Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 24"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 24) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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走到那邊房內便找小紅,問他方纔在屋裡說什麼。小紅道:「我何曾在屋裡的?只因我的手帕子不見了,往後頭找手帕子去。不想二爺要茶吃,叫姐姐們一個沒有,是我進去了,才倒了茶,姐姐們便來了。」秋紋聽了,兜臉啐了一口,罵道:「沒臉的下流東西!正經叫你去催水去,你說有事故,倒叫我們去,你可等著做這個巧宗兒。一里一里的,這不上來了。難道我們倒跟不上你了?你也拿鏡子照照,配遞茶遞水不配!」碧痕道:「明兒我說給他們,凡要茶要水送東送西的事,咱們都別動,只叫他去便是了。」秋紋道:「這麼說,不如我們散了,單讓他在這屋裡呢。」二人你一句我一句,正鬧著,只見有個老嬤嬤進來傳鳳姐的話說:「明日有人帶花兒匠來種樹,叫你們嚴禁些,衣服裙子別混曬混晾的。那土山上一溜都都攔著幃幙呢,可別混跑。」秋紋便問:「明兒不知是誰帶進匠人來監工?」那婆子道:「說什麼後廊上的芸哥兒。」秋紋,碧痕聽了都不知道,只管混問別的話。那小紅聽見了,心內卻明白,就知是昨兒外書房所見那人了。 | 走到那邊房內便找小紅,問他方纔在屋裡說什麼。小紅道:「我何曾在屋裡的?只因我的手帕子不見了,往後頭找手帕子去。不想二爺要茶吃,叫姐姐們一個沒有,是我進去了,才倒了茶,姐姐們便來了。」秋紋聽了,兜臉啐了一口,罵道:「沒臉的下流東西!正經叫你去催水去,你說有事故,倒叫我們去,你可等著做這個巧宗兒。一里一里的,這不上來了。難道我們倒跟不上你了?你也拿鏡子照照,配遞茶遞水不配!」碧痕道:「明兒我說給他們,凡要茶要水送東送西的事,咱們都別動,只叫他去便是了。」秋紋道:「這麼說,不如我們散了,單讓他在這屋裡呢。」二人你一句我一句,正鬧著,只見有個老嬤嬤進來傳鳳姐的話說:「明日有人帶花兒匠來種樹,叫你們嚴禁些,衣服裙子別混曬混晾的。那土山上一溜都都攔著幃幙呢,可別混跑。」秋紋便問:「明兒不知是誰帶進匠人來監工?」那婆子道:「說什麼後廊上的芸哥兒。」秋紋,碧痕聽了都不知道,只管混問別的話。那小紅聽見了,心內卻明白,就知是昨兒外書房所見那人了。 | ||
原來這小紅本姓林,小名紅玉,只因「玉」字犯了林黛玉、寶玉,便都把這個字隱起來,便都叫他「小紅」。原是榮國府中世代的舊僕,他父母現在收管各處房田事務。這紅玉年方十六歲,因分人在大觀園的時節,把他便分在怡紅院中,倒也清幽雅靜。不想後來命人進來居住,偏生這一所兒又被寶玉占了。這紅玉雖然是個不諳事的丫頭,卻因他有三分容貌,心內著實妄想痴心的往上攀高,每每的要在寶玉面前現弄現弄。只是寶玉身邊一干人,都是伶牙利爪的,那裡插的下手去。不想今兒才有些消息,又遭秋紋等一場惡意,心內早灰了一半。正悶悶的,忽然聽見老嬤嬤說起賈芸來,不覺心中一動,便悶悶的回至房中,睡在床上暗暗盤算,翻來掉去,正沒個抓尋。忽聽窗外低低的叫道:「紅玉,你的手帕子我拾在這裡呢。」紅玉聽了忙走出來看,不是別人,正是賈芸。紅玉不覺的粉面含羞,問道:「二爺在那裡拾著的?」賈芸笑道:「你過來,我告訴你。」一面說,一面就上來拉他。那紅玉急回身一跑,卻被門檻絆倒。要知端的,下回分解。 | 原來這小紅本姓林,小名紅玉,只因「玉」字犯了林黛玉、寶玉,便都把這個字隱起來,便都叫他「小紅」。原是榮國府中世代的舊僕,他父母現在收管各處房田事務。這紅玉年方十六歲,因分人在大觀園的時節,把他便分在怡紅院中,倒也清幽雅靜。不想後來命人進來居住,偏生這一所兒又被寶玉占了。這紅玉雖然是個不諳事的丫頭,卻因他有三分容貌,心內著實妄想痴心的往上攀高,每每的要在寶玉面前現弄現弄。只是寶玉身邊一干人,都是伶牙利爪的,那裡插的下手去。不想今兒才有些消息,又遭秋紋等一場惡意,心內早灰了一半。正悶悶的,忽然聽見老嬤嬤說起賈芸來,不覺心中一動,便悶悶的回至房中,睡在床上暗暗盤算,翻來掉去,正沒個抓尋。忽聽窗外低低的叫道:「紅玉,你的手帕子我拾在這裡呢。」紅玉聽了忙走出來看,不是別人,正是賈芸。紅玉不覺的粉面含羞,問道:「二爺在那裡拾著的?」賈芸笑道:「你過來,我告訴你。」一面說,一面就上來拉他。那紅玉急回身一跑,卻被門檻絆倒。要知端的,下回分解。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 24 | |
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| − | + | Der betrunkene Diamant-König zeigt großherzigen Sinn — Die verschlagene Schmeichelrede überzeugt Phönixglanz<ref>Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, „Strahlender Phönix".</ref> — Rotjädchen<ref>Chin. 红玉 Hóngyù „Rote Jade“, später umbenannt zu 小红 Xiǎo Hóng „Kleine Rote“, da „Jade“ (玉) an Schatzjades Namen erinnert und als anmaßend galt.</ref> begegnet Efeu Kaufmann<ref>Chin. 贾芸 Jiǎ Yún. 芸 yún „Raute/Efeu“. Ein mittelloser Neffe der Kaufmann-Familie.</ref> im Traum | |
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| − | + | Es wird erzählt, dass Kajaljade<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, „Kajal-Jade".</ref> gerade in Kummer und zärtliches Sinnieren versunken war, als ihr plötzlich jemand von hinten auf den Rücken klopfte und rief: „Was machst du hier ganz allein?" Kajaljade erschrak, drehte sich um — es war niemand anderes als Xiangling [Anm.: die entführte Tochter Wahrheitsverberger Echts, auch bekannt als Heldenlotus, nun Dienerin bei den Xues]. Kajaljade sagte: „Du dummes Mädchen, hast mich zu Tode erschreckt! Wo kommst du her?" Xiangling lachte kichernd: „Ich suche unsere Fräulein. Überall habe ich sie gesucht und kann sie nicht finden. Auch deine Purpurkuckuck sucht nach dir, sie sagt, dass die Frau Lian ein paar Teeblätter für dich geschickt hat. Komm, gehen wir nach Hause!" Dabei nahm sie Kajaljade an der Hand und ging mit ihr zum Xiaoxiang-Pavillon zurück. Tatsächlich hatte Phönixglanz zwei kleine Fläschchen erlesenen Tee geschickt. Kajaljade und Xiangling setzten sich zusammen. Da sie keine wichtigen Dinge zu besprechen hatten, plauderten sie nur über Stickereien — diese sei besonders hübsch, jene besonders fein —, spielten eine Partie Schach und lasen zwei Sätze in einem Buch, bis Xiangling sich verabschiedete. Davon sei nicht weiter die Rede. | |
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| + | Nun sei erzählt, dass Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".</ref>, nachdem Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xírén, „die Überraschende".</ref> ihn nach Hause geholt hatte, dort auf Mandarinenente<ref>Chin. 鸳鸯 Yuānyāng „Mandarinenente“. Die engste Kammerzofe der Herzoginmutter.</ref> [鸳鸯] traf, die auf dem Bett lag und Dufthauchs Näharbeit betrachtete. Als sie Schatzjade kommen sah, sagte sie: „Wo hast du dich herumgetrieben? Die alte Großmutter wartet auf dich und will, dass du drüben dem Großen Herrn deine Aufwartung machst. Beeil dich und zieh dich um!" Dufthauch ging sogleich ins Zimmer, um die Kleidung herauszusuchen. Schatzjade setzte sich auf die Bettkante, zog die Schuhe aus und wartete, dass man ihm die Stiefel brachte. Er blickte sich um und sah Mandarinenente in einem wasserroten Seidenhemd mit einer blauen Satinweste, um die Taille ein weißes Krepp-Schweißtuch gebunden, den Kopf gesenkt, die Näharbeit betrachtend, um ihren Hals trug sie ein Blumenhalsband. Schatzjade schmiegte sein Gesicht an ihren Nacken, sog den Duft des Haaröls ein und konnte nicht aufhören, sie zu streicheln — ihre Haut war ebenso weiß und zart wie die Dufthauchs. Schon kletterte er an ihr hoch und sagte grinsend: „Gute Schwester, lass mich die Schminke von deinen Lippen kosten." Dabei schmiegte er sich wie Zuckerstangen-Toffee an sie. | ||
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| + | Mandarinenente rief laut: „Dufthauch, komm her und sieh dir das an! Du begleitest ihn ein ganzes Leben lang und ermahnst ihn nicht, und er benimmt sich immer noch so!" Dufthauch kam mit den Kleidern heraus und sagte zu Schatzjade: „Ob ich links ermahne oder rechts ermahne, du änderst dich nicht. Was soll nur werden? Wenn du so weitermachst, wird es schwierig, hier zu wohnen." Dabei half sie ihm, die Kleider anzuziehen, und zusammen mit Mandarinenente ging man nach vorne zu Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, Matriarchin der Kaufmann-Familie.</ref>. Nach dem Besuch bei Herzoginmutter ging Schatzjade hinaus — Pferde und Diener standen schon bereit. Gerade wollte er aufsteigen, da sah er Kette Kaufmann, der gerade von einem Höflichkeitsbesuch zurückkam und abstieg. Die beiden standen einander gegenüber und wechselten ein paar Worte. Da trat eine Person von der Seite hervor und grüßte: „Guten Tag, Onkel Schatzjade." Schatzjade blickte hin und sah einen jungen Mann mit ovalem Gesicht und schlanker, hochgewachsener Gestalt, etwa achtzehn oder neunzehn Jahre alt, recht hübsch und gepflegt, der ihm irgendwie bekannt vorkam, nur konnte er sich nicht erinnern, aus welcher Linie der Familie er stammte und wie er hieß. Kette Kaufmann lachte: „Was stehst du so verdutzt da? Erkennst du ihn nicht? Das ist der Sohn der Fünften Schwägerin aus dem hinteren Gang, unser Yun." Schatzjade lachte: „Ach ja, natürlich! Wie konnte ich das vergessen." Er fragte nach dem Befinden seiner Mutter und was er gerade zu tun habe. Efeu Kaufmann zeigte auf Kette Kaufmann: „Ich wollte mit dem Zweiten Onkel ein Wort reden." Schatzjade lachte: „Du bist ja noch stattlicher geworden als früher. Du siehst aus wie mein Sohn." Kette Kaufmann lachte: „Was für eine Unverschämtheit! Er ist vier oder fünf Jahre älter als du, und du machst ihn zu deinem Sohn?" Schatzjade lachte: „Wie alt bist du jetzt?" Efeu Kaufmann antwortete: „Achtzehn." | ||
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| + | Nun war dieser Efeu Kaufmann von Natur aus äußerst geschickt und aufgeweckt. Als er hörte, was Schatzjade sagte, lachte er und erwiderte: „Man sagt ja: ›Der Großvater in der Wiege, das Enkelkind am Krückstock.‹ Obwohl ich älter bin — der Berg ist noch so hoch, er reicht nicht an die Sonne heran. Seit mein Vater gestorben ist, kümmert sich niemand mehr um mich oder leitet mich an. Wenn Onkel Schatzjade mich nicht verschmäht und mich als Sohn annähme, wäre das mein großes Glück." Kette Kaufmann lachte: „Hast du gehört? Einen Sohn annehmen ist keine leichte Sache!" Damit ging er hinein. Schatzjade lachte: „Komm morgen, wenn du Zeit hast, zu mir. Treib dich nicht mit den anderen heimlich herum. Jetzt gerade habe ich keine Zeit. Morgen kommst du in die Bibliothek, wir unterhalten uns, und ich nehme dich mit in den Garten zum Spielen." Damit stieg er in den Sattel, und umgeben von seinen Dienern ritt er zu Begnadigung Kaufmann [贾赦]s Residenz hinüber. | ||
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| + | Als er Begnadigung Kaufmann sah — es war nichts als eine leichte Erkältung —, übermittelte er zuerst Herzoginmutters besorgte Frage und machte dann seine eigene Aufwartung. Begnadigung Kaufmann stand zunächst auf, um Herzoginmutters Worte zu erwidern, und befahl dann einem Diener: „Bringt den jungen Herrn hinein zur Gnädigen Frau." Schatzjade trat ab und ging nach hinten in die obere Stube. Als Frau Strafe [Anm.: Begnadigung Kaufmanns Ehefrau] ihn kommen sah, stand sie zuerst auf und erkundigte sich nach Herzoginmutters Befinden; erst dann machte Schatzjade seine Verbeugung. Frau Strafe zog ihn zu sich aufs Kang [Anm.: beheizbare Schlafbank], fragte nach dem Befinden der anderen und ließ Tee bringen. Noch hatte er keine Tasse ausgetrunken, da kam Jia Cong herein, um Schatzjade zu begrüßen. Frau Strafe schalt: „Wo hat man diesen wilden Affen aufgetrieben! Ist deine Amme ausgestorben? Nicht einmal zurechtgemacht hat sie dich, mit schwarzem Gesicht und schmutzigem Mund — so sieht doch kein Kind aus guter Familie aus, das in die Schule geht!" | ||
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| + | Gerade als sie so sprach, kamen auch Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann, der kleine Onkel und der Neffe, herein, machten ihre Verbeugung, und Frau Strafe hieß sie auf Stühlen Platz nehmen. Unheil Kaufmann sah, dass Schatzjade neben Frau Strafe auf derselben Sitzpolsterung saß und Frau Strafe ihn auf alle erdenkliche Weise hätschelte und liebkoste — schon war er innerlich unzufrieden. Nach einer kurzen Weile machte er Orchidee Kaufmann Zeichen, dass sie gehen sollten. Orchidee Kaufmann musste ihm folgen, und beide standen auf, um sich zu verabschieden. Schatzjade sah, dass sie gehen wollten, und wollte selbst auch aufstehen, um mit ihnen zurückzukehren. Frau Strafe lachte: „Bleib noch sitzen, ich habe noch etwas mit dir zu besprechen." Schatzjade musste sich wieder setzen. Frau Strafe wandte sich an die beiden: „Geht nach Hause und grüßt mir eure Mütter. Eure Schwestern sind alle hier und haben mir schon Kopfschmerzen bereitet, deshalb behalte ich euch heute nicht zum Essen." Unheil Kaufmann und die anderen bejahten und gingen nach Hause. | ||
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| + | Schatzjade fragte lächelnd: „Sind die Schwestern wirklich alle hier? Wie kommt es, dass ich sie nicht sehe?" Frau Strafe sagte: „Sie haben eine Weile hier gesessen und sind dann irgendwohin nach hinten gegangen, ich weiß nicht, in welches Zimmer." Schatzjade fragte: „Was für etwas Gutes wollte die Tante mir denn geben, wovon sie eben sprach?" Frau Strafe lächelte: „Wo gibt es da etwas Besonderes? Ich wollte nur, dass du wartest und mit deinen Schwestern zu Abend isst. Außerdem habe ich ein hübsches Spielzeug für dich, das du mitnehmen kannst." Mutter und Sohn plauderten, und ehe man sich versah, war es schon Essenszeit. Man stellte Tische und Stühle auf, reihte Tassen und Teller auf, und nachdem Mutter, Töchter und Schwestern gegessen hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Begnadigung Kaufmann, kehrte mit den Schwestern gemeinsam nach Hause zurück, besuchte Herzoginmutter und Dame König und ging dann jeweils in die eigenen Gemächer zur Ruhe. Davon sei nicht weiter die Rede. | ||
