Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 17"

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(DE4 (Woesler 4. Aufl.): Kapitel 17 mit Navigation und Fussnoten)
(DE4 Korrektur-Update Kap. 17)
 
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Kapitel 17
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Im Garten der Großen Anschauung wird bei der Namensvergabe das Talent geprüft —
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Im Prunkwille-Anwesen wird der Heimatbesuch der kaiserlichen Konkubine vorbereitet
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<div style="background-color: #003399; color: white; padding: 8px 15px; margin: 0 0 15px 0; border-radius: 4px; font-size: 0.95em;">
 
<span style="font-weight: bold;">Version:</span> [[Hongloumeng/Chapter_17|<span style="color: #FFD700;">ZH</span>]] &middot; <span style="color: #FFD700; font-weight: bold;">DE (Woesler)</span> &middot; [[Hongloumeng/zh-de/Chapter_17|<span style="color: #FFD700;">ZH-DE</span>]]
 
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第十七回
 
大观园试才题对额 荣国府归省庆元宵
 
 
 
= Kapitel 17 =
 
== Im Garten der Großen Anschauung wird bei der Namensvergabe das Talent geprüft — ==
 
=== Im Herzogspalast Prachtglanz wird der Heimatbesuch der kaiserlichen Konkubine vorbereitet ===
 
  
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Ein Gedicht sagt:
 
Ein Gedicht sagt:
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doch wer erkennt die Bitterkeit dahinter?
 
doch wer erkennt die Bitterkeit dahinter?
  
Qin Zhong war gestorben, und Schatzjade<ref>Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans, Enkel der Herzoginmutter.</ref> [宝玉] weinte unaufhörlich. Li Gui und die anderen brauchten eine halbe Ewigkeit, um ihn zu beruhigen, bis er endlich innehielt. Auf dem Heimweg war er noch immer schmerzerfüllt und traurig. Die Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – ältestes und ranghöchstes Familienmitglied, Großmutter von Schatzjade.</ref> [贾母] steuerte etliche Dutzend Liang Silber bei, bereitete außerdem Trauergeschenke vor, und Schatzjade verbrannte Papiergeld am Grab. Nach sieben Tagen wurde der Sarg überführt und begraben, und mehr ist darüber nicht zu berichten. Nur Schatzjade sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund und trauerte um ihn, doch was hätte er tun können!
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Liebglocke Minne war gestorben, und Schatzjade<ref>Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans, Enkel der Herzoginmutter.</ref> [宝玉] weinte unaufhörlich. Edelstein Pflaume und die anderen brauchten eine halbe Ewigkeit, um ihn zu beruhigen, bis er endlich innehielt. Auf dem Heimweg war er noch immer schmerzerfüllt und traurig. Die Herzoginmutter<ref>Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – ältestes und ranghöchstes Familienmitglied, Großmutter von Schatzjade.</ref> [贾母] steuerte etliche Dutzend Liang Silber bei, bereitete außerdem Trauergeschenke vor, und Schatzjade verbrannte Papiergeld am Grab. Nach sieben Tagen wurde der Sarg überführt und begraben, und mehr ist darüber nicht zu berichten. Nur Schatzjade sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund und trauerte um ihn, doch was hätte er tun können!
  
Es vergingen einige Tage, bis eines Morgens Kaufmann Edelperle<ref>Kaufmann Edelperle (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Ning-Guo-Zweigs der Kaufmann-Familie.</ref> [贾珍] und andere zu Kaufmann Aufrecht<ref>Kaufmann Aufrecht (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade, strenger Konfuzianer und hoher Beamter.</ref> [贾政] kamen, um zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind fertiggestellt, der ältere Herr hat ihn sich bereits angesehen. Nun wartet man nur noch darauf, dass Ihr, Herr, ebenfalls einen Blick darauf werft. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann man es noch ändern, und dann können die Namenstafeln und Parallelsprüche geschrieben werden.“
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Es vergingen einige Tage, bis eines Morgens Herrlichkeit Kaufmann<ref>Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Haus-Ning-Zweigs der Kaufmann-Familie.</ref> [贾珍] und andere zu Aufrecht Kaufmann<ref>Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade, strenger Konfuzianer und hoher Beamter.</ref> [贾政] kamen, um zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind fertiggestellt, der ältere Herr hat ihn sich bereits angesehen. Nun wartet man nur noch darauf, dass Ihr, Herr, ebenfalls einen Blick darauf werft. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann man es noch ändern, und dann können die Namenstafeln und Parallelsprüche geschrieben werden.“
  
Kaufmann Aufrecht hörte dies, überlegte eine Weile und sagte: „Mit den Namenstafeln und Parallelsprüchen hat es seine Schwierigkeit. Eigentlich sollte man die Kaiserliche Konkubine bitten, die Inschriften zu bestimmen. Doch wenn sie die Örtlichkeiten nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird sie wohl kaum bereit sein, auf gut Glück etwas zu ersinnen. Warteten wir hingegen mit den Inschriften, bis sie den Garten besucht, so wirkten all die großartigen Szenerien mit ihren unzähligen Pavillons und Lauben ohne Schriftzeichen leer und fade. Selbst vorhandene Blumen, Weiden, Berge und Wasser könnten so nicht zur Geltung kommen.“
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Aufrecht Kaufmann hörte dies, überlegte eine Weile und sagte: „Mit den Namenstafeln und Parallelsprüchen hat es seine Schwierigkeit. Eigentlich sollte man die Kaiserliche Konkubine bitten, die Inschriften zu bestimmen. Doch wenn sie die Örtlichkeiten nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird sie wohl kaum bereit sein, auf gut Glück etwas zu ersinnen. Warteten wir hingegen mit den Inschriften, bis sie den Garten besucht, so wirkten all die großartigen Szenerien mit ihren unzähligen Pavillons und Lauben ohne Schriftzeichen leer und fade. Selbst vorhandene Blumen, Weiden, Berge und Wasser könnten so nicht zur Geltung kommen.“
  
 
Seine Schützlinge, die neben ihm standen, antworteten lächelnd: „Eure Einschätzung ist ganz richtig, alter Herr. Wir haben einen bescheidenen Vorschlag: Die Namenstafeln und Parallelsprüche dürfen keinesfalls fehlen, doch können sie auch nicht endgültig festgelegt werden. Am besten wählt man für jeden Ort gemäß seiner Szenerie zwei, drei oder vier Schriftzeichen, die ungefähr den Sinn treffen, und stellt vorläufig Laternen mit diesen Aufschriften auf. Wenn dann die Kaiserliche Konkubine kommt, bittet man sie, die endgültigen Namen zu bestimmen. Wäre das nicht beiden Zwecken dienlich?“
 
Seine Schützlinge, die neben ihm standen, antworteten lächelnd: „Eure Einschätzung ist ganz richtig, alter Herr. Wir haben einen bescheidenen Vorschlag: Die Namenstafeln und Parallelsprüche dürfen keinesfalls fehlen, doch können sie auch nicht endgültig festgelegt werden. Am besten wählt man für jeden Ort gemäß seiner Szenerie zwei, drei oder vier Schriftzeichen, die ungefähr den Sinn treffen, und stellt vorläufig Laternen mit diesen Aufschriften auf. Wenn dann die Kaiserliche Konkubine kommt, bittet man sie, die endgültigen Namen zu bestimmen. Wäre das nicht beiden Zwecken dienlich?“
  
Kaufmann Aufrecht und die anderen hörten dies und sagten: „Das ist ein guter Gedanke. Gehen wir heute den Garten anschauen und verfassen einfach Inschriften. Was taugt, nehmen wir; was nicht taugt — nun, dann bitten wir Jia Yucun her und lassen ihn neue Vorschläge machen.“
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Aufrecht Kaufmann und die anderen hörten dies und sagten: „Das ist ein guter Gedanke. Gehen wir heute den Garten anschauen und verfassen einfach Inschriften. Was taugt, nehmen wir; was nicht taugt — nun, dann bitten wir Jia Regendorf her und lassen ihn neue Vorschläge machen.“
  
Die Schützlinge lachten: „Sobald Ihr heute, alter Herr, etwas festlegt, wird es gewiss vortrefflich sein. Wozu sollte man auf Yucun warten?“
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Die Schützlinge lachten: „Sobald Ihr heute, alter Herr, etwas festlegt, wird es gewiss vortrefflich sein. Wozu sollte man auf Regendorf warten?“
  
Kaufmann Aufrecht erwiderte lächelnd: „Ihr wisst nicht, dass ich von Kindesbeinen an nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es um Gedichte über Vögel und Blumen, Berge und Wasser ging. Jetzt, wo ich alt bin und amtliche Schriften mich in Beschlag nehmen, bin ich in der leichten, dem Vergnügen dienenden Literatur noch ungeübter geworden. Was ich auch zusammenbringe — es wird mit Sicherheit so verstaubt und hölzern sein, dass es Blumen und Weiden, Häusern und Pavillons eher schadet, als dass es ihnen gerecht wird. Und alles, was den Kern der Sache nicht trifft, ist überflüssig.“
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Aufrecht Kaufmann erwiderte lächelnd: „Ihr wisst nicht, dass ich von Kindesbeinen an nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es um Gedichte über Vögel und Blumen, Berge und Wasser ging. Jetzt, wo ich alt bin und amtliche Schriften mich in Beschlag nehmen, bin ich in der leichten, dem Vergnügen dienenden Literatur noch ungeübter geworden. Was ich auch zusammenbringe — es wird mit Sicherheit so verstaubt und hölzern sein, dass es Blumen und Weiden, Häusern und Pavillons eher schadet, als dass es ihnen gerecht wird. Und alles, was den Kern der Sache nicht trifft, ist überflüssig.“
  
 
Die Schützlinge lachten: „Das ist kein Grund zur Sorge. Wir gehen alle gemeinsam hin, sehen uns den Garten an, jeder schlägt vor, was er kann, das Beste wird bewahrt, das Schlechte gestrichen — das geht bestimmt.“
 
Die Schützlinge lachten: „Das ist kein Grund zur Sorge. Wir gehen alle gemeinsam hin, sehen uns den Garten an, jeder schlägt vor, was er kann, das Beste wird bewahrt, das Schlechte gestrichen — das geht bestimmt.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Ganz richtig. Und wie schön, dass heute solch mildes Wetter ist! Gehen wir also alle zusammen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ganz richtig. Und wie schön, dass heute solch mildes Wetter ist! Gehen wir also alle zusammen.“
  
 
Damit erhob er sich und ging den anderen voran.
 
Damit erhob er sich und ging den anderen voran.
  
Kaufmann Edelperle eilte voraus in den Garten, um alle dort zu benachrichtigen. Es traf sich, dass Schatzjade gerade in diesen Tagen, weil er Qin Zhong nachtrauerte und sich nicht zu trösten wusste, häufig von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden war, um sich dort zu zerstreuen. Auch an diesem Tag war er gerade erst dort eingetreten, als er plötzlich Kaufmann Edelperle auf sich zukommen sah, der ihm lächelnd zurief: „Du bist immer noch hier? Der Herr kommt gleich!“
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Herrlichkeit Kaufmann eilte voraus in den Garten, um alle dort zu benachrichtigen. Es traf sich, dass Schatzjade gerade in diesen Tagen, weil er Liebglocke Minne nachtrauerte und sich nicht zu trösten wusste, häufig von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden war, um sich dort zu zerstreuen. Auch an diesem Tag war er gerade erst dort eingetreten, als er plötzlich Herrlichkeit Kaufmann auf sich zukommen sah, der ihm lächelnd zurief: „Du bist immer noch hier? Der Herr kommt gleich!“
  
Als Schatzjade das hörte, rannte er mit seinen Ammen und kleinen Dienern wie ein flüchtiger Rauch aus dem Garten. Doch kaum war er um die Ecke gebogen, kam ihm Kaufmann Aufrecht mit seinen Gästen entgegen. Es war zu spät, um sich zu verstecken, und so blieb er an der Seite stehen.
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Als Schatzjade das hörte, rannte er mit seinen Ammen und kleinen Dienern wie ein flüchtiger Rauch aus dem Garten. Doch kaum war er um die Ecke gebogen, kam ihm Aufrecht Kaufmann mit seinen Gästen entgegen. Es war zu spät, um sich zu verstecken, und so blieb er an der Seite stehen.
  
Nun hatte Kaufmann Aufrecht unlängst vom Schulleiter gehört, Schatzjade habe ein besonderes Talent für Parallelsprüche: Obwohl er nicht gern lese, scheine er doch eine gewisse eigenwillige Begabung zu besitzen. Als er nun zufällig auf Schatzjade stieß, befahl er ihm, mitzukommen. Schatzjade wusste zwar nicht, worum es ging, musste aber gehorchen.
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Nun hatte Aufrecht Kaufmann unlängst vom Schulleiter gehört, Schatzjade habe ein besonderes Talent für Parallelsprüche: Obwohl er nicht gern lese, scheine er doch eine gewisse eigenwillige Begabung zu besitzen. Als er nun zufällig auf Schatzjade stieß, befahl er ihm, mitzukommen. Schatzjade wusste zwar nicht, worum es ging, musste aber gehorchen.
  
Als Kaufmann Aufrecht ans Gartentor kam, sah er Kaufmann Edelperle an der Spitze zahlreicher Aufseher dort warten. Kaufmann Aufrecht befahl: „Schließt erst alle Tore, wir wollen von außen schauen, ehe wir hineingehen.“
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Als Aufrecht Kaufmann ans Gartentor kam, sah er Herrlichkeit Kaufmann an der Spitze zahlreicher Aufseher dort warten. Aufrecht Kaufmann befahl: „Schließt erst alle Tore, wir wollen von außen schauen, ehe wir hineingehen.“
  
Kaufmann Edelperle ließ die Tore schließen. Kaufmann Aufrecht betrachtete zunächst mit prüfendem Blick das Haupttor. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren allesamt fein geschnitzt in neuartigen Mustern, ohne rote oder weiße Bemalung. Die Wände bestanden durchweg aus wassergeschliffenen Ziegeln, und die Plattform aus weißem Stein war mit Passionsblumenmustern verziert. Nach links und rechts erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine schneeweiße Mauer auf einem Sockel aus gestreiftem Tigerstein, der sich den Geländeformen anpasste. All dies hatte nichts von der vulgären Pracht reicher Leute und gefiel ihm auf Anhieb. Er befahl, die Tore zu öffnen. Dahinter versperrte ein grüner Felsrücken den Blick.
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Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tore schließen. Aufrecht Kaufmann betrachtete zunächst mit prüfendem Blick das Haupttor. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren allesamt fein geschnitzt in neuartigen Mustern, ohne rote oder weiße Bemalung. Die Wände bestanden durchweg aus wassergeschliffenen Ziegeln, und die Plattform aus weißem Stein war mit Passionsblumenmustern verziert. Nach links und rechts erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine schneeweiße Mauer auf einem Sockel aus gestreiftem Tigerstein, der sich den Geländeformen anpasste. All dies hatte nichts von der vulgären Pracht reicher Leute und gefiel ihm auf Anhieb. Er befahl, die Tore zu öffnen. Dahinter versperrte ein grüner Felsrücken den Blick.
  
 
„Welch schöner Berg, welch schöner Berg!“ riefen die Schützlinge aus.
 
„Welch schöner Berg, welch schöner Berg!“ riefen die Schützlinge aus.
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Ohne diesen Berg würde man gleich beim Eintreten den ganzen Garten überblicken — das wäre doch langweilig.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ohne diesen Berg würde man gleich beim Eintreten den ganzen Garten überblicken — das wäre doch langweilig.“
  
 
Die Begleiter sagten: „Ganz richtig. Nur wer Berge und Täler in der Brust trägt, kann auf so etwas kommen.“
 
Die Begleiter sagten: „Ganz richtig. Nur wer Berge und Täler in der Brust trägt, kann auf so etwas kommen.“
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Im Weitergehen erblickten sie aufragende weiße Felsen — manche wie Gespenster geformt, manche wie wilde Tiere — die kreuz und quer dastanden. Moospolster bedeckten sie, Schlingpflanzen umrankten sie, und dazwischen war kaum ein schmaler Pfad zu erkennen.
 
Im Weitergehen erblickten sie aufragende weiße Felsen — manche wie Gespenster geformt, manche wie wilde Tiere — die kreuz und quer dastanden. Moospolster bedeckten sie, Schlingpflanzen umrankten sie, und dazwischen war kaum ein schmaler Pfad zu erkennen.
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Lasst uns diesem kleinen Pfad folgen und auf der anderen Seite hinausgehen, dann können wir alles sehen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Lasst uns diesem kleinen Pfad folgen und auf der anderen Seite hinausgehen, dann können wir alles sehen.“
  
Er befahl Kaufmann Edelperle voranzugehen, stützte sich auf Schatzjade und betrat den gewundenen Bergpfad. Als er den Kopf hob, erblickte er oben am Fels einen spiegelglatten weißen Stein — genau die richtige Stelle für eine Inschrift.
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Er befahl Herrlichkeit Kaufmann voranzugehen, stützte sich auf Schatzjade und betrat den gewundenen Bergpfad. Als er den Kopf hob, erblickte er oben am Fels einen spiegelglatten weißen Stein — genau die richtige Stelle für eine Inschrift.
  
