Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 8"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 8) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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早知日後閒爭氣,豈肯今朝錯讀書。 | 早知日後閒爭氣,豈肯今朝錯讀書。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 8 | |
| − | + | Das Vergleichen des Zaubersteins — Goldamsels zarter Hinweis | |
| − | + | Der Besuch bei Schatzspange — Kajaljade halb in Eifersucht | |
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| − | + | Titelgedicht: | |
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| − | + | Im alten Dreifuß frisch gebraut — Phönixmark so duftend fein, | |
| − | „Wo habt ihr sie denn gesehen? | + | Wie erst, wenn Jadepokale mit Ambrosia gefüllt sein! |
| − | „An etlichen | + | Man sage nicht, Gaze und Seide entbehrten jeglicher Anmut — |
| − | + | Sieh nur die Goldene Kleine neben dem Jadejüngling stehn! | |
| − | Die Männer warteten, bis er | + | |
| − | + | Es wird erzählt, dass Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix im hellen Glanz".</ref> [王熙凤] und Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".</ref> [贾宝玉] nach Hause zurückkehrten und bei allen ihre Aufwartung machten. Schatzjade berichtete zunächst der Herzoginmutter, dass Liebglocke Minne [秦钟] in die Familienschule einzutreten wünsche: Er selbst hätte dann einen Lernkameraden, und das würde seinen Eifer beflügeln. Dabei lobte er Qin Zhongs Erscheinung und Betragen in den höchsten Tönen als überaus liebenswert. Phönixglanz unterstützte ihn von der Seite: „Demnächst wird er persönlich kommen, um Euch seinen Respekt zu bezeugen, Großahne!" — und so weiter. Die Herzoginmutter war erfreut. Phönixglanz nutzte die Gelegenheit und lud die Herzoginmutter ein, übermorgen zur Theatervorstellung hinüberzukommen. Die Herzoginmutter war trotz ihres hohen Alters durchaus vergnügungssüchtig. Als dann zwei Tage später auch Dame Sonders<ref>Der Familienname 尤 Yóu bedeutet „besonders/außergewöhnlich“. Wir übersetzen ihn als „Sonders“. Ironischerweise sind die Sonders-Frauen alle besonders unglücklich.</ref> [尤氏] erschien, um sie einzuladen, fuhr sie mit Dame König [王夫人], Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Jade in Kajal-Schwarz".</ref> [林黛玉], Schatzjade und den anderen hinüber, um sich die Aufführung anzusehen. Gegen Mittag kehrte die Herzoginmutter zum Ausruhen zurück. Dame König, die von Natur aus die Stille liebte, folgte ihr, als sie sah, dass die alte Dame nach Hause ging. Dann nahm Phönixglanz den Ehrenplatz ein und unterhielt sich vergnügt bis zum Abend. Davon sei hier nicht weiter die Rede. | |
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| + | Schatzjade hatte die Herzoginmutter zurückbegleitet. Als sie ihren Mittagsschlaf hielt, wollte er eigentlich wieder hinübergehen, um weiter dem Theaterspiel zuzuschauen. Doch dann befürchtete er, Frau Qin [秦氏] und den anderen durch seine Anwesenheit Unannehmlichkeiten zu bereiten. Da fiel ihm ein, dass Schatzspange [薛宝钗] in letzter Zeit zu Hause krank lag und er ihr noch keinen persönlichen Krankenbesuch abgestattet hatte. Er wollte also nach ihr sehen. Wenn er allerdings durch das Seitentor hinter dem Hauptgebäude ginge, würde er womöglich in irgendetwas verwickelt, und wenn er gar seinem Vater begegnete, wäre das noch weniger ratsam. Besser, er nahm den Umweg! | ||
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| + | Die Ammen und Dienerinnen wollten ihm beim Umkleiden helfen, doch als sie sahen, dass er sich nicht umzog, sondern geradewegs zum Innentor hinausging, blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Sie nahmen an, er wolle ins Stillfriede-Anwesen hinüber, um weiter Theater zu sehen. Doch wer hätte gedacht, dass er an der Durchgangshalle nach Osten und Norden abbog und hinter der großen Halle herumging! Ausgerechnet dort kamen ihm zwei Schützlinge seines Vaters entgegen: Zhan Guang [詹光] und Shan Pinren [单聘仁]. Kaum hatten sie Schatzjade erblickt, stürmten sie lachend auf ihn zu — der eine schlang den Arm um seine Taille, der andere ergriff seine Hand. „Oh, mein kleiner Bodhisattva!" riefen sie. „Ich hab gewusst, dass ich einen guten Traum hatte — endlich treffen wir Euch!" Sie verbeugten sich, fragten nach seinem Befinden und schwatzten eine Weile, ehe sie sich endlich entfernten. | ||
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| + | Eine alte Amme hielt sie noch auf und fragte: „Kommen die beiden Herren eben vom gnädigen Herrn?" Die beiden nickten: „Der gnädige Herr hält seinen Mittagsschlaf in der kleinen Bibliothek des ‚Studios am Traumhang'. Keine Sorge!" Damit gingen sie weiter. Auch Schatzjade musste darüber lachen. | ||
