Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 94"

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(DE4 (Woesler 4. Aufl.): Kapitel 94 mit Navigation und Fussnoten)
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Vierundneunzigstes Kapitel
 
Vierundneunzigstes Kapitel
  
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Durch den Verlust der Jade offenbart sich ein unheilvolles Omen
 
Durch den Verlust der Jade offenbart sich ein unheilvolles Omen
  
Wie berichtet, hatte Lai Da den jungen Jia Qin herausgebracht, und die Nacht verging ohne Vorkommnisse, man wartete still auf Kaufmann Aufrechts [贾政] Rückkehr. Die Nonnen und Daistinnen, die man wieder in den Garten gebracht hatte, freuten sich ungemein und wollten überall umherspazieren, da sie am nächsten Tag in den Palast geschickt werden sollten. Doch Lai Da wies die Gartenaufseherinnen und die Burschen an, sie zu bewachen. Man gab ihnen zwar zu essen, doch keinen einzigen Schritt durften sie tun. Die Mädchen begriffen gar nicht, was mit ihnen geschah, und mussten sich einfach hinsetzen und bis zum Morgengrauen warten. Die Dienstmädchen im Garten hatten zwar alle davon gehört, dass man die Nonnen hereingeholt und sie für den Palastdienst vorbereitet hatte, doch die näheren Hintergründe kannten sie nicht.
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Wie berichtet, hatte Lai Da den jungen Jia Qin herausgebracht, und die Nacht verging ohne Vorkommnisse, man wartete still auf Kaufmann Aufrechts <ref>Chinesisch: 贾政</ref> Rückkehr. Die Nonnen und Daistinnen, die man wieder in den Garten gebracht hatte, freuten sich ungemein und wollten überall umherspazieren, da sie am nächsten Tag in den Palast geschickt werden sollten. Doch Lai Da wies die Gartenaufseherinnen und die Burschen an, sie zu bewachen. Man gab ihnen zwar zu essen, doch keinen einzigen Schritt durften sie tun. Die Mädchen begriffen gar nicht, was mit ihnen geschah, und mussten sich einfach hinsetzen und bis zum Morgengrauen warten. Die Dienstmädchen im Garten hatten zwar alle davon gehört, dass man die Nonnen hereingeholt und sie für den Palastdienst vorbereitet hatte, doch die näheren Hintergründe kannten sie nicht.
  
 
Am nächsten Morgen wollte Kaufmann Aufrecht gerade aus dem Amt nach Hause kommen, als ihm die Abteilung zwei Abrechnungsbücher über den Festungsbau in den Provinzen vorlegte, die sofort geprüft werden mussten. Er konnte daher nicht gleich heimkehren und schickte jemanden zurück, der Jia Lian ausrichten sollte: „Wenn Lai Da zurückkommt, musst du die Sache gründlich nachprüfen. Was immer zu tun ist, tu es, ohne auf mich zu warten."
 
Am nächsten Morgen wollte Kaufmann Aufrecht gerade aus dem Amt nach Hause kommen, als ihm die Abteilung zwei Abrechnungsbücher über den Festungsbau in den Provinzen vorlegte, die sofort geprüft werden mussten. Er konnte daher nicht gleich heimkehren und schickte jemanden zurück, der Jia Lian ausrichten sollte: „Wenn Lai Da zurückkommt, musst du die Sache gründlich nachprüfen. Was immer zu tun ist, tu es, ohne auf mich zu warten."
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Am Abend kam Kaufmann Aufrecht nach Hause, und Jia Lian sowie Lai Da erstatteten ihm Bericht. Kaufmann Aufrecht war kein Mann, der unnötig Ärger suchte, und ließ die Sache auf sich beruhen. Nur die Taugenichtse und Nichtsnutze der Stadt hatten gehört, dass das Haus Jia vierundzwanzig junge Mädchen entlassen hatte, und jeder stellte sich vor, eine davon zu ergattern. Ob diese Mädchen je nach Hause gelangten oder nicht, ist unbekannt und soll hier nicht weiter ausgemalt werden.
 
Am Abend kam Kaufmann Aufrecht nach Hause, und Jia Lian sowie Lai Da erstatteten ihm Bericht. Kaufmann Aufrecht war kein Mann, der unnötig Ärger suchte, und ließ die Sache auf sich beruhen. Nur die Taugenichtse und Nichtsnutze der Stadt hatten gehört, dass das Haus Jia vierundzwanzig junge Mädchen entlassen hatte, und jeder stellte sich vor, eine davon zu ergattern. Ob diese Mädchen je nach Hause gelangten oder nicht, ist unbekannt und soll hier nicht weiter ausgemalt werden.
  
Wenden wir uns nun Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurner Kuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.</ref> [紫鹃] zu: Da es Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade" / „Schwarzaugenbrauen-Jade".</ref> [林黛玉] allmählich besser ging und im Garten nichts Besonderes los war, hörte sie, dass die Nonnen für den Palastdienst vorbereitet wurden. Neugierig, was dahintersteckte, ging sie zu den Gemächern der Herzoginmutter [贾母], um sich zu erkundigen. Dort traf sie zufällig auf Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenten-Paar". Erste Zofe der Herzoginmutter.</ref> [鸳鸯], die gerade heruntergekommen war und nichts zu tun hatte. Die beiden setzten sich und plauderten, und Purpurkuckuck erwähnte die Nonnen. Mandarinenente war erstaunt: „Davon habe ich gar nichts gehört! Ich werde die Zweite Herrin Lian nachher fragen, dann weiß ich Bescheid."
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Wenden wir uns nun Purpurkuckuck <ref>Chinesisch: 紫鹃</ref> zu: Da es Kajaljade <ref>Chinesisch: 林黛玉</ref> allmählich besser ging und im Garten nichts Besonderes los war, hörte sie, dass die Nonnen für den Palastdienst vorbereitet wurden. Neugierig, was dahintersteckte, ging sie zu den Gemächern der Herzoginmutter <ref>Chinesisch: 贾母</ref>, um sich zu erkundigen. Dort traf sie zufällig auf Mandarinenente <ref>Chinesisch: 鸳鸯</ref>, die gerade heruntergekommen war und nichts zu tun hatte. Die beiden setzten sich und plauderten, und Purpurkuckuck erwähnte die Nonnen. Mandarinenente war erstaunt: „Davon habe ich gar nichts gehört! Ich werde die Zweite Herrin Lian nachher fragen, dann weiß ich Bescheid."
  
Gerade als sie so sprachen, kamen zwei Frauen aus dem Hause Fu Shi, um der Herzoginmutter ihre Aufwartung zu machen. Mandarinenente wollte sie hinaufbegleiten, doch da die Herzoginmutter gerade ihren Mittagsschlaf hielt, sagten die beiden Frauen nur ein paar Worte zu Mandarinenente und gingen wieder. Purpurkuckuck fragte: „Von wem waren die denn geschickt?" — Mandarinenente sagte: „Ach, die sind so lästig! Nur weil sie zu Hause ein hübsches Mädchen haben, kommen sie wie Händler mit einer Kostbarkeit und preisen ständig vor der Herzoginmutter, wie schön ihre Tochter sei, was für ein gutes Herz sie habe, wie vorbildlich ihre Manieren seien, wie knapp und treffend sie spreche, wie geschickt sie mit Nadel und Faden umgehe, wie gut sie schreiben und rechnen könne, wie ehrerbietig sie gegen die Älteren sei und wie freundlich gegen die Dienerschaft — jedesmal kommen sie mit so einer langen Litanei und erzählen das alles der Herzoginmutter. Mich ärgert das gewaltig. Diese alten Weiber sind wirklich unerträglich, aber unsere Herzoginmutter hört solche Dinge gerade gern. Und das ist noch nicht alles: Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> [宝玉], der sonst alte Weiber gar nicht leiden kann, macht ausgerechnet bei denen aus dem Hause Fu eine Ausnahme. Ist das nicht seltsam? Neulich kamen sie wieder und erzählten, dass für ihre Tochter schon viele Familien um die Hand angehalten hätten, aber ihr Herr wolle keinen annehmen und wolle nur in eine Familie wie die unsere einheiraten. Erst lobten sie, dann schmeichelten sie, und so haben sie das Herz der Herzoginmutter regelrecht aufgeweicht."
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Gerade als sie so sprachen, kamen zwei Frauen aus dem Hause Fu Shi, um der Herzoginmutter ihre Aufwartung zu machen. Mandarinenente wollte sie hinaufbegleiten, doch da die Herzoginmutter gerade ihren Mittagsschlaf hielt, sagten die beiden Frauen nur ein paar Worte zu Mandarinenente und gingen wieder. Purpurkuckuck fragte: „Von wem waren die denn geschickt?" — Mandarinenente sagte: „Ach, die sind so lästig! Nur weil sie zu Hause ein hübsches Mädchen haben, kommen sie wie Händler mit einer Kostbarkeit und preisen ständig vor der Herzoginmutter, wie schön ihre Tochter sei, was für ein gutes Herz sie habe, wie vorbildlich ihre Manieren seien, wie knapp und treffend sie spreche, wie geschickt sie mit Nadel und Faden umgehe, wie gut sie schreiben und rechnen könne, wie ehrerbietig sie gegen die Älteren sei und wie freundlich gegen die Dienerschaft — jedesmal kommen sie mit so einer langen Litanei und erzählen das alles der Herzoginmutter. Mich ärgert das gewaltig. Diese alten Weiber sind wirklich unerträglich, aber unsere Herzoginmutter hört solche Dinge gerade gern. Und das ist noch nicht alles: Schatzjade <ref>Chinesisch: 宝玉</ref>, der sonst alte Weiber gar nicht leiden kann, macht ausgerechnet bei denen aus dem Hause Fu eine Ausnahme. Ist das nicht seltsam? Neulich kamen sie wieder und erzählten, dass für ihre Tochter schon viele Familien um die Hand angehalten hätten, aber ihr Herr wolle keinen annehmen und wolle nur in eine Familie wie die unsere einheiraten. Erst lobten sie, dann schmeichelten sie, und so haben sie das Herz der Herzoginmutter regelrecht aufgeweicht."
  
 
Purpurkuckuck war einen Moment wie erstarrt, dann fragte sie mit gespieltem Gleichmut: „Wenn die Herzoginmutter so angetan ist, warum verlobt sie sie dann nicht gleich mit Schatzjade?" — Mandarinenente wollte gerade den wahren Grund nennen, als man von oben rief: „Die Herzoginmutter ist wach!" — Mandarinenente eilte sogleich hinauf.
 
Purpurkuckuck war einen Moment wie erstarrt, dann fragte sie mit gespieltem Gleichmut: „Wenn die Herzoginmutter so angetan ist, warum verlobt sie sie dann nicht gleich mit Schatzjade?" — Mandarinenente wollte gerade den wahren Grund nennen, als man von oben rief: „Die Herzoginmutter ist wach!" — Mandarinenente eilte sogleich hinauf.
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Purpurkuckuck hatte begonnen, für Kajaljade traurig zu sein, aber je mehr sie nachdachte, desto ratloser und verwirrter wurde sie selbst, bis sie ganz benommen war. Sie hätte Kajaljade gern geraten, sich nicht unnötig das Herz zu zermartern, fürchtete aber, sie damit aufzuregen. Und doch — konnte sie einfach tatenlos zusehen, wie ihre Herrin sich quälte? Sie grübelte hin und her, bis sie ärgerlich wurde und sich selbst schalt: „Warum machst du dir denn Sorgen für andere? Selbst wenn Fräulein Kajaljade wirklich Schatzjade heiraten würde — ihr Wesen ist ja doch schwer zufriedenzustellen. Und Schatzjades Charakter mag gut sein, aber er will von allem zu viel auf einmal. Ich rate anderen vergebens, sich nicht das Herz zu zermartern, und dabei zermartre ich mir meines! Von nun an werde ich mich ganz darauf beschränken, meiner Herrin treu zu dienen, und mich um alles andere nicht kümmern." So gefasst, fühlte sie sich innerlich ruhiger.
 
