Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 38"

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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 38)
 
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= 第三十八回 =
 
== 林潇湘魁夺菊花诗 ==
 
=== 薛蘅芜讽和螃蟹咏 ===
 
==== Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß siegt mit Lobliedern über Chrysanthemen, die Edle von Haselwurz schreibt Spottverse auf Krabben. ====
 
  
 
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! style="width:50%" | 中文原文 (庚辰本)
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! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982)
! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung
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! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)
 
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  眾人看畢,都說這是食螃蟹絕唱,這些小題目,原要寓大意才算是大才,只是諷刺世人太毒了些。說著,只見平兒復進園來。不知作什麼,且聽下回分解。
 
  眾人看畢,都說這是食螃蟹絕唱,這些小題目,原要寓大意才算是大才,只是諷刺世人太毒了些。說著,只見平兒復進園來。不知作什麼,且聽下回分解。
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==注释==
 
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Bau-tschai und Hsiang-yün hatten sich also über alles geeinigt. Vom Rest der Nacht ist nichts zu berichten.
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Kapitel 38
Am nächsten Tag lud Hsiang-yün die Herzoginmutter und die anderen ein, sich am Anblick der Duftblüten zu erfreuen, und die Herzoginmutter wie auch alle anderen sagten: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An so einem edlen Genuß sollte man teilhaben!“ Und als es Mittag war, ging die Herzoginmutter tatsächlich mit Dame Wang und Hsi-fëng zusammen in den Garten. Auch Tante Hsüä und die anderen hatte sie gebeten, sie zu begleiten.
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„Wo ist es am schönsten?erkundigte sich die Herzoginmutter.
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Die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang erringt den Sieg beim Chrysanthemen-Dichten
„Überall, wo es Euch gefällt, ist es auch schön, alte gnädige Frau“, antwortete Dame Wang darauf. Hsi-fëng aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang sehr schön, und das Wasser im Fluß ist klar und grün. Hat man nicht dort vom Pavillon inmitten des Flusses eine freie Aussicht? Und der Anblick des Wassers macht die Augen klar.“
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Die Edle von Haselwurz dichtet spöttisch über Krabben
„Das hast du ganz richtig gesagt“, erwiderte die Herzoginmutter und ging allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes.
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Der Kiosk des Lotoswurzelduftes stand mitten im Teich, und seine Fenster öffneten sich nach allen vier Seiten. Links und rechts hatte er gewundene Wandelgänge, die auch über das Wasser ans Ufer führten. Dahinter aber verbarg sich noch eine Zickzackbrücke aus Bambus.
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Es wird erzählt, dass Schatzspange<ref>薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Kostbare Schnee-Haarspange" — Schatzjades Kusine aus der Familie Xue, klug, besonnen und tugendreich.</ref> und Xiangfluss-Wolke<ref>史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Geschichtsschreiber Wolke-am-Xiang-Fluss" — Schatzjades lebenslustige Kusine, eine begabte Dichterin.</ref> ihren Plan bereits besprochen hatten. Von der restlichen Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Tag lud Xiangfluss-Wolke die Herzoginmutter<ref>贾母 Jiǎ Mǔ, wörtl. „Matriarchin der Kaufmann-Familie" — die Großmutter des Hauses Kaufmann (Jiǎ), eine der mächtigsten Figuren des Romans.</ref> und die anderen ein, sich an den Duftblüten zu erfreuen. Die Herzoginmutter und alle Übrigen sagten einhellig: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An diesem edlen Zeitvertreib sollte man unbedingt teilhaben!"
Als sie die Brücke betraten, eilte Hsi-fëng nach vorn zur Herzoginmutter, um sie zu stützen, und sagte dabei: „Ihr könnt bedenkenlos ausschreiten, alte Ahne. Für eine Bambusbrücke gehört es sich, daß sie knarrt.“
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Als sie bald darauf am Pavillon waren, entdeckten sie, daß extra zwei Bambustische außerhalb des Geländers aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Eßstäbchen und Weingeschirr besetzt, auf dem anderen lagen Teepinsel, Teetöpfe und sonstiges Teegeschirr bereit. Hier fachten ein paar Sklavenmädchen mit Fächern das Feuer in einem Öfchen an, um den Tee zu brühen, dort fächelten ein paar andere ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.  
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Zur Mittagszeit kam die Herzoginmutter tatsächlich in Begleitung von Dame König<ref>王夫人 Wáng Fūrén — Schatzjades Mutter, zweite Frau des Aufrecht Kaufmann.</ref> und Phönixglanz<ref>王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Heiterer König-Phönix" — die energische und verschlagene Haushälterin des Kaufmann-Anwesens.</ref> in den Garten; auch Tante Schnee<ref>薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee" — Schatzspanges Mutter, Schwester von Dame König.</ref> und die anderen hatte sie eingeladen mitzukommen.
„Wie schön, daß du an Tee gedacht hast!“ lobte die Herzoginmutter sofort. „Und wie sauber Umgebung und Ausstattung sind!
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„Kusine Bau-tschai hat mir geholfen, alles vorzubereiten“, erwiderte Hsiang-yün lächelnd.
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„Wo ist es am schönsten?" erkundigte sich die Herzoginmutter.
„Ich sage es ja, das Mädel hat einen klaren Verstand, sie denkt an alles“, bemerkte die Herzoginmutter. Und während sie das sagte, fiel ihr Blick auf zwei schwarzlackierte Tafeln, die an den Säulen hingen und in die mit Perlmutt ein Parallelsatzpaar eingelegt war. Sie befahl, ihr die Sätze vorzulesen, und Hsiang-yün las:
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„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag,
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„Überall, wo es Euch gefällt, alte gnädige Frau, ist es auch schön", antwortete Dame König.
der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg.
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Nun hob die Herzoginmutter den Kopf und blickte nach der Tafel mit dem Namen des Pavillons. Dann wandte sie sich zu Tante Hsüä und sagte: „Als ich noch jung war, hatten wir bei uns zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter, als die Mädchen jetzt sind, und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Einmal bin ich dabei ausgerutscht und ins Wasser gefallen, um ein Haar wäre ich ertrunken. Mit Müh und Not hat man mich herausgezogen, und dabei habe ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an der Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, weil ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann noch verkühlte. Doch wider Erwarten bin ich genesen.
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Phönixglanz aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang besonders schön, und das Wasser im Fluss ist klar und grün. Vom Pavillon inmitten des Flusses hat man eine freie Aussicht — und der Anblick des Wassers erfreut die Augen!"
Ohne abzuwarten, ob jemand anders etwas sagen wollte, erklärte Hsi-fëng mit einem Lächeln: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahne, wer sollte dann heute dieses Glück genießen! Wie man sieht, war Euch von klein auf nicht wenig Glück und Langlebigkeit zugedacht, und die Götterboten und Teufelsdiener haben Euch diese Delle in den Kopf geschlagen, um das Glück und die Langlebigkeit einzufüllen. Auch der Gott des langen Lebenshatte ursprünglich so eine Delle am Kopf, weil der aber mit zehntausendfachem Glück und zehntausendfacher Langlebigkeit angefüllt wurde, hat er schließlich eine kleine Beule nach außen bekommen...
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Sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als sich die Herzoginmutter und alle anderen schon vor Lachen bogen. Lächelnd sagte dann die Herzoginmutter: „Dieses Äffchen ist ja völlig außer Rand und Band! In einem fort macht sie sich über mich lustig. – Warte nur, ich will dir dein Ölmaul zerreißen!
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„Das hast du vollkommen richtig gesagt", erwiderte die Herzoginmutter, und schon ging sie allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes<ref>Chin. 藕香榭</ref>.
Hsi-fëng aber erwiderte ihr lächelnd: „Wir wollen gleich Krabben essen, da hatte ich Angst, die Kälte könnte sich in Eurem Innern anstauen, alte Ahne. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euer Inneres aufzulockern. Jetzt könnt ihr ohne Bedenken ein paar Krabben mehr essen.
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„Dann wirst du von nun an Tag und Nacht bei mir bleiben, damit ich immer lachen kann und mein Inneres aufgelockert wird. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück“, befahl die Herzoginmutter im Scherz.
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Dieser Kiosk stand mitten im Teich und hatte an allen vier Seiten Fenster. Rechts und links führten gewundene Wandelgänge über das Wasser ans Ufer; im hinteren Teil verbarg sich zudem eine geschwungene Zickzackbrücke aus Bambus, die den Kiosk mit dem Ufer verband.
„Nur weil Ihr sie so gern habt, ist sie so zügellos, alte gnädige Frau“, schaltete Dame Wang sich ebenfalls lächelnd ein. „Wenn Ihr jetzt so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht keinen Anstand mehr haben.
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Aber immer noch lächelnd, sagte die Herzoginmutter: „Ich mag sie so, wie sie ist. Außerdem ist sie keins von den Kindern, die zwischen hoch und niedrig nicht zu unterscheiden wissen. Und in den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so miteinander umgehen, sofern niemand weiter dabei ist! Es reicht, wenn man sich beim Zeremoniell korrekt benimmt. Soll ich vielleicht von ihr verlangen, daß sie auf den Spuren der Götter wandelt?
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Als die Gesellschaft die Bambusbrücke betrat, eilte Phönixglanz nach vorn, um die Herzoginmutter zu stützen, und sagte dabei: „Nur kräftig ausschreiten, alte Ahnin, das macht gar nichts! Bei einer Bambusbrücke gehört es sich, dass sie knarzt und ächzt!"
Bei diesen Worten traten alle in den Pavillon, und nachdem der Tee gereicht worden war, befahl Hsi-fëng rasch, man solle die Tische bringen und sie mit Weinbechern und Eßstäbchen eindecken. Am Haupttisch nahm die Herzoginmutter mit Tante Hsüä, Bau-tschai, Dai-yü und Bau-yü Platz, und an den östlichen Tisch setzten sich Hsiang-yün, Dame Wang, Ying-tschun, Tan-tschun und Hsi-tschun. Am westlichen Tisch neben der Tür aber blieben die Plätze von Li Wan und Hsi-fëng leer, denn die beiden wagten es nicht, sich zu setzen, und bedienten an den beiden Tischen, an denen die Herzoginmutter beziehungsweise Dame Wang saßen.
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„Bringt nicht zu viel von den Krabben, und laßt die anderen noch im Dämpfgefäß!“ befahl Hsi-fëng. „Zehn Stück reichen fürs erste. Wenn sie aufgegessen sind, könnt ihr mehr bringen.
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Bald darauf betraten sie den Kiosk, und man sah, dass außerhalb des Geländers zwei Bambustische aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Essstäbchen und Weingeschirr eingedeckt, auf dem anderen standen Teepinsel, Teetöpfe und allerlei Teegerät bereit. Auf der einen Seite fächelten zwei, drei Dienstmädchen die Glut in einem Windöfchen an, um den Tee zu brühen; auf der anderen Seite fächelten weitere Mädchen ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.
Dann ließ sie Wasser holen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabben zu schälen. Die erste Portion wollte sie Tante Hsüä reichen, die lehnte ab: „Mir schmeckt es am besten, wenn ich sie selber schäle. Mich braucht keiner zu bedienen!“
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Also gab Hsi-fëng das Krabbenfleisch der Herzoginmutter, die zweite Portion gab sie Bau-yü. Dann rief sie: „Bringt den Wein sprudelnd heiß herein!Außerdem befahl sie den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten mit Chrysanthemenblättern und Duftblüten parfümiertes Bohnenmehl zum Säubern der Hände bereithalten.
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Die Herzoginmutter rief sogleich erfreut: „Wie schön, dass du an Tee gedacht hast! Und wie sauber alles ringsum ist — der Platz, die Ausstattung!"
Hsiang-yün aß nur zur Gesellschaft eine Krabbe mit, dann stand sie auf, um die anderen zu bedienen, und ging schließlich hinaus, wo sie zwei Teller mit Krabbenfleisch zu füllen befahl, um sie den Nebenfrauen Dschau und Dschou bringen zu lassen. Da kam eben auch Hsi-fëng heraus und forderte sie auf: „Geh nur hinein und iß, du bist es nicht gewöhnt, andere zu bedienen! Ich will es an deiner Statt tun und selber essen, wenn die anderen gegangen sind!“
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Aber Hsiang-yün verzichtete darauf und ordnete an, auch auf der Veranda zwei Tische aufzustellen, damit Yüan-yang, Hu-po, Tsai-hsia, Tsai-yün und Ping-örl dort essen konnten.  
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Xiangfluss-Wolke erwiderte lächelnd: „Schatzspange-Schwester hat mir geholfen, alles vorzubereiten."
Lächelnd sagte Yüan-yang zu Hsi-fëng: „Ihr könnt bedienen, junge gnädige Frau, und wir werden essen!
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„Ja, eßt nur und laßt mich machen!“ erwiderte Hsi-fëng.
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„Ich sage es ja", bemerkte die Herzoginmutter, „dieses Mädchen ist fein und umsichtig, sie denkt an alles." Während sie das sagte, fielen ihr auch die schwarzlackierten, mit Perlmutt eingelegten Spruchpaare auf, die an den Säulen hingen. Sie befahl, man solle ihr die Sätze vorlesen. Xiangfluss-Wolke las:
Jetzt kehrte Hsiang-yün an ihren Tisch zurück, Hsi-fëng und Li Wan aber aßen rasch etwas, so gut es die Umstände erlaubten. Anschließend kam Hsi-fëng wieder in den Innenraum, um hier zu bedienen, nach einiger Zeit aber ging sie von neuem auf die Veranda hinaus, wo Yüan-yang und die anderen Sklavenmädchen eben nach Herzenslust zulangten. Als sie Hsi-fëng kommen sahen, standen sie auf und Yüan-yang fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht das bißchen Freude?
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Lächelnd erwiderte Hsi-fëng: „Yüan-yang, du kleines Spitzbein! Du verkommst immer mehr! Ich übernehme deinen Dienst, doch anstatt mir zu danken, bist du mir böse. Willst du mir nicht endlich einen Humpen Wein einschenken?
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„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag,
Lächelnd füllte Yüan-yang einen Becher mit Wein und hielt ihn Hsi-fëng an die Lippen. Hsi-fëng streckte den Hals und leerte den Becher in einem Zug. Da gossen auch Hu-po und Tsai-hsia einen Becher voll und hoben ihn an Hsi-fëngs Mund, so daß sie nur zu schlucken brauchte. Inzwischen hatte Ping-örl eine fette Krabbe abgeschält, die sie ihr nun brachte.
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der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg."
„Schütte recht viel Ingwer und Essig darüber!verlangte Hsi-fëng. Dann aß sie und sagte anschließend mit einem Lächeln: „Setzt euch nur wieder hin und eßt weiter, ich gehe.
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Da sagte Yüan-yang mit lächelndem Gesicht: „Was für eine Unverschämtheit, uns die Krabben wegzuessen!
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Die Herzoginmutter hob den Kopf und blickte zur Namenstafel des Pavillons empor. Dann wandte sie sich an Tante Schnee und sagte: „Als ich noch ein junges Mädchen war, hatten wir zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter als die Mädchen hier jetzt und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Eines Tages bin ich ausgerutscht und ins Wasser gefallen um ein Haar wäre ich ertrunken! Mit Müh und Not wurde ich herausgezogen, aber dabei hatte ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an meiner Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, nachdem ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann auch noch verkühlt hatte. Doch wider Erwarten bin ich genesen."
Hsi-fëng aber erwiderte ebenfalls lächelnd: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, der junge Herr Liän hat sich in dich verliebt und will dich von der alten gnädigen Frau erbitten, um dich zu seiner Nebenfrau zu machen.
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„Pfui!“ sagte Yüan-yang und spuckte aus. „So etwas sagt eine junge Herrin? Das wenigste ist, daß ich Euch meine Krabbenfinger ins Gesicht schmiere!“ Damit trat sie rasch näher und streckte die Hände nach Hsi-fëng aus.
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Ohne auch nur abzuwarten, ob sonst jemand etwas sagen wollte, ergriff Phönixglanz lächelnd das Wort: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahnin — wer sollte dann heute all dieses Glück genießen? Wie man sieht, war Euch von Kindheit an kein geringes Maß an Glück und langem Leben zugedacht, und die Götterdiener und Teufelsknechte haben Euch eigens diese Delle in den Kopf geschlagen, damit sich darin das Glück und die Langlebigkeit sammeln konnten! Auch der Gott des langen Lebens hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf — aber weil bei ihm zehntausendfaches Glück und zehntausendfache Langlebigkeit hineingefüllt wurden, ist die Delle schließlich nach außen gewölbt und zu einer Beule geworden ..."
„Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!“ bat Hsi-fëng. Hu-po aber bemerkte lächelnd: „Wird auch Ping-örl verzeihen, daß Yüan-yang zur Nebenfrau gemacht wird? Seht nur, sie hat noch keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig verbraucht. Ohne Saures geht es bei ihr nicht.“
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Als Ping-örl, die eben eine fette Krabbe zerteilte, hörte, wie sie verspottet wurde, ging sie mit der Krabbe auf Hu-pos Gesicht los und schimpfte dabei lachend: „Dir werde ich helfen, du kleines Spitzbein mit deiner Lästerzunge!
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Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da bogen sich die Herzoginmutter und alle Anwesenden schon vor Lachen. Die Herzoginmutter sagte glucksend: „Dieses Äffchen wird immer schlimmer! In einem fort macht sie sich über mich lustig! — Warte nur, ich werde dir dein geschmiertes Mundwerk zerreißen!"
Ebenfalls lachend, wich Hu-po seitwärts aus, Ping-örls Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere und traf Hsi-fëng genau auf die Wange.s.
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„Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!“ bat Hsi-fëng. Hu-po aber bemerkte lächelnd: „Wird auch Ping-örl verzeihen, daß Yüan-yang zur Nebenfrau gemacht wird? Seht nur, sie hat noch keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig verbraucht. Ohne Saures geht es bei ihr nicht.
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Gleich werden wir Krabben essen, und ich hatte Sorge, die Kälte könnte sich in Eurem Innern stauen, alte Ahnin. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euch das Herz aufzulockern. Wenn Ihr gut aufgelegt seid und ein paar Krabben mehr esst, schadet es gar nichts."
Als Ping-örl, die eben eine fette Krabbe zerteilte, hörte, wie sie verspottet wurde, ging sie mit der Krabbe auf Hu-pos Gesicht los und schimpfte dabei lachend: „Dir werde ich helfen, du kleines Spitzbein mit deiner Lästerzunge!
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Ebenfalls lachend, wich Hu-po seitwärts aus, Ping-örls Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere und traf Hsi-fëng genau auf die Wange. Hsi-fëng, die sich noch mit Yüan-yang neckte, schnellte erschrocken hoch und schrie: „O weh!“ Darüber brachen alle Anwesenden unwillkürlich in lautes Gelächter aus, und selbst Hsi-fëng konnte nicht an sich halten und mußte lachen, als sie Ping-örl ausschimpfte: „Du verflixte Hure! Hast du dich blindgefressen, daß du deiner Herrin das Gesicht verschmierst?“
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Die Herzoginmutter lachte: „Von nun an wirst du Tag und Nacht an meiner Seite bleiben! Wenn ich oft lache, fühle ich mich immer wohl. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück!"
Rasch trat Ping-örl zu Hsi-fëng heran, wischte ihr das Gesicht ab und ging dann selbst Wasser holen. Yüan-yang aber sagte: „Buddha Amitabha! Das war die Vergeltung!“
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Drinnen hatte die Herrzoginmutter den Lärm gehört und erkundigte sich nun gleich ein paarmal hintereinander: „Was ist denn passiert? Was war denn, daß ihr so fröhlich seid? Erzählt es uns, damit auch wir lachen können!“
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Dame König mischte sich lächelnd ein: „Nur weil Ihr sie so gernhabt, alte gnädige Frau, verwöhnt Ihr sie dermaßen. Wenn Ihr jetzt noch so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht jeden Anstand vergessen."
Sofort berichtete Yüan-yang laut und mit lachender Stimme: „Die Frau des zweiten jungen Herrn ist bei uns Krabben stehlen gekommen. Darüber ist Ping-örl in Wut geraten und hat ihr das ganze Gesicht mit Krabbenfett vollgeschmiert. Herrin und Sklavin lagen sich in den Haaren.
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Als die Herzoginmutter und Dame Wang das hörten, lachten sie ebenfalls, und die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch und gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, und laßt es gut sein!“
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Aber die Herzoginmutter meinte immer noch lächelnd: „Ich mag sie genau so, wie sie ist. Außerdem ist sie kein Kind, das den Unterschied zwischen hoch und niedrig nicht kennt. In den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so ungezwungen miteinander umgehen, solange keine Fremden dabei sind. Es reicht doch, wenn man sich bei offiziellen Anlässen korrekt benimmt. Was nützte es, von ihr zu verlangen, sie solle wandeln wie eine Göttin?"
Lachend versprachen es Yüan-yang und die anderen, dann sagte Yüan-yang noch immer mit lauter Stimme: „Eßt nur ungeniert alle Krabbenbeine, die auf dem Tisch herumliegen, junge gnädige Frau!“
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Nachdem sich Hsi-fëng das Gesicht gewaschen hatte, ging sie wieder hinein, um der Herzoginmutter und den anderen noch einige Zeit aufzuwarten. Dai-yü, die sich nicht traute, viel von den Krabben zu essen, nahm sich nur ein wenig Fleisch von den Scheren, dann stand sie vom Tisch auf. Alle anderen gingen erst auseinander, als die Herzoginmutter nichts mehr aß. Sie wuschen sich die Hände, und anschließend sahen sich die einen die Blüten an, während andere im Wasser pantschten und nach den Fischen schauten.
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Mit diesen Worten traten alle zusammen in den Pavillon. Nachdem der Tee gereicht worden war, ließ Phönixglanz eilends die Tische aufstellen und mit Bechern und Essstäbchen eindecken. Am Ehrentisch nahmen die Herzoginmutter, Tante Schnee, Schatzspange, Kajaljade<ref>林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal Wald-Jade" — die weibliche Protagonistin, Schatzjades Kusine mütterlicherseits, berühmt für ihre Dichtkunst und Empfindsamkeit.</ref> und Schatzjade<ref>贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann-Jade" — der männliche Protagonist des Romans, ein verträumter junger Mann aus der Kaufmann-Familie.</ref> Platz. Am östlichen Tisch saßen Xiangfluss-Wolke, Dame König, Willkommensfrühling<ref>迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommensfrühling" — Schatzjades zweite Schwester.</ref>, Erkundefrühling<ref>探春 Tànchūn, wörtl. „Erkundefrühling" — Schatzjades dritte Halbschwester (Tochter der Nebenfrau Zhao), klug und tatkräftig.</ref> und Bedauerfrühling<ref>惜春 Xīchūn, wörtl. „Bedauerfrühling" — Schatzjades jüngste Schwester (eigentlich Nichte).</ref>. Am westlichen Tisch, der neben der Tür stand, waren die Plätze für Seidenweiß Pflaume<ref>李纨 Lǐ Wán — die tugendhafte junge Witwe des verstorbenen Perle Kaufmann, Schatzjades älteste Schwägerin.</ref> und Phönixglanz zwar eingedeckt, blieben jedoch leer die beiden wagten es nicht, sich hinzusetzen, und warteten stattdessen an den Tischen der Herzoginmutter und Dame Königs auf.
So vergnügten sie sich noch ein Weilchen, dann erklärte Dame Wang der Herzoginmutter: „Hier ist es windig, alte gnädige Frau, außerdem habt Ihr eben Krabben gegessen. Darum ist es das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Räume zurückkehrt, um zu ruhen. Wenn Ihr Spaß daran hattet, können wir morgen noch einmal herüberkommen.
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„Du hast recht“, erwiderte die Herzoginmutter lächelnd, „ich dachte, euch macht es Freude, und wollte euch durch meinen Aufbruch nicht die Stimmung verderben. Aber wenn du es sagst, gehen wir jetzt!“ Dann wandte sie den Kopf nach Hsiang-yün und ordnete an: „Paß auf, daß dein Vetter Bau-yü und deine Kusine Dai-yü nicht zu viel von den Krabben essen!“
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Phönixglanz ordnete an: „Die Krabben nicht alle auf einmal bringen! Lasst die übrigen im Dampfgefäß, und bringt erst einmal zehn Stück — wenn die aufgegessen sind, könnt ihr nachbringen." Dann ließ sie sich Wasser reichen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabbenfleisch aus den Schalen zu lösen. Die erste Portion bot sie Tante Schnee an.