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| + | Er bog nach Norden ab und steuerte auf den Birnendufthof [梨香院] zu. Zufällig kam gerade der Hauptkassierer Wu Xindeng [吴新登] mit dem Speicherverwalter Dai Liang [戴良] und einigen weiteren Aufsehern aus der Schatzkammer — sieben Mann insgesamt. Kaum erblickten sie Schatzjade, eilten sie herbei und blieben mit ehrerbietig herabhängenden Armen stehen. Nur der Einkäufer Qian Hua [钱华], der Schatzjade längere Zeit nicht gesehen hatte, kniete eilig mit einem Bein nieder und wünschte ihm alles Gute. Schatzjade half ihm lächelnd auf. Die Männer sagten: „Neulich haben wir quadratische Kalligraphiezettel gesehen, die der junge Herr geschrieben hat. Die Handschrift ist wirklich immer besser geworden! Wann schenkt Ihr uns einige zum Aufhängen?" Schatzjade fragte lächelnd: „Wo habt ihr sie denn gesehen?" Die Männer antworteten: „An etlichen Stellen! Überall werden sie über den grünen Klee gelobt, und man hat uns sogar gebeten, welche zu beschaffen." Schatzjade sagte lächelnd: „Die sind doch nichts Besonderes. Sagt einfach meinen Burschen Bescheid." Damit ging er weiter. Die Männer warteten, bis er vorüber war, und zerstreuten sich dann. | ||
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| + | Aber lassen wir die Nebensächlichkeiten. Schatzjade kam im Birnendufthof an und ging zuerst in die Gemächer der Tante Schnee [薛姨妈]. Er fand sie gerade dabei, den Dienerinnen Nadelarbeiten zuzuteilen. Schatzjade begrüßte sie rasch. Die Tante zog ihn an sich, nahm ihn in die Arme und sagte lächelnd: „Bei dieser Kälte, mein Junge, dass du dir die Mühe machst, uns zu besuchen! Komm, setz dich schnell aufs Ofenbett!" Sie befahl, dampfend heißen Tee zu bringen. Schatzjade fragte: „Ist Bruder [薛蟠] nicht zu Hause?" Tante Schnee seufzte: „Er ist ein Pferd ohne Zaumzeug — den ganzen Tag unterwegs. Nie bleibt er einen Tag zu Hause." Schatzjade fragte: „Ist Schwester [宝钗] schon genesen?" Tante Schnee sagte: „Oh ja — und dass du neulich jemanden geschickt hast, nach ihr zu sehen! Sie ist drinnen im Hinterzimmer, geh nur hinein und sieh nach ihr. Dort drinnen ist es wärmer als hier. Setz dich ruhig dort hin, ich räume hier auf und komme dann zu euch, um zu plaudern." | ||
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| + | Schatzjade stieg vom Ofenbett und ging zur Tür des Hinterzimmers. Vor dem Eingang hing ein halbverblasster roter Seidenvorhang. Schatzjade schob ihn beiseite und trat ein. Als Erstes sah er Schatzspange [薛宝钗] auf dem Ofenbett sitzen und handarbeiten. Ihr Haar war zu einem pechschwarzen, glänzend geölten Knoten aufgesteckt. Sie trug eine honigfarbene Baumwolljacke, darüber ein Jäckchen in Rosenholzlila mit silbern-goldenem Eichhörnchenfell in zwei Farben, und einen zwiebelgrünen gefütterten Seidenrock — alles halb neu, halb alt, nichts an ihr wirkte verschwenderisch. Ihre Lippen waren rot, ohne geschminkt zu sein; ihre Brauen dunkel, ohne gemalt zu sein; ihr Antlitz wie eine silberne Schale; ihre Augen wie Wasserblütenaprikosen. Selten sprach sie, und die Leute nannten es verborgene Klugheit; sie fügte sich in ihr Los, und sie selbst nannte es bescheidene Zurückhaltung. | ||
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| + | Schatzjade betrachtete sie und fragte: „Schwester, bist du ganz genesen?" Schatzspange blickte auf, sah Schatzjade hereinkommen und stand eilig mit einem Lächeln auf: „Es geht mir schon viel besser, vielen Dank fürs Nachfragen." Sie bat ihn, sich auf die Kante des Ofenbetts zu setzen, und befahl Goldamsel<ref>Chin. 莺儿 Yīng'ér, wörtl. „Vögelchen/Amsel", Schatzspanges treue Dienerin.</ref> [莺儿], Tee einzuschenken. Dabei erkundigte sie sich nach dem Befinden der Herzoginmutter, der Tante und der anderen Schwestern. Währenddessen musterte sie Schatzjades Aufzug: Auf dem Kopf trug er eine purpurgoldene Kappe mit Spiraldrahtfassung und eingelassenen Edelsteinen, an der Stirn ein goldenes Band mit zwei Drachen, die um eine Perle wetteifern, am Leib eine herbstbraune Pfeilärmel-Jacke mit weißem Fuchsfell gefüttert, um die Taille einen buntfarbenen Gürtel mit Schmetterlings- und Phönixmuster, am Hals ein Langlebigkeitsschloss, ein Schutzamulett — und dazu jenen Jade, den er bei seiner Geburt im Mund gehalten hatte. | ||
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| + | Schatzspange sagte lächelnd: „Tagein, tagaus hört man von deiner Jade — aber so genau betrachtet habe ich sie noch nie. Heute will ich sie mir einmal ansehen." Damit rückte sie näher. Schatzjade kam ebenfalls heran, nahm sie vom Hals und reichte sie ihr. Schatzspange legte sie auf die Handfläche. Sie sah: groß wie ein Sperlingsei, schimmernd wie Morgenrot, geschmeidig wie Butterschmalz, durchzogen von fünffarbigen Mustern. Dies war das Trugbild jenes eigensinnigen Steins vom Gipfel des Blauen Kammes im Gebirge der Großen Öde. Ein späterer Dichter hat dazu spottend geschrieben: | ||
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| + | Nüwas Steineschmelzen war schon Phantasterei genug, | ||
| + | Nun wird die Phantasterei zur Großen Öde ausgesponnen. | ||
| + | Verloren die wahre Sphäre der geistigen Seele, | ||
