Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 25"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 25) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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念畢,又摩弄一回,說了些瘋話,遞與賈政道:「此物已靈,不可褻瀆,懸於卧室上檻,將他二人安在一室之內,除親身妻母外,不可使外人沖犯。三十三日之後,包管身安病退,複舊如初。」說著回頭便走了。賈政趕著還說話,讓二人坐了吃茶,要送謝禮,他二人早已出去了。賈母等還只管著人去趕,那裡有個蹤影。少不得依言將他二人就安放在王夫人卧室之內,將玉懸在門上。王夫人親身守著,不許別個人進來。 | 念畢,又摩弄一回,說了些瘋話,遞與賈政道:「此物已靈,不可褻瀆,懸於卧室上檻,將他二人安在一室之內,除親身妻母外,不可使外人沖犯。三十三日之後,包管身安病退,複舊如初。」說著回頭便走了。賈政趕著還說話,讓二人坐了吃茶,要送謝禮,他二人早已出去了。賈母等還只管著人去趕,那裡有個蹤影。少不得依言將他二人就安放在王夫人卧室之內,將玉懸在門上。王夫人親身守著,不許別個人進來。 | ||
至晚間他二人竟漸漸醒來,說腹中饑餓。賈母、王夫人如得了珍寶一般,旋熬了米湯與他二人吃了,精神漸長,邪祟稍退,一家子才把心放下來。李宮裁併賈府三艷、薛寶釵、林黛玉、平兒、襲人等在外間聽信息。聞得吃了米湯,省了人事,別人未開口,林黛玉先就念了一聲「阿彌陀佛」。薛寶釵便回頭看了他半日,嗤的一聲笑。眾人都不會意,賈惜春道:「寶姐姐,好好的笑什麼?」寶釵笑道:「我笑如來佛比人還忙:又要講經說法,又要普渡眾生;這如今寶玉,鳳姐姐病了,又燒香還願,賜福消災;今才好些,又管林姑娘的姻緣了。你說忙的可笑不可笑。」林黛玉不覺的紅了臉,啐了一口道:「你們這起人不是好人,不知怎麼死!再不跟著好人學,只跟那些貧嘴惡舌的人學。」一面說,一面摔帘子出去了。不知端詳,且聽下回分解。 | 至晚間他二人竟漸漸醒來,說腹中饑餓。賈母、王夫人如得了珍寶一般,旋熬了米湯與他二人吃了,精神漸長,邪祟稍退,一家子才把心放下來。李宮裁併賈府三艷、薛寶釵、林黛玉、平兒、襲人等在外間聽信息。聞得吃了米湯,省了人事,別人未開口,林黛玉先就念了一聲「阿彌陀佛」。薛寶釵便回頭看了他半日,嗤的一聲笑。眾人都不會意,賈惜春道:「寶姐姐,好好的笑什麼?」寶釵笑道:「我笑如來佛比人還忙:又要講經說法,又要普渡眾生;這如今寶玉,鳳姐姐病了,又燒香還願,賜福消災;今才好些,又管林姑娘的姻緣了。你說忙的可笑不可笑。」林黛玉不覺的紅了臉,啐了一口道:「你們這起人不是好人,不知怎麼死!再不跟著好人學,只跟那些貧嘴惡舌的人學。」一面說,一面摔帘子出去了。不知端詳,且聽下回分解。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 25 | |
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| − | + | Der Hexenfluch des Teufelspaars — Ein aussätziger Mönch und ein lahmer Daoist heilen mit geheimnisvollen Kräften | |
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| − | + | Es wird erzählt, dass Rotjädchen traumverloren und in sehnsüchtigem Sinnieren im Halbschlaf versunken war und Efeu Kaufmann begegnete, der sie an der Hand nehmen wollte. Sie drehte sich um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle und erwachte erschrocken — da wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. So wälzte sie sich die ganze Nacht schlaflos hin und her. Am nächsten Morgen in der Frühe stand sie auf, und schon kamen einige Dienstmädchen, um sie zum Putzen und Fegen abzuholen und Waschwasser zu bringen. Rotjädchen kämmte und wusch sich nicht einmal richtig, raffte nur ihr Haar flüchtig vor dem Spiegel zusammen, wusch die Hände, band ein Schweißtuch um die Taille und machte sich ans Saubermachen. Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".</ref> seinerseits hatte Rotjädchen am Vortag bemerkt und sie im Sinn behalten. Er hätte sie gerne namentlich herbeirufen und einsetzen wollen, scheute sich jedoch: erstens, um Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, „die Überraschende".</ref> und die anderen nicht zu kränken; zweitens wusste er nicht, was für ein Charakter Rotjädchen war — war sie gut, dann mochte es gehen, war sie aber nicht gut, wäre es schwierig geworden, sie wieder fortzuschicken. So saß er trübsinnig da, stand früh auf, machte sich aber nicht zurecht, sondern saß nur da und grübelte. Schließlich öffnete er das Fenster und spähte durch das Gaze-Gitter nach draußen, wo er etliche Dienstmädchen sah, die den Boden fegten — alle geschminkt und gepudert, mit Blumen und Weidengrün im Haar —, nur die von gestern war nicht dabei. Schatzjade schlüpfte in die Pantoffeln und schlenderte zur Tür hinaus, tat so, als betrachte er Blumen, schaute hier und dort, und als er den Blick hob, sah er am südwestlichen Wandelgang jemanden an der Balustrade lehnen. Leider verdeckte ein Hortensienstrauch davor die Sicht. Er machte noch ein paar Schritte — und tatsächlich, es war das Mädchen von gestern, ganz in Gedanken versunken. Er wollte auf sie zugehen, doch es schickte sich nicht. Gerade als er noch überlegte, kam Bihen und rief ihn zum Waschen. Er musste hineingehen. Davon sei nicht weiter die Rede. | |
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| − | + | Nun sei erzählt, wie Rotjädchen noch ganz in Gedanken versunken dastand, als sie plötzlich sah, dass Dufthauch ihr zuwinkte. Sie ging hin. Dufthauch lachte: „Unsere Sprühkanne ist noch nicht hergebracht worden. Geh doch zur Schwester Lin hinüber und leih dir ihre aus." Rotjädchen bejahte und machte sich auf den Weg zum Xiaoxiang-Pavillon. Gerade als sie die Cuiyan-Brücke betrat und aufblickte, sah sie auf dem Hügel oben überall Vorhänge aufgespannt und erinnerte sich, dass heute Handwerker zum Bäumepflanzen drinnen waren. Sie drehte sich um und blickte — da sah sie in der Ferne eine Gruppe von Leuten, die die Erde umgruben, und Efeu Kaufmann saß auf einem Felsstein dort oben. Rotjädchen wollte hingehen, wagte es aber nicht. Betrübt holte sie die Sprühkanne aus dem Xiaoxiang-Pavillon und ging lustlos in ihr Zimmer zurück. Die anderen dachten, ihr sei unwohl, und kümmerten sich nicht weiter. | |
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| − | Der nächste Tag war der Geburtstag von | + | Im Nu war ein Tag vergangen. Der nächste Tag war zufällig der Geburtstag von Frau Fliederranke König [王子腾] [Anm.: Dame Königs Bruder]. Dort hatte man jemanden geschickt, um Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, Matriarchin der Kaufmann-Familie.</ref> und Dame König einzuladen. Da Dame König sah, dass Herzoginmutter sich nicht wohlzufühlen schien, ging sie auch nicht. Dafür fuhren Tante Schnee [薛姨妈], Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Strahlender Phönix".</ref>, die Schwestern des Hauses, Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz-Haarspange".</ref> und Schatzjade alle gemeinsam hin und kehrten erst am Abend zurück. |
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| − | + | Es traf sich, dass Dame König den kleinen Unheil Kaufmann nach der Schule zu sich rief und ihn das Jinggang-Mantra [Anm.: Diamant-Sutra] abschreiben ließ, damit er es rezitiere. Unheil Kaufmann saß auf Dame Königs Kang, ließ Licht anzünden und schrieb in wichtigtuerischer Manier. Mal rief er Caiyun, sie solle ihm eine Tasse Tee einschenken, mal wollte er Yuchuan'er den Docht der Kerze putzen lassen, mal behauptete er, Goldarmreif werfe einen Schatten auf die Lampe. Die Dienerinnen mochten ihn alle nicht leiden und ignorierten ihn. Nur Buntschimmer hatte ein wenig Sympathie für ihn und brachte ihm eine Tasse Tee. Da Dame König gerade mit jemandem sprach, flüsterte sie Unheil Kaufmann zu: „Benimm dich doch etwas, warum willst du dich überall unbeliebt machen?" Unheil Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch schon. Du brauchst mich nicht zu täuschen. Jetzt bist du gut Freund mit Schatzjade und kümmerst dich nicht um mich — das habe ich längst bemerkt." Buntschimmer biss sich auf die Lippen, tippte ihm mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Du Undankbarer! Der Hund beißt Lü Dongbin und erkennt kein gutes Herz!" | |
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| − | Während | + | Während die beiden noch sprachen, kam Phönixglanz herein und begrüßte Dame König. Dame König fragte sie nach dem Fest — wer alles dagewesen sei, ob die Theaterstücke gut gewesen seien, wie das Essen war, und dergleichen mehr. Kaum hatten sie ein paar Worte gewechselt, kam auch Schatzjade herein. Nachdem er Dame König regelrecht begrüßt und ein paar pflichtschuldige Worte gesagt hatte, ließ er sich den Stirnschmuck abnehmen, zog das Zeremonialgewand aus, streifte die Stiefel ab und rollte sich mit einem Satz in Dame Königs Arme. Dame König streichelte und liebkoste ihn überall. Schatzjade umschlang Dame Königs Hals und erzählte dies und das. Dame König sagte: „Mein Kind, du hast wieder zu viel Wein getrunken, dein Gesicht glüht ja. Hör auf, dich zu reiben und zu drücken, sonst wird dir der Wein zu Kopf steigen. Leg dich lieber dort eine Weile still hin." Damit ließ sie ein Kissen bringen. Schatzjade legte sich hinter Dame König nieder und rief Buntschimmer, sie solle ihm den Rücken klopfen. Schatzjade scherzte mit Buntschimmer, doch Buntschimmer reagierte kühl und kaum. Ihre Augen wanderten immer wieder zu Unheil Kaufmann hinüber. Schatzjade nahm ihre Hand und lachte: „Gute Schwester, schenk mir doch auch ein wenig Aufmerksamkeit!" Dabei zog er an ihrer Hand. Buntschimmer entzog sie ihm: „Lass das! Wenn du nicht aufhörst, rufe ich!" |
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| − | + | Während die beiden noch scherzten, hatte Unheil Kaufmann alles gehört. Da er Schatzjade ohnehin schon hasste und ihn jetzt auch noch mit Buntschimmer tändeln sah, kochte in seinem Herzen ein giftiger Groll hoch. Offen wagte er nichts zu sagen, doch insgeheim sann er auf Rache — nur fand er keine Gelegenheit. Jetzt, da sie so nahe beisammen saßen, beschloss er, heißes Öl zu benutzen, um Schatzjade die Augen auszubrennen. Er tat absichtlich so, als rutsche ihm die Hand aus, und schob die ganze ölgefüllte Kerze auf Schatzjades Gesicht. Schatzjade schrie „Au!" auf, und im ganzen Zimmer erschraken alle. Man schob eilig die Stehlampe heran und holte aus dem Vor- und Hinterzimmer drei oder vier Lampen herbei. Bei Licht sah man, dass Schatzjades ganzes Gesicht voller Öl war. Dame König war gleichermaßen besorgt und wütend. Während sie Leute anwies, Schatzjade abzuwischen, schalt sie Unheil Kaufmann. Phönixglanz eilte mit zwei, drei Schritten aufs Kang und half Schatzjade, sich sauber zu machen, und lachte dabei: „Der Dritte ist immer noch so tolpatschig wie ein aufgescheuchtes Huhn — ich hab doch gesagt, er taugt nicht für feine Gesellschaft. Tante Zhao sollte ihn wirklich besser erziehen!" Dieses eine Wort erinnerte Dame König. Statt Unheil Kaufmann zu schelten, rief sie Tante Zhao zu sich und schimpfte: „Da hast du so ein schwarzherziges, unerzogenes Ding aufgezogen, und du kümmerst dich nicht darum! Wie oft habe ich schon beide Augen zugedrückt, und ihr werdet immer dreister!" | |
