Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 58"

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Kapitel 58
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Unter dem Aprikosenbaum beklagt ein falscher Phönix den entflogenen — Am rotgezogenen Gazefenster ergründet wahres Gefühl narrenhaftes Sinnen
<span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">[1-10]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">[11-20]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">[21-30]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">[31-40]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">[41-50]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_52|<span style="color: #FFD700;">52</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_53|<span style="color: #FFD700;">53</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_54|<span style="color: #FFD700;">54</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_55|<span style="color: #FFD700;">55</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_56|<span style="color: #FFD700;">56</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_57|<span style="color: #FFD700;">57</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">'''58'''</span> &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_59|<span style="color: #FFD700;">59</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_60|<span style="color: #FFD700;">60</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_62|<span style="color: #FFD700;">62</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_63|<span style="color: #FFD700;">63</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_64|<span style="color: #FFD700;">64</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_65|<span style="color: #FFD700;">65</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_66|<span style="color: #FFD700;">66</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_67|<span style="color: #FFD700;">67</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_68|<span style="color: #FFD700;">68</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_69|<span style="color: #FFD700;">69</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_70|<span style="color: #FFD700;">70</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">[71-80]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">[81-90]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">[91-100]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">[101-110]</span>]] &middot; [[Hongloumeng/de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">[111-120]</span>]] &middot; [[Hongloumeng|<span style="color: #FFD700;">&larr; Inhalt</span>]]
 
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<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 8px 15px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px; font-size: 0.95em;">
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Die drei hielten also schleunigst den Mund, als Erkundefrühling<ref>Chin. 探春 Tànchūn — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns.</ref> und die anderen hereinkamen. Nachdem die Neuankömmlinge ihre Grüße entboten hatten, scherzten und schwatzten alle eine Zeitlang zusammen, dann gingen sie wieder auseinander.
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_58|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_58|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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= Kapitel 58 =
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Unerwartet war die in einem der vorigen Kapitel erwähnte alte Kaiserliche Nebenfrau<ref>Chin. 老太妃 Lǎo Tàifēi — eine betagte kaiserliche Nebenfrau. Ihr Tod löst umfassende Staatstrauer aus.</ref> entschlafen. Die Gattinnen aller Würdenträger mussten sich zu Hofe begeben, um ihrem Rang und Titel gemäß am Trauerzeremoniell teilzunehmen. Durch kaiserlichen Erlass wurde befohlen, im ganzen Reich dürfe in allen Familien von Würdentragern ein Jahr lang kein Fest gefeiert und keine Musik gespielt werden, das einfache Volk aber dürfe innerhalb von drei Monaten keine Hochzeiten halten. Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.</ref>, Dame Strafe<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén — Begnadigung Kaufmannen Hauptfrau.</ref>, Dame König<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.</ref>, Dame Sonders<ref>Chin. 尤氏 Yóu Shì — Kaufmann Kostbars Ehefrau, Herrin des Stillfriede-Anwesens.</ref> und Frau Xu — Schwiegermütter und Schwiegertöcher, Großmutter und Enkelin — begaben sich jeden Tag zu Hofe, um den Opferhandlungen beizuwohnen, und kamen nicht früher als nachmittags um zwei wieder zurück.
== 杏子阴假凤泣虚凰 ==
 
=== 茜纱窗真情揆痴理 ===
 
  
'''Unter dem Aprikosenbaum beklagt ein falscher Phönix den entflogenen Am rotgezogenen Gazefenster ergründet wahres Gefühl narrenhaftes Sinnen'''
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Erst nach einundzwanzigtägiger Aufbahrung in einer Seitenhalle des Kaiserpalasts sollte die Tote nach dem Grab des verewigten Herrschers überführt werden, das sich im Kreis Xiaoci<ref>Chin. 孝慈县 Xiàocí Xiàn — fiktiver Ort des kaiserlichen Mausoleums.</ref> befand. Dorthin brauchte man von der Hauptstadt aus mehr als zehn Tage, und da der Sarg nach der Überführung noch einmal für mehrere Tage aufgestellt werden sollte, bevor er in den unterirdischen Palast kam, musste die ganze Sache einen vollen Monat in Anspruch nehmen. Aus dem Stillfriede-Anwesen durften eigentlich weder Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Kostbarer Kaufmann" Oberhaupt des Stillfriede-Anwesens.</ref> noch seine Frau dabei fehlen, aber dann wäre aus keinem der beiden Anwesen jemand da gewesen, der die Aufsicht führen konnte.
  
Die drei hielten also schleunigst den Mund, als Tanchun<ref>Chin. 探春 Tànchūn dritte Tochter Kaufmann Aufrechts.</ref> und die anderen hereinkamen. Nachdem die Neuankömmlinge ihre Grüße entboten hatten, scherzten und schwatzten alle eine Zeitlang zusammen, dann gingen sie wieder auseinander.
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Deshalb hielt man Rat, und da das Haus nicht ohne Herrschaft bleiben konnte, ließ man melden, Dame Sonders werde ein Kind bekommen. Dadurch erreichte man eine Freistellung für sie, und nun konnte sie an der Leitung beider Anwesen teilhaben. Außerdem betraute man Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.</ref> damit, sich im Garten um die Schwestern und die Zofen zu kümmern. So blieb Tante Schnee keine andere Wahl, als selbst in den Garten zu ziehen. Bei Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi Tante Schnees Tochter.</ref> wohnten schon Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie. Bei Frau Li waren Tante Li und ihre beiden Töchter zwar ausgezogen, kamen aber noch von Zeit zu Zeit auf drei oder fünf Tage zu Besuch, und außerdem hatte die Herzoginmutter Kostbarzither Schnee der Obhut von Frau Li anvertraut.
  
Unerwartet war die in einem der vorigen Kapitel erwähnte alte Kaiserliche Nebenfrau<ref>Chin. 老太妃 Lǎo Tàifēi — eine betagte kaiserliche Nebenfrau. Ihr Tod löst eine umfassende Staatstrauer aus.</ref> entschlafen. Die Gattinnen aller Würdenträger mussten sich zu Hofe begeben, um ihrem Rang und Titel gemäß am Traürzeremoniell teilzunehmen. Durch kaiserlichen Erlass wurde befohlen, im ganzen Reich dürfe in allen Familien von Würdentragern ein Jahr lang kein Fest gefeiert und keine Musik gespielt werden, das einfache Volk aber dürfe innerhalb von drei Monaten keine Hochzeiten halten. Die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.</ref>, Dame Xing<ref>Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén Kaufmann Begnadigungen Hauptfrau.</ref>, Dame Wang<ref>Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Kaufmann Aufrechts Hauptfrau.</ref>, Frau You<ref>Chin. 尤氏 Yóu Shì — Kaufmann Kostbars (Jia Zhen) Ehefrau, Herrin des Ning-guo-Anwesens.</ref>) Ehefrau, Herrin des Ning-guo-Anwesens.</ref> und Frau Xu — Schwieagermütter und Schwiegertöcher, Großmutter und Enkelin — begaben sich jeden Tag zu Hofe, um den Opferhandlungen beizuwohnen, und kamen nicht früher als nachmittags um zwei wieder zurück.
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Bei Willkommensfrühling war Höhlennebel Strafe<ref>Chin. 邢岈烟 Xíng Xiùyān. 岈 xiù „Berghöhle“; 烟 yān „Nebel/Rauch“. Nichte von Dame Strafe.</ref> untergebracht. Erkundefrühling dagegen war zum einen mit Haushaltsangelegenheiten überhauft, zum anderen tauchten immer wieder Nebenfrau Zhao und Unheil Kaufmann bei ihr auf, um herumzunörgeln, was ebenfalls sehr unangenehm war. Bei Bedauerfrühling schließlich waren die Räume zu klein. Überdies hatte die Herzoginmutter Tante Schnee tausend- und zehntausendfach gebeten, nur ja auf Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.</ref> besonders gut achtzugeben. Und da Tante Schnee ohnehin innigste Zuneigung für Kajaljade verspürte, zog sie jetzt in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, wo sie mit ihr das Zimmer teilte und sich mit größter Sorgfalt um ihre Arznei und Diät kümmerte.
  
Erst nach einundzwanzigtägiger Aufbahrung in einer Seitenhalle des Kaiserpalasts sollte die Tote nach dem Grab des verewigten Herrschers überführt werden, das sich im Kreis Xiaoci<ref>Chin. 孝慈县 Xiàocí Xiàn, wörtl. „Kreis der kindlichen Pietät und Güte" — fiktiver Ort des kaiserlichen Mausoleums.</ref> befand. Dorthin brauchte man von der Hauptstadt aus mehr als zehn Tage, und da der Sarg nach der Überführung noch einmal für mehrere Tage aufgestellt werden sollte, bevor er in den unterirdischen Palast kam, musste die ganze Sache einen vollen Monat in Anspruch nehmen. Aus dem Ning-guo-Anwesen durften eigentlich weder Jia Zhen<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Kostbarer Kaufmann" — Oberhaupt des Ning-guo-Anwesens.</ref> noch seine Frau dabei fehlen, aber dann wäre aus keinem der beiden Anwesen jemand da gewesen, der die Aufsicht führen konnte.
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Kajaljade war ihr unendlich dankbar dafür, und Tante Schnee wurde fortan von ihr nicht anders angeredet als von Schatzspange. Schatzspange selbst aber wurde von Kajaljade „ältere Schwester" genannt und Kostbarzither Schnee „jüngere Schwester", als ob sie ihre leiblichen Geschwister wären, und sie verkehrte mit ihnen herzlicher als mit allen anderen. Als die Herzoginmutter davon erfuhr, war sie hocherfreut und beruhigt zugleich.
  
Deshalb hielt man Rat, und da das Haus nicht ohne Herrschaft bleiben konnte, ließ man melden, Frau You werde ein Kind bekommen. Dadurch erreichte man eine Freistellung für sie, und nun konnte sie an der Leitung beider Anwesen teilhaben. außerdem betraute man Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Wangs Schwester.</ref> damit, sich im Garten um die Schwestern und die Zofen zu kümmern. So blieb Tante Schnee keine andere Wahl, als selbst in den Garten zu ziehen. Bei Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.</ref> wohnten schon Xiangyun und Duftlinse. Bei Frau Li waren Tante Li und ihre beiden Töchter zwar ausgezogen, kamen aber noch von Zeit zu Zeit auf drei oder fünf Tage zu Besuch, und außerdem hatte die Herzoginmutter Baoqin der Obhut von Frau Li anvertraut.
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Tante Schnee kümmerte sich lediglich um die Mädchen und hielt die Zofen im Zaum, zu Haushaltsangelegenheiten dagegen, seien es größere oder kleinere, wollte sie sich nicht äußern. Dame Sonders kam zwar Tag für Tag herüber, aber nur um sich sehen zu lassen und Appell zu halten — sich als Autorität aufspielen wollte sie nicht. Zumal sie drüben in ihrem eigenen Anwesen die ganze Verantwortung trug und außerdem jeden Tag für alles sorgen musste, was die Herzoginmutter, Dame König und die anderen in ihren Aufenthaltsräumen an Essen, Getränken und Ausstattung brauchten, womit sie Arbeit genug hatte.
  
Bei Yingchun war Xiuyan untergebracht. Tanchun dagegen war zum einen mit Haushaltsangelegenheiten überhauft, zum anderen tauchten immer wieder Nebenfrau Zhao und Jia Huan bei ihr auf, um herumzunörgeln, was ebenfalls sehr unangenehm war. Bei Xichun schließlich waren die Räume zu klein. Überdies hatte die Herzoginmutter Tante Schnee tausend- und zehntausendfach gebeten, nur ja auf Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.</ref> besonders gut achtzugeben. Und da Tante Schnee ohnehin innigste Zuneigung für Kajaljade verspürte, zog sie jetzt in die Herberge am Xiaoxiang-Fluss, wo sie mit ihr das Zimmer teilte und sich mit grösster Sorgfalt um ihre Arznei und Diät kümmerte.
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Aber nicht nur die Herrschaften aus beiden Anwesen waren jetzt pausenlos beschäftigt. Auch die verantwortlichen Bediensteten waren entweder mit bei Hofe, oder sie hatten sich in den Aufenthaltsräumen außerhalb des Hofes um alles zu kümmern, während wieder andere zu den Absteigeorten des Trauerzuges vorauseilen mussten. So hatten auch sie alle Hände voll zu tun. Dem Gesinde in beiden Anwesen aber fehlte dadurch die rechte Zucht. Die Leute faulenzten, wo sie nur konnten, und manche machten sich die Gelegenheit zunutze, um sich mit den zeitweiligen Verantwortlichen zusammenzutun und die so erlangte Macht zu missbrauchen.
  
Kajaljade war ihr unendlich dankbar dafür, und Tante Schnee wurde fortan von ihr nicht anders angeredet als von Schatzspange. Schatzspange selbst aber wurde von Kajaljade „ältere Schwester" genannt und Baoqin „jüngere Schwester", als ob sie ihre leiblichen Geschwister wären, und sie verkehrte mit ihnen herzlicher als mit allen anderen. Als die Herzoginmutter davon erfuhr, war sie hocherfreut und beruhigt zugleich.
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Im Prunkwille-Anwesen waren nur Lai Da und einige Zuständige zurückgeblieben, um sich um die Angelegenheiten des äußeren Haushalts zu kümmern. Die Leute aber, auf die sich Lai Da für gewöhnlich stützte, waren fort. An ihrer Statt hatte man zwar andere eingesetzt, aber dies waren Neulinge, und man merkte, dass ihnen die Arbeit nicht recht von der Hand ging. Obendrein waren es Dummköpfe, die schamlos betrogen, falsche Berichte gaben und sinnlose Vorschläge machten. So gab es Übelstände aller Art, und immer wieder kam es zu Verwicklungen, doch das kann hier nicht weiter geschildert werden.
  
Tante Schnee kümmerte sich lediglich um die Mädchen und hielt die Zofen im Zaum, zu Haushaltsangelegenheiten dagegen, seien es grössere oder kleinere, wollte sie sich nicht äussern. Frau You kam zwar Tag für Tag herüber, aber nur um sich sehen zu lassen und Appell zu halten — sich als Autorität aufspielen wollte sie nicht. Zumal sie drüben in ihrem eigenen Anwesen die ganze Verantwortung trug und außerdem jeden Tag für alles sorgen musste, was die Herzoginmutter, Dame Wang und die anderen in ihren Aufenthaltsräumen an Essen, Getränken und Ausstattung brauchten, womit sie Arbeit genug hatte.
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Da jetzt in allen Beamtenfamilien die Schauspielertruppen, die man im Hause hielt, entlassen und weggeschickt wurden, fasste auch Dame Sonders mit den anderen zusammen einen derartigen Beschluss. Als Dame König einmal nach Hause kam, meldete sie ihr, man wolle die zwölf Schauspielmädchen entlassen. Dabei sagte sie: „Die Mädchen waren gekauft worden. Auch wenn sie jetzt nicht weiter die Schauspielerei erlernen, können wir sie doch als Bedienstete behalten. Die Ausbilder aber können ihrer Wege gehen, und damit wäre die Sache erledigt."
  
Aber nicht nur die Herrschaften aus beiden Anwesen waren jetzt pausenlos beschäftigt. Auch die verantwortlichen Bediensteten waren entweder mit bei Hofe, oder sie hatten sich in den Aufenthaltsräumen außerhalb des Hofes um alles zu kümmern, während wieder andere zu den Absteigeorten des Traürzuges vorauseilen mussten. So hatten auch sie alle Hände voll zu tun. Dem Gesinde in beiden Anwesen aber fehlte dadurch die rechte Zucht. Die Leute faulenzten, wo sie nur konnten, und manche machten sich die Gelegenheit zunutze, um sich mit den zeitweiligen Verantwortlichen zusammenzutun und die so erlangte Macht zu missbrauchen.
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„Diese Schauspielschülerinnen sind nicht dasselbe wie Dienerinnen", wandte Dame König ein. „Sie sind Kinder anständiger Eltern, die sie nur notgedrungen in dieses Gewerbe verkauft haben, sich ein paar Jahre verunstalten zu lassen und die Hexen zu spielen. Da sich jetzt die Gelegenheit ergibt, sollte man ihnen ein paar Liang Silber als Reisegeld geben und ihnen die Freiheit schenken. So war es seinerzeit bei den Ahnen die Regel. Was jetzt vorgeschlagen ist, würde nicht nur verborgener Güte Abbruch tun, es wäre auch kleinlich. Es leben zwar auch einige alte Schauspielerinnen bei uns, aber von ihnen hatte jede einen Grund, warum sie nicht zu ihrer Familie zurückkehren wollte. Nur deshalb sind sie als Dienerinnen hier geblieben und dann mit jungen Bediensteten aus unserem Haus verheiratet worden, als sie erwachsen waren."
  
Im Rong-guo-Anwesen waren nur Lai Da und einige Zuständige zurückgeblieben, um sich um die Angelegenheiten des äusseren Haushalts zu kümmern. Die Leute aber, auf die sich Lai Da für gewöhnlich stützte, waren fort. An ihrer Statt hatte man zwar andere eingesetzt, aber dies waren Neulinge, und man merkte, dass ihnen die Arbeit nicht recht von der Hand ging. Obendrein waren es Tummköpfe, die schamlos betrogen, falsche Berichte gaben und sinnlose Vorschläge machten. So gab es Übelstände aller Art, und immer wieder kam es zu Verwicklungen, doch das kann hier nicht weiter geschildert werden.
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„Dann wollen auch wir die zwölf fragen, ob jemand von ihnen nach Hause möchte", schlug Dame Sonders vor. „Und falls ja, schreiben wir Briefe an ihre Eltern, damit sie sie persönlich abholen kommen, und geben ihnen ein paar Liang Silber für die Reise! Denn nur so ist alles geregelt. Wenn wir nicht ihre Eltern kommen lassen, werden sich, fürchte ich, Schurken finden, die die Mädchen unter falschem Namen abholen, nur um sie weiterzuverkaufen. Wäre damit nicht unsere Gnade wieder zunichte gemacht? Und wer nicht nach Hause will, den behalten wir hier."
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Dame König lächelte: „So ist es recht."
  
