frost und Kälte.
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    Im Geiste fliegt die Seele zum Gipfel von Yu,
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    getrennt durch Morgenrot träumt man von Luofu.
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    Grüne Kelche geschmückt wie mit leuchtenden Kerzen,
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    wie berauschte Geister auf verblasstem Regenbogen.
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    Nein, dies ist keine gewöhnliche Farbe –
 +
    in Eis und Schnee blüht sie, bald zart, bald tief.
 +
 
 +
Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Pflaume“
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Muster Pflaume
 +
 
 +
    Nicht weiße Pflaumen will ich besingen, sondern rote,
 +
    die prangend als Erste dem trunkenen Blick sich bieten.
 +
    Das frostbleiche Antlitz trägt Spuren wie Blut,
 +
    das bittere Herz, selbst ohne Groll, zerfällt zu Asche.
 +
    Ein Elixier verlieh ihr wahrer Knochen Wandlung,
 +
    vom Jadeteich stieg sie herab in neuem Leib.
 +
    Im Norden wie Süden – der Frühling strahlt,
 +
    den Bienen und Faltern sei gesagt: Zweifelt nicht!
 +
 
 +
Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Blüte“
 +
Xue Kostbarzither Schnee
 +
 
 +
    Spärlich die Zweige, doch üppig die Blüte,
 +
    ein Frühlingsfest, als wetteiferten Mädchen im Putz.
 +
    Im stillen Hof bleibt kein Rest von Schnee,
 +
    über Fluss und Bergen schwebt Abendrot.
 +
    Kühle Träume folgen dem Flötenklang,
 +
    wie Feenduft treibt ein Floß auf dem Purpurfluss.
 +
    Einst stand dieser Baum auf der Jadeplattform –
 +
    wie sonst hätte er solche Blütenpracht!
 +
 
 +
Alle lobten die Gedichte lächelnd und meinten, das letzte sei das beste. Schatzjade war zutiefst erstaunt über Kostbarzither Schnees wachen Geist, war sie doch die Jüngste. Kajaljade und Xiangji füllten gemeinsam einen kleinen Becher mit Wein und reichten ihn Kostbarzither Schnee als Glückwunsch. Schatzspange sagte lächelnd: „Jedes der drei Gedichte hat seine eigenen Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag an mir abgearbeitet, jetzt nehmt ihr euch wohl sie vor.“
 +
 
 +
Frau Li fragte Schatzjade: „Hast du dein Gedicht fertig?“ Schatzjade erwiderte eilig: „Ich hatte schon etwas, aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Lasst mich nachdenken!“
 +
 
 +
Als Xiangji das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und sagte lachend: „Ich schlage die Trommel! Wenn beim letzten Trommelschlag nichts fertig ist, wird die Strafe verdoppelt!“ Schatzjade lachte: „Ich hab es schon.“
 +
 
 +
Kajaljade nahm den Pinsel und sagte: „Sprich, ich schreibe.“ Xiangji schlug einmal zu und rief lachend: „Der erste Schlag!“ Schatzjade sagte lachend: „Fertig! Schreib nur.“ Alle hörten ihn sprechen:
 +
 
 +
    Noch ehe der Wein fließt, noch ehe der Vers geformt,
 +
 
 +
Kajaljade schrieb und schüttelte lachend den Kopf: „Der Anfang ist mittelmäßig.“ Xiangji drängte: „Schnell!“ Schatzjade fuhr lächelnd fort:
 +
 
 +
    such ich den Frühling und frag den Winter im Feenland Penglai.
 +
 
 +
Kajaljade und Xiangji nickten lächelnd: „Das hat schon etwas.“ Schatzjade sprach weiter:
 +
 
 +
    Nicht Tau aus der Guanyin-Flasche begehre ich,
 +
    nur einen Zweig erbitt ich vor der Göttin Tor.
 +
 
 +
Kajaljade schrieb und schüttelte wieder den Kopf: „Ein Zufallstreffer.“ Xiangji trieb mit dem zweiten Trommelschlag zur Eile. Schatzjade deklamierte lächelnd weiter:
 +
 
 +
    Blutroten Schnee trag ich kühn aus der Welt der Stille,
 +
    Purpurwolken reiß ich heraus und kehr ins Menschenreich.
 +
    Den Hagern im Dichtermantel, wen dauert's, dass er friert?
 +
    Noch klebt am Kleid das grüne Moos vom Tempelgrund.
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Kaum hatte Kajaljade zu Ende geschrieben und alle wollten das Gedicht besprechen, da stürmten ein paar Dienstmädchen herein und meldeten: „Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.</ref> kommt!“
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Alle eilten hinaus, um sie zu empfangen, und sagten lächelnd: „Was hat sie nur für gute Laune!“ Von fern erblickten sie die Herzoginmutter [贾母], die in einen weiten Umhang gehüllt, mit einer warmen Mütze aus Graufeh auf dem Kopf, in einem kleinen Bambustragstuhl saß und einen Regenschirm aus blauer Ölseide hielt. Neben ihr gingen Mandarinenente [鸳鸯]<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.</ref>, Hupo [琥珀]<ref>Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.</ref> und fünf oder sechs weitere Dienstmädchen, jede mit einem Schirm, und begleiteten den Tragstuhl.
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Frau Li und die anderen wollten ihr entgegeneilen, doch die Herzoginmutter schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ausrichten: „Bleibt, wo ihr seid.“ Als sie herankam, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Ich bin heimlich hergekommen, ohne eurer Herrin und Phönixglanz etwas zu sagen. Im tiefen Schnee in diesem Stuhl zu sitzen, macht mir nichts aus – aber warum sollten die beiden sich durch den Schnee quälen?“
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Alle gaben ihr recht, stürzten herbei, nahmen ihr den Umhang ab und stützten sie beim Aussteigen. Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als Erstes lachend: „Was für herrliche Pflaumenblüten! Ihr versteht es, euch zu vergnügen – da bin ich hier gerade richtig!“ Während sie das sagte, ließ Frau Li sogleich ein großes Wolfsfell bringen und in der Mitte des Ofenbetts ausbreiten. Die Herzoginmutter setzte sich und sagte lächelnd: „Macht nur weiter mit Plaudern, Lachen, Essen und Trinken. Weil die Tage jetzt kurz sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr. Ich habe ein Weilchen Domino gespielt, dann bin ich auf euch gekommen und hergekommen, um meinen Spaß zu haben.“
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Frau Li reichte ihr sofort ein Handöfchen, und Erkundefrühling brachte ein eigenes Paar Becher und Essstäbchen, goss eigenhändig gewärmten Wein ein und reichte ihn der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter trank einen Schluck und fragte: „Was ist das dort auf dem Teller?“ Alle reichten ihn ihr rasch und erklärten: „Marinierte Wachteln.“ Die Herzoginmutter sagte: „Die mag ich. Reißt mir ein, zwei Keulchen davon ab.“ Frau Li antwortete sofort, ließ sich Wasser zum Händewaschen bringen und zerlegte das Geflügel eigenhändig.
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„Setzt euch wieder hin und unterhaltet euch, ich höre zu“, forderte die Herzoginmutter sie auf. Zu Frau Li sagte sie: „Auch du, setz dich hin! Macht es genau so, als wäre ich nicht gekommen – sonst gehe ich wieder.“ Alle setzten sich der Rangfolge gemäß, nur Frau Li rückte auf den untersten Platz.
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Die Herzoginmutter fragte, was sie getrieben hätten, und sie antworteten: „Gedichte.“ Die Herzoginmutter sagte: „Statt Gedichte zu machen, solltet ihr lieber Laternenrätsel ersinnen, damit wir im Neujahrsmonat etwas zum Vergnügen haben.“ Alle stimmten zu.
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Nach einer Weile Plauderei sagte die Herzoginmutter: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, sonst schadet es euch.“ Dann fügte sie hinzu: „Bei eurer vierten Schwester ist es wärmer. Gehen wir hinüber und schauen, wie weit sie mit ihrem Bild ist. Wird sie es bis Neujahr fertig haben?“
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Alle sagten lachend: „Bis Neujahr? Vielleicht bis zum Drachenbootfest im nächsten Jahr!“ Die Herzoginmutter rief: „Ist das die Möglichkeit! Dann braucht sie ja länger, als es gedauert hat, diesen Garten zu bauen!“
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Damit nahm sie wieder in ihrem Bambustragstuhl Platz. Alle begleiteten sie, und sie kamen am Lotoswurzelkiosk vorbei, dann in einen ummauerten Gang, der im Osten und Westen jeweils in einem Straßentor endete. An jedem Torgebäude waren innen und außen Steinplatten mit Inschriften eingelassen. Das Westtor, durch das sie jetzt gingen, trug außen die Zeichen „Durch die Wolken“ und innen „Über den Mond“.
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In der Mitte des Gangs traten sie durch das nach Süden weisende Haupttor ein. Die Herzoginmutter stieg aus dem Tragstuhl, und Bedauerfrühling [惜春]<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.</ref> kam ihr schon entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie zu Bedauerfrühlings Schlafgemach, über dessen Tür die drei Zeichen „Gehege der Warmen Düfte“ [暖香坞] prangten. Schon schlugen mehrere Hände den scharlachroten Filzvorhang zurück, und ein warmer Duft schlug ihnen entgegen.
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Alle traten ein. Die Herzoginmutter dachte nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“ Bedauerfrühling erwiderte lächelnd: „Bei dieser Kälte gerinnt die Leimfarbe und wird spröde. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, und habe es daher weggeräumt.“
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Aber zu Neujahr will ich es haben. Mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“
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Kaum hatte sie ausgesprochen, da trat plötzlich Phönixglanz lachend herein. Sie trug eine purpurne Lammfelljacke. „Alte Ahne, Ihr geht einfach weg, ohne einem Menschen etwas zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ sagte sie.
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Die Herzoginmutter, natürlich erfreut über ihr Kommen, erwiderte: „Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, und habe deshalb nicht erlaubt, euch Bescheid zu sagen. Du bist wirklich ein Schlaufuchs, dass du mich gefunden hast. Aber eigentlich gehört das gar nicht zur kindlichen Ehrerbietung.“
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Phönixglanz erwiderte lachend: „Ehrerbietung hat mich ja gar nicht hergetrieben! Als ich in Eure Gemächer kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Mädchen, aber die wollten nichts sagen und schickten mich in den Garten. Während ich noch rätselte, kamen plötzlich zwei, drei Nonnen, und da wurde mir alles klar: Die Nonnen bringen doch die Neujahrsgebete und wollen die Jahreszuwendungen und Weihrauchgelder abholen. Ihr habt zum Jahresende viel um die Ohren und wolltet Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken. Also fragte ich sofort die Nonnen – und tatsächlich hatte ich recht. Ich gab ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um zu melden: Die Gläubiger sind weg, Ihr braucht Euch nicht länger zu verstecken! Außerdem ist ein zarter junger Fasan für Euch zubereitet. Bitte kommt zum Abendessen – wenn Ihr noch wartet, wird er zäh und trocken.“
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Während sie so sprach, lachten alle.
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Phönixglanz wartete gar keine Antwort der Herzoginmutter ab, sondern befahl, den Tragstuhl zu bringen. Lächelnd stieg die Herzoginmutter ein, von Phönixglanz gestützt. Von allen begleitet und unter Plaudern und Lachen verließen sie den Gang durch das Osttor. Ringsum war alles wie weiß gepudert und aus Silber gegossen.
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Plötzlich erblickten sie Kostbarzither Schnee, die in ihrem Wildentenfeder-Umhang auf dem Berghang stand und wartete. Hinter ihr hielt ein Dienstmädchen eine Vase mit einem roten Pflaumenzweig. Alle sagten lachend: „Deshalb also fehlten die beiden – sie hat sich auch einen Zweig geholt und wartet hier auf uns.“
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Die Herzoginmutter rief voller Freude: „Seht nur – das Mädchen auf dem Berghang, in dieser Kleidung, und dahinter die Pflaumenblüten – woran erinnert euch das?“ Alle sagten lächelnd: „An Qiu Yings ‚Bild der Zwei Schönheiten‘ [Anm.: Qiu Ying (仇十洲), berühmter Maler der Ming-Dynastie], das in Euren Gemächern hängt.“
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Die Herzoginmutter schüttelte lächelnd den Kopf: „Die auf dem Bild hat nicht solche Kleider an. Und so schön ist sie auch nicht!“ Kaum hatte sie das gesagt, erschien hinter Kostbarzither Schnee eine Gestalt in einem großen scharlachroten Filzumhang. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ fragte die Herzoginmutter. Alle lachten: „Wir sind doch alle hier – das ist Schatzjade.“ Die Herzoginmutter seufzte lächelnd: „Meine Augen werden immer schlechter.“
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Als sie herankamen, waren es tatsächlich Kostbarzither Schnee und Schatzjade. Schatzjade wandte sich lächelnd an Schatzspange, Kajaljade und die anderen: „Ich war eben noch einmal im Kloster Gefangenes Grün. Wunderjade schenkt jeder von euch einen Zweig Pflaumenblüten. Ich habe sie schon austragen lassen.“
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Alle sagten strahlend: „Vielen Dank für die Mühe!“
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Über diesem Gespräch hatten sie den Garten bereits verlassen und waren in den Gemächern der Herzoginmutter angelangt. Nach dem Essen plauderte man noch eine Weile, als plötzlich Tante Schnee [薛姨妈]<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.</ref> erschien.
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„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Den ganzen Tag bin ich nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, gnädige Frau. Seid Ihr heute nicht in Stimmung? Eigentlich solltet Ihr den Schnee bewundern.“ Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Warum nicht in Stimmung? Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“
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Tante Schnee sagte lächelnd: „Gestern Abend hatte ich schon vor, unsere gnädige Frau zu bitten, mir heute den Garten für einen Tag zu überlassen, um ein paar bescheidene Tische aufzustellen und Euch einzuladen, den Schnee zu bewundern. Aber dann hörte ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte mir, Ihr fühltet Euch nicht ganz wohl. Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu stören. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich Euch einladen sollen.“
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Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Das ist doch erst der erste Schnee im zehnten Monat. Es wird noch öfter schneien – da ist es nicht zu spät, dann Geld auszugeben.“ Tante Schnee lachte: „Wenn dem so ist, wird meine kindliche Ehrerbietung noch aufrichtiger.“
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Phönixglanz sagte lachend: „Passt nur auf, dass Ihr es nicht vergesst, Frau Tante. Am besten wiegt Ihr gleich fünfzig Liang Silber ab und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es schneit, richte ich alles her – so müsst Ihr Euch nicht kümmern und könnt es auch nicht vergessen.“
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Die Herzoginmutter lachte: „Wenn es so ist, dann gebt ihr die fünfzig Liang Silber, Frau Tante, und ich teile mit ihr – jeder fünfundzwanzig. Wenn es dann schneit, tue ich so, als wäre mir nicht wohl, und die Sache verläuft im Sande. Ihr habt gar keine Umstände, aber Phönixglanz und ich haben einen echten Gewinn.“
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Phönixglanz klatschte lachend in die Hände: „Herrlich! Ganz mein Gedanke!“ Alle lachten.
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Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Sofort kletterst du an der Stange hoch, die man dir hinhält! Dabei solltest du sagen: Die Frau Tante ist unser Gast, bei uns muss sie sich ohnehin einschränken, da müssten wir sie einladen – wie können wir sie Geld ausgeben lassen! Statt so zu reden, besitzt du noch die Frechheit, im Voraus fünfzig Liang zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham!“
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Phönixglanz erwiderte lachend: „Unsere alte Ahne hat wahrlich einen scharfen Blick! Sie wollte es nur ausprobieren. Wäre die Frau Tante nachgiebig gewesen und hätte die fünfzig Liang herausgerückt, hätte sie mit mir geteilt. Aber weil absehbar war, dass es nicht klappt, machte sie eine Kehrtwende und hat mich mit großen Reden abgekanzelt. Nun verlange ich auch kein Silber mehr von der Frau Tante, sondern gebe ihr welches, damit sie ein Essen für Euch ausrichtet, alte Ahne. Außerdem überreiche ich Euch noch fünfzig Liang als Strafe dafür, dass ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“
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Sie hatte noch nicht ausgeredet, da warfen sich alle vor Lachen aufs Ofenbett.
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Dann sprach die Herzoginmutter darüber, wie Kostbarzither Schnee im Schnee mit dem Pflaumenzweig aufgetaucht war und dabei schöner ausgesehen habe als ein Bild. Anschließend wollte sie genau die acht Zeichen für Geburtsjahr, -monat, -tag und -stunde wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.
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Tante Schnee ahnte, dass die Herzoginmutter die Absicht hatte, Kostbarzither Schnee mit Schatzjade zu verheiraten. Im Grunde wäre sie einverstanden gewesen, doch Kostbarzither Schnee war bereits mit dem Sohn der Meis verlobt. Da die Herzoginmutter sich noch nicht offen geäußert hatte, konnte auch sie nicht direkt darauf eingehen und wählte einen Umweg.
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„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie viel von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern bereist. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er überall Handel trieb, verbrachte die Familie mal hier ein Jahr, mal dort ein halbes Jahr, so dass sie fünf oder sechs Zehntel des ganzen Reiches gesehen haben. Damals hat er sie hier mit dem Sohn des Akademikers Mei verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf ist er gestorben. Ihre Mutter leidet zudem an Schwindsucht...“
  