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| − | + | Tante Zhao hatte zwar im Stillen immer Eifersucht auf Phönixglanz und Schatzjade gehegt, wagte es aber nie zu zeigen. Jetzt, da Unheil Kaufmann Ärger gemacht hatte und sie diese Schelte erdulden musste, schluckte sie nicht nur stumm, sondern musste auch noch hingehen und Schatzjade versorgen helfen. Man sah, dass auf Schatzjades linker Wange eine Reihe von Blasen aufgestiegen war, doch glücklicherweise waren die Augen verschont geblieben. Dame König sah es mit Schmerz und bangte zugleich, was sie morgen Herzoginmutter antworten sollte, wenn diese danach fragte. In ihrer Aufregung schalt sie Tante Zhao erneut. Dann tröstete sie Schatzjade und ließ Salbe zum Abschwellen auftragen. Schatzjade sagte: „Es schmerzt ein wenig, aber es ist nicht schlimm. Wenn morgen die alte Großmutter fragt, sagt einfach, ich hätte mich selbst verbrannt." Phönixglanz lachte: „Selbst wenn du sagst, du hättest dich selbst verbrannt, werden die Leute gescholten, warum sie nicht besser aufgepasst haben. Wie auch immer, es gibt ohnehin Ärger — sag morgen, was du willst." Dame König ließ Schatzjade sicher in sein Zimmer zurückbringen. Dufthauch und die anderen erschraken gewaltig, als sie ihn so sahen. | |
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| − | + | Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal-Jade".</ref> hatte bemerkt, dass Schatzjade den ganzen Tag auswärts war, und langweilte sich ohne Gesprächspartner. Am Abend hatte sie bereits zwei- oder dreimal jemanden herüberschicken lassen, um zu fragen, ob er schon zurück sei. Gerade war er endlich zurück — und da diese Verbrennung! Kajaljade eilte herbei. Als sie Schatzjade sah, der gerade in den Spiegel schaute und seine ganze linke Gesichtshälfte mit Salbe bedeckt hatte, hielt sie es für sehr schlimm und fragte hastig, wie es passiert sei, und wollte nachsehen. Schatzjade bedeckte sein Gesicht, winkte mit der Hand, sie solle hinausgehen, und wollte sie nicht hinsehen lassen — er kannte ihre Empfindlichkeit und wusste, dass sie so etwas nicht ertrug. Kajaljade kannte ihre eigene Eigenart auch und wusste, dass Schatzjade fürchtete, sie würde es ekelhaft finden. Deshalb lachte sie: „Lass mich doch sehen, wo du dich verbrannt hast — was gibt es da zu verbergen?" Damit drängte sie sich heran, nahm seinen Hals in beide Hände und besah sich die Stelle. Sie fragte, ob es sehr schmerze. Schatzjade sagte: „Es schmerzt nicht sehr. In ein, zwei Tagen ist es verheilt." Kajaljade saß eine Weile und ging dann bedrückt in ihr Zimmer zurück. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Tag besuchte Schatzjade Herzoginmutter und behauptete, er habe sich selbst verbrannt. Natürlich schimpfte Herzoginmutter die Dienerschaft trotzdem ordentlich aus. | |
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| − | + | Einen Tag später kam Schatzjades Patengroßmutter, die Nonne die Daoistin Ma<ref>Chin. 马道婆 Mǎ Dàopó. 道婆 dàopó „taoistische Wandernonne“ — in Wahrheit eine Hexe und Betrügerin.</ref>, in die Prunkwille-Anwesen, um ihre Aufwartung zu machen. Als sie Schatzjade sah, erschrak sie gewaltig. Nachdem sie erfahren hatte, es sei eine Verbrennung, seufzte sie kopfschüttelnd, malte mit dem Finger ein Zeichen auf Schatzjades Gesicht und murmelte Beschwörungsformeln, dann sagte sie: „Es wird bestimmt besser. Das war nur ein flüchtiges Unglück." Dann wandte sie sich an Herzoginmutter: „Die verehrte Herrin und Bodhisattva weiß es nicht: Die buddhistischen Schriften lehren, dass bei den Söhnen vornehmer Familien, sobald sie geboren werden, viele böse Geister sie heimlich begleiten. Bei der ersten Gelegenheit kneifen sie hier, zwicken dort, werfen bei Tisch die Reisschale um oder geben dem Kind einen Stoß — darum werden viele Kinder großer Häuser nicht erwachsen." Herzoginmutter hörte das und fragte eilig: „Gibt es dafür irgendein Gegenmittel in der buddhistischen Lehre?" die Daoistin Ma erwiderte: „Das ist gar nicht schwer. Man braucht nur gute Werke für das Kind zu tun. Außerdem lehrt die Schrift, dass es im Westen einen großen Bodhisattva des Strahlenden Lichts gibt, der alle dunklen und bösen Geister erleuchtet. Wer ihm fromm opfert, kann Kinder und Enkel auf ewig in Frieden und Ruhe bewahren, frei von Schrecken und Heimsuchung." Herzoginmutter fragte: „Wie bringt man diesem Bodhisattva seine Verehrung dar?" die Daoistin Ma sagte: „Es ist nicht viel — außer Räucherwerk und Kerzen braucht man nur jeden Tag etwas mehr Öl für eine große Meereslampe. Diese Meereslampe ist die leibhaftige Erscheinung des Bodhisattva und darf Tag und Nacht nicht verlöschen." Herzoginmutter fragte: „Wieviel Öl braucht man pro Tag und Nacht? Sag es mir klar, dann will ich dieses gute Werk tun." die Daoistin Ma hörte das und lachte: „Das ist nicht festgelegt — ganz nach dem Herzenswunsch des frommen Spenders. In unserem Tempel stiften mehrere Fürstinnen und Adelige: Die Gemahlin des Nan'an-Fürsten hat das größte Gelübde und gibt achtundvierzig Jin Öl und ein Jin Docht pro Tag — ihre Meereslampe ist kaum kleiner als ein Bottich; die Frau des Jintian-Marquis gibt am Tag vierundzwanzig Jin Öl, was die nächste Stufe ist; und dann gibt es noch einige, die fünf Jin, drei Jin oder auch nur ein Jin geben — alles ist gut. Und arme Leute, die sich das nicht leisten können, auch vier Liang oder ein halbes Jin, selbst das reicht, um für sie zu leuchten." Herzoginmutter hörte das und überlegte. die Daoistin Ma fuhr fort: „Noch etwas: Wenn man für Eltern oder ältere Verwandte stiftet, darf man ruhig mehr geben. Aber wenn es wie jetzt der Fall ist — die Herrin stiftet für Schatzjade —, darf man nicht zu viel geben, sonst könnte der junge Herr das Glück nicht tragen, und es würde ihm schaden. Nicht das Geld zum Fenster hinauswerfen: Höchstens sieben Jin, mindestens fünf Jin, das ist genau richtig." Herzoginmutter sagte: „Gut, dann mach es mit fünf Jin pro Tag, monatlich pauschal zum Abholen." die Daoistin Ma sprach einen „Amitabha, barmherziger Bodhisattva". Herzoginmutter befahl auch noch: „Von nun an, wenn Schatzjade ausgeht, gebt seinen Dienern ein paar Schnüre Münzen mit, damit er unterwegs Mönchen, Daoisten und Bedürftigen etwas schenken kann." Damit wurde das erledigt. die Daoistin Ma saß noch eine Weile, machte dann die Runde durch die verschiedenen Höfe und Zimmer, um überall ihre Aufwartung zu machen. | |
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| − | + | Schließlich kam sie in Tante Zhaos Zimmer. Die beiden begrüßten einander, und Tante Zhao ließ ein kleines Dienstmädchen Tee bringen. die Daoistin Ma sah einige Stoffreste und Satinstücke auf dem Kang liegen — Tante Zhao war gerade dabei, Schuhe zu bekleben. die Daoistin Ma sagte: „Mir fehlt gerade Schuhstoff. Zhao-Schwester, wenn du ein paar Stücke Satin übrig hast, ganz gleich welche Farbe, gib mir zwei Stücke für Schuhe." Tante Zhao seufzte: „Sieh dich um — ist da noch ein ordentliches Stück dabei? Die guten Stoffe kommen nie zu mir. Was übrig bleibt, liegt alles hier. Wenn du es nicht verschmähst, such dir zwei Stücke aus." die Daoistin Ma tat es tatsächlich, wählte zwei Stücke und steckte sie in den Ärmel. | |
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| − | + | Tante Zhao fragte: „Neulich habe ich fünfhundert Münzen geschickt, um vor dem Medizinkönig zu opfern — hast du sie bekommen?" die Daoistin Ma sagte: „Längst habe ich für dich geopfert." Tante Zhao seufzte: „Amitabha! Wenn ich nur etwas mehr Mittel hätte, würde ich ständig opfern. Nur habe ich den guten Willen, aber nicht die Kraft." die Daoistin Ma sagte: „Hab nur Geduld. Wenn einmal der kleine Huan groß ist und einen Beamtenposten bekommt — was für gute Werke könntest du dann erst tun!" Tante Zhao schnaubte durch die Nase und sagte: „Ach, lass es sein! Rede nicht mehr davon. So wie es jetzt steht — können wir Mutter und Sohn mit irgendeinem hier mithalten? Da ist Schatzjade, den alle behandeln, als sei ein lebendiger Drache geboren. Er ist ja noch ein Kind, hübsch anzusehen, und die Erwachsenen mögen ihn ein wenig mehr — das ginge noch an. Aber ich kann diese Person dort nicht ausstehen!" Bei diesen Worten streckte sie zwei Finger aus. die Daoistin Ma verstand und fragte: „Meinst du die Zweite Frau Lian?" Tante Zhao erschrak und wedelte hastig mit der Hand, ging zur Tür und hob den Vorhang, um nach draußen zu spähen — niemand war da. Dann kam sie zurück und flüsterte die Daoistin Ma zu: „Um Himmels willen! Wenn man von dieser Person spricht — wenn sie nicht das ganze Familienvermögen zu ihrer Elternfamilie verschafft, will ich kein Mensch mehr sein!" | |
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| − | + | die Daoistin Ma sondierte vorsichtig: „Das brauche ich dir nicht zu erzählen — alle sehen es. Ich wundere mich nur, dass ihr das auf sich beruhen lasst — recht klug eigentlich." Tante Zhao sagte: „Ach, meine Liebe! Wenn wir es nicht auf sich beruhen ließen — wer würde ihr denn etwas tun können?" die Daoistin Ma schnaubte durch die Nase, schwieg eine halbe Ewigkeit und sagte: „Ich will ja nichts Sündhaftes sagen, aber ihr habt kein Talent! — Natürlich kann man anderen keinen Vorwurf machen. Offen wagt ihr nichts, aber heimlich — da hätte man sie schon längst erledigt, statt bis heute zu warten!" Tante Zhao hörte, dass da Sinn dahinter steckte, und freute sich insgeheim. Sie sagte: „Was meinst du mit heimlich erledigen? Ich hätte durchaus die Absicht dazu, nur fehlt mir eine fähige Person. Wenn du mir ein Mittel verrätst, belohne ich dich reichlich." die Daoistin Ma hörte, dass die Sache zusammenpasste, stellte sich aber absichtlich zögerlich: „Amitabha! Frag mich nicht, ich verstehe von solchen Dingen nichts. Sünde, Sünde!" Tante Zhao sagte: „Jetzt tust du wieder so! Du bist doch immer die Erste, die Bedürftigen hilft. Willst du tatenlos zusehen, wie man uns Mutter und Sohn zugrunde richtet? Fürchtest du etwa, ich würde mich nicht erkenntlich zeigen?" die Daoistin Ma sagte: „Wenn du sagst, ich brächte es nicht übers Herz, euch leiden zu sehen — das geht noch an. Aber von Belohnung brauche ich nichts zu hören. Selbst wenn du mich belohnen wolltest — was hättest du schon, das mich bewegen könnte?" Tante Zhao sagte: „Was für ein kluger Mensch du bist — und jetzt tust du dumm! Wenn dein Trick funktioniert und diese zwei beseitigt sind, gehört das ganze Familienvermögen