Purpurkuckuck hatte begonnen, für Kajaljade traurig zu sein, aber je mehr sie nachdachte, desto ratloser und verwirrter wurde sie selbst, bis sie ganz benommen war. Sie hätte Kajaljade gern geraten, sich nicht unnötig das Herz zu zermartern, fürchtete aber, sie damit aufzuregen. Und doch — konnte sie einfach tatenlos zusehen, wie ihre Herrin sich quälte? Sie grübelte hin und her, bis sie ärgerlich wurde und sich selbst schalt: „Warum machst du dir denn Sorgen für andere? Selbst wenn Fräulein Kajaljade wirklich Schatzjade heiraten würde — ihr Wesen ist ja doch schwer zufriedenzustellen. Und Schatzjades Charakter mag gut sein, aber er will von allem zu viel auf einmal. Ich rate anderen vergebens, sich nicht das Herz zu zermartern, und dabei zermartre ich mir meines! Von nun an werde ich mich ganz darauf beschränken, meiner Herrin treu zu dienen, und mich um alles andere nicht kümmern." So gefasst, fühlte sie sich innerlich ruhiger.
  
Sie kehrte zur Herberge am Xiaoxiang-Fluss zurück und fand Kajaljade allein auf dem Ofenbett sitzend vor, wie sie alte Gedichte und Texte durchsah. Kajaljade blickte auf, als Purpurkuckuck hereinkam, und fragte: „Wo warst du denn?" — Purpurkuckuck antwortete: „Ich habe die Schwestern besucht." — Kajaljade sagte: „Du warst wohl bei Schwester Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die einen überfällt/umweht". Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> [袭人]?" — Purpurkuckuck erwiderte: „Was hätte ich bei ihr zu suchen?" — Kajaljade dachte: „Warum habe ich das einfach so herausgesagt?" Sie schämte sich und schimpfte: „Wen du besuchst oder nicht, was geht mich das an! Geh und bring mir Tee."
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Sie kehrte zur Herberge am Xiaoxiang-Fluss zurück und fand Kajaljade allein auf dem Ofenbett sitzend vor, wie sie alte Gedichte und Texte durchsah. Kajaljade blickte auf, als Purpurkuckuck hereinkam, und fragte: „Wo warst du denn?" — Purpurkuckuck antwortete: „Ich habe die Schwestern besucht." — Kajaljade sagte: „Du warst wohl bei Schwester Dufthauch <ref>Chinesisch: 袭人</ref>?" — Purpurkuckuck erwiderte: „Was hätte ich bei ihr zu suchen?" — Kajaljade dachte: „Warum habe ich das einfach so herausgesagt?" Sie schämte sich und schimpfte: „Wen du besuchst oder nicht, was geht mich das an! Geh und bring mir Tee."
  
Purpurkuckuck lachte innerlich und ging hinaus, um den Tee einzugießen. Da hörte sie einen Tumult im Garten, konnte aber nicht erkennen, was los war. Während sie den Tee eingoss, schickte sie ein Mädchen hinaus, um nachzufragen. Die kam zurück und berichtete: „Die Begonien im Hof der Freude am Roten [怡红院] waren seit dem Frühjahr verwelkt, und niemand hatte sich um sie gekümmert. Gestern ging Schatzjade hin und sah, es sahen aus, als seien Knospen an den Zweigen. Keiner glaubte ihm, und man achtete nicht weiter darauf. Heute aber stehen die Begonien in voller Blüte! Alle sind ganz aufgeregt und strömen hin, um zu schauen. Sogar die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben sich von der Aufregung anstecken lassen und kommen, um die Blüten zu bewundern. Deshalb hat die Erste Herrin angeordnet, die Blätter in den Wegen zusammenzufegen, und die Leute schreien sich die Anweisungen zu."
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Purpurkuckuck lachte innerlich und ging hinaus, um den Tee einzugießen. Da hörte sie einen Tumult im Garten, konnte aber nicht erkennen, was los war. Während sie den Tee eingoss, schickte sie ein Mädchen hinaus, um nachzufragen. Die kam zurück und berichtete: „Die Begonien im Hof der Freude am Roten <ref>Chinesisch: 怡红院</ref> waren seit dem Frühjahr verwelkt, und niemand hatte sich um sie gekümmert. Gestern ging Schatzjade hin und sah, es sahen aus, als seien Knospen an den Zweigen. Keiner glaubte ihm, und man achtete nicht weiter darauf. Heute aber stehen die Begonien in voller Blüte! Alle sind ganz aufgeregt und strömen hin, um zu schauen. Sogar die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben sich von der Aufregung anstecken lassen und kommen, um die Blüten zu bewundern. Deshalb hat die Erste Herrin angeordnet, die Blätter in den Wegen zusammenzufegen, und die Leute schreien sich die Anweisungen zu."
  
Kajaljade hatte es ebenfalls gehört. Als sie erfuhr, dass die Herzoginmutter kam, wechselte sie ihre Kleidung und schickte Schneegans [雪雁] vor: „Wenn die Herzoginmutter da ist, sag mir sofort Bescheid." Schneegans war noch nicht lange fort, als sie schon hereingelaufen kam: „Die Herzoginmutter, die Gnädige Frau und viele andere sind schon da. Die Herrin möge sich beeilen!" — Kajaljade warf noch einen kurzen Blick in den Spiegel, strich sich rasch das Haar zurecht und ging dann, auf Purpurkuckuck gestützt, zum Hof der Freude am Roten. Die Herzoginmutter saß bereits auf Schatzjades Liegebett. Kajaljade grüßte: „Ich wünsche der Herzoginmutter Wohlergehen." Dann begrüßte sie die Damen Xing und Wang und wechselte Höflichkeiten mit Li Wan, Tanchun [探春], Xichun [惜春] und Xing Xiuyan [邢岫烟]. Nur Phönixglanz<ref>Phönixglanz: Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Strahlender Phönix".</ref> [王熙凤] war wegen ihrer Krankheit nicht gekommen. Shi Xiangyun war nach Hause gegangen, da ihr Onkel zum Dienstwechsel nach Peking zurückkehrte. Xue Baoqin war bei ihrer Schwester zu Hause. Die Schwestern der Familie Li waren von Frau Li aus dem Garten genommen worden, weil es dort zu unruhig war. So sah Kajaljade heute nur wenige.
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Kajaljade hatte es ebenfalls gehört. Als sie erfuhr, dass die Herzoginmutter kam, wechselte sie ihre Kleidung und schickte Schneegans <ref>Chinesisch: 雪雁</ref> vor: „Wenn die Herzoginmutter da ist, sag mir sofort Bescheid." Schneegans war noch nicht lange fort, als sie schon hereingelaufen kam: „Die Herzoginmutter, die Gnädige Frau und viele andere sind schon da. Die Herrin möge sich beeilen!" — Kajaljade warf noch einen kurzen Blick in den Spiegel, strich sich rasch das Haar zurecht und ging dann, auf Purpurkuckuck gestützt, zum Hof der Freude am Roten. Die Herzoginmutter saß bereits auf Schatzjades Liegebett. Kajaljade grüßte: „Ich wünsche der Herzoginmutter Wohlergehen." Dann begrüßte sie die Damen Xing und Wang und wechselte Höflichkeiten mit Li Wan, Tanchun <ref>Chinesisch: 探春</ref>, Xichun <ref>Chinesisch: 惜春</ref> und Xing Xiuyan <ref>Chinesisch: 邢岫烟</ref>. Nur Phönixglanz <ref>Chinesisch: 王熙凤</ref> war wegen ihrer Krankheit nicht gekommen. Shi Xiangyun war nach Hause gegangen, da ihr Onkel zum Dienstwechsel nach Peking zurückkehrte. Xue Baoqin war bei ihrer Schwester zu Hause. Die Schwestern der Familie Li waren von Frau Li aus dem Garten genommen worden, weil es dort zu unruhig war. So sah Kajaljade heute nur wenige.
  
 
Man unterhielt sich und lachte eine Weile und erörterte das seltsame Blühen der Begonien. Die Herzoginmutter sagte: „Diese Blumen öffnen sich eigentlich im dritten Monat. Jetzt haben wir zwar den elften Monat, aber weil die Jahreszeiten dieses Jahr spät kommen, ist es eigentlich erst der zehnte, der ›Kleine Frühling‹. Bei solch warmem Wetter können Blumen durchaus auch blühen." — Frau Wang pflichtete bei: „Die Herzoginmutter hat vieles erlebt und hat recht; es ist nichts Ungewöhnliches." — Die Dame Xing war nicht so überzeugt: „Ich hörte, diese Blumen waren schon ein ganzes Jahr verwelkt. Wie können sie jetzt auf einmal außer der Zeit blühen? Das muss einen Grund haben." — Li Wan lächelte: „Die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben beide recht. Nach meiner bescheidenen Vermutung steht Schatzjade eine frohe Nachricht bevor, und diese Blüte ist der Vorbote." — Tanchun schwieg zwar, dachte aber bei sich: „Das kann kein gutes Zeichen sein. Wer der Natur folgt, gedeiht; wer ihr widerstrebt, geht unter. Wenn Pflanzen das Schicksal kennen und außer der Zeit blühen, ist das ein Unheilszeichen." Doch sie behielt es für sich. Nur Kajaljade, die bei der Erwähnung einer frohen Nachricht innerlich aufhorchte, sagte freudig: „Es gab einst die Familie Tian, die besaß einen Dornbusch. Als die drei Brüder ihr Erbe teilten, verdorrte der Busch. Später bereuten die Brüder es, kamen wieder zusammen, und der Dornbusch ergrünte wieder. Das zeigt doch, dass auch Pflanzen dem Geschick der Menschen folgen. Jetzt, da Vetter Schatzjade sich fleißig seinen Studien widmet und der Onkel sich darüber freut, ist auch jener Baum wieder zum Leben erwacht." — Die Herzoginmutter und Frau Wang hörten es gern und sagten: „Fräulein Kajaljade hat das wunderbar verglichen! Was für ein sinnreicher Gedanke!"
 
Man unterhielt sich und lachte eine Weile und erörterte das seltsame Blühen der Begonien. Die Herzoginmutter sagte: „Diese Blumen öffnen sich eigentlich im dritten Monat. Jetzt haben wir zwar den elften Monat, aber weil die Jahreszeiten dieses Jahr spät kommen, ist es eigentlich erst der zehnte, der ›Kleine Frühling‹. Bei solch warmem Wetter können Blumen durchaus auch blühen." — Frau Wang pflichtete bei: „Die Herzoginmutter hat vieles erlebt und hat recht; es ist nichts Ungewöhnliches." — Die Dame Xing war nicht so überzeugt: „Ich hörte, diese Blumen waren schon ein ganzes Jahr verwelkt. Wie können sie jetzt auf einmal außer der Zeit blühen? Das muss einen Grund haben." — Li Wan lächelte: „Die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben beide recht. Nach meiner bescheidenen Vermutung steht Schatzjade eine frohe Nachricht bevor, und diese Blüte ist der Vorbote." — Tanchun schwieg zwar, dachte aber bei sich: „Das kann kein gutes Zeichen sein. Wer der Natur folgt, gedeiht; wer ihr widerstrebt, geht unter. Wenn Pflanzen das Schicksal kennen und außer der Zeit blühen, ist das ein Unheilszeichen." Doch sie behielt es für sich. Nur Kajaljade, die bei der Erwähnung einer frohen Nachricht innerlich aufhorchte, sagte freudig: „Es gab einst die Familie Tian, die besaß einen Dornbusch. Als die drei Brüder ihr Erbe teilten, verdorrte der Busch. Später bereuten die Brüder es, kamen wieder zusammen, und der Dornbusch ergrünte wieder. Das zeigt doch, dass auch Pflanzen dem Geschick der Menschen folgen. Jetzt, da Vetter Schatzjade sich fleißig seinen Studien widmet und der Onkel sich darüber freut, ist auch jener Baum wieder zum Leben erwacht." — Die Herzoginmutter und Frau Wang hörten es gern und sagten: „Fräulein Kajaljade hat das wunderbar verglichen! Was für ein sinnreicher Gedanke!"
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Gerade als man so sprach, kamen Jia She, Kaufmann Aufrecht, Jia Huan und Jia Lan herein, um die Blüten zu betrachten. Jia She sagte: „Meiner Meinung nach sollte man den Strauch fällen. Da ist ein Blumengeist am Werk." — Kaufmann Aufrecht erwiderte: „Wer das Seltsame sieht und sich nicht wundert, dem schadet es von selbst nicht. Man braucht ihn nicht zu fällen, man lässt ihn einfach." — Die Herzoginmutter hörte dies und sagte: „Was soll das Gerede? Hier ist ein freudiges Ereignis, warum redet ihr von Geistern und Spuk? Wenn es Glück bringt, so genießt es; wenn es Unglück ist, nehme ich es allein auf mich. Ich verbiete solch düsteres Geschwätz." — Kaufmann Aufrecht verstummte und zog sich mit Jia She verschämt zurück.
 