Da jetzt in allen Beamtenfamilien die Schauspielertruppen, die man im Hause hielt, entlassen und weggeschickt wurden, fasste auch Frau You mit den anderen zusammen einen derartigen Beschluss. Als Dame Wang einmal nach Hause kam, meldete sie ihr, man wolle die zwölf Schauspielmädchen entlassen. Dabei sagte sie: „Die Mädchen waren gekauft worden. Auch wenn sie jetzt nicht weiter die Schauspielerei erlernen, können wir sie doch als Bedienstete behalten. Die Ausbilder aber können ihrer Wege gehen, und damit wäre die Sache erledigt."
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Dame Sonders schickte dann eine Botin zu Phönixglanz, um sie über die Sache zu unterrichten, und ließ in der Verwaltung Bescheid sagen, jeder Schauspielausbilder solle acht Liang Silber bekommen und gehen dürfen, wohin es ihm beliebte. Im Birnendufthof<ref>Chin. 梨香院 Líxiāng Yuàn — der Hof, in dem die Theatertruppe untergebracht war.</ref> wurde eine Bestandsaufnahme aller Gegenstände gemacht, um sie zu verzeichnen und zu verwahren, während für die Gebäude eine Nachtwache bestimmt wurde.
 
 
„Diese Schauspielschülerinnen sind nicht dasselbe wie Dienerinnen", wandte Dame Wang ein. „Sie sind Kinder anständiger Eltern, die sie nur notgedrungen in dieses Gewerbe verkauft haben, sich ein paar Jahre verunstalten zu lassen und die Hexen zu spielen. Da sich jetzt die Gelegenheit ergibt, sollte man ihnen ein paar Liang Silber als Reisegeld geben und ihnen die Freiheit schenken. So war es seinerzeit bei den Ahnen die Regel. Was jetzt vorgeschlagen ist, würde nicht nur verborgener Güte Abbruch tun, es wäre auch kleinlich. Es leben zwar auch einige alte Schauspielerinnen bei uns, aber von ihnen hatte jede einen Grund, warum sie nicht zu ihrer Familie zurückkehren wollte. Nur deshalb sind sie als Dienerinnen hier geblieben und dann mit jungen Bediensteten aus unserem Haus verheiratet worden, als sie erwachsen waren."
 
 
 
„Dann wollen auch wir die zwölf fragen, ob jemand von ihnen nach Hause möchte", schlug Frau You vor. „Und falls ja, schreiben wir Briefe an ihre Eltern, damit sie sie persönlich abholen kommen, und geben ihnen ein paar Liang Silber für die Reise! Denn nur so ist alles geregelt. Wenn wir nicht ihre Eltern kommen lassen, werden sich, fürchte ich, Schurken finden, die die Mädchen unter falschem Namen abholen, nur um sie weiterzuverkaufen. Wäre damit nicht unsere Gnade wieder zunichte gemacht? Und wer nicht nach Hause will, den behalten wir hier."
 
Dame Wang lächelte: „So ist es recht."
 
 
 
Frau You schickte dann eine Botin zu Phönixglanz, um sie über die Sache zu unterrichten, und ließ in der Verwaltung Bescheid sagen, jeder Schauspielausbilder solle acht Liang Silber bekommen und gehen dürfen, wohin es ihm beliebte. Im Birnendufthof<ref>Chin. 梨香院 Líxiāng Yuàn, wörtl. „Hof des Birnendufts" — der Hof, in dem die Theatertruppe untergebracht war.</ref> wurde eine Bestandsaufnahme aller Gegenstände gemacht, um sie zu verzeichnen und zu verwahren, während für die Gebäude eine Nachtwache bestimmt wurde.
 
  
 
Die zwölf Schauspielmädchen wurden persönlich befragt, und es stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht nach Hause zurück wollte. Die einen sagten, ihre Eltern lebten zwar noch, aber sie hätten nichts anderes im Sinn, als ihre Kinder zu verkaufen, und würden das wieder tun, wenn sie nach Hause kämen. Andere sagten, ihre Eltern seien schon tot, und sie seien von ihren Onkeln oder Brüdern verkauft worden. Die nächsten sagten, sie hätten niemanden mehr, zu dem sie gehen könnten, und einige sagten schließlich, sie wollten bleiben, weil sie hier so viel Liebe und Güte erfahren hätten. So waren es nicht mehr als vier oder fünf, die fortgehen wollten.
 
Die zwölf Schauspielmädchen wurden persönlich befragt, und es stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht nach Hause zurück wollte. Die einen sagten, ihre Eltern lebten zwar noch, aber sie hätten nichts anderes im Sinn, als ihre Kinder zu verkaufen, und würden das wieder tun, wenn sie nach Hause kämen. Andere sagten, ihre Eltern seien schon tot, und sie seien von ihren Onkeln oder Brüdern verkauft worden. Die nächsten sagten, sie hätten niemanden mehr, zu dem sie gehen könnten, und einige sagten schließlich, sie wollten bleiben, weil sie hier so viel Liebe und Güte erfahren hätten. So waren es nicht mehr als vier oder fünf, die fortgehen wollten.
  
Als Dame Wang dies erfuhr, blieb ihr keine andere Wahl, als den grösseren Teil der Mädchen im Haus zu behalten. Die vier oder fünf, die gehen wollten, mussten bei ihren Pflegemüttern leben, bis ihre leiblichen Eltern sie abholen kamen. Die anderen wurden auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt, um dort aufzuwarten. Wenguan behielt sich die Herzoginmutter zu ihrer eigenen Bedienung. Fangguan, die Fraünrollen mittleren Alters gespielt hatte, wurde Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.</ref> zugewiesen. Ruiguan, die junge Mädchenrollen gespielt hatte, bekam Schatzspange. Ouguan, die junge Männerrollen gespielt hatte, wurde Kajaljade zugeteilt. Kuiguan, die große Heldenrollen gespielt hatte, kam zu Xiangyun. Douguan, die Spassmacherrollen gespielt hatte, wurde zu Baoqin geschickt. Aiguan, die alte Männerrollen gespielt hatte, kam zu Tanchun. Frau You aber bat sich Qieguan aus, die alte Fraünrollen gespielt hatte.
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Als Dame König dies erfuhr, blieb ihr keine andere Wahl, als den größeren Teil der Mädchen im Haus zu behalten. Die vier oder fünf, die gehen wollten, mussten bei ihren Pflegemüttern leben, bis ihre leiblichen Eltern sie abholen kamen. Die anderen wurden auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt, um dort aufzuwarten. Wenguan behielt sich die Herzoginmutter zu ihrer eigenen Bedienung. Duftblümchen<ref>Chin. 芳官 Fāngguān. 芳 fāng „Duft/Blüte“.</ref>, die Frauenrollen mittleren Alters gespielt hatte, wurde Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.</ref> zugewiesen. Blütenstäubchen<ref>Chin. 蕊官 Ruǐguān. 蕊 ruǐ „Staubbeutel/Blütenstaub“.</ref>, die junge Mädchenrollen gespielt hatte, bekam Schatzspange. Lotoswürzlein<ref>Chin. 藕官 Ōuguān. 藕 ōu „Lotos(wurzel)“; 官 guān Bühnennamen-Suffix.</ref>, die junge Männerrollen gespielt hatte, wurde Kajaljade zugeteilt. Sonnenblümchen<ref>Chin. 葵官 Kuíguān. 葵 kuí „Sonnenblume“.</ref>, die große Heldenrollen gespielt hatte, kam zu Xiangfluss-Wolke. Douguan, die Spaßmacherrollen gespielt hatte, wurde zu Kostbarzither Schnee geschickt. Beifußchen<ref>Chin. 艾官 Àiguān. 艾 ài „Beifuß“.</ref>, die alte Männerrollen gespielt hatte, kam zu Erkundefrühling. Dame Sonders aber bat sich Qieguan aus, die alte Frauenrollen gespielt hatte.
  
Als so jedes der Mädchen eine neue Bleibe erhalten hatte, fühlten sie sich wie Vögel, die man aus dem Käfig gelassen hat, und vergnügten sich Tag für Tag im Garten. Jedermann wusste, dass sie sich nicht auf Nadelarbeiten verstanden und auch nicht daran gewöhnt waren, jemanden zu bedienen, darum machte ihnen jetzt keiner große Vorhaltungen. Ein oder zwei aber waren unter den Mädchen, die wohl verständiger waren und deshalb bedaürten, dass sie keine Fähigkeiten besassen, mit denen sie einmal den Nöten der Zeit würden begegnen können. Sie verwarfen ihre bisherigen Kenntnisse und begannen statt dessen, das Sticken und Nähen, Spinnen und Weben sowie andere weibliche Handarbeiten zu erlernen.
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Als so jedes der Mädchen eine neue Bleibe erhalten hatte, fühlten sie sich wie Vögel, die man aus dem Käfig gelassen hat, und vergnügten sich Tag für Tag im Garten. Jedermann wusste, dass sie sich nicht auf Nadelarbeiten verstanden und auch nicht daran gewöhnt waren, jemanden zu bedienen, darum machte ihnen jetzt keiner große Vorhaltungen. Ein oder zwei aber waren unter den Mädchen, die wohl verständiger waren und deshalb bedauerten, dass sie keine Fähigkeiten besaßen, mit denen sie einmal den Nöten der Zeit würden begegnen können. Sie verwarfen ihre bisherigen Kenntnisse und begannen statt dessen, das Sticken und Nähen, Spinnen und Weben sowie andere weibliche Handarbeiten zu erlernen.
  
Eines Tages wurde bei Hofe ein großes Opfer gebracht. Schon in der fünften Nachtwache begaben sich die Herzoginmutter und alle anderen zum Palast, wo sie zuerst ihre Aufenthaltsräume aufsuchten, um eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen, ehe sie zu Hofe gingen. Als sie wiederkamen, war die Zeit der Frühmahlzeit schon vorüber. Sie zogen sich in ihre Aufenthaltsräume zurück, assen und ruhten ein wenig aus. Danach gingen sie erneut zu Hofe und mussten abwarten, bis das Mittags- und das Abendopfer dargebracht waren, ehe sie sich wieder in die Aufenthaltsräume zurückziehen konnten. anschließend assen sie dort zu Abend, dann erst kehrten sie nach Hause zurück.
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Eines Tages wurde bei Hofe ein großes Opfer gebracht. Schon in der fünften Nachtwache begaben sich die Herzoginmutter und alle anderen zum Palast, wo sie zuerst ihre Aufenthaltsräume aufsuchten, um eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen, ehe sie zu Hofe gingen. Als sie wiederkamen, war die Zeit der Frühmahlzeit schon vorüber. Sie zogen sich in ihre Aufenthaltsräume zurück, assen und ruhten ein wenig aus. Danach gingen sie erneut zu Hofe und mussten abwarten, bis das Mittags- und das Abendopfer dargebracht waren, ehe sie sich wieder in die Aufenthaltsräume zurückziehen konnten. Anschließend assen sie dort zu Abend, dann erst kehrten sie nach Hause zurück.
  
Diese Aufenthaltsräume lagen im Ahnentempel eines hohen Beamten, und Nonnen brannten hier Weihrauch und verrichteten Andachten. Räume gab es reichlich, und alle waren blitzsauber. Von den beiden Höfen hatten die Jias den östlichen, der Prinz von Beijng den westlichen gemietet. Die Nebenfraün des verewigten und des regierenden Kaisers empfingen während ihrer täglichen Mussestunden die Herzoginmutter und ihren Anhang in den Räumen des Ostgehöfts. Man ging gemeinsam zu Hofe und kehrte gemeinsam von dort zurück, so dass man einander stets Aufmerksamkeiten erweisen konnte. Aber wozu muss in allen Einzelheiten berichtet werden, was sich draußen zutrug?
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Diese Aufenthaltsräume lagen im Ahnentempel eines hohen Beamten, und Nonnen brannten hier Weihrauch und verrichteten Andachten. Räume gab es reichlich, und alle waren blitzsauber. Von den beiden Höfen hatten die Jias den östlichen, der Prinz von Beijng den westlichen gemietet. Die Nebenfrauen des verewigten und des regierenden Kaisers empfingen während ihrer täglichen Mussestunden die Herzoginmutter und ihren Anhang in den Räumen des Ostgehöfts. Man ging gemeinsam zu Hofe und kehrte gemeinsam von dort zurück, so dass man einander stets Aufmerksamkeiten erweisen konnte. Aber wozu muss in allen Einzelheiten berichtet werden, was sich draußen zutrug?
  
Besser ist es, vom Daguan-Garten zu erzählen! Da die Herzoginmutter und Dame Wang Tag für Tag außer Hause waren und dann einen ganzen Monat lang den Traürzug begleiten mussten, führten inzwischen alle Zofen und alten Dienerinnen ein sorgenfreies Dasein und schweiften meist untätig im Garten umher. Da auch die zahlreichen alten Frauen, die vorher im Birnendufthof aufgewartet hatten, von dort abgezogen und auf die Gartenhäuser verteilt worden waren, um hier zu bedienen, schien das Gartenpersonal plötzlich massenhaft vermehrt.
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Besser ist es, vom Garten der Großen Anschauung zu erzählen! Da die Herzoginmutter und Dame König Tag für Tag außer Hause waren und dann einen ganzen Monat lang den Trauerzug begleiten mussten, führten inzwischen alle Zofen und alten Dienerinnen ein sorgenfreies Dasein und schweiften meist untätig im Garten umher. Da auch die zahlreichen alten Frauen, die vorher im Birnendufthof aufgewartet hatten, von dort abgezogen und auf die Gartenhäuser verteilt worden waren, um hier zu bedienen, schien das Gartenpersonal plötzlich massenhaft vermehrt.
  
 
Wenguan und die übrigen Schauspielmädchen waren teils hochmütig und eingebildet, teils selbstherrlich und ungerecht, teils wählerisch in Bezug auf Kleidung und Speisen und obendrein noch spitzzüngig. Kaum eine war zufrieden mit ihrem Los. Darum gab es keine unter den alten Dienerinnen, die nicht schon längst einen heimlichen Groll gegen die Mädchen hegte, wenn sie auch nicht gewagt hatten, offen mit ihnen zu streiten. Dass die Mädchen jetzt den Schauspielunterricht hatten aufgeben müssen, war den Alten ganz recht, aber während die einen die Finger von ihnen ließen und sich nicht weiter um sie kümmerten, gab es auch andere, die engherziger waren und an ihrem alten Groll festhielten. Weil aber auch sie jetzt auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt waren, wagten sie nicht, etwas gegen die Mädchen zu unternehmen.
 
Wenguan und die übrigen Schauspielmädchen waren teils hochmütig und eingebildet, teils selbstherrlich und ungerecht, teils wählerisch in Bezug auf Kleidung und Speisen und obendrein noch spitzzüngig. Kaum eine war zufrieden mit ihrem Los. Darum gab es keine unter den alten Dienerinnen, die nicht schon längst einen heimlichen Groll gegen die Mädchen hegte, wenn sie auch nicht gewagt hatten, offen mit ihnen zu streiten. Dass die Mädchen jetzt den Schauspielunterricht hatten aufgeben müssen, war den Alten ganz recht, aber während die einen die Finger von ihnen ließen und sich nicht weiter um sie kümmerten, gab es auch andere, die engherziger waren und an ihrem alten Groll festhielten. Weil aber auch sie jetzt auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt waren, wagten sie nicht, etwas gegen die Mädchen zu unternehmen.
  
Am Festtag Qingming<ref>Chin. 清明节 Qīngmíng Jié — das Totengedenkfest, an dem man die Gräber der Ahnen besucht. Fällt auf den 4. oder 5. April.</ref> begab sich Kaufmann Kette<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn — Kaufmann Begnadigungen Sohn, Phönixglanz' Ehemann.</ref>, der die üblichen Opfer vorbereitet hatte, mit Jia Huan, Jia Cong und Jia Lan zusammen ins Kloster Eiserne Schwelle<ref>Chin. 铁槛寺 Tiě Kǎn Sì — ein buddhistisches Kloster, das der Familie Kaufmann als Aufbahrungsstätte dient.</ref>, um vor den Särgen die Papiergaben zu verbrennen. Auch Jia Rong hatte sich mit einigen Sippenangehörigen aus dem Ning-guo-Anwesen dorthin begeben. Schatzjade aber hatte nicht mithalten können, weil er noch nicht ganz genesen war. Nach dem Essen wurde er schläfrig, und Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.</ref> redete ihm zu: „Es ist so schönes Wetter, geh draußen spazieren, damit du nicht einschläfst, kaum dass du die Suppenschale aus der Hand gesetzt hast, und sich alles im Herzen staut!"
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Am Festtag Qingming<ref>Chin. 清明节 Qīngmíng Jié — das Totengedenkfest, an dem man die Gräber der Ahnen besucht.</ref> begab sich Kette Kaufmann<ref>Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn — Begnadigung Kaufmannen Sohn, Phönixglanz' Ehemann.</ref>, der die üblichen Opfer vorbereitet hatte, mit Unheil Kaufmann, Jia Cong und Orchidee Kaufmann zusammen ins Kloster Eiserne Schwelle<ref>Chin. 铁槛寺 Tiě Kǎn Sì — ein buddhistisches Kloster der Familie Kaufmann.</ref>, um vor den Särgen die Papiergaben zu verbrennen. Auch Hibiskus Kaufmann hatte sich mit einigen Sippenangehörigen aus dem Stillfriede-Anwesen dorthin begeben. Schatzjade aber hatte nicht mithalten können, weil er noch nicht ganz genesen war. Nach dem Essen wurde er schläfrig, und Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.</ref> redete ihm zu: „Es ist so schönes Wetter, geh draußen spazieren, damit du nicht einschläfst, kaum dass du die Suppenschale aus der Hand gesetzt hast, und sich alles im Herzen staut!"
  
Notgedrungen ging Schatzjade auf seinen Stock gestützt und mit schlappenden Schuhen zum Hoftor hinaus. Da der Garten vor kurzem der Obhut der alten Dienerinnen übergeben worden war, war jetzt jede bei ihrem Geschäft: Die einen putzten den Bambus, andere beschnitten die Bäume, die nächsten pflanzten Blumen, und wieder andere steckten Bohnen. Auf dem Teich waren die Bootsfraün mit Kähnen unterwegs, um Schlamm zu baggern und Lotuswurzeln zu setzen. Duftlinse, Xiangyun und Baoqin saßen zusammen mit ihren Zofen auf Felsbrocken und schauten zum Vergnügen zu.
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Notgedrungen ging Schatzjade auf seinen Stock gestützt und mit schlappenden Schuhen zum Hoftor hinaus. Da der Garten vor kurzem der Obhut der alten Dienerinnen übergeben worden war, war jetzt jede bei ihrem Geschäft: Die einen putzten den Bambus, andere beschnitten die Bäume, die nächsten pflanzten Blumen, und wieder andere steckten Bohnen. Auf dem Teich waren die Bootsfrauen mit Kähnen unterwegs, um Schlamm zu baggern und Lotuswurzeln zu setzen. Duftkastanie, Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee saßen zusammen mit ihren Zofen auf Felsbrocken und schauten zum Vergnügen zu.
  