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| + | Nun sei erzählt, wie Efeu Kaufmann zu Kette Kaufmann ging und sich erkundigte, ob es nicht irgendeine Aufgabe für ihn gäbe. Kette Kaufmann berichtete ihm: „Vor ein paar Tagen kam tatsächlich eine Sache auf, doch dummerweise hat deine Tante [Anm.: Phönixglanz] mich mehrmals darum gebeten, und ich habe sie Jia Qin gegeben. Sie hat mir versprochen, dass es im Garten noch einige Stellen gibt, an denen Blumen und Bäume gepflanzt werden müssen — wenn dieses Projekt herauskommt, bekommst du es ganz bestimmt." Efeu Kaufmann hörte das und sagte nach langem Schweigen: „Wenn dem so ist, dann warte ich eben. Der Onkel braucht der Tante gegenüber auch nicht zu erwähnen, dass ich heute hier war und mich erkundigt habe. Wenn es soweit ist, ist es noch früh genug." Kette Kaufmann sagte: „Warum sollte ich das erwähnen? Ich habe doch gar nicht so viel Zeit für müßiges Geschwätz. Morgen früh um fünf muss ich nach Xingyi reiten und am selben Tag zurück sein. Geh du erst mal und warte. Übermorgen nach Einbruch der Dunkelheit kommst du wieder, um Bescheid zu holen; kommst du zu früh, habe ich keine Zeit." Damit ging er in den hinteren Teil, um sich umzuziehen. | ||
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| + | Efeu Kaufmann verließ die Prunkwille-Anwesen und ging nach Hause. Unterwegs überlegte er und kam auf eine Idee. Er ging geradewegs zum Haus seines Onkels mütterlicherseits, Keinmensch Bu<ref>Chin. 卜世仁 Bǔ Shìrén. Der Name klingt wie 不是人 bú shì rén „kein Mensch“ — ein geiziger Onkel.</ref> [Anm.: der Name klingt im Chinesischen wie „nicht menschlich/unmenschlich"]. Dieser Keinmensch Bu betrieb einen Gewürzladen. Er war gerade aus dem Laden gekommen, als plötzlich Efeu Kaufmann hereinkam. Sie begrüßten einander, und Keinmensch Bu fragte, was ihn so spät herführe. Efeu Kaufmann sagte: „Ich habe eine Bitte an den Onkel. Es gibt eine Sache, für die ich etwas Kampfer und Moschus brauche. Guter Onkel, könntest du mir je vier Liang [Anm.: chinesisches Gewichtsmaß, ca. 37 g] davon auf Kredit geben? Im achten Monat bringe ich pünktlich das Geld." Keinmensch Bu lachte kalt: „Red nicht von Kredit! Neulich hat auch ein Angestellter in unserem Laden für einen Verwandten ein paar Liang Silber Ware auf Kredit genommen und bis heute nicht zurückgezahlt. Deshalb haben wir alle zusammengelegt und eine Vereinbarung getroffen: Kein Kredit mehr an Verwandte oder Freunde. Wer dennoch Kredit gibt, muss zwanzig Liang Silber Strafe zahlen und die anderen bewirten. Außerdem ist diese Ware jetzt knapp — selbst wenn du mit Bargeld in unseren bescheidenen Laden kämst, hätten wir das nicht. Das ist erstens. Zweitens: Was hast du schon für ordentliche Geschäfte? Du nimmst es auf Kredit und vertust es wieder. Du wirst nur sagen, der Onkel hat dich wieder einmal zurechtgewiesen. Du junger Mann weißt wirklich nicht, was gut für dich ist — du solltest dir mal einen Plan machen, etwas Geld verdienen, damit du ordentlich angezogen bist und zu essen hast, dann freue auch ich mich." | ||
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| + | Efeu Kaufmann lachte: „Der Onkel redet sich leicht. Als mein Vater starb, war ich noch klein und wusste nichts von der Welt. Später erzählte mir meine Mutter, dass es die Onkel waren, die bei der Beerdigung alles organisiert haben. Da weiß der Onkel doch selbst — hatten wir etwa noch einen Morgen Land oder zwei Zimmer Haus, die ich jetzt durchgebracht hätte? Eine geschickte Frau kann keinen Brei ohne Reis kochen — was soll ich denn tun? Und ich bin noch einer der Besseren! Wäre es ein anderer, der käme schamlos alle paar Tage, um drei Sheng Reis oder zwei Sheng Bohnen zu betteln, da wüsste der Onkel auch keinen Rat!" | ||
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| + | Keinmensch Bu sagte: „Mein Lieber, wenn der Onkel hätte, würde es sich doch von selbst verstehen. Ich sage jeden Tag zu deiner Tante, ich sorge mich nur, dass du keine Pläne hast. Wenn du dich nur ein wenig auf die Beine stellen könntest und zur Hauptfamilie gingest — selbst wenn du die jungen Herren nicht sehen kannst, dann beug dich ein wenig und mach dich bei den Verwaltern oder Vorarbeitern beliebt, dann bekommst du auch etwas zu tun. Neulich war ich vor der Stadt und traf euren Vierten aus der dritten Linie — er ritt auf einem großen Esel, hatte fünf Fuhrwerke dabei, vierzig oder fünfzig Mönche und Daoisten, und zog zum Familientempel! Wäre er nicht tüchtig gewesen, wäre ihm diese Aufgabe nie zugefallen!" Efeu Kaufmann hörte seinem endlosen Gerede zu und konnte es nicht mehr ertragen. Er erhob sich und wollte sich verabschieden. Keinmensch Bu sagte: „Warum so eilig? Iss doch erst zu Mittag." Kaum hatte er das gesagt, da rief seine Frau von drinnen: „Da bist du wieder ganz verwirrt! Wir haben doch gesagt, wir haben keinen Reis mehr, und haben für ein halbes Pfund Nudeln Geld ausgegeben, damit du etwas zu essen hast. Und jetzt tust du wieder dick! Soll der Neffe etwa hungern?" Keinmensch Bu sagte: „Dann kaufe noch ein halbes Pfund dazu." Die Frau rief dem Mädchen: „Yinjie, geh rüber zu Dame König auf der anderen Straßenseite und frag, ob wir zwanzig oder dreißig Münzen borgen können, morgen geben wir sie zurück." Während das Ehepaar noch redete, hatte Efeu Kaufmann bereits mehrmals „Macht euch keine Umstände!" gerufen und war spurlos verschwunden. | ||
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| + | Von der Familie Bu sei nicht weiter die Rede. Nun erzählen wir, wie Efeu Kaufmann zornig das Haus seines Onkels verließ und den alten Weg zurückging, innerlich ganz verstimmt. Er überlegte hin und her, den Kopf gesenkt, und achtete nicht auf den Weg. Da stieß er prompt mit einem Betrunkenen zusammen, was Efeu Kaufmann einen gehörigen Schreck einjagte. Er hörte den Betrunkenen fluchen: „Zum Teufel mit deiner Mutter! Bist du blind, rempelst mich an!" Efeu Kaufmann wollte schnell ausweichen, doch der Betrunkene hatte ihn schon am Kragen gepackt. Als er genauer hinsah, war es niemand anderes als sein direkter Nachbar Zweiter Ni<ref>Chin. 倩二 Ní Èr, genannt „Betrunkener Diamant-König“ (醉金刚). Ein rauer, aber gerechter Wucherer.</ref>. Dieser Zweiter Ni war ein Raufbold, der mit Wucherzinsen Geld verlieh und in Spielhöllen sein Unwesen trieb. Gerade kam er betrunken von einem Schuldner zurück, bei dem er Zinsen eingetrieben hatte, und war in übler Stimmung. Als Efeu Kaufmann ihn anrempelte, holte er schon mit der Faust aus. Da rief die Person: „Zweiter, halt! Ich bin es, der dich angerempelt hat!" Zweiter Ni hörte die vertraute Stimme, riss die trunkenen Augen auf und sah, dass es Efeu Kaufmann war. Sofort ließ er los, schwankte und lachte: „Ach, der Zweite Herr Jia! Verzeih, verzeih. Wo willst du hin?" Efeu Kaufmann sagte: „Ach, du willst es gar nicht wissen — ich habe mir eine Abfuhr geholt, ganz umsonst." Zweiter Ni sagte: „Kein Problem, kein Problem! Was für eine Ungerechtigkeit ist dir widerfahren? Sag es mir, ich helfe dir. In diesen drei Straßen und sechs Gassen — ganz gleich wer es ist — wer meinen Nachbarn, den Betrunkenen Diamant-König Zweiter Ni, beleidigt, den jage ich in den Ruin!" Efeu Kaufmann sagte: „Zweiter, beruhige dich erst. Lass mich dir die Sache erzählen." Dann berichtete er die ganze Geschichte mit Keinmensch Bu. Zweiter Ni geriet in Rage: „Wäre er nicht dein Onkel, würde ich solche Flüche ausstoßen, die nicht wiederholbar sind! Das macht mich wahrhaftig wütend! Aber so ist es nun einmal. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen — ich habe hier gerade ein paar Liang Silber. Was immer du brauchst, nimm es und kaufe dir, was du willst. Nur eines: All die Jahre sind wir Nachbarn, und ich bin draußen bekannt als Geldverleiher, aber du hast mich noch nie um etwas gebeten. Ich weiß nicht, ob du mich für einen Rüpel hältst und dich durch Umgang mit mir erniedrigen würdest, oder ob du meine hohen Zinsen fürchtest. Wenn du die hohen Zinsen fürchtest — dieses Silber verleihe ich dir ohne Zinsen und ohne Schuldschein. Wenn du dich aber erniedrigen würdest, wage ich es nicht, dir etwas zu leihen, und wir gehen jeder unserer Wege." Damit zog er tatsächlich ein Bündel Silber aus seiner Umhängetasche. | ||
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| + | Efeu Kaufmann überlegte bei sich: „Obwohl Zweiter Ni ein Raufbold ist, handelt er doch nach der Person — er hat durchaus einen Ruf als großherziger Gerechtigkeitskämpfer. Wenn ich heute seine Gunst nicht annehme und ihn vor den Kopf stoße, könnte er womöglich Ärger machen. Besser, ich nehme sein Geld und zahle es ihm später doppelt zurück." So gefasst, lachte er: „Zweiter, du bist wahrhaftig ein Ehrenmann. Wie hätte ich nicht an dich denken sollen! Nur sah ich, dass du mit lauter mutigen und tatkräftigen Leuten verkehrst — solche Nichtsnutze wie mich beachtest du gar nicht. Hätte ich dich angesprochen, du hättest mir doch nichts geliehen. Heute, da du mir so großzügig entgegenkommst — wie könnte ich ablehnen? Morgen gehe ich nach Hause und schreibe einen ordentlichen Schuldschein." Zweiter Ni lachte laut: „Was für ein Redner! Was du da sagst, mag ich gar nicht hören. Wenn man ›Freundschaft pflegen‹ sagt, wie kann man dann Geld verleihen und Zinsen nehmen? Wenn man Geld verleiht und Zinsen kassiert, ist es keine Freundschaft mehr. Genug der Reden! Wenn du mich wirklich mit einem freundlichen Auge ansiehst — hier sind fünfzehn Liang und drei Qian mit ein paar Fen Silber obendrauf. Nimm es und kaufe, was du brauchst. Wenn du einen Schuldschein schreiben willst, dann gib mir lieber gleich das Silber zurück, damit ich es anderen verleihe, die zahlungsfähig sind." Efeu Kaufmann hörte das, nahm das Silber an und lachte: „Dann schreibe ich eben keinen — was die Eile!" Zweiter Ni lachte: „So ist es recht. Es wird dunkel, ich biete dir weder Tee noch Wein an — ich muss noch drüben etwas erledigen. Geh bitte nach Hause. Aber tu mir einen Gefallen und richte meiner Familie aus, sie sollen früh die Tür abschließen und schlafen gehen; ich komme heute Nacht nicht nach Hause. Falls es etwas Dringendes gibt, soll meine Tochter mich morgen früh bei dem Pferdehändler König Kurzbein suchen." Damit schwankte er taumelnd davon. Davon sei nicht weiter die Rede. | ||
