Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 53"

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Kapitel 53
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Im Stillfriede-Anwesen feiert man das Neujahrs-Opfer im Ahnentempel — Im Prunkwille-Anwesen erfreut man sich am Laternenfest mit einem Familienfest
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_53|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_53|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 53 =
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Es wird erzählt, dass Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".</ref> sah, wie Heitermuster<ref>Chin. 晴雯 Qíngwén, „Heiteres Wolkenmuster".</ref> nach dem Ausbessern des Pfauenfedermantels völlig erschöpft und entkräftet war. Eilig ließ er die kleineren Dienstmädchen kommen, um sie zu massieren. Nachdem sie einander eine Weile geklopft und massiert hatten, legten sich alle wieder hin. Noch war keine Mahlzeit vergangen, da war es bereits heller Tag. Schatzjade ging nicht aus dem Haus und ließ sogleich nach dem Arzt schicken. Bald darauf kam Arzt König. Nachdem er den Puls gefühlt hatte, sagte er stirnrunzelnd: „Gestern hatte sich ihr Zustand schon gebessert, warum ist der Puls heute so schwach und flatternd geworden? Hat sie vielleicht zu viel gegessen? Oder sich geistig überanstrengt? Die äußere Erkältung ist zwar abgeklungen, aber wenn man nach dem Schwitzen die Pflege vernachlässigt, ist das keine Kleinigkeit." Während er so sprach, ging er hinaus, schrieb ein neues Rezept und kam damit zurück. Als Schatzjade es ansah, bemerkte er, dass die zerstreuenden und austreibenden Arzneien gestrichen und stattdessen Poria [Anm.: ein Heilpilz, chin. fuling], Rehmannia [Anm.: chin. dihuang], Angelikawurzel [Anm.: chin. danggui] und andere blutaufbauende und geistkräftigende Mittel hinzugefügt worden waren. Eilig ließ Schatzjade die Medizin abkochen und seufzte dabei: „Was soll nur werden! Wenn ihr etwas zustößt, dann trage ich allein die Schuld." Heitermuster hustete auf ihrem Kissen und rief: „Ach, mein guter Herr! Geht nur Eurer Wege! Ich werde schon nicht an der Schwindsucht sterben." Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu gehen. Am Nachmittag kehrte er schon zurück mit der Begründung, er fühle sich unwohl.
== 灰条菜——学名“藿(diào吊)”或“灰藿”。是一种野菜。《左传·昭公十六年》已有记载:“斩之蓬蒿藜藿,而共处之。”清·汪灏等编《广群芳谱·蔬谱·灰藿》更有详细记载:“灰藿,一名灰涤菜,一名金锁天,今讹为灰条菜,处处原野有之,四月生苗,茎有紫红线,棱叶,尖有刻缺,面青啃白,茎心嫩叶,皆有细白如沙,为蔬亦佳。”也可晾晒为干菜储存,水发后即可食用。​ ==
 
=== 一斗珠儿羊皮──指胎里羊皮。因胎里羊皮卷毛如粒粒珠子,故称。亦称“一斛珠”、“珍珠毛”。​ ===
 
  
Als Bau-yü sah, daß Tjing-wën vom Stopfen seines Pfauenfeder­um­hangs völlig entnervt und entkräftet war, gab er den kleineren Sklaven­mäd­chen sofort den Befehl, sie sollten kommen und Tjing-wën eine Klopf­mas­sa­ge geben. Als sie dies eine Zeitlang getan hatten, legten sich alle wieder hin.
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Heitermusters Krankheit war zwar schwer, doch zum Glück war sie von Natur aus jemand, der den Körper und nicht den Geist strapazierte. Auch pflegte sie stets mäßig zu essen und zu trinken, ohne sich je den Magen zu verderben. Im Hause Kaufmann herrschte der Brauch, dass jedermann, ob hoch oder niedrig, bei der geringsten Erkältung oder dem leisesten Husten zuallererst streng fastete und erst danach mit Medizin behandelt und gepflegt wurde. So hatte Heitermuster gleich zu Beginn ihrer Krankheit zwei oder drei Tage gehungert und dabei gewissenhaft ihre Arznei genommen. Nachdem sie sich nun überanstrengt hatte, pflegte man sie erst recht besonders sorgfältig, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Schwestern im Garten einzeln in ihren Räumen aßen und das Kochen dadurch leichter zu bewerkstelligen war, konnte Schatzjade nach Belieben Suppen und Brühen bestellen. Davon braucht nicht im Einzelnen berichtet zu werden.
Doch nach weniger Zeit, als man sie braucht, um eine Schale Reis zu es­sen, war es draußen hell. Anstatt auszugehen, ließ Bau-yü den Arzt holen. Kurze Zeit später erschien Hofarzt Wang, und nachdem er der Kranken die Pulse gefühlt hatte, sagte er verwundert: „Gestern ging es ihr schon besser, heute jedoch schlagen die Pulse schwach und unregelmäßig. Vermutlich hat sie zuviel gegessen und getrunken, es sei denn, sie hat sich überanstrengt. Den Infekt hat sie überstanden, aber wenn sie sich nach dem Schweiß­aus­bruch nicht geschont hat, kann das schlimme Folgen haben.“
 
Mit diesen Worten ging er hinaus und schrieb sein Rezept. Als es hereingebracht wurde, sah Bau-yü, daß die lösenden und austreibenden Bestandteile diesmal fehlten, statt dessen waren Stärkungsmittel wie Kokos-Porling, Rehmannienwurzel und Engelwurz verordnet worden. Rasch befahl Bau-yü, die Arznei zuzubereiten, dann sagte er seufzend: „Was soll ich nur machen? Wenn ihr etwas zustößt, ist das allein meine Schuld!“
 
„Geh nur und kümmer dich um deine eigenen Angelegenheiten, kleiner Herr!“ sagte Tjing-wën, ohne den Kopf vom Kissen zu heben. „Die Schwindsucht werde ich schon nicht gleich kriegen!“
 
Notgedrungen ging Bau-yü fort, aber am Nachmittag entschuldigte er sich mit Unwohlsein und kam wieder zurück.
 
Tjing-wën war zwar jetzt ernstlich krank, aber glücklicherweise hatte sie die Gewohnheit, wohl ihren Körper, aber nicht ihr Gemüt zu strapazieren. Außerdem war sie es gewohnt, im Essen und Trinken maßzuhalten und sich keine Sorgen darum zu machen, ob sie satt oder hungrig war. Im Hause der Djias war es nämlich Gewohnheit und Geheimrezept zugleich, daß sich hoch und niedrig bei der kleinsten Erkältung und dem geringsten Husten in erster Linie streng ans Fasten hielt und erst in zweiter Linie Medizin einnahm und das Bett hütete.
 
Deshalb hatte Tjing-wën, als sie krank geworden war, sofort einige Tage gehungert, aber auch brav ihre Medizin genommen und sich gepflegt. Nachdem sie sich jetzt überanstrengt hatte, war sie ein paar Tage lang um so sorgfältiger auf ihre Genesung bedacht, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Mädchen, die im Garten wohnten, einzeln in ihren Räumen aßen und es so leichter geworden war, sich etwas kochen zu lassen, konnte Bau-yü ohne große Schwierigkeiten für Suppen und Brühen sorgen. Aber davon muß nicht im einzelnen erzählt werden.
 
Als Hsi-jën nach der Beerdigung ihrer Mutter wieder zurückgekommen war, bekam Bau-yü von Schë-yüä einen genauen Bericht darüber, was Ping-örl ihr über Amme Sung und Dschuee-örl erzählt hatte und wie Dschuee-örl dann von Tjing-wën fortgejagt worden war.Erkältung und dem geringsten Husten in erster Linie streng ans Fasten hielt und erst in zweiter Linie Medizin einnahm und das Bett hütete.
 
Deshalb hatte Tjing-wën, als sie krank geworden war, sofort einige Tage gehungert, aber auch brav ihre Medizin genommen und sich gepflegt. Nachdem sie sich jetzt überanstrengt hatte, war sie ein paar Tage lang um so sorgfältiger auf ihre Genesung bedacht, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Mädchen, die im Garten wohnten, einzeln in ihren Räumen aßen und es so leichter geworden war, sich etwas kochen zu lassen, konnte Bau-yü ohne große Schwierigkeiten für Suppen und Brühen sorgen. Aber davon muß nicht im einzelnen erzählt werden.
 
Als Hsi-jën nach der Beerdigung ihrer Mutter wieder zurückgekommen war, bekam Bau-yü von Schë-yüä einen genauen Bericht darüber, was Ping-örl ihr über Amme Sung und Dschuee-örl erzählt hatte und wie Dschuee-örl dann von Tjing-wën fortgejagt worden war. Hsi-jën bemerkte dazu lediglich: „Das war ein bißchen vorschnell gehandelt.“
 
Während Li Wan inzwischen ebenfalls erkältet war, litt Dame Hsing an einer Augenentzündung, weshalb Ying-tschun und Hsiu-yän täglich zu ihr hinübergingen, um sie morgens und abends mit Medizin zu versorgen. Tante Li aber war mit Li Wën und Li Tji für ein paar Tage zu Besuch bei ihrem jüngeren Bruder. Bau-yü dagegen sah nur, daß Hsi-jën sich um ihre tote Mutter grämte und daß Tjing-wën immer noch nicht wieder ganz gesund war. Deshalb zeigte niemand Interesse, wenn der Tag für den Dichterbund kam, und so fielen mehrere Treffen aus.
 
So kam der zwölfte Monat heran, das Jahresende rückte näher, und Dame Wang kümmerte sich mit Hsi-fëng zusammen um die Festvorbereitungen. Währenddessen wurde Wang Dsï-tëng zum Befehlshaber aller Garnisonen von neun Provinzen befördert, und Djia Yü-tsun wurde zum Kriegsminister ernannt, so daß er in den Angelegenheiten des Heeres ebenso wie in der Politik des Hofes jetzt ein Wort mitzureden hatte. Aber genug jetzt davon.
 
Drüben im Ning-guo-Anwesen schloß Djia Dschën den Ahnentempel auf und ließ dort den Boden ausfegen, die Opfergeräte ordnen und die Ahnentafeln aufstellen. Auch in der Haupthalle ließ er saubermachen und die Ahnenbilder aufhängen. Im inneren und im äußeren Bereich beider Anwesen war hoch und niedrig emsig beschäftigt.
 
Eines Tages war Frau You nach dem Aufstehen eben mit Djia Jungs Frau zusammen dabei, Nadelarbeiten und andere Geschenke für die Herzoginmutter herzurichten, als ein Sklavenmädchen mit einem Tablett voll kleiner Neujahrs-Goldbarren eintrat und meldete: „Hsing-örl läßt Euch sagen, junge gnädige Frau, jenes Paket Bruchgold habe einhundertdreiundfünfzig Liang, sechs Tjiän und sieben Fën Bruchgold unterschiedlicher Reinheit enthalten. Daraus seien zweihundertundzwanzig Barren gegossen worden.“
 
Mit diesen Worten reichte sie ihr das Tablett hin, und Frau You sah, daß die Barren teils die Form von Aprikosenblüten hatten, teils die von Zierapfelblüten. Andere sahen aus wie kleine Glückwunschzepter, und wieder andere zeigten das Schriftzeichen tschun – ‚Frühling‘ – , umgeben von den Acht Kostbarkeiten .
 
„Schließ das weg und sag Hsing-örl, sie solle auch die Geschenkbarren aus Silber bald bringen!“ befahl Frau You.
 
„Jawohl!“ sagte das Sklavenmädchen und ging hinaus.
 
Dann kam Djia Dschën herein, um zu essen, und Djia Jungs Frau zog sich zurück.
 
„Haben wir schon die Spenden des Kaisers für unser Neujahrsopfer abholen lassen?“ wollte Djia Dschën wissen.
 
„Heute habe ich Jung danach geschickt“, erwiderte Frau You.
 
„Nicht daß wir auf die paar Liang Silber angewiesen wären, es ist die Gnade des Kaisers, die zählt“, kommentierte Djia Dschën. „Sobald das Silber abgeholt ist, zeigen wir es drüben der alten gnädigen Frau, und dann werden Opfergaben dafür gekauft.
 
Zum einen genießen wir das Wohlwollen des Herrschers, zum anderen danken wir den Ahnen unser Glück. Selbst wenn wir zehntausend Liang Silber für das Opfer ausgeben würden, wäre das nicht so ehrenvoll wie ein Opfer mit Hilfe dieses Gnadengeschenks. Und von ein, zwei Familien wie der unsern abgesehen, könnte keine Familie eines armen Beamten mit Erbtitel zu Neujahr die Opfer bringen, wenn sie nicht dieses Silber bekäme. Die Gnade des Kaisers ist wahrhaftig gewaltig, und er denkt auch an alles.“
 
„So ist es“, bestätigte Frau You.
 
Kaum hatte sie das gesagt, wurde gemeldet: „Euer Sohn ist gekom­men.“
 
Djia Dschën befahl, ihn hereinzurufen, und Djia Jung trat mit einem Beutel aus gelbem Baumwollstoff herein, den er mit beiden Händen trug.
 
„Warum hat das den ganzen Tag gedauert?“ fragte Djia Dschën.
 
Lächelnd erwiderte Djia Jung: „Diesmal war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, es wurde vielmehr in der Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben, Speisen und Bankette ausgegeben, und so mußte ich erst dorthin, um es zu bekommen. Die Beamten lassen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch lange nicht gesehen, aber immer an Euch gedacht.“
 
„An mich?“ sagte Djia Dschën lächelnd, „an meine Geschenke und meine Einladungen zu Theater und Wein denken sie, wo jetzt das Neujahrsfest vor der Tür steht!“ Dann sah er sich den Beutel an, auf dem ein großer Siegelstempel prangte „Durch kaiserliche Gnade auf ewig gewährt“. Daneben befand sich der Siegelstempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums. Außerdem stand dort eine Zeile kleiner Schriftzeichen: „Djia Yän, Herzog Ning-guo, und Djia Fa, Herzog Jung-guo, durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer; soundsoviel Liang Feinsilber; am soundsovielten Tag des soundsovielten Monats im Jahre sowieso von Djia Jung, Hauptmann der Palastwache ohne Kommando, persönlich abzuholen. Der diensthabende Amtsassisten N. N.“ Darunter stand mit roter Tusche ein Namenszug.
 
Als Djia Dschën gegessen und sich anschließend die Hände gewaschen und den Mund gespült hatte, wechselte er Stiefel und Kopfbedeckung und befahl dann Djia Jung, den Beutel mit dem Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Nachdem sie der Herzoginmutter und Dame Wang Bericht erstattet hatten, kamen sie wieder ins Ning-guo-Anwesen herüber und machten auch Djia Schë und Dame Hsing Meldung, ehe sie in ihre Wohnräume zurückkehrten, wo Djia Dschën das Silber aus dem Beutel nahm und befahl, diesen im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen.
 
Anschließend erteilte er Djia Jung den Auftrag: „Erkundige dich drüben bei der Frau deines Onkels Liän, ob schon entschieden ist, an welchem Tag sie ihre Gäste zum Neujahrswein einladen! Wenn das schon feststeht, läßt du dir von den Sekretären eine genaue Aufstellung schreiben, damit es keine Überschneidungen gibt, wenn wir unsere Einladungen verschicken. Beim vorigen Mal hatten wir nicht aufgepaßt, und da war es zu solchen Versehen gekommen. Die Leute mußten natürlich denken, daß wir uns mit denen von drüben abgesprochen und absichtlich solche nicht ernst gemeinten Einladungen verschickt hätten, um weniger Aufwand zu haben.“
 
Rasch sagte Djia Jung jawohl und begab sich wieder hinüber. Bald darauf kam er mit einem Bogen zurück, auf dem verzeichnet war, wer für welchen Tag zu Gast gebeten wurde. Djia Dschën sah sich die Aufstellung an, dann befahl er: „Gib das nachher Lai Schëng! Er soll darauf achten, daß nicht dieselben Leute am selben Tag zu uns eingeladen werden!“ Nun gingen sie nach den Sklavenjungen sehen, die in der Haupthalle Wandschirme schleppten, Tische abwischten und die Opfergeräte aus Gold und Silber polierten. Da kam ein anderer Sklavenjunge mit einem Brief und einer Liste und meldete: „Dorfverwalter Wu aus Hee-schan tsun ist gekommen.“
 
„Jetzt erst kommt er, der alte Galgenstrick!“ murrte Djia Dschën, während Djia Jung Brief und Liste entgegennahm und als erstes den Brief entfaltete, um ihn Djia Dschën vorzuhalten. Die Hände auf dem Rücken, las Djia Dschën auf dem roten Papier: „Kniefällig wünscht Euer Dorfverwalter Wu Djin-hsiau Euch, Herr und Herrin, zehntausendfaches Glück und goldene Gesundheit, goldene Gesundheit auch den jungen Herren und Fräulein! Mögen Euch im neuen Jahr Glück und Freude beschieden sein, Ruhm und Zufriedenheit, höherer Rang und größeres Einkommen! Mögen sich all Eure Wünsche erfüllen!“
 
„Komische Leute sind das schon, da auf dem Lande!“ bemerkte Djia Dschën lächelnd.
 
Schnell setzte auch Djia Jung ein Lächeln auf und sagte: „Stört Euch nicht an der Form! Die Hauptsache ist doch, daß es Glück bringen soll!“ Dann entfaltete er auch die Liste, und darauf stand: ‚Hirsche – 30 Stück, Wasserhirsche – 50 Stück, Rehe – 50 Stück, Siam-Schweine – 20 Stück, gebrühte Schweine – 20 Stück, Drachen-Schweine – 20 Stück, Wildschweine – 20 Stück, gesalzene und getrocknete Schweine – 20 Stück, Wildschafe – 20 Stück, Gorale – 20 Stück, gebrühte Hammel – 20 Stück, getrocknete Hammel – 20 Stück, Störe – 2 Stück, verschiedene Fische – 200 Djin, lebende Hühner, Enten und Gänse – je 200 Stück, getrocknete Hühner, Enten und Gänse – je 200 Stück, Fasanen und Hasen – je 200 Paar, Bärentatzen – 20 Paar, Hirschsehnen – 20 Djin, Seegurken – 50 Djin, Hirschzungen – 50 Stück, Rinderzungen – 50 Stück, getrocknete Scheidenmuscheln – 20 Djin, Haselnüsse, Zirbelnüsse, Pfirsichkerne und Aprikosenkerne – je 2 Sack, Hummer – 50 Paar, getrocknete Garnelen – 200 Djin, Holzkohle feinster Güte – 2000 Djin, Holzkohle mittlerer Güte – 2000 Djin, einfache Holzkohle – 30000 Djin, roter Reis von den Kaiserlichen Feldern – 2 Dan, grüner Klebreis – 50 Hu, weißer Klebreis – 50 Hu, weißer Spätreis – 50 Hu, verschiedene Hirsearten – je 50 Hu, gewöhnlicher Reis – 1000 Dan, verschiedenerlei Dörrgemüse – eine Wagenladung, beim Verkauf von Getreide und Vieh erlöstes Silber – 2500 Liang. Des weiteren als Geschenk für die jungen Herren und Fräulein zum Vergnügen: lebende Hirsche – 2 Paar, lebende weiße Kaninchen – 4 Paar, schwarze – 4 Paar, lebende Goldfasanen – 2 Paar, europäische Enten – 2 Paar.‘
 
„Bringt ihn herein!“ befahl Djia Dschën, und bald darauf trat Wu Djin-hsiau in den Hof und entbot seinen Gruß mit einem Stirnaufschlag. Djia Dschën befahl, man solle ihm auf die Beine helfen, und erkundigte sich lächelnd: „Du bist also noch gesund und bei Kräften?“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Wu Djin-hsiau: „Im Schatten Eures Glücks, Herr, kann ich mich noch bewegen.“
 
„Aber deine Söhne sind doch schon groß, sie hättest du schicken sollen!“ sagte Djia Dschën.
 
„Ich will Euch nichts verhehlen, Herr“, sagte Wu Djin-hsiau lächelnd. „Ich bin es gewöhnt, den Weg zu machen, und hätte mich zu Tode gelangweilt, wenn ich nicht gekommen wäre. Sie würden freilich auch gern sehen, wie es sich lebt zu Füßen des Kaisers, aber sie sind noch jung, und ich habe Angst, daß ihnen auf dem Weg etwas zustoßen könnte. Ein paar Jahre noch, dann brauche ich mir darüber keine Gedanken mehr zu machen.“
 
„Wieviel Tage warst du unterwegs?“ erkundigte sich Djia Dschën.
 