Als Schatzjade langsam auf die Mädchen zuging, entdeckte ihn Xiangyun als erste, und sofort rief sie lächelnd: „Jagt schnell diese Boote fort, sie wollen Schwester Kajaljade abholen!"
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Als Schatzjade langsam auf die Mädchen zuging, entdeckte ihn Xiangfluss-Wolke als erste, und sofort rief sie lächelnd: „Jagt schnell diese Boote fort, sie wollen Schwester Kajaljade abholen!"
 
Alles lachte darüber, und Schatzjade wurde rot. Aber er lächelte ebenfalls, während er sagte: „Niemand wird zum Spaß krank. Du aber musst selbst das nachäffen, um dich über einen lustig zu machen."
 
Alles lachte darüber, und Schatzjade wurde rot. Aber er lächelte ebenfalls, während er sagte: „Niemand wird zum Spaß krank. Du aber musst selbst das nachäffen, um dich über einen lustig zu machen."
„Und du musst, selbst wenn du krank wirst, noch etwas Besonderes haben", scherzte Xiangyun. „Aber wenn du dann die Leute damit zum Lachen bringst, gibst du anderen die Schuld."
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„Und du musst, selbst wenn du krank wirst, noch etwas Besonderes haben", scherzte Xiangfluss-Wolke. „Aber wenn du dann die Leute damit zum Lachen bringst, gibst du anderen die Schuld."
  
Während sie das sagte, hatte sich Schatzjade ebenfalls niedergelassen und sah nun ein Weilchen dem emsigen Treiben der alten Frauen zu. Dann aber sagte Xiangyun: „Hier ist es windig, und die Steine sind kuhl. Lange kann man hier nicht sitzen bleiben."
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Während sie das sagte, hatte sich Schatzjade ebenfalls niedergelassen und sah nun ein Weilchen dem emsigen Treiben der alten Frauen zu. Dann aber sagte Xiangfluss-Wolke: „Hier ist es windig, und die Steine sind kuhl. Lange kann man hier nicht sitzen bleiben."
  
Da Schatzjade ohnehin vorhatte, Kajaljade zu besuchen, stand er auf, stützte sich wieder auf seinen Stock und verabschiedete sich von den Mädchen. Er folgte dem Damm im Bereich der Duftgetränkten Brücke, und hier sah er, dass von den Weiden goldene Schnüre hingen, während sich die Pfirsiche in rosige Wolken gehüllt hatten. Der große Aprikosenbaum hinter dem Felsvorsprung aber hatte schon alle Blüten verloren, und die Blätter wuchsen dicht und grün. Unzählige kleine Früchte, nicht grösser als Bohnen, saßen an den Zweigen.
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Da Schatzjade ohnehin vorhatte, Kajaljade zu besuchen, stand er auf, stützte sich wieder auf seinen Stock und verabschiedete sich von den Mädchen. Er folgte dem Damm im Bereich der Duftgetränkten Brücke, und hier sah er, dass von den Weiden goldene Schnüre hingen, während sich die Pfirsiche in rosige Wolken gehüllt hatten. Der große Aprikosenbaum hinter dem Felsvorsprung aber hatte schon alle Blüten verloren, und die Blätter wuchsen dicht und grün. Unzählige kleine Früchte, nicht größer als Bohnen, saßen an den Zweigen.
  
„Nun bin ich ein paar Tage krank gewesen, und gleich habe ich die Aprikosenblüte verpasst", dachte Schatzjade. „Unversehens ist es soweit, dass man sagen muss: 'Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht.'" Während er so nach oben schaute und den Blick nicht wieder losreissen konnte, fiel ihm ein, dass für Xiuyan ein Bräutigam ausgesucht worden war, und wenn er sich auch sagen musste, es sei dies ein großes Ereignis für Mann und Frau, auf das nicht verzichtet werden konnte, bedaürte er doch, dass er dadurch wieder ein liebliches Mädchen verlieren musste. In ein paar Jahren würde dann auch für sie gelten: „Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht." Und so wie der Baum binnen kurzem wieder kahl und ohne Früchte dastehen würde, würde sich in wenigen Jahren Xiuyans schwarzes Haar silbern färben, und ihre roten Wangen würden aussehen wie verdorrt.
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„Nun bin ich ein paar Tage krank gewesen, und gleich habe ich die Aprikosenblüte verpasst", dachte Schatzjade. „Unversehens ist es soweit, dass man sagen muss: 'Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht.'" Während er so nach oben schaute und den Blick nicht wieder losreißen konnte, fiel ihm ein, dass für Höhlennebel Strafe ein Bräutigam ausgesucht worden war, und wenn er sich auch sagen musste, es sei dies ein großes Ereignis für Mann und Frau, auf das nicht verzichtet werden konnte, bedauerte er doch, dass er dadurch wieder ein liebliches Mädchen verlieren musste. In ein paar Jahren würde dann auch für sie gelten: „Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht." Und so wie der Baum binnen kurzem wieder kahl und ohne Früchte dastehen würde, würde sich in wenigen Jahren Höhlennebel Strafes schwarzes Haar silbern färben, und ihre roten Wangen würden aussehen wie verdorrt.
  
 
Unwillkürlich überkam Schatzjade die Schwermut, und er stand weinend und seufzend vor dem Aprikosenbaum. Inmitten seiner Wehklage kam plötzlich ein Spatz geflogen, setzte sich auf einen Zweig und tschilpte wie wild. Wieder stand Schatzjade in sich versunken und dachte: „Bestimmt ist der Vogel hier gewesen, als die Aprikose in voller Blüte stand, und jetzt tschilpt er so, weil er keine Blüten mehr findet, sondern nur noch Blätter. Sein Tschilpen bedeutet sicher Weinen. Zu ärgerlich, dass kein Gongye Chang zur Hand ist, den ich fragen könnte! Ob sich der Spatz wohl im nächsten Jahr, wenn der Baum von neuem blüht, noch daran erinnern kann und wieder herkommt, um die Blüten wiederzusehen?"
 
Unwillkürlich überkam Schatzjade die Schwermut, und er stand weinend und seufzend vor dem Aprikosenbaum. Inmitten seiner Wehklage kam plötzlich ein Spatz geflogen, setzte sich auf einen Zweig und tschilpte wie wild. Wieder stand Schatzjade in sich versunken und dachte: „Bestimmt ist der Vogel hier gewesen, als die Aprikose in voller Blüte stand, und jetzt tschilpt er so, weil er keine Blüten mehr findet, sondern nur noch Blätter. Sein Tschilpen bedeutet sicher Weinen. Zu ärgerlich, dass kein Gongye Chang zur Hand ist, den ich fragen könnte! Ob sich der Spatz wohl im nächsten Jahr, wenn der Baum von neuem blüht, noch daran erinnern kann und wieder herkommt, um die Blüten wiederzusehen?"
  
Während er so seinen törichten Gedanken nachhing, sah er auf einmal, wie hinter dem Felsvorsprung Feuer aufloderte und der Spatz erschrocken davonflog. Auch Schatzjade zuckte vor Schreck zusammen. Dann hörte er, wie drüben jemand rief: „Sterben solltest du, Ouguan! Wie kannst du Opfergeld mit hereinbringen und es hier verbrennen? Ich gehe es den jungen Herrinnen melden, nimm deine Haut in acht!"
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Während er so seinen törichten Gedanken nachhing, sah er auf einmal, wie hinter dem Felsvorsprung Feuer aufloderte und der Spatz erschrocken davonflog. Auch Schatzjade zuckte vor Schreck zusammen. Dann hörte er, wie drüben jemand rief: „Sterben solltest du, Lotoswürzlein! Wie kannst du Opfergeld mit hereinbringen und es hier verbrennen? Ich gehe es den jungen Herrinnen melden, nimm deine Haut in acht!"
  
Zutiefst verwundert bog Schatzjade rasch um den Felsvorsprung und entdeckte dort Ouguan, die mit tränenüberströnmtem Gesicht und mit einem Feürholz in der Hand traurig vor einem Häufchen Asche hockte.
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Zutiefst verwundert bog Schatzjade rasch um den Felsvorsprung und entdeckte dort Lotoswürzlein, die mit tränenüberströnmtem Gesicht und mit einem Feuerholz in der Hand traurig vor einem Häufchen Asche hockte.
 
„Für wen verbrennst du das Opfergeld?" fragte Schatzjade schnell. „Du darfst es nicht hier verbrennen! Wenn es für deine Eltern oder Geschwister ist, sag mir die Namen, dann befehle ich draußen den Dienern, sie sollen ein ordentliches Opferpäckchen zurechtmachen, die Namen daraufschreiben und es dann verbrennen gehen."
 
„Für wen verbrennst du das Opfergeld?" fragte Schatzjade schnell. „Du darfst es nicht hier verbrennen! Wenn es für deine Eltern oder Geschwister ist, sag mir die Namen, dann befehle ich draußen den Dienern, sie sollen ein ordentliches Opferpäckchen zurechtmachen, die Namen daraufschreiben und es dann verbrennen gehen."
Ouguan sah Schatzjade nur gross an und sagte kein Wort. Als er nach mehrmaligem Fragen noch immer keine Antwort erhalten hatte, kam plötzlich eine wutschnaubende alte Dienerin angestapft, packte Ouguan am Ärmel und sagte: „Ich habe es den jungen Herrinnen schon gemeldet, sie sind sehr böse auf dich."
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Lotoswürzlein sah Schatzjade nur groß an und sagte kein Wort. Als er nach mehrmaligem Fragen noch immer keine Antwort erhalten hatte, kam plötzlich eine wutschnaubende alte Dienerin angestapft, packte Lotoswürzlein am Ärmel und sagte: „Ich habe es den jungen Herrinnen schon gemeldet, sie sind sehr böse auf dich."
Ouguan war noch ein Kind, und aus Angst vor der Schande wollte sie nicht mitgehen.
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Lotoswürzlein war noch ein Kind, und aus Angst vor der Schande wollte sie nicht mitgehen.
 
„Habe ich euch nicht schon immer gesagt, ihr sollt nicht zu übermutig sein?" rief die Alte. „Jetzt seid ihr hier und könnt nicht mehr einfach machen, was ihr wollt wie früher draußen. Hier heißt es, sich anständig benehmen!" Und mit dem Finger auf Schatzjade weisend, setzte sie hinzu: „Selbst unser junger Herr hält sich an Regeln und Normen. Was bist du für ein freches kleines Ding, dass du hierher kommst und Unfug treibst? Angst haben hat gar keinen Zweck. Du kommst jetzt mit!"
 
„Habe ich euch nicht schon immer gesagt, ihr sollt nicht zu übermutig sein?" rief die Alte. „Jetzt seid ihr hier und könnt nicht mehr einfach machen, was ihr wollt wie früher draußen. Hier heißt es, sich anständig benehmen!" Und mit dem Finger auf Schatzjade weisend, setzte sie hinzu: „Selbst unser junger Herr hält sich an Regeln und Normen. Was bist du für ein freches kleines Ding, dass du hierher kommst und Unfug treibst? Angst haben hat gar keinen Zweck. Du kommst jetzt mit!"
  
 
„Sie hat gar kein Opferpapier verbrannt", behauptete Schatzjade rasch. „Fräulein Lin hatte ihr befohlen, ihr beschriebenes Altpapier zu verbrennen. Du hast dich verguckt und hast sie zu Unrecht gemeldet."
 
„Sie hat gar kein Opferpapier verbrannt", behauptete Schatzjade rasch. „Fräulein Lin hatte ihr befohlen, ihr beschriebenes Altpapier zu verbrennen. Du hast dich verguckt und hast sie zu Unrecht gemeldet."
Ouguan, die nicht wusste, was sie machen sollte, und die Schatzjades Erscheinen nur noch mehr verängstigt hatte, fasste wieder Mut, als Schatzjade plötzlich ihr Vergehen deckte, und sagte nun ebenfalls: „Hast du vielleicht gesehen, dass es Opfergeld war? Ich habe Papier verbrannt, das Fräulein Lin beschrieben hatte!"
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Lotoswürzlein, die nicht wusste, was sie machen sollte, und die Schatzjades Erscheinen nur noch mehr verängstigt hatte, fasste wieder Mut, als Schatzjade plötzlich ihr Vergehen deckte, und sagte nun ebenfalls: „Hast du vielleicht gesehen, dass es Opfergeld war? Ich habe Papier verbrannt, das Fräulein Lin beschrieben hatte!"
Als die Alte dies hörte, geriet sie noch stärker in Zorn und beugte sich nieder, um ein paar halbverbrannte Papierfetzen aus der Asche zu wühlen. Dann sagte sie: „Willst du noch streiten? Hier habe ich den Beweis in der Hand. Wir unterhalten uns in der Halle weiter!" Damit packte sie Ouguan am Ärmel und wollte sie mit sich ziehen.
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Als die Alte dies hörte, geriet sie noch stärker in Zorn und beugte sich nieder, um ein paar halbverbrannte Papierfetzen aus der Asche zu wühlen. Dann sagte sie: „Willst du noch streiten? Hier habe ich den Beweis in der Hand. Wir unterhalten uns in der Halle weiter!" Damit packte sie Lotoswürzlein am Ärmel und wollte sie mit sich ziehen.
Schatzjade aber hielt Ouguan rasch fest und schlug der Alten mit dem Stock auf die Hand, so dass sie loslassen musste. Dann sagte er: „Das kannst du haben! Aber ich will dir die Wahrheit sagen. Heute Nacht ist mir der Geist der Aprikosenblüete im Traum erschienen und hat ein Gehänge weisses Opfergeld von mir verlangt, das aber niemand aus meinen Räumen verbrennen sollte, sondern jemand Fremdes. Dann würde meine Krankheit schneller heilen. Darum habe ich mir das Opfergeld verschafft und Fräulein Lin eigens gebeten, Ouguan zu schicken, um es für mich zu verbrennen und die Beschwörunng vorzunehmen. Niemand sollte etwas davon erfahren. Und nur deshalb habe ich heute schon aufstehen können. Dann aber musstest du das sehen, und wenn ich jetzt nicht gesund werde, liegt das nur daran, dass du die Sache verdorben hast. Aber du wolltest doch Ouguan melden gehen. — Geh nur mit, Ouguan! Wenn du mit ihnen sprichst, sagst du alles so, wie du es eben gehört hast. Und wenn die Herzoginmutter zurück ist, sage ich ihr, wer sich absichtlich gegen die Geister vergangen hat, um zu erreichen, dass ich jung sterbe."
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Schatzjade aber hielt Lotoswürzlein rasch fest und schlug der Alten mit dem Stock auf die Hand, so dass sie loslassen musste. Dann sagte er: „Das kannst du haben! Aber ich will dir die Wahrheit sagen. Heute Nacht ist mir der Geist der Aprikosenblüete im Traum erschienen und hat ein Gehänge weißes Opfergeld von mir verlangt, das aber niemand aus meinen Räumen verbrennen sollte, sondern jemand Fremdes. Dann würde meine Krankheit schneller heilen. Darum habe ich mir das Opfergeld verschafft und Fräulein Lin eigens gebeten, Lotoswürzlein zu schicken, um es für mich zu verbrennen und die Beschwörunng vorzunehmen. Niemand sollte etwas davon erfahren. Und nur deshalb habe ich heute schon aufstehen können. Dann aber musstest du das sehen, und wenn ich jetzt nicht gesund werde, liegt das nur daran, dass du die Sache verdorben hast. Aber du wolltest doch Lotoswürzlein melden gehen. — Geh nur mit, Lotoswürzlein! Wenn du mit ihnen sprichst, sagst du alles so, wie du es eben gehört hast. Und wenn die Herzoginmutter zurück ist, sage ich ihr, wer sich absichtlich gegen die Geister vergangen hat, um zu erreichen, dass ich jung sterbe."
  
Auch Ouguan wusste nun, was sie zu tun hatte. Jetzt war sie es, die die Alte am Ärmel packte und gehen wollte. Die Alte aber ließ unter dem Eindruck von Schatzjades Worten das halbverbrannte Opfergeld fallen und erklärte mit verlegenem Lächeln: „Das habe ich nicht gewusst. Wenn der junge Herr das der Herzoginmutter meldet, ist es doch aus mit mir. Ich werde den jungen Herrinnen sagen, ich hätte mich geirrt, der junge Herr hätte den Geistern ein Opfer gebracht."
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Auch Lotoswürzlein wusste nun, was sie zu tun hatte. Jetzt war sie es, die die Alte am Ärmel packte und gehen wollte. Die Alte aber ließ unter dem Eindruck von Schatzjades Worten das halbverbrannte Opfergeld fallen und erklärte mit verlegenem Lächeln: „Das habe ich nicht gewusst. Wenn der junge Herr das der Herzoginmutter meldet, ist es doch aus mit mir. Ich werde den jungen Herrinnen sagen, ich hätte mich geirrt, der junge Herr hätte den Geistern ein Opfer gebracht."
 
„Nichts wirst du ihnen sagen!" verlangte Schatzjade. „Dann sage ich auch nichts davon."
 
„Nichts wirst du ihnen sagen!" verlangte Schatzjade. „Dann sage ich auch nichts davon."
„Aber ich habe es doch schon gemeldet", klagte die Alte. „Sie hatten mir befohlen, Ouguan zu bringen. Nun kann ich doch nicht einfach wegbleiben. — Aber sei es drum! Ich werde sagen, ich hätte sie schon gerufen, aber dann habe Fräulein Lin sie holen lassen."
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„Aber ich habe es doch schon gemeldet", klagte die Alte. „Sie hatten mir befohlen, Lotoswürzlein zu bringen. Nun kann ich doch nicht einfach wegbleiben. — Aber sei es drum! Ich werde sagen, ich hätte sie schon gerufen, aber dann habe Fräulein Lin sie holen lassen."
 
Schatzjade dachte kurz nach, ehe er durch Kopfnicken seine Zustimmung zu erkennen gab, und die Alte ging ihres Weges.
 
Schatzjade dachte kurz nach, ehe er durch Kopfnicken seine Zustimmung zu erkennen gab, und die Alte ging ihres Weges.
  
 
Dann aber fragte Schatzjade: „Für wen hast du das Opfergeld nun wirklich verbrannt? Ich habe mir überlegt: Wenn es um ein Opfer für Eltern oder Geschwister ging, habt ihr stets jemand beauftragt, es draußen zu verbrennen. Da du es hier verbrannt hast, diese paar Blätter, musst du deinen eigenen privaten Grund dafür haben."
 