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| + | Nun sei erzählt, dass Efeu Kaufmann über diesen Zufall höchst erstaunt war und fand, dass Zweiter Ni tatsächlich ein wahrer Kerl sei. Nur fürchtete er, der Betrunkene könnte in seiner momentanen Großzügigkeit morgen das Doppelte fordern — was dann? Er war unschlüssig. Da dachte er: „Macht nichts. Wenn die Sache klappt, kann ich es ihm doppelt zurückzahlen." Damit ging er geradewegs zu einem Geldwechsler und ließ das Silber wiegen: fünfzehn Liang, drei Qian, vier Fen und zwei Li. Efeu Kaufmann sah, dass Zweiter Ni nicht gelogen hatte, und freute sich noch mehr. Er steckte das Silber ein und ging nach Hause. Zuerst schaute er beim Nachbarn vorbei und gab Zweiter Nis Frau die Nachricht weiter, dann ging er heim. Seine Mutter saß auf dem Kang und drehte Fäden. Als sie ihn hereinkommen sah, fragte sie, wo er den ganzen Tag gewesen sei. Efeu Kaufmann wollte seine Mutter nicht verärgern und erwähnte Keinmensch Bu mit keinem Wort, sondern sagte nur, er habe in der Westresidenz auf den Zweiten Onkel Lian gewartet. Dann fragte er, ob seine Mutter schon gegessen habe. Die Mutter hatte schon gegessen und sagte, sein Essen stehe dort bereit. Ein kleines Dienstmädchen brachte es ihm. | ||
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| + | Es war bereits Lampenzündzeit. Efeu Kaufmann aß, machte sich fertig und legte sich schlafen. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Morgen stand er zeitig auf, wusch sich und ging aus dem Südtor zum großen Gewürzhändler, wo er Kampfer und Moschus kaufte. Dann machte er sich auf den Weg zur Prunkwille-Anwesen. Er erfuhr, dass Kette Kaufmann bereits ausgegangen war, und so ging Efeu Kaufmann nach hinten. | ||
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| + | Am Tor von Kette Kaufmanns Hof sah er einige Diener, die mit großen Besen den Hof fegten. Da kam die Frau des Zhou Rui aus der Tür und rief den Dienern zu: „Hört auf zu fegen, die Gnädige Frau kommt heraus!" Efeu Kaufmann trat eilig vor und fragte lächelnd: „Wohin geht die Zweite Tante?" Die Frau des Zhou Rui sagte: „Die Alte Großmutter hat rufen lassen. Vermutlich soll ein Stoff zugeschnitten werden." Gerade als sie sprach, kam eine ganze Schar von Dienerinnen heraus, die Phönixglanz begleiteten. Efeu Kaufmann kannte Phönixglanz gut genug, um zu wissen, dass sie Schmeichelei liebte und großen Aufwand schätzte. Eilig verschränkte er die Hände, verneigte sich tief und eilte vor, um seine Aufwartung zu machen. Phönixglanz würdigte ihn keines geraden Blickes, ging weiter und fragte nur: „Geht es deiner Mutter gut? Warum kommt sie nicht einmal zu uns herüber?" Efeu Kaufmann sagte: „Sie ist nicht ganz gesund, denkt aber immer an die Tante und möchte sie besuchen, nur kann sie nicht kommen." Phönixglanz lachte: „Da ist er wieder, der Schmeichler! Wenn ich nicht von ihr angefangen hätte, hättest du gar nicht erwähnt, dass sie an mich denkt." Efeu Kaufmann lachte: „Der Neffe fürchtet den Blitzschlag! Würde ich es wagen, vor Älteren zu lügen? Erst gestern Abend sprach meine Mutter von der Tante und sagte, die Tante sei von zarter Konstitution und habe doch so viel zu tun — wie bewundernswert, dass sie alles so vollkommen erledige. Wäre eine andere nur ein wenig schwächer, sie wäre längst erschöpft zusammengebrochen." | ||
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| + | Phönixglanz hörte das, und ihr Gesicht strahlte. Unwillkürlich blieb sie stehen und fragte: „Wieso redet ihr Mutter und Sohn hinter meinem Rücken über mich?" Efeu Kaufmann sagte: „Es gibt einen Grund dafür. Ich habe einen Freund, dessen Familie etwas Geld hat und einen Gewürzladen betreibt. Da er sich einen Posten als Bezirksrichter erkauft hat, wurde er neulich irgendwohin nach Yunnan versetzt. Mitsamt seiner Familie zog er fort und gab den Laden hier auf. So hat er seine Waren zusammengerechnet, die Schulden bezahlt, die billigen Sachen billig verschleudert, und die feinen, teuren Waren als Geschenke an Verwandte und Freunde verteilt. Mir schenkte er einiges an Kampfer und Moschus. Nun überlegte ich mit meiner Mutter: Wenn man es weiterverkauft, bekommt man nicht den Originalpreis — und wer hätte schon so viel Silber, um diese Dinge zu kaufen? Selbst reiche Familien verwenden höchstens ein paar Fen oder Qian davon, da würden sie vor den Kosten zurückschrecken. Wollte man es verschenken — es gäbe niemanden, der es verdient hätte. Es wäre dann keinen Heller wert und müsste unter Wert verschleudert werden. Da dachte ich an die Tante. In früheren Jahren sah ich die Tante noch große Beutel Silber ausgeben, um solche Dinge zu kaufen. Ganz zu schweigen davon, dass dieses Jahr die Kaiserliche Gemahlin im Palast ist — allein schon zum Drachenbootfest braucht man gewiss zehnmal mehr von solchen Duftessenzen als sonst. So kam ich nach langem Nachdenken darauf, dass einzig die Tante es verdient, sie zu empfangen — nur so würde man diese Kostbarkeiten nicht verschleudern." Während er sprach, hob er eine Brokatschatulle hoch. | ||
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| + | Phönixglanz hatte gerade die Festgeschenke für das Drachenbootfest vorzubereiten und Gewürze und Arzneien einzukaufen. Als Efeu Kaufmann so mit seiner Gabe erschien und diese wohlgesetzte Rede hielt, war sie im Herzen gleichermaßen geschmeichelt und erfreut. Sie befahl Feng'er: „Nimm das Geschenk des Yun-Neffen entgegen und bring es nach Hause, gib es Friedchen<ref>Chin. 平儿 Píng'ér, Phönixglanz' Kammerzofe.</ref>." Dann sagte sie weiter: „Man sieht, dass du ein dankbarer Mensch bist. Kein Wunder, dass dein Onkel immer von dir spricht und sagt, du redest verständig und hast Einsicht." Efeu Kaufmann hörte, dass er im Hafen war, und wagte einen Schritt weiter, indem er absichtlich fragte: „Hat der Onkel denn wirklich einmal von mir gesprochen?" Phönixglanz wollte gerade antworten und ihm von der geplanten Aufgabe erzählen, doch hielt sie rasch inne und dachte bei sich: „Wenn ich ihm das jetzt sage, sieht es so aus, als könnte ich keinen Geschenken widerstehen und würde ihm für diese kleine Aufmerksamkeit sofort eine Stelle verschaffen. Nein, heute erwähne ich das lieber nicht." So vertuschte sie die Sache mit der Blumenpflanzung vollständig, sprach ein paar belanglose Worte und ging dann zu Herzoginmutter hinüber. Efeu Kaufmann wagte auch nicht, die Sache anzusprechen, und ging zurück. | ||
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| + | Da er sich erinnerte, dass Schatzjade ihm gestern gesagt hatte, er solle in der äußeren Bibliothek auf ihn warten, ging Efeu Kaufmann nach dem Essen erneut hinein und zum Qixian-Studio bei Herzoginmutters Hoftor. Dort sah er die kleinen Diener Beiming und Chuyao beim Schachspielen — sie stritten gerade um einen „Wagen" und zankten sich. Weitere vier oder fünf Diener, Yinquan, Saohua, Tiaoyun und Banhe, kletterten auf den Dachvorsprüngen herum und fingen kleine Sperlinge zum Spielen. | ||
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| + | Efeu Kaufmann betrat den Hof, stampfte mit dem Fuß auf und rief: „Ihr Affenbande! Schluss mit dem Unfug, ich bin da!" Die Diener sahen Efeu Kaufmann und stoben auseinander. Efeu Kaufmann betrat das Zimmer, setzte sich auf einen Stuhl und fragte: „Ist der Zweite Herr noch nicht heruntergekommen?" Beiming sagte: „Heute ist er den ganzen Tag nicht heruntergekommen. Sagen Sie mir, was es ist, und ich spioniere für Sie." Damit ging er hinaus. Hier betrachtete Efeu Kaufmann nun die Kalligrafien, Gemälde und Antiquitäten. Es verging eine gute Mahlzeit lang, und noch immer kam Beiming nicht zurück. Als er nach den anderen Dienern sah, waren auch die alle zum Spielen davongelaufen. Gerade als Efeu Kaufmann sich langweilte, hörte er vor der Tür eine zarte, jugendliche Stimme „Bruder" rufen. | ||
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| + | Efeu Kaufmann blickte hinaus und sah ein Mädchen von sechzehn oder siebzehn Jahren, recht fein und hübsch. Als das Mädchen Efeu Kaufmann erblickte, wich sie zur Seite aus. Da kam gerade Beiming zurück, sah das Mädchen vor der Tür stehen und sagte: „Gut, gut, endlich finde ich jemanden zum Nachrichtenbringen." Efeu Kaufmann kam auch heraus und fragte, was los sei. Beiming sagte: „Den ganzen Tag gewartet und keine Menschenseele kam vorbei. Das hier ist ein Mädchen aus dem Zimmer des Zweiten Herrn. Gutes Fräulein, geh hinein und richte aus, dass der Zweite Herr vom Gang da ist." Das Mädchen hörte das und wusste nun, dass es ein Neffe aus der eigenen Familie war. Nicht mehr so scheu wie zuvor, musterte sie Efeu Kaufmann eingehend mit starrem Blick. Dann hörte sie Efeu Kaufmann sagen: „Was heißt hier ›vom Gang‹? Sag einfach, Yun ist da." Nach einer langen Weile lächelte das Mädchen kalt: „Meiner Meinung nach sollte der Zweite Herr lieber nach Hause gehen und morgen wiederkommen, was es auch zu sagen gibt. Heute Abend findet sich sicher keine Gelegenheit mehr. Und selbst wenn ich es ausrichte — die meisten hier sind unzuverlässig. Der Herr sagt zwar ja, aber dann vergisst er es doch!" Efeu Kaufmann hörte dem Mädchen zu, das so klug und anmutig sprach. Er hätte gerne nach ihrem Namen gefragt, doch da sie zu Schatzjades Haushalt gehörte, wagte er es nicht. So sagte er nur: „Du hast recht. Ich komme morgen wieder." Damit ging er hinaus. Beiming sagte: „Ich hole Tee, der Zweite Herr trinkt noch eine Tasse, bevor er geht." Efeu Kaufmann ging bereits, drehte sich aber im Gehen um und sagte: „Kein Tee nötig, ich habe noch zu tun." Während er sprach, blickte er zurück — das Mädchen stand immer noch dort. | ||
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| + | Efeu Kaufmann ging geradewegs nach Hause. Am nächsten Tag kam er zum großen Tor und traf zufällig auf Phönixglanz, die gerade drüben ihre Aufwartung machen wollte und soeben in den Wagen gestiegen war. Als sie Efeu Kaufmann kommen sah, ließ sie ihn rufen und lachte durch das Wagenfenster: „Yun, du hast aber Mut, vor mir Mätzchen zu treiben. Du sagst, du schickst mir Geschenke, dabei hast du etwas von mir zu erbitten. Gestern hat dein Onkel mir erzählt, dass du ihn darum gebeten hast." Efeu Kaufmann lachte: „Was den Onkel betrifft, erwähne die Tante das lieber nicht. Gestern habe ich es schon bereut. Hätte ich das von Anfang an gewusst, hätte ich gleich die Tante gebeten — dann wäre alles schon erledigt. Wer hätte gedacht, dass der Onkel es nicht regeln kann!" Phönixglanz lachte: „Kein Wunder, dass du dort keinen Erfolg hattest. Gestern kamst du dann wieder zu mir." Efeu Kaufmann sagte: „Die Tante tut meiner Aufrichtigkeit Unrecht. Das war gar nicht meine Absicht. Wenn es so gewesen wäre, hätte ich doch schon gestern die Tante darum gebeten. Jetzt, da die Tante es weiß, komme ich nicht umhin, den Onkel beiseite zu lassen und die Tante zu bitten, mir ein wenig entgegenzukommen." Phönixglanz lachte kalt: „Ihr müsst immer den Umweg nehmen! Hättet ihr mir früher ein Wort gesagt, was wäre da nicht möglich gewesen! Was für eine große Sache — und bis jetzt aufgeschoben! Im Garten müssen noch Blumen gepflanzt werden, und ich konnte einfach niemanden finden — wärst du früher gekommen, wäre es längst erledigt!" Efeu Kaufmann lachte: „Wenn es so ist — dann beauftragt mich die Tante doch morgen." Phönixglanz schwieg eine Weile und sagte: „Das ist wohl nicht so gut. Warte lieber bis zum nächsten Neujahr, wenn das große Feuerwerksprojekt ansteht — dann beauftrage ich dich." Efeu Kaufmann sagte: „Gute Tante, beauftragt mich erst mit diesem hier. Wenn ich das gut erledige, bekomme ich dann auch noch jenes dazu." Phönixglanz lachte: „Du verstehst es, eine lange Angel auszuwerfen! Nun gut, wenn dein Onkel es nicht erwähnt hätte, kümmerte ich mich nicht darum. Ich komme gleich nach dem Essen zurück. Gegen Mittag holst du dir das Silber ab." Damit ließ sie den Duft-Wagen anspannen und fuhr davon. | ||