„Es lag viel Schnee in diesem Jahr, Herr“, berichtete Wu Djin-hsiau. „Auf dem Lande lag er überall vier oder fünf Tschï hoch. Aber dann hat es plötzlich getaut, und auf den Wegen war kaum noch ein Vorwärtskommen. So habe ich mich um ein paar Tage verspätet. Einen Monat und zwei Tage habe ich gebraucht, dabei habe ich mich beeilt, weil ich wußte, die Zeit ist begrenzt, und Ihr würdet Euch sorgen, Herr.“
 
„So, so“, sagte Djia Dschën. „Ich wunderte mich schon, warum du jetzt erst kommst! Eben habe ich mir deine Liste angesehen. Du willst dich also wieder mal mit uns anlegen, Alter?“
 
Rasch trat Wu Djin-hsiau zwei Schritte näher und sagte: „Laßt Euch berichten, Herr! Die diesjährige Ernte war wirklich schlecht. Vom dritten bis zum achten Monat hat es in einem fort geregnet, und es gab nicht fünf klare Tage hintereinander. Im neunten Monat gab es dann einen Hagelschlag mit Eiskörnern so groß wie Eßschüsseln. Eintausenddreihundert Li im Geviert haben Menschen und Häuser, Viehherden und Getreidefelder zu Tausenden und aber Tausenden dadurch Schaden genommen. Das sind die Gründe. Ich lüge wirklich nicht, Herr.“
 
Die Brauen gerunzelt, erwiderte Djia Dschën: „Ich hatte fest mit mindestens fünftausend Liang Silber von dir gerechnet. Wofür reicht das schon, was du bringst?! Von den acht, neun Dörfern, die uns noch geblieben sind, hat in diesem Jahr schon eins eine Dürre und eins eine Überschwemmung gemeldet, und jetzt willst auch du uns hereinlegen. Du gönnst uns wohl nicht einmal die Neujahrsfeier, was?“
 
„Aber Herr!“ sagte Wu Djin-hsiau. „Eure Dörfer sind noch gut dran. Mein Bruder wohnt nur hundert Li von mir entfernt, und doch steht es bei
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889a.
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Nachdem Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, „die Angreifende/der Dufthauch".</ref> von der Beerdigung ihrer Mutter zurückgekehrt war, hatte Moschusmond<ref>Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".</ref> ihr bereits alles erzählt, was Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".</ref> über die Amme Song und Zhuier berichtet hatte und wie Heitermuster Zhuier hinausgeworfen hatte. Schatzjade hatte sie ebenfalls darüber unterrichtet. Dufthauch bemerkte nur, das sei ein wenig vorschnell gewesen. Da inzwischen auch Frau Li<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".</ref> an einer Erkältung litt, Dame Strafe<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe".</ref> an einer Augenentzündung erkrankt war und Willkommensfrühling<ref>Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling".</ref> mit Xiuyan täglich zu ihr ging, um sie morgens und abends mit Medizin zu versorgen, da ferner Tante Lis jüngerer Bruder Tante Li mitsamt Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume zu einem mehrtägigen Besuch abgeholt hatte und da Schatzjade obendrein sah, wie Dufthauch immer noch um ihre Mutter trauerte und Heitermuster noch nicht ganz genesen war aus all diesen Gründen fand sich niemand, der den Dichterklub am festgesetzten Tag hätte einberufen wollen, und so fielen mehrere Treffen aus.
ihm dort viel schlimmer. Die acht Dörfer, die er jetzt für das andere Anwesen drüben verwaltet, sind ein paarmal größer als Eure, trotzdem hat er dieses Jahr nicht viel abliefern können. An Silber waren es ganze zwei- oder dreitausend Liang mehr als bei mir, so schwer hat die Not sie getroffen.“
 
„Eben, eben“, sagte Djia Dschën, „wir hier kommen noch aus, weil wir keine großen Extraausgaben haben, sondern nur die ständigen Kosten. Geht es mir schlechter, dann lebe ich eben bescheidener. Außerdem kann ich noch dadurch etwas einsparen, daß ich unverfroren bei Jahreszuwendungen, Geschenken und Einladungen knapse, und damit hat sich der Fall. Drüben im andern Anwesen sieht das aber nicht so aus. Dort sind in den vergangenen Jahren aus den verschiedensten Gründen zusätzliche Ausgaben entstanden, die nicht zu vermeiden waren, ihr Silber und ihre Einnahmequellen haben sich jedoch nicht vermehrt. So haben sie in den letzten ein, zwei Jahren viel zusetzen müssen. Woher soll es denn kommen, wenn nicht von euch?!“
 
„Drüben ist zwar der Aufwand größer geworden“, stimmte ihm Wu Djin-hsiau lächelnd zu, „aber es ist doch ein Geben und Nehmen. Bekommen sie denn nicht Geschenke von der hohen Frau und von Seiner Majestät?“
 
„Hat man jemals so etwas Lächerliches gehört?“ wandte sich Djia Dschën schmunzelnd an Djia Jung und die anderen, worauf Djia Jung ihm sofort mit einem Lächeln sekundierte: „Was versteht ihr schon von diesen Dingen, die ihr in Bergschluchten und am Meeresufer lebt! Soll uns die hohe Frau vielleicht die kaiserlichen Schatzhäuser schenken? Selbst wenn sie das wollte, könnte sie es nicht. Natürlich machen sie uns Geschenke, aber das sind doch nur Seidenstoffe, Antiquitäten und derlei Dinge zu den Feiertagen. Und wenn es einmal Gold gibt, sind es nicht mehr als einhundert Liang. Das entspricht gerade eintausend Liang Silber . Wie weit kommt man damit schon im Laufe eines Jahres?
 
Dabei haben sie drüben in den letzten beiden Jahren Mehrausgaben von jeweils einigen Tausend Liang Silber gehabt. Überleg dir einmal, was allein der Besuch im vergangenen Jahr einschließlich des neugebauten Gartens sie gekostet hat, dann kannst du dir ein Bild davon machen. Noch so ein Besuch in ein paar Jahren, und sie sind ruiniert.“
 
Lächelnd setzte Djia Dschën hinzu: „Bieder, wie die Landleute sind, haben sie keine Ahnung, was das heißt ‚Es ist nicht alles Gold, was glänzt.‘ Macht man aus Holz einen Klangsteinschlegel, dann ist er zwar schön anzusehen, aber was hat er alles auszuhalten!“
 
„Drüben müssen sie wirklich arm geworden sein“, sagte Djia Jung zu Djia Dschën. „Neulich habe ich gehört, wie die Frau von Onkel Liän leise mit Yüan-yang besprochen hat, heimlich etwas von den Sachen der alten gnädigen Frau in die Pfandleihe zu tragen.“
 
„Aber das ist doch nur so ein Trick von ihr“, erwiderte Djia Dschën lächelnd. „So arm sind sie nun doch noch nicht. Bestimmt wird sie gesehen haben, daß zuviel ausgegeben und immer kräftig zugeschossen wird, und weil sie nicht weiß, woran sie noch sparen soll, hat sie dieses Mittel erdacht, damit es sich herumspricht und alle meinen, sie seien schon dermaßen verarmt. Ich aber habe meinen eigenen Überblick über diese Dinge und weiß, daß es so schlimm noch nicht ist.“
 
Anschließend befahl er, man solle Wu Djin-hsiau hinausgeleiten und gut für ihn sorgen. Doch nun genug davon.
 
Von den Dingen, die der Dorfverwalter gebracht hatte, wurde auf Djia Dschëns Anweisung ein Teil für das Ahnenopfer beiseite gelegt, einiges von jeder Sorte mußte Djia Jung ins Jung-guo-Anwesen hinüberbringen, und nach Abzug all dessen, was man für den eigenen Haushalt brauchte, wurde der Rest in Portionen geteilt, wie sie der Rangfolge entsprachen, und unterhalb der Terrasse aufgebaut. Dann gab Djia Dschën den Befehl, die Söhne und Neffen der ganzen Sippe zusammenzurufen, um jeden seinen Anteil in Empfang nehmen zu lassen.
 
Inzwischen wurden auch aus dem Jung-guo-Anwesen allerlei Opfergaben und Geschenke für Djia Dschën herübergebracht. Nachdem dieser die Aufstellung der Opfergeräte bis zum Schluß überwacht hatte, schlüpfte er in bequeme Schuhe, hüllte sich in einen weiten Luchspelzumhang und ließ am Fuße einer Säule auf der Plattform der Haupthalle eine große Decke aus Wolfsfell in die Sonne legen, um sich den Rücken zu wärmen, während er müßig zuschaute, wie die jungen Leute ihre Neujahrsgaben empfingen. Als er sah, daß auch Djia Tjin kam, um seinen Anteil zu holen, rief er ihn zu sich und fragte: „Was willst du hier? Wer hat dich gerufen?“
 
Mit unterwürfig herabhängenden Armen erwiderte Djia Tjin: „Ich hörte, Ihr hättet uns alle rufen lassen, um etwas abzuholen, gnädiger Herr. Da bin ich gekommen, ohne eine persönliche Aufforderung abzuwarten.“
 
„Diese Sachen sind für diejenigen deiner Schwäger und Vettern bestimmt, die keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit haben“, sagte Djia Dschën. „In den beiden Jahren, als es für dich nichts zu tun gab, hast du deinen Anteil von mir bekommen. Aber jetzt hast du doch eine Stellung und bist drüben im anderen Anwesen für die buddhistischen und dauistischen Nonnen im Familienkloster zuständig. Nicht nur, daß du dein Monatsgeld bekommst, auch die Monatsgelder für die Nonnen gehen durch deine Hände. Und da kommst du noch, um dir hier etwas zu holen? Du bist aber auch zu gierig! Und schau dich nur einmal an! Kleidet sich so vielleicht jemand, der Verantwortung trägt und über Gelder verfügt? Früher hast du dich beklagt, du habest keine Einnahmequelle, aber warum schaust du dann jetzt noch schlimmer aus als dazumal?“
 
„Wir sind viele Esser zu Hause und haben daher viele Ausgaben“, versuchte Djia Tjin sich zu rechtfertigen.
 
„Du widersprichst mir auch noch?“ fragte Djia Dschën. „Meinst du, ich wüßte nicht, wie du es im Familienkloster treibst? Dort spielst du natürlich den Herrn, und niemand wagt es, sich dir zu widersetzen. Außerdem hast du Geld in der Tasche und bist weit genug von uns weg. Also führst du dich auf wie ein König oder ein Hegemon, versammelst jede Nacht einen Haufen Räuber um dich, mit denen du um Geld spielst, und hältst dir Frauenzimmer und Lustknaben.Und bei so einem Betragen wagst du es noch, hierher zu kommen, um dir Geschenke zu holen. Nicht Geschenke müßtest du bekommen, sondern eine ordentliche Tracht Prügel. Warte nur! Nach Neujahr werde ich mit deinem Onkel Liän reden, damit er dich hierher zurückschickt.“
 
Wie mit Blut übergossen stand Djia Tjin da und wagte nichts zu erwidern.
 
Da meldete jemand: „Aus der Residenz des Prinzen Bee-djing sind Spruchbänder und Geldtäschchen geschickt worden.“
 
„Geh hinaus und bewirte die Boten, sag ihnen, ich sei nicht zu Hause!“ sagte Djia Dschën zu Djia Jung, der daraufhin fortging.
 
Djia Dschën aber blieb sitzen, bis alle Gaben abgeholt waren, dann kehrte er in seine Wohnräume zurück und aß mit Frau You zu Abend. Von der Nacht ist nichts zu berichten.
 
Am nächsten Tag war noch mehr zu tun, aber auch das muß hier nicht umständlich erzählt werden.
 
Als der neunundzwanzigste Tag des zwölften Monats kam, waren sämtliche Vorbereitungen getroffen. In beiden Anwesen waren neue Türgottbilder und Spruchbänder mit glückverheißenden Inschriften angebracht und mit Öl bestrichen worden, so daß alles frisch und sauber aussah. Im Ning-guo-Anwesen standen vom Eingang an überall die mittleren Türflügel weit offen: am Außentor, am äußeren Ehrentor, an der äußeren Halle, am geheizten Wohnhaus, an der inneren Halle, am Innentor, am inneren Ehrentor, am Blendtor und schließlich an der Haupthalle. Unterhalb der Plattform der Halle brannten auf jeder Seite je eine lange Reihe großer roter Kerzen, so daß es aussah, als ob dort zwei feurige goldene Drachen lägen.
 
Am nächsten Tag kleidete sich die Herzoginmutter wie jeder, der mit einem offiziellen Rang belehnt war, in die vorgeschriebenen Audienzgewänder und ließ sich allen voran in einer Sänfte mit acht Trägern zur Gratulationscour in den Kaiserpalast tragen. Nachdem sie dort die Riten vollzogen und am Bankett teilgenommen hatten, ließen sie sich ins Ning-guo-Anwesen tragen und stiegen dort neben dem Wohnhaus aus den Sänften. Wer von den jüngeren männlichen Familienangehörigen nicht mit bei Hofe gewesen war, stand am Außentor Spalier und half ihnen nun beim Aussteigen, um sie in den Ahnentempel zu geleiten.
 
Bau-tjin, die zum erstenmal hier war, hielt die Augen offen und sah sich alles aufmerksam an. Der Ahnentempel lag in einem besonderen Hof im Westen des Anwesens, umgeben von einer Mauer, der noch ein schwarzlackiertes Holzgitter vorgelagert war. Am Eingangstor prangte eine Tafel, auf der in großen Schriftzeichen zu lesen war „Ahnentempel der Sippe Djia“. Daneben stand in kleineren Schriftzeichen „Geschrieben von Kung Dji-dsung, Herzog Yän-schëng .“ Zu beiden Seiten aber hing ein langes Parallelsatzpaar mit den Aufschriften
 
 
„Mit seinem Leben dankt das zahlreiche Volk seinem Erhalter
 
die Gnade“,
 
„Durch ihre Taten lohnen hundert Generationen ihrem Herrscher
 
die Spenden.“
 
Auch das war vom Herzog Yän-schëng geschrieben.
 
Hinter dem Tor begann ein Weg aus weißen Steinplatten, an dem rechts und links dunkelgrüne Kiefern und leuchtend grüne Lebensbäume wuchsen. Auf einem steinernen Opfertisch standen mit Patina überzogene alte Bronzegefäße. Am Eingang der Vorbauten des Tempels hing eine mit neun vergoldeten Drachen geschmückte Tafel mit den Schriftzeichen
 
„Sternengleich glänzende Stützen des Throns“.
 
Geschrieben hatte sie der verewigte Kaiser. Links und rechts des Tors besagte ein Parallelsatzpaar
 
„Wie Sonne und Mond erstrahlen die Taten“,
 
„Auf Söhne und Enkel erstreckt sich der Ruhm.“
 
Auch dies war die Handschrift des Kaisers. An der Tempelhalle von fünf Säulenzwischenräumen Breite hing eine mit sich bäumenden Drachen verzierte Tafel, die auf blauem Grund die Schriftzeichen trug
 
„Ehrende Opfer für Eltern und Ahnen“.
 
Das Parallelsatzpaar links und rechts des Eingangs lautete
 
„Die Nachfahren erben Tugend und Glück“,
 
„Die Volksmenge preist Ning wie auch Jung.“
 
Alles war von der Hand des Kaisers geschrieben.
 
In der Halle loderten Weihrauch und Kerzen, hinter den zahllosen bunten Seidenbehängen waren die Ahnentafeln kaum zu erkennen. Alle Sippenangehörigen nahmen rangmäßig auf der linken und rechten Seite Aufstellung. Djia Djing leitete die Opferzeremonie, Djia Schë ging ihm zur Hand, Djia Dschën reichte den Opferbecher dar, Djia Liän und Djia Dsung die Seide, Bau-yü den Weihrauch. Djia Gë und Djia Ling breiteten den Teppich aus und kümmerten sich um das große Feuerbecken. Schwarzgekleidete Musikanten spielten, während der Opferbecher dreimal gefüllt wurde und jeder seine Stirnaufschläge vollzog. Als die Seide verbrannt und der Wein vergossen war, verstummte die Musik, und alle verließen den Tempel.
 
Begleitet von der ganzen Sippe, begab sich die Herzoginmutter in die Haupthalle des Innenhofes. Auch hier hingen seidene Vorhänge herab, bunte Wandschirme waren aufgestellt, Weihrauch und Kerzen brannten. An der Mitte der Rückwand hingen die Bilder der alten Herzöge Ning-guo und Jung-guo. Beide waren sie in drachenbestickten Gewändern und mit Jadegürteln dargestellt. Daneben hingen die Bilder weiterer Ahnen. Vom inneren Ehrentor bis zum Säulengang vor der Halle standen Djia Hsing, Djia Dschï und ihre Altersgefährten der Rangfolge gemäß aufgereiht. Draußen an der Hallentür standen Djia Djing und Djia Schë, während die weiblichen Familienangehörigen innen an der Tür standen. Die Dienerschaft war draußen vor dem Ehrentor postiert.
 
Jedes einzelne Gericht der Opferspeisen wurde am Ehrentor von Djia Hsing und Djia Dschï entgegengenommen und durch das Spalier bis auf die Plattform der Halle zu Djia Djing weitergereicht. Er übergab es an Djia Jung, der als ältester Enkel der Hauptlinie des Hauses als einziger Mann mit den Frauen zusammen innen an der Tür stand. Von ihm empfing es seine Frau, die es an Hsi-fëng und Frau You weitergab. Durch die Hände der übrigen Frauen gelangte es bis zu Dame Wang, die am Opfertisch stand und die Speisen der Herzoginmutter reichte, die sie endlich auf den Tisch setzte. Dame Hsing, die mit dem Gesicht nach Osten an der Westseite des Opfertischs stand, assistierte der Herzoginmutter.
 
Als alle Zuspeisen, Reis, Suppe, Naschwerk, Tee und Wein durchgereicht waren, verließ auch Djia Jung die Halle, stieg die Treppe hinab und stellte sich dort an die Spitze der Gruppe, zu der Djia Tjin gehörte. Jetzt nahmen alle Angehörigen der Kultur-Generation mit Djia Djing an der Spitze, alle Angehörigen der Jade-Generation mit Djia Dschën an der Spitze und alle Angehörigen der Gras-Generation mit Djia Jung an der Spitze rangmäßig Aufstellung, die Frauen auf der Ostseite, die Männer auf der Westseite, und als die Herzoginmutter den Weihrauch entzündete und niederkniete, fielen auch alle anderen auf die Knie.
 
In der Halle und ihren Vorbauten, in allen Säulengängen sowie auf und unterhalb der Plattform gab es keinen freien Fleck, alles war von buntgekleideten Menschen bedeckt. In der feierlichen Stille hörte man nur das leise Kling-Klang und Ding-Dang der goldenen Glöckchen und der jadenen Gürtelgehänge sowie das scharrende Geräusch der zahllosen Stiefel beim Aufstehen und Niederknien.
 
Bald darauf war die Zeremonie beendet. Djia Djing und Djia Schë zogen sich mit den übrigen Männern rasch zurück und begaben sich ins Jung-guo-Anwesen hinüber, wo sie die Herzoginmutter erwarteten, um ihr den zeremoniellen Gruß zu entbieten.
 
Im Hauptraum der Wohngemächer von Frau You war der Fußboden mit rotem Filz ausgelegt. Mitten im Raum stand ein großes Kohlenbecken aus Cloisonné, dessen drei Beine die Form von Elefantenrüsseln hatten und vergoldet waren, ebenso wie der wulstige Rand. Auf dem Ofenbett, bedeckt mit einer neuen purpurfarbenen Filzmatte, lagen rote Rücken- und Armpolster, bunt bestickt mit Drachen, die inmitten von Wolken um das Schriftzeichen schou – ‚langes Leben‘ – gruppiert waren. Über die Filzmatte war eine Silberfuchsdecke gebreitet, auf der ein Kissen aus Weißfuchs lag.
 
Frau You bat die Herzoginmutter, auf dem Kissen Platz zu nehmen, dann legte sie rechts und links davon weitere Pelzkissen zurecht und ließ dort die anderen Frauen aus der Generation der Herzoginmutter sitzen. Auch auf die kleine Fortsetzung des Ofenbetts außerhalb des hölzernen Raumteilers legte Frau You Pelzkissen und bot die Plätze Dame Hsing und deren Altersgefährtinnen an. Auf der freien Fläche vor dem Ofenbett standen in zwei Reihen zwölf Stühle einander zugewandt, die mit geschnitztem Lack überzogen und einheitlich mit Sitzkissen aus Fehfell bedeckt waren. Hier mußten Bau-tjin und die anderen Mädchen Platz nehmen. Vor jedem Stuhl stand ein Fußöfchen aus Messing.
 