natürlich meinem Huan. Was könntest du dann nicht haben?" die Daoistin Ma senkte den Kopf, schwieg lange und sagte: „Und wenn die Sache geglückt ist und ich keinen Beweis habe — kümmerst du dich dann noch um mich?" Tante Zhao sagte: „Das ist doch einfach. Zwar habe ich gerade nicht viel in der Hand, aber ich habe ein paar Liang Silber zusammengespart und noch einige Kleidungsstücke und Haarnadeln. Nimm das erst einmal mit. Den Rest schreibe ich dir als Schuldschein — Bürgen wirst du auch finden, und dann zahle ich alles." die Daoistin Ma sagte: „Wirklich?" Tante Zhao sagte: „Wie könnte ich da lügen?" Damit rief sie eine Vertraute Dienstmagd heran, flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Die Magd ging hinaus und kam nach einer Weile mit einem Schuldschein über fünfhundert Liang zurück. Tante Zhao drückte ihren Fingerabdruck darauf, ging zum Schrank und holte ihr gesamtes Erspartes heraus, zeigte es die Daoistin Ma und sagte: „Das nimmst du erst einmal mit für Räucherwerk und Opfergaben — ist es recht?" die Daoistin Ma sah das blinkende weiße Silber, dazu den Schuldschein, und ohne lang zu zögern, griff sie gierig nach dem Silber und steckte es ein, nahm dann den Schuldschein. Aus dem Hosenbund kramte sie lange herum und zog schließlich zehn papiergeschnittene Dämonen mit blauen Gesichtern und weißem Haar hervor sowie zwei Papierfiguren. Sie reichte alles Tante Zhao und wisperte: „Schreib auf die zwei Papierfiguren die Geburtsdaten der beiden, dann steck beide Figuren samt den fünf Dämonen jeweils unter ihr Bett — fertig! Ich werde zu Hause den Zauber wirken, und die Wirkung wird sich zeigen. Nur — hab keine Angst!" Gerade hatte sie das gesagt, da kam ein Mädchen von Dame König und suchte: „Ist die Gnädige Frau hier? Die Herrin wartet." Die beiden trennten sich. Davon sei nicht weiter die Rede. | |
| − | + | ||
| − | + | Nun sei erzählt, wie Kajaljade, da Schatzjade in diesen Tagen wegen der Verbrennung nicht ausging, häufig bei ihm vorbeischaute und sie zusammen plauderten. An diesem Tag hatte sie nach dem Essen zwei Seiten in einem Buch gelesen, fühlte sich gelangweilt und stickte dann eine Weile mit Purpurkuckuck und Schneegans, was sie aber auch ermüdete. So lehnte sie sich an den Türrahmen und sah hinaus, betrachtete die neuen Bambussprösslinge am Fuß der Treppe und schlenderte schließlich unwillkürlich aus dem Hoftor. Mit einem Blick in den Garten sah sie niemanden, nur Blumenglanz und Weidenschatten, Vogelgesang und Bachgemurmel. Kajaljade ging ziellos weiter und landete im Yihong-Hof. Dort sah sie einige Dienstmädchen, die Wasser schöpften und auf dem Wandelgang ihre Spottvögel im Bad beobachteten. Drinnen hörte sie Gelächter. Als Kajaljade eintrat, sah sie Seidenweiß Pflaume [李纨], Phönixglanz und Schatzspange, die alle schon hier waren. Als sie sie sahen, lachten alle: „Noch eine dazu!" Kajaljade lachte: „Heute sind alle vollzählig — wer hat die Einladung geschrieben?" Phönixglanz sagte: „Neulich habe ich dir zwei Fläschchen Tee geschickt — wo warst du da?" Kajaljade lachte: „Oh, ganz vergessen, vielen Dank!" Phönixglanz fragte weiter: „Hast du ihn probiert? War er gut?" Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Im Prinzip ganz passabel, nur fand ich ihn nicht besonders gut — ich weiß nicht, wie er anderen schmeckt." Schatzspange sagte: „Der Geschmack ist leicht, nur die Farbe ist etwas blass." Phönixglanz sagte: „Das ist siamesischer Tributtee. Mir schmeckt er auch nicht besonders — nicht so gut wie mein täglicher Tee." Kajaljade sagte: „Mir schmeckt er. Was habt ihr nur für einen Gaumen?" Schatzjade sagte: „Wenn er dir wirklich schmeckt, nimm meinen Anteil dazu." Phönixglanz lachte: „Wenn du ihn magst — ich habe noch welchen." Kajaljade sagte: „Wirklich? Dann schicke ich gleich ein Mädchen, um ihn zu holen." Phönixglanz sagte: „Nicht nötig, ich schicke ihn her. Ich habe morgen sowieso noch etwas von dir zu erbitten und schicke beides zusammen." Kajaljade lachte: „Hört nur! Kaum hat man ein Schlückchen von ihrem Tee getrunken, schon will sie einen kommandieren!" Phönixglanz lachte: „Komm, bitte ich dich, und du redest solches Zeug — Tee hier, Wasser da! Da du schon unseren Tee getrunken hast, warum heiratest du nicht in unsere Familie ein?" Alle lachten. | |
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| − | + | Kajaljade wurde rot im Gesicht, sagte kein Wort und drehte den Kopf weg. Seidenweiß Pflaume lachte zu Schatzspange gewandt: „Unsere Zweite Schwägerin hat wirklich einen feinen Humor!" Kajaljade sagte: „Was für ein Humor — nichts als freches, gemeines Geschwätz, das einem auf die Nerven geht." Damit spuckte sie einmal aus. | |
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| − | + | Phönixglanz lachte: „Träum weiter! Wenn du unsere Schwiegertochter wärst — was würde dir fehlen?" Sie zeigte auf Schatzjade: „Sieh ihn dir an — passt die Person nicht? Der Rang nicht? Das Vermögen nicht? In welcher Hinsicht würde er dich beschämen?" Kajaljade stand auf und wollte gehen. Schatzspange rief: „Pin'er, sei nicht beleidigt! Komm zurück und setz dich. Wenn du gehst, ist es erst recht peinlich." Damit stand sie auf und hielt sie fest. Gerade kamen Tante Zhao und die Zhou-Konkubine herein, um nach Schatzjade zu sehen. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und Schatzjade boten beiden einen Platz an. Nur Phönixglanz plauderte weiter mit Kajaljade und würdigte die beiden keines Blickes. Schatzspange wollte gerade etwas sagen, da kam ein Dienstmädchen von Dame König und meldete: „Die Tante ist gekommen — die Gnädigen Frauen und Fräulein werden hinausgebeten." Seidenweiß Pflaume hörte das, rief eilig Phönixglanz und die anderen, und sie gingen davon. Auch Tante Zhao und die Zhou-Konkubine verabschiedeten sich von Schatzjade. Schatzjade sagte: „Ich kann nicht mit hinausgehen. Sagt der Tante bitte, sie möge nicht hereinkommen." Dann sagte er: „Schwester Lin, bleib noch einen Moment, ich möchte dir etwas sagen." Phönixglanz hörte das, wandte sich um und lachte zu Kajaljade: „Da will jemand mit dir reden!" Damit gab sie Kajaljade einen kleinen Schubs nach innen und ging mit Seidenweiß Pflaume davon. | |
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| − | + | Schatzjade hielt Kajaljade am Ärmel und konnte nur grinsen — er hatte tausend Dinge im Herzen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Kajaljade war längst knallrot im Gesicht und wollte sich losreißen. Da schrie Schatzjade plötzlich „Au!" und rief: „Mein Kopf! Was für Kopfschmerzen!" Kajaljade sagte: „Geschieht dir recht! Amitabha!" Plötzlich schrie Schatzjade laut: „Ich sterbe!" Er sprang hoch — sein Körper flog drei oder vier Fuß in die Höhe —, und er brüllte und schrie wirres Zeug. Kajaljade und die Dienstmädchen erschraken zu Tode und liefen, um Dame König, Herzoginmutter und die anderen zu benachrichtigen. Auch Frau Fliederranke König war gerade zu Besuch. Als sie alle herbeieilten, tobte Schatzjade noch schlimmer — er schwang Messer und Stöcke und drohte sich umzubringen. Das ganze Haus stand kopf. Herzoginmutter und Dame König zitterten vor Angst und weinten laut. Da kam auch die Meldung: auch Phönixglanz sei verrückt geworden — mit einem blitzenden Hackmesser stürze sie durch den Garten, schlage auf Hühner, Hunde und Menschen ein. Alle waren außer sich. Die Frau des Zhou Rui eilte mit ein paar kräftigen Mägden herbei, hielt sie fest, entwand ihr das Messer und trug sie zurück in ihr Zimmer. Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, Phönixglanz' Kammerzofe.</ref> und Feng'er weinten bitterlich. Aufrecht Kaufmann und die anderen waren ratlos — kümmerte man sich um die eine Seite, konnte man die andere nicht im Stich lassen. | |
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| − | + | Alle gerieten in Panik, nur Becken Schnee war noch zehnmal geschäftiger als alle anderen: Er fürchtete, Tante Schnee könnte in der Menge umgestoßen werden; er fürchtete, Schatzspange könnte von fremden Männern angestarrt werden; er fürchtete, Duftkastanie könnte belästigt werden — da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Stillfriede-Anwesenes.</ref> und seinesgleichen Liebhaber der Weiblichkeit waren. In all seiner Hektik fiel sein Blick auf Kajaljade, deren anmutige Schönheit ihn auf der Stelle schmelzen ließ. | |
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| − | + | Man rief Priester, Exorzisten und Schamanen herbei, doch nichts half. Tage und Nächte vergingen; Schatzjade und Phönixglanz lagen im Fieberwahn auf dem Bett, am ganzen Körper glühend wie Kohlen, und redeten nichts als Irrsinn. Nachts wagte sich niemand in ihre Nähe. Man brachte beide in Dame Königs oberes Zimmer; nachts hielten Efeu Kaufmann und die Diener abwechselnd Wache. Herzoginmutter, Dame König, Frau Strafe und Tante Schnee wichen nicht von der Seite und weinten nur. | |
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| − | + | Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Aufrecht Kaufmann fürchteten, Herzoginmutter könnte sich krank weinen. Tag und Nacht brannten die Lichter, und das ganze Haus war in Aufruhr. Begnadigung Kaufmann suchte überall nach Mönchen und Daoisten. Aufrecht Kaufmann, der keine Wirkung sah, war zutiefst bekümmert und wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Die Zahl der Kinder ist vom Himmel bestimmt und nicht durch Menschenhand zu erzwingen. Ihre Krankheit kam unerwartet, und hunderterlei Behandlungen blieben ohne Erfolg. Wenn es der Wille des Himmels ist, müssen wir sie lassen." Begnadigung Kaufmann hörte gar nicht hin und trieb seine Bemühungen weiter. Drei Tage vergingen so. Phönixglanz und Schatzjade lagen auf dem Bett, und selbst der Atem wurde schwächer. Die ganze Familie war in Panik, man hielt sie für verloren und bereitete bereits Totenkleider und Grabbeigaben vor. Herzoginmutter, Dame König, Kette Kaufmann, Friedchen und Dufthauch weinten Tag und Nacht und vergaßen Essen und Schlaf. Tante Zhao und Unheil Kaufmann dagegen frohlockten insgeheim. | |