„Nein“, entgegnete Bau-tschai, „wir wollen doch eine Reihenfolge festlegen!“
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„Wie schade!“ fiel Phönixglanz ihr ins Wort, noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte, und stampfte seufzend mit dem Fuß auf. „Gerade wollte ich als Heiratsvermittlerin auftreten, und nun ist sie schon verlobt!“
Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen.
 
50. In der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Dichten,
 
im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel.
 
  
Bau-tschai hatte also gesagt: „Wir wollen doch eine Reihenfolge festlegen, ich schreibe sie auf!Und damit ließ sie jeden ein Los ziehen, um so die Abfolge zu bestimmen. Erste wurde Li Wan, dann kamen die anderen.
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Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Für wen wolltest du denn werben?“ Phönixglanz erwiderte: „Fragt nicht danach, alte Ahne! In meinem Herzen wusste ich genau, dass die beiden ein Paar wären. Aber da sie schon verlobt ist, hat es keinen Sinn mehr, darüber zu reden. Lassen wir es.
„Wenn ihr es so macht, werde ich auch eine Zeile sagen, die ihr an den Anfang stellen könnt“, schlug Hsi-fëng jetzt vor.
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„Das ist um so besser“, erklärten die anderen lächelnd, und Bau-tschai setzte vor den Namen Alte Reisduftbäuerin noch das Schrifzeichen fëng.
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Die Herzoginmutter wusste, wen Phönixglanz gemeint hatte. Als sie hörte, dass Kostbarzither Schnee bereits vergeben war, ließ sie das Thema fallen.
Li Wan nannte Hsi-fëng das Thema, und nach langem Nachdenken sagte Hsi-fëng lächelnd: „Ihr dürft mich nicht auslachen, ich habe nur eine einzige plumpe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“
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„Je plumper, desto besser“, versicherten die anderen lächelnd. „Sag sie uns, und dann geh dich nur wieder um ernsthafte Dinge kümmern!“
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Man plauderte noch eine Weile, dann löste sich die Gesellschaft auf. Über die Nacht gibt es nichts zu berichten.
„Ich denke, wenn es schneit, muß Nordwind sein“, sagte Hsi-fëng lächelnd, „und die ganze Nacht über habe ich ihn gehört, darum ist meine Zeile:
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‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht, ...‘
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Am nächsten Tag hatte es aufgeklart. Nach dem Essen ermahnte die Herzoginmutter persönlich Bedauerfrühling: „Egal ob es kalt oder warm ist, mal einfach weiter und werde bis Neujahr fertig. Wenn es wirklich gar nicht geht, dann eben nicht. Aber das Allerwichtigste ist: Kostbarzither Schnee mit dem Mädchen und den Pflaumenblüten von gestern musst du haargenau so, wie wir es gesehen haben, ohne einen einzigen Fehler, schnell auf das Bild bringen.
Geht das?“
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Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar plump, und man sieht nicht, wie es weitergehen soll, aber das ist gerade der richtige Anfang für so ein Gedicht. Darum ist die Zeile nicht nur gut, sie läßt auch den andern weiten Raum, und so soll sie am Anfang stehen. Schreib sie rasch auf, Alte Reisduftbäuerin, und dichte weiter!
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Bedauerfrühling war zwar in Verlegenheit, aber sie musste es versprechen. Als bald darauf alle kamen, um ihr beim Malen zuzuschauen, saß Bedauerfrühling nur da und blickte geistesabwesend vor sich hin.
Hsi-fëng, Tante Li und Ping-örl tranken noch ein paar Becher Wein, dann gingen sie ihrer Wege. Li Wan aber schrieb die Zeile auf und führte dann weiter:
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„Auch am Morgen noch wirbeln die Flocken.
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Frau Li sagte lächelnd zu den anderen: „Lasst sie in Ruhe nachdenken. Wir unterhalten uns inzwischen. Gestern hat die Herzoginmutter befohlen, wir sollten Laternenrätsel machen. Als ich dann mit Prachtamt Pflaume und Muster Pflaume zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich zwei Rätsel aus den ‚Vier Büchern‘ [Anm.: Die Vier Bücher – Lunyu, Mengzi, Daxue und Zhongyong – Grundtexte des Konfuzianismus] erdacht, und die beiden auch, jede zwei.“
Bejammernswert diese Reinheit im Schmutz, ...“
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Hsiang-ling setzte hinzu:
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Alle sagten: „Das ist genau das Richtige. Sag sie uns, wir raten!“ Frau Li sagte lächelnd: „‚Die Göttin Guanyin hat keine Familienchronik.‘ Zu erraten ist eine Stelle aus den Vier Büchern.
„Wie mit Jade bedeckt ist der Boden.
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Welke Gräser werden von neuem getränkt, ...“
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Xiangji rief sofort: „‚Am Höchsten Guten innehalten‘!“ [Anm.: 在止于至善, aus dem Daxue] Doch Schatzspange sagte lächelnd: „Denk erst darüber nach, was ‚Familienchronik‘ bedeutet, bevor du rätst.“ Frau Li sagte: „Überleg noch einmal.“ Kajaljade lachte: „Ah, ich hab's! Es ist: ‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“ [Anm.: 虽善无征, aus dem Zhongyong – Guanyin ist gütig (善), hat aber als Gottheit keine irdische Familiengeschichte als „Beweis“ (征)]
Tan-tschun schloß an:
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„Wie geschmückt steht das trockene Röhricht.
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Alle sagten: „Das ist die richtige Stelle.“
Teuer bezahlt man jetzt ländlichen Wein, ...“
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Li Tji fuhr fort:
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Frau Li sagte weiter: „‚Ein Teich voll grünem Gras – wie heißt das Gras?‘ Das ist ebenfalls aus den Vier Büchern.“ Xiangji rief eilig: „Das muss ‚Schilf und Rohr‘ sein [Anm.: 蒲芦也, aus den Vier Büchern – Schilf, das im Wasser wächst]. Oder etwa nicht?
„Reich sind mit Korn gefüllt nun die Speicher.
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Schon zeigt das Meßrohr den Winter uns an , ...
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Frau Li sagte lächelnd: „Das hast du richtig erraten. Muster Pflaumes Rätsel ist: ‚Wasser fließt am Stein vorbei und wird kalt.‘ Zu erraten ist der Name einer Person aus alter Zeit.“ Erkundefrühling fragte lachend: „Ist es Shan Tao?“ [Anm.: 山涛 – „Berg-Welle“, wobei 山 = Stein/Berg und 涛 = Welle/fließendes Wasser kalt]
Li Wën sprach weiter:
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„Auf dem Kopf steht der Himmlische Wagen .
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Muster Pflaume bestätigte lächelnd: „Ja, richtig.“
Die Berge ziert nicht mehr der Pflanzen Grün, ...“
+
 
Hsiu-yän ergänzte:
+
Frau Li fuhr fort: „Prachtamt Pflaumes Rätsel ist das Zeichen ‚Glühwürmchen‘. Zu erraten ist ein einzelnes Schriftzeichen.“ Alle rätselten lange, bis Kostbarzither Schnee lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Zeichen ‚hua‘ – Blume?“ [Anm.: 花]
„Der Bach unterm Eis liegt reglos und starr.
+
 
Leicht hält sich der Schnee am Weidengezweig, ...“
+
Prachtamt Pflaume bestätigte lächelnd: „Genau richtig.“
Hsiang-yün fügte hinzu:
+
 
„Nicht so leicht auf Bananenblattfetzen.
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Die anderen fragten: „Was haben Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ Kajaljade erklärte lächelnd: „Das ist höchst scharfsinnig! Glühwürmchen sind doch, wie das Zeichen ‚hua‘ besagt, ‚aus Gras verwandelt‘.“ [Anm.: Das Zeichen 花 (hua = Blüte) enthält das Radikal 艹 (Gras) und 化 (verwandeln). Nach alter chinesischer Vorstellung entstehen Glühwürmchen (萤 = ying) durch Verwandlung (化) aus Gras (草).]
Duftende Kohle im Ofen verglüht, ...“
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Bau-tjin machte weiter:
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Alle verstanden und sagten lachend: „Gut!“
„Wärmender Zobel die Ärmel umhüllt.
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Der Glanz beschämt selbst den Spiegel, so hell, ...
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Schatzspange wandte ein: „Die Rätsel sind zwar gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der Herzoginmutter. Wir sollten lieber einfache, alltagsnahe Dinge nehmen, an denen Edle wie Einfache gleichermaßen Freude haben können.
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Alle stimmten zu: „Ja, vertraute Alltagsdinge müssen es sein.“
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Xiangji meldete sich lachend: „Ich habe eins nach dem Lied-Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘ [Anm.: 点绛唇, ein Ci-Tonmuster] gedichtet. Es ist etwas ganz Gewöhnliches – versucht es zu raten!“ Und sie rezitierte:
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    Den Tälern und Bächen entrissen,
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    tollt es durch den Staub dieser Welt.
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    Doch was für ein Sinn?
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    Ruhm und Reichtum sind nur eitel,
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    hinten folgt nichts mehr nach.
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Niemand konnte es lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch, andere meinten einen daoistischen Priester, wieder andere eine Marionette. Schatzjade lachte nur und sagte schließlich: „Alles falsch! Es muss ein dressierter Affe sein.“ [Anm.: Der Affe stammt aus Bergen und Tälern (溪壑分离), tollt in der Menschenwelt umher, Ruhm und Gewinn sind ihm egal – und „hinten folgt nichts mehr nach“ bezieht sich auf den abgeschnittenen Schwanz.]
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Xiangji bestätigte lachend: „Genau, der ist es.“
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„Die ersten Sätze passen“, sagten die anderen, „aber wie erklärt sich der letzte?“ Xiangji fragte zurück: „Gibt es dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgehackt worden ist?“ Alle lachten und meinten: „Selbst beim Rätselmachen ist sie noch so absonderlich.
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Frau Li sagte: „Kostbarzither Schnee, deine Tante hat erzählt, du hast viel gesehen und bist viel gereist. Da solltest du unbedingt auch Rätsel machen, zumal du gut dichtest – gib sie uns zum Raten auf!
 +
 
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Kostbarzither Schnee nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Schatzspange ein Rätsel fertig und rezitierte:
  
Dai-yü fiel ein:
+
    Stockwerk auf Stockwerk aus edelstem Holz,
„Der Duft vermischt sich den Düften der Wand .
+
    doch kein Meister hat es erbaut.
Pausenlos heulet der Wind immerfort, ...“
+
    Und mag der Wind auch noch so blasen
Bau-yü knüpfte an:
+
    kein Dachglöckchen setzt er in Gang.
„Macht zunichte uns Träume und Schlummer.
+
    – Welches Ding ist gemeint?
Woher ertönt da der Flöte Gesang?“
 
Bau-tschai setzte fort:
 
„Wer bläst denn heute auf jadenem Rohr?
 
Der Riesenschildkrott gerät selbst in Furcht, ...“
 
Hier unterbrach Li Wan lächelnd mit den Worten: „Ich will sehen, daß man euch frischen Wein wärmt.“ Also befahl Bau-tschai, Bau-tjin solle fortfahren, aber da stand schon Hsiang-yün auf und sprach:
 
„In den Schneewolken winden sich Drachen.
 