 
Er wandte sich lächelnd um und sagte: „Meine Herren, seht Euch dies an! Welchen Namen würdet Ihr hier vorschlagen?“
 
Er wandte sich lächelnd um und sagte: „Meine Herren, seht Euch dies an! Welchen Namen würdet Ihr hier vorschlagen?“
  
Die Begleiter machten verschiedene Vorschläge: Einer sagte „Geschichtetes Grün“, ein anderer „Brokatfels“, wieder einer „Schöner als der Räucherbecken-Berg“ und noch einer „Ein Zhongnan-Gebirge im Kleinen“. So kamen Dutzende von Vorschlägen zusammen. In Wirklichkeit hatten alle längst begriffen, dass Kaufmann Aufrecht Schatzjades Lernfortschritte prüfen wollte, und brachten deshalb absichtlich nur Gewöhnliches vor. Auch Schatzjade durchschaute die Absicht.
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Die Begleiter machten verschiedene Vorschläge: Einer sagte „Geschichtetes Grün“, ein anderer „Brokatfels“, wieder einer „Schöner als der Räucherbecken-Berg“ und noch einer „Ein Zhongnan-Gebirge im Kleinen“. So kamen Dutzende von Vorschlägen zusammen. In Wirklichkeit hatten alle längst begriffen, dass Aufrecht Schatz Kaufmannjades Lernfortschritte prüfen wollte, und brachten deshalb absichtlich nur Gewöhnliches vor. Auch Schatzjade durchschaute die Absicht.
  
Kaufmann Aufrecht hörte sich alles an, wandte sich dann um und befahl Schatzjade, einen Vorschlag zu machen.
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Aufrecht Kaufmann hörte sich alles an, wandte sich dann um und befahl Schatzjade, einen Vorschlag zu machen.
  
 
Schatzjade sagte: „Ich habe einmal gehört, die Alten sagten: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen, besser einen alten Text drucken als einen neuen schnitzen.’ Zudem ist dies hier kein Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg hinein. Am besten schreibt man einfach den alten Vers ‘Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten’ [曲径通幽处] hierher — das wirkt würdevoll und großzügig.“
 
Schatzjade sagte: „Ich habe einmal gehört, die Alten sagten: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen, besser einen alten Text drucken als einen neuen schnitzen.’ Zudem ist dies hier kein Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg hinein. Am besten schreibt man einfach den alten Vers ‘Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten’ [曲径通幽处] hierher — das wirkt würdevoll und großzügig.“
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Alle lobten: „Ganz vorzüglich! Der junge Herr hat große Begabung und weitreichendes Talent, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“
 
Alle lobten: „Ganz vorzüglich! Der junge Herr hat große Begabung und weitreichendes Talent, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Lobt ihn nicht unverdient. Er ist noch jung und breitet das Wenige, das er weiß, zehnfach aus, um damit anzugeben. Das ist zum Lachen, nichts weiter. Die endgültige Wahl verschieben wir auf später.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Lobt ihn nicht unverdient. Er ist noch jung und breitet das Wenige, das er weiß, zehnfach aus, um damit anzugeben. Das ist zum Lachen, nichts weiter. Die endgültige Wahl verschieben wir auf später.“
  
 
Damit traten sie durch die Felsengrotte. Schöne Bäume ragten üppig empor, seltene Blumen leuchteten in prächtigen Farben, und ein klarer Bach schlängelte sich aus dem Dickicht hervor und verlor sich zwischen den Steinen. Nach einigen Schritten weiter nach Norden öffnete sich eine ebene, weite Fläche. Zu beiden Seiten ragten Gebäude hoch in den Himmel, deren verzierte Dachfirste und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Baumwipfeln verborgen lagen. Blickte man hinunter, so leuchtete der klare Bach wie Schnee, Steinstufen schienen durch die Wolken zu steigen, ein Geländer aus weißem Stein fasste den Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, deren Tierköpfe Wasser spien, führte darüber. Auf der Brücke stand ein Pavillon.
 
Damit traten sie durch die Felsengrotte. Schöne Bäume ragten üppig empor, seltene Blumen leuchteten in prächtigen Farben, und ein klarer Bach schlängelte sich aus dem Dickicht hervor und verlor sich zwischen den Steinen. Nach einigen Schritten weiter nach Norden öffnete sich eine ebene, weite Fläche. Zu beiden Seiten ragten Gebäude hoch in den Himmel, deren verzierte Dachfirste und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Baumwipfeln verborgen lagen. Blickte man hinunter, so leuchtete der klare Bach wie Schnee, Steinstufen schienen durch die Wolken zu steigen, ein Geländer aus weißem Stein fasste den Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, deren Tierköpfe Wasser spien, führte darüber. Auf der Brücke stand ein Pavillon.
  
Kaufmann Aufrecht und seine Begleiter stiegen hinauf, lehnten sich ans Geländer, setzten sich und er fragte: „Meine Herren, wie würdet Ihr diesen Ort benennen?“
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Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter stiegen hinauf, lehnten sich ans Geländer, setzten sich und er fragte: „Meine Herren, wie würdet Ihr diesen Ort benennen?“
  
 
Die Begleiter sagten: „Ouyang Xiu [欧阳修] schrieb einst in seiner ‘Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten’: ‘Dort steht ein Pavillon, als hätte er Flügel’ [有亭翼然]. Man sollte ihn ‘Wie Geflügelt’ [翼然] nennen.“
 
Die Begleiter sagten: „Ouyang Xiu [欧阳修] schrieb einst in seiner ‘Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten’: ‘Dort steht ein Pavillon, als hätte er Flügel’ [有亭翼然]. Man sollte ihn ‘Wie Geflügelt’ [翼然] nennen.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „‘Wie Geflügelt’ ist wohl schön, doch da dieser Pavillon über dem Wasser errichtet ist, sollte sich auch die Inschrift aufs Wasser beziehen. Meiner bescheidenen Meinung nach heißt es bei Ouyang Xiu auch ‘zwischen den beiden Gipfeln ergießt sich ein Bach’ — man sollte das Zeichen ‘ergießen’ [治] verwenden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „‘Wie Geflügelt’ ist wohl schön, doch da dieser Pavillon über dem Wasser errichtet ist, sollte sich auch die Inschrift aufs Wasser beziehen. Meiner bescheidenen Meinung nach heißt es bei Ouyang Xiu auch ‘zwischen den beiden Gipfeln ergießt sich ein Bach’ — man sollte das Zeichen ‘ergießen’ [治] verwenden.“
  
 
Ein Gast sagte: „Ganz recht, ganz recht! ‘Sich Ergießende Jade’ [泻玉] wäre wunderbar.“
 
Ein Gast sagte: „Ganz recht, ganz recht! ‘Sich Ergießende Jade’ [泻玉] wäre wunderbar.“
  
Kaufmann Aufrecht strich sich über den Bart und sann nach. Als er aufsah, bemerkte er Schatzjade, der daneben stand, und befahl ihm lächelnd, auch etwas vorzuschlagen.
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach. Als er aufsah, bemerkte er Schatzjade, der daneben stand, und befahl ihm lächelnd, auch etwas vorzuschlagen.
  
 
Schatzjade antwortete rasch: „Was Ihr soeben erwogen habt, Vater, ist gewiss richtig. Doch wenn man der Sache auf den Grund geht, war das Zeichen ‘ergießen’ für Ouyang Xius Brauerquelle [酿泉] wohl passend, doch für diesen Quell hier scheint es nicht ganz angemessen. Zumal dies der Wohnsitz für den Besuch der Kaiserlichen Konkubine ist — solche Texte fallen unter das Hofreglement, und dafür sind solche Ausdrücke doch zu grob und unedel. Man müsste etwas Feinsinnigeres und Zurückhaltenderes finden.“
 
Schatzjade antwortete rasch: „Was Ihr soeben erwogen habt, Vater, ist gewiss richtig. Doch wenn man der Sache auf den Grund geht, war das Zeichen ‘ergießen’ für Ouyang Xius Brauerquelle [酿泉] wohl passend, doch für diesen Quell hier scheint es nicht ganz angemessen. Zumal dies der Wohnsitz für den Besuch der Kaiserlichen Konkubine ist — solche Texte fallen unter das Hofreglement, und dafür sind solche Ausdrücke doch zu grob und unedel. Man müsste etwas Feinsinnigeres und Zurückhaltenderes finden.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Was sagt Ihr dazu, meine Herren? Vorhin haben alle etwas Neues ersonnen, da sagte er, Altes zitieren sei besser. Jetzt haben wir Altes zitiert, und er sagt, es sei grob und unpassend. Also sag mir, was du vorschlägst!“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Was sagt Ihr dazu, meine Herren? Vorhin haben alle etwas Neues ersonnen, da sagte er, Altes zitieren sei besser. Jetzt haben wir Altes zitiert, und er sagt, es sei grob und unpassend. Also sag mir, was du vorschlägst!“
  
 
Schatzjade sagte: „Statt ‘Sich Ergießende Jade’ wäre ‘Durchtränkt mit Duft’ [沁芳] besser — das ist neuartig und elegant.“
 
Schatzjade sagte: „Statt ‘Sich Ergießende Jade’ wäre ‘Durchtränkt mit Duft’ [沁芳] besser — das ist neuartig und elegant.“
  
Kaufmann Aufrecht strich sich über den Bart und nickte schweigend. Alle beeilten sich, ihm beizupflichten, und lobten Schatzjades außergewöhnliches Talent.
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und nickte schweigend. Alle beeilten sich, ihm beizupflichten, und lobten Schatzjades außergewöhnliches Talent.
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Zwei Schriftzeichen für die Tafel sind leicht. Nun verfasse noch einen siebensilbigen Parallelspruch dazu.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Zwei Schriftzeichen für die Tafel sind leicht. Nun verfasse noch einen siebensilbigen Parallelspruch dazu.“
  
 
Als Schatzjade dies hörte, stellte er sich im Pavillon auf, blickte nach allen vier Seiten, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:
 
Als Schatzjade dies hörte, stellte er sich im Pavillon auf, blickte nach allen vier Seiten, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:
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[绕堤柳借三篙翠,隔岸花分一脉香。]
 
[绕堤柳借三篙翠,隔岸花分一脉香。]
  
Kaufmann Aufrecht nickte lächelnd. Die Begleiter priesen es in höchsten Tönen.
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Aufrecht Kaufmann nickte lächelnd. Die Begleiter priesen es in höchsten Tönen.
  
 
So verließen sie den Pavillon und gingen um den Teich herum. Jeden Berg, jeden Stein, jede Blume, jeden Baum betrachteten sie aufmerksam. Plötzlich erblickten sie eine weiß getünchte Mauer, hinter der einige Gebäude von Hunderten dicht stehender Bambusrohre beschattet wurden.
 
So verließen sie den Pavillon und gingen um den Teich herum. Jeden Berg, jeden Stein, jede Blume, jeden Baum betrachteten sie aufmerksam. Plötzlich erblickten sie eine weiß getünchte Mauer, hinter der einige Gebäude von Hunderten dicht stehender Bambusrohre beschattet wurden.
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Sie traten ein. Gleich am Eingang begann ein Wandelgang mit vielen Windungen, vor der Treppe war ein Steinpflasterweg angelegt. Oben standen zwei, drei kleine Häuser, eines offen und zwei verborgen, drinnen alles passend zum Raum mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Aus dem Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Dort gab es noch zwei winzige Nebenräume. Unter der Hofmauer war eine Öffnung, durch die ein Quell in einen kaum fußbreiten Graben floss, der das Wasser durch die Mauer in den Hof leitete. Der Graben führte um die Treppe und ums Haus herum zum Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambus und floss hinaus.
 
Sie traten ein. Gleich am Eingang begann ein Wandelgang mit vielen Windungen, vor der Treppe war ein Steinpflasterweg angelegt. Oben standen zwei, drei kleine Häuser, eines offen und zwei verborgen, drinnen alles passend zum Raum mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Aus dem Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Dort gab es noch zwei winzige Nebenräume. Unter der Hofmauer war eine Öffnung, durch die ein Quell in einen kaum fußbreiten Graben floss, der das Wasser durch die Mauer in den Hof leitete. Der Graben führte um die Treppe und ums Haus herum zum Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambus und floss hinaus.
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Dieser Ort ist nicht übel. Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, hätte man sein Leben nicht umsonst gelebt.“ Bei diesen Worten sah er Schatzjade an, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Die Gäste lenkten schnell ab und sagten: „Die Namenstafel hier sollte vier Schriftzeichen tragen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort ist nicht übel. Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, hätte man sein Leben nicht umsonst gelebt.“ Bei diesen Worten sah er Schatzjade an, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Die Gäste lenkten schnell ab und sagten: „Die Namenstafel hier sollte vier Schriftzeichen tragen.“
  
Kaufmann Aufrecht fragte lächelnd: „Welche vier?“
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Aufrecht Kaufmann fragte lächelnd: „Welche vier?“
  
 
Einer sagte: „Tradition vom Fluss Qi [淇水遗风].“
 
Einer sagte: „Tradition vom Fluss Qi [淇水遗风].“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Zu gewöhnlich.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Zu gewöhnlich.“
  
 
Ein anderer schlug vor: „Spuren des Sui-Gartens [睢园遗迹].“
 
Ein anderer schlug vor: „Spuren des Sui-Gartens [睢园遗迹].“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Ebenfalls zu gewöhnlich.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ebenfalls zu gewöhnlich.“
  
Kaufmann Edelperle sagte lächelnd: „Lasst doch lieber Bruder Schatzjade etwas vorschlagen.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Lasst doch lieber Bruder Schatzjade etwas vorschlagen.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Bevor er etwas Eigenes vorschlägt, kritisiert er erst andere — man sieht, welch leichtfertiger Mensch er ist.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Bevor er etwas Eigenes vorschlägt, kritisiert er erst andere — man sieht, welch leichtfertiger Mensch er ist.“
  
 
Die Gäste sagten: „Er urteilt völlig zu Recht, was soll man dagegen einwenden?“
 
Die Gäste sagten: „Er urteilt völlig zu Recht, was soll man dagegen einwenden?“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Ermuntert ihn nicht auch noch!“ Dann wandte er sich an Schatzjade: „Heute will ich dir deinen Übermut durchgehen lassen. Urteile also zuerst und bringe dann einen eigenen Vorschlag. War von dem Gesagten etwas brauchbar?“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Ermuntert ihn nicht auch noch!“ Dann wandte er sich an Schatzjade: „Heute will ich dir deinen Übermut durchgehen lassen. Urteile also zuerst und bringe dann einen eigenen Vorschlag. War von dem Gesagten etwas brauchbar?“
  
 
Schatzjade antwortete: „Nichts davon scheint mir angemessen.“
 
Schatzjade antwortete: „Nichts davon scheint mir angemessen.“
  
Kaufmann Aufrecht fragte mit kühlem Lächeln: „Und warum nicht?“
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Aufrecht Kaufmann fragte mit kühlem Lächeln: „Und warum nicht?“
  
 
Schatzjade sagte: „Dies ist der erste Ort, den die Kaiserliche Konkubine bei ihrem Besuch aufsuchen wird. Die Inschrift muss daher eine Huldigung sein. Wenn es vier Schriftzeichen sein sollen, gibt es bereits ein passables altes Zitat, man braucht nichts Neues zu ersinnen.“
 
Schatzjade sagte: „Dies ist der erste Ort, den die Kaiserliche Konkubine bei ihrem Besuch aufsuchen wird. Die Inschrift muss daher eine Huldigung sein. Wenn es vier Schriftzeichen sein sollen, gibt es bereits ein passables altes Zitat, man braucht nichts Neues zu ersinnen.“
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Sind ‘Fluss Qi’ und ‘Sui-Garten’ etwa nichts Altes?“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Sind ‘Fluss Qi’ und ‘Sui-Garten’ etwa nichts Altes?“
  
Schatzjade sagte: „Das ist zu abgegriffen. Besser wäre ‘Ein Phönix kommt zu Besuch’ [有凤来仪].“
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Schatzjade sagte: „Das ist zu abgegriffen. Besser wäre ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’ [有凤来仪].“
  
Alle riefen begeistert ihren Beifall. Kaufmann Aufrecht nickte und sagte: „Du Tier, du Tier! Man kann wohl sagen: ‘Durch ein Röhrchen sehen und mit einer Muschel messen’ [管窥螠测]. Nun verfasse noch einen Parallelspruch.“
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Alle riefen begeistert ihren Beifall. Aufrecht Kaufmann nickte und sagte: „Du Tier, du Tier! Man kann wohl sagen: ‘Durch ein Röhrchen sehen und mit einer Muschel messen’ [管窥螠测]. Nun verfasse noch einen Parallelspruch.“
  