Nun reichte Frau You der Herzoginmutter eigenhändig den Tee auf einem Tablett, während Djia Jungs Frau die übrigen alten Frauen bediente. Anschließend servierte Frau You den Tee für Dame Hsing und die anderen Frauen, Djia Jungs Frau aber reichte den Mädchen die Teeschalen. Hsi-fëng, Lai Wan und die übrigen Schwiegertöchter standen in dienstfertiger Haltung dabei. Auch Dame Hsing und die übrigen Frauen ihrer Generation standen bald wieder auf, um die Herzoginmutter zu bedienen, die weiter ihren Tee trank und dabei mit den anderen alten Frauen sprach. Aber schon nach wenigen Sätzen befahl sie, nach ihrer Sänfte zu sehen, und sofort trat Hsi-fëng näher, um ihr beim Aufstehen behilflich zu sein.
 
Lächelnd meldete Frau You: „Wir haben das Abendessen für Euch vorbereitet, alte Ahne. Es ist Jahr für Jahr dasselbe: Nie wollt Ihr uns die Ehre erweisen, hier zu essen, bevor Ihr heimkehrt. Sind wir denn wirklich so viel unwürdiger als Hsi-fëng?“
 
Ebenfalls lächelnd sagte Hsi-fëng, während sie der Herzoginmutter aufhalf: „Kommt nur schnell, alte Ahne, und eßt bei uns! Achtet nicht auf sie!“
 
Und lächelnd sagte die Herzoginmutter: „Ihr habt hier durch das Ahnenopfer mehr als genug zu tun. Wie wolltet ihr da noch mit mir Quälgeist zurechtkommen? Außerdem habt ihr mir jedes Jahr, wenn ich nicht hier gegessen habe, die Speisen hinübergeschickt. Macht es nur auch dieses Mal so! Dann hebe ich mir für morgen auf, was ich heute nicht schaffe, und kann mehr essen, als wenn ich hierbliebe.“
 
Alle lachten darüber, die Herzoginmutter jedoch mahnte Frau You: „Ihr müßt zuverlässige Leute beauftragen, über Nacht nach den brennenden Kerzen und den Weihrauchfeuern zu sehen. Damit kann man nicht vorsichtig genug sein!“
 
Frau You sagte: „Jawohl!“ und begleitete die Gäste vor das Wohngebäude, wo sie die Sänften bestiegen. Erst als sich Frau You mit den Ihren hinter einem Wandschirm verborgen hatte, holten die Sklavenjungen die Sänftenträger in den Hof, und dann wurden die Sänften durch das Haupttor hinausgetragen.
 
Anschließend ließ sich auch Frau You im Gefolge von Dame Hsing ins Jung-guo-Anwesen hinübertragen. Als sie vor dem Außentor waren, sahen sie, daß auf der östlichen Seite die Insignien und Musikinstrumente des Herzogs Ning-guo aufgestellt waren und auf der westlichen Seite die Insignien und Musikinstrumente des Herzogs Jung-guo. Dahinter war die Straße auf beiden Seiten mit Blendschirmen versperrt, und kein Fremder durfte passieren.
 
Dann kamen sie ins Jung-guo-Anwesen, und auch hier standen vom Außentor an überall die mittleren Türflügel offen. Sie stiegen aber nicht am Hauptwohngebäude aus, sondern ließen sich von dort aus in westlicher Richtung bis zur Haupthalle des Wohngehöfts der Herzoginmutter tragen. Als sie hier die Sänften verlassen hatten, begaben sie sich, von ihren Begleiterinnen umringt, in den Hauptraum der Wohngemächer der Herzoginmutter. Auch hier prangten seidene Bezüge und gestickte Schirme in frischem Glanz. In einem Kohlenbecken brannten Kiefern- und Lebensbaumweihrauch zusammen mit wohlriechenden Kräutern.
 
Kaum daß sich die Herzoginmutter hingesetzt hatte, meldete eine alte Sklavenfrau: „Die alten gnädigen Frauen kommen ihren Gruß entbieten.“ Also stand die Herzoginmutter rasch wieder auf, um ihnen entgegenzugehen, und schon traten die alten Frauen zur Tür herein. Die Herzoginmutter faßte sie bei den Händen, und sie lachten ein Weilchen miteinander. Dann bot sie ihnen Sitzplätze an, und sie tranken gemeinsam Tee. Als die Frauen wieder gingen, begleitete die Herzoginmutter sie nicht weiter als bis zum Ehrentor. Anschließend kehrte sie wieder auf ihren Platz in der Mitte des Hauptraums zurück, und Djia Djing und Djia Schë traten an der Spitze der jüngeren Männer des Hauses herein.
 
„Das ganze Jahr über bin ich euch zur Last gefallen, ihr braucht mir keinen Gruß zu entbieten!“ sprach die Herzoginmutter sie an, aber schon knieten die Männer und Frauen der Familie, nach Altersgruppen getrennt, vor ihr nieder. Anschließend nahmen sie der Rangfolge des Alters gemäß auf den Faltstühlen Platz, die zu beiden Seiten aufgestellt waren, und empfingen ihrerseits die Grüße der Jüngeren.
 
Nachdem auch alle Sklaven und Sklavinnen aus beiden Anwesen ihrer höheren, mittleren oder niederen Stellung entsprechend der Reihe nach ihre Kniefälle vollzogen hatten, wurden Neujahrsgeld und Geldtäschchen sowie die kleinen Gold- und Silberbarren verteilt.
 
Als nächstes wurde das gemeinsame Freudenmahl aufgetragen. Die Männer saßen auf der Ost-, die Frauen auf der Westseite. Nachdem der „übelabwehrende Wein“, die „Suppe der frohen Vereinigung“, die „Früchte des Glücks“ und der „Kuchen der Wunscherfüllung“ gereicht worden waren, stand die Herzoginmutter auf und ging in ihre inneren Gemächer, um die Kleider zu wechseln, die anderen aber gingen auseinander.
 
Am Abend verbrannte man vor allen Buddhafiguren und Herdgottbildern Weihrauch und brachte Opfergaben dar. Im Hof vor der Haupthalle des Wohngehöfts von Dame Wang wurden Papierbilder, Weihrauch und andere Gaben für Himmel und Erde geopfert.
 
Auch am Haupttor des Gartens des Großen Anblicks hingen auf beiden Seiten helleuchtende Hornlaternen, und überall waren die Wege mit Lampen erhellt. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Seide gekleidet. Das Lachen und Schwatzen riß die ganze Nacht über nicht ab, und dabei krachten in ständiger Folge Feuerwerkskörper.
 
Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit allen anderen zusammen in voller Hoftracht und mit allen Ranginsignien wiederum in den Kaiserpalast zur Gratulationscour und beglückwünschte dort gleichzeitig Yüan-tschun zu ihrem Geburtstag. Als sie nach dem anschließenden Bankett zurückkam, brachte sie ein weiteres Mal im Ning-guo-Anwesen ein Ahnenopfer und empfing erneut die Grüße aller Hausgenossen. Danach aber zog sie sich um und ruhte sich aus. Keiner der Verwandten und Freunde, die zur Neujahrsgratulation kamen, wurde von ihr empfangen, nur mit Tante Hsüä und Tante Li plauderte sie in aller Gemütlichkeit, oder sie spielte mit Bau-yü, Bau-tjin, Bau-tschai, Dai-yü und den anderen Mädchen Würfel oder Domino.
 
Dame Wang und Hsi-fëng dagegen waren Tag für Tag ununterbrochen auf den Beinen, um die Gäste zu empfangen, die zum Neujahrsfest kamen. In Hof und Halle waren eine Theaterbühne und Weintafeln hergerichtet, und Verwandte wie Freunde kamen in einem nicht enden wollenden Strom. So ging es sieben oder acht Tage lang, ehe endlich Schluß damit war, und schon rückte das Laternenfest näher. Überall im Ning-guo- und im Jung-guo-Anwesen wurden prächtige Laternen und bunte Verzierungen angebracht. Am elften lud Djia Schë die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, und am zwölften war sie bei Djia Dschën zu Gast. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in zwangloser Unterhaltung. Dame Wang und Hsi-fëng waren inzwischen jeden Tag bei anderen Familien zu Neujahrsbesuchen, doch das kann hier nicht in aller Ausführlichkeit geschildert werden.
 
Für den Abend des fünfzehnten endlich hatte die Herzoginmutter in der Gästehalle einige Weintafeln vorbereiten, eine kleine Theatertruppe antreten und alles mit schönen Laternen vollhängen lassen. Nun führte sie ihre Söhne, Neffen und Enkel mit ihren Frauen hierher zu einem Familienfest.
 
Djia Djing, der keinen Wein trank, war nicht mit eingeladen worden. Am siebzehnten, als alle Ahnenopfer beendet waren, kehrte er wieder vor die Stadt zurück und widmete sich dort seinen dauistischen Übungen. Auch die vergangenen Tage im Kreise der Familie hatte er in schlichten, verschwiegenen Räumen verbracht, ohne mit jemandem zu sprechen. Doch damit genug von ihm.
 
Djia Schë nahm nur kurz an dem Fest teil, das die Herzoginmutter gab, und bat sie dann, sich entfernen zu dürfen. Da die Herzoginmutter wußte, daß seine Anwesenheit für beide Seiten genierlich war, ließ sie ihn gehen. Zu Hause angekommen, erfreute er sich mit seinen ständigen Hausgästen am Schein der Laternen und am Wohlgeschmack des Weins. Dabei schmeichelten natürlich der Klang von Musik und Gesang seinen Ohren und der Glanz von Brokat und Stickereien seinen Blicken. Für ihn gab es andere Freuden, als sie bei der Herzoginmutter zu finden waren.
 
Die Herzoginmutter hatte in der Gästehalle an die zehn Tafeln herrichten lassen. Neben jedem Eßtisch stand auf einem niedrigeren Tischchen je ein Räucherkessel mit Zubehör, in dem ‚Hundert-Düfte-Weihrauch‘ brannte, der ein Geschenk des Kaisers war, außerdem eine winzige Topflandschaft aus Steinen, Moos und frischen Blüten in einer Schale von nur acht Tsun Länge, vier oder fünf Tsun Breite und zwei oder drei Tsun Höhe, ein kleines Teebrett von fremdländischer Lackarbeit mit einer Teeschale aus einer der alten Werkstätten und einer verschnörkelten kleinen Kanne voll bestem Tee sowie ein kleiner Setzschirm mit einer Blumenstickerei auf roter Seidengaze in einem Rahmen aus durchbrochenem Sandelholz.
 
Diese Stickereien hatte ein Mädchen namens Huee-niang verfertigt, das aus Gu-su stammte. Da sie das Kind einer Familie von Gelehrten und Beamten war, tat sie sich mehr auf dem Gebiet der Schreibkunst und Malerei hervor und stickte nur gelegentlich ein, zwei Stücke zu ihrem eigenen Vergnügen, nicht etwa zum Verkauf.
 
Die Blumenstickereien auf den Setzschirmchen hatte sie den Bildern berühmter Maler der Tang-, Sung-, Yüan- und Ming-Zeit nachgebildet, darum waren sie edel in Farbe und Form, nicht so aufdringlich wie die Arbeiten berufsmäßiger Sticker. Neben jeder Blütenstickerei stand noch in Grasschrift ein Satz aus einem alten Gedicht, der sich auf die dargestellte Blume bezog. Die Schriftzeichen waren aus schwarzem Seidengarn gestickt, und jeder Strich, jedes Häkchen daran war so exakt gearbeitet, daß sie nicht von echten Schriftzeichen in Pinselschrift zu unterscheiden waren. Auch das war ganz etwas anderes als die häßlichen, leblosen Schriftzeichen auf Stickereien, wie sie für den Markt angefertigt werden.
 
Weil Huee-niang nicht darauf aus war, aus ihrer Kunst einen Nutzen zu ziehen, waren ihre Erzeugnisse zwar im ganzen Reich hochberühmt, aber nur die wenigsten besaßen eine Probe davon, während es unter den reichen und vornehmen Familien unzählig viele gab, die gern etwas davon besessen hätten. Nach dem Namen des Mädchens bezeichnete man ihre Arbeiten als ‚Huee-Stickereien‘. Wie es nun einmal der Lauf der Welt ist, hatten sich in jüngster Zeit sogar gewinnsüchtige Leute gefunden, die Huee-niangs Arbeiten nachmachten und mit diesem Betrug große Profite erzielten.
 
Huee-niang selbst aber war ein schlechtes Geschick beschieden gewesen, sie war mit nur achtzehn Jahren gestorben, so daß jetzt niemand mehr hoffen durfte, eine Stickerei von ihr zu bekommen. Jede Familie, die ein oder zwei Stücke davon besaß, hütete sie als Kostbarkeit und wagte sie nicht zu benutzen. Eine Anzahl von Schöngeistern aus der Kaiserlichen Akademie hatte sogar voller Bewunderung für die ‚Huee-Stickereien‘ befunden, der Begriff ‚Stickerei‘ werde der Vollkommenheit dieser Gebilde nicht gerecht, und es sei allzu rüde, solche Schriftzeichen als ‚gestickt‘ zu bezeichnen. Darum hatten sie gemeinsam beraten und waren zu dem Schluß gekommen, das Wort ‚Stickerei‘ durch den Ausdruck ‚Seidenschrift‘ zu ersetzen, und so war dieser Ausdruck jetzt im Gebrauch.
 
Ein echtes Stück ‚Huee-Seidenschrift‘ war inzwischen unbezahlbar geworden. Auch die Djias hatten bei all ihrem Luxus nur drei solcher Arbeiten besessen, und zwei davon hatten sie im vergangenen Jahr dem Kaiser zum Geschenk gemacht, so daß nur dieser eine Satz von sechzehn kleinen Setzschirmen in ihrem Besitz verblieben war, der von der Herzoginmutter als Schatz gehütet wurde und nicht zu den Ausstattungsstücken gegeben worden war, die aufgestellt wurden, wenn Gäste kamen. Nur wenn die Herzoginmutter bei guter Laune war und in ihren eigenen Räumen ein Fest gab, kamen die Setzschirmchen auf den Tisch. Daneben standen diesmal noch Vasen aus den alten Werkstätten, in denen „die drei Freunde der kalten Jahreszeit“ , die Symbole von „Reichtum und Vornehmheit in jadenen Hallen“ oder andere frische Blumen und Pflanzen steckten.
 
An den beiden Ehrentischen saßen Tante Li und Tante Hsüä. Für sich selbst hatte die Herzoginmutter auf der Ostseite vor einem hölzernen Wandschirm, der in durchbrochener Schnitzarbeit drachenähnliche Ungeheuer zeigte, eine niedrige Ruhebank mit Rückenpolster und Pelzdecken aufstellen lassen. Auf dieser Bank stand ein zierliches Tischchen von ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, auf dem neben Teekanne, Teeschale, Mundspülkumme, Leinentuch und so weiter auch ein Brillenkästchen zu finden war.
 
Die Herzoginmutter lehnte bequem auf der Bank, und nachdem sie ein Weilchen mit ihren Gästen gescherzt und geplaudert hatte, setzte sie die Brille auf und folgte eine Zeitlang dem Spiel auf der Bühne. Dann sagte sie, zu Tante Li und Tante Hsüä gewandt, mit einem Lächeln: „Ihr müßt schon entschuldigen! Ich bin alt geworden und lasse mich gehen.und Pelzdecken aufstellen lassen. Auf dieser Bank stand ein zierliches Tischchen von ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, auf dem neben Teekanne, Teeschale, Mundspülkumme, Leinentuch und so weiter auch ein Brillenkästchen zu finden war.
 
Die Herzoginmutter lehnte bequem auf der Bank, und nachdem sie ein Weilchen mit ihren Gästen gescherzt und geplaudert hatte, setzte sie die Brille auf und folgte eine Zeitlang dem Spiel auf der Bühne. Dann sagte sie, zu Tante Li und Tante Hsüä gewandt, mit einem Lächeln: „Ihr müßt schon entschuldigen! Ich bin alt geworden und lasse mich gehen. Mir tun die Knochen weh, darum muß ich Euch in dieser respektlosen Haltung Gesellschaft leisten.“ Und sie gab Hu-po den Befehl, sich neben sie auf die Bank zu setzen und ihr mit einem Massagehämmerchen die Beine zu klopfen.
 
Vor der Ruhebank der Herzoginmutter stand kein Eßtisch, nur ein hoher Teetisch mit einem der kleinen Setzschirme, einer Blumenvase und einem Räucherkessel darauf, außerdem ein anderes Tischchen mit Weinbecher, Löffel und Eßstäbchen. Ihren Eßtisch aber hatte die Herzoginmutter seitlich neben die Ruhebank stellen lassen und Bau-tjin, Hsiang-yün, Dai-yü und Bau-yü daran plaziert. Immer wenn ein neues Gericht oder eine Obstsorte aufgetragen wurde, ließ es sich die Herzoginmutter zeigen, und wenn es ihr gefiel, behielt sie es auf ihrem Tischchen und kostete davon. Anschließend ließ sie es an ihre vier Lieblinge weiterreichen, die so die eigentlichen Gäste waren. Erst an den weiteren Tischen saßen Dame Hsing und Dame Wang. Frau You, Li Wan, Hsi-fëng und die Frau von Djia Jung aber saßen in noch größerer Entfernung, und auf der Westseite saßen in einer Reihe Bau-tschai, Li Wën, Li Tji, Hsiu-yän und Ying-tschun.
 
An den Querbalken zwischen den Säulen hing auf jeder Seite ein großer Kronleuchter aus buntem Glas, an jedem Eßtisch stand ein Kandelaber in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus Cloisonné auf einem lackierten Schaft mit einer Zierkerze darin. Diese lotosblattförmigen Lampenschirme waren beweglich angebracht, und man hatte sie so gedreht, daß alles Licht nach außen in Richtung der Bühne fiel, die so besonders gut zu beobachten war.
 
Alle Türflügel und Fenstereinsätze waren entfernt, und in den Öffnungen hingen verschiedenartige Lampions mit bunten Quasten daran. Auch das Balkenwerk des Säulengangs vor der Halle sowie die Dächer der Wandelgänge auf beiden Seiten des Vorhofs waren mit den unterschiedlichsten Laternen aus Widderhorn, Seidengaze, durchsichtigem Glas oder buntem Glasfluß behängt, die teils bemalt, teils bestickt, teils inkrustiert und teils geschnitzt waren. Im Säulengang aber standen ebenfalls Tische. Daran saßen Djia Dschën, Djia Liän, Djia Huan, Djia Dsung, Djia Jung, Djia Tjin, Djia Yün, Djia Ling, Djia Tschang und die anderen.
 
Die Herzoginmutter hatte zwar auch sämtliche Sippenangehörigen, die außerhalb der beiden Anwesen wohnten, durch Boten einladen lassen, aber die einen waren zu alt und machten sich nichts mehr aus lärmenden Vergnügungen, oder aber sie hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte, wenn sie nicht gar krank und siech waren. Andere neideten den Verwandten den Reichtum und schämten sich der eigenen Armut, oder sie haßten und fürchteten Hsi-fëng, während wieder andere schüchtern und unbeholfen waren und sich deswegen nicht in Gesellschaft trauten.
 
Darum war von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige Frau nur Djia Djüns Mutter, eine Frau Lou, mit ihrem Sohn zusammen erschienen, und von den Männern waren es lediglich Djia Tjin, Djia Yün, Djia Tschang und Djia Ling, die unter Hsi-fëngs Kommando verschiedene Stellungen innehatten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, aber für eine kleine Familienfeier war es doch lebhaft genug.
 
Unter der Führung von Lin Dschï-hsiaus Frau trugen dann sechs Sklavenfrauen drei niedrige, mit Filz bedeckte Tischchen herein, auf denen funkelnagelneue Münzschnüre0 lagen, frisch wie eben aus dem Münzamt gekommen und auf leuchtend rote Schnüre gezogen. Je zwei Frauen trugen ein solches Tischchen, und auf Geheiß von Lin Dschï-hsiaus Frau wollten sie je eines davon vor den Eßtischen von Tante Hsüä und Tante Li, das dritte aber vor der Ruhebank der Herzoginmutter abstellen.
 
„Stellt sie alle in die Mitte!“ sagte die Herzoginmutter, und die Sklavenfrauen, die sich mit den Gepflogenheiten des Hauses auskannten, stellten die Tischchen dort ab, zogen die Schnüre aus den Münzrollen und schoben die losen Münzen zu Haufen zusammen.
 
