Difference between revisions of "Hongloumeng/zh-de/Chapter 26"
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(ZH-DE4 Korrektur-Update Kap. 26) |
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| − | ! style="width:50%" | 中文原文 ( | + | ! style="width:50%" | 中文原文 (程甲本 1982) |
| − | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung | + | ! style="width:50%" | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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那林黛玉正自啼哭,忽聽「吱嘍」一聲,院門開處,不知是那一個出來。要知端的,且聽下回分解。 | 那林黛玉正自啼哭,忽聽「吱嘍」一聲,院門開處,不知是那一個出來。要知端的,且聽下回分解。 | ||
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| + | ==注释== | ||
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| − | + | Kapitel 26 | |
| − | + | An der Wespentaillenbrücke werden Worte gewechselt, die Herzensgeheimnisse verraten | |
| − | Nachdem dann der buddhistische und der | + | In der Xiaoxiang-Bambushain<ref>Chin. 潇湘馆 Xiāoxiāng Guǎn. Kajaljades Wohnstätte im Garten der Großen Anschauung, benannt nach dem Xiang-Fluss und seinen Bambustränen-Legenden.</ref> weckt Frühlingsmüdigkeit verborgene Gefühle |
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| − | + | Wie erzählt wird, war Schatzjade<ref>Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Schatzjade Kaufmann".</ref> nach dreiunddreißig Tagen des Krankenlagers nicht nur vollständig genesen und wieder bei Kräften, auch die Narben in seinem Gesicht waren verheilt, und so konnte er in den Garten der Großen Aussicht zurückkehren. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | |
| − | „Wie fühlst du dich eigentlich in | + | |
| − | „Was redest du da? | + | Sprechen wir zunächst von Efeu Kaufmann<ref>Chin. 贾芸 Jiǎ Yún, wörtl. „Efeu Kaufmann" — ein entfernter Neffe der Familie.</ref>. Während Schatzjades Krankheit hatte er mit den Dienern des Hauses Nachtwache gehalten, Tag und Nacht im Anwesen. Auch Rotjädchen<ref>Chin. 红玉 Hóngyù, wörtl. „Rotjädchen". Wegen des Tabuzeichens 玉 yù (Jade) im Namen Schatzjades wird sie meist 红儿 Hóng’ér, „Kleine Rote", genannt.</ref> hatte zusammen mit den übrigen Mädchen bei Schatzjade Dienst getan, und so hatten sich die beiden tagelang sehen können und waren allmählich miteinander vertraut geworden. Dabei hatte Rotjädchen bemerkt, dass Efeu Kaufmann ein Taschentuch in Händen hielt, das ganz so aussah wie jenes, das sie einst verloren hatte. Sie hätte ihn gerne danach gefragt, doch das ging schlecht an. |
| − | „Da fällt mir ein | + | |
| − | „Unsinn! | + | Nachdem dann der buddhistische und der daoistische Mönch erschienen waren und kein männliches Personal mehr bei Schatzjade gebraucht wurde, kehrte Efeu Kaufmann zu seiner Arbeit beim Bäumepflanzen zurück. Nun hätte Rotjädchen die Sache mit dem Taschentuch auf sich beruhen lassen können, doch ihr Herz ließ es nicht zu. Andererseits traute sie sich nicht zu fragen, aus Angst, bei anderen Verdacht zu erregen. So schwankte sie hin und her, während sich ihre Seele in Unruhe verzehrte, als sie plötzlich von draußen vor dem Fenster eine Stimme vernahm: „Schwester, bist du im Zimmer?" |
| − | „Aber so kann es mit dir | + | |
| − | + | Rotjädchen spähte durch die Fensterlöcher hinaus und erkannte ein kleines Mädchen aus ihrem eigenen Gehöft namens Schönorchidee [佳蕙]. Also antwortete sie: „Ja, ich bin hier. Komm nur herein!" | |
| − | „Wie kannst du nur so reden! | + | |
| − | „Du weißt ja nicht, | + | Schönorchidee kam flink hereingelaufen, setzte sich aufs Bett und strahlte: „Was für ein Glück ich habe! Eben war ich gerade im Hof beim Waschen, da hat Schatzjade befohlen, Tee zu Fräulein Lin<ref>Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajaljade Wald". Kajal (黛 dài) bezeichnet das schwarze Augenbrauenpuder.</ref> zu bringen, und Schwester Hua hat mich damit losgeschickt. Als ich dort ankam, hatte die Herzoginmutter<ref>Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die Herzoginmutter, Oberhaupt der Familie Kaufmann.</ref> gerade Fräulein Lin Geld geschickt, und sie verteilte es eben an ihre Mädchen. Als sie mich sah, griff sie gleich zwei Handvoll heraus und gab sie mir – ich weiß gar nicht, wie viel es ist. Heb du es bitte für mich auf!" Damit knüpfte sie ihr Taschentuch auf und schüttete die Münzen heraus. Rotjädchen zählte sie sorgfältig durch, eine nach der anderen, und legte sie dann beiseite. |
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| − | + | Schönorchidee fragte nun: „Wie fühlst du dich eigentlich in letzter Zeit? Ich finde, du solltest für ein paar Tage nach Hause gehen, einen Arzt kommen lassen und ein wenig Medizin nehmen, dann wird es dir bald besser gehen." | |
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| − | + | Rotjädchen erwiderte: „Was redest du da? Mir geht es doch gut. Wozu sollte ich nach Hause gehen?" | |
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| − | „Von wem | + | Schönorchidee meinte: „Da fällt mir ein – Fräulein Lin ist doch auch von schwächlicher Konstitution und nimmt ständig Medizin. Du könntest dir ebenso gut etwas von ihr geben lassen, das käme aufs Gleiche hinaus." |
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| − | + | Rotjädchen schüttelte den Kopf: „Unsinn! Kann man denn einfach so irgendwelche Medizin einnehmen?" | |
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| − | + | Schönorchidee beharrte: „Aber so kann es auf Dauer mit dir doch nicht weitergehen! Du isst kaum noch, trinkst kaum noch – wohin soll das führen?" | |
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| − | + | Rotjädchen seufzte: „Was kümmert es mich? Es wäre besser, früh zu sterben, dann wäre wenigstens Ruhe." | |
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| − | + | Schönorchidee rief: „Wie kannst du nur so reden! Einfach so, ohne Grund!" | |
| − | Amme Li | + | |
| − | + | Rotjädchen entgegnete leise: „Du weißt ja nicht, was in meinem Herzen vorgeht." | |
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| − | + | Schönorchidee nickte und dachte ein Weilchen nach. Dann sagte sie: „Man kann es dir wirklich nicht verübeln, wenn du denkst, du hättest hier einen schweren Stand. Nimm nur gestern, als die Herzoginmutter – da Schatzjade ja so viele Tage krank gewesen war – meinte, alle, die ihm während seiner Krankheit treu zur Seite gestanden hatten, sollten jetzt, da er wieder genesen und alle Gelübde erfüllt seien, ihrem Rang entsprechend belohnt werden. Dass wir nicht bedacht wurden, kann ich verstehen – wir gelten ja noch als zu jung, um mitzuzählen, und ich beschwere mich auch nicht. Aber dass auch du übergangen wurdest, das finde ich ungerecht! | |
