Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 19"

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(DE4 Korrektur-Update Kap. 19)
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Nach einer Weile kehrte Schatzjade zurück und ließ Dufthauch abholen. Da kam Heitermuster [晴雯] — sie lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Schatzjade fragte: „Bist du krank? Oder hast du verloren?“
 
Nach einer Weile kehrte Schatzjade zurück und ließ Dufthauch abholen. Da kam Heitermuster [晴雯] — sie lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Schatzjade fragte: „Bist du krank? Oder hast du verloren?“
  
Qiuwen [秋纹] sagte: „Sie hat sogar gewonnen. Aber dann kam die alte Amme Li und hat alles durcheinandergebracht, und sie hat sich vor Ärger hingelegt.“
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Herbstmuster [秋纹] sagte: „Sie hat sogar gewonnen. Aber dann kam die alte Amme Li und hat alles durcheinandergebracht, und sie hat sich vor Ärger hingelegt.“
  
 
Schatzjade lächelte: „Lass sie in Ruhe, nimm es ihr nicht übel.“ Bald darauf kam Dufthauch zurück.
 
Schatzjade lächelte: „Lass sie in Ruhe, nimm es ihr nicht übel.“ Bald darauf kam Dufthauch zurück.
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Dufthauch sagte kühl: „Dafür habe ich keine Verwendung. Selbst wenn ich das Glück hätte — den Grund dafür gäbe es nicht. Und selbst wenn ich darin sässe, wäre es ohne Vergnügen.“
 
Dufthauch sagte kühl: „Dafür habe ich keine Verwendung. Selbst wenn ich das Glück hätte — den Grund dafür gäbe es nicht. Und selbst wenn ich darin sässe, wäre es ohne Vergnügen.“
  
Während sie noch sprachen, kam Qiuwen herein und sagte: „Es ist bald drei Uhr nachts — Ihr solltet schlafen. Vorhin hat die Herzoginmutter eine Amme geschickt, um nachzufragen, und ich habe gesagt, Ihr schlaft schon.“
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Während sie noch sprachen, kam Herbstmuster herein und sagte: „Es ist bald drei Uhr nachts — Ihr solltet schlafen. Vorhin hat die Herzoginmutter eine Amme geschickt, um nachzufragen, und ich habe gesagt, Ihr schlaft schon.“
  
 
Schatzjade ließ sich die Uhr bringen — tatsächlich, der Zeiger stand auf halb elf. Sie wuschen sich, zogen sich um und gingen zu Bett. Nichts weiter in dieser Nacht.
 
Schatzjade ließ sich die Uhr bringen — tatsächlich, der Zeiger stand auf halb elf. Sie wuschen sich, zogen sich um und gingen zu Bett. Nichts weiter in dieser Nacht.

Latest revision as of 19:35, 28 April 2026

Kapitel 19 In zärtlicher Innigkeit spricht in einer schönen Nacht die Blume — In sanfter Zuneigung duftet an einem stillen Tag die Jade

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Urfrühling[1] [元春] kehrte in den Palast zurück. Am nächsten Tag wurde sie vom Kaiser empfangen, dankte für die Gnade und berichtete über den Familienbesuch. Der Kaiser war hoch erfreut und stiftete weitere Seiden, Gold und Silber aus der kaiserlichen Schatzkammer für Aufrecht Kaufmann[2] [贾政] und die Familienmitglieder. Davon ist nichts weiter zu berichten.

In den beiden Palästen Prachtglanz [荣] und Stillfriede-Anwesen [宁] hatten alle tagein, tagaus ihre ganze Kraft aufgewendet — wahrlich, jeder war erschöpft und jeder müde. Das Zusammenräumen aller Einrichtungsgegenstände und Utensilien im Garten dauerte noch zwei bis drei Tage.

Phönixglanz[3] [熙凤] hatte die meisten Aufgaben und die schwerste Last. Andere konnten sich vielleicht hier und da ausruhen, sie aber konnte sich keinen Augenblick freimachen. Außerdem war sie von Natur aus ehrgeizig und wollte keinen Tadel auf sich ziehen, sodass sie sich zusammenriss und sich nicht anmerken ließ, wie erschöpft sie war.

Schatzjade[4] [宝玉] dagegen hatte am allerwenigsten zu tun und die meiste freie Zeit. An diesem Morgen kam nun gerade die Mutter von Dufthauch[5] [袭人] persönlich, um bei der Herzoginmutter[6] [贾母] Bescheid zu geben, dass sie Dufthauch für den Tag nach Hause holen wolle, um den Neujahrstee zu trinken. Dufthauch würde erst am Abend zurückkehren. So blieb Schatzjade allein mit den Mädchen zurück und vertrieb sich die Zeit mit Würfelspielen und Brettspielpartien. Da er keine rechte Lust daran fand, kam plötzlich ein Mädchen und meldete: „Der Herr Herrlichkeit Kaufmann[7] [贾珍] aus dem Ostpalast lässt fragen, ob Ihr nicht herüberkommen möchtet, um Theater zu sehen und Feuerwerk anzuschauen.“

Schatzjade hörte das und ließ sich umkleiden. Gerade als er losgehen wollte, schickte Urfrühling gedämpften Milchrahm [酥酪] aus dem Palast. Schatzjade erinnerte sich, dass Dufthauch dieses Gericht beim letzten Mal besonders gern gegessen hatte, und befahl, es für Dufthauch aufzuheben. Dann meldete er sich bei der Herzoginmutter ab und ging hinüber zum Theater.

Im Ostpalast bei Herrlichkeit Kaufmann wurde gerade „Ding Lang erkennt seinen Vater“ gespielt, dazu „Huang Boyang stellt die Geisterarmee auf“, und dann noch „Der Affenkönig randaliert im Himmlischen Palast“ und „Jiang Ziya köpft die Generäle und versiegelt die Götter“ — lauter solche Stücke. Geister und Dämonen wuselten durcheinander, plötzlich sprangen Ungeheuer hervor, dann wieder wurden Fahnen geschwenkt und Prozessionen abgehalten, Gongs und Trommeln lärmten und Geschrei hallte bis in die Gassen. Alle Leute auf der Straße priesen: „Was für ein prächtiges Theater! Das hat sonst niemand zu bieten!“

Schatzjade fand das Treiben unerträglich lärmend und vulgär, blieb nur kurz sitzen und ging dann umher. Zürst besuchte er drinnen Dame Sonders [尤氏] und die Konkubinen und Mädchen und plauderte eine Weile, dann ging er wieder durch das zweite Tor hinaus. Dame Sonders und die anderen nahmen an, er wolle wieder zum Theater, und kümmerten sich nicht weiter um ihn. Herrlichkeit Kaufmann, Kette Kaufmann [贾琏], Xü Pan [薛蟠] und die anderen waren mit Trinkspielenen und Scherzen beschäftigt und beachteten ihn ebenfalls nicht. Selbst wenn er einmal fehlte, nahmen sie an, er sei nach drinnen gegangen, und fragten nicht nach.

