Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 51"

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Kapitel 51
<div style="background-color: #8b1a1a; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;">
 
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">[1-10]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">[11-20]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">[21-30]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">[31-40]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">[41-50]</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">'''51'''</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_52|<span style="color: #FFD700;">52</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_53|<span style="color: #FFD700;">53</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_54|<span style="color: #FFD700;">54</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_55|<span style="color: #FFD700;">55</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_56|<span style="color: #FFD700;">56</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_57|<span style="color: #FFD700;">57</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_58|<span style="color: #FFD700;">58</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_59|<span style="color: #FFD700;">59</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_60|<span style="color: #FFD700;">60</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">[61-70]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">[71-80]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">[81-90]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">[91-100]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">[101-110]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">[111-120]</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
 
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<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 8px 15px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px; font-size: 0.95em;">
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Die junge Schnee-Schwester verfasst neue Gedichte über historische Stätten — Ein Kurpfuscher verschreibt rohe Wolfsmedizin
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 51 =
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Als alle hörten, Schatzzither<ref>Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, „Schatzzither Schnee".</ref> habe über die historischen Stätten in den verschiedenen Provinzen, die sie auf ihren Reisen besucht hatte, zehn Vierzeiler verfasst, in denen je ein Alltagsgegenstand als Rätsel verborgen sei, sagten sie einhellig, das sei natürlich und neuartig zugleich. Alle drängten sich vor, um die Gedichte zu lesen, und dort stand geschrieben:
== 薛小妹新编怀古诗 ==
 
=== 胡庸医乱用虎狼药 ===
 
  
Als sie hörten, Bau-tjin habe zehn Vierzeiler über Erinnerungen an historische Stätten in den verschiedenen Provinzen verfaßt, die sie besucht hatte, und es seien zehn Gegenstände darin zu erraten, sagten alle: „Das ist freilich neuartig und geschickt!“ Jeder drängte sich vor, um die Gedichte als erster zu lesen, und dort stand:
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    Erinnerung an die Rote Wand (I)
„Erinnerungen an die Rote Wand Das Wasser sich staut an der Roten Wand,
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    An der Roten Wand versenkt, das Wasser stockt im Lauf,
leer sind die Boote, nur Kampfbanner wehn.
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    vergeblich stehn noch Namen auf dem leeren Boot.
Ein Feuersbrand prasselt, der Wind heult dazu,
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    Im Lärm der Flammen heult der kalte Wind,
und zahllose Leichen trägt fort der Strom.
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    zahllose Heldenseelen treiben still darin.
  
Erinnerungen an Cochinchina Eherne Glocken tun kund strenge Macht,
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    Erinnerung an Jiaozhi (II)
fern die Barbaren vernehmen den Ruf.
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    Bronzene Glocken künden strenge Ordnung an,
Ma Yüan erwarb sich unsterblichen Ruhm,
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    ihr Hall erreicht barbarische Völker überm Meer.
warum also singt man nur von Dschang Liang?
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    Ma Yuans Verdienste waren wahrlich groß,
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    die Eisenflöte braucht nicht Zhang Liang zu besingen.
  
Erinnerungen an den Glockenberg Konnten dich Reichtum und Ehre locken,
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    Erinnerung an den Glocken-Berg (III)
dem Ruf zu folgen in den Staub der Welt,
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    Wann hätten Ruhm und Reichtum je zu dir gehört?
wo Sorge dich quält, ob früh ob spät,
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    Grundlos vom Edikt gerufen in den Staub der Welt.
so zürne doch nicht, wenn die Menge lacht.
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    Verwicklung und Verstrickung enden nie,
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    so zürne nicht, wenn andere spotten über dich.
  
Erinnerungen an Huai-yin Den Tapfersten selbst schonte die Tücke nicht –
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    Erinnerung an Huaiyin (IV)
kaum auf dem Thron, legt man ihn schon ins Grab.
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    Auch tapfre Krieger müssen vor gemeinen Hunden stehn,
Doch sollte niemand gering ihn schätzen,
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    erst auf dem Thron, da senkt sich schon der Sargdeckel.
einstiger Wohltat gedachte er treu.
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    Sagt diesem schnöden Volke, es soll nicht verachten,
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    selbst sterbend denkt er noch an jenen Bissen Reis.
  
Erinnerungen an Guang-ling Wo einst Zikaden und Vögel sangen,
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    Erinnerung an Guangling (V)
Fehlt heute von Schönheit jegliche Spur.
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    Zikaden zirpen, Krähen nisten — im Nu ist es vorbei,
Was blieb, ist der Ruf der Extravaganz,
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    der Damm der Sui-Dynastie — wie steht es heute dort?
Genug wußte man davon zu reden.
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    Nur weil er sich den Ruf der Eleganz erwarb,
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    gab es nicht wenig böser Zungen über ihn.
  
Erinnerungen an die Pfirsichblatt-Überfahrt Spiegeln sich welkende Blumen im Teich,
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    Erinnerung an die Pfirsichblatt-Fähre (VI)
so muß auch vom Ast sich lösen das Blatt.
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    Welkes Gras und müssige Blumen spiegeln sich im flachen Teich,
Manch hoher Beamter hat es erlebt,
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    der Pfirsichzweig, das Pfirsichblatt — getrennt für immer.
ein Bild, eine Inschrift blieben zurück.
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    Sechs Dynastien lang standen stolze Balken dort,
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    ein kleines Bildnis hängt noch einsam an der Wand.
  
Erinnerungen an den Düsteren Hügel Der Schwarze Fluß selbst verhielt seinen Lauf,
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    Erinnerung an den Düsteren Hügel (VII)
als kummervoll hier die Laute erklang.
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    Der Schwarze Strom, er wühlt und stockt in seinem Lauf,
Beklagenswert, was der Han-Kaiser tat,
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    die Eissaiten der Laute klagen bittre Trauer.
ein Nichtsnutz, für ewig mit Schmach bedeckt.
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    Des Han-Reichs Ordnung ist wahrlich zu beklagen,
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    ein Nichtsnutz sollte sich in Ewigkeit noch schämen.
  
Erinnerungen an Ma-wee Ruhig die Miene, nur Schweiß auf der Stirn,
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    Erinnerung an Mawei (VIII)
als jäh sie mußte scheiden von hinnen.
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    Einsam die Rougespuren, schweißbedeckt und glänzend,
Zurück blieb von ihr Erinnerung nur
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    und alle Zartheit ging dem Osten zu in einem Nu.
und ein Dufthauch noch in ihren Kleidern.
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    Nur weil von jener Schönen Spuren blieben,
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    duften noch heute ihre Kleider und ihr Tuch.
  
Erinnerungen an das Pu-dung-Kloster Hung-niang war nur von geringer Geburt,
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    Erinnerung an den Pudong-Tempel (IX)
Doch mutig half sie dem liebenden Paar.
+
    Die kleine Rote, von geringer Herkunft, leichten Sinns,
Als schließlich die Herrin sie schalt und schlug,
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    half heimlich stehlen und das Liebespaar zusammenzwingen.
war‘n die beiden schon nicht mehr zu trennen.uß selbst verhielt seinen Lauf,
+
    Obwohl die Herrin sie zuweilen an den Balken hing,
als kummervoll hier die Laute erklang.
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    hatt' sie die beiden längst zusammengebracht.
Beklagenswert, was der Han-Kaiser tat,
 
ein Nichtsnutz, für ewig mit Schmach bedeckt.
 
  
Erinnerungen an Ma-wee Ruhig die Miene, nur Schweiß auf der Stirn,
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    Erinnerung an den Pflaumenblütenkloster (X)
als jäh sie mußte scheiden von hinnen.
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    Nicht beim Pflaumenbaum, beim Weidenbaum statt dessen,
Zurück blieb von ihr Erinnerung nur
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    wer findet dort das Bildnis jener Schönen?
und ein Dufthauch noch in ihren Kleidern.
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    An Wiedersehn denk nicht — erst wenn der Frühling naht,
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    nach einem Abschied weht der Herbstwind, und ein Jahr vergeht.
  
Erinnerungen an das Pu-dung-Kloster Hung-niang war nur von geringer Geburt,
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Alle lasen die Gedichte und priesen sie als außergewöhnlich und kunstvoll. Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".</ref> äußerte sich zuerst: „Die ersten acht Gedichte beruhen sämtlich auf historisch belegten Tatsachen, aber für die letzten beiden gibt es keine Beweise. Wir verstehen sie auch nicht recht. Es wäre besser, du schriebest zwei neue an ihrer Stelle."
Doch mutig half sie dem liebenden Paar.
 
Als schließlich die Herrin sie schalt und schlug,
 
war‘n die beiden schon nicht mehr zu trennen.
 
  
Erinnerungen an den Aprikosenblütentempel Ob Weide hier grünt, Aprikose blüht,
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Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".</ref> fiel ihr hastig ins Wort: „Schwester Schatzspange ist wirklich zu sehr eine, die den Leim auf den Steg klebt und dann die Laute spielen will [Anm.: Sprichwort für übertriebene Pedanterie] — zu gekünstelt und geziert! Für diese beiden Gedichte mag es zwar keine Belege in den Geschichtswerken geben, und wir mögen die inoffiziellen Überlieferungen nicht gelesen haben und die Hintergründe nicht kennen, aber haben wir denn nicht einmal zwei Theaterstücke gesehen? Das weiß schon ein dreijähriges Kind, geschweige denn wir!"
wer fand am Ende der Schönen Porträt?
 
Doch ward nicht sofort ihr Eheglück wahr,
 
nach einem Jahr erst sahn sie sich wieder.
 
Alle waren des Lobes voll, Bau-tschai aber sagte: „Für die ersten acht gibt es Belege in den historischen Schriften, aber für die letzten beiden fehlt jeder Beweis. Sehr verständlich sind sie auch nicht für uns. Darum ist es das beste, du schreibst zwei neue!“
 
Sofort wandte jedoch Dai-yü ein: „Kusine Bau-tschai ist aber auch zu engherzig und unnachsichtig! Mag es für diese beiden Gedichte auch keine Belege in den Geschichtsbüchern geben, und mögen wir die inoffiziellen Lebensbeschreibungen der Leute nicht gelesen haben, so daß wir die genauen Hintergründe nicht kennen, aber haben wir etwa die beiden Theaterstücke auch nicht gesehen? Die kennt schon ein dreijähriges Kind, um wieviel mehr wir!“
 
„Vollkommen richtig!“ pflichtete Tan-tschun ihr bei.
 
„Zumal sie ja die Stätten gesehen hat“, bestätigte auch Li Wan. „Obwohl es für diese beiden Geschichten keine Beweise gibt, werden sie doch von altersher überliefert, und die Liebhaber solcher Geschichten haben dann pseudohistorische Stätten dafür gefunden, um die Leute an der Nase herumzuführen.
 
Zum Beispiel haben wir seinerzeit, als wir auf dem Weg in die Hauptstadt waren, allein von Meister Guan drei oder vier Gräber gesehen. Alle Taten von Meister Guan sind belegt, aber wie kann er mehrere Gräber haben? Das kann doch wohl nur daran liegen, daß die Menschen späterer Zeiten, die sich für seine Taten begeisterten, es sich aus Verehrung für ihn so ausgedacht haben. So etwas gibt es. In den ‚Aufzeichnungen über die weite Erde‘ kann man lesen, daß es nicht nur von Meister Guan viele Gräber gibt, schon seit alter Zeit gibt es nicht wenig berühmte Männer mit mehreren Gräbern, und andere unverbürgte historische Stätten gibt es noch mehr.
 
Der Inhalt der beiden Gedichte läßt sich zwar nicht beweisen, aber bei allen Geschichtenerzählern und Opernsängern, ja selbst auf Orakellosen kann man sie erwähnt finden. Junge und Alte, Männer wie Frauen, alle kennen diese Geschichten, alle führen sie ständig im Munde. Und es ist ja schließlich nicht dasselbe, als wenn wir verdorbene Bücher wie das ‚Westzimmer‘ und den ‚Päonienpavillon‘ lesen würden. Also macht es auch nichts, und die beiden Gedichte können bleiben.“
 
Erst nach diesen Worten gab sich Bau-tschai geschlagen. Alle rieten dann ein Weilchen, aber niemand fand eine richtige Lösung . Kurz, wie die Wintertage sind, war es bald Zeit, drüben zu Abend zu essen. Also gingen alle gemeinsam hinüber.
 
Nach dem Essen wurde Dame Wang gemeldet, Hsi-jëns älterer Bruder Hua Dsï-fang sei da, um zu berichten, daß ihre Mutter schwer krank sei und sich nach ihrer Tochter sehne. Er sei mit der Bitte gekommen, ihm gnädigst zu gestatten, Hsi-jën zu einem Besuch nach Hause zu holen.
 
„Wie könnte ich das nicht gestatten, wenn die Mutter mit ihrer Tochter zusammen sein möchte!“ erwiderte Dame Wang. Dann rief sie Hsi-fëng zu sich, teilte ihr die Sache mit und befahl ihr, alles entsprechend zu erledigen.
 
Hsi-fëng sagte: „Jawohl!“ und kehrte in ihre Räume zurück, wo sie Dschou Juees Frau holen ließ, damit diese Hsi-jën die Nachricht überbrachte. Dann befahl sie ihr noch: „Du nimmst eine ältere Frau und zwei Mägde mit, um Hsi-jën zu begleiten, außerdem von draußen vier ältere Männer, die den Wagen folgen. Für euch nehmt ihr einen großen Wagen und für die Mädchen einen kleinen.“
 
Dschou Juees Frau sagte: „Jawohl!“ und wollte eben gehen, als Hsi-fëng noch hinzusetzte: „Hsi-jën macht nicht gern Umstände, darum bestell ihr, sie soll sich schön anziehen und noch ein ordentliches Bündel Kleider mitnehmen. Auch ein schöner Kleiderbeutel müsse es sein, und ein gutes Handöfchen müsse sie ebenfalls mitnehmen. Bevor sie abfährt, soll sie zu mir kommen, damit ich sie mir ansehen kann.“
 
Dschou Juees Frau sagte ihr alles zu und ging hinaus. Nach längerer Zeit erschien Hsi-jën dann wirklich in anderem Kopfputz und anderer Kleidung als sonst. Zwei Sklavenmädchen und Dschou Juees Frau trugen ihr das Handöfchen und das Kleiderbündel.
 
Wie Hsi-fëng feststellte, trug Hsi-jën mehrere goldene Haarpfeile und Perlenspangen auf dem Kopf und sah damit wirklich prächtig aus. Gekleidet war sie in eine zartrosa Jacke, die mit dem Hundert-Kinder-Motiv in Seidenweberei verziert und mit Hermelin gefüttert war, und einen Rock aus gelbgrüner Seide, bestickt mit goldenen Kreisen und bunten Mustern. Darüber trug sie ein Obergewand aus dunkelblauem Atlas mit einem Futter aus Feh.
 