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| − | + | Dufthauch<ref>Chin. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — „den Menschen einhüllend (wie Duft)".</ref> mag meinetwegen die höchste Belohnung erhalten – dagegen sage ich kein Wort, das gehört sich so. Wenn man ehrlich ist, kann sich keine andere mit ihr messen. Ganz abgesehen von ihrer täglichen Gewissenhaftigkeit und Aufmerksamkeit – selbst wenn sie nicht so eifrig wäre, man könnte auf sie nicht verzichten. Was mich ärgert, ist, dass Heitermuster<ref>Chin. 晴雯 Qíngwén, wörtl. „Heitermuster" — „klares Wolkenmuster bei heiterem Himmel".</ref> und Qixia [绮霰] und ihresgleichen allesamt der höchsten Stufe zugerechnet werden, nur weil ihre Eltern Ansehen genießen und sie deshalb von allen hofiert werden. Sag selbst, ob das ärgerlich ist oder nicht!" | |
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| − | + | Rotjädchen erwiderte: „Lohnt es sich, sich über sie aufzuregen? Sagt nicht das Sprichwort: 'Mag auch das Festzelt tausend Li lang sein – es gibt kein Gelage, das nicht zu Ende geht.' Wer von uns bleibt denn schon ein ganzes Leben lang hier? In drei oder fünf Jahren geht jede ihres Weges, und dann kümmert sich keine mehr um die andere." | |
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| − | + | Diese beiden Sätze berührten Schönorchidees Herz so sehr, dass ihr unwillkürlich die Augen feucht wurden. Da es ihr aber peinlich war, einfach so loszuweinen, zwang sie sich zu einem Lächeln und sagte: „Du hast ganz recht. Gestern erst hat Schatzjade davon geredet, wie er demnächst die Zimmer neu einrichten und welche Kleider er anfertigen lassen will – als hätten wir noch ein paar hundert Jahre hier auszuhalten." | |
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| − | + | Rotjädchen hörte es und lachte kalt, zwei kurze, spöttische Lacher. Gerade wollte sie etwas sagen, als ein kleines Mädchen hereingelaufen kam, das sein Haar noch nicht aufgesteckt trug. In der Hand hielt es einige Stickmuster und zwei Bogen Papier. „Hier sind zwei Muster, die sollst du abzeichnen", sagte das Mädchen, warf Rotjädchen die Sachen hin, drehte sich um und rannte davon. | |
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| − | + | Rotjädchen rief ihr nach: „Von wem sind die denn? Man kann doch nicht einfach davonlaufen, ohne ordentlich Bescheid zu sagen! Wartet jemand mit frischen Dampfbrötchen auf dich, die kalt werden könnten?" | |
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| − | + | Das kleine Mädchen rief von draußen durchs Fenster nur noch: „Von Schwester Qi!" Und schon trappelte es mit schnellen Schritten davon. | |
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| − | + | Verärgert warf Rotjädchen die Stickmuster beiseite und suchte in der Schublade nach einem Pinsel. Doch wie lange sie auch suchte, sie fand nur abgenutzte. „Wo habe ich neulich den neuen Pinsel hingelegt?" murmelte sie. „Warum fällt mir das nicht mehr ein?" Dabei versank sie in Nachdenken. Nach einer Weile lachte sie plötzlich auf: „Ach ja, richtig! Neulich abends hat sich Yinger [莺儿] ihn geholt." Dann wandte sie sich an Schönorchidee: „Geh du ihn mir holen!" | |
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| − | Als | + | Schönorchidee wehrte ab: „Schwester Hua wartet doch auf mich, ich soll ihr einen Kasten tragen. Geh ihn dir lieber selbst holen!" |
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| − | + | Rotjädchen hielt dagegen: „Wenn sie auf dich wartet, wieso sitzt du dann hier und schwatzt? Hätte ich dich nicht zum Pinselholen schicken wollen, würde sie auch nicht auf dich warten. Du verdorbenes kleines Spitzbein!" Damit stand sie auf, verließ das Zimmer, trat aus dem Hof der Roten Freude [怡红院] und schlug den Weg zu Schatzspanges<ref>Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatzspange Schnee". Eine 钗 chāi ist eine kostbare Haarnadel.</ref> Gehöft ein. | |
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| − | + | Gerade war sie am Pavillon am Duftgetränkten Quell [沁芳亭] angelangt, als ihr Schatzjades alte Amme Li von der anderen Seite entgegenkam. Rotjädchen blieb stehen und fragte lächelnd: „Amme Li, wohin des Weges? Was verschlägt Euch hierher?" | |
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| − | + | Amme Li blieb stehen, klatschte die Hände zusammen und sagte: „Stell dir vor! Jetzt hat er sich in den da verschaut, der die Bäume pflanzt, diesen Wolken- oder Regenjungen, und hat mir zugesetzt, ich solle ihn herbeordern. Wenn das morgen die Herrschaften oben erfahren, gibt es wieder Ärger!" | |
| − | Und | + | |
| − | + | Rotjädchen lächelte: „Habt Ihr wirklich zugestimmt und ihn holen lassen?" | |
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| − | + | Amme Li seufzte: „Was blieb mir denn anderes übrig?" | |
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| − | + | Rotjädchen meinte: „Wenn der Betreffende wüsste, was sich gehört, würde er erst gar nicht herkommen." | |
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| − | + | Amme Li entgegnete: „Er ist doch nicht dumm. Warum sollte er nicht kommen?" | |
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| − | + | Rotjädchen gab zu bedenken: „Dann hättet Ihr ihn wenigstens begleiten sollen. Wenn er allein hier herumläuft, ist das doch nicht schicklich." | |
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| − | + | Amme Li winkte ab: „Hab ich etwa die Muße, mit ihm herumzulaufen? Ich habe es ihm ausrichten lassen, und dann kann ihn ja eines der kleinen Mädchen oder eine der älteren Frauen hereinführen – das reicht!" Sprach's, stützte sich auf ihren Stock und ging davon. | |
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| − | + | Rotjädchen blieb stehen und hing ihren Gedanken nach, ohne daran zu denken, den Pinsel zu holen. | |
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| − | + | Nach kurzer Zeit kam ein kleines Mädchen angelaufen. Als es Rotjädchen dort stehen sah, fragte es: „Schwester Lin, was machst du hier?" | |
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| − | + | Rotjädchen blickte auf und erkannte das kleine Mädchen Anhänger [坠儿]. „Wohin willst du?" fragte sie. | |
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| − | + | Anhänger antwortete: „Ich soll den zweiten jungen Herrn Duft hereinführen." Und schon lief sie in großen Schritten davon. | |