 
Schatzjade rezitierte:
 
Schatzjade rezitierte:
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[宝鼎茶闲烟尚绿,幽窗棋罢指犹凉。]
 
[宝鼎茶闲烟尚绿,幽窗棋罢指犹凉。]
  
Kaufmann Aufrecht schüttelte den Kopf: „Auch nichts Besonderes.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Auch nichts Besonderes.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
  
Er wollte gerade weitergehen, als ihm etwas einfiel, und er fragte Kaufmann Edelperle: „Die Gebäude und das Mobiliar — Tische und Stühle — sind vorhanden. Aber wie steht es mit Vorhängen, Gardinen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten? Ist alles für jeden Ort passend zusammengestellt?“
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Er wollte gerade weitergehen, als ihm etwas einfiel, und er fragte Herrlichkeit Kaufmann: „Die Gebäude und das Mobiliar — Tische und Stühle — sind vorhanden. Aber wie steht es mit Vorhängen, Gardinen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten? Ist alles für jeden Ort passend zusammengestellt?“
  
Kaufmann Edelperle berichtete: „An Ausstattung ist schon vieles hinzugekommen und wird natürlich rechtzeitig passend aufgestellt. Was Vorhänge und Gardinen betrifft — gestern hörte ich Bruder Jadeschale [贾琮] sagen, sie seien noch nicht vollständig. Als die Bauarbeiten begannen, wurden gleich Grundrisse gezeichnet, Maße genommen und die Aufträge nach draußen vergeben. Ich glaube, gestern kam die Hälfte davon an.“
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Herrlichkeit Kaufmann berichtete: „An Ausstattung ist schon vieles hinzugekommen und wird natürlich rechtzeitig passend aufgestellt. Was Vorhänge und Gardinen betrifft — gestern hörte ich Bruder Jadeschale [贾琮] sagen, sie seien noch nicht vollständig. Als die Bauarbeiten begannen, wurden gleich Grundrisse gezeichnet, Maße genommen und die Aufträge nach draußen vergeben. Ich glaube, gestern kam die Hälfte davon an.“
  
Kaufmann Aufrecht erkannte, dass dies nicht Kaufmann Edelperles Verantwortungsbereich war, und ließ Kaufmann Jadeschale [贾琮] holen. Als dieser kam, fragte Kaufmann Aufrecht, wie viele Sorten es insgesamt sein müssten, wie viele bereits eingetroffen seien und wie viele noch fehlten.
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Aufrecht Kaufmann erkannte, dass dies nicht Herrlichkeit Kaufmanns Verantwortungsbereich war, und ließ Kette Kaufmann [贾琮] holen. Als dieser kam, fragte Aufrecht Kaufmann, wie viele Sorten es insgesamt sein müssten, wie viele bereits eingetroffen seien und wie viele noch fehlten.
  
Kaufmann Jadeschale zog einen zusammengefalteten Notizzettel aus seinem Stiefelschaft, überflog ihn und berichtete: „Seidene Vorhänge aller Art — insgesamt einhundertzwanzig Stück. Gestern kamen achtzig, vierzig fehlen noch. Türvorhänge zweihundert Stück, die sind gestern alle eingetroffen. Dazu zweihundert Türvorhänge aus rotem Orang-Utan-Filz, zweihundert aus rotlackiertem Goldfaden-Bambus, zweihundert aus schwarzlackiertem Bambus und zweihundert aus fünffarbig geknüpftem Blumenmuster — von jeder Sorte ist die Hälfte da, bis zum Herbst wird alles vollständig sein. Stuhlhüllen, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischtücher — jeweils eintausendzweihundert Stück — sind ebenfalls bereits vorhanden.“
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Kette Kaufmann zog einen zusammengefalteten Notizzettel aus seinem Stiefelschaft, überflog ihn und berichtete: „Seidene Vorhänge aller Art — insgesamt einhundertzwanzig Stück. Gestern kamen achtzig, vierzig fehlen noch. Türvorhänge zweihundert Stück, die sind gestern alle eingetroffen. Dazu zweihundert Türvorhänge aus rotem Orang-Utan-Filz, zweihundert aus rotlackiertem Goldfaden-Bambus, zweihundert aus schwarzlackiertem Bambus und zweihundert aus fünffarbig geknüpftem Blumenmuster — von jeder Sorte ist die Hälfte da, bis zum Herbst wird alles vollständig sein. Stuhlhüllen, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischtücher — jeweils eintausendzweihundert Stück — sind ebenfalls bereits vorhanden.“
  
 
Während sie im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein grüner Berg ihren Weg. Dahinter, halb verborgen in einer Talsenke, erhob sich eine niedrige Mauer aus gelbem Lehm, oben mit Reisstroh bedeckt. Hunderte von Aprikosenbäumen standen dort, deren Blüten wie sprühendes Feuer und dampfende Morgenwolken leuchteten. Innerhalb der Mauer lagen einige strohgedeckte Häuser. Außerhalb wuchsen Maulbeerbäume, Ulmen, Hibiskus und Seidenspinnereichen — junge Bäumchen, deren Zweige sich dem Gelände folgend zu einem doppelten grünen Flechtzaun verflochten. Vor dem Zaun, am Fuß des Berges, befand sich ein Dorfbrunnen mit Hebebaum und Winde. Weiter unten erstreckten sich in ordentlichen Beeten endlose Felder mit feinem Gemüse und blühenden Kräutern.
 
Während sie im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein grüner Berg ihren Weg. Dahinter, halb verborgen in einer Talsenke, erhob sich eine niedrige Mauer aus gelbem Lehm, oben mit Reisstroh bedeckt. Hunderte von Aprikosenbäumen standen dort, deren Blüten wie sprühendes Feuer und dampfende Morgenwolken leuchteten. Innerhalb der Mauer lagen einige strohgedeckte Häuser. Außerhalb wuchsen Maulbeerbäume, Ulmen, Hibiskus und Seidenspinnereichen — junge Bäumchen, deren Zweige sich dem Gelände folgend zu einem doppelten grünen Flechtzaun verflochten. Vor dem Zaun, am Fuß des Berges, befand sich ein Dorfbrunnen mit Hebebaum und Winde. Weiter unten erstreckten sich in ordentlichen Beeten endlose Felder mit feinem Gemüse und blühenden Kräutern.
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Dieser Ort hat etwas für sich. Zwar ist alles künstlich angelegt, doch beim Anblick überkommt mich unwillkürlich der Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Gehen wir hinein und rasten!“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort hat etwas für sich. Zwar ist alles künstlich angelegt, doch beim Anblick überkommt mich unwillkürlich der Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Gehen wir hinein und rasten!“
  
 
Er wollte gerade durch das Tor im Flechtzaun treten, als er am Wegesrand einen Stein entdeckte, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen war.
 
Er wollte gerade durch das Tor im Flechtzaun treten, als er am Wegesrand einen Stein entdeckte, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen war.
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Die Begleiter lachten: „Wie schön, wie schön! Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung dahin. Dieser Stein aber verleiht dem Ganzen noch mehr Charakter. Nur ein Vers von Fan Chengda [范石湖] könnte ihm gerecht werden.“
 
Die Begleiter lachten: „Wie schön, wie schön! Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung dahin. Dieser Stein aber verleiht dem Ganzen noch mehr Charakter. Nur ein Vers von Fan Chengda [范石湖] könnte ihm gerecht werden.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Dann schlagt etwas vor, meine Herren!“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann schlagt etwas vor, meine Herren!“
  
 
Die Begleiter sagten: „Euer Sohn bemerkte vorhin: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen.’ Für diesen Ort ist ein alter Spruch höchst treffend. Am besten schreibt man einfach ‘Aprikosenblütendorf’ [杏花村].“
 
Die Begleiter sagten: „Euer Sohn bemerkte vorhin: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen.’ Für diesen Ort ist ein alter Spruch höchst treffend. Am besten schreibt man einfach ‘Aprikosenblütendorf’ [杏花村].“
  
Kaufmann Aufrecht hörte dies, wandte sich lächelnd an Kaufmann Edelperle und sagte: „Danke für die Anregung! Hier ist alles wunderbar, nur fehlt noch ein Weinwimpel. Lass morgen einen anfertigen — nicht prunkvoll, sondern im Stil einer richtigen Dorfschenke — und mit einer Bambusstange in einem Baumwipfel befestigen.“
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Aufrecht Kaufmann hörte dies, wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann und sagte: „Danke für die Anregung! Hier ist alles wunderbar, nur fehlt noch ein Weinwimpel. Lass morgen einen anfertigen — nicht prunkvoll, sondern im Stil einer richtigen Dorfschenke — und mit einer Bambusstange in einem Baumwipfel befestigen.“
  
Kaufmann Edelperle sagte zu und fügte hinzu: „Hier sollte man auch keine seltenen Vögel halten, sondern nur Gänse, Enten und Hühner — das würde viel besser passen.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte zu und fügte hinzu: „Hier sollte man auch keine seltenen Vögel halten, sondern nur Gänse, Enten und Hühner — das würde viel besser passen.“
  
Kaufmann Aufrecht und alle Begleiter sagten: „Noch besser!“
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Aufrecht Kaufmann und alle Begleiter sagten: „Noch besser!“
  
Kaufmann Aufrecht sagte weiter: „‘Aprikosenblütendorf’ ist zwar schön, aber es gibt diesen Ortsnamen schon. Der eigentliche Name muss erst erbeten werden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte weiter: „‘Aprikosenblütendorf’ ist zwar schön, aber es gibt diesen Ortsnamen schon. Der eigentliche Name muss erst erbeten werden.“
  
 
Die Gäste sagten: „Richtig. Was für einen vorläufigen Namen wählt man?“
 
Die Gäste sagten: „Richtig. Was für einen vorläufigen Namen wählt man?“
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Alle brachen in begeisterten Beifall aus und klatschten in die Hände: „Wunderbar!“
 
Alle brachen in begeisterten Beifall aus und klatschten in die Hände: „Wunderbar!“
  
Kaufmann Aufrecht aber rief zornig: „Du unwissender Taugenichts! Du kennst ein paar alte Dichter und erinnerst dich an ein paar allbekannte Verse, und schon wagst du es, dich vor deinen Älteren aufzuspielen! Deinen Unsinn von vorhin habe ich dich nur erzählen lassen, um dein Urteilsvermögen zu testen und uns etwas zum Lachen zu geben — und du hast das ernst genommen!“
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Aufrecht Kaufmann aber rief zornig: „Du unwissender Taugenichts! Du kennst ein paar alte Dichter und erinnerst dich an ein paar allbekannte Verse, und schon wagst du es, dich vor deinen Älteren aufzuspielen! Deinen Unsinn von vorhin habe ich dich nur erzählen lassen, um dein Urteilsvermögen zu testen und uns etwas zum Lachen zu geben — und du hast das ernst genommen!“
  
Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen: papierbespannte Fenster, ein Holzlager — von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Kaufmann Aufrecht war im Herzen höchst zufrieden, doch er blickte streng auf Schatzjade und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“
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Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen: papierbespannte Fenster, ein Holzlager — von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Aufrecht Kaufmann war im Herzen höchst zufrieden, doch er blickte streng auf Schatzjade und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“
  
Die Begleiter stießen Schatzjade heimlich an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön. Doch Schatzjade hörte nicht auf sie und antwortete unumwunden: „Lange nicht so gut wie ‘Ein Phönix kommt zu Besuch’.“
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Die Begleiter stießen Schatzjade heimlich an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön. Doch Schatzjade hörte nicht auf sie und antwortete unumwunden: „Lange nicht so gut wie ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Dummer Kerl! Du weißt nur rotlackierte Säulen und buntbemalte Balken zu schätzen, für die Schönheit der Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das ist die Folge davon, dass du die Bücher nicht studierst!“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dummer Kerl! Du weißt nur rotlackierte Säulen und buntbemalte Balken zu schätzen, für die Schönheit der Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das ist die Folge davon, dass du die Bücher nicht studierst!“
  
 
Schatzjade erwiderte rasch: „Ihr belehrt mich zu Recht, Vater. Doch die Alten sprachen häufig von ‘Natürlichkeit’ [天然]. Ich frage mich, was sie damit meinten.“
 
Schatzjade erwiderte rasch: „Ihr belehrt mich zu Recht, Vater. Doch die Alten sprachen häufig von ‘Natürlichkeit’ [天然]. Ich frage mich, was sie damit meinten.“
Line 204: Line 193:
 
Schatzjade sagte: „Na also! Hier ist ein Bauernhof hingestellt, offensichtlich künstlich angelegt und zusammengezwungen. In der Nähe kein Nachbardorf, im Umkreis keine Stadtmauer. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirgszug, das Wasser davor hat keine Quelle. Oben keine Pagode eines verborgenen Klosters, unten keine Brücke zu einem Markt. Einsam ragt er empor — keineswegs eine ‘Große Anschauung’. Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der natürliche Ordnung besitzt und natürlichen Geist atmet? Dort sind zwar auch Bambus gepflanzt und Quellen geleitet, doch das wirkt nicht aufgezwungen. Was die Alten ein ‘natürliches Bild’ nannten, bezieht sich gerade darauf, dass man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und nicht künstlich einen Berg aufhäuft, wo keiner sein sollte. Hundert Verfeinerungen helfen nicht, wenn sie einander widersprechen ...“
 
Schatzjade sagte: „Na also! Hier ist ein Bauernhof hingestellt, offensichtlich künstlich angelegt und zusammengezwungen. In der Nähe kein Nachbardorf, im Umkreis keine Stadtmauer. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirgszug, das Wasser davor hat keine Quelle. Oben keine Pagode eines verborgenen Klosters, unten keine Brücke zu einem Markt. Einsam ragt er empor — keineswegs eine ‘Große Anschauung’. Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der natürliche Ordnung besitzt und natürlichen Geist atmet? Dort sind zwar auch Bambus gepflanzt und Quellen geleitet, doch das wirkt nicht aufgezwungen. Was die Alten ein ‘natürliches Bild’ nannten, bezieht sich gerade darauf, dass man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und nicht künstlich einen Berg aufhäuft, wo keiner sein sollte. Hundert Verfeinerungen helfen nicht, wenn sie einander widersprechen ...“
  
Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, brüllte Kaufmann Aufrecht zornig: „Schafft ihn hinaus!“ Doch kaum war Schatzjade draußen, rief er schon: „Komm zurück!“ und befahl ihm, einen Parallelspruch zu verfassen: „Wenn er nichts taugt, bekommst du Schläge auf den Mund!“
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Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, brüllte Aufrecht Kaufmann zornig: „Schafft ihn hinaus!“ Doch kaum war Schatzjade draußen, rief er schon: „Komm zurück!“ und befahl ihm, einen Parallelspruch zu verfassen: „Wenn er nichts taugt, bekommst du Schläge auf den Mund!“
  
 
Schatzjade hatte keine Wahl und rezitierte:
 
Schatzjade hatte keine Wahl und rezitierte:
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[新涨绿添浣葛处,好云香护采芹人。]
 
[新涨绿添浣葛处,好云香护采芹人。]
  
Kaufmann Aufrecht schüttelte den Kopf: „Noch schlechter.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Noch schlechter.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.
  
 
Sie gingen um den Berg herum, durch Blumen und Weiden, an Steinen entlang und an Quellen vorbei, durch eine Laube mit Kletterdistelrosen, in ein Spalier aus chinesischem Jasmin, über einen Pfingstrosenpavillon und durch ein Pfingstrosenbeet, in einen Wildrosenhof und hinaus aus einer Bananenstauden-Bucht. Nach vielen Windungen und Biegungen hörten sie plötzlich das Plätschern von Wasser, das aus einer Felsgrotte quoll. Oben hingen Efeu und Kriechpflanzen herab, unten trieben gefallene Blüten auf dem Wasser.
 
