Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 7"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 7) |
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<div style="background-color: #8b1a1a; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | <div style="background-color: #8b1a1a; color: white; padding: 12px 15px; margin: 0 0 20px 0; border-radius: 4px; font-size: 1.1em;"> | ||
| − | <span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1 | + | <span style="font-weight: bold;">Kapitel:</span> [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_1|<span style="color: #FFD700;">1</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_11|<span style="color: #FFD700;">11</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_21|<span style="color: #FFD700;">21</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_31|<span style="color: #FFD700;">31</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_41|<span style="color: #FFD700;">41</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_51|<span style="color: #FFD700;">51</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_61|<span style="color: #FFD700;">61</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_71|<span style="color: #FFD700;">71</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_81|<span style="color: #FFD700;">81</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_91|<span style="color: #FFD700;">91</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_101|<span style="color: #FFD700;">101</span>]] · [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_111|<span style="color: #FFD700;">111</span>]] |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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不因俊俏難為友,正為風流始讀書。 | 不因俊俏難為友,正為風流始讀書。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 7 | |
| − | + | Beim Überbringen der Palastblumen vergnügt sich Kette Kaufmann [贾琏] mit Phönixglanz [熙凤] — | |
| − | + | Beim Festmahl im Stillfriede-Anwesen trifft Schatzjade [宝玉] auf Liebglocke Anmutig Minne<ref>Chin. 秦钟 Qín Zhōng. 钟 zhōng „Glocke“. Der Name klingt wie 情种 qíngzhǒng „Liebessame“.Chin. 秦钟 Qín Zhōng, wörtl. „Anmutig Minne-Glocke" Jüngerer Bruder von Anmutig Anmutig Minne.</ref> | |
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| − | + | Dem Kapitel vorangestellt: | |
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| − | + | Zwölf Blumengesichter, die frischesten von allen — | |
| − | + | Wer weiß, wer die Blumen hütet? | |
| − | + | Wenn man bei der Begegnung nach dem Namen fragt: | |
| − | + | Am Südufer des Yangtze daheim, vom Geschlecht der Anmutig Minne. | |
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| − | + | Nachdem Frau Zhou Oma Liu verabschiedet hatte, ging sie hinauf, um Dame König Bericht zu erstatten. Dame König war jedoch nicht in ihren Gemächern — die Dienerinnen sagten, sie sei bei Tante Schnee<ref>Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee", Mutter von Schatzspange und Schwester von Dame König.</ref> [薛姨妈] zum Plaudern hinübergegangen. Frau Zhou machte sich also zum Birnenduft-Hof auf. Am Eingang sah sie die Dienerin Goldarmreif<ref>Chin. 金钗 Jīn Chuàn. 金 jīn „Gold“; 钗 chuàn „Armreif“.</ref><ref>Chin. 金钏儿 Jīn Chuàn'ér, wörtl. „Goldenes Armband".</ref> [金钏儿], die mit einem kleinen Mädchen auf den Stufen spielte. Als Goldarmreif Frau Zhou kommen sah, deutete sie mit dem Kinn nach innen. Frau Zhou schob leise den Vorhang beiseite und sah Dame König und Tante Schnee in ein langes Gespräch über Familienangelegenheiten und gesellschaftliche Beziehungen vertieft. | |
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| − | + | Da Frau Zhou sie nicht stören wollte, ging sie ins Nebenzimmer. Dort saß Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Kostbare Haarspange aus dem Hause Schnee".</ref> in Hauskleidung, die Haare lose zusammengesteckt, am Rand des Ofenbettes über einem kleinen Tisch gebeugt, zusammen mit ihrer Dienerin Yinger [莺儿] Stickmuster abzeichnend. Als Schatzspange [宝钗] sie eintreten sah, legte sie den Pinsel nieder, drehte sich lächelnd um und bot ihr Platz an. Frau Zhou setzte sich an den Bettrand und fragte: „In den letzten zwei, drei Tagen war das Fräulein nicht drüben — hat der junge Herr Schatzjade sie vielleicht verschnupft?" Schatzspange lachte: „Nein, ganz und gar nicht. Nur hat meine alte Krankheit wieder eingesetzt, daher bin ich in den letzten Tagen nicht ausgegangen." Frau Zhou fragte besorgt nach der Ursache und riet ihr, einen guten Arzt aufzusuchen. | |
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| − | + | Schatzspange lachte: „Ach, redet nicht vom Medizinnehmen! Für diese Krankheit haben wir schon unzählige Ärzte bezahlt — kein einziger Berühmter hat geholfen. Schließlich kam ein kahlköpfiger Mönch, der sagte, er heile namenlose Krankheiten. Er diagnostizierte ein angeborenes ‚Hitzegift' aus dem Mutterleib — zum Glück sei meine Konstitution robust. Gewöhnliche Medizin helfe nicht. Er verschrieb ein Rezept namens ‚Methode vom Meer' und gab ein Päckchen merkwürdig duftendes Pulver dazu. Er sagte, bei einem Anfall solle man eine Pille nehmen. Erstaunlicherweise wirkt seine Medizin tatsächlich." | |
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| − | + | Frau Zhou fragte nach dem Rezept. Schatzspange lachte: „Die Zutaten selbst sind nicht schwer zu beschaffen — nur die ‚Zufälle' sind das Problem: Man braucht zwölf Liang [两] weiße Pfingstrosenblüten vom Frühling, zwölf Liang weiße Lotosblüten vom Sommer, zwölf Liang weiße Hibiskusblüten vom Herbst und zwölf Liang weiße Pflaumenblüten vom Winter. Diese vier Blütensorten trocknet man am Tagundnachtgleiche-Tag des folgenden Frühlings und mischt sie unter das Pulver. Dazu braucht man zwölf Qian [钱] Regenwasser vom Tag des ‚Regenwasser'-Sonnenwendepunkts [雨水] ..." Frau Zhou rief: „Ach du meine Güte! Das dauert ja drei Jahre! Und wenn es am Regenwasser-Tag gar nicht regnet?" Schatzspange lachte: „Eben! Wo gibt es solche Zufälle? Wenn es nicht regnet, muss man eben ein weiteres Jahr warten. Dazu braucht man zwölf Qian Tautropfen vom Tag des ‚Weißen Taus' [白露], zwölf Qian Reif vom Tag des ‚Reiffalls' [霜降] und zwölf Qian Schnee vom Tag des ‚Kleinen Schnees' [小雪]. Diese vier Wässer mischt man gleichmäßig unter die Arznei, fügt zwölf Qian Honig und zwölf Qian weißen Zucker hinzu, formt Pillen so groß wie Longanfrüchte und bewahrt sie in einem alten Porzellankrug auf, der unter Blumenwurzeln vergraben wird. Bei einem Anfall nimmt man eine Pille mit zwölf Teilen Huangbai-Absud [黄柏, Phellodendron] ein." | |
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| − | + | Frau Zhou lachte: „Amitabha Buddha! Das ist ja ein Ding! In zehn Jahren trifft sich das vielleicht nicht einmal!" Schatzspange sagte: „Und doch — in ein, zwei Jahren nach seinem Besuch ergab sich tatsächlich alles wie von selbst. So konnte endlich eine Charge hergestellt werden. Sie ist aus dem Süden mitgebracht und liegt jetzt unter dem Birnbaum vergraben." Frau Zhou fragte: „Hat die Medizin einen Namen?" Schatzspange antwortete: „Ja — auch den hat der kahlköpfige Mönch gesagt: ‚Pille des Kalten Duftes' [冷香丸]." Frau Zhou fragte noch nach den Symptomen. Schatzspange sagte: „Es ist nicht schlimm — nur etwas Husten und Kurzatmigkeit. Eine Pille, und es wird besser." | |