Was die kleinen Diener betraf, die Schatzjade begleiteten: Die älteren wussten, dass er den ganzen Abend bleiben würde, und machten sich heimlich davon — manche zum Glücksspiel, manche zu Verwandten zum Neujahrstee, manche zu Freudenhäusern oder Trinkgelagen. Die jüngeren stürzten sich ins Theaterhaus, um die Aufführungen aus der Nähe zu sehen.

Schatzjade, nun ganz allein, dachte bei sich: „Hier gibt es doch dieses kleine Arbeitszimmer, in dem ein Bild einer wunderschönen Dame hängt, das äußerst lebendig gemalt ist. Bei all dem Trubel heute ist es dort sicher ruhig, und die schöne Dame ist bestimmt einsam — ich sollte hingehen und sie ein wenig trösten.“ Mit diesem Gedanken ging er zum Arbeitszimmer.

Kaum war er ans Fenster getreten, hörte er drinnen ein Stöhnen. Schatzjade erschrak: Sollte die schöne Dame im Bild lebendig geworden sein? Mutig leckte er ein Loch in das Fensterpapier und spähte hinein. Das Gemälde war unberührt, doch er sah seinen Diener Mingyan [茗烟], der ein Mädchen festhielt und sich mit ihr in jener Kunst übte, die Schatzjade einst im Traumland der Feengöttin gelernt hatte. Schatzjade konnte nicht anders als laut zu rufen: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Er trat die Tür auf und stürzte hinein. Die beiden erschraken zu Tode und sprangen auseinander.

Mingyan erkannte Schatzjade und kniete sofort nieder und flehte um Vergebung. Schatzjade sagte: „Am hellichten Tag! Wenn Herrlichkeit Kaufmann davon erfährt, bist du tot oder lebendig?“

Er betrachtete das Mädchen: Sie war zwar nicht besonders hübsch, hatte aber eine helle Haut und gewissen Liebreiz. Vor Scham war sie rot bis hinter die Ohren und hielt den Kopf gesenkt, ohne ein Wort zu sagen.

Schatzjade stampfte mit dem Fuß auf: „Lauf noch nicht weg!“ Mit einem Mal besinnte sich das Mädchen und rannte wie der Blitz davon. Schatzjade rief ihr nach: „Hab keine Angst! Ich verrate niemanden!“ Mingyan rief hinterher: „Herr! So wie Ihr das sagt, habt Ihr es gerade allen erzählt!“

Schatzjade fragte: „Wie alt ist das Mädchen?“

Mingyan sagte: „Höchstens sechzehn oder siebzehn.“

Schatzjade sagte: „Du hast nicht einmal nach ihrem Alter gefragt — natürlich weißt du auch sonst nichts über sie. Man sieht, sie hat dich ganz umsonst kennengelernt. Wie bedauerlich, wie bedauerlich!“ Dann fragte er: „Wie heißt sie?“

Mingyan lachte laut: „Wenn ich Euch den Namen sage, ist es eine lange Geschichte! Wirklich seltsam und kurios — man könnte es nicht erfinden. Ihre Mutter hat bei ihrer Geburt einen Traum gehabt: Sie träumte, sie beküme ein Stück Brokat geschenkt, auf dem ein Muster mit fünffarbigen 'Reichstum-und-Glück-ohne-Ende'-Blumen zu sehen war. Deshalb heißt das Mädchen Wan'er [万儿, 'Zehntausend'].“

Schatzjade hörte das und sagte lächelnd: „Das ist wirklich kurios. Bestimmt hat sie noch ein glückliches Schicksal vor sich.“ Dann versank er in Gedanken.

Mingyan fragte: „Warum schaut Ihr Euch nicht das schöne Theater an?“

Schatzjade sagte: „Ich habe eine Weile zugesehen, aber es langweilte mich so. Deshalb bin ich herausgegangen, um mich umzusehen — und bin auf euch gestoßen. Was machen wir jetzt?“

Mingyan grinste: „Was haltet Ihr davon — ich führe Euch heimlich vor die Stadt, wir machen einen Spaziergang und sind rechtzeitig wieder zurück. Keiner wird etwas merken.“

Schatzjade sagte: „Nicht gut! Wenn uns Bettler erwischen, ist es schlimm genug. Und wenn die anderen es erfahren, gibt es Ärger. Besser, wir gehen zu einem Ort, den wir kennen, dann können wir schnell zurück sein.“

Mingyan sagte: „Ein vertrauter Ort — aber wo? Das ist schwierig.“

Schatzjade lächelte: „Ich habe eine Idee! Gehen wir zu deiner Blumen-Schwester — schauen wir, was sie zu Hause treibt.“

Mingyan lachte: „Richtig, richtig! Die hatte ich ganz vergessen.“ Dann überlegte er: „Wenn die anderen es herausbekommen und sagen, ich hätte den jungen Herren irregeführt — dann werde ich verhauen!“

Schatzjade lächelte: „Keine Sorge, ich bin ja da.“ Mingyan hörte das, sattelte ein Pferd, und die beiden verließen den Palast durch die Hintertür.