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| − | + | Am vierten Morgen, als Herzoginmutter und die anderen gerade weinend um Schatzjade standen, öffnete Schatzjade plötzlich die Augen und sagte: „Von heute an gehöre ich nicht mehr zu eurer Familie! Macht mich fertig und lasst mich gehen!" Herzoginmutter war, als risse man ihr das Herz heraus. Tante Zhao trat an ihre Seite und sagte beschwichtigend: „Die Alte Großmutter braucht sich nicht so zu grämen. Der junge Herr ist nicht mehr zu retten — ziehen wir ihm besser die Totenkleider an, damit er früher hinübergehen kann, das erspart ihm auch das Leiden. Wenn man ihn nicht loslässt und dieser letzte Atem nicht aufhört, leidet er auch drüben." Kaum hatte sie das gesagt, da spuckte Herzoginmutter ihr mitten ins Gesicht und schimpfte: „Was für eine faulzüngige Schandvettel! Wer hat dich gebeten, hier deinen Senf dazuzugeben! Woher willst du wissen, dass er drüben leidet? Woher willst du wissen, dass er nicht mehr zu retten ist? Du wünschst dir seinen Tod — was hättest du davon? Träum weiter! Wenn er stirbt, fordere ich von euch sein Leben! Seid ihr es nicht gewesen, die ihn ständig zum Schreiben und Lernen gehetzt haben, bis ihm der Mut gebrochen war, und er vor seinem Vater wie ein Mäuschen vor der Katze zittert? Seid ihr es nicht, ihr verdorbenen Weiber, die das angestiftet haben? Jetzt, wo ihr ihn in den Tod getrieben habt, seid ihr zufrieden — aber ich verschone keine von euch!" Dabei schimpfte und weinte sie. Aufrecht Kaufmann hörte das nebenan, und es schnitt ihm noch tiefer ins Herz. Er wies Tante Zhao zurecht und versuchte selbst, die Mutter zu trösten. Da kam jemand und meldete: „Die beiden Särge sind fertig, der Herr möge hinauskommen und sie prüfen." Herzoginmutter hörte das, als gieße man Öl ins Feuer, und rief: „Wer hat die Särge bestellt?" In einem fort schrie sie: „Holt den Sargmacher her und schlagt ihn tot!" | |
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| − | + | Gerade als alles drunter und drüber ging, hörte man plötzlich aus der Ferne den Klang eines Holzfisches und eine Stimme, die psalmodierte: „Namo, Bodhisattva der Entsühnung! Wo Menschen krank und Häuser in Aufruhr, wo Gefahr droht oder böse Geister hausen — wir können heilen und helfen!" Herzoginmutter und Dame König hielten es nicht mehr aus und ließen sie sofort hereinbitten. Aufrecht Kaufmann war zwar nicht begeistert, doch wie konnte er Herzoginmutters Wort widersprechen? Es kam ihm auch seltsam vor, dass man sie in solcher Tiefe des Hauses so deutlich hören konnte. Er ließ sie hereinbitten. Alle sahen sich um — es waren ein Mönch mit einem kahlgeschorenen, aussätzigen Kopf und ein Daoist mit einem lahmen Fuß. | |
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| − | + | Der Mönch sah so aus: | |
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| − | + | Nase wie hängende Galle, Brauen überlang, | |
| − | + | Augen wie strahlende Sterne, Schatzesglanz, | |
| − | + | Flickenkutte, Strohsandalen, ohne Spur, | |
| − | + | Schmutzig und zerlumpt, den Grind am Schädel nur. | |
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| − | + | Und der Daoist: | |
| − | + | ||
| − | + | Ein Fuß hoch, ein Fuß tief, | |
| − | + | Am ganzen Leib durchnässt und voller Schmutz. | |
| − | + | Fragst du ihn, wo sein Zuhause liegt: | |
| − | + | Im Penglai-Land, am Schwachen Wasser weit. | |
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| − | Die | + | Aufrecht Kaufmann fragte: „In welchem Tempel praktiziert ihr beide?" Der Mönch lachte: „Der Herr brauche nicht viele Worte. Da wir hörten, dass in Eurem Hause die Menschen krank sind, kamen wir eigens, um zu helfen." Aufrecht Kaufmann fragte: „Tatsächlich sind zwei Personen von bösen Geistern befallen. Habt ihr Zauberwasser oder Talismane?" Der Daoist lachte: „In Eurem Hause befindet sich bereits ein Schatz von weltweiter Seltenheit — warum fragt Ihr da noch nach unseren Zaubermitteln?" Aufrecht Kaufmann wurde hellhörig und sagte: „Mein Sohn kam zwar mit einem Jadestück zur Welt, auf dem steht, es könne böse Geister vertreiben, doch es hat offenbar keine Wirkung." Der Mönch sagte: „Ihr wisst nicht um die wunderbare Kraft dieses Gegenstands. Nur weil er jetzt von Sinnesfreuden und Habgier betäubt ist, wirkt er nicht mehr. Gebt ihn uns heraus, wir werden Gebete über ihn sprechen — dann wird er wohl wirken." |
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| − | + | Aufrecht Kaufmann nahm den Jadestein von Schatzjades Hals und reichte ihn den beiden. Der Mönch nahm ihn in die Hand, hielt ihn auf der Handfläche und seufzte tief: „Seit dem Abschied am Gipfel des Grünen Kamms sind dreizehn Jahre vergangen! Wie rasch eilt die irdische Zeit, der Staub des Schicksals füllt die Tage, als seien sie ein Fingerschnipp! Wie beneidenswert waren deine Tugenden einst: | |
| − | + | ||
| − | + | Nicht gebunden an den Himmel, nicht an die Erde, | |
| − | + | Im Herzen weder Freud noch Leid und keine Beschwerde; | |
| − | + | Doch seit der Läuterung zum geistdurchdrungenen Stein | |
| − | + | Suchst du im Menschenreich den Streit und den Schein. | |
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| − | + | Wie beklagenswert ist nun dein Los: | |
| − | + | ||
| − | + | Puderflecken, Schminkespuren trüben deinen Schatzesglanz, | |
| − | + | In der seidenen Kammer Tag und Nacht gefangen ganz. | |
| − | + | Aus dem tiefen Rausch erwacht man einst gewiss, | |
| − | + | Sind die Schulden aufgewogen, folgt die Trennung, kein Vermiss." | |
| − | + | ||
| − | + | Damit rieb er das Jadestück noch einmal, sprach einige rätselhafte Worte und gab es Aufrecht Kaufmann zurück mit den Worten: „Dieses Ding hat seine Kraft wiedererlangt. Man darf es nicht entweihen. Hängt es an den Türsturz des Schlafgemachs, bringt die beiden Kranken in dasselbe Zimmer, und außer leiblicher Mutter und Ehefrau darf keine fremde Person sie berühren. In dreiunddreißig Tagen werden sie genesen und sein wie zuvor." Kaum gesagt, wandte er sich um und ging. Aufrecht Kaufmann wollte sie noch zum Tee bitten und ihnen Geschenke geben, doch die beiden waren bereits verschwunden. Herzoginmutter schickte noch Leute hinterher, doch von ihnen war keine Spur zu finden. Man musste ihren Worten folgen und brachte die beiden Kranken in Dame Königs Schlafzimmer unter und hängte den Jadestein an die Tür. Dame König wachte persönlich und ließ niemand anderen herein. | |
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| − | + | Am Abend begannen die beiden tatsächlich allmählich aufzuwachen und klagten über Hunger. Herzoginmutter und Dame König freuten sich wie über einen wiedergefundenen Schatz. Man kochte sogleich Reisbrühe, die beide tranken. Ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück, die bösen Geister wichen. Die ganze Familie atmete auf. Seidenweiß Pflaume, die drei Schwestern des Hauses, Schatzspange, Kajaljade, Friedchen, Dufthauch und die anderen warteten im Vorzimmer auf Nachricht. Als sie hörten, dass die Kranken Reisbrühe getrunken hatten und bei Sinnen waren, sprach Kajaljade als Erste ein „Amitabha". Schatzspange wandte den Kopf und sah sie lange an, dann kicherte sie. Niemand verstand warum. Bedauerfrühling fragte: „Schwester Bao, warum lachst du?" Schatzspange lachte: „Ich lache über den Buddha Amitabha — er hat so viel zu tun! Einerseits muss er Sutren lehren und das Dharma verkünden und alle Wesen erlösen; dann, weil Schatzjade und Schwester Phönixglanz krank waren, muss er Räucherwerk empfangen und Gelübde einlösen, Segen spenden und Unheil abwenden; und jetzt, da sie kaum ein wenig besser sind, muss er sich auch noch um Schwester Lins Heirat kümmern! Ist das nicht zum Lachen?" Kajaljade wurde rot, spuckte aus und sagte: „Ihr seid alle verdorben! Ihr wisst nicht, wie ihr sterben werdet! Statt von guten Menschen zu lernen, lernt ihr nur von diesen Klatschmäulern mit ihren giftigen Zungen!" Dabei rauschte sie empört durch den Vorhang hinaus. | |
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| − | + | Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel. | |
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Latest revision as of 19:35, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說紅玉心神恍惚,情思纏綿,忽朦朧睡去,遇見賈芸要拉他,卻回身一跑,被門檻絆了一跤,唬醒過來,方知是夢。因此翻來覆去,一夜無眠。至次日天明,方纔起來,就有幾個丫頭子來會他去打掃房子地面,提洗臉水。這紅玉也不梳洗,向鏡中胡亂輓了一輓頭髮,洗了洗手,腰內束了一條汗巾子,便來打掃房屋。誰知寶玉昨兒見了紅玉,也就留了心。若要直點名喚他來使用,一則怕襲人等寒心;二則又不知紅玉是何等行為,若好還罷了,若不好起來,那時倒不好退送的。因此心下悶悶的,早起來也不梳洗,只坐著出神。一時下了窗子,隔著紗屜子,向外看的真切,只見好幾個丫頭在那裡掃地,都擦胭抹粉,簪花插柳的,獨不見昨兒那一個。寶玉便靸了鞋晃出了房門,只裝著看花兒,這裡瞧瞧,那裡望望,一抬頭,只見西南角上游廊底下欄桿上似有一個人倚在那裡,卻恨面前有一株海棠花遮著,看不真切。只得又轉了一步,仔細一看,可不是昨兒那個丫頭在那裡出神。待要迎上去,又不好去的。正想著,忽見碧痕來催他洗臉,只得進去了。不在話下。 卻說紅玉正自出神,忽見襲人招手叫他,只得走上前來。襲人笑道:「我們這裡的噴壺還沒有收拾了來呢,你到林姑娘那裡去,把他們的借來使使。」紅玉答應了,便走出來往瀟湘館去。正走上翠煙橋,抬頭一望,只見山坡上高處都是攔著幃幙,方想起今兒有匠役在裡頭種樹。因轉身一望,只見那邊遠遠一簇人在那裡掘土,賈芸正坐在那山子石上。紅玉待要過去,又不敢過去,只得悶悶的向瀟湘館取了噴壺回來,無精打彩自向房內倒著。眾人只說他一時身上不爽快,都不理論。 展眼過了一日,原來次日就是王子騰夫人的壽誕,那裡原打發人來請賈母王夫人的,王夫人見賈母不自在,也便不去了。倒是薛姨媽同鳳姐兒並賈家幾個姊妹、寶釵、寶玉一齊都去了,至晚方回。 可巧王夫人見賈環下了學,便命他來抄個《金剛咒》唪誦唪誦。那賈環正在王夫人炕上坐著,命人點燈,拿腔作勢的抄寫。一時又叫彩雲倒杯茶來,一時又叫玉釧兒來剪剪蠟花,一時又說金釧兒擋了燈影。眾丫鬟們素日厭惡他,都不答理。只有彩霞還和他合的來,倒了一鐘茶來遞與他。因見王夫人和人說話兒,他便悄悄的向賈環說道:「你安些分罷,何苦討這個厭那個厭的。」賈環道:「我也知道了,你別哄我。如今你和寶玉好,把我不答理,我也看出來了。」彩霞咬著嘴唇,向賈環頭上戳了一指頭,說道:「沒良心的!狗咬呂洞賓,不識好人心。」 兩人正說著,只見鳳姐來了,拜見過王夫人。王夫人便一長一短的問他,今兒是那幾位堂客,戲文好歹,酒席如何等語。說了不多幾句話,寶玉也來了,進門見了王夫人,不過規規矩矩說了幾句,便命人除去抹額,脫了袍服,拉了靴子,便一頭滾在王夫人懷裡。王夫人便用手滿身滿臉摩挲撫弄他,寶玉也搬著王夫人的脖子說長道短的。王夫人道:「我的兒,你又吃多了酒,臉上滾熱。你還只是揉搓,一會鬧上酒來。還不在那裡靜靜的倒一會子呢。」說著,便叫人拿個枕頭來。寶玉聽說便下來,在王夫人身後倒下,又叫彩霞來替他拍著。寶玉便和彩霞說笑,只見彩霞淡淡的,不大答理,兩眼睛只向賈環處看。寶玉便拉他的手笑道:「好姐姐,你也理我理兒呢。」一面說,一面拉他的手,彩霞奪手不肯,便說:「再鬧,我就嚷了。」 二人正鬧著,原來賈環聽的見,素日原恨寶玉,如今又見他和彩霞鬧,心中越發按不下這口毒氣。雖不敢明言,卻每每暗中算計,只是不得下手,今見相離甚近,便要用熱油燙瞎他的眼睛。因而故意裝作失手,把那一盞油汪汪的蠟燈向寶玉臉上只一推。只聽寶玉「噯喲」了一聲,滿屋裡眾人都唬了一跳。連忙將地下的戳燈挪過來,又將裡外間屋的燈拿了三四盞看時,只見寶玉滿臉滿頭都是油。王夫人又急又氣,一面命人來替寶玉擦洗,一面又罵賈環。鳳姐三步兩步的上炕去替寶玉收拾著,一面笑道:「老三還是這麼慌腳雞似的,我說你上不得高臺盤。趙姨娘時常也該教導教導他。」一句話提醒了王夫人,那王夫人不罵賈環,便叫過趙姨娘來罵道:「養出這樣黑心不知道理下流種子來,也不管管!幾番幾次我都不理論,你們得了意了,越發上來了!」 那趙姨娘素日雖然常懷嫉妒之心,不忿鳳姐寶玉兩個,也不敢露出來;如今賈環又生了事,受這場惡氣,不但吞聲承受,而且還要走去替寶玉收拾。只見寶玉左邊臉上燙了一溜燎泡出來,幸而眼睛竟沒動。王夫人看了,又是心疼,又怕明日賈母問怎麼回答,急的又把趙姨娘數落一頓。然後又安慰了寶玉一回,又命取敗毒消腫藥來敷上。寶玉道:「有些疼,還不妨事。明兒老太太問,就說是我自己燙的罷了。」鳳姐笑道:「便說是自己燙的,也要罵人為什麼不小心看著,叫你燙了!