Auf der Bühne ging eben die Begegnung im Turm aus der ‚Geschichte vom Westturm‘0 zu Ende, und als Yü Schu-yä wütend davonstürzte, improvisierte die Darstellerin des Wën-bau den Scherz: „Ha, Ihr lauft weg! Aber heute ist der fünfzehnte erste, und im Jung-guo-Anwesen gibt die alte Ahne eben ein Fest. Ich nehme Euer Pferd, reite dorthin und bitte um ein paar Süßigkeiten. Das ist es, was zählt!“
 
Die Herzoginmutter und alle anderen lachten darüber, und Tante Hsüä sagte: „Hat die aber ein Köpfchen, die arme Kleine!“
 
„Dabei ist sie erst neun!“ ergänzte Hsi-fëng.
 
„Geschickt hat sie sich das ausgedacht“, lobte auch die Herzoginmutter. Dann befahl sie knapp: „Belohnt sie!“
 
Längst hatten drei Sklavenfrauen mit Körben bereitgestanden, und als sie die Aufforderung vernahmen, traten sie an die Tischchen mit den Bronzemünzen, füllten die Körbe damit und gingen hinaus an die Bühne. „Das ist ein Geschenk der alten Ahnfrau, der gnädigen Frau Tante und der gnädigen Frau für Wën-bau, damit er sich Süßigkeiten kaufen kann“, sagten sie und entleerten ihre Körbe, so daß die Münzen klirrend über die ganze Bühne rollten.
 
Auf Befehl von Djia Dschën und Djia Liän hatten die Sklavenjungen heimlich noch größere Körbe mit Münzen bereitstellen müssen, und als die Herzoginmutter befohlen hatte „Belohnt sie!“...
 
Aber davon soll erst im nächsten Kapitel erzählt werden.
 