Gerade als man so sprach, kamen Jia She, Kaufmann Aufrecht, Jia Huan und Jia Lan herein, um die Blüten zu betrachten. Jia She sagte: „Meiner Meinung nach sollte man den Strauch fällen. Da ist ein Blumengeist am Werk." — Kaufmann Aufrecht erwiderte: „Wer das Seltsame sieht und sich nicht wundert, dem schadet es von selbst nicht. Man braucht ihn nicht zu fällen, man lässt ihn einfach." — Die Herzoginmutter hörte dies und sagte: „Was soll das Gerede? Hier ist ein freudiges Ereignis, warum redet ihr von Geistern und Spuk? Wenn es Glück bringt, so genießt es; wenn es Unglück ist, nehme ich es allein auf mich. Ich verbiete solch düsteres Geschwätz." — Kaufmann Aufrecht verstummte und zog sich mit Jia She verschämt zurück.
  
Die Herzoginmutter war bester Laune und ließ die Küche anweisen, eilig Wein und Speisen vorzubereiten, um gemeinsam die Blüten zu feiern. Sie befahl: „Schatzjade, Huan und Lan sollen jeder ein Gedicht zur Feier verfassen. Fräulein Kajaljade ist gerade erst genesen, lasst sie nicht anstrengen. Wenn sie Lust hat, kann sie euch beim Verbessern helfen." Zu Li Wan gewandt sagte sie: „Ihr alle trinkt mit mir Wein." — Li Wan antwortete mit „Ja" und wandte sich lachend an Tanchun: „Das ist alles deine Schuld!" — Tanchun protestierte: „Wir sollen doch gar keine Gedichte schreiben — was habe ich denn damit zu tun?" — Li Wan sagte: „Hast du nicht den Begonienbund gegründet? Jetzt wollen auch die echten Begonien dem Bund beitreten!" — Alle lachten.
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Die Herzoginmutter war bester Laune und ließ die Küche anweisen, eilig Wein und Speisen vorzubereiten, um gemeinsam die Blüten zu feiern. Sie befahl: „Schatzjade, Huan und Lan sollen jeder ein Gedicht zur Feier verfassen. Fräulein Kajaljade ist gerade erst genesen, lasst sie nicht anstrengen. Wenn sie Lust hat, kann sie euch beim Verbessern helfen." Zu Li Wan gewandt sagte sie: „Ihr alle trinkt mit mir Wein." — Li Wan antwortete mit „Ja" und wandte sich lachend an Tanchun: "Das ist alles deine Schuld!" — Tanchun protestierte: „Wir sollen doch gar keine Gedichte schreiben — was habe ich denn damit zu tun?" — Li Wan sagte: „Hast du nicht den Begonienbund gegründet? Jetzt wollen auch die echten Begonien dem Bund beitreten!" — Alle lachten.
  
 
Bald waren die Speisen aufgetragen, und man trank. Jeder bemühte sich, der Herzoginmutter mit heiteren Worten Freude zu machen. Schatzjade trat vor, schenkte Wein ein und dichtete stehend einen Vierzeiler, den er niederschrieb und der Herzoginmutter vorlas:
 
Bald waren die Speisen aufgetragen, und man trank. Jeder bemühte sich, der Herzoginmutter mit heiteren Worten Freude zu machen. Schatzjade trat vor, schenkte Wein ein und dichtete stehend einen Vierzeiler, den er niederschrieb und der Herzoginmutter vorlas:
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Schatzjade sah, dass die Herzoginmutter sich freute, und wurde noch heiterer. Da dachte er plötzlich: „Als Qingwen starb, verdorrte die Begonie in jenem Jahr. Jetzt blüht die Begonie wieder, und allen in unserem Hof geht es gut — nur Qingwen kann nicht wie die Blume sterben und wieder auferstehen." Sogleich schlug seine Fröhlichkeit in Trauer um. Dann fiel ihm aber ein, dass Qiaojie neulich gesagt hatte, Phönixglanz wolle Wu'er zu ihm schicken. Vielleicht blühten die Blumen ihretwegen? So wandelte sich seine Trauer wieder in Freude, und er scherzte und lachte wie zuvor.
 
Schatzjade sah, dass die Herzoginmutter sich freute, und wurde noch heiterer. Da dachte er plötzlich: „Als Qingwen starb, verdorrte die Begonie in jenem Jahr. Jetzt blüht die Begonie wieder, und allen in unserem Hof geht es gut — nur Qingwen kann nicht wie die Blume sterben und wieder auferstehen." Sogleich schlug seine Fröhlichkeit in Trauer um. Dann fiel ihm aber ein, dass Qiaojie neulich gesagt hatte, Phönixglanz wolle Wu'er zu ihm schicken. Vielleicht blühten die Blumen ihretwegen? So wandelte sich seine Trauer wieder in Freude, und er scherzte und lachte wie zuvor.
  
Die Herzoginmutter blieb noch eine gute Weile, dann kehrte sie, auf Perle [珍珠] gestützt, in ihre Gemächer zurück. Frau Wang und die anderen folgten. Da kam Friedchen [平儿] lachend entgegen und sagte: „Unsere Herrin hat gehört, dass die Herzoginmutter hier die Blüten bewundert. Sie konnte selbst nicht kommen und schickt mich, um der Herzoginmutter und den Gnädigen Frauen aufzuwarten. Außerdem schickt sie zwei Bahnen rote Seide, damit Herr Schatzjade die Blüten schmücken kann — als Glückwunsch." — Dufthauch [袭人] trat vor, nahm die Seide entgegen und zeigte sie der Herzoginmutter. Diese lachte: „Immer ist es Phönixglanz, die etwas Schönes einfällt! Stilvoll, originell und amüsant zugleich." — Dufthauch wandte sich lachend an Friedchen: „Richte Herrn Schatzjades Dank an die Zweite Herrin aus. Wenn es ein Freudenereignis gibt, freuen sich alle." — Die Herzoginmutter hörte das und rief: „Ach, jetzt fällt es mir ein! Phönixglanz mag krank im Bett liegen, aber sie denkt an alles, und ihr Geschenk ist treffend gewählt." So sprach sie und ging weiter, das Gefolge hinter sich.
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Die Herzoginmutter blieb noch eine gute Weile, dann kehrte sie, auf Perle <ref>Chinesisch: 珍珠</ref> gestützt, in ihre Gemächer zurück. Frau Wang und die anderen folgten. Da kam Friedchen <ref>Chinesisch: 平儿</ref> lachend entgegen und sagte: „Unsere Herrin hat gehört, dass die Herzoginmutter hier die Blüten bewundert. Sie konnte selbst nicht kommen und schickt mich, um der Herzoginmutter und den Gnädigen Frauen aufzuwarten. Außerdem schickt sie zwei Bahnen rote Seide, damit Herr Schatzjade die Blüten schmücken kann — als Glückwunsch." — Dufthauch <ref>Chinesisch: 袭人</ref> trat vor, nahm die Seide entgegen und zeigte sie der Herzoginmutter. Diese lachte: „Immer ist es Phönixglanz, die etwas Schönes einfällt! Stilvoll, originell und amüsant zugleich." — Dufthauch wandte sich lachend an Friedchen: „Richte Herrn Schatzjades Dank an die Zweite Herrin aus. Wenn es ein Freudenereignis gibt, freuen sich alle." — Die Herzoginmutter hörte das und rief: „Ach, jetzt fällt es mir ein! Phönixglanz mag krank im Bett liegen, aber sie denkt an alles, und ihr Geschenk ist treffend gewählt." So sprach sie und ging weiter, das Gefolge hinter sich.
  
 
Friedchen flüsterte Dufthauch zu: „Die Herrin sagt, diese Blüten seien seltsam. Du sollst rote Seide zurechtschneiden und daran hängen, damit es als gutes Omen gedeutet wird. Und gib in Zukunft keinen Anlass zu abergläubischem Gerede darüber." — Dufthauch nickte und begleitete Friedchen hinaus.
 
Friedchen flüsterte Dufthauch zu: „Die Herrin sagt, diese Blüten seien seltsam. Du sollst rote Seide zurechtschneiden und daran hängen, damit es als gutes Omen gedeutet wird. Und gib in Zukunft keinen Anlass zu abergläubischem Gerede darüber." — Dufthauch nickte und begleitete Friedchen hinaus.
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Nun war es so: Schatzjade hatte an diesem Tag bequem in einem gefütterten Rundmantel aus Pelz zu Hause geruht. Als er die Blüten sah, ging er immer wieder hinaus, schaute, bewunderte, seufzte und schwärmte, und alle Freuden und Leiden des Abschieds und Wiedersehens übertrug er auf diesen Strauch. Als er dann hörte, dass die Herzoginmutter kommen wollte, eilte er hinein und wechselte zu einem Fuchspelz-Pfeilärmelgewand, darüber eine Jacke aus dunklem Fuchsbein. In der Eile vergaß er, die Geisterhafte Jade umzuhängen. Als die Herzoginmutter gegangen war, zog er sich wieder um. Da bemerkte Dufthauch, dass an seinem Hals nichts hing, und fragte: „Wo ist die Jade?" — Schatzjade antwortete: „Vorhin beim hastigen Umkleiden habe ich sie abgenommen und auf den Ofenbett-Tisch gelegt. Ich habe sie nicht wieder umgehängt." — Dufthauch schaute auf den Tisch — keine Jade. Sie suchte überall, nirgends eine Spur. Kalter Schweiß brach ihr am ganzen Leib aus. Schatzjade sagte: „Keine Aufregung, sie muss im Zimmer sein. Fragt die anderen, dann wisst ihr es."
 
Nun war es so: Schatzjade hatte an diesem Tag bequem in einem gefütterten Rundmantel aus Pelz zu Hause geruht. Als er die Blüten sah, ging er immer wieder hinaus, schaute, bewunderte, seufzte und schwärmte, und alle Freuden und Leiden des Abschieds und Wiedersehens übertrug er auf diesen Strauch. Als er dann hörte, dass die Herzoginmutter kommen wollte, eilte er hinein und wechselte zu einem Fuchspelz-Pfeilärmelgewand, darüber eine Jacke aus dunklem Fuchsbein. In der Eile vergaß er, die Geisterhafte Jade umzuhängen. Als die Herzoginmutter gegangen war, zog er sich wieder um. Da bemerkte Dufthauch, dass an seinem Hals nichts hing, und fragte: „Wo ist die Jade?" — Schatzjade antwortete: „Vorhin beim hastigen Umkleiden habe ich sie abgenommen und auf den Ofenbett-Tisch gelegt. Ich habe sie nicht wieder umgehängt." — Dufthauch schaute auf den Tisch — keine Jade. Sie suchte überall, nirgends eine Spur. Kalter Schweiß brach ihr am ganzen Leib aus. Schatzjade sagte: „Keine Aufregung, sie muss im Zimmer sein. Fragt die anderen, dann wisst ihr es."
  