„Diese Sachen hat dir die gnädige Frau verehrt“, sagte Hsi-fëng lächelnd, „und sie sind auch gut, nur das Obergewand ist ein wenig zu schmucklos und auch zu dünn bei diesem Wetter. Du solltest eines aus dickerem Fell anziehen!“
 
„Die gnädige Frau hat mir nur dieses aus Fehfell gegeben“, erklärte Hsi-jën, ebenfalls lächelnd. „Außerdem habe ich noch eines aus Hermelin. Sie hat mir versprochen, ich bekäme zu Neujahr eines aus dickerem Fell, aber jetzt habe ich noch keines.“
 
„Ich habe eines, an dem mir die Art nicht gefällt, wie die Zierkanten des Pelzfutters herausschauen“, fuhr Hsi-fëng lächelnd fort. „Eigentlich wollte ich es ändern lassen. Aber sei‘s drum! Zieh du es an, und wenn die gnädige Frau zu Neujahr Pelzsachen machen läßt, bekomme ich statt deiner ein neues. Das ist dann genausogut, als wenn du es mir zurückgibst.“
 
Alle lachten darüber und meinten: „Immer müßt Ihr so etwas sagen, junge gnädige Frau! Dabei kommt Ihr das ganze Jahr über hinter dem Rücken der gnädigen Frau großzügig für vielerlei Dinge auf, von denen sie nichts weiß, so daß es gar nicht zu sagen ist. Und wann dächtet Ihr je daran, ihr das vorzurechnen! Jetzt aber führt Ihr wieder einmal kleinliche Worte im Munde, um uns zum Lachen zu bringen.“
 
„Wie könnte die gnädige Frau an all diese Dinge denken!“ erwiderte Hsi-fëng lächelnd. „Und was sind das schon für Großartigkeiten! Aber kümmern muß sich jemand darum, denn es geht um unser aller Ansehen. Da muß ich wohl oder übel ein bißchen Verlust in Kauf nehmen, damit unsere Leute anständig gekleidet gehen und ich einen guten Ruf genieße. Wenn alle wie angebrannte Fladen aussähen, würde man zuallererst mich geringschätzen, weil ich den Haushalt führe und die Leute wie Bettler herumlaufen lasse.“
 
„Wer wäre noch so vollkommen wie Ihr, junge gnädige Frau!“ sagten alle und seufzten. „Ihr denkt Euch in die Lage der gnädigen Frau und seid zugleich gut zu den Untergebenen.“
 
Während sie das sagten, hörten sie, wie sich Hsi-fëng mit dem Auftrag an Ping-örl wandte: „Hol das dunkelblaue Gewand mit dem Pelzfutter und den acht Kreisen mit Flügelpferden aus Seidenweberei, das ich gestern anhatte, und gib es Hsi-jën!“
 
Dann entdeckte Hsi-fëng, daß der Beutel von Hsi-jëns Kleiderbündel nur aus schwarzbedruckter Seide mit rosafarbenem Futter war und nichts weiter enthielt als zwei abgetragene baumwollgefütterte Jacken und das andere pelzgefütterte Obergewand. Darum befahl sie Ping-örl noch: „Bring auch einen Kleiderbeutel aus Wollstoff mit jadefarbenem Seidenfutter heraus!“ Und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Pack ihr auch einen Umhang ein!“
 
Als Ping-örl wiederkam, brachte sie einen getragenen Umhang aus scharlachrotem Filz und einen anderen aus dunkelrotem Camelot.
 
„Einen zweiten nehme ich nicht!“ sträubte sich Hsi-jën.
 
Aber lächelnd sagte Ping-örl: „Du bekommst den aus dem scharlachroten Filz. Den anderen habe ich gleich mit herausgebracht, um ihn Fräulein Hsiu-yän bringen zu lassen. Gestern bei dem starken Schnee hatte jedes der Fräulein einen Umhang um, wenn nicht aus Filz, dann aus Wollstoff. Und wie hübsch sahen alle vor dem weißen Schnee aus! Nur sie allein hatte einen alten Filzumhang um, und man bekam richtig Mitleid mit ihr, wie sie vor Kälte die Schultern zusammenzog und den Rücken krümmte. Darum schicke ich ihr jetzt diesen hier.“
 
„Meine Sachen will sie unaufgefordert weggeben!“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Gebe ich allein vielleicht noch nicht genug aus, daß auch du noch dein Teil dazutun mußt?“
 
„Das liegt nur daran, daß Ihr immer so ehrerbietig gegenüber der gnädigen Frau und so großzügig gegenüber den Untergebenen seid“ sagten die anderen lächelnd. „Wenn Ihr kleinlich wärt und nur Euren Besitz im Kopf hättet, würde sie auch nicht wagen, so etwas zu tun.“
 
„Man sieht daran, daß sie als einzige ein wenig mein Herz kennt“, erwiderte Hsi-fëng lächelnd. Dann wies sie Hsi-jën an: „Wenn es deiner Mutter besser geht, ist alles klar. Wenn nicht, bleib nur dort und schick jemand, der es mir meldet. Dann lasse ich dir dein Bettzeug bringen. Nimm nicht das Bettzeug und das Frisierzeug von jemand anders!“
 
Anschließend wandte sie sich auch an Dschou Juees Frau mit den Worten: „Ihr wißt ja, wie wir es halten, darum muß ich euch nicht extra Anweisungen erteilen.“
 
„Wir wissen Bescheid“, versicherte Dschou Juees Frau. „Wenn wir dort sind, werden wir dafür sorgen, daß Abstand gehalten wird. Und wenn sie bleiben muß, lassen wir uns ein oder zwei separate Innenräume für sie geben.“
 
Nach diesen Worten folgte sie Hsi-jën hinaus und befahl dort, Laternen anzuzünden. Dann nahmen sie in den Wagen Platz und fuhren zum Hause von Hua Dsï-fang. Mehr soll davon hier nicht die Rede sein.
 
Inzwischen ließ Hsi-fëng zwei alte Ammen aus dem Hof der Freude am Roten zu sich rufen und ordnete an: „Hsi-jën wird wohl heute nicht zurückkommen. Ihr wißt selber, wer von den älteren Mägden verständig ist, schickt also zwei von ihnen zu Bau-yü hinein, damit sie bei ihm Nachtwache halten. Und gebt auch ihr gut auf ihn acht und laßt ihn keinen Unfug treiben!
 
Die beiden alten Ammen gingen fort, kamen aber bald darauf wieder und meldeten: „Wir haben bestimmt, daß Tjing-wën und Schë-yüä ins Zimmer gehen und daß wir zu viert abwechselnd Nachtwache halten.“
 
Hsi-fëng nickte dazu und befahl noch: „Ermahnt ihn am Abend, früh schlafen zu gehen, und am Morgen, früh aufzustehen!“
 
Die alten Ammen versprachen es und kehrten wieder in den Garten zurück.
 
Kurze Zeit später kam Dschou Juees Frau mit der Meldung, Hsi-jëns Mutter sei tot, deshalb könne Hsi-jën nicht zurückkommen. Hsi-fëng unterrichtete Dame Wang davon und schickte jemand in den Garten des Großen Anblicks, um Hsi-jëns Bettzeug und Toilettenkästchen zu holen. Bau-yü sah zu, wie Tjing-wën und Schë-yüä alles ordentlich zusammenpackten und abschickten. Als sie anschließend ihren Schmuck abgelegt und Jacke und Rock gewechselt hatten, setzte sich Tjing-wën ans Kohlenbecken, so daß Schë-yüä sie mahnen mußte: „Spiel dich hier nicht als Fräulein auf, sondern beweg dich ein bißchen!“
 
„Dazu ist später immer noch Zeit, wenn ihr andern alle fort seid“, gab Tjing-wën zur Antwort, „solange ihr noch hier seid, mache ich es mir bequem.“
 
Lächelnd erwiderte Schë-yüä: „Liebe Schwester, ich werde das Bett machen, und du ziehst die Hülle über den Ankleidespiegel und schiebst oben die Klemme zurecht. Du bist größer als ich.“ Mit diesen Worten ging sie für Bau-yü das Bett machen.
 
Tjing-wën seufzte, dann beklagte sie sich lächelnd: „Kaum hat man sich hingesetzt, um sich zu wärmen, kommst du und störst einen!“
 
Als Bau-yü, der untätig dagesessen und darüber nachgegrübelt hatte, warum Hsi-jëns Mutter sterben mußte und sich nicht wieder erholen konnte, Tjing-wëns Worte vernahm, stand er selber auf und ging hinaus, um die Hülle über den Spiegel zu ziehen und die Klemme festzumachen. Dann kam er wieder herein und sagte lächelnd: „Wärmt euch nur, es ist schon alles getan!“
 
„Lange können wir uns doch nicht wärmen“, gab Tjing-wën zurück. „Mir ist eben eingefallen, daß wir die Wärmflasche noch nicht geholt haben.“
 
„Welch ein Glück, daß du daran denkst!“ sagte Schë-yüä. „Er nimmt nämlich nie eine, und wir haben es hier am Kohlenbecken wärmer als drüben auf dem kalten Ofenbett. Also wird keine gebraucht.“
 
„Soll das heißen, ihr wollt beide hier schlafen?“ erkundigte sich Bau-yü. „Wenn niemand bei mir ist, werde ich vor Angst die ganze Nacht kein Auge zutun können.“
 
„Ich schlafe hier und Schë-yüä bei dir im warmen Zimmer neben dem Bett“, sagte Tjing-wën.
 
Über diesem Gespräch war die zweite Nachtwache angebrochen, und Schë-yüä hatte schon längst die Vorhänge herabgelassen, die Lampe für die Nacht umgestellt und Weihrauch nachgelegt. Jetzt half sie Bau-yü beim Zubettgehen, dann erst legten sich auch die beiden Mädchen schlafen, Tjing-wën am Kohlenbecken und Schë-yüä neben Bau-yü auf dem Ofenbett.
 
Um die dritte Nachtwache herum rief Bau-yü im Halbschlaf nach Hsi-jën. Nachdem er zweimal gerufen hatte und niemand antwortete, kam er zu sich, und erst jetzt fiel ihm ein, daß Hsi-jën nicht da war, und er mußte über sich selber lachen.
 
Inzwischen war auch Tjing-wën wach geworden und rief lachend nach Schë-yüä „Sogar ich bin hier wach geworden, sie aber liegt dort neben ihm und merkt von nichts – die reinste Leiche!“ sagte sie.
 
Schë-yüä rappelte sich auf, gähnte und sagte dann lächelnd: „Er hat ja nach Hsi-jën gerufen, was geht das mich an?“ Dann fragte sie, was zu tun sei, und Bau-yü verlangte nach Tee. Rasch stand Schë-yüä auf, zog aber nur eine baumwollgefütterte Jacke aus roter Seide über.
 
„Tu dir noch meine Jacke um, ehe du gehst“, forderte Bau-yü sie auf. „Gib acht, daß du dich nicht erkältest!“
 
Also hängte sie sich die warme Zobelfelljacke um die Schultern, die Bau-yü trug, wenn er nachts aufstehen mußte, wusch sich im Waschbecken die Hände, goß zuerst eine Schale lauwarmes Wasser ein und hielt den Spucknapf, während Bau-yü sich den Mund spülte. Dann erst nahm sie eine Trinkschale von der Teezeugstellage, spülte sie aus, füllte sie aus der Warmhaltekanne halb voll Tee und reichte sie Bau-yü zum Trinken. Anschließend spülte auch sie sich den Mund und trank ebenfalls eine halbe Schale.
 
„Für mich auch einen Schluck, liebste Schwester!“ verlangte Tjing-wën lächelnd.
 
„Du wirst immer unverschämter“, gab Schë-yüä lächelnd zurück.
 
„Liebste Schwester“, bat Tjing-wën weiter, „morgen abend brauchst du dich nicht zu rühren, und ich sorge für dich die ganze Nacht. Wie wäre das?“
 
Notgedrungen bediente Schë-yüä auch sie beim Mundspülen und ließ sie eine halbe Schale Tee trinken. Anschließend bat Schë-yüä lächelnd: „Schlaft noch nicht ein und unterhaltet euch einen Moment, ich muß mal raus und bin gleich wieder da!“
 
„Draußen lauert ein Gespenst auf dich!“ behauptete Tjing-wën lächelnd.
 
„Draußen ist heller Mondschein“, beruhigte sie Bau-yü. „Wir unterhalten uns solange, geh nur!“ Und er räusperte sich.
 
Schë-yüä öffnete die Hintertür, hob den Filzvorhang in die Höhe und sah, daß wirklich schöner Mondschein war. Tjing-wën indessen wartete nur, bis Schë-yüä draußen war, dann stand sie vom Kohlenbecken auf und schlich ihr nach, um ihr zum Schabernack einen Schreck einzujagen. Da sie nicht so zimperlich war wie die anderen und keine Angst vor der Kälte hatte, zog sie sich nichts weiter über und ging in ihrem kurzen, dünnen Jäckchen hinaus.
 
„Verkühl dich nicht!“ warnte Bau-yü lächelnd. „Damit ist nicht zu spaßen.“
 
Aber Tjing-wën winkte nur ab und ging hinaus. Draußen glänzte im Mondlicht alles wie Wasser. Dann aber schnitt ihr ein plötzlicher Windstoß so eisig durch Fleisch und Bein, daß sie unwillkürlich erschrak und sich sagte: „Kein Wunder, wenn es heißt, mit durchwärmtem Körper solle man sich nicht dem Wind aussetzen. Das ist wirklich entsetzlich kalt.“
 
Eben wollte sie nun Schë-yüä erschrecken, als Bau-yü von drinnen rief: „Tjing-wën ist draußen!“
 
Rasch machte sie kehrt, ging wieder hinein und sagte lächelnd: „Ich hätte sie schon nicht zu Tode erschreckt! Du aber bist wie stets zaghaft wie ein altes Weib.“
 
Lächelnd erwiderte Bau-yü: „Ich hatte keine Angst, daß du sie zu sehr erschrecken könntest. Vielmehr fände ich es schlimm, wenn du dich erkälten würdest, und außerdem hätte sie sich bestimmt nicht beherrschen können und hätte geschrien. Wenn sie dadurch jemand geweckt hätte, würde es nicht heißen, wir hätten uns einen Scherz erlaubt, sondern wir hätten, kaum daß Hsi-jën weg ist, Gespenster gesehen. Komm her, schieb mir die Decke unter!“
 
Tjing-wën trat an sein Bett, schob ihm die Decke unter und steckte dann beide Hände unter die Decke, um sie zu wärmen.
 
„Wie kalt deine Hände sind!“ sagte Bau-yü lächelnd. „Ich habe dir ja gesagt, paß auf, daß du dich nicht verkühlst!“ Dann sah er, daß ihre Wangen rot wie Rouge waren, und als er sie mit der Hand befühlte, waren sie ebenfalls kalt wie Eis.
 
„Komm schnell unter die Decke und wärm dich auf!“ sagte Bau-yü.
 
Er hatte noch nicht zu Ende gesprochen, da schlug, klapp! die Tür zu, und Schë-yüä stürzte lachend herein. „Ich bin vielleicht vor Schreck zusammengefahren!“ sagte sie. „Es schien jemand im Schatten hinter den Felsen zu hocken. Ich wollte schon schreien, da sah ich, daß es der große Goldfasan war, weil er ins Helle geflattert kam, als er mich bemerkte. Wenn ich mich nicht beherrscht hätte und hätte losgeschrien, wären alle wach geworden.“
 
Bei diesen Worten hatte sie sich die Hände gewaschen und fragte nun lächelnd: „Wohin ist denn Tjing-wën verschwunden, wenn sie draußen war? Bestimmt wollte sie mich erschrecken.“
 
„Hier ist sie“, sagte Bau-yü lächelnd. „Sie wärmt sich bei mir. Wenn ich nicht schnell gerufen hätte, hätte sie dir einen schönen Schreck eingejagt.“
 
„Ich brauchte sie gar nicht zu erschrecken“, sagte Tjing-wën und lachte. „Das kleine Spitzbein hat ja auch so genug Angst.“ Mit diesen Worten war sie aufgestanden und unter ihre eigene Decke geschlüpft.
 
„Bist du etwa in diesem Kunstreiterkostüm hinausgelaufen?“ erkundigte sich Schë-yüä.
 
„Aber ja, das ist sie“, bestätigte Bau-yü lächelnd.
 