橫豎有一場氣生的,到明兒憑你怎麼說去罷。」王夫人命人好生送了寶玉回房去後,襲人等見了,都慌的了不得。 林黛玉見寶玉出了一天門,就覺悶悶的,沒個可說話的人。至晚正打發人來問了兩三遍回來不曾,這遍方纔回來,又偏生燙了。林黛玉便趕著來瞧,只見寶玉正拿鏡子照呢,左邊臉上滿滿的敷了一臉的藥。林黛玉只當燙的十分利害,忙上來問怎麼燙了,要瞧瞧。寶玉見他來了,忙把臉遮著,搖手叫他出去,不肯叫他看── 知道他的癖性喜潔,見不得這些東西。林黛玉自己也知道自己也有這件癖性,知道寶玉的心內怕他嫌臟,因笑道:「我瞧瞧燙了那裡了,有什麼遮著藏著的。」一面說,一面就湊上來,強搬著脖子瞧了一瞧,問他疼的怎麼樣。寶玉道:「也不很疼,養一兩日就好了。」林黛玉坐了一回,悶悶的回房去了。一宿無話。次日,寶玉見了賈母,雖然自己承認是自己燙的,不與別人相干,免不得那賈母又把跟從的人罵一頓。 過了一日,就有寶玉寄名的乾娘馬道婆進榮國府來請安。見了寶玉,唬一大跳,問起原由,說是燙的,便點頭嘆息一回,向寶玉臉上用指頭畫了一畫,口內嘟囔囔的又持誦了一回,說道:「管保就好了,這不過是一時飛災。」又向賈母道:「祖宗老菩薩那裡知道,那經典佛法上說的利害,大凡那王公卿相人家的子弟,只一生長下來,暗裡便有許多促狹鬼跟著他,得空便擰他一下,或掐他一下,或吃飯時打下他的飯碗來,或走著推他一跤,所以往往的那些大家子孫多有長不大的。」賈母聽如此說,便趕著問:「這有什麼佛法解釋沒有呢?」馬道婆道:「這個容易,只是替他多作些因果善事也就罷了。再那經上還說,西方有位大光明普照菩薩,專管照耀陰暗邪祟,若有善男子善女子虔心供奉者,可以永佑兒孫康寧安靜,再無驚恐邪祟撞客之災。」賈母道:「倒不知怎麼個供奉這位菩薩?」馬道婆道:「也不值些什麼,不過除香燭供養之外,一天多添幾斤香油,點上個大海燈。這海燈,便是菩薩現身法像,晝夜不敢息的。」賈母道:「 一天一夜也得多少油?明白告訴我,我也好作這件功德的。」馬道婆聽如此說,便笑道:「這也不拘,隨施主菩薩們隨心愿舍罷了。像我們廟裡,就有好幾處的王妃誥命供奉的:南安郡王府里的太妃,他許的多,願心大,一天是四十八斤油,一斤燈草,那海燈也只比缸略小些;錦田侯的誥命次一等,一天不過二十四斤油;再還有幾家也有五斤的、三斤的、一斤的,都不拘數。那小家子窮人家舍不起這些,就是四兩半斤,也少不得替他點。」賈母聽了,點頭思忖。馬道婆又道:「還有一件,若是為父母尊親長上的,多舍些不妨;若是象老祖宗如今為寶玉,若舍多了倒不好,還怕哥兒禁不起,倒折了福。也不當家花花的,要舍,大則七斤,小則五斤,也就是了。」賈母說:「既是這樣說,你便一日五斤合準了,每月打躉來關了去。」馬道婆念了一聲「阿彌陀佛慈悲大菩薩」。賈母又命人來吩咐:「以後大凡寶玉出門的日子,拿幾串錢交給他的小子們帶著,遇見僧道窮苦人好舍。」說畢,那馬道婆又坐了一回,便又往各院各房問安,閑逛了一回。一時來至趙姨娘房內,二人見過,趙姨娘命小丫頭倒了茶來與他吃。 馬道婆因見炕上堆著些零碎綢緞灣角,趙姨娘正粘鞋呢。馬道婆道:「可是我正沒了鞋面子了。趙奶奶你有零碎緞子,不拘什麼顏色的,弄一雙鞋面給我。」趙姨娘聽說,便嘆口氣說道:「你瞧瞧那裡頭,還有那一塊是成樣的?成了樣的東西,也不能到我手裡來!有的沒的都在這裡,你不嫌,就挑兩塊子去。」馬道婆見說,果真便挑了兩塊袖將起來。 趙姨娘問道:「前日我送了五百錢去,在藥王跟前上供,你可收了沒有?」馬道婆道:「早已替你上了供了。」趙姨娘嘆口氣道:「阿彌陀佛!我手裡但凡從容些,也時常的上個供,只是心有餘力量不足。」馬道婆道:「你只管放心,將來熬的環哥兒大了,得個一官半職,那時你要作多大的功德不能?」趙姨娘聽說,鼻子里笑了一聲,說道:「罷,罷,再別說起。如今就是個樣兒,我們娘兒們跟的上這屋裡那一個兒!也不是有了寶玉,竟是得了活龍。他還是小孩子家,長的得人意兒,大人偏疼他些也還罷了;我只不伏這個主兒。」一面說,一面伸出兩個指頭兒來。馬道婆會意,便問道:「可是璉二奶奶?」趙姨娘唬的忙搖手兒,走到門前,掀帘子向外看看無人,方進來向馬道婆悄悄說道:「了不得,了不得!提起這個主兒,這一分家私要不都叫他搬送到娘家去,我也不是個人。」 馬道婆見他如此說,便探他口氣說道:「我還用你說,難道都看不出來。也虧你們心裡也不理論,只憑他去。倒也妙。」趙姨娘道:「我的娘,不憑他去,難道誰還敢把他怎麼樣呢?」馬道婆聽說,鼻子里一笑,半晌說道:「不是我說句造孽的話,你們沒有本事!──也難怪別人。明不敢怎樣,暗裡也就算計了,還等到這如今!」趙姨娘聞聽這話里有道理,心內暗暗的歡喜,便說道:「怎麼暗裡算計?我倒有這個意思,只是沒這樣的能幹人。你若教給我這法子,我大大的謝你。」馬道婆聽說這話打攏了一處,便又故意說道:「阿彌陀佛!你快休問我,我那裡知道這些事。罪過,罪過。」趙姨娘道:「你又來了。你是最肯濟困扶危的人,難道就眼睜睜的看人家來擺佈死了我們娘兒兩個不成?難道還怕我不謝你?」馬道婆聽說如此,便笑道:「若說我不忍叫你娘兒們受人委曲還猶可,若說謝我的這兩個字,可是你錯打算盤了。就便是我希圖你謝,靠你有些什麼東西能打動我?」趙姨娘聽這話口氣鬆動了,便說道:「你這麼個明白人,怎麼糊塗起來了。你若果然法子靈驗,把他兩個絕了,明日這家私不怕不是我環兒的。那時你要什麼不得?」 馬道婆聽了,低了頭,半晌說道:「那時候事情妥了,又無憑據,你還理我呢!」趙姨娘道:「這又何難。如今我雖手裡沒什麼,也零碎攢了幾兩梯己,還有幾件衣服簪子,你先拿些去。下剩的,我寫個欠銀子文契給你,你要什麼保人也有,那時我照數給你。」馬道婆道:「果然這樣?」趙姨娘道:「這如何還撒得謊。」說著便叫過一個心腹婆子來,耳根底下嘁嘁喳喳喳說了幾句話。那婆子出去了,一時回來,果然寫了個五百兩欠契來。趙姨娘便印了手模,走到櫥櫃里將梯己拿了出來,與馬道婆看看,道:「這個你先拿了去做香燭供奉使費,可好不好?」馬道婆看看白花花的一堆銀子,又有欠契,並不顧青紅皂白,滿口裡應著,伸手先去抓了銀子掖起來,然後收了欠契。又向褲腰裡掏了半晌,掏出十個紙鉸的青面白髮的鬼來,並兩個紙人,遞與趙姨娘,又悄悄的教他道:「把他兩個的年庚八字寫在這兩個紙人身上,一併五個鬼都掖在他們各人的床上就完了。我只在家裡作法,自有效驗。千萬小心,不要害怕!」正才說著,只見王夫人的丫鬟進來找道:「奶奶可在這裡,太太等你呢。」二人方散了,不在話下。 卻說林黛玉因見寶玉近日燙了臉,總不出門,倒時常在一處說說話兒。這日飯後看了兩篇書,自覺無趣,便同紫鵑雪雁做了一回針線,更覺煩悶。便倚著房門出了一回神,信步出來,看階下新迸出的稚筍, 不覺出了院門。一望園中,四顧無人,惟見花光柳影,鳥語溪聲。林黛玉信步便往怡紅院中來,只見幾個丫頭舀水,都在迴廊上圍著看畫眉洗澡呢。聽見房內有笑聲,林黛玉便入房中看時,原來是李宮裁、鳳姐、寶釵都在這裡呢,一見他進來都笑道:「這不又來了一個。」林黛玉笑道:「今兒齊全,誰下帖子請來的?」鳳姐道:「前兒我打發了丫頭送了兩瓶茶葉去,你往那去了?」林黛玉笑道:「哦,可是倒忘了,多謝多謝。」鳳姐兒又道:「你嘗了可還好不好?」沒有說完,寶玉便說道:「論理可倒罷了,只是我說不大甚好,也不知別人嘗著怎麼樣。」寶釵道:「味倒輕,只是顏色不大好些。」鳳姐道:「那是暹羅進貢來的。我嘗著也沒什麼趣兒,還不如我每日吃的呢。」林黛玉道:「我吃著好,不知你們的脾胃是怎樣?」寶玉道:「你果然愛吃,把我這個也拿了去吃罷。」鳳姐笑道:「你要愛吃,我那裡還有呢。」林黛玉道:「果真的,我就打發丫頭取去了。」鳳姐道:「不用取去,我打發人送來就是了。我明兒還有一件事求你,一同打發人送來。」林黛玉聽了笑道:「你們聽聽,這是吃了他們家一點子茶葉,就來使喚人了。」鳳姐笑道:「倒求你,你倒說這些閑話,吃茶吃水的。你既吃了我們家的茶,怎麼還不給我們家作媳婦?」眾人聽了一齊都笑起來。 林黛玉紅了臉,一聲兒不言語,便回過頭去了。李宮裁笑向寶釵道:「真真我們二嬸子的詼諧是好的。」林黛玉道:「什麼詼諧,不過是貧嘴賤舌討人厭惡罷了。」說著便啐了一口。 鳳姐笑道:「你別作夢!你給我們家作了媳婦,少什麼?」指寶玉道:「你瞧瞧,人物兒、門第配不上,根基配不上,家私配不上?那一點還玷辱了誰呢?」林黛玉抬身就走。寶釵便叫:「顰兒急了,還不回來坐著。走了倒沒意思。」說著便站起來拉住。剛至房門前,只見趙姨娘和周姨娘兩個人進來瞧寶玉。李宮裁、寶釵、寶玉等都讓他兩個坐。獨鳳姐只和林黛玉說笑,正眼也不看他們。寶釵方欲說話時,只見王夫人房內的丫頭來說:「舅太太來了,請奶奶姑娘們出去呢。」李宮裁聽了,連忙叫著鳳姐等走了。趙、周兩個忙辭了寶玉出去。寶玉道:「我也不能出去,你們好歹別叫舅母進來。」又道:「林妹妹,你先略站一站,我說一句話。」鳳姐聽了,回頭向林黛玉笑道:「有人叫你說話呢。」說著便把林黛玉往裡一推,和李紈一同去了。 這裡寶玉拉著林黛玉的袖子,只是嘻嘻的笑,心裡有話,只是口裡說不出來。此時林黛玉只是禁不住把臉紅漲了,掙著要走。寶玉忽然「噯喲」了一聲,說:「好頭疼!」林黛玉道:「該,阿彌陀佛!」只見寶玉大叫一聲:「我要死!」將身一縱,離地跳有三四尺高,口內亂嚷亂叫,說起胡話來了。林黛玉並丫頭們都唬慌了,忙去報知王夫人、賈母等。此時王子騰的夫人也在這裡,都一齊來時,寶玉益發拿刀弄杖,尋死覓活的,鬧得天翻地覆。賈母、王夫人見了,唬的抖衣而顫,且「兒」一聲「肉」一聲放聲慟哭。於是驚動諸人,連賈赦、邢夫人、賈珍、賈政、賈璉、賈蓉、賈芸、賈萍、薛姨媽、薛蟠並周瑞家的一干家中上上下下裡裡外外眾媳婦丫頭等,都來園內看視。登時園內亂麻一般。正沒個主見,只見鳳姐手持一把明晃晃剛刀砍進園來,見雞殺雞,見狗殺狗,見人就要殺人。眾人越發慌了。周瑞媳婦忙帶著幾個有力量的膽壯的婆娘上去抱住,奪下刀來,抬回房去。平兒、豐兒等哭的淚天淚地。賈政等心中也有些煩難,顧了這裡,丟不下那裡。 別人慌張自不必講,獨有薛蟠更比諸人忙到十分去:又恐薛姨媽被人擠倒,又恐薛寶釵被人瞧見,又恐香菱被人臊皮──知道賈珍等是在女人身上做功夫的,因此忙的不堪。忽一眼瞥見了林黛玉風流婉轉,已酥倒在那裡。 當下眾人七言八語,有的說請端公送祟的,有的說請巫婆跳神的,有的又薦玉皇閣的張真人,種種喧騰不一。也曾百般醫治祈禱,問卜求神,總無效驗。堪堪日落。王子騰夫人告辭去後,次日王子騰也來瞧問。接著小史侯家、邢夫人弟兄輩並各親戚眷屬都來瞧看,也有送符水的,也有薦僧道的,總不見效。他叔嫂二人愈發糊塗,不省人事,睡在床上,渾身火炭一般,口內無般不說。到夜晚間,那些婆娘媳婦丫頭們都不敢上前。因此把他二人都抬到王夫人的上房內,夜間派了賈芸帶著小廝們挨次輪班看守。賈母、王夫人、邢夫人、薛姨媽等寸地不離,只圍著乾哭。 此時賈赦、賈政又恐哭壞了賈母,日夜熬油費火,鬧的人口不安,也都沒了主意。賈赦還各處去尋僧覓道。賈政見不靈效,著實懊惱,因阻賈赦道:「兒女之數,皆由天命,非人力可強者。他二人之病出於不意,百般醫治不效,想天意該當如此,也只好由他們去罷。」賈赦也不理此話,仍是百般忙亂,那裡見些效驗。看看三日光陰,那鳳姐和寶玉躺在床上,亦發連氣都將沒了。合家人口無不驚慌,都說沒了指望,忙著將他二人的後世的衣履都治備下了。賈母、王夫人、賈璉、平兒、襲人這幾個人更比諸人哭的忘餐廢寢,覓死尋活。趙姨娘、賈環等自是稱願。 到了第四日早晨,賈母等正圍著寶玉哭時,只見寶玉睜開眼說道:「從今以後,我可不在你家了!快收拾了,打發我走罷。」賈母聽了這話,如同摘心去肝一般。趙姨娘在旁勸道:「老太太也不必過於悲痛。哥兒已是不中用了,不如把哥兒的衣服穿好,讓他早些回去,也免些苦;只管捨不得他,這口氣不斷,他在那世里也受罪不安生。」這些話沒說完,被賈母照臉啐了一口唾沫,罵道:「爛了舌頭的混帳老婆,誰叫你來多嘴多舌的!你怎麼知道他在那世里受罪不安生?怎麼見得不中用了?你願他死了,有什麼好處?你別做夢!他死了,我只和你們要命。素日都不是你們調唆著逼他寫字念書,把膽子唬破了,見了他老子不象個避貓鼠兒?都不是你們這起淫婦調唆的!這會子逼死了,你們遂了心,我饒那一個!」一面罵,一面哭。賈政在旁聽見這些話,心裡越發難過,便喝退趙姨娘,自己上來委婉解勸。一時又有人來回說:「兩口棺槨都做齊了,請老爺出去看。」賈母聽了,如火上澆油一般,便罵:「是誰做了棺槨?」一疊聲只叫把做棺槨的拉來打死。 正鬧的天翻地覆,沒個開交,只聞得隱隱的木魚聲響,念了一句:「南無解冤孽菩薩。有那人口不利,家宅顛傾,或逢凶險,或中邪祟者,我們善能醫治。」賈母、王夫人聽見這些話,那裡還耐得住,便命人去快請進來。賈政雖不自在,奈賈母之言如何違拗;想如此深宅,何得聽的這樣真切,心中亦希罕,命人請了進來。眾人舉目看時,原來是一個癩頭和尚與一個跛足道人。 見那和尚是怎的模樣: 鼻如懸膽兩眉長,目似明星蓄寶光, 破衲芒鞋無住跡,腌臢更有滿頭瘡。 那道人又是怎生模樣: 一足高來一足低,渾身帶水又拖泥。 相逢若問家何處,卻在蓬萊弱水西。 賈政問道:「你道友二人在那廟裡焚修。」那僧笑道:「長官不須多話。因聞得府上人口不利,故特來醫治。」賈政道:「倒有兩個人中邪,不知你們有何符水?」那道人笑道:「你家現有希世奇珍,如何還問我們有符水?」賈政聽這話有意思,心中便動了,因說道:「小兒落草時雖帶了一塊寶玉下來,上面說能除邪祟,誰知竟不靈驗。」那僧道:「長官你那裡知道那物的妙用。只因他如今被聲色貨利所迷,故不靈驗了。你今且取他出來,待我們持誦持誦,只怕就好了。」 賈政聽說,便向寶玉項上取下那玉來遞與他二人。那和尚接了過來,擎在掌上,長嘆一聲道:「青埂峰一別,展眼已過十三載矣!人世光陰,如此迅速,塵緣滿日,若似彈指!可羡你當時的那段好處: 天不拘兮地不羈,心頭無喜亦無悲; 卻因鍛煉通靈後,便向人間覓是非。 可嘆你今日這番經歷: 粉漬脂痕污寶光,綺櫳晝夜困鴛鴦。 沉酣一夢終須醒,冤孽償清好散場!」 念畢,又摩弄一回,說了些瘋話,遞與賈政道:「此物已靈,不可褻瀆,懸於卧室上檻,將他二人安在一室之內,除親身妻母外,不可使外人沖犯。三十三日之後,包管身安病退,複舊如初。」說著回頭便走了。賈政趕著還說話,讓二人坐了吃茶,要送謝禮,他二人早已出去了。賈母等還只管著人去趕,那裡有個蹤影。少不得依言將他二人就安放在王夫人卧室之內,將玉懸在門上。王夫人親身守著,不許別個人進來。 至晚間他二人竟漸漸醒來,說腹中饑餓。賈母、王夫人如得了珍寶一般,旋熬了米湯與他二人吃了,精神漸長,邪祟稍退,一家子才把心放下來。李宮裁併賈府三艷、薛寶釵、林黛玉、平兒、襲人等在外間聽信息。聞得吃了米湯,省了人事,別人未開口,林黛玉先就念了一聲「阿彌陀佛」。薛寶釵便回頭看了他半日,嗤的一聲笑。眾人都不會意,賈惜春道:「寶姐姐,好好的笑什麼?」寶釵笑道:「我笑如來佛比人還忙:又要講經說法,又要普渡眾生;這如今寶玉,鳳姐姐病了,又燒香還願,賜福消災;今才好些,又管林姑娘的姻緣了。你說忙的可笑不可笑。」林黛玉不覺的紅了臉,啐了一口道:「你們這起人不是好人,不知怎麼死!再不跟著好人學,只跟那些貧嘴惡舌的人學。」一面說,一面摔帘子出去了。不知端詳,且聽下回分解。
注释 |
Kapitel 25 Der Hexenfluch des Teufelspaars — Ein aussätziger Mönch und ein lahmer Daoist heilen mit geheimnisvollen Kräften Es wird erzählt, dass Rotjädchen traumverloren und in sehnsüchtigem Sinnieren im Halbschlaf versunken war und Efeu Kaufmann begegnete, der sie an der Hand nehmen wollte. Sie drehte sich um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle und erwachte erschrocken — da wusste sie, dass es nur ein Traum gewesen war. So wälzte sie sich die ganze Nacht schlaflos hin und her. Am nächsten Morgen in der Frühe stand sie auf, und schon kamen einige Dienstmädchen, um sie zum Putzen und Fegen abzuholen und Waschwasser zu bringen. Rotjädchen kämmte und wusch sich nicht einmal richtig, raffte nur ihr Haar flüchtig vor dem Spiegel zusammen, wusch die Hände, band ein Schweißtuch um die Taille und machte sich ans Saubermachen. Schatzjade[1] seinerseits hatte Rotjädchen am Vortag bemerkt und sie im Sinn behalten. Er hätte sie gerne namentlich herbeirufen und einsetzen wollen, scheute sich jedoch: erstens, um Dufthauch[2] und die anderen nicht zu kränken; zweitens wusste er nicht, was für ein Charakter Rotjädchen war — war sie gut, dann mochte es gehen, war sie aber nicht gut, wäre es schwierig geworden, sie wieder fortzuschicken. So saß er trübsinnig da, stand früh auf, machte sich aber nicht zurecht, sondern saß nur da und grübelte. Schließlich öffnete er das Fenster und spähte durch das Gaze-Gitter nach draußen, wo er etliche Dienstmädchen sah, die den Boden fegten — alle geschminkt und gepudert, mit Blumen und Weidengrün im Haar —, nur die von gestern war nicht dabei. Schatzjade schlüpfte in die Pantoffeln und schlenderte zur Tür hinaus, tat so, als betrachte er Blumen, schaute hier und dort, und als er den Blick hob, sah er am südwestlichen Wandelgang jemanden an der Balustrade lehnen. Leider verdeckte ein Hortensienstrauch davor die Sicht. Er machte noch ein paar Schritte — und tatsächlich, es war das Mädchen von gestern, ganz in Gedanken versunken. Er wollte auf sie zugehen, doch es schickte sich nicht. Gerade als er noch überlegte, kam Bihen und rief ihn zum Waschen. Er musste hineingehen. Davon sei nicht weiter die Rede. Nun sei erzählt, wie Rotjädchen noch ganz in Gedanken versunken dastand, als sie plötzlich sah, dass Dufthauch ihr zuwinkte. Sie ging hin. Dufthauch lachte: „Unsere Sprühkanne ist noch nicht hergebracht worden. Geh doch zur Schwester Lin hinüber und leih dir ihre aus." Rotjädchen bejahte und machte sich auf den Weg zum Xiaoxiang-Pavillon. Gerade als sie die Cuiyan-Brücke betrat und aufblickte, sah sie auf dem Hügel oben überall Vorhänge aufgespannt und erinnerte sich, dass heute Handwerker zum Bäumepflanzen drinnen waren. Sie drehte sich um und blickte — da sah sie in der Ferne eine Gruppe von Leuten, die die Erde umgruben, und Efeu Kaufmann saß auf einem Felsstein dort oben. Rotjädchen wollte hingehen, wagte es aber nicht. Betrübt holte sie die Sprühkanne aus dem Xiaoxiang-Pavillon und ging lustlos in ihr Zimmer zurück. Die anderen dachten, ihr sei unwohl, und kümmerten sich nicht weiter. Im Nu war ein Tag vergangen. Der nächste Tag war zufällig der Geburtstag von Frau Fliederranke König [王子腾] [Anm.: Dame Königs Bruder]. Dort hatte man jemanden geschickt, um Herzoginmutter[3] und Dame König einzuladen. Da Dame König sah, dass Herzoginmutter sich nicht wohlzufühlen schien, ging sie auch nicht. Dafür fuhren Tante Schnee [薛姨妈], Phönixglanz[4], die Schwestern des Hauses, Schatzspange[5] und Schatzjade alle gemeinsam hin und kehrten erst am Abend zurück. Es traf sich, dass Dame König den kleinen Unheil Kaufmann nach der Schule zu sich rief und ihn das Jinggang-Mantra [Anm.: Diamant-Sutra] abschreiben ließ, damit er es rezitiere. Unheil Kaufmann saß