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| − | Als | + | Rotjädchen war eben an das Tor vor der Wespentaillenbrücke [蜂腰桥] gelangt, als ihr auf der anderen Seite Anhänger mit Efeu Kaufmann entgegenkam. Efeu Kaufmann ließ im Gehen seinen Blick über Rotjädchen gleiten, und auch Rotjädchen, unter dem Vorwand, mit Anhänger zu sprechen, warf einen verstohlenen Blick auf Efeu Kaufmann. Als sich ihre vier Augen trafen, wurde Rotjädchen unwillkürlich rot im Gesicht, wandte sich ab und ging zum Haselwurzpark [蘅芜苑]. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. |
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| − | + | Efeu Kaufmann folgte Anhänger auf verschlungenen Pfaden zum Hof der Roten Freude. Anhänger ging zunächst allein hinein, um ihn anzumelden, und führte ihn dann erst herein. Als Efeu Kaufmann sich im Hof umschaute, erblickte er einige kunstvoll gesetzte Felsen und Bananenstauden. Dort drüben putzten zwei Mandschurenkraniche unter Kieferbäumen ihr Gefieder, und entlang des Wandelgangs hingen die verschiedensten Käfige mit allerlei seltenen und wundersamen Vögeln. Vor ihm erhob sich ein zierlicher Bau von fünf Säulenzwischenräumen, dessen geschnitzte Gitter neuartige Blumenmuster zeigten. Darüber hing eine Tafel mit vier großen Schriftzeichen: „Freude am Roten, Vergnügen am Grünen" [怡红快绿]. | |
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| − | + | Efeu Kaufmann dachte: „Daher also der Name 'Hof der Roten Freude' – nach diesen Schriftzeichen auf der Tafel!" Während er noch sann, hörte er von drinnen durch das Gazefenster eine lachende Stimme: „Komm schnell herein! Wie konnte ich dich nur zwei, drei Monate lang vergessen!" | |
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| − | + | Da er Schatzjades Stimme erkannte, trat Efeu Kaufmann eilig ins Haus. Er blickte empor und sah nur Gold und Grün funkeln, glänzende Zierrate allenthalben, doch von Schatzjade keine Spur. Als er sich umwandte, erblickte er linker Hand einen großen Ganzkörperspiegel, hinter dem nun zwei gleich große Mädchen von fünfzehn, sechzehn Jahren hervortraten und sprachen: „Bitte, nehmt drinnen im Zimmer des zweiten jungen Herrn Platz!" | |
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| − | + | Efeu Kaufmann wagte kaum, sie unverhohlen anzusehen, und antwortete rasch. Er trat durch eine weitere, mit grüner Gaze bespannte Trennwand und erblickte ein niedliches kleines Bett mit lackiertem Rahmen, über dem ein großer, dunkelroter, mit Goldbrokat und Streublumen verzierter Vorhang hing. | |
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| − | + | Schatzjade saß in Hauskleidung, die Schuhe nur halb angezogen, an das Bett gelehnt und hielt ein Buch in der Hand. Als er Efeu Kaufmann hereinkommen sah, warf er das Buch beiseite, und schon stand er mit strahlendem Lächeln auf. Efeu Kaufmann trat rasch vor und verneigte sich zur Begrüßung. Schatzjade bat ihn, sich zu setzen, und so nahm er auf einem Stuhl unterhalb Platz. | |
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| − | + | Schatzjade sprach lächelnd: „Seit ich dich damals traf und dir sagte, du solltest mich in der Bibliothek besuchen, hat sich so vieles ereignet, eines nach dem anderen, dass ich dich völlig vergessen habe." | |
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| − | + | Efeu Kaufmann erwiderte lächelnd: „Es ist eben mein mangelndes Glück. Gerade erst hatte ich Euch getroffen, und schon musstet Ihr erkranken. Seid Ihr denn jetzt vollständig genesen, Onkel?" | |
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| − | + | Schatzjade versicherte: „Vollkommen. Man hat mir erzählt, dass du meinetwegen viele Tage lang Mühe hattest." | |
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| − | + | Efeu Kaufmann sagte: „Das war doch nur meine Pflicht. Dass Ihr wieder gesund seid, Onkel, ist ein Glück für unsere ganze Familie." | |
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| + | Während er sprach, kam ein Mädchen mit Tee herein und reichte ihm eine Schale. Efeu Kaufmann unterhielt sich mit Schatzjade, ließ seinen Blick dabei aber verstohlen über das Mädchen gleiten: eine schlanke Gestalt, ein längliches Gesicht, gekleidet in eine silberrosa Jacke mit einer Weste aus schwarzem Satin darüber und einen weißen Seidenrock mit feinen Falten. Es war niemand anders als Dufthauch. | ||
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| + | Seit er während Schatzjades Krankheit ein paar Tage im Anwesen zugebracht hatte, kannte Efeu Kaufmann die wichtigsten Personen dort zur Hälfte. Er wusste auch, dass Dufthauch in Schatzjades Gemächern eine andere Stellung einnahm als die übrigen Mädchen. Als sie nun den Tee brachte und Schatzjade danebensaß, stand Efeu Kaufmann rasch auf und sagte lächelnd: „Wie könnt Ihr mir Tee eingießen, Schwester! Wenn ich zu meinem Onkel komme, bin ich doch kein Gast – erlaubt mir, ihn mir selbst einzuschenken!" | ||
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| + | Schatzjade sagte: „Bleib nur sitzen. Vor den Mädchen brauchst du dich nicht so zu zieren." | ||
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| + | Efeu Kaufmann erwiderte lächelnd: „Auch wenn Ihr das sagt, Onkel – wie könnte ich es wagen, mich vor den Schwestern in Euren Gemächern unhöflich zu benehmen!" Dann erst setzte er sich wieder und trank seinen Tee. | ||
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| + | Schatzjade plauderte mit ihm über allerlei Belanglosigkeiten – welche Familie die besten Schauspieler habe, welche den schönsten Garten, und erzählte ihm, wessen Mädchen am hübschesten seien, wessen Festessen am üppigsten, wer die ausgefallensten Raritäten und wer die seltensten Kostbarkeiten besitze. Efeu Kaufmann pflichtete ihm in allem bei, doch nach einer Weile bemerkte er, dass Schatzjade allmählich träge wurde. So stand er auf und verabschiedete sich. Schatzjade hielt ihn nicht weiter zurück und sagte nur: „Komm ein andermal wieder, wenn du Muße hast." Dann befahl er dem kleinen Mädchen Anhänger, ihn hinauszubegleiten. | ||
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| + | Als sie den Hof der Roten Freude verlassen hatten und Efeu Kaufmann sich umblickte, war ringsum kein Mensch zu sehen. So verlangsamte er seine Schritte immer mehr und begann, sich des Langen und Breiten mit Anhänger zu unterhalten. Zunächst fragte er: „Wie alt bist du? Wie heißt du? Was machen deine Eltern? Wie lange dienst du schon in Onkel Schatzjades Gemächern? Wie viel Geld bekommst du im Monat? Wie viele Mädchen gibt es insgesamt bei Onkel Schatzjade?" | ||