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| + | Efeu Kaufmann konnte seine Freude kaum verbergen und ging ins Qixian-Studio, um nach Schatzjade zu fragen. Doch Schatzjade war schon früh morgens zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen. Efeu Kaufmann saß dumpf bis zum Mittag da und wartete. Als er hörte, dass Phönixglanz zurück war, schrieb er eine Quittung und holte sich die Anweisung. Im Hof draußen ließ er durch einen Diener Bescheid geben, worauf Caiming herauskam und nur die Quittung verlangte. Er ging hinein, auf ihr waren die Silbersumme und das Datum vermerkt, und zusammen mit der Anweisung wurde sie Efeu Kaufmann ausgehändigt. Efeu Kaufmann sah, dass die Summe zweihundert Liang betrug, und konnte seine Freude nicht verbergen. Er eilte zum Silberspeicher, überreichte die Quittung dem Kassenführer und empfing das Silber. Zu Hause erzählte er es seiner Mutter — Mutter und Sohn waren gleichermaßen beglückt. Am nächsten Morgen, noch vor dem fünften Trommelschlag, suchte Efeu Kaufmann zuerst Zweiter Ni auf und gab ihm das Silber pünktlich zurück. Zweiter Ni sah, dass Efeu Kaufmann Silber hatte, nahm die Summe vollständig entgegen; davon sei nicht weiter die Rede. Hier nahm Efeu Kaufmann fünfzig weitere Liang und ging zum Westtor, um beim Blumengärtner Fang Chun Bäume zu kaufen. Davon sei ebenfalls nicht weiter die Rede. | ||
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| + | Nun sei von Schatzjade erzählt: Nachdem er an jenem Tag Efeu Kaufmann getroffen und gesagt hatte, er solle am nächsten Tag zu ihm kommen, hatte er als verwöhnter junger Herr dies sogleich wieder vergessen. An jenem Abend kehrte er spät von der Residenz des Nordfriedenskönigs zurück, besuchte Herzoginmutter und Dame König und ging dann in den Garten zurück, wo er sich umzog und baden wollte. Dufthauch war von Schatzspange<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, „Schatz-Haarspange".</ref> gebeten worden, Knoten zu knüpfen. Qiuwen und Bihen waren losgegangen, um heißes Wasser zu holen. Tanyun war von ihrer Mutter zum Geburtstag nach Hause geholt worden. Moschusmond lag gerade krank zu Hause. Obwohl noch einige grobe Dienstmädchen da waren, rechneten sie damit, nicht gebraucht zu werden, und waren alle ausgegangen, um Freundinnen zu suchen. So blieb Schatzjade ganz allein im Zimmer zurück. Als er Tee wollte und zwei-, dreimal rief, kamen schließlich zwei oder drei alte Ammen hereingewatschelt. Schatzjade winkte hastig ab: „Schon gut, schon gut! Ich brauche euch nicht." Die alten Frauen mussten sich zurückziehen. | ||
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| + | Da er keine Dienerinnen hatte, musste Schatzjade selbst aufstehen, eine Schale nehmen und zur Teekanne gehen. Da sagte jemand hinter ihm: „Vorsicht, Zweiter Herr, verbrennt Euch nicht die Hand! Lasst mich das machen." Noch während sie sprach, kam sie herbei und nahm ihm die Schale ab. Schatzjade erschrak: „Wo warst du? Plötzlich tauchst du auf und erschreckst mich!" Das Mädchen reichte ihm den Tee und erklärte: „Ich war im hinteren Hof und bin gerade durch die Hintertür hereingekommen. Hat der Zweite Herr denn meine Schritte nicht gehört?" Schatzjade trank seinen Tee und musterte das Mädchen genau: Sie trug einige halbneue, halbalte Kleider, hatte aber pechschwarzes, glänzendes Haar, zu einem Knoten aufgesteckt, ein längliches Gesicht, eine zierliche Figur — recht hübsch und proper. Schatzjade betrachtete sie und fragte lächelnd: „Gehörst du auch zu diesem Haushalt hier?" Das Mädchen sagte: „Ja." Schatzjade fragte: „Wenn du hier zum Haushalt gehörst, wie kommt es, dass ich dich nicht kenne?" Das Mädchen hörte das, lächelte kalt und sagte: „Es gibt viele, die der Herr nicht kennt, nicht nur mich. Ich habe nie Tee gereicht oder Wasser gebracht, nie dies geholt oder jenes getragen — nichts, was vor Augen liegt, habe ich je getan. Wie sollte der Herr mich da kennen?" Schatzjade fragte: „Warum tust du denn nicht diese sichtbaren Dinge?" Das Mädchen sagte: „Das lässt sich schwer erklären. Aber eines muss ich dem Zweiten Herrn sagen: Gestern kam ein gewisser Yun hierher, um den Zweiten Herrn zu suchen. Da ich dachte, der Zweite Herr sei beschäftigt, bat ich Beiming, ihm auszurichten, er solle heute früh wiederkommen. Doch der Zweite Herr ist dann zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen." | ||
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| + | Gerade als sie das sagte, kamen Qiuwen und Bihen lachend und schwatzend herein, beide trugen gemeinsam einen Eimer Wasser, hielten mit einer Hand die Röcke hoch und schwankten und plätscherten. Da trat plötzlich jemand hervor und nahm ihnen den Eimer ab. Die beiden sahen hin — es war niemand anderes als Xiaohong. Beide waren verblüfft, stellten den Eimer ab und eilten ins Zimmer, spähten hier und dort — kein Mensch war da, nur Schatzjade. Das passte ihnen ganz und gar nicht. Sie bereiteten widerwillig das Badewasser vor. Als Schatzjade sich ausgezogen hatte, zogen die beiden die Tür hinter sich zu und gingen hinaus. | ||
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| + | Sie gingen ins andere Zimmer und suchten Xiaohong auf, fragten sie, was sie eben im Zimmer geredet hatte. Xiaohong sagte: „Wann soll ich denn drinnen gewesen sein? Ich habe nur mein Taschentuch vermisst und es hinten gesucht. Zufällig wollte der Zweite Herr Tee, und da keine der Schwestern da war, ging ich hinein und goss eben den Tee ein — und dann kamt ihr auch schon." Qiuwen hörte das, spuckte ihr ins Gesicht und schimpfte: „Du schamloses, gemeines Ding! Man hat dich losgeschickt, Wasser holen zu lassen, du sagtest, du hättest etwas zu tun, und wir mussten gehen. Und du wartest bequem ab, um diesen feinen Auftrag zu ergattern! Stück für Stück krabbelst du nach oben. Soll ich mich etwa nicht mit dir messen können? Schau doch mal in den Spiegel — bist du denn überhaupt würdig, Tee und Wasser zu reichen?" Bihen sagte: „Von morgen an — alles, was mit Tee, Wasser, Bringen und Holen zu tun hat, rühren wir nicht mehr an. Das soll alles sie machen." Qiuwen sagte: „Wenn schon, dann lasst uns gleich alle verschwinden und sie allein hier im Zimmer lassen!" Während die beiden so stritten, kam eine alte Amme herein und richtete von Phönixglanz aus: „Morgen bringt jemand Blumengärtner zum Bäumepflanzen herein. Seid bitte vorsichtig — hängt keine Kleider und Röcke wild zum Trocknen auf. Am Erdhügel sind überall Vorhänge aufgespannt, also lauft dort nicht unbedacht herum." Qiuwen fragte: „Wer beaufsichtigt morgen die Handwerker?" Die alte Frau sagte: „Es heißt, der junge Herr Yun vom hinteren Gang." Qiuwen und Bihen wussten nichts damit anzufangen und fragten nach anderem. Aber Xiaohong hatte es verstanden — sie wusste sofort, dass es der junge Mann war, den sie gestern in der äußeren Bibliothek gesehen hatte. | ||
| − | + | Nun sei erzählt, dass diese Xiaohong eigentlich Lin hieß, mit dem Vornamen Rotjädchen [Anm.: „Roter Jade"]. Da jedoch der Schriftzeichen-Bestandteil „Yu" (Jade) mit Kajaljade und Schatzjade kollidierte, wurde dieses Zeichen unterdrückt, und man nannte sie nur noch „Xiaohong". Sie stammte aus einer alten Dienerfamilie der Prunkwille-Anwesen; ihre Eltern verwalteten diverse Landgüter und Häuser. Xiaohong war sechzehn Jahre alt. Als man die Dienerinnen im Garten der Großen Anschauung verteilte, war sie dem Yihong-Hof zugeteilt worden, was recht friedlich und elegant gewesen war. Doch als dann die jungen Herrschaften einzogen, fiel ausgerechnet dieser Hof an Schatzjade. Xiaohong, obwohl ein unerfahrenes Mädchen, hatte dank ihres ansprechenden Äußeren insgeheim den ehrgeizigen Wunsch, sich nach oben zu arbeiten, und wollte bei jeder Gelegenheit vor Schatzjade glänzen. Aber Schatzjades engster Kreis bestand aus lauter scharfzüngigen, gewitzten Mädchen, und es gab kein Hereinkommen für sie. Gerade heute, als sich endlich eine Gelegenheit bot, wurde sie von Qiuwen und den anderen so übel zugerichtet, dass ihr halbes Herz schon erkaltet war. In trüber Stimmung saß sie da, als sie plötzlich die alte Amme den Namen Efeu Kaufmann erwähnen hörte — und da regte sich etwas in ihrem Herzen. In schwermütiger Stimmung kehrte sie in ihr Zimmer zurück, legte sich aufs Bett und sann nach, wälzte sich hin und her, ohne einen Ausweg zu finden. Da hörte sie plötzlich draußen vor dem Fenster eine leise Stimme rufen: „Rotjädchen, ich habe dein Taschentuch gefunden!" Rotjädchen eilte hinaus — und da stand niemand anderes als Efeu Kaufmann. Rotjädchen wurde rot im Gesicht und fragte: „Wo hat der Zweite Herr es gefunden?" Efeu Kaufmann lachte: „Komm her, ich erzähle es dir." Während er sprach, griff er nach ihrer Hand. Rotjädchen drehte sich hastig um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle. | |
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| − | + | Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel. | |
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Revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說林黛玉正自情思縈逗,纏綿固結之時,忽有人從背後擊了一掌,說道:「你作什麼一個人在這裡?」林黛玉倒唬了一跳,回頭看時,不是別人,卻是香菱。林黛玉道:「你這個傻丫頭,唬我這麼一跳好的。你這會子打那裡來?」香菱嘻嘻的笑道:「我來尋我們的姑娘的,找他總找不著。你們紫鵑也找你呢,說璉二奶奶送了什麼茶葉來給你的。走罷,回家去坐著。」 一面說著,一面拉著黛玉的手回瀟湘館來了。果然鳳姐兒送了兩小瓶上用新茶來。林黛玉和香菱坐了。況他們有甚正事談講。不過說些這一個繡的好,那一個刺的精,又下一回棋,看兩句書,香菱便走了。不在話下。 如今且說寶玉因被襲人找回房去,果見鴛鴦歪在床上看襲人的針線呢,見寶玉來了,便說道:「你往那裡去了?老太太等著你呢,叫你過那邊請大老爺的安去。還不快換了衣服走呢。」襲人便進房去取衣服。寶玉坐在床沿上,褪了鞋等靴子穿的工夫,回頭見鴛鴦穿著水紅綾子襖兒,青緞子背心,束著白縐綢汗巾兒,臉向那邊低著頭看針線,脖子上戴著花領子。寶玉便把臉湊在他脖項上,聞那香油氣,不住用手摩挲,其白膩不在襲人之下,便猴上身去涎皮笑道:「好姐姐,把你嘴上的胭脂賞我吃了罷。」一面說著,一面扭股糖似的粘在身上。 鴛鴦便叫道:「襲人,你出來瞧瞧。你跟他一輩子,也不勸勸,還是這麼著。」襲人抱了衣服出來,向寶玉道:「左勸也不改,右勸也不改,你到底是怎麼樣?你再這麼著,這個地方可就難住了。」一邊說,一邊催他穿了衣服,同鴛鴦往前面來見賈母。見過賈母,出至外面,人馬俱已齊備。剛欲上馬,只見賈璉請安回來了,正下馬,二人對面,彼此問了兩句話。只見旁邊轉出一個人來,「請寶叔安」。寶玉看時,只見這人容長臉,長挑身材,年紀只好十八九歲,生得著實斯文清秀,倒也十分面善,只是想不起是那一房的,叫什麼名字。賈璉笑道:「你怎麼發呆,連他也不認得?他是後廊上住的五嫂子的兒子芸兒。」寶玉笑道:「是了,是了,我怎麼就忘了。」因問他母親好,這會子什麼勾當。賈芸指賈璉道:「找二叔說句話。」寶玉笑道:「你倒比先越發出挑了,倒象我的兒子。」賈璉笑道:「好不害臊!人家比你大四五歲呢,就替你作兒子了?」寶玉笑道:「你今年十幾歲了?」賈芸道:「十八歲。」 原來這賈芸最伶俐乖覺,聽寶玉這樣說,便笑道:「俗語說的,『搖車裡的爺爺,拄拐的孫孫』。雖然歲數大,山高高不過太陽。只從我父親沒了,這幾年也無人照管教導。如若寶叔不嫌侄兒蠢笨,認作兒子,就是我的造化了。」賈璉笑道:「你聽見了?認兒子不是好開交的呢。」說著就進去了。寶玉笑道:「明兒你閑了,只管來找我,別和他們鬼鬼祟祟的。這會子我不得閑兒。明兒你到書房裡來,和你說天話兒,我帶你園裡頑耍去。」說著扳鞍上馬,眾小廝圍隨往賈赦這邊來。 見了賈赦,不過是偶感些風寒,先述了賈母問的話,然後自己請了安。賈赦先站起來回了賈母話,次後便喚人來:「帶哥兒進去太太屋裡坐著。」寶玉退出,來至後面,進入上房。邢夫人見了他來,先倒站了起來請過賈母安,寶玉方請安。邢夫人拉他上炕坐了,方問別人好,又命人倒茶來。一鐘茶未吃完,只見那賈琮來問寶玉好。邢夫人道:「那裡找活猴兒去!你那奶媽子死絕了,也不收拾收拾你,弄的黑眉烏嘴的,那裡象大家子念書的孩子!」 正說著,只見賈環、賈蘭小叔侄兩個也來了,請過安,邢夫人便叫他兩個椅子上坐了。賈環見寶玉同邢夫人坐在一個坐褥上,邢夫人又百般摩挲撫弄他,早已心中不自在了,坐不多時,便和賈蘭使眼色兒要走。賈蘭只得依他,一同起身告辭。寶玉見他們要走,自己也就起身,要一同回去。邢夫人笑道:「你且坐著,我還和你說話呢。」寶玉只得坐了。邢夫人向他兩個道:「你們回去,各人替我問你們各人母親好。你們姑娘、姐姐妹妹都在這裡呢,鬧的我頭暈,今兒不留你們吃飯了。」賈環等答應著,便出來回家去了。 寶玉笑道:「可是姐姐們都過來了,怎麼不見?」邢夫人道:「他們坐了一會子,都往後頭不知那屋裡去了。」寶玉道:「大娘方纔說有話說,不知是什麼話?」 邢夫人笑道:「那裡有什麼話,不過是叫你等著,同你姊妹們吃了飯去。還有一個好玩的東西給你帶回去玩。」娘兒兩個說話,不覺早又晚飯時節。調開桌椅,羅列杯盤,母女姊妹們吃畢了飯。寶玉去辭賈赦,同姊妹們一同回家,見過賈母,王夫人等,各自回房安息。不在話下。 且說賈芸進去見了賈璉,因打聽可有什麼事情。