Dufthauch glaubte, Moschusmond [麝月] und die anderen hätten die Jade zum Spaß versteckt, und sagte lachend zu ihnen: „Ihr kleinen Dinger! Scherz ist Scherz, aber wo habt ihr dieses Ding versteckt? Wenn es wirklich verlorengeht, ist es mit uns allen vorbei!" — Moschusmond und die anderen erwiderten mit ernster Miene: „Was redest du da? Spaß ist Spaß und Lachen ist Lachen, aber so etwas ist kein Spiel. Rede keinen Unsinn! Du bist selbst ganz durcheinander. Überleg doch, wo du sie hingelegt hast! Jetzt beschuldigst du auch noch grundlos andere." — Dufthauch sah an ihren Gesichtern, dass es kein Spiel war, und rief angstvoll: „Himmel und alle Heiligen! Mein kleiner Herr! Wo habt Ihr sie nur gelassen?" — Schatzjade sagte: „Ich erinnere mich doch ganz genau, dass ich sie auf den Tisch gelegt habe. Sucht doch!"
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Dufthauch glaubte, Moschusmond <ref>Chinesisch: 麝月</ref> und die anderen hätten die Jade zum Spaß versteckt, und sagte lachend zu ihnen: „Ihr kleinen Dinger! Scherz ist Scherz, aber wo habt ihr dieses Ding versteckt? Wenn es wirklich verlorengeht, ist es mit uns allen vorbei!" — Moschusmond und die anderen erwiderten mit ernster Miene: „Was redest du da? Spaß ist Spaß und Lachen ist Lachen, aber so etwas ist kein Spiel. Rede keinen Unsinn! Du bist selbst ganz durcheinander. Überleg doch, wo du sie hingelegt hast! Jetzt beschuldigst du auch noch grundlos andere." — Dufthauch sah an ihren Gesichtern, dass es kein Spiel war, und rief angstvoll: „Himmel und alle Heiligen! Mein kleiner Herr! Wo habt Ihr sie nur gelassen?" — Schatzjade sagte: „Ich erinnere mich doch ganz genau, dass ich sie auf den Tisch gelegt habe. Sucht doch!"
  
 
Dufthauch, Moschusmond und die anderen wagten es nicht, irgend jemanden davon zu erzählen, und suchten heimlich in jedem Winkel. Den halben Tag dauerte es, doch nicht der geringste Hinweis fand sich. Sogar Koffer und Truhen wurden umgestülpt — es gab einfach nichts mehr, wo man hätte suchen können. Man begann, die Besucher vom Nachmittag zu verdächtigen. Dufthauch sagte: „Wer von denen auch immer hereinkam — jeder weiß doch, dass diese Jade so kostbar wie ein Leben ist! Wer würde es wagen, sie an sich zu nehmen? Bitte, sagt vorerst kein Wort davon und fragt überall unauffällig nach. Wenn eine der jungen Damen sie zum Spaß genommen hat, macht einen Kotau vor ihr und bittet sie zurück. Wenn eines der kleinen Mädchen sie gestohlen hat, fragt sie aus, aber meldet es nicht nach oben — egal, was wir dafür eintauschen müssen, tauscht sie ein. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn diese Jade wirklich verloren ist, wäre das schlimmer, als Schatzjade selbst zu verlieren!" — Moschusmond und Qiuwen wollten gerade losgehen, da eilte Dufthauch noch hinterher und rief: „Die Leute, die vorhin hier zum Essen waren, fragt lieber nicht zuerst. Wenn sich nichts ergibt und wir stattdessen einen Aufruhr verursachen, wird es nur schlimmer."
 
Dufthauch, Moschusmond und die anderen wagten es nicht, irgend jemanden davon zu erzählen, und suchten heimlich in jedem Winkel. Den halben Tag dauerte es, doch nicht der geringste Hinweis fand sich. Sogar Koffer und Truhen wurden umgestülpt — es gab einfach nichts mehr, wo man hätte suchen können. Man begann, die Besucher vom Nachmittag zu verdächtigen. Dufthauch sagte: „Wer von denen auch immer hereinkam — jeder weiß doch, dass diese Jade so kostbar wie ein Leben ist! Wer würde es wagen, sie an sich zu nehmen? Bitte, sagt vorerst kein Wort davon und fragt überall unauffällig nach. Wenn eine der jungen Damen sie zum Spaß genommen hat, macht einen Kotau vor ihr und bittet sie zurück. Wenn eines der kleinen Mädchen sie gestohlen hat, fragt sie aus, aber meldet es nicht nach oben — egal, was wir dafür eintauschen müssen, tauscht sie ein. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn diese Jade wirklich verloren ist, wäre das schlimmer, als Schatzjade selbst zu verlieren!" — Moschusmond und Qiuwen wollten gerade losgehen, da eilte Dufthauch noch hinterher und rief: „Die Leute, die vorhin hier zum Essen waren, fragt lieber nicht zuerst. Wenn sich nichts ergibt und wir stattdessen einen Aufruhr verursachen, wird es nur schlimmer."
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Frau Zhao hörte das und sagte triumphierend: „Wenn es doch draußen verloren wurde, warum beschuldigt man dann meinen Huan ..." — Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als Frau Wang sie anfuhr: „Wir besprechen hier gerade diese wichtige Sache, und du kommst mit deinem unwichtigen Gerede!" — Frau Zhao wagte kein Wort mehr. Schließlich erzählten Li Wan und Tanchun der Gnädigen Frau die ganze Geschichte von Anfang bis Ende. Frau Wang kamen vor Aufregung die Tränen. Sie wollte die Sache der Herzoginmutter melden und dann bei der Dame Xing nachforschen lassen, wer von deren Leuten an jenem Tag dabei gewesen war.
 
Frau Zhao hörte das und sagte triumphierend: „Wenn es doch draußen verloren wurde, warum beschuldigt man dann meinen Huan ..." — Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als Frau Wang sie anfuhr: „Wir besprechen hier gerade diese wichtige Sache, und du kommst mit deinem unwichtigen Gerede!" — Frau Zhao wagte kein Wort mehr. Schließlich erzählten Li Wan und Tanchun der Gnädigen Frau die ganze Geschichte von Anfang bis Ende. Frau Wang kamen vor Aufregung die Tränen. Sie wollte die Sache der Herzoginmutter melden und dann bei der Dame Xing nachforschen lassen, wer von deren Leuten an jenem Tag dabei gewesen war.
  
Phönixglanz hatte in ihrem Krankenbett ebenfalls von dem Verlust der Jade gehört. Als sie erfuhr, dass Frau Wang im Garten war, hielt sie es nicht länger aus und machte sich, auf Fenger [丰儿] gestützt, auf den Weg in den Garten. Sie kam gerade an, als Frau Wang aufbrechen wollte. Mit zarter Stimme grüßte Phönixglanz: „Die Gnädige Frau möge verzeihen." Schatzjade und die anderen begrüßten sie ebenfalls. Frau Wang sagte: „Du hast also auch davon gehört? Ist das nicht unbegreiflich? Eben war sie noch da, und nun ist sie verschwunden. Überlege einmal: Von allen Mädchen, angefangen bei denen der Herzoginmutter bis hin zu deiner Friedchen — wer hat keine sauberen Hände, wer ist zu einem bösen Streich fähig? Ich will es der Herzoginmutter melden und eine gründliche Untersuchung anordnen. Wenn wir die Jade nicht finden, hängt Schatzjades Leben am Faden." — Phönixglanz erwiderte: „Bei einem so großen Haushalt und so vielen Händen — das Sprichwort sagt: Man kennt das Gesicht, aber nicht das Herz. Aber wenn wir jetzt einen großen Aufruhr machen, weiß es jeder. Der Dieb bekommt Angst und zerstört den Beweis — die Jade selbst — um die Spur zu verwischen. Was dann? Meiner bescheidenen Meinung nach sollten wir bekanntgeben, Schatzjade habe die Jade angewidert weggeworfen und es sei nicht wichtig. Wir müssen es auch vor der Herzoginmutter und dem Herrn verschweigen. Insgeheim aber lassen wir überall nachforschen und herumfragen. So finden wir am Ende sowohl die Jade als auch den Schuldigen. Was meint die Gnädige Frau?" —
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Phönixglanz hatte in ihrem Krankenbett ebenfalls von dem Verlust der Jade gehört. Als sie erfuhr, dass Frau Wang im Garten war, hielt sie es nicht länger aus und machte sich, auf Fenger <ref>Chinesisch: 丰儿</ref> gestützt, auf den Weg in den Garten. Sie kam gerade an, als Frau Wang aufbrechen wollte. Mit zarter Stimme grüßte Phönixglanz: „Die Gnädige Frau möge verzeihen." Schatzjade und die anderen begrüßten sie ebenfalls. Frau Wang sagte: „Du hast also auch davon gehört? Ist das nicht unbegreiflich? Eben war sie noch da, und nun ist sie verschwunden. Überlege einmal: Von allen Mädchen, angefangen bei denen der Herzoginmutter bis hin zu deiner Friedchen — wer hat keine sauberen Hände, wer ist zu einem bösen Streich fähig? Ich will es der Herzoginmutter melden und eine gründliche Untersuchung anordnen. Wenn wir die Jade nicht finden, hängt Schatzjades Leben am Faden." — Phönixglanz erwiderte: „Bei einem so großen Haushalt und so vielen Händen — das Sprichwort sagt: Man kennt das Gesicht, aber nicht das Herz. Aber wenn wir jetzt einen großen Aufruhr machen, weiß es jeder. Der Dieb bekommt Angst und zerstört den Beweis — die Jade selbst — um die Spur zu verwischen. Was dann? Meiner bescheidenen Meinung nach sollten wir bekanntgeben, Schatzjade habe die Jade angewidert weggeworfen und es sei nicht wichtig. Wir müssen es auch vor der Herzoginmutter und dem Herrn verschweigen. Insgeheim aber lassen wir überall nachforschen und herumfragen. So finden wir am Ende sowohl die Jade als auch den Schuldigen. Was meint die Gnädige Frau?" —
  
 
Frau Wang überlegte eine ganze Weile und sagte dann: „Was du sagst, hat zwar Sinn, aber wie sollen wir es vor dem Herrn verbergen?" — Dann rief sie Jia Huan herbei und sagte: „Dein Bruder hat seine Jade verloren, und als man dich nur einmal danach fragte, hast du gleich alles herausgeschrien. Wenn der Dieb das hört und die Jade zerstört, bezahlst du mit deinem Leben!" — Jia Huan erschrak und weinte: „Ich wage es nie wieder!" — Frau Zhao hielt diesmal den Mund. Frau Wang wandte sich an die versammelten Mädchen: „Es muss noch Stellen geben, wo ihr nicht gesucht habt. Die Jade ist hier im Haus — wird sie wohl davonfliegen? Aber sucht leise! Dufthauch, ich gebe dir drei Tage. Wenn sie bis dahin nicht gefunden ist, lässt es sich wohl nicht mehr verheimlichen, und dann wird es für alle ungemütlich." — Damit bat sie Phönixglanz, sie zu begleiten, und machte sich auf den Weg zu Dame Xing, um weitere Nachforschungen zu verabreden.
 