Glücklicherweise wohnte Dufthauchs Familie nicht weit entfernt — kaum eine halbe Meile. Im Handumdrehen waren sie da. Mingyan ging voraus und rief nach Dufthauchs Bruder Hua Zifang [花自芳]. Dufthauchs Mutter hatte Dufthauch zusammen mit einigen Nichten und Cousinen zum Neujahrstee nach Hause geholt, und sie assen gerade Obst und Tee. Als sie draußen jemanden „Bruder Hua!“ rufen hörten, stürmte Hua Zifang hinaus und sah die beiden — er erschrak zutiefst. Hastig hob er Schatzjade vom Pferd und rief ins Haus: „Der junge Herr Schatzjade ist da!“

Während die anderen das vielleicht mit Fassung aufnahmen, stürmte Dufthauch erschrocken hinaus, ergriff Schatzjades Hand und fragte: „Wie kommst du hierher?“

Schatzjade lächelte: „Mir war so langweilig, da wollte ich sehen, was du so treibst.“

Dufthauch, nun beruhigt, seufzte und sagte lächelnd: „Was du dir wieder einfallen lässt! Aber was soll schon passieren?“ Dann fragte sie Mingyan: „Wer ist sonst noch mitgekommen?“

Mingyan grinste: „Sonst weiß niemand etwas — nur wir beide.“

Dufthauch erschrak erneut: „Das geht doch nicht! Stellt Euch vor, jemandem zu begegnen oder gar dem Herren! Auf der Straße drängen sich die Menschen, Wagen und Sänften überall — wenn etwas passiert, ist das noch ein Spaß? Ihr habt beide einen Mut, der größer ist als ein Scheffelgefäss. Das hat bestimmt Mingyan eingefädelt — wenn wir zurück sind, sage ich den Ammen Bescheid, dann gibt es Schläge!“

Mingyan protestierte: „Der junge Herr hat mich gescholten und geschlagen, bis ich ihn herführte, und jetzt schiebt er alles auf mich! Am besten gehen wir gleich wieder zurück.“

Hua Zifang beschwichtigte: „Nun ist er schon mal da, es hat keinen Sinn, sich aufzuregen. Nur — unsere Strohhütte ist so eng und schmutzig, wie soll der junge Herr sich hier setzen?“

Auch Dufthauchs Mutter kam eilig heraus, um Schatzjade zu begrüssen. Dufthauch führte Schatzjade hinein. Schatzjade sah drei oder fünf junge Mädchen, die bei seinem Eintritt verschämt den Kopf senkten. Hua Zifang und seine Mutter fürchteten, Schatzjade könne frieren, ließen ihn aufs beheizte Kanglager steigen und stellten hastig Obst auf. Dufthauch sagte lächelnd: „Macht euch nicht unnötig Mühe — ich weiß, was er braucht. Obst braucht Ihr nicht aufzutragen, und er darf auch nicht wahllos etwas essen.“

Sie holte ihr eigenes Sitzkissen und breitete es auf dem Kang aus, damit Schatzjade sich setzte. Sie stellte ihren eigenen Fußwärmer hin, nahm zwei Pflaumenduft-Räucherpastillen aus ihrem Beutel, öffnete ihren Handwärmer, legte sie hinein und stellte ihn Schatzjade in den Arm. Dann goss sie Tee in ihre eigene Tasse und reichte ihn Schatzjade.

Währenddessen hatten Mutter und Bruder bereits ordentlich einen ganzen Tisch mit Obst aufgedeckt. Dufthauch sah, dass nichts davon für Schatzjade geeignet war, und sagte lächelnd: „Da du nun schon hier bist, kannst du nicht mit leeren Händen gehen. Probier wenigstens ein wenig — das gehört sich so, wenn du schon einmal bei mir zu Hause bist.“ Sie nahm einige Pinienkerne, blies die dünnen Häutchen ab und reichte sie Schatzjade auf einem Taschentuch.

Schatzjade bemerkte, dass Dufthauchs Augen leicht gerötet waren und ihre Haut sanft glänzte. Er fragte leise: „Warum hast du geweint?“

Dufthauch lächelte: „Ich habe nicht geweint — mir ist nur etwas ins Auge gekommen, und ich habe gerieben.“ Damit war die Sache übergangen.

Schatzjade trug seine große rote Goldbrokat-Pelzjacke mit dem Drachenmuster, darüber einen schieferblauen Zobelpelzmantel. Dufthauch sagte: „Du bist extra zum Hierkommnen in neue Kleidung geschlüpft — haben sie dich nicht gefragt, wohin du gehst?“

Schatzjade lächelte: „Ich habe sie zum Theatersehen bei Bruder Herrlichkeit Kaufmann angezogen.“

Dufthauch nickte. „Setz dich noch ein wenig und dann geh zurück — dies ist kein Ort für dich.“

Schatzjade lächelte: „Am besten wärst du ganz zu Hause geblieben, dann hätte ich dir etwas Gutes aufheben können.“

Dufthauch flüsterte lächelnd: „Sag das leise — wenn die anderen es hören, was sollen sie denken?“

Dann nahm sie ihm den Wunderstein [通灵玉] von der Brust und zeigte ihn ihren Schwestern: „Schaut euch den mal an! Ihr habt immer davon gehört und euch gewünscht, ihn zu sehen — heute könnt ihr ihn euch gründlich anschauen. Schaut ihn an und wundert euch nicht mehr über Raritäten — am Ende ist es auch nur so ein Ding.“ Sie reichte ihn herum, hängte ihn dann Schatzjade wieder um und befahl ihrem Bruder, eine kleine Sänfte oder einen Wagen zu mieten, um Schatzjade zurückzubringen.

Hua Zifang sagte: „Ich bringe ihn auf dem Pferd zurück, das reicht.“

Dufthauch sagte: „Das Pferd wäre kein Problem, aber er könnte jemandem begegnen.“

Hua Zifang mietete eine kleine Sänfte. Man verabschiedete sich von Schatzjade, und Dufthauch drückte Mingyan Obst in die Hand und gab ihm Geld für Feuerwerk. Sie ermahnte ihn: „Erzähl niemandem davon — sonst bist du auch dran.“ Sie begleitete Schatzjade bis vor die Tür, sah zu, wie er in die Sänfte stieg, und ließ den Vorhang herunter. Hua Zifang und Mingyan führten das Pferd und folgten.

In der Straße des Stillfriede-Palastes ließ Mingyan anhalten und sagte zu Hua Zifang: „Ich muss mit dem jungen Herren noch ein wenig im Ostpalast herumlaufen, damit es so aussieht, als wären wir dort gewesen — sonst werden die Leute misstrauisch.“ Hua Zifang stimmte zu, hob Schatzjade aus der Sänfte und half ihm aufs Pferd. Schatzjade sagte lächelnd: „Du hast dir Mühe gemacht.“ So ritten sie durch die Hintertür zurück in den Ostpalast. Mehr ist davon nicht zu berichten.

Unterdessen hatten die Mädchen in Schatzjades Zimmer, da ihr Herr fort war, sich erst recht ausgelassen vergnügt: Manche spielten Brettspiele, manche warfen Würfel, überall lagen Kürbiskernschalen auf dem Boden. Da humpelte die alte Amme Li [李嬷嬷] auf ihrem Stock herein, um nach dem Rechten zu sehen. Als sie Schatzjade nicht antraf und die Mädchen nur herumalberten, konnte sie sich nicht zurückhalten.