Dann aber fragte Schatzjade: „Für wen hast du das Opfergeld nun wirklich verbrannt? Ich habe mir überlegt: Wenn es um ein Opfer für Eltern oder Geschwister ging, habt ihr stets jemand beauftragt, es draußen zu verbrennen. Da du es hier verbrannt hast, diese paar Blätter, musst du deinen eigenen privaten Grund dafür haben."
Tief bewegt durch die Hilfe, die Schatzjade ihr erwiesen hatte, und daran erkennend, dass er ein verwandter Geist war, verriet ihm Ouguan unter Tränen: „Von dieser Sache weiß kein Mensch außer Fangguan, die bei dir im Hause ist, und Ruiguan, die bei Fräulein Schatzspange ist. Nachdem du mich hier überrascht hast und so für mich eingetreten bist, will ich es dir auch sagen, aber du darfst es niemand weitererzählen." Sie weinte und fuhr fort: „Ich kann es dir nicht ins Gesicht sagen. Frag, wenn du zurück bist, in aller Stille Fangguan danach, dann wirst du es erfahren." Nach diesen Worten stürmte sie davon.
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Tief bewegt durch die Hilfe, die Schatzjade ihr erwiesen hatte, und daran erkennend, dass er ein verwandter Geist war, verriet ihm Lotoswürzlein unter Tränen: „Von dieser Sache weiß kein Mensch außer Duftblümchen, die bei dir im Hause ist, und Blütenstäubchen, die bei Fräulein Schatzspange ist. Nachdem du mich hier überrascht hast und so für mich eingetreten bist, will ich es dir auch sagen, aber du darfst es niemand weitererzählen." Sie weinte und fuhr fort: „Ich kann es dir nicht ins Gesicht sagen. Frag, wenn du zurück bist, in aller Stille Duftblümchen danach, dann wirst du es erfahren." Nach diesen Worten stürmte sie davon.
  
Verwundert ging Schatzjade mit langsamen Schritten in die Herberge am Xiaoxiang-Fluss, um nach Kajaljade zu sehen, die so schmächtig geworden war, dass es einen jammerte. Doch als er sich erkundigte, hiess es, dieser Zustand sei schon eine bedeutende Besserung gegenüber dem bisherigen. Auch Kajaljade musste feststellen, dass Schatzjade viel schmaler war als früher, und der Gedanke an vergangene Zeiten trieb ihr die Tränen in die Augen. Nach kurzem Gepläuder drängte Kajaljade darauf, Schatzjade solle wieder gehen, um sich auszuruhen und zu pflegen, und so kehrte er notgedrungen in seine Räume zurück.
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Verwundert ging Schatzjade mit langsamen Schritten in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, um nach Kajaljade zu sehen, die so schmächtig geworden war, dass es einen jammerte. Doch als er sich erkundigte, hiess es, dieser Zustand sei schon eine bedeutende Besserung gegenüber dem bisherigen. Auch Kajaljade musste feststellen, dass Schatzjade viel schmaler war als früher, und der Gedanke an vergangene Zeiten trieb ihr die Tränen in die Augen. Nach kurzem Gepläuder drängte Kajaljade darauf, Schatzjade solle wieder gehen, um sich auszuruhen und zu pflegen, und so kehrte er notgedrungen in seine Räume zurück.
  
Er dachte daran, dass er Fangguan etwas zu fragen hatte, aber Xiangyun und Duftlinse waren da und scherzten und plauderten eben mit Dufthauch und Fangguan, so dass er sie schlecht wegrufen konnte, denn er musste befürchten, die anderen würden wissen wollen, worum es ging. Also musste er sich gedulden.
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Er dachte daran, dass er Duftblümchen etwas zu fragen hatte, aber Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie waren da und scherzten und plauderten eben mit Dufthauch und Duftblümchen, so dass er sie schlecht wegrufen konnte, denn er musste befürchten, die anderen würden wissen wollen, worum es ging. Also musste er sich gedulden.
  
Ein Weilchen später ging Fangguan mit ihrer Pflegemutter hinaus, um sich von ihr das Haar waschen zu lassen. Als die Pflegemutter zuerst ihrer leiblichen Tochter das Haar wusch, warf Fangguan ihr vor, sie werde von ihr benachteiligt. „Ich soll mir den Kopf mit dem Wasser waschen, das deine Tochter übriggelassen hat?" empörte sie sich. „Nicht genug damit, dass du dir mein ganzes Monatsgeld einsteckst und deinen Vorteil aus mir ziehst, bekomme ich von allem nur die Reste!"
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Ein Weilchen später ging Duftblümchen mit ihrer Pflegemutter hinaus, um sich von ihr das Haar waschen zu lassen. Als die Pflegemutter zuerst ihrer leiblichen Tochter das Haar wusch, warf Duftblümchen ihr vor, sie werde von ihr benachteiligt. „Ich soll mir den Kopf mit dem Wasser waschen, das deine Tochter übriggelassen hat?" empörte sie sich. „Nicht genug damit, dass du dir mein ganzes Monatsgeld einsteckst und deinen Vorteil aus mir ziehst, bekomme ich von allem nur die Reste!"
 
Bei ihrer Pflegemutter wurde aus der Beschämung Zorn, und sie schimpfte: „Du undankbares Ding! Kein Wunder, wenn die Leute sagen, eine Schauspielerin, mit der gut auszukommen ist, die gibt es nicht. Wie gut ein Mensch auch sein mag, in diesem Gewerbe wird er verdorben. Du kleines Stück Dreck wirst hier frech und geiferst wie ein bissiges Maultier!"
 
Bei ihrer Pflegemutter wurde aus der Beschämung Zorn, und sie schimpfte: „Du undankbares Ding! Kein Wunder, wenn die Leute sagen, eine Schauspielerin, mit der gut auszukommen ist, die gibt es nicht. Wie gut ein Mensch auch sein mag, in diesem Gewerbe wird er verdorben. Du kleines Stück Dreck wirst hier frech und geiferst wie ein bissiges Maultier!"
 
Als sich die beiden so in den Haaren lagen, schickte Dufthauch sofort jemand mit der Aufforderung: „Hört auf zu streiten! Kaum seht ihr, dass die Herzoginmutter nicht im Hause ist, bekommt ihr kein ruhiges Wort mehr über die Lippen!"
 
Als sich die beiden so in den Haaren lagen, schickte Dufthauch sofort jemand mit der Aufforderung: „Hört auf zu streiten! Kaum seht ihr, dass die Herzoginmutter nicht im Hause ist, bekommt ihr kein ruhiges Wort mehr über die Lippen!"
Qingwen aber sagte: „Das liegt nur an Fangguan, die unverschämt ist und sich wer weiß wie aufführt. Da kann sie nun ein paar Opern singen, aber sie benimmt sich, als hätte sie zumindest einen Räuberhäuptling getötet oder einen Aufrürer gefangen!"
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Heitermuster aber sagte: „Das liegt nur an Duftblümchen, die unverschämt ist und sich wer weiß wie aufführt. Da kann sie nun ein paar Opern singen, aber sie benimmt sich, als hätte sie zumindest einen Räuberhäuptling getötet oder einen Aufrürer gefangen!"
 
„Eine Hand allein kann nicht klatschen", entgegnete Dufthauch. „Die Alte ist ungerecht, und die Kleine ist boshaft."
 
„Eine Hand allein kann nicht klatschen", entgegnete Dufthauch. „Die Alte ist ungerecht, und die Kleine ist boshaft."
„Fangguan kann man keinen Vorwurf machen", mischte Schatzjade sich ein. „Von alters her heißt es: 'Gegen Ungerechtigkeit erhebt ein jedes seine Stimme.' Sie lebt hier ohne Verwandte und Angehörige, niemand kümmert sich um sie, und dann wird ihr nicht nur ihr Geld vorenthalten, sie wird auch noch schlecht behandelt. Was gibt es da noch zu wundern?" Dann wandte er sich an Dufthauch und fragte: „Wieviel Geld bekommt sie im Monat? Ist es nicht das Beste, wenn in Zukunft du ihr Geld bekommst und dich um sie kümmerst? Das würde die Sache einfacher machen."
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„Duftblümchen kann man keinen Vorwurf machen", mischte Schatzjade sich ein. „Von alters her heißt es: 'Gegen Ungerechtigkeit erhebt ein jedes seine Stimme.' Sie lebt hier ohne Verwandte und Angehörige, niemand kümmert sich um sie, und dann wird ihr nicht nur ihr Geld vorenthalten, sie wird auch noch schlecht behandelt. Was gibt es da noch zu wundern?" Dann wandte er sich an Dufthauch und fragte: „Wieviel Geld bekommt sie im Monat? Ist es nicht das Beste, wenn in Zukunft du ihr Geld bekommst und dich um sie kümmerst? Das würde die Sache einfacher machen."
„Natürlich kann ich mich um sie kümmern", stimmte Dufthauch ihm zu. „Aber wenn ich mich erst um sie kümmere, wenn ich ihre paar Kröten bekomme, gebe ich den Leuten nur einen Grund, die Zunge zu wetzen." Mit diesen Worten stand sie auf, ging in das andere Zimmer und holte von dort eine Flasche parfümiertes Öl, außerdem Hühnerieier, Duftseife und Haarbäender. Dann befahl sie einer der alten Dienerinnen, alles Fangguan zu bringen und ihr zu sagen, sie solle sich frisches Wasser geben lassen und sich die Haare allein waschen, anstatt zu zanken.
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„Natürlich kann ich mich um sie kümmern", stimmte Dufthauch ihm zu. „Aber wenn ich mich erst um sie kümmere, wenn ich ihre paar Kröten bekomme, gebe ich den Leuten nur einen Grund, die Zunge zu wetzen." Mit diesen Worten stand sie auf, ging in das andere Zimmer und holte von dort eine Flasche parfümiertes Öl, außerdem Hühnerieier, Duftseife und Haarbäender. Dann befahl sie einer der alten Dienerinnen, alles Duftblümchen zu bringen und ihr zu sagen, sie solle sich frisches Wasser geben lassen und sich die Haare allein waschen, anstatt zu zanken.
  
Das aber beschämte und erzürnte Fangguans Pflegemutter erst recht. Sie behauptete, Fangguan habe kein Herz im Leibe, und schrie sie an: „Du behauptest also, dass ich mir dein Geld einstecke?" Dann versetzte sie ihr ein paar Püffe, und Fangguan begann zu heulen.
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Das aber beschämte und erzürnte Duftblümchens Pflegemutter erst recht. Sie behauptete, Duftblümchen habe kein Herz im Leibe, und schrie sie an: „Du behauptest also, dass ich mir dein Geld einstecke?" Dann versetzte sie ihr ein paar Püffe, und Duftblümchen begann zu heulen.
 
Nun wollte Schatzjade hinausgehen, aber Dufthauch redete ihm rasch beschwichtigend zu: „Was soll das? Ich gehe und sage ihr einiges."
 
Nun wollte Schatzjade hinausgehen, aber Dufthauch redete ihm rasch beschwichtigend zu: „Was soll das? Ich gehe und sage ihr einiges."
Doch schon war ihr Qingwen zuvorgekommen. Sie wies mit dem Finger auf Fangguans Pflegemutter und sagte: „Du bist aber auch zu unverschämt, alte Frau! Du gibst ihr nicht, was sie zur Haarwäsche braucht, und wenn wir es ihr geben, hast du noch die Stirn, sie zu schlagen, anstatt dich zu schämen. Hättest du das wohl auch gewagt, wenn sie noch Schauspielunterricht hätte?"
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Doch schon war ihr Heitermuster zuvorgekommen. Sie wies mit dem Finger auf Duftblümchens Pflegemutter und sagte: „Du bist aber auch zu unverschämt, alte Frau! Du gibst ihr nicht, was sie zur Haarwäsche braucht, und wenn wir es ihr geben, hast du noch die Stirn, sie zu schlagen, anstatt dich zu schämen. Hättest du das wohl auch gewagt, wenn sie noch Schauspielunterricht hätte?"
 
„Wer mich einen Tag Mutter nennt, bleibt sein Leben lang mein Kind", erwiderte die Alte, „und wenn sie mir frech kommt, dann kriegt sie Schläge."
 
„Wer mich einen Tag Mutter nennt, bleibt sein Leben lang mein Kind", erwiderte die Alte, „und wenn sie mir frech kommt, dann kriegt sie Schläge."
Nun rief Dufthauch Sheyü zu sich und sagte: „Ich habe nicht das Zeug, mich mit den Leuten herumzustreiten, und Qingwen ist zu heissblütig, also geh du schnell hin und setz die Alte ein bisschen unter Druck!"
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Nun rief Dufthauch Sheyü zu sich und sagte: „Ich habe nicht das Zeug, mich mit den Leuten herumzustreiten, und Heitermuster ist zu heißblütig, also geh du schnell hin und setz die Alte ein bisschen unter Druck!"
 
Sofort eilte Sheyü hinüber und sagte: „Schrei hier nicht! Ich frage dich: Wo hast du hier im ganzen Garten, nicht nur bei uns, je gesehen, dass jemand in den Räumen der Herrschaft seiner Tochter eine Belehrung erteilt? Selbst wenn es deine leibliche Tochter wäre, sobald sie einem Raum zugeteilt ist und eine Herrschaft hat, ist die Herrschaft dafür da, sie zu schlagen und zu schelten, und in zweiter Linie tun dies die älteren Zofen. Wer würde wohl den Eltern erlauben, sich da einzumischen und sich um jede Kleinigkeit zu kümmern? Wenn das alle so machen wollten, wie sollten denn da die Mädchen etwas lernen von uns? Je älter du wirst, desto mehr vergisst du wohl die Anstandsregeln! Neulich hast du gesehen, wie Zhui-ers Mutter gezankt hat, und jetzt musst du das nachmachen, wie? Nur keine Sorge! Nur weil die ganze Zeit über mal die krank war und mal der und weil die Herzoginmutter keine Zeit hatte, habe ich das noch nicht gemeldet. Wenn in ein paar Tagen die sorglose Zeit ihr Ende hat, werden wir alles melden, und wenn dann alle ihre kalte Dusche weghaben, wird es wohl besser werden. Eben erst fühlt sich Schatzjade ein wenig wohler, und nicht einmal wir wagen es, laut zu sprechen, du aber schlägst das Kind, dass es heult wie ein Wolf und brüllt wie ein Teufel. Sobald die oben für einige Zeit nicht im Hause sind, gelten bei euch weder Recht noch Gesetz, und wir sind in euren Augen einfach nicht da. Noch ein paar Tage, dann werden auch wir von euch Schläge bekommen. Was soll sie mit einer Pflegemutter wie dir? Wird sie ohne dich im Dreck umkommen, oder was?"
 
Sofort eilte Sheyü hinüber und sagte: „Schrei hier nicht! Ich frage dich: Wo hast du hier im ganzen Garten, nicht nur bei uns, je gesehen, dass jemand in den Räumen der Herrschaft seiner Tochter eine Belehrung erteilt? Selbst wenn es deine leibliche Tochter wäre, sobald sie einem Raum zugeteilt ist und eine Herrschaft hat, ist die Herrschaft dafür da, sie zu schlagen und zu schelten, und in zweiter Linie tun dies die älteren Zofen. Wer würde wohl den Eltern erlauben, sich da einzumischen und sich um jede Kleinigkeit zu kümmern? Wenn das alle so machen wollten, wie sollten denn da die Mädchen etwas lernen von uns? Je älter du wirst, desto mehr vergisst du wohl die Anstandsregeln! Neulich hast du gesehen, wie Zhui-ers Mutter gezankt hat, und jetzt musst du das nachmachen, wie? Nur keine Sorge! Nur weil die ganze Zeit über mal die krank war und mal der und weil die Herzoginmutter keine Zeit hatte, habe ich das noch nicht gemeldet. Wenn in ein paar Tagen die sorglose Zeit ihr Ende hat, werden wir alles melden, und wenn dann alle ihre kalte Dusche weghaben, wird es wohl besser werden. Eben erst fühlt sich Schatzjade ein wenig wohler, und nicht einmal wir wagen es, laut zu sprechen, du aber schlägst das Kind, dass es heult wie ein Wolf und brüllt wie ein Teufel. Sobald die oben für einige Zeit nicht im Hause sind, gelten bei euch weder Recht noch Gesetz, und wir sind in euren Augen einfach nicht da. Noch ein paar Tage, dann werden auch wir von euch Schläge bekommen. Was soll sie mit einer Pflegemutter wie dir? Wird sie ohne dich im Dreck umkommen, oder was?"
  
 
Schatzjade trommelte indessen mit seinem Stock auf die Türschwelle und sagte: „Bei diesen alten Weibern ist das Herz aus Eisen und das Innere aus Stein, ein rechtes Wunder ist das. Anstatt für die Kinder zu sorgen, quälen sie sie. Was soll das auf die Dauer noch werden?"
 
Schatzjade trommelte indessen mit seinem Stock auf die Türschwelle und sagte: „Bei diesen alten Weibern ist das Herz aus Eisen und das Innere aus Stein, ein rechtes Wunder ist das. Anstatt für die Kinder zu sorgen, quälen sie sie. Was soll das auf die Dauer noch werden?"
„Was das werden soll?" fiel Qingwen ein. „Rausschmeissen muss man sie alle, diese tauben Nüsse!"
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„Was das werden soll?" fiel Heitermuster ein. „Rausschmeissen muss man sie alle, diese tauben Nüsse!"
Die Alte wollte vor Scham fast vergehen und brachte kein Wort über die Lippen. Fangguan aber stand daneben, nur mit einer kurzen dunkelrosa Wattejacke und einer dünn gefütterten Seidenhose mit Streublumenmuster bekleidet, die an den Fussgelenken nicht zugeschnürt war. Ihr glänzend schwarzes Haar hing lose herab, und sie weinte zum Steinerweichen.
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Die Alte wollte vor Scham fast vergehen und brachte kein Wort über die Lippen. Duftblümchen aber stand daneben, nur mit einer kurzen dunkelrosa Wattejacke und einer dünn gefütterten Seidenhose mit Streublumenmuster bekleidet, die an den Fussgelenken nicht zugeschnürt war. Ihr glänzend schwarzes Haar hing lose herab, und sie weinte zum Steinerweichen.
 
Lächelnd bemerkte Sheyü: „Aus Fräulein Yingying ist die geprüglte Hongniang geworden! Nur ungepudert ist sie und schlampig angezogen."
 