Sie gingen um den Berg herum, durch Blumen und Weiden, an Steinen entlang und an Quellen vorbei, durch eine Laube mit Kletterdistelrosen, in ein Spalier aus chinesischem Jasmin, über einen Pfingstrosenpavillon und durch ein Pfingstrosenbeet, in einen Wildrosenhof und hinaus aus einer Bananenstauden-Bucht. Nach vielen Windungen und Biegungen hörten sie plötzlich das Plätschern von Wasser, das aus einer Felsgrotte quoll. Oben hingen Efeu und Kriechpflanzen herab, unten trieben gefallene Blüten auf dem Wasser.
Line 218: Line 207:
 
Alle riefen: „Was für eine Szenerie, was für eine Szenerie!“
 
Alle riefen: „Was für eine Szenerie, was für eine Szenerie!“
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Meine Herren, welchen Namen schlagt Ihr vor?“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Meine Herren, welchen Namen schlagt Ihr vor?“
  
 
Sie sagten: „Darüber braucht man gar nicht mehr nachzudenken — es sind genau die drei Zeichen ‘Quelle des Pfirsichblütenlands’ [武陵源].“
 
Sie sagten: „Darüber braucht man gar nicht mehr nachzudenken — es sind genau die drei Zeichen ‘Quelle des Pfirsichblütenlands’ [武陵源].“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Wieder zu wörtlich. Und außerdem abgenutzt.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Wieder zu wörtlich. Und außerdem abgenutzt.“
  
 
Die Begleiter lachten: „Dann nehmen wir eben ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ [秦人旧舍].“
 
Die Begleiter lachten: „Dann nehmen wir eben ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ [秦人旧舍].“
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Schatzjade sagte: „Das ist noch schlimmer. ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ spielt auf Flucht vor dem Chaos an — wie kann man das hier verwenden? Besser wäre ‘Wasserknöterich-Sandbank und Blütenbach’ [蓼汀花溬].“
 
Schatzjade sagte: „Das ist noch schlimmer. ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ spielt auf Flucht vor dem Chaos an — wie kann man das hier verwenden? Besser wäre ‘Wasserknöterich-Sandbank und Blütenbach’ [蓼汀花溬].“
  
Kaufmann Aufrecht hörte dies und kritisierte es noch schärfer als Unsinn.
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Aufrecht Kaufmann hörte dies und kritisierte es noch schärfer als Unsinn.
  
Als sie nun in die Felsengrotte am Wasser eintreten wollten, fiel ihnen auf, dass kein Boot da war. Kaufmann Edelperle sagte: „Es gibt vier Lotosboote und ein Sitzboot, aber sie sind noch nicht fertig.“
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Als sie nun in die Felsengrotte am Wasser eintreten wollten, fiel ihnen auf, dass kein Boot da war. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Es gibt vier Lotosboote und ein Sitzboot, aber sie sind noch nicht fertig.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Schade, da können wir nicht hinein.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Schade, da können wir nicht hinein.“
  
Kaufmann Edelperle sagte: „Über den Bergpfad kann man ebenfalls dorthin gelangen.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Über den Bergpfad kann man ebenfalls dorthin gelangen.“
  
 
Daraufhin ging er voran, und alle folgten ihm, sich an Ranken festhaltend und an Bäumen abstützend. Jenseits des Berges trieben noch mehr gefallene Blüten auf dem noch klareren Wasser, das sich in anmutigen Windungen dahinschlängelte. Am Ufer standen zwei Reihen Trauerweiden, dazwischen Pfirsich- und Aprikosenbäume, die den Himmel verbargen und keinen Sonnenstrahl hindurchließen — nicht ein Stäubchen fand sich hier.
 
Daraufhin ging er voran, und alle folgten ihm, sich an Ranken festhaltend und an Bäumen abstützend. Jenseits des Berges trieben noch mehr gefallene Blüten auf dem noch klareren Wasser, das sich in anmutigen Windungen dahinschlängelte. Am Ufer standen zwei Reihen Trauerweiden, dazwischen Pfirsich- und Aprikosenbäume, die den Himmel verbargen und keinen Sonnenstrahl hindurchließen — nicht ein Stäubchen fand sich hier.
Line 240: Line 229:
 
Plötzlich erschien unter den Weiden eine kleine Brücke mit rotem Geländer. Sie überquerten sie und kamen zu einem frischen, kühlen Gebäude mit wassergeschliffenen Ziegelwänden und hübsch verzierten Dachziegeln. Die Ausläufer des Hauptberges reichten durch die Mauer hindurch.
 
Plötzlich erschien unter den Weiden eine kleine Brücke mit rotem Geländer. Sie überquerten sie und kamen zu einem frischen, kühlen Gebäude mit wassergeschliffenen Ziegelwänden und hübsch verzierten Dachziegeln. Die Ausläufer des Hauptberges reichten durch die Mauer hindurch.
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Dieses Gebäude hier ist ziemlich nichtssagend.“ Doch als er durch das Tor trat, ragte plötzlich ein gewaltiger, durchbrochener Zierfelsen vor ihm auf, von allen Seiten von kleineren Steinen umgeben, die sämtliche Gebäude dahinter verbargen. Kein einziger Baum oder Strauch war zu sehen. Dafür wuchsen überall seltsame Kräuter: manche rankend, manche kletternd, manche vom Dachfirst herabhängend, manche durch Felsspalten wachsend, manche sich um Dachtraufen und Pfeiler windend, über Stufen und Treppen kriechend. Einige wiegten sich wie grüne Bänder, andere wanden sich wie goldene Seile, manche trugen Beeren, rot wie Zinnober, andere Blüten wie goldene Osmanthusblüten. Ein Duft, stärker als jedes Blumenaroma, erfüllte die Luft.
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieses Gebäude hier ist ziemlich nichtssagend.“ Doch als er durch das Tor trat, ragte plötzlich ein gewaltiger, durchbrochener Zierfelsen vor ihm auf, von allen Seiten von kleineren Steinen umgeben, die sämtliche Gebäude dahinter verbargen. Kein einziger Baum oder Strauch war zu sehen. Dafür wuchsen überall seltsame Kräuter: manche rankend, manche kletternd, manche vom Dachfirst herabhängend, manche durch Felsspalten wachsend, manche sich um Dachtraufen und Pfeiler windend, über Stufen und Treppen kriechend. Einige wiegten sich wie grüne Bänder, andere wanden sich wie goldene Seile, manche trugen Beeren, rot wie Zinnober, andere Blüten wie goldene Osmanthusblüten. Ein Duft, stärker als jedes Blumenaroma, erfüllte die Luft.
  
Kaufmann Aufrecht lachte und sagte: „Das ist reizvoll! Nur kann ich die meisten nicht erkennen.“
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Aufrecht Kaufmann lachte und sagte: „Das ist reizvoll! Nur kann ich die meisten nicht erkennen.“
  
 
Manche sagten: „Das ist Efeu und Glyzinie.“
 
Manche sagten: „Das ist Efeu und Glyzinie.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Efeu und Glyzinien duften nicht so.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Efeu und Glyzinien duften nicht so.“
  
 
Schatzjade sagte: „In der Tat nicht. Unter diesen Pflanzen sind zwar auch Glyzinien und Efeu. Aber die duftenden sind Angelikawurz und Melilotus-Gras [杜若蕡芜], jenes dürfte Iris sein [茍兰], dieses wohl Kudzu [清葛], das dort ist Goldschirmkraut [金簦草], dies hier Jadekletterrose [玉蓐藤]. Das Rote ist sicher Purpurwolkengras [紫芸], und das Grüne ist bestimmt Blauer Kalmus [青芷]. In Werken wie dem ‘Lied der Klage’ [离骚] und der ‘Literarischen Anthologie’ [文选] werden allerlei solcher seltsamen Kräuter erwähnt — manche heißen Huona, Jiangru, manche Lunzu, Zijiang, dann gibt es noch Steinsegel, Wasserkiefer, Fuliu und dergleichen, auch welche namens Grüner Keim, und dann Roter Pfeffer, Miwu und Fenglian. Nach all den Jahrhunderten können die Menschen sie nicht mehr erkennen und haben ihnen nach ihrer Form neue Namen gegeben, die allmählich von den alten abwichen — das kommt durchaus vor.“
 
Schatzjade sagte: „In der Tat nicht. Unter diesen Pflanzen sind zwar auch Glyzinien und Efeu. Aber die duftenden sind Angelikawurz und Melilotus-Gras [杜若蕡芜], jenes dürfte Iris sein [茍兰], dieses wohl Kudzu [清葛], das dort ist Goldschirmkraut [金簦草], dies hier Jadekletterrose [玉蓐藤]. Das Rote ist sicher Purpurwolkengras [紫芸], und das Grüne ist bestimmt Blauer Kalmus [青芷]. In Werken wie dem ‘Lied der Klage’ [离骚] und der ‘Literarischen Anthologie’ [文选] werden allerlei solcher seltsamen Kräuter erwähnt — manche heißen Huona, Jiangru, manche Lunzu, Zijiang, dann gibt es noch Steinsegel, Wasserkiefer, Fuliu und dergleichen, auch welche namens Grüner Keim, und dann Roter Pfeffer, Miwu und Fenglian. Nach all den Jahrhunderten können die Menschen sie nicht mehr erkennen und haben ihnen nach ihrer Form neue Namen gegeben, die allmählich von den alten abwichen — das kommt durchaus vor.“
  
Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, fuhr Kaufmann Aufrecht ihn an: „Wer hat dich gefragt?“ Schatzjade erschrak und wich zurück, wagte nichts mehr zu sagen.
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Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, fuhr Aufrecht Kaufmann ihn an: „Wer hat dich gefragt?“ Schatzjade erschrak und wich zurück, wagte nichts mehr zu sagen.
  
Kaufmann Aufrecht bemerkte auf beiden Seiten überdachte Wandelgänge und folgte ihnen. Da erschienen fünf helle Hallen, die von einem Vordach verbunden waren, mit Galerien an allen vier Seiten, grünen Fenstern und geölten Wänden — alles noch eleganter als die vorherigen Orte.
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Aufrecht Kaufmann bemerkte auf beiden Seiten überdachte Wandelgänge und folgte ihnen. Da erschienen fünf helle Hallen, die von einem Vordach verbunden waren, mit Galerien an allen vier Seiten, grünen Fenstern und geölten Wänden — alles noch eleganter als die vorherigen Orte.
  
Kaufmann Aufrecht seufzte: „In dieser Halle könnte man Tee kochen und Zither spielen, ohne zusätzlich Räucherwerk zu verbrennen. Dieser Bau übertrifft alle Erwartungen. Ihr müsst unbedingt einen schönen neuen Namen dafür finden, meine Herren, damit er ihm gerecht wird.“
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Aufrecht Kaufmann seufzte: „In dieser Halle könnte man Tee kochen und Zither spielen, ohne zusätzlich Räucherwerk zu verbrennen. Dieser Bau übertrifft alle Erwartungen. Ihr müsst unbedingt einen schönen neuen Namen dafür finden, meine Herren, damit er ihm gerecht wird.“
  
 
Die Begleiter sagten lächelnd: „Nichts passt besser als ‘Orchideenwind und Duftgrastau’ [兰风惠露].“
 
Die Begleiter sagten lächelnd: „Nichts passt besser als ‘Orchideenwind und Duftgrastau’ [兰风惠露].“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Diese vier Zeichen mögen genügen. Und der Parallelspruch?“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Diese vier Zeichen mögen genügen. Und der Parallelspruch?“
  
 
Einer sagte: „Ich habe mir einen ausgedacht, bitte korrigiert ihn.“ Er rezitierte:
 
Einer sagte: „Ich habe mir einen ausgedacht, bitte korrigiert ihn.“ Er rezitierte:
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[三径香风飘玉惠,一庭明月照金兰。]
 
[三径香风飘玉惠,一庭明月照金兰。]
  
Kaufmann Aufrecht strich sich über den Bart und sann nach, als wollte er selbst etwas vorschlagen. Da bemerkte er Schatzjade, der schweigend daneben stand, und fuhr ihn an: „Warum sagst du jetzt nichts, wo du etwas sagen solltest? Muss man dich vielleicht erst darum bitten?“
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Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach, als wollte er selbst etwas vorschlagen. Da bemerkte er Schatzjade, der schweigend daneben stand, und fuhr ihn an: „Warum sagst du jetzt nichts, wo du etwas sagen solltest? Muss man dich vielleicht erst darum bitten?“
  
 
Schatzjade antwortete: „Hier gibt es weder ‘Moschus und Orchideen’ noch ‘Mondlicht’ oder ‘Inseln und Auen’. Wenn man so beim Offensichtlichen bleibt, kann man zweihundert Parallelsprüche schreiben, und es wird nie genug sein.“
 
Schatzjade antwortete: „Hier gibt es weder ‘Moschus und Orchideen’ noch ‘Mondlicht’ oder ‘Inseln und Auen’. Wenn man so beim Offensichtlichen bleibt, kann man zweihundert Parallelsprüche schreiben, und es wird nie genug sein.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Wer zwingt dich denn, genau diese Wörter zu verwenden?“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Wer zwingt dich denn, genau diese Wörter zu verwenden?“
  
 
Schatzjade sagte: „Dann würde ich für die Tafel die vier Zeichen ‘Reine Frische von Melilotus und Kalmus’ [蕡芷清芬] vorschlagen. Und als Parallelspruch:
 
Schatzjade sagte: „Dann würde ich für die Tafel die vier Zeichen ‘Reine Frische von Melilotus und Kalmus’ [蕡芷清芬] vorschlagen. Und als Parallelspruch:
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[吟成豆蒻诗犹艳,睡足茶縣梦亦香。]“
 
[吟成豆蒻诗犹艳,睡足茶縣梦亦香。]“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Das ist nach der Vorlage ‘Mit Bananenblättern beschrieben, die Schrift noch grün’ — nichts Besonderes.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Das ist nach der Vorlage ‘Mit Bananenblättern beschrieben, die Schrift noch grün’ — nichts Besonderes.“
  
 
Die Gäste sagten: „Li Bais Gedicht über den Phönixterrassenturm folgte gänzlich dem Vorbild des Gelben-Kranich-Turms — es kommt nur darauf an, dass man geschickt nachahmt. Wenn man diesen Parallelspruch genau betrachtet, ist er sogar noch feinsinniger und lebendiger als ‘Mit Bananenblättern beschrieben’. Es ist eher so, als sei jener Vers diesem hier nachempfunden.“
 
Die Gäste sagten: „Li Bais Gedicht über den Phönixterrassenturm folgte gänzlich dem Vorbild des Gelben-Kranich-Turms — es kommt nur darauf an, dass man geschickt nachahmt. Wenn man diesen Parallelspruch genau betrachtet, ist er sogar noch feinsinniger und lebendiger als ‘Mit Bananenblättern beschrieben’. Es ist eher so, als sei jener Vers diesem hier nachempfunden.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte lachend: „So ein Unsinn!“
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Aufrecht Kaufmann sagte lachend: „So ein Unsinn!“
  
 
Damit gingen sie weiter. Bald erblickten sie eine mächtige, emporragende Halle mit hohen Stockwerken, allseits umgeben von glänzenden Palästen, verbunden durch geschwungene Wandelgänge. Grüne Kiefern streiften die Dachtraufen, Magnolien umrankten die Stufen, goldene Drachen- und bunte Fabelverzierungen leuchteten.
 
Damit gingen sie weiter. Bald erblickten sie eine mächtige, emporragende Halle mit hohen Stockwerken, allseits umgeben von glänzenden Palästen, verbunden durch geschwungene Wandelgänge. Grüne Kiefern streiften die Dachtraufen, Magnolien umrankten die Stufen, goldene Drachen- und bunte Fabelverzierungen leuchteten.
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Das ist die Haupthalle. Nur etwas zu prunkvoll.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist die Haupthalle. Nur etwas zu prunkvoll.“
  
 
Alle sagten: „So muss es sein. Obwohl die Kaiserliche Konkubine Sparsamkeit schätzt und von Natur aus schlichte Eleganz dem Überfluss vorzieht, gebieten die Etikette ihres heutigen Ranges dies — es ist nicht zu viel.“
 
Alle sagten: „So muss es sein. Obwohl die Kaiserliche Konkubine Sparsamkeit schätzt und von Natur aus schlichte Eleganz dem Überfluss vorzieht, gebieten die Etikette ihres heutigen Ranges dies — es ist nicht zu viel.“
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Im Weitergehen erschien plötzlich ein Torbogen aus Jade, umwunden von Drachen und geschützten Fabelwesen, kunstvoll gemeißelt.
 
Im Weitergehen erschien plötzlich ein Torbogen aus Jade, umwunden von Drachen und geschützten Fabelwesen, kunstvoll gemeißelt.
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Welche Inschrift schlagt Ihr hier vor?“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Inschrift schlagt Ihr hier vor?“
  
 
Die Begleiter sagten: „Es müsste ‘Penglai-Feenland’ [蓬莱仙境] heißen.“
 
Die Begleiter sagten: „Es müsste ‘Penglai-Feenland’ [蓬莱仙境] heißen.“
  
Kaufmann Aufrecht schüttelte schweigend den Kopf. Schatzjade, als er diesen Ort sah, fühlte plötzlich eine Regung im Herzen — es war, als hätte er ihn schon einmal gesehen, doch er konnte sich nicht erinnern, wann und wo. Kaufmann Aufrecht befahl ihm, etwas vorzuschlagen, doch Schatzjade war so in seine Gedanken an die vergangene Szenerie versunken, dass er gar nicht bei der Sache war.
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Aufrecht Kaufmann schüttelte schweigend den Kopf. Schatzjade, als er diesen Ort sah, fühlte plötzlich eine Regung im Herzen — es war, als hätte er ihn schon einmal gesehen, doch er konnte sich nicht erinnern, wann und wo. Aufrecht Kaufmann befahl ihm, etwas vorzuschlagen, doch Schatzjade war so in seine Gedanken an die vergangene Szenerie versunken, dass er gar nicht bei der Sache war.
  