Frau Wang überlegte eine ganze Weile und sagte dann: „Was du sagst, hat zwar Sinn, aber wie sollen wir es vor dem Herrn verbergen?" — Dann rief sie Jia Huan herbei und sagte: „Dein Bruder hat seine Jade verloren, und als man dich nur einmal danach fragte, hast du gleich alles herausgeschrien. Wenn der Dieb das hört und die Jade zerstört, bezahlst du mit deinem Leben!" — Jia Huan erschrak und weinte: „Ich wage es nie wieder!" — Frau Zhao hielt diesmal den Mund. Frau Wang wandte sich an die versammelten Mädchen: „Es muss noch Stellen geben, wo ihr nicht gesucht habt. Die Jade ist hier im Haus — wird sie wohl davonfliegen? Aber sucht leise! Dufthauch, ich gebe dir drei Tage. Wenn sie bis dahin nicht gefunden ist, lässt es sich wohl nicht mehr verheimlichen, und dann wird es für alle ungemütlich." — Damit bat sie Phönixglanz, sie zu begleiten, und machte sich auf den Weg zu Dame Xing, um weitere Nachforschungen zu verabreden.
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Wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel.
 
Wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel.
== Anmerkungen ==
 
<references />
 
  
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Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).
<div style="text-align: center; font-size: 0.9em; color: #666; margin-top: 20px;">
 
''Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).''
 
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Revision as of 12:48, 15 April 2026

Vierundneunzigstes Kapitel

Beim Begonienfest bestaunt die Herzoginmutter eine Geisterblüte, Durch den Verlust der Jade offenbart sich ein unheilvolles Omen

Wie berichtet, hatte Lai Da den jungen Jia Qin herausgebracht, und die Nacht verging ohne Vorkommnisse, man wartete still auf Kaufmann Aufrechts [1] Rückkehr. Die Nonnen und Daistinnen, die man wieder in den Garten gebracht hatte, freuten sich ungemein und wollten überall umherspazieren, da sie am nächsten Tag in den Palast geschickt werden sollten. Doch Lai Da wies die Gartenaufseherinnen und die Burschen an, sie zu bewachen. Man gab ihnen zwar zu essen, doch keinen einzigen Schritt durften sie tun. Die Mädchen begriffen gar nicht, was mit ihnen geschah, und mussten sich einfach hinsetzen und bis zum Morgengrauen warten. Die Dienstmädchen im Garten hatten zwar alle davon gehört, dass man die Nonnen hereingeholt und sie für den Palastdienst vorbereitet hatte, doch die näheren Hintergründe kannten sie nicht.

Am nächsten Morgen wollte Kaufmann Aufrecht gerade aus dem Amt nach Hause kommen, als ihm die Abteilung zwei Abrechnungsbücher über den Festungsbau in den Provinzen vorlegte, die sofort geprüft werden mussten. Er konnte daher nicht gleich heimkehren und schickte jemanden zurück, der Jia Lian ausrichten sollte: „Wenn Lai Da zurückkommt, musst du die Sache gründlich nachprüfen. Was immer zu tun ist, tu es, ohne auf mich zu warten."

Jia Lian nahm den Auftrag an und freute sich insgeheim für den jungen Qin. Dann überlegte er: „Wenn ich die Sache so erledige, dass sich gar nichts ergibt, wird der Herr misstrauisch. Am besten berichte ich der Zweiten Gnädigen Frau und hole mir von ihr einen Entschluss, nach dem ich handeln kann. Sollte es dem Herrn dann nicht recht sein, so trage wenigstens nicht ich allein die Verantwortung." So gefasst, ging er hinein zu Frau Wang und berichtete: „Gestern hat der Herr den anonymen Anschlag gesehen und war sehr erzürnt. Er ließ den jungen Qin sowie die Nonnen und Daistinnen herbeischaffen, um sie zu befragen. Heute hat der Herr keine Zeit, sich mit dieser unanständigen Angelegenheit zu befassen, und schickt mich, die Gnädige Frau zu fragen, wie wir verfahren sollen."

Frau Wang hörte dies und rief bestürzt: „Was soll man dazu sagen! Wenn der junge Qin sich wirklich so aufführt, kann er dann noch zu unserer Familie gehören? Aber auch der, der den Anschlag geklebt hat, ist abscheulich — kann man denn solches Zeug einfach so hinschreiben? Hast du den jungen Qin denn gefragt, ob das alles wahr ist?" — Jia Lian erwiderte: „Ich habe ihn eben befragt. Aber überlegen Sie, gnädige Frau: Selbst wenn er es getan hätte — würde ein Mensch denn zugeben, dass er so etwas Gemeines getan hat? Ich persönlich glaube allerdings, dass der junge Qin so etwas nicht wagen würde. Er weiß doch, dass diese Mädchen jederzeit für die Kaiserliche Gemahlin gerufen werden können. Wenn da ein Skandal herauskommt, was dann? Meiner bescheidenen Meinung nach wäre es nicht schwer, die Wahrheit herauszufinden, aber wenn sie tatsächlich herauskommt, was gedenkt die Gnädige Frau dann zu tun?" — Frau Wang fragte: „Wo sind die Mädchen jetzt?" — Jia Lian antwortete: „Sie sind alle im Garten eingeschlossen." — Frau Wang fragte: „Wissen die jungen Damen davon?" — Jia Lian sagte: „Die jungen Damen wissen wohl nur, dass die Mädchen für den Palast bereitgehalten werden. Nach außen hin ist nichts anderes verlautet."

Frau Wang sagte: „Ganz recht so. Diese Geschöpfe dürfen keinen Augenblick länger bleiben. Ich wollte sie schon vorher wegschicken, aber ihr sagtet alle, man solle sie behalten. Ist jetzt nicht genau der Ärger eingetreten, den ich vorhergesagt hatte? Sag Lai Da, er solle sie der Reihe nach befragen, ob sie in der Heimat noch Verwandte haben. Dann suche ihre Verträge heraus, gib ein paar Dutzend Tael Silber aus, miete ein Boot, schicke einen zuverlässigen Menschen mit und bringe sie alle in ihre Heimat zurück. Gib ihnen ihre Verträge mit, und damit ist die Sache erledigt. Wegen ein oder zwei schwarzer Schafe alle zum Austritt aus dem Klosterleben zu zwingen, das wäre eine Sünde. Und wenn wir sie hier dem amtlichen Heiratsvermittler übergeben — selbst wenn wir keinen Leibpreis verlangen, werden die sie zum Verkauf weitergeben und sich nicht um ihr Schicksal scheren. Den jungen Qin schimpfe gründlich aus. Außer zu Opferfesten und Familienfeiern braucht er hier nicht mehr aufzutauchen. Er soll sich vorsehen, dass er dem Herrn in seinem Zorn nicht in die Quere kommt, sonst kann er einpacken! Sag auch der Buchhaltung, sie soll diesen Posten aus den Büchern streichen. Und schicke jemanden zum Wassermondkloster mit folgender Weisung des Herrn: Außer wenn Angehörige zum Grab kommen, um Papiergeld zu verbrennen, darf keine männliche Person aus der Familie dort empfangen werden. Und wenn es noch das geringste üble Gerücht gibt, werden alle Nonnen, auch die alten, hinausgeworfen."

Jia Lian nahm alles an. Er ging hinaus und teilte Lai Da die Anweisungen der Gnädigen Frau mit: „So hat es die Gnädige Frau beschlossen. Wenn du fertig bist, sage mir Bescheid, damit ich es ihr berichte. Mach dich schnell an die Arbeit. Wenn der Herr später kommt, wiederhole ihm einfach die Worte der Gnädigen Frau." — Lai Da hörte dies und sagte: „Unsere Gnädige Frau hat wahrlich ein Buddhaherz! Diese ganze Truppe noch mit Begleitung zurückzuschicken! Weil die Gnädige Frau so gütig ist, muss man auch einen anständigen Menschen dafür auswählen. Den jungen Herrn Qin möge der Zweite Herr selbst abfertigen. Was den anonymen Zettelankleber angeht, werde ich ihn schon aufspüren und ihm dann eine ordentliche Lektion erteilen." — Jia Lian nickte: „So ist es gut." Sogleich wurde Jia Qin verwiesen. Lai Da führte auch die Nonnen hinaus und erledigte alles wie besprochen.

Am Abend kam Kaufmann Aufrecht nach Hause, und Jia Lian sowie Lai Da erstatteten ihm Bericht. Kaufmann Aufrecht war kein Mann, der unnötig Ärger suchte, und ließ die Sache auf sich beruhen. Nur die Taugenichtse und Nichtsnutze der Stadt hatten gehört, dass das Haus Jia vierundzwanzig junge Mädchen entlassen hatte, und jeder stellte sich vor, eine davon zu ergattern. Ob diese Mädchen je nach Hause gelangten oder nicht, ist unbekannt und soll hier nicht weiter ausgemalt werden.

Wenden wir uns nun Purpurkuckuck [2] zu: Da es Kajaljade [3] allmählich besser ging und im Garten nichts Besonderes los war, hörte sie, dass die Nonnen für den Palastdienst vorbereitet wurden. Neugierig, was dahintersteckte, ging sie zu den Gemächern der Herzoginmutter [4], um sich zu erkundigen. Dort traf sie zufällig auf Mandarinenente [5], die gerade heruntergekommen war und nichts zu tun hatte. Die beiden setzten sich und plauderten, und Purpurkuckuck erwähnte die Nonnen. Mandarinenente war erstaunt: „Davon habe ich gar nichts gehört! Ich werde die Zweite Herrin Lian nachher fragen, dann weiß ich Bescheid."

Gerade als sie so sprachen, kamen zwei Frauen aus dem Hause Fu Shi, um der Herzoginmutter ihre Aufwartung zu machen. Mandarinenente wollte sie hinaufbegleiten, doch da die Herzoginmutter gerade ihren Mittagsschlaf hielt, sagten die beiden Frauen nur ein paar Worte zu Mandarinenente und gingen wieder. Purpurkuckuck fragte: „Von wem waren die denn geschickt?" — Mandarinenente sagte: „Ach, die sind so lästig! Nur weil sie zu Hause ein hübsches Mädchen haben, kommen sie wie Händler mit einer Kostbarkeit und preisen ständig vor der Herzoginmutter, wie schön ihre Tochter sei, was für ein gutes Herz sie habe, wie vorbildlich ihre Manieren seien, wie knapp und treffend sie spreche, wie geschickt sie mit Nadel und Faden umgehe, wie gut sie schreiben und rechnen könne, wie ehrerbietig sie gegen die Älteren sei und wie freundlich gegen die Dienerschaft — jedesmal kommen sie mit so einer langen Litanei und erzählen das alles der Herzoginmutter. Mich ärgert das gewaltig. Diese alten Weiber sind wirklich unerträglich, aber unsere Herzoginmutter hört solche Dinge gerade gern. Und das ist noch nicht alles: Schatzjade [6], der sonst alte Weiber gar nicht leiden kann, macht ausgerechnet bei denen aus dem Hause Fu eine Ausnahme. Ist das nicht seltsam? Neulich kamen sie wieder und erzählten, dass für ihre Tochter schon viele Familien um die Hand angehalten hätten, aber ihr Herr wolle keinen annehmen und wolle nur in eine Familie wie die unsere einheiraten. Erst lobten sie, dann schmeichelten sie, und so haben sie das Herz der Herzoginmutter regelrecht aufgeweicht."

Purpurkuckuck war einen Moment wie erstarrt, dann fragte sie mit gespieltem Gleichmut: „Wenn die Herzoginmutter so angetan ist, warum verlobt sie sie dann nicht gleich mit Schatzjade?" — Mandarinenente wollte gerade den wahren Grund nennen, als man von oben rief: „Die Herzoginmutter ist wach!" — Mandarinenente eilte sogleich hinauf.