Einsam ein Boot kehrt dem Ufer sich zu, ...“
 
Jetzt erhob sich auch Bau-tjin und sagte:
 
„Zu dichten regt an ein Ritt vor die Stadt.
 
Vom Kaiser beschenkt mit Pelz wird das Heer, ...“
 
Hsiang-yün wollte natürlich nicht nachgeben, und kein anderer war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen in die Höhe und sprach:
 
„Der Soldaten gedenkt man beim Schneidern 3.
 
Gib acht, wohin du im Schnee setzt den Fuß, ...“
 
„Gut, gut!“ lobte Bau-tschai, um dann selbst zu ergänzen:
 
„Hüte dich, an die Zweige zu stoßen!
 
Weiße Gestalten entsteigen dem Schnee, ...“
 
Rasch schaltete sich jetzt auch Dai-yü ein und sagte:
 
„Wirbeln wie Tänzer im eisigen Wind.
 
Taros jetzt kocht man zu neuem Genuß, ...“
 
Bei diesen Worten stieß sie Bau-yü an, der nach ihr an der Reihe war. Doch Bau-yü war so darin versunken zu beobachten, wie Bau-tschai, Bau-tjin und Dai-yü zu dritt mit Hsiang-yün wetteiferten, daß er gar nicht mehr daran gedacht hatte, mitzumachen. Erst als Dai-yü ihn anstieß, kam er wieder zu sich und setzte fort:
 
„Salzkörner rieseln, heißt es im Lied. Im Schilf noch trifft man den Angler wohl an, ...“
 
„Du mußt ausscheiden!“ verlangte Hsiang-yün. „Du taugst nichts und hältst uns nur auf.“
 
Inzwischen sagte wieder Bau-tjin:
 
„Die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
 
Gleich Elefanten die Berge sich reih‘n, ...“
 
Rasch übernahm wieder Hsiang-yün:
 
„Ein Weg durchquert sie in Schlangengestalt.
 
Die Blüten des Schnees blühn im Frost erst auf, ...“
 
„Gut!“ lobten Bau-tschai und die übrigen, da fiel Tan-tschun ein:
 
„Statt wie sonst alle Blumen zu welken.
 
Hungrig vom Hof klingt der Spatzen Getschilp, ...“
 
Während Hsiang-yün eben durstig von ihrem Tee trank, sagte Hsiu-yän bereits:
 
„Graus tönt am Berge der Eulen Geschrei.
 
Die Flocken wirbeln treppauf, treppab, ...“
 
Rasch hatte Hsiang-yün die Teeschale abgesetzt und fuhr jetzt wieder fort:
 
„Sie wiegen sich sanft im wogenden Teich.
 
Morgens sie gleißen im Frühsonnenschein, ...“
 
Dai-yü fügte hinzu:
 
„Abends sie fallen im Mondlicht noch fort.
 
Die Krieger verachten in Treue den Frost, ...“
 
Lächelnd sagte Hsiang-yün:
 
„Dem Herrscher benimmt die Sorge der Schnee. Auf kaltem Lager der Arme sich krümmt, ...“
 
Rasch schaltete Bau-tjin sich ein:
 
„Der Reiche ist satt und vom Wein durchwärmt.
 
Ist‘s Seide, die weiß da vom Himmel fällt?“
 
Schnell fuhr Hsiang-yün wieder fort:
 
„Ist‘s der Fischmenschen zartes Gewebe?“ Ohne ihr Zeit für die zweite Zeile zu lassen, unterbrach sie Dai-yü:
 
„Stille umgibt uns im Haus und im Hof, ...“
 
Aber rasch nahm wieder Hsiang-yün das Wort:
 
„Auf Schlichtheit gezielt ist all unser Sinn.“
 
Schon fiel Bau-tjin von neuem ein:
 
„Langsam erwärmt sich das Eis für den Tee, ...“
 
Hsiang-yün hatte Gefallen an dem neuen Verfahren gefunden und sagte lächelnd:
 
„Zögernd nur brennt im Öfchen das Laub.“
 
Ebenfalls lächelnd, setzte Dai-yü wieder an:
 
„Vergeblich der Mönch nach dem Besen sucht, ...“
 
Und Bau-tjin komplettierte lächelnd:
 
„Begraben im Schnee ist die Zither des Herrn.“
 
Hsiang-yün krümmte sich vor Lachen, als sie die nächste Zeile sprach, so daß die anderen fragen mußten: „Was hast du gesagt?“
 
Da schrie sie heraus:
 
„Am steinernen Turm der Kranich still schläft, ...“
 
Lachend preßte Dai-yü die Hände gegen die Brust und rief genauso laut:
 
„Auf weicher Matte die Katze sich wärmt.“
 
Rasch sagte Bau-tjin dazwischen:
 
„Im Mondlicht getürmt silberne Wogen, ...“
 
Und Hsiang-yün setzte fort:
 
„Im Schnee versunken der Rotmauerberg .“
 
Lächelnd deklamierte Dai-yü:
 
„Zarter Blütenduft durch die Schneeluft zieht, ...“
 
„Gut!“ lobte Bau-tschai und schloß selber an:
 
„Leise der Wind macht im Bambus Musik.“
 
Schon griff Bau-tjin wieder ein:
 
„Der Schnee befeuchtet den Brautentengurt , ...“
 
Und Hsiang-yün ergänzte:
 
„Reifsterne zieren den Eisvogelschmuck .“
 
Dai-yü fuhr fort:
 
„Der Schneefall säuselt wie Windesrauschen, ...“
 
Und lächelnd knüpfte Bau-tjin an:
 
„Wie sanfter Regen klingt leicht dieser Ton.“
 
Lachend warf sich Hsiang-yün vornüber. Der Rest der Gesellschaft hatte es längst aufgegeben mitzudichten und hatte nur noch lachend den Wettstreit der drei Rivalinnen beobachtet.
 
Dai-yü stieß Hsiang-yün an, damit sie fortfuhr, und sagte dazu: „Dein Talent ist doch nicht etwa erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch zu leisten vermag!“
 
Aber Hsiang-yün warf sich an Bau-tschais Brust und hörte nicht auf zu lachen. Bau-tschai stieß sie an, damit sie aufstand, und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann brauch die Reime der Reimgruppe hsiau bis zu Ende auf, dann gebe ich mich geschlagen!“
 
Lachend erhob sich Hsiang-yün und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr, ich kämpfe ums bloße Überleben.“
 
„Das mußt gerade du sagen!“ erwiderten die anderen lächelnd.
 
Tan-tschun hatte, als sie einsah, daß sie zu dem Gedicht nichts mehr beisteuern konnte, alle Verse niedergeschrieben und machte jetzt darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluß.“
 
Li Wan nahm ihr die Blätter aus der Hand, dann bildete sie die erste Zeile:
 
„Heutige Freuden im Vers festhalten, ...“
 
Und Li Tji ergänzte:
 
„Die Urkaiser ehren soll dies Gedicht.“ „Es ist genug!“ sagte Li Wan. „Wenn auch die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist, käme doch nichts Gutes mehr heraus, wenn wir die restlichen Silben noch verwenden wollten.“
 
Nun machten sich alle an eine genaue Einschätzung, und da Hsiang-yün die meisten Zeilen beigesteuert hatte, erklärten sie lächelnd: „Das kann nur an dem Hirschfleisch liegen.“
 
„Wenn man das Gedicht Zeile für Zeile beurteilt“, sagte jetzt Li Wan, „so ist alles wie aus einem Guß, mit Ausnahme dessen, was Bau-yü gedichtet hat, das war wieder ungenügend.“
 
„Ich verstehe mich nicht auf Gemeinschaftsgedichte“, entschuldigte Bau-yü sich lächelnd. „Das müßt ihr mir schon nachsehen.“
 
Lächelnd entgegnete Li Wan: „Wir können dir nicht bei jedem Treffen etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim war zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren einen Fehler hineingebracht, und nun verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute mußt du bestraft werden! Vorhin habe ich gesehen, wie schön im Kloster Gefangenes Grün die roten Aprikosen blühen. Davon möchte ich einen Zweig haben, um ihn mir in die Vase zu stellen. Aber ich mag Miau-yüs Benehmen nicht und lasse sie deshalb immer links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“
 
„Diese Strafe hat etwas Edles und verspricht zugleich Spaß“, sagten die anderen.
 
Auch Bau-yü stimmte fröhlich zu und wollte sich sogleich auf den Weg machen, aber Hsiang-yün und Dai-yü empfahlen ihm: „Draußen ist es kalt. Trink einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“
 
Schon griff Hsiang-yün nach der Kanne, und Dai-yü hielt einen großen Becher. Als Hsiang-yün ihn gefüllt hatte, sagte sie lächelnd: „Wenn du jetzt den Zweig nicht bringst, nachdem du von uns Wein bekommen hast, wird deine Strafe noch verschärft.“
 
Rasch trank Bau-yü den Wein aus, dann ging er durch das Schneetreiben davon.
 
Li Wan wollte den Befehl geben, daß jemand mitgehen sollte, aber Dai-yü hinderte sie daran und sagte: „Wenn jemand dabei ist, wird er nichts bekommen.“
 
Li Wan nickte und sagte: „Jawohl!“, anschließend befahl sie den Sklavenmädchen, für den Zweig eine Vase ‚mit hohen Mädchenschultern‘ zu holen und mit Wasser zu füllen. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Bau-yü zurück ist, müßten wir die roten Blüten besingen!“
 
Sofort erklärte Hsiang-yün: „Ich mache ein Gedicht darüber!“
 
Aber Bau-tschai protestierte: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall mehr, noch etwas zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die andern nicht zum Zuge kommen lassen, das macht doch auch keinen Spaß. Wir wollen es Bau-yü zur Strafe dichten lassen, wenn er zurück ist. Er hat gesagt, er verstehe sich nicht auf Gemeinschaftsgedichte, jetzt kann er allein eins machen.“
 
„Das ist ganz richtig!“ pflichtete Dai-yü ihr bei. „Aber ich habe noch eine andere Idee. Das Gemeinschaftsgedicht allein war nicht genug, darum sollten wir diejenigen auswählen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und sie über die roten Blüten schreiben lassen.“
 
„Du hast vollkommen recht!“ pflichtete Bau-tschai ihr bei. „Bau-tjin, Dai-yü und Hsiang-yün haben so viel an sich gerissen, daß Hsiu-yän und die Schwestern Li ihr Talent nicht unter Beweis stellen konnten, obwohl sie doch unsere Gäste sind. Darum ist es das beste, wenn wir andern nicht weitermachen und es ganz diesen dreien überlassen zu dichten.“
 
„Aber Tji kann nicht besonders dichten“, wandte Li Wan ein, „wir sollten besser Bau-tjin ihre Stelle einnehmen lassen.“
 
Dem mußte Bau-tschai sich fügen, dann schlug sie vor: „Als Reim sollten wir die drei Schriftzeichen hung – ‚rot‘, mee – ‚Aprikose‘ und hua ‚Blüte‘ wählen, und jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht, Hsiu-yän auf den Reim hung, Li Wën auf den Reim mee und Bau-tjin auf den Reim hua.“
 
„Ich bin aber nicht bereit, Bau-yü die Strafe zu erlassen“, protestierte Li Wan.
 
„Ich weiß ein gutes Thema, das wir ihm aufgeben können“, schaltete Hsiang-yün sich ein.
 
Alle wollten wissen, was es sei, und Hsiang-yün erläuterte: „Wir befehlen ihm, über das Thema zu schreiben ‚Besuch bei Miau-yü mit der Bitte um rote Aprikosenblüten‘. Wäre das nicht gut?“
 
Alle sagten: „Das ist gut!“ Und ehe sie noch ausgeredet hatten, erblickten sie Bau-yü, der lachend mit einem Zweig roter Aprikosenblüten hereinkam, den ihm die Sklavenmädchen rasch abnahmen und in die Vase stellten.
 
Inzwischen kamen aus allen Räumen Sklavenmädchen, um zusätzliche Kleidungsstücke zu bringen, und auch Hsi-jën hatte jemanden mit einer abgetragenen Jacke geschickt, die mit Fuchsklaue gefüttert war. Li Wan befahl, einen Teller mit gedämpften Taroknollen zu füllen sowie zwei weitere mit gelbroten Mandarinen, goldgelben Orangen und blaßgelben Kanariennüssen und sie Hsi-jën zu bringen.
 
Indessen beeilte sich Hsiang-yün, Bau-yü zu erklären, worüber er ein Gedicht schreiben sollte, und drängte ihn, rasch damit zu beginnen.
 
„Liebe Schwestern, laßt mich aber selbst den Reim wählen, anstatt ihn festzulegen“, bat Bau-yü.
 
„Mach, wie du willst“, sagten sie bereitwillig und widmeten sich dem Aprikosenzweig.
 
Der Hauptzweig war nicht mehr als zwei Tschï lang, aber er hatte einen Seitenzweig von fünf oder sechs Tschï Länge. Kleinere Zweige, die davon abgingen, hatten das Aussehen geringelter Drachen oder erstarrter Würmer. Sie wuchsen einzeln wie Pinselstiele oder dicht wie ein kleiner Wald. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, ihr Duft konnte selbst Orchideen beschämen.
 
Während sich alle in Lobsprüchen darüber ergingen, hatten Hsiu-yän, Li Wën und Bau-tjin bereits ihre Gedichte im Kopf fertig und schrieben sie nieder. Dann lasen die anderen sie in der Reihenfolge durch, wie es die Reime ‚rot‘, ‚Aprikose‘ und ‚Blüte‘ verlangten.
 
Sie lasen:
 
‚Lob der roten Aprikosenblüte
 
Hsing Hsiu-yän
 
  
Ehe noch Kirsche und Pfirsich blühn,
+
Während alle noch rätselten, ließ auch Schatzjade sich vernehmen:
Lacht sie im Ostwind trotz Schnee und Frost.
 
Nach Yü-ling fühle ich mich versetzt,
 
oder ist das die Fee von Luo-fu ?
 
Rot glühen Kerzen im grünen Kelch,
 
von Schnee wie von Geistern umwoben.
 