„Willst du dir den Tod holen?“ rief Schë-yüä aus. „Wenn du draußen so herumgestanden hast, muß dir ja vor Kälte die Haut gesprungen sein.“ Anschließend nahm sie den durchbrochenen Aufsatz vom Kohlenbecken, schob mit der Feuerschaufel die Glut zurecht und tat zwei Scheite Duftholz darauf. Als sie das Becken wieder mit dem Aufsatz bedeckt hatte, trat sie noch hinter den Wandschirm und putzte den Lampendocht, ehe sie sich wieder hinlegte.
 
Tjing-wën, die erst gefroren hatte und nun wieder im Warmen lag, nieste ein paarmal hintereinander.
 
„Siehst du“, sagte Bau-yü, „du hast dich doch erkältet!“
 
Und lächelnd erklärte Schë-yüä: „Schon heute morgen beim Aufstehen klagte sie, sie fühle sich nicht wohl, und hat deshalb auch den ganzen Tag über nichts gegessen. Aber anstatt sich jetzt wenigstens ein bißchen zu schonen, mußte sie noch ihren Schabernack mit mir treiben. Wenn sie morgen krank ist, hat sie sich das selbst zuzuschreiben.“
 
„Hast du eine heiße Stirn?“ wollte Bau-yü wissen.
 
Tjing-wën räusperte sich und erwiderte dann: „Es hat nichts zu besagen. Seit wann wäre ich so zart?!“
 
Kaum hatte sie das gesagt, schlug draußen in dem Regal mit den Ziergegenständen die Schlaguhr zwei Mal – ding, dang! Im Vorraum aber hüstelte eine der alten Ammen, die dort Nachtwache hielten, und mahnte: „Schlaft jetzt, Mädchen! Unterhaltet euch morgen weiter!“
 
„Wir wollen lieber still sein, ehe sie noch mehr an uns auszusetzen hat!“ flüsterte Bau-yü lächelnd, dann überließen sie sich wieder dem Schlaf.
 
Als sie am nächsten Morgen aufstanden, hatte Tjing-wën tatsächlich eine verstopfte Nase und eine belegte Stimme und mochte sich nicht rühren.
 
„Wir wollen keinen Ton davon sagen!“ empfahl Bau-yü. „Wenn es die gnädige Frau erfährt, läßt sie dich nach Hause bringen, bis du wieder gesund bist. Und wenn es auch schön ist, zu Hause zu sein, ist es doch kälter dort und nicht so gut wie bei uns. Also bleib nur hier im Innenraum liegen, und ich lasse einen Arzt holen, der heimlich durchs Hintertor kommen wird, um dich zu untersuchen. Dann geht alles in Ordnung.“
 
„Schön und gut“, sagte Tjing-wën, „aber der ersten jungen gnädigen Frau mußt du Bescheid geben. Was willst du sonst sagen, wenn der Arzt kommt und die Leute wissen wollen, warum?“
 
Bau-yü sah ein, daß sie recht hatte, also rief er eine der alten Ammen und befahl: „Du gehst zur älteren jungen Herrin und meldest ihr, Tjing-wën habe sich ein bißchen verkühlt, aber es sei nichts Ernstes. Da Hsi-jën nicht hier ist, würde ich gar niemand mehr haben, wenn Tjing-wën nach Hause müßte, bis sie wieder gesund ist. Ich hätte schon nach einem Arzt schicken lassen, der in aller Stille durchs Hintertor kommt, um Tjing-wën zu untersuchen, und sie möchte es bitte nicht der gnädigen Frau melden.“
 
Die Alte ging fort, und als sie nach einiger Zeit wiederkam, berichtete sie: „Die ältere junge gnädige Frau weiß Bescheid. Sie hat gesagt, wenn es mit ein paarmal Medizinschlucken abgetan ist, sei alles in Ordnung. Wenn nicht, müsse Tjing-wën das Anwesen verlassen. Das Wetter sei jetzt tückisch, und obwohl es nicht so schlimm wäre, wenn jemand anders sich ansteckte, müsse man der jungen Fräulein wegen doch vorsichtig sein.“
 
Als Tjing-wën, die im geheizten Innenraum auf dem Bett lag und in einem fort hustete, diese Worte vernahm, rief sie wütend: „Habe ich vielleicht die Pest, daß sie Angst haben muß, ich könnte jemand anstecken? Ich gehe! Aber dann möchte ich nicht erleben, daß hier irgend jemand in Zukunft auch nur Kopfschmerzen bekommt!“ Und damit versuchte sie wirklich aufzustehen.
 
Rasch drückte Bau-yü sie nieder und redete ihr zu: „Reg dich nicht auf, sie tut nur ihre Pflicht, weil sie Angst haben muß, die gnädige Frau könnte ihr Vorwürfe machen, wenn sie davon erfährt. Sie hat das nur so gesagt, du aber mußt dich immer gleich ereifern, noch dazu jetzt, wo deine Leber besonders hitzig ist.“
 
Bei diesen Worten wurde gemeldet: „Der Arzt kommt.“ Also ging Bau-yü hinaus und suchte Zuflucht hinter dem Büchergestell. Von dort aus hörte er nur, wie ein paar alte Ammen vom Hintertor den Arzt hereinführten.
 
Alle Sklavenmädchen hatten den Innenraum verlassen, lediglich drei, vier alte Ammen waren zurückgeblieben. Die bestickten dunkelroten Bettvorhänge waren herabgelassen, und Tjing-wën streckte nur ihren Arm darunter hervor.
 
Als der Arzt sah, daß zwei Fingernägel an der Hand bestimmt ihre drei Tsun lang waren und noch erkennbar mit Balsaminensaft rot gefärbt worden waren, wandte er sofort das Gesicht ab, und eine der alten Ammen legte rasch ein Taschentuch über die Hand. Jetzt erst fühlte der Arzt ein Weilchen die Pulse, dann stand er auf und ging in den Vorraum hinaus, wo er den Ammen verkündete: „Das Fräulein leidet an einem äußeren Infekt und einer inneren Stauung. In den letzten Tagen war schlechtes Wetter, darum können wir von einer leichten Erkältung ausgehen. Glücklicherweise ist das Fräulein mäßig im Essen und Trinken, und die Erkältung ist wirklich nicht schwer. Doch infolge ihrer zarten Konstitution hat sie sich ein wenig infiziert. Wenn sie ein paarmal Medizin eingenommen hat, wird sie wieder gesund sein.“ Nach diesen Worten folgte er den Frauen nach draußen.
 
Inzwischen hatte Li Wan am Hintertor und in allen Gartenhäusern Bescheid geben lassen, daß sich die Sklavenmädchen verborgen halten sollten, und so bekam der Arzt nur die Gartenlandschaft zu Gesicht und kein einziges Mädchen. Am Ausgang des Gartens nahm er in der Wachstube der Sklavenjungen Platz und schrieb das Rezept auf.
 
„Geht noch nicht fort, Herr“, baten ihn die alten Ammen. „Umständlich, wie unser junger Herr ist, hat er vielleicht noch Fragen.“
 
„Wie“, fragte der Arzt sofort, „war das eben kein Fräulein, sondern ein junger Herr? Das Zimmer sah aus wie das eines Fräuleins, und die Bettvorhänge waren auch heruntergelassen. Wie kann es da ein junger Herr gewesen sein?“
 
„Guter Mann!“ sagten die alten Ammen und schmunzelten. „Kein Wunder, daß die Jungen vorhin sagten, Ihr wärt neu hier. Ihr wißt wirklich nicht über uns Bescheid. Die Räume gehören unserm jungen Herrn, und die Kranke ist eine seiner Mägde, kein Fräulein. Wären es die Räume eines Fräuleins gewesen und hätte es sich bei der Kranken auch um ein Fräulein gehandelt, wäret Ihr wohl nicht so einfach hineingekommen.“ Damit nahmen sie das Rezept und brachten es hinein.
 
Als Bau-yü es las, fand er Zutaten darin wie Schwarznessel, Ballonblumenwurzel, Silerwurzel, Katzenminze und anderes, am Schluß sogar Bitterorange und Ephedrastengel.
 
„Zum Teufel mit diesem Arzt!“ schimpfte Bau-yü, „wie kann er ein Mädchen behandeln, als ob es unsereins wäre? Und wenn sie zehnmal an einer inneren Stauung leidet, verträgt sie doch keine Bitterorangen und Ephedrastengel! Wer hat den Mann holen lassen? Schickt ihn weg, aber schnell, und holt jemand, den wir kennen!“
 
„Ob diese Medizin etwas taugt oder nicht, davon verstehen wir nichts“, erwiderte eine von den alten Ammen. „Es ist auch nicht schwer, durch einen der Jungen den Hofarzt Wang herbitten zu lassen. Aber dieser Arzt hier ist ohne Wissen des Hauptverwalters geholt worden, also müssen wir ihm das Geld für Pferd oder Sänfte zahlen.“
 
„Wieviel muß ich ihm geben?“erkundigte sich Bau-yü.
 
„Es darf nicht zu wenig sein, sonst macht es einen schlechten Eindruck“, erklärte ihm die Alte. „Ein Liang Silber muß er schon bekommen, damit es der Würde des Hauses entspricht.“
 
„Wieviel bekommt Hofarzt Wang, wenn er hier war?“ erkundigte sich Bau-yü weiter.
 
„Hofarzt Wang und Hofarzt Dschang kommen ständig zu uns“, gab die Alte ihm lächelnd Auskunft. „Sie werden nicht jedesmal einzeln bezahlt, sondern bekommen jedes Jahr zu den vier großen Feiertagen reichlich Geschenke, die zusammen einer bestimmten Jahreszuwendung entsprechen. Dieser Mann aber war extra zu einem Besuch hergebeten worden, deshalb muß er sein Liang Silber bekommen.“
 
Also befahl Bau-yü, Schë-yüä solle das Silber holen.
 
„Ich weiß aber nicht, wo Schwester Hsi-jën es aufbewahrt“, erwiderte Schë-yüä.
 
„Ich habe öfter gesehen, wie sie Geld aus dem Schränkchen mit den Perlmutteinlagen nahm“, sagte Bau-yü. „Ich werde mitkommen, und dann suchen wir gemeinsam!“
 
Also gingen sie zu zweit in den Raum, wo Bau-yüs Sachen aufbewahrt wurden. Als sie das Schränkchen öffneten, fanden sie im obersten Fach Schreibpinsel, Tusche, Fächer, Räuchertabletten sowie Täschchen und Schweißtücher verschiedener Art und mancherlei anderes. Im nächsten Fach lagen ein paar Münzschnüre, und erst in der Schublade, die sie dann aufzogen, fanden sie ein Körbchen mit ein paar Stücken Silber. Auch eine Balkenwaage lag dabei.
 
Schë-yüä nahm ein Silberstück heraus, hielt die Waage in die Höhe und fragte Bau-yü: „Welches ist die Markierung für ein Liang?“
 
„Das willst du von mir wissen?“ fragte Bau-yü lachend. „Du tust ja gerade so, als ob du den ersten Tag hier wärst.“
 
Schë-yüä lachte ebenfalls und wollte jemand anders fragen gehen, Bau-yü aber sagte: „Nimm das größere Stück da, und laß es ihm geben, das wird schon recht sein. Schließlich treiben wir hier keinen Handel, was soll da die Rechnerei.“
 
Also legte Schë-yüä die Waage wieder zurück, nahm das Silberstück hoch, wog es auf der Hand und sagte lächelnd: „Das wird wohl ein Liang sein! Lieber ein bißchen zuviel als zuwenig, damit uns dieser Habenichts nicht geringschätzt. Er würde doch nicht denken, wir können nicht mit der Waage umgehen, sondern meinen, wir knauserten absichtlich.“
 
Draußen auf der Plattform sagte dann die alte Amme, die dort gewartet hatte: „Das ist ein zerschnittener Fünf-Liang-Barren, das Stück wiegt mindestens zwei Liang. Aber da wir keine Silberschere zur Hand haben, mußt du es wieder zurücklegen und ein kleineres Stück heraussuchen.“
 
Aber Schë-yüä, die das Schränkchen schon zugemacht hatte, ehe sie herausgekommen war, sagte lächelnd: „Wer wird da noch lange suchen! Auch wenn es mehr ist, gib es ihm nur!“
 
„Und bestell Ming-yän rasch, er solle den Arzt Wang herbitten, dann ist alles in Ordnung!“ setzte Bau-yü hinzu.
 
Die Alte verschwand mit dem Silberstück, und bald darauf kam in Begleitung von Ming-yän wirklich der Hofarzt Wang. Nachdem er der Kran-
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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Erkundefrühling<ref>Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling".</ref> sagte: „Das ist völlig richtig."
Kranken die Pulse gefühlt hatte, lautete seine Diagnose so ähnlich wie die vorige, aber in seinem Rezept fehlten Bitterorange, Ephedrastengel und ähnliche Zutaten, statt dessen enthielt es solche Bestandteile wie Engelwurz, getrocknete Mandarinenschalen sowie geschälte und gekochte Päonienwurzel, und auch die Mengenangaben waren reduziert.
 
„Das ist Medizin für ein Mädchen!“ sagte Bau-yü fröhlich. „Sie muß lösend wirken, aber die Wirkung darf nicht zu drastisch sein. Als ich im vorigen Jahr krank war, hatte ich ebenfalls eine Erkältung mit Verdauungs­störungen, und nachdem mich der Arzt untersucht hatte, stellte er fest, ich würde keine Tiger- und Wolfsmedizin wie Ephedrastengel, Gips und Bitterorangen vertragen. Verglichen mit euch, bin ich wie eine jahrzehntealte Espe auf einem verwilderten Grabhügel, ihr aber gleicht den eben erblühten weißen Begonien, die Yün mir im Herbst zum Geschenk gemacht hat. Wie könntet ihr Medikamente vertragen, die nicht einmal mir bekommen!“
 
Lächelnd sagte Schë-yüä: „Als ob Espen die einzigen Bäume wären, die an verwilderten Gräbern wachsen! Gibt es dort nicht auch Kiefern und Lebensbäume? Espen mag ich am wenigsten von allen Bäumen – ein großer plumper Stamm und winzige Blätter. Selbst wenn kein Lüftchen weht, rascheln sie wie wild. Ein Vergleich damit ist zu abwertend für dich!“
 
„Aber mit Kiefern und Lebensbäumen wage ich mich nicht zu vergleichen“, gab Bau-yü lächelnd zurück. „Hat doch schon Konfuzius gesagt: ‚Erst wenn es kalt wird, erkennt man, daß Kiefer und Lebensbaum immergrün sind.‘ Da sieht man, was für edle und erhabene Bäume das sind. Nur wer kein Schamgefühl kennt, wird sich frech mit ihnen vergleichen.“
 
Während er das sagte, sah er, wie eine alte Amme die Zutaten für die Arznei brachte. Also befahl er, den Silbertiegel zum Arzneikochen hervorzusuchen und den Sud auf dem Kohlebecken zuzubereiten.
 
„Laß doch die Arznei in der Teeküche kochen, wie es sich gehört“, forderte Tjing-wën ihn auf. „Es geht doch nicht an, daß hier alles nach Arznei riecht.“
 
Aber Bau-yü erklärte: „Der Duft von Arznei ist edler als der aller Blumen und Früchte. Wenn unsterbliche Götter oder erhabene Einsiedler Kräuter sammeln und Medizin daraus kochen, ist das die feinste Sache der Welt. Ich hatte ohnehin schon den Gedanken, daß in den Räumen hier nichts so sehr fehlt wie der Duft von Arznei, und mit ihm wird jetzt alles komplett.“ Und er befahl noch einmal, den Tiegel auf das Kohlenbecken zu setzen. Außerdem gab er Schë-yüä den Auftrag, ein paar Kleinigkeiten einzupacken, die dann eine alte Amme zu Hsi-jën tragen sollte, um ihr gleichzeitig zuzureden, sie solle nicht so viel weinen.
 