Purpurkuckuck musste aufbrechen und ging in den Garten zurück. Während sie ging, dachte sie: „Es gibt wohl nur einen einzigen Schatzjade auf der Welt! Die eine will ihn, die andere auch. Unsere Herrin wird immer verliebter in ihn. Wie sie ihn ansieht, ist klar, dass ihr ganzes Herz an Schatzjade hängt. Dass sie schon mehrmals krank geworden ist — ist das nicht genau deswegen? In diesem Hause ist es mit den ›goldenen‹ und den ›silbernen‹ Partien schon unübersichtlich genug, und nun kommt noch ein Fräulein Fu dazu, da wird es vollends unmöglich. Ich dachte, Schatzjades Herz gehört unserer Herrin, aber nach dem, was Mandarinenente sagt, scheint er sich in jede zu verlieben, die er sieht. Hat unsere Herrin denn ganz umsonst ihr Herz verzehrt?"

Purpurkuckuck hatte begonnen, für Kajaljade traurig zu sein, aber je mehr sie nachdachte, desto ratloser und verwirrter wurde sie selbst, bis sie ganz benommen war. Sie hätte Kajaljade gern geraten, sich nicht unnötig das Herz zu zermartern, fürchtete aber, sie damit aufzuregen. Und doch — konnte sie einfach tatenlos zusehen, wie ihre Herrin sich quälte? Sie grübelte hin und her, bis sie ärgerlich wurde und sich selbst schalt: „Warum machst du dir denn Sorgen für andere? Selbst wenn Fräulein Kajaljade wirklich Schatzjade heiraten würde — ihr Wesen ist ja doch schwer zufriedenzustellen. Und Schatzjades Charakter mag gut sein, aber er will von allem zu viel auf einmal. Ich rate anderen vergebens, sich nicht das Herz zu zermartern, und dabei zermartre ich mir meines! Von nun an werde ich mich ganz darauf beschränken, meiner Herrin treu zu dienen, und mich um alles andere nicht kümmern." So gefasst, fühlte sie sich innerlich ruhiger.

Sie kehrte zur Herberge am Xiaoxiang-Fluss zurück und fand Kajaljade allein auf dem Ofenbett sitzend vor, wie sie alte Gedichte und Texte durchsah. Kajaljade blickte auf, als Purpurkuckuck hereinkam, und fragte: „Wo warst du denn?" — Purpurkuckuck antwortete: „Ich habe die Schwestern besucht." — Kajaljade sagte: „Du warst wohl bei Schwester Dufthauch [7]?" — Purpurkuckuck erwiderte: „Was hätte ich bei ihr zu suchen?" — Kajaljade dachte: „Warum habe ich das einfach so herausgesagt?" Sie schämte sich und schimpfte: „Wen du besuchst oder nicht, was geht mich das an! Geh und bring mir Tee."

Purpurkuckuck lachte innerlich und ging hinaus, um den Tee einzugießen. Da hörte sie einen Tumult im Garten, konnte aber nicht erkennen, was los war. Während sie den Tee eingoss, schickte sie ein Mädchen hinaus, um nachzufragen. Die kam zurück und berichtete: „Die Begonien im Hof der Freude am Roten [8] waren seit dem Frühjahr verwelkt, und niemand hatte sich um sie gekümmert. Gestern ging Schatzjade hin und sah, es sahen aus, als seien Knospen an den Zweigen. Keiner glaubte ihm, und man achtete nicht weiter darauf. Heute aber stehen die Begonien in voller Blüte! Alle sind ganz aufgeregt und strömen hin, um zu schauen. Sogar die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben sich von der Aufregung anstecken lassen und kommen, um die Blüten zu bewundern. Deshalb hat die Erste Herrin angeordnet, die Blätter in den Wegen zusammenzufegen, und die Leute schreien sich die Anweisungen zu."

Kajaljade hatte es ebenfalls gehört. Als sie erfuhr, dass die Herzoginmutter kam, wechselte sie ihre Kleidung und schickte Schneegans [9] vor: „Wenn die Herzoginmutter da ist, sag mir sofort Bescheid." Schneegans war noch nicht lange fort, als sie schon hereingelaufen kam: „Die Herzoginmutter, die Gnädige Frau und viele andere sind schon da. Die Herrin möge sich beeilen!" — Kajaljade warf noch einen kurzen Blick in den Spiegel, strich sich rasch das Haar zurecht und ging dann, auf Purpurkuckuck gestützt, zum Hof der Freude am Roten. Die Herzoginmutter saß bereits auf Schatzjades Liegebett. Kajaljade grüßte: „Ich wünsche der Herzoginmutter Wohlergehen." Dann begrüßte sie die Damen Xing und Wang und wechselte Höflichkeiten mit Li Wan, Tanchun [10], Xichun [11] und Xing Xiuyan [12]. Nur Phönixglanz [13] war wegen ihrer Krankheit nicht gekommen. Shi Xiangyun war nach Hause gegangen, da ihr Onkel zum Dienstwechsel nach Peking zurückkehrte. Xue Baoqin war bei ihrer Schwester zu Hause. Die Schwestern der Familie Li waren von Frau Li aus dem Garten genommen worden, weil es dort zu unruhig war. So sah Kajaljade heute nur wenige.

Man unterhielt sich und lachte eine Weile und erörterte das seltsame Blühen der Begonien. Die Herzoginmutter sagte: „Diese Blumen öffnen sich eigentlich im dritten Monat. Jetzt haben wir zwar den elften Monat, aber weil die Jahreszeiten dieses Jahr spät kommen, ist es eigentlich erst der zehnte, der ›Kleine Frühling‹. Bei solch warmem Wetter können Blumen durchaus auch blühen." — Frau Wang pflichtete bei: „Die Herzoginmutter hat vieles erlebt und hat recht; es ist nichts Ungewöhnliches." — Die Dame Xing war nicht so überzeugt: „Ich hörte, diese Blumen waren schon ein ganzes Jahr verwelkt. Wie können sie jetzt auf einmal außer der Zeit blühen? Das muss einen Grund haben." — Li Wan lächelte: „Die Herzoginmutter und die Gnädige Frau haben beide recht. Nach meiner bescheidenen Vermutung steht Schatzjade eine frohe Nachricht bevor, und diese Blüte ist der Vorbote." — Tanchun schwieg zwar, dachte aber bei sich: „Das kann kein gutes Zeichen sein. Wer der Natur folgt, gedeiht; wer ihr widerstrebt, geht unter. Wenn Pflanzen das Schicksal kennen und außer der Zeit blühen, ist das ein Unheilszeichen." Doch sie behielt es für sich. Nur Kajaljade, die bei der Erwähnung einer frohen Nachricht innerlich aufhorchte, sagte freudig: „Es gab einst die Familie Tian, die besaß einen Dornbusch. Als die drei Brüder ihr Erbe teilten, verdorrte der Busch. Später bereuten die Brüder es, kamen wieder zusammen, und der Dornbusch ergrünte wieder. Das zeigt doch, dass auch Pflanzen dem Geschick der Menschen folgen. Jetzt, da Vetter Schatzjade sich fleißig seinen Studien widmet und der Onkel sich darüber freut, ist auch jener Baum wieder zum Leben erwacht." — Die Herzoginmutter und Frau Wang hörten es gern und sagten: „Fräulein Kajaljade hat das wunderbar verglichen! Was für ein sinnreicher Gedanke!"

Gerade als man so sprach, kamen Jia She, Kaufmann Aufrecht, Jia Huan und Jia Lan herein, um die Blüten zu betrachten. Jia She sagte: „Meiner Meinung nach sollte man den Strauch fällen. Da ist ein Blumengeist am Werk." — Kaufmann Aufrecht erwiderte: „Wer das Seltsame sieht und sich nicht wundert, dem schadet es von selbst nicht. Man braucht ihn nicht zu fällen, man lässt ihn einfach." — Die Herzoginmutter hörte dies und sagte: „Was soll das Gerede? Hier ist ein freudiges Ereignis, warum redet ihr von Geistern und Spuk? Wenn es Glück bringt, so genießt es; wenn es Unglück ist, nehme ich es allein auf mich. Ich verbiete solch düsteres Geschwätz." — Kaufmann Aufrecht verstummte und zog sich mit Jia She verschämt zurück.

Die Herzoginmutter war bester Laune und ließ die Küche anweisen, eilig Wein und Speisen vorzubereiten, um gemeinsam die Blüten zu feiern. Sie befahl: „Schatzjade, Huan und Lan sollen jeder ein Gedicht zur Feier verfassen. Fräulein Kajaljade ist gerade erst genesen, lasst sie nicht anstrengen. Wenn sie Lust hat, kann sie euch beim Verbessern helfen." Zu Li Wan gewandt sagte sie: „Ihr alle trinkt mit mir Wein." — Li Wan antwortete mit „Ja" und wandte sich lachend an Tanchun: "Das ist alles deine Schuld!" — Tanchun protestierte: „Wir sollen doch gar keine Gedichte schreiben — was habe ich denn damit zu tun?" — Li Wan sagte: „Hast du nicht den Begonienbund gegründet? Jetzt wollen auch die echten Begonien dem Bund beitreten!" — Alle lachten.

Bald waren die Speisen aufgetragen, und man trank. Jeder bemühte sich, der Herzoginmutter mit heiteren Worten Freude zu machen. Schatzjade trat vor, schenkte Wein ein und dichtete stehend einen Vierzeiler, den er niederschrieb und der Herzoginmutter vorlas:

Warum, Begonie, welktest du so plötzlich hin? Warum erblühst du heute wieder voller Pracht? Gewiss mehrt sich das Alter in der Nördlichen Halle — Im Winterwechsel blühst du noch vor dem Pflaumenbaum.

Jia Huan schrieb ebenfalls sein Gedicht und las vor:

Im Frühling sollen Gras und Bäume treiben, Die Begonie hat ihren Zeitpunkt ganz verfehlt. Von Wundern gibt es viele auf der Welt, Doch Winterblüten gibt es nur in unserem Haus.

Jia Lan hatte das seine in makelloser Regelschrift abgeschrieben und überreichte es der Herzoginmutter. Diese bat Li Wan, es vorzulesen:

Im Nebel welkt die Anmut vor dem Frühling, Im Reif errötet zarter Schimmer nach dem Schnee. Man sage nicht, die Blume sei gering an Wissen — Ihr Blühen stimmt voraus den Freudensbecher ein.

Die Herzoginmutter hörte alle an und sagte: „Ich verstehe nicht viel von Gedichten, aber wenn ich so hinhöre, ist das von Lan am besten, Huans dagegen nicht gelungen. Kommt alle und esst!"

Schatzjade sah, dass die Herzoginmutter sich freute, und wurde noch heiterer. Da dachte er plötzlich: „Als Qingwen starb, verdorrte die Begonie in jenem Jahr. Jetzt blüht die Begonie wieder, und allen in unserem Hof geht es gut — nur Qingwen kann nicht wie die Blume sterben und wieder auferstehen." Sogleich schlug seine Fröhlichkeit in Trauer um. Dann fiel ihm aber ein, dass Qiaojie neulich gesagt hatte, Phönixglanz wolle Wu'er zu ihm schicken. Vielleicht blühten die Blumen ihretwegen? So wandelte sich seine Trauer wieder in Freude, und er scherzte und lachte wie zuvor.