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| + | Anhänger beantwortete ihm bereitwillig alles, Punkt für Punkt. Dann fragte Efeu Kaufmann weiter: „Die da vorhin mit dir gesprochen hat – heißt sie etwa Kleine Rote [小红]?" | ||
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| + | Anhänger lachte: „Ja, sie heißt Kleine Rote. Warum fragt Ihr nach ihr?" | ||
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| + | Efeu Kaufmann sagte: „Vorhin hat sie dich nach einem Taschentuch gefragt. Ich habe tatsächlich eines aufgelesen." | ||
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| + | Anhänger hörte es und lachte: „Sie hat mich schon so viele Male gefragt, ob ich ihr Taschentuch gesehen hätte. Als ob ich die Muße hätte, mich um solche Dinge zu kümmern! Heute fragte sie wieder und sagte, wenn ich es für sie fände, wolle sie sich bei mir bedanken. Gerade eben, vor dem Tor zum Haselwurzpark, hat sie es gesagt – Ihr habt es doch selbst gehört, junger Herr, ich lüge nicht. Lieber junger Herr, wenn Ihr es gefunden habt, dann gebt es mir! Ich bin neugierig, womit sie sich bei mir bedanken wird." | ||
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| + | Nun hatte Efeu Kaufmann im vergangenen Monat, als er hereingekommen war, um Bäume zu pflanzen, tatsächlich ein Seidentuch aufgelesen. Er vermutete, dass es jemandem gehören musste, der im Garten wohnte, wusste aber nicht, wem, und hatte daher nichts überstürzt. Als er heute gehört hatte, wie Rotjädchen Anhänger danach fragte, und dadurch erfuhr, dass es Rotjädchens Tuch war, hüpfte sein Herz vor Freude. Und als nun Anhänger ihn darum bat, stand sein Entschluss bereits fest. Er zog aus seinem Ärmel sein eigenes Taschentuch hervor und sprach lächelnd zu Anhänger: „Ich gebe es dir. Aber wenn du ihre Belohnung erhältst, darfst du sie mir nicht vorenthalten!" | ||
| + | |||
| + | Anhänger versprach es bereitwillig und nahm das Taschentuch entgegen. Sie begleitete Efeu Kaufmann hinaus und kehrte dann zurück, um Rotjädchen zu suchen. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
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| + | Sprechen wir nun davon, wie Schatzjade, nachdem er Efeu Kaufmann verabschiedet hatte, sich träge und lustlos auf das Bett fallen ließ und in einen halbwachen Schlummer zu gleiten drohte. Da trat Dufthauch heran, setzte sich auf die Bettkante und schob ihn an: „Was, du willst schon wieder schlafen? Dir ist langweilig – warum gehst du nicht hinaus und machst einen Spaziergang?" | ||
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| + | Schatzjade ergriff ihre Hand und sagte lächelnd: „Ich würde schon gehen, aber ich kann mich nicht von dir trennen." | ||
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| + | Dufthauch lachte: „Steh endlich auf!" Und schon zog sie ihn hoch. | ||
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| + | Schatzjade klagte: „Aber wohin soll ich denn gehen? Es ist alles so öde und langweilig." | ||
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| + | Dufthauch sagte: „Wenn du erst draußen bist, wird es schon besser. Je länger du hier so dahindämmerst, desto bedrückter wird dein Gemüt." | ||
| + | |||
| + | Lustlos gehorchte Schatzjade und schlurfte zur Tür hinaus. Im Wandelgang neckte er eine Weile die Vögel, dann verließ er den Hof und schlenderte am Duftgetränkten Bach entlang, wo er eine Weile die Goldfische betrachtete. Plötzlich sah er, wie zwei kleine Hirsche pfeilschnell den Berghang herabgerannt kamen. Er konnte sich nicht erklären, was das zu bedeuten hatte, und wunderte sich noch, da sah er schon Orchidee Kaufmann<ref>Chin. 贾兰 Jiǎ Lán, wörtl. „Orchidee Kaufmann", der junge Sohn der Witwe Seidenweiß Pflaume.</ref> mit einem kleinen Bogen in der Hand hinter ihnen herjagen. Kaum erblickte er Schatzjade, blieb er stehen und rief lächelnd: „Seid Ihr zu Hause, zweiter Onkel? Ich dachte, Ihr wäret ausgegangen!" | ||
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| + | Schatzjade schalt: „Bist du schon wieder unartig? Was schießt du auf die armen Hirsche?" | ||
| + | |||
| + | Orchidee Kaufmann lachte: „Ich habe gerade keinen Unterricht. Was soll ich sonst tun, wenn ich nichts zu lernen habe? Da übe ich eben Reiten und Bogenschießen." | ||
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| + | Schatzjade meinte: „Pass auf, dass du dir nicht die Zähne ausschlägst! Dann wirst du schon aufhören zu üben." | ||
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| + | Schatzjade ging weiter, wohin ihn seine Schritte trugen, und gelangte vor ein Gehöft, wo dichter Bambus wie Phönixschwänze emporragte und der Wind leise wie ein Drachensummen durch die schlanken Halme strich. Er blickte empor zum Tor und las die Inschrift auf der Tafel: „Xiaoxiang-Bambushain<ref>Chin. 潇湘馆 Xiāoxiāng Guǎn. Kajaljades Wohnstätte im Garten der Großen Anschauung, benannt nach dem Xiang-Fluss und seinen Bambustränen-Legenden.</ref>" [潇湘馆]. Er schlenderte hinein und sah, wie der Bambusvorhang bis zum Boden herabhing. Lautlose Stille herrschte, kein Menschenlaut war zu vernehmen. Als er ans Fenster trat, nahm er einen zarten, verborgenen Duft wahr, der durch die grüne Gaze heraussickerte. Er presste sein Gesicht an das Gazefenster und spähte hinein, da vernahm sein Ohr einen feinen, langen Seufzer, gefolgt von den leise gesprochenen Worten: | ||
| + | |||
| + | „Tag für Tag von Liebessehnsucht müd und schlaftrunken ..." [Anm.: Zitat aus dem Stück „Die Päonienlauben" (牡丹亭) von Tang Xianzu, Szene „Traumsuche" (寻梦). Die Zeile drückt Frühlingsschwermut und Liebessehnsucht aus.] | ||
| + | |||
| + | Schatzjade hörte es, und sein Herz begann zu kribbeln. Als er genauer hinsah, erkannte er Kajaljade, die sich auf dem Bett räkelte und streckte. Lachend rief er durchs Fenster: „Warum bist auch du 'Tag für Tag von Liebessehnsucht müd und schlaftrunken'?" Und damit schob er den Vorhang beiseite und trat ein. | ||
| + | |||
| + | Kajaljade erschrak über ihre eigene Unbesonnenheit, wurde unwillkürlich rot, bedeckte ihr Gesicht mit dem Ärmel, drehte sich zur Wand und tat, als schliefe sie. Schatzjade trat zu ihr und wollte sie gerade sanft zu sich drehen, da kamen Kajaljades alte Amme und zwei ältere Frauen hinterher herein und sagten: „Das Fräulein schläft. Kommt wieder, wenn sie aufgewacht ist!" | ||
| + | |||
| + | Kaum hatten sie das gesagt, setzte sich Kajaljade auf und lachte: „Wer schläft denn hier?" | ||
| + | |||
| + | Die zwei, drei Frauen sahen, dass Kajaljade aufgestanden war, und sagten lächelnd: „Wir dachten, Ihr schlaft, Fräulein." Dann riefen sie nach Purpurkuckuck<ref>Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck".</ref>: „Das Fräulein ist wach, komm herein und warte ihr auf!" Damit gingen sie hinaus. | ||