Erst nachdem so alles geregelt war, ging Bau-yü hinüber zur Herzoginmutter und zu Dame Wang, um ihnen seinen Gruß zu entbieten und zu essen.
 
Dort sprach Hsi-fëng eben mit der Herzoginmutter und Dame Wang und sagte dabei: „Solange die Tage kurz sind und kaltes Wetter herrscht, sollte die Schwägerin mit den Mädchen besser im Garten essen. Wenn die Tage dann länger werden und es wärmer geworden ist, können sie ja wieder herüber- und hinüberlaufen.“
 
„Das ist ein guter Gedanke“, lobte Dame Wang, „bei Wind und Schnee ist das wirklich angebracht. Sich nach dem Essen der Kälte auszusetzen ist nicht gut, und ebenso schädlich ist es, mit leerem Magen die kalte Luft zu atmen und dann zu essen. In dem Gebäude von fünf Säulenzwischenräumen Breite am hinteren Gartentor halten sowieso ein paar Frauen Nachtwache, wir können also zwei Frauen aus der Küche auswählen, die dort für die Mädchen das Essen kochen. Frisches Gemüse bekommen sie, der Hauptverwalter gibt ihnen Geld oder Lebensmittel, und wenn wir Wild wie Fasan, Wasserhirsch oder Reh haben, bekommen sie auch etwas davon ab, dann ist für alles gesorgt.“
 
„Ich hatte auch schon daran gedacht“, sagte die Herzoginmutter, „nur schien es mir etwas aufwendig, eine zusätzliche Küche einzurichten.“
 
„Das ist es durchaus nicht“, erklärte ihr Hsi-fëng. „Die Zuwendungen bleiben die gleichen. Was dort zusätzlich anfällt, geht ja hier ab. Und selbst wenn es etwas umständlicher sein sollte, können die Mädchen nun einmal Kälte und Wind nicht vertragen. Das gilt ganz besonders für Kusine Dai-yü, aber da es selbst Bau-yü so geht, muß es für die anderen Mädchen um so eher zutreffen.“
 
„Du hast vollkommen recht“, bestätigte die Herzoginmutter, „schon neulich wollte ich genau dasselbe sagen, aber mir schien, ihr hättet mit wichtigeren Dingen ohnehin schon zuviel zu tun...“
 
Wer wissen will, wie es weiterging, ...
 