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| − | + | Frau Zhou wollte noch etwas sagen, als Dame König von nebenan rief: „Wer ist dort?" Frau Zhou eilte hinaus und antwortete, erstattete bei der Gelegenheit Bericht über den Besuch der alten Liu. Nach einer kurzen Pause, als Dame König nichts weiter sagte, wollte sie sich zurückziehen. Da rief Tante Schnee lachend: „Warte! Ich habe etwas, das du mitnehmen sollst." Sie rief nach Duftkastanie<ref>Chin. 香菱 Xiānglíng, wörtl. „Duftende Lotosknolle", das geraubte Kind Zhen Wahrheitsverberger's.</ref> [香菱]. Man hörte den Vorhang rascheln, und das kleine Mädchen, das vorhin mit Goldarmreif gespielt hatte, kam herein und fragte: „Was wünscht die gnädige Frau?" Tante Schnee sagte: „Hol die Blumen aus dem Kästchen." Duftkastanie brachte ein kleines Brokatkästchen. Tante Schnee sagte: „Das sind zwölf Blumen aus dem Palast — ganz neue Mode, aus Gaze aufgetürmt. Gestern fiel mir ein, dass es schade wäre, sie einfach liegen zu lassen — warum nicht den Mädchen zum Tragen geben? Gestern wollte ich sie schicken und habe es dann vergessen. Gut, dass du heute da bist — nimm sie gleich mit. Für die drei jungen Damen in eurem Haus je ein Paar; von den restlichen sechs gib Kajaljade zwei, und die übrigen vier bekommt Phönixglanz." Dame König meinte: „Behalte sie doch für Schatzspange." Tante Schnee lachte: „Die Schwester kennt Schatzspange nicht — sie hat noch nie etwas für Blumen und Puder übrig gehabt." | |
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| − | + | Frau Zhou nahm das Kästchen und ging hinaus. Vor der Tür saß Goldarmreif noch in der Sonne. Frau Zhou fragte sie: „Diese kleine Duftkastanie — ist das nicht die, die man immer erwähnt, die beim Aufbruch nach der Hauptstadt gekauft wurde und derentwegen der Mordprozess stattfand?" Goldarmreif bestätigte es. Da kam Duftkastanie lächelnd herbei. Frau Zhou nahm sie bei der Hand, betrachtete sie genau und sagte zu Goldarmreif: „Ein hübsches Ding! Sie hat tatsächlich Ähnlichkeit mit der jungen Frau Rong drüben im Ost-Haus." Goldarmreif stimmte zu. Frau Zhou fragte Duftkastanie nach ihrem Alter, ihren Eltern, ihrer Herkunft — doch Duftkastanie schüttelte bei jeder Frage den Kopf: „Ich erinnere mich nicht." Frau Zhou und Goldarmreif seufzten vor Mitleid. | |
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| − | + | Dann trug Frau Zhou die Blumen hinter Dame Königs Hauptgemächern hindurch. Die Großmutter hatte kürzlich befunden, die Enkelinnen seien zu viele an einem Ort, und nur Schatzjade und Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Jade in Kajal-Schwarz" aus dem Hause Lin.</ref> [黛玉] bei sich behalten; Willkommensfrühling<ref>Chin. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Den Frühling willkommen heißen", zweite der Jia-Schwestern.</ref> [迎春], Erkundefrühling<ref>Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Den Frühling erspüren".</ref> [探春] und Bedauerfrühling<ref>Chin. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Den Frühling hüten".</ref> [惜春] waren in drei kleine Zimmer hinter Dame Königs Gemächern umgezogen, wo Seidenweiß Pflaume<ref>Chin. 李纨 Lǐ Wán, wörtl. „Li Feingespinst", die junge Witwe von Aufrecht Kaufmanns ältestem Sohn.</ref> [李纨] sie betreute. Frau Zhou ging daher zuerst dorthin. Willkommensfrühlings Dienerin Schachspielerin [司棋] und Erkundefrühlings Dienerin Shishu [侍书] kamen gerade heraus. Frau Zhou fand Willkommensfrühling und Erkundefrühling beim Schachspielen am Fenster, überreichte die Blumen und erklärte den Anlass. Beide dankten höflich und ließen die Blumen von den Dienerinnen verwahren. | |
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| − | + | Dann ging Frau Zhou zu Bedauerfrühling, die sie mit der kleinen Nonne Weisheitskraft<ref>Chin. 智能儿 Zhìnéng. 智 zhì „Weisheit“; 能 néng „Fähigkeit/Kraft“.</ref> vom Wassermond-Kloster [水月庵] beim Spielen und Lachen fand. Bedauerfrühling lachte: „Gerade sage ich zu Weisheitskraft, morgen lasse ich mir auch den Kopf scheren und werde Nonne — und da bringt man mir Blumen! Wenn ich mir den Kopf scheren lasse, wo soll ich die denn hintragen?" Alle lachten; Bedauerfrühling ließ ihre Dienerin Ruhua [入画] die Blumen verwahren. | |
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| − | + | Frau Zhou fragte Weisheitskraft nach ihrer Meisterin und den monatlichen Opfergeldern. Dann machte sie sich auf zu Phönixglanz. Sie durchquerte den Verbindungsgang, passierte Seidenweiß Pflaumes Hinterfenster, stieg über die westliche Blumenmauer und betrat Phönixglanzs Hof. Im Durchgangsraum saß die kleine Dienerin Fenr [丰儿] auf der Schwelle und winkte Frau Zhou hastig zum östlichen Zimmer. Frau Zhou schlich auf Zehenspitzen hinein und fand die Amme, die die kleine Dajie in den Schlaf wiegte. Frau Zhou flüsterte: „Macht die junge gnädige Frau Mittagsschlaf? Soll sie nicht geweckt werden?" Die Amme schüttelte den Kopf. Da hörte man von nebenan Lachen — und die Stimme Kette Kaufmanns. Dann ging die Zimmertür auf, und Friedchen kam mit einem großen Kupferbecken heraus und rief Fenr, Wasser zu bringen. [Anm.: Die Szene deutet an, dass Kette Kaufmann und Phönixglanz sich tagsüber vergnügt haben.] Friedchen kam herüber, sah Frau Zhou und nahm das Kästchen entgegen. Sie öffnete es, nahm vier Blumen heraus und ging zurück. Nach einer Weile kam sie mit zwei Blumen und wies den Diener Caiming [彩明] an: „Bring die zur jungen Frau Rong drüben im Ost-Haus." Dann schickte sie Frau Zhou mit Dank zurück. | |
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| − | + | Frau Zhou begab sich nun zur Großmutter. Im Durchgang traf sie plötzlich ihre Tochter, die gerade von ihren Schwiegereltern kam und einen dringenden Fall zu besprechen hatte: Ihr Schwiegersohn — kein anderer als Leng Selbstaufsteiger<ref>Chin. 冷子兴 Lěng Zìxīng, wörtl. „Kalt-Selbstaufsteiger", ein Antiquitätenhändler.</ref> [冷子兴], Regendorfs alter Freund — war in einen Rechtsstreit wegen Antiquitätenhandels geraten und sollte in seine Heimat zurückgeschickt werden. Die Tochter bat Frau Zhou um Vermittlung. Frau Zhou beruhigte sie und schickte sie nach Hause — abends werde sie Phönixglanz um Hilfe bitten, das sei eine Kleinigkeit. | |
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| − | + | Dann ging Frau Zhou zu Kajaljade. Kajaljade war jedoch nicht in ihrem eigenen Zimmer, sondern bei Schatzjade, wo sie zusammen ein Rätselspiel mit neun Ringen spielten. Frau Zhou trat lächelnd ein: „Fräulein Lin, die Frau Tante Schnee schickt Ihnen Blumen." Schatzjade rief: „Was für Blumen? Zeig her!" und griff nach dem Kästchen. Es waren kunstvolle Palastblumen aus aufgetürmter Gaze. Kajaljade warf nur einen Blick darauf und fragte: „Sind die nur für mich allein, oder haben alle Mädchen welche bekommen?" Frau Zhou antwortete: „Alle haben schon welche — diese beiden sind die Ihren." Kajaljade lachte kalt: „Das habe ich mir gedacht — was andere nicht mehr haben wollen, gibt man mir." | |