| + | Erscheint als Trug die stinkende Hülle aus Fleisch und Haut. | ||
| + | Wisse: Wenn das Glück verfällt, verliert selbst Gold seinen Glanz; | ||
| + | Beklage: Wenn die Zeit sich wendet, strahlt auch Jade nicht mehr. | ||
| + | Weiße Gebeine, hoch wie Berge — wer kennt noch die Namen? | ||
| + | Nichts als junge Herren und rotgeschmückte Schöne! | ||
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| + | Auch der Stein selbst hatte sein Trugbild sowie die Siegelschrift, die der räudige Mönch eingraviert hatte, festgehalten — hier nun nach Vorlage gezeichnet: [Anm.: Es folgen die Inschriften der Jade: Vorderseite „通灵宝玉" — „Zaubernde Kostbare Jade", darunter „莫失莫忘,仙壽恆昌" — „Verliere sie nie, vergiss sie nie, dann währt dein Unsterblichenglück ewig." Rückseite: drei Zaubersprüche: „1. Vertreibt das Böse, 2. Heilt verborgene Krankheit, 3. Kündet Glück und Unglück."] | ||
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| + | Schatzspange las es, drehte es noch einmal um zur Vorderseite und betrachtete es genau. Leise las sie: „Verliere sie nie, vergiss sie nie — dann währt dein Unsterblichenglück ewig." Sie las es zweimal und wandte sich dann mit einem Lächeln zu Goldamsel [莺儿] um: „Warum schenkst du nicht Tee ein, statt hier herumzustehen und Löcher in die Luft zu starren?" Goldamsel kicherte: „Diese beiden Zeilen klingen genauso wie die beiden Zeilen auf dem Halsreif der jungen Herrin — als wären sie ein Paar!" | ||
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| + | Schatzjade hörte das und sagte eilig lachend: „So hat also auch Schwesterlein acht Zeichen auf ihrem Halsreif? Die möchte ich auch einmal sehen!" Schatzspange sagte: „Hör nicht auf sie, da steht gar nichts." Schatzjade bettelte lachend: „Liebe Schwester, du hast doch auch meine betrachtet!" Schatzspange konnte seinem Drängen nicht widerstehen und sagte: „Es sind auch nur ein paar Glücksworte, die jemand ausgedacht hat, deswegen wurden sie eingraviert, damit ich sie jeden Tag trage — sonst, dieses schwere Ding, was wäre schon reizvoll daran?" Während sie sprach, öffnete sie die Knöpfe ihres Obergewands und zog unter der großen roten Jacke die strahlend goldene, mit Perlen und Juwelen besetzte Halskette hervor. Schatzjade nahm sie eilig in die Hand und betrachtete sie: Tatsächlich standen auf der einen Seite vier Siegelzeichen, auf beiden Seiten zusammen acht, die zwei Glückssprüche bildeten. Auch diese wurden nach Vorlage aufgezeichnet: | ||
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| + | [Vorderseite: „不离不弃" — „Trenne dich nie, lass niemals ab." Rückseite: „芳龄永继" — „Dein blühendes Alter währe ewiglich."] | ||
| − | + | Schatzjade las auch das zweimal, dann las er seine eigene Inschrift noch einmal und fragte lachend: „Schwester, diese acht Zeichen sind tatsächlich ein Paar mit meinen!" Goldamsel lachte: „Ein kahler Mönch hat es geschenkt. Er sagte, man müsse es unbedingt in Gold gravieren …" Schatzspange ließ sie gar nicht ausreden und schalt sie, endlich Tee zu bringen. Dann fragte sie Schatzjade, woher er komme. | |
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| − | + | Schatzjade saß jetzt ganz dicht neben Schatzspange und nahm einen kühlen, zart süßen, feinen Duft wahr, wie er ihn noch nie gerochen hatte. Er fragte: „Schwester, was für ein Räucherwerk benutzt du? Diesen Duft habe ich noch nie wahrgenommen." Schatzspange lachte: „Ich kann Räucherwerk am allerwenigsten leiden — schöne Kleider mit Rauch und Qualm zu verderben!" Schatzjade sagte: „Aber was ist es dann für ein Duft?" Schatzspange überlegte einen Moment und sagte dann lachend: „Ach ja — es ist der Duft der Pillen, die ich heute morgen eingenommen habe." Schatzjade lachte: „Was für Pillen duften so wunderbar? Liebe Schwester, gib mir eine zum Probieren!" Schatzspange lachte: „Schon wieder Unsinn! Kann man denn Medizin einfach so schlucken?" | |
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| − | + | Noch war das letzte Wort nicht gesprochen, als draußen jemand meldete: „Fräulein Wald [林] ist da!" Kaum war der Satz verklungen, kam Kajaljade [林黛玉] schon anmutig hereingeschwebt. Als sie Schatzjade erblickte, lachte sie: „Oh je, ich komme wohl ungelegen!" Schatzjade und die anderen standen eilig lächelnd auf und baten sie, Platz zu nehmen. Schatzspange fragte lachend: „Wie meinst du das?" Kajaljade sagte lachend: „Hätte ich gewusst, dass er hier ist, wäre ich nicht gekommen." Schatzspange sagte: „Das verstehe ich erst recht nicht." Kajaljade sagte lachend: „Ganz einfach: Wenn man kommt, sollen alle zusammen kommen; wenn niemand kommt, soll auch keiner kommen. Heute kommt er, morgen komme ich — so schön abwechselnd, dann ist jeden Tag jemand da! Nicht zu einsam, nicht zu lebhaft. Schwester, wie kannst du das nicht verstehen?" | |