  
[[Category:Books]]
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Frau Li<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".</ref> fuhr fort: „Zumal sie ja selbst an diesen Orten gewesen ist. Obwohl es für die beiden Geschichten keine Belege gibt — seit alters her wurde von Mund zu Mund weitererzählt, und begeisterte Liebhaber solcher Geschichten haben absichtlich pseudohistorische Stätten erfunden, um die Leute hinters Licht zu führen. Als wir damals zum Beispiel auf dem Weg in die Hauptstadt waren, haben wir allein vom Grab des Meisters Guan [Anm.: Guan Yu, berühmter General der Drei Reiche] drei oder vier vorgefunden. Meister Guans Lebenswerk ist historisch verbürgt, aber wie kann er mehrere Gräber haben? Natürlich liegt es daran, dass spätere Menschen seine Taten so bewunderten, dass sie aus dieser Verehrung heraus solche Orte erdachten. Auch möglich. Schaut man in die 'Aufzeichnungen über das Weite Land', so gibt es nicht nur von Meister Guan viele Gräber — seit alters her haben berühmte Menschen nicht wenige Gräber, und unbelegte historische Stätten gibt es noch viel mehr. Bei diesen beiden Gedichten mag es keinen Beweis geben, aber bei allen Geschichtenerzählern und Theaterspielern, ja selbst auf Orakellosen finden sich Anmerkungen dazu. Jeder kennt sie, Alt und Jung, Mann und Frau, sie sind in aller Munde. Zudem ist es ja nicht so, als hätte man die Texte des 'Westzimmers' oder der 'Pfingstrose' gelesen und müsste böse Bücher fürchten. Es ist also völlig in Ordnung, die Gedichte können bleiben."
[[Category:Hongloumeng]]
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Schatzspange gab sich nach diesen Worten geschlagen. Alle rätselten eine Weile, aber niemand fand die Lösungen.
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Da die Wintertage kurz sind, war es unversehens schon wieder Zeit für das Abendessen, und alle gingen gemeinsam hinüber, um zu speisen. Da meldete jemand Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".</ref>: „Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".</ref>s Bruder Hua Zifang ist gekommen und berichtet, ihre Mutter sei schwer krank und sehne sich nach ihrer Tochter. Er bittet um die Gnade, Dufthauch nach Hause holen zu dürfen."
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Dame König hörte dies und sprach: „Mutter und Tochter — wie könnte ich es ihr verwehren!" Sogleich ließ sie Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".</ref> rufen, teilte ihr die Angelegenheit mit und befahl ihr, alles Nötige zu veranlassen.
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Phönixglanz sagte „Jawohl", kehrte in ihre Gemächer zurück und ließ Frau Zhou Rui kommen, damit diese Dufthauch die Nachricht überbringe. Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Nimm noch eine der älteren Frauen mit, die für Außenbegleitungen zuständig sind, dazu zwei kleine Mädchen als Begleitung für Dufthauch. Draußen lass vier ältere Männer den Wagen begleiten. Einen großen Wagen für euch und einen kleinen für die Mädchen."
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Frau Zhou Rui sagte „Jawohl" und wollte gerade gehen, als Phönixglanz noch hinzufügte: „Dufthauch ist eine, die nicht gern Umstände macht. Richte ihr von mir aus: Sie soll sich hübsch anziehen, ein ordentliches Bündel Kleider einpacken — auch der Kleiderbeutel muss ansehnlich sein —, und ein gutes Handöfchen mitnehmen. Bevor sie abfährt, soll sie erst zu mir kommen, damit ich sie ansehe."
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Frau Zhou Rui sagte alles zu und ging.
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Erst nach längerer Zeit erschien Dufthauch in verändertem Aufzug. Zwei Mädchen und Frau Zhou Rui trugen Handöfchen und Kleiderbündel. Phönixglanz musterte Dufthauch: Im Haar trug sie mehrere goldene Nadeln und Perlenspangen — recht prachtvoll. Am Körper trug sie eine pfirsichrosa Jacke mit dem Hundert-Kinder-Motiv in Kesi-Seidenweberei [Anm.: eine spezielle chinesische Textiltechnik], gefüttert mit silbergrauem Eichhörnchenfell, dazu einen lauchgrünen Rock aus goldbesetzter Buntstickerei mit Baumwollfütterung und darüber ein Obergewand aus dunkelblauem Atlas, gefüttert mit grauem Eichhörnchenfell.
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Phönixglanz sagte lächelnd: „Diese drei Kleidungsstücke stammen alle von der gnädigen Frau, und die Schenkung war gut und richtig. Nur das Obergewand ist etwas zu schlicht, und bei dieser Kälte solltest du eines mit dickerem Pelz tragen."
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Dufthauch erwiderte lächelnd: „Die gnädige Frau hat mir nur dieses mit dem grauen Eichhörnchenfell gegeben und noch eines mit silbergrauem Eichhörnchenfell. Sie sagte, zum Jahreswechsel bekäme ich eines mit dickerem Pelz, aber bisher habe ich es noch nicht erhalten."
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Phönixglanz lächelte: „Ich hätte da eines mit dickem Pelz, aber mir gefällt nicht, wie die Pelzkanten hervorstehen, und ich wollte es gerade umarbeiten lassen. Nun gut, zieh du es erst einmal an. Wenn die gnädige Frau zum Jahreswechsel neue anfertigen lässt, bekomme ich ein neues, und du gibst mir das dann quasi zurück."
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Alle lachten: „Die junge gnädige Frau redet immer so! Das ganze Jahr über legt Ihr großzügig für die gnädige Frau aus, ohne dass sie es weiß — die Beträge sind wirklich nicht zu beziffern. Und wann hättet Ihr je daran gedacht, ihr das vorzurechnen? Und jetzt führt Ihr solche kleinlichen Reden, nur um uns zum Lachen zu bringen."
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Phönixglanz lächelte: „Wie könnte die gnädige Frau an solche Dinge denken? Außerdem sind es keine wichtigen Angelegenheiten, aber wenn sich niemand darum kümmert, geht es um unser aller Ansehen. Da muss ich wohl oder übel ein wenig Verlust hinnehmen und dafür sorgen, dass alle anständig gekleidet sind — so ernte ich wenigstens einen guten Ruf. Wenn alle wie 'verbrannte Kuchen' aussähen, würde man zuallererst über mich lachen, dass ich als Haushaltsführerin die Leute wie Bettler herumlaufen lasse."
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Alle seufzten: „Wer kommt der jungen gnädigen Frau gleich an Weisheit? Nach oben denkt Ihr Euch in die Lage der gnädigen Frau, nach unten kümmert Ihr Euch liebevoll um die Untergebenen."
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Währenddessen befahl Phönixglanz Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".</ref>, das steinblaue Kesi-Seidengewand mit den acht Kreisen und Flügelrossen, gefüttert mit Himmelspferd-Pelz [Anm.: ein edler Pelz], herbeizubringen und Dufthauch zu geben. Als sie dann den Kleiderbeutel ansah, fand sie nur einen mit spritztintengemusterter Seide und rotem Seidenfutter, der lediglich zwei halbgetragene wattierte Jacken und ein Pelzobergewand enthielt. Phönixglanz befahl Friedchen, auch einen jadegrün gefütterten Wollstoff-Kleiderbeutel zu bringen und einen Umhang einzupacken.
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Friedchen ging und brachte zwei Stücke: einen halbgetragenen Umhang aus leuchtend rotem Orang-Utan-Filz [Anm.: kostbarer scharlachroter Filzstoff] und einen aus dunkelrotem Federkrepp. Dufthauch sagte: „Schon einen einzigen kann ich kaum annehmen."
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Friedchen lächelte: „Nimm den aus dem Orang-Utan-Filz. Den anderen habe ich gleich mitgebracht, damit er Fräulein Xing geschickt wird. Gestern bei dem starken Schneefall trugen alle ihre Umhänge — aus Filz, Federsatin oder Federkrepp. Ein Dutzend in leuchtendem Rot, wie hübsch sie sich gegen den Schnee abhoben! Nur sie allein trug ihren alten Filzumhang und sah mit hochgezogenen Schultern und gekrümmtem Rücken wirklich erbärmlich aus. Also schicken wir ihr diesen hier."
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Phönixglanz lächelte: „Meine Sachen verschenkt sie einfach von sich aus! Ich allein gebe nicht schon genug aus, jetzt muss auch du noch dein Teil dazutun — das wird ja immer besser!"
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Alle lachten: „Das liegt nur daran, dass die junge gnädige Frau stets so pflichttreu gegenüber der gnädigen Frau und so fürsorglich gegenüber den Untergebenen ist. Wäret Ihr kleinlich und nur auf Euren Besitz bedacht, würde sie es nicht wagen, so zu handeln."
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Phönixglanz lächelte: „Man sieht, dass sie die Einzige ist, die mein Herz wenigstens zu einem Drittel kennt." Dann wandte sie sich an Dufthauch: „Wenn es deiner Mutter besser geht, ist alles in Ordnung. Wenn sie es aber nicht schafft, bleib ruhig dort. Schick jemanden zu mir, und ich lasse dir das Bettzeug nachbringen. Benutze auf keinen Fall fremdes Bettzeug oder fremde Toilettensachen." Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Ihr kennt die Regeln hier, ich brauche euch nichts einzuschärfen."
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Frau Zhou Rui sagte: „Wir wissen Bescheid. Wenn wir dort ankommen, sorgen wir natürlich dafür, dass deren Leute Abstand halten. Sollte sie bleiben müssen, lassen wir uns auf jeden Fall ein oder zwei separate Innenzimmer geben." Nach diesen Worten folgte sie Dufthauch hinaus. Man ließ Laternen vorbereiten, bestieg den Wagen und fuhr zum Haus des Hua Zifang. Davon soll hier nicht weiter die Rede sein.
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Hier ließ Phönixglanz nun zwei alte Ammen aus dem Hof der Roten Freude zu sich kommen und befahl: „Dufthauch kommt wohl heute nicht zurück. Ihr kennt die älteren Mädchen dort — sucht zwei Verständige aus und schickt sie in Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, "Schatz Kaufmann-Jade".</ref>s Zimmer zur Nachtwache. Gebt auch ihr gut acht und lasst ihn keinen Unfug treiben."
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Die beiden alten Ammen gingen, kamen aber bald zurück und meldeten: „Wir haben Heitermuster<ref>Chin. 晴雯 Qíngwén, "Heiteres Wolkenmuster".</ref> und Moschusmond<ref>Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".</ref> für das Zimmer bestimmt. Wir vier wechseln uns ohnehin bei der Nachtwache ab."
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Phönixglanz nickte: „Abends sorgt dafür, dass er früh schläft, morgens, dass er früh aufsteht."
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Die alten Ammen sagten zu und kehrten in den Garten zurück. Bald darauf kam Frau Zhou Rui mit der Nachricht zurück: „Dufthauchs Mutter ist bereits verstorben. Sie kann nicht zurückkommen." Phönixglanz meldete es Dame König und schickte jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um Dufthauchs Bettzeug und Toilettenkiste zu holen.
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Schatzjade sah zu, wie Heitermuster und Moschusmond alles zusammenpackten und fortschickten. Danach legten beide ihren restlichen Schmuck ab und wechselten Rock und Jacke. Heitermuster setzte sich einfach auf den Räucherofen [Anm.: ein Kohlenbecken mit Wärmegestell]. Moschusmond lächelte: „Spiel dich heute nicht als Fräulein auf, ich rate dir, dich auch ein wenig zu bewegen."
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Heitermuster sagte: „Wartet nur, bis ihr alle fort seid, dann rühr ich mich schon noch früh genug. Solange ihr noch da seid, lass ich es mir gutgehen."
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Moschusmond lächelte: „Liebe Schwester, ich mache das Bett, und du ziehst die Hülle über den Ankleidespiegel und schiebst oben den Riegel zu — du bist größer als ich." Damit ging sie zu Schatzjade, um das Bett zu richten.
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Heitermuster seufzte und beklagte sich lächelnd: „Kaum hat man sich aufgewärmt, kommst du schon und störst!"
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Schatzjade sass unterdessen untätig da und grübelte, ob Dufthauchs Mutter nun gestorben oder doch noch am Leben sei. Als er Heitermusters Worte hörte, stand er selbst auf, ging hinaus, zog die Spiegelhülle herab, schob den Riegel fest und kam lächelnd zurück: „Wärmt euch nur, es ist alles erledigt."
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Heitermuster sagte: „Auf Dauer kann man sich gar nicht wärmen. Mir ist gerade eingefallen, dass die Wärmflasche noch nicht gebracht worden ist."
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Moschusmond sagte: „Da denkst du aber auch an alles! Er nimmt doch sonst nie eine Wärmflasche. Wir haben hier den Räucherofen, der ist viel wärmer als das kalte Ofenbett drüben — heute braucht er keine."
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Schatzjade lächelte: „Das heißt also, ihr wollt beide hier auf dem Räucherofen schlafen? Dann liegt draußen niemand bei mir, und ich bekomme die ganze Nacht vor Angst kein Auge zu."
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Heitermuster sagte: „Ich schlafe hier. Moschusmond geht nach draußen zum warmen Alkoven und schläft dort."
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Währenddessen war es schon die zweite Nachtwache geworden. Moschusmond hatte längst die Vorhänge herabgelassen, die Lampe umgestellt und Räucherwerk nachgelegt. Sie half Schatzjade ins Bett, dann erst legten sich die beiden Mädchen schlafen.
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Heitermuster lag am Räucherofen, Moschusmond draußen im warmen Alkoven [Anm.: ein beheizter Nebenraum]. Nach der dritten Nachtwache rief Schatzjade im Halbschlaf nach Dufthauch. Er rief zweimal, niemand antwortete. Er erwachte, erinnerte sich, dass Dufthauch nicht da war, und musste über sich selbst lachen.
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Heitermuster war ebenfalls wach geworden und rief lächelnd nach Moschusmond: „Sogar ich bin aufgewacht, und sie, die direkt neben ihm liegt, merkt nichts — die reinste Leiche!"
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Moschusmond drehte sich um, gähnte und sagte lächelnd: „Er hat nach Dufthauch gerufen — was geht das mich an?" Dann fragte sie, was zu tun sei. Schatzjade wollte Tee. Moschusmond stand eilig auf und zog sich lediglich ein kleines rotes Seidenjäckchen über.
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Schatzjade sagte: „Wirf dir meine Jacke über, bevor du gehst — pass auf, dass du dich nicht erkältest!"
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Moschusmond hörte das, griff hinter sich und legte sich Schatzjades pelzgefütterte Zobeljacke um, die er zum nächtlichen Aufstehen trug. Sie ging zum Waschbecken, wusch sich die Hände und goss zuerst eine Schale laues Wasser ein. Sie nahm den großen Spucknapf, und Schatzjade spülte sich den Mund. Dann nahm sie eine Teeschale vom Teeregal, spülte sie mit warmem Wasser aus, goss eine halbe Schale Tee aus der Warmhaltekanne und reichte sie Schatzjade. Auch sie selbst spülte sich den Mund und trank eine halbe Schale.
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Heitermuster lächelte: „Liebe Schwester, gib auch mir einen Schluck!"
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Moschusmond lächelte: „Du wirst ja immer dreister!"
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Heitermuster sagte: „Liebe Schwester, morgen Abend brauchst du keinen Finger zu rühren, ich bediene dich die ganze Nacht — wie wäre das?"
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So musste Moschusmond auch ihr den Mund spülen lassen und eine halbe Schale Tee eingießen. Dann lächelte Moschusmond: „Schlaft ihr zwei noch nicht ein, unterhaltet euch noch. Ich muss kurz hinausgehen."
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Heitermuster lächelte: „Draußen wartet ein Geist auf dich!"
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Schatzjade sagte: „Draußen scheint bestimmt der helle Mond. Wir unterhalten uns hier, geh nur." Dabei hüstelte er zweimal.
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Moschusmond öffnete die Hintertür, hob den Filzvorhang und blickte hinaus — tatsächlich, prächtiger Mondschein. Heitermuster wartete, bis Moschusmond draußen war, dann wollte sie ihr einen Streich spielen und sie erschrecken. Da sie von jeher kräftiger war als die anderen und die Kälte nicht scheute, zog sie sich nichts über, sondern schlich in ihrem dünnen Jäckchen leise vom Räucherofen herab und folgte ihr nach draußen.
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Schatzjade rief ihr lächelnd nach: „Pass auf, dass du dir keine Erkältung holst — damit ist nicht zu spaßen!"
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Aber Heitermuster winkte nur ab und ging hinaus. Der Mondschein lag wie Wasser auf allem. Plötzlich kam ein leichter Windstoß, der ihr durch Mark und Bein drang, und sie erschauerte unwillkürlich. Sie dachte bei sich: „Kein Wunder sagt man, ein erwärmter Körper darf nicht dem Wind ausgesetzt werden. Diese Kälte ist wirklich schneidend." Gerade wollte sie Moschusmond erschrecken, als Schatzjade drinnen laut rief: „Heitermuster ist draußen!"
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Heitermuster eilte zurück, kam herein und sagte lächelnd: „Es hätte sie schon nicht umgebracht! Immer musst du so zaghaft sein wie ein altes Weib!"
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Schatzjade lächelte: „Ich wollte nicht, dass du sie zu Tode erschreckst. Erstens erkältest du dich, und zweitens hätte sie sich bestimmt nicht beherrschen können und aufgeschrien. Wenn davon jemand aufgewacht wäre, würden sie nicht sagen, wir hätten Spaß gemacht, sondern dass wir, kaum dass Dufthauch eine Nacht fort ist, Gespenster sehen. Komm her und stopf mir die Decke fest."
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Heitermuster kam zum Bett, stopfte die Decke zurecht und steckte dann die Hand hinein, um sie aufzuwärmen. Schatzjade lächelte: „Was für kalte Hände! Ich hab's ja gesagt, pass auf, dass du dir nichts holst." Er sah, dass ihre Wangen rot wie Rouge waren, und als er sie mit der Hand berührte, waren sie eiskalt.
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Schatzjade sagte: „Schnell, schlupf unter die Decke und wärm dich auf!"
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Kaum hatte er das gesagt, klappte die Tür — Moschusmond kam lachend und atemlos hereingestürzt: „Was für ein Schreck! Im Schatten hinter dem Zierfelsen hockte etwas. Ich wollte schon schreien, als es sich als der große Goldfasan herausstellte, der aufgeschreckt ins Helle flatterte. Da erst sah ich's deutlich. Hätte ich unbesonnen losgeschrien, wäre das ganze Haus wach geworden." Während sie das sagte, wusch sie sich die Hände und lächelte dann: „Heitermuster war draußen, warum habe ich sie nicht gesehen? Bestimmt wollte sie mich erschrecken."
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Schatzjade lächelte: „Sie ist hier und wärmt sich bei mir. Hätte ich nicht schnell gerufen, hättest du einen gehörigen Schreck bekommen."
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Heitermuster lächelte: „Ich brauchte sie gar nicht zu erschrecken — das kleine Biest hat sich ganz allein gefürchtet." Damit war sie aufgestanden und zu ihrer eigenen Decke zurückgekehrt.
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Moschusmond sagte: „Bist du etwa in diesem Kunstreiter-Kostüm nach draußen gelaufen?"
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Schatzjade lächelte: „Aber ja, genau so."
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Moschusmond sagte: „Du suchst dir aber auch keinen guten Tag zum Sterben aus! Wenn du draußen herumstehst, springt dir ja die Haut vor Kälte!"
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Damit nahm sie den durchbrochenen Kupferaufsatz vom Kohlenbecken, schob mit der Feuerschaufel die glühenden Kohlen zurecht und legte zwei Stücke Räucherholz auf. Dann setzte sie den Aufsatz wieder drauf, ging hinter den Wandschirm, putzte den Lampendocht zurecht und legte sich erst dann schlafen.
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Heitermuster, die sich erst abgekühlt und dann wieder aufgewärmt hatte, nieste unwillkürlich zweimal.
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Schatzjade seufzte: „Was habe ich gesagt? Du hast dir doch eine Erkältung geholt."
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Moschusmond lächelte: „Schon heute Morgen klagte sie, sie fühle sich nicht wohl, und hat den ganzen Tag nichts gegessen. Und statt sich jetzt zu schonen, muss sie noch anderen Streiche spielen. Wenn sie morgen krank ist, hat sie es sich selbst zuzuschreiben."
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Schatzjade fragte: „Hast du eine heiße Stirn?"
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Heitermuster hüstelte zweimal und sagte: „Es ist nichts. Seit wann wäre ich so zart besaitet?"
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Kaum hatte sie das gesagt, schlug die Spieluhr im Zierregal draußen zweimal. Die alte Amme, die im Vorraum Nachtwache hielt, rausperte sich und sagte: „Mädchen, schlaft jetzt! Unterhaltet euch morgen weiter."
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Schatzjade flüsterte lächelnd: „Wir sollten still sein, sonst hat sie wieder etwas an uns auszusetzen." Damit legten sich alle schlafen.
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Am nächsten Morgen hatte Heitermuster tatsächlich eine verstopfte Nase und eine belegte Stimme und mochte sich nicht rühren.
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Schatzjade sagte: „Sag schnell keinen Ton! Wenn die gnädige Frau es erfährt, lässt sie dich nach Hause bringen, bis du gesund bist. Zu Hause ist es zwar auch schön, aber kälter als hier. Bleib lieber hier und leg dich im Innenzimmer hin. Ich lasse einen Arzt holen, der heimlich durch die Hintertür kommt und dich untersucht."
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Heitermuster sagte: „Schon recht, aber du musst es der älteren jungen Herrin [Anm.: Frau Li] mitteilen. Wenn plötzlich ein Arzt kommt und man fragt, was los ist, was sagst du dann?"
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Schatzjade sah ein, dass sie recht hatte, und befahl einer alten Amme: „Geh zur älteren jungen Herrin und melde ihr, Heitermuster habe sich ein wenig verkältet, es sei nichts Ernstes. Da Dufthauch nicht da ist und Heitermuster nach Hause ginge, hätte ich hier gar niemanden mehr. Ich habe bereits einen Arzt rufen lassen, der still und leise durch die Hintertür kommt, um sie zu untersuchen. Man möge es bitte nicht der gnädigen Frau melden."
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Die Alte ging und kam nach einiger Zeit zurück: „Die ältere junge gnädige Frau weiß Bescheid. Sie sagt, wenn ein, zwei Dosen Medizin genügen, sei alles gut. Wenn nicht, müsse sie das Anwesen verlassen. Bei diesem Wetter sei es zwar nicht so schlimm, wenn sich jemand anstecke, aber man müsse auf die Gesundheit der Fräulein achten."
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Heitermuster lag im warmen Alkoven und hustete unablässig. Als sie diese Worte hörte, rief sie wütend: „Habe ich etwa die Pest, dass man fürchten muss, ich stecke jemanden an? Ich gehe! Aber dann möchte ich nicht erleben, dass hier je wieder jemand Kopfschmerzen bekommt!" Und tatsächlich wollte sie aufstehen.
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Schatzjade drückte sie eilig nieder und redete ihr lächelnd zu: „Reg dich nicht auf. Sie tut nur ihre Pflicht und fürchtet, die gnädige Frau könnte ihr Vorwürfe machen, falls sie davon erfährt. Sie hat das nur so gesagt. Doch du musst dich immer gleich ereifern, und jetzt ist deine Leber ohnehin schon erhitzt."
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Während er noch sprach, wurde gemeldet, der Arzt sei da. Schatzjade ging hinüber und verbarg sich hinter dem Bücherregal. Er sah, wie zwei, drei alte Ammen vom Hintertor einen Arzt hereinführten. Die Mädchen hatten sich alle zurückgezogen. Drei, vier alte Ammen ließen die großen roten bestickten Vorhänge des warmen Alkovens herab, und Heitermuster streckte nur ihren Arm darunter hervor.
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Als der Arzt diese Hand sah — an der zwei Fingernägel, gut drei Zoll lang, noch rote Spuren von Balsaminen-Färbung trugen —, wandte er sofort den Blick ab. Eine der alten Ammen legte rasch ein Tuch über die Hand. Erst dann fühlte der Arzt eine Weile den Puls, stand auf und ging in den Vorraum. Dort erklärte er den Ammen: „Das Fräulein leidet an einer äußerlichen Infektion mit innerlicher Stauung. In letzter Zeit war das Wetter schlecht — es handelt sich im Grunde um eine leichte Erkältung. Glücklicherweise isst und trinkt das Fräulein von Natur aus mäßig, und die Erkältung ist nicht schwer. Nur weil die Konstitution etwas zart ist, hat sie sich etwas zugezogen. Nach ein, zwei Dosen auflösender Medizin wird sie wieder gesund sein." Nach diesen Worten folgte er den Ammen nach draußen.
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Inzwischen hatte Frau Li bereits allen am Hintertor und den Mädchen in sämtlichen Gartenhäusern Bescheid geben lassen, sich zurückzuziehen, sodass der Arzt nur die Gartenlandschaft zu sehen bekam und kein einziges Mädchen erblickte. Draußen am Gartentor setzte er sich in der Wachstube der Burschen hin und schrieb das Rezept.
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Die alte Amme sagte: „Geht noch nicht, Herr Doktor. Unser junger Herr ist etwas umständlich und hat vielleicht noch Fragen."
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Der Arzt fragte verdutzt: „War das eben kein Fräulein, sondern ein junger Herr? Das Zimmer sah aus wie ein Frauengemach, und die Vorhänge waren herabgelassen — wie kann das ein junger Herr sein?"
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Die alte Amme flüstere leise und lächelte: „Mein guter Herr Doktor, kein Wunder, dass die Burschen vorhin sagten, es sei ein neuer Arzt gekommen — Ihr kennt unsere Verhältnisse wirklich nicht. Das Zimmer gehört unserem jungen Herrn, und die Kranke ist ein Mädchen aus seinem Haushalt — ein älteres Dienstmädchen, kein Fräulein. Wäre es ein Frauengemach gewesen und die Kranke ein Fräulein, hättet Ihr so leicht nicht hineinkommen dürfen."
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Damit nahm sie das Rezept und brachte es hinein.
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Schatzjade las es: Schwarznessel, Ballonblumenwurzel, Siler, Katzenminze und anderes, und am Ende sogar noch Bitterorange und Ephedra.
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Schatzjade rief: „Der Teufel soll ihn holen! Er behandelt ein Mädchen genauso wie unsereins — wie kann das angehen! Ganz gleich, was für eine innerliche Stauung sie hat — Bitterorange und Ephedra, wie soll sie die vertragen? Wer hat ihn herbeigerufen? Schickt ihn sofort weg! Wir lassen einen erfahrenen Arzt kommen."
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Eine alte Amme sagte: „Ob die Medizin taugt oder nicht, davon verstehen wir nichts. Es ist auch nicht schwer, einen der Burschen zu schicken und Hofarzt König herzubitten. Nur — dieser Arzt hier wurde nicht über die Hauptverwaltung bestellt, darum müssen wir ihm das Geld für Sänfte und Pferd bezahlen."
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Schatzjade fragte: „Wieviel muss man ihm geben?"
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Die Alte sagte: „Weniger als ein Liang Silber geht nicht — das wäre nicht standesgemäß für ein Haus wie unseres."
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Schatzjade fragte weiter: „Und Hofarzt König — wieviel bekommt der?"
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Die Alte lächelte: „Hofarzt König und Hofarzt Zhang kommen ständig zu uns, aber sie werden nicht einzeln bezahlt. Viermal im Jahr, zu den großen Feiertagen, schicken wir reichlich Geschenke — das ist das feste Jahressalahr. Dieser Arzt hier aber war zum ersten Mal da, da muss ihm ein Liang Silber gezahlt werden."
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Schatzjade befahl Moschusmond, Silber zu holen. Moschusmond sagte: „Ich weiß nicht einmal, wo Schwester Dufthauch es aufbewahrt."
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Schatzjade sagte: „Ich habe öfter gesehen, wie sie aus dem kleinen Perlmuttschränkchen Geld nahm. Komm, wir suchen zusammen." Also gingen beide in den Raum, wo Schatzjades Habseligkeiten aufbewahrt wurden, und öffneten das Perlmuttschränkchen. Im oberen Fach lagen Pinsel, Tusche, Fächer, Räuchertabletten, allerlei Täschchen und Schweißtücher. Im unteren Fach lagen ein paar Münzschnüre. Erst als sie die Schublade öffneten, fanden sie in einem kleinen Körbchen einige Silberstücke und auch eine Balkenwaage.
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Moschusmond nahm ein Silberstück und hielt die Waage hoch: „Welche Markierung ist denn ein Liang?"
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Schatzjade lachte: „Das fragst du mich? Interessant — du tust ja, als wärst du gerade erst hergekommen."
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Moschusmond lachte ebenfalls und wollte jemand anderen fragen gehen. Schatzjade sagte: „Nimm einfach das größere Stück und gib es ihm — das reicht. Wir betreiben doch keinen Handel, wozu das ganze Rechnen!"
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Moschusmond legte die Waage zurück, nahm das größere Silberstück und wog es in der Hand: „Dieses Stück dürfte wohl ein Liang sein. Lieber ein wenig mehr als zu wenig — sonst lacht uns dieser arme Schlucker aus. Er würde nicht denken, wir könnten nicht mit der Waage umgehen, sondern meinen, wir wären absichtlich geizig."
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Die alte Amme stand draußen auf der Stufe und lächelte: „Das ist ein halber Fünf-Liang-Barren — dieses Stück wiegt mindestens zwei Liang! Wir haben gerade keine Silberschere zur Hand, also legt dieses Stück zurück und sucht ein kleineres."
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Aber Moschusmond hatte das Schränkchen längst zugemacht und kam lächelnd heraus: „Wer sucht denn noch weiter! Wenn es etwas mehr ist, nehmt Ihr es eben mit." Schatzjade sagte: „Beeile dich lieber und lass Mingyan Hofarzt König herbeirufen."
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Die Alte nahm das Silber und ging, alles zu regeln.
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Bald darauf kam tatsächlich Hofarzt König, von Mingyan herbeigeführt. Er fühlte den Puls und kam zu einem ähnlichen Befund wie sein Vorgänger, nur enthielt sein Rezept statt Bitterorange und Ephedra solche Bestandteile wie Angelikawurzel, getrocknete Mandarinenschale und weiße Päonien-Wurzel, und auch die Dosierungen waren geringer.
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Schatzjade freute sich: „Das ist endlich Medizin für Mädchen! Eine auflösende Wirkung muss sein, aber sie darf nicht zu stark sein. Als ich letztes Jahr krank war — es war ebenfalls eine Erkältung mit Verdauungsbeschwerden —, meinte er nach der Untersuchung, selbst ich vertrüge keine Wolfs-und-Tiger-Arzneien wie Ephedra, Gips und Bitterorange. Verglichen mit euch bin ich wie eine jahrzehntealte Espe auf einem verwilderten Grabhügel, und ihr seid wie die eben erst aufgeblühten weißen Begonien, die Yun mir letzten Herbst schenkte. Wenn nicht einmal ich solche Medizin vertrage — wie dann erst ihr?"
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Moschusmond und die anderen lachten: „Auf verwilderten Grabhügeln wachsen nicht nur Espen! Gibt es dort nicht auch Kiefern und Zypressen? Espen mag ich am wenigsten — so ein großer plumper Baum mit winzigen Blättern, selbst wenn kein Lüftchen weht, raschelt er wie wild. Dich damit zu vergleichen ist wirklich zu abwertend."
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Schatzjade lächelte: „Mit Kiefern und Zypressen wage ich mich nicht zu vergleichen. Hat nicht schon Konfuzius gesagt: 'Erst wenn es kalt wird, erkennt man, dass Kiefer und Zypresse zuletzt ihre Nadeln verlieren.' [Anm.: Lunyu 9.28] Das zeigt, wie edel und erhaben diese Bäume sind. Nur wer sich nicht schämt, vergleicht sich frech mit ihnen."
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Während er sprach, brachte eine alte Amme die Arzneizutaten. Schatzjade befahl, den silbernen Arzneitiegel hervorzusuchen und die Medizin auf dem Kohlenbecken zu kochen.
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Heitermuster wandte ein: „Lass die Arznei in der Teeküche kochen, wie es sich gehört. Wenn hier alles nach Medizin riecht, geht das nicht an."
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Schatzjade sagte: „Der Duft von Arznei ist edler als aller Blumen- und Früchteduft. Wenn unsterbliche Götter Kräuter sammeln und Medizin brauen, wenn erhabene Einsiedler Heilmittel zubereiten — das ist die feinste Sache der Welt. Ich hatte schon gedacht, dass in diesem Raum alles Mögliche vorhanden ist, nur der Arzneiduft fehlte noch. Jetzt ist endlich alles vollständig." Und er befahl erneut, den Tiegel aufzusetzen. Dann wies er Moschusmond an, ein paar Dinge zusammenzupacken und eine alte Amme zu Dufthauch zu schicken, um ihr zuzureden, nicht so viel zu weinen.
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Nachdem alles geregelt war, ging er hinüber zu Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".</ref> und Dame König, um seinen Gruß zu entbieten und zu essen.
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Dort sprach Phönixglanz gerade mit der Herzoginmutter und Dame König: „Die Tage sind kurz und es ist kalt. Am besten essen die ältere Schwäglerin und die Fräulein künftig im Garten. Wenn die Tage länger und wärmer werden, können sie ja wieder herüber- und hinüberlaufen."
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Dame König lächelte: „Das ist eine gute Idee. Bei Wind und Schnee ist das wirklich angebrachter. Nach dem Essen die Kälte abzubekommen ist nicht gut; mit leerem Magen in der kalten Luft herzukommen und dann etwas auf den kalten Magen zu drücken ist auch nicht gut. In dem großen Fünf-Joch-Gebäude hinter dem Gartentor halten ohnehin Frauen Nachtwache. Wir wählen zwei Köchinnen aus, die dort eigens für die Mädchen kochen. Frisches Gemüse gibt es nach dem üblichen Satz — die Hauptverwaltung gibt ihnen Geld oder Waren. Was Wildbret angeht — Fasane, Moschushirsche, Rehe und dergleichen —, teilen wir ihnen etwas zu, dann ist alles geregelt."
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Die Herzoginmutter sagte: „Genau daran habe ich auch schon gedacht. Nur fürchtete ich, eine zusätzliche Küche einzurichten sei zu umständlich."
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Phönixglanz sagte: „Das ist gar nicht umständlich. Die Zuteilungen bleiben gleich — was hier hinzukommt, wird dort abgezogen. Selbst wenn es etwas mehr Mühe macht — die jungen Mädchen in Wind und Kälte! Von den anderen einmal abgesehen, aber gerade Schwester Lin [Anm.: Kajaljade] — wie soll sie das aushalten? Und selbst Bruder Schatzjade erträgt es kaum, geschweige denn die übrigen Fräulein."
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Die Herzoginmutter sagte: „Das ist genau der springende Punkt. Schon neulich wollte ich es ansprechen, aber ich sah, dass ihr mit wichtigeren Dingen mehr als genug zu tun hattet. Wenn jetzt auch das noch hinzukäme ..." — Doch was daraus wurde, erzählt das nächste Kapitel.
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<references />