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| − | + | Frau Zhou verstummte. Schatzjade fragte: „Schwester Zhou, was hast du drüben gemacht?" Sie erzählte von ihrem Auftrag. Schatzjade fragte: „Was macht die Schwester Schatzspange? Warum kommt sie in den letzten Tagen nicht herüber?" Frau Zhou antwortete: „Ihr geht es nicht gut." Schatzjade schickte sogleich seine Dienerin Qianxue [茜雪] mit Grüßen hinüber und ließ fragen, was für eine Krankheit es sei und welche Medizin sie nehme, und er werde sie demnächst persönlich besuchen. Frau Zhou ging, und damit war diese Sache erledigt. [Anm.: Der Schwiegersohn von Frau Zhou ist eben jener Leng Selbstaufsteiger. Frau Zhou bat abends Phönixglanz um Hilfe, und die Sache war schnell erledigt.] | |
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| − | + | Am Abend erschien Phönixglanz abgeschminkt bei Dame König zum Bericht: Die Zhens hatten Geschenke geschickt; man müsse die Gegengeschenke mit deren Schiffen zurücksenden. Dann besprachen sie das Geburtstagsgeschenk für die alte Fürstin des Grafen von Lin'an und andere Angelegenheiten. Phönixglanz erwähnte, die Schwägerin Zhen [尤氏] habe sie für morgen zu einem Besuch eingeladen. Dame König erlaubte es: „Ob es Geschäfte gibt oder nicht — da sie nicht uns, sondern nur dich einlädt, zeigt es ihre aufrichtige Absicht, dich zu zerstreuen. Du solltest gehen." Phönixglanz stimmte zu. Seidenweiß Pflaume und die Schwestern kamen noch zur Gute-Nacht-Visite, dann gingen alle in ihre Zimmer. | |
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| − | + | Am nächsten Tag frühstückte Phönixglanz, meldete sich bei Dame König ab und verabschiedete sich bei der Großmutter. Als Schatzjade hörte, sie fahre zum Stillfriede-Anwesen, wollte er mit. Phönixglanz willigte ein; die beiden stiegen in die Kutsche und fuhren zum Stillfriede-Anwesen. Dort empfingen sie Herrlichkeit Kaufmann<ref>Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Herrlichkeit Kaufmann", Oberhaupt des Stillfriede-Anwesen.</ref> [贾珍]s Gattin You [尤氏] und Hibiskus Kaufmann [贾蓉]s Gattin Anmutig Minne<ref>Chin. 秦可卿 Qín Kěqīng, Schwiegertochter im Stillfriede-Anwesen, von rätselhafter Herkunft.</ref> [秦氏], Schwiegermutter und Schwiegertochter, mit einem Gefolge von Nebenfrauen und Dienerinnen am Zeremonielltor. You begrüßte Phönixglanz wie gewohnt mit neckenden Scherzen, nahm Schatzjade bei der Hand, und sie gingen gemeinsam in den Empfangsraum. Anmutig Minne servierte Tee. Phönixglanz fragte: „Wozu habt ihr mich hergebeten? Wenn ihr mir etwas Gutes anbieten wollt, dann schnell — ich bin beschäftigt!" You und Anmutig Minne hatten noch nicht geantwortet, als einige Nebenfrauen lachend sagten: „Wenn die Zweite Schwiegertochter schon da ist, gehört sie uns — sie kann sich nicht mehr wehren!" | |
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| − | + | Gerade da kam Herrlichkeit Kaufmann herein und begrüßte alle. Schatzjade fragte: „Ist der Große Bruder [Herrlichkeit Kaufmann] heute nicht zu Hause?" You antwortete: „Er ist aufs Land gefahren, um den alten Herrn zu besuchen. Du langweilst dich doch hier — warum gehst du nicht ein wenig spazieren?" | |
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| − | + | Anmutig Minne lachte: „Heute trifft es sich gut: Der jüngere Bruder, den der junge Onkel Bao letztes Mal unbedingt sehen wollte, ist heute auch da — wahrscheinlich im Studierzimmer. Warum geht der junge Onkel nicht hin?" Schatzjade sprang sofort auf. You und Phönixglanz riefen: „Vorsicht! Wohin so eilig!" Sie gaben den Dienern Anweisungen, gut auf ihn achtzugeben. Phönixglanz sagte: „Warum bringt man diesen jungen Herrn Anmutig Minne nicht herein? Ich möchte ihn auch sehen." You lachte: „Lass nur! Unsere Kinder sind wildes Herumtollen gewöhnt. Seine Kinder sind fein erzogen — wenn er dich Raufboldin sieht, wird man uns auslachen!" Phönixglanz lachte: „Alle Welt — ich lache über sie, und ein Knirps soll über mich lachen?" Herrlichkeit Kaufmann sagte entschuldigend: „Er ist eben schüchtern und hat große Gesellschaft nicht gewöhnt — die Tante würde sich nur ärgern." Phönixglanz rief: „Und wenn er Nezha wäre — ich will ihn sehen! Rede keinen Unsinn, oder du bekommst eine Ohrfeige!" | |
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| − | + | Herrlichkeit Kaufmann ging lachend hinaus und brachte tatsächlich einen jungen Mann herein — etwas schlanker als Schatzjade, mit feinen Brauen und klaren Augen, rosigem Gesicht und roten Lippen, von anmutiger Gestalt und elegantem Auftreten, das Schatzjades vielleicht noch übertraf. Nur war er schüchtern und verschämt, mit einer mädchenhaften Zurückhaltung, und verbeugte sich zaghaft vor Phönixglanz. Phönixglanz war entzückt, stieß Schatzjade an und lachte: „Gegen den siehst du alt aus!" Sie ergriff des Jünglings Hand, ließ ihn neben sich sitzen und fragte nach seinem Alter und seinen Studien. Sie erfuhr, dass sein Schulname Liebglocke Anmutig Minne [秦钟] war. Phönixglanzs Dienerinnen bemerkten, dass sie kein Begrüßungsgeschenk mitgebracht hatten, und eilten zu Friedchen, die eigenständig ein Stück Seide und zwei kleine Goldklumpen mit der Aufschrift „Erster Platz bei der Palastprüfung" [状元及第] herüberschickte. Phönixglanz sagte scherzhaft, das sei zu wenig. Anmutig Minne dankte. Man aß gemeinsam, und dann spielten You, Phönixglanz und Qin Mahjong. | |
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| − | + | Schatzjade und Liebglocke Anmutig Minne saßen beisammen und plauderten. Schatzjade war beim ersten Anblick von Liebglocke Minnes feiner Erscheinung wie verzaubert und sann eine Weile nach. Er dachte: „Welch ein Mensch! Neben ihm bin ich ein Schwein aus Schlamm und ein räudiger Hund! Wie bedauerlich, dass ich in einem Fürstenhaus geboren wurde! Wäre ich in einer bescheidenen Familie aufgewachsen, hätte ich mich längst mit ihm angefreundet — dann wäre mein Leben nicht umsonst gewesen. Trotz meines höheren Ranges — Seide und Brokat umhüllen nur dieses tote Holz; feiner Wein und Lammbraten füllen nur diese Schmutzgrube. Die zwei Worte ‚Reichtum und Adel' werden durch mich geschändet!" Liebglocke Anmutig Minne seinerseits bewunderte Schatzjades außergewöhnliche Erscheinung und sein vornehmes Auftreten und dachte bei sich: „Kein Wunder, dass alle ihn verhätscheln! Wie schade, dass ich in ärmlichen Verhältnissen geboren bin und ihm nicht nahe sein kann. Die Kluft zwischen Arm und Reich — das ist wahrlich die größte Ungerechtigkeit der Welt!" Beide versanken in ähnliche Grübeleien. Dann fragte Schatzjade, was Liebglocke Anmutig Minne lese; dieser antwortete aufrichtig. Nach zehn Sätzen hin und her fühlten sie sich einander schon eng verbunden. | |
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| − | + | Man brachte Tee und Obst; Schatzjade schlug vor, sich ins Nebenzimmer zurückzuziehen, um die Spielerinnen nicht zu stören. Anmutig Minne kam herein und ermahnte Schatzjade, ihren jüngeren Bruder nachsichtig zu behandeln, falls er sich ungeschickt ausdrücke, und warnte auch ihren Bruder. Dann ging sie zurück zu Phönixglanz. | |