„Seit ich nicht mehr so oft herkomme“, seufzte sie, „seid ihr völlig zugellos geworden! Die anderen Ammen trauen sich erst recht nicht, euch etwas zu sagen. Schatzjade ist wie eine mannshohe Laterne — er sieht bei anderen die Flecken, aber nicht seine eigenen. Er meckert immer, andere seien schmutzig, dabei ist das hier sein eigenes Zimmer, und er lässt euch alles verwüsten — das hat keinen Stil!“

Die Mädchen wussten genau, dass Schatzjade auf solche Dinge keinen Wert legte, und außerdem war die alte Li langst aus dem Dienst entlassen — sie hatte keine Macht mehr über sie. Also spielten sie einfach weiter und beachteten sie nicht. Die alte Li fragte noch, wie viel Schatzjade beim Essen ässe und wann er schlafen gehe. Die Mädchen gaben beliebige Antworten. Einer murmelte: „Was für eine lästige alte Schachtel!“

Dann entdeckte die alte Li eine zugedeckte Schale: „Was ist da drin? Milchrahm? Warum hat man mir den nicht gebracht? Dann esse ich ihn eben selbst!“ Sie nahm den Löffel und wollte zugreifen.

Ein Mädchen sagte: „Finger weg! Der ist für Dufthauch aufgehoben — wenn Ihr den esst, gibt es wieder Ärger. Das müssst Ihr dann selbst verantworten und dürft es nicht auf uns schieben!“

Die alte Li hörte das und sagte wütend und beschämt: „Ich glaube nicht, dass er so schlecht geworden ist! Selbst wenn ich eine Schale Milch esse — ist das nicht mein gutes Recht? Ist Dufthauch ihm etwa wichtiger als ich? Hat er vergessen, wie er gross geworden ist? Mein Blut wurde zu Milch, und mit dieser Milch ist er so gross geworden, und jetzt soll ich nicht einmal eine Schale Milch essen dürfen? Ich esse sie trotzdem — sehen wir, was passiert! Was denkt ihr alle über Dufthauch? Die ist ein kleines Mädchen, das ich selbst großgezogen habe — was für ein feines Ding soll sie denn sein!“

Trotzig ass sie den gesamten Milchrahm auf.

Ein anderes Mädchen sagte beschwichtigend: „Die anderen können nicht reden — kein Wunder, dass Ihr aufgebracht seid. Schatzjade schickt Euch doch regelmässig Sachen und erweist Euch die Ehre — er würde doch nie wegen so etwas böse werden.“

Die alte Li sagte: „Versucht nicht, mich mit eurem Fuchscharme zu beschwichtigen! Glaubt ihr, ich wisse nicht über die Sache mit dem Tee und Qianxü [茜雪] Bescheid? Wenn es noch einmal Ärger gibt, komme ich zurück und mache reinen Tisch!“ Damit ging sie verargert davon.

Nach einer Weile kehrte Schatzjade zurück und ließ Dufthauch abholen. Da kam Heitermuster [晴雯] — sie lag auf dem Bett und rührte sich nicht. Schatzjade fragte: „Bist du krank? Oder hast du verloren?“

Herbstmuster [秋纹] sagte: „Sie hat sogar gewonnen. Aber dann kam die alte Amme Li und hat alles durcheinandergebracht, und sie hat sich vor Ärger hingelegt.“

Schatzjade lächelte: „Lass sie in Ruhe, nimm es ihr nicht übel.“ Bald darauf kam Dufthauch zurück.

Schatzjade ließ den Milchrahm bringen. Die Mädchen meldeten: „Die alte Amme Li hat ihn aufgegessen.“

Schatzjade wollte gerade etwas sagen, da sagte Dufthauch schnell lächelnd: „So ist das also — es war doch für mich aufgehoben! Vielen Dank für die Mühe! Als ich ihn neulich ass, schmeckte er zwar gut, aber danach bekam ich furchtbare Bauchschmerzen und musste alles wieder von mir geben. Dass sie ihn gegessen hat, ist besser — hier stehenzulassen wäre Verschwendung gewesen. Eigentlich hätte ich gern gedörrte Kastanien — schälst du mir welche? Ich richte derweil das Bett.“

Schatzjade glaubte ihr, vergass den Milchrahm und begann, Kastanien zu schälen. Als niemand sonst im Zimmer war, fragte er Dufthauch lächelnd: „Wer war eigentlich das Mädchen in Rot heute? Eine Verwandte von dir?“

Dufthauch sagte: „Das ist meine Cousine mütterlicherseits.“

Schatzjade seufzte zwei Mal. Dufthauch sagte: „Was seufzt du? Ich weiß, was du denkst. Du findest, sie sei zu hübsch, um Rot zu tragen.“

Schatzjade lächelte: „Nein, nein! Wenn nicht einmal sie Rot tragen darf, wer dann? Ich habe nur geseufzt, weil sie wirklich ausgesprochen hübsch ist — wie schade, dass sie nicht bei uns im Hause lebt.“

Dufthauch sagte kühl lächelnd: „Nur weil ich eine Sklavin bin, müssen meine Verwandten noch lange keine Sklavinnen sein. Sollte man etwa extra die hübschesten Mädchen aussuchen, um sie in Euer Haus zu bringen?“

Schatzjade sagte hastig: „Da hast du mich falsch verstanden! Wenn ich sage, sie sollte bei uns sein, meint das doch nicht als Sklavin — als Verwandte wäre es doch auch möglich!“

Dufthauch sagte: „Das wäre für sie nicht standesgemäss.“

Schatzjade sprach nicht weiter und schälte nur still seine Kastanien.