Das ist kein Baum wie andere auch,
 
blüht er nun rosa, blüht er nun rot.‘
 
  
‚Lob der roten Aprikosenblüte
+
    Unendlich fern sind Himmel und Erde,
Li Wën
+
    nach dem Jadelattich-Fest ist Vorsicht geboten.
 +
    Auf den Ruf von Phönix und Kranich muss man achten
 +
    und schluchzend die Antwort zum Himmel senden.
  
Rote Blüten, euch will ich preisen,
+
Kajaljade hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:
die im Winter schon schmeicheln dem Blick.
 
Blütengesichter, blutüberströmt,
 
wenn ihr welkt, zeigt ihr kein Bedauern.
 
Farbe verlieh euch Feenmedizin,
 
fern am Jadeteich wart ihr zu Hause.
 
Blüht ihr, möchte ich die Bienen warnen:
 
Vertraut nicht dem Aprikosenbaum!‘
 
  
‚Lob der roten Aprikosenblüte
+
    Was braucht das edle Ross noch seidene Zügel,
Hsüä Bau-tjin
+
    wenn es wild um Stadt und Graben jagt?
 +
    Auf einen Wink des Herrn fährt es wie Blitz und Donner
 +
    und steht allein berühmt auf dem Rücken der Riesenschildkröte.
  
Spärliche Zweige, üppiges Blühn,
+
Erkundefrühling hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es gerade vortragen, als Kostbarzither Schnee lächelnd herantrat und sagte: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und zu jeder ein Erinnerungsgedicht verfasst. Meine Verse sind zwar grob, aber sie erinnern an vergangene Ereignisse, und in jedem Gedicht ist ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand verborgen. Liebe Schwestern, versucht sie zu erraten!“
ein Baum wie im Festtagsgewande.
 
Kein Schnee, der im Höfchen liegenblieb,
 
Morgenrot über Fluß und Bergen.
 
Die Knospen träumen beim Flötenklang,
 
ihr Duft scheint dem Feenreich entstiegen.
 
Der Jadeplattform entstammt dieser Baum,
 
wie hätte er sonst solche Blüten!‘
 
Alle äußerten lächelnd ihr Lob darüber und bezeichneten das letzte Gedicht als das beste. Bau-yü war zutiefst darüber verwundert, daß Bau-tjin als die Jüngste so einen wachen Geist hatte. Dai-yü und Hsiang-yün aber füllten einen kleinen Becher mit Wein und beglückwünschten Bau-tjin, indem sie ihr den Becher reichten. Lächelnd sagte Bau-tschai: „Jedes der drei Gedichte hat seine Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag bis zum Überdruß über mich lustig gemacht, jetzt kommt wohl sie an die Reihe?“
 
„Hast du dein Gedicht fertig?“ wandte sich Li Wan an Bau-yü.
 
„Ich hatte schon etwas“, sagte Bau-yü rasch, „aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Laß mich nachdenken!“
 
Als Hsiang-yün das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und erklärte lächelnd: „Ich schlage die Trommel, und wenn du beim letzten Trommelschlag nicht fertig bist, bekommst du noch eine Strafe!“
 
„Ich habe es schon wieder“, beschwichtigte Bau-yü sie mit einem Lächeln.
 
„Dann sprich, und ich schreibe!“ forderte Dai-yü ihn auf und griff zum Schreibpinsel.
 
Hsiang-yün schlug mit dem Schürhaken zu und verkündete: „Der erste Schlag!“
 
„Aber ich habe es ja schon“, sagte Bau-yü lächelnd. „Schreib nur!“
 
Alle hörten, wie er sprach:
 
„Eh‘ noch das Trinken, das Dichten beginnt, ...“
 
Dai-yü schrieb und schüttelte den Kopf dabei. „Als Anfang ist das nichts Besonderes“, kommentierte sie lächelnd.
 
„Schneller!“ drängte Hsiang-yün.
 
Und lächelnd fuhr Bau-yü fort:
 
„Such ich den Frühling im Feenland Pëng-lai .“
 
Dai-yü und Hsiang-yün nickten und sagten lächelnd: „Das ist schon besser.“
 
Wieder fuhr Bau-yü fort:
 
„Doch will ich nicht Tau aus der Guan-yin Krug, allein einen Zweig von der Göttin Tor.“
 
Dai-yü schrieb und schüttelte wieder den Kopf, wobei sie sagte: „Ein Zufallstreffer!“
 
Rasch mahnte Hsiang-yün mit einem zweiten Trommelschlag zur Eile, und Bau-yü deklamierte weiter:
 
„Purpurne Wolken und blutroten Schnee
 
bring mit ich zurück in die Menschenwelt.
 
Doch niemand dauert‘s, scheint‘s, daß ich friere,
 
und daß befleckt mein Kleid grün mit Moos.“
 
Als Dai-yü eben zu Ende geschrieben hatte und alle beginnen wollten, das Gedicht zu besprechen, kamen ein paar Sklavenmädchen hereingestürzt und meldeten: „Die alte gnädige Frau kommt!“
 
Sofort gingen alle hinaus, um die Herzoginmutter zu empfangen, wobei sie sich lächelnd fragten: „Wie kommt es wohl, daß sie so in Stimmung ist?“ Bei diesen Worten erblickten sie die Herzoginmutter in der Ferne. In einen weiten Umhang gehüllt und mit einer warmen Mütze aus Eichhörnchenfell auf dem Kopf, saß sie in einem leichten Bambustragstuhl und hielt einen Schirm aus ölgetränkter schwarzer Seide in der Hand. Neben ihr gingen fünf oder sechs Sklavenmädchen, allen voran Yüan-yang und Hu-po. Auch sie trugen jede einen Schirm.
 
Li Wan und alle anderen wollten der Herzoginmutter entgegeneilen, diese aber schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ihnen sagen, sie sollten bleiben, wo sie waren. Als sie dann herangekommen war, sagte die Herzoginmutter fröhlich: „Die gnädige Frau und Hsi-fëng wissen nichts davon, daß ich hier bin. Mir macht der tiefe Schnee nichts aus, wenn ich im Tragstuhl sitze, aber wozu sollen die beiden durch den Schnee stapfen!“
 
Alle gaben ihr recht und stürzten zu ihr, um ihr den Umhang abzunehmen und sie beim Aussteigen zu stützen.
 
Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als erstes lächelnd: „Welch schöne Aprikosenblüten! Auch ihr versteht es, euch zu vergnügen, hier bin ich richtig!“
 
Während sie das sagte, wurde auf Li Wans Befehl eine große Decke aus Wolfsfell gebracht und die Mitte des Ofenbetts damit gepolstert. Nachdem die Herzoginmutter sich gesetzt hatte, sagte sie lächelnd: „Vergnügt euch nur weiter und eßt und trinkt! Da die Tage jetzt kürzer sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr zu halten. Ich hatte ein Weilchen Domino gespielt, dann seid ihr mir eingefallen, und ich bin hergekommen, um auch meinen Spaß zu haben.“
 
Inzwischen hatte Li Wan ihr ein Handöfchen gereicht, Tan-tschun aber brachte ihr Becher und Eßstäbchen, goß mit eigener Hand heißen Wein ein und reichte ihn ihr. Die Herzoginmutter trank einen Schluck, dann fragte sie: „Was ist das dort auf dem Teller?“
 
Rasch reichte man ihr den Teller und gab Auskunft: „Das sind marinierte Wachteln.“
 
„Aha“, sagte die Herzoginmutter. „Reißt mir ein oder zwei Keulchen davon ab!“
 
„Jawohl!“ sagte Li Wan sogleich, ließ sich Wasser bringen, um sich die Hände zu waschen, und zerlegte dann selbst das Geflügel.
 
„Nehmt wieder Platz und unterhaltet euch weiter, ich höre zu!“ forderte die Herzoginmutter sie nun auf. „Auch du mußt dich setzen!“ befahl sie Li Wan. „Macht es genau so, wie es war, ehe ich gekommen bin, dann ist es recht. Sonst aber gehe ich wieder!“
 
Nun setzten sich alle der Rangfolge gemäß wieder hin, nur Li Wan rutschte auf den untersten Platz.
 
„Was habt ihr getrieben?“ erkundigte sich die Herzoginmutter.
 
„Wir haben Gedichte gemacht“, wurde ihr geantwortet.
 
„Besser wäre es, ein paar Laternenrätsel zu machen, mit denen wir uns im Neujahrsmonat vergnügen können“, schlug die Herzoginmutter vor.
 
Alle sagten jawohl, und nachdem sie noch ein Weilchen geplaudert hatten, stellte die Herzoginmutter fest: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, damit ihr euch nicht verkühlt!“ Dann setzte sie hinzu: „Drüben bei Hsi-tschun ist es wärmer. Sehen wir doch einmal nach, ob sie mit dem Bild bis zu Neujahr fertig wird!“
 
„Bis Neujahr?“ fragten die Mädchen. „Nächstes Jahr zum Drachenbootfest wird das Bild wohl fertig sein.“
 
„Ist denn das die Möglichkeit?“ wunderte sich die Herzoginmutter. „Da braucht sie ja länger, als es gedauert hat, den Garten zu bauen!“
 
Nach diesen Worten nahm sie wieder auf ihrem Bambustragstuhl Platz, während die anderen neben oder hinter ihr gingen. Am Kiosk des Lotoswurzelduftes betraten sie einen in Mauern gefaßten Gang, der im Osten und Westen jeweils an einem Tor zur Straße endete. An jedem Torgebäude war innen und außen je eine Steinplatte mit einer Inschrift eingelassen. Am Westtor, das sie jetzt durchschritten, standen außen die beiden Schriftzeichen „Durch die Wolken“, innen aber die beiden Schriftzeichen „Über den Mond“.
 
Nachdem sie den Gang betreten hatten, kamen sie durch ein weiteres Tor, das nach Süden führte. Hier stieg die Herzoginmutter aus ihrem Tragstuhl, und schon kam ihr Hsi-tschun zur Begrüßung entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie bis zu ihrem Schlafzimmer. Über der Tür prangte die Inschrift „Gehege der Warmen Düfte“. Schon wurde der Türvorhang aus scharlachrotem Filz von mehreren Händen zurückgeschlagen, und man konnte einen warmen Duft wahrnehmen, der einem von drinnen entgegenschlug.
 
Als alle eingetreten waren, dachte die Herzoginmutter nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“
 
Lächelnd berichtete Hsi-tschun: „Die Leimfarben gerinnen bei dieser Kälte, anstatt zu fließen. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, darum habe ich es weggetan.“
 
„Aber zu Neujahr will ich es haben“, beharrte die Herzoginmutter lächelnd, „also mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“
 
Ehe sie noch aussprechen konnte, trat plötzlich Hsi-fëng lachend in den Raum. Sie trug ein Gewand aus rotem Wollstoff, das mit Lammfell gefüttert war. „Ihr seid heimlich hierher gegangen, alte Ahne, ohne einem Menschen davon zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ beklagte sie sich.
 
„Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, darum habe ich nicht erlaubt, daß man euch Bescheid sagt“, erwiderte die Herzoginmutter, die sich natürlich darüber freute, daß Hsi-fëng gekommen war. „Aber du bist wirklich ein Schlaufuchs, daß du mich hier gefunden hast. Dabei ist das eigentlich nicht der Sinn der kindlichen Ehrerbietung.“
 
„Ich habe Euch ja nicht aus kindlicher Ehrerbietung gesucht“, gab Hsi-fëng zurück. „Als ich in Eure Räume kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Sklavenmädchen, aber sie wollten mir nichts sagen und haben mich nur in den Garten geschickt. Während ich so noch im Zweifel war, kamen plötzlich ein paar Nonnen, und da wurde mir klar: Die Nonnen kommen doch, um die Neujahrsgebete zu bringen und die Jahreszuwendungen und Weihrauchspenden zu holen, und weil Ihr zum Jahresende viel zu tun habt, wolltet Ihr Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken.
 
Also fragte ich sofort die Nonnen, und es stellte sich heraus, daß ich Recht hatte. Darum gab ich ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um Euch zu melden, daß die Gläubiger fort sind und Ihr Euch nicht länger versteckt halten müßt. Außerdem hat man einen zarten Fasan für Euch zubereitet, und Ihr müßt bitte zu Abend essen gehen. Wenn Ihr noch zögert, wird er hart und trocken.“
 
Alle hatten gelacht, während Hsi-fëng das vortrug.
 
Nun befahl Hsi-fëng, ohne auf eine Erwiderung der Herzoginmutter zu warten, man solle den Tragstuhl bringen. Lächelnd nahm die Herzoginmutter darauf Platz, wobei sie sich von Hsi-fëng stützen ließ. Von allen begleitet und mit ihnen plaudernd, wurde sie zurück durch den Gang zwischen den Mauern und durch das östliche Tor getragen. Ringsum sah alles aus wie weiß überpudert, wie aus Silber geformt. Dann erschien plötzlich auf dem Berghang Bau-tjin mit ihrem Entenfederumhang, und hinter ihr trug ein Sklavenmädchen eine Vase mit einem rotblühenden Aprikosenzweig.
 
  
Aus: Chengjiaben 1791.
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Alle sagten: „Das ist geschickt gemacht! Warum schreibst du sie nicht auf, damit alle sie lesen können?“
„Deshalb also fehlten die beiden!“ sagten die Mädchen lächelnd. „Sie hat sich auch einen Zweig verschafft und wartet jetzt auf uns.“
 
„Woran erinnert euch das?“ fragte die Herzoginmutter fröhlich. „Der Berg, das Mädchen in dieser Kleidung und die Aprikosenblüten?“
 
„An Tjiu Yings Bild ‚Zwei Schönheiten‘ , das in Euren Räumen hängt“, antworteten alle lächelnd.
 
Aber die Herzoginmutter schüttelte den Kopf. „Das Mädchen auf dem Bild ist nicht so gekleidet“, sagte sie, „und so schön ist sie auch nicht.“ Während sie das eben sagte, sah sie, wie jemand in einem dunkelroten Filzumhang hinter Bau-tjin zum Vorschein kam. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ erkundigte sie sich.
 
„Wir sind alle hier“, antworteten die Mädchen. „Das ist Bau-yü.“
 
„Mir flimmert es immer mehr vor den Augen“, klagte die Herzoginmutter lächelnd.
 