auf Dame Königs Kang, ließ Licht anzünden und schrieb in wichtigtuerischer Manier. Mal rief er Caiyun, sie solle ihm eine Tasse Tee einschenken, mal wollte er Yuchuan'er den Docht der Kerze putzen lassen, mal behauptete er, Goldarmreif werfe einen Schatten auf die Lampe. Die Dienerinnen mochten ihn alle nicht leiden und ignorierten ihn. Nur Buntschimmer hatte ein wenig Sympathie für ihn und brachte ihm eine Tasse Tee. Da Dame König gerade mit jemandem sprach, flüsterte sie Unheil Kaufmann zu: „Benimm dich doch etwas, warum willst du dich überall unbeliebt machen?" Unheil Kaufmann sagte: „Das weiß ich auch schon. Du brauchst mich nicht zu täuschen. Jetzt bist du gut Freund mit Schatzjade und kümmerst dich nicht um mich — das habe ich längst bemerkt." Buntschimmer biss sich auf die Lippen, tippte ihm mit dem Finger auf den Kopf und sagte: „Du Undankbarer! Der Hund beißt Lü Dongbin und erkennt kein gutes Herz!" Während die beiden noch sprachen, kam Phönixglanz herein und begrüßte Dame König. Dame König fragte sie nach dem Fest — wer alles dagewesen sei, ob die Theaterstücke gut gewesen seien, wie das Essen war, und dergleichen mehr. Kaum hatten sie ein paar Worte gewechselt, kam auch Schatzjade herein. Nachdem er Dame König regelrecht begrüßt und ein paar pflichtschuldige Worte gesagt hatte, ließ er sich den Stirnschmuck abnehmen, zog das Zeremonialgewand aus, streifte die Stiefel ab und rollte sich mit einem Satz in Dame Königs Arme. Dame König streichelte und liebkoste ihn überall. Schatzjade umschlang Dame Königs Hals und erzählte dies und das. Dame König sagte: „Mein Kind, du hast wieder zu viel Wein getrunken, dein Gesicht glüht ja. Hör auf, dich zu reiben und zu drücken, sonst wird dir der Wein zu Kopf steigen. Leg dich lieber dort eine Weile still hin." Damit ließ sie ein Kissen bringen. Schatzjade legte sich hinter Dame König nieder und rief Buntschimmer, sie solle ihm den Rücken klopfen. Schatzjade scherzte mit Buntschimmer, doch Buntschimmer reagierte kühl und kaum. Ihre Augen wanderten immer wieder zu Unheil Kaufmann hinüber. Schatzjade nahm ihre Hand und lachte: „Gute Schwester, schenk mir doch auch ein wenig Aufmerksamkeit!" Dabei zog er an ihrer Hand. Buntschimmer entzog sie ihm: „Lass das! Wenn du nicht aufhörst, rufe ich!" Während die beiden noch scherzten, hatte Unheil Kaufmann alles gehört. Da er Schatzjade ohnehin schon hasste und ihn jetzt auch noch mit Buntschimmer tändeln sah, kochte in seinem Herzen ein giftiger Groll hoch. Offen wagte er nichts zu sagen, doch insgeheim sann er auf Rache — nur fand er keine Gelegenheit. Jetzt, da sie so nahe beisammen saßen, beschloss er, heißes Öl zu benutzen, um Schatzjade die Augen auszubrennen. Er tat absichtlich so, als rutsche ihm die Hand aus, und schob die ganze ölgefüllte Kerze auf Schatzjades Gesicht. Schatzjade schrie „Au!" auf, und im ganzen Zimmer erschraken alle. Man schob eilig die Stehlampe heran und holte aus dem Vor- und Hinterzimmer drei oder vier Lampen herbei. Bei Licht sah man, dass Schatzjades ganzes Gesicht voller Öl war. Dame König war gleichermaßen besorgt und wütend. Während sie Leute anwies, Schatzjade abzuwischen, schalt sie Unheil Kaufmann. Phönixglanz eilte mit zwei, drei Schritten aufs Kang und half Schatzjade, sich sauber zu machen, und lachte dabei: „Der Dritte ist immer noch so tolpatschig wie ein aufgescheuchtes Huhn — ich hab doch gesagt, er taugt nicht für feine Gesellschaft. Tante Zhao sollte ihn wirklich besser erziehen!" Dieses eine Wort erinnerte Dame König. Statt Unheil Kaufmann zu schelten, rief sie Tante Zhao zu sich und schimpfte: „Da hast du so ein schwarzherziges, unerzogenes Ding aufgezogen, und du kümmerst dich nicht darum! Wie oft habe ich schon beide Augen zugedrückt, und ihr werdet immer dreister!" Tante Zhao hatte zwar im Stillen immer Eifersucht auf Phönixglanz und Schatzjade gehegt, wagte es aber nie zu zeigen. Jetzt, da Unheil Kaufmann Ärger gemacht hatte und sie diese Schelte erdulden musste, schluckte sie nicht nur stumm, sondern musste auch noch hingehen und Schatzjade versorgen helfen. Man sah, dass auf Schatzjades linker Wange eine Reihe von Blasen aufgestiegen war, doch glücklicherweise waren die Augen verschont geblieben. Dame König sah es mit Schmerz und bangte zugleich, was sie morgen Herzoginmutter antworten sollte, wenn diese danach fragte. In ihrer Aufregung schalt sie Tante Zhao erneut. Dann tröstete sie Schatzjade und ließ Salbe zum Abschwellen auftragen. Schatzjade sagte: „Es schmerzt ein wenig, aber es ist nicht schlimm. Wenn morgen die alte Großmutter fragt, sagt einfach, ich hätte mich selbst verbrannt." Phönixglanz lachte: „Selbst wenn du sagst, du hättest dich selbst verbrannt, werden die Leute gescholten, warum sie nicht besser aufgepasst haben. Wie auch immer, es gibt ohnehin Ärger — sag morgen, was du willst." Dame König ließ Schatzjade sicher in sein Zimmer zurückbringen. Dufthauch und die anderen erschraken gewaltig, als sie ihn so sahen. Kajaljade[6] hatte bemerkt, dass Schatzjade den ganzen Tag auswärts war, und langweilte sich ohne Gesprächspartner. Am Abend hatte sie bereits zwei- oder dreimal jemanden herüberschicken lassen, um zu fragen, ob er schon zurück sei. Gerade war er endlich zurück — und da diese Verbrennung! Kajaljade eilte herbei. Als sie Schatzjade sah, der gerade in den Spiegel schaute und seine ganze linke Gesichtshälfte mit Salbe bedeckt hatte, hielt sie es für sehr schlimm und fragte hastig, wie es passiert sei, und wollte nachsehen. Schatzjade bedeckte sein Gesicht, winkte mit der Hand, sie solle hinausgehen, und wollte sie nicht hinsehen lassen — er kannte ihre Empfindlichkeit und wusste, dass sie so etwas nicht ertrug. Kajaljade kannte ihre eigene Eigenart auch und wusste, dass Schatzjade fürchtete, sie würde es ekelhaft finden. Deshalb lachte sie: „Lass mich doch sehen, wo du dich verbrannt hast — was gibt es da zu verbergen?" Damit drängte sie sich heran, nahm seinen Hals in beide Hände und besah sich die Stelle. Sie fragte, ob es sehr schmerze. Schatzjade sagte: „Es schmerzt nicht sehr. In ein, zwei Tagen ist es verheilt." Kajaljade saß eine Weile und ging dann bedrückt in ihr Zimmer zurück. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Tag besuchte Schatzjade Herzoginmutter und behauptete, er habe sich selbst verbrannt. Natürlich schimpfte Herzoginmutter die Dienerschaft trotzdem ordentlich aus. Einen Tag später kam Schatzjades Patengroßmutter, die Nonne die Daoistin Ma[7], in die Prunkwille-Anwesen, um ihre Aufwartung zu machen. Als sie Schatzjade sah, erschrak sie gewaltig. Nachdem sie erfahren hatte, es sei eine Verbrennung, seufzte sie kopfschüttelnd, malte mit dem Finger ein Zeichen auf Schatzjades Gesicht und murmelte Beschwörungsformeln, dann sagte sie: „Es wird bestimmt besser. Das war nur ein flüchtiges Unglück." Dann wandte sie sich an Herzoginmutter: „Die verehrte Herrin und Bodhisattva weiß es nicht: Die buddhistischen Schriften lehren, dass bei den Söhnen vornehmer Familien, sobald sie geboren werden, viele böse Geister sie heimlich begleiten. Bei der ersten Gelegenheit kneifen sie hier, zwicken dort, werfen bei Tisch die Reisschale um oder geben dem Kind einen Stoß — darum werden viele Kinder großer Häuser nicht erwachsen." Herzoginmutter hörte das und fragte eilig: „Gibt es dafür irgendein Gegenmittel in der buddhistischen Lehre?" die Daoistin Ma erwiderte: „Das ist gar nicht schwer. Man braucht nur gute Werke für das Kind zu tun. Außerdem lehrt die Schrift, dass es im Westen einen großen Bodhisattva des Strahlenden Lichts gibt, der alle dunklen und bösen Geister erleuchtet. Wer ihm fromm opfert, kann Kinder und Enkel auf ewig in Frieden und Ruhe bewahren, frei von Schrecken und Heimsuchung." Herzoginmutter fragte: „Wie bringt man diesem Bodhisattva seine Verehrung dar?" die Daoistin Ma sagte: „Es ist nicht viel — außer Räucherwerk und Kerzen braucht man nur jeden Tag etwas mehr Öl für eine große Meereslampe. Diese Meereslampe ist die leibhaftige Erscheinung des Bodhisattva und darf Tag und Nacht nicht verlöschen." Herzoginmutter fragte: „Wieviel Öl braucht man pro Tag und Nacht? Sag es mir klar, dann will ich dieses gute Werk tun." die Daoistin Ma hörte das und lachte: „Das ist nicht festgelegt — ganz nach dem Herzenswunsch des frommen Spenders. In unserem Tempel stiften mehrere Fürstinnen und Adelige: Die Gemahlin des Nan'an-Fürsten hat das größte Gelübde und gibt achtundvierzig Jin Öl und ein Jin Docht pro Tag — ihre Meereslampe ist kaum kleiner als ein Bottich; die Frau des Jintian-Marquis gibt am Tag vierundzwanzig Jin Öl, was die nächste Stufe ist; und dann gibt es noch einige, die fünf Jin, drei Jin oder auch nur ein Jin geben — alles ist gut. Und arme Leute, die sich das nicht leisten können, auch vier Liang oder ein halbes Jin, selbst das reicht, um für sie zu leuchten." Herzoginmutter hörte das und überlegte. die Daoistin Ma fuhr fort: „Noch etwas: Wenn man für Eltern oder ältere Verwandte stiftet, darf man ruhig mehr geben. Aber wenn es wie jetzt der Fall ist — die Herrin stiftet für Schatzjade —, darf man nicht zu viel geben, sonst könnte der junge Herr das Glück nicht tragen, und es würde ihm schaden. Nicht das Geld zum Fenster hinauswerfen: Höchstens sieben Jin, mindestens fünf Jin, das ist genau richtig." Herzoginmutter sagte: „Gut, dann mach es mit fünf Jin pro Tag, monatlich pauschal zum Abholen." die Daoistin Ma sprach einen „Amitabha, barmherziger Bodhisattva". Herzoginmutter befahl auch noch: „Von nun an, wenn Schatzjade ausgeht, gebt seinen Dienern ein paar Schnüre Münzen mit, damit er unterwegs Mönchen, Daoisten und Bedürftigen etwas schenken kann." Damit wurde das erledigt. die Daoistin Ma saß noch eine Weile, machte dann die Runde durch die verschiedenen Höfe und Zimmer, um überall ihre Aufwartung zu machen. Schließlich kam sie in Tante Zhaos Zimmer. Die beiden begrüßten einander, und Tante Zhao ließ ein kleines Dienstmädchen Tee bringen. die Daoistin Ma sah einige Stoffreste und Satinstücke auf dem Kang liegen — Tante Zhao war gerade