Lächelnd bemerkte Sheyü: „Aus Fräulein Yingying ist die geprüglte Hongniang geworden! Nur ungepudert ist sie und schlampig angezogen."
 
„Sie sieht gut aus, so wie sie ist, und braucht sich nicht zurechtzumachen", widersprach Schatzjade.
 
„Sie sieht gut aus, so wie sie ist, und braucht sich nicht zurechtzumachen", widersprach Schatzjade.
Nun trat Qingwen zu ihr heran, zog sie mit sich, wusch ihr das Haar und drückte mit einem Handtuch das Wasser aus. Dann schlang sie ihr das Haar zu einem losen Knoten zusammen und befahl ihr, sie solle sich wieder anziehen und dann herüberkommen.
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Nun trat Heitermuster zu ihr heran, zog sie mit sich, wusch ihr das Haar und drückte mit einem Handtuch das Wasser aus. Dann schlang sie ihr das Haar zu einem losen Knoten zusammen und befahl ihr, sie solle sich wieder anziehen und dann herüberkommen.
  
 
Inzwischen erschien eine Köchin und meldete: „Das Abendessen ist fertig. Soll es gebracht werden?"
 
Inzwischen erschien eine Köchin und meldete: „Das Abendessen ist fertig. Soll es gebracht werden?"
 
Eines der kleineren Zöfchen ging hinein, um Dufthauch danach zu fragen, die darauf lächelnd erwiderte: „Über dem Krach eben habe ich gar nicht darauf geachtet, wie oft die Uhr geschlagen hat."
 
Eines der kleineren Zöfchen ging hinein, um Dufthauch danach zu fragen, die darauf lächelnd erwiderte: „Über dem Krach eben habe ich gar nicht darauf geachtet, wie oft die Uhr geschlagen hat."
„Mit dem Ding ist wieder mal was", warf Qingwen ein, „sie muss erst in Ordnung gebracht werden." Sie holte ihre Taschenuhr hervor und schaute nach der Zeit, dann sagte sie: „So lange noch, wie man für eine halbe Schale Tee braucht, dann ist es recht."
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„Mit dem Ding ist wieder mal was", warf Heitermuster ein, „sie muss erst in Ordnung gebracht werden." Sie holte ihre Taschenuhr hervor und schaute nach der Zeit, dann sagte sie: „So lange noch, wie man für eine halbe Schale Tee braucht, dann ist es recht."
Das kleine Zöfchen ging wieder hinaus. Sheyü aber sagte lächelnd: „Fangguan war doch ungezogen und hat Schläge verdient. Gestern hat sie wer weiß wie lange an dem Pendel gespielt und die Uhr kaputt gemacht."
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Das kleine Zöfchen ging wieder hinaus. Sheyü aber sagte lächelnd: „Duftblümchen war doch ungezogen und hat Schläge verdient. Gestern hat sie wer weiß wie lange an dem Pendel gespielt und die Uhr kaputt gemacht."
Während sie das sagte, hatte sie den Tisch gedeckt, und wenig später brachten die kleineren Zöfchen die Speiseschachteln herein und nahmen damit Aufstellung. Qingwen und Sheyü entfernten die Deckel von den Schachteln und stellten fest, dass es wieder nur viererlei Eingelegtes war.
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Während sie das sagte, hatte sie den Tisch gedeckt, und wenig später brachten die kleineren Zöfchen die Speiseschachteln herein und nahmen damit Aufstellung. Heitermuster und Sheyü entfernten die Deckel von den Schachteln und stellten fest, dass es wieder nur viererlei Eingelegtes war.
Lächelnd beklagte sich Qingwen: „Wo er doch wieder gesund ist, könnten sie auch ein paar leichte Fleischgerichte für ihn schicken. Wie lange soll das noch weitergehen mit Reissuppe und Salzgemüse?"
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Lächelnd beklagte sich Heitermuster: „Wo er doch wieder gesund ist, könnten sie auch ein paar leichte Fleischgerichte für ihn schicken. Wie lange soll das noch weitergehen mit Reissuppe und Salzgemüse?"
 
Als sie die Schüsseln auf den Tisch stellte, entdeckte sie, dass auch eine Schale mit Suppe aus Schinken und frischen Bambussprossen in einer der Schachteln war. Rasch stellte sie Schatzjade die Suppe hin, und er schlürfete davon, ohne die Schale hochzuheben. „Ist das heiß!" sagte er.
 
Als sie die Schüsseln auf den Tisch stellte, entdeckte sie, dass auch eine Schale mit Suppe aus Schinken und frischen Bambussprossen in einer der Schachteln war. Rasch stellte sie Schatzjade die Suppe hin, und er schlürfete davon, ohne die Schale hochzuheben. „Ist das heiß!" sagte er.
„Warum bist du auch so gierig, kaum dass du ein paar Tage fleischlose Kost essen musstest?" sagte Dufthauch lächelnd. Dann nahm sie die Schale rasch hoch und blies vorsichtig auf die Suppe. Als ihr Blick dabei auf Fangguan fiel, die an der Seite stand, reichte sie ihr die Schale und forderte sie lächelnd auf: „Hier, du kannst auch ein bisschen aufwarten lernen, anstatt immer nur Maulaffen feilzuhalten! Aber blas vorsichtig, damit du nicht hineinspuckst!"
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„Warum bist du auch so gierig, kaum dass du ein paar Tage fleischlose Kost essen musstest?" sagte Dufthauch lächelnd. Dann nahm sie die Schale rasch hoch und blies vorsichtig auf die Suppe. Als ihr Blick dabei auf Duftblümchen fiel, die an der Seite stand, reichte sie ihr die Schale und forderte sie lächelnd auf: „Hier, du kannst auch ein bisschen aufwarten lernen, anstatt immer nur Maulaffen feilzuhalten! Aber blas vorsichtig, damit du nicht hineinspuckst!"
Fangguan tat, wie ihr geheissen war, und blies mehrmals auf die Suppe, ganz wie es sich gehört.
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Duftblümchen tat, wie ihr geheißen war, und blies mehrmals auf die Suppe, ganz wie es sich gehört.
  
Ihre Pflegemutter aber hatte sich rasch der Reisschüssel bemächtigt und wartete damit vor der Tür. Diese Frau war seinerzeit Fangguans Pflegemutter geworden, gleich nachdem Fangguan mit den anderen Mädchen zusammen hierher gekommen war, und war dann mit in den Birnendufthof gezogen. Ursprünglich aber war sie nur eine drittklassige Bedienstete aus dem Rong-guo-Anwesen, die hier lediglich Wäsche hatte waschen dürfen, ohne jemals in den inneren Teil des Anwesens zu kommen. Darum kannte sie auch nicht die Anstandsregeln, die hier galten.
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Ihre Pflegemutter aber hatte sich rasch der Reisschüssel bemächtigt und wartete damit vor der Tür. Diese Frau war seinerzeit Duftblümchens Pflegemutter geworden, gleich nachdem Duftblümchen mit den anderen Mädchen zusammen hierher gekommen war, und war dann mit in den Birnendufthof gezogen. Ursprünglich aber war sie nur eine drittklassige Bedienstete aus dem Prunkwille-Anwesen, die hier lediglich Wäsche hatte waschen dürfen, ohne jemals in den inneren Teil des Anwesens zu kommen. Darum kannte sie auch nicht die Anstandsregeln, die hier galten.
Jetzt aber hatte sie das Glück gehabt, mit Fangguan zusammen in den Garten zu kommen und hier einem Haus zugeteilt zu werden. Erst auf Sheyüs Vorhaltungen hin war ihr einiges klar geworden, und nun hatte sie Angst, sie würde mancherlei einbüssen, wenn Fangguan sich von ihr lossagte. Darum hatte sie nur den einen Wunsch, die anderen umzustimmen. Als sie sah, wie Fangguan die Suppe blies, stürzte sie ins Zimmer und sagte lächelnd: „Sie ist nicht geübt darin und wird noch die Schale zerschlagen. Lasst mich das machen!" Und während sie das sagte, nahm sie auch schon Fangguan die Suppenschale ab.
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Jetzt aber hatte sie das Glück gehabt, mit Duftblümchen zusammen in den Garten zu kommen und hier einem Haus zugeteilt zu werden. Erst auf Sheyüs Vorhaltungen hin war ihr einiges klar geworden, und nun hatte sie Angst, sie würde mancherlei einbüssen, wenn Duftblümchen sich von ihr lossagte. Darum hatte sie nur den einen Wunsch, die anderen umzustimmen. Als sie sah, wie Duftblümchen die Suppe blies, stürzte sie ins Zimmer und sagte lächelnd: „Sie ist nicht geuebt darin und wird noch die Schale zerschlagen. Lasst mich das machen!" Und während sie das sagte, nahm sie auch schon Duftblümchen die Suppenschale ab.
„Raus!" schrie Qingwen sie an. „Auch wenn sie die Schale zerschlägt, hast du hier nichts zu blasen. Was suchst du hier drinnen? Raus mit dir!" Dann beschimpfte sie die kleineren Zöfchen: „Seid ihr noch bei Trost? Wenn sie das nicht wusste, hättet ihr es ihr sagen müssen!"
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„Raus!" schrie Heitermuster sie an. „Auch wenn sie die Schale zerschlägt, hast du hier nichts zu blasen. Was suchst du hier drinnen? Raus mit dir!" Dann beschimpfte sie die kleineren Zöfchen: „Seid ihr noch bei Trost? Wenn sie das nicht wusste, hättet ihr es ihr sagen müssen!"
 
„Wir haben sie weggeschickt, aber sie ist nicht gegangen", verteidigten sich die kleineren Zöfchen. „Und als wir es ihr gesagt haben, wollte sie uns nicht glauben. Dafür werden wir jetzt mit hineingezogen. — Glaubst du uns nun endlich, dass die Räume, zu denen wir Zutritt haben, dir nur zur Hälfte offen stehen, während die andere Hälfte für dich gesperrt ist? Aber nicht genug damit, dass du einen Raum betrittst, den nicht einmal wir betreten dürfen, setzt du dort auch noch Hände und Mund in Bewegung!" Mit diesen Worten schoben sie sie hinaus.
 
„Wir haben sie weggeschickt, aber sie ist nicht gegangen", verteidigten sich die kleineren Zöfchen. „Und als wir es ihr gesagt haben, wollte sie uns nicht glauben. Dafür werden wir jetzt mit hineingezogen. — Glaubst du uns nun endlich, dass die Räume, zu denen wir Zutritt haben, dir nur zur Hälfte offen stehen, während die andere Hälfte für dich gesperrt ist? Aber nicht genug damit, dass du einen Raum betrittst, den nicht einmal wir betreten dürfen, setzt du dort auch noch Hände und Mund in Bewegung!" Mit diesen Worten schoben sie sie hinaus.
draußen empfingen sie die alten Dienerinnen, die unten an der Treppe auf die leeren Speiseschachteln und das Geschirr warteten, lächelnd mit der Frage: „Konntest du nicht in einen Spiegel sehen, ehe du dort hineingehst, Schwägerin?"
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Draußen empfingen sie die alten Dienerinnen, die unten an der Treppe auf die leeren Speiseschachteln und das Geschirr warteten, lächelnd mit der Frage: „Konntest du nicht in einen Spiegel sehen, ehe du dort hineingehst, Schwägerin?"
 
Beschämt und wütend zugleich musste es die Alte erdulden.
 
Beschämt und wütend zugleich musste es die Alte erdulden.
  
Nachdem Fangguan noch ein paarmal geblasen hatte, sagte Schatzjade lächelnd: „Das wird genug sein. Pass auf, dass du nicht außer Atem kommst! Koste mal, ob es jetzt gut ist!"
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Nachdem Duftblümchen noch ein paarmal geblasen hatte, sagte Schatzjade lächelnd: „Das wird genug sein. Pass auf, dass du nicht außer Atem kommst! Koste mal, ob es jetzt gut ist!"
Fangguan hielt dies für einen Scherz und schaute unglaüubig lächelnd nach Dufthauch und den anderen. Dufthauch aber sagte: „So koste doch! Was hindert dich?"
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Duftblümchen hielt dies für einen Scherz und schaute unglaueubig lächelnd nach Dufthauch und den anderen. Dufthauch aber sagte: „So koste doch! Was hindert dich?"
„Schau, wie ich koste!" sagte Qingwen lächelnd und nahm einen Schluck. Nun kostete auch Fangguan und bestätigte: „Jetzt ist es gut." Und sie reichte Schatzjade die Schale.
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„Schau, wie ich koste!" sagte Heitermuster lächelnd und nahm einen Schluck. Nun kostete auch Duftblümchen und bestätigte: „Jetzt ist es gut." Und sie reichte Schatzjade die Schale.
 
Schatzjade trank die Suppe zur Hälfte aus, dann nahm er noch ein paar Scheiben Bambussprosse und eine halbe Schale dünne Reissuppe zu sich, und damit hatte er genug. Die Mädchen räumten den Tisch ab und schafften alles hinaus. Nachdem die kleineren Zöfchen die Waschschüssel gebracht hatten und Schatzjade sich den Mund gespült und die Hände gewaschen hatte, ging Dufthauch mit den anderen hinaus, um zu essen.
 
Schatzjade trank die Suppe zur Hälfte aus, dann nahm er noch ein paar Scheiben Bambussprosse und eine halbe Schale dünne Reissuppe zu sich, und damit hatte er genug. Die Mädchen räumten den Tisch ab und schafften alles hinaus. Nachdem die kleineren Zöfchen die Waschschüssel gebracht hatten und Schatzjade sich den Mund gespült und die Hände gewaschen hatte, ging Dufthauch mit den anderen hinaus, um zu essen.
  
Schatzjade gab Fangguan einen Wink mit den Augen, und Fangguan, die von Natur aus ein aufgewecktes Ding war und obendrein ein paar Jahre die Schauspielerei gelernt hatte, so dass sie alles verstand, gab vor, sie habe Kopfschmerzen und wolle nichts essen.
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Schatzjade gab Duftblümchen einen Wink mit den Augen, und Duftblümchen, die von Natur aus ein aufgewecktes Ding war und obendrein ein paar Jahre die Schauspielerei gelernt hatte, so dass sie alles verstand, gab vor, sie habe Kopfschmerzen und wolle nichts essen.
 
„Wenn du nichts isst, bleibst du zur Gesellschaft hier im Zimmer!" wies Dufthauch sie an. „Ich lasse dir die Reissuppe hier, die kannst du essen, wenn du nachher doch Hunger hast." Damit gingen sie alle hinaus.
 
„Wenn du nichts isst, bleibst du zur Gesellschaft hier im Zimmer!" wies Dufthauch sie an. „Ich lasse dir die Reissuppe hier, die kannst du essen, wenn du nachher doch Hunger hast." Damit gingen sie alle hinaus.
  
Schatzjade blieb mit Fangguan allein zurück. Nun erzählte er ihr in allen Einzelheiten, wie er erst den Feürschein gesehen hatte und dann Ouguan, wie er gelogen hatte, um sie zu decken, und wie sie ihn geheissen hatte, sich bei ihr, Fangguan, zu erkundigen. Dann fragte er: „Wem hat sie das Opfer gebracht?"
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Schatzjade blieb mit Duftblümchen allein zurück. Nun erzählte er ihr in allen Einzelheiten, wie er erst den Feuerschein gesehen hatte und dann Lotoswürzlein, wie er gelogen hatte, um sie zu decken, und wie sie ihn geheißen hatte, sich bei ihr, Duftblümchen, zu erkundigen. Dann fragte er: „Wem hat sie das Opfer gebracht?"
Fangguan hatte bei seiner Erzählung erst über das ganze Gesicht gelächelt, jetzt aber seufzte sie und sagte: „Die Sache ist lächerlich und traurig zugleich."
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Duftblümchen hatte bei seiner Erzählung erst über das ganze Gesicht gelächelt, jetzt aber seufzte sie und sagte: „Die Sache ist lächerlich und traurig zugleich."
 
„Wieso?" fragte Schatzjade sofort.
 
„Wieso?" fragte Schatzjade sofort.
Lächelnd fuhr Fangguan fort: „Wem sie das Opfer gebracht hat, willst du wissen? Der verstorbenen Diguan."
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Lächelnd fuhr Duftblümchen fort: „Wem sie das Opfer gebracht hat, willst du wissen? Der verstorbenen Diguan."
 
„Wenn sie mit ihr befreundet war, muss sie ihr auch Opfer bringen", sagte Schatzjade.
 
„Wenn sie mit ihr befreundet war, muss sie ihr auch Opfer bringen", sagte Schatzjade.
„Was heißt befreundet?" fragte Fangguan. „Sie ist ein törichtes Ding. Weil sie selbst die jungen Männer gespielt hat und Diguan die jungen Mädchen, mussten sie oft als Mann und Frau auftreten. Das war nur Spiel, aber sie waren dabei immer so voller Liebe und Fürsorge füreinander, dass es ihnen schließlich zu Kopf gestiegen ist. Nun waren sie bei allem unzertrennlich, auch wenn sie nicht auf der Bühne standen. Als Diguan starb, hat Ouguan sich fast zu Tode geweint. Bis heute hat sie sie nicht vergessen und verbrennt zu jedem Festtag Opferpapier.
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„Was heißt befreundet?" fragte Duftblümchen. „Sie ist ein törichtes Ding. Weil sie selbst die jungen Männer gespielt hat und Diguan die jungen Mädchen, mussten sie oft als Mann und Frau auftreten. Das war nur Spiel, aber sie waren dabei immer so voller Liebe und Fürsorge füreinander, dass es ihnen schließlich zu Kopf gestiegen ist. Nun waren sie bei allem unzertrennlich, auch wenn sie nicht auf der Bühne standen. Als Diguan starb, hat Lotoswürzlein sich fast zu Tode geweint. Bis heute hat sie sie nicht vergessen und verbrennt zu jedem Festtag Opferpapier.
Als dann Ruiguan die Stelle von Diguan einnahm und wir sahen, dass Ouguan zu ihr genauso lieb und zärtlich war, haben wir sie gefragt, ob sie ihre alte Liebe über der neuen vergessen habe. Aber sie hat gesagt, sie handle nach einem gewichtigen Grundsatz. Auch wenn einem Mann die Frau sterbe, heirate er erneut, und das müsse auch sein. Wenn er nur die Tote nicht vergesse, seien seine Gefühle tief und seine Gedanken ernst. Wenn er um der Toten willen bis ans Ende seiner Tage allein bleibe, verstosse er gegen ein wichtiges Prinzip und tü Unrecht, wodurch auch die Tote nicht in Frieden ruhen würde. — Sag selbst, ist das nicht verrückt? Und ist es vielleicht nicht zum Lachen?"
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Als dann Blütenstäubchen die Stelle von Diguan einnahm und wir sahen, dass Lotoswürzlein zu ihr genauso lieb und zärtlich war, haben wir sie gefragt, ob sie ihre alte Liebe über der neuen vergessen habe. Aber sie hat gesagt, sie handle nach einem gewichtigen Grundsatz. Auch wenn einem Mann die Frau sterbe, heirate er erneut, und das müsse auch sein. Wenn er nur die Tote nicht vergesse, seien seine Gefühle tief und seine Gedanken ernst. Wenn er um der Toten willen bis ans Ende seiner Tage allein bleibe, verstosse er gegen ein wichtiges Prinzip und tü Unrecht, wodurch auch die Tote nicht in Frieden ruhen würde. — Sag selbst, ist das nicht verrückt? Und ist es vielleicht nicht zum Lachen?"
  