  
[[Category:Books]]
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Es war inzwischen der zwölfte Monat geworden, das Jahresende rückte näher, und Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".</ref> traf gemeinsam mit Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".</ref> die Vorbereitungen für das Neujahrsfest. König Ziteng wurde zum Oberbefehlshaber der Garnisonen von neun Provinzen befördert, und Jia Regendorf erhielt den Posten des Kriegsministers und wirkte fortan als Berater in Militärangelegenheiten und Staatsgeschäften mit. Aber davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.
[[Category:Hongloumeng]]
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Drüben im Stillfriede-Anwesen ließ Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit".</ref> den Ahnentempel öffnen und ausräumen, die Opfergeräte herrichten und die Ahnentafeln aufstellen. Auch die Haupthalle ließ er reinigen, damit dort die Ahnenporträts aufgehängt werden konnten. Im ganzen Rong-guo- und Stillfriede-Anwesen, innen wie außen, oben wie unten, herrschte geschäftiges Treiben.
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An diesem Tag war Dame Sonders<ref>Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders".</ref> im Stillfriede-Anwesen gerade aufgestanden und mit Hibiskus Kaufmann<ref>Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus".</ref>' Frau dabei, Nadelarbeiten und Geschenke für die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".</ref> zusammenzustellen, als ein Dienstmädchen ein Tablett mit kleinen Goldbarren hereinbrachte und meldete: „Xinger lässt ausrichten, gnädige Frau: Das Paket Bruchgold enthielt einhundertdreiundfünfzig Liang, sechs Qian und sieben Fen. Der Feingehalt war unterschiedlich. Insgesamt wurden daraus zweihundertundzwanzig Barren gegossen." Damit reichte sie das Tablett hinauf. Dame Sonders betrachtete die Barren: Manche hatten die Form von Pflaumenblüten, andere die von Zieräpfeln, wieder andere glichen kleinen Glückwunschzeptern, und einige trugen das Muster der Acht Kostbarkeiten im Frühling. Dame Sonders befahl: „Verwahrt diese und sagt ihm, er solle die Silberbarren rasch bringen!" Das Dienstmädchen bestätigte und ging hinaus.
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Bald darauf kam Herrlichkeit Kaufmann zum Essen herein, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau zog sich zurück. Herrlichkeit Kaufmann fragte Dame Sonders: „Ist die kaiserliche Spende für unser Neujahrsopfer schon abgeholt worden?"
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„Heute habe ich Herrlichkeit geschickt, sie zu holen", erwiderte Dame Sonders.
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„Nicht dass unsere Familie auf die paar Liang Silber angewiesen wäre", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „aber es ist immerhin die Gnade des Kaisers. Sobald es abgeholt ist, zeigen wir es drüben der Herzoginmutter und kaufen dafür Opfergaben für die Ahnen. Von oben empfangen wir die kaiserliche Gnade, von unten danken wir dem Segen der Vorfahren. Selbst wenn wir zehntausend Liang Silber für das Ahnenopfer ausgäben, wäre das nicht so ehrenvoll, wie es mit diesem Gnadengeschenk zu tun. Abgesehen von ein, zwei Familien wie der unseren — all jene verarmten Familien von erblichen Beamten, woher nähmen sie das Geld für die Neujahrsopfer, wenn sie sich nicht auf dieses Silber stützen könnten? Wahrlich, die Gnade des Kaisers ist gewaltig, und er denkt an alles."
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„Genau so ist es", bestätigte Dame Sonders.
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Während die beiden noch sprachen, wurde gemeldet: „Der junge Herr ist da." Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn hereinrufen, und Herrlichkeit Kaufmann trat mit einem kleinen Beutel aus gelbem Stoff ein, den er mit beiden Händen trug.
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„Warum hat das den ganzen Tag gedauert?" fragte Herrlichkeit Kaufmann.
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Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch."
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Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!" Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt". Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von Hibiskus Kaufmann, Hauptmann der Palastwache, Anwärter auf einen Gardistenposten, persönlich in Empfang genommen. Diensthabender Amtsassistent Soundso." Darunter stand eine Paraphe in roter Tusche.
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Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann<ref>Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, „Begnadigung Kaufmann".</ref> und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen."
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Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und ging hinüber. Nach kurzer Zeit kehrte er mit der Terminliste zurück. Herrlichkeit Kaufmann sah sie durch und befahl, sie an Lai Sheng weiterzugeben, damit dieser darauf achte, dass die Einladungen nicht auf dieselben Tage fielen. Dann ging er in die Halle hinaus und beaufsichtigte die Diener, die Stellwände trugen und Tische sowie goldene und silberne Opfergeräte polierten. Da kam ein Diener mit einem Brief und einer Aufstellung und meldete: „Der Dorfverwalter Wu aus dem Schwarzbergdorf ist angekommen."
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„Jetzt erst kommt er, der alte Galgenstrick!" rief Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann nahm Brief und Liste entgegen und entfaltete zuerst den Brief. Herrlichkeit Kaufmann, die Hände auf dem Rücken verschränkt, blickte in Herrlichkeit Kaufmann' Hände und las auf dem roten Briefpapier: „Kniefällig wünscht Euer Dorfverwalter Wu Jinxiao dem Herrn und der gnädigen Frau zehntausendfaches Glück und goldene Gesundheit, ebenso den jungen Herren und Fräulein goldene Gesundheit. Möge das neue Jahr Euch Glück und Segen in Fülle bringen, Frieden und Wohlergehen, Beförderung und Gehaltserhöhung, und mögen sich all Eure Wünsche erfüllen!"
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Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Die Leute auf dem Lande haben schon ihren eigenen Stil!" Auch Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu lächeln und sagte: „Achtet nicht auf die Formulierung — Hauptsache, es bringt Glück!" Dann entfaltete er eilig die Liste, auf der stand:
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„Hirsche — dreißig Stück; Moschustiere — fünfzig Stück; Rehe — fünfzig Stück; Siam-Schweine — zwanzig Stück; gebrühte Schweine — zwanzig Stück; Drachenschweine — zwanzig Stück; Wildschweine — zwanzig Stück; gesalzene und getrocknete Hausschweine — zwanzig Stück; Wildschafe — zwanzig Stück; Gorale — zwanzig Stück; gebrühte Hammel — zwanzig Stück; getrocknete Hammel — zwanzig Stück; Störe — zwei Stück; verschiedene Fische — zweihundert Jin; lebende Hühner, Enten und Gänse — je zweihundert Stück; getrocknete Hühner, Enten und Gänse — zweihundert Stück; Fasane und Hasen — je zweihundert Paar; Bärentatzen — zwanzig Paar; Hirschsehnen — zwanzig Jin; Seegurken — fünfzig Jin; Hirschzungen — fünfzig Stück; Rinderzungen — fünfzig Stück; getrocknete Scheidenmuscheln — zwanzig Jin; Haselnusskerne, Zirbelnusskerne, Pfirsichkerne, Aprikosenkerne — je zwei Säcke; große Hummer — fünfzig Paar; getrocknete Garnelen — zweihundert Jin; Silberfrost-Holzkohle erstklassig — eintausend Jin, mittlere Güte — zweitausend Jin; gewöhnliche Holzkohle — dreißigtausend Jin; Reis von den Kaiserlichen Feldern, zinnoberroter Klebreis — zwei Dan; grüner Klebreis — fünfzig Hu; weißer Klebreis — fünfzig Hu; feiner weißer Reis — fünfzig Hu; verschiedene Hirse- und Getreidesorten — je fünfzig Hu; gewöhnlicher Reis zum täglichen Gebrauch — eintausend Dan; verschiedenerlei Dörrgemüse — eine Wagenladung; Erlös aus dem Verkauf von Getreide und Vieh — insgesamt zweitausendfünfhundert Liang Silber. Ferner als Geschenk für die jungen Herren und Fräulein zum Vergnügen: lebende Hirsche — zwei Paar; lebende weiße Kaninchen — vier Paar; schwarze Kaninchen — vier Paar; lebende Goldfasane — zwei Paar; europäische Enten — zwei Paar."
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Herrlichkeit Kaufmann befahl, Wu hereinzuführen. Bald darauf trat Wu Jinxiao in den Hof, kniete nieder und schlug die Stirn auf den Boden. Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn aufrichten und sagte lächelnd: „Du bist also noch rüstig."
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Ebenfalls lächelnd erwiderte Wu Jinxiao: „Dank Eurer Fürsorge, Herr, kann ich mich noch bewegen."
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„Deine Söhne sind doch schon groß", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Du hättest sie schicken können."
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„Ich will Euch nichts verhehlen, Herr", sagte Wu Jinxiao lächelnd. „Ich bin es gewohnt, den Weg zu machen, und würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nicht käme. Die Söhne würden natürlich auch gerne einmal die Welt zu Füßen des Kaisers sehen. Aber sie sind noch jung, und ich fürchte, es könnte ihnen unterwegs etwas zustoßen. In ein paar Jahren kann ich sie ruhigen Gewissens schicken."
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„Wie viele Tage warst du unterwegs?" fragte Herrlichkeit Kaufmann.
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„Um Euch Bericht zu erstatten, Herr: Der Schnee war dieses Jahr besonders tief", antwortete Wu Jinxiao. „Draußen auf dem Land lag er vier bis fünf Chi hoch. Vor ein paar Tagen wurde es plötzlich warm und der Schnee schmolz, die Wege waren kaum passierbar, und ich verlor einige Tage. Insgesamt war ich einen Monat und zwei Tage unterwegs. Da die Zeit knapp wurde und ich Euch keine Sorgen machen wollte, Herr, habe ich mich beeilt."
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„Da dachte ich mir doch", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „warum er erst jetzt kommt. Ich habe gerade deine Liste angesehen — du willst dich also wieder mit uns anlegen, Alter!"
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Eilig trat Wu Jinxiao zwei Schritte näher und sagte: „Lasst mich berichten, Herr! Die Ernte war dieses Jahr wirklich schlecht. Vom dritten Monat an hat es in einem fort geregnet, ununterbrochen bis in den achten Monat hinein, es gab nicht fünf sonnige Tage am Stück. Im neunten Monat hagelten Eiskörner so groß wie Suppenschüsseln herab, auf einer Fläche von fast eintausenddreihundert Li im Geviert, und Menschen, Häuser, Vieh und Getreide wurden zu Tausenden und Abertausenden geschädigt. Das sind die Gründe, Herr. Ich lüge wahrhaftig nicht."
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Herrlichkeit Kaufmann runzelte die Stirn: „Ich hatte fest mit mindestens fünftausend Liang Silber von dir gerechnet. Was soll man mit dem hier anfangen! Von den acht oder neun Dörfern, die uns noch geblieben sind, haben dieses Jahr gleich zwei Dürre oder Überschwemmung gemeldet, und ihr wollt euch auch noch mit uns anlegen. Da will man uns wohl das Neujahrsfeiern ganz verbieten!"
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Wu Jinxiao erwiderte: „Euer Gebiet ist ja noch vergleichsweise gut dran, Herr! Mein Bruder wohnt nur gut hundert Li von mir entfernt, und bei dem sieht es viel schlimmer aus. Er verwaltet für das andere Anwesen drüben acht Dörfer, die ein Mehrfaches Eurer Ländereien umfassen, aber auch er konnte dieses Jahr nicht mehr abliefern — nur zwei- bis dreitausend Liang Silber mehr. Auch dort hat die Not zugeschlagen."
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„Eben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bei uns hier geht es noch einigermaßen, wir haben keine großen Sonderausgaben, nur die laufenden Kosten. Wenn es mir schlechter geht, spare ich eben ein wenig mehr. Außerdem kann ich bei den jährlichen Geschenken und Einladungen etwas dreister kürzen, dann ist der Fall erledigt. Aber drüben im anderen Anwesen sieht es anders aus. Dort sind in den letzten Jahren allerlei unumgängliche Mehrausgaben hinzugekommen, während das Einkommen keineswegs gestiegen ist. In den letzten ein, zwei Jahren haben sie empfindlich zuschießen müssen. Wenn wir es nicht von euch verlangen, von wem dann?"
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Wu Jinxiao meinte lächelnd: „Im anderen Anwesen sind die Ausgaben zwar gestiegen, aber es geht doch hin und her. Die Kaiserliche Gemahlin und Seine Majestät werden doch gewiss Geschenke machen!"
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Als Herrlichkeit Kaufmann das hörte, wandte er sich lachend an Herrlichkeit Kaufmann und die anderen: „Habt ihr das gehört? Ist das nicht zum Lachen?" Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu antworten: „Ihr Leute aus den Bergen und von der Meeresküste versteht eben nichts von diesen Dingen. Soll uns die Kaiserliche Gemahlin etwa die kaiserlichen Schatzhäuser schenken? Selbst wenn sie es wollte, könnte sie das nicht eigenmächtig entscheiden. Natürlich gibt es Geschenke — zu den Feiertagen etwas farbige Seide, Antiquitäten und Spielereien. Und wenn es einmal Gold gibt, sind es höchstens hundert Liang Gold, das entspricht gerade mal eintausend Liang Silber. Was sind das schon für ein ganzes Jahr? In den letzten beiden Jahren haben sie jedes Jahr mehrere tausend Liang draufgelegt! Rechne doch einmal zusammen, was allein der Heimbesuch im ersten Jahr gekostet hat, einschließlich des neugebauten Gartens — dann weißt du Bescheid. Noch ein, zwei solcher Besuche, und sie sind völlig ruiniert."
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Herrlichkeit Kaufmann fügte lächelnd hinzu: „Deshalb sage ich ja: Die Leute auf dem Lande sind ehrlich und haben keine Ahnung, was sich hinter den Kulissen abspielt. Wie sagt das Sprichwort? 'Der Klöppel aus Gelbholz — außen glänzend, innen bitter.'"
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Herrlichkeit Kaufmann wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann: „Drüben im anderen Anwesen muss es tatsächlich schlecht stehen. Neulich habe ich gehört, wie Tante Phönixglanz heimlich mit Mandarinenente<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, "Mandarinenente".</ref> besprach, etwas von den Habseligkeiten der Herzoginmutter zu entwenden und beim Pfandleiher zu versetzen."
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Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Das ist wieder einer von Phönixglanz' Tricks. So arm sind sie bestimmt noch nicht. Sie hat sicher gesehen, dass die Ausgaben zu hoch und die Zuschüsse zu groß geworden sind, und weiß nicht, wo sie noch sparen soll. Also hat sie diese Geschichte in Umlauf gebracht, damit alle denken, es sei wirklich so schlimm. Ich aber habe meine eigene Rechnung im Kopf und weiß, dass es so weit noch nicht gekommen ist." Damit befahl er, Wu Jinxiao hinauszugeleiten und gut zu bewirten. Davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.
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Herrlichkeit Kaufmann ordnete an, von den eben eingetroffenen Gütern einen Teil für das Ahnenopfer zurückzulegen und von jeder Sorte etwas auszuwählen, das Herrlichkeit Kaufmann ins Prunkwille-Anwesen bringen sollte. Nach Abzug des eigenen Haushaltsbedarfs wurde der Rest in Portionen aufgeteilt, wie es dem jeweiligen Rang entsprach, und auf der Terrasse aufgestapelt. Dann ließ er alle Söhne und Neffen der Sippe zusammenrufen, damit sie ihre Anteile abholten. Auch aus dem Prunkwille-Anwesen traf bald darauf eine Sendung von Opfergaben und Geschenken für Herrlichkeit Kaufmann ein.
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Nachdem Herrlichkeit Kaufmann die Aufstellung der Opfergeräte bis zuletzt überwacht hatte, schlüpfte er in bequeme Pantoffeln, warf sich einen weiten Luchsfellmantel um und ließ sich am Fuß einer Hallensäule auf dem steinernen Sockel ein großes Wolfsfell in die Sonne breiten, um es sich in der Winterwärme bequem zu machen und den jungen Sippenangehörigen beim Abholen ihrer Neujahrsgaben zuzusehen.
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Als er sah, dass auch Jia Qin kam, um etwas abzuholen, rief er ihn herbei und sagte: „Was willst du hier? Wer hat dich geschickt?"
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Jia Qin stand mit unterwürfig herabhängenden Händen da und erwiderte: „Ich hörte, Ihr hättet alle herrufen lassen, um die Gaben in Empfang zu nehmen, gnädiger Herr. Da bin ich gekommen, ohne eine persönliche Einladung abzuwarten."
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„Diese Sachen sind für diejenigen deiner Onkel und Vettern bestimmt, die keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit haben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „In den beiden Jahren, als du noch nichts zu tun hattest, habe ich dir auch welche gegeben. Aber jetzt hast du eine Stellung drüben im anderen Anwesen und bist im Familienkloster für die buddhistischen und daoistischen Mönche und Nonnen zuständig. Du bekommst nicht nur dein monatliches Gehalt, auch die Gelder für die Mönche gehen durch deine Hände. Und jetzt kommst du noch, um dir hier etwas zu holen? Du bist wirklich zu gierig! Und schau dich nur an! So kleidet sich einer, der Geld verwaltet und Verantwortung trägt? Früher hast du dich beklagt, du hättest keine Einnahmequelle — und jetzt siehst du noch schlimmer aus als damals?"
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„Mein Haushalt ist groß, und die Ausgaben sind hoch", versuchte Jia Qin sich zu rechtfertigen.
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Herrlichkeit Kaufmann lachte kalt: „Du willst mir auch noch Ausreden auftischen? Meinst du, ich wüsste nicht, was du im Familienkloster treibst? Dort spielst du natürlich den großen Herrn, und keiner wagt, dir zu widersprechen. Da du Geld in der Hand hast und weit genug von uns weg bist, führst du dich wie ein König auf, versammelst Nacht für Nacht Gesindel um dich zum Glücksspiel, hältst dir Frauen und Lustknaben. Und so heruntergekommen, wie du jetzt aussiehst, wagst du es noch, hier aufzukreuzen und Geschenke zu holen? Statt Geschenke solltest du eine ordentliche Tracht Prügel bekommen. Warte nur! Nach Neujahr werde ich mit deinem Onkel Kette reden, damit er dich ablöst!"
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Jia Qin stand mit hochrotem Gesicht da und wagte nichts zu erwidern.
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Da meldete ein Diener: „Aus dem Palast des Prinzen Beifang vom nördlichen Fürstenhaus sind Spruchbänder und Glückstäschchen geschickt worden."
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„Geh hinaus und empfange die Boten", sagte Herrlichkeit Kaufmann zu Herrlichkeit Kaufmann. „Sag ihnen, ich sei nicht zu Hause." Herrlichkeit Kaufmann ging.
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Herrlichkeit Kaufmann blieb sitzen, bis alle Gaben abgeholt waren, dann kehrte er in seine Gemächer zurück und aß mit Dame Sonders zu Abend. Von der Nacht ist nichts Besonderes zu berichten. Am nächsten Tag gab es noch mehr zu tun als zuvor, aber auch das braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden.
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So kam der neunundzwanzigste Tag des zwölften Monats. Alles war in bester Ordnung. In beiden Anwesen hatte man die Türgötterbilder und Spruchbänder ausgetauscht, die Pfirsichholz-Schutzamulette frisch geölt — alles erstrahlte in neuem Glanz. Im Stillfriede-Anwesen standen von der Hauptpforte über das Zeremonientor, die große Halle, den geheizten Raum, die innere Halle, das innere dritte Tor, das innere Zeremonientor und das Blendtor bis hin zur Haupthalle alle mittleren Türflügel sperrangelweit offen. Auf beiden Seiten der Treppen brannten in einer Reihe große zinnoberrote Kerzen, deren Flammen wie zwei feurige goldene Drachen leuchteten.
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Am nächsten Tag legten die Herzoginmutter und alle mit einem offiziellen Rang belehnten Familienmitglieder ihre Audienzgewänder nach Rangordnung an und ließen sich in Sänften mit acht Trägern zur Neujahrs-Gratulationscour in den Kaiserpalast tragen. Nachdem sie dort die Riten vollzogen und am Bankett teilgenommen hatten, ließen sie sich zum Stillfriede-Anwesen tragen und stiegen am geheizten Wohnhaus aus den Sänften. Diejenigen Söhne und Neffen, die nicht mit bei Hofe gewesen waren, standen am Tor des Stillfriede-Anwesens Spalier und erwarteten die Rückkehrer, um sie anschließend in den Ahnentempel zu geleiten.
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Kostbarzither Schnee, die zum ersten Mal hier war, hielt aufmerksam Ausschau und betrachtete alles genau. Der Ahnentempel befand sich in einem gesonderten Hof westlich des Stillfriede-Anwesens. Hinter einem schwarz lackierten Holzgitter lagen fünf mächtige Torgebäude, über denen eine Tafel mit der Aufschrift „Ahnentempel der Kaufmann-Familie" prangte. In kleinerer Schrift stand daneben: „Geschrieben von Kong Jizong, Herzog Yansheng". Zu beiden Seiten hing ein langes Parallelsatzpaar:
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  „Mit Leib und Leben dankt das zahlreiche Volk
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    dem Beschützer seine Gnade;
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  Bis an den Himmel reichen die Verdienste,
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    hundert Generationen ehren das Opfer."
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Auch dieses war vom Herzog Yansheng geschrieben. Man trat durch das Tor in den Hof. Ein Weg aus weißen Steinplatten führte zwischen alten Kiefern und Zypressen hindurch. Auf der steinernen Terrasse standen alte Bronzegefäße verschiedener Formen. Am Vorbau der Tempelhalle hing eine mit neun goldenen Drachen geschmückte Tafel:
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  „Sternengleich glänzende Stützen des Throns."
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Sie war vom vorherigen Kaiser eigenhändig geschrieben. Daneben hing ein Parallelsatzpaar:
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  „Wie Sonne und Mond erstrahlen die Verdienste und Taten,
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  Auf Söhne und Enkel erstreckt sich der Ruhm und die Ehre."
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Auch dies war kaiserliche Handschrift. An der fünf Jian breiten Haupthalle hing eine blau grundierte Tafel mit sich windenden Drachen und der Aufschrift:
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  „In Ehrfurcht der Vorfahren gedenken."
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Und das Parallelsatzpaar lautete:
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  „Die Nachfahren erben Tugend und Glück,
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  Das Volk preist das Stillfriede-Anwesen wie auch Rong."
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Alles war in kaiserlicher Handschrift. Im Inneren der Halle loderten Weihrauch und Kerzen, bunte Seidenvorhänge und gestickte Behänge waren aufgespannt. Hinter den Vorhängen waren die Ahnentafeln zu erkennen, doch nicht deutlich zu lesen.
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Nun stellten sich alle Kaufmann-Angehörigen in der vorgeschriebenen Ordnung des zhao und mu auf. Jia Jing leitete die Hauptzeremonie; Begnadigung Kaufmann assistierte; Herrlichkeit Kaufmann reichte den Opferbecher; Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann".</ref> und Jia Cong überreichten die Seidenstücke; Schatzjade trug den Weihrauch; Jia Chang und Jia Ling breiteten die Gebetsteppiche aus und hüteten das Feuerbecken. Schwarzgekleidete Musikanten spielten, der Opferbecher wurde dreimal dargebracht, und alle verneigten sich und erhoben sich wieder. Die Seidenstücke wurden verbrannt und der Wein auf die Erde gegossen. Als die Zeremonie beendet war, verstummte die Musik, und alle verließen den Tempel.
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Im Gefolge der Herzoginmutter begab man sich zur Haupthalle, in der die Ahnenporträts hingen. Hinter bunten Seidenvorhängen und bestickten Wandschirmen brannten Weihrauch und Kerzen in hellem Glanz. An der Mitterwand hingen die Bilder der beiden Gründungsahnen — des Herzogs Ning-guo und des Herzogs Rong-guo —, beide in drachenbestickten Gewändern und mit Jadegürteln dargestellt. Daneben hingen noch einige Porträts weiterer Vorfahren.
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Von Jia Xing und Jia Zhi angefangen, standen die Sippenangehörigen dicht an dicht vom inneren Zeremonientor bis zur Hallentür aufgereiht. Draußen vor der Türschwelle standen Jia Jing und Begnadigung Kaufmann; drinnen standen die weiblichen Angehörigen. Die gesamte Dienerschaft wartete vor dem Zeremonientor.
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Jedes Gericht des Opfermahls wurde am Zeremonientor entgegengenommen, von Jia Xing und Jia Zhi weitergereicht und gelangte so die Treppe hinauf bis zu Jia Jing. Er übergab es an Herrlichkeit Kaufmann, der als ältester Enkel der Hauptlinie als einziger Mann zusammen mit den Frauen innerhalb der Schwelle stand. Von ihm empfing es seine Frau, die es an Phönixglanz und Dame Sonders weitergab. Durch die Hände aller Frauen gelangte es bis zu Dame König. Dame König reichte es der Herzoginmutter, und erst die Herzoginmutter stellte es auf den Opfertisch. Dame Strafe stand an der Westseite des Opfertischs mit dem Gesicht nach Osten und assistierte der Herzoginmutter beim Aufstellen der Speisen.
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Als sämtliche Gerichte, Reis, Suppen, Naschwerk, Wein und Tee durchgereicht worden waren, verließ auch Herrlichkeit Kaufmann die Halle, stieg die Stufen hinab und stellte sich an die Spitze der Gruppe von Jia Qin. Alle Angehörigen der Schrift-Generation standen unter der Führung von Jia Jing; darunter folgten die der Jade-Generation unter der Führung von Herrlichkeit Kaufmann; und noch eine Generation tiefer die der Gras-Generation unter Herrlichkeit Kaufmann' Führung. Links standen die Älteren, rechts die Jüngeren; die Männer im Osten, die Frauen im Westen. Als die Herzoginmutter den Weihrauch entzündete und niederkniete, knieten alle zugleich nieder. Die fünf Hauptsäle, die drei Vorbauten, die Säulengänge innen und außen, die Stufen und Terrassen — alles war dicht gedrängt voller buntgekleideter Menschen, ohne auch nur einen freien Fleck. Es herrschte lautlose Stille; man hörte nur das leise Klingen der goldenen Glöckchen und jadenen Gürtelgehänge und das scharrende Geräusch der Stiefel beim Knien und Aufstehen.
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Bald war die Zeremonie beendet. Jia Jing und Begnadigung Kaufmann zogen sich eilig mit den übrigen Männern zurück und begaben sich ins Prunkwille-Anwesen, um dort die Herzoginmutter zu erwarten und ihr den zeremoniellen Gruß zu entbieten.
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In Dame Sonderss Hauptgemach war der Boden bereits mit rotem Filz ausgelegt. In der Mitte des Raumes stand ein großes Kohlenbecken aus vergoldetem Cloisonne-Email, dessen drei Füße Elefantenrüsseln nachgebildet waren und dessen Rand wie ein Schlammgrundel-Rücken gewölbt war. Auf dem Ofenbett lag eine neue purpurrote Filzmatte, darauf rote, bunt bestickte Rücken- und Armkissen mit dem Motiv von Drachen in Wolken, die das Zeichen shou — „Langes Leben" — emporhielten. Darüber war eine Decke aus schwarzem Fuchsfell gebreitet, und als Sitzkissen lag ein weißes Fuchsfell bereit. Die Herzoginmutter wurde gebeten, dort Platz zu nehmen.
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Zu beiden Seiten wurden weitere Fellkissen ausgelegt, damit die alten Damen aus der Generation der Herzoginmutter sich setzen konnten. Auf dem seitlich abgetrennten kleinen Ofenbett hinter dem Raumteiler wurden ebenfalls Fellkissen bereitet, und dort nahmen Dame Strafe und die anderen Frauen ihrer Generation Platz. Auf der freien Fläche im Raum standen sich in zwei Reihen zwölf geschnitzte Lackstühle gegenüber, alle einheitlich mit Sitzkissen aus grauem Eichhörnchenfell bezogen. An jedem Stuhl stand ein großes Messingfußöfchen. Hier nahmen Kostbarzither Schnee und die anderen jungen Damen Platz.
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Dame Sonders reichte der Herzoginmutter persönlich den Tee auf einem Tablett, während Herrlichkeit Kaufmanns Frau den übrigen alten Damen einschenkte. Danach bediente Dame Sonders Dame Strafe und die anderen, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau reichte den jungen Mädchen den Tee. Phönixglanz und Frau Li standen ehrfürchtig bereit, um zu bedienen.
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Als der Tee getrunken war, erhoben sich Dame Strafe und die anderen sogleich, um der Herzoginmutter weiter aufzuwarten. Die Herzoginmutter trank ihren Tee, wechselte zwei oder drei Worte mit den alten Damen und befahl dann, die Sänfte zu holen. Sogleich trat Phönixglanz vor und half ihr auf.
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Dame Sonders sagte lächelnd: „Das Abendessen für die alte Ahne steht bereit. Jedes Jahr verweigert Ihr uns die Ehre, hier zu essen, bevor Ihr heimkehrt. Sind wir denn wirklich so viel unwürdiger als unser Phönixglanz-Mädchen?"
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Phönixglanz stützte die Herzoginmutter und sagte lächelnd: „Kommt nur schnell, alte Ahne, wir essen bei uns! Kümmert Euch nicht um sie!"
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Die Herzoginmutter lachte: „Ihr habt hier das Ahnenopfer zu versorgen und seid beschäftigter, als ich es mir vorstellen kann — wie solltet ihr euch auch noch mit mir Plage abgeben? Außerdem habt ihr mir jedes Jahr, wenn ich nicht hier gegessen habe, die Speisen hinübergeschickt. Schickt sie mir nur auch diesmal! Was ich heute nicht schaffe, hebe ich mir für morgen auf, und so esse ich am Ende mehr, als wenn ich hier bliebe."
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Alle lachten. Dann ermahnte die Herzoginmutter Dame Sonders noch: „Beauftragt unbedingt zuverlässige Leute, über Nacht nach dem Weihrauch und den Kerzen zu sehen! Damit ist nicht zu spaßen." Dame Sonders bestätigte es.
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Man ging hinaus zum geheizten Wohngebäude, wo die Herzoginmutter in ihre Sänfte stieg. Dame Sonders und die anderen traten hinter den Wandschirm, und erst dann ließen die Diener die Sänftenträger kommen und die Sänfte durch das Haupttor hinaustragen. Dame Sonders schloss sich Dame Strafe an und ließ sich ebenfalls ins Prunkwille-Anwesen tragen.
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Auf der Straße vor dem Haupttor waren auf der Ostseite die Insignien, Zeremonialgeräte und Musikinstrumente des Herzogs Ning-guo und auf der Westseite die des Herzogs Rong-guo aufgestellt. Alle Passanten wichen ehrfürchtig aus und mieden die Straße.
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Im Prunkwille-Anwesen standen ebenfalls alle Tore und Hallen bis zum Ende weit offen. Man stieg aber nicht am Hauptwohngebäude aus der Sänfte, sondern ließ sich von der großen Halle nach Westen bis zur Haupthalle in den Gemächern der Herzoginmutter tragen und stieg dort aus. Im Gefolge vieler Begleiterinnen betrat man den Hauptraum, in dem ebenfalls seidene Bezüge und gestickte Wandschirme in frischem Glanz erstrahlten. Im Kohlenbecken brannten Kiefern- und Zypressenweihrauch zusammen mit wohlriechendem Gras.
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Kaum hatte sich die Herzoginmutter gesetzt, meldete eine alte Dienerin: „Die alten gnädigen Frauen kommen, ihre Aufwartung zu machen." Die Herzoginmutter erhob sich eilig, ihnen entgegenzugehen. Schon traten zwei oder drei alte Schwägerinnen ein, man fasste sich an den Händen, lachte und plauderte eine Weile, ließ einander Platz nehmen und trank gemeinsam Tee. Dann gingen sie wieder, und die Herzoginmutter begleitete sie nur bis zum inneren Zeremonientor und kehrte dann auf ihren Platz zurück.
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Nun traten Jia Jing und Begnadigung Kaufmann an der Spitze aller Söhne und Neffen herein. Die Herzoginmutter rief lächelnd: „Das ganze Jahr über seid ihr euch euretwegen genug bemüht worden — lasst die Formalitäten!" Doch schon knieten Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt, Gruppe um Gruppe vor ihr nieder und vollzogen ihre Verbeugungen. Danach nahmen alle der Rangfolge gemäß auf den Faltstühlen zu beiden Seiten Platz und empfingen ihrerseits die Grüße der Jüngeren. Nachdem auch sämtliche Diener und Dienerinnen beider Anwesen nach ihrer Stellung der Reihe nach ihre Verbeugungen vollzogen hatten, wurden Neujahrsgelder, Glückstäschchen und kleine Gold- und Silberbarren verteilt. Dann wurde das Vereinigungsmahl aufgetragen. Die Männer saßen im Osten, die Frauen im Westen. Nachdem der „übelabwehrende Wein", die „Suppe der frohen Vereinigung", die „Glücksfrüchte" und der „Kuchen der Wunscherfüllung" gereicht worden waren, stand die Herzoginmutter auf und ging in ihre inneren Gemächer, um sich umzukleiden. Die anderen zerstreuten sich.
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Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass.
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Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich Urfrühling zu ihrem Geburtstag. Nachdem man am Bankett teilgenommen hatte und zurückgekehrt war, brachte man im Stillfriede-Anwesen noch einmal ein Opfer vor den Ahnentafeln dar und empfing anschließend zu Hause die Neujahrsgrüße. Danach wechselte die Herzoginmutter ihre Kleidung und ruhte sich aus. Keinen der zur Gratulation erschienenen Verwandten und Freunde empfing sie. Nur mit Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".</ref> und Tante Li plauderte sie gemütlich, oder sie spielte mit Schatzjade, Kostbarzither Schnee, Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".</ref>, Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".</ref> und den anderen Mädchen Dame- oder Dominospiele.
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Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen.
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Am Abend des Fünfzehnten ließ die Herzoginmutter in der großen Gästehalle mehrere Weintafeln aufstellen, eine kleine Theatertruppe engagieren und überall schöne Laternen aufhängen, um ihre Söhne, Neffen, Enkel und deren Frauen zu einem Familienfest zu versammeln.
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Jia Jing, der grundsätzlich keinen Wein trank, wurde nicht eingeladen. Am Siebzehnten, als sämtliche Ahnenopfer beendet waren, kehrte er wieder in sein Kloster vor der Stadt zurück, um sich seinen daoistischen Übungen zu widmen. Auch in den wenigen Tagen, die er im Kreise der Familie verbracht hatte, hielt er sich in stillen Räumen auf, schweigsam und zurückgezogen, ohne von irgendwelchen Vorgängen Kenntnis zu nehmen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden.
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Begnadigung Kaufmann nahm nur kurz die Geschenke der Herzoginmutter entgegen und bat dann, sich entfernen zu dürfen. Die Herzoginmutter wusste, dass seine Anwesenheit beiden Seiten Unbehagen bereitete, und ließ ihn gewähren. Zu Hause angekommen, ergötzte er sich mit seinen ständigen Hausgästen am Laternenschein und am Wein. Natürlich erfreuten Musik und Gesang seine Ohren und der Glanz von Brokat und Stickereien seine Augen — seine Art der Vergnügung war eine ganz andere als die bei der Herzoginmutter.
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In der Gästehalle der Herzoginmutter waren an die zehn Tafeln aufgestellt. Neben jedem Esstisch stand ein niedriger Beistelltisch mit einer dreiteiligen Räuchergarnitur, in der „Hundert-Düfte-Palastweihrauch" brannte, ein kaiserliches Geschenk. Ferner standen dort winzige Felslandschaften in Schalen von etwa acht Zoll Länge, vier bis fünf Zoll Breite und zwei bis drei Zoll Höhe, mit Moos bewachsen und mit frischen Blumen geschmückt. Daneben befanden sich kleine Teebretter in ausländischer Lackarbeit, darin altehrwürdige Teeschalen und kleine verschnörkelte Teekannen mit bestem Tee. Die Setzschirme an allen Tischen waren einheitlich aus durchbrochenem Sandelholz geschnitzt und mit roter Seidengaze bespannt, auf die Blumen und Gedichte in Grasschrift gestickt waren.
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Diese Stickereien stammten von einem Mädchen namens Huiniang aus Suzhou. Da sie aus einer Familie von Gelehrten und Beamten kam, beherrschte sie Malerei und Kalligraphie in Vollendung und stickte nur gelegentlich ein oder zwei Stücke zum eigenen Vergnügen — keineswegs zum Verkauf. Alle auf den Setzschirmen gestickten Blumen waren den Bildern berühmter Meister der Tang-, Song-, Yuan- und Ming-Dynastien nachempfunden, weshalb sie in Gestaltung und Farbgebung von erlesener Eleganz waren — nichts gemein mit den grellen, handwerksmäßigen Arbeiten gewöhnlicher Stickerinnen. Neben jeder Blüte war ein alter Vers oder ein Gedichtzitat gestickt, das sich auf die jeweilige Blume bezog — bald aus einem Gedicht, bald aus einem Lied, bald aus einem Prosagedicht. Alles war in schwarzem Seidengarn in Grasschrift gestickt, und jeder Haken und jede Wendung, jeder leichte und jeder kräftige Strich war mit dem Pinsel nicht zu unterscheiden — ganz anders als die steifen, leblosen Zeichen gewöhnlicher Stickschrift. Da Huiniang nicht darauf aus war, aus ihrer Kunst Gewinn zu schlagen, waren ihre Arbeiten zwar in der ganzen Welt berühmt, doch nur wenige hatten je ein Stück erworben. Unter den reichen und vornehmen Familien gab es unzählig viele, die keines besaßen. Man nannte ihre Arbeiten die „Hui-Stickereien". Freilich hatten sich in jüngster Zeit gewinnhungrige Nachahmer gefunden, die ihren Stil kopierten und Unwissende damit betrogen.
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Doch Huiniang selbst war vom Schicksal nicht begünstigt gewesen: Sie starb mit nur achtzehn Jahren, und seither war es unmöglich, noch ein neues Stück von ihr zu bekommen. Wer eines oder zwei besaß, hütete sie als Kostbarkeit und wagte nicht, sie zu verwenden. Einige Literaten und Gelehrte aus der Kaiserlichen Akademie hatten voller Bewunderung befunden, das Wort „Stickerei" werde der Vollkommenheit dieser Werke nicht gerecht — es sei geradezu respektlos, solche Kalligraphie als „gestickt" zu bezeichnen. Nach gemeinsamer Beratung kamen sie überein, das Zeichen „Stickerei" durch das Zeichen „Muster" zu ersetzen, und so sprach man fortan von „Hui-Mustern". Ein echtes Stück „Hui-Muster" war von unschätzbarem Wert. Selbst das Haus Kaufmann hatte bei all seinem Reichtum nur zwei oder drei Stücke besessen; zwei davon hatte man im vergangenen Jahr dem Kaiser zum Geschenk gemacht, so dass nur noch dieser eine Satz von sechzehn kleinen Setzschirmen übrig war. Die Herzoginmutter hütete ihn wie einen Schatz und zählte ihn nicht zu den Ausstattungsstücken, die bei Einladungen aufgestellt wurden. Nur wenn sie selbst bei guter Laune in ihren eigenen Räumen ein Festmahl gab, holte sie die Setzschirme hervor. Daneben standen noch kleine Vasen aus alten Werkstätten, in denen „die drei Freunde der kalten Jahreszeit", „Reichtum und Vornehmheit in jadenen Hallen" und andere frische Blumen und Gräser prangten.
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An den beiden Ehrentischen saßen Tante Li und Tante Schnee. Für sich selbst hatte die Herzoginmutter auf der Ostseite vor einem niedrigen Wandschirm mit durchbrochenen Drachenschnitzereien eine kurze Ruhebank aufstellen lassen, mit Rückenpolster, Armstütze und Felldecke. An einem Ende der Bank stand ein zierliches, federleichtes Tischchen in ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, darauf Teekanne, Teeschale, Spülkumme und Handtücher sowie ein Brillenetui. Die Herzoginmutter lehnte sich bequem auf der Bank zurück und plauderte zunächst eine Weile mit allen. Dann nahm sie die Brille heraus und betrachtete damit das Spiel auf der Bühne. Anschließend wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee und Tante Li: „Verzeiht, dass ich alt bin und mir die Knochen wehtun. Ich muss Euch in dieser nachlässigen Haltung Gesellschaft leisten." Und sie befahl Hupo, sich neben sie auf die Bank zu setzen und ihr mit einem Maßagehämmerchen die Beine zu klopfen.
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Vor der Ruhebank der Herzoginmutter stand kein Esstisch, nur ein hoher Teetisch mit einem der Setzschirme, einer Blumenvase und einem Räuchergefäß. Daneben stand ein zweites, zierliches kleines Tischchen mit Weinbecher, Löffel und Essstäbchen. Ihren eigentlichen Esstisch hatte die Herzoginmutter neben ihre Ruhebank rücken lassen und dort Kostbarzither Schnee, Xiangji<ref>Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".</ref>, Kajaljade und Schatzjade platziert. Immer wenn ein neues Gericht oder eine neue Frucht aufgetragen wurde, zeigte man es zunächst der Herzoginmutter; gefiel es ihr, behielt sie es auf ihrem Tischchen und kostete davon, ließ es dann aber sogleich an die vier weiterreichen. So saßen diese vier gewissermaßen an der Seite der Herzoginmutter mit. An den nachfolgenden Tischen saßen Dame Strafe und Dame König, danach Dame Sonders, Frau Li, Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmanns Frau. Auf der Westseite saßen in einer Reihe Schatzspange, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Xiuyan, Willkommensfrühling und ihre Schwestern.
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An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war.
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Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, Unheil Kaufmann<ref>Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis".</ref>, Jia Cong, Herrlichkeit Kaufmann, Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Ling, Jia Chang und andere saßen.
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Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen.
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Da kam Lin Zhixiaos Frau mit sechs Dienerinnen, die drei niedrige Tischchen trugen. Auf jedem lag ein roter Filzstreifen, und darauf türmten sich frisch aus der Münzanstalt gelieferte, gleichmäßig große Kupfermünzen, aufgezogen auf leuchtend rote Seidenschnüre. Je zwei Frauen trugen ein Tischchen. Auf Lin Zhixiaos Frau Anweisung sollten zwei Tischchen vor Tante Schnees und Tante Lis Plätze gestellt werden und eines vor die Ruhebank der Herzoginmutter.
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„Stellt sie alle in die Mitte!" befahl die Herzoginmutter. Die Dienerinnen, die mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut waren, stellten die Tischchen dort ab, zogen die Seidenschnüre heraus und schütteten die Münzen zu losen Haufen auf.
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Auf der Bühne ging gerade „Die Begegnung im Turm" aus dem Stück „Westturm" zu Ende, und als die Figur des Yu Shuye wütend die Bühne verließ, improvisierte der Darsteller des Dieners Wenbao einen Scherz: „Na, du läufst weg? Aber heute ist der fünfzehnte des ersten Monats, und im Prunkwille-Anwesen gibt die alte Ahne gerade ein Familienfest! Ich nehme dein Pferd, reite hinüber und hole mir ein paar Süßigkeiten — das ist doch wohl wichtiger!"
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Die Herzoginmutter und alle Anwesenden brachen in Gelächter aus. Tante Schnee und die anderen sagten: „Was für ein aufgewecktes Kerlchen, der Kleine!" Phönixglanz bemerkte: „Der Junge ist erst neun Jahre alt." Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Geschickt hat er das ausgedacht!" und sagte nur ein Wort: „Belohnt ihn!"
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Längst standen drei Dienerinnen mit Körben bereit. Als sie das Wort „Belohnt!" vernahmen, traten sie an die Münztische, füllten jede ihren Korb mit einer Handvoll loser Münzen und riefen an der Bühne: „Die alte Ahne, die gnädige Frau Tante und die Frau Verwandte schenken Wenbao Geld, damit er sich Süßigkeiten kaufen kann!" Damit schütteten sie die Münzen auf die Bühne, dass es nur so klirrte und klapperte.
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Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann hatten ihre Diener inzwischen heimlich noch größere Körbe voll Münzen bereitstellen lassen. Als die Herzoginmutter den Befehl zum Belohnen gab — doch wer wissen will, was weiter geschah, der lese das nächste Kapitel.
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Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 53