dabei, Schuhe zu bekleben. die Daoistin Ma sagte: „Mir fehlt gerade Schuhstoff. Zhao-Schwester, wenn du ein paar Stücke Satin übrig hast, ganz gleich welche Farbe, gib mir zwei Stücke für Schuhe." Tante Zhao seufzte: „Sieh dich um — ist da noch ein ordentliches Stück dabei? Die guten Stoffe kommen nie zu mir. Was übrig bleibt, liegt alles hier. Wenn du es nicht verschmähst, such dir zwei Stücke aus." die Daoistin Ma tat es tatsächlich, wählte zwei Stücke und steckte sie in den Ärmel. Tante Zhao fragte: „Neulich habe ich fünfhundert Münzen geschickt, um vor dem Medizinkönig zu opfern — hast du sie bekommen?" die Daoistin Ma sagte: „Längst habe ich für dich geopfert." Tante Zhao seufzte: „Amitabha! Wenn ich nur etwas mehr Mittel hätte, würde ich ständig opfern. Nur habe ich den guten Willen, aber nicht die Kraft." die Daoistin Ma sagte: „Hab nur Geduld. Wenn einmal der kleine Huan groß ist und einen Beamtenposten bekommt — was für gute Werke könntest du dann erst tun!" Tante Zhao schnaubte durch die Nase und sagte: „Ach, lass es sein! Rede nicht mehr davon. So wie es jetzt steht — können wir Mutter und Sohn mit irgendeinem hier mithalten? Da ist Schatzjade, den alle behandeln, als sei ein lebendiger Drache geboren. Er ist ja noch ein Kind, hübsch anzusehen, und die Erwachsenen mögen ihn ein wenig mehr — das ginge noch an. Aber ich kann diese Person dort nicht ausstehen!" Bei diesen Worten streckte sie zwei Finger aus. die Daoistin Ma verstand und fragte: „Meinst du die Zweite Frau Lian?" Tante Zhao erschrak und wedelte hastig mit der Hand, ging zur Tür und hob den Vorhang, um nach draußen zu spähen — niemand war da. Dann kam sie zurück und flüsterte die Daoistin Ma zu: „Um Himmels willen! Wenn man von dieser Person spricht — wenn sie nicht das ganze Familienvermögen zu ihrer Elternfamilie verschafft, will ich kein Mensch mehr sein!" die Daoistin Ma sondierte vorsichtig: „Das brauche ich dir nicht zu erzählen — alle sehen es. Ich wundere mich nur, dass ihr das auf sich beruhen lasst — recht klug eigentlich." Tante Zhao sagte: „Ach, meine Liebe! Wenn wir es nicht auf sich beruhen ließen — wer würde ihr denn etwas tun können?" die Daoistin Ma schnaubte durch die Nase, schwieg eine halbe Ewigkeit und sagte: „Ich will ja nichts Sündhaftes sagen, aber ihr habt kein Talent! — Natürlich kann man anderen keinen Vorwurf machen. Offen wagt ihr nichts, aber heimlich — da hätte man sie schon längst erledigt, statt bis heute zu warten!" Tante Zhao hörte, dass da Sinn dahinter steckte, und freute sich insgeheim. Sie sagte: „Was meinst du mit heimlich erledigen? Ich hätte durchaus die Absicht dazu, nur fehlt mir eine fähige Person. Wenn du mir ein Mittel verrätst, belohne ich dich reichlich." die Daoistin Ma hörte, dass die Sache zusammenpasste, stellte sich aber absichtlich zögerlich: „Amitabha! Frag mich nicht, ich verstehe von solchen Dingen nichts. Sünde, Sünde!" Tante Zhao sagte: „Jetzt tust du wieder so! Du bist doch immer die Erste, die Bedürftigen hilft. Willst du tatenlos zusehen, wie man uns Mutter und Sohn zugrunde richtet? Fürchtest du etwa, ich würde mich nicht erkenntlich zeigen?" die Daoistin Ma sagte: „Wenn du sagst, ich brächte es nicht übers Herz, euch leiden zu sehen — das geht noch an. Aber von Belohnung brauche ich nichts zu hören. Selbst wenn du mich belohnen wolltest — was hättest du schon, das mich bewegen könnte?" Tante Zhao sagte: „Was für ein kluger Mensch du bist — und jetzt tust du dumm! Wenn dein Trick funktioniert und diese zwei beseitigt sind, gehört das ganze Familienvermögen natürlich meinem Huan. Was könntest du dann nicht haben?" die Daoistin Ma senkte den Kopf, schwieg lange und sagte: „Und wenn die Sache geglückt ist und ich keinen Beweis habe — kümmerst du dich dann noch um mich?" Tante Zhao sagte: „Das ist doch einfach. Zwar habe ich gerade nicht viel in der Hand, aber ich habe ein paar Liang Silber zusammengespart und noch einige Kleidungsstücke und Haarnadeln. Nimm das erst einmal mit. Den Rest schreibe ich dir als Schuldschein — Bürgen wirst du auch finden, und dann zahle ich alles." die Daoistin Ma sagte: „Wirklich?" Tante Zhao sagte: „Wie könnte ich da lügen?" Damit rief sie eine Vertraute Dienstmagd heran, flüsterte ihr ein paar Worte ins Ohr. Die Magd ging hinaus und kam nach einer Weile mit einem Schuldschein über fünfhundert Liang zurück. Tante Zhao drückte ihren Fingerabdruck darauf, ging zum Schrank und holte ihr gesamtes Erspartes heraus, zeigte es die Daoistin Ma und sagte: „Das nimmst du erst einmal mit für Räucherwerk und Opfergaben — ist es recht?" die Daoistin Ma sah das blinkende weiße Silber, dazu den Schuldschein, und ohne lang zu zögern, griff sie gierig nach dem Silber und steckte es ein, nahm dann den Schuldschein. Aus dem Hosenbund kramte sie lange herum und zog schließlich zehn papiergeschnittene Dämonen mit blauen Gesichtern und weißem Haar hervor sowie zwei Papierfiguren. Sie reichte alles Tante Zhao und wisperte: „Schreib auf die zwei Papierfiguren die Geburtsdaten der beiden, dann steck beide Figuren samt den fünf Dämonen jeweils unter ihr Bett — fertig! Ich werde zu Hause den Zauber wirken, und die Wirkung wird sich zeigen. Nur — hab keine Angst!" Gerade hatte sie das gesagt, da kam ein Mädchen von Dame König und suchte: „Ist die Gnädige Frau hier? Die Herrin wartet." Die beiden trennten sich. Davon sei nicht weiter die Rede. Nun sei erzählt, wie Kajaljade, da Schatzjade in diesen Tagen wegen der Verbrennung nicht ausging, häufig bei ihm vorbeischaute und sie zusammen plauderten. An diesem Tag hatte sie nach dem Essen zwei Seiten in einem Buch gelesen, fühlte sich gelangweilt und stickte dann eine Weile mit Purpurkuckuck und Schneegans, was sie aber auch ermüdete. So lehnte sie sich an den Türrahmen und sah hinaus, betrachtete die neuen Bambussprösslinge am Fuß der Treppe und schlenderte schließlich unwillkürlich aus dem Hoftor. Mit einem Blick in den Garten sah sie niemanden, nur Blumenglanz und Weidenschatten, Vogelgesang und Bachgemurmel. Kajaljade ging ziellos weiter und landete im Yihong-Hof. Dort sah sie einige Dienstmädchen, die Wasser schöpften und auf dem Wandelgang ihre Spottvögel im Bad beobachteten. Drinnen hörte sie Gelächter. Als Kajaljade eintrat, sah sie Seidenweiß Pflaume [李纨], Phönixglanz und Schatzspange, die alle schon hier waren. Als sie sie sahen, lachten alle: „Noch eine dazu!" Kajaljade lachte: „Heute sind alle vollzählig — wer hat die Einladung geschrieben?" Phönixglanz sagte: „Neulich habe ich dir zwei Fläschchen Tee geschickt — wo warst du da?" Kajaljade lachte: „Oh, ganz vergessen, vielen Dank!" Phönixglanz fragte weiter: „Hast du ihn probiert? War er gut?" Schatzjade fiel ihr ins Wort: „Im Prinzip ganz passabel, nur fand ich ihn nicht besonders gut — ich weiß nicht, wie er anderen schmeckt." Schatzspange sagte: „Der Geschmack ist leicht, nur die Farbe ist etwas blass." Phönixglanz sagte: „Das ist siamesischer Tributtee. Mir schmeckt er auch nicht besonders — nicht so gut wie mein täglicher Tee." Kajaljade sagte: „Mir schmeckt er. Was habt ihr nur für einen Gaumen?" Schatzjade sagte: „Wenn er dir wirklich schmeckt, nimm meinen Anteil dazu." Phönixglanz lachte: „Wenn du ihn magst — ich habe noch welchen." Kajaljade sagte: „Wirklich? Dann schicke ich gleich ein Mädchen, um ihn zu holen." Phönixglanz sagte: „Nicht nötig, ich schicke ihn her. Ich habe morgen sowieso noch etwas von dir zu erbitten und schicke beides zusammen." Kajaljade lachte: „Hört nur! Kaum hat man ein Schlückchen von ihrem Tee getrunken, schon will sie einen kommandieren!" Phönixglanz lachte: „Komm, bitte ich dich, und du redest solches Zeug — Tee hier, Wasser da! Da du schon unseren Tee getrunken hast, warum heiratest du nicht in unsere Familie ein?" Alle lachten. Kajaljade wurde rot im Gesicht, sagte kein Wort und drehte den Kopf weg. Seidenweiß Pflaume lachte zu Schatzspange gewandt: „Unsere Zweite Schwägerin hat wirklich einen feinen Humor!" Kajaljade sagte: „Was für ein Humor — nichts als freches, gemeines Geschwätz, das einem auf die Nerven geht." Damit spuckte sie einmal aus. Phönixglanz lachte: „Träum weiter! Wenn du unsere Schwiegertochter wärst — was würde dir fehlen?" Sie zeigte auf Schatzjade: „Sieh ihn dir an — passt die Person nicht? Der Rang nicht? Das Vermögen nicht? In welcher Hinsicht würde er dich beschämen?" Kajaljade stand auf und wollte gehen. Schatzspange rief: „Pin'er, sei nicht beleidigt! Komm zurück und setz dich. Wenn du gehst, ist es erst recht peinlich." Damit stand sie auf und hielt sie fest. Gerade kamen Tante Zhao und die Zhou-Konkubine herein, um nach Schatzjade zu sehen. Seidenweiß Pflaume, Schatzspange und Schatzjade boten beiden einen Platz an. Nur Phönixglanz plauderte weiter mit Kajaljade und würdigte die beiden keines Blickes. Schatzspange wollte gerade etwas sagen, da kam ein Dienstmädchen von Dame König und meldete: „Die Tante ist gekommen — die Gnädigen Frauen und Fräulein werden hinausgebeten." Seidenweiß Pflaume hörte das, rief eilig Phönixglanz und die anderen, und sie gingen davon. Auch Tante Zhao und die Zhou-Konkubine verabschiedeten sich von Schatzjade. Schatzjade sagte: „Ich kann nicht mit hinausgehen. Sagt der Tante bitte, sie möge nicht hereinkommen." Dann sagte er: „Schwester Lin, bleib noch einen Moment, ich möchte dir etwas sagen." Phönixglanz hörte das, wandte sich um und lachte zu Kajaljade: „Da will jemand mit dir reden!" Damit gab sie Kajaljade einen kleinen Schubs nach innen und ging mit Seidenweiß Pflaume davon. Schatzjade hielt Kajaljade am Ärmel und konnte nur grinsen — er hatte tausend Dinge im Herzen, doch kein Wort kam über seine Lippen. Kajaljade war längst knallrot im Gesicht und wollte sich losreißen. Da schrie Schatzjade plötzlich „Au!" und rief: „Mein Kopf! Was für Kopfschmerzen!" Kajaljade sagte: „Geschieht dir recht! Amitabha!" Plötzlich schrie Schatzjade laut: „Ich sterbe!" Er sprang hoch — sein Körper flog drei oder vier Fuß in die Höhe —, und er brüllte und schrie wirres Zeug. Kajaljade und die Dienstmädchen erschraken zu Tode und