賈璉告訴他:「前兒倒有一件事情出來,偏生你嬸子再三求了我,給了賈芹了。他許了我,說明兒園裡還有幾處要栽花木的地方,等這個工程出來,一定給你就是了。」賈芸聽了,半晌說道:「既是這樣,我就等著罷。叔叔也不必先在嬸子跟前提我今兒來打聽的話,到跟前再說也不遲。」賈璉道:「提他作什麼,我那裡有這些工夫說閑話兒呢。明兒一個五更,還要到興邑去走一趟,須得當日趕回來才好。你先去等著,後日起更以後你來討信兒,來早了我不得閑。」說著便回後面換衣服去了。 賈芸出了榮國府回家,一路思量,想出一個主意來,便一徑往他母舅卜世仁家來。原來卜世仁現開香料鋪,方纔從鋪子里來,忽見賈芸進來,彼此見過了,因問他這早晚什麼事跑了來。賈芸道:「有件事求舅舅幫襯幫襯。我有一件事,用些冰片麝香使用,好舅舅每樣賒四兩給我,八月里按數送了銀子來 」卜世仁冷笑道:「再休提賒欠一事。前兒也是我們鋪子里一個伙計,替他的親戚賒了幾兩銀子的貨,至今總未還上。因此我們大家賠上,立了合同,再不許替親友賒欠。誰要賒欠,就要罰他二十兩銀子的東道。況且如今這個貨也短,你就拿現銀子到我們這不三不四的鋪子里來買,也還沒有這些,只好倒扁兒去。這是一。二則你那裡有正經事,不過賒了去又是胡鬧。你只說舅舅見你一遭兒就派你一遭兒不是。你小人兒家很不知好歹,也到底立個主見,賺幾個錢,弄得穿是穿吃是吃的,我看著也喜歡。」 賈芸笑道:「舅舅說的倒乾凈。我父親沒的時候,我年紀又小,不知事。後來聽見我母親說,都還虧舅舅們在我們家出主意,料理的喪事。難道舅舅就不知道的,還是有一畝地兩間房子,如今在我手裡花了不成?巧媳婦做不出沒米的粥來,叫我怎麼樣呢?還虧是我呢,要是別個,死皮賴臉三日兩頭兒來纏著舅舅,要三升米二升豆子的,舅舅也就沒有法呢。」 卜世仁道:「我的兒,舅舅要有,還不是該的。我天天和你舅母說,只愁你沒算計兒。你但凡立的起來,到你大房裡,就是他們爺兒們見不著,便下個氣,和他們的管家或者管事的人們嬉和嬉和,也弄個事兒管管。前日我出城去,撞見了你們三房裡的老四,騎著大叫驢,帶著五輛車,有四五十和尚道士,往家廟去了。他那不虧能幹,這事就到他了!」賈芸聽他韶刀的不堪,便起身告辭。卜世仁道:「怎麼急的這樣,吃了飯再去罷。」一句未完,只見他娘子說道:「你又糊塗了。說著沒有米,這裡買了半斤面來下給你吃,這會子還裝胖呢。留下外甥挨餓不成?」卜世仁說:「再買半斤來添上就是了。」他娘子便叫女孩兒:「銀姐,往對門王奶奶家去問,有錢借二三十個,明兒就送過來。」夫妻兩個說話,那賈芸早說了幾個「不用費事」,去的無影無蹤了。 不言卜家夫婦,且說賈芸賭氣離了母舅家門,一徑回歸舊路,心下正自煩惱,一邊想,一邊低頭只管走,不想一頭就碰在一個醉漢身上,把賈芸唬了一跳。聽醉漢罵道:「臊你娘的!瞎了眼睛,碰起我來了。」賈芸忙要躲身,早被那醉漢一把抓住,對面一看,不是別人,卻是緊鄰倪二。原來這倪二是個潑皮,專放重利債,在賭博場吃閑錢,專管打降吃酒。如今正從欠錢人家索了利錢,吃醉回來,不想被賈芸碰了一頭,正沒好氣,掄拳就要打。只聽那人叫道:「老二住手!是我衝撞了你。」倪二聽見是熟人的語音,將醉眼睜開看時,見是賈芸,忙把手鬆了,趔趄著笑道:「原來是賈二爺,我該死,我該死。這會子往那裡去?」賈芸道:「告訴不得你,平白的又討了個沒趣兒。」倪二道: 「不妨不妨,有什麼不平的事,告訴我,替你出氣。這三街六巷,憑他是誰,有人得罪了我醉金剛倪二的街坊,管叫他人離家散!」賈芸道:「老二,你且彆氣,聽我告訴你這原故。」說著,便把卜世仁一段事告訴了倪二。倪二聽了大怒,「要不是令舅,我便罵不出好話來,真真氣死我倪二。也罷,你也不用愁煩,我這裡現有幾兩銀子,你若用什麼,只管拿去買辦。但只一件,你我作了這些年的街坊,我在外頭有名放帳,你卻從沒有和我張過口。也不知你厭惡我是個潑皮,怕低了你的身分,也不知是你怕我難纏,利錢重?若說怕利錢重,這銀子我是不要利錢的,也不用寫文約,若說怕低了你的身分,我就不敢借給你了,各自走開。」一面說,一面果然從搭包里掏出一捲銀子來。 賈芸心下自思:「素日倪二雖然是潑皮無賴,卻因人而使,頗頗的有義俠之名。若今日不領他這情,怕他臊了,倒恐生事。不如借了他的,改日加倍還他也倒罷了。」想畢笑道:「老二,你果然是個好漢,我何曾不想著你,和你張口。但只是我見你所相與交結的,都是些有膽量的有作為的人,似我們這等無能無力的你倒不理。我若和你張口,你豈肯借給我。今日既蒙高情,我怎敢不領,回家按例寫了文約過來便是了。」倪二大笑道:「好會說話的人。我卻聽不上這話。既說『相與交結』四個字,如何放帳給他,使他的利錢!既把銀子借與他,圖他的利錢,便不是相與交結了。閑話也不必講。既肯青目,這是十五兩三錢有零的銀子,便拿去治買東西。你要寫什麼文契,趁早把銀子還我,讓我放給那些有指望的人使去。」 賈芸聽了,一面接了銀子,一面笑道:「我便不寫罷了,有何著急的。」倪二笑道:「這不是話。天氣黑了,也不讓茶讓酒,我還到那邊有點事情去,你竟請回去。我還求你帶個信兒與舍下,叫他們早些關門睡罷,我不回家去了,倘或有要緊事兒,叫我們女兒明兒一早到馬販子王短腿家來找我。」一面說,一面趔趄著腳兒去了,不在話下。 且說賈芸偶然碰了這件事,心中也十分罕希,想那倪二倒果然有些意思,只是還怕他一時醉中慷慨,到明日加倍的要起來,便怎處,心內猶豫不決。忽又想道:「不妨,等那件事成了,也可加倍還他。」想畢,一直走到個錢鋪里,將那銀子稱一稱,十五兩三錢四分二釐。賈芸見倪二不撒謊,心下越發歡喜,收了銀子,來至家門,先到隔壁將倪二的信捎了與他娘子知道,方回家來。見他母親自在炕上拈線,見他進來,便問那去了一日。賈芸恐他母親生氣,便不說起卜世仁的事來,只說在西府里等璉二叔的,問他母親吃了飯不曾。他母親已吃過了,說留的飯在那裡。小丫頭子拿過來與他吃。 那天已是掌燈時候,賈芸吃了飯收拾歇息,一宿無話。次日一早起來,洗了臉,便出南門,大香鋪里買了冰麝,便往榮國府來。打聽賈璉出了門,賈芸便往後面來。 到賈璉院門前,只見幾個小廝拿著大高笤帚在那裡掃院子呢。忽見周瑞家的從門裡出來叫小廝們:「先別掃,奶奶出來了。」賈芸忙上前笑問:「二嬸嬸那去?」周瑞家的道:「老太太叫,想必是裁什麼尺頭。」正說著,只見一群人簇著鳳姐出來了。賈芸深知鳳姐是喜奉承尚排場的,忙把手逼著,恭恭敬敬搶上來請安。鳳姐連正眼也不看,仍往前走著,只問他母親好,「怎麼不來我們這裡逛逛?」賈芸道:「只是身上不大好,倒時常記掛著嬸子,要來瞧瞧,又不能來。」鳳姐笑道:「可是會撒謊,不是我提起他來,你就不說他想我了。」賈芸笑道:「侄兒不怕雷打了,就敢在長輩前撒謊。昨兒晚上還提起嬸子來,說嬸子身子生的單弱,事情又多,虧嬸子好大精神,竟料理的周周全全,要是差一點兒的,早累的不知怎麼樣呢。」 鳳姐聽了滿臉是笑,不由的便止了步,問道:「怎麼好好的你娘兒們在背地裡嚼起我來?」賈芸道:「有個原故,只因我有個朋友,家裡有幾個錢,現開香鋪。只因他身上捐著個通判,前兒選了雲南不知那一處,連家眷一齊去,把這香鋪也不在這裡開了。便把帳物攢了一攢,該給人的給人,該賤發的賤發了,象這細貴的貨,都分著送與親朋。他就一共送了我些冰片,麝香。我就和我母親商量,若要轉買,不但賣不出原價來,而且誰家拿這些銀子買這個作什麼,便是很有錢的大家子,也不過使個幾分幾錢就挺折腰了,若說送人,也沒個人配使這些,倒叫他一文不值半文轉賣了。因此我就想起嬸子來。往年間我還見嬸子大包的銀子買這些東西呢,別說今年貴妃宮中,就是這個端陽節下,不用說這些香料自然是比往常加上十倍去的。因此想來想去,只孝順嬸子一個人才合式,方不算遭塌這東西。」一邊說,一邊將一個錦匣舉起來。 鳳姐正是要辦端陽的節禮,採買香料藥餌的時節,忽見賈芸如此一來,聽這一篇話,心下又是得意又是歡喜,便命豐兒:「接過芸哥兒的來,送了家去,交給平兒。」因又說道:「看著你這樣知好歹,怪道你叔叔常提你,說你說話兒也明白,心裡有見識。」賈芸聽這話入了港,便打進一步來,故意問道:「原來叔叔也曾提我的?」鳳姐見問,才要告訴他與他管事情的那話,便忙又止住,心下想道:「我如今要告訴他那話,倒叫他看著我見不得東西似的,為得了這點子香,就混許他管事了。今兒先別提起這事。」想畢,便把派他監種花木工程的事都隱瞞的一字不提,隨口說了兩句淡話,便往賈母那裡去了。賈芸也不好提的,只得回來。 因昨日見了寶玉,叫他到外書房等著,賈芸吃了飯便又進來,到賈母那邊儀門外綺霰齋書房裡來。只見焙茗,鋤藥兩個小廝下象棋,為奪「車」正拌嘴,還有引泉、掃花、挑雲、伴鶴四五個,又在房檐上掏小雀兒玩。 賈芸進入院內,把腳一跺,說道:「猴頭們淘氣,我來了。」眾小廝看見賈芸進來,都才散了。賈芸進入房內,便坐在椅子上問:「寶二爺沒下來?」焙茗道: 「今兒總沒下來。二爺說什麼,我替你哨探哨探去。」說著,便出去了。這裡賈芸便看字畫古玩,有一頓飯工夫還不見來,再看看別的小廝,都頑去了。正是煩悶,只聽門前嬌聲嫩語的叫了一聲「哥哥」。 賈芸往外瞧時,看是一個十六七歲的丫頭,生的倒也細巧幹凈。那丫頭見了賈芸,便抽身躲了過去。恰當很走來,見那丫頭在門前,便說道:「好,好,正抓不著個信兒。」賈芸見了焙茗,也就趕了出來,問怎麼樣。焙茗道:「等了這一日,也沒個人兒過來。這就是寶二爺房裡的。好姑娘,你進去帶個信兒,就說廊上的二爺來了。」那丫頭聽說,方知是本家的爺們,便不似先前那等迴避,下死眼把賈芸釘了兩眼。聽那賈芸說道:「什麼是廊上廊下的,你只說是芸兒就是了。」半晌,那丫頭冷笑了一笑:「依我說,二爺竟請回家去,有什麼話明兒再來。今兒晚上得空兒我回了他。」焙茗道:「這是怎麼說?」那丫頭道:「他今兒也沒睡中覺,自然吃的晚飯早。晚上他又不下來。難道只是耍的二爺在這裡等著挨餓不成!不如家去,明兒來是正經。便是回來有人帶信,那都是不中用的。他不過口裡應著,他倒給帶呢!」賈芸聽這丫頭說話簡便俏麗,待要問他的名字,因是寶玉房裡的,又不便問,只得說道:「這話倒是,我明兒再來。」說著便往外走。焙茗道:「我倒茶去,二爺吃了茶再去。」賈芸一面走,一面回頭說: 「不吃茶,我還有事呢。」口裡說話,眼睛瞧那丫頭還站在那裡呢。 那賈芸一徑回家。至次日來至大門前,可巧遇見鳳姐往那邊去請安,才上了車,見賈芸來,便命人喚住,隔窗子笑道:「芸兒,你竟有膽子在我的跟前弄鬼。道你送東西給我,原來你有事求我。昨兒你叔叔才告訴我說你求他。」賈芸笑道:「求叔叔這事,嬸子休提,我昨兒正後悔呢。早知這樣,我竟一起頭求嬸子,這會子也早完了。誰承望叔叔竟不能的。」鳳姐笑道:「怪道你那裡沒成兒,昨兒又來尋我。」賈芸道:「嬸子辜負了我的孝心,我並沒有這個意思。若有這個意思,昨兒還不求嬸子。如今嬸子既知道了,我倒要把叔叔丟下,少不得求嬸子好歹疼我一點兒。」鳳姐冷笑道:「你們要揀遠路兒走,叫我也難說。早告訴我一聲兒,有什麼不成的,多大點子事,耽誤到這會子。那園子里還要種花,我只想不出一個人來,你早來不早完了。」賈芸笑道:「既這樣,嬸子明兒就派我罷。」鳳姐半晌道:「這個我看著不大好。等明年正月里煙火燈燭那個大宗兒下來,再派你罷。」賈芸道:「好嬸子,先把這個派了我罷。果然這個辦的好,再派我那個。」鳳姐笑道:「你倒會拉長線兒。罷了,要不是你叔叔說,我不管你的事。我也不過吃了飯就過來,你到午錯的時候來領銀子,後兒就進去種樹。」說畢,令人駕起香車,一徑去了。 賈芸喜不自禁,來至綺霰齋打聽寶玉,誰知寶玉一早便往北靜王府里去了。賈芸便呆呆的坐到晌午,打聽鳳姐回來,便寫個領票來領對牌。至院外,命人通報了,彩明走了出來,單要了領票進去,批了銀數年月,一併連對牌交與了賈芸。賈芸接了,看那批上銀數批了二百兩,心中喜不自禁,翻身走到銀庫上,交與收牌票的,領了銀子。回家告訴母親,自是母子俱各歡喜。次日一個五鼓,賈芸先找了倪二,將前銀按數還他。那倪二見賈芸有了銀子,他便按數收回,不在話下。這裡賈芸又拿了五十兩,出西門找到花兒匠方椿家裡去買樹,不在話下。 如今且說寶玉,自那日見了賈芸,曾說明日著他進來說話兒。如此說了之後,他原是富貴公子的口角,那裡還把這個放在心上,因而便忘懷了。這日晚上,從北靜王府里回來,見過賈母,王夫人等,回至園內,換了衣服,正要洗澡。襲人因被薛寶釵煩了去打結子,秋紋,碧痕兩個去催水,檀雲又因他母親的生日接了出去,麝月又現在家中養病,雖還有幾個作粗活聽喚的丫頭,估著叫不著他們,都出去尋夥覓伴的玩去了。不想這一刻的工夫,只剩了寶玉在房內。偏生的寶玉要吃茶,一連叫了兩三聲,方見兩三個老嬤嬤走進來。寶玉見了他們,連忙搖手兒說:「罷,罷,不用你們了。」老婆子們只得退出。 寶玉見沒丫頭們,只得自己下來,拿了碗向茶壺去倒茶。只聽背後說道:「二爺仔細燙了手,讓我們來倒。」一面說,一面走上來,早接了碗過去。寶玉倒唬了一跳,問:「你在那裡的?忽然來了,唬我一跳。」那丫頭一面遞茶,一面回說:「我在後院子里,才從裡間的後門進來,難道二爺就沒聽見腳步響?」寶玉一面吃茶,一面仔細打量那丫頭:穿著幾件半新不舊的衣裳,倒是一頭黑鬒鬒的頭髮,輓著個髻,容長臉面,細巧身材,卻十分俏麗乾凈。寶玉看了,便笑問道:「你也是我這屋裡的人麽?」那丫頭道:「是的。」寶玉道:「既是這屋裡的,我怎麼不認得?」那丫頭聽說,便冷笑了一聲道:「認不得的也多,豈只我一個。從來我又不遞茶遞水,拿東拿西,眼見的事一點兒不作,那裡認得呢。」寶玉道:「你為什麼不作那眼見的事?」那丫頭道: 「這話我也難說。只是有一句話回二爺:昨兒有個什麼芸兒來找二爺。我想二爺不得空兒,便叫焙茗回他,叫他今日早起來,不想二爺又往北府里去了。」剛說到這句話,只見秋紋,碧痕嘻嘻哈哈的說笑著進來,兩個人共提著一桶水,一手撩著衣裳,趔趔趄趄,潑潑撒撒的。那丫頭便忙迎去接。那秋紋碧痕正對著抱怨,「你濕了我的裙子」,那個又說「你踹了我的鞋」。忽見走出一個人來接水,二人看時,不是別人,原來是小紅。二人便都詫異,將水放下,忙進房來東瞧西望,並沒個別人,只有寶玉,便心中大不自在。只得預備下洗澡之物,待寶玉脫了衣裳,二人便帶上門出來, 走到那邊房內便找小紅,問他方纔在屋裡說什麼。小紅道:「我何曾在屋裡的?只因我的手帕子不見了,往後頭找手帕子去。不想二爺要茶吃,叫姐姐們一個沒有,是我進去了,才倒了茶,姐姐們便來了。」秋紋聽了,兜臉啐了一口,罵道:「沒臉的下流東西!正經叫你去催水去,你說有事故,倒叫我們去,你可等著做這個巧宗兒。一里一里的,這不上來了。難道我們倒跟不上你了?你也拿鏡子照照,配遞茶遞水不配!」碧痕道:「明兒我說給他們,凡要茶要水送東送西的事,咱們都別動,只叫他去便是了。」秋紋道:「這麼說,不如我們散了,單讓他在這屋裡呢。」二人你一句我一句,正鬧著,只見有個老嬤嬤進來傳鳳姐的話說:「明日有人帶花兒匠來種樹,叫你們嚴禁些,衣服裙子別混曬混晾的。那土山上一溜都都攔著幃幙呢,可別混跑。」秋紋便問:「明兒不知是誰帶進匠人來監工?」那婆子道:「說什麼後廊上的芸哥兒。」秋紋,碧痕聽了都不知道,只管混問別的話。那小紅聽見了,心內卻明白,就知是昨兒外書房所見那人了。 原來這小紅本姓林,小名紅玉,只因「玉」字犯了林黛玉、寶玉,便都把這個字隱起來,便都叫他「小紅」。原是榮國府中世代的舊僕,他父母現在收管各處房田事務。這紅玉年方十六歲,因分人在大觀園的時節,把他便分在怡紅院中,倒也清幽雅靜。不想後來命人進來居住,偏生這一所兒又被寶玉占了。這紅玉雖然是個不諳事的丫頭,卻因他有三分容貌,心內著實妄想痴心的往上攀高,每每的要在寶玉面前現弄現弄。只是寶玉身邊一干人,都是伶牙利爪的,那裡插的下手去。不想今兒才有些消息,又遭秋紋等一場惡意,心內早灰了一半。正悶悶的,忽然聽見老嬤嬤說起賈芸來,不覺心中一動,便悶悶的回至房中,睡在床上暗暗盤算,翻來掉去,正沒個抓尋。忽聽窗外低低的叫道:「紅玉,你的手帕子我拾在這裡呢。」紅玉聽了忙走出來看,不是別人,正是賈芸。紅玉不覺的粉面含羞,問道:「二爺在那裡拾著的?」賈芸笑道:「你過來,我告訴你。」一面說,一面就上來拉他。那紅玉急回身一跑,卻被門檻絆倒。要知端的,下回分解。
注释 |
Kapitel 24 Der betrunkene Diamant-König zeigt großherzigen Sinn — Die verschlagene Schmeichelrede überzeugt Phönixglanz[1] — Rotjädchen[2] begegnet Efeu Kaufmann[3] im Traum Es wird erzählt, dass Kajaljade[4] gerade in Kummer und zärtliches Sinnieren versunken war, als ihr plötzlich jemand von hinten auf den Rücken klopfte und rief: „Was machst du hier ganz allein?" Kajaljade erschrak, drehte sich um — es war niemand anderes als Xiangling [Anm.: die entführte Tochter Wahrheitsverberger Echts, auch bekannt als Heldenlotus, nun Dienerin bei den Xues]. Kajaljade sagte: „Du dummes Mädchen, hast mich zu Tode erschreckt! Wo kommst du her?" Xiangling lachte kichernd: „Ich suche unsere Fräulein. Überall habe ich sie gesucht und kann sie nicht finden. Auch deine Purpurkuckuck sucht nach dir, sie sagt, dass die Frau Lian ein paar Teeblätter für dich geschickt hat. Komm, gehen wir nach Hause!" Dabei nahm sie Kajaljade an der Hand und ging mit ihr zum Xiaoxiang-Pavillon zurück. Tatsächlich hatte Phönixglanz zwei kleine Fläschchen erlesenen Tee geschickt. Kajaljade und Xiangling setzten sich zusammen. Da sie keine wichtigen Dinge zu besprechen hatten, plauderten sie nur über Stickereien — diese sei besonders hübsch, jene besonders fein —, spielten eine Partie Schach und lasen zwei Sätze in einem Buch, bis Xiangling sich verabschiedete. Davon sei nicht weiter die Rede. Nun sei erzählt, dass Schatzjade[5], nachdem Dufthauch[6] ihn nach Hause geholt hatte, dort auf Mandarinenente[7] [鸳鸯] traf, die auf dem Bett lag und Dufthauchs Näharbeit betrachtete. Als sie Schatzjade kommen sah, sagte sie: „Wo hast du dich herumgetrieben? Die alte Großmutter wartet auf dich und will, dass du drüben dem Großen Herrn deine Aufwartung machst. Beeil dich und zieh dich um!" Dufthauch ging sogleich ins Zimmer, um die Kleidung herauszusuchen. Schatzjade setzte sich auf die Bettkante, zog die Schuhe aus und wartete, dass man ihm die Stiefel brachte. Er blickte sich um und sah Mandarinenente in einem wasserroten Seidenhemd mit einer blauen Satinweste, um die Taille ein weißes Krepp-Schweißtuch gebunden, den Kopf gesenkt, die Näharbeit betrachtend, um ihren Hals trug sie ein Blumenhalsband. Schatzjade schmiegte sein Gesicht an ihren Nacken, sog den Duft des Haaröls ein und konnte nicht aufhören, sie zu streicheln — ihre Haut war ebenso weiß und zart wie die Dufthauchs. Schon kletterte er an ihr hoch und sagte grinsend: „Gute Schwester, lass mich die Schminke von deinen Lippen kosten." Dabei schmiegte er sich wie Zuckerstangen-Toffee an sie. Mandarinenente rief laut: „Dufthauch, komm her und sieh dir das an! Du begleitest ihn ein ganzes Leben lang und ermahnst ihn nicht, und er benimmt sich immer noch so!" Dufthauch kam mit den Kleidern heraus und sagte zu Schatzjade: „Ob ich links ermahne oder rechts ermahne, du änderst dich nicht. Was soll nur werden? Wenn du so weitermachst, wird es schwierig, hier zu wohnen." Dabei half sie ihm, die Kleider anzuziehen, und zusammen mit Mandarinenente ging man nach vorne zu Herzoginmutter[8]. Nach dem Besuch bei Herzoginmutter ging Schatzjade hinaus — Pferde und Diener standen schon bereit. Gerade wollte er aufsteigen, da sah er Kette Kaufmann, der gerade von einem Höflichkeitsbesuch zurückkam und abstieg. Die beiden standen einander gegenüber und wechselten ein paar Worte. Da trat eine Person von der Seite hervor und grüßte: „Guten Tag, Onkel Schatzjade." Schatzjade blickte hin und sah einen jungen Mann mit ovalem Gesicht und schlanker, hochgewachsener Gestalt, etwa achtzehn oder neunzehn Jahre alt, recht hübsch und gepflegt, der ihm irgendwie bekannt vorkam, nur konnte er sich nicht erinnern, aus welcher Linie der Familie er stammte und wie er hieß. Kette Kaufmann lachte: „Was stehst du so verdutzt da? Erkennst du ihn nicht? Das ist der Sohn der Fünften Schwägerin aus dem hinteren Gang, unser Yun." Schatzjade lachte: „Ach ja, natürlich! Wie konnte ich das vergessen." Er fragte nach dem Befinden seiner Mutter und was er gerade zu tun habe. Efeu Kaufmann zeigte auf Kette Kaufmann: „Ich wollte mit dem Zweiten Onkel ein Wort reden." Schatzjade lachte: „Du bist ja noch stattlicher geworden als früher. Du siehst aus wie mein Sohn." Kette Kaufmann lachte: „Was für eine Unverschämtheit! Er ist vier oder fünf Jahre älter als du, und du machst ihn zu deinem Sohn?" Schatzjade lachte: „Wie alt bist du jetzt?" Efeu Kaufmann antwortete: „Achtzehn." Nun war dieser Efeu Kaufmann von Natur aus äußerst geschickt und aufgeweckt. Als er hörte, was Schatzjade sagte, lachte er und erwiderte: „Man sagt ja: ›Der Großvater in der Wiege, das Enkelkind am Krückstock.