Im Stillfriede-Anwesen feiert man das Neujahrs-Opfer im Ahnentempel — Im Prunkwille-Anwesen erfreut man sich am Laternenfest mit einem Familienfest

Es wird erzählt, dass Schatzjade[1] sah, wie Heitermuster[2] nach dem Ausbessern des Pfauenfedermantels völlig erschöpft und entkräftet war. Eilig ließ er die kleineren Dienstmädchen kommen, um sie zu massieren. Nachdem sie einander eine Weile geklopft und massiert hatten, legten sich alle wieder hin. Noch war keine Mahlzeit vergangen, da war es bereits heller Tag. Schatzjade ging nicht aus dem Haus und ließ sogleich nach dem Arzt schicken. Bald darauf kam Arzt König. Nachdem er den Puls gefühlt hatte, sagte er stirnrunzelnd: „Gestern hatte sich ihr Zustand schon gebessert, warum ist der Puls heute so schwach und flatternd geworden? Hat sie vielleicht zu viel gegessen? Oder sich geistig überanstrengt? Die äußere Erkältung ist zwar abgeklungen, aber wenn man nach dem Schwitzen die Pflege vernachlässigt, ist das keine Kleinigkeit." Während er so sprach, ging er hinaus, schrieb ein neues Rezept und kam damit zurück. Als Schatzjade es ansah, bemerkte er, dass die zerstreuenden und austreibenden Arzneien gestrichen und stattdessen Poria [Anm.: ein Heilpilz, chin. fuling], Rehmannia [Anm.: chin. dihuang], Angelikawurzel [Anm.: chin. danggui] und andere blutaufbauende und geistkräftigende Mittel hinzugefügt worden waren. Eilig ließ Schatzjade die Medizin abkochen und seufzte dabei: „Was soll nur werden! Wenn ihr etwas zustößt, dann trage ich allein die Schuld." Heitermuster hustete auf ihrem Kissen und rief: „Ach, mein guter Herr! Geht nur Eurer Wege! Ich werde schon nicht an der Schwindsucht sterben." Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu gehen. Am Nachmittag kehrte er schon zurück mit der Begründung, er fühle sich unwohl.

Heitermusters Krankheit war zwar schwer, doch zum Glück war sie von Natur aus jemand, der den Körper und nicht den Geist strapazierte. Auch pflegte sie stets mäßig zu essen und zu trinken, ohne sich je den Magen zu verderben. Im Hause Kaufmann herrschte der Brauch, dass jedermann, ob hoch oder niedrig, bei der geringsten Erkältung oder dem leisesten Husten zuallererst streng fastete und erst danach mit Medizin behandelt und gepflegt wurde. So hatte Heitermuster gleich zu Beginn ihrer Krankheit zwei oder drei Tage gehungert und dabei gewissenhaft ihre Arznei genommen. Nachdem sie sich nun überanstrengt hatte, pflegte man sie erst recht besonders sorgfältig, und allmählich ging es ihr wieder besser. Da in jüngster Zeit alle Schwestern im Garten einzeln in ihren Räumen aßen und das Kochen dadurch leichter zu bewerkstelligen war, konnte Schatzjade nach Belieben Suppen und Brühen bestellen. Davon braucht nicht im Einzelnen berichtet zu werden.

Nachdem Dufthauch[3] von der Beerdigung ihrer Mutter zurückgekehrt war, hatte Moschusmond[4] ihr bereits alles erzählt, was Friedchen[5] über die Amme Song und Zhuier berichtet hatte und wie Heitermuster Zhuier hinausgeworfen hatte. Schatzjade hatte sie ebenfalls darüber unterrichtet. Dufthauch bemerkte nur, das sei ein wenig vorschnell gewesen. Da inzwischen auch Frau Li[6] an einer Erkältung litt, Dame Strafe[7] an einer Augenentzündung erkrankt war und Willkommensfrühling[8] mit Xiuyan täglich zu ihr ging, um sie morgens und abends mit Medizin zu versorgen, da ferner Tante Lis jüngerer Bruder Tante Li mitsamt Muster Pflaume und Prachtamt Pflaume zu einem mehrtägigen Besuch abgeholt hatte und da Schatzjade obendrein sah, wie Dufthauch immer noch um ihre Mutter trauerte und Heitermuster noch nicht ganz genesen war — aus all diesen Gründen fand sich niemand, der den Dichterklub am festgesetzten Tag hätte einberufen wollen, und so fielen mehrere Treffen aus.

Es war inzwischen der zwölfte Monat geworden, das Jahresende rückte näher, und Dame König[9] traf gemeinsam mit Phönixglanz[10] die Vorbereitungen für das Neujahrsfest. König Ziteng wurde zum Oberbefehlshaber der Garnisonen von neun Provinzen befördert, und Jia Regendorf erhielt den Posten des Kriegsministers und wirkte fortan als Berater in Militärangelegenheiten und Staatsgeschäften mit. Aber davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.

Drüben im Stillfriede-Anwesen ließ Herrlichkeit Kaufmann[11] den Ahnentempel öffnen und ausräumen, die Opfergeräte herrichten und die Ahnentafeln aufstellen. Auch die Haupthalle ließ er reinigen, damit dort die Ahnenporträts aufgehängt werden konnten. Im ganzen Rong-guo- und Stillfriede-Anwesen, innen wie außen, oben wie unten, herrschte geschäftiges Treiben.

An diesem Tag war Dame Sonders[12] im Stillfriede-Anwesen gerade aufgestanden und mit Hibiskus Kaufmann[13]' Frau dabei, Nadelarbeiten und Geschenke für die Herzoginmutter[14] zusammenzustellen, als ein Dienstmädchen ein Tablett mit kleinen Goldbarren hereinbrachte und meldete: „Xinger lässt ausrichten, gnädige Frau: Das Paket Bruchgold enthielt einhundertdreiundfünfzig Liang, sechs Qian und sieben Fen. Der Feingehalt war unterschiedlich. Insgesamt wurden daraus zweihundertundzwanzig Barren gegossen." Damit reichte sie das Tablett hinauf. Dame Sonders betrachtete die Barren: Manche hatten die Form von Pflaumenblüten, andere die von Zieräpfeln, wieder andere glichen kleinen Glückwunschzeptern, und einige trugen das Muster der Acht Kostbarkeiten im Frühling. Dame Sonders befahl: „Verwahrt diese und sagt ihm, er solle die Silberbarren rasch bringen!" Das Dienstmädchen bestätigte und ging hinaus.

Bald darauf kam Herrlichkeit Kaufmann zum Essen herein, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau zog sich zurück. Herrlichkeit Kaufmann fragte Dame Sonders: „Ist die kaiserliche Spende für unser Neujahrsopfer schon abgeholt worden?"

„Heute habe ich Herrlichkeit geschickt, sie zu holen", erwiderte Dame Sonders.

„Nicht dass unsere Familie auf die paar Liang Silber angewiesen wäre", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „aber es ist immerhin die Gnade des Kaisers. Sobald es abgeholt ist, zeigen wir es drüben der Herzoginmutter und kaufen dafür Opfergaben für die Ahnen. Von oben empfangen wir die kaiserliche Gnade, von unten danken wir dem Segen der Vorfahren. Selbst wenn wir zehntausend Liang Silber für das Ahnenopfer ausgäben, wäre das nicht so ehrenvoll, wie es mit diesem Gnadengeschenk zu tun. Abgesehen von ein, zwei Familien wie der unseren — all jene verarmten Familien von erblichen Beamten, woher nähmen sie das Geld für die Neujahrsopfer, wenn sie sich nicht auf dieses Silber stützen könnten? Wahrlich, die Gnade des Kaisers ist gewaltig, und er denkt an alles."

„Genau so ist es", bestätigte Dame Sonders.

Während die beiden noch sprachen, wurde gemeldet: „Der junge Herr ist da." Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn hereinrufen, und Herrlichkeit Kaufmann trat mit einem kleinen Beutel aus gelbem Stoff ein, den er mit beiden Händen trug.

„Warum hat das den ganzen Tag gedauert?" fragte Herrlichkeit Kaufmann.

Herrlichkeit Kaufmann antwortete mit einem verbindlichen Lächeln: „Heute war das Silber nicht im Zeremonialministerium abzuholen, sondern wurde über die Schatzkammer des Kaiserlichen Amtes für Opfergaben ausgegeben, weshalb ich erst dorthin musste. Die Beamten vom Amt für Opfergaben ließen Euch grüßen, Vater. Sie sagten, sie hätten Euch seit langem nicht gesehen und dächten immer an Euch."

Herrlichkeit Kaufmann lachte: „An mich denken sie? Jetzt, wo das Jahresende naht, denken sie nicht an mich, sondern an meine Geschenke oder an Einladungen zu Theater und Wein!" Dabei betrachtete er den gelben Stoffbeutel, auf dem ein Siegelstempel prangte mit den vier großen Schriftzeichen: „Durch Kaiserliche Gnade auf ewig gewährt". Auf der anderen Seite befand sich der Stempel der Opferverwaltung des Zeremonialministeriums, und daneben stand eine Zeile kleiner Zeichen: „Jia Yan, Herzog Ning-guo, und Jia Yuan, Herzog Rong-guo — kaiserlich auf ewig gewährte Spenden zum Neujahrsopfer, insgesamt zwei Anteile, als Reinsilber soundso viele Liang. Im soundsovielten Jahr, soundsovielten Monat und Tag von Hibiskus Kaufmann, Hauptmann der Palastwache, Anwärter auf einen Gardistenposten, persönlich in Empfang genommen. Diensthabender Amtsassistent Soundso." Darunter stand eine Paraphe in roter Tusche.

Nachdem Herrlichkeit Kaufmann gegessen, sich Hände und Mund gewaschen und Stiefel und Kopfbedeckung gewechselt hatte, befahl er Herrlichkeit Kaufmann, das Silber zu nehmen und ihm zu folgen. Zuerst berichteten sie der Herzoginmutter und Dame König, dann gingen sie auf die andere Seite und erstatteten auch Begnadigung Kaufmann[15] und Dame Strafe Meldung, ehe sie nach Hause zurückkehrten. Dort nahm Herrlichkeit Kaufmann das Silber heraus und befahl, den leeren Beutel im großen Weihrauchkessel des Ahnentempels zu verbrennen. Dann sagte er zu Herrlichkeit Kaufmann: „Geh hinüber und frage die Frau deines Onkels Kette, ob die Termine für die Neujahrsbankette schon feststehen. Wenn ja, lass dir im Schreibzimmer eine genaue Aufstellung machen, damit wir bei unseren Einladungen keine Überschneidungen haben. Letztes Jahr haben wir nicht aufgepasst, und es gab bei mehreren Familien Dopplungen. Die Leute müssen gedacht haben, dass die beiden Anwesen sich abgesprochen und zum Schein Einladungen verschickt hätten, um Kosten zu sparen."

Herrlichkeit Kaufmann bestätigte eilig und ging hinüber. Nach kurzer Zeit kehrte er mit der Terminliste zurück. Herrlichkeit Kaufmann sah sie durch und befahl, sie an Lai Sheng weiterzugeben, damit dieser darauf achte, dass die Einladungen nicht auf dieselben Tage fielen. Dann ging er in die Halle hinaus und beaufsichtigte die Diener, die Stellwände trugen und Tische sowie goldene und silberne Opfergeräte polierten. Da kam ein Diener mit einem Brief und einer Aufstellung und meldete: „Der Dorfverwalter Wu aus dem Schwarzbergdorf ist angekommen."

„Jetzt erst kommt er, der alte Galgenstrick!" rief Herrlichkeit Kaufmann. Herrlichkeit Kaufmann nahm Brief und Liste entgegen und entfaltete zuerst den Brief. Herrlichkeit Kaufmann, die Hände auf dem Rücken verschränkt, blickte in Herrlichkeit Kaufmann' Hände und las auf dem roten Briefpapier: „Kniefällig wünscht Euer Dorfverwalter Wu Jinxiao dem Herrn und der gnädigen Frau zehntausendfaches Glück und goldene Gesundheit, ebenso den jungen Herren und Fräulein goldene Gesundheit. Möge das neue Jahr Euch Glück und Segen in Fülle bringen, Frieden und Wohlergehen, Beförderung und Gehaltserhöhung, und mögen sich all Eure Wünsche erfüllen!"

Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Die Leute auf dem Lande haben schon ihren eigenen Stil!" Auch Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu lächeln und sagte: „Achtet nicht auf die Formulierung — Hauptsache, es bringt Glück!" Dann entfaltete er eilig die Liste, auf der stand:

„Hirsche — dreißig Stück; Moschustiere — fünfzig Stück; Rehe — fünfzig Stück; Siam-Schweine — zwanzig Stück; gebrühte Schweine — zwanzig Stück; Drachenschweine — zwanzig Stück; Wildschweine — zwanzig Stück; gesalzene und getrocknete Hausschweine — zwanzig Stück; Wildschafe — zwanzig Stück; Gorale — zwanzig Stück; gebrühte Hammel — zwanzig Stück; getrocknete Hammel — zwanzig Stück; Störe — zwei Stück; verschiedene Fische — zweihundert Jin; lebende Hühner, Enten und Gänse — je zweihundert Stück; getrocknete Hühner, Enten und Gänse — zweihundert Stück; Fasane und Hasen — je zweihundert Paar; Bärentatzen — zwanzig Paar; Hirschsehnen — zwanzig Jin; Seegurken — fünfzig Jin; Hirschzungen — fünfzig Stück; Rinderzungen — fünfzig Stück; getrocknete Scheidenmuscheln — zwanzig Jin; Haselnusskerne, Zirbelnusskerne, Pfirsichkerne, Aprikosenkerne — je zwei Säcke; große Hummer — fünfzig Paar; getrocknete Garnelen — zweihundert Jin; Silberfrost-Holzkohle erstklassig — eintausend Jin, mittlere Güte — zweitausend Jin; gewöhnliche Holzkohle — dreißigtausend Jin; Reis von den Kaiserlichen Feldern, zinnoberroter Klebreis — zwei Dan; grüner Klebreis — fünfzig Hu; weißer Klebreis — fünfzig Hu; feiner weißer Reis — fünfzig Hu; verschiedene Hirse- und Getreidesorten — je fünfzig Hu; gewöhnlicher Reis zum täglichen Gebrauch — eintausend Dan; verschiedenerlei Dörrgemüse — eine Wagenladung; Erlös aus dem Verkauf von Getreide und Vieh — insgesamt zweitausendfünfhundert Liang Silber. Ferner als Geschenk für die jungen Herren und Fräulein zum Vergnügen: lebende Hirsche — zwei Paar; lebende weiße Kaninchen — vier Paar; schwarze Kaninchen — vier Paar; lebende Goldfasane — zwei Paar; europäische Enten — zwei Paar."

Herrlichkeit Kaufmann befahl, Wu hereinzuführen. Bald darauf trat Wu Jinxiao in den Hof, kniete nieder und schlug die Stirn auf den Boden. Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn aufrichten und sagte lächelnd: „Du bist also noch rüstig."

Ebenfalls lächelnd erwiderte Wu Jinxiao: „Dank Eurer Fürsorge, Herr, kann ich mich noch bewegen."

„Deine Söhne sind doch schon groß", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Du hättest sie schicken können."

„Ich will Euch nichts verhehlen, Herr", sagte Wu Jinxiao lächelnd. „Ich bin es gewohnt, den Weg zu machen, und würde mich zu Tode langweilen, wenn ich nicht käme. Die Söhne würden natürlich auch gerne einmal die Welt zu Füßen des Kaisers sehen. Aber sie sind noch jung, und ich fürchte, es könnte ihnen unterwegs etwas zustoßen. In ein paar Jahren kann ich sie ruhigen Gewissens schicken."