| − | + | Schatzjade bemerkte, dass sie draußen einen großen roten Umhang aus Entendaunen trug, und fragte: „Schneit es?" Die Dienerinnen auf dem Boden antworteten: „Es graupelt schon den halben Tag!" Schatzjade sagte: „Hat man mir meinen Umhang gebracht?" Kajaljade bemerkte sofort: „Na bitte — kaum bin ich da, willst du schon gehen." Schatzjade lachte: „Wann hätte ich gesagt, dass ich gehe? Ich lasse ihn nur vorsorglich holen." | |
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| − | + | Schatzjades Amme Li [李嬷嬷] sagte: „Es schneit doch, und es wird auch schon spät. Bleibt doch einfach hier und spielt ein wenig mit den Schwestern. Die Tante lässt gerade Tee und Leckereien auftragen. Ich schicke ein Mädchen, den Umhang holen zu lassen, und die Burschen können sich zerstreuen." Schatzjade war einverstanden. Die Amme ging hinaus und wies die kleinen Diener an, sich zu entfernen. Davon sei hier nicht weiter die Rede. | |
| − | und | ||
| − | + | Tante Schnee hatte inzwischen einige auserlesene Teekonfekte aufgetragen, um die Kinder zum Bleiben einzuladen. Schatzjade lobte die vorzüglichen eingelegten Gänsefüße und Entenzungen, die er neulich drüben bei der Frau des Herrn Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] gegessen hatte. Tante Schnee ließ daraufhin sogleich von ihren eigenen eingelegten Spezialitäten holen und zum Probieren anbieten. Schatzjade sagte lächelnd: „Die schmecken aber erst richtig gut zu Wein!" Tante Schnee befahl, den allerbesten Wein zu bringen. Die Amme Li trat vor: „Gnädige Tante, lieber keinen Wein!" Schatzjade bat: „Mama, nur ein Gläschen!" Die Amme sagte: „Das kommt nicht in Frage! Vor der Herzoginmutter und der gnädigen Frau — da könntest du meinetwegen einen ganzen Krug trinken. Aber denkst du denn, ich hätte vergessen, was neulich passiert ist …" | |
| − | + | [Der Text fährt fort: Die Amme Li erinnert ihn an den Vorfall, als er betrunken das Teeporzellangefäß der Magd Qianxue zerschlug. Tante Schnee beschwichtigt und lässt Wein bringen. Schatzjade trinkt mit Kajaljade zusammen. Kajaljade neckt Schatzjade, als er fragt, ob er „kalten Wein" trinken dürfe, und Schatzspange erklärt sachlich die medizinischen Gründe, warum man Wein warm trinken solle — woraufhin Schatzjade sofort den Rat befolgt und Kajaljade eifersüchtig bemerkt: „Er hört eben nur auf sie." — Später kehrt Schatzjade betrunken nach Hause zurück, zerschlägt im Unmut eine Teeschale, und Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die Betörende", Schatzjades engste Dienerin.</ref> [袭人] muss ihn beruhigen. Dufthauch erzählt ihm, dass sie von Schatzspanges Magd Goldamsel erfahren habe, dass die Inschriften auf Schatzspanges goldenem Halsreif und auf seiner Jade ein Paar bilden — die „Goldene Verbindung" (金玉良缘). Schatzjade wird wütend und protestiert lautstark, was Dufthauch erschreckt.] | |
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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題曰:古鼎新烹鳳髓香,那堪翠斝貯瓊漿。莫道綺縠無風韻,試看金娃對玉郎。 話說鳳姐和寶玉回家,見過眾人。寶玉先便回明賈母秦鐘要上家塾之事,自己也有了個伴讀的朋友,正好發奮,又著實的稱讚秦鐘的人品行事,最使人憐愛。鳳姐又在一旁幫著說「過日他還來拜老祖宗」等語,說的賈母喜歡起來。鳳姐又趁勢請賈母后日過去看戲。賈母雖年老,卻極有興頭。至後日,又有尤氏來請,遂攜了王夫人、林黛玉,寶玉等過去看戲。至晌午,賈母便回來歇息了。王夫人本是好清淨的,見賈母回來也就回來了。然後鳳姐坐了首席,盡歡至晚無話。 卻說寶玉因送賈母回來,待賈母歇了中覺,意欲還去看戲取樂,又恐擾的秦氏等人不便,因想起近日薛寶釵在家養病,未去親候,意欲去望他一望。若從上房后角門過去,又恐遇見別事纏繞,再或可巧遇見他父親,更為不妥,寧可繞遠路罷了。當下眾嬤嬤丫鬟伺候他換衣服,見他不換,仍出二門去了。眾嬤嬤丫鬟只得跟隨出來,還只當他去那府中看戲。誰知到穿堂,便向東向北繞廳後而去。偏頂頭遇見了門下清客相公詹光、單聘仁二人走來,一見了寶玉,便都笑著趕上來,一個抱住腰,一個攜著手,都道:「我的菩薩哥兒,我說作了好夢呢,好容易得遇見了你。」說著,請了安,又問好,勞叨了半日,方纔走開。老嬤嬤叫住,因問:「你二位爺是從老爺跟前來的不是?」二人點頭道:「老爺在夢坡齋小書房裡歇中覺呢,不妨事的。」一面說,一面走了。說的寶玉也笑了。於是轉彎向北奔梨香院來。可巧銀庫房的總領名喚吳新登與倉上的頭目名戴良,還有幾個管事的頭目,共有七個人,從帳房裡出來,一見了寶玉,趕來都一齊垂手站住。獨有一個買辦名喚錢華,因他多日未見寶玉,忙上來打千兒請安,寶玉忙含笑攜他起來。眾人都笑說:「前兒在一處看見二爺寫的斗方兒,字法越發好了,多早晚兒賞我們幾張貼貼。」寶玉笑道:「在那裡看見了?」眾人道:「好幾處都有,都稱讚的了不得,還和我們尋呢。」寶玉笑道:「不值什麼,你們說與我的小幺兒們就是了。」一面說,一面前走,眾人待他過去,方都各自散了。 閒言少述,且說寶玉來至梨香院中,先入薛姨媽室中來,正見薛姨媽打點針黹與丫鬟們呢。寶玉忙請了安,薛姨媽忙一把拉了他,抱入懷內,笑說:「這們冷天,我的兒,難為你想著來,快上炕來坐著罷。」命人倒滾滾的茶來。寶玉因問:「哥哥不在家?」薛姨媽嘆道:「他是沒籠頭的馬,天天逛不了,那裡肯在家一日。」寶玉道:「姐姐可大安了?」薛姨媽道:「可是呢,你前兒又想著打發人來瞧他。他在裡間不是,你去瞧他,裡間比這裡暖和,那裡坐著,我收拾收拾就進去和你說話兒。」寶玉聽說,忙下了炕來至裡間門前,只見吊著半舊的紅紬軟簾。寶玉掀簾一邁步進去,先就看見薛寶釵坐在炕上作針線,頭上挽著漆黑油光的纂兒,蜜合色棉襖,玫瑰紫二色金銀鼠比肩褂,蔥黃綾棉裙,一色半新不舊,看去不覺奢華。唇不點而紅,眉不畫而翠,臉若銀盆,眼如水杏。罕言寡語,人謂藏愚,安分隨時,自云守拙。寶玉一面看,一面問:「姐姐可大愈了?」寶釵抬頭只見寶玉進來,連忙起身含笑答說:「已經大好了,倒多謝記掛著。」說著,讓他在炕沿上坐了,即命鶯兒斟茶來。一面又問老太太、姨媽安,別的姊妹們都好。一面看寶玉頭上戴著縲絲嵌寶紫金冠,額上勒著二龍搶珠金抹額,身上穿著秋香色立白狐腋箭袖,腰系五色蝴蝶鸞絛,項上掛著長命鎖、記名符,另外有一塊落草時銜下來的寶玉。寶釵因笑說道:「成日家說你的這玉,究竟未曾細細的賞鑒,我今兒倒要瞧瞧。」說著便挪近前來。寶玉亦湊了上去,從項上摘了下來,遞在寶釵手內。寶釵托於掌上,只見大如雀卵,燦若明霞,瑩潤如酥,五色花紋纏護。這就是大荒山中青埂峰下的那塊頑石的幻相。後人曾有詩嘲雲: 女媧煉石已荒唐,又向荒唐演大荒。 失去幽靈真境界,幻來親就假皮囊。 好知運敗金無彩,堪嘆時乖玉不光。 白骨如山忘姓氏,無非公子與紅妝! 那頑石亦曾記下他這幻相並癩僧所鐫的篆文,今亦按圖畫於後。但其真體最小,方能從胎中小兒口內銜下。今若按其體畫,恐字跡過於微細,使觀者大廢眼光,亦非暢事。故今只按其形式,無非略展些規矩,使觀者便於燈下醉中可閱。今注明此故,方無「胎中之兒口有多大,怎得銜此狼犺蠢大之物等語之謗。 通靈寶玉正面圖式 通靈寶玉反面圖式 玉寶靈通 三二一 仙莫 知療除 壽失 禍冤邪 恆莫 福疾崇 昌忘 寶釵看畢,又從新翻過正面來細看,口內念道:「莫失莫忘,仙壽恆昌。」念了兩遍,乃回頭向鶯兒笑道:「你不去倒茶,也在這裡發呆作什麼?」鶯兒嘻嘻笑道:「我聽這兩句話,倒象和姑娘的項圈上的兩句話是一對兒。」寶玉聽了,忙笑道:「原來姐姐那項圈上也有八個字,我也鑒賞鑒賞!」寶釵道:「你別聽他的話,沒有什麼字。」寶玉笑央:「好姐姐,你怎麼瞧我的了呢。」寶釵被纏不過,因說道:「也是個人給了兩句吉利話兒,所以鏨上了,叫天天帶著,不然,沉甸甸的有什麼趣兒。」一面說,一面解了排扣,從裡面大紅襖上將那珠寶晶瑩黃金燦爛的瓔珞掏將出來。寶玉忙托了鎖看時,果然一面有四個篆字,兩面八字,共成兩句吉讖。亦曾按式畫下形相: 瓔珞正面式 音注云:不離不棄。 瓔珞反面式 音注云:芳齡永繼。 