‹ Obwohl ich älter bin — der Berg ist noch so hoch, er reicht nicht an die Sonne heran. Seit mein Vater gestorben ist, kümmert sich niemand mehr um mich oder leitet mich an. Wenn Onkel Schatzjade mich nicht verschmäht und mich als Sohn annähme, wäre das mein großes Glück." Kette Kaufmann lachte: „Hast du gehört? Einen Sohn annehmen ist keine leichte Sache!" Damit ging er hinein. Schatzjade lachte: „Komm morgen, wenn du Zeit hast, zu mir. Treib dich nicht mit den anderen heimlich herum. Jetzt gerade habe ich keine Zeit. Morgen kommst du in die Bibliothek, wir unterhalten uns, und ich nehme dich mit in den Garten zum Spielen." Damit stieg er in den Sattel, und umgeben von seinen Dienern ritt er zu Begnadigung Kaufmann [贾赦]s Residenz hinüber. Als er Begnadigung Kaufmann sah — es war nichts als eine leichte Erkältung —, übermittelte er zuerst Herzoginmutters besorgte Frage und machte dann seine eigene Aufwartung. Begnadigung Kaufmann stand zunächst auf, um Herzoginmutters Worte zu erwidern, und befahl dann einem Diener: „Bringt den jungen Herrn hinein zur Gnädigen Frau." Schatzjade trat ab und ging nach hinten in die obere Stube. Als Frau Strafe [Anm.: Begnadigung Kaufmanns Ehefrau] ihn kommen sah, stand sie zuerst auf und erkundigte sich nach Herzoginmutters Befinden; erst dann machte Schatzjade seine Verbeugung. Frau Strafe zog ihn zu sich aufs Kang [Anm.: beheizbare Schlafbank], fragte nach dem Befinden der anderen und ließ Tee bringen. Noch hatte er keine Tasse ausgetrunken, da kam Jia Cong herein, um Schatzjade zu begrüßen. Frau Strafe schalt: „Wo hat man diesen wilden Affen aufgetrieben! Ist deine Amme ausgestorben? Nicht einmal zurechtgemacht hat sie dich, mit schwarzem Gesicht und schmutzigem Mund — so sieht doch kein Kind aus guter Familie aus, das in die Schule geht!" Gerade als sie so sprach, kamen auch Unheil Kaufmann und Orchidee Kaufmann, der kleine Onkel und der Neffe, herein, machten ihre Verbeugung, und Frau Strafe hieß sie auf Stühlen Platz nehmen. Unheil Kaufmann sah, dass Schatzjade neben Frau Strafe auf derselben Sitzpolsterung saß und Frau Strafe ihn auf alle erdenkliche Weise hätschelte und liebkoste — schon war er innerlich unzufrieden. Nach einer kurzen Weile machte er Orchidee Kaufmann Zeichen, dass sie gehen sollten. Orchidee Kaufmann musste ihm folgen, und beide standen auf, um sich zu verabschieden. Schatzjade sah, dass sie gehen wollten, und wollte selbst auch aufstehen, um mit ihnen zurückzukehren. Frau Strafe lachte: „Bleib noch sitzen, ich habe noch etwas mit dir zu besprechen." Schatzjade musste sich wieder setzen. Frau Strafe wandte sich an die beiden: „Geht nach Hause und grüßt mir eure Mütter. Eure Schwestern sind alle hier und haben mir schon Kopfschmerzen bereitet, deshalb behalte ich euch heute nicht zum Essen." Unheil Kaufmann und die anderen bejahten und gingen nach Hause. Schatzjade fragte lächelnd: „Sind die Schwestern wirklich alle hier? Wie kommt es, dass ich sie nicht sehe?" Frau Strafe sagte: „Sie haben eine Weile hier gesessen und sind dann irgendwohin nach hinten gegangen, ich weiß nicht, in welches Zimmer." Schatzjade fragte: „Was für etwas Gutes wollte die Tante mir denn geben, wovon sie eben sprach?" Frau Strafe lächelte: „Wo gibt es da etwas Besonderes? Ich wollte nur, dass du wartest und mit deinen Schwestern zu Abend isst. Außerdem habe ich ein hübsches Spielzeug für dich, das du mitnehmen kannst." Mutter und Sohn plauderten, und ehe man sich versah, war es schon Essenszeit. Man stellte Tische und Stühle auf, reihte Tassen und Teller auf, und nachdem Mutter, Töchter und Schwestern gegessen hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Begnadigung Kaufmann, kehrte mit den Schwestern gemeinsam nach Hause zurück, besuchte Herzoginmutter und Dame König und ging dann jeweils in die eigenen Gemächer zur Ruhe. Davon sei nicht weiter die Rede. Nun sei erzählt, wie Efeu Kaufmann zu Kette Kaufmann ging und sich erkundigte, ob es nicht irgendeine Aufgabe für ihn gäbe. Kette Kaufmann berichtete ihm: „Vor ein paar Tagen kam tatsächlich eine Sache auf, doch dummerweise hat deine Tante [Anm.: Phönixglanz] mich mehrmals darum gebeten, und ich habe sie Jia Qin gegeben. Sie hat mir versprochen, dass es im Garten noch einige Stellen gibt, an denen Blumen und Bäume gepflanzt werden müssen — wenn dieses Projekt herauskommt, bekommst du es ganz bestimmt." Efeu Kaufmann hörte das und sagte nach langem Schweigen: „Wenn dem so ist, dann warte ich eben. Der Onkel braucht der Tante gegenüber auch nicht zu erwähnen, dass ich heute hier war und mich erkundigt habe. Wenn es soweit ist, ist es noch früh genug." Kette Kaufmann sagte: „Warum sollte ich das erwähnen? Ich habe doch gar nicht so viel Zeit für müßiges Geschwätz. Morgen früh um fünf muss ich nach Xingyi reiten und am selben Tag zurück sein. Geh du erst mal und warte. Übermorgen nach Einbruch der Dunkelheit kommst du wieder, um Bescheid zu holen; kommst du zu früh, habe ich keine Zeit." Damit ging er in den hinteren Teil, um sich umzuziehen. Efeu Kaufmann verließ die Prunkwille-Anwesen und ging nach Hause. Unterwegs überlegte er und kam auf eine Idee. Er ging geradewegs zum Haus seines Onkels mütterlicherseits, Keinmensch Bu[9] [Anm.: der Name klingt im Chinesischen wie „nicht menschlich/unmenschlich"]. Dieser Keinmensch Bu betrieb einen Gewürzladen. Er war gerade aus dem Laden gekommen, als plötzlich Efeu Kaufmann hereinkam. Sie begrüßten einander, und Keinmensch Bu fragte, was ihn so spät herführe. Efeu Kaufmann sagte: „Ich habe eine Bitte an den Onkel. Es gibt eine Sache, für die ich etwas Kampfer und Moschus brauche. Guter Onkel, könntest du mir je vier Liang [Anm.: chinesisches Gewichtsmaß, ca. 37 g] davon auf Kredit geben? Im achten Monat bringe ich pünktlich das Geld." Keinmensch Bu lachte kalt: „Red nicht von Kredit! Neulich hat auch ein Angestellter in unserem Laden für einen Verwandten ein paar Liang Silber Ware auf Kredit genommen und bis heute nicht zurückgezahlt. Deshalb haben wir alle zusammengelegt und eine Vereinbarung getroffen: Kein Kredit mehr an Verwandte oder Freunde. Wer dennoch Kredit gibt, muss zwanzig Liang Silber Strafe zahlen und die anderen bewirten. Außerdem ist diese Ware jetzt knapp — selbst wenn du mit Bargeld in unseren bescheidenen Laden kämst, hätten wir das nicht. Das ist erstens. Zweitens: Was hast du schon für ordentliche Geschäfte? Du nimmst es auf Kredit und vertust es wieder. Du wirst nur sagen, der Onkel hat dich wieder einmal zurechtgewiesen. Du junger Mann weißt wirklich nicht, was gut für dich ist — du solltest dir mal einen Plan machen, etwas Geld verdienen, damit du ordentlich angezogen bist und zu essen hast, dann freue auch ich mich." Efeu Kaufmann lachte: „Der Onkel redet sich leicht. Als mein Vater starb, war ich noch klein und wusste nichts von der Welt. Später erzählte mir meine Mutter, dass es die Onkel waren, die bei der Beerdigung alles organisiert haben. Da weiß der Onkel doch selbst — hatten wir etwa noch einen Morgen Land oder zwei Zimmer Haus, die ich jetzt durchgebracht hätte? Eine geschickte Frau kann keinen Brei ohne Reis kochen — was soll ich denn tun? Und ich bin noch einer der Besseren! Wäre es ein anderer, der käme schamlos alle paar Tage, um drei Sheng Reis oder zwei Sheng Bohnen zu betteln, da wüsste der Onkel auch keinen Rat!" Keinmensch Bu sagte: „Mein Lieber, wenn der Onkel hätte, würde es sich doch von selbst verstehen. Ich sage jeden Tag zu deiner Tante, ich sorge mich nur, dass du keine Pläne hast. Wenn du dich nur ein wenig auf die Beine stellen könntest und zur Hauptfamilie gingest — selbst wenn du die jungen Herren nicht sehen kannst, dann beug dich ein wenig und mach dich bei den Verwaltern oder Vorarbeitern beliebt, dann bekommst du auch etwas zu tun. Neulich war ich vor der Stadt und traf euren Vierten aus der dritten Linie — er ritt auf einem großen Esel, hatte fünf Fuhrwerke dabei, vierzig oder fünfzig Mönche und Daoisten, und zog zum Familientempel! Wäre er nicht tüchtig gewesen, wäre ihm diese Aufgabe nie zugefallen!" Efeu Kaufmann hörte seinem endlosen Gerede zu und konnte es nicht mehr ertragen. Er erhob sich und wollte sich verabschieden. Keinmensch Bu sagte: „Warum so eilig? Iss doch erst zu Mittag." Kaum hatte er das gesagt, da rief seine Frau von drinnen: „Da bist du wieder ganz verwirrt! Wir haben doch gesagt, wir haben keinen Reis mehr, und haben für ein halbes Pfund Nudeln Geld ausgegeben, damit du etwas zu essen hast. Und jetzt tust du wieder dick! Soll der Neffe etwa hungern?" Keinmensch Bu sagte: „Dann kaufe noch ein halbes Pfund dazu." Die Frau rief dem Mädchen: „Yinjie, geh rüber zu Dame König auf der anderen Straßenseite und frag, ob wir zwanzig oder dreißig Münzen borgen können, morgen geben wir sie zurück." Während das Ehepaar noch redete, hatte Efeu Kaufmann bereits mehrmals „Macht euch keine Umstände!" gerufen und war spurlos verschwunden. Von der Familie Bu sei nicht weiter die Rede. Nun erzählen wir, wie Efeu Kaufmann zornig das Haus seines Onkels verließ und den alten Weg zurückging, innerlich ganz verstimmt. Er überlegte hin und her, den Kopf gesenkt, und achtete nicht auf den Weg. Da stieß er prompt mit einem Betrunkenen zusammen, was Efeu Kaufmann einen gehörigen Schreck einjagte. Er hörte den Betrunkenen fluchen: „Zum Teufel mit deiner Mutter! Bist du blind, rempelst mich an!" Efeu Kaufmann wollte schnell ausweichen, doch der Betrunkene hatte ihn schon am Kragen gepackt. Als er genauer hinsah, war es niemand anderes als sein direkter Nachbar Zweiter Ni[10]. Dieser Zweiter Ni war ein Raufbold, der mit Wucherzinsen Geld verlieh und in Spielhöllen sein Unwesen trieb. Gerade kam er betrunken von einem Schuldner zurück, bei dem er Zinsen eingetrieben hatte, und war in übler Stimmung. Als Efeu Kaufmann ihn anrempelte, holte er schon mit der Faust aus. Da rief die Person: „Zweiter, halt! Ich bin es, der dich angerempelt hat!" Zweiter Ni hörte die vertraute Stimme, riss die trunkenen Augen auf und sah, dass es Efeu Kaufmann war. Sofort ließ er los, schwankte und lachte: „Ach, der Zweite Herr Jia! Verzeih, verzeih. Wo willst du hin?" Efeu Kaufmann sagte: „Ach, du willst es gar nicht wissen — ich habe mir eine Abfuhr geholt, ganz umsonst." Zweiter Ni sagte: „Kein Problem, kein Problem! Was für eine Ungerechtigkeit ist dir widerfahren? Sag es mir, ich helfe dir. In diesen drei Straßen und sechs Gassen — ganz gleich wer es ist — wer meinen Nachbarn, den Betrunkenen Diamant-König Zweiter Ni, beleidigt, den jage ich in den Ruin!" Efeu Kaufmann sagte: „Zweiter, beruhige dich erst. Lass mich dir die Sache erzählen." Dann berichtete er die ganze Geschichte mit Keinmensch Bu. Zweiter Ni geriet in Rage: „Wäre er nicht dein Onkel, würde ich solche Flüche ausstoßen, die nicht wiederholbar sind! Das macht mich wahrhaftig wütend! Aber so ist es nun einmal. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen — ich habe hier gerade ein paar Liang Silber. Was immer du brauchst, nimm es und kaufe dir, was du willst. Nur eines: All die Jahre sind wir Nachbarn, und ich bin draußen bekannt als Geldverleiher, aber du hast mich noch nie um etwas gebeten. Ich weiß nicht, ob du mich für einen Rüpel hältst und dich durch Umgang mit mir erniedrigen würdest, oder ob du meine hohen Zinsen fürchtest. Wenn du die hohen Zinsen fürchtest — dieses Silber verleihe ich dir ohne Zinsen und ohne Schuldschein. Wenn du dich aber erniedrigen würdest, wage ich es nicht, dir etwas zu leihen, und wir gehen jeder unserer Wege." Damit zog er tatsächlich ein Bündel Silber aus seiner Umhängetasche. Efeu Kaufmann überlegte bei sich: „Obwohl Zweiter Ni ein Raufbold ist, handelt er doch nach der Person — er hat durchaus einen Ruf als großherziger Gerechtigkeitskämpfer. Wenn ich heute seine Gunst nicht annehme und ihn vor den Kopf stoße, könnte er womöglich Ärger machen. Besser, ich nehme sein Geld und zahle es ihm später doppelt zurück." So gefasst, lachte er: „Zweiter, du bist wahrhaftig ein Ehrenmann. Wie hätte ich nicht an dich denken sollen! Nur sah ich, dass du mit lauter mutigen und tatkräftigen Leuten verkehrst — solche Nichtsnutze wie mich beachtest du gar nicht. Hätte ich dich angesprochen, du hättest mir doch nichts geliehen. Heute, da du mir so großzügig entgegenkommst — wie könnte ich ablehnen? Morgen gehe ich nach Hause und schreibe einen ordentlichen Schuldschein." Zweiter Ni lachte laut: „Was für ein Redner! Was du da sagst, mag ich gar nicht hören. Wenn man ›Freundschaft pflegen‹ sagt, wie kann man dann Geld verleihen und Zinsen nehmen? Wenn man Geld verleiht und Zinsen kassiert, ist es keine Freundschaft mehr. Genug der Reden! Wenn du mich wirklich mit einem freundlichen Auge ansiehst — hier sind fünfzehn Liang und drei Qian mit ein paar Fen Silber obendrauf. Nimm es und kaufe, was du brauchst. Wenn du einen Schuldschein schreiben willst, dann gib mir lieber gleich das Silber zurück, damit ich es anderen verleihe, die zahlungsfähig sind." Efeu Kaufmann hörte das, nahm das Silber an und lachte: „Dann schreibe ich eben keinen — was die Eile!" Zweiter Ni lachte: „So ist es recht. Es wird dunkel, ich biete dir weder Tee noch Wein an — ich muss noch drüben etwas erledigen. Geh bitte nach Hause. Aber tu mir einen Gefallen und richte meiner Familie aus, sie sollen früh die Tür abschließen und schlafen gehen; ich komme heute Nacht nicht nach Hause. Falls es etwas Dringendes gibt, soll meine Tochter mich morgen früh bei dem Pferdehändler König Kurzbein suchen." Damit schwankte er taumelnd davon. Davon sei nicht weiter die Rede. Nun sei erzählt, dass Efeu Kaufmann über diesen Zufall höchst erstaunt war und fand, dass Zweiter Ni tatsächlich ein wahrer Kerl sei. Nur fürchtete er, der Betrunkene könnte in seiner momentanen Großzügigkeit morgen das Doppelte fordern — was dann? Er war unschlüssig. Da dachte er: „Macht nichts. Wenn die Sache klappt, kann ich es ihm doppelt zurückzahlen." Damit ging er geradewegs zu einem Geldwechsler und ließ das Silber wiegen: fünfzehn Liang, drei Qian, vier Fen und zwei Li. Efeu Kaufmann sah, dass Zweiter Ni nicht gelogen hatte, und freute sich noch mehr. Er steckte das Silber ein und ging nach Hause. Zuerst schaute er beim Nachbarn vorbei und gab Zweiter Nis Frau die Nachricht weiter, dann ging er heim. Seine Mutter saß auf dem Kang und drehte Fäden. Als sie ihn hereinkommen sah, fragte sie, wo er den ganzen Tag gewesen sei. Efeu Kaufmann wollte seine Mutter nicht verärgern und erwähnte Keinmensch Bu mit keinem Wort, sondern sagte nur, er habe in der Westresidenz auf den Zweiten Onkel Lian gewartet. Dann fragte er, ob seine Mutter schon gegessen habe. Die Mutter hatte schon gegessen und sagte, sein Essen stehe dort bereit. Ein kleines Dienstmädchen brachte es ihm. Es war bereits Lampenzündzeit. Efeu Kaufmann aß, machte sich fertig und legte sich schlafen. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Morgen stand er zeitig auf, wusch sich und ging aus dem Südtor zum großen Gewürzhändler, wo er Kampfer und Moschus kaufte. Dann machte er sich auf den Weg zur Prunkwille-Anwesen. Er erfuhr, dass Kette Kaufmann bereits ausgegangen war, und so ging Efeu Kaufmann nach hinten. Am Tor von Kette Kaufmanns Hof sah er einige Diener, die mit großen Besen den Hof fegten. Da kam die Frau des Zhou Rui aus der Tür und rief den Dienern zu: „Hört auf zu fegen, die Gnädige Frau kommt heraus!" Efeu Kaufmann trat eilig vor und fragte lächelnd: „Wohin geht die Zweite Tante?" Die Frau des Zhou Rui sagte: „Die Alte Großmutter hat rufen lassen. Vermutlich soll ein Stoff zugeschnitten werden." Gerade als sie sprach, kam eine ganze Schar von Dienerinnen heraus, die Phönixglanz begleiteten. Efeu Kaufmann kannte Phönixglanz gut genug, um zu wissen, dass sie Schmeichelei liebte und großen Aufwand schätzte. Eilig verschränkte er die Hände, verneigte sich tief und eilte vor, um seine Aufwartung zu machen. Phönixglanz würdigte ihn keines geraden Blickes, ging weiter und fragte nur: „Geht es deiner Mutter gut? Warum kommt sie nicht einmal zu uns herüber?" Efeu Kaufmann sagte: „Sie ist nicht ganz gesund, denkt aber immer an die Tante und möchte sie besuchen, nur kann sie nicht kommen." Phönixglanz lachte: „Da ist er wieder, der Schmeichler! Wenn ich nicht von ihr angefangen hätte, hättest du gar nicht erwähnt, dass sie an mich denkt." Efeu Kaufmann lachte: „Der Neffe fürchtet den Blitzschlag! Würde ich es wagen, vor Älteren zu lügen? Erst gestern Abend sprach meine Mutter von der Tante und sagte, die Tante sei von zarter Konstitution und habe doch so viel zu tun — wie bewundernswert, dass sie alles so vollkommen erledige. Wäre eine andere nur ein wenig schwächer, sie wäre längst erschöpft zusammengebrochen." Phönixglanz hörte das, und ihr Gesicht strahlte. Unwillkürlich blieb sie stehen und fragte: „Wieso redet ihr Mutter und Sohn hinter meinem Rücken über mich?" Efeu Kaufmann sagte: „Es gibt einen Grund dafür. Ich habe einen Freund, dessen Familie etwas Geld hat und einen Gewürzladen betreibt. Da er sich einen Posten als Bezirksrichter erkauft hat, wurde er neulich irgendwohin nach Yunnan versetzt. Mitsamt seiner Familie zog er fort und gab den Laden hier auf. So hat er seine Waren zusammengerechnet, die Schulden bezahlt, die billigen Sachen billig verschleudert, und die feinen, teuren Waren als Geschenke an Verwandte und Freunde verteilt. Mir schenkte er einiges an Kampfer und Moschus. Nun überlegte ich mit meiner Mutter: Wenn man es weiterverkauft, bekommt man nicht den Originalpreis — und wer hätte schon so viel Silber, um diese Dinge zu kaufen? Selbst reiche Familien verwenden höchstens ein paar Fen oder Qian davon, da würden sie vor den Kosten zurückschrecken. Wollte man es verschenken — es gäbe niemanden, der es verdient hätte. Es wäre dann keinen Heller wert und müsste unter Wert verschleudert werden. Da dachte ich an die Tante. In früheren Jahren sah ich die Tante noch große Beutel Silber ausgeben, um solche Dinge zu kaufen. Ganz zu schweigen davon, dass dieses Jahr die Kaiserliche Gemahlin im Palast ist — allein schon zum Drachenbootfest braucht man gewiss zehnmal mehr von solchen Duftessenzen als sonst. So kam ich nach langem Nachdenken darauf, dass einzig die Tante es verdient, sie zu empfangen — nur so würde man diese Kostbarkeiten nicht verschleudern." Während er sprach, hob er eine Brokatschatulle hoch. Phönixglanz hatte gerade die Festgeschenke für das Drachenbootfest vorzubereiten und Gewürze und Arzneien einzukaufen. Als Efeu Kaufmann so mit seiner Gabe erschien und diese wohlgesetzte Rede hielt, war sie im Herzen gleichermaßen geschmeichelt und erfreut. Sie befahl Feng'er: „Nimm das Geschenk des Yun-Neffen entgegen und bring es nach Hause, gib es Friedchen[11]." Dann sagte sie weiter: „Man sieht, dass du ein dankbarer Mensch bist. Kein Wunder, dass dein Onkel immer von dir spricht und sagt, du redest verständig und hast Einsicht." Efeu Kaufmann hörte, dass er im Hafen war, und wagte einen Schritt weiter, indem er absichtlich fragte: „Hat der Onkel denn wirklich einmal von mir gesprochen?" Phönixglanz wollte gerade antworten und ihm von der geplanten Aufgabe erzählen, doch hielt sie rasch inne und dachte bei sich: „Wenn ich ihm das jetzt sage, sieht es so aus, als könnte ich keinen Geschenken widerstehen und würde ihm für diese kleine Aufmerksamkeit sofort eine Stelle verschaffen. Nein, heute erwähne ich das lieber nicht." So vertuschte sie die Sache mit der Blumenpflanzung vollständig, sprach ein paar belanglose Worte und ging dann zu Herzoginmutter hinüber. Efeu Kaufmann wagte auch nicht, die Sache anzusprechen, und ging zurück. Da er sich erinnerte, dass Schatzjade ihm gestern gesagt hatte, er solle in der äußeren Bibliothek auf ihn warten, ging Efeu Kaufmann nach dem Essen erneut hinein und zum Qixian-Studio bei Herzoginmutters Hoftor. Dort sah er die kleinen Diener Beiming und Chuyao beim Schachspielen — sie stritten gerade um einen „Wagen" und zankten sich. Weitere vier oder fünf Diener, Yinquan, Saohua, Tiaoyun und Banhe, kletterten auf den Dachvorsprüngen herum und fingen kleine Sperlinge zum Spielen. Efeu Kaufmann betrat den Hof, stampfte mit dem Fuß auf und rief: „Ihr Affenbande! Schluss mit dem Unfug, ich bin da!" Die Diener sahen Efeu Kaufmann und stoben auseinander. Efeu Kaufmann betrat das Zimmer, setzte sich auf einen Stuhl und fragte: „Ist der Zweite Herr noch nicht heruntergekommen?" Beiming sagte: „Heute ist er den ganzen Tag nicht heruntergekommen. Sagen Sie mir, was es ist, und ich spioniere für Sie." Damit ging er hinaus. Hier betrachtete Efeu Kaufmann nun die Kalligrafien, Gemälde und Antiquitäten. Es verging eine gute Mahlzeit lang, und noch immer kam Beiming nicht zurück. Als er nach den anderen Dienern sah, waren auch die alle zum Spielen davongelaufen. Gerade als Efeu Kaufmann sich langweilte, hörte er vor der Tür eine zarte, jugendliche Stimme „Bruder" rufen. Efeu Kaufmann blickte hinaus und sah ein Mädchen von sechzehn oder siebzehn Jahren, recht fein und hübsch. Als das Mädchen Efeu Kaufmann erblickte, wich sie zur Seite aus. Da kam gerade Beiming zurück, sah das Mädchen vor der Tür stehen und sagte: „Gut, gut, endlich finde ich jemanden zum Nachrichtenbringen." Efeu Kaufmann kam auch heraus und fragte, was los sei. Beiming sagte: „Den ganzen Tag gewartet und keine Menschenseele kam vorbei. Das hier ist ein Mädchen aus dem Zimmer des Zweiten Herrn. Gutes Fräulein, geh hinein und richte aus, dass der Zweite Herr vom Gang da ist." Das Mädchen hörte das und wusste nun, dass es ein Neffe aus der eigenen Familie war. Nicht mehr so scheu wie zuvor, musterte sie Efeu Kaufmann eingehend mit starrem Blick. Dann hörte sie Efeu Kaufmann sagen: „Was heißt hier ›vom Gang‹? Sag einfach, Yun ist da." Nach einer langen Weile lächelte das Mädchen kalt: „Meiner Meinung nach sollte der Zweite Herr lieber nach Hause gehen und morgen wiederkommen, was es auch zu sagen gibt. Heute Abend findet sich sicher keine Gelegenheit mehr. Und selbst wenn ich es ausrichte — die meisten hier sind unzuverlässig. Der Herr sagt zwar ja, aber dann vergisst er es doch!" Efeu Kaufmann hörte dem Mädchen zu, das so klug und anmutig sprach. Er