Die Begleiter, die seine Geistesabwesenheit nicht verstanden, glaubten, er sei nach dem halben Tag der Prüfung erschöpft und sein Talent aufgebraucht. Sie fürchteten, weiteres Drängen könnte zu etwas Unangenehmem führen, und redeten rasch auf Kaufmann Aufrecht ein: „Genug, genug! Morgen kann er noch etwas vorschlagen.“
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Die Begleiter, die seine Geistesabwesenheit nicht verstanden, glaubten, er sei nach dem halben Tag der Prüfung erschöpft und sein Talent aufgebraucht. Sie fürchteten, weiteres Drängen könnte zu etwas Unangenehmem führen, und redeten rasch auf Aufrecht Kaufmann ein: „Genug, genug! Morgen kann er noch etwas vorschlagen.“
  
Auch Kaufmann Aufrecht sorgte sich, die Herzoginmutter könne unruhig werden, und sagte mit spöttischem Lächeln: „Da hat es dieses Tier doch tatsächlich einmal nicht gekonnt. Gut, ich gebe dir einen Tag Frist. Wenn du morgen noch immer nichts kannst, werde ich nicht nachsichtig sein. Dies ist ein wichtiger Ort — streng dich an!“
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Auch Aufrecht Kaufmann sorgte sich, die Herzoginmutter könne unruhig werden, und sagte mit spöttischem Lächeln: „Da hat es dieses Tier doch tatsächlich einmal nicht gekonnt. Gut, ich gebe dir einen Tag Frist. Wenn du morgen noch immer nichts kannst, werde ich nicht nachsichtig sein. Dies ist ein wichtiger Ort — streng dich an!“
  
Damit führte er die Gesellschaft hinaus und sah sich noch einmal um. Seit dem Eingang hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Gartens besichtigt. Zudem kam ein Bote mit einer Nachricht von Yucun.
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Damit führte er die Gesellschaft hinaus und sah sich noch einmal um. Seit dem Eingang hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Gartens besichtigt. Zudem kam ein Bote mit einer Nachricht von Regendorf.
  
Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Den Rest können wir nicht mehr besuchen. Aber wir sollten wenigstens auf der anderen Seite hinausgehen, um auch den Rest wenigstens im Vorbeigehen zu sehen.“
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Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Den Rest können wir nicht mehr besuchen. Aber wir sollten wenigstens auf der anderen Seite hinausgehen, um auch den Rest wenigstens im Vorbeigehen zu sehen.“
  
 
Er führte die Gesellschaft weiter und kam zu einer großen Brücke, über die das Wasser wie ein kristallener Vorhang hinabstürzte. Diese Brücke war nämlich die Schleuse, durch die das Wasser vom Fluss draußen hereingeleitet wurde.
 
Er führte die Gesellschaft weiter und kam zu einer großen Brücke, über die das Wasser wie ein kristallener Vorhang hinabstürzte. Diese Brücke war nämlich die Schleuse, durch die das Wasser vom Fluss draußen hereingeleitet wurde.
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Wie heißt diese Schleuse?“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Wie heißt diese Schleuse?“
  
 
Schatzjade sagte: „Dies ist die Hauptquelle des ‘Durchtränkt-mit-Duft’-Baches, also könnte man sie ‘Durchtränkt-mit-Duft-Schleuse’ [沁芳闸] nennen.“
 
Schatzjade sagte: „Dies ist die Hauptquelle des ‘Durchtränkt-mit-Duft’-Baches, also könnte man sie ‘Durchtränkt-mit-Duft-Schleuse’ [沁芳闸] nennen.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Unsinn! Gerade das Wort ‘Durchtränkt mit Duft’ darf hier nicht verwendet werden.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Unsinn! Gerade das Wort ‘Durchtränkt mit Duft’ darf hier nicht verwendet werden.“
  
So gingen sie weiter und kamen an klaren Hallen und strohgedeckten Hütten vorbei, an aufgeschichteten Steinen und zu Fenstern geflochtenen Blumenranken, an einem buddhistischen Nonnenkloster am Fuß eines Berges und an einer daoistischen Einsiedelei im Wald, an langen Wandelgängen und gewundenen Grotten, an viereckigen und runden Pavillons. Kaufmann Aufrecht betrat keinen davon.
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So gingen sie weiter und kamen an klaren Hallen und strohgedeckten Hütten vorbei, an aufgeschichteten Steinen und zu Fenstern geflochtenen Blumenranken, an einem buddhistischen Nonnenkloster am Fuß eines Berges und an einer daoistischen Einsiedelei im Wald, an langen Wandelgängen und gewundenen Grotten, an viereckigen und runden Pavillons. Aufrecht Kaufmann betrat keinen davon.
  
Nachdem ihm die Beine schmerzten, kam plötzlich ein weiterer Gebäudekomplex in Sicht. Kaufmann Aufrecht sagte lächelnd: „Hier müssen wir hineingehen und uns ausruhen.“
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Nachdem ihm die Beine schmerzten, kam plötzlich ein weiterer Gebäudekomplex in Sicht. Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Hier müssen wir hineingehen und uns ausruhen.“
  
 
Er führte die Gesellschaft an Pfirsichblüten vorbei und durch ein Mondtor aus Bambus- und Blumengeflecht. Dahinter umschloss eine weiße Mauer einen von grünen Trauerweiden umgebenen Hof. Sie traten ein — auf beiden Seiten verbanden Wandelgänge die Gebäude. Im Hof waren einige Ziersteine aufgestellt, auf der einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen stand ein Zierapfelbaum [西府海棠], dessen Krone sich wie ein Schirm wölbte, mit herabfallenden grünen Ranken und zinnoberroten Blüten.
 
Er führte die Gesellschaft an Pfirsichblüten vorbei und durch ein Mondtor aus Bambus- und Blumengeflecht. Dahinter umschloss eine weiße Mauer einen von grünen Trauerweiden umgebenen Hof. Sie traten ein — auf beiden Seiten verbanden Wandelgänge die Gebäude. Im Hof waren einige Ziersteine aufgestellt, auf der einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen stand ein Zierapfelbaum [西府海棠], dessen Krone sich wie ein Schirm wölbte, mit herabfallenden grünen Ranken und zinnoberroten Blüten.
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Alle lobten: „Was für eine prächtige Blume! Wir haben schon viele Zieräpfel gesehen, aber nie einen so schönen.“
 
Alle lobten: „Was für eine prächtige Blume! Wir haben schon viele Zieräpfel gesehen, aber nie einen so schönen.“
  
Kaufmann Aufrecht sagte: „Dies ist ein sogenannter ‘Mädchenapfel’ [女儿棠], eine ausländische Sorte. Die Legende sagt, er stamme aus dem ‘Land der Frauen’, wo er besonders üppig wachse — freilich ein absurdes Gerücht.“
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Aufrecht Kaufmann sagte: „Dies ist ein sogenannter ‘Mädchenapfel’ [女儿棠], eine ausländische Sorte. Die Legende sagt, er stamme aus dem ‘Land der Frauen’, wo er besonders üppig wachse — freilich ein absurdes Gerücht.“
  
 
Die Begleiter lachten: „Mag es auch unglaubwürdig sein — warum hat sich der Name so lange gehalten?“
 
Die Begleiter lachten: „Mag es auch unglaubwürdig sein — warum hat sich der Name so lange gehalten?“
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Alle nickten bewundernd.
 
Alle nickten bewundernd.
  
Sie setzten sich auf eine Bank unter dem Vordach. Kaufmann Aufrecht fragte: „Welchen frischen Namen denkt Ihr Euch für diesen Ort aus?“
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Sie setzten sich auf eine Bank unter dem Vordach. Aufrecht Kaufmann fragte: „Welchen frischen Namen denkt Ihr Euch für diesen Ort aus?“
  
 
Ein Gast sagte: „‘Bananenkranich’ [蕉鹤] — das wäre passend.“
 
Ein Gast sagte: „‘Bananenkranich’ [蕉鹤] — das wäre passend.“
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Ein anderer sagte: „‘Erhabener Glanz in bunten Farben’ [崇光泛彩] — das wäre besser.“
 
Ein anderer sagte: „‘Erhabener Glanz in bunten Farben’ [崇光泛彩] — das wäre besser.“
  
Kaufmann Aufrecht und die Begleiter sagten: „Schön, ‘Erhabener Glanz in bunten Farben’!“
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Aufrecht Kaufmann und die Begleiter sagten: „Schön, ‘Erhabener Glanz in bunten Farben’!“
  
 
Schatzjade sagte auch: „Wunderbar.“ Dann seufzte er: „Nur schade.“
 
Schatzjade sagte auch: „Wunderbar.“ Dann seufzte er: „Nur schade.“
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Schatzjade sagte: „Hier stehen Bananenstauden und Zieräpfel nebeneinander — die versteckte Bedeutung enthält die Zeichen ‘Rot’ und ‘Grün’. Sagt man nur ‘Banane’, kommt der Zierapfel nicht vor; sagt man nur ‘Zierapfel’, fehlt die Banane. Ohne Banane geht es nicht, ohne Zierapfel erst recht nicht.“
 
Schatzjade sagte: „Hier stehen Bananenstauden und Zieräpfel nebeneinander — die versteckte Bedeutung enthält die Zeichen ‘Rot’ und ‘Grün’. Sagt man nur ‘Banane’, kommt der Zierapfel nicht vor; sagt man nur ‘Zierapfel’, fehlt die Banane. Ohne Banane geht es nicht, ohne Zierapfel erst recht nicht.“
  
Kaufmann Aufrecht fragte: „Und was schlägst du vor?“
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Aufrecht Kaufmann fragte: „Und was schlägst du vor?“
  
 
Schatzjade sagte: „Ich würde vorschlagen: ‘Roter Duft, grüner Jade’ [红香绿玉] — dann ist beides berücksichtigt.“
 
Schatzjade sagte: „Ich würde vorschlagen: ‘Roter Duft, grüner Jade’ [红香绿玉] — dann ist beides berücksichtigt.“
  
Kaufmann Aufrecht schüttelte den Kopf: „Taugt nichts, taugt nichts!“
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Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Taugt nichts, taugt nichts!“
  
 
Damit führte er die Gesellschaft ins Gebäude. Die Räume waren ganz anders eingerichtet als die bisherigen — man konnte gar keine Zimmerwände ausmachen, denn an allen vier Seiten standen durchbrochen geschnitzte Holzwände mit den verschiedensten Motiven: ‘Fließende Wolken und hundert Fledermäuse’, ‘Die drei Freunde der kalten Jahreszeit’, Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, zusammengesetzte Muster und gelehrte Altertümer, ‘Zehntausendfaches Glück und Langlebigkeit’ — alles von Meisterhand geschnitzt und mit fünffarbigem Gold und eingelassenen Edelsteinen verziert. Zwischen den einzelnen Abschnitten gab es Büchernischen, Stellen für Räuchergefäße, Plätze für Pinsel und Tusche, für Blumenvasen und Topflandschaften. Die Formen der Öffnungen waren alle verschieden: rund wie der Himmel und eckig wie die Erde, wie Sonnenblumenblätter oder Bananenblätter, als verschlungene Ringe oder Halbmonde. Es war ein einziges Fest für die Augen, durchsichtig und zierlich. Bald erblickte man fünffarbige Gaze — und es war ein kleines Fenster; bald sah man bunte Seide — und es war eine verborgene Tür. Die gesamten Wände waren mit Nischen versehen, die der Form von Antiquitäten und Kostbarkeiten folgten: Zithern, Schwerter, hängende Vasen und Tischparavents — alles an der Wand befestigt, doch bündig mit der Wandfläche.
 
Damit führte er die Gesellschaft ins Gebäude. Die Räume waren ganz anders eingerichtet als die bisherigen — man konnte gar keine Zimmerwände ausmachen, denn an allen vier Seiten standen durchbrochen geschnitzte Holzwände mit den verschiedensten Motiven: ‘Fließende Wolken und hundert Fledermäuse’, ‘Die drei Freunde der kalten Jahreszeit’, Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, zusammengesetzte Muster und gelehrte Altertümer, ‘Zehntausendfaches Glück und Langlebigkeit’ — alles von Meisterhand geschnitzt und mit fünffarbigem Gold und eingelassenen Edelsteinen verziert. Zwischen den einzelnen Abschnitten gab es Büchernischen, Stellen für Räuchergefäße, Plätze für Pinsel und Tusche, für Blumenvasen und Topflandschaften. Die Formen der Öffnungen waren alle verschieden: rund wie der Himmel und eckig wie die Erde, wie Sonnenblumenblätter oder Bananenblätter, als verschlungene Ringe oder Halbmonde. Es war ein einziges Fest für die Augen, durchsichtig und zierlich. Bald erblickte man fünffarbige Gaze — und es war ein kleines Fenster; bald sah man bunte Seide — und es war eine verborgene Tür. Die gesamten Wände waren mit Nischen versehen, die der Form von Antiquitäten und Kostbarkeiten folgten: Zithern, Schwerter, hängende Vasen und Tischparavents — alles an der Wand befestigt, doch bündig mit der Wandfläche.
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Alle sagten: „Wie kunstvoll ausgedacht! Wie kommt man nur auf solche Ideen?“
 
Alle sagten: „Wie kunstvoll ausgedacht! Wie kommt man nur auf solche Ideen?“
  
Als Kaufmann Aufrecht und seine Begleiter eintraten, hatten sie nach zwei Raumabschnitten bereits die Orientierung verloren. Links schien eine Tür hindurchzuführen, rechts versperrte ein Fenster den Weg; ging man darauf zu, stand ein Bücherregal im Weg. Beim Umkehren sah man wieder durchscheinendes Gaze-Fenster und einen begehbaren Durchgang, doch vor der Tür kam ihnen plötzlich eine Gruppe Menschen entgegen, die genauso aussahen wie sie selbst — es war ein großer Spiegel aus Glas. Als sie um den Spiegel herumgingen, wurden die Durchgänge nur noch zahlreicher.
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Als Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter eintraten, hatten sie nach zwei Raumabschnitten bereits die Orientierung verloren. Links schien eine Tür hindurchzuführen, rechts versperrte ein Fenster den Weg; ging man darauf zu, stand ein Bücherregal im Weg. Beim Umkehren sah man wieder durchscheinendes Gaze-Fenster und einen begehbaren Durchgang, doch vor der Tür kam ihnen plötzlich eine Gruppe Menschen entgegen, die genauso aussahen wie sie selbst — es war ein großer Spiegel aus Glas. Als sie um den Spiegel herumgingen, wurden die Durchgänge nur noch zahlreicher.
  
Kaufmann Edelperle sagte lächelnd: „Folgt mir, Herr. Durch diese Tür kommt man in den Hinterhof, und von dort ist der Ausgang näher als der Weg zurück.“
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Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir, Herr. Durch diese Tür kommt man in den Hinterhof, und von dort ist der Ausgang näher als der Weg zurück.“
  
 
Nach zwei weiteren Durchgängen durch Gaze-Vorhänge und Brokat-Trennwände fanden sie tatsächlich eine Tür zum Hinterhof, der voller Wildrosenranken und Hagebutten war. Als sie um die Blumenwand bogen, versperrte ein klarer Bach den Weg.
 
Nach zwei weiteren Durchgängen durch Gaze-Vorhänge und Brokat-Trennwände fanden sie tatsächlich eine Tür zum Hinterhof, der voller Wildrosenranken und Hagebutten war. Als sie um die Blumenwand bogen, versperrte ein klarer Bach den Weg.
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Alle fragten erstaunt: „Woher kommt dieses Wasser?“
 
Alle fragten erstaunt: „Woher kommt dieses Wasser?“
  
Kaufmann Edelperle zeigte in die Ferne: „Es fließt von der Schleuse dort durch jene Grottenöffnung, wird im Nordosten um den Berg ins Dorf geleitet, dann teilt es sich und fließt nach Südwesten, bis es hier wieder zusammenkommt und durch die Mauer nach draußen abfließt.“
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Herrlichkeit Kaufmann zeigte in die Ferne: „Es fließt von der Schleuse dort durch jene Grottenöffnung, wird im Nordosten um den Berg ins Dorf geleitet, dann teilt es sich und fließt nach Südwesten, bis es hier wieder zusammenkommt und durch die Mauer nach draußen abfließt.“
  
 
Alle sagten: „Genial, genial!“
 
Alle sagten: „Genial, genial!“
  
Plötzlich versperrte ein großer Berg den Weg. Alle riefen: „Wir haben uns verirrt!“ Kaufmann Edelperle sagte lächelnd: „Folgt mir!“ Er ging voran, und als sie am Fuß des Berges eine Biegung machten, lag plötzlich ein weiter, ebener Weg vor ihnen, und das große Haupttor kam in Sicht.
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Plötzlich versperrte ein großer Berg den Weg. Alle riefen: „Wir haben uns verirrt!“ Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir!“ Er ging voran, und als sie am Fuß des Berges eine Biegung machten, lag plötzlich ein weiter, ebener Weg vor ihnen, und das große Haupttor kam in Sicht.
  