寶玉看了,也念了兩遍,又念自己的兩遍,因笑問:「姐姐這八個字倒真與我的是一對」鶯兒笑道:「是個癩頭和尚送的,他說必須鏨在金器上……「寶釵不待說完,便嗔他不去倒茶,一面又問寶玉從那裡來。 寶玉此時與寶釵就近,只聞一陣陣涼森森甜絲絲的幽香,竟不知系何香氣,遂問:「姐姐熏的是什麼香?我竟從未聞見過這味兒。」寶釵笑道:「我最怕熏香,好好的衣服,熏的煙燎火氣的。」寶玉道:「既如此,這是什麼香?」寶釵想了一想,笑道:「是了,是我早起吃了丸藥的香氣。」寶玉笑道:「什麼丸藥這麼好聞?好姐姐,給我一丸嘗嘗。」寶釵笑道:「又混鬧了,一個藥也是混吃的?」 一語未了,忽聽外面人說:「林姑娘來了。」話猶未了,林黛玉已搖搖的走了進來,一見了寶玉,便笑道:「噯喲,我來的不巧了!」寶玉等忙起身笑讓坐,寶釵因笑道:「這話怎麼說?」黛玉笑道:「早知他來,我就不來了。」寶釵道:「我更不解這意。」黛玉笑道:「要來一群都來,要不來一個也不來,今兒他來了,明兒我再來,如此間錯開了來著,豈不天天有人來了?也不至於太冷落,也不至於太熱鬧了。姐姐如何反不解這意思?」 寶玉因見他外面罩著大紅羽緞對衿褂子,因問:「下雪了麼?」地下婆娘們道:「下了這半日雪珠兒了。」寶玉道:「取了我的斗篷來不曾?」黛玉便道:「是不是,我來了你就該去了。」寶玉笑道:「我多早晚說要去了?不過拿來預備著。」寶玉的奶母李嬤嬤因說道:「天又下雪,也好早晚的了,就在這裡同姐姐妹妹一處頑頑罷。姨媽那裡擺茶果子呢。我叫丫頭去取了斗篷來,說給小幺兒們散了罷。」寶玉應允。李嬤嬤出去,命小廝們都各散去不提。 這裡薛姨媽已擺了幾樣細茶果來留他們吃茶。寶玉因誇前日在那府里珍大嫂子的好鵝掌鴨信。薛姨媽聽了,忙也把自己糟的取了些來與他嘗。寶玉笑道:「這個須得就酒才好。」薛姨媽便令人去灌了最上等的酒來。李嬤嬤便上來道:「姨太太,酒倒罷了。」寶玉央道:「媽媽,我只喝一鐘。」李嬤嬤道:「不中用!當著老太太、太太,那怕你吃一壇呢。想那日我眼錯不見一會,不知是那一個沒調教的,只圖討你的好兒,不管別人死活,給了你一口酒吃,葬送的我挨了兩日罵。姨太太不知道,他性子又可惡,吃了酒更弄性。有一日老太太高興了,又盡著他吃,什麼日子又不許他吃,何苦我白賠在裡面。」薛姨媽笑道:「老貨,你只放心吃你的去。我也不許他吃多了。便是老太太問,有我呢。」一面令小丫鬟:「來,讓你奶奶們去,也吃杯搪搪雪氣。」那李嬤嬤聽如此說,只得和眾人去吃些酒水。這裡寶玉又說:「不必燙熱了,我只愛吃冷的。」薛姨媽忙道:「這可使不得,吃了冷酒,寫字手打顫兒。」寶釵笑道:「寶兄弟,虧你每日家雜學旁收的,難道就不知道酒性最熱,若熱吃下去,發散的就快,若冷吃下去,便凝結在內,以五臟去暖他,豈不受害?從此還不快不要吃那冷的了。」寶玉聽這話有情理,便放下冷酒,命人暖來方飲。 黛玉磕著瓜子兒,只抿著嘴笑。可巧黛玉的小丫鬟雪雁走來與黛玉送小手爐,黛玉因含笑問他:「誰叫你送來的?難為他費心,那裡就冷死了我!」雪雁道:「紫鵑姐姐怕姑娘冷,使我送來的。」黛玉一面接了,抱在懷中,笑道:「也虧你倒聽他的話。我平日和你說的,全當耳旁風,怎麼他說了你就依,比聖旨還快些!」寶玉聽這話,知是黛玉藉此奚落他,也無回覆之詞,只嘻嘻的笑兩陣罷了。寶釵素知黛玉是如此慣了的,也不去睬他。薛姨媽因道:「你素日身子弱,禁不得冷的,他們記掛著你倒不好?」黛玉笑道:「姨媽不知道。幸虧是姨媽這裡,倘或在別人家,人家豈不惱?好說就看的人家連個手爐也沒有,巴巴的從家裡送個來。不說丫鬟們太小心過余,還只當我素日是這等輕狂慣了呢。」:強詞奪理,偏他說得如許,真冰雪聰明也】}}薛姨媽道:「你這個多心的,有這樣想,我就沒這樣心。」 說話時,寶玉已是三杯過去。李嬤嬤又上來攔阻。寶玉正在心甜意洽之時,和寶黛姊妹說說笑笑的,那肯不吃。寶玉只得屈意央告:「好媽媽,我再吃兩鐘就不吃了。」李嬤嬤道:「你可仔細老爺今兒在家,提防問你的書!」寶玉聽了這話,便心中大不自在,慢慢的放下酒,垂了頭。黛玉先忙的說:「別掃大家的興!舅舅若叫你,只說姨媽留著呢。這個媽媽,他吃了酒,又拿我們來醒脾了!」一面悄推寶玉,使他賭氣,一面悄悄的咕噥說:「別理那老貨,咱們只管樂咱們的。」那李嬤嬤也素知黛玉的意思,因說道:「林姐兒,你不要助著他了。你倒勸勸他,只怕他還聽些。」林黛玉冷笑道:「我為什麼助他?我也不犯著勸他。你這媽媽太小心了,往常老太太又給他酒吃,如今在姨媽這裡多吃一口,料也不妨事。必定姨媽這裡是外人,不當在這裡的也未可定。」李嬤嬤聽了,又是急,又是笑,說道:「真真這林姑娘,說出一句話來,比刀子還尖。這算了什麼呢。」寶釵也忍不住笑著,把黛玉腮上一擰,說道:「真真這個顰丫頭的一張嘴,叫人恨又不是,喜歡又不是。」薛姨媽一面又說:「別怕,別怕,我的兒!來這裡沒好的你吃,別把這點子東西唬的存在心裡,倒叫我不安。只管放心吃,都有我呢。越發吃了晚飯去,便醉了,就跟著我睡罷。」因命:「再燙熱酒來!姨媽陪你吃兩杯,可就吃飯罷。」寶玉聽了,方又鼓起興來。 李嬤嬤因吩咐小丫頭子們:「你們在這裡小心著,我家裡換了衣服就來,悄悄的回姨太太,別由著他,多給他吃。」說著便家去了。這裡雖還有三兩個婆子,都是不關痛癢的,見李嬤嬤走了,也都悄悄去尋方便去了。只剩了兩個小丫頭子,樂得討寶玉的歡喜。幸而薛姨媽千哄萬哄的,只容他吃了幾杯,就忙收過了。作酸筍雞皮湯,寶玉痛喝了兩碗,吃了半碗飯碧粳粥。一時薛、林二人也吃完了飯,又釅釅的沏上茶來大家吃了。薛姨媽方放了心。雪雁等三四個丫頭已吃了飯,進來伺候。黛玉因問寶玉道:「你走不走?」寶玉乜斜倦眼道:「你要走,我和你一同走。」黛玉聽說,遂起身道:「咱們來了這一日,也該回去了。還不知那邊怎麼找咱們呢。」說著,二人便告辭。 小丫頭忙捧過斗笠來,寶玉便把頭略低一低,命他戴上。那丫頭便將著大紅氈斗笠一抖,才往寶玉頭上一合,寶玉便說:「罷,罷!好蠢東西,你也輕些兒!難道沒見過別人戴過的?讓我自己戴罷。」黛玉站在炕沿上道:「羅唆什麼,過來,我瞧瞧罷。」寶玉忙就近前來。黛玉用手整理,輕輕籠住束髮冠,將笠沿掖在抹額之上,將那一顆核桃大的絳絨簪纓扶起,顫巍巍露於笠外。整理已畢,端相了端相,說道:「好了,披上斗篷罷。」寶玉聽了,方接了斗篷披上。薛姨媽忙道:「跟你們的媽媽都還沒來呢,且略等等不遲。」寶玉道:「我們倒去等他們,有丫頭們跟著也夠了。」薛姨媽不放心,到底命兩個婦女跟隨他兄妹方罷。他二人道了擾,一徑回至賈母房中。 賈母尚未用晚飯,知是薛姨媽處來,更加喜歡。因見寶玉吃了酒,遂命他自回房去歇著,不許再出來了。因命人好生看侍著。忽想起跟寶玉的人來,遂問眾人:「李奶子怎麼不見?」眾人不敢直說家去了,只說:「才進來的,想有事才去了。」寶玉踉蹌回頭道:「他比老太太還受用呢,問他作什麼!沒有他只怕我還多活兩日。」一面說,一面來至自己的臥室。只見筆墨在案,晴雯先接出來,笑說道:「好,好,要我研了那些墨,早起高興,只寫了三個字,丟下筆就走了,哄的我們等了一日。快來與我寫完這些墨才罷!」寶玉忽然想起早起的事來,因笑道:「我寫的那三個字在那裡呢?」晴雯笑道:「這個人可醉了。你頭裡過那府里去,囑咐貼在這門斗上,這會子又這麼問。我生怕別人貼壞了,我親自爬高上梯的貼上,這會子還凍的手僵冷的呢。」寶玉聽了,笑道:「我忘了。你的手冷,我替你渥著。」說著便伸手攜了晴雯的手,同仰首看門斗上新書的三個字。 一時黛玉來了,寶玉笑道:「好妹妹,你別撒謊,你看這三個字那一個好?」黛玉仰頭看裡間門斗上,新貼了三個字,寫著「絳芸軒」。黛玉笑道:「個個都好。怎麼寫的這們好了?明兒也與我寫一個匾。」寶玉嘻嘻的笑道:「又哄我呢。」說著又問:「襲人姐姐呢?」晴雯向裡間炕上努嘴。寶玉一看,只見襲人和衣睡著在那裡。寶玉笑道:「好,太渥早了些。」因又問晴雯道:「今兒我在那府里吃早飯,有一碟子豆腐皮的包子,我想著你愛吃,和珍大奶奶說了,只說我留著晚上吃,叫人送過來的,你可吃了?」晴雯道:「快別提。一送了來,我知道是我的,偏我才吃了飯,就放在那裡。後來李奶奶來了看見,說:『寶玉未必吃了,拿了給我孫子吃去罷。』他就叫人拿了家去了。」接著茜雪捧上茶來。寶玉因讓:「林妹妹吃茶。」眾人笑說:「林妹妹早走了,還讓呢。」 寶玉吃了半碗茶,忽又想起早起的茶來,因問茜雪道:「早起沏了一碗楓露茶,我說過,那茶是三四次後才出色的,這會子怎麼又沏了這個來?」茜雪道:「我原是留著的,那會子李奶奶來了,他要嘗嘗,就給他吃了。」寶玉聽了,將手中的茶杯只順手往地下一擲, 豁啷一聲,打了個粉碎,潑了茜雪一裙子的茶。又跳起來問著茜雪道:「他是你那一門子的奶奶,你們這麼孝敬他?不過是仗著我小時候吃過他幾日奶罷了。如今逞的他比祖宗還大了。如今我又吃不著奶了,白白的養著祖宗作什麼!攆了出去,大家乾淨!」說著便要去立刻回賈母,攆他乳母。 原來襲人實未睡著,不過故意裝睡,引寶玉來慪他頑耍。先聞得說字問包子等事,也還可不必起來,後來摔了茶鐘,動了氣,遂連忙起來解釋勸阻。早有賈母遣人來問是怎麼了。襲人忙道:「我才倒茶來,被雪滑倒了,失手砸了鐘子。」一面又安慰寶玉道:「你立意要攆他也好,我們也都願意出去,不如趁勢連我們一齊攆了,我們也好,你也不愁再有好的來伏侍你。」寶玉聽了這話,方無了言語,被襲人等扶至炕上,脫換了衣服。不知寶玉口內還說些什麼,只覺口齒纏綿,眼眉愈加餳澀,忙伏侍他睡下。襲人伸手從他項上摘下那通靈玉來,用自己的手帕包好,塞在褥下,次日帶時便冰不著脖子。那寶玉就枕便睡著了。彼時李嬤嬤等已進來了,聽見醉了,不敢前來再加觸犯,只悄悄的打聽睡了,方放心散去。 次日醒來,就有人回:「那邊小蓉大爺帶了秦相公來拜。」寶玉忙接了出去,領了拜見賈母。賈母見秦鐘形容標緻,舉止溫柔,堪陪寶玉讀書,心中十分歡喜,便留茶留飯,又命人帶去見王夫人等。眾人因素愛秦氏,今見了秦鐘是這般人品,也都歡喜,臨去時都有表禮。賈母又與了一個荷包並一個金魁星,取「文星和合」之意。又囑咐他道:「你家住的遠,或有一時寒熱饑飽不便,只管住在這裡,不必限定了。只和你寶叔在一處,別跟著那些不長進的東西們學。」秦鐘一一的答應,回去稟知。 他父親秦業現任營繕郎,年近七十,夫人早亡。因當年無兒女,便向養生堂抱了一個兒子並一個女兒。誰知兒子又死了,只剩女兒,小名喚可兒,長大時,生的形容裊娜,性格風流。因素與賈家有些瓜葛,故結了親,許與賈蓉為妻。那秦業至五旬之上方得了秦鐘。因去歲業師亡故,未暇延請高明之士,只得暫時在家溫習舊課。正思要和親家去商議送往他家塾中,暫且不致荒廢,可巧遇見了寶玉這個機會。又知賈家塾中現今司塾的是賈代儒,乃當今之老儒,秦鐘此去,學業料必進益,成名可望,因此十分喜悅。只是宦囊羞澀,那賈家上上下下都是一雙富貴眼睛,容易拿不出來,又恐誤了兒子的終身大事,說不得東拼西湊的恭恭敬敬封了二十四兩贄見禮,親自帶了秦鐘,來代儒家拜見了。然後聽寶玉上學之日,好一同入塾。正是: 早知日後閒爭氣,豈肯今朝錯讀書。 注释 |