Dufthauch lächelte: „Warum sagst du nichts mehr? Habe ich dich etwa beleidigt? Wenn du willst, kannst du sie ja für ein paar Liang Silber kaufen.“

Schatzjade lächelte: „Was du da sagst — wie soll ich darauf antworten? Ich wollte sie doch nur loben, weil sie hübsch ist und hierhergehört in ein solch prächtiges Haus — nicht, dass jemand wie ich es verdient, hier zu leben.“

Dufthauch sagte: „Obwohl sie nicht so ein Glück hat, wurde sie durchaus verwöhnt — der Augapfel meiner Tante und meines Onkels. Sie ist jetzt siebzehn, und die Mitgift ist schon komplett — nächstes Jahr heiratet sie.“

Schatzjade hörte das Wort „heiraten“ und seufzte abermals zweimal. Gerade als ihn betrübte Stimmung überkam, seufzte auch Dufthauch: „Seit ich hierher kam, waren meine Geschwister und ich nie beisammen. Jetzt, wo ich zurückgehen würde, wären sie alle schon weg.“

Schatzjade spürte, dass in diesen Worten mehr steckte, erschrak und ließ die Kastanien fallen: „Wie meinst du das — du willst zurück?“

Dufthauch sagte: „Heute habe ich gehört, wie meine Mutter und mein Bruder besprachen, dass sie mich noch ein Jahr durchhalten lassen wollen und mich dann freikaufen.“

Schatzjade war wie erstarrt und fragte: „Warum wollen sie dich freikaufen?“

Dufthauch sagte: „Was für eine seltsame Frage! Ich bin doch keine hier Geborene — meine ganze Familie lebt woanders. Ich bin hier allein — wie soll das auf Dauer gehen?“

Schatzjade sagte: „Ich werde dich nicht gehen lassen.“

Dufthauch sagte: „So etwas hat es noch nie gegeben. Selbst im Kaiserpalast gibt es Regeln: Alle paar Jahre wird ausgewählt, alle paar Jahre wird aufgenommen — niemand wird für immer behalten. Von dir gar nicht zu reden!“

Schatzjade überlegte — das war tatsächlich richtig. Dann sagte er: „Die Herzoginmutter wird dich auch nicht gehen lassen.“

Dufthauch sagte: „Warum nicht? Wenn ich wirklich unersetzlich wäre und die Herzoginmutter und die Herrin mich unbedingt behalten wollten — vielleicht ginge es, wenn man meiner Familie mehr Silber gäibe. Aber ich bin doch nur ein gewöhnlicher Mensch; es gibt viele, die besser sind als ich. Seit ich klein war, diente ich zürst der Herzoginmutter, dann Fräulein Shi [史大姑娘] und jetzt dir. Wenn meine Familie mich freikaufen will, ist es nur recht und billig. Wahrscheinlich wird man nicht einmal den Kaufpreis zurückverlangen. Und was meinen Dienst an dir betrifft — das ist meine Pflicht, keine besondere Leistung. Wenn ich gehe, kommen andere, die genauso gut sind.“

Schatzjade hörte das — es gab gründliche Argumente für ihr Gehen, aber keinen für ihr Bleiben — und wurde immer besorgter. „Trotzdem“, sagte er, „ich werde alles tun, um dich zu behalten. Ich bitte die Herzoginmutter, mit deiner Mutter zu sprechen und ihr reichlich Silber zu geben — dann wird sie es sich nicht zu sagen trauen.“

Dufthauch sagte: „Meine Mutter würde natürlich nicht wagen, sich zu widersetzen. Man braucht nicht einmal freundlich zu sein oder Geld zu geben — auch ohne das würde sie gehorchen. Aber unsere Familie hat solche Dinge nie mit Gewalt durchgesetzt. Man kann alles kaufen, was einem gefällt, da kommen die Verkäufer nicht zu kurz. Aber mich ohne Grund hierbehalten, dir ohne Nutzen und uns als Familie auseinanderreißen — das werden die Herzoginmutter und die Herrin niemals tun.“

Schatzjade hörte das, dachte lange nach und sagte schließlich: „Deinen Worten nach bist du also fest entschlossen zu gehen?“

Dufthauch sagte: „Fest entschlossen.“

Schatzjade hörte das und dachte bei sich: „So jemand — und so undankbar und gleichgültig!“ Er seufzte: „Hätte ich gewusst, dass alle gehen würden, hätte ich sie nie hierher kommen lassen. Am Ende bleibe ich als einsamer Geist zurück.“ Verargert legte er sich ins Bett.

In Wirklichkeit hatte Dufthauch zu Hause, als sie hörte, dass ihre Mutter und ihr Bruder sie freikaufen wollten, gesagt, sie werde lieber sterben als zurückzugehen. „Damals, als ihr nichts zu essen hattet und ich das einzige war, das noch ein paar Liang Silber wert war — hätte ich euch nicht erlaubt, mich zu verkaufen, wärst du wohl zusehen müssen, wie Vater und Mutter verhungerten. Jetzt habe ich glücklicherweise ein gutes Haus gefunden, wo ich esse und mich kleide wie die Herrschaften, ohne tagein, tagaus geschlagen zu werden. Und jetzt, wo ihr euch finanziell erholt habt, wollt ihr mich freikaufen? Wenn ihr wirklich noch in Not wäret und mich zurückholtet, um noch ein paar Münzen mehr herauszuschlagen — gut. Aber es geht euch doch nicht schlecht! Tut so, als wäre ich gestorben, und denkt nie wieder daran, mich freizukaufen!“

So hatte sie geweint und getobt, bis ihre Mutter und ihr Bruder einlenkten. Außerdem war es ein endgültiger Verkauf mit festem Vertrag, und man wusste, dass die Kaufmann-Familie gütherzig und grosszügig war. Im Grunde genommen, so überlegte man, würde die Familie auf Bitten hin wahrscheinlich sogar den Kaufpreis erlassen. Zweitens behandelte die Familie Kaufmann ihre Dienstboten nie schlecht — es gab mehr Gnade als Strenge. Die persönlichen Mädchen der Herrschaften wurden sogar noch besser behandelt als die übrige Dienerschaft — manche Töchter aus armen Familien wurden nicht so wertgeschätzt wie sie. So gaben Mutter und Bruder den Freikauf auf.

Dann kam Schatzjades Besuch, und als sie sein inniges Verhalten sahen, wurde ihnen alles noch klarer. Nun war der Stein endgültig gefallen, und an Freikauf dachte niemand mehr.

Zurück zu Dufthauch: Sie kannte Schatzjades eigenwilligen Charakter von Kindheit an — seine Wildheit und Sturheit übertrafen alle anderen Knaben, und dazu hatte er noch einige tausend seltsame und unerklärliche Eigenheiten. In letzter Zeit, verwöhnt von der Herzoginmutter und nicht streng genug von den Eltern erzogen, wurde er nur noch zügelloser und eigensinniger. Am wenigsten liebte er ernsthafte Beschäftigung. Jedes Mal, wenn sie ihn ermahnen wollte, wusste sie, dass er nicht zuhören würde. Heute bot sich durch die Sache mit dem Freikauf die Gelegenheit, ihn mit einer List zu prufen — seine Gefühle auszuloten und seinen Stolz zu dämpfen, um ihm dann Ermahnungen zu erteilen.