liefen, um Dame König, Herzoginmutter und die anderen zu benachrichtigen. Auch Frau Fliederranke König war gerade zu Besuch. Als sie alle herbeieilten, tobte Schatzjade noch schlimmer — er schwang Messer und Stöcke und drohte sich umzubringen. Das ganze Haus stand kopf. Herzoginmutter und Dame König zitterten vor Angst und weinten laut. Da kam auch die Meldung: auch Phönixglanz sei verrückt geworden — mit einem blitzenden Hackmesser stürze sie durch den Garten, schlage auf Hühner, Hunde und Menschen ein. Alle waren außer sich. Die Frau des Zhou Rui eilte mit ein paar kräftigen Mägden herbei, hielt sie fest, entwand ihr das Messer und trug sie zurück in ihr Zimmer. Friedchen[8] und Feng'er weinten bitterlich. Aufrecht Kaufmann und die anderen waren ratlos — kümmerte man sich um die eine Seite, konnte man die andere nicht im Stich lassen. Alle gerieten in Panik, nur Becken Schnee war noch zehnmal geschäftiger als alle anderen: Er fürchtete, Tante Schnee könnte in der Menge umgestoßen werden; er fürchtete, Schatzspange könnte von fremden Männern angestarrt werden; er fürchtete, Duftkastanie könnte belästigt werden — da er wusste, dass Herrlichkeit Kaufmann[9] und seinesgleichen Liebhaber der Weiblichkeit waren. In all seiner Hektik fiel sein Blick auf Kajaljade, deren anmutige Schönheit ihn auf der Stelle schmelzen ließ. Man rief Priester, Exorzisten und Schamanen herbei, doch nichts half. Tage und Nächte vergingen; Schatzjade und Phönixglanz lagen im Fieberwahn auf dem Bett, am ganzen Körper glühend wie Kohlen, und redeten nichts als Irrsinn. Nachts wagte sich niemand in ihre Nähe. Man brachte beide in Dame Königs oberes Zimmer; nachts hielten Efeu Kaufmann und die Diener abwechselnd Wache. Herzoginmutter, Dame König, Frau Strafe und Tante Schnee wichen nicht von der Seite und weinten nur. Begnadigung Kaufmann [贾赦] und Aufrecht Kaufmann fürchteten, Herzoginmutter könnte sich krank weinen. Tag und Nacht brannten die Lichter, und das ganze Haus war in Aufruhr. Begnadigung Kaufmann suchte überall nach Mönchen und Daoisten. Aufrecht Kaufmann, der keine Wirkung sah, war zutiefst bekümmert und wandte sich an Begnadigung Kaufmann: „Die Zahl der Kinder ist vom Himmel bestimmt und nicht durch Menschenhand zu erzwingen. Ihre Krankheit kam unerwartet, und hunderterlei Behandlungen blieben ohne Erfolg. Wenn es der Wille des Himmels ist, müssen wir sie lassen." Begnadigung Kaufmann hörte gar nicht hin und trieb seine Bemühungen weiter. Drei Tage vergingen so. Phönixglanz und Schatzjade lagen auf dem Bett, und selbst der Atem wurde schwächer. Die ganze Familie war in Panik, man hielt sie für verloren und bereitete bereits Totenkleider und Grabbeigaben vor. Herzoginmutter, Dame König, Kette Kaufmann, Friedchen und Dufthauch weinten Tag und Nacht und vergaßen Essen und Schlaf. Tante Zhao und Unheil Kaufmann dagegen frohlockten insgeheim. Am vierten Morgen, als Herzoginmutter und die anderen gerade weinend um Schatzjade standen, öffnete Schatzjade plötzlich die Augen und sagte: „Von heute an gehöre ich nicht mehr zu eurer Familie! Macht mich fertig und lasst mich gehen!" Herzoginmutter war, als risse man ihr das Herz heraus. Tante Zhao trat an ihre Seite und sagte beschwichtigend: „Die Alte Großmutter braucht sich nicht so zu grämen. Der junge Herr ist nicht mehr zu retten — ziehen wir ihm besser die Totenkleider an, damit er früher hinübergehen kann, das erspart ihm auch das Leiden. Wenn man ihn nicht loslässt und dieser letzte Atem nicht aufhört, leidet er auch drüben." Kaum hatte sie das gesagt, da spuckte Herzoginmutter ihr mitten ins Gesicht und schimpfte: „Was für eine faulzüngige Schandvettel! Wer hat dich gebeten, hier deinen Senf dazuzugeben! Woher willst du wissen, dass er drüben leidet? Woher willst du wissen, dass er nicht mehr zu retten ist? Du wünschst dir seinen Tod — was hättest du davon? Träum weiter! Wenn er stirbt, fordere ich von euch sein Leben! Seid ihr es nicht gewesen, die ihn ständig zum Schreiben und Lernen gehetzt haben, bis ihm der Mut gebrochen war, und er vor seinem Vater wie ein Mäuschen vor der Katze zittert? Seid ihr es nicht, ihr verdorbenen Weiber, die das angestiftet haben? Jetzt, wo ihr ihn in den Tod getrieben habt, seid ihr zufrieden — aber ich verschone keine von euch!" Dabei schimpfte und weinte sie. Aufrecht Kaufmann hörte das nebenan, und es schnitt ihm noch tiefer ins Herz. Er wies Tante Zhao zurecht und versuchte selbst, die Mutter zu trösten. Da kam jemand und meldete: „Die beiden Särge sind fertig, der Herr möge hinauskommen und sie prüfen." Herzoginmutter hörte das, als gieße man Öl ins Feuer, und rief: „Wer hat die Särge bestellt?" In einem fort schrie sie: „Holt den Sargmacher her und schlagt ihn tot!" Gerade als alles drunter und drüber ging, hörte man plötzlich aus der Ferne den Klang eines Holzfisches und eine Stimme, die psalmodierte: „Namo, Bodhisattva der Entsühnung! Wo Menschen krank und Häuser in Aufruhr, wo Gefahr droht oder böse Geister hausen — wir können heilen und helfen!" Herzoginmutter und Dame König hielten es nicht mehr aus und ließen sie sofort hereinbitten. Aufrecht Kaufmann war zwar nicht begeistert, doch wie konnte er Herzoginmutters Wort widersprechen? Es kam ihm auch seltsam vor, dass man sie in solcher Tiefe des Hauses so deutlich hören konnte. Er ließ sie hereinbitten. Alle sahen sich um — es waren ein Mönch mit einem kahlgeschorenen, aussätzigen Kopf und ein Daoist mit einem lahmen Fuß. Der Mönch sah so aus: Nase wie hängende Galle, Brauen überlang, Augen wie strahlende Sterne, Schatzesglanz, Flickenkutte, Strohsandalen, ohne Spur, Schmutzig und zerlumpt, den Grind am Schädel nur. Und der Daoist: Ein Fuß hoch, ein Fuß tief, Am ganzen Leib durchnässt und voller Schmutz. Fragst du ihn, wo sein Zuhause liegt: Im Penglai-Land, am Schwachen Wasser weit. Aufrecht Kaufmann fragte: „In welchem Tempel praktiziert ihr beide?" Der Mönch lachte: „Der Herr brauche nicht viele Worte. Da wir hörten, dass in Eurem Hause die Menschen krank sind, kamen wir eigens, um zu helfen." Aufrecht Kaufmann fragte: „Tatsächlich sind zwei Personen von bösen Geistern befallen. Habt ihr Zauberwasser oder Talismane?" Der Daoist lachte: „In Eurem Hause befindet sich bereits ein Schatz von weltweiter Seltenheit — warum fragt Ihr da noch nach unseren Zaubermitteln?" Aufrecht Kaufmann wurde hellhörig und sagte: „Mein Sohn kam zwar mit einem Jadestück zur Welt, auf dem steht, es könne böse Geister vertreiben, doch es hat offenbar keine Wirkung." Der Mönch sagte: „Ihr wisst nicht um die wunderbare Kraft dieses Gegenstands. Nur weil er jetzt von Sinnesfreuden und Habgier betäubt ist, wirkt er nicht mehr. Gebt ihn uns heraus, wir werden Gebete über ihn sprechen — dann wird er wohl wirken." Aufrecht Kaufmann nahm den Jadestein von Schatzjades Hals und reichte ihn den beiden. Der Mönch nahm ihn in die Hand, hielt ihn auf der Handfläche und seufzte tief: „Seit dem Abschied am Gipfel des Grünen Kamms sind dreizehn Jahre vergangen! Wie rasch eilt die irdische Zeit, der Staub des Schicksals füllt die Tage, als seien sie ein Fingerschnipp! Wie beneidenswert waren deine Tugenden einst: Nicht gebunden an den Himmel, nicht an die Erde, Im Herzen weder Freud noch Leid und keine Beschwerde; Doch seit der Läuterung zum geistdurchdrungenen Stein Suchst du im Menschenreich den Streit und den Schein. Wie beklagenswert ist nun dein Los: Puderflecken, Schminkespuren trüben deinen Schatzesglanz, In der seidenen Kammer Tag und Nacht gefangen ganz. Aus dem tiefen Rausch erwacht man einst gewiss, Sind die Schulden aufgewogen, folgt die Trennung, kein Vermiss." Damit rieb er das Jadestück noch einmal, sprach einige rätselhafte Worte und gab es Aufrecht Kaufmann zurück mit den Worten: „Dieses Ding hat seine Kraft wiedererlangt. Man darf es nicht entweihen. Hängt es an den Türsturz des Schlafgemachs, bringt die beiden Kranken in dasselbe Zimmer, und außer leiblicher Mutter und Ehefrau darf keine fremde Person sie berühren. In dreiunddreißig Tagen werden sie genesen und sein wie zuvor." Kaum gesagt, wandte er sich um und ging. Aufrecht Kaufmann wollte sie noch zum Tee bitten und ihnen Geschenke geben, doch die beiden waren bereits verschwunden. Herzoginmutter schickte noch Leute hinterher, doch von ihnen war keine Spur zu finden. Man musste ihren Worten folgen und brachte die beiden Kranken in Dame Königs Schlafzimmer unter und hängte den Jadestein an die Tür. Dame König wachte persönlich und ließ niemand anderen herein. Am Abend begannen die beiden tatsächlich allmählich aufzuwachen und klagten über Hunger. Herzoginmutter und Dame König freuten sich wie über einen wiedergefundenen Schatz. Man kochte sogleich Reisbrühe, die beide tranken. Ihre Lebensgeister kehrten langsam zurück, die bösen Geister wichen. Die ganze Familie atmete auf. Seidenweiß Pflaume, die drei Schwestern des Hauses, Schatzspange, Kajaljade, Friedchen, Dufthauch und die anderen warteten im Vorzimmer auf Nachricht. Als sie hörten, dass die Kranken Reisbrühe getrunken hatten und bei Sinnen waren, sprach Kajaljade als Erste ein „Amitabha". Schatzspange wandte den Kopf und sah sie lange an, dann kicherte sie. Niemand verstand warum. Bedauerfrühling fragte: „Schwester Bao, warum lachst du?" Schatzspange lachte: „Ich lache über den Buddha Amitabha — er hat so viel zu tun! Einerseits muss er Sutren lehren und das Dharma verkünden und alle Wesen erlösen; dann, weil Schatzjade und Schwester Phönixglanz krank waren, muss er Räucherwerk empfangen und Gelübde einlösen, Segen spenden und Unheil abwenden; und jetzt, da sie kaum ein wenig besser sind, muss er sich auch noch um Schwester Lins Heirat kümmern! Ist das nicht zum Lachen?" Kajaljade wurde rot, spuckte aus und sagte: „Ihr seid alle verdorben! Ihr wisst nicht, wie ihr sterben werdet! Statt von guten Menschen zu lernen, lernt ihr nur von diesen Klatschmäulern mit ihren giftigen Zungen!" Dabei rauschte sie empört durch den Vorhang hinaus. Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel.
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