Die Herzoginmutter blieb noch eine gute Weile, dann kehrte sie, auf Perle [14] gestützt, in ihre Gemächer zurück. Frau Wang und die anderen folgten. Da kam Friedchen [15] lachend entgegen und sagte: „Unsere Herrin hat gehört, dass die Herzoginmutter hier die Blüten bewundert. Sie konnte selbst nicht kommen und schickt mich, um der Herzoginmutter und den Gnädigen Frauen aufzuwarten. Außerdem schickt sie zwei Bahnen rote Seide, damit Herr Schatzjade die Blüten schmücken kann — als Glückwunsch." — Dufthauch [16] trat vor, nahm die Seide entgegen und zeigte sie der Herzoginmutter. Diese lachte: „Immer ist es Phönixglanz, die etwas Schönes einfällt! Stilvoll, originell und amüsant zugleich." — Dufthauch wandte sich lachend an Friedchen: „Richte Herrn Schatzjades Dank an die Zweite Herrin aus. Wenn es ein Freudenereignis gibt, freuen sich alle." — Die Herzoginmutter hörte das und rief: „Ach, jetzt fällt es mir ein! Phönixglanz mag krank im Bett liegen, aber sie denkt an alles, und ihr Geschenk ist treffend gewählt." So sprach sie und ging weiter, das Gefolge hinter sich.

Friedchen flüsterte Dufthauch zu: „Die Herrin sagt, diese Blüten seien seltsam. Du sollst rote Seide zurechtschneiden und daran hängen, damit es als gutes Omen gedeutet wird. Und gib in Zukunft keinen Anlass zu abergläubischem Gerede darüber." — Dufthauch nickte und begleitete Friedchen hinaus.

Nun war es so: Schatzjade hatte an diesem Tag bequem in einem gefütterten Rundmantel aus Pelz zu Hause geruht. Als er die Blüten sah, ging er immer wieder hinaus, schaute, bewunderte, seufzte und schwärmte, und alle Freuden und Leiden des Abschieds und Wiedersehens übertrug er auf diesen Strauch. Als er dann hörte, dass die Herzoginmutter kommen wollte, eilte er hinein und wechselte zu einem Fuchspelz-Pfeilärmelgewand, darüber eine Jacke aus dunklem Fuchsbein. In der Eile vergaß er, die Geisterhafte Jade umzuhängen. Als die Herzoginmutter gegangen war, zog er sich wieder um. Da bemerkte Dufthauch, dass an seinem Hals nichts hing, und fragte: „Wo ist die Jade?" — Schatzjade antwortete: „Vorhin beim hastigen Umkleiden habe ich sie abgenommen und auf den Ofenbett-Tisch gelegt. Ich habe sie nicht wieder umgehängt." — Dufthauch schaute auf den Tisch — keine Jade. Sie suchte überall, nirgends eine Spur. Kalter Schweiß brach ihr am ganzen Leib aus. Schatzjade sagte: „Keine Aufregung, sie muss im Zimmer sein. Fragt die anderen, dann wisst ihr es."

Dufthauch glaubte, Moschusmond [17] und die anderen hätten die Jade zum Spaß versteckt, und sagte lachend zu ihnen: „Ihr kleinen Dinger! Scherz ist Scherz, aber wo habt ihr dieses Ding versteckt? Wenn es wirklich verlorengeht, ist es mit uns allen vorbei!" — Moschusmond und die anderen erwiderten mit ernster Miene: „Was redest du da? Spaß ist Spaß und Lachen ist Lachen, aber so etwas ist kein Spiel. Rede keinen Unsinn! Du bist selbst ganz durcheinander. Überleg doch, wo du sie hingelegt hast! Jetzt beschuldigst du auch noch grundlos andere." — Dufthauch sah an ihren Gesichtern, dass es kein Spiel war, und rief angstvoll: „Himmel und alle Heiligen! Mein kleiner Herr! Wo habt Ihr sie nur gelassen?" — Schatzjade sagte: „Ich erinnere mich doch ganz genau, dass ich sie auf den Tisch gelegt habe. Sucht doch!"

Dufthauch, Moschusmond und die anderen wagten es nicht, irgend jemanden davon zu erzählen, und suchten heimlich in jedem Winkel. Den halben Tag dauerte es, doch nicht der geringste Hinweis fand sich. Sogar Koffer und Truhen wurden umgestülpt — es gab einfach nichts mehr, wo man hätte suchen können. Man begann, die Besucher vom Nachmittag zu verdächtigen. Dufthauch sagte: „Wer von denen auch immer hereinkam — jeder weiß doch, dass diese Jade so kostbar wie ein Leben ist! Wer würde es wagen, sie an sich zu nehmen? Bitte, sagt vorerst kein Wort davon und fragt überall unauffällig nach. Wenn eine der jungen Damen sie zum Spaß genommen hat, macht einen Kotau vor ihr und bittet sie zurück. Wenn eines der kleinen Mädchen sie gestohlen hat, fragt sie aus, aber meldet es nicht nach oben — egal, was wir dafür eintauschen müssen, tauscht sie ein. Das ist keine Kleinigkeit. Wenn diese Jade wirklich verloren ist, wäre das schlimmer, als Schatzjade selbst zu verlieren!" — Moschusmond und Qiuwen wollten gerade losgehen, da eilte Dufthauch noch hinterher und rief: „Die Leute, die vorhin hier zum Essen waren, fragt lieber nicht zuerst. Wenn sich nichts ergibt und wir stattdessen einen Aufruhr verursachen, wird es nur schlimmer."

Moschusmond und die andere taten wie geheißen, teilten sich auf und fragten überall nach — doch niemand wusste etwas, jeder war gleichermaßen bestürzt. Die beiden kehrten eilig zurück, sprachlos, mit offenem Mund, und starrten sich nur gegenseitig an. Auch Schatzjade war vor Schreck erstarrt. Dufthauch konnte nur trocken schluchzen. Suchen war zwecklos, Melden wagte man nicht — im Hof der Freude am Roten standen alle wie Holzpuppen und Lehmfiguren.

Während alle wie betäubt dastanden, kamen von überall die Leute, die davon gehört hatten. Tanchun ordnete an, die Gartentore zu schließen, und schickte eine ältere Dienerin mit zwei Mädchen los, noch einmal überall zu suchen. Zugleich ließ sie bekanntgeben: „Wer die Jade findet, wird reichlich belohnt." Jeder wollte zum einen seine Unschuld beweisen, zum anderen lockte die Belohnung, und so stürzten sich alle in eine wilde Suche, bis hin zu den Abtritten. Aber die Jade war wie eine Nadel im Heuhaufen — den ganzen Tag suchte man, doch keine Spur.

Li Wan wurde dringlich und sagte: „Das ist kein Spaß mehr. Ich muss nun etwas Unhöfliches sagen." — Alle fragten: „Was denn?" — Li Wan sagte: „Die Lage ist so ernst, dass es keine Rücksichten mehr gibt. Außer Schatzjade sind hier im Garten nur Frauen. Ich bitte alle Schwestern und Fräulein, ihre Dienerinnen die Kleider ablegen zu lassen und sich durchsuchen zu lassen. Wenn das nichts ergibt, durchsuchen wir die alten Dienerinnen und die gröberen Mägde. Ist das in Ordnung?" — Die meisten stimmten zu: „Das ist vernünftig. Bei so vielen Leuten und solchem Durcheinander ist das der einzige Weg, die Unschuld jeder Einzelnen zu beweisen." Nur Tanchun schwieg. Die Mädchen waren alle bereit, ihre Unschuld zu zeigen. Friedchen war die Erste und sagte: „Fangt bei mir an." So öffnete jede ihr Gewand, und Li Wan durchsuchte sie der Reihe nach.

Tanchun schalt Li Wan: „Liebe Schwägerin, du machst es jetzt auch wie diese unfähigen Leute! Wer die Jade gestohlen hat, würde sie doch nicht am Leib tragen! Außerdem: Dieses Ding ist hier im Hause ein Schatz, aber draußen für jemanden, der es nicht kennt, wertloses Zeug. Wer sollte es stehlen wollen? Ich denke, jemand hat einen bösen Streich gespielt." — Alle wussten sofort, woran sie dachte. Jia Huan war nicht anwesend, und gestern war er im ganzen Haus umhergerannt. Alle verdächtigten ihn, nur wagte es niemand auszusprechen. Tanchun fuhr fort: „Von einem üblen Streich kann das nur Huan gewesen sein. Schickt jemanden los, der ihn heimlich herbringt. Lockt es im Stillen aus ihm heraus, dann droht ihm, damit er den Mund hält. Damit wäre die Sache erledigt." — Alle nickten.

Li Wan wandte sich an Friedchen: „Diese Sache kannst nur du erledigen." — Friedchen machte sich gleich auf den Weg. Kurz darauf kam sie mit Jia Huan zurück. Die anderen taten so, als sei nichts, ließen Tee aufgießen und setzten ihn im inneren Zimmer an den Tisch. Die Leute zerstreuten sich absichtlich und überließen Friedchen das Feld.

Friedchen lächelte und fragte Jia Huan: „Dein Bruder Schatzjades Jade ist verlorengegangen. Hast du sie vielleicht gesehen?" — Jia Huan wurde sofort puterrot im Gesicht, riss die Augen auf und rief: „Wenn jemand etwas verliert, warum holt ihr dann mich her zum Verhör? Bin ich etwa ein vorbestrafter Dieb?" — Friedchen wagte nicht weiterzufragen und sagte beschwichtigend: „So ist das nicht gemeint. Wir dachten nur, der Dritte Herr hätte sie vielleicht genommen, um die anderen zu erschrecken, und darum fragen wir nur, ob du sie gesehen hast, damit wir wissen, wo wir suchen sollen." — Jia Huan schrie: „Es ist seine Jade, er trägt sie am Leib — ob ich sie gesehen habe oder nicht, das müsst ihr ihn fragen, nicht mich! Ihr umschwärmt ihn alle; wenn er etwas bekommt, erfahre ich nichts; aber sobald etwas verloren geht, kommt ihr gleich zu mir!" — Er stand auf und stampfte hinaus. Niemand wagte, ihn aufzuhalten.

Da wurde Schatzjade ungeduldig: „All der Ärger kommt von diesem Plunder! Ich brauche die Jade gar nicht, und ihr sollt auch nicht länger Theater machen. Jetzt wird Huan draußen alles herumerzählen, und dann haben wir erst recht eine Katastrophe!" — Dufthauch und die anderen weinten verzweifelt: „Ach, kleiner Herr! Es ist leicht für Euch zu sagen, Ihr braucht die Jade nicht. Aber wenn die Oberen davon erfahren, werden wir alle in Stücke gerissen!" — Dann brach sie in lautes Jammern aus.

Alle wurden noch bestürzter. Man wusste, dass sich die Sache nicht länger verheimlichen ließ, und musste sich auf eine Erklärung einigen, die man der Herzoginmutter und den anderen geben konnte. Schatzjade sagte: „Sagt einfach, ich hätte sie zertrümmert." — Friedchen sagte: „Mein Herr! So einfach ist das nicht! Die da oben werden fragen, warum Ihr sie zertrümmert habt, und das wäre auch unser Tod! Und wenn sie die Scherben sehen wollen, was dann?" — Schatzjade sagte: „Dann sagt eben, ich hätte sie unterwegs verloren." — Die anderen überlegten: „Das ließe sich vielleicht noch glaubhaft machen. Nur war er die letzten Tage weder in der Schule noch sonst irgendwo." — Schatzjade sagte: „Wieso nicht? Vorgestern war ich doch beim Markgrafen von Lin'an zum Theaterschauen. Sagt einfach, ich hätte sie damals verloren." — Tanchun wandte ein: „Das geht auch nicht. Wenn Ihr sie schon vorgestern verloren habt, warum wurde es dann nicht sofort gemeldet?"

Während alle noch fieberhaft überlegten und sich eine Ausrede zurechtlegen wollten, hörte man Frau Zhao von draußen heulend und schreiend herbeigestürmt kommen: „Wenn ihr etwas verloren habt, sucht doch selbst! Warum lasst ihr hintenherum meinen Huan verhören? Hier bringe ich ihn euch — nehmt ihn, diesen Streber und Speichellecker-Pack! Tötet ihn, zerstückelt ihn, macht mit ihm, was ihr wollt!" — Sie stieß Jia Huan ins Zimmer und schrie: „Du bist der Dieb! Gestehe sofort!" — Jia Huan war so wütend, dass er ebenfalls zu schreien und zu weinen begann.