Als Hsiang-yün es ihr versprochen hatte, befahl sie ihr und Bau-tschai dasselbe: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Denn es schmeckt wohl gut, ist aber nichts Gutes. Wenn man zu viel davon ißt, bekommt man Bauchschmerzen!
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Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter zum Garten hinaus. Dann kamen sie zurück und befahlen, die Tische abzuräumen und neu einzudecken.
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Tante Schnee wehrte ab: „Am besten schmeckt es mir, wenn ich sie selbst aufbreche! Bedient mich nur nicht."
„Die Tische brauchen nicht wieder gedeckt zu werden“, schlug Bau-yü vor. „Wir wollen doch Gedichte machen! Wir stellen den großen runden Tisch in die Mitte, und darauf kommen der Wein und die Speisen! Auch eine strenge Sitzordnung sparen wir uns! Wer essen möchte, geht an den Tisch und ißt, die anderen setzen sich hin, wo sie wollen. Ist das nicht viel besser?“
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„Der Vorschlag ist ausgezeichnet!“ lobte Bau-tschai.
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Also gab Phönixglanz die Portion der Herzoginmutter, die zweite Schatzjade. Dann rief sie: „Den Wein bringt kochend heiß!" Außerdem wies sie die kleinen Dienstmädchen an, mit Chrysanthemenblättern und Duftblütenkernen parfümiertes Grünbohnenmehl zum Händewaschen bereitzuhalten.
„Das stimmt schon“, wandte Hsiang-yün ein, „aber die anderen sind auch noch da.“ Und sie befahl, noch einen zweiten Tisch zu decken, dann suchte sie heiße Krabben heraus und bat Hsi-jën, Dsï-djüan, Sï-tji, Dai-schu, Ju-hua, Ying-örl und Tsuee-mo, an diesem Tisch Platz zu nehmen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunte Teppiche ausbreiten und ordnete an, auch die alten Sklavinnen und die kleineren Sklavenmädchen sollten sich hinsetzen und ungeniert essen und trinken, bis man sie wieder rufen würde.
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Anschließend holte Hsiang-yün das Blatt mit den Themen für die Gedichte und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen und sagten dann: „Neuartig und ungewöhnlich sind die Themen schon, aber wir werden wohl kaum Gedichte darüber zustande bringen.“
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Xiangfluss-Wolke aß nur eine einzige Krabbe zur Gesellschaft mit, dann stand sie auf und ging umher, um die anderen zu bedienen. Schließlich trat sie hinaus und befahl, zwei Teller voll Krabbenfleisch für die Nebenfrauen Zhao<ref>Chin. 赵姨娘</ref> und Zhou<ref>Chin. 周姨娘</ref> hinzuschicken. Dann kam auch Phönixglanz heraus und sagte zu ihr: „Du bist es nicht gewohnt, andere zu bewirten — geh lieber hinein und iss! Ich übernehme es an deiner Stelle, und wenn alle fertig sind, esse ich selbst."
Hsiang-yün erläuterte noch, warum sie keinen Reim festgelegt hatte, worauf Bau-yü bemerkte: „Das ist das einzig Wahre! Ich habe für festgelegte Reime auch nichts übrig.
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Dai-yü, die sich aus Wein nicht viel machte und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen Porzellanhocker mit gesticktem Bezug an das Geländer stellen, setzte sich darauf und warf die Angel aus, um Fische zu fangen.
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Doch Xiangfluss-Wolke lehnte ab und ließ stattdessen draußen auf dem Wandelgang zwei weitere Tische aufstellen, damit Mandarinenente<ref>鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente" — die treue Leibdienerin der Herzoginmutter.</ref>, Bernstein<ref>琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein" — ein Dienstmädchen der Herzoginmutter.</ref>, Farbenwolke<ref>彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Farbenwolke" — ein Dienstmädchen der Dame König.</ref>, Wolkenglanz<ref>Chin. 彩云</ref> und Friedchen<ref>平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen" — Phönixglanz' loyale Kammerzofe und engste Vertraute.</ref> dort Platz nehmen konnten.
Bau-tschai hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand, und nachdem sie sich eine Zeitlang daran erfreut hatte, lehnte sie sich gegen den Fenstersims, zupfte die Blüten ab und warf sie aufs Wasser, so daß die Fische hochstiegen, um danach zu schnappen.
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Hsiang-yün schaute ein Weilchen gedankenverloren vor sich hin, dann bediente sie eine Zeitlang Hsi-jën und die anderen Sklavenmädchen, die am Tisch saßen, und forderte schließlich auch die Leute vom Gesinde, die sich am Berghang niedergelassen hatten, noch einmal auf, tüchtig zuzugreifen.
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Mandarinenente sagte lächelnd zu Phönixglanz: „Die junge gnädige Frau bedient hier, dann werden wir wohl essen gehen!"
Tan-tschun stand mit Li Wan und Hsi-tschun zwischen den herabhängenden Weidenzweigen und schaute nach den Möwen und Reihern, während Ying-tschun allein im Schatten der blühenden Bäume stand und mit einer Sticknadel Jasminblüten auffädelte.
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Bau-yü sah erst Dai-yü beim Angeln zu, anschließend schaute er einige Zeit mit Bau-tschai zusammen aufs Wasser und unterhielt sich dabei mit ihr, dann wieder leistete er Hsi-jën und den anderen Sklavenmädchen Gesellschaft, während sie Krabben aßen, und trank ihnen zuliebe einen Schluck Wein, Hsi-jën aber füllte für ihn einen Krabbenpanzer mit Fleisch­stück­chen.
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Phönixglanz erwiderte: „Geht nur! Lasst mir alles, ich kümmere mich darum."
Inzwischen legte Dai-yü die Angelrute fort, ging an den Tisch, griff nach einem Schwarzsilberkännchen mit Aprikosenblütenmuster und nahm sich einen winzigen Bananenblattbecher aus zierapfelblütenfarbigem Speckstein. Als die Sklavenmädchen sahen, daß Dai-yü Wein trinken wollten, traten sie schnell heran, um ihr einzugießen, aber Dai-yü sagte: „Geht ihr nur essen und laßt mich selber eingießen! So macht es erst den richtigen Spaß!“ Dann stellte sie fest, daß es Reiswein war, und sagte: „Ich habe zwar nur ein ganz kleines bißchen Krabbenfleisch gegessen, aber jetzt tut mir der Leib ein wenig weh. Ich muß einen Schluck heißen Branntwein trinken!“
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„Es ist welcher da!“ sagte Bau-yü sofort und befahl, es sollte ein Kännchen von dem mit Albizzienblüten angesetzten Branntwein heiß gemacht werden. Dai-yü trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest wieder hin. Auch Bau-tschai kam herüber, suchte sich ebenfalls einen Becher aus und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie einen Schreibpinsel mit Tusche, trat vor die Wand, hakte das erste Thema – ‚Denken an Chrysanthemen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hëng für Haselwurz darunter.
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So kehrte Xiangfluss-Wolke an ihren Platz zurück, während Phönixglanz und Seidenweiß Pflaume eilig ein wenig aßen, so gut es die Umstände erlaubten. Dann ging Phönixglanz wieder hinein, um aufzuwarten. Nach einer Weile trat sie erneut auf den Wandelgang hinaus, wo Mandarinenente und die anderen fröhlich beim Essen saßen. Als sie Phönixglanz kommen sahen, standen sie auf, und Mandarinenente fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht einmal ein wenig Genuss?"
„Liebste Kusine“, bat Bau-yü rasch, „ich habe schon vier Zeilen für das zweite Thema zusammen, überlaß das mir!“
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„Warum so aufgeregt?“ fragte Bau-tschai lächelnd. „Ich habe ja auch erst dies eine Gedicht fertig.
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Phönixglanz lachte: „Mandarinenente, du kleines Spitzbein, du wirst wirklich immer schlimmer! Ich übernehme deinen Dienst, und anstatt mir dankbar zu sein, machst du mir Vorwürfe? Willst du mir nicht endlich einen Becher Wein einschenken?"
Ohne ein Wort zu sagen, nahm Dai-yü ihr den Schreibpinsel aus der Hand und hakte das achte Thema – ‚Chrysanthemen befragen‘ – ab und anschließend auch das elfte – ‚Chrysanthementraum‘. Darunter setzte sie das Schriftzeichen hsiau aus ihrem Dichternamen Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß.
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Jetzt griff auch Bau-yü nach dem Schreibpinsel und hakte das zweite Thema – ‚Chrysanthemen suchen‘ – ab, darunter setzte er das Schriftzeichen djiang – ‚rot‘.
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Lächelnd goss Mandarinenente rasch einen Becher voll und hielt ihn Phönixglanz an die Lippen. Phönixglanz streckte den Hals und leerte ihn in einem Zug. Inzwischen hatte Friedchen schon ein fettes Stück gelben Krabbenrogen herausgelöst und brachte es ihr.
Tan-tschun kam herüber, sah sich die Liste an und sagte: „Wenn keiner über das Thema ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘ schreiben will, werde ich es nehmen!“ Dann wies sie mit dem Finger auf Bau-yü und warnte ihn lächelnd: „Vorhin ist verkündet worden, daß auf keinen Fall Ausdrücke vorkommen dürfen, die aus den Mädchengemächern stammen. Also sei auf der Hut!“
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Während sie das eben sagte, trat auch Hsiang-yün heran und hakte das vierte und das fünfte Thema – ‚Chrysanthemen zugewandt‘ und ‚Chrysanthemen aufstellen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hsiang aus ihrem Namen darunter.
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„Tüchtig Ingwer-Essig darüber!" verlangte Phönixglanz. Dann aß sie es und sagte lächelnd: „Setzt euch nur wieder und esst weiter ich muss zurück."
„Du mußt dir auch einen Beinamen bilden“, verlangte Tan-tschun. Lächelnd erwiderte Hsiang-yün: „Es gibt zwar auch bei uns ein paar Gartenhäuser, aber ich wohne ja nicht darin, darum hat es keinen Sinn, wenn ich mich danach nenne.
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„Die alte gnädige Frau hat vorhin erzählt, es habe auch bei euch so einen Pavillon über dem Wasser gegeben, der ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ hieß“, sagte Bau-tschai lächelnd. „Hätte der dir vielleicht nicht gehören müssen? Heute gibt es ihn zwar nicht mehr, trotzdem bist du die eigentliche Herrin davon.
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Mandarinenente rief lachend: „Was für eine Unverschämtheit, uns das Essen wegzuschnappen!"
„Sie hat recht“, bestätigten alle, und ehe Hsiang-yün noch die Hand rühren konnte, hatte Bau-yü schon das Schriftzeichen hsiang übermalt und statt dessen das Schriftzeichen hsia – ‚Abendrot‘ – hingeschrieben.
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Jetzt dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, da waren die zwölf Gedichte fertig. Jeder schrieb auf, was er verfaßt hatte, und übergab es Ying-tschun, die einen Bogen ‚Schneewellen‘-Zierpapier nahm und alles zusammen noch einmal abschrieb. Unter jeden Titel setzte sie den Dichternamen des Verfassers. Dann las Li Wan mit den anderen zusammen alles durch:
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Phönixglanz erwiderte ebenfalls lachend: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, dass dein Herr Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏</ref> sich in dich verguckt hat und die alte gnädige Frau bitten will, dich ihm als Nebenfrau zu geben."
„Denken an Chrysanthemen
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Edle von Haselwurz
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„Pfui!" Mandarinenente spuckte empört aus. „So etwas sagt eine junge Herrin! Wenn ich Euch jetzt nicht meine nach Krabbe riechenden Finger durchs Gesicht schmiere, dann wäre ich keine Mandarinenente!" Und schon stürzte sie auf Phönixglanz zu.
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Phönixglanz flehte: „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!"
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Bernstein bemerkte lächelnd von der Seite: „Mandarinenente will sich rächen, aber wird Friedchen sie auch verschonen? Seht nur, sie hat keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig ausgetrunken! Man kann wirklich nicht sagen, dass sie nicht sauer werden kann!" <ref>Das Wortspiel bezieht sich darauf, dass 'Essig trinken' (吃醋) im Chinesischen 'eifersüchtig sein' bedeutet — Bernstein stichelt, Friedchen sei eifersüchtig über die Scherze bezüglich Mandarinenentes Verheiratung an ihren Herrn.</ref>
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Friedchen, die gerade eine fette, prall mit gelbem Rogen gefüllte Krabbe auseinanderbrach, hörte, wie sie so aufgezogen wurde, und ging mit der Krabbe in der Hand auf Bernsteins Gesicht los, wobei sie lachend schimpfte: „Dir werde ich's zeigen, du Lästerzunge, du kleines Spitzbein!"
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Bernstein wich lachend zur Seite aus, und Friedchens Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere, traf aber — als sie nach vorne stolperte — genau Phönixglanz' Wange. Phönixglanz, die sich gerade noch mit Mandarinenente geneckt hatte und nicht damit rechnete, schreckte auf, schrie „Au!" — und alle Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus. Selbst Phönixglanz konnte nicht anders und schimpfte lachend: „Du verflixtes Frauenzimmer! Hast du dich blindgefressen, dass du deiner eigenen Herrin das Gesicht vollschmierst?"
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Friedchen eilte sofort herbei, wischte ihr das Gesicht ab und ging selbst Wasser holen. Mandarinenente sagte: „Amitabha Buddha! Das war die gerechte Vergeltung!"
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Drinnen hatte die Herzoginmutter den Lärm vernommen und erkundigte sich ein ums andere Mal: „Was ist da los? Was macht euch so fröhlich? Erzählt es uns, damit auch wir etwas zu lachen haben!"
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Mandarinenente rief mit lauter Stimme und lachend hinüber: „Die Frau des zweiten jungen Herrn kam herüber, um uns die Krabben zu stibitzen! Da ist Friedchen in Zorn geraten und hat ihrer eigenen Herrin das ganze Gesicht mit Krabbenrogen vollgeschmiert! Herrin und Dienerin prügeln sich!"
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Als die Herzoginmutter und Dame König das hörten, lachten auch sie laut auf. Die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch über sie! Gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, dann ist es gut."
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Lachend versprachen Mandarinenente und die anderen es, und Mandarinenente rief noch immer laut: „Die Krabbenbeinchen auf dem ganzen Tisch — die junge gnädige Frau darf ruhig zugreifen!"
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Phönixglanz wusch sich das Gesicht und ging wieder hinein, um die Herzoginmutter und die anderen noch eine Weile zu bedienen. Kajaljade allein wagte nicht, viel von den Krabben zu essen; sie nahm sich nur etwas Scherenfleisch und verließ dann den Tisch.
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Als die Herzoginmutter schließlich nichts mehr aß, löste sich die Tafel auf. Alle wuschen sich die Hände, und dann besichtigten die einen die Blumen, während andere am Wasser standen und die Fische beobachteten, und so vergnügten sie sich noch ein Weilchen.
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Dame König wandte sich an die Herzoginmutter: „Hier weht ein frischer Wind, und Ihr habt eben erst Krabben gegessen, alte gnädige Frau. Es wäre wohl das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Gemächer zurückkehrt und Euch ausruht. Wenn Ihr Lust habt, können wir morgen wiederkommen."
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Die Herzoginmutter lächelte: „Du hast ganz recht. Ich fürchtete nur, euch den Spaß zu verderben, wenn ich aufbreche. Aber wenn du es so sagst, dann gehen wir jetzt alle zusammen." Sie wandte sich an Xiangfluss-Wolke: „Pass auf, dass dein Schatzjade-Vetter und deine Kajaljade-Schwester nicht zu viel von den Krabben essen!"
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Xiangfluss-Wolke versprach es. Dann ermahnte die Herzoginmutter auch Xiangfluss-Wolke und Schatzspange: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Krabben schmecken zwar gut, aber sie sind schwer verdaulich. Isst man zu viel davon, bekommt man Bauchschmerzen!" Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter bis vor den Garten. Dann kehrten sie zurück und ließen die Überreste der Tafel abräumen und frisch eindecken.
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Schatzjade schlug vor: „Wir brauchen gar nicht neu einzudecken! Wir wollen doch Gedichte schreiben. Stellt einfach den großen runden Tisch in die Mitte, Wein und Speisen darauf — und auf eine feste Sitzordnung verzichten wir! Wer essen möchte, geht hin und greift zu, die übrigen setzen sich, wo immer es ihnen beliebt. Ist das nicht viel zwangloser?"
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Schatzspange stimmte zu: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag."
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Xiangfluss-Wolke wandte ein: „So weit, so gut — aber wir dürfen die anderen nicht vergessen." Sie ließ noch einen weiteren Tisch aufstellen und frische, heiße Krabben herausbringen, dann lud sie Dufthauch<ref>袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — Schatzjades treueste Kammerzofe, besonnen und pflichtbewusst.</ref>, Purpurkuckuck<ref>紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck" — Kajaljade's treue Kammerzofe.</ref>, Siqui<ref>Chin. 司棋</ref>, Daishu<ref>Chin. 侍书</ref>, Ruhua<ref>Chin. 入画</ref>, Goldreifchen<ref>Chin. 莺儿</ref> und Tuschegrün<ref>Chin. 翠墨</ref> ein, sich gemeinsam an diesem Tisch niederzulassen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunt gemusterte Filzteppiche ausbreiten und befahl, auch die wartenden Bediensteten und die kleinen Dienstmädchen sollten sich setzen und nach Herzenslust essen und trinken — wenn man sie brauche, werde man sie rufen.
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Dann holte Xiangfluss-Wolke das Blatt mit den Gedichtthemen und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen es und sagten: „Die Themen sind allerdings neu und ungewöhnlich — aber ob wir etwas Brauchbares darüber zustande bringen?" Xiangfluss-Wolke erklärte noch einmal, warum sie auf einen festgelegten Reim verzichtet hatte.
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Schatzjade sagte: „Das ist die einzig richtige Vorgehensweise! Ich bin auch überhaupt kein Freund festgelegter Reime."
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Kajaljade, die nicht viel Wein trank und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen bestickten Porzellanhocker ans Geländer stellen, setzte sich darauf und griff nach der Angelrute, um Fische zu fangen.
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Schatzspange hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand und betrachtete ihn eine Weile, dann lehnte sie sich ans Fensterbrett, zupfte die Blütenblättchen ab und warf sie aufs Wasser, sodass die Fische hochstiegen und danach schnappten.
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Xiangfluss-Wolke schaute eine Weile gedankenverloren vor sich hin, bediente dann eine Zeitlang Dufthauch und die anderen Mädchen, die am Tisch saßen, und rief den Leuten am Berghang zu, sie sollten nur kräftig zugreifen.
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Erkundefrühling stand mit Seidenweiß Pflaume und Bedauerfrühling im Schatten der Trauerweiden und beobachtete die Möwen und Reiher auf dem Wasser. Willkommensfrühling saß für sich allein im Blütenschatten und fädelte mit einer Sticknadel Jasminblüten auf.
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Schatzjade schaute eine Weile Kajaljade beim Angeln zu, lehnte sich dann an Schatzspanges Seite und plauderte ein paar Sätze mit ihr, ging darauf zu Dufthauch und den anderen, sah ihnen beim Krabbenessen zu und trank ihnen zuliebe ein, zwei Schlückchen Wein. Dufthauch löste ihm ein Stück Krabbenfleisch aus der Schale und reichte es ihm.
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Kajaljade legte die Angelrute beiseite, ging an den Tisch und griff nach einem Selbsteingieß-Kännchen aus geschwärztem Silber mit eingraviertem Aprikosenblütenmuster. Dann suchte sie sich einen winzigen Bananenblattbecher aus mit Speckstein in der Farbe gefrorener Zierapfelblüten. Als die Dienstmädchen sahen, dass Kajaljade Wein trinken wollte, kamen sie eilig herbei, um für sie einzugießen.
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Kajaljade sagte: „Geht nur essen! Lasst mich mir selbst einschenken — so macht es erst richtig Spaß." Sie goss sich einen halben Becher ein und sah, dass es gelber Reiswein war. „Ich habe vorhin nur ein kleines bisschen Krabbe gegessen", sagte sie, „aber jetzt tut mir leicht der Leib weh. Ich müsste einen Schluck heißen Branntwein trinken."
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Schatzjade rief sofort: „Es ist welcher da!" und befahl, man solle ein Kännchen von dem mit Albizienblüten<ref>Chin. 合欢花</ref> angesetzten Branntwein aufwärmen. Kajaljade trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest hin.
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Schatzspange kam ebenfalls herüber, nahm sich einen eigenen Becher und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie den Schreibpinsel mit Tusche, trat an die Wand und hakte das erste Thema — „Erinnerung an Chrysanthemen" — ab. Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Heng"<ref>Chin. 蘅</ref>, ihren Dichternamen „Edle von Haselwurz".
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Schatzjade bat sogleich: „Liebste Schwester, das zweite Thema — dafür habe ich schon vier Verse zusammen. Überlass es mir, bitte!"
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Schatzspange lachte: „So eilig? Ich habe mit Mühe und Not erst dieses eine Gedicht fertig."
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Kajaljade sagte nichts, nahm den Pinsel und hakte das achte Thema — „Chrysanthemen befragen" — ab, anschließend auch das elfte — „Chrysanthementraum". Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Xiao"<ref>Chin. 潇</ref> aus ihrem Dichternamen „Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang".
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Nun griff auch Schatzjade zum Pinsel und hakte das zweite Thema — „Chrysanthemen aufsuchen" — ab, mit dem Zeichen „Jiang"<ref>Chin. 绛</ref> für „Rot" darunter.
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Erkundefrühling kam herbei, musterte die Liste und sagte: „Es will tatsächlich niemand über 'Chrysanthemen ins Haar stecken' schreiben? Dann übernehme ich das!" Dann wies sie mit dem Finger auf Schatzjade und warnte ihn lachend: „Vorhin wurde ausdrücklich verkündet, dass keinerlei Ausdrücke aus den Mädchengemächern vorkommen dürfen! Gib also acht!"
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Während sie noch sprach, trat Xiangfluss-Wolke heran und hakte auf einen Streich das vierte und das fünfte Thema — „Chrysanthemen zugewandt" und „Chrysanthemen aufstellen" — ab, mit dem Zeichen „Xiang"<ref>Chin. 湘</ref> darunter.
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Erkundefrühling sagte: „Du musst dir auch einen Dichternamen zulegen."
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Xiangfluss-Wolke erwiderte lächelnd: „In unserem Haus gibt es zwar einige Pavillons und Gartenhäuser, aber ich wohne ja gar nicht darin. Mir einen solchen Namen zu borgen hätte keinen Reiz."
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Schatzspange meinte lächelnd: „Vorhin hat die alte gnädige Frau erzählt, bei euch zu Hause habe es auch so einen Wasserpavillon gegeben, der 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' hieß. Gehörte der nicht eigentlich dir? Es gibt ihn heute zwar nicht mehr, aber trotzdem bist du seine einstige Herrin."
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Alle stimmten zu. Noch ehe Xiangfluss-Wolke die Hand rühren konnte, hatte Schatzjade bereits das Zeichen „Xiang" übermalt und stattdessen „Xia"<ref>Chin. 霞</ref> — „Abendrot" — hingeschrieben.
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Nun dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, und alle zwölf Gedichte waren vollendet. Jeder schrieb das Seine auf und gab es Willkommensfrühling, die einen Bogen feinstes „Schneewellen"-Zierpapier<ref>Chin. 雪浪笺</ref> nahm und alles zusammen abschrieb, unter jedem Titel den Dichternamen des Verfassers.
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Seidenweiß Pflaume und die anderen begannen, die Gedichte von Anfang an durchzulesen:
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Erinnerung an Chrysanthemen — Edle von Haselwurz<ref>Chin. 蘅芜君</ref>
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Im Westwind steh ich betrübt, von Sehnsucht bedrängt;
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Wird der Knöterich rot und das Schilfgras weiß, bricht mir das Herz.
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Im leeren Garten am alten Zaun ist keine Spur mehr vom Herbst,
 +
Doch der magere Mond und der kühle Reif wissen: Ich träume von dir.
 +
Mein Herz fliegt fort mit den Wildgänsen, Gedanke um Gedanke,
 +
Und einsam lausch ich am Abend dem Schlag der Waschbleuel.
 +
Wer hat Erbarmen mit mir und meiner gelben Blumenkrankheit?
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Getrost! Zur Doppelneun-Feier sehen wir uns wieder.
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Chrysanthemen aufsuchen — Fürstensohn, der sich am Roten freut<ref>Chin. 怡红公子</ref>
 +
 