Latest revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel 51

Die junge Schnee-Schwester verfasst neue Gedichte über historische Stätten — Ein Kurpfuscher verschreibt rohe Wolfsmedizin

Als alle hörten, Schatzzither[1] habe über die historischen Stätten in den verschiedenen Provinzen, die sie auf ihren Reisen besucht hatte, zehn Vierzeiler verfasst, in denen je ein Alltagsgegenstand als Rätsel verborgen sei, sagten sie einhellig, das sei natürlich und neuartig zugleich. Alle drängten sich vor, um die Gedichte zu lesen, und dort stand geschrieben:

   Erinnerung an die Rote Wand (I)
   An der Roten Wand versenkt, das Wasser stockt im Lauf,
   vergeblich stehn noch Namen auf dem leeren Boot.
   Im Lärm der Flammen heult der kalte Wind,
   zahllose Heldenseelen treiben still darin.
   Erinnerung an Jiaozhi (II)
   Bronzene Glocken künden strenge Ordnung an,
   ihr Hall erreicht barbarische Völker überm Meer.
   Ma Yuans Verdienste waren wahrlich groß,
   die Eisenflöte braucht nicht Zhang Liang zu besingen.
   Erinnerung an den Glocken-Berg (III)
   Wann hätten Ruhm und Reichtum je zu dir gehört?
   Grundlos vom Edikt gerufen in den Staub der Welt.
   Verwicklung und Verstrickung enden nie,
   so zürne nicht, wenn andere spotten über dich.
   Erinnerung an Huaiyin (IV)
   Auch tapfre Krieger müssen vor gemeinen Hunden stehn,
   erst auf dem Thron, da senkt sich schon der Sargdeckel.
   Sagt diesem schnöden Volke, es soll nicht verachten,
   selbst sterbend denkt er noch an jenen Bissen Reis.
   Erinnerung an Guangling (V)
   Zikaden zirpen, Krähen nisten — im Nu ist es vorbei,
   der Damm der Sui-Dynastie — wie steht es heute dort?
   Nur weil er sich den Ruf der Eleganz erwarb,
   gab es nicht wenig böser Zungen über ihn.
   Erinnerung an die Pfirsichblatt-Fähre (VI)
   Welkes Gras und müssige Blumen spiegeln sich im flachen Teich,
   der Pfirsichzweig, das Pfirsichblatt — getrennt für immer.
   Sechs Dynastien lang standen stolze Balken dort,
   ein kleines Bildnis hängt noch einsam an der Wand.
   Erinnerung an den Düsteren Hügel (VII)
   Der Schwarze Strom, er wühlt und stockt in seinem Lauf,
   die Eissaiten der Laute klagen bittre Trauer.
   Des Han-Reichs Ordnung ist wahrlich zu beklagen,
   ein Nichtsnutz sollte sich in Ewigkeit noch schämen.
   Erinnerung an Mawei (VIII)
   Einsam die Rougespuren, schweißbedeckt und glänzend,
   und alle Zartheit ging dem Osten zu in einem Nu.
   Nur weil von jener Schönen Spuren blieben,
   duften noch heute ihre Kleider und ihr Tuch.
   Erinnerung an den Pudong-Tempel (IX)
   Die kleine Rote, von geringer Herkunft, leichten Sinns,
   half heimlich stehlen und das Liebespaar zusammenzwingen.
   Obwohl die Herrin sie zuweilen an den Balken hing,
   hatt' sie die beiden längst zusammengebracht.
   Erinnerung an den Pflaumenblütenkloster (X)
   Nicht beim Pflaumenbaum, beim Weidenbaum statt dessen,
   wer findet dort das Bildnis jener Schönen?
   An Wiedersehn denk nicht — erst wenn der Frühling naht,
   nach einem Abschied weht der Herbstwind, und ein Jahr vergeht.

Alle lasen die Gedichte und priesen sie als außergewöhnlich und kunstvoll. Schatzspange[2] äußerte sich zuerst: „Die ersten acht Gedichte beruhen sämtlich auf historisch belegten Tatsachen, aber für die letzten beiden gibt es keine Beweise. Wir verstehen sie auch nicht recht. Es wäre besser, du schriebest zwei neue an ihrer Stelle."

Kajaljade[3] fiel ihr hastig ins Wort: „Schwester Schatzspange ist wirklich zu sehr eine, die den Leim auf den Steg klebt und dann die Laute spielen will [Anm.: Sprichwort für übertriebene Pedanterie] — zu gekünstelt und geziert! Für diese beiden Gedichte mag es zwar keine Belege in den Geschichtswerken geben, und wir mögen die inoffiziellen Überlieferungen nicht gelesen haben und die Hintergründe nicht kennen, aber haben wir denn nicht einmal zwei Theaterstücke gesehen? Das weiß schon ein dreijähriges Kind, geschweige denn wir!"

Erkundefrühling[4] sagte: „Das ist völlig richtig."

Frau Li[5] fuhr fort: „Zumal sie ja selbst an diesen Orten gewesen ist. Obwohl es für die beiden Geschichten keine Belege gibt — seit alters her wurde von Mund zu Mund weitererzählt, und begeisterte Liebhaber solcher Geschichten haben absichtlich pseudohistorische Stätten erfunden, um die Leute hinters Licht zu führen. Als wir damals zum Beispiel auf dem Weg in die Hauptstadt waren, haben wir allein vom Grab des Meisters Guan [Anm.: Guan Yu, berühmter General der Drei Reiche] drei oder vier vorgefunden. Meister Guans Lebenswerk ist historisch verbürgt, aber wie kann er mehrere Gräber haben? Natürlich liegt es daran, dass spätere Menschen seine Taten so bewunderten, dass sie aus dieser Verehrung heraus solche Orte erdachten. Auch möglich. Schaut man in die 'Aufzeichnungen über das Weite Land', so gibt es nicht nur von Meister Guan viele Gräber — seit alters her haben berühmte Menschen nicht wenige Gräber, und unbelegte historische Stätten gibt es noch viel mehr. Bei diesen beiden Gedichten mag es keinen Beweis geben, aber bei allen Geschichtenerzählern und Theaterspielern, ja selbst auf Orakellosen finden sich Anmerkungen dazu. Jeder kennt sie, Alt und Jung, Mann und Frau, sie sind in aller Munde. Zudem ist es ja nicht so, als hätte man die Texte des 'Westzimmers' oder der 'Pfingstrose' gelesen und müsste böse Bücher fürchten. Es ist also völlig in Ordnung, die Gedichte können bleiben."

Schatzspange gab sich nach diesen Worten geschlagen. Alle rätselten eine Weile, aber niemand fand die Lösungen.

Da die Wintertage kurz sind, war es unversehens schon wieder Zeit für das Abendessen, und alle gingen gemeinsam hinüber, um zu speisen. Da meldete jemand Dame König[6]: „Dufthauch[7]s Bruder Hua Zifang ist gekommen und berichtet, ihre Mutter sei schwer krank und sehne sich nach ihrer Tochter. Er bittet um die Gnade, Dufthauch nach Hause holen zu dürfen."

Dame König hörte dies und sprach: „Mutter und Tochter — wie könnte ich es ihr verwehren!" Sogleich ließ sie Phönixglanz[8] rufen, teilte ihr die Angelegenheit mit und befahl ihr, alles Nötige zu veranlassen.

Phönixglanz sagte „Jawohl", kehrte in ihre Gemächer zurück und ließ Frau Zhou Rui kommen, damit diese Dufthauch die Nachricht überbringe. Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Nimm noch eine der älteren Frauen mit, die für Außenbegleitungen zuständig sind, dazu zwei kleine Mädchen als Begleitung für Dufthauch. Draußen lass vier ältere Männer den Wagen begleiten. Einen großen Wagen für euch und einen kleinen für die Mädchen."

Frau Zhou Rui sagte „Jawohl" und wollte gerade gehen, als Phönixglanz noch hinzufügte: „Dufthauch ist eine, die nicht gern Umstände macht. Richte ihr von mir aus: Sie soll sich hübsch anziehen, ein ordentliches Bündel Kleider einpacken — auch der Kleiderbeutel muss ansehnlich sein —, und ein gutes Handöfchen mitnehmen. Bevor sie abfährt, soll sie erst zu mir kommen, damit ich sie ansehe."

Frau Zhou Rui sagte alles zu und ging.

Erst nach längerer Zeit erschien Dufthauch in verändertem Aufzug. Zwei Mädchen und Frau Zhou Rui trugen Handöfchen und Kleiderbündel. Phönixglanz musterte Dufthauch: Im Haar trug sie mehrere goldene Nadeln und Perlenspangen — recht prachtvoll. Am Körper trug sie eine pfirsichrosa Jacke mit dem Hundert-Kinder-Motiv in Kesi-Seidenweberei [Anm.: eine spezielle chinesische Textiltechnik], gefüttert mit silbergrauem Eichhörnchenfell, dazu einen lauchgrünen Rock aus goldbesetzter Buntstickerei mit Baumwollfütterung und darüber ein Obergewand aus dunkelblauem Atlas, gefüttert mit grauem Eichhörnchenfell.