| + | |||
| + | Kajaljade saß auf dem Bett, ordnete mit einer Hand ihr Schläfenhaar und fragte Schatzjade lächelnd: „Wozu kommst du herein, während andere schlafen?" | ||
| + | |||
| + | Als Schatzjade ihre Sternenaugen halb verschleiert und ihre duftenden Wangen zart gerötet sah, gab es seinem Herzen einen Stoß. Er ließ sich schräg auf einen Stuhl sinken und fragte lächelnd: „Was hast du gerade eben gesagt?" | ||
| + | |||
| + | Kajaljade erwiderte: „Ich habe nichts gesagt." | ||
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| + | Schatzjade lachte: „Warte nur, du bekommst eine Kopfnuss von mir! Ich habe alles gehört." | ||
| + | |||
| + | Während die beiden noch redeten, trat Purpurkuckuck herein. Schatzjade bat lächelnd: „Purpurkuckuck, gieß mir doch eine Schale von eurem guten Tee ein!" | ||
| + | |||
| + | Purpurkuckuck erwiderte: „Was sollen wir schon für guten Tee haben? Wenn Ihr guten Tee wollt, müsst Ihr warten, bis Dufthauch kommt." | ||
| + | |||
| + | Kajaljade mischte sich ein: „Kümmere dich nicht um ihn! Geh mir erst einmal Wasser schöpfen!" | ||
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| + | Purpurkuckuck lachte: „Er ist doch ein Gast. Natürlich gieße ich ihm erst Tee ein, ehe ich Wasser schöpfen gehe." Damit ging sie, um Tee zu holen. | ||
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| + | Schatzjade rezitierte lächelnd: | ||
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| + | „Du liebes Mädchen, du! | ||
| + | Wenn ich mit deinem schönen Fräulein unter dem Liebesvorhang läge, | ||
| + | wie könntest du es über dich bringen, die Betten zu richten?" [Anm.: Zitat aus dem Drama „Das Westzimmer" (西厢记), in dem der junge Gelehrte Zhang Sheng zur Dienerin Hongniang spricht.] | ||
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| + | Kajaljade ließ sofort die Miene erstarren und sagte: „Zweiter Bruder, was hast du da gesagt?" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade beteuerte lächelnd: „Ich habe doch gar nichts gesagt!" | ||
| + | |||
| + | Da brach Kajaljade in Tränen aus: „Ist das jetzt die neueste Mode, dass du draußen ordinäre Reden aufschnappst und sie mir ins Gesicht sagst? Dass du verdorbene Bücher liest und dich dann über mich lustig machst? Dazu bin ich den Herren wohl gerade gut genug – um ihre Langeweile an mir auszulassen!" Weinend stieg sie vom Bett und wollte hinausgehen. | ||
| + | |||
| + | Schatzjade wusste nicht, was er tun sollte, Panik ergriff sein Herz, und er eilte ihr nach: „Liebste Schwester, ich habe es verdient, auf der Stelle zu sterben! Bitte, sag es niemandem! Wenn ich so etwas je wieder wage, soll mir ein Furunkel am Mund wachsen und die Zunge verfaulen!" | ||
| + | |||
| + | Gerade als er noch sprach, kam Dufthauch herein und sagte: „Schnell, komm zurück und zieh dich um! Der gnädige Herr<ref>Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „Aufrecht Kaufmann".</ref> ruft nach dir!" | ||
| + | |||
| + | Als Schatzjade das hörte, traf es ihn wie ein Donnerschlag. Ohne an etwas anderes zu denken, rannte er zurück, zog sich hastig um und eilte aus dem Garten. Am Innentor wartete bereits Beiming [焙茗] auf ihn. Schatzjade fragte: „Was ist los?" | ||
| + | |||
| + | Beiming drängte: „Beeilt Euch nur, junger Herr! Hingehen müsst Ihr so oder so. Dort erfahrt Ihr alles." Und er trieb Schatzjade zur Eile an. | ||
| + | |||
| + | Als Schatzjade um die große Halle bog, das Herz noch immer voller Bangen, ertönte plötzlich aus dem Mauerwinkel schallendes Gelächter. Er drehte sich um und sah Becken Schnee<ref>Chin. 薛蟠 Xuē Pán, Schatzspanges älterer Bruder.</ref>, der klatschend und springend hervorkam und lachte: „Hätte ich nicht gesagt, der Onkel ruft nach dir, wärst du niemals so schnell herausgekommen!" Auch Beiming kniete lachend nieder. | ||
| + | |||
| + | Schatzjade starrte lange verblüfft, bis er endlich begriff, dass Becken Schnee ihn nur aus dem Garten hatte locken wollen. Eilig verbeugte sich Becken Schnee mit zusammengelegten Händen, um sich zu entschuldigen, und bat: „Macht dem Jungen keine Schwierigkeiten, ich war es, der ihn dazu gezwungen hat." | ||
| + | |||
| + | Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu lächeln, und sagte: „Dass du mich zum Narren hältst, sei noch dahingestellt. Aber wie konntest du dich als meinen Vater ausgeben? Das werde ich der Tante erzählen und sie urteilen lassen, ob man das tun darf!" | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee rief: „Liebster Bruder, ich wollte doch nur, dass du dich ein wenig beeilst, und habe dabei ganz vergessen, dass so etwas tabu ist. Ein andermal darfst du mich genauso anführen, dann sind wir quitt!" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade stöhnte: „O weh! Das wird ja immer schlimmer." Dann wandte er sich an Beiming: „Was kniest du Verräter noch da unten? Steh auf!" | ||
| + | |||
| + | Beiming machte eilig einen Kotau und stand auf. | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee erklärte nun: „Ich hätte dich ja nicht gestört, aber am dritten Tag des fünften Monats ist mein Geburtstag, und der Antiquitätenhändler Cheng Rixing [程日兴] hat, wer weiß woher, so dicke und so lange, knackig-frische Lotosknollen aufgetrieben, dazu so riesige Wassermelonen, einen so langen, frischen Stör und ein so gewaltiges, mit feinstem Zypressenholzweihrauch geräuchertes Schwein, das als Tributgabe aus Siam [暹罗] gekommen war. Sag selbst, sind das nicht seltene Gaben? Der Fisch und das Schwein sind einfach teuer und schwer zu bekommen, aber bei den Lotosknollen und den Melonen fragt man sich, wie er sie nur herangezogen hat! Ich habe meiner Mutter sogleich etwas davon verehrt und auch eurer Herzoginmutter, dem Onkel und der Tante eilends etwas geschickt. Vom Rest, den ich aufhob, wollte ich selbst essen, doch fürchtete ich, mein Glück zu verspielen. Ich habe hin und her überlegt: Außer mir bist nur du allein würdig, davon zu kosten. Darum habe ich dich eigens eingeladen. Und zufällig ist eben auch noch ein Sängerknabe gekommen. Also wollen wir uns zusammen einen vergnügten Tag machen, was meinst du?" | ||
| + | |||