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| + | Schatzjade und Liebglocke Anmutig Minne sprachen über Familienangelegenheiten. Liebglocke Anmutig Minne erzählte, sein Hauslehrer sei letztes Jahr gestorben, sein Vater sei alt und krank und habe noch keinen neuen Lehrer gefunden; er wiederhole einstweilen seine alten Lektionen zu Hause. Schatzjade rief begeistert: „Genau! Wir haben eine Familienschule — alle Clanangehörigen, die sich keinen Privatlehrer leisten können, dürfen dort lernen. Da auch mein Lehrer letztes Jahr verreist ist, bin ich gerade unbeschäftigt. Mein Vater wollte mich in die Familienschule schicken, aber meine Großmutter fürchtet, die anderen Jungen seien zu wild. Warum bittet Ihr Euren Vater nicht, und Ihr kommt zu uns in die Schule? Dann lernen wir zusammen — das wäre doch wunderbar!" Liebglocke Anmutig Minne freute sich sehr: „Mein Vater hat das tatsächlich schon erwogen! Wenn der junge Onkel mich empfiehlt, gibt es keinen Grund zu zögern!" Die beiden fassten den Plan, und Schatzjade versprach, die Großmutter zu bitten. | ||
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| + | Beim Abendessen stellte sich heraus, dass Anmutig Minne und You beim Kartenspiel verloren hatten und in einigen Tagen ein Festmahl schuldig waren. Es wurde dunkel; You ordnete an, den jungen Anmutig Minne von zwei Dienern nach Hause bringen zu lassen. Man meldete jedoch, dass der Alte Jiao Da<ref>Chin. 焦大 Jiāo Dà, wörtl. „Verbrannter Großer", alter Diener, der dem Ahnherrn des Stillfriede-Anwesen im Krieg das Leben rettete.</ref> [焦大] für den Dienst eingeteilt worden sei — und betrunken schimpfe. You und Anmutig Minne sagten: „Warum ausgerechnet der? Es gibt genug junge Leute!" Phönixglanz tadelte You: „Ich sage doch immer, Ihr seid zu nachgiebig — solche Zustände dürft Ihr nicht dulden!" | ||
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| + | You seufzte: „Du kennst diesen Jiao Da doch. Selbst der alte Herr kümmert sich nicht um ihn. Er war schon als Junge bei den Vorfahren und hat drei, vier Feldzüge mitgemacht. Er hat dem alten Herrn das Leben gerettet — trug ihn aus dem Leichenhaufen heraus, hungerte selbst, brachte seinem Herrn gestohlenes Essen, ging zwei Tage ohne Wasser und gab eine halbe Schale dem Herrn, trank selbst Pferdeurin. Wegen dieser Verdienste hat man ihn seit Generationen geschont. Jetzt ist er alt, achtet nicht mehr auf sein Benehmen und säuft nur noch — und wenn er betrunken ist, beschimpft er jeden. Ich sage den Verwaltern immer: Gebt ihm keine Aufgaben, behandelt ihn wie tot. Und trotzdem hat man ihn heute eingeteilt." | ||
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| + | Phönixglanz schlug vor, ihn weit weg auf ein Landgut zu schicken. Dann fragte sie, ob die Kutsche bereit sei. Als sie und Schatzjade aufbrachen und You sie zur Halle geleitete, war Jiao Da in hellem Aufruhr. Betrunken schimpfte er zunächst den Oberverwaltter Lai Er [赖二], er sei ungerecht und feige — gute Aufträge gebe er anderen, aber so einen Nachtdienst ihm. „Undankbare Hurensöhne! Scheinoberaufseher! Ihr solltet mal nachdenken — wenn der alte Jiao Da den Fuß hebt, ist er höher als euer Kopf! Vor zwanzig Jahren gab es für den alten Jiao Da keinen, der zählte! Von eurem Pack ganz zu schweigen!" | ||
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| + | Da kam Herrlichkeit Kaufmann, um Phönixglanzs Kutsche hinauszubegleiten. Man versuchte Jiao Da zu beruhigen, aber vergeblich. Herrlichkeit Kaufmann schimpfte ihn und ließ ihn fesseln: „Morgen, wenn er nüchtern ist, fragen wir ihn, ob er noch Lust aufs Sterben hat!" Aber Jiao Da nahm Herrlichkeit Kaufmann nicht ernst und brüllte ihm nach: „Jüngelchen Rong! Spiel nicht den Herrn vor dem alten Jiao Da! Nicht mal dein Vater und dein Großvater dürfen sich gegen mich aufbäumen! Ohne mich allein hättet ihr kein Amt, keinen Ruhm, keinen Reichtum! Euer Ahnherr hat unter Lebensgefahr das Familienvermögen aufgebaut — und jetzt, statt mir zu danken, spielt ihr den Herrn vor mir! Redet nicht weiter — sonst geht das rote Messer rein und das weiße kommt raus!" | ||
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| + | Phönixglanz rief aus der Kutsche Herrlichkeit Kaufmann zu: „Warum schickt ihr diesen gesetzlosen Kerl nicht endlich weg! Wenn Verwandte und Freunde das erfahren, lachen sie uns aus!" Herrlichkeit Kaufmann bestätigte. Die Diener packten Jiao Da, der nun sogar Herrlichkeit Kaufmann beim Namen nannte und brüllte: „Ich gehe zum Ahnentempel und weine beim alten Herrn! Was für Bestien sind da herangewachsen! Tag für Tag stehlen sie Hunde und treiben es mit Hühnern! Der eine kriecht in die Asche [Anm.: ‚die Asche kratzen' (爬灰) = Inzest mit der Schwiegertochter], die andere hält sich einen kleinen Schwager [Anm.: Ehebruch]! Ich weiß alles! Bei uns ‚bricht man sich den Arm und versteckt ihn im Ärmel'!" Die Diener erschraken zu Tode über diese unsäglichen Worte, packten ihn, fesselten ihn und stopften ihm den Mund mit Erde und Pferdemist. | ||
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| + | Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmann hörten alles aus der Ferne, taten aber so, als hätten sie nichts gehört. Schatzjade, der die Szene vom Wagen aus beobachtet hatte, fand es recht unterhaltsam und fragte Phönixglanz: „Schwester, was bedeutet ‚die Asche kratzen'?" Phönixglanz fuhr ihn zornig an: „Halt den Mund! Das ist betrunkenes Gewäsch! Du solltest so tun, als hättest du nichts gehört, statt noch nachzufragen! Warte nur, ich erzähle es der Mama — dann bekommst du Prügel!" Schatzjade erschrak und bat um Verzeihung. Phönixglanz wurde wieder freundlich: „Brav so! Wenn wir zu Hause sind, sagen wir der Großmutter, dass du mit dem jungen Neffen Anmutig Minne zusammen in die Schule gehen sollst — das ist wichtiger." Damit fuhr sie zurück zum Prunkwille-Anwesen. | ||
| − | + | Nicht die Schönheit macht zum Freund — | |
| − | + | Die Empfindsamkeit erst führt zum Buch. | |
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| − | + | [Ende des siebten Kapitels] | |