Aber die Verrücktheit, von der sie berichtet hatte, passte so ganz zu Schatzjades eigener Verrücktheit. Ungewollt überkamen ihn Freude und Schmerz, und er empfand die Sache als etwas ganz Einzigartiges. „Warum musste ich bärtiger Dummkopf die Welt beschmutzen, wenn der Himmel solche Menschen hervorzubringen vermag?" fragte er. Dann fasste er Fangguan beim Ärmel und sagte: „Wenn das so ist, habe ich ihr auch etwas zu sagen. Aber es wäre nicht das Richtige, ihr das von Angesicht zu Angesicht zu sagen, darum musst du es ihr ausrichten."
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Aber die Verrücktheit, von der sie berichtet hatte, passte so ganz zu Schatzjades eigener Verrücktheit. Ungewollt überkamen ihn Freude und Schmerz, und er empfand die Sache als etwas ganz Einzigartiges. „Warum musste ich bärtiger Dummkopf die Welt beschmutzen, wenn der Himmel solche Menschen hervorzubringen vermag?" fragte er. Dann fasste er Duftblümchen beim Ärmel und sagte: „Wenn das so ist, habe ich ihr auch etwas zu sagen. Aber es wäre nicht das Richtige, ihr das von Angesicht zu Angesicht zu sagen, darum musst du es ihr ausrichten."
„Was ist es?" wollte Fangguan wissen.
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„Was ist es?" wollte Duftblümchen wissen.
 
„Sie soll in Zukunft auf keinen Fall mehr Opfergeld verbrennen", sagte Schatzjade. „Dieses Opfergeld ist eine späte Verirrung und kein Vermächtnis des Konfuzius. In Zukunft soll sie zu den entsprechenden Tagen einfach ein Räuchergefäss aufstellen und dann beliebigen Weihrauch darin verbrennen. Wenn sie das reinen Herzens und ergebenen Sinnes tut, verfehlt es nicht seinen Zweck. Die dummen Menschen wissen das nicht und müssen unbedingt den Geistern, den Buddhas und den Toten verschiedene Opfer bringen, jedem nach seinem Rang. Dabei ist das einzig Wichtige daran das aufrichtige Herz. Wenn man bedrängt und in Eile ist und hat nicht einmal Weihrauch zur Hand, dann können auch Erde und Gras als Opfergaben dienen, wenn sie nur sauber sind. Nicht nur die Toten nehmen diese Gaben an, Götter und Geister tun es ebenso. Siehst du das Räuchergefäss auf dem Tisch? Darin brenne ich Weihrauch ab, ohne mich an die Festtage zu halten. Die anderen wissen nicht, warum ich das tü, in meinem Herzen aber folge ich stets einem Grund. Wenn ich frischen Tee habe, stelle ich ein Schälchen voll dazu, sonst auch frisches Wasser, frische Blumen oder frisches Obst, sogar Suppe und Fleisch. Wenn nur das Herz dabei aufrichtig ist und der Sinn ergeben, wird selbst Buddha das Opfer nicht verschmähen. Darum sagt man: 'Auf die Ergebenheit kommt es an, nicht auf leere Worte.' Und so richte ihr aus, sie soll in Zukunft keine Papieropfer mehr bringen!"
 
„Sie soll in Zukunft auf keinen Fall mehr Opfergeld verbrennen", sagte Schatzjade. „Dieses Opfergeld ist eine späte Verirrung und kein Vermächtnis des Konfuzius. In Zukunft soll sie zu den entsprechenden Tagen einfach ein Räuchergefäss aufstellen und dann beliebigen Weihrauch darin verbrennen. Wenn sie das reinen Herzens und ergebenen Sinnes tut, verfehlt es nicht seinen Zweck. Die dummen Menschen wissen das nicht und müssen unbedingt den Geistern, den Buddhas und den Toten verschiedene Opfer bringen, jedem nach seinem Rang. Dabei ist das einzig Wichtige daran das aufrichtige Herz. Wenn man bedrängt und in Eile ist und hat nicht einmal Weihrauch zur Hand, dann können auch Erde und Gras als Opfergaben dienen, wenn sie nur sauber sind. Nicht nur die Toten nehmen diese Gaben an, Götter und Geister tun es ebenso. Siehst du das Räuchergefäss auf dem Tisch? Darin brenne ich Weihrauch ab, ohne mich an die Festtage zu halten. Die anderen wissen nicht, warum ich das tü, in meinem Herzen aber folge ich stets einem Grund. Wenn ich frischen Tee habe, stelle ich ein Schälchen voll dazu, sonst auch frisches Wasser, frische Blumen oder frisches Obst, sogar Suppe und Fleisch. Wenn nur das Herz dabei aufrichtig ist und der Sinn ergeben, wird selbst Buddha das Opfer nicht verschmähen. Darum sagt man: 'Auf die Ergebenheit kommt es an, nicht auf leere Worte.' Und so richte ihr aus, sie soll in Zukunft keine Papieropfer mehr bringen!"
Fangguan versprach es ihm. Bald nachdem sie dann gegessen hatte, wurde gemeldet: „Die Herzoginmutter und die gnädige Frau sind zurück."
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Duftblümchen versprach es ihm. Bald nachdem sie dann gegessen hatte, wurde gemeldet: „Die Herzoginmutter und die gnädige Frau sind zurück."
  
 
Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.
 
Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.
  
 
<references />
 
<references />

Latest revision as of 19:36, 28 April 2026

Kapitel 58 Unter dem Aprikosenbaum beklagt ein falscher Phönix den entflogenen — Am rotgezogenen Gazefenster ergründet wahres Gefühl narrenhaftes Sinnen

Die drei hielten also schleunigst den Mund, als Erkundefrühling[1] und die anderen hereinkamen. Nachdem die Neuankömmlinge ihre Grüße entboten hatten, scherzten und schwatzten alle eine Zeitlang zusammen, dann gingen sie wieder auseinander.

Unerwartet war die in einem der vorigen Kapitel erwähnte alte Kaiserliche Nebenfrau[2] entschlafen. Die Gattinnen aller Würdenträger mussten sich zu Hofe begeben, um ihrem Rang und Titel gemäß am Trauerzeremoniell teilzunehmen. Durch kaiserlichen Erlass wurde befohlen, im ganzen Reich dürfe in allen Familien von Würdentragern ein Jahr lang kein Fest gefeiert und keine Musik gespielt werden, das einfache Volk aber dürfe innerhalb von drei Monaten keine Hochzeiten halten. Die Herzoginmutter[3], Dame Strafe[4], Dame König[5], Dame Sonders[6] und Frau Xu — Schwiegermütter und Schwiegertöcher, Großmutter und Enkelin — begaben sich jeden Tag zu Hofe, um den Opferhandlungen beizuwohnen, und kamen nicht früher als nachmittags um zwei wieder zurück.

Erst nach einundzwanzigtägiger Aufbahrung in einer Seitenhalle des Kaiserpalasts sollte die Tote nach dem Grab des verewigten Herrschers überführt werden, das sich im Kreis Xiaoci[7] befand. Dorthin brauchte man von der Hauptstadt aus mehr als zehn Tage, und da der Sarg nach der Überführung noch einmal für mehrere Tage aufgestellt werden sollte, bevor er in den unterirdischen Palast kam, musste die ganze Sache einen vollen Monat in Anspruch nehmen. Aus dem Stillfriede-Anwesen durften eigentlich weder Herrlichkeit Kaufmann[8] noch seine Frau dabei fehlen, aber dann wäre aus keinem der beiden Anwesen jemand da gewesen, der die Aufsicht führen konnte.

Deshalb hielt man Rat, und da das Haus nicht ohne Herrschaft bleiben konnte, ließ man melden, Dame Sonders werde ein Kind bekommen. Dadurch erreichte man eine Freistellung für sie, und nun konnte sie an der Leitung beider Anwesen teilhaben. Außerdem betraute man Tante Schnee[9] damit, sich im Garten um die Schwestern und die Zofen zu kümmern. So blieb Tante Schnee keine andere Wahl, als selbst in den Garten zu ziehen. Bei Schatzspange[10] wohnten schon Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie. Bei Frau Li waren Tante Li und ihre beiden Töchter zwar ausgezogen, kamen aber noch von Zeit zu Zeit auf drei oder fünf Tage zu Besuch, und außerdem hatte die Herzoginmutter Kostbarzither Schnee der Obhut von Frau Li anvertraut.

Bei Willkommensfrühling war Höhlennebel Strafe[11] untergebracht. Erkundefrühling dagegen war zum einen mit Haushaltsangelegenheiten überhauft, zum anderen tauchten immer wieder Nebenfrau Zhao und Unheil Kaufmann bei ihr auf, um herumzunörgeln, was ebenfalls sehr unangenehm war. Bei Bedauerfrühling schließlich waren die Räume zu klein. Überdies hatte die Herzoginmutter Tante Schnee tausend- und zehntausendfach gebeten, nur ja auf Kajaljade[12] besonders gut achtzugeben. Und da Tante Schnee ohnehin innigste Zuneigung für Kajaljade verspürte, zog sie jetzt in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, wo sie mit ihr das Zimmer teilte und sich mit größter Sorgfalt um ihre Arznei und Diät kümmerte.

Kajaljade war ihr unendlich dankbar dafür, und Tante Schnee wurde fortan von ihr nicht anders angeredet als von Schatzspange. Schatzspange selbst aber wurde von Kajaljade „ältere Schwester" genannt und Kostbarzither Schnee „jüngere Schwester", als ob sie ihre leiblichen Geschwister wären, und sie verkehrte mit ihnen herzlicher als mit allen anderen. Als die Herzoginmutter davon erfuhr, war sie hocherfreut und beruhigt zugleich.

Tante Schnee kümmerte sich lediglich um die Mädchen und hielt die Zofen im Zaum, zu Haushaltsangelegenheiten dagegen, seien es größere oder kleinere, wollte sie sich nicht äußern. Dame Sonders kam zwar Tag für Tag herüber, aber nur um sich sehen zu lassen und Appell zu halten — sich als Autorität aufspielen wollte sie nicht. Zumal sie drüben in ihrem eigenen Anwesen die ganze Verantwortung trug und außerdem jeden Tag für alles sorgen musste, was die Herzoginmutter, Dame König und die anderen in ihren Aufenthaltsräumen an Essen, Getränken und Ausstattung brauchten, womit sie Arbeit genug hatte.

Aber nicht nur die Herrschaften aus beiden Anwesen waren jetzt pausenlos beschäftigt. Auch die verantwortlichen Bediensteten waren entweder mit bei Hofe, oder sie hatten sich in den Aufenthaltsräumen außerhalb des Hofes um alles zu kümmern, während wieder andere zu den Absteigeorten des Trauerzuges vorauseilen mussten. So hatten auch sie alle Hände voll zu tun. Dem Gesinde in beiden Anwesen aber fehlte dadurch die rechte Zucht. Die Leute faulenzten, wo sie nur konnten, und manche machten sich die Gelegenheit zunutze, um sich mit den zeitweiligen Verantwortlichen zusammenzutun und die so erlangte Macht zu missbrauchen.

Im Prunkwille-Anwesen waren nur Lai Da und einige Zuständige zurückgeblieben, um sich um die Angelegenheiten des äußeren Haushalts zu kümmern. Die Leute aber, auf die sich Lai Da für gewöhnlich stützte, waren fort. An ihrer Statt hatte man zwar andere eingesetzt, aber dies waren Neulinge, und man merkte, dass ihnen die Arbeit nicht recht von der Hand ging. Obendrein waren es Dummköpfe, die schamlos betrogen, falsche Berichte gaben und sinnlose Vorschläge machten. So gab es Übelstände aller Art, und immer wieder kam es zu Verwicklungen, doch das kann hier nicht weiter geschildert werden.

Da jetzt in allen Beamtenfamilien die Schauspielertruppen, die man im Hause hielt, entlassen und weggeschickt wurden, fasste auch Dame Sonders mit den anderen zusammen einen derartigen Beschluss. Als Dame König einmal nach Hause kam, meldete sie ihr, man wolle die zwölf Schauspielmädchen entlassen. Dabei sagte sie: „Die Mädchen waren gekauft worden. Auch wenn sie jetzt nicht weiter die Schauspielerei erlernen, können wir sie doch als Bedienstete behalten. Die Ausbilder aber können ihrer Wege gehen, und damit wäre die Sache erledigt."

„Diese Schauspielschülerinnen sind nicht dasselbe wie Dienerinnen", wandte Dame König ein. „Sie sind Kinder anständiger Eltern, die sie nur notgedrungen in dieses Gewerbe verkauft haben, sich ein paar Jahre verunstalten zu lassen und die Hexen zu spielen. Da sich jetzt die Gelegenheit ergibt, sollte man ihnen ein paar Liang Silber als Reisegeld geben und ihnen die Freiheit schenken. So war es seinerzeit bei den Ahnen die Regel. Was jetzt vorgeschlagen ist, würde nicht nur verborgener Güte Abbruch tun, es wäre auch kleinlich. Es leben zwar auch einige alte Schauspielerinnen bei uns, aber von ihnen hatte jede einen Grund, warum sie nicht zu ihrer Familie zurückkehren wollte. Nur deshalb sind sie als Dienerinnen hier geblieben und dann mit jungen Bediensteten aus unserem Haus verheiratet worden, als sie erwachsen waren."

„Dann wollen auch wir die zwölf fragen, ob jemand von ihnen nach Hause möchte", schlug Dame Sonders vor. „Und falls ja, schreiben wir Briefe an ihre Eltern, damit sie sie persönlich abholen kommen, und geben ihnen ein paar Liang Silber für die Reise! Denn nur so ist alles geregelt. Wenn wir nicht ihre Eltern kommen lassen, werden sich, fürchte ich, Schurken finden, die die Mädchen unter falschem Namen abholen, nur um sie weiterzuverkaufen. Wäre damit nicht unsere Gnade wieder zunichte gemacht? Und wer nicht nach Hause will, den behalten wir hier." Dame König lächelte: „So ist es recht."

Dame Sonders schickte dann eine Botin zu Phönixglanz, um sie über die Sache zu unterrichten, und ließ in der Verwaltung Bescheid sagen, jeder Schauspielausbilder solle acht Liang Silber bekommen und gehen dürfen, wohin es ihm beliebte. Im Birnendufthof[13] wurde eine Bestandsaufnahme aller Gegenstände gemacht, um sie zu verzeichnen und zu verwahren, während für die Gebäude eine Nachtwache bestimmt wurde.

Die zwölf Schauspielmädchen wurden persönlich befragt, und es stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte von ihnen nicht nach Hause zurück wollte. Die einen sagten, ihre Eltern lebten zwar noch, aber sie hätten nichts anderes im Sinn, als ihre Kinder zu verkaufen, und würden das wieder tun, wenn sie nach Hause kämen. Andere sagten, ihre Eltern seien schon tot, und sie seien von ihren Onkeln oder Brüdern verkauft worden. Die nächsten sagten, sie hätten niemanden mehr, zu dem sie gehen könnten, und einige sagten schließlich, sie wollten bleiben, weil sie hier so viel Liebe und Güte erfahren hätten. So waren es nicht mehr als vier oder fünf, die fortgehen wollten.

Als Dame König dies erfuhr, blieb ihr keine andere Wahl, als den größeren Teil der Mädchen im Haus zu behalten. Die vier oder fünf, die gehen wollten, mussten bei ihren Pflegemüttern leben, bis ihre leiblichen Eltern sie abholen kamen. Die anderen wurden auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt, um dort aufzuwarten. Wenguan behielt sich die Herzoginmutter zu ihrer eigenen Bedienung. Duftblümchen[14], die Frauenrollen mittleren Alters gespielt hatte, wurde Schatzjade[15] zugewiesen. Blütenstäubchen[16], die junge Mädchenrollen gespielt hatte, bekam Schatzspange. Lotoswürzlein[17], die junge Männerrollen gespielt hatte, wurde Kajaljade zugeteilt. Sonnenblümchen[18], die große Heldenrollen gespielt hatte, kam zu Xiangfluss-Wolke. Douguan, die Spaßmacherrollen gespielt hatte, wurde zu Kostbarzither Schnee geschickt. Beifußchen[19], die alte Männerrollen gespielt hatte, kam zu Erkundefrühling. Dame Sonders aber bat sich Qieguan aus, die alte Frauenrollen gespielt hatte.

Als so jedes der Mädchen eine neue Bleibe erhalten hatte, fühlten sie sich wie Vögel, die man aus dem Käfig gelassen hat, und vergnügten sich Tag für Tag im Garten. Jedermann wusste, dass sie sich nicht auf Nadelarbeiten verstanden und auch nicht daran gewöhnt waren, jemanden zu bedienen, darum machte ihnen jetzt keiner große Vorhaltungen. Ein oder zwei aber waren unter den Mädchen, die wohl verständiger waren und deshalb bedauerten, dass sie keine Fähigkeiten besaßen, mit denen sie einmal den Nöten der Zeit würden begegnen können. Sie verwarfen ihre bisherigen Kenntnisse und begannen statt dessen, das Sticken und Nähen, Spinnen und Weben sowie andere weibliche Handarbeiten zu erlernen.

Eines Tages wurde bei Hofe ein großes Opfer gebracht. Schon in der fünften Nachtwache begaben sich die Herzoginmutter und alle anderen zum Palast, wo sie zuerst ihre Aufenthaltsräume aufsuchten, um eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen, ehe sie zu Hofe gingen. Als sie wiederkamen, war die Zeit der Frühmahlzeit schon vorüber. Sie zogen sich in ihre Aufenthaltsräume zurück, assen und ruhten ein wenig aus. Danach gingen sie erneut zu Hofe und mussten abwarten, bis das Mittags- und das Abendopfer dargebracht waren, ehe sie sich wieder in die Aufenthaltsräume zurückziehen konnten. Anschließend assen sie dort zu Abend, dann erst kehrten sie nach Hause zurück.