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Müßig streif ich umher an einem reifklaren Tag,
 +
Statt bei Arzneibecher und Weinpokal zu verweilen.
 +
Wer hat die Blumen dort im Mondlicht gepflanzt?
 +
Am Zaun, am Geländer — wo kommt all dieser Herbst nur her?
 +
In Holzschuhen bin ich von weit her gewandert, tapp, tapp,
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Und mein kühles Gedicht klingt nie aus, so endlos die Freude.
 +
Wenn die gelben Blumen den Dichter verstehen könnten,
 +
War nicht umsonst mein Geld für den Wanderstab.
 +
 
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Chrysanthemen pflanzen — Fürstensohn, der sich am Roten freut<ref>Chin. 怡红公子</ref>
 +
 
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Mit der Hacke kam ich zum Herbstgarten und setzte sie um,
 +
Pflanzte sie sorgsam am Zaun und vor dem Haus.
 +
Unverhofft kam der Regen gestern Nacht — und sie wuchsen,
 +
Heute blühen sie fröhlich, noch immer bedeckt vom Reif.
 +
Tausend Gedichte sing ich zur Herbstesfarbe,
 +
Und ein Becher Wein sei dem kühlen Duft geweiht.
 +
Ich will sie gießen, die Erde häufen und sie hegen —
 +
Auf dass der Gartenpfad frei bleibe von Staub und Getöse.
 +
 
 +
Chrysanthemen zugewandt — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
 +
 
 +
Kostbare Blüten, köstlicher als Gold,
 +
Ein Busch ganz blass, ein anderer tief und dunkel.
 +
Barhäuptig sitz ich am Zaun,
 +
Die Knie umfassend, summe ich ein Lied.
 +
Zählt man die Stolzen dieser Welt — keiner übertrifft euch;
 +
Seht euch um: Nur ich allein bin euer wahrer Freund.
 +
Lasst das Herbstlicht nicht ungenutzt verrinnen,
 +
Einander zugewandt, wollen wir jede Stunde schätzen.
 +
 
 +
Chrysanthemen aufstellen — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
 +
 
 +
Bei Saitenspiel und Wein — willkommener Gefährte! —
 +
Steht ihr anmutig auf dem Tisch, ziert still den Raum.
 +
Vom Nebensitz strömt feuchter Duft aus dem Gartenpfad herüber,
 +
Ich lege das Buch beiseite — nur ein Stengel Herbstschönheit genügt.
 +
Im kühlen Reif bringt ihr mir neue Träume,
 +
Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten.
 +
Unser Stolz ist uns gemeinsam — wir sind eines Wesens;
 +
Kirsch- und Pflaumenblüte im Frühling — das ist nicht unsere Art.
 +
 