 
Alle sagten: „Was für ein Vergnügen! Wahrlich ein Meisterwerk der Gestaltungskunst!“ Damit gingen sie alle hinaus.
 
Alle sagten: „Was für ein Vergnügen! Wahrlich ein Meisterwerk der Gestaltungskunst!“ Damit gingen sie alle hinaus.
  
Schatzjade jedoch dachte noch immer an das Innere des Gartens und wartete auf eine Anweisung seines Vaters. Da er keine erhielt, folgte er ihm notgedrungen bis ins Arbeitszimmer. Dort fiel es Kaufmann Aufrecht plötzlich ein und er fuhr ihn an: „Du bist noch immer hier? Hast du nicht genug gesehen? Denkst du nicht daran, dass die Großmutter sich Sorgen macht? Geh sofort hinein! Sie verwöhnt dich ganz umsonst.“
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Schatzjade jedoch dachte noch immer an das Innere des Gartens und wartete auf eine Anweisung seines Vaters. Da er keine erhielt, folgte er ihm notgedrungen bis ins Arbeitszimmer. Dort fiel es Aufrecht Kaufmann plötzlich ein und er fuhr ihn an: „Du bist noch immer hier? Hast du nicht genug gesehen? Denkst du nicht daran, dass die Großmutter sich Sorgen macht? Geh sofort hinein! Sie verwöhnt dich ganz umsonst.“
  
 
Als Schatzjade das hörte, zog er sich erleichtert zurück.
 
Als Schatzjade das hörte, zog er sich erleichtert zurück.
  
 
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[Ende des siebzehnten Kapitels]
  
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==
 
<references />
 
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== Anmerkungen ==
 
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<div style="text-align: center; font-size: 0.9em; color: #666; margin-top: 20px;">
 
''Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).''
 
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Latest revision as of 19:29, 28 April 2026

Kapitel 17 Im Garten der Großen Anschauung wird bei der Namensvergabe das Talent geprüft — Im Prunkwille-Anwesen wird der Heimatbesuch der kaiserlichen Konkubine vorbereitet

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Ein Gedicht sagt: Pracht und Glanz sind wohl beneidenswert, doch der Abschied ist schwer zu ertragen. Man erwirbt sich leeren Ruhm, doch wer erkennt die Bitterkeit dahinter?

Liebglocke Minne war gestorben, und Schatzjade[1] [宝玉] weinte unaufhörlich. Edelstein Pflaume und die anderen brauchten eine halbe Ewigkeit, um ihn zu beruhigen, bis er endlich innehielt. Auf dem Heimweg war er noch immer schmerzerfüllt und traurig. Die Herzoginmutter[2] [贾母] steuerte etliche Dutzend Liang Silber bei, bereitete außerdem Trauergeschenke vor, und Schatzjade verbrannte Papiergeld am Grab. Nach sieben Tagen wurde der Sarg überführt und begraben, und mehr ist darüber nicht zu berichten. Nur Schatzjade sehnte sich Tag für Tag nach seinem toten Freund und trauerte um ihn, doch was hätte er tun können!

Es vergingen einige Tage, bis eines Morgens Herrlichkeit Kaufmann[3] [贾珍] und andere zu Aufrecht Kaufmann[4] [贾政] kamen, um zu melden: „Alle Arbeiten im Garten sind fertiggestellt, der ältere Herr hat ihn sich bereits angesehen. Nun wartet man nur noch darauf, dass Ihr, Herr, ebenfalls einen Blick darauf werft. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, kann man es noch ändern, und dann können die Namenstafeln und Parallelsprüche geschrieben werden.“

Aufrecht Kaufmann hörte dies, überlegte eine Weile und sagte: „Mit den Namenstafeln und Parallelsprüchen hat es seine Schwierigkeit. Eigentlich sollte man die Kaiserliche Konkubine bitten, die Inschriften zu bestimmen. Doch wenn sie die Örtlichkeiten nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird sie wohl kaum bereit sein, auf gut Glück etwas zu ersinnen. Warteten wir hingegen mit den Inschriften, bis sie den Garten besucht, so wirkten all die großartigen Szenerien mit ihren unzähligen Pavillons und Lauben ohne Schriftzeichen leer und fade. Selbst vorhandene Blumen, Weiden, Berge und Wasser könnten so nicht zur Geltung kommen.“

Seine Schützlinge, die neben ihm standen, antworteten lächelnd: „Eure Einschätzung ist ganz richtig, alter Herr. Wir haben einen bescheidenen Vorschlag: Die Namenstafeln und Parallelsprüche dürfen keinesfalls fehlen, doch können sie auch nicht endgültig festgelegt werden. Am besten wählt man für jeden Ort gemäß seiner Szenerie zwei, drei oder vier Schriftzeichen, die ungefähr den Sinn treffen, und stellt vorläufig Laternen mit diesen Aufschriften auf. Wenn dann die Kaiserliche Konkubine kommt, bittet man sie, die endgültigen Namen zu bestimmen. Wäre das nicht beiden Zwecken dienlich?“

Aufrecht Kaufmann und die anderen hörten dies und sagten: „Das ist ein guter Gedanke. Gehen wir heute den Garten anschauen und verfassen einfach Inschriften. Was taugt, nehmen wir; was nicht taugt — nun, dann bitten wir Jia Regendorf her und lassen ihn neue Vorschläge machen.“

Die Schützlinge lachten: „Sobald Ihr heute, alter Herr, etwas festlegt, wird es gewiss vortrefflich sein. Wozu sollte man auf Regendorf warten?“

Aufrecht Kaufmann erwiderte lächelnd: „Ihr wisst nicht, dass ich von Kindesbeinen an nur Mittelmäßiges geleistet habe, wenn es um Gedichte über Vögel und Blumen, Berge und Wasser ging. Jetzt, wo ich alt bin und amtliche Schriften mich in Beschlag nehmen, bin ich in der leichten, dem Vergnügen dienenden Literatur noch ungeübter geworden. Was ich auch zusammenbringe — es wird mit Sicherheit so verstaubt und hölzern sein, dass es Blumen und Weiden, Häusern und Pavillons eher schadet, als dass es ihnen gerecht wird. Und alles, was den Kern der Sache nicht trifft, ist überflüssig.“

Die Schützlinge lachten: „Das ist kein Grund zur Sorge. Wir gehen alle gemeinsam hin, sehen uns den Garten an, jeder schlägt vor, was er kann, das Beste wird bewahrt, das Schlechte gestrichen — das geht bestimmt.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ganz richtig. Und wie schön, dass heute solch mildes Wetter ist! Gehen wir also alle zusammen.“

Damit erhob er sich und ging den anderen voran.

Herrlichkeit Kaufmann eilte voraus in den Garten, um alle dort zu benachrichtigen. Es traf sich, dass Schatzjade gerade in diesen Tagen, weil er Liebglocke Minne nachtrauerte und sich nicht zu trösten wusste, häufig von der Herzoginmutter in den Garten geschickt worden war, um sich dort zu zerstreuen. Auch an diesem Tag war er gerade erst dort eingetreten, als er plötzlich Herrlichkeit Kaufmann auf sich zukommen sah, der ihm lächelnd zurief: „Du bist immer noch hier? Der Herr kommt gleich!“

Als Schatzjade das hörte, rannte er mit seinen Ammen und kleinen Dienern wie ein flüchtiger Rauch aus dem Garten. Doch kaum war er um die Ecke gebogen, kam ihm Aufrecht Kaufmann mit seinen Gästen entgegen. Es war zu spät, um sich zu verstecken, und so blieb er an der Seite stehen.

Nun hatte Aufrecht Kaufmann unlängst vom Schulleiter gehört, Schatzjade habe ein besonderes Talent für Parallelsprüche: Obwohl er nicht gern lese, scheine er doch eine gewisse eigenwillige Begabung zu besitzen. Als er nun zufällig auf Schatzjade stieß, befahl er ihm, mitzukommen. Schatzjade wusste zwar nicht, worum es ging, musste aber gehorchen.

Als Aufrecht Kaufmann ans Gartentor kam, sah er Herrlichkeit Kaufmann an der Spitze zahlreicher Aufseher dort warten. Aufrecht Kaufmann befahl: „Schließt erst alle Tore, wir wollen von außen schauen, ehe wir hineingehen.“

Herrlichkeit Kaufmann ließ die Tore schließen. Aufrecht Kaufmann betrachtete zunächst mit prüfendem Blick das Haupttor. Es hatte eine Breite von fünf Säulenzwischenräumen, das Dach war mit Halbzylinderziegeln gedeckt und hatte einen abgerundeten First. Die Tür- und Fenstergitter waren allesamt fein geschnitzt in neuartigen Mustern, ohne rote oder weiße Bemalung. Die Wände bestanden durchweg aus wassergeschliffenen Ziegeln, und die Plattform aus weißem Stein war mit Passionsblumenmustern verziert. Nach links und rechts erstreckte sich, so weit das Auge reichte, eine schneeweiße Mauer auf einem Sockel aus gestreiftem Tigerstein, der sich den Geländeformen anpasste. All dies hatte nichts von der vulgären Pracht reicher Leute und gefiel ihm auf Anhieb. Er befahl, die Tore zu öffnen. Dahinter versperrte ein grüner Felsrücken den Blick.

„Welch schöner Berg, welch schöner Berg!“ riefen die Schützlinge aus.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ohne diesen Berg würde man gleich beim Eintreten den ganzen Garten überblicken — das wäre doch langweilig.“

Die Begleiter sagten: „Ganz richtig. Nur wer Berge und Täler in der Brust trägt, kann auf so etwas kommen.“

Im Weitergehen erblickten sie aufragende weiße Felsen — manche wie Gespenster geformt, manche wie wilde Tiere — die kreuz und quer dastanden. Moospolster bedeckten sie, Schlingpflanzen umrankten sie, und dazwischen war kaum ein schmaler Pfad zu erkennen.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Lasst uns diesem kleinen Pfad folgen und auf der anderen Seite hinausgehen, dann können wir alles sehen.“

Er befahl Herrlichkeit Kaufmann voranzugehen, stützte sich auf Schatzjade und betrat den gewundenen Bergpfad. Als er den Kopf hob, erblickte er oben am Fels einen spiegelglatten weißen Stein — genau die richtige Stelle für eine Inschrift.

Er wandte sich lächelnd um und sagte: „Meine Herren, seht Euch dies an! Welchen Namen würdet Ihr hier vorschlagen?“

Die Begleiter machten verschiedene Vorschläge: Einer sagte „Geschichtetes Grün“, ein anderer „Brokatfels“, wieder einer „Schöner als der Räucherbecken-Berg“ und noch einer „Ein Zhongnan-Gebirge im Kleinen“. So kamen Dutzende von Vorschlägen zusammen. In Wirklichkeit hatten alle längst begriffen, dass Aufrecht Schatz Kaufmannjades Lernfortschritte prüfen wollte, und brachten deshalb absichtlich nur Gewöhnliches vor. Auch Schatzjade durchschaute die Absicht.

Aufrecht Kaufmann hörte sich alles an, wandte sich dann um und befahl Schatzjade, einen Vorschlag zu machen.

Schatzjade sagte: „Ich habe einmal gehört, die Alten sagten: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen, besser einen alten Text drucken als einen neuen schnitzen.’ Zudem ist dies hier kein Hauptgipfel und keine der eigentlichen Szenerien, sondern nur der erste Schritt auf dem Weg hinein. Am besten schreibt man einfach den alten Vers ‘Auf gewundenem Pfad zu verborgenen Stätten’ [曲径通幽处] hierher — das wirkt würdevoll und großzügig.“

Alle lobten: „Ganz vorzüglich! Der junge Herr hat große Begabung und weitreichendes Talent, ganz anders als wir, die wir uns an den Büchern dummgelesen haben.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Lobt ihn nicht unverdient. Er ist noch jung und breitet das Wenige, das er weiß, zehnfach aus, um damit anzugeben. Das ist zum Lachen, nichts weiter. Die endgültige Wahl verschieben wir auf später.“

Damit traten sie durch die Felsengrotte. Schöne Bäume ragten üppig empor, seltene Blumen leuchteten in prächtigen Farben, und ein klarer Bach schlängelte sich aus dem Dickicht hervor und verlor sich zwischen den Steinen. Nach einigen Schritten weiter nach Norden öffnete sich eine ebene, weite Fläche. Zu beiden Seiten ragten Gebäude hoch in den Himmel, deren verzierte Dachfirste und geschmückte Balustraden zwischen Felsen und Baumwipfeln verborgen lagen. Blickte man hinunter, so leuchtete der klare Bach wie Schnee, Steinstufen schienen durch die Wolken zu steigen, ein Geländer aus weißem Stein fasste den Teich ein, und eine Brücke mit drei Bögen, deren Tierköpfe Wasser spien, führte darüber. Auf der Brücke stand ein Pavillon.

Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter stiegen hinauf, lehnten sich ans Geländer, setzten sich und er fragte: „Meine Herren, wie würdet Ihr diesen Ort benennen?“

Die Begleiter sagten: „Ouyang Xiu [欧阳修] schrieb einst in seiner ‘Notiz über den Pavillon des trunkenen Alten’: ‘Dort steht ein Pavillon, als hätte er Flügel’ [有亭翼然]. Man sollte ihn ‘Wie Geflügelt’ [翼然] nennen.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „‘Wie Geflügelt’ ist wohl schön, doch da dieser Pavillon über dem Wasser errichtet ist, sollte sich auch die Inschrift aufs Wasser beziehen. Meiner bescheidenen Meinung nach heißt es bei Ouyang Xiu auch ‘zwischen den beiden Gipfeln ergießt sich ein Bach’ — man sollte das Zeichen ‘ergießen’ [治] verwenden.“

Ein Gast sagte: „Ganz recht, ganz recht! ‘Sich Ergießende Jade’ [泻玉] wäre wunderbar.“

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach. Als er aufsah, bemerkte er Schatzjade, der daneben stand, und befahl ihm lächelnd, auch etwas vorzuschlagen.

Schatzjade antwortete rasch: „Was Ihr soeben erwogen habt, Vater, ist gewiss richtig. Doch wenn man der Sache auf den Grund geht, war das Zeichen ‘ergießen’ für Ouyang Xius Brauerquelle [酿泉] wohl passend, doch für diesen Quell hier scheint es nicht ganz angemessen. Zumal dies der Wohnsitz für den Besuch der Kaiserlichen Konkubine ist — solche Texte fallen unter das Hofreglement, und dafür sind solche Ausdrücke doch zu grob und unedel. Man müsste etwas Feinsinnigeres und Zurückhaltenderes finden.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Was sagt Ihr dazu, meine Herren? Vorhin haben alle etwas Neues ersonnen, da sagte er, Altes zitieren sei besser. Jetzt haben wir Altes zitiert, und er sagt, es sei grob und unpassend. Also sag mir, was du vorschlägst!“

Schatzjade sagte: „Statt ‘Sich Ergießende Jade’ wäre ‘Durchtränkt mit Duft’ [沁芳] besser — das ist neuartig und elegant.“

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und nickte schweigend. Alle beeilten sich, ihm beizupflichten, und lobten Schatzjades außergewöhnliches Talent.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Zwei Schriftzeichen für die Tafel sind leicht. Nun verfasse noch einen siebensilbigen Parallelspruch dazu.“

Als Schatzjade dies hörte, stellte er sich im Pavillon auf, blickte nach allen vier Seiten, und als ihm die Eingebung kam, sprach er:

„Ringsum am Deich leihen Weiden ihr dreifaches Grün, jenseits des Ufers spenden Blumen ihren einzigartigen Duft.“ [绕堤柳借三篙翠,隔岸花分一脉香。]

Aufrecht Kaufmann nickte lächelnd. Die Begleiter priesen es in höchsten Tönen.

So verließen sie den Pavillon und gingen um den Teich herum. Jeden Berg, jeden Stein, jede Blume, jeden Baum betrachteten sie aufmerksam. Plötzlich erblickten sie eine weiß getünchte Mauer, hinter der einige Gebäude von Hunderten dicht stehender Bambusrohre beschattet wurden.

„Was für ein herrlicher Ort!“ riefen alle.