Inzwischen waren sie bei den beiden angekommen, und es waren wirklich Bau-tjin und Bau-yü.
 
Lächelnd berichtete Bau-yü, an Bau-tschai, Dai-yü und die anderen gewandt: „Eben war ich noch einmal im Kloster Gefangenes Grün, und Miau-yü hat jeder von euch einen Zweig Aprikosenblüten geschenkt. Ich habe die Zweige schon austragen lassen.“
 
„Vielen Dank für die Mühe!“ sagten die Mädchen strahlend.
 
Über diesem Gespräch hatten sie den Garten schon verlassen und waren in die Räume der Herzoginmutter gelangt. Nach dem Essen blieben alle noch zusammen, um ein Weilchen zu plaudern, als plötzlich auch Tante Hsüä erschien.
 
„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Ich bin den ganzen Tag nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, alte gnädige Frau. Ihr seid wohl heute nicht in Stimmung? Ihr hättet hinausgehen sollen, um die Schneelandschaft zu bewundern!
 
„Warum sollte ich nicht in Stimmung sein?“ fragte die Herzoginmutter. „Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“
 
„Gestern abend hatte ich vor, die gnädige Frau zu bitten, mir heute für einen Tag den Garten zu überlassen, um ein paar Tische mit einfachem Wein herzurichten und Euch dann einzuladen, den Anblick des Schnees zu genießen“, erklärte Tante Hsüä. „Aber dann erfuhr ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte, Euch sei nicht wohl gewesen.
 
  
Hsüä Bau-tjin. Aus: Gai Qi 1879.
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Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu belästigen. Hätte ich eher gewußt, wie es war, hätte ich Euch wirklich einladen sollen.“
 
Lächelnd erwiderte die Herzoginmutter: „Jetzt ist erst der zehnte Monat, und wir haben gerade den ersten Schnee. Es wird noch öfter schneien, dann ist es immer noch früh genug, Geld zu verschwenden.“
 
„So ist es“, bestätigte Tante Hsüä. „Es soll ein Beweis meiner kindlichen Ehrerbietung sein.“
 
„Seht nur zu, daß Ihr es nicht vergeßt, Frau Tante“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Laßt nur schon heute fünfzig Liang Silber abwiegen und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es dann schneit, lasse ich Wein und Zuspeisen herrichten. So erspart Ihr Euch die Umstände, und vergessen wird es auch nicht.“
 
„Am besten, Ihr gebt ihr die fünfzig Liang Silber, und ich teile mit ihr, so daß jeder fünfundzwanzig bekommt“, scherzte die Herzoginmutter. „Wenn es dann schneit, lasse ich mich wegen Unpäßlichkeit entschuldigen, und die Sache verläuft im Sande. So habt Ihr überhaupt keine Umstände, ich jedoch erziele mit Hsi-fëng einen echten Gewinn.“
 
Lachend klatschte Hsi-fëng in die Hände und verriet: „Genau das war mein Plan!“
 
Alle lachten, die Herzoginmutter aber sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Das wäre natürlich nach deinem Sinn! Aber nicht nur, daß die Frau Tante als unser Gast nicht gekränkt werden darf, sind wir es, die sie einladen müßten. Wie können wir sie für uns Geld ausgeben lassen! Doch anstatt das zu sagen, besitzt du noch die Frechheit, fünfzig Liang Silber im Voraus von ihr zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham im Leibe!“
 
„Unsere alte Ahne hat wahrhaftig einen scharfen Blick“, erwiderte Hsi-fëng. „Sie wollte es einfach probieren. Wenn die Frau Tante nachgiebig gewesen wäre und die fünfzig Liang herausgerückt hätte, dann hätte sie mit mir halbe-halbe gemacht. Aber weil abzusehen war, daß es schiefgeht, machte sie eine Kehrtwendung und hat mich mit großen Worten heruntergeputzt.
 
Jetzt werde ich nicht mehr Silber von der Frau Tante verlangen, sondern ihr Silber geben, damit sie Euch davon bewirtet, alte Ahne. Außerdem werde ich Euch weitere fünfzig Liang Silber verehren als Strafe dafür, daß ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“
 
Noch ehe sie ausgeredet hatte, warfen sich schon alle vor Lachen auf das Ofenbett.
 
Dann schilderte die Herzoginmutter, wie Bau-tjin im Schnee mit dem Blütenzweig aufgetaucht war und dabei schöner als ein Bild ausgesehen hatte. Anschließend wollte sie die acht Schriftzeichen für Jahr, Monat, Tag und Stunde ihrer Geburt wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.
 
Tante Hsüä konnte sich denken, daß die Herzoginmutter die Absicht hatte, Bau-tjin zu Bau-yüs Frau zu machen, und sie wäre durchaus damit einverstanden gewesen, wenn Bau-tjin nicht bereits mit dem Sohn der Mees verlobt gewesen wäre. Aber weil sich die Herzoginmutter nicht klar darüber geäußert hatte, konnte sie auch nicht direkt darauf eingehen und mußte einen Umweg wählen.
 
„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie ein tüchtiges Stück von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die Fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern besucht. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er in allen Gegenden Handel trieb, hat er mit seiner Familie mal hier ein Jahr verbracht und mal dort sechs Monate, so daß sie das Reich zu fünf oder sechs Zehnteln gesehen haben. Dabei hat er das Mädchen seinerzeit hier mit dem Sohn eines Mitglieds der Kaiserlichen Akademie namens Mee verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf mußte er sterben. Die Mutter des Mädchens aber leidet an Asthma...“
 
„Schade!“ mischte sich Hsi-fëng mit Seufzen und Fußaufstampfen ein, ohne das Ende der Rede abzuwarten. „Ich wollte mich als Heiratsvermittlerin anbieten, und nun ist sie schon verlobt.“
 
„Für wen wolltest du denn um sie werben?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd.
 
„Fragt nicht danach, alte Ahne!“ erwiderte Hsi-fëng. „Ich bin sicher, daß die beiden ein Paar ergeben hätten. Aber da sie nun einmal verlobt ist, hat es keinen Sinn, darüber zu sprechen. Darum ist es das beste, wir lassen das Thema!“
 
Die Herzoginmutter wußte, wen Hsi-fëng im Sinn gehabt hatte, aber da sie gehört hatte, Bau-tjin sei bereits verlobt, ließ sie die Sache fallen.
 
Jetzt plauderten alle noch ein Weilchen, ehe sie endlich auseinandergingen. Von der Nacht ist nichts zu berichten.
 
Am nächsten Tag klarte es auf. Nach dem Essen gab die Herzoginmutter selbst Hsi-tschun den Auftrag: „Mal weiter, egal ob es kalt oder warm ist, und werde zu Neujahr fertig damit! Wenn es natürlich überhaupt nicht geht, dann mußt du es bleibenlassen. Aber das Allerwichtigste ist jetzt, daß du Bau-tjin und ihr Mädchen mit dem Blütenzweig haargenau so, wie wir es gestern gesehen haben, rasch mit auf das Bild bringst.“
 
Dieser Auftrag brachte Hsi-tschun zwar in Verlegenheit, aber notgedrungen mußte sie es versprechen. Als bald darauf alle zu ihr kamen, um zu sehen, wie sie malte, blickte Hsi-tschun geistesabwesend vor sich hin.
 
„Laßt sie nur in Ruhe nachdenken!“ wandte Li Wan sich an die übrigen. „Wir aber wollen uns unterhalten! Gestern hat die alte gnädige Frau befohlen, wir sollten uns Laternenrätsel ausdenken, und als ich mit Tji und Wën zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich mir zwei Rätsel zu den Vier Büchern ausgedacht, und sie genauso.“
 
„Richtig!“ sagten die anderen. „Die Rätsel! Sag uns deine, damit wir sie raten!“
 
Lächelnd sagte Li Wan: „Die Göttin Guan-yin hat keine Familienchronik . Die Auflösung ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“
 
„‚Schluß ist mit dem Allerbesten‘?“ riet Hsiang-yün sofort.
 
Aber lächelnd empfahl ihr Bau-tschai: „Denk nach, was eine Familienchronik besagt, ehe du rätst!“ Und auch Li Wan forderte sie auf: „Denk noch einmal nach!“
 
„Oh, das muß es sein“, sagte Dai-yü lächelnd. „‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“
 
„Das ist die richtige Stelle“, bestätigten alle lächelnd.
 
„Grün bewächst damit der Teich, was ist das?“ fragte Li Wan weiter.
 
„Das ist bestimmt ‚Schilf und Rohr‘ , was sonst?“ beeilte sich Hsiang-yün mit einer Antwort.
 
„Diesmal hast du es erraten“, erklärte Li Wan lächelnd. „Ratet jetzt Wëns Rätsel: ‚Kalt fließt das Wasser am Fels.‘ Herauskommen soll der Name einer Person aus alter Zeit.“
 
„Ist es Schan Tau ?“ fragte Tan-tschun lächelnd.
 
„Richtig“, gab Li Wën zu und lächelte ebenfalls.
 
„Tjis Rätsel ist ein Glühwürmchen. Zu erraten ist ein Schriftzeichen“, fuhr Li Wan fort.
 
Alle rätselten lange daran herum, ehe Bau-tjin lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Schriftzeichen hua – ‚Blume‘?“
 
„Genau!“ bestätigte Li Tji lächelnd.
 
„Was hat ein Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ fragten die anderen.
 
„Das ist höchst scharfsinnig“, erklärte Dai-yü, „sind nicht Glühwürmchen, wie das Schriftzeichen hua besagt, ‚aus Gras verwandelt‘? “
 
Jetzt verstanden auch die anderen und sagten, das Rätsel sei gut.
 
„Die Rätsel sind wohl gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der alten gnädigen Frau“, wandte Bau-tschai ein. „Wir müssen uns welche ausdenken, in denen es um einfache und naheliegende Alltagsdinge geht und an denen Edle wie Profane gleichermaßen Freude haben.“
 
Lächelnd bestätigten die anderen: „Ja, vertraute Alltäglichkeiten müssen es sein.“
 
„Ich habe eins nach dem Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘“, meldete Hsiang-yün sich zu Wort. „Es ist etwas Alltägliches, versucht es zu erraten!“ Und sie rezitierte:
 
„Den Tälern, den Bächen entrissen,
 
tollt es einher im Staub dieser Welt.
 
Doch wo liegt der Sinn?
 
Gewinn wie auch Ruhm sind nur eitel,
 
nichts folgt mehr hinten ihm nach.“
 
Keiner vermochte, das Rätsel zu lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch oder ein dauistischer Priester, während andere meinten, es müsse eine Marionette sein. Bau-yü aber lächelte nur darüber und sagte schließlich: „Alles falsch! Ich glaube, es muß bestimmt ein dressierter Affe sein.“
 
„Richtig, der ist es“, erklärte Hsiang-yün.
 
„Schön, die ersten Sätze sind klar, aber was soll der letzte bedeuten?“ fragten die anderen.
 
„Gibt es vielleicht dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgeschnitten ist?“ fragte Hsiang-yün zurück.
 
Alle lachten darüber und meinten dann, selbst beim Rätselmachen komme Hsiang-yün noch auf die absonderlichsten Gedanken.
 
Inzwischen sagte Li Wan: „Bau-tjin, wie deine Tante gestern erzählte, hast du viel gesehen und bist viel gereist, da mußt du dir auch ein paar Rätsel ausdenken, zumal du gut dichten kannst, und dann gibst du sie uns zum Raten auf!“
 
Bau-tjin nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Bau-tschai ein Rätsel fertig und rezitierte:
 
„Stockwerk für Stockwerk aus edelstem Holz ,
 
jedoch war kein Meister daran zu Werk.
 
Und mag der Wind auch noch so sehr blasen,
 
ein Dachglöckchen setzt er hier nicht in Gang.“
 
Während alle noch mit Raten beschäftigt waren, ließ auch Bau-yü sich vernehmen:
 
„Endlos fern ist der Himmel der Erde, darum ist Vorsicht hier erstes Gebot.
 
Hör nur gut auf den Kranich, den Phönix,
 
schluchz die Antwort hinauf in das Blau!“
 
Dai-yü hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:
 
„Was braucht der Renner noch seid‘ne Zügel, eilt er nicht wild genug rings um die Stadt?
 
Er rast wie ein Blitz auf Wink seines Herrn,
 
Und so genießt er auch einsamen Ruhm.“
 
Tan-tschun hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es jetzt hersagen, aber da trat Bau-tjin eben wieder heran und sagte lächelnd: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und je ein Gedicht darüber gemacht. Zwar sind meine Verse grob, aber sie erinnern an Ereignisse der Vergangenheit, und in jedem Gedicht ist ein alltäglicher Gegenstand zu erraten. Versucht es einmal!“
 
„Das ist geschickt gemacht!“ lobten die anderen. „Aber warum willst du die Gedichte nicht aufschreiben, damit alle sie lesen können?“
 
Wer wissen will, wie es weiterging, ...
 