| + | Bei diesen Worten gelangten sie in Xue Pans Bibliothek. Dort saßen bereits Zhan Guang [詹光], Cheng Rixing, Hu Silai [胡斯来], Shan Pingren [单聘仁] und der Sängerknabe. Als sie Schatzjade eintreten sahen, begrüßten sie ihn mit Verneigungen und Höflichkeitsbezeugungen. Man tauschte Grüße, trank Tee, und dann befahl Becken Schnee, den Wein aufzutragen. Kaum hatte er es ausgesprochen, begannen die Diener eifrig, den Tisch herzurichten, und nach einer Weile war alles bereit, und man nahm Platz. Schatzjade überzeugte sich, dass die Melonen und Lotosknollen tatsächlich von seltener Güte waren, und sprach lächelnd: „Meine Geburtstagsgeschenke habe ich dir noch nicht geschickt, und du bewirtest mich schon!" | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee erwiderte: „Ja wirklich! Was gedenkst du mir denn morgen zu schenken?" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade sagte: „Was kann ich dir schon schenken? Silber und Gold, Essen und Kleider – das alles gehört ja gar nicht mir. Nur was ich selbst mit dem Pinsel schreibe oder male, das allein ist wirklich von mir." | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee lachte: „Da du gerade vom Malen sprichst, fällt mir etwas ein. Gestern habe ich bei jemandem ein Frühlingsbild gesehen [Anm.: ein erotisches Bild], das wirklich vorzüglich gemalt war. Es standen auch viele Schriftzeichen darauf, die ich mir nicht näher angesehen habe, aber die Signatur lautete 'Geng Huang' [庚黄]. Ein wahrhaft großartiges Bild!" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade überlegte verwundert: „Ich habe doch schon allerhand alte und neue Kalligraphien und Gemälde gesehen – einen 'Geng Huang' gibt es nicht!" Er sann eine Weile nach, lachte dann plötzlich auf, ließ sich einen Pinsel bringen und schrieb zwei Schriftzeichen auf seinen Handteller. Dann fragte er Becken Schnee: „Bist du dir sicher, dass dort 'Geng Huang' stand?" | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee sagte: „Natürlich! Wie sollte ich mich da irren?" | ||
| − | + | Schatzjade öffnete die Hand und zeigte ihm die Zeichen: „Waren es nicht vielleicht diese hier? Die Ähnlichkeit mit 'Geng Huang' ist in der Tat groß." | |
| − | + | ||
| − | + | Alle schauten hin und lasen: „Tang Yin" [唐寅]. Lachend sagten sie: „Das werden sie wohl gewesen sein – der hohe Herr hat sich wohl einen Augenblick lang versehen." | |
| − | + | ||
| − | + | Becken Schnee fühlte sich beschämt und sagte unwillig: „Wer kennt sich schon aus, ob das 'Bonbonsilber' oder 'Obstsilber' heißt!" [Anm.: Wortspiel – 唐 tang klingt wie 糖 „Zucker", 寅 yin wie 银 „Silber"] | |
| − | + | ||
| − | + | Gerade als man noch darüber sprach, meldete ein Diener: „Der junge Herr Feng ist da!" Schatzjade wusste sofort, dass es Feng Ziying<ref>Chin. 冯紫英 Féng Zǐyīng, Sohn des Generals Feng Tang.</ref> sein musste, der Sohn des Generals Feng Tang von der Shenwu-Garnison. | |
| − | + | ||
| − | + | „Schnell hereinbitten!" riefen Becken Schnee und die übrigen wie aus einem Munde. Und noch ehe sie zu Ende gesprochen hatten, kam Feng Ziying auch schon lachend und plaudernd herein. Alle standen auf und baten ihn, Platz zu nehmen. | |
| + | |||
| + | Feng Ziying lachte: „Nicht übel! Statt auszugehen, macht ihr es euch fein zu Hause bequem!" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade und Becken Schnee erwiderten lächelnd: „Wir haben uns lange nicht gesehen. Ist der Herr Vater wohlauf?" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying antwortete: „Meinem Vater geht es, Gott sei Dank, gut. Nur meine Mutter hat sich vor ein paar Tagen erkältet und war zwei Tage lang unwohl." | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee hatte einige blaue Flecke in Feng Ziyings Gesicht entdeckt und erkundigte sich lächelnd: „Mit wem hast du dich denn wieder geprügelt? Du hast ja ein richtiges Aushängeschild im Gesicht!" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying lachte: „Seit ich damals bei der Schlägerei den Sohn von Oberst Qiu verletzt habe, habe ich mir geschworen, mich nicht mehr aufzubrausen. Warum also sollte ich mich geprügelt haben? Nein, das war neulich auf der Jagd. In den Eisennetzbergen [铁网山] hat mir ein Jagdfalke einen Hieb mit dem Flügel versetzt." | ||
| + | |||
| + | Schatzjade fragte: „Wann war das denn?" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying sagte: „Am achtundzwanzigsten des dritten Monats bin ich aufgebrochen, und vorgestern war ich zurück." | ||
| + | |||
| + | Schatzjade meinte: „Dann ist es kein Wunder, dass ich dich am dritten oder vierten vorigen Monats nicht gesehen habe, als ich bei Shen zu Gast war. Ich wollte noch nach dir fragen, habe es dann aber irgendwie vergessen. Warst du allein, oder war dein Herr Vater auch mit?" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying erwiderte: „Weil mein Vater auf die Jagd wollte, blieb mir ja nichts anderes übrig, als mitzugehen! Meinst du, ich wäre verrückt geworden? Lieber trinke ich hier mit euch und höre Lieder, statt mir diese Strapazen aufzuladen. Doch diesmal hatte ich großes Glück im Unglück." | ||
| + | |||
| + | Da Becken Schnee und die Übrigen sahen, dass Feng Ziying seinen Tee ausgetrunken hatte, drängten sie: „Setz dich erst einmal zu uns an den Tisch und erzähle in aller Ruhe!" | ||
| + | |||
| + | Doch Feng Ziying stand auf und sagte: „Eigentlich müsste ich wirklich ein paar Becher mit euch trinken, aber heute habe ich eine äußerst dringende Angelegenheit und muss meinem Vater noch persönlich Bericht erstatten, wenn ich zurückkomme. Ich wage es wirklich nicht, eure Einladung anzunehmen." | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee, Schatzjade und die anderen ließen sich das natürlich nicht bieten und hielten ihn mit aller Kraft fest. Feng Ziying lachte: „Das ist doch seltsam! Wir kennen uns nun schon so viele Jahre – wann hat es das zwischen uns jemals gegeben? Es ist mir wirklich nicht möglich. Aber wenn ihr darauf besteht, dann holt einen großen Becher, den ich zweimal leeren will – und dann muss ich gehen." | ||
| + | |||
| + | Die anderen gaben sich widerwillig zufrieden. Becken Schnee führte die Kanne, Schatzjade hielt den Becher, und zweimal wurde der große Humpen randvoll gefüllt. Feng Ziying leerte ihn beide Male im Stehen in einem Zug. | ||
| + | |||
| + | Schatzjade bat: „Aber erzähl uns wenigstens, was es mit dem 'Glück im Unglück' auf sich hat, bevor du gehst!" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying lachte: „Wenn ich es jetzt erzähle, wird es nicht spannend genug. Ich werde euch eigens dazu einladen und alles in Ruhe berichten. Außerdem gibt es dann noch eine Bitte, die ich an euch habe." Damit ergriff er ihre Hände zum Abschied und ging. | ||
| + | |||
| + | Becken Schnee rief ihm nach: „Jetzt hast du uns erst recht neugierig gemacht! Wann wirst du uns einladen? Sag es uns wenigstens, damit wir nicht im Ungewissen bleiben!" | ||