hätte gerne nach ihrem Namen gefragt, doch da sie zu Schatzjades Haushalt gehörte, wagte er es nicht. So sagte er nur: „Du hast recht. Ich komme morgen wieder." Damit ging er hinaus. Beiming sagte: „Ich hole Tee, der Zweite Herr trinkt noch eine Tasse, bevor er geht." Efeu Kaufmann ging bereits, drehte sich aber im Gehen um und sagte: „Kein Tee nötig, ich habe noch zu tun." Während er sprach, blickte er zurück — das Mädchen stand immer noch dort. Efeu Kaufmann ging geradewegs nach Hause. Am nächsten Tag kam er zum großen Tor und traf zufällig auf Phönixglanz, die gerade drüben ihre Aufwartung machen wollte und soeben in den Wagen gestiegen war. Als sie Efeu Kaufmann kommen sah, ließ sie ihn rufen und lachte durch das Wagenfenster: „Yun, du hast aber Mut, vor mir Mätzchen zu treiben. Du sagst, du schickst mir Geschenke, dabei hast du etwas von mir zu erbitten. Gestern hat dein Onkel mir erzählt, dass du ihn darum gebeten hast." Efeu Kaufmann lachte: „Was den Onkel betrifft, erwähne die Tante das lieber nicht. Gestern habe ich es schon bereut. Hätte ich das von Anfang an gewusst, hätte ich gleich die Tante gebeten — dann wäre alles schon erledigt. Wer hätte gedacht, dass der Onkel es nicht regeln kann!" Phönixglanz lachte: „Kein Wunder, dass du dort keinen Erfolg hattest. Gestern kamst du dann wieder zu mir." Efeu Kaufmann sagte: „Die Tante tut meiner Aufrichtigkeit Unrecht. Das war gar nicht meine Absicht. Wenn es so gewesen wäre, hätte ich doch schon gestern die Tante darum gebeten. Jetzt, da die Tante es weiß, komme ich nicht umhin, den Onkel beiseite zu lassen und die Tante zu bitten, mir ein wenig entgegenzukommen." Phönixglanz lachte kalt: „Ihr müsst immer den Umweg nehmen! Hättet ihr mir früher ein Wort gesagt, was wäre da nicht möglich gewesen! Was für eine große Sache — und bis jetzt aufgeschoben! Im Garten müssen noch Blumen gepflanzt werden, und ich konnte einfach niemanden finden — wärst du früher gekommen, wäre es längst erledigt!" Efeu Kaufmann lachte: „Wenn es so ist — dann beauftragt mich die Tante doch morgen." Phönixglanz schwieg eine Weile und sagte: „Das ist wohl nicht so gut. Warte lieber bis zum nächsten Neujahr, wenn das große Feuerwerksprojekt ansteht — dann beauftrage ich dich." Efeu Kaufmann sagte: „Gute Tante, beauftragt mich erst mit diesem hier. Wenn ich das gut erledige, bekomme ich dann auch noch jenes dazu." Phönixglanz lachte: „Du verstehst es, eine lange Angel auszuwerfen! Nun gut, wenn dein Onkel es nicht erwähnt hätte, kümmerte ich mich nicht darum. Ich komme gleich nach dem Essen zurück. Gegen Mittag holst du dir das Silber ab." Damit ließ sie den Duft-Wagen anspannen und fuhr davon. Efeu Kaufmann konnte seine Freude kaum verbergen und ging ins Qixian-Studio, um nach Schatzjade zu fragen. Doch Schatzjade war schon früh morgens zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen. Efeu Kaufmann saß dumpf bis zum Mittag da und wartete. Als er hörte, dass Phönixglanz zurück war, schrieb er eine Quittung und holte sich die Anweisung. Im Hof draußen ließ er durch einen Diener Bescheid geben, worauf Caiming herauskam und nur die Quittung verlangte. Er ging hinein, auf ihr waren die Silbersumme und das Datum vermerkt, und zusammen mit der Anweisung wurde sie Efeu Kaufmann ausgehändigt. Efeu Kaufmann sah, dass die Summe zweihundert Liang betrug, und konnte seine Freude nicht verbergen. Er eilte zum Silberspeicher, überreichte die Quittung dem Kassenführer und empfing das Silber. Zu Hause erzählte er es seiner Mutter — Mutter und Sohn waren gleichermaßen beglückt. Am nächsten Morgen, noch vor dem fünften Trommelschlag, suchte Efeu Kaufmann zuerst Zweiter Ni auf und gab ihm das Silber pünktlich zurück. Zweiter Ni sah, dass Efeu Kaufmann Silber hatte, nahm die Summe vollständig entgegen; davon sei nicht weiter die Rede. Hier nahm Efeu Kaufmann fünfzig weitere Liang und ging zum Westtor, um beim Blumengärtner Fang Chun Bäume zu kaufen. Davon sei ebenfalls nicht weiter die Rede. Nun sei von Schatzjade erzählt: Nachdem er an jenem Tag Efeu Kaufmann getroffen und gesagt hatte, er solle am nächsten Tag zu ihm kommen, hatte er als verwöhnter junger Herr dies sogleich wieder vergessen. An jenem Abend kehrte er spät von der Residenz des Nordfriedenskönigs zurück, besuchte Herzoginmutter und Dame König und ging dann in den Garten zurück, wo er sich umzog und baden wollte. Dufthauch war von Schatzspange[12] gebeten worden, Knoten zu knüpfen. Qiuwen und Bihen waren losgegangen, um heißes Wasser zu holen. Tanyun war von ihrer Mutter zum Geburtstag nach Hause geholt worden. Moschusmond lag gerade krank zu Hause. Obwohl noch einige grobe Dienstmädchen da waren, rechneten sie damit, nicht gebraucht zu werden, und waren alle ausgegangen, um Freundinnen zu suchen. So blieb Schatzjade ganz allein im Zimmer zurück. Als er Tee wollte und zwei-, dreimal rief, kamen schließlich zwei oder drei alte Ammen hereingewatschelt. Schatzjade winkte hastig ab: „Schon gut, schon gut! Ich brauche euch nicht." Die alten Frauen mussten sich zurückziehen. Da er keine Dienerinnen hatte, musste Schatzjade selbst aufstehen, eine Schale nehmen und zur Teekanne gehen. Da sagte jemand hinter ihm: „Vorsicht, Zweiter Herr, verbrennt Euch nicht die Hand! Lasst mich das machen." Noch während sie sprach, kam sie herbei und nahm ihm die Schale ab. Schatzjade erschrak: „Wo warst du? Plötzlich tauchst du auf und erschreckst mich!" Das Mädchen reichte ihm den Tee und erklärte: „Ich war im hinteren Hof und bin gerade durch die Hintertür hereingekommen. Hat der Zweite Herr denn meine Schritte nicht gehört?" Schatzjade trank seinen Tee und musterte das Mädchen genau: Sie trug einige halbneue, halbalte Kleider, hatte aber pechschwarzes, glänzendes Haar, zu einem Knoten aufgesteckt, ein längliches Gesicht, eine zierliche Figur — recht hübsch und proper. Schatzjade betrachtete sie und fragte lächelnd: „Gehörst du auch zu diesem Haushalt hier?" Das Mädchen sagte: „Ja." Schatzjade fragte: „Wenn du hier zum Haushalt gehörst, wie kommt es, dass ich dich nicht kenne?" Das Mädchen hörte das, lächelte kalt und sagte: „Es gibt viele, die der Herr nicht kennt, nicht nur mich. Ich habe nie Tee gereicht oder Wasser gebracht, nie dies geholt oder jenes getragen — nichts, was vor Augen liegt, habe ich je getan. Wie sollte der Herr mich da kennen?" Schatzjade fragte: „Warum tust du denn nicht diese sichtbaren Dinge?" Das Mädchen sagte: „Das lässt sich schwer erklären. Aber eines muss ich dem Zweiten Herrn sagen: Gestern kam ein gewisser Yun hierher, um den Zweiten Herrn zu suchen. Da ich dachte, der Zweite Herr sei beschäftigt, bat ich Beiming, ihm auszurichten, er solle heute früh wiederkommen. Doch der Zweite Herr ist dann zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen." Gerade als sie das sagte, kamen Qiuwen und Bihen lachend und schwatzend herein, beide trugen gemeinsam einen Eimer Wasser, hielten mit einer Hand die Röcke hoch und schwankten und plätscherten. Da trat plötzlich jemand hervor und nahm ihnen den Eimer ab. Die beiden sahen hin — es war niemand anderes als Xiaohong. Beide waren verblüfft, stellten den Eimer ab und eilten ins Zimmer, spähten hier und dort — kein Mensch war da, nur Schatzjade. Das passte ihnen ganz und gar nicht. Sie bereiteten widerwillig das Badewasser vor. Als Schatzjade sich ausgezogen hatte, zogen die beiden die Tür hinter sich zu und gingen hinaus. Sie gingen ins andere Zimmer und suchten Xiaohong auf, fragten sie, was sie eben im Zimmer geredet hatte. Xiaohong sagte: „Wann soll ich denn drinnen gewesen sein? Ich habe nur mein Taschentuch vermisst und es hinten gesucht. Zufällig wollte der Zweite Herr Tee, und da keine der Schwestern da war, ging ich hinein und goss eben den Tee ein — und dann kamt ihr auch schon." Qiuwen hörte das, spuckte ihr ins Gesicht und schimpfte: „Du schamloses, gemeines Ding! Man hat dich losgeschickt, Wasser holen zu lassen, du sagtest, du hättest etwas zu tun, und wir mussten gehen. Und du wartest bequem ab, um diesen feinen Auftrag zu ergattern! Stück für Stück krabbelst du nach oben. Soll ich mich etwa nicht mit dir messen können? Schau doch mal in den Spiegel — bist du denn überhaupt würdig, Tee und Wasser zu reichen?" Bihen sagte: „Von morgen an — alles, was mit Tee, Wasser, Bringen und Holen zu tun hat, rühren wir nicht mehr an. Das soll alles sie machen." Qiuwen sagte: „Wenn schon, dann lasst uns gleich alle verschwinden und sie allein hier im Zimmer lassen!" Während die beiden so stritten, kam eine alte Amme herein und richtete von Phönixglanz aus: „Morgen bringt jemand Blumengärtner zum Bäumepflanzen herein. Seid bitte vorsichtig — hängt keine Kleider und Röcke wild zum Trocknen auf. Am Erdhügel sind überall Vorhänge aufgespannt, also lauft dort nicht unbedacht herum." Qiuwen fragte: „Wer beaufsichtigt morgen die Handwerker?" Die alte Frau sagte: „Es heißt, der junge Herr Yun vom hinteren Gang." Qiuwen und Bihen wussten nichts damit anzufangen und fragten nach anderem. Aber Xiaohong hatte es verstanden — sie wusste sofort, dass es der junge Mann war, den sie gestern in der äußeren Bibliothek gesehen hatte. Nun sei erzählt, dass diese Xiaohong eigentlich Lin hieß, mit dem Vornamen Rotjädchen [Anm.: „Roter Jade"]. Da jedoch der Schriftzeichen-Bestandteil „Yu" (Jade) mit Kajaljade und Schatzjade kollidierte, wurde dieses Zeichen unterdrückt, und man nannte sie nur noch „Xiaohong". Sie stammte aus einer alten Dienerfamilie der Prunkwille-Anwesen; ihre Eltern verwalteten diverse Landgüter und Häuser. Xiaohong war sechzehn Jahre alt. Als man die Dienerinnen im Garten der Großen Anschauung verteilte, war sie dem Yihong-Hof zugeteilt worden, was recht friedlich und elegant gewesen war. Doch als dann die jungen Herrschaften einzogen, fiel ausgerechnet dieser Hof an Schatzjade. Xiaohong, obwohl ein unerfahrenes Mädchen, hatte dank ihres ansprechenden Äußeren insgeheim den ehrgeizigen Wunsch, sich nach oben zu arbeiten, und wollte bei jeder Gelegenheit vor Schatzjade glänzen. Aber Schatzjades engster Kreis bestand aus lauter scharfzüngigen, gewitzten Mädchen, und es gab kein Hereinkommen für sie. Gerade heute, als sich endlich eine Gelegenheit bot, wurde sie von Qiuwen und den anderen so übel zugerichtet, dass ihr halbes Herz schon erkaltet war. In trüber Stimmung saß sie da, als sie plötzlich die alte Amme den Namen Efeu Kaufmann erwähnen hörte — und da regte sich etwas in ihrem Herzen. In schwermütiger Stimmung kehrte sie in ihr Zimmer zurück, legte sich aufs Bett und sann nach, wälzte sich hin und her, ohne einen Ausweg zu finden. Da hörte sie plötzlich draußen vor dem Fenster eine leise Stimme rufen: „Rotjädchen, ich habe dein Taschentuch gefunden!" Rotjädchen eilte hinaus — und da stand niemand anderes als Efeu Kaufmann. Rotjädchen wurde rot im Gesicht und fragte: „Wo hat der Zweite Herr es gefunden?" Efeu Kaufmann lachte: „Komm her, ich erzähle es dir." Während er sprach, griff er nach ihrer Hand. Rotjädchen drehte sich hastig um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle. Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel.
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