Phönixglanz sagte lächelnd: „Diese drei Kleidungsstücke stammen alle von der gnädigen Frau, und die Schenkung war gut und richtig. Nur das Obergewand ist etwas zu schlicht, und bei dieser Kälte solltest du eines mit dickerem Pelz tragen."

Dufthauch erwiderte lächelnd: „Die gnädige Frau hat mir nur dieses mit dem grauen Eichhörnchenfell gegeben und noch eines mit silbergrauem Eichhörnchenfell. Sie sagte, zum Jahreswechsel bekäme ich eines mit dickerem Pelz, aber bisher habe ich es noch nicht erhalten."

Phönixglanz lächelte: „Ich hätte da eines mit dickem Pelz, aber mir gefällt nicht, wie die Pelzkanten hervorstehen, und ich wollte es gerade umarbeiten lassen. Nun gut, zieh du es erst einmal an. Wenn die gnädige Frau zum Jahreswechsel neue anfertigen lässt, bekomme ich ein neues, und du gibst mir das dann quasi zurück."

Alle lachten: „Die junge gnädige Frau redet immer so! Das ganze Jahr über legt Ihr großzügig für die gnädige Frau aus, ohne dass sie es weiß — die Beträge sind wirklich nicht zu beziffern. Und wann hättet Ihr je daran gedacht, ihr das vorzurechnen? Und jetzt führt Ihr solche kleinlichen Reden, nur um uns zum Lachen zu bringen."

Phönixglanz lächelte: „Wie könnte die gnädige Frau an solche Dinge denken? Außerdem sind es keine wichtigen Angelegenheiten, aber wenn sich niemand darum kümmert, geht es um unser aller Ansehen. Da muss ich wohl oder übel ein wenig Verlust hinnehmen und dafür sorgen, dass alle anständig gekleidet sind — so ernte ich wenigstens einen guten Ruf. Wenn alle wie 'verbrannte Kuchen' aussähen, würde man zuallererst über mich lachen, dass ich als Haushaltsführerin die Leute wie Bettler herumlaufen lasse."

Alle seufzten: „Wer kommt der jungen gnädigen Frau gleich an Weisheit? Nach oben denkt Ihr Euch in die Lage der gnädigen Frau, nach unten kümmert Ihr Euch liebevoll um die Untergebenen."

Währenddessen befahl Phönixglanz Friedchen[9], das steinblaue Kesi-Seidengewand mit den acht Kreisen und Flügelrossen, gefüttert mit Himmelspferd-Pelz [Anm.: ein edler Pelz], herbeizubringen und Dufthauch zu geben. Als sie dann den Kleiderbeutel ansah, fand sie nur einen mit spritztintengemusterter Seide und rotem Seidenfutter, der lediglich zwei halbgetragene wattierte Jacken und ein Pelzobergewand enthielt. Phönixglanz befahl Friedchen, auch einen jadegrün gefütterten Wollstoff-Kleiderbeutel zu bringen und einen Umhang einzupacken.

Friedchen ging und brachte zwei Stücke: einen halbgetragenen Umhang aus leuchtend rotem Orang-Utan-Filz [Anm.: kostbarer scharlachroter Filzstoff] und einen aus dunkelrotem Federkrepp. Dufthauch sagte: „Schon einen einzigen kann ich kaum annehmen."

Friedchen lächelte: „Nimm den aus dem Orang-Utan-Filz. Den anderen habe ich gleich mitgebracht, damit er Fräulein Xing geschickt wird. Gestern bei dem starken Schneefall trugen alle ihre Umhänge — aus Filz, Federsatin oder Federkrepp. Ein Dutzend in leuchtendem Rot, wie hübsch sie sich gegen den Schnee abhoben! Nur sie allein trug ihren alten Filzumhang und sah mit hochgezogenen Schultern und gekrümmtem Rücken wirklich erbärmlich aus. Also schicken wir ihr diesen hier."

Phönixglanz lächelte: „Meine Sachen verschenkt sie einfach von sich aus! Ich allein gebe nicht schon genug aus, jetzt muss auch du noch dein Teil dazutun — das wird ja immer besser!"

Alle lachten: „Das liegt nur daran, dass die junge gnädige Frau stets so pflichttreu gegenüber der gnädigen Frau und so fürsorglich gegenüber den Untergebenen ist. Wäret Ihr kleinlich und nur auf Euren Besitz bedacht, würde sie es nicht wagen, so zu handeln."

Phönixglanz lächelte: „Man sieht, dass sie die Einzige ist, die mein Herz wenigstens zu einem Drittel kennt." Dann wandte sie sich an Dufthauch: „Wenn es deiner Mutter besser geht, ist alles in Ordnung. Wenn sie es aber nicht schafft, bleib ruhig dort. Schick jemanden zu mir, und ich lasse dir das Bettzeug nachbringen. Benutze auf keinen Fall fremdes Bettzeug oder fremde Toilettensachen." Dann wies sie Frau Zhou Rui an: „Ihr kennt die Regeln hier, ich brauche euch nichts einzuschärfen."

Frau Zhou Rui sagte: „Wir wissen Bescheid. Wenn wir dort ankommen, sorgen wir natürlich dafür, dass deren Leute Abstand halten. Sollte sie bleiben müssen, lassen wir uns auf jeden Fall ein oder zwei separate Innenzimmer geben." Nach diesen Worten folgte sie Dufthauch hinaus. Man ließ Laternen vorbereiten, bestieg den Wagen und fuhr zum Haus des Hua Zifang. Davon soll hier nicht weiter die Rede sein.

Hier ließ Phönixglanz nun zwei alte Ammen aus dem Hof der Roten Freude zu sich kommen und befahl: „Dufthauch kommt wohl heute nicht zurück. Ihr kennt die älteren Mädchen dort — sucht zwei Verständige aus und schickt sie in Schatzjade[10]s Zimmer zur Nachtwache. Gebt auch ihr gut acht und lasst ihn keinen Unfug treiben."

Die beiden alten Ammen gingen, kamen aber bald zurück und meldeten: „Wir haben Heitermuster[11] und Moschusmond[12] für das Zimmer bestimmt. Wir vier wechseln uns ohnehin bei der Nachtwache ab."

Phönixglanz nickte: „Abends sorgt dafür, dass er früh schläft, morgens, dass er früh aufsteht."

Die alten Ammen sagten zu und kehrten in den Garten zurück. Bald darauf kam Frau Zhou Rui mit der Nachricht zurück: „Dufthauchs Mutter ist bereits verstorben. Sie kann nicht zurückkommen." Phönixglanz meldete es Dame König und schickte jemanden in den Garten der Großen Anschauung, um Dufthauchs Bettzeug und Toilettenkiste zu holen.

Schatzjade sah zu, wie Heitermuster und Moschusmond alles zusammenpackten und fortschickten. Danach legten beide ihren restlichen Schmuck ab und wechselten Rock und Jacke. Heitermuster setzte sich einfach auf den Räucherofen [Anm.: ein Kohlenbecken mit Wärmegestell]. Moschusmond lächelte: „Spiel dich heute nicht als Fräulein auf, ich rate dir, dich auch ein wenig zu bewegen."

Heitermuster sagte: „Wartet nur, bis ihr alle fort seid, dann rühr ich mich schon noch früh genug. Solange ihr noch da seid, lass ich es mir gutgehen."

Moschusmond lächelte: „Liebe Schwester, ich mache das Bett, und du ziehst die Hülle über den Ankleidespiegel und schiebst oben den Riegel zu — du bist größer als ich." Damit ging sie zu Schatzjade, um das Bett zu richten.

Heitermuster seufzte und beklagte sich lächelnd: „Kaum hat man sich aufgewärmt, kommst du schon und störst!"

Schatzjade sass unterdessen untätig da und grübelte, ob Dufthauchs Mutter nun gestorben oder doch noch am Leben sei. Als er Heitermusters Worte hörte, stand er selbst auf, ging hinaus, zog die Spiegelhülle herab, schob den Riegel fest und kam lächelnd zurück: „Wärmt euch nur, es ist alles erledigt."

Heitermuster sagte: „Auf Dauer kann man sich gar nicht wärmen. Mir ist gerade eingefallen, dass die Wärmflasche noch nicht gebracht worden ist."

Moschusmond sagte: „Da denkst du aber auch an alles! Er nimmt doch sonst nie eine Wärmflasche. Wir haben hier den Räucherofen, der ist viel wärmer als das kalte Ofenbett drüben — heute braucht er keine."

Schatzjade lächelte: „Das heißt also, ihr wollt beide hier auf dem Räucherofen schlafen? Dann liegt draußen niemand bei mir, und ich bekomme die ganze Nacht vor Angst kein Auge zu."

Heitermuster sagte: „Ich schlafe hier. Moschusmond geht nach draußen zum warmen Alkoven und schläft dort."

Währenddessen war es schon die zweite Nachtwache geworden. Moschusmond hatte längst die Vorhänge herabgelassen, die Lampe umgestellt und Räucherwerk nachgelegt. Sie half Schatzjade ins Bett, dann erst legten sich die beiden Mädchen schlafen.

Heitermuster lag am Räucherofen, Moschusmond draußen im warmen Alkoven [Anm.: ein beheizter Nebenraum]. Nach der dritten Nachtwache rief Schatzjade im Halbschlaf nach Dufthauch. Er rief zweimal, niemand antwortete. Er erwachte, erinnerte sich, dass Dufthauch nicht da war, und musste über sich selbst lachen.

Heitermuster war ebenfalls wach geworden und rief lächelnd nach Moschusmond: „Sogar ich bin aufgewacht, und sie, die direkt neben ihm liegt, merkt nichts — die reinste Leiche!"

Moschusmond drehte sich um, gähnte und sagte lächelnd: „Er hat nach Dufthauch gerufen — was geht das mich an?" Dann fragte sie, was zu tun sei. Schatzjade wollte Tee. Moschusmond stand eilig auf und zog sich lediglich ein kleines rotes Seidenjäckchen über.

Schatzjade sagte: „Wirf dir meine Jacke über, bevor du gehst — pass auf, dass du dich nicht erkältest!"

Moschusmond hörte das, griff hinter sich und legte sich Schatzjades pelzgefütterte Zobeljacke um, die er zum nächtlichen Aufstehen trug. Sie ging zum Waschbecken, wusch sich die Hände und goss zuerst eine Schale laues Wasser ein. Sie nahm den großen Spucknapf, und Schatzjade spülte sich den Mund. Dann nahm sie eine Teeschale vom Teeregal, spülte sie mit warmem Wasser aus, goss eine halbe Schale Tee aus der Warmhaltekanne und reichte sie Schatzjade. Auch sie selbst spülte sich den Mund und trank eine halbe Schale.

Heitermuster lächelte: „Liebe Schwester, gib auch mir einen Schluck!"

Moschusmond lächelte: „Du wirst ja immer dreister!"

Heitermuster sagte: „Liebe Schwester, morgen Abend brauchst du keinen Finger zu rühren, ich bediene dich die ganze Nacht — wie wäre das?"

So musste Moschusmond auch ihr den Mund spülen lassen und eine halbe Schale Tee eingießen. Dann lächelte Moschusmond: „Schlaft ihr zwei noch nicht ein, unterhaltet euch noch. Ich muss kurz hinausgehen."

Heitermuster lächelte: „Draußen wartet ein Geist auf dich!"

Schatzjade sagte: „Draußen scheint bestimmt der helle Mond. Wir unterhalten uns hier, geh nur." Dabei hüstelte er zweimal.

Moschusmond öffnete die Hintertür, hob den Filzvorhang und blickte hinaus — tatsächlich, prächtiger Mondschein. Heitermuster wartete, bis Moschusmond draußen war, dann wollte sie ihr einen Streich spielen und sie erschrecken. Da sie von jeher kräftiger war als die anderen und die Kälte nicht scheute, zog sie sich nichts über, sondern schlich in ihrem dünnen Jäckchen leise vom Räucherofen herab und folgte ihr nach draußen.

Schatzjade rief ihr lächelnd nach: „Pass auf, dass du dir keine Erkältung holst — damit ist nicht zu spaßen!"

Aber Heitermuster winkte nur ab und ging hinaus. Der Mondschein lag wie Wasser auf allem. Plötzlich kam ein leichter Windstoß, der ihr durch Mark und Bein drang, und sie erschauerte unwillkürlich. Sie dachte bei sich: „Kein Wunder sagt man, ein erwärmter Körper darf nicht dem Wind ausgesetzt werden. Diese Kälte ist wirklich schneidend." Gerade wollte sie Moschusmond erschrecken, als Schatzjade drinnen laut rief: „Heitermuster ist draußen!"

Heitermuster eilte zurück, kam herein und sagte lächelnd: „Es hätte sie schon nicht umgebracht! Immer musst du so zaghaft sein wie ein altes Weib!"

Schatzjade lächelte: „Ich wollte nicht, dass du sie zu Tode erschreckst. Erstens erkältest du dich, und zweitens hätte sie sich bestimmt nicht beherrschen können und aufgeschrien. Wenn davon jemand aufgewacht wäre, würden sie nicht sagen, wir hätten Spaß gemacht, sondern dass wir, kaum dass Dufthauch eine Nacht fort ist, Gespenster sehen. Komm her und stopf mir die Decke fest."

Heitermuster kam zum Bett, stopfte die Decke zurecht und steckte dann die Hand hinein, um sie aufzuwärmen. Schatzjade lächelte: „Was für kalte Hände! Ich hab's ja gesagt, pass auf, dass du dir nichts holst." Er sah, dass ihre Wangen rot wie Rouge waren, und als er sie mit der Hand berührte, waren sie eiskalt.

Schatzjade sagte: „Schnell, schlupf unter die Decke und wärm dich auf!"

Kaum hatte er das gesagt, klappte die Tür — Moschusmond kam lachend und atemlos hereingestürzt: „Was für ein Schreck! Im Schatten hinter dem Zierfelsen hockte etwas. Ich wollte schon schreien, als es sich als der große Goldfasan herausstellte, der aufgeschreckt ins Helle flatterte. Da erst sah ich's deutlich. Hätte ich unbesonnen losgeschrien, wäre das ganze Haus wach geworden." Während sie das sagte, wusch sie sich die Hände und lächelte dann: „Heitermuster war draußen, warum habe ich sie nicht gesehen? Bestimmt wollte sie mich erschrecken."

Schatzjade lächelte: „Sie ist hier und wärmt sich bei mir. Hätte ich nicht schnell gerufen, hättest du einen gehörigen Schreck bekommen."

Heitermuster lächelte: „Ich brauchte sie gar nicht zu erschrecken — das kleine Biest hat sich ganz allein gefürchtet." Damit war sie aufgestanden und zu ihrer eigenen Decke zurückgekehrt.

Moschusmond sagte: „Bist du etwa in diesem Kunstreiter-Kostüm nach draußen gelaufen?"

Schatzjade lächelte: „Aber ja, genau so."

Moschusmond sagte: „Du suchst dir aber auch keinen guten Tag zum Sterben aus! Wenn du draußen herumstehst, springt dir ja die Haut vor Kälte!"

Damit nahm sie den durchbrochenen Kupferaufsatz vom Kohlenbecken, schob mit der Feuerschaufel die glühenden Kohlen zurecht und legte zwei Stücke Räucherholz auf. Dann setzte sie den Aufsatz wieder drauf, ging hinter den Wandschirm, putzte den Lampendocht zurecht und legte sich erst dann schlafen.

Heitermuster, die sich erst abgekühlt und dann wieder aufgewärmt hatte, nieste unwillkürlich zweimal.

Schatzjade seufzte: „Was habe ich gesagt? Du hast dir doch eine Erkältung geholt."