| + | |||
| + | Feng Ziying antwortete: „Höchstens zehn Tage, mindestens acht." Damit ging er hinaus, stieg aufs Pferd und ritt davon. | ||
| + | |||
| + | Die Zurückgebliebenen kehrten an den Tisch zurück und tranken noch eine Weile, ehe sie auseinandergingen. | ||
| + | |||
| + | Als Schatzjade in den Garten zurückkam, hatte Dufthauch die ganze Zeit bangen Herzens auf ihn gewartet und sich gefragt, ob es Glück oder Unglück bedeute, dass Aufrecht Kaufmann ihn zu sich gerufen hatte. Als sie ihn nun angeheitert zurückkommen sah, fragte sie nach dem Hergang, und Schatzjade erzählte ihr alles der Reihe nach. | ||
| + | |||
| + | Dufthauch warf ihm vor: „Hier sitzt man vor Angst wie auf glühenden Kohlen, und du amüsierst dich nach Herzenslust! Hättest du wenigstens jemanden mit einer Nachricht hergeschickt!" | ||
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| + | Schatzjade versicherte: „Das wollte ich ja. Aber als der junge Feng kam, habe ich es in dem Durcheinander ganz vergessen." | ||
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| + | Gerade als er noch sprach, trat Schatzspange lächelnd herein und sagte: „Die schönen Sachen habt ihr uns alle weggegessen!" | ||
| + | |||
| + | Schatzjade erwiderte lächelnd: „Die kamen doch aus dem Hause der Schwester – da wurden natürlich zuerst wir bedacht!" | ||
| + | |||
| + | Schatzspange schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Gestern hat mein Bruder mich eigens eingeladen, davon zu kosten, aber ich habe nichts gegessen und ihm gesagt, er solle es aufheben und Gäste einladen oder es verschenken. Ich weiß ja, dass mir ein kümmerliches Geschick bestimmt ist und es mir nicht gebührt, solche guten Dinge zu essen." | ||
| + | |||
| + | Ein Mädchen brachte Tee, und sie plauderten beim Teetrinken. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. | ||
| + | |||
| + | Wenden wir uns nun Kajaljade zu. Als sie gehört hatte, dass Aufrecht Kaufmann nach Schatzjade geschickt habe und dieser den ganzen Tag nicht zurückgekehrt war, hatte auch sie sich Sorgen um ihn gemacht. Nach dem Abendessen vernahm sie, Schatzjade sei zurück, und so trieb es sie, ihn aufzusuchen und zu erfahren, was vorgefallen war. Langsamen Schrittes ging sie hinüber. Da sah sie, wie Schatzspange eben in Schatzjades Hof verschwand. Also folgte sie ihr. | ||
| + | |||
| + | Gerade an der Brücke am Duftgetränkten Quell [沁芳桥] angelangt, erblickte sie allerlei Wasservögel, die im Teich badeten. Sie konnte die einzelnen Arten nicht unterscheiden, sah nur, dass ein jeder bunt schillernde Federn trug und wunderbar anzusehen war. So blieb sie stehen und betrachtete sie eine Weile. Als sie dann zum Hof der Roten Freude weiterging, fand sie das Hoftor verschlossen. Sie klopfte mit der Hand dagegen. | ||
| + | |||
| + | Nun hatten sich Heitermuster und Bihen [碧痕] gerade gestritten, und Heitermuster war übelster Laune. Als dann Schatzspange erschienen war, hatte Heitermuster ihren Ärger auf sie übertragen und im Hof geschimpft: „Ob was ist oder nicht, sie kommt einfach anmarschiert und sitzt herum, und wir kommen dann bis tief in die Nacht nicht zum Schlafen!" | ||
| + | |||
| + | Als nun plötzlich wieder jemand ans Tor klopfte, steigerte das Heitermusters Zorn nur noch mehr. Ohne zu fragen, wer es sei, rief sie: „Es sind schon alle schlafen gegangen! Kommt morgen wieder!" | ||
| + | |||
| + | Kajaljade kannte die Art der Mädchen und wusste, wie gern sie einander zum Narren hielten. Sie glaubte, das Mädchen im Hof habe ihre Stimme nicht erkannt und sie für eine andere Dienstmagd gehalten, die keinen Einlass brauchte. Darum rief sie mit erhobener Stimme: „Ich bin es! Willst du nicht endlich aufmachen?" | ||
| + | |||
| + | Doch Heitermuster hatte immer noch nicht erkannt, wer da rief, und fauchte eigensinnig: „Ganz gleich, wer Ihr seid – der junge Herr hat befohlen, dass ausnahmslos niemand mehr eingelassen wird!" | ||
| + | |||
| + | Als Kajaljade das hörte, erstarrte sie vor Zorn, dort draußen vor dem verschlossenen Tor. Schon wollte sie laut aufbegehren und ihrem Ärger Luft machen, doch dann besann sie sich: „Es heißt zwar, bei der Tante sei es wie zu Hause – doch am Ende bin ich hier nur zu Gast. Vater und Mutter sind beide gestorben, ich habe weder Rückhalt noch Zuflucht, und lebe auf die Gastfreundschaft dieser Familie angewiesen. Wenn ich jetzt einen Streit anfange, ist das auch nicht gerade würdevoll." Bei diesen Gedanken rollten ihr schon die Tränen über die Wangen. | ||
| + | |||
| + | Es war ihr gleichermaßen unmöglich umzukehren wie dort stehen zu bleiben. Noch während sie unschlüssig dastand, drangen Gesprächsfetzen und Gelächter aus dem Inneren an ihr Ohr, und als sie genauer hinhörte, erkannte sie die Stimmen von Schatzjade und Schatzspange. Da wallte der Zorn in Kajaljades Brust noch heftiger auf. Sie dachte hin und her, und plötzlich fiel ihr der Vorfall vom Morgen wieder ein: „Gewiss ist Schatzjade böse auf mich, weil ich gedroht habe, mich über ihn zu beschweren. Doch habe ich mich je wirklich beschwert? Du hättest dich wenigstens erkundigen können, ehe du mich so behandelst! Heute lässt du mich nicht herein – aber morgen werden wir uns doch sehen müssen!" | ||
| + | |||
| + | Je länger sie darüber nachsann, desto mehr grämte sie sich. Ohne auf das kalte, betaute Moos unter ihren Füßen oder den kühlen Wind auf dem Blumenpfad zu achten, stand sie einsam in einem Mauerwinkel unter blühenden Bäumen und schluchzte bitterlich. | ||
| + | |||
| + | Nun war Kajaljade von einzigartiger Schönheit und unvergleichlicher Anmut. Als sie jetzt zu weinen begann, flogen die Vögel, die sich auf den Zweigen und Blüten ringsum zur Nacht niedergelassen hatten, bei ihrem Klagelaut allesamt mit rauschenden Flügeln auf und in die Ferne davon, weil sie es nicht ertragen konnten, dies länger mit anzuhören. Wahrlich: | ||
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| + | Stumm stehen die Blumengeister, ohne Regung, | ||
| + | erschreckt flattern die traumverlorenen Vögel auf — wohin? | ||
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Ein Gedicht sagt: | Ein Gedicht sagt: | ||
| − | + | ||
| − | + | An Schönheit und Begabung sucht Kajaljade auf Erden ihresgleichen, | |
| − | + | einsam tritt sie, den keuschen Duft im Arm, aus ihrem Boudoir hervor. | |
| − | + | Noch ehe ihr klägliches Schluchzen verhallt, | |
| − | Während | + | fallen die Blüten zu Boden, die Vögel flattern erschreckt davon. |
| + | |||