Sie traten ein. Gleich am Eingang begann ein Wandelgang mit vielen Windungen, vor der Treppe war ein Steinpflasterweg angelegt. Oben standen zwei, drei kleine Häuser, eines offen und zwei verborgen, drinnen alles passend zum Raum mit Betten, Tischen und Stühlen ausgestattet. Aus dem Innenraum führte eine kleine Tür in den Hinterhof, wo große Birnbäume und Bananenstauden wuchsen. Dort gab es noch zwei winzige Nebenräume. Unter der Hofmauer war eine Öffnung, durch die ein Quell in einen kaum fußbreiten Graben floss, der das Wasser durch die Mauer in den Hof leitete. Der Graben führte um die Treppe und ums Haus herum zum Vorderhof, schlängelte sich durch den Bambus und floss hinaus.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort ist nicht übel. Wenn man hier in einer Mondnacht am Fenster seine Bücher lesen könnte, hätte man sein Leben nicht umsonst gelebt.“ Bei diesen Worten sah er Schatzjade an, und dieser senkte erschrocken den Kopf. Die Gäste lenkten schnell ab und sagten: „Die Namenstafel hier sollte vier Schriftzeichen tragen.“

Aufrecht Kaufmann fragte lächelnd: „Welche vier?“

Einer sagte: „Tradition vom Fluss Qi [淇水遗风].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Zu gewöhnlich.“

Ein anderer schlug vor: „Spuren des Sui-Gartens [睢园遗迹].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ebenfalls zu gewöhnlich.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Lasst doch lieber Bruder Schatzjade etwas vorschlagen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Bevor er etwas Eigenes vorschlägt, kritisiert er erst andere — man sieht, welch leichtfertiger Mensch er ist.“

Die Gäste sagten: „Er urteilt völlig zu Recht, was soll man dagegen einwenden?“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Ermuntert ihn nicht auch noch!“ Dann wandte er sich an Schatzjade: „Heute will ich dir deinen Übermut durchgehen lassen. Urteile also zuerst und bringe dann einen eigenen Vorschlag. War von dem Gesagten etwas brauchbar?“

Schatzjade antwortete: „Nichts davon scheint mir angemessen.“

Aufrecht Kaufmann fragte mit kühlem Lächeln: „Und warum nicht?“

Schatzjade sagte: „Dies ist der erste Ort, den die Kaiserliche Konkubine bei ihrem Besuch aufsuchen wird. Die Inschrift muss daher eine Huldigung sein. Wenn es vier Schriftzeichen sein sollen, gibt es bereits ein passables altes Zitat, man braucht nichts Neues zu ersinnen.“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Sind ‘Fluss Qi’ und ‘Sui-Garten’ etwa nichts Altes?“

Schatzjade sagte: „Das ist zu abgegriffen. Besser wäre ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’ [有凤来仪].“

Alle riefen begeistert ihren Beifall. Aufrecht Kaufmann nickte und sagte: „Du Tier, du Tier! Man kann wohl sagen: ‘Durch ein Röhrchen sehen und mit einer Muschel messen’ [管窥螠测]. Nun verfasse noch einen Parallelspruch.“

Schatzjade rezitierte:

„Grün steigt der Rauch vom Tee im Jaderäucherwerk, kühl sind vom Schachspiel noch die Finger am Fenster.“ [宝鼎茶闲烟尚绿,幽窗棋罢指犹凉。]

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Auch nichts Besonderes.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.

Er wollte gerade weitergehen, als ihm etwas einfiel, und er fragte Herrlichkeit Kaufmann: „Die Gebäude und das Mobiliar — Tische und Stühle — sind vorhanden. Aber wie steht es mit Vorhängen, Gardinen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten? Ist alles für jeden Ort passend zusammengestellt?“

Herrlichkeit Kaufmann berichtete: „An Ausstattung ist schon vieles hinzugekommen und wird natürlich rechtzeitig passend aufgestellt. Was Vorhänge und Gardinen betrifft — gestern hörte ich Bruder Jadeschale [贾琮] sagen, sie seien noch nicht vollständig. Als die Bauarbeiten begannen, wurden gleich Grundrisse gezeichnet, Maße genommen und die Aufträge nach draußen vergeben. Ich glaube, gestern kam die Hälfte davon an.“

Aufrecht Kaufmann erkannte, dass dies nicht Herrlichkeit Kaufmanns Verantwortungsbereich war, und ließ Kette Kaufmann [贾琮] holen. Als dieser kam, fragte Aufrecht Kaufmann, wie viele Sorten es insgesamt sein müssten, wie viele bereits eingetroffen seien und wie viele noch fehlten.

Kette Kaufmann zog einen zusammengefalteten Notizzettel aus seinem Stiefelschaft, überflog ihn und berichtete: „Seidene Vorhänge aller Art — insgesamt einhundertzwanzig Stück. Gestern kamen achtzig, vierzig fehlen noch. Türvorhänge zweihundert Stück, die sind gestern alle eingetroffen. Dazu zweihundert Türvorhänge aus rotem Orang-Utan-Filz, zweihundert aus rotlackiertem Goldfaden-Bambus, zweihundert aus schwarzlackiertem Bambus und zweihundert aus fünffarbig geknüpftem Blumenmuster — von jeder Sorte ist die Hälfte da, bis zum Herbst wird alles vollständig sein. Stuhlhüllen, Tischverkleidungen, Bettumrandungen und Tischtücher — jeweils eintausendzweihundert Stück — sind ebenfalls bereits vorhanden.“

Während sie im Gehen miteinander sprachen, versperrte plötzlich ein grüner Berg ihren Weg. Dahinter, halb verborgen in einer Talsenke, erhob sich eine niedrige Mauer aus gelbem Lehm, oben mit Reisstroh bedeckt. Hunderte von Aprikosenbäumen standen dort, deren Blüten wie sprühendes Feuer und dampfende Morgenwolken leuchteten. Innerhalb der Mauer lagen einige strohgedeckte Häuser. Außerhalb wuchsen Maulbeerbäume, Ulmen, Hibiskus und Seidenspinnereichen — junge Bäumchen, deren Zweige sich dem Gelände folgend zu einem doppelten grünen Flechtzaun verflochten. Vor dem Zaun, am Fuß des Berges, befand sich ein Dorfbrunnen mit Hebebaum und Winde. Weiter unten erstreckten sich in ordentlichen Beeten endlose Felder mit feinem Gemüse und blühenden Kräutern.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Dieser Ort hat etwas für sich. Zwar ist alles künstlich angelegt, doch beim Anblick überkommt mich unwillkürlich der Wunsch, mich aufs Land zurückzuziehen und Bauer zu werden. Gehen wir hinein und rasten!“

Er wollte gerade durch das Tor im Flechtzaun treten, als er am Wegesrand einen Stein entdeckte, der ebenfalls für eine Inschrift vorgesehen war.

Die Begleiter lachten: „Wie schön, wie schön! Hätte man hier eine Inschriftentafel aufgehängt, wäre die ländliche Stimmung dahin. Dieser Stein aber verleiht dem Ganzen noch mehr Charakter. Nur ein Vers von Fan Chengda [范石湖] könnte ihm gerecht werden.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dann schlagt etwas vor, meine Herren!“

Die Begleiter sagten: „Euer Sohn bemerkte vorhin: ‘Lieber Bekanntes zitieren als Neues ersinnen.’ Für diesen Ort ist ein alter Spruch höchst treffend. Am besten schreibt man einfach ‘Aprikosenblütendorf’ [杏花村].“

Aufrecht Kaufmann hörte dies, wandte sich lächelnd an Herrlichkeit Kaufmann und sagte: „Danke für die Anregung! Hier ist alles wunderbar, nur fehlt noch ein Weinwimpel. Lass morgen einen anfertigen — nicht prunkvoll, sondern im Stil einer richtigen Dorfschenke — und mit einer Bambusstange in einem Baumwipfel befestigen.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte zu und fügte hinzu: „Hier sollte man auch keine seltenen Vögel halten, sondern nur Gänse, Enten und Hühner — das würde viel besser passen.“

Aufrecht Kaufmann und alle Begleiter sagten: „Noch besser!“

Aufrecht Kaufmann sagte weiter: „‘Aprikosenblütendorf’ ist zwar schön, aber es gibt diesen Ortsnamen schon. Der eigentliche Name muss erst erbeten werden.“

Die Gäste sagten: „Richtig. Was für einen vorläufigen Namen wählt man?“

Alle überlegten. Schatzjade aber konnte nicht länger warten und platzte heraus, ohne den Befehl seines Vaters abzuwarten: „In einem alten Gedicht heißt es: ‘Vom Wipfel der roten Aprikose hängt eine Weinflagge herab’ [红杏梢头挂酒旗]. Wie wäre es mit ‘Der Aprikosenvorhang in der Ferne’ [杏帘在望]?“

Alle sagten: „Wunderbar, dieses ‘in der Ferne’! Und es spielt versteckt auf ‘Aprikosenblütendorf’ an.“

Schatzjade sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn man das Dorf ‘Aprikosenblüte’ nennte, wäre das der Gipfel der Geschmacklosigkeit. Es gibt doch auch den alten Vers: ‘Am Flechtzaun überm Wasser duften die Reisblüten’ [柴门临水稻花香]. Wie wäre es einfach mit ‘Reisduftdorf’ [稻香村]?“

Alle brachen in begeisterten Beifall aus und klatschten in die Hände: „Wunderbar!“

Aufrecht Kaufmann aber rief zornig: „Du unwissender Taugenichts! Du kennst ein paar alte Dichter und erinnerst dich an ein paar allbekannte Verse, und schon wagst du es, dich vor deinen Älteren aufzuspielen! Deinen Unsinn von vorhin habe ich dich nur erzählen lassen, um dein Urteilsvermögen zu testen und uns etwas zum Lachen zu geben — und du hast das ernst genommen!“

Damit führte er die Gesellschaft in eines der strohgedeckten Häuser. Drinnen: papierbespannte Fenster, ein Holzlager — von Reichtum und Vornehmheit keine Spur. Aufrecht Kaufmann war im Herzen höchst zufrieden, doch er blickte streng auf Schatzjade und fragte: „Wie gefällt es dir hier?“

Die Begleiter stießen Schatzjade heimlich an und soufflierten ihm, er solle sagen, es sei schön. Doch Schatzjade hörte nicht auf sie und antwortete unumwunden: „Lange nicht so gut wie ‘Ein Phönix erscheint in vollem Schmuck’.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dummer Kerl! Du weißt nur rotlackierte Säulen und buntbemalte Balken zu schätzen, für die Schönheit der Einfachheit und Zurückgezogenheit hast du keinen Sinn. Das ist die Folge davon, dass du die Bücher nicht studierst!“

Schatzjade erwiderte rasch: „Ihr belehrt mich zu Recht, Vater. Doch die Alten sprachen häufig von ‘Natürlichkeit’ [天然]. Ich frage mich, was sie damit meinten.“

Da Schatzjade so stur blieb, schüttelten die Begleiter den Kopf über seine Verstocktheit und sagten rasch: „Alles andere verstehst du, nur ‘natürlich’ nicht? ‘Natürlich’ heißt: was der Himmel von sich aus hervorbringt und nicht von Menschenhand geschaffen ist.“

Schatzjade sagte: „Na also! Hier ist ein Bauernhof hingestellt, offensichtlich künstlich angelegt und zusammengezwungen. In der Nähe kein Nachbardorf, im Umkreis keine Stadtmauer. Der Berg dahinter gehört zu keinem Gebirgszug, das Wasser davor hat keine Quelle. Oben keine Pagode eines verborgenen Klosters, unten keine Brücke zu einem Markt. Einsam ragt er empor — keineswegs eine ‘Große Anschauung’. Wie könnte er sich mit dem vorigen Ort messen, der natürliche Ordnung besitzt und natürlichen Geist atmet? Dort sind zwar auch Bambus gepflanzt und Quellen geleitet, doch das wirkt nicht aufgezwungen. Was die Alten ein ‘natürliches Bild’ nannten, bezieht sich gerade darauf, dass man nicht gewaltsam aus der falschen Stelle die richtige macht und nicht künstlich einen Berg aufhäuft, wo keiner sein sollte. Hundert Verfeinerungen helfen nicht, wenn sie einander widersprechen ...“

Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, brüllte Aufrecht Kaufmann zornig: „Schafft ihn hinaus!“ Doch kaum war Schatzjade draußen, rief er schon: „Komm zurück!“ und befahl ihm, einen Parallelspruch zu verfassen: „Wenn er nichts taugt, bekommst du Schläge auf den Mund!“

Schatzjade hatte keine Wahl und rezitierte:

„Am frischen Wasser, das da steigt, wäscht man die Stoffe aus, in guten Wolken, die da duften, pflückt der Gelehrte seinen Beifuß.“ [新涨绿添浣葛处,好云香护采芹人。]

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Noch schlechter.“ Damit führte er die Gesellschaft hinaus.

Sie gingen um den Berg herum, durch Blumen und Weiden, an Steinen entlang und an Quellen vorbei, durch eine Laube mit Kletterdistelrosen, in ein Spalier aus chinesischem Jasmin, über einen Pfingstrosenpavillon und durch ein Pfingstrosenbeet, in einen Wildrosenhof und hinaus aus einer Bananenstauden-Bucht. Nach vielen Windungen und Biegungen hörten sie plötzlich das Plätschern von Wasser, das aus einer Felsgrotte quoll. Oben hingen Efeu und Kriechpflanzen herab, unten trieben gefallene Blüten auf dem Wasser.

Alle riefen: „Was für eine Szenerie, was für eine Szenerie!“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Meine Herren, welchen Namen schlagt Ihr vor?“

Sie sagten: „Darüber braucht man gar nicht mehr nachzudenken — es sind genau die drei Zeichen ‘Quelle des Pfirsichblütenlands’ [武陵源].“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Wieder zu wörtlich. Und außerdem abgenutzt.“

Die Begleiter lachten: „Dann nehmen wir eben ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ [秦人旧舍].“

Schatzjade sagte: „Das ist noch schlimmer. ‘Die alte Zuflucht des Qin-Volkes’ spielt auf Flucht vor dem Chaos an — wie kann man das hier verwenden? Besser wäre ‘Wasserknöterich-Sandbank und Blütenbach’ [蓼汀花溬].“

Aufrecht Kaufmann hörte dies und kritisierte es noch schärfer als Unsinn.

Als sie nun in die Felsengrotte am Wasser eintreten wollten, fiel ihnen auf, dass kein Boot da war. Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Es gibt vier Lotosboote und ein Sitzboot, aber sie sind noch nicht fertig.“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Schade, da können wir nicht hinein.“

Herrlichkeit Kaufmann sagte: „Über den Bergpfad kann man ebenfalls dorthin gelangen.“

Daraufhin ging er voran, und alle folgten ihm, sich an Ranken festhaltend und an Bäumen abstützend. Jenseits des Berges trieben noch mehr gefallene Blüten auf dem noch klareren Wasser, das sich in anmutigen Windungen dahinschlängelte. Am Ufer standen zwei Reihen Trauerweiden, dazwischen Pfirsich- und Aprikosenbäume, die den Himmel verbargen und keinen Sonnenstrahl hindurchließen — nicht ein Stäubchen fand sich hier.

Plötzlich erschien unter den Weiden eine kleine Brücke mit rotem Geländer. Sie überquerten sie und kamen zu einem frischen, kühlen Gebäude mit wassergeschliffenen Ziegelwänden und hübsch verzierten Dachziegeln. Die Ausläufer des Hauptberges reichten durch die Mauer hindurch.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dieses Gebäude hier ist ziemlich nichtssagend.“ Doch als er durch das Tor trat, ragte plötzlich ein gewaltiger, durchbrochener Zierfelsen vor ihm auf, von allen Seiten von kleineren Steinen umgeben, die sämtliche Gebäude dahinter verbargen. Kein einziger Baum oder Strauch war zu sehen. Dafür wuchsen überall seltsame Kräuter: manche rankend, manche kletternd, manche vom Dachfirst herabhängend, manche durch Felsspalten wachsend, manche sich um Dachtraufen und Pfeiler windend, über Stufen und Treppen kriechend. Einige wiegten sich wie grüne Bänder, andere wanden sich wie goldene Seile, manche trugen Beeren, rot wie Zinnober, andere Blüten wie goldene Osmanthusblüten. Ein Duft, stärker als jedes Blumenaroma, erfüllte die Luft.