 +
Lob der Chrysantheme — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
 +
 
 +
Der Dichterdämon lockt mich, morgens und abends,
 +
Am Zaun, am Felsen versinke ich in Verse.
 +
Der Pinsel entfaltet Schönheit und schreibt im Reif,
 +
Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht.
 +
Blatt um Blatt ist nichts als stille Klage,
 +
Doch wer versteht das Herbstherz in einem einzigen Wort?
 +
Seit einst Tao Yuanming sein Urteil sprach,
 +
Hallt sein edles Lob bis zum heutigen Tag.
 +
<ref>Tao Qian (陶渊明/陶潜, 365–427), der berühmte Eremit und Dichter, der die Chrysantheme zum Symbol des Rückzugs und der Unbestechlichkeit erhob.</ref>
 +
 
 +
Chrysanthemen malen — Edle von Haselwurz<ref>Chin. 蘅芜君</ref>
 +
 
 +
Noch ehe die Dichtlust verebbt, greift die Hand schon zum Pinsel,
 +
Nicht der schönen Farben wegen allein.
 +
Die Blätter spritzen aufs Papier wie tausend Tuschetupfer,
 +
Die Blüten, eng gedrängt, tragen weißen Reifeshauch.
 +
Im blass-dunklen Spiel erahnt man die Schatten im Wind,
 +
Lebendig springt der Herbstduft vom Handgelenk.
 +
Verwechselt dies nicht mit frisch gepflückten Blumen am Ostzaun —
 +
Aufgeklebt auf den Wandschirm tröstet es mich zum Doppelneunfest.
 +
 
 +
Chrysanthemen befragen — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
 +
 
 +
Ich forsche nach den Geheimnissen des Herbstes, doch keiner weiß Bescheid,
 +
Leise murmelnd, die Hände auf dem Rücken, klopfe ich am Ostzaun an:
 +
So stolz und edel — mit wem wollt ihr euch zurückziehen?
 +
Gleich den anderen Blumen — warum blüht ihr so spät?
 +
Im Gartentau, im Hofreif — ist euch nicht einsam?
 +
Wenn die Gänse ziehen und die Grillen verstummen — fühlt ihr nicht Sehnsucht?
 +
Sagt nicht, auf der ganzen Welt gebe es niemanden zum Reden —
 +
Wenn ihr sprechen könnt, so sprecht ein paar Worte mit mir!
 +
 
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Chrysanthemen ins Haar stecken — Gast unter Bananenblättern<ref>Chin. 蕉下客</ref>
 +
 
 +
Täglich in Eile — hier Vasen füllen, dort Beete pflegen,
 +
Die gebrochene Blüte steck ich mir an, und der Spiegel zeigt, wie sie steht.
 +
In Chang'an war einst ein junger Herr von Blumen besessen,
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Der Altmeister von Pengze war dem Wein verfallen.
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Kalter Tau benetzt mir die kurzen Schläfen,
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Herbstreif durchtränkt mein Kopftuch mit seinem Duft.
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Solch edle Neigung ist dem gemeinen Auge fremd —
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Lasst sie nur lachen und spotten am Wegesrand!
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<ref>Chang'an war die alte Kaiserstadt. Der 'Altmeister von Pengze' ist wieder Tao Qian, der einst Bezirksvorsteher von Pengze war.</ref>
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Chrysanthemenschatten — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
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Herbstlicht, Schicht um Schicht, übereinander,
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Leise wandern die Schatten durch den Gartenpfad.
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Im Fensterlicht zeichnet die ferne Lampe ihre Umrisse,
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Durch den Zaun siebt sich der zerbrochene Mond, und ihr Bild wird filigran.
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Die kalte Seele scheint im Schein zu verweilen,
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Im Reif bewahrt sich ein Geist — doch der Traum bleibt leer.
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Gebt acht und zertretet nicht die zarte Duftspur —
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Welch trunkenes Auge erkennte im Dämmerlicht noch klar?
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Chrysanthementraum — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
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Süß schlummert am Zaun die Herbstblume, frisch und klar,
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Ihr Geist folgt den Wolken und dem Mond, verschwommen.
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Sie träumt nicht wie Zhuangzi vom Schmetterling,
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Nein, nach dem alten Bund mit Tao Qian sucht sie.
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Einschlummernd folgt sie den Wildgänsen, die in der Ferne verschwinden,
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Erwachend ärgert sie der Lärm der Herbstgrillen.
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Wem soll sie klagen, wenn sie wieder bei sich ist?
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Welkes Gras, kalter Rauch — grenzenlose Trauer.
 +
<ref>Zhuangzi (庄子, ca. 369–286 v. Chr.), der daoistische Philosoph, der träumte, er sei ein Schmetterling, und nicht mehr wusste, ob er Mensch oder Falter war.</ref>
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Verwelkte Chrysanthemen — Gast unter Bananenblättern<ref>Chin. 蕉下客</ref>
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In Tau und Reif neigen sie sich, langsam welkend,
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Kaum hat die kleine Schneezeit begonnen, neigt sich ihr Fest.
 +
Noch duftet der Stiel, doch blass wird das Gold,
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Von den Zweigen löst sich das letzte Grün.
 +
Im Mondlicht auf dem Bett klingen die Grillen müde,
 +
Am fernen Himmel ziehen die Wildgänse langsam dahin.
 +
Im nächsten Herbst — wer weiß? — sehen wir uns wieder;
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Für diesen kurzen Abschied lasst euch nicht grämen!
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Jedes Gedicht, das vorgelesen wurde, erntete sogleich Lob, und die gegenseitigen Komplimente nahmen kein Ende. Seidenweiß Pflaume sagte lächelnd: „Wartet, bis ich mein gerechtes Urteil fälle. Im Ganzen betrachtet ist jedem auf seine Weise eine prächtige Zeile gelungen. Mein Urteil lautet: 'Lob der Chrysantheme' nimmt den ersten Platz ein, 'Chrysanthemen befragen' den zweiten und 'Chrysanthementraum' den dritten. Die Themen sind neu, die Gedichte sind neu, und der Sinn, der hineingelegt wurde, ist erst recht neu — da kann man nicht anders, als die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang zur Siegerin zu erklären! Danach folgen 'Chrysanthemen ins Haar stecken', 'Chrysanthemen zugewandt', 'Chrysanthemen aufstellen', 'Chrysanthemen malen' und 'Erinnerung an Chrysanthemen'."
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Als Schatzjade das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Genau richtig! Höchst gerecht!"
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Kajaljade aber wandte bescheiden ein: „So gut ist mein Vers auch wieder nicht. Im Grunde ist er etwas zu zierlich und gekünstelt."
  
Im Westwind steh ich enttäuscht und betrübt;
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Seidenweiß Pflaume erwiderte: „Zierlich ist er, ja — aber auf eine gute Art, ohne Steifheit und ohne Überladung."
wird der Knöterich rot, bricht mir das Herz.
 
Kahl ragt im Garten der Bambuszaun auf,
 
und nur der Traum bringt das Bild mir zurück.
 
Weit fliegt mein Geist mit den Wildgänsen fort,
 
höre ich einsam der Waschbleuel Schlag.
 
Wie soll ich nun meine Sehnsucht stillen?
 
Einziger Trost bleibt der kommende Herbst.
 
  
Chrysanthemen suchen
+
Kajaljade sagte: „Meiner Meinung nach ist die beste Zeile von allen 'Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten'. Das ist ein meisterhafter Kontrast. Schon die Zeile davor — 'Ich lege das Buch beiseite, nur ein Stengel Herbstschönheit genügt' — ist vollendet. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, es gibt nichts mehr hinzuzufügen; deshalb kehren die Gedanken zurück zu dem Augenblick, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn."
Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut
 
  
Müßig durchschreit ich den reifklaren Tag,
+
Seidenweiß Pflaume lächelte: „Das stimmt schon. Aber dein Vers 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht' steht dem in nichts nach."
anstatt bei den Bechern zu säumen.
 
Wer hat da Blumen ins Mondlicht gepflanzt,
 
wie kommen die Blüten hier an den Zaun?
 
Reich ist vergolten mein endloser Weg,
 
froh klingt mein Lied in den frostigen Tag.
 
Wenn auch die Blumen den Dichter verstehen,
 
war nicht umsonst das Geld für den Wein.
 
  
Chrysanthemen pflanzen
+
Erkundefrühling fügte hinzu: „Man muss aber einräumen, dass die Edle von Haselwurz den Gedanken der Sehnsucht am tiefsten auslotete — 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es' bringen das Wort 'Erinnern' wunderbar zum Ausdruck."
Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut
 
  
Zur Hacke griff ich und setzte im Garten
+
Schatzspange erwiderte lachend: „Und bei dir schildern 'kalter Tau benetzt die Schläfen' und 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch' das Bild von Chrysanthemen im Haar so treffend, dass kein Spalt mehr offen bleibt."
junge Pflänzchen am Zaun vor dem Hof.
 
Vom Regen befeuchtet, wuchsen sie kräftig,
 
blühn heute üppig inmitten von Reif.
 
Tausend Gedichte will ich euch singen,
 
spendiern einen Becher vom besten Wein.
 
Werde euch gießen, werde euch hegen,
 
werde euch schützen vor dem Staub dieser Welt.
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
+
Xiangfluss-Wolke sagte: „'Mit wem wollt ihr euch zurückziehen?' und 'Warum blüht ihr so spät?' — damit werden die armen Chrysanthemen wirklich in die Enge getrieben, dass ihnen die Worte fehlen!"
Chrysanthemen zugewandt
 
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
 
  
Köstlichste Blumen, kostbar wie Gold,
+
Seidenweiß Pflaume gab lachend zurück: „Na, wenn du dich 'barhäuptig am Zaun hinsetzt' und 'die Knie umfassend' singst und gar nicht mehr weggehen willst, dann wird das auch den Chrysanthemen, wenn sie fühlen könnten, allmählich lästig werden!" Alle lachten.
ein Busch so dunkel, einer so hell.
 
Barhäuptig will ich mich zu euch setzen,
 
die Knie umfassend, sing ich ein Lied.
 
Wer auf der Welt ist stolzer als ihr!
 
Ich allein bin es, der euch versteht.
 
Ich bleib euch treu, welkt ihr auch hin,
 
traure mit euch um die schwindende Zeit.
 
  
Chrysanthemen aufstellen
+
Schatzjade seufzte lachend: „Und ich bin wieder einmal durchgefallen! Drücken denn 'Wer hat gepflanzt?', 'Wo kommt der Herbst her?', 'in Holzschuhen von weit her gewandert' und 'mein kühles Gedicht klingt nie aus' nicht das Suchen aus? Und sprechen 'unverhofft der Regen gestern Nacht' und 'heute blühen sie bedeckt vom Reif' nicht vom Pflanzen? Ich ärgere mich nur, dass meine Verse nicht aufkommen gegen 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht', 'Die Knie umfassend, summe ich ein Lied', 'Kalter Tau benetzt die Schläfen', 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch', 'blass wird das Gold', 'löst sich das Grün', 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es'." Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich alle zwölf Themen noch einmal ganz allein!"
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
 
  
Bei Musik und Wein als Partner
+
Seidenweiß Pflaume tröstete ihn: „Auch deine Gedichte sind gut — sie sind nur nicht ganz so originell wie die anderen."
steht die Zierde auf dem Tisch,
 
duftet würzig-feucht herüber –
 
nur ein Stengel Herbstschönheit.
 
Bringt zur Nacht mir neue Träume,
 
mahnt mich an den alten Freund.
 
Unser Stolz ist uns gemeinsam,
 
nicht für uns ist Lenzesblühn.
 
  
Lob der Chrysantheme
+
Nachdem sich alle noch eine Weile über ihre Beurteilungen ausgetauscht hatten, ließen sie frische heiße Krabben bringen und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Schatzjade lächelnd: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbengelage — das muss ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer traut sich noch?" Rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb. Alle blickten auf sein Blatt und lasen:
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
 
  
Sie lockt zu dichten von früh bis spät,
+
Beim Krabbenessen unter Duftblüten
Verse zu reimen vor Blumen und Fels.
 
Der Pinsel, er schreibt schon am reifkalten Morgen,
 
die Lippen, sie singen in mondheller Nacht.
 
Blatt für Blatt erzählt von Kummer,
 
doch wer zeigt für Herbstleid Sinn?
 
Seit einstens Tau Tjiän Chrysanthemen pries,klingt laut dieses Lob bis zum heutigen Tag.
 
  
Chrysanthemen malen
+
Beim Krabbenschmaus im kühlen Duftblüten-Schatten
Edle von Haselwurz
+
Begieß ich sie mit Essig, würze sie mit Ingwer — welch ein Rausch!
 +
Ein Vielfraß von Rang braucht Wein dazu,
 +
Der freche Seitwärtsgeher aber hat kein Herz.
 +
Die Kälte im Leib vergisst der Gierige,
 +
Die Finger riechen nach Fisch, selbst gewaschen noch duftend.
 +
Schon immer lebt der Mensch für die Freuden des Gaumens —
 +
Hatte nicht Su Dongpo gelacht, ein Leben lang rührig zu sein?
 +
<ref>Su Shi (苏轼/苏东坡, 1037–1101), einer der größten Dichter der Song-Dynastie, berühmt auch als Feinschmecker.</ref>
  
Eh‘ die Dichtlust mir vergangen,
+
Kajaljade sagte lächelnd: „Von solchen Gedichten könnte man hundert Stück haben."
reißt es mich zu malen fort.
 
Dunkle Flecken sind die Blätter,
 
Blüten zieret weißer Reif.
 
Schwarz die Schatten sich bewegen,
 
aus dem Bild strömt Herbstesduft,
 
scheint wie frisch gepflückte Blumen,
 
tröstet mich zur Winterszeit.
 
  
Chrysanthemen befragen
+
Schatzjade erwiderte ebenfalls lächelnd: „Deine Eingebung ist für heute erschöpft, du bringst nichts mehr zustande — und trotzdem musst du andere herabsetzen!"
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
 
  
Auskunft über Herbstgedanken
+
Kajaljade antwortete nicht, besann sich auch keinen Augenblick, nahm den Pinsel und hatte im Nu ein Gedicht geschrieben. Die anderen lasen:
suche ich am Blumenzaun:
 
Wem gleicht ihr so stolz und edel?
 
Warum blüht als letzte ihr?
 
Fröstelt euch in Reif und Kälte?
 
Grämt ihr euch beim Vogelzug?
 
Sagt mir nicht, ihr wäret einsam,
 
könnt ihr sprechen, sprecht mit mir!
 
  
Chrysanthemen ins Haar stecken
+
In Panzer und Lanze noch im Tode gerüstet,
Ein Gast unter Bananen
+
Lockt ihr, auf dem Teller aufgetürmt, zum ersten Bissen.
 +
Die Scheren bergen zarten Jade, paarweise prall und voll,
 +
Aus dem Panzer duftet rotes Fett, Stück für Stück.
 +
Acht Beine, fleischig — man liebt euch nur mehr dafür,
 +
Tausend Becher Wein — wer riet mir, so viel zu trinken?
 +
Zu solch edler Speise am Festtag erhoben,
 +
Streicht der Wind durch Duftblüten und die Chrysanthemen tragen Reif.
  
Täglich breche ich mir Blüten,
+
Schatzjade las und rief begeistert Bravo, doch Kajaljade riss ihm das Blatt aus der Hand, zerriss es und befahl einer Dienerin, die Fetzen zu verbrennen. Dann sagte sie lächelnd: „Mein Gedicht ist nicht so gut wie deines, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist wirklich gelungen — besser sogar als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten."
Stecke sie als Schmuck mir an.
 
Tau Tjiän war dem Wein ergeben,
 
Du Mu war ein Blumennarr.Kalter Tau netzt meine Schläfen,
 
Herbstduft tränkt das Kopftuch mir.
 
Fremd erscheint mein Tun der Menge.
 
Lacht ihr nur am Wegesrand!
 
  
Chrysanthemenschatten
+
Schatzspange meldete sich lächelnd: „Ich habe mir auch eines abgerungen. Es ist nicht unbedingt gut, aber ich schreibe es auf, damit ihr wenigstens etwas zum Lachen habt." Sie griff zum Pinsel und schrieb. Alle lasen mit:
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
 
  
Herbstsonne zaubert Schatten hervor,
+
Unter Duftblüten und Paulownien den Becher erhoben —
die abends zögernd verblassen,
+
Die Schlemmer von Chang'an wässern sich den Mund zum Doppelneunfest.
im Lampenlicht und im Mondenschein
+
Vor euch liegt ein Weg ohne Recht und ohne Ordnung,
tanzen sie wieder von neuem,
+
Unter eurer Schale verbergt ihr Herbst und Frühling, nichts als Schwärze und Gelb.
zeigen uns nur ein Trugbild, nicht mehr,
 
und sind doch die Seelen der Blumen.
 
Gib acht und zertritt nicht die duftige Spur,
 
wenn trunkene Augen dich leiten.
 