Als sie sah, dass er sich schweigend ins Bett legte und offenbar litt, wusste sie: Seine Gefühle waren zu stark, sein Trotz gebrochen. Die Kastanien hatte sie eigentlich gar nicht gewollt — sie hatte sie nur als Vorwand benutzt, damit Schatzjade nicht wegen des Milchrahms Ärger machte, wie beim Vorfall mit Qianxüs Tee. Sie ließ die kleinen Mädchen die Kastanien aufessen, ging dann zu Schatzjade und schob ihn sanft an.

Schatzjades Gesicht war tränennass. Dufthauch lächelte: „Das ist doch kein Grund zum Weinen! Wenn du mich wirklich behalten willst, gehe ich natürlich nicht.“

Schatzjade hörte, dass auch diese Worte ihre tiefere Bedeutung hatten, und sagte: „Sag mir, was ich tun soll, damit du bleibst. Ich weiß selbst nicht mehr, was ich sagen kann.“

Dufthauch lächelte: „Was wir einander an Gutem getan haben, brauche ich nicht aufzuzählen. Aber heute, wenn du mich wirklich behalten willst, hängt das nicht davon ab. Ich nenne dir drei Bedingungen. Wenn du sie erfüllst, zeigst du mir, dass es dir ernst ist, und dann bleibe ich — selbst wenn man mir ein Messer an die Kehle hielt.“

Schatzjade lächelte eilig: „Nenn sie! Was es auch ist, ich erfülle alles! Liebe Schwester, liebe allerliebste Schwester — nenn sie, und würden es zwei- oder dreihundert sein, ich würde sie alle erfüllen! Ich bitte nur, dass ihr auf mich aufpasst und bei mir bleibt, bis ich eines Tages zu fliegender Asche werde — nein, Asche wäre noch zu gut, die hat noch Form und Gestalt und Bewusstsein — bis ich zu einem Hauch dünnen Rauches werde, den der Wind verweht, dann könnt ihr euch nicht mehr um mich kümmern, und ich kann mich nicht mehr um euch kümmern. Dann, erst dann, dürft ihr gehen, wohin ihr wollt.“

Bevor er ausgesprochen hatte, hielt Dufthauch ihm den Mund zu: „Hör auf, hör auf! Wir wollen dich doch gerade von solchen Reden abbringen, und du redest nur noch schlimmer!“

Schatzjade sagte eilig: „Ich sage es nie wieder!“

Dufthauch sagte: „Das ist die erste Sache, die du ändern musst.“

Schatzjade sagte: „Geändert! Wenn ich es noch einmal sage, kneif mir die Lippen zusammen! Was noch?“

Dufthauch sagte: „Zweitens: Ob du wirklich gern Bücher liest oder nur so tust — vor deinem Vater oder vor anderen musst du aufhören, alles zu kritisieren und zu verspötten. Tu wenigstens so, als läsest du gern, dann ärgert sich dein Vater weniger und du stehst vor den Leuten besser da. Er denkt sich: Unsere Familie liest seit Generationen, und seit du da bist, hat er gehofft, du würdest auch gern lesen — und nun bist du nicht nur desinteressiert, sondern redest hinter seinem Rücken auch noch solchen Unsinn! Alle, die fleissig studieren und vorwärtskommen, nennst du 'Gehaltsschlürfer' [禄蠹]. Und du sagst, außer 'Die lichte Tugend erhellen' [明明德] gebe es keine wahren Bücher — alles andere seien Fehlinterpretationen der alten Meister. Kein Wunder, dass dein Vater wütend wird und dich ständig verhauen will. Und was sollen die Leute von dir denken?“

Schatzjade lächelte: „Nie wieder! Das war Unsinn aus meiner Kindheit, als ich nichts verstand. Jetzt traue ich mich nicht mehr, so zu reden. Was noch?“

Dufthauch sagte: „Drittens: Hör auf, Mönche und Daoisten zu verspotten und herumzualbern mit Rouge und Puder. Und das Allerwichtigste — hör auf, den Mädchen den Lippenstift vom Mund zu lecken! Diese Vorliebe für Rot muss aufhören!“

Schatzjade sagte: „Alles geändert, alles geändert! Was noch? Sag schnell!“

Dufthauch lächelte: „Mehr gibt es nicht. Achte einfach in allen Dingen mehr auf dich und handle nicht so nach Lust und Laune — das ist alles. Wenn du das alles befolgst, könnte man mich nicht einmal mit einer Sänfte mit acht Trägern hier wegschaffen!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du lange genug hier bleibst, wirst du irgendwann auch noch eine Sänfte mit acht Trägern bekommen!“

Dufthauch sagte kühl: „Dafür habe ich keine Verwendung. Selbst wenn ich das Glück hätte — den Grund dafür gäbe es nicht. Und selbst wenn ich darin sässe, wäre es ohne Vergnügen.“

Während sie noch sprachen, kam Herbstmuster herein und sagte: „Es ist bald drei Uhr nachts — Ihr solltet schlafen. Vorhin hat die Herzoginmutter eine Amme geschickt, um nachzufragen, und ich habe gesagt, Ihr schlaft schon.“

Schatzjade ließ sich die Uhr bringen — tatsächlich, der Zeiger stand auf halb elf. Sie wuschen sich, zogen sich um und gingen zu Bett. Nichts weiter in dieser Nacht.

Am nächsten Morgen fühlte sich Dufthauch schwer, hatte Kopfschmerzen, geschwollene Augen und Fieber an allen Gliedern. Anfangs hielt sie noch durch, doch dann konnte sie nicht mehr und legte sich angekleidet aufs Kanglager. Schatzjade meldete es sofort der Herzoginmutter und ließ einen Arzt kommen, der sagte: „Nichts weiter als eine Erkältung. Ein oder zwei Dosen Medizin zum Schwitzen, und es geht ihr besser.“ Er schrieb ein Rezept, und der Arzt ging. Die Medizin wurde geholt, gekocht und eingenommen, und Dufthauch deckte sich zu, um auszuschwitzen. Schatzjade ging daraufhin zu Kajaljade[8] [黛玉], um nach ihr zu sehen.