Kapitel 8 Das Vergleichen des Zaubersteins — Goldamsels zarter Hinweis Der Besuch bei Schatzspange — Kajaljade halb in Eifersucht Titelgedicht: Im alten Dreifuß frisch gebraut — Phönixmark so duftend fein, Wie erst, wenn Jadepokale mit Ambrosia gefüllt sein! Man sage nicht, Gaze und Seide entbehrten jeglicher Anmut — Sieh nur die Goldene Kleine neben dem Jadejüngling stehn! Es wird erzählt, dass Phönixglanz[1] [王熙凤] und Schatzjade[2] [贾宝玉] nach Hause zurückkehrten und bei allen ihre Aufwartung machten. Schatzjade berichtete zunächst der Herzoginmutter, dass Liebglocke Minne [秦钟] in die Familienschule einzutreten wünsche: Er selbst hätte dann einen Lernkameraden, und das würde seinen Eifer beflügeln. Dabei lobte er Qin Zhongs Erscheinung und Betragen in den höchsten Tönen als überaus liebenswert. Phönixglanz unterstützte ihn von der Seite: „Demnächst wird er persönlich kommen, um Euch seinen Respekt zu bezeugen, Großahne!" — und so weiter. Die Herzoginmutter war erfreut. Phönixglanz nutzte die Gelegenheit und lud die Herzoginmutter ein, übermorgen zur Theatervorstellung hinüberzukommen. Die Herzoginmutter war trotz ihres hohen Alters durchaus vergnügungssüchtig. Als dann zwei Tage später auch Dame Sonders[3] [尤氏] erschien, um sie einzuladen, fuhr sie mit Dame König [王夫人], Kajaljade[4] [林黛玉], Schatzjade und den anderen hinüber, um sich die Aufführung anzusehen. Gegen Mittag kehrte die Herzoginmutter zum Ausruhen zurück. Dame König, die von Natur aus die Stille liebte, folgte ihr, als sie sah, dass die alte Dame nach Hause ging. Dann nahm Phönixglanz den Ehrenplatz ein und unterhielt sich vergnügt bis zum Abend. Davon sei hier nicht weiter die Rede. Schatzjade hatte die Herzoginmutter zurückbegleitet. Als sie ihren Mittagsschlaf hielt, wollte er eigentlich wieder hinübergehen, um weiter dem Theaterspiel zuzuschauen. Doch dann befürchtete er, Frau Qin [秦氏] und den anderen durch seine Anwesenheit Unannehmlichkeiten zu bereiten. Da fiel ihm ein, dass Schatzspange [薛宝钗] in letzter Zeit zu Hause krank lag und er ihr noch keinen persönlichen Krankenbesuch abgestattet hatte. Er wollte also nach ihr sehen. Wenn er allerdings durch das Seitentor hinter dem Hauptgebäude ginge, würde er womöglich in irgendetwas verwickelt, und wenn er gar seinem Vater begegnete, wäre das noch weniger ratsam. Besser, er nahm den Umweg! Die Ammen und Dienerinnen wollten ihm beim Umkleiden helfen, doch als sie sahen, dass er sich nicht umzog, sondern geradewegs zum Innentor hinausging, blieb ihnen nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Sie nahmen an, er wolle ins Stillfriede-Anwesen hinüber, um weiter Theater zu sehen. Doch wer hätte gedacht, dass er an der Durchgangshalle nach Osten und Norden abbog und hinter der großen Halle herumging! Ausgerechnet dort kamen ihm zwei Schützlinge seines Vaters entgegen: Zhan Guang [詹光] und Shan Pinren [单聘仁]. Kaum hatten sie Schatzjade erblickt, stürmten sie lachend auf ihn zu — der eine schlang den Arm um seine Taille, der andere ergriff seine Hand. „Oh, mein kleiner Bodhisattva!" riefen sie. „Ich hab gewusst, dass ich einen guten Traum hatte — endlich treffen wir Euch!" Sie verbeugten sich, fragten nach seinem Befinden und schwatzten eine Weile, ehe sie sich endlich entfernten. Eine alte Amme hielt sie noch auf und fragte: „Kommen die beiden Herren eben vom gnädigen Herrn?" Die beiden nickten: „Der gnädige Herr hält seinen Mittagsschlaf in der kleinen Bibliothek des ‚Studios am Traumhang'. Keine Sorge!" Damit gingen sie weiter. Auch Schatzjade musste darüber lachen. Er bog nach Norden ab und steuerte auf den Birnendufthof [梨香院] zu. Zufällig kam gerade der Hauptkassierer Wu Xindeng [吴新登] mit dem Speicherverwalter Dai Liang [戴良] und einigen weiteren Aufsehern aus der Schatzkammer — sieben Mann insgesamt. Kaum erblickten sie Schatzjade, eilten sie herbei und blieben mit ehrerbietig herabhängenden Armen stehen. Nur der Einkäufer Qian Hua [钱华], der Schatzjade längere Zeit nicht gesehen hatte, kniete eilig mit einem Bein nieder und wünschte ihm alles Gute. Schatzjade half ihm lächelnd auf. Die Männer sagten: „Neulich haben wir quadratische Kalligraphiezettel gesehen, die der junge Herr geschrieben hat. Die Handschrift ist wirklich immer besser geworden! Wann schenkt Ihr uns einige zum Aufhängen?" Schatzjade fragte lächelnd: „Wo habt ihr sie denn gesehen?" Die Männer antworteten: „An etlichen Stellen! Überall werden sie über den grünen Klee gelobt, und man hat uns sogar gebeten, welche zu beschaffen." Schatzjade sagte lächelnd: „Die sind doch nichts Besonderes. Sagt einfach meinen Burschen Bescheid." Damit ging er weiter. Die Männer warteten, bis er vorüber war, und zerstreuten sich dann. Aber lassen wir die Nebensächlichkeiten. Schatzjade kam im Birnendufthof an und ging zuerst in die Gemächer der Tante Schnee [薛姨妈]. Er fand sie gerade dabei, den Dienerinnen Nadelarbeiten zuzuteilen. Schatzjade begrüßte sie rasch. Die Tante zog ihn an sich, nahm ihn in die Arme und sagte lächelnd: „Bei dieser Kälte, mein Junge, dass du dir die Mühe machst, uns zu besuchen! Komm, setz dich schnell aufs Ofenbett!" Sie befahl, dampfend heißen Tee zu bringen. Schatzjade fragte: „Ist Bruder [薛蟠] nicht zu Hause?" Tante Schnee seufzte: „Er ist ein Pferd ohne Zaumzeug — den ganzen Tag unterwegs. Nie bleibt er einen Tag zu Hause." Schatzjade fragte: „Ist Schwester [宝钗] schon genesen?" Tante Schnee sagte: „Oh ja — und dass du neulich jemanden geschickt hast, nach ihr zu sehen! Sie ist drinnen im Hinterzimmer, geh nur hinein und sieh nach ihr. Dort drinnen ist es wärmer als hier. Setz dich ruhig dort hin, ich räume hier auf und komme dann zu euch, um zu plaudern." Schatzjade stieg vom Ofenbett und ging zur Tür des Hinterzimmers. Vor dem Eingang hing ein halbverblasster roter Seidenvorhang. Schatzjade schob ihn beiseite und trat ein. Als Erstes sah er Schatzspange [薛宝钗] auf dem Ofenbett sitzen und handarbeiten. Ihr Haar war zu einem pechschwarzen, glänzend geölten Knoten aufgesteckt. Sie trug eine honigfarbene Baumwolljacke, darüber ein Jäckchen in Rosenholzlila mit silbern-goldenem Eichhörnchenfell in zwei Farben, und einen zwiebelgrünen gefütterten Seidenrock — alles halb neu, halb alt, nichts an ihr wirkte verschwenderisch. Ihre Lippen waren rot, ohne geschminkt zu sein; ihre Brauen dunkel, ohne gemalt zu sein; ihr Antlitz wie eine silberne Schale; ihre Augen wie Wasserblütenaprikosen. Selten sprach sie, und die Leute nannten es verborgene Klugheit; sie fügte sich in ihr Los, und sie selbst nannte es bescheidene Zurückhaltung. Schatzjade betrachtete sie und fragte: „Schwester, bist du ganz genesen?" Schatzspange blickte auf, sah Schatzjade hereinkommen und stand eilig mit einem Lächeln auf: „Es geht mir schon viel besser, vielen Dank fürs Nachfragen." Sie bat ihn, sich auf die Kante des Ofenbetts zu setzen, und befahl Goldamsel[5] [莺儿], Tee einzuschenken. Dabei erkundigte sie sich nach dem Befinden der Herzoginmutter, der Tante und der anderen Schwestern. Währenddessen musterte sie Schatzjades Aufzug: Auf dem Kopf trug er eine purpurgoldene Kappe mit Spiraldrahtfassung und eingelassenen Edelsteinen, an der Stirn ein goldenes Band mit zwei Drachen, die um eine Perle wetteifern, am Leib eine herbstbraune Pfeilärmel-Jacke mit weißem Fuchsfell gefüttert, um die Taille einen buntfarbenen Gürtel mit Schmetterlings- und Phönixmuster, am Hals ein Langlebigkeitsschloss, ein Schutzamulett — und dazu jenen Jade, den er bei seiner Geburt im Mund gehalten hatte. Schatzspange sagte lächelnd: „Tagein, tagaus hört man von deiner Jade — aber so genau betrachtet habe ich sie noch nie. Heute will ich sie mir einmal ansehen." Damit rückte sie näher. Schatzjade kam ebenfalls heran, nahm sie vom Hals und reichte sie ihr. Schatzspange legte sie auf die Handfläche. Sie sah: groß wie ein Sperlingsei, schimmernd wie Morgenrot, geschmeidig wie Butterschmalz, durchzogen von fünffarbigen Mustern. Dies war das Trugbild jenes eigensinnigen Steins vom Gipfel des Blauen Kammes im Gebirge der Großen Öde. Ein späterer Dichter hat dazu spottend geschrieben: Nüwas Steineschmelzen war schon Phantasterei genug, Nun wird die Phantasterei zur Großen Öde ausgesponnen. Verloren die wahre Sphäre der geistigen Seele, Erscheint als Trug die stinkende Hülle aus Fleisch und Haut. Wisse: Wenn das Glück verfällt, verliert selbst Gold seinen Glanz; Beklage: Wenn die Zeit sich wendet, strahlt auch Jade nicht mehr. Weiße Gebeine, hoch wie Berge — wer kennt noch die Namen? Nichts als junge Herren und rotgeschmückte Schöne! Auch der Stein selbst hatte sein Trugbild sowie die Siegelschrift, die der räudige Mönch eingraviert hatte, festgehalten — hier nun nach Vorlage gezeichnet: [Anm.: Es folgen die Inschriften der Jade: Vorderseite „通灵宝玉" — „Zaubernde Kostbare Jade", darunter „莫失莫忘,仙壽恆昌" — „Verliere sie nie, vergiss sie nie, dann währt dein Unsterblichenglück ewig." Rückseite: drei Zaubersprüche: „1. Vertreibt das Böse, 2. Heilt verborgene Krankheit, 3. Kündet Glück und Unglück."] Schatzspange las es, drehte es noch einmal um zur Vorderseite und betrachtete es genau. Leise las sie: „Verliere sie nie, vergiss sie nie — dann währt dein Unsterblichenglück ewig." Sie las es zweimal und wandte sich dann mit einem Lächeln zu Goldamsel [莺儿] um: „Warum schenkst du nicht Tee ein, statt hier herumzustehen und Löcher in die Luft zu starren?" Goldamsel kicherte: „Diese beiden Zeilen klingen genauso wie die beiden Zeilen auf dem Halsreif der jungen Herrin — als wären sie ein Paar!" Schatzjade hörte das und sagte eilig lachend: „So hat also auch Schwesterlein acht Zeichen auf ihrem Halsreif? Die möchte ich auch einmal sehen!" Schatzspange sagte: „Hör nicht auf sie, da steht gar nichts." Schatzjade bettelte lachend: „Liebe Schwester, du hast doch auch meine betrachtet!" Schatzspange konnte seinem Drängen nicht widerstehen und sagte: „Es sind auch nur ein paar Glücksworte, die jemand ausgedacht hat, deswegen wurden sie eingraviert, damit ich sie jeden Tag trage — sonst, dieses schwere Ding, was wäre schon reizvoll daran?" Während sie sprach, öffnete sie die Knöpfe ihres Obergewands und zog unter der großen roten Jacke die strahlend goldene, mit Perlen und Juwelen besetzte Halskette hervor. Schatzjade nahm sie eilig in die Hand und betrachtete sie: Tatsächlich