Diese Aufenthaltsräume lagen im Ahnentempel eines hohen Beamten, und Nonnen brannten hier Weihrauch und verrichteten Andachten. Räume gab es reichlich, und alle waren blitzsauber. Von den beiden Höfen hatten die Jias den östlichen, der Prinz von Beijng den westlichen gemietet. Die Nebenfrauen des verewigten und des regierenden Kaisers empfingen während ihrer täglichen Mussestunden die Herzoginmutter und ihren Anhang in den Räumen des Ostgehöfts. Man ging gemeinsam zu Hofe und kehrte gemeinsam von dort zurück, so dass man einander stets Aufmerksamkeiten erweisen konnte. Aber wozu muss in allen Einzelheiten berichtet werden, was sich draußen zutrug?

Besser ist es, vom Garten der Großen Anschauung zu erzählen! Da die Herzoginmutter und Dame König Tag für Tag außer Hause waren und dann einen ganzen Monat lang den Trauerzug begleiten mussten, führten inzwischen alle Zofen und alten Dienerinnen ein sorgenfreies Dasein und schweiften meist untätig im Garten umher. Da auch die zahlreichen alten Frauen, die vorher im Birnendufthof aufgewartet hatten, von dort abgezogen und auf die Gartenhäuser verteilt worden waren, um hier zu bedienen, schien das Gartenpersonal plötzlich massenhaft vermehrt.

Wenguan und die übrigen Schauspielmädchen waren teils hochmütig und eingebildet, teils selbstherrlich und ungerecht, teils wählerisch in Bezug auf Kleidung und Speisen und obendrein noch spitzzüngig. Kaum eine war zufrieden mit ihrem Los. Darum gab es keine unter den alten Dienerinnen, die nicht schon längst einen heimlichen Groll gegen die Mädchen hegte, wenn sie auch nicht gewagt hatten, offen mit ihnen zu streiten. Dass die Mädchen jetzt den Schauspielunterricht hatten aufgeben müssen, war den Alten ganz recht, aber während die einen die Finger von ihnen ließen und sich nicht weiter um sie kümmerten, gab es auch andere, die engherziger waren und an ihrem alten Groll festhielten. Weil aber auch sie jetzt auf die einzelnen Gartenhäuser verteilt waren, wagten sie nicht, etwas gegen die Mädchen zu unternehmen.

Am Festtag Qingming[20] begab sich Kette Kaufmann[21], der die üblichen Opfer vorbereitet hatte, mit Unheil Kaufmann, Jia Cong und Orchidee Kaufmann zusammen ins Kloster Eiserne Schwelle[22], um vor den Särgen die Papiergaben zu verbrennen. Auch Hibiskus Kaufmann hatte sich mit einigen Sippenangehörigen aus dem Stillfriede-Anwesen dorthin begeben. Schatzjade aber hatte nicht mithalten können, weil er noch nicht ganz genesen war. Nach dem Essen wurde er schläfrig, und Dufthauch[23] redete ihm zu: „Es ist so schönes Wetter, geh draußen spazieren, damit du nicht einschläfst, kaum dass du die Suppenschale aus der Hand gesetzt hast, und sich alles im Herzen staut!"

Notgedrungen ging Schatzjade auf seinen Stock gestützt und mit schlappenden Schuhen zum Hoftor hinaus. Da der Garten vor kurzem der Obhut der alten Dienerinnen übergeben worden war, war jetzt jede bei ihrem Geschäft: Die einen putzten den Bambus, andere beschnitten die Bäume, die nächsten pflanzten Blumen, und wieder andere steckten Bohnen. Auf dem Teich waren die Bootsfrauen mit Kähnen unterwegs, um Schlamm zu baggern und Lotuswurzeln zu setzen. Duftkastanie, Xiangfluss-Wolke und Kostbarzither Schnee saßen zusammen mit ihren Zofen auf Felsbrocken und schauten zum Vergnügen zu.

Als Schatzjade langsam auf die Mädchen zuging, entdeckte ihn Xiangfluss-Wolke als erste, und sofort rief sie lächelnd: „Jagt schnell diese Boote fort, sie wollen Schwester Kajaljade abholen!" Alles lachte darüber, und Schatzjade wurde rot. Aber er lächelte ebenfalls, während er sagte: „Niemand wird zum Spaß krank. Du aber musst selbst das nachäffen, um dich über einen lustig zu machen." „Und du musst, selbst wenn du krank wirst, noch etwas Besonderes haben", scherzte Xiangfluss-Wolke. „Aber wenn du dann die Leute damit zum Lachen bringst, gibst du anderen die Schuld."

Während sie das sagte, hatte sich Schatzjade ebenfalls niedergelassen und sah nun ein Weilchen dem emsigen Treiben der alten Frauen zu. Dann aber sagte Xiangfluss-Wolke: „Hier ist es windig, und die Steine sind kuhl. Lange kann man hier nicht sitzen bleiben."

Da Schatzjade ohnehin vorhatte, Kajaljade zu besuchen, stand er auf, stützte sich wieder auf seinen Stock und verabschiedete sich von den Mädchen. Er folgte dem Damm im Bereich der Duftgetränkten Brücke, und hier sah er, dass von den Weiden goldene Schnüre hingen, während sich die Pfirsiche in rosige Wolken gehüllt hatten. Der große Aprikosenbaum hinter dem Felsvorsprung aber hatte schon alle Blüten verloren, und die Blätter wuchsen dicht und grün. Unzählige kleine Früchte, nicht größer als Bohnen, saßen an den Zweigen.

„Nun bin ich ein paar Tage krank gewesen, und gleich habe ich die Aprikosenblüte verpasst", dachte Schatzjade. „Unversehens ist es soweit, dass man sagen muss: 'Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht.'" Während er so nach oben schaute und den Blick nicht wieder losreißen konnte, fiel ihm ein, dass für Höhlennebel Strafe ein Bräutigam ausgesucht worden war, und wenn er sich auch sagen musste, es sei dies ein großes Ereignis für Mann und Frau, auf das nicht verzichtet werden konnte, bedauerte er doch, dass er dadurch wieder ein liebliches Mädchen verlieren musste. In ein paar Jahren würde dann auch für sie gelten: „Üppig hat sie sich entfaltet, reichlich trägt sie Frucht." Und so wie der Baum binnen kurzem wieder kahl und ohne Früchte dastehen würde, würde sich in wenigen Jahren Höhlennebel Strafes schwarzes Haar silbern färben, und ihre roten Wangen würden aussehen wie verdorrt.

Unwillkürlich überkam Schatzjade die Schwermut, und er stand weinend und seufzend vor dem Aprikosenbaum. Inmitten seiner Wehklage kam plötzlich ein Spatz geflogen, setzte sich auf einen Zweig und tschilpte wie wild. Wieder stand Schatzjade in sich versunken und dachte: „Bestimmt ist der Vogel hier gewesen, als die Aprikose in voller Blüte stand, und jetzt tschilpt er so, weil er keine Blüten mehr findet, sondern nur noch Blätter. Sein Tschilpen bedeutet sicher Weinen. Zu ärgerlich, dass kein Gongye Chang zur Hand ist, den ich fragen könnte! Ob sich der Spatz wohl im nächsten Jahr, wenn der Baum von neuem blüht, noch daran erinnern kann und wieder herkommt, um die Blüten wiederzusehen?"

Während er so seinen törichten Gedanken nachhing, sah er auf einmal, wie hinter dem Felsvorsprung Feuer aufloderte und der Spatz erschrocken davonflog. Auch Schatzjade zuckte vor Schreck zusammen. Dann hörte er, wie drüben jemand rief: „Sterben solltest du, Lotoswürzlein! Wie kannst du Opfergeld mit hereinbringen und es hier verbrennen? Ich gehe es den jungen Herrinnen melden, nimm deine Haut in acht!"

Zutiefst verwundert bog Schatzjade rasch um den Felsvorsprung und entdeckte dort Lotoswürzlein, die mit tränenüberströnmtem Gesicht und mit einem Feuerholz in der Hand traurig vor einem Häufchen Asche hockte. „Für wen verbrennst du das Opfergeld?" fragte Schatzjade schnell. „Du darfst es nicht hier verbrennen! Wenn es für deine Eltern oder Geschwister ist, sag mir die Namen, dann befehle ich draußen den Dienern, sie sollen ein ordentliches Opferpäckchen zurechtmachen, die Namen daraufschreiben und es dann verbrennen gehen." Lotoswürzlein sah Schatzjade nur groß an und sagte kein Wort. Als er nach mehrmaligem Fragen noch immer keine Antwort erhalten hatte, kam plötzlich eine wutschnaubende alte Dienerin angestapft, packte Lotoswürzlein am Ärmel und sagte: „Ich habe es den jungen Herrinnen schon gemeldet, sie sind sehr böse auf dich." Lotoswürzlein war noch ein Kind, und aus Angst vor der Schande wollte sie nicht mitgehen. „Habe ich euch nicht schon immer gesagt, ihr sollt nicht zu übermutig sein?" rief die Alte. „Jetzt seid ihr hier und könnt nicht mehr einfach machen, was ihr wollt wie früher draußen. Hier heißt es, sich anständig benehmen!" Und mit dem Finger auf Schatzjade weisend, setzte sie hinzu: „Selbst unser junger Herr hält sich an Regeln und Normen. Was bist du für ein freches kleines Ding, dass du hierher kommst und Unfug treibst? Angst haben hat gar keinen Zweck. Du kommst jetzt mit!"

„Sie hat gar kein Opferpapier verbrannt", behauptete Schatzjade rasch. „Fräulein Lin hatte ihr befohlen, ihr beschriebenes Altpapier zu verbrennen. Du hast dich verguckt und hast sie zu Unrecht gemeldet." Lotoswürzlein, die nicht wusste, was sie machen sollte, und die Schatzjades Erscheinen nur noch mehr verängstigt hatte, fasste wieder Mut, als Schatzjade plötzlich ihr Vergehen deckte, und sagte nun ebenfalls: „Hast du vielleicht gesehen, dass es Opfergeld war? Ich habe Papier verbrannt, das Fräulein Lin beschrieben hatte!" Als die Alte dies hörte, geriet sie noch stärker in Zorn und beugte sich nieder, um ein paar halbverbrannte Papierfetzen aus der Asche zu wühlen. Dann sagte sie: „Willst du noch streiten? Hier habe ich den Beweis in der Hand. Wir unterhalten uns in der Halle weiter!" Damit packte sie Lotoswürzlein am Ärmel und wollte sie mit sich ziehen. Schatzjade aber hielt Lotoswürzlein rasch fest und schlug der Alten mit dem Stock auf die Hand, so dass sie loslassen musste. Dann sagte er: „Das kannst du haben! Aber ich will dir die Wahrheit sagen. Heute Nacht ist mir der Geist der Aprikosenblüete im Traum erschienen und hat ein Gehänge weißes Opfergeld von mir verlangt, das aber niemand aus meinen Räumen verbrennen sollte, sondern jemand Fremdes. Dann würde meine Krankheit schneller heilen. Darum habe ich mir das Opfergeld verschafft und Fräulein Lin eigens gebeten, Lotoswürzlein zu schicken, um es für mich zu verbrennen und die Beschwörunng vorzunehmen. Niemand sollte etwas davon erfahren. Und nur deshalb habe ich heute schon aufstehen können. Dann aber musstest du das sehen, und wenn ich jetzt nicht gesund werde, liegt das nur daran, dass du die Sache verdorben hast. Aber du wolltest doch Lotoswürzlein melden gehen. — Geh nur mit, Lotoswürzlein! Wenn du mit ihnen sprichst, sagst du alles so, wie du es eben gehört hast. Und wenn die Herzoginmutter zurück ist, sage ich ihr, wer sich absichtlich gegen die Geister vergangen hat, um zu erreichen, dass ich jung sterbe."

Auch Lotoswürzlein wusste nun, was sie zu tun hatte. Jetzt war sie es, die die Alte am Ärmel packte und gehen wollte. Die Alte aber ließ unter dem Eindruck von Schatzjades Worten das halbverbrannte Opfergeld fallen und erklärte mit verlegenem Lächeln: „Das habe ich nicht gewusst. Wenn der junge Herr das der Herzoginmutter meldet, ist es doch aus mit mir. Ich werde den jungen Herrinnen sagen, ich hätte mich geirrt, der junge Herr hätte den Geistern ein Opfer gebracht." „Nichts wirst du ihnen sagen!" verlangte Schatzjade. „Dann sage ich auch nichts davon." „Aber ich habe es doch schon gemeldet", klagte die Alte. „Sie hatten mir befohlen, Lotoswürzlein zu bringen. Nun kann ich doch nicht einfach wegbleiben. — Aber sei es drum! Ich werde sagen, ich hätte sie schon gerufen, aber dann habe Fräulein Lin sie holen lassen." Schatzjade dachte kurz nach, ehe er durch Kopfnicken seine Zustimmung zu erkennen gab, und die Alte ging ihres Weges.

Dann aber fragte Schatzjade: „Für wen hast du das Opfergeld nun wirklich verbrannt? Ich habe mir überlegt: Wenn es um ein Opfer für Eltern oder Geschwister ging, habt ihr stets jemand beauftragt, es draußen zu verbrennen. Da du es hier verbrannt hast, diese paar Blätter, musst du deinen eigenen privaten Grund dafür haben." Tief bewegt durch die Hilfe, die Schatzjade ihr erwiesen hatte, und daran erkennend, dass er ein verwandter Geist war, verriet ihm Lotoswürzlein unter Tränen: „Von dieser Sache weiß kein Mensch außer Duftblümchen, die bei dir im Hause ist, und Blütenstäubchen, die bei Fräulein Schatzspange ist. Nachdem du mich hier überrascht hast und so für mich eingetreten bist, will ich es dir auch sagen, aber du darfst es niemand weitererzählen." Sie weinte und fuhr fort: „Ich kann es dir nicht ins Gesicht sagen. Frag, wenn du zurück bist, in aller Stille Duftblümchen danach, dann wirst du es erfahren." Nach diesen Worten stürmte sie davon.

Verwundert ging Schatzjade mit langsamen Schritten in die Xiaoxiang-Bambushain-Fluss, um nach Kajaljade zu sehen, die so schmächtig geworden war, dass es einen jammerte. Doch als er sich erkundigte, hiess es, dieser Zustand sei schon eine bedeutende Besserung gegenüber dem bisherigen. Auch Kajaljade musste feststellen, dass Schatzjade viel schmaler war als früher, und der Gedanke an vergangene Zeiten trieb ihr die Tränen in die Augen. Nach kurzem Gepläuder drängte Kajaljade darauf, Schatzjade solle wieder gehen, um sich auszuruhen und zu pflegen, und so kehrte er notgedrungen in seine Räume zurück.

Er dachte daran, dass er Duftblümchen etwas zu fragen hatte, aber Xiangfluss-Wolke und Duftkastanie waren da und scherzten und plauderten eben mit Dufthauch und Duftblümchen, so dass er sie schlecht wegrufen konnte, denn er musste befürchten, die anderen würden wissen wollen, worum es ging. Also musste er sich gedulden.

Ein Weilchen später ging Duftblümchen mit ihrer Pflegemutter hinaus, um sich von ihr das Haar waschen zu lassen. Als die Pflegemutter zuerst ihrer leiblichen Tochter das Haar wusch, warf Duftblümchen ihr vor, sie werde von ihr benachteiligt. „Ich soll mir den Kopf mit dem Wasser waschen, das deine Tochter übriggelassen hat?" empörte sie sich. „Nicht genug damit, dass du dir mein ganzes Monatsgeld einsteckst und deinen Vorteil aus mir ziehst, bekomme ich von allem nur die Reste!" Bei ihrer Pflegemutter wurde aus der Beschämung Zorn, und sie schimpfte: „Du undankbares Ding! Kein Wunder, wenn die Leute sagen, eine Schauspielerin, mit der gut auszukommen ist, die gibt es nicht. Wie gut ein Mensch auch sein mag, in diesem Gewerbe wird er verdorben. Du kleines Stück Dreck wirst hier frech und geiferst wie ein bissiges Maultier!" Als sich die beiden so in den Haaren lagen, schickte Dufthauch sofort jemand mit der Aufforderung: „Hört auf zu streiten! Kaum seht ihr, dass die Herzoginmutter nicht im Hause ist, bekommt ihr kein ruhiges Wort mehr über die Lippen!" Heitermuster aber sagte: „Das liegt nur an Duftblümchen, die unverschämt ist und sich wer weiß wie aufführt. Da kann sie nun ein paar Opern singen, aber sie benimmt sich, als hätte sie zumindest einen Räuberhäuptling getötet oder einen Aufrürer gefangen!" „Eine Hand allein kann nicht klatschen", entgegnete Dufthauch. „Die Alte ist ungerecht, und die Kleine ist boshaft." „Duftblümchen kann man keinen Vorwurf machen", mischte Schatzjade sich ein. „Von alters her heißt es: 'Gegen Ungerechtigkeit erhebt ein jedes seine Stimme.' Sie lebt hier ohne Verwandte und Angehörige, niemand kümmert sich um sie, und dann wird ihr nicht nur ihr Geld vorenthalten, sie wird auch noch schlecht behandelt. Was gibt es da noch zu wundern?" Dann wandte er sich an Dufthauch und fragte: „Wieviel Geld bekommt sie im Monat? Ist es nicht das Beste, wenn in Zukunft du ihr Geld bekommst und dich um sie kümmerst? Das würde die Sache einfacher machen." „Natürlich kann ich mich um sie kümmern", stimmte Dufthauch ihm zu. „Aber wenn ich mich erst um sie kümmere, wenn ich ihre paar Kröten bekomme, gebe ich den Leuten nur einen Grund, die Zunge zu wetzen." Mit diesen Worten stand sie auf, ging in das andere Zimmer und holte von dort eine Flasche parfümiertes Öl, außerdem Hühnerieier, Duftseife und Haarbäender. Dann befahl sie einer der alten Dienerinnen, alles Duftblümchen zu bringen und ihr zu sagen, sie solle sich frisches Wasser geben lassen und sich die Haare allein waschen, anstatt zu zanken.