Kajaljade ruhte sich gerade auf ihrem Bett aus. Die Mädchen waren alle draußen, und es war ganz still im Zimmer. Schatzjade hob den bestickten Seidenvorhang, trat ins innere Gemach und sah Kajaljade auf dem Bett liegen. Er ging zu ihr und schob sie sanft an: „Liebe Schwester, du hast gerade gegessen und legst dich schon wieder hin?“

Kajaljade, geweckt, sah Schatzjade und sagte: „Geh und amüsier dich woanders. Letzte Nacht habe ich schlecht geschlafen, und mein ganzer Körper tut weh.“

Schatzjade sagte: „Schmerzen sind eine Kleinigkeit, aber wenn du dir vom Schlafen eine Krankheit holst, ist das schlimm. Ich vertreibe dir die Langeweile, und wenn die Müdigkeit vergeht, ist alles gut.“

Kajaljade schloss die Augen und sagte: „Ich bin nicht müde — ich ruhe mich nur ein wenig aus. Geh woanders hin und amüsier dich und komm später wieder.“

Schatzjade schob sie an: „Wohin soll ich gehen? Bei anderen langweile ich mich immer.“

Kajaljade öffnete die Augen und lachte: „Wenn du schon hier bleiben willst, dann setz dich drüben brav hin und lass uns reden.“

Schatzjade sagte: „Ich will mich auch hinlegen.“

Kajaljade sagte: „Dann leg dich hin.“

Schatzjade sagte: „Wir haben kein Kopfkissen — lass uns ein Kissen teilen.“

Kajaljade sagte: „Unsinn! Draußen liegen doch Kissen — hol dir eins.“

Schatzjade ging hinaus, sah sich um, kam zurück und lächelte: „Dieses will ich nicht — wer weiß, welche schmutzige alte Frau darauf gelegen hat.“

Kajaljade öffnete die Augen, setzte sich auf und lächelte: „Du bist wirklich mein 'Himmlischer Plagegeist' [天魔星]! Nimm dieses hier.“ Sie schob ihr eigenes Kissen zu Schatzjade hinüber, holte sich ein anderes und legte sich ihm gegenüber hin.

Kajaljade bemerkte auf Schatzjades linker Wange einen blutunterlaufenen Fleck, so gross wie ein Knopf. Sie beugte sich vor, betastete ihn und fragte: „Wessen Fingernägel haben dich denn da gekratzt?“

Schatzjade wich aus und lächelte: „Das ist kein Kratzer — vorhin habe ich ihnen Rougepaste angerüht und muss etwas abbekommen haben.“ Er suchte ein Taschentuch, um es abzuwischen. Kajaljade nahm ihr eigenes Tuch und wischte es für ihn ab. Dabei sagte sie: „Schon wieder so etwas! Wenn du es schon tust — musst du es dann auch noch zeigen? Wenn Onkel es nicht sieht, erzählen es andere als lustige Neuigkeit weiter und petzen es ihm — und dann gibt es wieder unnötig Ärger.“

Schatzjade hatte gar nicht zugehört. Er roch nur einen feinen Duft, der aus Kajaljades Ärmel stieg und einem ganz schwindelig werden ließ. Er ergriff ihren Ärmel und wollte nachsehen, was darin verborgen war.

Kajaljade lächelte: „Im kalten zehnten Monat — wer trägt da Duftsäckchen?“

Schatzjade lächelte: „Wenn dem so ist — woher kommt dann dieser Duft?“

Kajaljade sagte: „Ich weiß es auch nicht. Vielleicht hat sich der Duft aus dem Schrank auf die Kleider übertragen.“

Schatzjade schüttelte den Kopf: „Das glaube ich nicht. Dieser Duft ist seltsam — er kommt nicht von Duftkugeln, Duftbeuteln oder Räucherpastillen.“

Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Habe ich vielleicht auch einen 'Wahren Menschen' oder 'Arhat', der mir besonderen Weihrauch gibt? Selbst wenn — ich habe keinen älteren Bruder, der mir Blumen und Puder und Cremes herstellt. Ich habe nur den gewöhnlichen Duft, sonst nichts.“

Schatzjade lächelte: „Was auch immer ich sage, du ziehst sofort solche Vergleiche. Wenn ich dich nicht ein wenig massregle, wirst du es nie lassen. Ab heute kenne ich keine Gnade mehr!“ Er richtete sich auf, hauchte sich zweimal in die Hände und begann, Kajaljade an den Seiten und unter den Achseln zu kitzeln.

Kajaljade war von Natur aus äußerst kitzlig. Sobald Schatzjades Hände sie berühürten, wand sie sich vor Lachen und keuchte: „Schatzjade! Wenn du nicht aufhörst, werde ich böse!“

Schatzjade hielt inne und fragte lächelnd: „Sagst du noch einmal solche Sachen oder nicht?“

Kajaljade lächelte: „Nie wieder!“ Während sie sich das Haar richtete, sagte sie: „Ich habe seltenen Duft — hast du 'warmen Duft' [暖香]?“

Schatzjade verstand nicht und fragte: „Was für ein 'warmer Duft'?“

Kajaljade schüttelte den Kopf, seufzte und lächelte: „Dummkopf, Dummkopf! Du hast einen Jade-Stein, und prompt hat jemand ein Goldgeschmeide, das dazu passt. Jemand hat 'kalten Duft' [冷香] — und du hast keinen 'warmen Duft' als Gegenstück?“

Da erst verstand Schatzjade die Anspielung auf Schatzspanges goldenes Amulett und ihren 'kalten Duft'. Er lächelte: „Eben noch hast du um Gnade gebeten, und jetzt redest du noch schärfer!“ Er streckte wieder die Hände aus.

Kajaljade rief lächelnd: „Lieber Bruder, ich traue mich nicht mehr!“

Schatzjade lächelte: „Gut, ich verzeihe dir — aber lass mich deinen Ärmel riechen.“ Er zog ihren Ärmel an sein Gesicht und roch unaufhörlich daran.

Kajaljade zog ihre Hand zurück: „Jetzt solltest du aber gehen.“

Schatzjade lächelte: „Gehen? Unmöglich! Lass uns hier friedlich liegen und plaudern.“ Er legte sich wieder hin. Kajaljade legte sich ebenfalls hin und bedeckte ihr Gesicht mit dem Taschentuch. Schatzjade plapperte dies und das, doch Kajaljade antwortete nicht. Er fragte sie, in welchem Alter sie nach Peking gekommen sei, was sie unterwegs gesehen habe, welche Sehenswürdigkeiten es in Yangzhou gäbe. Kajaljade schwieg beharrlich.