  
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== Anmerkungen ==
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<references />

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 50 An der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Gemeinschaftsgedicht Im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel

Es wird erzählt, dass Schatzspange [薛宝钗][1] sagte: „Wir sollten doch eine feste Reihenfolge haben. Lasst mich das aufschreiben.“ Damit ließ sie alle Lose ziehen, um die Abfolge zu bestimmen. Phönixglanz [王熙凤][2] sagte: „Wenn ihr es so macht, möchte ich auch eine Zeile an den Anfang setzen.“ Alle sagten lachend: „Das ist umso besser!“ Schatzspange schrieb über den Namen „Alte Reisduftbäuerin“ noch das Zeichen „Feng“. Frau Li [李纨][3] erklärte Phönixglanz das Thema. Phönixglanz überlegte lange und sagte dann lachend: „Lacht mich nicht aus. Ich habe nur eine einzige grobe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“ Alle sagten lachend: „Je gröber, desto besser! Sag sie uns und geh dann ruhig deinen Geschäften nach.“

Phönixglanz sagte lächelnd: „Ich dachte mir, wenn es schneit, muss der Nordwind wehen. Letzte Nacht habe ich die ganze Nacht den Nordwind gehört, und so habe ich meine Zeile:

   ‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht ...‘

Geht das?“

Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar grob, doch sieht man nicht, was danach kommen wird – und gerade das ist die richtige Art, ein Gedicht zu beginnen. Sie ist nicht nur gut, sie lässt auch den Nachfolgenden weiten Raum. So soll sie als Erste stehen. Alte Reisduftbäuerin, schreib sie schnell auf und dichte weiter!“

Phönixglanz, Tante Li und Friedchen [平儿][4] tranken noch zwei Becher Wein und gingen dann. Frau Li schrieb die Zeile auf und fuhr selbst fort:

   Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht,
   und morgens noch wirbeln die Flocken.
   Im Schmutz der Erde – wie rein doch das Weiß,

Duftkastanie [香菱][5] sprach:

   wie Jade bedeckt liegt der Boden.
   Dem welken Gras wird neues Leben geschenkt,

Erkundefrühling [探春][6] fuhr fort:

   verdorrtes Röhricht trägt neuen Schmuck.
   Der Preis steigt für ländlichen Wein,

Prachtamt Pflaume [李綺][7] setzte hinzu:

   reiche Ernte füllt herrschaftliche Speicher.
   Das Messrohr zeigt den Winterbeginn an,

Muster Pflaume [李紋][8] sprach weiter:

   der Große Wagen hat sich gedreht.
   Die kalten Berge verloren ihr Grün,

Xiuyan [岫烟][9] ergänzte:

   der gefrorene Bach liegt reglos und still.
   Leicht hält der Schnee auf dürren Weidenzweigen,

Xiangji [史湘云][10] fügte hinzu:

   doch nicht auf zerrissenen Bananenblättern.
   Moschuskohle glüht im Bronzegefäß,

Kostbarzither Schnee [薛宝琴][11] machte weiter:

   in bestickten Ärmeln wärmt goldener Zobel.
   Sein Glanz beschämt den Spiegel am Fenster,

Kajaljade [林黛玉][12] fiel ein:

   sein Duft verklebt den Pfeffer an der Wand.
   Der schiefe Wind bläst immerfort,

Schatzjade [贾宝玉][13] knüpfte an:

   reine Träume werden flüchtig und fern.
   Woher weht der Klang der Pflaumenflöte?

Schatzspange setzte fort:

   Wer bläst die jadenem Flöte zu Haus?
   Die Riesenschildkröte fürchtet, die Erdachse sinke,

Hier unterbrach Frau Li lächelnd: „Ich gehe nachschauen, ob man euch frischen Wein wärmt.“ Sie trug Kostbarzither Schnee auf fortzufahren, doch Xiangji war bereits aufgestanden:

   in Schneewolken kämpfen sich Drachen.
   Einsam ein Boot kehrt zum öden Ufer zurück,

Nun erhob sich auch Kostbarzither Schnee und sprach:

   die Reitgerte weist nach der Brücke am Ba-Fluss.
   Mit Pelzen beschenkt gedenkt man des Grenzheers,

Xiangji wollte natürlich niemandem nachstehen, und niemand war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen hoch und rief:

   mit Watte gefüttert gedenkt man der Pflichtarbeit.
   Hügel und Höhlen unterscheiden sich kaum,

Schatzspange lobte laut und setzte selbst hinzu:

   Zweige und Äste fürchten, bewegt zu werden.
   Schneeweiß trägt jeder leichten Schritt,

Eilig schaltete Kajaljade sich ein:

   es tanzt und wirbelt wie schlanke Taille.
   Gekochte Taro bringt neuen Genuss,

Dabei stieß sie Schatzjade an und befahl ihm, weiterzumachen. Schatzjade aber war ganz versunken darin, wie Schatzspange, Kostbarzither Schnee und Kajaljade zu dritt mit Xiangji wetteiferten – er fand es überaus unterhaltsam und hatte das Dichten vergessen. Erst als Kajaljade ihn anstieß, setzte er fort:

   gestreutes Salz erinnert an alte Lieder.
   Im Schilfmantel sitzt noch der Angler am Fluss,

Xiangji lachte: „Hör auf, du taugst nichts und hältst uns nur auf!“ Da hörte man Kostbarzither Schnee fortfahren:

   die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt.
   Wie kauernde Elefanten türmen sich Berge,

Eilig schloss Xiangji an:

   wie eine gewundene Schlange zieht der Pfad sich fern.
   Blüten entstehen durch Kälte erst,

Schatzspange und die anderen lobten laut. Erkundefrühling fuhr fort:

   ihre Farbe trotzt dem Frost und welkt nicht.
   Im tiefen Hof erschrecken frierende Spatzen,

Während Xiangji durstig nach ihrem Tee griff, sagte Xiuyan schon:

   im leeren Gebirge weint ein alter Kauz.
   Die Flocken tanzen treppauf, treppab,

Eilig stellte Xiangji die Teeschale ab und setzte fort:

   sie treiben im Teich auf und nieder.
   Strahlend glänzen sie im frühen Morgenrot,

Kajaljade fuhr fort:

   verschwenderisch fallen sie in die lange Nacht.
   Die Treue vergisst die Kälte von drei Fuß Eis,

Lachend sagte Xiangji rasch:

   guter Schnee vertreibt des Herrschers Sorgen.
   Erstarrt auf dem Lager – wer fragt nach dem Armen?

Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:

   lustwandelnd freut sich der Reisende.
   Der Himmelswebstuhl zerschneidet weiße Bänder,

Wieder rief Xiangji eilig:

   im Luftspiegelungsmeer ging das Meerseidentuch verloren.

Kajaljade ließ Xiangji keine Zeit und sprach sogleich:

   Einsam blickt man auf Terrassen und Hallen,

Eilig fuhr Xiangji fort:

   in schlichter Armut denkt man an Reisschale und Kürbisflasche.

Auch Kostbarzither Schnee gab nicht nach und sagte sofort:

   Das Eis im Kessel beginnt zu kochen für den Tee,

Xiangji fand großes Vergnügen daran und rief lachend:

   doch nur schwer will das Laub im Ofen brennen.

Kajaljade sagte ebenfalls lachend:

   Keinen Besen hat der Mönch in den Bergen,

Kostbarzither Schnee lachte auch:

   im Schnee vergraben gräbt das Kind nach der Zither.

Xiangji krümmte sich vor Lachen und murmelte eine Zeile. Die anderen fragten: „Was hast du gesagt?“ Xiangji rief laut:

   Am Steinturm schläft friedlich der Kranich,

Kajaljade hielt sich lachend die Brust und schrie:

   auf weichem Teppich wärmt sich die Katze.

Auch Kostbarzither Schnee beeilte sich lachend:

   Im Mondschein türmen sich silberne Wogen,

Xiangji setzte schnell fort:

   in Wolken verbirgt sich die rote Burg.

Lachend deklamierte Kajaljade:

   Der Pflaumenduft dringt durch den Schnee, zum Kauen zart,

Schatzspange lobte und schloss sofort an:

   der Bambus im Regen klingt wie betrunken.

Kostbarzither Schnee sprach ebenfalls eilig:

   Den Brautentengurt benetzt der Schnee,

Xiangji setzte rasch fort:

   am Eisvogelschmuck gefriert der Reif.

Kajaljade fuhr fort:

   Auch ohne Wind weht es sanft und still,

Lachend ergänzte Kostbarzither Schnee:

   auch ohne Regen rauscht es unaufhörlich.

Xiangji hatte sich vor Lachen nach vorn geworfen. Die anderen hatten es längst aufgegeben mitzudichten und beobachteten nur noch lachend, wie die drei sich gegenseitig überboten. Kajaljade stieß Xiangji an, damit sie weitermache, und sagte: „Dein Talent ist wohl erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch leisten kann!“ Doch Xiangji warf sich in Schatzspanges Arme und konnte nicht aufhören zu lachen. Schatzspange schob sie hoch und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann verbrauche alle Reime der Xiao-Reimgruppe, dann erst gebe ich mich geschlagen!“

Lachend erhob sich Xiangji und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr – ich kämpfe ums Überleben!“

Die anderen sagten lachend: „Dann sag du es uns.“

Erkundefrühling, die längst eingesehen hatte, dass sie keinen Beitrag mehr würde leisten können, hatte alle Verse niedergeschrieben und machte nun darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluss.“ Frau Li nahm ihr die Blätter aus der Hand und bildete die nächste Zeile:

   Heutige Freuden im Vers festhalten,

Prachtamt Pflaume schloss ab:

   die Urkaiser Shun und Yao im Gedicht verehren.

Frau Li sagte: „Genug, genug! Auch wenn die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist – die übrigen Silben gewaltsam zu verwenden, würde das Gedicht nur verderben.“

Alle gingen das Gedicht sorgfältig durch. Da Xiangji die meisten Zeilen beigesteuert hatte, sagten alle lachend: „Das ist ganz dem Hirschfleisch zu verdanken.“

Frau Li sagte lächelnd: „Wenn man es Zeile für Zeile beurteilt, ist alles wie aus einem Guss – nur Schatzjades Beitrag fällt wieder ab.“ Schatzjade erwiderte lächelnd: „Ich kann nun einmal keine Gemeinschaftsgedichte. Ihr müsst mir das nachsehen.“

Frau Li sagte lächelnd: „Wir können dir doch nicht bei jeder Sitzung etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim sei zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren Fehler eingebaut, und jetzt verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute wirst du bestraft! Vorhin habe ich gesehen, wie schön die roten Pflaumenbäume im Kloster Gefangenes Grün [栊翠庵] blühen. Ich möchte einen Zweig davon für meine Vase. Aber Wunderjade [妙玉][14] ist mir in ihrem Wesen zuwider, und ich lasse sie deswegen links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“

Alle fanden die Strafe zugleich elegant und unterhaltsam. Auch Schatzjade nahm sie gern auf sich und wollte gleich losgehen. Doch Xiangji und Kajaljade sagten beide: „Draußen ist es eiskalt. Trink erst einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“

Xiangji griff sofort nach der Kanne, und Kajaljade reichte einen großen Becher, den Xiangji bis zum Rand füllte. Xiangji sagte lachend: „Wenn du unseren Wein trinkst und dann keinen Zweig bringst, wird deine Strafe verdoppelt!“ Rasch leerte Schatzjade den Becher und stapfte durch den Schnee davon.

Frau Li wollte jemanden mitschicken, doch Kajaljade hielt sie eilig zurück: „Nicht nötig, mit einer Begleitung würde er ihn nicht bekommen.“ Frau Li nickte und sagte: „Da hast du recht.“ Dann befahl sie den Dienstmädchen, eine Vase in Mädchenschulterform zu holen und mit Wasser zu füllen, damit der Zweig hineingestellt werden könne. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Schatzjade zurück ist, sollten wir die roten Pflaumenblüten besingen.“

Sogleich rief Xiangji: „Ich mache als Erste ein Gedicht!“ Aber Schatzspange widersprach sofort: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall noch mehr zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die anderen nicht zum Zuge kommen lassen – das ist doch langweilig. Wenn Schatzjade zurück ist, soll er zur Strafe allein eins dichten. Er sagte ja, er könne keine Gemeinschaftsgedichte – nun soll er eben allein dichten.“

Kajaljade lachte: „Das stimmt. Und ich habe noch eine weitere Idee: Das Gemeinschaftsgedicht war nicht genug, also lasst diejenigen, die am wenigsten beigetragen haben, über die roten Pflaumenblüten dichten.“

Schatzspange stimmte zu: „Genau richtig! Höhlennebel Strafe und die Li-Schwestern haben ihr Talent nicht zeigen können, und sie sind zudem unsere Gäste. Kostbarzither Schnee, Kajaljade und Xiangji haben sich so viel genommen – wir alle sollten nicht weiterdichten und es ganz diesen dreien überlassen.“

Frau Li wandte ein: „Prachtamt Pflaume dichtet nicht so gut, lasst lieber Kostbarzither Schnee an ihrer Stelle schreiben.“ Dem musste Schatzspange sich fügen. Dann schlug sie vor: „Als Reime nehmen wir die drei Schriftzeichen ‚Hong‘ – Rot, ‚Mei‘ – Pflaume und ‚Hua‘ – Blüte. Jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht: Höhlennebel Strafe auf den Reim ‚Hong‘, Muster Pflaume auf den Reim ‚Mei‘ und Kostbarzither Schnee auf den Reim ‚Hua‘.“

Frau Li protestierte: „Schatzjade einfach so davonkommen zu lassen, damit bin ich nicht einverstanden.“ Eilig schaltete Xiangji sich ein: „Ich habe ein gutes Thema für ihn!“ Alle wollten wissen, welches. Xiangji sagte: „Er soll über ‚Besuch bei Wunderjade mit der Bitte um einen roten Pflaumenzweig‘ dichten – wäre das nicht köstlich?“ Alle sagten: „Das ist köstlich!“

Kaum war das Wort gefallen, da kam Schatzjade strahlend mit einem Zweig roter Pflaumenblüten auf der Schulter herein. Die Dienstmädchen nahmen ihn sofort entgegen und stellten ihn in die Vase. Alle bedankten sich lachend. Schatzjade sagte lachend: „Bewundert ihn jetzt nur – ihr wisst ja nicht, wie viel Mühe es mich gekostet hat!“ Während er das sagte, reichte ihm Erkundefrühling schon einen Becher gewärmten Wein, und die Mädchen kamen herbei, ihm Cape und Hut abzunehmen und den Schnee abzubürsten. Aus jedem Haushalt wurden zusätzliche Kleidungsstücke gebracht, und auch Dufthauch [袭人][15] hatte jemanden mit einer halbneuen Fuchsklauenjacke geschickt.

Frau Li befahl, einen Teller mit gedämpften großen Taroknollen aufzutragen sowie zwei weitere Teller mit roten Mandarinen, goldgelben Orangen und Oliven, und ließ sie Dufthauch bringen.

Xiangji berichtete Schatzjade eilig von den Gedichtthemen und drängte ihn, schnell zu schreiben. Schatzjade bat: „Liebe Schwestern, lasst mich den Reim selbst wählen, anstatt ihn festzulegen.“ Alle sagten: „Mach, wie du willst.“

Dabei bewunderten alle den Pflaumenzweig. Er war nur etwa zwei Fuß hoch, aber ein Seitenast ragte kreuz und quer hervor, wohl fünf bis sechs Fuß lang. Kleinere Zweige sprossen davon ab – manche gewunden wie verschlungene Drachen, manche starr wie erstarrte Würmer, manche einsam und dünn wie ein Pinsel, manche dicht gedrängt wie ein Wäldchen. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, und ihr Duft übertraf selbst Orchideen. Alle waren voll des Lobes.