Das aber beschämte und erzürnte Duftblümchens Pflegemutter erst recht. Sie behauptete, Duftblümchen habe kein Herz im Leibe, und schrie sie an: „Du behauptest also, dass ich mir dein Geld einstecke?" Dann versetzte sie ihr ein paar Püffe, und Duftblümchen begann zu heulen. Nun wollte Schatzjade hinausgehen, aber Dufthauch redete ihm rasch beschwichtigend zu: „Was soll das? Ich gehe und sage ihr einiges." Doch schon war ihr Heitermuster zuvorgekommen. Sie wies mit dem Finger auf Duftblümchens Pflegemutter und sagte: „Du bist aber auch zu unverschämt, alte Frau! Du gibst ihr nicht, was sie zur Haarwäsche braucht, und wenn wir es ihr geben, hast du noch die Stirn, sie zu schlagen, anstatt dich zu schämen. Hättest du das wohl auch gewagt, wenn sie noch Schauspielunterricht hätte?" „Wer mich einen Tag Mutter nennt, bleibt sein Leben lang mein Kind", erwiderte die Alte, „und wenn sie mir frech kommt, dann kriegt sie Schläge." Nun rief Dufthauch Sheyü zu sich und sagte: „Ich habe nicht das Zeug, mich mit den Leuten herumzustreiten, und Heitermuster ist zu heißblütig, also geh du schnell hin und setz die Alte ein bisschen unter Druck!" Sofort eilte Sheyü hinüber und sagte: „Schrei hier nicht! Ich frage dich: Wo hast du hier im ganzen Garten, nicht nur bei uns, je gesehen, dass jemand in den Räumen der Herrschaft seiner Tochter eine Belehrung erteilt? Selbst wenn es deine leibliche Tochter wäre, sobald sie einem Raum zugeteilt ist und eine Herrschaft hat, ist die Herrschaft dafür da, sie zu schlagen und zu schelten, und in zweiter Linie tun dies die älteren Zofen. Wer würde wohl den Eltern erlauben, sich da einzumischen und sich um jede Kleinigkeit zu kümmern? Wenn das alle so machen wollten, wie sollten denn da die Mädchen etwas lernen von uns? Je älter du wirst, desto mehr vergisst du wohl die Anstandsregeln! Neulich hast du gesehen, wie Zhui-ers Mutter gezankt hat, und jetzt musst du das nachmachen, wie? Nur keine Sorge! Nur weil die ganze Zeit über mal die krank war und mal der und weil die Herzoginmutter keine Zeit hatte, habe ich das noch nicht gemeldet. Wenn in ein paar Tagen die sorglose Zeit ihr Ende hat, werden wir alles melden, und wenn dann alle ihre kalte Dusche weghaben, wird es wohl besser werden. Eben erst fühlt sich Schatzjade ein wenig wohler, und nicht einmal wir wagen es, laut zu sprechen, du aber schlägst das Kind, dass es heult wie ein Wolf und brüllt wie ein Teufel. Sobald die oben für einige Zeit nicht im Hause sind, gelten bei euch weder Recht noch Gesetz, und wir sind in euren Augen einfach nicht da. Noch ein paar Tage, dann werden auch wir von euch Schläge bekommen. Was soll sie mit einer Pflegemutter wie dir? Wird sie ohne dich im Dreck umkommen, oder was?"

Schatzjade trommelte indessen mit seinem Stock auf die Türschwelle und sagte: „Bei diesen alten Weibern ist das Herz aus Eisen und das Innere aus Stein, ein rechtes Wunder ist das. Anstatt für die Kinder zu sorgen, quälen sie sie. Was soll das auf die Dauer noch werden?" „Was das werden soll?" fiel Heitermuster ein. „Rausschmeissen muss man sie alle, diese tauben Nüsse!" Die Alte wollte vor Scham fast vergehen und brachte kein Wort über die Lippen. Duftblümchen aber stand daneben, nur mit einer kurzen dunkelrosa Wattejacke und einer dünn gefütterten Seidenhose mit Streublumenmuster bekleidet, die an den Fussgelenken nicht zugeschnürt war. Ihr glänzend schwarzes Haar hing lose herab, und sie weinte zum Steinerweichen. Lächelnd bemerkte Sheyü: „Aus Fräulein Yingying ist die geprüglte Hongniang geworden! Nur ungepudert ist sie und schlampig angezogen." „Sie sieht gut aus, so wie sie ist, und braucht sich nicht zurechtzumachen", widersprach Schatzjade. Nun trat Heitermuster zu ihr heran, zog sie mit sich, wusch ihr das Haar und drückte mit einem Handtuch das Wasser aus. Dann schlang sie ihr das Haar zu einem losen Knoten zusammen und befahl ihr, sie solle sich wieder anziehen und dann herüberkommen.

Inzwischen erschien eine Köchin und meldete: „Das Abendessen ist fertig. Soll es gebracht werden?" Eines der kleineren Zöfchen ging hinein, um Dufthauch danach zu fragen, die darauf lächelnd erwiderte: „Über dem Krach eben habe ich gar nicht darauf geachtet, wie oft die Uhr geschlagen hat." „Mit dem Ding ist wieder mal was", warf Heitermuster ein, „sie muss erst in Ordnung gebracht werden." Sie holte ihre Taschenuhr hervor und schaute nach der Zeit, dann sagte sie: „So lange noch, wie man für eine halbe Schale Tee braucht, dann ist es recht." Das kleine Zöfchen ging wieder hinaus. Sheyü aber sagte lächelnd: „Duftblümchen war doch ungezogen und hat Schläge verdient. Gestern hat sie wer weiß wie lange an dem Pendel gespielt und die Uhr kaputt gemacht." Während sie das sagte, hatte sie den Tisch gedeckt, und wenig später brachten die kleineren Zöfchen die Speiseschachteln herein und nahmen damit Aufstellung. Heitermuster und Sheyü entfernten die Deckel von den Schachteln und stellten fest, dass es wieder nur viererlei Eingelegtes war. Lächelnd beklagte sich Heitermuster: „Wo er doch wieder gesund ist, könnten sie auch ein paar leichte Fleischgerichte für ihn schicken. Wie lange soll das noch weitergehen mit Reissuppe und Salzgemüse?" Als sie die Schüsseln auf den Tisch stellte, entdeckte sie, dass auch eine Schale mit Suppe aus Schinken und frischen Bambussprossen in einer der Schachteln war. Rasch stellte sie Schatzjade die Suppe hin, und er schlürfete davon, ohne die Schale hochzuheben. „Ist das heiß!" sagte er. „Warum bist du auch so gierig, kaum dass du ein paar Tage fleischlose Kost essen musstest?" sagte Dufthauch lächelnd. Dann nahm sie die Schale rasch hoch und blies vorsichtig auf die Suppe. Als ihr Blick dabei auf Duftblümchen fiel, die an der Seite stand, reichte sie ihr die Schale und forderte sie lächelnd auf: „Hier, du kannst auch ein bisschen aufwarten lernen, anstatt immer nur Maulaffen feilzuhalten! Aber blas vorsichtig, damit du nicht hineinspuckst!" Duftblümchen tat, wie ihr geheißen war, und blies mehrmals auf die Suppe, ganz wie es sich gehört.

Ihre Pflegemutter aber hatte sich rasch der Reisschüssel bemächtigt und wartete damit vor der Tür. Diese Frau war seinerzeit Duftblümchens Pflegemutter geworden, gleich nachdem Duftblümchen mit den anderen Mädchen zusammen hierher gekommen war, und war dann mit in den Birnendufthof gezogen. Ursprünglich aber war sie nur eine drittklassige Bedienstete aus dem Prunkwille-Anwesen, die hier lediglich Wäsche hatte waschen dürfen, ohne jemals in den inneren Teil des Anwesens zu kommen. Darum kannte sie auch nicht die Anstandsregeln, die hier galten. Jetzt aber hatte sie das Glück gehabt, mit Duftblümchen zusammen in den Garten zu kommen und hier einem Haus zugeteilt zu werden. Erst auf Sheyüs Vorhaltungen hin war ihr einiges klar geworden, und nun hatte sie Angst, sie würde mancherlei einbüssen, wenn Duftblümchen sich von ihr lossagte. Darum hatte sie nur den einen Wunsch, die anderen umzustimmen. Als sie sah, wie Duftblümchen die Suppe blies, stürzte sie ins Zimmer und sagte lächelnd: „Sie ist nicht geuebt darin und wird noch die Schale zerschlagen. Lasst mich das machen!" Und während sie das sagte, nahm sie auch schon Duftblümchen die Suppenschale ab. „Raus!" schrie Heitermuster sie an. „Auch wenn sie die Schale zerschlägt, hast du hier nichts zu blasen. Was suchst du hier drinnen? Raus mit dir!" Dann beschimpfte sie die kleineren Zöfchen: „Seid ihr noch bei Trost? Wenn sie das nicht wusste, hättet ihr es ihr sagen müssen!" „Wir haben sie weggeschickt, aber sie ist nicht gegangen", verteidigten sich die kleineren Zöfchen. „Und als wir es ihr gesagt haben, wollte sie uns nicht glauben. Dafür werden wir jetzt mit hineingezogen. — Glaubst du uns nun endlich, dass die Räume, zu denen wir Zutritt haben, dir nur zur Hälfte offen stehen, während die andere Hälfte für dich gesperrt ist? Aber nicht genug damit, dass du einen Raum betrittst, den nicht einmal wir betreten dürfen, setzt du dort auch noch Hände und Mund in Bewegung!" Mit diesen Worten schoben sie sie hinaus. Draußen empfingen sie die alten Dienerinnen, die unten an der Treppe auf die leeren Speiseschachteln und das Geschirr warteten, lächelnd mit der Frage: „Konntest du nicht in einen Spiegel sehen, ehe du dort hineingehst, Schwägerin?" Beschämt und wütend zugleich musste es die Alte erdulden.

Nachdem Duftblümchen noch ein paarmal geblasen hatte, sagte Schatzjade lächelnd: „Das wird genug sein. Pass auf, dass du nicht außer Atem kommst! Koste mal, ob es jetzt gut ist!" Duftblümchen hielt dies für einen Scherz und schaute unglaueubig lächelnd nach Dufthauch und den anderen. Dufthauch aber sagte: „So koste doch! Was hindert dich?" „Schau, wie ich koste!" sagte Heitermuster lächelnd und nahm einen Schluck. Nun kostete auch Duftblümchen und bestätigte: „Jetzt ist es gut." Und sie reichte Schatzjade die Schale. Schatzjade trank die Suppe zur Hälfte aus, dann nahm er noch ein paar Scheiben Bambussprosse und eine halbe Schale dünne Reissuppe zu sich, und damit hatte er genug. Die Mädchen räumten den Tisch ab und schafften alles hinaus. Nachdem die kleineren Zöfchen die Waschschüssel gebracht hatten und Schatzjade sich den Mund gespült und die Hände gewaschen hatte, ging Dufthauch mit den anderen hinaus, um zu essen.

Schatzjade gab Duftblümchen einen Wink mit den Augen, und Duftblümchen, die von Natur aus ein aufgewecktes Ding war und obendrein ein paar Jahre die Schauspielerei gelernt hatte, so dass sie alles verstand, gab vor, sie habe Kopfschmerzen und wolle nichts essen. „Wenn du nichts isst, bleibst du zur Gesellschaft hier im Zimmer!" wies Dufthauch sie an. „Ich lasse dir die Reissuppe hier, die kannst du essen, wenn du nachher doch Hunger hast." Damit gingen sie alle hinaus.

Schatzjade blieb mit Duftblümchen allein zurück. Nun erzählte er ihr in allen Einzelheiten, wie er erst den Feuerschein gesehen hatte und dann Lotoswürzlein, wie er gelogen hatte, um sie zu decken, und wie sie ihn geheißen hatte, sich bei ihr, Duftblümchen, zu erkundigen. Dann fragte er: „Wem hat sie das Opfer gebracht?" Duftblümchen hatte bei seiner Erzählung erst über das ganze Gesicht gelächelt, jetzt aber seufzte sie und sagte: „Die Sache ist lächerlich und traurig zugleich." „Wieso?" fragte Schatzjade sofort. Lächelnd fuhr Duftblümchen fort: „Wem sie das Opfer gebracht hat, willst du wissen? Der verstorbenen Diguan." „Wenn sie mit ihr befreundet war, muss sie ihr auch Opfer bringen", sagte Schatzjade. „Was heißt befreundet?" fragte Duftblümchen. „Sie ist ein törichtes Ding. Weil sie selbst die jungen Männer gespielt hat und Diguan die jungen Mädchen, mussten sie oft als Mann und Frau auftreten. Das war nur Spiel, aber sie waren dabei immer so voller Liebe und Fürsorge füreinander, dass es ihnen schließlich zu Kopf gestiegen ist. Nun waren sie bei allem unzertrennlich, auch wenn sie nicht auf der Bühne standen. Als Diguan starb, hat Lotoswürzlein sich fast zu Tode geweint. Bis heute hat sie sie nicht vergessen und verbrennt zu jedem Festtag Opferpapier. Als dann Blütenstäubchen die Stelle von Diguan einnahm und wir sahen, dass Lotoswürzlein zu ihr genauso lieb und zärtlich war, haben wir sie gefragt, ob sie ihre alte Liebe über der neuen vergessen habe. Aber sie hat gesagt, sie handle nach einem gewichtigen Grundsatz. Auch wenn einem Mann die Frau sterbe, heirate er erneut, und das müsse auch sein. Wenn er nur die Tote nicht vergesse, seien seine Gefühle tief und seine Gedanken ernst. Wenn er um der Toten willen bis ans Ende seiner Tage allein bleibe, verstosse er gegen ein wichtiges Prinzip und tü Unrecht, wodurch auch die Tote nicht in Frieden ruhen würde. — Sag selbst, ist das nicht verrückt? Und ist es vielleicht nicht zum Lachen?"

Aber die Verrücktheit, von der sie berichtet hatte, passte so ganz zu Schatzjades eigener Verrücktheit. Ungewollt überkamen ihn Freude und Schmerz, und er empfand die Sache als etwas ganz Einzigartiges. „Warum musste ich bärtiger Dummkopf die Welt beschmutzen, wenn der Himmel solche Menschen hervorzubringen vermag?" fragte er. Dann fasste er Duftblümchen beim Ärmel und sagte: „Wenn das so ist, habe ich ihr auch etwas zu sagen. Aber es wäre nicht das Richtige, ihr das von Angesicht zu Angesicht zu sagen, darum musst du es ihr ausrichten." „Was ist es?" wollte Duftblümchen wissen. „Sie soll in Zukunft auf keinen Fall mehr Opfergeld verbrennen", sagte Schatzjade. „Dieses Opfergeld ist eine späte Verirrung und kein Vermächtnis des Konfuzius. In Zukunft soll sie zu den entsprechenden Tagen einfach ein Räuchergefäss aufstellen und dann beliebigen Weihrauch darin verbrennen. Wenn sie das reinen Herzens und ergebenen Sinnes tut, verfehlt es nicht seinen Zweck. Die dummen Menschen wissen das nicht und müssen unbedingt den Geistern, den Buddhas und den Toten verschiedene Opfer bringen, jedem nach seinem Rang. Dabei ist das einzig Wichtige daran das aufrichtige Herz. Wenn man bedrängt und in Eile ist und hat nicht einmal Weihrauch zur Hand, dann können auch Erde und Gras als Opfergaben dienen, wenn sie nur sauber sind. Nicht nur die Toten nehmen diese Gaben an, Götter und Geister tun es ebenso. Siehst du das Räuchergefäss auf dem Tisch? Darin brenne ich Weihrauch ab, ohne mich an die Festtage zu halten. Die anderen wissen nicht, warum ich das tü, in meinem Herzen aber folge ich stets einem Grund. Wenn ich frischen Tee habe, stelle ich ein Schälchen voll dazu, sonst auch frisches Wasser, frische Blumen oder frisches Obst, sogar Suppe und Fleisch. Wenn nur das Herz dabei aufrichtig ist und der Sinn ergeben, wird selbst Buddha das Opfer nicht verschmähen. Darum sagt man: 'Auf die Ergebenheit kommt es an, nicht auf leere Worte.' Und so richte ihr aus, sie soll in Zukunft keine Papieropfer mehr bringen!" Duftblümchen versprach es ihm. Bald nachdem sie dann gegessen hatte, wurde gemeldet: „Die Herzoginmutter und die gnädige Frau sind zurück."

Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt.

  1. Chin. 探春 Tànchūn — dritte Tochter Aufrecht Kaufmanns.
  2. Chin. 老太妃 Lǎo Tàifēi — eine betagte kaiserliche Nebenfrau. Ihr Tod löst umfassende Staatstrauer aus.
  3. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ — die Matriarchin der Familie Kaufmann.
  4. Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén — Begnadigung Kaufmannen Hauptfrau.
  5. Chin. 王夫人 Wáng Fūrén — Aufrecht Kaufmanns Hauptfrau.
  6. Chin. 尤氏 Yóu Shì — Kaufmann Kostbars Ehefrau, Herrin des Stillfriede-Anwesens.
  7. Chin. 孝慈县 Xiàocí Xiàn — fiktiver Ort des kaiserlichen Mausoleums.
  8. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Kostbarer Kaufmann" — Oberhaupt des Stillfriede-Anwesens.
  9. Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā — Dame Königs Schwester.
  10. Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi — Tante Schnees Tochter.
  11. Chin. 邢岈烟 Xíng Xiùyān. 岈 xiù „Berghöhle“; 烟 yān „Nebel/Rauch“. Nichte von Dame Strafe.
  12. Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù — Schatzjades Cousine und Seelenverwandte.
  13. Chin. 梨香院 Líxiāng Yuàn — der Hof, in dem die Theatertruppe untergebracht war.
  14. Chin. 芳官 Fāngguān. 芳 fāng „Duft/Blüte“.
  15. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù — der Protagonist des Romans.
  16. Chin. 蕊官 Ruǐguān. 蕊 ruǐ „Staubbeutel/Blütenstaub“.
  17. Chin. 藕官 Ōuguān. 藕 ōu „Lotos(wurzel)“; 官 guān Bühnennamen-Suffix.
  18. Chin. 葵官 Kuíguān. 葵 kuí „Sonnenblume“.
  19. Chin. 艾官 Àiguān. 艾 ài „Beifuß“.
  20. Chin. 清明节 Qīngmíng Jié — das Totengedenkfest, an dem man die Gräber der Ahnen besucht.
  21. Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn — Begnadigung Kaufmannen Sohn, Phönixglanz' Ehemann.
  22. Chin. 铁槛寺 Tiě Kǎn Sì — ein buddhistisches Kloster der Familie Kaufmann.
  23. Chin. 袭人 Xīrén — Schatzjades Hauptzofe.