Moschusmond lächelte: „Schon heute Morgen klagte sie, sie fühle sich nicht wohl, und hat den ganzen Tag nichts gegessen. Und statt sich jetzt zu schonen, muss sie noch anderen Streiche spielen. Wenn sie morgen krank ist, hat sie es sich selbst zuzuschreiben."

Schatzjade fragte: „Hast du eine heiße Stirn?"

Heitermuster hüstelte zweimal und sagte: „Es ist nichts. Seit wann wäre ich so zart besaitet?"

Kaum hatte sie das gesagt, schlug die Spieluhr im Zierregal draußen zweimal. Die alte Amme, die im Vorraum Nachtwache hielt, rausperte sich und sagte: „Mädchen, schlaft jetzt! Unterhaltet euch morgen weiter."

Schatzjade flüsterte lächelnd: „Wir sollten still sein, sonst hat sie wieder etwas an uns auszusetzen." Damit legten sich alle schlafen.

Am nächsten Morgen hatte Heitermuster tatsächlich eine verstopfte Nase und eine belegte Stimme und mochte sich nicht rühren.

Schatzjade sagte: „Sag schnell keinen Ton! Wenn die gnädige Frau es erfährt, lässt sie dich nach Hause bringen, bis du gesund bist. Zu Hause ist es zwar auch schön, aber kälter als hier. Bleib lieber hier und leg dich im Innenzimmer hin. Ich lasse einen Arzt holen, der heimlich durch die Hintertür kommt und dich untersucht."

Heitermuster sagte: „Schon recht, aber du musst es der älteren jungen Herrin [Anm.: Frau Li] mitteilen. Wenn plötzlich ein Arzt kommt und man fragt, was los ist, was sagst du dann?"

Schatzjade sah ein, dass sie recht hatte, und befahl einer alten Amme: „Geh zur älteren jungen Herrin und melde ihr, Heitermuster habe sich ein wenig verkältet, es sei nichts Ernstes. Da Dufthauch nicht da ist und Heitermuster nach Hause ginge, hätte ich hier gar niemanden mehr. Ich habe bereits einen Arzt rufen lassen, der still und leise durch die Hintertür kommt, um sie zu untersuchen. Man möge es bitte nicht der gnädigen Frau melden."

Die Alte ging und kam nach einiger Zeit zurück: „Die ältere junge gnädige Frau weiß Bescheid. Sie sagt, wenn ein, zwei Dosen Medizin genügen, sei alles gut. Wenn nicht, müsse sie das Anwesen verlassen. Bei diesem Wetter sei es zwar nicht so schlimm, wenn sich jemand anstecke, aber man müsse auf die Gesundheit der Fräulein achten."

Heitermuster lag im warmen Alkoven und hustete unablässig. Als sie diese Worte hörte, rief sie wütend: „Habe ich etwa die Pest, dass man fürchten muss, ich stecke jemanden an? Ich gehe! Aber dann möchte ich nicht erleben, dass hier je wieder jemand Kopfschmerzen bekommt!" Und tatsächlich wollte sie aufstehen.

Schatzjade drückte sie eilig nieder und redete ihr lächelnd zu: „Reg dich nicht auf. Sie tut nur ihre Pflicht und fürchtet, die gnädige Frau könnte ihr Vorwürfe machen, falls sie davon erfährt. Sie hat das nur so gesagt. Doch du musst dich immer gleich ereifern, und jetzt ist deine Leber ohnehin schon erhitzt."

Während er noch sprach, wurde gemeldet, der Arzt sei da. Schatzjade ging hinüber und verbarg sich hinter dem Bücherregal. Er sah, wie zwei, drei alte Ammen vom Hintertor einen Arzt hereinführten. Die Mädchen hatten sich alle zurückgezogen. Drei, vier alte Ammen ließen die großen roten bestickten Vorhänge des warmen Alkovens herab, und Heitermuster streckte nur ihren Arm darunter hervor.

Als der Arzt diese Hand sah — an der zwei Fingernägel, gut drei Zoll lang, noch rote Spuren von Balsaminen-Färbung trugen —, wandte er sofort den Blick ab. Eine der alten Ammen legte rasch ein Tuch über die Hand. Erst dann fühlte der Arzt eine Weile den Puls, stand auf und ging in den Vorraum. Dort erklärte er den Ammen: „Das Fräulein leidet an einer äußerlichen Infektion mit innerlicher Stauung. In letzter Zeit war das Wetter schlecht — es handelt sich im Grunde um eine leichte Erkältung. Glücklicherweise isst und trinkt das Fräulein von Natur aus mäßig, und die Erkältung ist nicht schwer. Nur weil die Konstitution etwas zart ist, hat sie sich etwas zugezogen. Nach ein, zwei Dosen auflösender Medizin wird sie wieder gesund sein." Nach diesen Worten folgte er den Ammen nach draußen.

Inzwischen hatte Frau Li bereits allen am Hintertor und den Mädchen in sämtlichen Gartenhäusern Bescheid geben lassen, sich zurückzuziehen, sodass der Arzt nur die Gartenlandschaft zu sehen bekam und kein einziges Mädchen erblickte. Draußen am Gartentor setzte er sich in der Wachstube der Burschen hin und schrieb das Rezept.

Die alte Amme sagte: „Geht noch nicht, Herr Doktor. Unser junger Herr ist etwas umständlich und hat vielleicht noch Fragen."

Der Arzt fragte verdutzt: „War das eben kein Fräulein, sondern ein junger Herr? Das Zimmer sah aus wie ein Frauengemach, und die Vorhänge waren herabgelassen — wie kann das ein junger Herr sein?"

Die alte Amme flüstere leise und lächelte: „Mein guter Herr Doktor, kein Wunder, dass die Burschen vorhin sagten, es sei ein neuer Arzt gekommen — Ihr kennt unsere Verhältnisse wirklich nicht. Das Zimmer gehört unserem jungen Herrn, und die Kranke ist ein Mädchen aus seinem Haushalt — ein älteres Dienstmädchen, kein Fräulein. Wäre es ein Frauengemach gewesen und die Kranke ein Fräulein, hättet Ihr so leicht nicht hineinkommen dürfen."

Damit nahm sie das Rezept und brachte es hinein.

Schatzjade las es: Schwarznessel, Ballonblumenwurzel, Siler, Katzenminze und anderes, und am Ende sogar noch Bitterorange und Ephedra.

Schatzjade rief: „Der Teufel soll ihn holen! Er behandelt ein Mädchen genauso wie unsereins — wie kann das angehen! Ganz gleich, was für eine innerliche Stauung sie hat — Bitterorange und Ephedra, wie soll sie die vertragen? Wer hat ihn herbeigerufen? Schickt ihn sofort weg! Wir lassen einen erfahrenen Arzt kommen."

Eine alte Amme sagte: „Ob die Medizin taugt oder nicht, davon verstehen wir nichts. Es ist auch nicht schwer, einen der Burschen zu schicken und Hofarzt König herzubitten. Nur — dieser Arzt hier wurde nicht über die Hauptverwaltung bestellt, darum müssen wir ihm das Geld für Sänfte und Pferd bezahlen."

Schatzjade fragte: „Wieviel muss man ihm geben?"

Die Alte sagte: „Weniger als ein Liang Silber geht nicht — das wäre nicht standesgemäß für ein Haus wie unseres."

Schatzjade fragte weiter: „Und Hofarzt König — wieviel bekommt der?"

Die Alte lächelte: „Hofarzt König und Hofarzt Zhang kommen ständig zu uns, aber sie werden nicht einzeln bezahlt. Viermal im Jahr, zu den großen Feiertagen, schicken wir reichlich Geschenke — das ist das feste Jahressalahr. Dieser Arzt hier aber war zum ersten Mal da, da muss ihm ein Liang Silber gezahlt werden."

Schatzjade befahl Moschusmond, Silber zu holen. Moschusmond sagte: „Ich weiß nicht einmal, wo Schwester Dufthauch es aufbewahrt."

Schatzjade sagte: „Ich habe öfter gesehen, wie sie aus dem kleinen Perlmuttschränkchen Geld nahm. Komm, wir suchen zusammen." Also gingen beide in den Raum, wo Schatzjades Habseligkeiten aufbewahrt wurden, und öffneten das Perlmuttschränkchen. Im oberen Fach lagen Pinsel, Tusche, Fächer, Räuchertabletten, allerlei Täschchen und Schweißtücher. Im unteren Fach lagen ein paar Münzschnüre. Erst als sie die Schublade öffneten, fanden sie in einem kleinen Körbchen einige Silberstücke und auch eine Balkenwaage.

Moschusmond nahm ein Silberstück und hielt die Waage hoch: „Welche Markierung ist denn ein Liang?"

Schatzjade lachte: „Das fragst du mich? Interessant — du tust ja, als wärst du gerade erst hergekommen."

Moschusmond lachte ebenfalls und wollte jemand anderen fragen gehen. Schatzjade sagte: „Nimm einfach das größere Stück und gib es ihm — das reicht. Wir betreiben doch keinen Handel, wozu das ganze Rechnen!"

Moschusmond legte die Waage zurück, nahm das größere Silberstück und wog es in der Hand: „Dieses Stück dürfte wohl ein Liang sein. Lieber ein wenig mehr als zu wenig — sonst lacht uns dieser arme Schlucker aus. Er würde nicht denken, wir könnten nicht mit der Waage umgehen, sondern meinen, wir wären absichtlich geizig."

Die alte Amme stand draußen auf der Stufe und lächelte: „Das ist ein halber Fünf-Liang-Barren — dieses Stück wiegt mindestens zwei Liang! Wir haben gerade keine Silberschere zur Hand, also legt dieses Stück zurück und sucht ein kleineres."

Aber Moschusmond hatte das Schränkchen längst zugemacht und kam lächelnd heraus: „Wer sucht denn noch weiter! Wenn es etwas mehr ist, nehmt Ihr es eben mit." Schatzjade sagte: „Beeile dich lieber und lass Mingyan Hofarzt König herbeirufen."

Die Alte nahm das Silber und ging, alles zu regeln.

Bald darauf kam tatsächlich Hofarzt König, von Mingyan herbeigeführt. Er fühlte den Puls und kam zu einem ähnlichen Befund wie sein Vorgänger, nur enthielt sein Rezept statt Bitterorange und Ephedra solche Bestandteile wie Angelikawurzel, getrocknete Mandarinenschale und weiße Päonien-Wurzel, und auch die Dosierungen waren geringer.

Schatzjade freute sich: „Das ist endlich Medizin für Mädchen! Eine auflösende Wirkung muss sein, aber sie darf nicht zu stark sein. Als ich letztes Jahr krank war — es war ebenfalls eine Erkältung mit Verdauungsbeschwerden —, meinte er nach der Untersuchung, selbst ich vertrüge keine Wolfs-und-Tiger-Arzneien wie Ephedra, Gips und Bitterorange. Verglichen mit euch bin ich wie eine jahrzehntealte Espe auf einem verwilderten Grabhügel, und ihr seid wie die eben erst aufgeblühten weißen Begonien, die Yun mir letzten Herbst schenkte. Wenn nicht einmal ich solche Medizin vertrage — wie dann erst ihr?"

Moschusmond und die anderen lachten: „Auf verwilderten Grabhügeln wachsen nicht nur Espen! Gibt es dort nicht auch Kiefern und Zypressen? Espen mag ich am wenigsten — so ein großer plumper Baum mit winzigen Blättern, selbst wenn kein Lüftchen weht, raschelt er wie wild. Dich damit zu vergleichen ist wirklich zu abwertend."

Schatzjade lächelte: „Mit Kiefern und Zypressen wage ich mich nicht zu vergleichen. Hat nicht schon Konfuzius gesagt: 'Erst wenn es kalt wird, erkennt man, dass Kiefer und Zypresse zuletzt ihre Nadeln verlieren.' [Anm.: Lunyu 9.28] Das zeigt, wie edel und erhaben diese Bäume sind. Nur wer sich nicht schämt, vergleicht sich frech mit ihnen."

Während er sprach, brachte eine alte Amme die Arzneizutaten. Schatzjade befahl, den silbernen Arzneitiegel hervorzusuchen und die Medizin auf dem Kohlenbecken zu kochen.

Heitermuster wandte ein: „Lass die Arznei in der Teeküche kochen, wie es sich gehört. Wenn hier alles nach Medizin riecht, geht das nicht an."

Schatzjade sagte: „Der Duft von Arznei ist edler als aller Blumen- und Früchteduft. Wenn unsterbliche Götter Kräuter sammeln und Medizin brauen, wenn erhabene Einsiedler Heilmittel zubereiten — das ist die feinste Sache der Welt. Ich hatte schon gedacht, dass in diesem Raum alles Mögliche vorhanden ist, nur der Arzneiduft fehlte noch. Jetzt ist endlich alles vollständig." Und er befahl erneut, den Tiegel aufzusetzen. Dann wies er Moschusmond an, ein paar Dinge zusammenzupacken und eine alte Amme zu Dufthauch zu schicken, um ihr zuzureden, nicht so viel zu weinen.

Nachdem alles geregelt war, ging er hinüber zu Herzoginmutter[13] und Dame König, um seinen Gruß zu entbieten und zu essen.

Dort sprach Phönixglanz gerade mit der Herzoginmutter und Dame König: „Die Tage sind kurz und es ist kalt. Am besten essen die ältere Schwäglerin und die Fräulein künftig im Garten. Wenn die Tage länger und wärmer werden, können sie ja wieder herüber- und hinüberlaufen."

Dame König lächelte: „Das ist eine gute Idee. Bei Wind und Schnee ist das wirklich angebrachter. Nach dem Essen die Kälte abzubekommen ist nicht gut; mit leerem Magen in der kalten Luft herzukommen und dann etwas auf den kalten Magen zu drücken ist auch nicht gut. In dem großen Fünf-Joch-Gebäude hinter dem Gartentor halten ohnehin Frauen Nachtwache. Wir wählen zwei Köchinnen aus, die dort eigens für die Mädchen kochen. Frisches Gemüse gibt es nach dem üblichen Satz — die Hauptverwaltung gibt ihnen Geld oder Waren. Was Wildbret angeht — Fasane, Moschushirsche, Rehe und dergleichen —, teilen wir ihnen etwas zu, dann ist alles geregelt."

Die Herzoginmutter sagte: „Genau daran habe ich auch schon gedacht. Nur fürchtete ich, eine zusätzliche Küche einzurichten sei zu umständlich."

Phönixglanz sagte: „Das ist gar nicht umständlich. Die Zuteilungen bleiben gleich — was hier hinzukommt, wird dort abgezogen. Selbst wenn es etwas mehr Mühe macht — die jungen Mädchen in Wind und Kälte! Von den anderen einmal abgesehen, aber gerade Schwester Lin [Anm.: Kajaljade] — wie soll sie das aushalten? Und selbst Bruder Schatzjade erträgt es kaum, geschweige denn die übrigen Fräulein."

Die Herzoginmutter sagte: „Das ist genau der springende Punkt. Schon neulich wollte ich es ansprechen, aber ich sah, dass ihr mit wichtigeren Dingen mehr als genug zu tun hattet. Wenn jetzt auch das noch hinzukäme ..." — Doch was daraus wurde, erzählt das nächste Kapitel.

  1. Chin. 薛宝琴 Xuē Bǎoqín, „Schatzzither Schnee".
  2. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".
  3. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".
  4. Chin. 探春 Tànchūn, „Erkundefrühling".
  5. Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".
  6. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".
  7. Chin. 袭人 Xírén, "die Angreifende/der Dufthauch".
  8. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".
  9. Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".
  10. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, "Schatz Kaufmann-Jade".
  11. Chin. 晴雯 Qíngwén, "Heiteres Wolkenmuster".
  12. Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".
  13. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".