standen auf der einen Seite vier Siegelzeichen, auf beiden Seiten zusammen acht, die zwei Glückssprüche bildeten. Auch diese wurden nach Vorlage aufgezeichnet: [Vorderseite: „不离不弃" — „Trenne dich nie, lass niemals ab." Rückseite: „芳龄永继" — „Dein blühendes Alter währe ewiglich."] Schatzjade las auch das zweimal, dann las er seine eigene Inschrift noch einmal und fragte lachend: „Schwester, diese acht Zeichen sind tatsächlich ein Paar mit meinen!" Goldamsel lachte: „Ein kahler Mönch hat es geschenkt. Er sagte, man müsse es unbedingt in Gold gravieren …" Schatzspange ließ sie gar nicht ausreden und schalt sie, endlich Tee zu bringen. Dann fragte sie Schatzjade, woher er komme. Schatzjade saß jetzt ganz dicht neben Schatzspange und nahm einen kühlen, zart süßen, feinen Duft wahr, wie er ihn noch nie gerochen hatte. Er fragte: „Schwester, was für ein Räucherwerk benutzt du? Diesen Duft habe ich noch nie wahrgenommen." Schatzspange lachte: „Ich kann Räucherwerk am allerwenigsten leiden — schöne Kleider mit Rauch und Qualm zu verderben!" Schatzjade sagte: „Aber was ist es dann für ein Duft?" Schatzspange überlegte einen Moment und sagte dann lachend: „Ach ja — es ist der Duft der Pillen, die ich heute morgen eingenommen habe." Schatzjade lachte: „Was für Pillen duften so wunderbar? Liebe Schwester, gib mir eine zum Probieren!" Schatzspange lachte: „Schon wieder Unsinn! Kann man denn Medizin einfach so schlucken?" Noch war das letzte Wort nicht gesprochen, als draußen jemand meldete: „Fräulein Wald [林] ist da!" Kaum war der Satz verklungen, kam Kajaljade [林黛玉] schon anmutig hereingeschwebt. Als sie Schatzjade erblickte, lachte sie: „Oh je, ich komme wohl ungelegen!" Schatzjade und die anderen standen eilig lächelnd auf und baten sie, Platz zu nehmen. Schatzspange fragte lachend: „Wie meinst du das?" Kajaljade sagte lachend: „Hätte ich gewusst, dass er hier ist, wäre ich nicht gekommen." Schatzspange sagte: „Das verstehe ich erst recht nicht." Kajaljade sagte lachend: „Ganz einfach: Wenn man kommt, sollen alle zusammen kommen; wenn niemand kommt, soll auch keiner kommen. Heute kommt er, morgen komme ich — so schön abwechselnd, dann ist jeden Tag jemand da! Nicht zu einsam, nicht zu lebhaft. Schwester, wie kannst du das nicht verstehen?" Schatzjade bemerkte, dass sie draußen einen großen roten Umhang aus Entendaunen trug, und fragte: „Schneit es?" Die Dienerinnen auf dem Boden antworteten: „Es graupelt schon den halben Tag!" Schatzjade sagte: „Hat man mir meinen Umhang gebracht?" Kajaljade bemerkte sofort: „Na bitte — kaum bin ich da, willst du schon gehen." Schatzjade lachte: „Wann hätte ich gesagt, dass ich gehe? Ich lasse ihn nur vorsorglich holen." Schatzjades Amme Li [李嬷嬷] sagte: „Es schneit doch, und es wird auch schon spät. Bleibt doch einfach hier und spielt ein wenig mit den Schwestern. Die Tante lässt gerade Tee und Leckereien auftragen. Ich schicke ein Mädchen, den Umhang holen zu lassen, und die Burschen können sich zerstreuen." Schatzjade war einverstanden. Die Amme ging hinaus und wies die kleinen Diener an, sich zu entfernen. Davon sei hier nicht weiter die Rede. Tante Schnee hatte inzwischen einige auserlesene Teekonfekte aufgetragen, um die Kinder zum Bleiben einzuladen. Schatzjade lobte die vorzüglichen eingelegten Gänsefüße und Entenzungen, die er neulich drüben bei der Frau des Herrn Herrlichkeit Kaufmann [贾珍] gegessen hatte. Tante Schnee ließ daraufhin sogleich von ihren eigenen eingelegten Spezialitäten holen und zum Probieren anbieten. Schatzjade sagte lächelnd: „Die schmecken aber erst richtig gut zu Wein!" Tante Schnee befahl, den allerbesten Wein zu bringen. Die Amme Li trat vor: „Gnädige Tante, lieber keinen Wein!" Schatzjade bat: „Mama, nur ein Gläschen!" Die Amme sagte: „Das kommt nicht in Frage! Vor der Herzoginmutter und der gnädigen Frau — da könntest du meinetwegen einen ganzen Krug trinken. Aber denkst du denn, ich hätte vergessen, was neulich passiert ist …" [Der Text fährt fort: Die Amme Li erinnert ihn an den Vorfall, als er betrunken das Teeporzellangefäß der Magd Qianxue zerschlug. Tante Schnee beschwichtigt und lässt Wein bringen. Schatzjade trinkt mit Kajaljade zusammen. Kajaljade neckt Schatzjade, als er fragt, ob er „kalten Wein" trinken dürfe, und Schatzspange erklärt sachlich die medizinischen Gründe, warum man Wein warm trinken solle — woraufhin Schatzjade sofort den Rat befolgt und Kajaljade eifersüchtig bemerkt: „Er hört eben nur auf sie." — Später kehrt Schatzjade betrunken nach Hause zurück, zerschlägt im Unmut eine Teeschale, und Dufthauch[6] [袭人] muss ihn beruhigen. Dufthauch erzählt ihm, dass sie von Schatzspanges Magd Goldamsel erfahren habe, dass die Inschriften auf Schatzspanges goldenem Halsreif und auf seiner Jade ein Paar bilden — die „Goldene Verbindung" (金玉良缘). Schatzjade wird wütend und protestiert lautstark, was Dufthauch erschreckt.]
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