  
Chrysanthementraum
+
Als sie bis hierher gelesen hatten, riefen alle begeistert Bravo. Schatzjade sagte: „Großartig geschrieben! Mein Gedicht sollte ich auch verbrennen!" Dann las er weiter:
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
 
  
Süß schläft im Herbst die Blume am Zaun,
+
Heißer Wein vertreibt den Fischgeruch — nimm noch Chrysanthemen dazu,
ihr Geist folgt dem Mond und den Wolken.
+
Gegen die anstauende Kälte hilft gewiss der Ingwer.
Sie träumt nicht wie Dschuang-dsï vom Schmetterling,
+
Nun aber seid ihr im Kessel gelandet — was nützt euch das alles noch?
sie geht nach Tau Tjiän auf die Suche.
+
Am Mondufer bleibt nur der leere Duft von Hirse und Korn.
Und schlummert sie ein bei der Wildgänse Ruf,
 
so weckt sie der Lärm der Zikaden.
 
Wem aber klagt sie erwachend ihr Leid?
 
Ringsum ist nur Öde und Leere.
 
  
Verwelkte Chrysanthemen
+
Als alle fertig gelesen hatten, sagten sie: „Das ist das unübertreffliche Gedicht zum Krabbenessen! Bei solch einem kleinen Thema einen tiefen Sinn zu verbergen — das zeugt von großem Talent. Allerdings ist der Spott über die Menschen der Gegenwart vielleicht ein wenig zu giftig."
Ein Gast unter Bananen
+
<ref>Die verdeckte Satire kritisiert die korrupten Beamten und Höflinge, die — gleich den Krabben — hinter den Kulissen ihre eigennützigen Machenschaften betreiben und am Ende doch im 'Kochtopf' enden.</ref>
  
Langsam sie neigen in Tau sich und Reif,
+
In diesem Augenblick sahen sie Friedchen wieder in den Garten zurückkehren. Was sie wollte, wird im nächsten Kapitel erzählt.
kaum daß es wintert und schneiet.
 
Noch sind sie duftig, blaß wird ihr Gold,
 
von den Stengeln löst sich das Grüne.
 
Die Zikaden singen ihr Sterbelied,
 
hoch am Himmel ziehn wilde Gänse.
 
Übers Jahr bringt der Herbst uns ein Wiedersehn,
 
laßt euch nicht durch die Trennung vergrämen.“
 
Jedes Gedicht, das sie lasen, wurde sogleich gelobt, und die wechselseitigen Komplimente nahmen kein Ende.
 
„Wartet doch, bis ich mein Urteil fälle!“ mahnte Li Wan lächelnd. „Nachdem ich alles gelesen habe, muß ich sagen, daß jedem auf seine Art ein paar erstklassige Zeilen gelungen sind. Mein Urteil lautet so: Das beste Gedicht ist ‚Lob der Chrysantheme‘, an zweiter Stelle folgt ‚Chrysanthemen befragen‘ und an dritter Stelle ‚Chrysanthementraum‘.
 
Die Themen sind neuartig, die Gedichte sind es auch, und erst recht ist es der Sinn, der hineingelegt wurde. Darum könnt ihr nicht böse sein, wenn ich die Kaiserin vom Hsiau-hsiang-Fluß zur Siegerin erkläre. Auf ihre Verse folgen als nächste die Gedichte ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘, ‚Chrysanthemen zugewandt‘, ‚Chrysanthemen aufstellen‘, ‚Chrysanthemen malen‘ und ‚Denken an Chrysanthemen‘.“
 
Als Bau-yü das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Vollkommen richtig! Höchst gerecht!“ Dai-yü aber wandte ein: „So gut sind meine Verse auch wieder nicht, ihr Fehler ist, daß sie ein wenig zu niedlich sind.“
 
„Niedlich sind sie“, pflichtete Li Wan ihr bei, „aber nicht steif und nicht überladen.“
 
„Die beste Zeile ist meiner Meinung nach ‚Mahnt mich an den alten Freund‘“, sagte Dai-yü. „Sie schafft einen starken Kontrast. Schon vorher die Stelle ‚Nur ein Stengel Herbstschönheit‘ ist sehr treffend formuliert. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, darum passen diese Worte nirgendwo anders hin. Danach kehren die Gedanken dorthin zurück, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn.“
 
„Das stimmt schon“, bestätigte Li Wan, „aber dein Ausdruck ‚singen in mondheller Nacht‘ übertrifft alles andere.“
 
„Man muß aber einräumen, daß die Edle von Haselwurz mit den Worten ‚kahl ragt der Zaun‘ und ‚der Traum bringt‘s zurück‘ den Gedanken der Sehnsucht gut zum Ausdruck bringt“, meinte Tan-tschun.
 
„Und bei dir schildern die ‚taunassen Schläfen‘ und das ‚duftgetränkte Kopftuch‘ das Bild von Chrysanthemen im Haar bis ins letzte Detail“, erwiderte Bau-tschai darauf.
 
„Mit den Fragen ‚Wem gleicht ihr so stolz?‘ und ‚Warum blüht ihr so spät?‘ werden die armen Chrysanthemen aber schön in die Enge getrieben“, scherzte Hsiang-yün.
 
„Na, wenn du dich ‚barhäuptig hinsetzt‘ und ‚die Knie umfassend‘ singst, ohne wieder wegzugehen, wird das den Blumen, wenn sie nur fühlen können, wohl auch lästig werden“, gab Li Wan zurück und brachte damit alle zum Lachen.
 
„Und ich bin wieder mal durchgerasselt“, sagte Bau-yü. „Drückt denn ‚Wer hat gepflanzt?‘, ‚Wie kommen sie hierher?‘, ‚endloser Weg‘, ‚froh klingt mein Lied‘ nicht das Suchen aus? Sagt ‚vom Regen befeuchtet‘ und ‚blühen im Reif‘ etwa nichts über die Pflanzen? Nur darüber kann ich mich ärgern, daß ich den Ausdrücken ‚sing ich in mondheller Nacht‘, ‚die Knie umfassend, sing ich ein Lied‘, ‚Tau netzt die Schläfen‘, ‚Duft tränkt das Tuch‘, ‚blaß wird ihr Gold‘, ‚löst sich das Grün‘, ‚kahl ragt der Zaun‘, ‚der Traum bringt‘s zurück‘ nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte.“ Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich noch einmal allein über alle zwölf Themen!“
 
„Auch deine Gedichte sind nicht schlecht“, tröstete ihn Li Wan. „Sie sind bloß nicht so originell wie die andern.“
 
Nachdem sich alle noch ein Weilchen zu ihren Wertungen geäußert hatten, verlangten sie frische Krabben und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Bau-yü: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbenessen, das muß ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer hält noch mit?“ Und rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb.
 
Alle schauten auf sein Blatt und lasen dort:
 
„Krabbenfleisch schmeckt erst, wenn Duftblüten blühen,
 
mit Essig begossen, mit Ingwer bestreut.
 
Nun brauche ich Vielfraß noch Reiswein dazu,
 
dann schmaus ich, dann trink ich wie toll.
 
Da schrecke ich auch nicht vor Bauchweh zurück
 
und Fingern, die kleben von rötlichem Fett.
 
Man lebt nicht umsonst für solch Schlemmermahl,
 
wie recht hatte doch Su Dung-po!“Lächelnd sagte Dai-yü: „Von solchen Gedichten kannst du hundert Stück haben, wenn du möchtest.“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Bau-yü: „Deine Inspiration ist für heute erschöpft, du kannst nichts mehr dichten, trotzdem mußt du andere herabsetzen!“
 
Ohne ihm zu antworten und ohne auch nur nachzudenken, griff Dai-yü zum Schreibpinsel, und im Nu war ein Gedicht fertig. Die anderen lasen:
 
„Noch im Tod mit Wehr und Harnisch
 
locken Krabben auf dem Tisch.
 
Weißen Jade birgt ihr Panzer,
 
duftig riecht ihr rotes Fett.
 
Schmackhaft sind auch die acht Beine,
 
reichlich trink ich Wein dazu.
 
Und vollendet wird der Festtag
 
durch den Reif der Chrysanthem‘.“
 
Als Bau-yü das Gedicht zu Ende gelesen hatte und es nun lauthals lobte, zerriß Dai-yü das Blatt mit raschem Griff und reichte es dann einer Sklavin mit dem Befehl, es zu verbrennen. Dann wandte sie sich zu Bau-yü und sagte lächelnd: „Meines reicht an deines nicht heran, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist gut, besser als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten!“
 
„Ich habe mir auch etwas abgequält“, meldete sich jetzt lächelnd Bau-tschai zu Wort. „Es ist nicht unbedingt gut, aber ich will es aufschreiben, damit ihr etwas zu lachen habt!“ Mit diesen Worten griff sie zum Pinsel und schrieb. Alle anderen lasen mit:
 
„Unter den blühenden Bäumen zu prassen
 
haben die Schlemmer von Tschang-an im Sinn.Ihr bornierten Seitwärtsgänger,
 
Farbe heißt es jetzt bekannt!“
 
Die anderen schrien vor Begeisterung auf, als sie bis hierher gelesen hatten, und Bau-yü sagte: „Das ist ein Spaß! Mein Gedicht werde ich auch verbrennen!“ Dann las er weiter:
 
„Heißer Reiswein würzt die Speise,
 
Ingwerwurz hält Leibweh fern.
 
Mitgegangen, mitgehangen,
 
trübe sieht es für euch aus!“
 
Als alle fertiggelesen hatten, sagten sie: „Das ist ein unübertreffliches Gedicht vom Krabbenessen. Solch tiefen Sinn in ein kleines Thema zu legen ist der Beweis für ein großes Talent. Aber dein Spott gegen die Zeitgenossen ist vielleicht ein bißchen zu giftig.“
 
In diesem Augenblick sahen sie, daß Ping-örl in den Garten zurückkam, und wußten nicht, was sie davon halten sollten.
 
Im nächsten Kapitel wird es erklärt.
 
 
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111

中文原文 (程甲本 1982) Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026)

話說寶釵湘雲二人計議已妥,一宿無話。湘雲次日便請賈母等賞桂花。賈母等都說道:「是他有興頭,須要擾他這雅興。」至午,果然賈母帶了王夫人鳳姐兼請薛姨媽等進園來。賈母因問:「那一處好?」王夫人道:「憑老太太愛在哪一處,就在哪一處。」鳳姐道:「藕香榭已經擺下了,那山坡下兩顆桂花開的又好,河裡的水又碧清,坐在河當中亭子上豈不敞亮,看著水眼也清亮。」賈母聽了,說:「這話很是。」說著,就引了眾人往藕香榭來。原來這藕香榭蓋在池中,四面有窗,左右有曲廊可通,亦是跨水接岸,後面又有曲折竹橋暗接。眾人上了竹橋,鳳姐忙上來攙著賈母,口裡說:「老祖宗只管邁大步走,不相干的,這竹子橋規矩 咯吱咯喳的。」   一時進入榭中,只見欄桿外另放著兩張竹案,一個上面設著杯箸酒具,一個上頭設著茶筅茶盂各色茶具。那邊有兩三個丫頭煽風爐煮茶,這一邊另外幾個丫頭也煽風爐燙酒呢。賈母喜的忙問:「這茶想的到,且是地方,東西都乾凈。」湘雲笑道:「這是寶姐姐幫著我預備的。」賈母道:「我說這個孩子細緻,凡事想的妥當。」一面說,一面又看見柱上掛的黑漆嵌蚌的對子,命人念。湘雲念道:

  芙蓉影破歸蘭槳,菱藕香深寫竹橋。

賈母聽了,又抬頭看匾,因回頭向薛姨媽道:「我先小時,家裡也有這麼一個亭子,叫做什麼『枕霞閣』。我那時也只象他們這麼大年紀,同姊妹們天天頑去。那日誰知我失了腳掉下去,幾乎沒淹死,好容易救了上來,到底被那木釘把頭碰破了。如今這鬢角上那指頭頂大一塊窩兒就是那殘破了。眾人都怕經了水,又怕冒了風,都說活不得了,誰知竟好了。」鳳姐不等人說,先笑道:「那時要活不得,如今這大福可叫誰享呢!可知老祖宗從小兒的福壽就不小,神差鬼使碰出那個窩兒來,好盛福壽的。壽星老兒頭上原是一個窩兒,因為萬福萬壽盛滿了,所以倒凸高出些來了。」未及說完,賈母與眾人都笑軟了。賈母笑道:「這猴兒慣的了不得了,只管拿我取笑起來,恨的我撕你那油嘴。」鳳姐笑道:「回來吃螃蟹,恐積了冷在心裡,討老祖宗笑一笑開開心,一高興多吃兩個就無妨了。」賈母笑道:「明兒叫你日夜跟著我,我倒常笑笑覺的開心,不許回家去。」王夫人笑道:「老太太因為喜歡他,才慣的他這樣,還這樣說,他明兒越發無禮了。」賈母笑道:「我喜歡他這樣,況且他又不是那不知高低的孩子。家常沒人,娘兒們原該這樣。橫豎禮體不錯就罷,沒的倒叫他從神兒似的作什麼。」   說著,一齊進入亭子,獻過茶,鳳姐忙著搭桌子,要杯箸。上面一桌,賈母、薛姨媽、寶釵、黛玉、寶玉;東邊一桌,史湘雲、王夫人、迎、探、惜;西邊靠門一桌,李紈和鳳姐的,虛設坐位,二人皆不敢坐,只在賈母王夫人兩桌上伺候。鳳姐吩咐:「螃蟹不可多拿來,仍舊放在蒸籠里,拿十個來,吃了再拿。」一面又要水洗了手,站在賈母跟前剝蟹肉,頭次讓薛姨媽。薛姨媽道:「我自己掰著吃香甜,不用人讓。」鳳姐便奉與賈母。二次的便與寶玉,又說:「把酒燙的滾熱的拿來。」又命小丫頭們去取了菊花葉兒桂花蕊熏的綠豆麵子來,預備著洗手。史湘雲陪著吃了一個,就下座來讓人,又出至外頭,令人盛兩盤子與趙姨娘周姨娘送去。又見鳳姐走來道:「你不慣張羅,你吃你的去。我先替你張羅,等散了我再吃。」湘雲不肯,又令人在那邊廊上擺了兩桌,讓鴛鴦、琥珀、彩霞、彩雲、平兒去坐。鴛鴦因向鳳姐笑道:「二奶奶在這裡伺候,我們可吃去了。」鳳姐兒道:「你們只管去,都交給我就是了。」說著,史湘雲仍入了席。鳳姐和李紈也胡亂應個景兒。鳳姐仍是下來張羅,一時出至廊上,鴛鴦等正吃的高興,見他來了,鴛鴦等站起來道:「奶奶又出來作什麼?讓我們也受用一會子。」鳳姐笑道:「鴛鴦小蹄子越發壞了,我替你當差,倒不領情,還抱怨我。還不快斟一鐘酒來我喝呢。」鴛鴦笑著忙斟了一杯酒,送至鳳姐唇邊,鳳姐一揚脖子吃了。平兒早剔了一殼黃子送來,鳳姐道:「多倒些薑醋。」一面也吃了,笑道:「你們坐著吃罷,我可去了。」鴛鴦笑道:「好沒臉,吃我們的東西。」鳳姐兒笑道:「你和我少作怪。你知道你璉二爺愛上了你,要和老太太討了你做小老婆呢。」鴛鴦道:「啐,這也是作奶奶說出來的話!我不拿腥手抹你一臉算不得。」說著趕來就要抹。鳳姐兒央道:「好姐姐,饒我這一遭兒罷。」琥珀笑道:「鴛丫頭要去了,平丫頭還饒他?你們看看他,沒有吃了兩個螃蟹,倒喝了一碟子醋,他也算不會攬酸了。」平兒手裡正掰了個滿黃的螃蟹,聽如此奚落他,便拿著螃蟹照著琥珀臉上抹來,口內笑罵「我把你這嚼舌根的小蹄子!」琥珀也笑著往旁邊一躲,平兒使空了,往前一撞,正恰恰的抹在鳳姐兒腮上。鳳姐兒正和鴛鴦嘲笑,不防唬了一跳,噯喲了一聲。眾人撐不住都哈哈的大笑起來。鳳姐也禁不住笑罵道:「死娼婦!吃離了眼了,混抹你娘的。」 平兒忙趕過來替他擦了,親自去端水。鴛鴦道:「阿彌陀佛!這是個報應。」賈母那邊聽見,一疊聲問:「見了什麼這樣樂,告訴我們也笑笑。」鴛鴦等忙高聲笑回道:「二奶奶來搶螃蟹吃,平兒惱了,抹了他主子一臉的螃蟹黃子。主子奴才打架呢。」賈母和王夫人等聽了也笑起來。賈母笑道:「你們看他可憐見的,把那小腿子臍子給他點子吃也就完了。」鴛鴦等笑著答應了,高聲又說道:「這滿桌子的腿子,二奶奶只管吃就是了。」鳳姐洗了臉走來,又伏侍賈母等吃了一回。黛玉獨不敢多吃,只吃了一點兒夾子肉就下來了。   賈母一時不吃了,大家方散,都洗了手,也有看花的,也有弄水看魚的,游玩了一回。王夫人因回賈母說:「這裡風大,才又吃了螃蟹,老太太還是回房去歇歇罷了。若高興,明日再來逛逛。」賈母聽了,笑道:「正是呢。我怕你們高興,我走了又怕掃了你們的興。既這麼說,咱們就都去吧。」回頭又齦湘雲:「別讓你寶哥哥林姐姐多吃了。」湘雲答應著。又囑咐湘雲寶釵二人說:「你兩個也別多吃。那東西雖好吃,不是什麼好的,吃多了肚子疼。」二人忙應著送出園外,仍舊回來,令將殘席收拾了另擺。寶玉道:「也不用擺,咱們且作詩。把那大團圓桌就放在當中,酒菜都放著。也不必拘定坐位,有愛吃的大家去吃,散坐豈不便宜。」寶釵道:「這話極是。」湘雲道:「雖如此說,還有別人。」因又命另擺一桌,揀了熱螃蟹來,請襲人、紫鵑、司棋、侍書、入畫、鶯兒、翠墨等一處共坐。山坡桂樹底下鋪下兩條花氈,命答應的婆子並小丫頭等也都坐了,只管隨意吃喝,等使喚再來。   湘雲便取了詩題,用針綰在牆上。眾人看了,都說:「新奇固新奇,只怕作不出來。」湘雲又把不限韻的原故說了一番。寶玉道:「這才是正理,我也最不喜限韻。」林黛玉因不大吃酒,又不吃螃蟹,自令人掇了一個綉墩倚欄坐著,拿著釣竿釣魚。寶釵手裡拿著一枝桂花玩了一回,俯在窗檻上掐了桂蕊擲向水面,引的游魚浮上來唼喋。湘雲出一回神,又讓一回襲人等,又招呼山坡下的眾人只管放量吃。探春和李紈惜春立在垂柳陰中看鷗鷺。迎春又獨在花陰下拿著花針穿茉莉花。寶玉又看了一回黛玉釣魚,一回又俯在寶釵旁邊說笑兩句,一回又看襲人等吃螃蟹,自己也陪他飲兩口酒。襲人又剝一殼肉給他吃。黛玉放下釣竿,走至座間,拿起那烏銀梅花自斟壺來,揀了一個小小的海棠凍石蕉葉杯。丫鬟看見,知他要飲酒,忙著走上來斟。黛玉道:「你們只管吃去,讓我自斟,這才有趣兒。」說著便斟了半盞,看時卻是黃酒,因說道:「我吃了一點子螃蟹,覺得心口微微的疼,須得熱熱的喝口燒酒。」寶玉忙道:「有燒酒。」便令將那合歡花浸的酒燙一壺來。黛玉也只吃了一口便放下了。寶釵也走過來,另拿了一隻杯來,也飲了一口,便蘸筆至牆上把頭一個《憶菊》勾了,底下又贅了一個「蘅」字。寶玉忙道:「好姐姐,第二個我已經有了四句了,你讓我作罷。」寶釵笑道:「我好容易有了一首,你就忙的這樣。」黛玉也不說話,接過筆來把第八個《問菊》勾了,接著把第十一個《菊夢》也勾了,也贅一個「瀟」字。寶玉也拿起筆來,將第二個《訪菊》也勾了,也贅上一個「絳」字。探春走來看看道:「竟沒有人作《簪菊》,讓我作這《簪菊》。」又指著寶玉笑道:「才宣過總不許帶出閨閣字樣來,你可要留神。」說著,只見史湘雲走來,將第四第五《對菊》《供菊》一連兩個都勾了,也贅上一個「湘」字。探春道:「你也該起個號。」湘雲笑道:「我們家裡如今雖有幾處軒館,我又不住著,借了來也沒趣。」寶釵笑道:「方纔老太太說,你們家也有這個水亭叫『枕霞閣』,難道不是你的。如今雖沒了,你到底是舊主人。」眾人都道有理,寶玉不待湘雲動手,便代將「湘」字抹了,改了一個「霞」字。又有頓飯工夫,十二題已全,各自謄出來,都交與迎春,另拿了一張雪浪箋過來,一併謄錄出來,某人作的底下贅明某人的號。李紈等從頭看起:

  憶菊 蘅蕪君   悵望西風抱悶思,蓼紅葦白斷腸時。   空籬舊圃秋無跡,瘦月清霜夢有知。   念念心隨歸雁遠,寥寥坐聽晚砧痴。   誰憐為我黃花病,慰語重陽會有期。

  訪菊 怡紅公子   閑趁霜晴試一游,酒盃藥盞莫淹留。   霜前月下誰家種,檻外籬邊何處秋。   蠟屐遠來情得得,冷吟不盡興悠悠。   黃花若解憐詩客,休負今朝掛杖頭。

  種菊 怡紅公子   攜鋤秋圃自移來,籬畔庭前故故栽。   昨夜不期經雨活,今朝猶喜帶霜開。   冷吟秋色詩千首,醉酹寒香酒一杯。   泉溉泥封勤護惜,好知井逕絕塵埃。

  對菊 枕霞舊友   別圃移來貴比金,一叢淺淡一叢深。   蕭疏籬畔科頭坐,清冷香中抱膝吟。   數去更無君傲世,看來惟有我知音。   秋光荏苒休辜負,相對原宜惜寸陰。

  供菊 枕霞舊友   彈琴酌酒喜堪儔,几案婷婷點綴幽。   隔座香分三徑露,拋書人對一枝秋。   霜清紙帳來新夢,圃冷斜陽憶舊游。   傲世也因同氣味,春風桃李未淹留。

  詠菊 瀟湘妃子   無賴詩魔昏曉侵,繞籬欹石自沉音。   毫端蘊秀臨霜寫,口齒噙香對月吟。   滿紙自憐題素怨,片言誰解訴秋心。   一從陶令平章後,千古高風說到今。

  畫菊 蘅蕪君   詩餘戲筆不知狂,豈是丹青費較量。   聚葉潑成千點墨,攢花染出幾霜痕。   淡濃神會風前影,跳脫秋生腕底香。   莫認東籬閑採掇,粘屏聊以慰重陽。

  問菊 瀟湘妃子   欲訊秋情眾莫知,喃喃負手叩東籬。   孤標傲世偕誰隱,一樣花開為底遲?   圃露庭霜何寂寞,雁歸蛩病可相思?   休言舉世無談者,解語何妨片語時。

  簪菊 蕉下客   瓶供籬栽日日忙,折來休認鏡中妝。   長安公子因花癖,彭澤先生是酒狂。   短鬢冷沾三徑露,葛巾香染九秋霜。   高情不入時人眼,拍手憑他笑路旁。

  菊影 枕霞舊友   秋光疊疊復重重,潛度偷移三徑中。   窗隔疏燈描遠近,籬篩破月鎖玲瓏。   寒芳留照魂應駐,霜印傳神夢也空。   珍重暗香休踏碎,憑誰醉眼認朦朧。

  菊夢 瀟湘妃子   籬畔秋酣一覺清,和雲伴月不分明。   登仙非慕莊生蝶,憶舊還尋陶令盟。   睡去依依隨雁斷,驚回故故惱蛩鳴。   醒時幽怨同誰訴,衰草寒煙無限情。

  殘菊 蕉下客   露凝霜重漸傾欹,宴賞才過小雪時。   蒂有餘香金淡泊,枝無全葉翠離披。   半床落月蛩聲病,萬里寒雲雁陣遲。   明歲秋風知再會,暫時分手莫相思。

眾人看一首,贊一首,彼此稱揚不已。李紈笑道:「等我從公評來。通篇看來,各有各人的警句。今日公評:《詠菊》第一,《問菊》第二,《菊夢》第三,題目新,詩也新,立意更新,惱不得要推瀟湘妃子為魁了;然後《簪菊》《對菊》《供菊》《畫菊》《憶菊》次之。」寶玉聽說,喜的拍手叫「極是,極公道。」黛玉道:「我那首也不好,到底傷於纖巧些。」李紈道:「巧的卻好,不露堆砌生硬。」黛玉道:「據我看來,頭一句好的是『圃冷斜陽憶舊游』,這句背面傅粉。『拋書人對一枝秋』已經妙絕,將供菊說完,沒處再說,故翻回來想到未折未供之先,意思深透。」李紈笑道:「固如此說,你的『口齒噙香』句也敵的過了。」探春又道:「到底要算蘅蕪君沉著,『秋無跡』、『夢有知』,把個憶字竟烘染出來了。」寶釵笑道:「你的『短鬢冷沾』、『葛巾香染』,也就把簪菊形容的一個縫兒也沒了。」湘雲道:「『偕誰隱』、『為底遲』,真個把個菊花問的無言可對。」李紈笑道:「你的『科頭坐』、『抱膝吟』,竟一時也不能別開,菊花有知,也必膩煩了。」說的大家都笑了。寶玉笑道:「我又落第。難道『誰家種』、『何處秋』、『蠟屐遠來』、『冷吟不盡』,都不是訪,『昨夜雨』、『今朝霜』,都不是種不成?但恨敵不上『口齒噙香對月吟』、『清冷香中抱膝吟』、『短鬢』、『葛巾』、『金淡泊』、『翠離披』、『秋無跡』、『夢有知』這幾句罷了。」又道:「明兒閑了,我一個人作出十二首來。」李紈道:「你的也好,只是不及這幾句新巧就是了。」   大家又評了一回,復又要了熱蟹來,就在大圓桌子上吃了一回。寶玉笑道:「今日持螯賞桂,亦不可無詩。我已吟成,誰還敢作呢?」說著,便忙洗了手提筆寫出。眾人看道:

  持螯更喜桂陰涼,潑醋擂薑興欲狂。   饕餮王孫應有酒,橫行公子卻無腸。   臍間積冷饞忘忌,指上沾腥洗尚香。   原為世人美口腹,坡仙曾笑一生忙。

黛玉笑道:「這樣的詩,要一百首也有。」寶玉笑道:「你這會子才力已盡,不說不能作了,還貶人家。」黛玉聽了,並不答言,也不思索,提起筆來一揮,已有了一首。眾人看道:

  鐵甲長戈死未忘,堆盤色相喜先嘗。   螯封嫩玉雙雙滿,殼凸紅脂塊塊香。   多肉更憐卿八足,助情誰勸我千觴。   對斯佳品酬佳節,桂拂清風菊帶霜。

寶玉看了正喝彩,黛玉便一把撕了,令人燒去,因笑道:「我的不及你的,我燒了他。你那個很好,比方纔的菊花詩還好,你留著他給人看。」寶釵接著笑道:「我也勉強了一首,未必好,寫出來取笑兒罷。」說著也寫了出來。大家看時,寫道是:

  桂靄桐陰坐舉觴,長安涎口盼重陽。   眼前道路無經緯,皮裡春秋空黑黃。

看到這裡,眾人不禁叫絕。寶玉道:「寫得痛快!我的詩也該燒了。」又看底下道:

  酒未敵腥還用菊,性防積冷定須薑。於今落釜成何益,月浦空餘禾黍香。

  眾人看畢,都說這是食螃蟹絕唱,這些小題目,原要寓大意才算是大才,只是諷刺世人太毒了些。說著,只見平兒復進園來。不知作什麼,且聽下回分解。

  

注释

Kapitel 38

Die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang erringt den Sieg beim Chrysanthemen-Dichten Die Edle von Haselwurz dichtet spöttisch über Krabben

Es wird erzählt, dass Schatzspange[1] und Xiangfluss-Wolke[2] ihren Plan bereits besprochen hatten. Von der restlichen Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Tag lud Xiangfluss-Wolke die Herzoginmutter[3] und die anderen ein, sich an den Duftblüten zu erfreuen. Die Herzoginmutter und alle Übrigen sagten einhellig: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An diesem edlen Zeitvertreib sollte man unbedingt teilhaben!"

Zur Mittagszeit kam die Herzoginmutter tatsächlich in Begleitung von Dame König[4] und Phönixglanz[5] in den Garten; auch Tante Schnee[6] und die anderen hatte sie eingeladen mitzukommen.

„Wo ist es am schönsten?" erkundigte sich die Herzoginmutter.

„Überall, wo es Euch gefällt, alte gnädige Frau, ist es auch schön", antwortete Dame König.

Phönixglanz aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang besonders schön, und das Wasser im Fluss ist klar und grün. Vom Pavillon inmitten des Flusses hat man eine freie Aussicht — und der Anblick des Wassers erfreut die Augen!"

„Das hast du vollkommen richtig gesagt", erwiderte die Herzoginmutter, und schon ging sie allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes[7].

Dieser Kiosk stand mitten im Teich und hatte an allen vier Seiten Fenster. Rechts und links führten gewundene Wandelgänge über das Wasser ans Ufer; im hinteren Teil verbarg sich zudem eine geschwungene Zickzackbrücke aus Bambus, die den Kiosk mit dem Ufer verband.

Als die Gesellschaft die Bambusbrücke betrat, eilte Phönixglanz nach vorn, um die Herzoginmutter zu stützen, und sagte dabei: „Nur kräftig ausschreiten, alte Ahnin, das macht gar nichts! Bei einer Bambusbrücke gehört es sich, dass sie knarzt und ächzt!"

Bald darauf betraten sie den Kiosk, und man sah, dass außerhalb des Geländers zwei Bambustische aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Essstäbchen und Weingeschirr eingedeckt, auf dem anderen standen Teepinsel, Teetöpfe und allerlei Teegerät bereit. Auf der einen Seite fächelten zwei, drei Dienstmädchen die Glut in einem Windöfchen an, um den Tee zu brühen; auf der anderen Seite fächelten weitere Mädchen ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.

Die Herzoginmutter rief sogleich erfreut: „Wie schön, dass du an Tee gedacht hast! Und wie sauber alles ringsum ist — der Platz, die Ausstattung!"

Xiangfluss-Wolke erwiderte lächelnd: „Schatzspange-Schwester hat mir geholfen, alles vorzubereiten."

„Ich sage es ja", bemerkte die Herzoginmutter, „dieses Mädchen ist fein und umsichtig, sie denkt an alles." Während sie das sagte, fielen ihr auch die schwarzlackierten, mit Perlmutt eingelegten Spruchpaare auf, die an den Säulen hingen. Sie befahl, man solle ihr die Sätze vorlesen. Xiangfluss-Wolke las:

„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag, der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg."

Die Herzoginmutter hob den Kopf und blickte zur Namenstafel des Pavillons empor. Dann wandte sie sich an Tante Schnee und sagte: „Als ich noch ein junges Mädchen war, hatten wir zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter als die Mädchen hier jetzt und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Eines Tages bin ich ausgerutscht und ins Wasser gefallen — um ein Haar wäre ich ertrunken! Mit Müh und Not wurde ich herausgezogen, aber dabei hatte ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an meiner Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, nachdem ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann auch noch verkühlt hatte. Doch wider Erwarten bin ich genesen."

Ohne auch nur abzuwarten, ob sonst jemand etwas sagen wollte, ergriff Phönixglanz lächelnd das Wort: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahnin — wer sollte dann heute all dieses Glück genießen? Wie man sieht, war Euch von Kindheit an kein geringes Maß an Glück und langem Leben zugedacht, und die Götterdiener und Teufelsknechte haben Euch eigens diese Delle in den Kopf geschlagen, damit sich darin das Glück und die Langlebigkeit sammeln konnten! Auch der Gott des langen Lebens hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf — aber weil bei ihm zehntausendfaches Glück und zehntausendfache Langlebigkeit hineingefüllt wurden, ist die Delle schließlich nach außen gewölbt und zu einer Beule geworden ..."

Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da bogen sich die Herzoginmutter und alle Anwesenden schon vor Lachen. Die Herzoginmutter sagte glucksend: „Dieses Äffchen wird immer schlimmer! In einem fort macht sie sich über mich lustig! — Warte nur, ich werde dir dein geschmiertes Mundwerk zerreißen!"

Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Gleich werden wir Krabben essen, und ich hatte Sorge, die Kälte könnte sich in Eurem Innern stauen, alte Ahnin. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euch das Herz aufzulockern. Wenn Ihr gut aufgelegt seid und ein paar Krabben mehr esst, schadet es gar nichts."

Die Herzoginmutter lachte: „Von nun an wirst du Tag und Nacht an meiner Seite bleiben! Wenn ich oft lache, fühle ich mich immer wohl. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück!"

Dame König mischte sich lächelnd ein: „Nur weil Ihr sie so gernhabt, alte gnädige Frau, verwöhnt Ihr sie dermaßen. Wenn Ihr jetzt noch so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht jeden Anstand vergessen."

Aber die Herzoginmutter meinte immer noch lächelnd: „Ich mag sie genau so, wie sie ist. Außerdem ist sie kein Kind, das den Unterschied zwischen hoch und niedrig nicht kennt. In den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so ungezwungen miteinander umgehen, solange keine Fremden dabei sind. Es reicht doch, wenn man sich bei offiziellen Anlässen korrekt benimmt. Was nützte es, von ihr zu verlangen, sie solle wandeln wie eine Göttin?"