„Wie viele Tage warst du unterwegs?" fragte Herrlichkeit Kaufmann.

„Um Euch Bericht zu erstatten, Herr: Der Schnee war dieses Jahr besonders tief", antwortete Wu Jinxiao. „Draußen auf dem Land lag er vier bis fünf Chi hoch. Vor ein paar Tagen wurde es plötzlich warm und der Schnee schmolz, die Wege waren kaum passierbar, und ich verlor einige Tage. Insgesamt war ich einen Monat und zwei Tage unterwegs. Da die Zeit knapp wurde und ich Euch keine Sorgen machen wollte, Herr, habe ich mich beeilt."

„Da dachte ich mir doch", sagte Herrlichkeit Kaufmann, „warum er erst jetzt kommt. Ich habe gerade deine Liste angesehen — du willst dich also wieder mit uns anlegen, Alter!"

Eilig trat Wu Jinxiao zwei Schritte näher und sagte: „Lasst mich berichten, Herr! Die Ernte war dieses Jahr wirklich schlecht. Vom dritten Monat an hat es in einem fort geregnet, ununterbrochen bis in den achten Monat hinein, es gab nicht fünf sonnige Tage am Stück. Im neunten Monat hagelten Eiskörner so groß wie Suppenschüsseln herab, auf einer Fläche von fast eintausenddreihundert Li im Geviert, und Menschen, Häuser, Vieh und Getreide wurden zu Tausenden und Abertausenden geschädigt. Das sind die Gründe, Herr. Ich lüge wahrhaftig nicht."

Herrlichkeit Kaufmann runzelte die Stirn: „Ich hatte fest mit mindestens fünftausend Liang Silber von dir gerechnet. Was soll man mit dem hier anfangen! Von den acht oder neun Dörfern, die uns noch geblieben sind, haben dieses Jahr gleich zwei Dürre oder Überschwemmung gemeldet, und ihr wollt euch auch noch mit uns anlegen. Da will man uns wohl das Neujahrsfeiern ganz verbieten!"

Wu Jinxiao erwiderte: „Euer Gebiet ist ja noch vergleichsweise gut dran, Herr! Mein Bruder wohnt nur gut hundert Li von mir entfernt, und bei dem sieht es viel schlimmer aus. Er verwaltet für das andere Anwesen drüben acht Dörfer, die ein Mehrfaches Eurer Ländereien umfassen, aber auch er konnte dieses Jahr nicht mehr abliefern — nur zwei- bis dreitausend Liang Silber mehr. Auch dort hat die Not zugeschlagen."

„Eben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bei uns hier geht es noch einigermaßen, wir haben keine großen Sonderausgaben, nur die laufenden Kosten. Wenn es mir schlechter geht, spare ich eben ein wenig mehr. Außerdem kann ich bei den jährlichen Geschenken und Einladungen etwas dreister kürzen, dann ist der Fall erledigt. Aber drüben im anderen Anwesen sieht es anders aus. Dort sind in den letzten Jahren allerlei unumgängliche Mehrausgaben hinzugekommen, während das Einkommen keineswegs gestiegen ist. In den letzten ein, zwei Jahren haben sie empfindlich zuschießen müssen. Wenn wir es nicht von euch verlangen, von wem dann?"

Wu Jinxiao meinte lächelnd: „Im anderen Anwesen sind die Ausgaben zwar gestiegen, aber es geht doch hin und her. Die Kaiserliche Gemahlin und Seine Majestät werden doch gewiss Geschenke machen!"

Als Herrlichkeit Kaufmann das hörte, wandte er sich lachend an Herrlichkeit Kaufmann und die anderen: „Habt ihr das gehört? Ist das nicht zum Lachen?" Herrlichkeit Kaufmann beeilte sich zu antworten: „Ihr Leute aus den Bergen und von der Meeresküste versteht eben nichts von diesen Dingen. Soll uns die Kaiserliche Gemahlin etwa die kaiserlichen Schatzhäuser schenken? Selbst wenn sie es wollte, könnte sie das nicht eigenmächtig entscheiden. Natürlich gibt es Geschenke — zu den Feiertagen etwas farbige Seide, Antiquitäten und Spielereien. Und wenn es einmal Gold gibt, sind es höchstens hundert Liang Gold, das entspricht gerade mal eintausend Liang Silber. Was sind das schon für ein ganzes Jahr? In den letzten beiden Jahren haben sie jedes Jahr mehrere tausend Liang draufgelegt! Rechne doch einmal zusammen, was allein der Heimbesuch im ersten Jahr gekostet hat, einschließlich des neugebauten Gartens — dann weißt du Bescheid. Noch ein, zwei solcher Besuche, und sie sind völlig ruiniert."

Herrlichkeit Kaufmann fügte lächelnd hinzu: „Deshalb sage ich ja: Die Leute auf dem Lande sind ehrlich und haben keine Ahnung, was sich hinter den Kulissen abspielt. Wie sagt das Sprichwort? 'Der Klöppel aus Gelbholz — außen glänzend, innen bitter.'"

Herrlichkeit Kaufmann wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann: „Drüben im anderen Anwesen muss es tatsächlich schlecht stehen. Neulich habe ich gehört, wie Tante Phönixglanz heimlich mit Mandarinenente[16] besprach, etwas von den Habseligkeiten der Herzoginmutter zu entwenden und beim Pfandleiher zu versetzen."

Herrlichkeit Kaufmann lachte: „Das ist wieder einer von Phönixglanz' Tricks. So arm sind sie bestimmt noch nicht. Sie hat sicher gesehen, dass die Ausgaben zu hoch und die Zuschüsse zu groß geworden sind, und weiß nicht, wo sie noch sparen soll. Also hat sie diese Geschichte in Umlauf gebracht, damit alle denken, es sei wirklich so schlimm. Ich aber habe meine eigene Rechnung im Kopf und weiß, dass es so weit noch nicht gekommen ist." Damit befahl er, Wu Jinxiao hinauszugeleiten und gut zu bewirten. Davon braucht nicht weiter die Rede zu sein.

Herrlichkeit Kaufmann ordnete an, von den eben eingetroffenen Gütern einen Teil für das Ahnenopfer zurückzulegen und von jeder Sorte etwas auszuwählen, das Herrlichkeit Kaufmann ins Prunkwille-Anwesen bringen sollte. Nach Abzug des eigenen Haushaltsbedarfs wurde der Rest in Portionen aufgeteilt, wie es dem jeweiligen Rang entsprach, und auf der Terrasse aufgestapelt. Dann ließ er alle Söhne und Neffen der Sippe zusammenrufen, damit sie ihre Anteile abholten. Auch aus dem Prunkwille-Anwesen traf bald darauf eine Sendung von Opfergaben und Geschenken für Herrlichkeit Kaufmann ein.

Nachdem Herrlichkeit Kaufmann die Aufstellung der Opfergeräte bis zuletzt überwacht hatte, schlüpfte er in bequeme Pantoffeln, warf sich einen weiten Luchsfellmantel um und ließ sich am Fuß einer Hallensäule auf dem steinernen Sockel ein großes Wolfsfell in die Sonne breiten, um es sich in der Winterwärme bequem zu machen und den jungen Sippenangehörigen beim Abholen ihrer Neujahrsgaben zuzusehen.

Als er sah, dass auch Jia Qin kam, um etwas abzuholen, rief er ihn herbei und sagte: „Was willst du hier? Wer hat dich geschickt?"

Jia Qin stand mit unterwürfig herabhängenden Händen da und erwiderte: „Ich hörte, Ihr hättet alle herrufen lassen, um die Gaben in Empfang zu nehmen, gnädiger Herr. Da bin ich gekommen, ohne eine persönliche Einladung abzuwarten."

„Diese Sachen sind für diejenigen deiner Onkel und Vettern bestimmt, die keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit haben", sagte Herrlichkeit Kaufmann. „In den beiden Jahren, als du noch nichts zu tun hattest, habe ich dir auch welche gegeben. Aber jetzt hast du eine Stellung drüben im anderen Anwesen und bist im Familienkloster für die buddhistischen und daoistischen Mönche und Nonnen zuständig. Du bekommst nicht nur dein monatliches Gehalt, auch die Gelder für die Mönche gehen durch deine Hände. Und jetzt kommst du noch, um dir hier etwas zu holen? Du bist wirklich zu gierig! Und schau dich nur an! So kleidet sich einer, der Geld verwaltet und Verantwortung trägt? Früher hast du dich beklagt, du hättest keine Einnahmequelle — und jetzt siehst du noch schlimmer aus als damals?"

„Mein Haushalt ist groß, und die Ausgaben sind hoch", versuchte Jia Qin sich zu rechtfertigen.

Herrlichkeit Kaufmann lachte kalt: „Du willst mir auch noch Ausreden auftischen? Meinst du, ich wüsste nicht, was du im Familienkloster treibst? Dort spielst du natürlich den großen Herrn, und keiner wagt, dir zu widersprechen. Da du Geld in der Hand hast und weit genug von uns weg bist, führst du dich wie ein König auf, versammelst Nacht für Nacht Gesindel um dich zum Glücksspiel, hältst dir Frauen und Lustknaben. Und so heruntergekommen, wie du jetzt aussiehst, wagst du es noch, hier aufzukreuzen und Geschenke zu holen? Statt Geschenke solltest du eine ordentliche Tracht Prügel bekommen. Warte nur! Nach Neujahr werde ich mit deinem Onkel Kette reden, damit er dich ablöst!"

Jia Qin stand mit hochrotem Gesicht da und wagte nichts zu erwidern.

Da meldete ein Diener: „Aus dem Palast des Prinzen Beifang vom nördlichen Fürstenhaus sind Spruchbänder und Glückstäschchen geschickt worden."

„Geh hinaus und empfange die Boten", sagte Herrlichkeit Kaufmann zu Herrlichkeit Kaufmann. „Sag ihnen, ich sei nicht zu Hause." Herrlichkeit Kaufmann ging.

Herrlichkeit Kaufmann blieb sitzen, bis alle Gaben abgeholt waren, dann kehrte er in seine Gemächer zurück und aß mit Dame Sonders zu Abend. Von der Nacht ist nichts Besonderes zu berichten. Am nächsten Tag gab es noch mehr zu tun als zuvor, aber auch das braucht nicht im Einzelnen erzählt zu werden.

So kam der neunundzwanzigste Tag des zwölften Monats. Alles war in bester Ordnung. In beiden Anwesen hatte man die Türgötterbilder und Spruchbänder ausgetauscht, die Pfirsichholz-Schutzamulette frisch geölt — alles erstrahlte in neuem Glanz. Im Stillfriede-Anwesen standen von der Hauptpforte über das Zeremonientor, die große Halle, den geheizten Raum, die innere Halle, das innere dritte Tor, das innere Zeremonientor und das Blendtor bis hin zur Haupthalle alle mittleren Türflügel sperrangelweit offen. Auf beiden Seiten der Treppen brannten in einer Reihe große zinnoberrote Kerzen, deren Flammen wie zwei feurige goldene Drachen leuchteten.

Am nächsten Tag legten die Herzoginmutter und alle mit einem offiziellen Rang belehnten Familienmitglieder ihre Audienzgewänder nach Rangordnung an und ließen sich in Sänften mit acht Trägern zur Neujahrs-Gratulationscour in den Kaiserpalast tragen. Nachdem sie dort die Riten vollzogen und am Bankett teilgenommen hatten, ließen sie sich zum Stillfriede-Anwesen tragen und stiegen am geheizten Wohnhaus aus den Sänften. Diejenigen Söhne und Neffen, die nicht mit bei Hofe gewesen waren, standen am Tor des Stillfriede-Anwesens Spalier und erwarteten die Rückkehrer, um sie anschließend in den Ahnentempel zu geleiten.

Kostbarzither Schnee, die zum ersten Mal hier war, hielt aufmerksam Ausschau und betrachtete alles genau. Der Ahnentempel befand sich in einem gesonderten Hof westlich des Stillfriede-Anwesens. Hinter einem schwarz lackierten Holzgitter lagen fünf mächtige Torgebäude, über denen eine Tafel mit der Aufschrift „Ahnentempel der Kaufmann-Familie" prangte. In kleinerer Schrift stand daneben: „Geschrieben von Kong Jizong, Herzog Yansheng". Zu beiden Seiten hing ein langes Parallelsatzpaar:

 „Mit Leib und Leben dankt das zahlreiche Volk
   dem Beschützer seine Gnade;
 Bis an den Himmel reichen die Verdienste,
   hundert Generationen ehren das Opfer."

Auch dieses war vom Herzog Yansheng geschrieben. Man trat durch das Tor in den Hof. Ein Weg aus weißen Steinplatten führte zwischen alten Kiefern und Zypressen hindurch. Auf der steinernen Terrasse standen alte Bronzegefäße verschiedener Formen. Am Vorbau der Tempelhalle hing eine mit neun goldenen Drachen geschmückte Tafel:

 „Sternengleich glänzende Stützen des Throns."

Sie war vom vorherigen Kaiser eigenhändig geschrieben. Daneben hing ein Parallelsatzpaar:

 „Wie Sonne und Mond erstrahlen die Verdienste und Taten,
 Auf Söhne und Enkel erstreckt sich der Ruhm und die Ehre."

Auch dies war kaiserliche Handschrift. An der fünf Jian breiten Haupthalle hing eine blau grundierte Tafel mit sich windenden Drachen und der Aufschrift:

 „In Ehrfurcht der Vorfahren gedenken."

Und das Parallelsatzpaar lautete:

 „Die Nachfahren erben Tugend und Glück,
 Das Volk preist das Stillfriede-Anwesen wie auch Rong."

Alles war in kaiserlicher Handschrift. Im Inneren der Halle loderten Weihrauch und Kerzen, bunte Seidenvorhänge und gestickte Behänge waren aufgespannt. Hinter den Vorhängen waren die Ahnentafeln zu erkennen, doch nicht deutlich zu lesen.

Nun stellten sich alle Kaufmann-Angehörigen in der vorgeschriebenen Ordnung des zhao und mu auf. Jia Jing leitete die Hauptzeremonie; Begnadigung Kaufmann assistierte; Herrlichkeit Kaufmann reichte den Opferbecher; Kette Kaufmann[17] und Jia Cong überreichten die Seidenstücke; Schatzjade trug den Weihrauch; Jia Chang und Jia Ling breiteten die Gebetsteppiche aus und hüteten das Feuerbecken. Schwarzgekleidete Musikanten spielten, der Opferbecher wurde dreimal dargebracht, und alle verneigten sich und erhoben sich wieder. Die Seidenstücke wurden verbrannt und der Wein auf die Erde gegossen. Als die Zeremonie beendet war, verstummte die Musik, und alle verließen den Tempel.

Im Gefolge der Herzoginmutter begab man sich zur Haupthalle, in der die Ahnenporträts hingen. Hinter bunten Seidenvorhängen und bestickten Wandschirmen brannten Weihrauch und Kerzen in hellem Glanz. An der Mitterwand hingen die Bilder der beiden Gründungsahnen — des Herzogs Ning-guo und des Herzogs Rong-guo —, beide in drachenbestickten Gewändern und mit Jadegürteln dargestellt. Daneben hingen noch einige Porträts weiterer Vorfahren.

Von Jia Xing und Jia Zhi angefangen, standen die Sippenangehörigen dicht an dicht vom inneren Zeremonientor bis zur Hallentür aufgereiht. Draußen vor der Türschwelle standen Jia Jing und Begnadigung Kaufmann; drinnen standen die weiblichen Angehörigen. Die gesamte Dienerschaft wartete vor dem Zeremonientor.

Jedes Gericht des Opfermahls wurde am Zeremonientor entgegengenommen, von Jia Xing und Jia Zhi weitergereicht und gelangte so die Treppe hinauf bis zu Jia Jing. Er übergab es an Herrlichkeit Kaufmann, der als ältester Enkel der Hauptlinie als einziger Mann zusammen mit den Frauen innerhalb der Schwelle stand. Von ihm empfing es seine Frau, die es an Phönixglanz und Dame Sonders weitergab. Durch die Hände aller Frauen gelangte es bis zu Dame König. Dame König reichte es der Herzoginmutter, und erst die Herzoginmutter stellte es auf den Opfertisch. Dame Strafe stand an der Westseite des Opfertischs mit dem Gesicht nach Osten und assistierte der Herzoginmutter beim Aufstellen der Speisen.

Als sämtliche Gerichte, Reis, Suppen, Naschwerk, Wein und Tee durchgereicht worden waren, verließ auch Herrlichkeit Kaufmann die Halle, stieg die Stufen hinab und stellte sich an die Spitze der Gruppe von Jia Qin. Alle Angehörigen der Schrift-Generation standen unter der Führung von Jia Jing; darunter folgten die der Jade-Generation unter der Führung von Herrlichkeit Kaufmann; und noch eine Generation tiefer die der Gras-Generation unter Herrlichkeit Kaufmann' Führung. Links standen die Älteren, rechts die Jüngeren; die Männer im Osten, die Frauen im Westen. Als die Herzoginmutter den Weihrauch entzündete und niederkniete, knieten alle zugleich nieder. Die fünf Hauptsäle, die drei Vorbauten, die Säulengänge innen und außen, die Stufen und Terrassen — alles war dicht gedrängt voller buntgekleideter Menschen, ohne auch nur einen freien Fleck. Es herrschte lautlose Stille; man hörte nur das leise Klingen der goldenen Glöckchen und jadenen Gürtelgehänge und das scharrende Geräusch der Stiefel beim Knien und Aufstehen.

Bald war die Zeremonie beendet. Jia Jing und Begnadigung Kaufmann zogen sich eilig mit den übrigen Männern zurück und begaben sich ins Prunkwille-Anwesen, um dort die Herzoginmutter zu erwarten und ihr den zeremoniellen Gruß zu entbieten.

In Dame Sonderss Hauptgemach war der Boden bereits mit rotem Filz ausgelegt. In der Mitte des Raumes stand ein großes Kohlenbecken aus vergoldetem Cloisonne-Email, dessen drei Füße Elefantenrüsseln nachgebildet waren und dessen Rand wie ein Schlammgrundel-Rücken gewölbt war. Auf dem Ofenbett lag eine neue purpurrote Filzmatte, darauf rote, bunt bestickte Rücken- und Armkissen mit dem Motiv von Drachen in Wolken, die das Zeichen shou — „Langes Leben" — emporhielten. Darüber war eine Decke aus schwarzem Fuchsfell gebreitet, und als Sitzkissen lag ein weißes Fuchsfell bereit. Die Herzoginmutter wurde gebeten, dort Platz zu nehmen.

Zu beiden Seiten wurden weitere Fellkissen ausgelegt, damit die alten Damen aus der Generation der Herzoginmutter sich setzen konnten. Auf dem seitlich abgetrennten kleinen Ofenbett hinter dem Raumteiler wurden ebenfalls Fellkissen bereitet, und dort nahmen Dame Strafe und die anderen Frauen ihrer Generation Platz. Auf der freien Fläche im Raum standen sich in zwei Reihen zwölf geschnitzte Lackstühle gegenüber, alle einheitlich mit Sitzkissen aus grauem Eichhörnchenfell bezogen. An jedem Stuhl stand ein großes Messingfußöfchen. Hier nahmen Kostbarzither Schnee und die anderen jungen Damen Platz.

Dame Sonders reichte der Herzoginmutter persönlich den Tee auf einem Tablett, während Herrlichkeit Kaufmanns Frau den übrigen alten Damen einschenkte. Danach bediente Dame Sonders Dame Strafe und die anderen, und Herrlichkeit Kaufmanns Frau reichte den jungen Mädchen den Tee. Phönixglanz und Frau Li standen ehrfürchtig bereit, um zu bedienen.

Als der Tee getrunken war, erhoben sich Dame Strafe und die anderen sogleich, um der Herzoginmutter weiter aufzuwarten. Die Herzoginmutter trank ihren Tee, wechselte zwei oder drei Worte mit den alten Damen und befahl dann, die Sänfte zu holen. Sogleich trat Phönixglanz vor und half ihr auf.

Dame Sonders sagte lächelnd: „Das Abendessen für die alte Ahne steht bereit. Jedes Jahr verweigert Ihr uns die Ehre, hier zu essen, bevor Ihr heimkehrt. Sind wir denn wirklich so viel unwürdiger als unser Phönixglanz-Mädchen?"

Phönixglanz stützte die Herzoginmutter und sagte lächelnd: „Kommt nur schnell, alte Ahne, wir essen bei uns! Kümmert Euch nicht um sie!"