Li Wan wollte gerade schlichten, als ein Mädchen hereinlief und rief: „Die Gnädige Frau kommt!" — Dufthauch und die anderen wären am liebsten im Erdboden versunken. Schatzjade und alle eilten hinaus, um Frau Wang zu empfangen.

Frau Zhao verstummte vorläufig und folgte den anderen hinaus. Frau Wang sah die bestürzten Gesichter aller und glaubte nun, was sie vorhin gehört hatte. Sie fragte: „Ist die Jade wirklich verloren?" — Niemand wagte zu antworten. Frau Wang ging hinein, setzte sich und rief Dufthauch. Diese fiel zitternd auf die Knie und wollte unter Tränen berichten. Frau Wang sagte: „Steh auf. Schickt Leute los und sucht sorgfältig. Wenn ihr in Panik geratet, wird es nur schlimmer." — Dufthauch schluchzte und brachte kein Wort heraus.

Schatzjade fürchtete, Dufthauch könnte die Wahrheit verraten, und sprach: „Mutter, es hat nichts mit Dufthauch zu tun. Ich habe die Jade neulich verloren, als ich beim Markgrafen von Lin'an zum Theaterschauen war." — Frau Wang fragte: „Warum hast du sie dann nicht an jenem Tag gesucht?" — Schatzjade sagte: „Ich wollte nicht, dass jemand davon erfährt, und ließ Beiming draußen überall suchen." — Frau Wang sagte: „Unsinn! Wenn du dich umziehst, sind es doch Dufthauch und die anderen, die dich bedienen! Wenn du von einem Ausflug heimkommst und auch nur ein Taschentuch oder ein Beutelchen fehlt, fragen sie sofort nach. Wie hätten sie es zulassen können, dass ein so unersetzliches Ding wie diese Jade einfach verschwindet, ohne ein Wort zu sagen?" — Schatzjade hatte keine Antwort mehr.

Frau Zhao hörte das und sagte triumphierend: „Wenn es doch draußen verloren wurde, warum beschuldigt man dann meinen Huan ..." — Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als Frau Wang sie anfuhr: „Wir besprechen hier gerade diese wichtige Sache, und du kommst mit deinem unwichtigen Gerede!" — Frau Zhao wagte kein Wort mehr. Schließlich erzählten Li Wan und Tanchun der Gnädigen Frau die ganze Geschichte von Anfang bis Ende. Frau Wang kamen vor Aufregung die Tränen. Sie wollte die Sache der Herzoginmutter melden und dann bei der Dame Xing nachforschen lassen, wer von deren Leuten an jenem Tag dabei gewesen war.

Phönixglanz hatte in ihrem Krankenbett ebenfalls von dem Verlust der Jade gehört. Als sie erfuhr, dass Frau Wang im Garten war, hielt sie es nicht länger aus und machte sich, auf Fenger [18] gestützt, auf den Weg in den Garten. Sie kam gerade an, als Frau Wang aufbrechen wollte. Mit zarter Stimme grüßte Phönixglanz: „Die Gnädige Frau möge verzeihen." Schatzjade und die anderen begrüßten sie ebenfalls. Frau Wang sagte: „Du hast also auch davon gehört? Ist das nicht unbegreiflich? Eben war sie noch da, und nun ist sie verschwunden. Überlege einmal: Von allen Mädchen, angefangen bei denen der Herzoginmutter bis hin zu deiner Friedchen — wer hat keine sauberen Hände, wer ist zu einem bösen Streich fähig? Ich will es der Herzoginmutter melden und eine gründliche Untersuchung anordnen. Wenn wir die Jade nicht finden, hängt Schatzjades Leben am Faden." — Phönixglanz erwiderte: „Bei einem so großen Haushalt und so vielen Händen — das Sprichwort sagt: Man kennt das Gesicht, aber nicht das Herz. Aber wenn wir jetzt einen großen Aufruhr machen, weiß es jeder. Der Dieb bekommt Angst und zerstört den Beweis — die Jade selbst — um die Spur zu verwischen. Was dann? Meiner bescheidenen Meinung nach sollten wir bekanntgeben, Schatzjade habe die Jade angewidert weggeworfen und es sei nicht wichtig. Wir müssen es auch vor der Herzoginmutter und dem Herrn verschweigen. Insgeheim aber lassen wir überall nachforschen und herumfragen. So finden wir am Ende sowohl die Jade als auch den Schuldigen. Was meint die Gnädige Frau?" —

Frau Wang überlegte eine ganze Weile und sagte dann: „Was du sagst, hat zwar Sinn, aber wie sollen wir es vor dem Herrn verbergen?" — Dann rief sie Jia Huan herbei und sagte: „Dein Bruder hat seine Jade verloren, und als man dich nur einmal danach fragte, hast du gleich alles herausgeschrien. Wenn der Dieb das hört und die Jade zerstört, bezahlst du mit deinem Leben!" — Jia Huan erschrak und weinte: „Ich wage es nie wieder!" — Frau Zhao hielt diesmal den Mund. Frau Wang wandte sich an die versammelten Mädchen: „Es muss noch Stellen geben, wo ihr nicht gesucht habt. Die Jade ist hier im Haus — wird sie wohl davonfliegen? Aber sucht leise! Dufthauch, ich gebe dir drei Tage. Wenn sie bis dahin nicht gefunden ist, lässt es sich wohl nicht mehr verheimlichen, und dann wird es für alle ungemütlich." — Damit bat sie Phönixglanz, sie zu begleiten, und machte sich auf den Weg zu Dame Xing, um weitere Nachforschungen zu verabreden.

Li Wan und die anderen berieten weiter. Sie ließen die Gartenaufseherinnen kommen und befahlen, die Tore abzuschließen. Dann wurde Lin Zhixiaos Frau eilig herbeigerufen und ihr im Stillen mitgeteilt, sie solle den Wächtern an Vorder- und Hintertor sagen: „In den nächsten drei Tagen darf niemand, ob Mann oder Frau, den Garten verlassen. Innerhalb dürfen sie sich frei bewegen, aber hinaus darf keiner. Man sage nur, im Inneren sei etwas verlorengegangen. Erst wenn es gefunden ist, werden die Leute wieder herausgelassen." — Lin Zhixiaos Frau nahm dies an und sagte dann: „Neulich ging bei uns zu Hause auch etwas verloren, nichts Wichtiges, aber Lin Zhixiao wollte es unbedingt wiederhaben. Er ging auf die Straße und suchte einen Zeichendeuter auf, einen gewissen Liu Tiezui. Der deutete ein Zeichen und sagte alles ganz klar voraus. Als man danach suchte, fand man es auch sofort." — Als Dufthauch das hörte, bat sie dringend: „Liebe Frau Lin! Geht schnell hinaus und lasst Herrn Lin für uns nachfragen!" — Lin Zhixiaos Frau machte sich sofort auf den Weg.

Xing Xiuyan sagte: „Diese Wahrsager und Zeichendeuter auf der Straße taugen nichts. Aber als ich im Süden war, hörte ich, Miaoyü könne durch Geisterschrift weissagen. Warum bitten wir sie nicht? Zumal diese Jade ja selbst einen übernatürlichen Ursprung hat — so eine Anfrage wäre naheliegend." — Alle waren erstaunt: „So oft wir sie gesehen haben, nie hat sie davon erzählt." — Moschusmond bat Xiuyan eifrig: „Jemand anderen würde sie bestimmt abweisen. Liebes Fräulein, ich mache einen Kotau vor Euch! Bitte geht und fragt sie! Wenn dadurch etwas herauskommt, bin ich Euch mein ganzes Leben dankbar!" — Sie wollte sich niederknien, doch Xiuyan hielt sie auf. Kajaljade und die anderen drängten Xiuyan ebenfalls, schnellstens zum Kloster Geborgen im Grün zu eilen.

Da kam Lin Zhixiaos Frau herein und rief: „Meine Damen, ich bringe gute Nachricht! Lin Zhixiao hat ein Zeichen deuten lassen, und der Wahrsager sagt, diese Jade sei nicht verloren, es werde sie gewiss jemand zurückbringen!" — Die Zuhörer waren halb ungläubig, halb hoffnungsvoll. Nur Dufthauch und Moschusmond freuten sich überaus. Tanchun fragte: „Was war das für ein Zeichen?" — Lin Zhixiaos Frau sagte: „Er hat viel geredet, und ich kann nicht alles wiederholen. Es war das Zeichen ›shǎng‹ 赏 — ›belohnen‹. Liu Tiezui fragte nicht erst, sondern sagte gleich: ›Etwas ist verlorengegangen, nicht wahr?‹" — Li Wan sagte: „Das klingt ja vielversprechend." — Lin Zhixiaos Frau fuhr fort: „Er sagte dann, oben im Zeichen sei ein ›xiǎo‹ 小, darunter ein ›kǒu‹ 口 — das Verlorene sei so klein, dass es in den Mund passe, also ein Juwel oder Edelstein." — Alle lobten: „Ein wahrer Seher! Was sagte er weiter?" — Lin Zhixiaos Frau fuhr fort: „Unten sei das Zeichen ›bèi‹ 贝, das sei eigentlich ein unvollständiges ›jiàn‹ 见 — ›sehen‹ — also: etwas ist nicht zu sehen, also verloren. Oben ergebe sich ›dāng‹ 當 — ›Pfandhaus‹: Man solle schnell in den Pfandhäusern suchen! Und wenn man ›rén‹ 人 — ›Mensch‹ — hinzufüge, ergebe sich ›cháng‹ 償 — ›Erstattung‹: Finde man den Menschen beim Pfandleiher, löse man die Jade aus, und alles sei erstattet."

Alle riefen: „Dann lasst uns sofort bei den Pfandleiern in der Nachbarschaft anfangen! Wenn wir sie alle abklappern, findet sich gewiss etwas. Haben wir erst die Jade, ist es leicht, den Dieb zu finden." — Li Wan sagte: „Wenn wir nur die Jade haben, brauchen wir den Dieb gar nicht unbedingt. Frau Lin, geht und erzählt der Zweiten Herrin Lian den Befund. Richtet aus, sie solle sich beruhigen und sofort Leute aussenden, um die Pfandhäuser zu durchsuchen." — Lin Zhixiaos Frau machte sich gleich auf den Weg.

Alle beruhigten sich etwas und warteten benommen auf Xiuyans Rückkehr. Gerade als sie so warteten, sah man Beiming vor dem Tor einem kleinen Mädchen winken. Das Mädchen lief eilig hinaus. Beiming sagte: „Geh schnell hinein und sag dem Herrn und den Damen und Fräulein — die allergrößte Freude!" — Das Mädchen drängte: „Sag schon, was machst du es so umständlich!" — Beiming klatschte lachend in die Hände: „Ich sage es dir, und du gehst hinein und meldest es, dann bekommen wir beide eine Belohnung. Stell dir vor: Schatzjades Jade — ich habe eine sichere Nachricht, wo sie ist!"

Wie es weiterging, erzählt das nächste Kapitel.

Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).

  1. Chinesisch: 贾政
  2. Chinesisch: 紫鹃
  3. Chinesisch: 林黛玉
  4. Chinesisch: 贾母
  5. Chinesisch: 鸳鸯
  6. Chinesisch: 宝玉
  7. Chinesisch: 袭人
  8. Chinesisch: 怡红院
  9. Chinesisch: 雪雁
  10. Chinesisch: 探春
  11. Chinesisch: 惜春
  12. Chinesisch: 邢岫烟
  13. Chinesisch: 王熙凤
  14. Chinesisch: 珍珠
  15. Chinesisch: 平儿
  16. Chinesisch: 袭人
  17. Chinesisch: 麝月
  18. Chinesisch: 丰儿