Mit diesen Worten traten alle zusammen in den Pavillon. Nachdem der Tee gereicht worden war, ließ Phönixglanz eilends die Tische aufstellen und mit Bechern und Essstäbchen eindecken. Am Ehrentisch nahmen die Herzoginmutter, Tante Schnee, Schatzspange, Kajaljade[8] und Schatzjade[9] Platz. Am östlichen Tisch saßen Xiangfluss-Wolke, Dame König, Willkommensfrühling[10], Erkundefrühling[11] und Bedauerfrühling[12]. Am westlichen Tisch, der neben der Tür stand, waren die Plätze für Seidenweiß Pflaume[13] und Phönixglanz zwar eingedeckt, blieben jedoch leer — die beiden wagten es nicht, sich hinzusetzen, und warteten stattdessen an den Tischen der Herzoginmutter und Dame Königs auf.

Phönixglanz ordnete an: „Die Krabben nicht alle auf einmal bringen! Lasst die übrigen im Dampfgefäß, und bringt erst einmal zehn Stück — wenn die aufgegessen sind, könnt ihr nachbringen." Dann ließ sie sich Wasser reichen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabbenfleisch aus den Schalen zu lösen. Die erste Portion bot sie Tante Schnee an.

Tante Schnee wehrte ab: „Am besten schmeckt es mir, wenn ich sie selbst aufbreche! Bedient mich nur nicht."

Also gab Phönixglanz die Portion der Herzoginmutter, die zweite Schatzjade. Dann rief sie: „Den Wein bringt kochend heiß!" Außerdem wies sie die kleinen Dienstmädchen an, mit Chrysanthemenblättern und Duftblütenkernen parfümiertes Grünbohnenmehl zum Händewaschen bereitzuhalten.

Xiangfluss-Wolke aß nur eine einzige Krabbe zur Gesellschaft mit, dann stand sie auf und ging umher, um die anderen zu bedienen. Schließlich trat sie hinaus und befahl, zwei Teller voll Krabbenfleisch für die Nebenfrauen Zhao[14] und Zhou[15] hinzuschicken. Dann kam auch Phönixglanz heraus und sagte zu ihr: „Du bist es nicht gewohnt, andere zu bewirten — geh lieber hinein und iss! Ich übernehme es an deiner Stelle, und wenn alle fertig sind, esse ich selbst."

Doch Xiangfluss-Wolke lehnte ab und ließ stattdessen draußen auf dem Wandelgang zwei weitere Tische aufstellen, damit Mandarinenente[16], Bernstein[17], Farbenwolke[18], Wolkenglanz[19] und Friedchen[20] dort Platz nehmen konnten.

Mandarinenente sagte lächelnd zu Phönixglanz: „Die junge gnädige Frau bedient hier, dann werden wir wohl essen gehen!"

Phönixglanz erwiderte: „Geht nur! Lasst mir alles, ich kümmere mich darum."

So kehrte Xiangfluss-Wolke an ihren Platz zurück, während Phönixglanz und Seidenweiß Pflaume eilig ein wenig aßen, so gut es die Umstände erlaubten. Dann ging Phönixglanz wieder hinein, um aufzuwarten. Nach einer Weile trat sie erneut auf den Wandelgang hinaus, wo Mandarinenente und die anderen fröhlich beim Essen saßen. Als sie Phönixglanz kommen sahen, standen sie auf, und Mandarinenente fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht einmal ein wenig Genuss?"

Phönixglanz lachte: „Mandarinenente, du kleines Spitzbein, du wirst wirklich immer schlimmer! Ich übernehme deinen Dienst, und anstatt mir dankbar zu sein, machst du mir Vorwürfe? Willst du mir nicht endlich einen Becher Wein einschenken?"

Lächelnd goss Mandarinenente rasch einen Becher voll und hielt ihn Phönixglanz an die Lippen. Phönixglanz streckte den Hals und leerte ihn in einem Zug. Inzwischen hatte Friedchen schon ein fettes Stück gelben Krabbenrogen herausgelöst und brachte es ihr.

„Tüchtig Ingwer-Essig darüber!" verlangte Phönixglanz. Dann aß sie es und sagte lächelnd: „Setzt euch nur wieder und esst weiter — ich muss zurück."

Mandarinenente rief lachend: „Was für eine Unverschämtheit, uns das Essen wegzuschnappen!"

Phönixglanz erwiderte ebenfalls lachend: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, dass dein Herr Kette Kaufmann[21] sich in dich verguckt hat und die alte gnädige Frau bitten will, dich ihm als Nebenfrau zu geben."

„Pfui!" Mandarinenente spuckte empört aus. „So etwas sagt eine junge Herrin! Wenn ich Euch jetzt nicht meine nach Krabbe riechenden Finger durchs Gesicht schmiere, dann wäre ich keine Mandarinenente!" Und schon stürzte sie auf Phönixglanz zu.

Phönixglanz flehte: „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!"

Bernstein bemerkte lächelnd von der Seite: „Mandarinenente will sich rächen, aber wird Friedchen sie auch verschonen? Seht nur, sie hat keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig ausgetrunken! Man kann wirklich nicht sagen, dass sie nicht sauer werden kann!" [22]

Friedchen, die gerade eine fette, prall mit gelbem Rogen gefüllte Krabbe auseinanderbrach, hörte, wie sie so aufgezogen wurde, und ging mit der Krabbe in der Hand auf Bernsteins Gesicht los, wobei sie lachend schimpfte: „Dir werde ich's zeigen, du Lästerzunge, du kleines Spitzbein!"

Bernstein wich lachend zur Seite aus, und Friedchens Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere, traf aber — als sie nach vorne stolperte — genau Phönixglanz' Wange. Phönixglanz, die sich gerade noch mit Mandarinenente geneckt hatte und nicht damit rechnete, schreckte auf, schrie „Au!" — und alle Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus. Selbst Phönixglanz konnte nicht anders und schimpfte lachend: „Du verflixtes Frauenzimmer! Hast du dich blindgefressen, dass du deiner eigenen Herrin das Gesicht vollschmierst?"

Friedchen eilte sofort herbei, wischte ihr das Gesicht ab und ging selbst Wasser holen. Mandarinenente sagte: „Amitabha Buddha! Das war die gerechte Vergeltung!"

Drinnen hatte die Herzoginmutter den Lärm vernommen und erkundigte sich ein ums andere Mal: „Was ist da los? Was macht euch so fröhlich? Erzählt es uns, damit auch wir etwas zu lachen haben!"

Mandarinenente rief mit lauter Stimme und lachend hinüber: „Die Frau des zweiten jungen Herrn kam herüber, um uns die Krabben zu stibitzen! Da ist Friedchen in Zorn geraten und hat ihrer eigenen Herrin das ganze Gesicht mit Krabbenrogen vollgeschmiert! Herrin und Dienerin prügeln sich!"

Als die Herzoginmutter und Dame König das hörten, lachten auch sie laut auf. Die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch über sie! Gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, dann ist es gut."

Lachend versprachen Mandarinenente und die anderen es, und Mandarinenente rief noch immer laut: „Die Krabbenbeinchen auf dem ganzen Tisch — die junge gnädige Frau darf ruhig zugreifen!"

Phönixglanz wusch sich das Gesicht und ging wieder hinein, um die Herzoginmutter und die anderen noch eine Weile zu bedienen. Kajaljade allein wagte nicht, viel von den Krabben zu essen; sie nahm sich nur etwas Scherenfleisch und verließ dann den Tisch.

Als die Herzoginmutter schließlich nichts mehr aß, löste sich die Tafel auf. Alle wuschen sich die Hände, und dann besichtigten die einen die Blumen, während andere am Wasser standen und die Fische beobachteten, und so vergnügten sie sich noch ein Weilchen.

Dame König wandte sich an die Herzoginmutter: „Hier weht ein frischer Wind, und Ihr habt eben erst Krabben gegessen, alte gnädige Frau. Es wäre wohl das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Gemächer zurückkehrt und Euch ausruht. Wenn Ihr Lust habt, können wir morgen wiederkommen."

Die Herzoginmutter lächelte: „Du hast ganz recht. Ich fürchtete nur, euch den Spaß zu verderben, wenn ich aufbreche. Aber wenn du es so sagst, dann gehen wir jetzt alle zusammen." Sie wandte sich an Xiangfluss-Wolke: „Pass auf, dass dein Schatzjade-Vetter und deine Kajaljade-Schwester nicht zu viel von den Krabben essen!"

Xiangfluss-Wolke versprach es. Dann ermahnte die Herzoginmutter auch Xiangfluss-Wolke und Schatzspange: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Krabben schmecken zwar gut, aber sie sind schwer verdaulich. Isst man zu viel davon, bekommt man Bauchschmerzen!" Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter bis vor den Garten. Dann kehrten sie zurück und ließen die Überreste der Tafel abräumen und frisch eindecken.

Schatzjade schlug vor: „Wir brauchen gar nicht neu einzudecken! Wir wollen doch Gedichte schreiben. Stellt einfach den großen runden Tisch in die Mitte, Wein und Speisen darauf — und auf eine feste Sitzordnung verzichten wir! Wer essen möchte, geht hin und greift zu, die übrigen setzen sich, wo immer es ihnen beliebt. Ist das nicht viel zwangloser?"

Schatzspange stimmte zu: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag."

Xiangfluss-Wolke wandte ein: „So weit, so gut — aber wir dürfen die anderen nicht vergessen." Sie ließ noch einen weiteren Tisch aufstellen und frische, heiße Krabben herausbringen, dann lud sie Dufthauch[23], Purpurkuckuck[24], Siqui[25], Daishu[26], Ruhua[27], Goldreifchen[28] und Tuschegrün[29] ein, sich gemeinsam an diesem Tisch niederzulassen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunt gemusterte Filzteppiche ausbreiten und befahl, auch die wartenden Bediensteten und die kleinen Dienstmädchen sollten sich setzen und nach Herzenslust essen und trinken — wenn man sie brauche, werde man sie rufen.

Dann holte Xiangfluss-Wolke das Blatt mit den Gedichtthemen und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen es und sagten: „Die Themen sind allerdings neu und ungewöhnlich — aber ob wir etwas Brauchbares darüber zustande bringen?" Xiangfluss-Wolke erklärte noch einmal, warum sie auf einen festgelegten Reim verzichtet hatte.

Schatzjade sagte: „Das ist die einzig richtige Vorgehensweise! Ich bin auch überhaupt kein Freund festgelegter Reime."

Kajaljade, die nicht viel Wein trank und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen bestickten Porzellanhocker ans Geländer stellen, setzte sich darauf und griff nach der Angelrute, um Fische zu fangen.

Schatzspange hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand und betrachtete ihn eine Weile, dann lehnte sie sich ans Fensterbrett, zupfte die Blütenblättchen ab und warf sie aufs Wasser, sodass die Fische hochstiegen und danach schnappten.

Xiangfluss-Wolke schaute eine Weile gedankenverloren vor sich hin, bediente dann eine Zeitlang Dufthauch und die anderen Mädchen, die am Tisch saßen, und rief den Leuten am Berghang zu, sie sollten nur kräftig zugreifen.

Erkundefrühling stand mit Seidenweiß Pflaume und Bedauerfrühling im Schatten der Trauerweiden und beobachtete die Möwen und Reiher auf dem Wasser. Willkommensfrühling saß für sich allein im Blütenschatten und fädelte mit einer Sticknadel Jasminblüten auf.

Schatzjade schaute eine Weile Kajaljade beim Angeln zu, lehnte sich dann an Schatzspanges Seite und plauderte ein paar Sätze mit ihr, ging darauf zu Dufthauch und den anderen, sah ihnen beim Krabbenessen zu und trank ihnen zuliebe ein, zwei Schlückchen Wein. Dufthauch löste ihm ein Stück Krabbenfleisch aus der Schale und reichte es ihm.

Kajaljade legte die Angelrute beiseite, ging an den Tisch und griff nach einem Selbsteingieß-Kännchen aus geschwärztem Silber mit eingraviertem Aprikosenblütenmuster. Dann suchte sie sich einen winzigen Bananenblattbecher aus mit Speckstein in der Farbe gefrorener Zierapfelblüten. Als die Dienstmädchen sahen, dass Kajaljade Wein trinken wollte, kamen sie eilig herbei, um für sie einzugießen.

Kajaljade sagte: „Geht nur essen! Lasst mich mir selbst einschenken — so macht es erst richtig Spaß." Sie goss sich einen halben Becher ein und sah, dass es gelber Reiswein war. „Ich habe vorhin nur ein kleines bisschen Krabbe gegessen", sagte sie, „aber jetzt tut mir leicht der Leib weh. Ich müsste einen Schluck heißen Branntwein trinken."

Schatzjade rief sofort: „Es ist welcher da!" und befahl, man solle ein Kännchen von dem mit Albizienblüten[30] angesetzten Branntwein aufwärmen. Kajaljade trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest hin.

Schatzspange kam ebenfalls herüber, nahm sich einen eigenen Becher und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie den Schreibpinsel mit Tusche, trat an die Wand und hakte das erste Thema — „Erinnerung an Chrysanthemen" — ab. Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Heng"[31], ihren Dichternamen „Edle von Haselwurz".

Schatzjade bat sogleich: „Liebste Schwester, das zweite Thema — dafür habe ich schon vier Verse zusammen. Überlass es mir, bitte!"

Schatzspange lachte: „So eilig? Ich habe mit Mühe und Not erst dieses eine Gedicht fertig."

Kajaljade sagte nichts, nahm den Pinsel und hakte das achte Thema — „Chrysanthemen befragen" — ab, anschließend auch das elfte — „Chrysanthementraum". Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Xiao"[32] aus ihrem Dichternamen „Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang".

Nun griff auch Schatzjade zum Pinsel und hakte das zweite Thema — „Chrysanthemen aufsuchen" — ab, mit dem Zeichen „Jiang"[33] für „Rot" darunter.

Erkundefrühling kam herbei, musterte die Liste und sagte: „Es will tatsächlich niemand über 'Chrysanthemen ins Haar stecken' schreiben? Dann übernehme ich das!" Dann wies sie mit dem Finger auf Schatzjade und warnte ihn lachend: „Vorhin wurde ausdrücklich verkündet, dass keinerlei Ausdrücke aus den Mädchengemächern vorkommen dürfen! Gib also acht!"

Während sie noch sprach, trat Xiangfluss-Wolke heran und hakte auf einen Streich das vierte und das fünfte Thema — „Chrysanthemen zugewandt" und „Chrysanthemen aufstellen" — ab, mit dem Zeichen „Xiang"[34] darunter.

Erkundefrühling sagte: „Du musst dir auch einen Dichternamen zulegen."

Xiangfluss-Wolke erwiderte lächelnd: „In unserem Haus gibt es zwar einige Pavillons und Gartenhäuser, aber ich wohne ja gar nicht darin. Mir einen solchen Namen zu borgen hätte keinen Reiz."

Schatzspange meinte lächelnd: „Vorhin hat die alte gnädige Frau erzählt, bei euch zu Hause habe es auch so einen Wasserpavillon gegeben, der 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' hieß. Gehörte der nicht eigentlich dir? Es gibt ihn heute zwar nicht mehr, aber trotzdem bist du seine einstige Herrin."

Alle stimmten zu. Noch ehe Xiangfluss-Wolke die Hand rühren konnte, hatte Schatzjade bereits das Zeichen „Xiang" übermalt und stattdessen „Xia"[35] — „Abendrot" — hingeschrieben.

Nun dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, und alle zwölf Gedichte waren vollendet. Jeder schrieb das Seine auf und gab es Willkommensfrühling, die einen Bogen feinstes „Schneewellen"-Zierpapier[36] nahm und alles zusammen abschrieb, unter jedem Titel den Dichternamen des Verfassers.

Seidenweiß Pflaume und die anderen begannen, die Gedichte von Anfang an durchzulesen:

Erinnerung an Chrysanthemen — Edle von Haselwurz[37]

Im Westwind steh ich betrübt, von Sehnsucht bedrängt; Wird der Knöterich rot und das Schilfgras weiß, bricht mir das Herz. Im leeren Garten am alten Zaun ist keine Spur mehr vom Herbst, Doch der magere Mond und der kühle Reif wissen: Ich träume von dir. Mein Herz fliegt fort mit den Wildgänsen, Gedanke um Gedanke, Und einsam lausch ich am Abend dem Schlag der Waschbleuel. Wer hat Erbarmen mit mir und meiner gelben Blumenkrankheit? Getrost! Zur Doppelneun-Feier sehen wir uns wieder.

Chrysanthemen aufsuchen — Fürstensohn, der sich am Roten freut[38]

Müßig streif ich umher an einem reifklaren Tag, Statt bei Arzneibecher und Weinpokal zu verweilen. Wer hat die Blumen dort im Mondlicht gepflanzt? Am Zaun, am Geländer — wo kommt all dieser Herbst nur her? In Holzschuhen bin ich von weit her gewandert, tapp, tapp, Und mein kühles Gedicht klingt nie aus, so endlos die Freude. Wenn die gelben Blumen den Dichter verstehen könnten, War nicht umsonst mein Geld für den Wanderstab.

Chrysanthemen pflanzen — Fürstensohn, der sich am Roten freut[39]

Mit der Hacke kam ich zum Herbstgarten und setzte sie um, Pflanzte sie sorgsam am Zaun und vor dem Haus. Unverhofft kam der Regen gestern Nacht — und sie wuchsen, Heute blühen sie fröhlich, noch immer bedeckt vom Reif. Tausend Gedichte sing ich zur Herbstesfarbe, Und ein Becher Wein sei dem kühlen Duft geweiht. Ich will sie gießen, die Erde häufen und sie hegen — Auf dass der Gartenpfad frei bleibe von Staub und Getöse.