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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題曰:十二花容色最新,不知誰是惜花人?相逢若問名何氏,家住江南本姓秦。 話說周瑞家的送了劉姥姥去後,便上來回王夫人話。誰知王夫人不在上房,問丫鬟們時,方知往薛姨媽那邊閒話去了。周瑞家的聽說,便轉出東角門至東院,往梨香院來。剛至院門前,只見王夫人的丫鬟名金釧兒者,和一個才留了頭的小女孩兒站在臺階坡上頑。見周瑞家的來了,便知有話回,因向內努嘴兒。周瑞家的輕輕掀簾進去,只見王夫人和薛姨媽長篇大套的說些家務人情等語。 周瑞家的不敢驚動,遂進裡間來。只見薛寶釵穿著家常衣服,頭上只散挽著䰖兒,坐在炕邊里,伏在小炕桌上同丫鬟鶯兒正描花樣子呢。見他進來,寶釵才放下筆,轉過身來,滿面堆笑讓:「周姐姐坐。」周瑞家的也忙陪笑問:「姑娘好?」一面炕沿上坐了,因說:「這有兩三天也沒見姑娘到那邊逛逛去,只怕是你寶兄弟衝撞了你不成?」寶釵笑道:「那裡的話。只因我那種病又發了,所以這兩天沒出屋子。」周瑞家的道:「正是呢,姑娘到底有什麼病根兒,也該趁早兒請個大夫來,好生開個方子,認真吃幾劑,一勢兒除了根才是。小小的年紀倒作下個病根兒,也不是頑的。」寶釵聽了便笑道:「再不要提吃藥,為這病請大夫吃藥,也不知白花了多少銀子錢呢。憑你什麼名醫仙藥,從不見一點兒效。後來還虧了一個禿頭和尚,說專治無名之症,因請他看了。他說我這是從胎裡帶來的一股熱毒,幸而先天壯,還不相干。若吃尋常藥,是不中用的。他就說了一個海上方,又給了一包藥末子作引子,異香異氣的。不知是那裡弄了來的。他說發了時吃一丸就好。倒也奇怪,吃他的藥倒效驗些。」 周瑞家的因問:「不知是個什麼海上方兒?姑娘說了,我們也記著,說與人知道,倘遇見這樣病,也是行好的事。」寶釵見問,乃笑道:「不用這方兒還好,若用了這方兒,真真把人瑣碎死。東西藥料一概都有限,只難得『可巧』二字:要春天開的白牡丹花蕊十二兩,夏天開的白荷花蕊十二兩,秋天的白芙蓉蕊十二兩,冬天的白梅花蕊十二兩。將這四樣花蕊,於次年春分這日曬乾,和在藥末子一處,一齊研好。又要雨水這日的雨水十二錢,……」周瑞家的忙道:「噯喲!這麼說來,這就得三年的工夫。倘或雨水這日竟不下雨,這卻怎處呢?」寶釵笑道:「所以說那裡有這樣可巧的雨,便沒雨也只好再等罷了。白露這日的露水十二錢,霜降這日的霜十二錢,小雪這日的雪十二錢。把這四樣水調勻,和了藥,再加十二錢蜂蜜,十二錢白糖,丸了龍眼大的丸子,盛在舊磁壇內,埋在花根底下。若發了病時,拿出來吃一丸,用十二分黃柏煎湯送下。」 周瑞家的聽了笑道:「阿彌陀佛,真坑死人的事兒!等十年未必都這樣巧的呢。」寶釵道:「竟好,自他說了去後,一二年間可巧都得了,好容易配成一料。如今從南帶至北,現在就埋在梨花樹底下呢。」周瑞家的又問道:「這藥可有名子沒有呢?」寶釵道:「有。這也是那癩頭和尚說下的。叫作『冷香丸』。」周瑞家的聽了點頭兒,因又說:「這病發了時到底覺怎麼著?」寶釵道:「也不覺甚怎麼著,只不過喘嗽些,吃一丸下去也就好些了。」 周瑞家的還欲說話時,忽聽王夫人問:「誰在房裡呢?」周瑞家的忙出去答應了,趁便回了劉姥姥之事。略待半刻,見王夫人無語,方欲退出,薛姨媽忽又笑道:「你且站住。我有一宗東西,你帶了去罷。」說著便叫香菱。只聽簾櫳響處,方纔和金釧頑的那個小丫頭進來了,問:「奶奶叫我作什麼?」薛姨媽道:「把匣子里的花兒拿來。」香菱答應了,向那邊捧了個小錦匣來。薛姨媽道:「這是宮裡頭的新鮮樣法,拿紗堆的花兒十二支。昨兒我想起來,白放著可惜了兒的,何不給他們姊妹們戴去。昨兒要送去,偏又忘了。你今兒來的巧,就帶了去罷。你家的三位姑娘,每人一對,剩下的六枝,送林姑娘兩枝,那四枝給了鳳哥罷。」王夫人道:「留著給寶丫頭戴罷了,又想著他們。」薛姨媽道:「姨娘不知道,寶丫頭古怪著呢,他從來不愛這些花兒粉兒的。」 說著,周瑞家的拿了匣子,走出房門,見金釧仍在那裡曬日陽兒。周瑞家的因問他道:「那香菱小丫頭子,可就是常說臨上京時買的,為他打人命官司的那個小丫頭子麼?」金釧道:「可不就是。」正說著,只見香菱笑嘻嘻的走來。周瑞家的便拉了他的手,細細的看了一會,因向金釧兒笑道:「倒好個模樣兒,竟有些象咱們東府里蓉大奶奶的品格兒。」金釧兒笑道:「我也是這們說呢。」周瑞家的又問香菱:「你幾歲投身到這裡?」又問:「你父母今在何處?今年十幾歲了?本處是那裡人?」香菱聽問,都搖頭說:「不記得了。」周瑞家的和金釧兒聽了,倒反為嘆息傷感一回。 一時間周瑞家的攜花至王夫人正房後頭來。原來近日賈母說孫女兒們太多了,一處擠著倒不方便,只留寶玉、黛玉二人這邊解悶,卻將迎、探、惜三人移到王夫人這邊房後三間小抱廈內居住,令李紈陪伴照管。如今周瑞家的故順路先往這裡來,只見幾個小丫頭子都在抱廈內聽呼喚呢。迎春的丫鬟司棋與探春的丫鬟侍書二人正掀帘子出來,手裡都捧著茶鐘,周瑞家的便知他們姊妹在一處坐著呢,遂進入內房,只見迎春探春二人正在窗下圍棋。周瑞家的將花送上,說明緣故。二人忙住了棋,都欠身道謝,命丫鬟們收了。 周瑞家的答應了,因說:「四姑娘不在房裡?只怕在老太太那邊呢。」丫鬟們道:「在這屋裡不是?」周瑞家的聽了,便往這邊屋裡來。只見惜春正同水月庵的小姑子智能兒一處頑笑,見周瑞家的進來,惜春便問他何事。周瑞家的便將花匣打開,說明原故。惜春笑道:「我這裡正和智能兒說,我明兒也剃了頭同他作姑子去呢,可巧又送了花兒來,若剃了頭,可把這花兒戴在那裡呢?」說著,大家取笑一回,惜春命丫鬟入畫來收了。 周瑞家的因問智能兒:「你是什麼時候來的?你師父那禿歪剌往那裡去了?」智能兒道:「我們一早就來了,我師父見了太太,就往於老爺府內去了,叫我在這裡等他呢。」周瑞家的又道:「十五的月例香供銀子可曾得了沒有?」智能兒搖頭兒說:「我不知道。」惜春聽了,便問周瑞家的:「如今各廟月例銀子是誰管著?」周瑞家的道:「是余信管著。」惜春聽了笑道:「這就是了。他師父一來,余信家的就趕上來,和他師父咕唧了半日,想是就為這事了。」 那周瑞家的又和智能兒勞叨了一會,便往鳳姐兒處來。穿夾道從李紈後窗下過,越過西花牆,出西角門進入鳳姐院中。走至堂屋,只見小丫頭豐兒坐在鳳姐房中門檻上,見周瑞家的來了,連忙擺手兒叫他往東屋裡去。周瑞家的會意,忙躡手躡足往東邊房裡來,只見奶子正拍著大姐兒睡覺呢。周瑞家的悄問奶子道:「奶奶睡中覺呢?也該請醒了。」奶子搖頭兒。正說著,只聽那邊一陣笑聲,卻有賈璉的聲音。接著房門響處,平兒拿著大銅盆出來,叫豐兒舀水進去。平兒便到這邊來,一見了周瑞家的便問:「你老人家又跑了來作什麼?」周瑞家的忙起身,拿匣子與他,說送花兒一事。平兒聽了,便打開匣子,拿了四枝,轉身去了。半刻工夫,手裡拿出兩枝來,先叫彩明吩咐道:「送到那邊府里給小蓉大奶奶戴去。」次後方命周瑞家的回去道謝。 周瑞家的這才往賈母這邊來。穿過了穿堂,抬頭忽見他女兒打扮著才從他婆家來。周瑞家的忙問:「你這會跑來作什麼?」他女兒笑道:「媽一向身上好?我在家裡等了這半日,媽竟不出去,什麼事情這樣忙的不回家?我等煩了,自己先到了老太太跟前請了安了,這會子請太太的安去。媽還有什麼不了的差事,手裡是什麼東西?」周瑞家的笑道:「噯!今兒偏偏的來了個劉姥姥,我自己多事,為他跑了半日,這會子又被姨太太看見了,送這幾枝花兒與姑娘奶奶們。這會子還沒送清楚呢。你這會子跑了來,一定有什麼事。」他女兒笑道:「你老人家倒會猜。實對你老人家說,你女婿前兒因多吃了兩杯酒,和人分爭,不知怎的被人放了一把邪火,說他來歷不明,告到衙門裡,要遞解還鄉。所以我來和你老人家商議商議,這個情分,求那一個可了事呢?」周瑞家的聽了道:「我就知道呢。這有什麼大不了的!你且家去等我,我給林姑娘送了花兒去就回家去。此時太太二奶奶都不得閒兒,你回去等我。這有什麼,忙的如此。」女兒聽說,便回去了,又說:「媽,好歹快來。」周瑞家的道:「是了。小人兒家沒經過什麼事,就急得你這樣了。」說著。便到黛玉房中去了。 誰知此時黛玉不在自己房中,卻在寶玉房中大家解九連環頑呢。周瑞家的進來笑道:「林姑娘,姨太太著我送花兒與姑娘帶。」寶玉聽說,便先問:「什麼花兒?拿來給我。」一面早伸手接過來了。開匣看時,原來是宮制堆紗新巧的假花兒。黛玉只就寶玉手中看了一看,便問道:「還是單送我一人的,還是別的姑娘們都有呢?」周瑞家的道:「各位都有了,這兩枝是姑娘的了。」黛玉冷笑道:「我就知道,別人不挑剩下的也不給我。」周瑞家的聽了,一聲兒不言語。寶玉便問道:「周姐姐,你作什麼到那邊去了。」周瑞家的因說:「太太在那裡,因回話去了,姨太太就順便叫我帶來了。」寶玉道:「寶姐姐在家作什麼呢?怎麼這幾日也不過這邊來?」周瑞家的道:「身上不大好呢。」寶玉聽了,便和丫頭說:「誰去瞧瞧?只說我和林姑娘打發了來請姨太太姐姐安,問姐姐是什麼病,現吃什麼藥。論理我該親自來的,就說才從學里來,也著了些涼,異日再親自來看罷。」說著,茜雪便答應去了。周瑞家的自去,無話。 原來這周瑞的女婿,便是雨村的好友冷子興,近因賣古董和人打官司,故教女人來討情分。周瑞家的仗著主子的勢利,把這些事也不放在心上,晚間只求求鳳姐兒便完了。 至掌燈時分,鳳姐已卸了妝,來見王夫人回話:「今兒甄家送了來的東西,我已收了。咱們送他的,趁著他家有年下進鮮的船回去,一併都交給他們帶了去罷?」王夫人點頭。鳳姐又道:「臨安伯老太太生日的禮已經打點了,派誰送去呢?」王夫人道:「你瞧誰閒著,就叫他們去四個女人就是了,又來當什麼正經事問我。」鳳姐又笑道:「今日珍大嫂子來,請我明日過去逛逛,明日倒沒有什麼事情。」王夫人道:「有事沒事都害不著什麼。每常他來請,有我們,你自然不便意,他既不請我們,單請你,可知是他誠心叫你散淡散淡,別辜負了他的心,便有事也該過去才是。」鳳姐答應了。當下李紈、迎、探等姐妹們亦來定省畢,各自歸房無話。 次日鳳姐梳洗了,先回王夫人畢,方來辭賈母。寶玉聽了,也要跟了逛去。鳳姐只得答應,立等著換了衣服,姐兒兩個坐了車,一時進入寧府。早有賈珍之妻尤氏與賈蓉之妻秦氏婆媳兩個,引了多少姬妾丫鬟媳婦等接出儀門。那尤氏一見了鳳姐,必先笑嘲一陣,一手攜了寶玉同入上房來歸坐。秦氏獻茶畢,鳳姐因說:「你們請我來作什麼?有什麼好東西孝敬我,就快獻上來,我還有事呢。」尤氏秦氏未及答話,地下幾個姬妾先就笑說:「二奶奶今兒不來就罷,既來了就依不得二奶奶了。」正說著,只見賈蓉進來請安。寶玉因問:「大哥哥今日不在家麼?」尤氏道:「出城與老爺請安去了。可是你怪悶的,坐在這裡作什麼?何不也去逛逛?」 秦氏笑道:「今兒巧,上回寶叔立刻要見的我那兄弟,他今兒也在這裡,想在書房裡呢,寶叔何不去瞧一瞧?」寶玉聽了,即便下炕要走。尤氏、鳳姐都忙說:「好生著,忙什麼?」一面便吩咐,「好生小心跟著,別委屈著他,倒比不得跟了老太太過來就罷了。」鳳姐說道:「既這麼著,何不請進這秦小爺來,我也瞧一瞧。難道我見不得他不成?」尤氏笑道:「罷,罷!可以不必見他,比不得咱們家的孩子們,胡打海摔的慣了。人家的孩子都是斯斯文文的慣了,乍見了你這破落戶,還被人笑話死了呢。」鳳姐笑道:「普天下的人,我不笑話就罷了,竟叫這小孩子笑話我不成?」賈蓉笑道:「不是這話,他生的靦腆,沒見過大陣仗兒,嬸子見了,沒的生氣。」鳳姐啐道:「他是哪吒,我也要見一見!別放你娘的屁了。再不帶我看看,給你一頓好嘴巴。」賈蓉笑嘻嘻的說:「我不敢扭著,就帶他來。」 說著,果然出去帶進一個小後生來,較寶玉略瘦些,清眉秀目,粉面朱唇,身材俊俏,舉止風流,似在寶玉之上,只是羞羞怯怯,有女兒之態,靦腆含糊,慢向鳳姐作揖問好。鳳姐喜的先推寶玉,笑道:「比下去了!」便探身一把攜了這孩子的手,就命他身傍坐了,慢慢的問他年紀讀書等事,方知他學名喚秦鐘。早有鳳姐的丫鬟媳婦們見鳳姐初會秦鐘,並未備得表禮來,遂忙過那邊去告訴平兒。平兒知道鳳姐與秦氏厚密,雖是小後生家,亦不可太儉,遂自作主意,拿了一匹尺頭,兩個「狀元及第」的小金錁(kè)子,交付與來人送過去。鳳姐猶笑說太簡薄等語。秦氏等謝畢。一時吃過飯,尤氏、鳳姐、秦氏等抹骨牌,不在話下。 寶玉秦鐘二人隨便起坐說話。那寶玉只一見了秦鐘的人品出眾,心中便有所失,痴了半日,自己心中又起了呆意,乃自思道:「天下竟有這等人物!如今看來,我竟成了泥豬癩狗了。可恨我為什麼生在這侯門公府之家,若也生在寒門薄宦之家,早得與他交結,也不枉生了一世。我雖如此比他尊貴,可知錦繡紗羅,也不過裹了我這根死木頭;美酒羊羔,也不過填了我這糞窟泥溝。『富貴』二字,不料遭我荼毒了!」秦鐘自見了寶玉形容出眾,舉止不浮,更兼金冠繡服,驕婢侈童,秦鐘心中亦自思道:「果然這寶玉怨不得人溺愛他。可恨我偏生於清寒之家,不能與他耳鬢交接,可知『貧富』二字限人,亦世間之大不快事。」二人一樣的胡思亂想。忽又寶玉問他讀什麼書。秦鐘見問,便因實而答。二人你言我語,十來句後,越覺親密起來。 一時擺上茶果,寶玉便說:「我兩個又不吃酒,把果子擺在裡間小炕上,我們那裡坐去,省得鬧你們。」於是二人進裡間來吃茶。秦氏一面張羅與鳳姐擺酒果,一面忙進來囑寶玉道:「寶叔,你侄兒倘或言語不防頭,你千萬看著我,不要理他。他雖靦腆,卻性子左強,不大隨和些是有的。」寶玉笑道:「你去罷,我知道了。」秦氏又囑了他兄弟一回,方去陪鳳姐。 一時鳳姐尤氏又打發人來問寶玉:「要吃什麼,外面有,只管要去。」寶玉只答應著,也無心在飲食上,只問秦鐘近日家務等事。秦鐘因說:「業師於去年病故,家父又年紀老邁,殘疾在身,公務繁冗,因此尚未議及再延師一事,目下不過在家溫習舊課而已。再讀書一事,必須有一二知己為伴,時常大家討論,才能進益。」寶玉不待說完,便答道:「正是呢,我們卻有個家塾,合族中有不能延師的,便可入塾讀書,子弟們中亦有親戚在內可以附讀。我因業師上年回家去了,也現荒廢著呢。家父之意,亦欲暫送我去溫習舊書,待明年業師上來,再各自在家裡讀。家祖母因說:一則家學里之子弟太多,生恐大家淘氣,反不好,二則也因我病了幾天,遂暫且耽擱著。如此說來,尊翁如今也為此事懸心。今日回去,何不稟明,就往我們敝塾中來,我亦相伴,彼此有益,豈不是好事?」 秦鐘笑道:「家父前日在家提起延師一事,也曾提起這裡的義學倒好,原要來和這裡的親翁商議引薦。因這裡又事忙,不便為這點小事來聒絮的。寶叔果然度小侄或可磨墨滌硯,何不速速的作成,又彼此不致荒廢,又可以常相談聚,又可以慰父母之心,又可以得朋友之樂,豈不是美事?」寶玉道:「放心,放心。咱們回來告訴你姐夫、姐姐和璉二嫂子。你今日回家就稟明令尊,我回去再稟明祖母,再無不速成之理。」二人計議一定。那天氣已是掌燈時候,出來又看他們頑了一回牌。算帳時,卻又是秦氏、尤氏二人輸了戲酒的東道,言定後日吃這東道,一面就叫送飯。 吃畢晚飯,因天黑了,尤氏說:「先派兩個小子送了這秦相公家去。」媳婦們傳出去半日,秦鐘告辭起身。尤氏問:「派了誰送去?」媳婦們回說:「外頭派了焦大,誰知焦大醉了,又罵呢。」尤氏、秦氏都說道:「偏又派他作什麼!放著這些小子們,那一個派不得?偏要惹他去。」鳳姐道:「我成日家說你太軟弱了,縱的家裡人這樣還了得了。」尤氏嘆道:「你難道不知這焦大的?連老爺都不理他的,你珍大哥哥也不理他。只因他從小兒跟著太爺們出過三四回兵,從死人堆里把太爺背了出來,得了命,自己挨著餓,卻偷了東西來給主子吃。兩日沒得水,得了半碗水給主子喝,他自己喝馬溺。不過仗著這些功勞情分,有祖宗時都另眼相待,如今誰肯難為他去。他自己又老了,又不顧體面,一味吃酒,吃醉了,無人不罵。我常說給管事的,不要派他差事,全當一個死的就完了。今兒又派了他。」鳳姐道:「我何曾不知這焦大。倒是你們沒主意,有這樣的,何不打發他遠遠的莊子上去就完了。」說著,因問:「我們的車可齊備了?」地下眾人都應道:「伺候齊了。」 鳳姐起身告辭,和寶玉攜手同行。尤氏等送至大廳,只見燈燭輝煌,眾小廝在丹墀侍立。那焦大又恃賈珍不在家,即在家亦不好怎樣他,更可以任意灑落灑落。因趁著酒興,先罵大總管賴二,說他不公道,欺軟怕硬:「有了好差事就派別人,象這等黑更半夜送人的事,就派我。沒良心的王八羔子!瞎充管家!你也不想想,焦大太爺蹺蹺腳,比你的頭還高呢。二十年頭裡的焦大太爺眼裡有誰?別說你們這把子的雜種王八羔子們!」 正罵的興頭上,賈蓉送鳳姐的車出去,眾人喝他不聽,賈蓉忍不得,便罵了他兩句,使人捆起來,「等明日酒醒了,問他還尋死不尋死了!」那焦大那裡把賈蓉放在眼裡,反大叫起來,趕著賈蓉叫:「蓉哥兒,你別在焦大跟前使主子性兒。別說你這樣兒的,就是你爹,你爺爺,也不敢和焦大挺腰子!不是焦大一個人,你們就做官兒,享榮華,受富貴?你祖宗九死一生掙下這家業,到如今了,不報我的恩,反和我充起主子來了。不和我說別的還可,若再說別的,咱們紅刀子進去白刀子出來!」鳳姐在車上說與賈蓉道:「以後還不早打發了這個沒王法的東西!留在這裡豈不是禍害?倘或親友知道了,豈不笑話咱們這樣的人家,連個王法規矩都沒有。」賈蓉答應「是」。 眾小廝見他太撒野了,只得上來幾個,揪翻捆倒,拖往馬圈裡去。焦大越發連賈珍都說出來,亂嚷亂叫說:「我要往祠堂里哭太爺去。那裡承望到如今生下這些畜牲來!每日家偷狗戲雞,爬灰的爬灰,養小叔子的養小叔子,我什麼不知道?咱們『胳膊折了往袖子里藏』!」眾小廝聽他說出這些沒天日的話來,唬的魂飛魄散,也不顧別的了,便把他捆起來,用土和馬糞滿滿的填了他一嘴。 鳳姐和賈蓉等也遙遙的聞得,便都裝作沒聽見。寶玉在車上見這般醉鬧,倒也有趣,因問鳳姐道:「姐姐,你聽他說『爬灰的爬灰』,什麼是『爬灰』?」鳳姐聽了,連忙立眉嗔目斷喝道:「少胡說!那是醉漢嘴裡混唚。你是什麼樣的人,不說沒聽見,還倒細問!等我回去回了太太,仔細捶你不捶你!」唬的寶玉忙央告道:「好姐姐,我再不敢了。」鳳姐亦忙回色哄道:「這才是呢。等到了家,咱們回了老太太,打發你同秦家侄兒學里念書去要緊。」說著,卻自回往榮府而來。正是: 不因俊俏難為友,正為風流始讀書。 注释 |