Die Herzoginmutter lachte: „Ihr habt hier das Ahnenopfer zu versorgen und seid beschäftigter, als ich es mir vorstellen kann — wie solltet ihr euch auch noch mit mir Plage abgeben? Außerdem habt ihr mir jedes Jahr, wenn ich nicht hier gegessen habe, die Speisen hinübergeschickt. Schickt sie mir nur auch diesmal! Was ich heute nicht schaffe, hebe ich mir für morgen auf, und so esse ich am Ende mehr, als wenn ich hier bliebe."

Alle lachten. Dann ermahnte die Herzoginmutter Dame Sonders noch: „Beauftragt unbedingt zuverlässige Leute, über Nacht nach dem Weihrauch und den Kerzen zu sehen! Damit ist nicht zu spaßen." Dame Sonders bestätigte es.

Man ging hinaus zum geheizten Wohngebäude, wo die Herzoginmutter in ihre Sänfte stieg. Dame Sonders und die anderen traten hinter den Wandschirm, und erst dann ließen die Diener die Sänftenträger kommen und die Sänfte durch das Haupttor hinaustragen. Dame Sonders schloss sich Dame Strafe an und ließ sich ebenfalls ins Prunkwille-Anwesen tragen.

Auf der Straße vor dem Haupttor waren auf der Ostseite die Insignien, Zeremonialgeräte und Musikinstrumente des Herzogs Ning-guo und auf der Westseite die des Herzogs Rong-guo aufgestellt. Alle Passanten wichen ehrfürchtig aus und mieden die Straße.

Im Prunkwille-Anwesen standen ebenfalls alle Tore und Hallen bis zum Ende weit offen. Man stieg aber nicht am Hauptwohngebäude aus der Sänfte, sondern ließ sich von der großen Halle nach Westen bis zur Haupthalle in den Gemächern der Herzoginmutter tragen und stieg dort aus. Im Gefolge vieler Begleiterinnen betrat man den Hauptraum, in dem ebenfalls seidene Bezüge und gestickte Wandschirme in frischem Glanz erstrahlten. Im Kohlenbecken brannten Kiefern- und Zypressenweihrauch zusammen mit wohlriechendem Gras.

Kaum hatte sich die Herzoginmutter gesetzt, meldete eine alte Dienerin: „Die alten gnädigen Frauen kommen, ihre Aufwartung zu machen." Die Herzoginmutter erhob sich eilig, ihnen entgegenzugehen. Schon traten zwei oder drei alte Schwägerinnen ein, man fasste sich an den Händen, lachte und plauderte eine Weile, ließ einander Platz nehmen und trank gemeinsam Tee. Dann gingen sie wieder, und die Herzoginmutter begleitete sie nur bis zum inneren Zeremonientor und kehrte dann auf ihren Platz zurück.

Nun traten Jia Jing und Begnadigung Kaufmann an der Spitze aller Söhne und Neffen herein. Die Herzoginmutter rief lächelnd: „Das ganze Jahr über seid ihr euch euretwegen genug bemüht worden — lasst die Formalitäten!" Doch schon knieten Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt, Gruppe um Gruppe vor ihr nieder und vollzogen ihre Verbeugungen. Danach nahmen alle der Rangfolge gemäß auf den Faltstühlen zu beiden Seiten Platz und empfingen ihrerseits die Grüße der Jüngeren. Nachdem auch sämtliche Diener und Dienerinnen beider Anwesen nach ihrer Stellung der Reihe nach ihre Verbeugungen vollzogen hatten, wurden Neujahrsgelder, Glückstäschchen und kleine Gold- und Silberbarren verteilt. Dann wurde das Vereinigungsmahl aufgetragen. Die Männer saßen im Osten, die Frauen im Westen. Nachdem der „übelabwehrende Wein", die „Suppe der frohen Vereinigung", die „Glücksfrüchte" und der „Kuchen der Wunscherfüllung" gereicht worden waren, stand die Herzoginmutter auf und ging in ihre inneren Gemächer, um sich umzukleiden. Die anderen zerstreuten sich.

Am Abend wurden vor allen Buddhastatuen und Herdgottbildern Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Im Hof von Dame Königs Hauptgemach wurden Papierbilder für Himmel und Erde aufgestellt, Weihrauch und Opfergaben dargebracht. Auch am Haupttor des Gartens der Großen Anschauung hingen große, helle Hornlaternen, und überall leuchteten die Wegelaternen. Jedermann, ob hoch oder niedrig, war in bunte Festkleidung gehüllt. Die ganze Nacht über vernahm man Stimmengewirr, Gelächter und Geplauder, und Feuerwerkskörper und Raketen krachten und zischten ohne Unterlass.

Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begab sich die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge in vollem Ornat und mit allen Ranginsignien abermals in den Kaiserpalast zur Neujahrs-Gratulationscour und beglückwünschte zugleich Urfrühling zu ihrem Geburtstag. Nachdem man am Bankett teilgenommen hatte und zurückgekehrt war, brachte man im Stillfriede-Anwesen noch einmal ein Opfer vor den Ahnentafeln dar und empfing anschließend zu Hause die Neujahrsgrüße. Danach wechselte die Herzoginmutter ihre Kleidung und ruhte sich aus. Keinen der zur Gratulation erschienenen Verwandten und Freunde empfing sie. Nur mit Tante Schnee[18] und Tante Li plauderte sie gemütlich, oder sie spielte mit Schatzjade, Kostbarzither Schnee, Schatzspange[19], Kajaljade[20] und den anderen Mädchen Dame- oder Dominospiele.

Dame König und Phönixglanz dagegen waren Tag für Tag unermüdlich damit beschäftigt, Gäste zum Neujahrsmahl zu bewirten. In der Halle und im Hof wurde Theater gespielt und Wein getrunken, und die Verwandten und Freunde kamen in nicht abreißendem Strom. Sieben oder acht Tage dauerte der Trubel, bis er endlich vorüber war — und schon rückte das Laternenfest näher. In beiden Anwesen wurden prächtige Laternen aufgehängt und bunte Schmuckbänder gespannt. Am elften Tag lud Begnadigung Kaufmann die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge ein, am folgenden Tag Herrlichkeit Kaufmann. Bei jedem verbrachte sie einen halben Tag in ungezwungener Unterhaltung. Dame König und Phönixglanz wurden unterdessen Tag für Tag von verschiedenen Familien zum Neujahrsmahl eingeladen — das aufzuzählen würde kein Ende nehmen.

Am Abend des Fünfzehnten ließ die Herzoginmutter in der großen Gästehalle mehrere Weintafeln aufstellen, eine kleine Theatertruppe engagieren und überall schöne Laternen aufhängen, um ihre Söhne, Neffen, Enkel und deren Frauen zu einem Familienfest zu versammeln.

Jia Jing, der grundsätzlich keinen Wein trank, wurde nicht eingeladen. Am Siebzehnten, als sämtliche Ahnenopfer beendet waren, kehrte er wieder in sein Kloster vor der Stadt zurück, um sich seinen daoistischen Übungen zu widmen. Auch in den wenigen Tagen, die er im Kreise der Familie verbracht hatte, hielt er sich in stillen Räumen auf, schweigsam und zurückgezogen, ohne von irgendwelchen Vorgängen Kenntnis zu nehmen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden.

Begnadigung Kaufmann nahm nur kurz die Geschenke der Herzoginmutter entgegen und bat dann, sich entfernen zu dürfen. Die Herzoginmutter wusste, dass seine Anwesenheit beiden Seiten Unbehagen bereitete, und ließ ihn gewähren. Zu Hause angekommen, ergötzte er sich mit seinen ständigen Hausgästen am Laternenschein und am Wein. Natürlich erfreuten Musik und Gesang seine Ohren und der Glanz von Brokat und Stickereien seine Augen — seine Art der Vergnügung war eine ganz andere als die bei der Herzoginmutter.

In der Gästehalle der Herzoginmutter waren an die zehn Tafeln aufgestellt. Neben jedem Esstisch stand ein niedriger Beistelltisch mit einer dreiteiligen Räuchergarnitur, in der „Hundert-Düfte-Palastweihrauch" brannte, ein kaiserliches Geschenk. Ferner standen dort winzige Felslandschaften in Schalen von etwa acht Zoll Länge, vier bis fünf Zoll Breite und zwei bis drei Zoll Höhe, mit Moos bewachsen und mit frischen Blumen geschmückt. Daneben befanden sich kleine Teebretter in ausländischer Lackarbeit, darin altehrwürdige Teeschalen und kleine verschnörkelte Teekannen mit bestem Tee. Die Setzschirme an allen Tischen waren einheitlich aus durchbrochenem Sandelholz geschnitzt und mit roter Seidengaze bespannt, auf die Blumen und Gedichte in Grasschrift gestickt waren.

Diese Stickereien stammten von einem Mädchen namens Huiniang aus Suzhou. Da sie aus einer Familie von Gelehrten und Beamten kam, beherrschte sie Malerei und Kalligraphie in Vollendung und stickte nur gelegentlich ein oder zwei Stücke zum eigenen Vergnügen — keineswegs zum Verkauf. Alle auf den Setzschirmen gestickten Blumen waren den Bildern berühmter Meister der Tang-, Song-, Yuan- und Ming-Dynastien nachempfunden, weshalb sie in Gestaltung und Farbgebung von erlesener Eleganz waren — nichts gemein mit den grellen, handwerksmäßigen Arbeiten gewöhnlicher Stickerinnen. Neben jeder Blüte war ein alter Vers oder ein Gedichtzitat gestickt, das sich auf die jeweilige Blume bezog — bald aus einem Gedicht, bald aus einem Lied, bald aus einem Prosagedicht. Alles war in schwarzem Seidengarn in Grasschrift gestickt, und jeder Haken und jede Wendung, jeder leichte und jeder kräftige Strich war mit dem Pinsel nicht zu unterscheiden — ganz anders als die steifen, leblosen Zeichen gewöhnlicher Stickschrift. Da Huiniang nicht darauf aus war, aus ihrer Kunst Gewinn zu schlagen, waren ihre Arbeiten zwar in der ganzen Welt berühmt, doch nur wenige hatten je ein Stück erworben. Unter den reichen und vornehmen Familien gab es unzählig viele, die keines besaßen. Man nannte ihre Arbeiten die „Hui-Stickereien". Freilich hatten sich in jüngster Zeit gewinnhungrige Nachahmer gefunden, die ihren Stil kopierten und Unwissende damit betrogen.

Doch Huiniang selbst war vom Schicksal nicht begünstigt gewesen: Sie starb mit nur achtzehn Jahren, und seither war es unmöglich, noch ein neues Stück von ihr zu bekommen. Wer eines oder zwei besaß, hütete sie als Kostbarkeit und wagte nicht, sie zu verwenden. Einige Literaten und Gelehrte aus der Kaiserlichen Akademie hatten voller Bewunderung befunden, das Wort „Stickerei" werde der Vollkommenheit dieser Werke nicht gerecht — es sei geradezu respektlos, solche Kalligraphie als „gestickt" zu bezeichnen. Nach gemeinsamer Beratung kamen sie überein, das Zeichen „Stickerei" durch das Zeichen „Muster" zu ersetzen, und so sprach man fortan von „Hui-Mustern". Ein echtes Stück „Hui-Muster" war von unschätzbarem Wert. Selbst das Haus Kaufmann hatte bei all seinem Reichtum nur zwei oder drei Stücke besessen; zwei davon hatte man im vergangenen Jahr dem Kaiser zum Geschenk gemacht, so dass nur noch dieser eine Satz von sechzehn kleinen Setzschirmen übrig war. Die Herzoginmutter hütete ihn wie einen Schatz und zählte ihn nicht zu den Ausstattungsstücken, die bei Einladungen aufgestellt wurden. Nur wenn sie selbst bei guter Laune in ihren eigenen Räumen ein Festmahl gab, holte sie die Setzschirme hervor. Daneben standen noch kleine Vasen aus alten Werkstätten, in denen „die drei Freunde der kalten Jahreszeit", „Reichtum und Vornehmheit in jadenen Hallen" und andere frische Blumen und Gräser prangten.

An den beiden Ehrentischen saßen Tante Li und Tante Schnee. Für sich selbst hatte die Herzoginmutter auf der Ostseite vor einem niedrigen Wandschirm mit durchbrochenen Drachenschnitzereien eine kurze Ruhebank aufstellen lassen, mit Rückenpolster, Armstütze und Felldecke. An einem Ende der Bank stand ein zierliches, federleichtes Tischchen in ausländischer Lackarbeit mit Goldmalerei, darauf Teekanne, Teeschale, Spülkumme und Handtücher sowie ein Brillenetui. Die Herzoginmutter lehnte sich bequem auf der Bank zurück und plauderte zunächst eine Weile mit allen. Dann nahm sie die Brille heraus und betrachtete damit das Spiel auf der Bühne. Anschließend wandte sie sich lächelnd an Tante Schnee und Tante Li: „Verzeiht, dass ich alt bin und mir die Knochen wehtun. Ich muss Euch in dieser nachlässigen Haltung Gesellschaft leisten." Und sie befahl Hupo, sich neben sie auf die Bank zu setzen und ihr mit einem Maßagehämmerchen die Beine zu klopfen.

Vor der Ruhebank der Herzoginmutter stand kein Esstisch, nur ein hoher Teetisch mit einem der Setzschirme, einer Blumenvase und einem Räuchergefäß. Daneben stand ein zweites, zierliches kleines Tischchen mit Weinbecher, Löffel und Essstäbchen. Ihren eigentlichen Esstisch hatte die Herzoginmutter neben ihre Ruhebank rücken lassen und dort Kostbarzither Schnee, Xiangji[21], Kajaljade und Schatzjade platziert. Immer wenn ein neues Gericht oder eine neue Frucht aufgetragen wurde, zeigte man es zunächst der Herzoginmutter; gefiel es ihr, behielt sie es auf ihrem Tischchen und kostete davon, ließ es dann aber sogleich an die vier weiterreichen. So saßen diese vier gewissermaßen an der Seite der Herzoginmutter mit. An den nachfolgenden Tischen saßen Dame Strafe und Dame König, danach Dame Sonders, Frau Li, Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmanns Frau. Auf der Westseite saßen in einer Reihe Schatzspange, Muster Pflaume, Prachtamt Pflaume, Xiuyan, Willkommensfrühling und ihre Schwestern.

An den Querbalken zwischen den Säulen hing je ein großer, aus buntem Glas gefertigter Kronleuchter mit drei Girlanden und fünf Leuchtern, an denen Seidenquasten baumelten. Vor jedem Esstisch stand ein lackierter Kerzenständer in Form eines umgestülpten Lotosblattes aus geschliffenem Cloisonne, in dem eine Zierkerze brannte. Die Lotosblätter waren an beweglichen Gelenken befestigt und so nach außen gedreht worden, dass alles Licht auf die Bühne fiel, so dass die Aufführung besonders klar zu sehen war.

Sämtliche Fenstereinsätze und Türflügel waren herausgenommen, und in den Öffnungen hingen bunte Quastenlaternen verschiedenster Art. Die Balken des Säulengangs und die Wandelgänge zu beiden Seiten waren mit Laternen aus Widderhorn, Glas, Seidengaze, Drahtgeflecht überhängt — teils gestickt, teils gemalt, teils aufgeschichtet, teils geschnitzt, manche aus Seide, manche aus Papier. Im Säulengang standen weitere Tische, an denen Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann, Unheil Kaufmann[22], Jia Cong, Herrlichkeit Kaufmann, Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Ling, Jia Chang und andere saßen.

Die Herzoginmutter hatte zwar Boten geschickt, um sämtliche Sippenangehörigen einzuladen, Männer wie Frauen. Doch manche waren alt geworden und hatten keine Lust an lärmenden Vergnügungen; andere hatten niemanden, der inzwischen das Haus hüten konnte; wieder andere lagen krank und siech darnieder und konnten nicht kommen, so gerne sie gewollt hätten; manche neideten den Verwandten ihren Reichtum und schämten sich der eigenen Armut; einige sogar hassten und fürchteten Phönixglanz und blieben aus trotzigem Stolz fern; und wieder andere waren schüchtern und menschenscheu und trauten sich nicht zu kommen. So waren von all der zahlreichen Verwandtschaft als einzige weibliche Gäste nur Frau Lou, Jia Juns Mutter, mit ihrem Sohn erschienen; unter den Männern waren es lediglich Jia Qin, Efeu Kaufmann, Jia Chang und Jia Ling, die alle unter Phönixglanz' Kommando arbeiteten. So war die Sippe zwar nicht vollzählig versammelt, doch für eine kleine Familienfeier konnte man es durchaus lebhaft nennen.

Da kam Lin Zhixiaos Frau mit sechs Dienerinnen, die drei niedrige Tischchen trugen. Auf jedem lag ein roter Filzstreifen, und darauf türmten sich frisch aus der Münzanstalt gelieferte, gleichmäßig große Kupfermünzen, aufgezogen auf leuchtend rote Seidenschnüre. Je zwei Frauen trugen ein Tischchen. Auf Lin Zhixiaos Frau Anweisung sollten zwei Tischchen vor Tante Schnees und Tante Lis Plätze gestellt werden und eines vor die Ruhebank der Herzoginmutter.

„Stellt sie alle in die Mitte!" befahl die Herzoginmutter. Die Dienerinnen, die mit den Gepflogenheiten des Hauses vertraut waren, stellten die Tischchen dort ab, zogen die Seidenschnüre heraus und schütteten die Münzen zu losen Haufen auf.

Auf der Bühne ging gerade „Die Begegnung im Turm" aus dem Stück „Westturm" zu Ende, und als die Figur des Yu Shuye wütend die Bühne verließ, improvisierte der Darsteller des Dieners Wenbao einen Scherz: „Na, du läufst weg? Aber heute ist der fünfzehnte des ersten Monats, und im Prunkwille-Anwesen gibt die alte Ahne gerade ein Familienfest! Ich nehme dein Pferd, reite hinüber und hole mir ein paar Süßigkeiten — das ist doch wohl wichtiger!"

Die Herzoginmutter und alle Anwesenden brachen in Gelächter aus. Tante Schnee und die anderen sagten: „Was für ein aufgewecktes Kerlchen, der Kleine!" Phönixglanz bemerkte: „Der Junge ist erst neun Jahre alt." Die Herzoginmutter lobte lächelnd: „Geschickt hat er das ausgedacht!" und sagte nur ein Wort: „Belohnt ihn!"

Längst standen drei Dienerinnen mit Körben bereit. Als sie das Wort „Belohnt!" vernahmen, traten sie an die Münztische, füllten jede ihren Korb mit einer Handvoll loser Münzen und riefen an der Bühne: „Die alte Ahne, die gnädige Frau Tante und die Frau Verwandte schenken Wenbao Geld, damit er sich Süßigkeiten kaufen kann!" Damit schütteten sie die Münzen auf die Bühne, dass es nur so klirrte und klapperte.

Herrlichkeit Kaufmann und Kette Kaufmann hatten ihre Diener inzwischen heimlich noch größere Körbe voll Münzen bereitstellen lassen. Als die Herzoginmutter den Befehl zum Belohnen gab — doch wer wissen will, was weiter geschah, der lese das nächste Kapitel.

  1. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, „Schatz Kaufmann-Jade".
  2. Chin. 晴雯 Qíngwén, „Heiteres Wolkenmuster".
  3. Chin. 袭人 Xírén, „die Angreifende/der Dufthauch".
  4. Chin. 麝月 Shèyuè, „Moschusmond".
  5. Chin. 平儿 Píng'ér, „die Friedfertige".
  6. Chin. 李纨 Lǐ Wán, „Frau Li, die verwitwete Schwiegertochter".
  7. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén, „Frau/Dame Strafe".
  8. Chin. 迎春 Yíngchūn, „Willkommens-Frühling".
  9. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, „Frau/Dame König".
  10. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Phönixglanz König".
  11. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, „Herrlichkeit Kaufmann/Kostbarkeit".
  12. Chin. 尤氏 Yóu Shì, „Dame Sonders".
  13. Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, „Herrlichkeit Kaufmann/Hibiskus".
  14. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, „die Herzoginmutter der Kaufmann-Familie".
  15. Chin. 贾赦 Jiǎ Shè, „Begnadigung Kaufmann".
  16. Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, "Mandarinenente".
  17. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, „Jadekette Kaufmann".
  18. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, „Tante Schnee/Xuē".
  19. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz Schnee-Spange".
  20. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal Wald-Jade".
  21. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, „Xiangfluss-Wolke".
  22. Chin. 贾环 Jiǎ Huán, „Unheil Kaufmann/Kreis".