Unterdessen hatten Höhlennebel Strafe, Muster Pflaume und Kostbarzither Schnee ihre Gedichte bereits fertig und schrieben sie nieder. Die anderen lasen sie in der Reihenfolge der Reime „Rot“, „Pflaume“ und „Blüte“. Sie lauteten:

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Rot“ Höhlennebel Strafe

   Noch blüht kein Pfirsich, keine Aprikose rot,
   schon lacht sie im Ostwind trotz Frost und Kälte.
   Im Geiste fliegt die Seele zum Gipfel von Yu,
   getrennt durch Morgenrot träumt man von Luofu.
   Grüne Kelche geschmückt wie mit leuchtenden Kerzen,
   wie berauschte Geister auf verblasstem Regenbogen.
   Nein, dies ist keine gewöhnliche Farbe –
   in Eis und Schnee blüht sie, bald zart, bald tief.

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Pflaume“ Muster Pflaume

   Nicht weiße Pflaumen will ich besingen, sondern rote,
   die prangend als Erste dem trunkenen Blick sich bieten.
   Das frostbleiche Antlitz trägt Spuren wie Blut,
   das bittere Herz, selbst ohne Groll, zerfällt zu Asche.
   Ein Elixier verlieh ihr wahrer Knochen Wandlung,
   vom Jadeteich stieg sie herab in neuem Leib.
   Im Norden wie Süden – der Frühling strahlt,
   den Bienen und Faltern sei gesagt: Zweifelt nicht!

Lob der roten Pflaumenblüte – Reim auf „Blüte“ Xue Kostbarzither Schnee

   Spärlich die Zweige, doch üppig die Blüte,
   ein Frühlingsfest, als wetteiferten Mädchen im Putz.
   Im stillen Hof bleibt kein Rest von Schnee,
   über Fluss und Bergen schwebt Abendrot.
   Kühle Träume folgen dem Flötenklang,
   wie Feenduft treibt ein Floß auf dem Purpurfluss.
   Einst stand dieser Baum auf der Jadeplattform –
   wie sonst hätte er solche Blütenpracht!

Alle lobten die Gedichte lächelnd und meinten, das letzte sei das beste. Schatzjade war zutiefst erstaunt über Kostbarzither Schnees wachen Geist, war sie doch die Jüngste. Kajaljade und Xiangji füllten gemeinsam einen kleinen Becher mit Wein und reichten ihn Kostbarzither Schnee als Glückwunsch. Schatzspange sagte lächelnd: „Jedes der drei Gedichte hat seine eigenen Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag an mir abgearbeitet, jetzt nehmt ihr euch wohl sie vor.“

Frau Li fragte Schatzjade: „Hast du dein Gedicht fertig?“ Schatzjade erwiderte eilig: „Ich hatte schon etwas, aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Lasst mich nachdenken!“

Als Xiangji das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und sagte lachend: „Ich schlage die Trommel! Wenn beim letzten Trommelschlag nichts fertig ist, wird die Strafe verdoppelt!“ Schatzjade lachte: „Ich hab es schon.“

Kajaljade nahm den Pinsel und sagte: „Sprich, ich schreibe.“ Xiangji schlug einmal zu und rief lachend: „Der erste Schlag!“ Schatzjade sagte lachend: „Fertig! Schreib nur.“ Alle hörten ihn sprechen:

   Noch ehe der Wein fließt, noch ehe der Vers geformt,

Kajaljade schrieb und schüttelte lachend den Kopf: „Der Anfang ist mittelmäßig.“ Xiangji drängte: „Schnell!“ Schatzjade fuhr lächelnd fort:

   such ich den Frühling und frag den Winter im Feenland Penglai.

Kajaljade und Xiangji nickten lächelnd: „Das hat schon etwas.“ Schatzjade sprach weiter:

   Nicht Tau aus der Guanyin-Flasche begehre ich,
   nur einen Zweig erbitt ich vor der Göttin Tor.

Kajaljade schrieb und schüttelte wieder den Kopf: „Ein Zufallstreffer.“ Xiangji trieb mit dem zweiten Trommelschlag zur Eile. Schatzjade deklamierte lächelnd weiter:

   Blutroten Schnee trag ich kühn aus der Welt der Stille,
   Purpurwolken reiß ich heraus und kehr ins Menschenreich.
   Den Hagern im Dichtermantel, wen dauert's, dass er friert?
   Noch klebt am Kleid das grüne Moos vom Tempelgrund.

Kaum hatte Kajaljade zu Ende geschrieben und alle wollten das Gedicht besprechen, da stürmten ein paar Dienstmädchen herein und meldeten: „Die Herzoginmutter[16] kommt!“

Alle eilten hinaus, um sie zu empfangen, und sagten lächelnd: „Was hat sie nur für gute Laune!“ Von fern erblickten sie die Herzoginmutter [贾母], die in einen weiten Umhang gehüllt, mit einer warmen Mütze aus Graufeh auf dem Kopf, in einem kleinen Bambustragstuhl saß und einen Regenschirm aus blauer Ölseide hielt. Neben ihr gingen Mandarinenente [鸳鸯][17], Hupo [琥珀][18] und fünf oder sechs weitere Dienstmädchen, jede mit einem Schirm, und begleiteten den Tragstuhl.

Frau Li und die anderen wollten ihr entgegeneilen, doch die Herzoginmutter schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ausrichten: „Bleibt, wo ihr seid.“ Als sie herankam, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Ich bin heimlich hergekommen, ohne eurer Herrin und Phönixglanz etwas zu sagen. Im tiefen Schnee in diesem Stuhl zu sitzen, macht mir nichts aus – aber warum sollten die beiden sich durch den Schnee quälen?“

Alle gaben ihr recht, stürzten herbei, nahmen ihr den Umhang ab und stützten sie beim Aussteigen. Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als Erstes lachend: „Was für herrliche Pflaumenblüten! Ihr versteht es, euch zu vergnügen – da bin ich hier gerade richtig!“ Während sie das sagte, ließ Frau Li sogleich ein großes Wolfsfell bringen und in der Mitte des Ofenbetts ausbreiten. Die Herzoginmutter setzte sich und sagte lächelnd: „Macht nur weiter mit Plaudern, Lachen, Essen und Trinken. Weil die Tage jetzt kurz sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr. Ich habe ein Weilchen Domino gespielt, dann bin ich auf euch gekommen und hergekommen, um meinen Spaß zu haben.“

Frau Li reichte ihr sofort ein Handöfchen, und Erkundefrühling brachte ein eigenes Paar Becher und Essstäbchen, goss eigenhändig gewärmten Wein ein und reichte ihn der Herzoginmutter. Die Herzoginmutter trank einen Schluck und fragte: „Was ist das dort auf dem Teller?“ Alle reichten ihn ihr rasch und erklärten: „Marinierte Wachteln.“ Die Herzoginmutter sagte: „Die mag ich. Reißt mir ein, zwei Keulchen davon ab.“ Frau Li antwortete sofort, ließ sich Wasser zum Händewaschen bringen und zerlegte das Geflügel eigenhändig.

„Setzt euch wieder hin und unterhaltet euch, ich höre zu“, forderte die Herzoginmutter sie auf. Zu Frau Li sagte sie: „Auch du, setz dich hin! Macht es genau so, als wäre ich nicht gekommen – sonst gehe ich wieder.“ Alle setzten sich der Rangfolge gemäß, nur Frau Li rückte auf den untersten Platz.

Die Herzoginmutter fragte, was sie getrieben hätten, und sie antworteten: „Gedichte.“ Die Herzoginmutter sagte: „Statt Gedichte zu machen, solltet ihr lieber Laternenrätsel ersinnen, damit wir im Neujahrsmonat etwas zum Vergnügen haben.“ Alle stimmten zu.

Nach einer Weile Plauderei sagte die Herzoginmutter: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, sonst schadet es euch.“ Dann fügte sie hinzu: „Bei eurer vierten Schwester ist es wärmer. Gehen wir hinüber und schauen, wie weit sie mit ihrem Bild ist. Wird sie es bis Neujahr fertig haben?“

Alle sagten lachend: „Bis Neujahr? Vielleicht bis zum Drachenbootfest im nächsten Jahr!“ Die Herzoginmutter rief: „Ist das die Möglichkeit! Dann braucht sie ja länger, als es gedauert hat, diesen Garten zu bauen!“

Damit nahm sie wieder in ihrem Bambustragstuhl Platz. Alle begleiteten sie, und sie kamen am Lotoswurzelkiosk vorbei, dann in einen ummauerten Gang, der im Osten und Westen jeweils in einem Straßentor endete. An jedem Torgebäude waren innen und außen Steinplatten mit Inschriften eingelassen. Das Westtor, durch das sie jetzt gingen, trug außen die Zeichen „Durch die Wolken“ und innen „Über den Mond“.

In der Mitte des Gangs traten sie durch das nach Süden weisende Haupttor ein. Die Herzoginmutter stieg aus dem Tragstuhl, und Bedauerfrühling [惜春][19] kam ihr schon entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie zu Bedauerfrühlings Schlafgemach, über dessen Tür die drei Zeichen „Gehege der Warmen Düfte“ [暖香坞] prangten. Schon schlugen mehrere Hände den scharlachroten Filzvorhang zurück, und ein warmer Duft schlug ihnen entgegen.

Alle traten ein. Die Herzoginmutter dachte nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“ Bedauerfrühling erwiderte lächelnd: „Bei dieser Kälte gerinnt die Leimfarbe und wird spröde. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, und habe es daher weggeräumt.“

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Aber zu Neujahr will ich es haben. Mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“

Kaum hatte sie ausgesprochen, da trat plötzlich Phönixglanz lachend herein. Sie trug eine purpurne Lammfelljacke. „Alte Ahne, Ihr geht einfach weg, ohne einem Menschen etwas zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ sagte sie.

Die Herzoginmutter, natürlich erfreut über ihr Kommen, erwiderte: „Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, und habe deshalb nicht erlaubt, euch Bescheid zu sagen. Du bist wirklich ein Schlaufuchs, dass du mich gefunden hast. Aber eigentlich gehört das gar nicht zur kindlichen Ehrerbietung.“

Phönixglanz erwiderte lachend: „Ehrerbietung hat mich ja gar nicht hergetrieben! Als ich in Eure Gemächer kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Mädchen, aber die wollten nichts sagen und schickten mich in den Garten. Während ich noch rätselte, kamen plötzlich zwei, drei Nonnen, und da wurde mir alles klar: Die Nonnen bringen doch die Neujahrsgebete und wollen die Jahreszuwendungen und Weihrauchgelder abholen. Ihr habt zum Jahresende viel um die Ohren und wolltet Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken. Also fragte ich sofort die Nonnen – und tatsächlich hatte ich recht. Ich gab ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um zu melden: Die Gläubiger sind weg, Ihr braucht Euch nicht länger zu verstecken! Außerdem ist ein zarter junger Fasan für Euch zubereitet. Bitte kommt zum Abendessen – wenn Ihr noch wartet, wird er zäh und trocken.“

Während sie so sprach, lachten alle.

Phönixglanz wartete gar keine Antwort der Herzoginmutter ab, sondern befahl, den Tragstuhl zu bringen. Lächelnd stieg die Herzoginmutter ein, von Phönixglanz gestützt. Von allen begleitet und unter Plaudern und Lachen verließen sie den Gang durch das Osttor. Ringsum war alles wie weiß gepudert und aus Silber gegossen.

Plötzlich erblickten sie Kostbarzither Schnee, die in ihrem Wildentenfeder-Umhang auf dem Berghang stand und wartete. Hinter ihr hielt ein Dienstmädchen eine Vase mit einem roten Pflaumenzweig. Alle sagten lachend: „Deshalb also fehlten die beiden – sie hat sich auch einen Zweig geholt und wartet hier auf uns.“

Die Herzoginmutter rief voller Freude: „Seht nur – das Mädchen auf dem Berghang, in dieser Kleidung, und dahinter die Pflaumenblüten – woran erinnert euch das?“ Alle sagten lächelnd: „An Qiu Yings ‚Bild der Zwei Schönheiten‘ [Anm.: Qiu Ying (仇十洲), berühmter Maler der Ming-Dynastie], das in Euren Gemächern hängt.“

Die Herzoginmutter schüttelte lächelnd den Kopf: „Die auf dem Bild hat nicht solche Kleider an. Und so schön ist sie auch nicht!“ Kaum hatte sie das gesagt, erschien hinter Kostbarzither Schnee eine Gestalt in einem großen scharlachroten Filzumhang. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ fragte die Herzoginmutter. Alle lachten: „Wir sind doch alle hier – das ist Schatzjade.“ Die Herzoginmutter seufzte lächelnd: „Meine Augen werden immer schlechter.“

Als sie herankamen, waren es tatsächlich Kostbarzither Schnee und Schatzjade. Schatzjade wandte sich lächelnd an Schatzspange, Kajaljade und die anderen: „Ich war eben noch einmal im Kloster Gefangenes Grün. Wunderjade schenkt jeder von euch einen Zweig Pflaumenblüten. Ich habe sie schon austragen lassen.“

Alle sagten strahlend: „Vielen Dank für die Mühe!“

Über diesem Gespräch hatten sie den Garten bereits verlassen und waren in den Gemächern der Herzoginmutter angelangt. Nach dem Essen plauderte man noch eine Weile, als plötzlich Tante Schnee [薛姨妈][20] erschien.

„Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Den ganzen Tag bin ich nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, gnädige Frau. Seid Ihr heute nicht in Stimmung? Eigentlich solltet Ihr den Schnee bewundern.“ Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Warum nicht in Stimmung? Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“

Tante Schnee sagte lächelnd: „Gestern Abend hatte ich schon vor, unsere gnädige Frau zu bitten, mir heute den Garten für einen Tag zu überlassen, um ein paar bescheidene Tische aufzustellen und Euch einzuladen, den Schnee zu bewundern. Aber dann hörte ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte mir, Ihr fühltet Euch nicht ganz wohl. Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu stören. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich Euch einladen sollen.“

Die Herzoginmutter erwiderte lächelnd: „Das ist doch erst der erste Schnee im zehnten Monat. Es wird noch öfter schneien – da ist es nicht zu spät, dann Geld auszugeben.“ Tante Schnee lachte: „Wenn dem so ist, wird meine kindliche Ehrerbietung noch aufrichtiger.“

Phönixglanz sagte lachend: „Passt nur auf, dass Ihr es nicht vergesst, Frau Tante. Am besten wiegt Ihr gleich fünfzig Liang Silber ab und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es schneit, richte ich alles her – so müsst Ihr Euch nicht kümmern und könnt es auch nicht vergessen.“

Die Herzoginmutter lachte: „Wenn es so ist, dann gebt ihr die fünfzig Liang Silber, Frau Tante, und ich teile mit ihr – jeder fünfundzwanzig. Wenn es dann schneit, tue ich so, als wäre mir nicht wohl, und die Sache verläuft im Sande. Ihr habt gar keine Umstände, aber Phönixglanz und ich haben einen echten Gewinn.“

Phönixglanz klatschte lachend in die Hände: „Herrlich! Ganz mein Gedanke!“ Alle lachten.

Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Sofort kletterst du an der Stange hoch, die man dir hinhält! Dabei solltest du sagen: Die Frau Tante ist unser Gast, bei uns muss sie sich ohnehin einschränken, da müssten wir sie einladen – wie können wir sie Geld ausgeben lassen! Statt so zu reden, besitzt du noch die Frechheit, im Voraus fünfzig Liang zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham!“

Phönixglanz erwiderte lachend: „Unsere alte Ahne hat wahrlich einen scharfen Blick! Sie wollte es nur ausprobieren. Wäre die Frau Tante nachgiebig gewesen und hätte die fünfzig Liang herausgerückt, hätte sie mit mir geteilt. Aber weil absehbar war, dass es nicht klappt, machte sie eine Kehrtwende und hat mich mit großen Reden abgekanzelt. Nun verlange ich auch kein Silber mehr von der Frau Tante, sondern gebe ihr welches, damit sie ein Essen für Euch ausrichtet, alte Ahne. Außerdem überreiche ich Euch noch fünfzig Liang als Strafe dafür, dass ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“

Sie hatte noch nicht ausgeredet, da warfen sich alle vor Lachen aufs Ofenbett.

Dann sprach die Herzoginmutter darüber, wie Kostbarzither Schnee im Schnee mit dem Pflaumenzweig aufgetaucht war und dabei schöner ausgesehen habe als ein Bild. Anschließend wollte sie genau die acht Zeichen für Geburtsjahr, -monat, -tag und -stunde wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen.

Tante Schnee ahnte, dass die Herzoginmutter die Absicht hatte, Kostbarzither Schnee mit Schatzjade zu verheiraten. Im Grunde wäre sie einverstanden gewesen, doch Kostbarzither Schnee war bereits mit dem Sohn der Meis verlobt. Da die Herzoginmutter sich noch nicht offen geäußert hatte, konnte auch sie nicht direkt darauf eingehen und wählte einen Umweg.

„Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie viel von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern bereist. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er überall Handel trieb, verbrachte die Familie mal hier ein Jahr, mal dort ein halbes Jahr, so dass sie fünf oder sechs Zehntel des ganzen Reiches gesehen haben. Damals hat er sie hier mit dem Sohn des Akademikers Mei verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf ist er gestorben. Ihre Mutter leidet zudem an Schwindsucht...“

„Wie schade!“ fiel Phönixglanz ihr ins Wort, noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte, und stampfte seufzend mit dem Fuß auf. „Gerade wollte ich als Heiratsvermittlerin auftreten, und nun ist sie schon verlobt!“

Die Herzoginmutter fragte lächelnd: „Für wen wolltest du denn werben?“ Phönixglanz erwiderte: „Fragt nicht danach, alte Ahne! In meinem Herzen wusste ich genau, dass die beiden ein Paar wären. Aber da sie schon verlobt ist, hat es keinen Sinn mehr, darüber zu reden. Lassen wir es.“

Die Herzoginmutter wusste, wen Phönixglanz gemeint hatte. Als sie hörte, dass Kostbarzither Schnee bereits vergeben war, ließ sie das Thema fallen.

Man plauderte noch eine Weile, dann löste sich die Gesellschaft auf. Über die Nacht gibt es nichts zu berichten.

Am nächsten Tag hatte es aufgeklart. Nach dem Essen ermahnte die Herzoginmutter persönlich Bedauerfrühling: „Egal ob es kalt oder warm ist, mal einfach weiter und werde bis Neujahr fertig. Wenn es wirklich gar nicht geht, dann eben nicht. Aber das Allerwichtigste ist: Kostbarzither Schnee mit dem Mädchen und den Pflaumenblüten von gestern musst du haargenau so, wie wir es gesehen haben, ohne einen einzigen Fehler, schnell auf das Bild bringen.“

Bedauerfrühling war zwar in Verlegenheit, aber sie musste es versprechen. Als bald darauf alle kamen, um ihr beim Malen zuzuschauen, saß Bedauerfrühling nur da und blickte geistesabwesend vor sich hin.

Frau Li sagte lächelnd zu den anderen: „Lasst sie in Ruhe nachdenken. Wir unterhalten uns inzwischen. Gestern hat die Herzoginmutter befohlen, wir sollten Laternenrätsel machen. Als ich dann mit Prachtamt Pflaume und Muster Pflaume zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich zwei Rätsel aus den ‚Vier Büchern‘ [Anm.: Die Vier Bücher – Lunyu, Mengzi, Daxue und Zhongyong – Grundtexte des Konfuzianismus] erdacht, und die beiden auch, jede zwei.“

Alle sagten: „Das ist genau das Richtige. Sag sie uns, wir raten!“ Frau Li sagte lächelnd: „‚Die Göttin Guanyin hat keine Familienchronik.‘ Zu erraten ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“

Xiangji rief sofort: „‚Am Höchsten Guten innehalten‘!“ [Anm.: 在止于至善, aus dem Daxue] Doch Schatzspange sagte lächelnd: „Denk erst darüber nach, was ‚Familienchronik‘ bedeutet, bevor du rätst.“ Frau Li sagte: „Überleg noch einmal.“ Kajaljade lachte: „Ah, ich hab's! Es ist: ‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“ [Anm.: 虽善无征, aus dem Zhongyong – Guanyin ist gütig (善), hat aber als Gottheit keine irdische Familiengeschichte als „Beweis“ (征)]

Alle sagten: „Das ist die richtige Stelle.“

Frau Li sagte weiter: „‚Ein Teich voll grünem Gras – wie heißt das Gras?‘ Das ist ebenfalls aus den Vier Büchern.“ Xiangji rief eilig: „Das muss ‚Schilf und Rohr‘ sein [Anm.: 蒲芦也, aus den Vier Büchern – Schilf, das im Wasser wächst]. Oder etwa nicht?“

Frau Li sagte lächelnd: „Das hast du richtig erraten. Muster Pflaumes Rätsel ist: ‚Wasser fließt am Stein vorbei und wird kalt.‘ Zu erraten ist der Name einer Person aus alter Zeit.“ Erkundefrühling fragte lachend: „Ist es Shan Tao?“ [Anm.: 山涛 – „Berg-Welle“, wobei 山 = Stein/Berg und 涛 = Welle/fließendes Wasser kalt]

Muster Pflaume bestätigte lächelnd: „Ja, richtig.“

Frau Li fuhr fort: „Prachtamt Pflaumes Rätsel ist das Zeichen ‚Glühwürmchen‘. Zu erraten ist ein einzelnes Schriftzeichen.“ Alle rätselten lange, bis Kostbarzither Schnee lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Zeichen ‚hua‘ – Blume?“ [Anm.: 花]

Prachtamt Pflaume bestätigte lächelnd: „Genau richtig.“

Die anderen fragten: „Was haben Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ Kajaljade erklärte lächelnd: „Das ist höchst scharfsinnig! Glühwürmchen sind doch, wie das Zeichen ‚hua‘ besagt, ‚aus Gras verwandelt‘.“ [Anm.: Das Zeichen 花 (hua = Blüte) enthält das Radikal 艹 (Gras) und 化 (verwandeln). Nach alter chinesischer Vorstellung entstehen Glühwürmchen (萤 = ying) durch Verwandlung (化) aus Gras (草).]

Alle verstanden und sagten lachend: „Gut!“

Schatzspange wandte ein: „Die Rätsel sind zwar gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der Herzoginmutter. Wir sollten lieber einfache, alltagsnahe Dinge nehmen, an denen Edle wie Einfache gleichermaßen Freude haben können.“

Alle stimmten zu: „Ja, vertraute Alltagsdinge müssen es sein.“

Xiangji meldete sich lachend: „Ich habe eins nach dem Lied-Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘ [Anm.: 点绛唇, ein Ci-Tonmuster] gedichtet. Es ist etwas ganz Gewöhnliches – versucht es zu raten!“ Und sie rezitierte:

   Den Tälern und Bächen entrissen,
   tollt es durch den Staub dieser Welt.
   Doch was für ein Sinn?
   Ruhm und Reichtum sind nur eitel,
   hinten folgt nichts mehr nach.

Niemand konnte es lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch, andere meinten einen daoistischen Priester, wieder andere eine Marionette. Schatzjade lachte nur und sagte schließlich: „Alles falsch! Es muss ein dressierter Affe sein.“ [Anm.: Der Affe stammt aus Bergen und Tälern (溪壑分离), tollt in der Menschenwelt umher, Ruhm und Gewinn sind ihm egal – und „hinten folgt nichts mehr nach“ bezieht sich auf den abgeschnittenen Schwanz.]

Xiangji bestätigte lachend: „Genau, der ist es.“

„Die ersten Sätze passen“, sagten die anderen, „aber wie erklärt sich der letzte?“ Xiangji fragte zurück: „Gibt es dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgehackt worden ist?“ Alle lachten und meinten: „Selbst beim Rätselmachen ist sie noch so absonderlich.“

Frau Li sagte: „Kostbarzither Schnee, deine Tante hat erzählt, du hast viel gesehen und bist viel gereist. Da solltest du unbedingt auch Rätsel machen, zumal du gut dichtest – gib sie uns zum Raten auf!“

Kostbarzither Schnee nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Schatzspange ein Rätsel fertig und rezitierte:

   Stockwerk auf Stockwerk aus edelstem Holz,
   doch kein Meister hat es erbaut.
   Und mag der Wind auch noch so blasen –
   kein Dachglöckchen setzt er in Gang.
   – Welches Ding ist gemeint?

Während alle noch rätselten, ließ auch Schatzjade sich vernehmen:

   Unendlich fern sind Himmel und Erde,
   nach dem Jadelattich-Fest ist Vorsicht geboten.
   Auf den Ruf von Phönix und Kranich muss man achten
   und schluchzend die Antwort zum Himmel senden.

Kajaljade hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor:

   Was braucht das edle Ross noch seidene Zügel,
   wenn es wild um Stadt und Graben jagt?
   Auf einen Wink des Herrn fährt es wie Blitz und Donner
   und steht allein berühmt auf dem Rücken der Riesenschildkröte.

Erkundefrühling hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es gerade vortragen, als Kostbarzither Schnee lächelnd herantrat und sagte: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und zu jeder ein Erinnerungsgedicht verfasst. Meine Verse sind zwar grob, aber sie erinnern an vergangene Ereignisse, und in jedem Gedicht ist ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand verborgen. Liebe Schwestern, versucht sie zu erraten!“

Alle sagten: „Das ist geschickt gemacht! Warum schreibst du sie nicht auf, damit alle sie lesen können?“

Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.

Anmerkungen

  1. Chin. 宝钗 Bǎochāi (vollst. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange“. Eine der beiden weiblichen Hauptfiguren.
  2. Chin. 凤姐 Fèngjie (vollst. 王熙凤 Wáng Xīfèng), wörtl. „Phönix-Glanz“. Die Haushofmeisterin der Kaufmann-Familie.
  3. Chin. 李纨 Lǐ Wán. Witwe des früh verstorbenen Herrlichkeit Kaufmann, Vorsteherin des Gartens.
  4. Chin. 平儿 Píng’ér, wörtl. „Friedchen“. Phönixglanz’ erste Kammerzofe und Vertraute.
  5. Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftkastanie“. Konkubine von Becken Schnee, ehemals Zhen Heldenlotus.
  6. Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Frühlings-Erkunderin“. Dritte Tochter von Aufrecht Kaufmann.
  7. Chin. 李綺 Lǐ Qǐ, Nichte von Frau Li.
  8. Chin. 李紋 Lǐ Wén, Nichte von Frau Li.
  9. Chin. 岫烟 Xiùyān, vollst. 邢岫烟 Xíng Xiùyān. Nichte von Dame Strafe.
  10. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, eine Nichte der Herzoginmutter, temperamentvoll und fröhlich.
  11. Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, jüngere Kusine von Schatzspange, berühmt für ihre Schönheit und Dichtkunst.
  12. Chin. 黛玉 Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade“. Kajaljade, eine der beiden weiblichen Hauptfiguren des Romans.
  13. Chin. 宝玉 Bǎoyù (vollst. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade“. Der männliche Hauptprotagonist des Romans.
  14. Chin. 妙玉 Miàoyù, wörtl. „Wundersame Jade“. Eine buddhistische Nonne, die im Kloster Gefangenes Grün im Garten lebt.
  15. Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Die Überraschende“ (nach dem Gedicht „der Blütenduft greift den Menschen an“). Schatzjades erste Kammerzofe.
  16. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die älteste und ranghöchste Person der Kaufmann-Familie.
  17. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente“. Erste Kammerzofe der Herzoginmutter. Mandarinenenten gelten in China als Symbol ehelicher Treue.
  18. Chin. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein“. Eine Kammerzofe der Herzoginmutter.
  19. Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Frühlings-Bewahrerin“. Jüngste Tochter von Herrlichkeit Kaufmann.
  20. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee“. Mutter von Schatzspange und Becken Schnee, Schwester von Dame König.