Kapitel 7 Beim Überbringen der Palastblumen vergnügt sich Kette Kaufmann [贾琏] mit Phönixglanz [熙凤] — Beim Festmahl im Stillfriede-Anwesen trifft Schatzjade [宝玉] auf Liebglocke Anmutig Minne[1] --- Dem Kapitel vorangestellt: Zwölf Blumengesichter, die frischesten von allen — Wer weiß, wer die Blumen hütet? Wenn man bei der Begegnung nach dem Namen fragt: Am Südufer des Yangtze daheim, vom Geschlecht der Anmutig Minne. Nachdem Frau Zhou Oma Liu verabschiedet hatte, ging sie hinauf, um Dame König Bericht zu erstatten. Dame König war jedoch nicht in ihren Gemächern — die Dienerinnen sagten, sie sei bei Tante Schnee[2] [薛姨妈] zum Plaudern hinübergegangen. Frau Zhou machte sich also zum Birnenduft-Hof auf. Am Eingang sah sie die Dienerin Goldarmreif[3][4] [金钏儿], die mit einem kleinen Mädchen auf den Stufen spielte. Als Goldarmreif Frau Zhou kommen sah, deutete sie mit dem Kinn nach innen. Frau Zhou schob leise den Vorhang beiseite und sah Dame König und Tante Schnee in ein langes Gespräch über Familienangelegenheiten und gesellschaftliche Beziehungen vertieft. Da Frau Zhou sie nicht stören wollte, ging sie ins Nebenzimmer. Dort saß Schatzspange[5] in Hauskleidung, die Haare lose zusammengesteckt, am Rand des Ofenbettes über einem kleinen Tisch gebeugt, zusammen mit ihrer Dienerin Yinger [莺儿] Stickmuster abzeichnend. Als Schatzspange [宝钗] sie eintreten sah, legte sie den Pinsel nieder, drehte sich lächelnd um und bot ihr Platz an. Frau Zhou setzte sich an den Bettrand und fragte: „In den letzten zwei, drei Tagen war das Fräulein nicht drüben — hat der junge Herr Schatzjade sie vielleicht verschnupft?" Schatzspange lachte: „Nein, ganz und gar nicht. Nur hat meine alte Krankheit wieder eingesetzt, daher bin ich in den letzten Tagen nicht ausgegangen." Frau Zhou fragte besorgt nach der Ursache und riet ihr, einen guten Arzt aufzusuchen. Schatzspange lachte: „Ach, redet nicht vom Medizinnehmen! Für diese Krankheit haben wir schon unzählige Ärzte bezahlt — kein einziger Berühmter hat geholfen. Schließlich kam ein kahlköpfiger Mönch, der sagte, er heile namenlose Krankheiten. Er diagnostizierte ein angeborenes ‚Hitzegift' aus dem Mutterleib — zum Glück sei meine Konstitution robust. Gewöhnliche Medizin helfe nicht. Er verschrieb ein Rezept namens ‚Methode vom Meer' und gab ein Päckchen merkwürdig duftendes Pulver dazu. Er sagte, bei einem Anfall solle man eine Pille nehmen. Erstaunlicherweise wirkt seine Medizin tatsächlich." Frau Zhou fragte nach dem Rezept. Schatzspange lachte: „Die Zutaten selbst sind nicht schwer zu beschaffen — nur die ‚Zufälle' sind das Problem: Man braucht zwölf Liang [两] weiße Pfingstrosenblüten vom Frühling, zwölf Liang weiße Lotosblüten vom Sommer, zwölf Liang weiße Hibiskusblüten vom Herbst und zwölf Liang weiße Pflaumenblüten vom Winter. Diese vier Blütensorten trocknet man am Tagundnachtgleiche-Tag des folgenden Frühlings und mischt sie unter das Pulver. Dazu braucht man zwölf Qian [钱] Regenwasser vom Tag des ‚Regenwasser'-Sonnenwendepunkts [雨水] ..." Frau Zhou rief: „Ach du meine Güte! Das dauert ja drei Jahre! Und wenn es am Regenwasser-Tag gar nicht regnet?" Schatzspange lachte: „Eben! Wo gibt es solche Zufälle? Wenn es nicht regnet, muss man eben ein weiteres Jahr warten. Dazu braucht man zwölf Qian Tautropfen vom Tag des ‚Weißen Taus' [白露], zwölf Qian Reif vom Tag des ‚Reiffalls' [霜降] und zwölf Qian Schnee vom Tag des ‚Kleinen Schnees' [小雪]. Diese vier Wässer mischt man gleichmäßig unter die Arznei, fügt zwölf Qian Honig und zwölf Qian weißen Zucker hinzu, formt Pillen so groß wie Longanfrüchte und bewahrt sie in einem alten Porzellankrug auf, der unter Blumenwurzeln vergraben wird. Bei einem Anfall nimmt man eine Pille mit zwölf Teilen Huangbai-Absud [黄柏, Phellodendron] ein." Frau Zhou lachte: „Amitabha Buddha! Das ist ja ein Ding! In zehn Jahren trifft sich das vielleicht nicht einmal!" Schatzspange sagte: „Und doch — in ein, zwei Jahren nach seinem Besuch ergab sich tatsächlich alles wie von selbst. So konnte endlich eine Charge hergestellt werden. Sie ist aus dem Süden mitgebracht und liegt jetzt unter dem Birnbaum vergraben." Frau Zhou fragte: „Hat die Medizin einen Namen?" Schatzspange antwortete: „Ja — auch den hat der kahlköpfige Mönch gesagt: ‚Pille des Kalten Duftes' [冷香丸]." Frau Zhou fragte noch nach den Symptomen. Schatzspange sagte: „Es ist nicht schlimm — nur etwas Husten und Kurzatmigkeit. Eine Pille, und es wird besser." Frau Zhou wollte noch etwas sagen, als Dame König von nebenan rief: „Wer ist dort?" Frau Zhou eilte hinaus und antwortete, erstattete bei der Gelegenheit Bericht über den Besuch der alten Liu. Nach einer kurzen Pause, als Dame König nichts weiter sagte, wollte sie sich zurückziehen. Da rief Tante Schnee lachend: „Warte! Ich habe etwas, das du mitnehmen sollst." Sie rief nach Duftkastanie[6] [香菱]. Man hörte den Vorhang rascheln, und das kleine Mädchen, das vorhin mit Goldarmreif gespielt hatte, kam herein und fragte: „Was wünscht die gnädige Frau?" Tante Schnee sagte: „Hol die Blumen aus dem Kästchen." Duftkastanie brachte ein kleines Brokatkästchen. Tante Schnee sagte: „Das sind zwölf Blumen aus dem Palast — ganz neue Mode, aus Gaze aufgetürmt. Gestern fiel mir ein, dass es schade wäre, sie einfach liegen zu lassen — warum nicht den Mädchen zum Tragen geben? Gestern wollte ich sie schicken und habe es dann vergessen. Gut, dass du heute da bist — nimm sie gleich mit. Für die drei jungen Damen in eurem Haus je ein Paar; von den restlichen sechs gib Kajaljade zwei, und die übrigen vier bekommt Phönixglanz." Dame König meinte: „Behalte sie doch für Schatzspange." Tante Schnee lachte: „Die Schwester kennt Schatzspange nicht — sie hat noch nie etwas für Blumen und Puder übrig gehabt." Frau Zhou nahm das Kästchen und ging hinaus. Vor der Tür saß Goldarmreif noch in der Sonne. Frau Zhou fragte sie: „Diese kleine Duftkastanie — ist das nicht die, die man immer erwähnt, die beim Aufbruch nach der Hauptstadt gekauft wurde und derentwegen der Mordprozess stattfand?" Goldarmreif bestätigte es. Da kam Duftkastanie lächelnd herbei. Frau Zhou nahm sie bei der Hand, betrachtete sie genau und sagte zu Goldarmreif: „Ein hübsches Ding! Sie hat tatsächlich Ähnlichkeit mit der jungen Frau Rong drüben im Ost-Haus." Goldarmreif stimmte zu. Frau Zhou fragte Duftkastanie nach ihrem Alter, ihren Eltern, ihrer Herkunft — doch Duftkastanie schüttelte bei jeder Frage den Kopf: „Ich erinnere mich nicht." Frau Zhou und Goldarmreif seufzten vor Mitleid. Dann trug Frau Zhou die Blumen hinter Dame Königs Hauptgemächern hindurch. Die Großmutter hatte kürzlich befunden, die Enkelinnen seien zu viele an einem Ort, und nur Schatzjade und Kajaljade[7] [黛玉] bei sich behalten; Willkommensfrühling[8] [迎春], Erkundefrühling[9] [探春] und Bedauerfrühling[10] [惜春] waren in drei kleine Zimmer hinter Dame Königs Gemächern umgezogen, wo Seidenweiß Pflaume[11] [李纨] sie betreute. Frau Zhou ging daher zuerst dorthin. Willkommensfrühlings Dienerin Schachspielerin [司棋] und Erkundefrühlings Dienerin Shishu [侍书] kamen gerade heraus. Frau Zhou fand Willkommensfrühling und Erkundefrühling beim Schachspielen am Fenster, überreichte die Blumen und erklärte den Anlass. Beide dankten höflich und ließen die Blumen von den Dienerinnen verwahren. Dann ging Frau Zhou zu Bedauerfrühling, die sie mit der kleinen Nonne Weisheitskraft[12] vom Wassermond-Kloster [水月庵] beim Spielen und Lachen fand. Bedauerfrühling lachte: „Gerade sage ich zu Weisheitskraft, morgen lasse ich mir auch den Kopf scheren und werde Nonne — und da bringt man mir Blumen! Wenn ich mir den Kopf scheren lasse, wo soll ich die denn hintragen?" Alle lachten; Bedauerfrühling ließ ihre Dienerin Ruhua [入画] die Blumen