Schatzjade fürchtete, sie könne vom Schlafen krank werden, und versuchte sie mit einer Geschichte wachzuhalten: „Oh je! In eurem Amtsgebäude von Yangzhou hat sich eine große Begebenheit zugetragen — weißt du davon?“

Kajaljade, die an seinem ernsten Tonfall glaubte, es sei etwas Wirkliches, fragte: „Was denn?“

Schatzjade hielt sein Lachen zurück und fabulierte drauflos: „In Yangzhou gibt es einen Dai-Berg [黛山], auf dem liegt eine Lin-Höhle [林子洞].“

Kajaljade lächelte: „Das ist schon gelogen — so einen Berg gibt es nicht.“

Schatzjade sagte: „Es gibt unzählige Berge und Gewässer auf der Welt — die kannst du nicht alle kennen. Lass mich erst ausreden, dann kritisiere!“

Kajaljade sagte: „Erzähl weiter.“

Schatzjade fabulierte: „In der Lin-Höhle lebte eine Schar Ratten-Geister. Am siebten Tag des zwölften Monats nahm die Rattenmutter auf ihrem Thron Platz und verkündete: 'Morgen ist der achte, und alle Leute auf der Welt kochen das Laba-Reisbreiporgridge. In unserer Höhle fehlt es an Früchten — wir müssen die Gelegenheit nutzen und einige rauben!' Sie zog einen Befehlspfeil und sandte eine geschickte kleine Ratte zum Kundschaften. Nach einer Weile kam die Ratte zurück und meldete: 'Ich habe überall Erkundigungen eingeholt — im Tempel am Fuß des Berges gibt es am meisten Reis und Früchte.' Die Rattenmutter fragte: 'Wie viele Sorten Reis? Wie viele Sorten Früchte?' Die kleine Ratte sagte: 'Reis und Bohnen in Hülle und Fülle, nicht zu zählen. Früchte gibt es fünf Sorten: erstens rote Datteln, zweitens Kastanien, drittens Erdnüsse, viertens Wasserkastanien, fünftens Taro.' Die Rattenmutter war hoch erfreut und entsandte sofort Ratten. Eine übernahm den Reis, eine die Bohnen, jede bekam ihren Auftrag. Nur die süsser Taro war noch übrig. Sie zog einen Befehlspfeil und fragte: 'Wer stiehlt den süssen Taro?' Eine winzig kleine, schwächliche Ratte meldete sich: 'Ich möchte den süssen Taro stehlen!' Die Rattenmutter und alle anderen Ratten fanden sie zu klein und schwach und wollten sie nicht schicken. Aber die kleine Ratte sagte: 'Ich bin zwar klein und schwach, doch meine Zauberkräfte sind grenzenlos, meine Zunge gewandt und meine List tief. Ich werde es geschickter anstellen als sie alle.' Die anderen Ratten fragten: 'Wie denn geschickter?' Die kleine Ratte sagte: 'Ich stehle nicht einfach direkt. Ich verwandle mich selbst in einen süssen Taro, rolle mich unter die anderen Taros, und niemand sieht oder hört etwas. Dann transportiere ich sie heimlich mit meiner Teilungskunst ab — Stück für Stück, bis alles fort ist. Ist das nicht geschickter als plumpes Stehlen?' Alle Ratten lobten: 'Wunderbar, wunderbar! Aber wie verwandelst du dich? Zeig es uns erst!' Die kleine Ratte lächelte: 'Nichts leichter als das! Seht her!' Sie schüttelte sich und rief: 'Verwandlung!' — und verwandelte sich in ein bildhüsches, wunderschönes junges Fräulein. Alle Ratten riefen lächelnd: 'Falsch verwandelt, falsch verwandelt! Du solltest dich in eine Frucht verwandeln, nicht in ein Fräulein!' Die kleine Ratte nahm wieder ihre wahre Gestalt an und lächelte: 'Ihr habt eben keine Ahnung! Ihr kennt nur die Frucht namens süssen Taro [香芋], aber wisst ihr nicht, dass die Tochter des Salzsteuer-Inspektors Lin [林] der wahre süsse Jade-Schatz [香玉] ist?'“

Kajaljade sprang auf, drückte Schatzjade aufs Bett und rief lächelnd: „So ein unverschämter Mund! Ich hab es doch gewusst, dass du mich veralberst!“ Sie kniff ihn, bis Schatzjade um Gnade flehte: „Liebe Schwester, verzeih mir! Ich werde es nie wieder tun! Weil ich deinen Duft gerochen habe, ist mir plötzlich diese Anekdote eingefallen.“

Kajaljade sagte lächelnd: „Erst beschimpft er einen, und dann nennt er es auch noch 'Anekdote'!“

Kaum hatte sie das gesagt, kam Schatzspange[9] herein und fragte lächelnd: „Wer erzählt hier Anekdoten? Ich möchte auch zuhören.“

Kajaljade bat sie herein und lächelte: „Sieh dir das an! Er hat mich beleidigt und nennt es eine Anekdote!“

Schatzspange lächelte: „Das ist eben unser Bruder Schatzjade — kein Wunder. Er hat so viele Anekdoten im Kopf. Nur leider: Wenn er sie braucht, vergisst er sie. Neulich Nacht bei dem Bananengedicht hätte er sich erinnern sollen — aber was direkt vor ihm lag, fiel ihm nicht ein. Andere froren, und er schwitzte vor Aufregung. Und jetzt hat er plötzlich wieder ein Gedächtnis!“

Kajaljade sagte lächelnd: „Amitabha Buddha! Endlich kommt auch meine liebe Schwester mal dran! Wie man sieht: Es gibt Vergeltung auf der Welt, und sie ist präzise wie eine Waage!“

Gerade als sie dies sagte, hörte man aus Schatzjades Zimmer lautes Geschrei und Gezanke. Was war geschehen?

[Ende des neunzehnten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Urfrühling (元春, Yuánchūn) – Kaiserliche Konkubine, älteste Schwester von Schatzjade.
  2. Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade.
  3. Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts der Kaufmann-Familie.
  4. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.
  5. Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.
  6. Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – Großmutter von Schatzjade.
  7. Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Ning-Guo-Zweigs.
  8. Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.
  9. Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.