Aufrecht Kaufmann lachte und sagte: „Das ist reizvoll! Nur kann ich die meisten nicht erkennen.“

Manche sagten: „Das ist Efeu und Glyzinie.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Efeu und Glyzinien duften nicht so.“

Schatzjade sagte: „In der Tat nicht. Unter diesen Pflanzen sind zwar auch Glyzinien und Efeu. Aber die duftenden sind Angelikawurz und Melilotus-Gras [杜若蕡芜], jenes dürfte Iris sein [茍兰], dieses wohl Kudzu [清葛], das dort ist Goldschirmkraut [金簦草], dies hier Jadekletterrose [玉蓐藤]. Das Rote ist sicher Purpurwolkengras [紫芸], und das Grüne ist bestimmt Blauer Kalmus [青芷]. In Werken wie dem ‘Lied der Klage’ [离骚] und der ‘Literarischen Anthologie’ [文选] werden allerlei solcher seltsamen Kräuter erwähnt — manche heißen Huona, Jiangru, manche Lunzu, Zijiang, dann gibt es noch Steinsegel, Wasserkiefer, Fuliu und dergleichen, auch welche namens Grüner Keim, und dann Roter Pfeffer, Miwu und Fenglian. Nach all den Jahrhunderten können die Menschen sie nicht mehr erkennen und haben ihnen nach ihrer Form neue Namen gegeben, die allmählich von den alten abwichen — das kommt durchaus vor.“

Noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, fuhr Aufrecht Kaufmann ihn an: „Wer hat dich gefragt?“ Schatzjade erschrak und wich zurück, wagte nichts mehr zu sagen.

Aufrecht Kaufmann bemerkte auf beiden Seiten überdachte Wandelgänge und folgte ihnen. Da erschienen fünf helle Hallen, die von einem Vordach verbunden waren, mit Galerien an allen vier Seiten, grünen Fenstern und geölten Wänden — alles noch eleganter als die vorherigen Orte.

Aufrecht Kaufmann seufzte: „In dieser Halle könnte man Tee kochen und Zither spielen, ohne zusätzlich Räucherwerk zu verbrennen. Dieser Bau übertrifft alle Erwartungen. Ihr müsst unbedingt einen schönen neuen Namen dafür finden, meine Herren, damit er ihm gerecht wird.“

Die Begleiter sagten lächelnd: „Nichts passt besser als ‘Orchideenwind und Duftgrastau’ [兰风惠露].“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Diese vier Zeichen mögen genügen. Und der Parallelspruch?“

Einer sagte: „Ich habe mir einen ausgedacht, bitte korrigiert ihn.“ Er rezitierte:

„Moschusduft und Orchideennebel im Hof der Abendsonne, Angelikaduft weht über die Insel des Mondlichts.“ [麝兰芳霽斜阳院,杜若香飘明月洲。]

Die Begleiter sagten: „Schön ist es schon, nur das Wort ‘Abendsonne’ ist unpassend.“

Der Mann sagte: „Ein alter Dichter schrieb: ‘Mit Händen voll Angelikagras beweint man die sinkende Sonne.’“

Die Begleiter sagten: „Zu melancholisch, zu melancholisch!“

Ein anderer sagte: „Ich habe auch einen Parallelspruch, bitte beurteilt ihn.“ Er rezitierte:

„Drei Pfade im Duftwind wiegen die Jadeorchideen, ein Hof im Mondlicht bescheint die goldenen Iris.“ [三径香风飘玉惠,一庭明月照金兰。]

Aufrecht Kaufmann strich sich über den Bart und sann nach, als wollte er selbst etwas vorschlagen. Da bemerkte er Schatzjade, der schweigend daneben stand, und fuhr ihn an: „Warum sagst du jetzt nichts, wo du etwas sagen solltest? Muss man dich vielleicht erst darum bitten?“

Schatzjade antwortete: „Hier gibt es weder ‘Moschus und Orchideen’ noch ‘Mondlicht’ oder ‘Inseln und Auen’. Wenn man so beim Offensichtlichen bleibt, kann man zweihundert Parallelsprüche schreiben, und es wird nie genug sein.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Wer zwingt dich denn, genau diese Wörter zu verwenden?“

Schatzjade sagte: „Dann würde ich für die Tafel die vier Zeichen ‘Reine Frische von Melilotus und Kalmus’ [蕡芷清芬] vorschlagen. Und als Parallelspruch:

‘Ein Gedicht über Kardamom verfasst — noch blüht der Verse Pracht, im Schlaf der Teerosen gewiegt — auch Träume duften lind.’ [吟成豆蒻诗犹艳,睡足茶縣梦亦香。]“

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Das ist nach der Vorlage ‘Mit Bananenblättern beschrieben, die Schrift noch grün’ — nichts Besonderes.“

Die Gäste sagten: „Li Bais Gedicht über den Phönixterrassenturm folgte gänzlich dem Vorbild des Gelben-Kranich-Turms — es kommt nur darauf an, dass man geschickt nachahmt. Wenn man diesen Parallelspruch genau betrachtet, ist er sogar noch feinsinniger und lebendiger als ‘Mit Bananenblättern beschrieben’. Es ist eher so, als sei jener Vers diesem hier nachempfunden.“

Aufrecht Kaufmann sagte lachend: „So ein Unsinn!“

Damit gingen sie weiter. Bald erblickten sie eine mächtige, emporragende Halle mit hohen Stockwerken, allseits umgeben von glänzenden Palästen, verbunden durch geschwungene Wandelgänge. Grüne Kiefern streiften die Dachtraufen, Magnolien umrankten die Stufen, goldene Drachen- und bunte Fabelverzierungen leuchteten.

Aufrecht Kaufmann sagte: „Das ist die Haupthalle. Nur etwas zu prunkvoll.“

Alle sagten: „So muss es sein. Obwohl die Kaiserliche Konkubine Sparsamkeit schätzt und von Natur aus schlichte Eleganz dem Überfluss vorzieht, gebieten die Etikette ihres heutigen Ranges dies — es ist nicht zu viel.“

Im Weitergehen erschien plötzlich ein Torbogen aus Jade, umwunden von Drachen und geschützten Fabelwesen, kunstvoll gemeißelt.

Aufrecht Kaufmann fragte: „Welche Inschrift schlagt Ihr hier vor?“

Die Begleiter sagten: „Es müsste ‘Penglai-Feenland’ [蓬莱仙境] heißen.“

Aufrecht Kaufmann schüttelte schweigend den Kopf. Schatzjade, als er diesen Ort sah, fühlte plötzlich eine Regung im Herzen — es war, als hätte er ihn schon einmal gesehen, doch er konnte sich nicht erinnern, wann und wo. Aufrecht Kaufmann befahl ihm, etwas vorzuschlagen, doch Schatzjade war so in seine Gedanken an die vergangene Szenerie versunken, dass er gar nicht bei der Sache war.

Die Begleiter, die seine Geistesabwesenheit nicht verstanden, glaubten, er sei nach dem halben Tag der Prüfung erschöpft und sein Talent aufgebraucht. Sie fürchteten, weiteres Drängen könnte zu etwas Unangenehmem führen, und redeten rasch auf Aufrecht Kaufmann ein: „Genug, genug! Morgen kann er noch etwas vorschlagen.“

Auch Aufrecht Kaufmann sorgte sich, die Herzoginmutter könne unruhig werden, und sagte mit spöttischem Lächeln: „Da hat es dieses Tier doch tatsächlich einmal nicht gekonnt. Gut, ich gebe dir einen Tag Frist. Wenn du morgen noch immer nichts kannst, werde ich nicht nachsichtig sein. Dies ist ein wichtiger Ort — streng dich an!“

Damit führte er die Gesellschaft hinaus und sah sich noch einmal um. Seit dem Eingang hatten sie erst fünf oder sechs Zehntel des Gartens besichtigt. Zudem kam ein Bote mit einer Nachricht von Regendorf.

Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Den Rest können wir nicht mehr besuchen. Aber wir sollten wenigstens auf der anderen Seite hinausgehen, um auch den Rest wenigstens im Vorbeigehen zu sehen.“

Er führte die Gesellschaft weiter und kam zu einer großen Brücke, über die das Wasser wie ein kristallener Vorhang hinabstürzte. Diese Brücke war nämlich die Schleuse, durch die das Wasser vom Fluss draußen hereingeleitet wurde.

Aufrecht Kaufmann fragte: „Wie heißt diese Schleuse?“

Schatzjade sagte: „Dies ist die Hauptquelle des ‘Durchtränkt-mit-Duft’-Baches, also könnte man sie ‘Durchtränkt-mit-Duft-Schleuse’ [沁芳闸] nennen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Unsinn! Gerade das Wort ‘Durchtränkt mit Duft’ darf hier nicht verwendet werden.“

So gingen sie weiter und kamen an klaren Hallen und strohgedeckten Hütten vorbei, an aufgeschichteten Steinen und zu Fenstern geflochtenen Blumenranken, an einem buddhistischen Nonnenkloster am Fuß eines Berges und an einer daoistischen Einsiedelei im Wald, an langen Wandelgängen und gewundenen Grotten, an viereckigen und runden Pavillons. Aufrecht Kaufmann betrat keinen davon.

Nachdem ihm die Beine schmerzten, kam plötzlich ein weiterer Gebäudekomplex in Sicht. Aufrecht Kaufmann sagte lächelnd: „Hier müssen wir hineingehen und uns ausruhen.“

Er führte die Gesellschaft an Pfirsichblüten vorbei und durch ein Mondtor aus Bambus- und Blumengeflecht. Dahinter umschloss eine weiße Mauer einen von grünen Trauerweiden umgebenen Hof. Sie traten ein — auf beiden Seiten verbanden Wandelgänge die Gebäude. Im Hof waren einige Ziersteine aufgestellt, auf der einen Seite wuchsen Bananenstauden, auf der anderen stand ein Zierapfelbaum [西府海棠], dessen Krone sich wie ein Schirm wölbte, mit herabfallenden grünen Ranken und zinnoberroten Blüten.

Alle lobten: „Was für eine prächtige Blume! Wir haben schon viele Zieräpfel gesehen, aber nie einen so schönen.“

Aufrecht Kaufmann sagte: „Dies ist ein sogenannter ‘Mädchenapfel’ [女儿棠], eine ausländische Sorte. Die Legende sagt, er stamme aus dem ‘Land der Frauen’, wo er besonders üppig wachse — freilich ein absurdes Gerücht.“

Die Begleiter lachten: „Mag es auch unglaubwürdig sein — warum hat sich der Name so lange gehalten?“

Schatzjade sagte: „Vermutlich haben Dichter und Literaten die Blüte so genannt, weil ihr Rot dem aufgetragenen Rouge gleicht und ihre zarte Schwäche an eine sich aufstützende Kranke erinnert — beides ganz im Stile einer Frauengemachs-Ästhetik. Irgendwann haben dann vulgäre Menschen von der Welt diese Bezeichnung aufgegriffen und sie mit erfundenen Geschichten in Volkschroniken belegt. So wurde aus volkstümlicher Überlieferung erst Gewohnheit und dann vermeintliche Wahrheit.“

Alle nickten bewundernd.

Sie setzten sich auf eine Bank unter dem Vordach. Aufrecht Kaufmann fragte: „Welchen frischen Namen denkt Ihr Euch für diesen Ort aus?“

Ein Gast sagte: „‘Bananenkranich’ [蕉鹤] — das wäre passend.“

Ein anderer sagte: „‘Erhabener Glanz in bunten Farben’ [崇光泛彩] — das wäre besser.“

Aufrecht Kaufmann und die Begleiter sagten: „Schön, ‘Erhabener Glanz in bunten Farben’!“

Schatzjade sagte auch: „Wunderbar.“ Dann seufzte er: „Nur schade.“

Alle fragten: „Was ist denn schade?“

Schatzjade sagte: „Hier stehen Bananenstauden und Zieräpfel nebeneinander — die versteckte Bedeutung enthält die Zeichen ‘Rot’ und ‘Grün’. Sagt man nur ‘Banane’, kommt der Zierapfel nicht vor; sagt man nur ‘Zierapfel’, fehlt die Banane. Ohne Banane geht es nicht, ohne Zierapfel erst recht nicht.“

Aufrecht Kaufmann fragte: „Und was schlägst du vor?“

Schatzjade sagte: „Ich würde vorschlagen: ‘Roter Duft, grüner Jade’ [红香绿玉] — dann ist beides berücksichtigt.“

Aufrecht Kaufmann schüttelte den Kopf: „Taugt nichts, taugt nichts!“

Damit führte er die Gesellschaft ins Gebäude. Die Räume waren ganz anders eingerichtet als die bisherigen — man konnte gar keine Zimmerwände ausmachen, denn an allen vier Seiten standen durchbrochen geschnitzte Holzwände mit den verschiedensten Motiven: ‘Fließende Wolken und hundert Fledermäuse’, ‘Die drei Freunde der kalten Jahreszeit’, Landschaften und Figuren, Vögel und Blumen, zusammengesetzte Muster und gelehrte Altertümer, ‘Zehntausendfaches Glück und Langlebigkeit’ — alles von Meisterhand geschnitzt und mit fünffarbigem Gold und eingelassenen Edelsteinen verziert. Zwischen den einzelnen Abschnitten gab es Büchernischen, Stellen für Räuchergefäße, Plätze für Pinsel und Tusche, für Blumenvasen und Topflandschaften. Die Formen der Öffnungen waren alle verschieden: rund wie der Himmel und eckig wie die Erde, wie Sonnenblumenblätter oder Bananenblätter, als verschlungene Ringe oder Halbmonde. Es war ein einziges Fest für die Augen, durchsichtig und zierlich. Bald erblickte man fünffarbige Gaze — und es war ein kleines Fenster; bald sah man bunte Seide — und es war eine verborgene Tür. Die gesamten Wände waren mit Nischen versehen, die der Form von Antiquitäten und Kostbarkeiten folgten: Zithern, Schwerter, hängende Vasen und Tischparavents — alles an der Wand befestigt, doch bündig mit der Wandfläche.

Alle sagten: „Wie kunstvoll ausgedacht! Wie kommt man nur auf solche Ideen?“

Als Aufrecht Kaufmann und seine Begleiter eintraten, hatten sie nach zwei Raumabschnitten bereits die Orientierung verloren. Links schien eine Tür hindurchzuführen, rechts versperrte ein Fenster den Weg; ging man darauf zu, stand ein Bücherregal im Weg. Beim Umkehren sah man wieder durchscheinendes Gaze-Fenster und einen begehbaren Durchgang, doch vor der Tür kam ihnen plötzlich eine Gruppe Menschen entgegen, die genauso aussahen wie sie selbst — es war ein großer Spiegel aus Glas. Als sie um den Spiegel herumgingen, wurden die Durchgänge nur noch zahlreicher.

Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir, Herr. Durch diese Tür kommt man in den Hinterhof, und von dort ist der Ausgang näher als der Weg zurück.“

Nach zwei weiteren Durchgängen durch Gaze-Vorhänge und Brokat-Trennwände fanden sie tatsächlich eine Tür zum Hinterhof, der voller Wildrosenranken und Hagebutten war. Als sie um die Blumenwand bogen, versperrte ein klarer Bach den Weg.

Alle fragten erstaunt: „Woher kommt dieses Wasser?“

Herrlichkeit Kaufmann zeigte in die Ferne: „Es fließt von der Schleuse dort durch jene Grottenöffnung, wird im Nordosten um den Berg ins Dorf geleitet, dann teilt es sich und fließt nach Südwesten, bis es hier wieder zusammenkommt und durch die Mauer nach draußen abfließt.“

Alle sagten: „Genial, genial!“

Plötzlich versperrte ein großer Berg den Weg. Alle riefen: „Wir haben uns verirrt!“ Herrlichkeit Kaufmann sagte lächelnd: „Folgt mir!“ Er ging voran, und als sie am Fuß des Berges eine Biegung machten, lag plötzlich ein weiter, ebener Weg vor ihnen, und das große Haupttor kam in Sicht.

Alle sagten: „Was für ein Vergnügen! Wahrlich ein Meisterwerk der Gestaltungskunst!“ Damit gingen sie alle hinaus.

Schatzjade jedoch dachte noch immer an das Innere des Gartens und wartete auf eine Anweisung seines Vaters. Da er keine erhielt, folgte er ihm notgedrungen bis ins Arbeitszimmer. Dort fiel es Aufrecht Kaufmann plötzlich ein und er fuhr ihn an: „Du bist noch immer hier? Hast du nicht genug gesehen? Denkst du nicht daran, dass die Großmutter sich Sorgen macht? Geh sofort hinein! Sie verwöhnt dich ganz umsonst.“

Als Schatzjade das hörte, zog er sich erleichtert zurück.

[Ende des siebzehnten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans, Enkel der Herzoginmutter.
  2. Herzoginmutter (贾母, Jiǎ Mǔ) – ältestes und ranghöchstes Familienmitglied, Großmutter von Schatzjade.
  3. Herrlichkeit Kaufmann (贾珍, Jiǎ Zhēn) – Oberhaupt des Haus-Ning-Zweigs der Kaufmann-Familie.
  4. Aufrecht Kaufmann (贾政, Jiǎ Zhèng) – Vater von Schatzjade, strenger Konfuzianer und hoher Beamter.