verwahren. Frau Zhou fragte Weisheitskraft nach ihrer Meisterin und den monatlichen Opfergeldern. Dann machte sie sich auf zu Phönixglanz. Sie durchquerte den Verbindungsgang, passierte Seidenweiß Pflaumes Hinterfenster, stieg über die westliche Blumenmauer und betrat Phönixglanzs Hof. Im Durchgangsraum saß die kleine Dienerin Fenr [丰儿] auf der Schwelle und winkte Frau Zhou hastig zum östlichen Zimmer. Frau Zhou schlich auf Zehenspitzen hinein und fand die Amme, die die kleine Dajie in den Schlaf wiegte. Frau Zhou flüsterte: „Macht die junge gnädige Frau Mittagsschlaf? Soll sie nicht geweckt werden?" Die Amme schüttelte den Kopf. Da hörte man von nebenan Lachen — und die Stimme Kette Kaufmanns. Dann ging die Zimmertür auf, und Friedchen kam mit einem großen Kupferbecken heraus und rief Fenr, Wasser zu bringen. [Anm.: Die Szene deutet an, dass Kette Kaufmann und Phönixglanz sich tagsüber vergnügt haben.] Friedchen kam herüber, sah Frau Zhou und nahm das Kästchen entgegen. Sie öffnete es, nahm vier Blumen heraus und ging zurück. Nach einer Weile kam sie mit zwei Blumen und wies den Diener Caiming [彩明] an: „Bring die zur jungen Frau Rong drüben im Ost-Haus." Dann schickte sie Frau Zhou mit Dank zurück. Frau Zhou begab sich nun zur Großmutter. Im Durchgang traf sie plötzlich ihre Tochter, die gerade von ihren Schwiegereltern kam und einen dringenden Fall zu besprechen hatte: Ihr Schwiegersohn — kein anderer als Leng Selbstaufsteiger[13] [冷子兴], Regendorfs alter Freund — war in einen Rechtsstreit wegen Antiquitätenhandels geraten und sollte in seine Heimat zurückgeschickt werden. Die Tochter bat Frau Zhou um Vermittlung. Frau Zhou beruhigte sie und schickte sie nach Hause — abends werde sie Phönixglanz um Hilfe bitten, das sei eine Kleinigkeit. Dann ging Frau Zhou zu Kajaljade. Kajaljade war jedoch nicht in ihrem eigenen Zimmer, sondern bei Schatzjade, wo sie zusammen ein Rätselspiel mit neun Ringen spielten. Frau Zhou trat lächelnd ein: „Fräulein Lin, die Frau Tante Schnee schickt Ihnen Blumen." Schatzjade rief: „Was für Blumen? Zeig her!" und griff nach dem Kästchen. Es waren kunstvolle Palastblumen aus aufgetürmter Gaze. Kajaljade warf nur einen Blick darauf und fragte: „Sind die nur für mich allein, oder haben alle Mädchen welche bekommen?" Frau Zhou antwortete: „Alle haben schon welche — diese beiden sind die Ihren." Kajaljade lachte kalt: „Das habe ich mir gedacht — was andere nicht mehr haben wollen, gibt man mir." Frau Zhou verstummte. Schatzjade fragte: „Schwester Zhou, was hast du drüben gemacht?" Sie erzählte von ihrem Auftrag. Schatzjade fragte: „Was macht die Schwester Schatzspange? Warum kommt sie in den letzten Tagen nicht herüber?" Frau Zhou antwortete: „Ihr geht es nicht gut." Schatzjade schickte sogleich seine Dienerin Qianxue [茜雪] mit Grüßen hinüber und ließ fragen, was für eine Krankheit es sei und welche Medizin sie nehme, und er werde sie demnächst persönlich besuchen. Frau Zhou ging, und damit war diese Sache erledigt. [Anm.: Der Schwiegersohn von Frau Zhou ist eben jener Leng Selbstaufsteiger. Frau Zhou bat abends Phönixglanz um Hilfe, und die Sache war schnell erledigt.] Am Abend erschien Phönixglanz abgeschminkt bei Dame König zum Bericht: Die Zhens hatten Geschenke geschickt; man müsse die Gegengeschenke mit deren Schiffen zurücksenden. Dann besprachen sie das Geburtstagsgeschenk für die alte Fürstin des Grafen von Lin'an und andere Angelegenheiten. Phönixglanz erwähnte, die Schwägerin Zhen [尤氏] habe sie für morgen zu einem Besuch eingeladen. Dame König erlaubte es: „Ob es Geschäfte gibt oder nicht — da sie nicht uns, sondern nur dich einlädt, zeigt es ihre aufrichtige Absicht, dich zu zerstreuen. Du solltest gehen." Phönixglanz stimmte zu. Seidenweiß Pflaume und die Schwestern kamen noch zur Gute-Nacht-Visite, dann gingen alle in ihre Zimmer. Am nächsten Tag frühstückte Phönixglanz, meldete sich bei Dame König ab und verabschiedete sich bei der Großmutter. Als Schatzjade hörte, sie fahre zum Stillfriede-Anwesen, wollte er mit. Phönixglanz willigte ein; die beiden stiegen in die Kutsche und fuhren zum Stillfriede-Anwesen. Dort empfingen sie Herrlichkeit Kaufmann[14] [贾珍]s Gattin You [尤氏] und Hibiskus Kaufmann [贾蓉]s Gattin Anmutig Minne[15] [秦氏], Schwiegermutter und Schwiegertochter, mit einem Gefolge von Nebenfrauen und Dienerinnen am Zeremonielltor. You begrüßte Phönixglanz wie gewohnt mit neckenden Scherzen, nahm Schatzjade bei der Hand, und sie gingen gemeinsam in den Empfangsraum. Anmutig Minne servierte Tee. Phönixglanz fragte: „Wozu habt ihr mich hergebeten? Wenn ihr mir etwas Gutes anbieten wollt, dann schnell — ich bin beschäftigt!" You und Anmutig Minne hatten noch nicht geantwortet, als einige Nebenfrauen lachend sagten: „Wenn die Zweite Schwiegertochter schon da ist, gehört sie uns — sie kann sich nicht mehr wehren!" Gerade da kam Herrlichkeit Kaufmann herein und begrüßte alle. Schatzjade fragte: „Ist der Große Bruder [Herrlichkeit Kaufmann] heute nicht zu Hause?" You antwortete: „Er ist aufs Land gefahren, um den alten Herrn zu besuchen. Du langweilst dich doch hier — warum gehst du nicht ein wenig spazieren?" Anmutig Minne lachte: „Heute trifft es sich gut: Der jüngere Bruder, den der junge Onkel Bao letztes Mal unbedingt sehen wollte, ist heute auch da — wahrscheinlich im Studierzimmer. Warum geht der junge Onkel nicht hin?" Schatzjade sprang sofort auf. You und Phönixglanz riefen: „Vorsicht! Wohin so eilig!" Sie gaben den Dienern Anweisungen, gut auf ihn achtzugeben. Phönixglanz sagte: „Warum bringt man diesen jungen Herrn Anmutig Minne nicht herein? Ich möchte ihn auch sehen." You lachte: „Lass nur! Unsere Kinder sind wildes Herumtollen gewöhnt. Seine Kinder sind fein erzogen — wenn er dich Raufboldin sieht, wird man uns auslachen!" Phönixglanz lachte: „Alle Welt — ich lache über sie, und ein Knirps soll über mich lachen?" Herrlichkeit Kaufmann sagte entschuldigend: „Er ist eben schüchtern und hat große Gesellschaft nicht gewöhnt — die Tante würde sich nur ärgern." Phönixglanz rief: „Und wenn er Nezha wäre — ich will ihn sehen! Rede keinen Unsinn, oder du bekommst eine Ohrfeige!" Herrlichkeit Kaufmann ging lachend hinaus und brachte tatsächlich einen jungen Mann herein — etwas schlanker als Schatzjade, mit feinen Brauen und klaren Augen, rosigem Gesicht und roten Lippen, von anmutiger Gestalt und elegantem Auftreten, das Schatzjades vielleicht noch übertraf. Nur war er schüchtern und verschämt, mit einer mädchenhaften Zurückhaltung, und verbeugte sich zaghaft vor Phönixglanz. Phönixglanz war entzückt, stieß Schatzjade an und lachte: „Gegen den siehst du alt aus!" Sie ergriff des Jünglings Hand, ließ ihn neben sich sitzen und fragte nach seinem Alter und seinen Studien. Sie erfuhr, dass sein Schulname Liebglocke Anmutig Minne [秦钟] war. Phönixglanzs Dienerinnen bemerkten, dass sie kein Begrüßungsgeschenk mitgebracht hatten, und eilten zu Friedchen, die eigenständig ein Stück Seide und zwei kleine Goldklumpen mit der Aufschrift „Erster Platz bei der Palastprüfung" [状元及第] herüberschickte. Phönixglanz sagte scherzhaft, das sei zu