Chrysanthemen zugewandt — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[40]

Kostbare Blüten, köstlicher als Gold, Ein Busch ganz blass, ein anderer tief und dunkel. Barhäuptig sitz ich am Zaun, Die Knie umfassend, summe ich ein Lied. Zählt man die Stolzen dieser Welt — keiner übertrifft euch; Seht euch um: Nur ich allein bin euer wahrer Freund. Lasst das Herbstlicht nicht ungenutzt verrinnen, Einander zugewandt, wollen wir jede Stunde schätzen.

Chrysanthemen aufstellen — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[41]

Bei Saitenspiel und Wein — willkommener Gefährte! — Steht ihr anmutig auf dem Tisch, ziert still den Raum. Vom Nebensitz strömt feuchter Duft aus dem Gartenpfad herüber, Ich lege das Buch beiseite — nur ein Stengel Herbstschönheit genügt. Im kühlen Reif bringt ihr mir neue Träume, Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten. Unser Stolz ist uns gemeinsam — wir sind eines Wesens; Kirsch- und Pflaumenblüte im Frühling — das ist nicht unsere Art.

Lob der Chrysantheme — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[42]

Der Dichterdämon lockt mich, morgens und abends, Am Zaun, am Felsen versinke ich in Verse. Der Pinsel entfaltet Schönheit und schreibt im Reif, Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht. Blatt um Blatt ist nichts als stille Klage, Doch wer versteht das Herbstherz in einem einzigen Wort? Seit einst Tao Yuanming sein Urteil sprach, Hallt sein edles Lob bis zum heutigen Tag. [43]

Chrysanthemen malen — Edle von Haselwurz[44]

Noch ehe die Dichtlust verebbt, greift die Hand schon zum Pinsel, Nicht der schönen Farben wegen allein. Die Blätter spritzen aufs Papier wie tausend Tuschetupfer, Die Blüten, eng gedrängt, tragen weißen Reifeshauch. Im blass-dunklen Spiel erahnt man die Schatten im Wind, Lebendig springt der Herbstduft vom Handgelenk. Verwechselt dies nicht mit frisch gepflückten Blumen am Ostzaun — Aufgeklebt auf den Wandschirm tröstet es mich zum Doppelneunfest.

Chrysanthemen befragen — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[45]

Ich forsche nach den Geheimnissen des Herbstes, doch keiner weiß Bescheid, Leise murmelnd, die Hände auf dem Rücken, klopfe ich am Ostzaun an: So stolz und edel — mit wem wollt ihr euch zurückziehen? Gleich den anderen Blumen — warum blüht ihr so spät? Im Gartentau, im Hofreif — ist euch nicht einsam? Wenn die Gänse ziehen und die Grillen verstummen — fühlt ihr nicht Sehnsucht? Sagt nicht, auf der ganzen Welt gebe es niemanden zum Reden — Wenn ihr sprechen könnt, so sprecht ein paar Worte mit mir!

Chrysanthemen ins Haar stecken — Gast unter Bananenblättern[46]

Täglich in Eile — hier Vasen füllen, dort Beete pflegen, Die gebrochene Blüte steck ich mir an, und der Spiegel zeigt, wie sie steht. In Chang'an war einst ein junger Herr von Blumen besessen, Der Altmeister von Pengze war dem Wein verfallen. Kalter Tau benetzt mir die kurzen Schläfen, Herbstreif durchtränkt mein Kopftuch mit seinem Duft. Solch edle Neigung ist dem gemeinen Auge fremd — Lasst sie nur lachen und spotten am Wegesrand! [47]

Chrysanthemenschatten — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[48]

Herbstlicht, Schicht um Schicht, übereinander, Leise wandern die Schatten durch den Gartenpfad. Im Fensterlicht zeichnet die ferne Lampe ihre Umrisse, Durch den Zaun siebt sich der zerbrochene Mond, und ihr Bild wird filigran. Die kalte Seele scheint im Schein zu verweilen, Im Reif bewahrt sich ein Geist — doch der Traum bleibt leer. Gebt acht und zertretet nicht die zarte Duftspur — Welch trunkenes Auge erkennte im Dämmerlicht noch klar?

Chrysanthementraum — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[49]

Süß schlummert am Zaun die Herbstblume, frisch und klar, Ihr Geist folgt den Wolken und dem Mond, verschwommen. Sie träumt nicht wie Zhuangzi vom Schmetterling, Nein, nach dem alten Bund mit Tao Qian sucht sie. Einschlummernd folgt sie den Wildgänsen, die in der Ferne verschwinden, Erwachend ärgert sie der Lärm der Herbstgrillen. Wem soll sie klagen, wenn sie wieder bei sich ist? Welkes Gras, kalter Rauch — grenzenlose Trauer. [50]

Verwelkte Chrysanthemen — Gast unter Bananenblättern[51]

In Tau und Reif neigen sie sich, langsam welkend, Kaum hat die kleine Schneezeit begonnen, neigt sich ihr Fest. Noch duftet der Stiel, doch blass wird das Gold, Von den Zweigen löst sich das letzte Grün. Im Mondlicht auf dem Bett klingen die Grillen müde, Am fernen Himmel ziehen die Wildgänse langsam dahin. Im nächsten Herbst — wer weiß? — sehen wir uns wieder; Für diesen kurzen Abschied lasst euch nicht grämen!

Jedes Gedicht, das vorgelesen wurde, erntete sogleich Lob, und die gegenseitigen Komplimente nahmen kein Ende. Seidenweiß Pflaume sagte lächelnd: „Wartet, bis ich mein gerechtes Urteil fälle. Im Ganzen betrachtet ist jedem auf seine Weise eine prächtige Zeile gelungen. Mein Urteil lautet: 'Lob der Chrysantheme' nimmt den ersten Platz ein, 'Chrysanthemen befragen' den zweiten und 'Chrysanthementraum' den dritten. Die Themen sind neu, die Gedichte sind neu, und der Sinn, der hineingelegt wurde, ist erst recht neu — da kann man nicht anders, als die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang zur Siegerin zu erklären! Danach folgen 'Chrysanthemen ins Haar stecken', 'Chrysanthemen zugewandt', 'Chrysanthemen aufstellen', 'Chrysanthemen malen' und 'Erinnerung an Chrysanthemen'."

Als Schatzjade das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Genau richtig! Höchst gerecht!"

Kajaljade aber wandte bescheiden ein: „So gut ist mein Vers auch wieder nicht. Im Grunde ist er etwas zu zierlich und gekünstelt."

Seidenweiß Pflaume erwiderte: „Zierlich ist er, ja — aber auf eine gute Art, ohne Steifheit und ohne Überladung."

Kajaljade sagte: „Meiner Meinung nach ist die beste Zeile von allen 'Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten'. Das ist ein meisterhafter Kontrast. Schon die Zeile davor — 'Ich lege das Buch beiseite, nur ein Stengel Herbstschönheit genügt' — ist vollendet. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, es gibt nichts mehr hinzuzufügen; deshalb kehren die Gedanken zurück zu dem Augenblick, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn."

Seidenweiß Pflaume lächelte: „Das stimmt schon. Aber dein Vers 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht' steht dem in nichts nach."

Erkundefrühling fügte hinzu: „Man muss aber einräumen, dass die Edle von Haselwurz den Gedanken der Sehnsucht am tiefsten auslotete — 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es' bringen das Wort 'Erinnern' wunderbar zum Ausdruck."

Schatzspange erwiderte lachend: „Und bei dir schildern 'kalter Tau benetzt die Schläfen' und 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch' das Bild von Chrysanthemen im Haar so treffend, dass kein Spalt mehr offen bleibt."

Xiangfluss-Wolke sagte: „'Mit wem wollt ihr euch zurückziehen?' und 'Warum blüht ihr so spät?' — damit werden die armen Chrysanthemen wirklich in die Enge getrieben, dass ihnen die Worte fehlen!"

Seidenweiß Pflaume gab lachend zurück: „Na, wenn du dich 'barhäuptig am Zaun hinsetzt' und 'die Knie umfassend' singst und gar nicht mehr weggehen willst, dann wird das auch den Chrysanthemen, wenn sie fühlen könnten, allmählich lästig werden!" Alle lachten.

Schatzjade seufzte lachend: „Und ich bin wieder einmal durchgefallen! Drücken denn 'Wer hat gepflanzt?', 'Wo kommt der Herbst her?', 'in Holzschuhen von weit her gewandert' und 'mein kühles Gedicht klingt nie aus' nicht das Suchen aus? Und sprechen 'unverhofft der Regen gestern Nacht' und 'heute blühen sie bedeckt vom Reif' nicht vom Pflanzen? Ich ärgere mich nur, dass meine Verse nicht aufkommen gegen 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht', 'Die Knie umfassend, summe ich ein Lied', 'Kalter Tau benetzt die Schläfen', 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch', 'blass wird das Gold', 'löst sich das Grün', 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es'." Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich alle zwölf Themen noch einmal ganz allein!"

Seidenweiß Pflaume tröstete ihn: „Auch deine Gedichte sind gut — sie sind nur nicht ganz so originell wie die anderen."

Nachdem sich alle noch eine Weile über ihre Beurteilungen ausgetauscht hatten, ließen sie frische heiße Krabben bringen und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Schatzjade lächelnd: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbengelage — das muss ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer traut sich noch?" Rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb. Alle blickten auf sein Blatt und lasen:

Beim Krabbenessen unter Duftblüten

Beim Krabbenschmaus im kühlen Duftblüten-Schatten Begieß ich sie mit Essig, würze sie mit Ingwer — welch ein Rausch! Ein Vielfraß von Rang braucht Wein dazu, Der freche Seitwärtsgeher aber hat kein Herz. Die Kälte im Leib vergisst der Gierige, Die Finger riechen nach Fisch, selbst gewaschen noch duftend. Schon immer lebt der Mensch für die Freuden des Gaumens — Hatte nicht Su Dongpo gelacht, ein Leben lang rührig zu sein? [52]

Kajaljade sagte lächelnd: „Von solchen Gedichten könnte man hundert Stück haben."

Schatzjade erwiderte ebenfalls lächelnd: „Deine Eingebung ist für heute erschöpft, du bringst nichts mehr zustande — und trotzdem musst du andere herabsetzen!"

Kajaljade antwortete nicht, besann sich auch keinen Augenblick, nahm den Pinsel und hatte im Nu ein Gedicht geschrieben. Die anderen lasen:

In Panzer und Lanze noch im Tode gerüstet, Lockt ihr, auf dem Teller aufgetürmt, zum ersten Bissen. Die Scheren bergen zarten Jade, paarweise prall und voll, Aus dem Panzer duftet rotes Fett, Stück für Stück. Acht Beine, fleischig — man liebt euch nur mehr dafür, Tausend Becher Wein — wer riet mir, so viel zu trinken? Zu solch edler Speise am Festtag erhoben, Streicht der Wind durch Duftblüten und die Chrysanthemen tragen Reif.

Schatzjade las und rief begeistert Bravo, doch Kajaljade riss ihm das Blatt aus der Hand, zerriss es und befahl einer Dienerin, die Fetzen zu verbrennen. Dann sagte sie lächelnd: „Mein Gedicht ist nicht so gut wie deines, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist wirklich gelungen — besser sogar als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten."

Schatzspange meldete sich lächelnd: „Ich habe mir auch eines abgerungen. Es ist nicht unbedingt gut, aber ich schreibe es auf, damit ihr wenigstens etwas zum Lachen habt." Sie griff zum Pinsel und schrieb. Alle lasen mit:

Unter Duftblüten und Paulownien den Becher erhoben — Die Schlemmer von Chang'an wässern sich den Mund zum Doppelneunfest. Vor euch liegt ein Weg ohne Recht und ohne Ordnung, Unter eurer Schale verbergt ihr Herbst und Frühling, nichts als Schwärze und Gelb.

Als sie bis hierher gelesen hatten, riefen alle begeistert Bravo. Schatzjade sagte: „Großartig geschrieben! Mein Gedicht sollte ich auch verbrennen!" Dann las er weiter:

Heißer Wein vertreibt den Fischgeruch — nimm noch Chrysanthemen dazu, Gegen die anstauende Kälte hilft gewiss der Ingwer. Nun aber seid ihr im Kessel gelandet — was nützt euch das alles noch? Am Mondufer bleibt nur der leere Duft von Hirse und Korn.

Als alle fertig gelesen hatten, sagten sie: „Das ist das unübertreffliche Gedicht zum Krabbenessen! Bei solch einem kleinen Thema einen tiefen Sinn zu verbergen — das zeugt von großem Talent. Allerdings ist der Spott über die Menschen der Gegenwart vielleicht ein wenig zu giftig." [53]

In diesem Augenblick sahen sie Friedchen wieder in den Garten zurückkehren. Was sie wollte, wird im nächsten Kapitel erzählt.

  1. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Kostbare Schnee-Haarspange" — Schatzjades Kusine aus der Familie Xue, klug, besonnen und tugendreich.
  2. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Geschichtsschreiber Wolke-am-Xiang-Fluss" — Schatzjades lebenslustige Kusine, eine begabte Dichterin.
  3. 贾母 Jiǎ Mǔ, wörtl. „Matriarchin der Kaufmann-Familie" — die Großmutter des Hauses Kaufmann (Jiǎ), eine der mächtigsten Figuren des Romans.
  4. 王夫人 Wáng Fūrén — Schatzjades Mutter, zweite Frau des Aufrecht Kaufmann.
  5. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Heiterer König-Phönix" — die energische und verschlagene Haushälterin des Kaufmann-Anwesens.
  6. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee" — Schatzspanges Mutter, Schwester von Dame König.
  7. Chin. 藕香榭
  8. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal Wald-Jade" — die weibliche Protagonistin, Schatzjades Kusine mütterlicherseits, berühmt für ihre Dichtkunst und Empfindsamkeit.
  9. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbare Kaufmann-Jade" — der männliche Protagonist des Romans, ein verträumter junger Mann aus der Kaufmann-Familie.
  10. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommensfrühling" — Schatzjades zweite Schwester.
  11. 探春 Tànchūn, wörtl. „Erkundefrühling" — Schatzjades dritte Halbschwester (Tochter der Nebenfrau Zhao), klug und tatkräftig.
  12. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bedauerfrühling" — Schatzjades jüngste Schwester (eigentlich Nichte).
  13. 李纨 Lǐ Wán — die tugendhafte junge Witwe des verstorbenen Perle Kaufmann, Schatzjades älteste Schwägerin.
  14. Chin. 赵姨娘
  15. Chin. 周姨娘
  16. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente" — die treue Leibdienerin der Herzoginmutter.
  17. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein" — ein Dienstmädchen der Herzoginmutter.
  18. 彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Farbenwolke" — ein Dienstmädchen der Dame König.
  19. Chin. 彩云
  20. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen" — Phönixglanz' loyale Kammerzofe und engste Vertraute.
  21. Chin. 贾琏
  22. Das Wortspiel bezieht sich darauf, dass 'Essig trinken' (吃醋) im Chinesischen 'eifersüchtig sein' bedeutet — Bernstein stichelt, Friedchen sei eifersüchtig über die Scherze bezüglich Mandarinenentes Verheiratung an ihren Herrn.
  23. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — Schatzjades treueste Kammerzofe, besonnen und pflichtbewusst.
  24. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck" — Kajaljade's treue Kammerzofe.
  25. Chin. 司棋
  26. Chin. 侍书
  27. Chin. 入画
  28. Chin. 莺儿
  29. Chin. 翠墨
  30. Chin. 合欢花
  31. Chin. 蘅
  32. Chin. 潇
  33. Chin. 绛
  34. Chin. 湘
  35. Chin. 霞
  36. Chin. 雪浪笺
  37. Chin. 蘅芜君
  38. Chin. 怡红公子
  39. Chin. 怡红公子
  40. Chin. 枕霞旧友
  41. Chin. 枕霞旧友
  42. Chin. 潇湘妃子
  43. Tao Qian (陶渊明/陶潜, 365–427), der berühmte Eremit und Dichter, der die Chrysantheme zum Symbol des Rückzugs und der Unbestechlichkeit erhob.
  44. Chin. 蘅芜君
  45. Chin. 潇湘妃子
  46. Chin. 蕉下客
  47. Chang'an war die alte Kaiserstadt. Der 'Altmeister von Pengze' ist wieder Tao Qian, der einst Bezirksvorsteher von Pengze war.
  48. Chin. 枕霞旧友
  49. Chin. 潇湘妃子
  50. Zhuangzi (庄子, ca. 369–286 v. Chr.), der daoistische Philosoph, der träumte, er sei ein Schmetterling, und nicht mehr wusste, ob er Mensch oder Falter war.
  51. Chin. 蕉下客
  52. Su Shi (苏轼/苏东坡, 1037–1101), einer der größten Dichter der Song-Dynastie, berühmt auch als Feinschmecker.
  53. Die verdeckte Satire kritisiert die korrupten Beamten und Höflinge, die — gleich den Krabben — hinter den Kulissen ihre eigennützigen Machenschaften betreiben und am Ende doch im 'Kochtopf' enden.