wenig. Anmutig Minne dankte. Man aß gemeinsam, und dann spielten You, Phönixglanz und Qin Mahjong. Schatzjade und Liebglocke Anmutig Minne saßen beisammen und plauderten. Schatzjade war beim ersten Anblick von Liebglocke Minnes feiner Erscheinung wie verzaubert und sann eine Weile nach. Er dachte: „Welch ein Mensch! Neben ihm bin ich ein Schwein aus Schlamm und ein räudiger Hund! Wie bedauerlich, dass ich in einem Fürstenhaus geboren wurde! Wäre ich in einer bescheidenen Familie aufgewachsen, hätte ich mich längst mit ihm angefreundet — dann wäre mein Leben nicht umsonst gewesen. Trotz meines höheren Ranges — Seide und Brokat umhüllen nur dieses tote Holz; feiner Wein und Lammbraten füllen nur diese Schmutzgrube. Die zwei Worte ‚Reichtum und Adel' werden durch mich geschändet!" Liebglocke Anmutig Minne seinerseits bewunderte Schatzjades außergewöhnliche Erscheinung und sein vornehmes Auftreten und dachte bei sich: „Kein Wunder, dass alle ihn verhätscheln! Wie schade, dass ich in ärmlichen Verhältnissen geboren bin und ihm nicht nahe sein kann. Die Kluft zwischen Arm und Reich — das ist wahrlich die größte Ungerechtigkeit der Welt!" Beide versanken in ähnliche Grübeleien. Dann fragte Schatzjade, was Liebglocke Anmutig Minne lese; dieser antwortete aufrichtig. Nach zehn Sätzen hin und her fühlten sie sich einander schon eng verbunden. Man brachte Tee und Obst; Schatzjade schlug vor, sich ins Nebenzimmer zurückzuziehen, um die Spielerinnen nicht zu stören. Anmutig Minne kam herein und ermahnte Schatzjade, ihren jüngeren Bruder nachsichtig zu behandeln, falls er sich ungeschickt ausdrücke, und warnte auch ihren Bruder. Dann ging sie zurück zu Phönixglanz. Schatzjade und Liebglocke Anmutig Minne sprachen über Familienangelegenheiten. Liebglocke Anmutig Minne erzählte, sein Hauslehrer sei letztes Jahr gestorben, sein Vater sei alt und krank und habe noch keinen neuen Lehrer gefunden; er wiederhole einstweilen seine alten Lektionen zu Hause. Schatzjade rief begeistert: „Genau! Wir haben eine Familienschule — alle Clanangehörigen, die sich keinen Privatlehrer leisten können, dürfen dort lernen. Da auch mein Lehrer letztes Jahr verreist ist, bin ich gerade unbeschäftigt. Mein Vater wollte mich in die Familienschule schicken, aber meine Großmutter fürchtet, die anderen Jungen seien zu wild. Warum bittet Ihr Euren Vater nicht, und Ihr kommt zu uns in die Schule? Dann lernen wir zusammen — das wäre doch wunderbar!" Liebglocke Anmutig Minne freute sich sehr: „Mein Vater hat das tatsächlich schon erwogen! Wenn der junge Onkel mich empfiehlt, gibt es keinen Grund zu zögern!" Die beiden fassten den Plan, und Schatzjade versprach, die Großmutter zu bitten. Beim Abendessen stellte sich heraus, dass Anmutig Minne und You beim Kartenspiel verloren hatten und in einigen Tagen ein Festmahl schuldig waren. Es wurde dunkel; You ordnete an, den jungen Anmutig Minne von zwei Dienern nach Hause bringen zu lassen. Man meldete jedoch, dass der Alte Jiao Da[16] [焦大] für den Dienst eingeteilt worden sei — und betrunken schimpfe. You und Anmutig Minne sagten: „Warum ausgerechnet der? Es gibt genug junge Leute!" Phönixglanz tadelte You: „Ich sage doch immer, Ihr seid zu nachgiebig — solche Zustände dürft Ihr nicht dulden!" You seufzte: „Du kennst diesen Jiao Da doch. Selbst der alte Herr kümmert sich nicht um ihn. Er war schon als Junge bei den Vorfahren und hat drei, vier Feldzüge mitgemacht. Er hat dem alten Herrn das Leben gerettet — trug ihn aus dem Leichenhaufen heraus, hungerte selbst, brachte seinem Herrn gestohlenes Essen, ging zwei Tage ohne Wasser und gab eine halbe Schale dem Herrn, trank selbst Pferdeurin. Wegen dieser Verdienste hat man ihn seit Generationen geschont. Jetzt ist er alt, achtet nicht mehr auf sein Benehmen und säuft nur noch — und wenn er betrunken ist, beschimpft er jeden. Ich sage den Verwaltern immer: Gebt ihm keine Aufgaben, behandelt ihn wie tot. Und trotzdem hat man ihn heute eingeteilt." Phönixglanz schlug vor, ihn weit weg auf ein Landgut zu schicken. Dann fragte sie, ob die Kutsche bereit sei. Als sie und Schatzjade aufbrachen und You sie zur Halle geleitete, war Jiao Da in hellem Aufruhr. Betrunken schimpfte er zunächst den Oberverwaltter Lai Er [赖二], er sei ungerecht und feige — gute Aufträge gebe er anderen, aber so einen Nachtdienst ihm. „Undankbare Hurensöhne! Scheinoberaufseher! Ihr solltet mal nachdenken — wenn der alte Jiao Da den Fuß hebt, ist er höher als euer Kopf! Vor zwanzig Jahren gab es für den alten Jiao Da keinen, der zählte! Von eurem Pack ganz zu schweigen!" Da kam Herrlichkeit Kaufmann, um Phönixglanzs Kutsche hinauszubegleiten. Man versuchte Jiao Da zu beruhigen, aber vergeblich. Herrlichkeit Kaufmann schimpfte ihn und ließ ihn fesseln: „Morgen, wenn er nüchtern ist, fragen wir ihn, ob er noch Lust aufs Sterben hat!" Aber Jiao Da nahm Herrlichkeit Kaufmann nicht ernst und brüllte ihm nach: „Jüngelchen Rong! Spiel nicht den Herrn vor dem alten Jiao Da! Nicht mal dein Vater und dein Großvater dürfen sich gegen mich aufbäumen! Ohne mich allein hättet ihr kein Amt, keinen Ruhm, keinen Reichtum! Euer Ahnherr hat unter Lebensgefahr das Familienvermögen aufgebaut — und jetzt, statt mir zu danken, spielt ihr den Herrn vor mir! Redet nicht weiter — sonst geht das rote Messer rein und das weiße kommt raus!" Phönixglanz rief aus der Kutsche Herrlichkeit Kaufmann zu: „Warum schickt ihr diesen gesetzlosen Kerl nicht endlich weg! Wenn Verwandte und Freunde das erfahren, lachen sie uns aus!" Herrlichkeit Kaufmann bestätigte. Die Diener packten Jiao Da, der nun sogar Herrlichkeit Kaufmann beim Namen nannte und brüllte: „Ich gehe zum Ahnentempel und weine beim alten Herrn! Was für Bestien sind da herangewachsen! Tag für Tag stehlen sie Hunde und treiben es mit Hühnern! Der eine kriecht in die Asche [Anm.: ‚die Asche kratzen' (爬灰) = Inzest mit der Schwiegertochter], die andere hält sich einen kleinen Schwager [Anm.: Ehebruch]! Ich weiß alles! Bei uns ‚bricht man sich den Arm und versteckt ihn im Ärmel'!" Die Diener erschraken zu Tode über diese unsäglichen Worte, packten ihn, fesselten ihn und stopften ihm den Mund mit Erde und Pferdemist. Phönixglanz und Herrlichkeit Kaufmann hörten alles aus der Ferne, taten aber so, als hätten sie nichts gehört. Schatzjade, der die Szene vom Wagen aus beobachtet hatte, fand es recht unterhaltsam und fragte Phönixglanz: „Schwester, was bedeutet ‚die Asche kratzen'?" Phönixglanz fuhr ihn zornig an: „Halt den Mund! Das ist betrunkenes Gewäsch! Du solltest so tun, als hättest du nichts gehört, statt noch nachzufragen! Warte nur, ich erzähle es der Mama — dann bekommst du Prügel!" Schatzjade erschrak und bat um Verzeihung. Phönixglanz wurde wieder freundlich: „Brav so! Wenn wir zu Hause sind, sagen wir der Großmutter, dass du mit dem jungen Neffen Anmutig Minne zusammen in die Schule gehen sollst — das ist wichtiger." Damit fuhr sie zurück zum Prunkwille-Anwesen. Nicht die Schönheit macht zum Freund — Die Empfindsamkeit erst führt zum Buch. [Ende des siebten Kapitels]
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