| + | Während Kajaljade noch weinte und klagte, ging mit einem Knarren das Hoftor auf – doch wer dort heraustrat, das erfahre, wer es wissen will, im nächsten Kapitel. | ||
| + | |||
| + | <references /> | ||
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Revision as of 19:29, 28 April 2026
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
|---|---|
|
話說寶玉養過了三十三天之後,不但身體強壯,亦且連臉上瘡痕平服,仍回大觀園內去。這也不在話下。 且說近日寶玉病的時節,賈芸帶著家下小廝坐更看守,晝夜在這裡,那紅玉同眾丫鬟也在這裡守著寶玉,彼此相見多日,都漸漸混熟了。那紅玉見賈芸手裡拿的手帕子,倒象是自己從前掉的,待要問他,又不好問的。不料那和尚道士來過,用不著一切男人,賈芸仍種樹去了。這件事待要放下,心內又放不下,待要問去,又怕人猜疑,正是猶豫不決神魂不定之際,忽聽窗外問道:「姐姐在屋裡沒有?」紅玉聞聽,在窗眼內望外一看,原來是本院的個小丫頭名叫佳蕙的,因答說:「在家裡,你進來罷。」佳蕙聽了跑進來,就坐在床上,笑道:「我好造化!才剛在院子里洗東西,寶玉叫往林姑娘那裡送茶葉,花大姐姐交給我送去。可巧老太太那裡給林姑娘送錢來,正分給他們的丫頭們呢。見我去了,林姑娘就抓了兩把給我,也不知多少。你替我收著。」便把手帕子打開,把錢倒了出來,紅玉替他一五一十的數了收起。 佳蕙道:「你這一程子心裡到底覺怎麼樣?依我說,你竟家去住兩日,請一個大夫來瞧瞧,吃兩劑藥就好了。」紅玉道:「那裡的話,好好的,家去作什麼!」 佳蕙道:「我想起來了,林姑娘生的弱,時常他吃藥,你就和他要些來吃,也是一樣。」紅玉道:「胡說!藥也是混吃的。」佳蕙道:「你這也不是個長法兒,又懶吃懶喝的,終久怎麼樣?」紅玉道:「怕什麼,還不如早些兒死了倒乾凈!」佳蕙道:「好好的,怎麼說這些話?」紅玉道: 「你那裡知道我心裡的事!」 佳蕙點頭想了一會,道:「可也怨不得,這個地方難站。就象昨兒老太太因寶玉病了這些日子,說跟著伏侍的這些人都辛苦了,如今身上好了,各處還完了願,叫把跟著的人都按著等兒賞他們。我們算年紀小,上不去,我也不抱怨;像你怎麼也不算在裡頭?我心裡就不服。襲人那怕他得十分兒,也不惱他,原該的。說良心話,誰還敢比他呢?別說他素日殷勤小心,便是不殷勤小心,也拼不得。可氣晴雯、綺霰他們這幾個,都算在上等里去,仗著老子娘的臉面,眾人倒捧著他去。你說可氣不可氣?」紅玉道:「也不犯著氣他們。俗語說的好,『千里搭長棚,沒有個不散的筵席』,誰守誰一輩子呢?不過三年五載,各人乾各人的去了。那時誰還管誰呢?」這兩句話不覺感動了佳蕙的心腸,由不得眼睛紅了,又不好意思好端端的哭,只得勉強笑道:「你這話說的卻是。昨兒寶玉還說,明兒怎麼樣收拾房子,怎麼樣做衣裳,倒象有幾百年的熬煎。」 紅玉聽了冷笑了兩聲,方要說話,只見一個未留頭的小丫頭子走進來,手裡拿著些花樣子並兩張紙,說道:「這是兩個樣子,叫你描出來呢。」說著向紅玉擲下,回身就跑了。紅玉向外問道:「倒是誰的?也等不得說完就跑,誰蒸下饅頭等著你,怕冷了不成!」那小丫頭在窗外只說得一聲: 「是綺大姐姐的。」抬起腳來咕咚咕咚又跑了。紅玉便賭氣把那樣子擲在一邊,向抽屜內找筆,找了半天都是禿了的,因說道:「前兒一枝新筆,放在那裡了?怎麼一時想不起來。」一面說著,一面出神,想了一會方笑道:「是了,前兒晚上鶯兒拿了去了。」便向佳蕙道:「你替我取了來。」佳蕙道:「花大姐姐還等著我替他抬箱子呢,你自己取去罷。」紅玉道:「他等著你,你還坐著閑打牙兒?我不叫你取去,他也不等著你了。壞透了的小蹄子!」說著,自己便出房來,出了怡紅院,一徑往寶釵院內來。 剛至沁芳亭畔,只見寶玉的奶娘李嬤嬤從那邊走來。紅玉立住笑問道:「李奶奶,你老人家那去了?怎打這裡來?」李嬤嬤站住將手一拍道:「你說說,好好的又看上了那個種樹的什麼雲哥兒雨哥兒的,這會子逼著我叫了他來。明兒叫上房裡聽見,可又是不好。」紅玉笑道:「你老人家當真的就依了他去叫了?」李嬤嬤道:「可怎麼樣呢?」紅玉笑道:「那一個要是知道好歹,就回不進來才是。」李嬤嬤道:「他又不痴,為什麼不進來?」紅玉道:「既是進來,你老人家該同他一齊來,回來叫他一個人亂碰,可是不好呢。」李嬤嬤道:「我有那樣工夫和他走?不過告訴了他,回來打發個小丫頭子或是老婆子,帶進他來就完了。」 說著,拄著拐杖一徑去了。紅玉聽說,便站著出神,且不去取筆。 一時,只見一個小丫頭子跑來,見紅玉站在那裡,便問道:「林姐姐,你在這裡作什麼呢?」紅玉抬頭見是小丫頭子墜兒。紅玉道:「那去?」墜兒道:「叫我帶進芸二爺來。」說著一徑跑了。這裡紅玉剛走至蜂腰橋門前,只見那邊墜兒引著賈芸來了。那賈芸一面走,一面拿眼把紅玉一溜;那紅玉只裝著和墜兒說話,也把眼去一溜賈芸:四目恰相對時,紅玉不覺臉紅了,一扭身往蘅蕪苑去了。不在話下。 這裡賈芸隨著墜兒,逶迤來至怡紅院中。墜兒先進去回明瞭,然後方領賈芸進去。賈芸看時,只見院內略略有幾點山石,種著芭蕉,那邊有兩隻仙鶴在松樹下剔翎。一溜迴廊上吊著各色籠子,各色仙禽異鳥。上面小小五間抱廈,一色雕鏤新鮮花樣隔扇,上面懸著一個匾額,四個大字,題道是「怡紅快綠」。賈芸想道:「怪道叫『怡紅院』,原來匾上是恁樣四個字。」正想著,只聽裡面隔著紗窗子笑說道:「快進來罷。我怎麼就忘了你兩三個月!」賈芸聽得是寶玉的聲音,連忙進入房內。抬頭一看,只見金碧輝煌,文章閃灼,卻看不見寶玉在那裡。一回頭,只見左邊立著一架大穿衣鏡,從鏡後轉出兩個一般大的十五六歲的丫頭來說:「請二爺裡頭屋裡坐。」賈芸連正眼也不敢看,連忙答應了。又進一道碧紗廚,只見小小一張填漆床上,懸著大紅銷金撒花帳子。寶玉穿著家常衣服,靸著鞋,倚在床上拿著本書,看見他進來,將書擲下,早堆著笑立起身來。賈芸忙上前請了安。寶玉讓坐,便在下面一張椅子上坐了。寶玉笑道:「只從那個月見了你,我叫你往書房裡來,誰知接接連連許多事情,就把你忘了。」賈芸笑道:「總是我沒福,偏偏又遇著叔叔身上欠安。叔叔如今可大安了?」寶玉道:「大好了。我倒聽見說你辛苦了好幾天。」賈芸道:「辛苦也是該當的。叔叔大安了,也是我們一家子的造化。」 說著,只見有個丫鬟端了茶來與他。那賈芸口裡和寶玉說著話,眼睛卻溜瞅那丫鬟:細挑身材,容長臉面,穿著銀紅襖兒,青緞背心,白綾細摺裙。──不是別個,卻是襲人。那賈芸自從寶玉病了幾天,他在裡頭混了兩日,他卻把那有名人口認記了一半。他也知道襲人在寶玉房中比別個不同,今見他端了茶來,寶玉又在旁邊坐著,便忙站起來笑道: 「姐姐怎麼替我倒起茶來。我來到叔叔這裡,又不是客,讓我自己倒罷。」寶玉道:「你只管坐著罷。丫頭們跟前也是這樣。」賈芸笑道:「雖如此說,叔叔房裡姐姐們,我怎麼敢放肆呢?」一面說,一面坐下吃茶。 那寶玉便和他說些沒要緊的散話。可說的!】}}又說道誰家的戲子好,誰家的花園好,又告訴他誰家的丫頭標緻,誰家的酒席豐盛,又是誰家有奇貨,又是誰家有異物。那賈芸口裡只得順著他說,說了一會,見寶玉有些懶懶的了,便起身告辭。寶玉也不甚留,只說:「你明兒閑了,只管來。」仍命小丫頭子墜兒送他出去。 出了怡紅院,賈芸見四顧無人,便把腳慢慢停著些走,口裡一長一短和墜兒說話,先問他「幾歲了?名字叫什麼?你父母在那一行上?在寶叔房內幾年了?一個月多少錢?共總寶叔房內有幾個女孩子?」那墜兒見問,便一樁樁的都告訴他了。賈芸又道:「才剛那個與你說話的,他可是叫小紅?」 墜兒笑道:「他倒叫小紅。你問他作什麼?」賈芸道:「方纔他問你什麼手帕子,我倒揀了一塊。」墜兒聽了笑道:「他問了我好幾遍,可有看見他的帕子。我有那麼大工夫管這些事!今兒他又問我,他說我替他找著了,他還謝我呢。才在蘅蕪苑門口說的,二爺也聽見了,不是我撒謊。好二爺,你既揀了,給我罷。我看他拿什麼謝我。」 原來上月賈芸進來種樹之時,便揀了一塊羅帕,便知是所在園內的人失落的,但不知是那一個人的,故不敢造次。今聽見紅玉問墜兒,便知是紅玉的,心內不勝喜幸。又見墜兒追索,心中早得了主意,便向袖內將自己的一塊取了出來,向墜兒笑道:「我給是給你,你若得了他的謝禮,不許瞞著我。」墜兒滿口裡答應了,接了手帕子,送出賈芸,回來找紅玉,不在話下。 如今且說寶玉打發了賈芸去後,意思懶懶的歪在床上,似有朦朧之態。襲人便走上來,坐在床沿上推他,說道:「怎麼又要睡覺?悶的很,你出去逛逛不是?」 寶玉見說,便拉他的手笑道:「我要去,只是捨不得你。」襲人笑道:「快起來罷!」一面說,一面拉了寶玉起來。寶玉道:「可往那去呢?怪膩膩煩煩的。」襲人道:「你出去了就好了。只管這麼葳蕤 ,越發心裡煩膩。」 寶玉無精打采的,只得依他。晃出了房門,在迴廊上調弄了一回雀兒;出至院外,順著沁芳溪看了一回金魚。只見那邊山坡上兩隻小鹿箭也似的跑來,寶玉不解其意,正自納悶,只見賈蘭在後面拿著一張小弓追了下來。一見寶玉在前面,便站住了,笑道:「二叔叔在家裡呢,我只當出門去了。」寶玉道:「你又淘氣了。好好的射他作什麼?」賈蘭笑道:「這會子不念書,閑著作什麼?所以演習演習騎射。」寶玉道: 「把牙栽了,那時才不演呢。」 說著,順著腳一徑來至一個院門前,只見鳳尾森森,龍吟細細。舉目望門上一看,只見匾上寫著「瀟湘館」三字。寶玉信步走入,只見湘簾垂地,悄無人聲。走至窗前,覺得一縷幽香從碧紗窗中暗暗透出。寶玉便將臉貼在紗窗上,往裡看時,耳內忽聽得細細的長嘆了一聲道:「『每日家情思睡昏昏』。」寶玉聽了,不覺心內癢將起來,再看時,只見黛玉在床上伸懶腰。寶玉在窗外笑道:「為甚麼 『每日家情思睡昏昏』?」一面說,一面掀帘子進來了。 林黛玉自覺忘情,不覺紅了臉,拿袖子遮了臉,翻身向里裝睡著了。寶玉才走上來要搬他的身子,只見黛玉的奶娘並兩個婆子卻跟了進來說:「妹妹睡覺呢,等醒了再請來。」剛說著,黛玉便翻身坐了起來,笑道:「誰睡覺呢。」那兩三個婆子見黛玉起來,便笑道:「我們只當姑娘睡著了。」說著,便叫紫鵑說:「姑娘醒了,進來伺侯。」一面說,一面都去了。 黛玉坐在床上,一面抬手整理鬢髮,一面笑向寶玉道:「人家睡覺,你進來作什麼?」寶玉見他星眼微餳,香腮帶赤,不覺神魂早盪,一歪身坐在椅子上,笑道:「你才說什麼?」黛玉道:「我沒說什麼。」寶玉笑道:「給你個榧子吃!我都聽見了。」 二人正說話,只見紫鵑進來。寶玉笑道:「紫鵑,把你們的好茶倒碗我吃。」紫鵑道:「那裡是好的呢?要好的,只是等襲人來。」黛玉道:「別理他,你先給我舀水去罷。」紫鵑笑道:「他是客,自然先倒了茶來再舀水去。」說著倒茶去了。寶玉笑道:「好丫頭,『若共你多情小姐同鴛帳,怎捨得疊被鋪床?』」林黛玉登時撂下臉來,說道:「二哥哥,你說什麼?」寶玉笑道:「我何嘗說什麼。」黛玉便哭道:「如今新興的,外頭聽了村話來,也說給我聽;看了混帳書,也來拿我取笑兒。我成了爺們解悶的。」一面哭著,一面下床來往外就走。寶玉不知要怎樣,心下慌了,忙趕上來,「好妹妹,我一時該死,你別告訴去。我再要敢,嘴上就長個疔,爛了舌頭。」 正說著,只見襲人走來說道:「快回去穿衣服,老爺叫你呢。」寶玉聽了,不覺打了個焦雷的一般,也顧不得別的,疾忙回來穿衣服。出園來,只見焙茗在二門前等著,寶玉便問道:「是作什麼?」焙茗道:「爺快出來罷,橫豎是見去的,到那裡就知道了。」一面說,一面催著寶玉。 轉過大廳,寶玉心裡還自狐疑,只聽牆角邊一陣呵呵大笑,回頭看時,見是薛蟠拍著手跳了出來,笑道:「要不說姨夫叫你,你那裡出來的這麼快。」焙茗也笑著跪下了。寶玉怔了半天,方解過來了,是薛蟠哄他出來。薛蟠連忙打恭作揖陪不是,又求「不要難為了小子,都是我逼他去的」。寶玉也無法了,只好笑問道:「你哄我也罷了,怎麼說我父親呢?我告訴姨娘去,評評這個理,可使得麽?」薛蟠忙道:「好兄弟,我原為求你快些出來,就忘了忌諱這句話。改日你也哄我,說我的父親就完了。」寶玉道:「噯,噯,越發該死了。」又向焙茗道:「反叛肏的,還跪著作什麼!」焙茗連忙叩頭起來。薛蟠道:「要不是我也不敢驚動,只因明兒五月初三日是我的生日,誰知古董行的程日興,他不知那裡尋了來的這麼粗這麼長粉脆的鮮藕,這麼大的大西瓜,這麼長一尾新鮮的鱘魚,這麼大的一個暹羅國進貢的靈柏香熏的暹豬。你說,他這四樣禮可難得不難得?那魚,豬不過貴而難得,這藕和瓜虧他怎麼種出來的。我連忙孝敬了母親,趕著給你們老太太、姨父、姨母送了些去。如今留了些,我要自己吃,恐怕折福,左思右想,除我之外,惟有你還配吃,所以特請你來。可巧唱曲兒的小么兒又才來了,我同你樂一天何如?」 一面說,一面來至他書房裡。只見詹光、程日興、胡斯來、單聘仁等並唱曲兒的都在這裡,見他進來,請安的,問好的,都彼此見過了。吃了茶,薛蟠即命人擺酒來。說猶未了,眾小廝七手八腳擺了半天,方纔停當歸坐。寶玉果見瓜藕新異,因笑道:「我的壽禮還未送來,倒先擾了。」薛蟠道:「可是呢,明兒你送我什麼?」寶玉道:「我可有什麼可送的?若論銀錢吃穿等類的東西,究竟還不是我的,惟有我寫一張字,畫一張畫,才算是我的。」 薛蟠笑道:「你提畫兒,我才想起來。昨兒我看人家一張春宮,畫的著實好。上面還有許多的字,也沒細看,只看落的款,是『庚黃』畫的。真真的好的了不得!」寶玉聽說,心下猜疑道:「古今字畫也都見過些,那裡有個『庚黃』?」想了半天,不覺笑將起來,命人取過筆來,在手心裡寫了兩個字,又問薛蟠道:「你看真了是『庚黃』?」薛蟠道:「怎麼看不真!」寶玉將手一撒,與他看道:「別是這兩字罷?其實與『庚黃』相去不遠。」眾人都看時,原來是「唐寅」兩個字,都笑道:「想必是這兩字,大爺一時眼花了也未可知。」薛蟠只覺沒意思,笑道:「誰知他『糖銀』『果銀』的。」 正說著,小廝來回:「馮大爺來了。」寶玉便知是神武將軍馮唐之子馮紫英來了。薛蟠等一齊都叫:「快請。」說猶未了,只見馮紫英一路說笑,已進來了。眾人忙起席讓坐。馮紫英笑道:「好呀!也不出門了,在家裡高樂罷。」寶玉薛蟠都笑道:「一向少會,老世伯身上康健?」紫英答道:「家父倒也托庇康健。近來家母偶著了些風寒,不好了兩天。」薛蟠見他面上有些青傷,便笑道:「這臉上又和誰揮拳的?掛了幌子了。」馮紫英笑道:「從那一遭把仇都尉的兒子打傷了,我就記了再不慪氣,如何又揮拳?這個臉上,是前日打圍,在鐵網山教兔鶻捎一翅膀。」寶玉道:「幾時的話?」紫英道:「三月二十八日去的,前兒也就回來了。」寶玉道:「怪道前兒初三四兒,我在沈世兄家赴席不見你呢。我要問,不知怎麼就忘了。單你去了,還是老世伯也去了?」紫英道:「可不是家父去,我沒法兒,去罷了。難道我閑瘋了,咱們幾個人吃酒聽唱的不樂,尋那個苦惱去?這一次,大不幸之中又大幸。」 薛蟠眾人見他吃完了茶,都說道:「且入席,有話慢慢的說。」馮紫英聽說,便立起身來說道:「論理,我該陪飲幾杯才是,只是今兒有一件大大要緊的事,回去還要見家父面回,實不敢領。」薛蟠寶玉眾人那裡肯依,死拉著不放。馮紫英笑道:「這又奇了。你我這些年,那回兒有這個道理的?果然不能遵命。若必定叫我領,拿大杯來,我領兩杯就是了。」眾人聽說,只得罷了,薛蟠執壺,寶玉把盞,斟了兩大海。那馮紫英站著,一氣而盡。寶玉道:「你到底把這個『不幸之幸』說完了再走。」馮紫英笑道:「今兒說的也不盡興。我為這個,還要特治一東,請你們去細談一談;二則還有所懇之處。」說著執手就走。薛蟠道:「越發說的人熱剌剌的丟不下。多早晚才請我們,告訴了。也免的人猶疑。」馮紫英道:「多則十日,少則八天。」一面說,一面出門上馬去了。眾人回來,依席又飲了一回方散。 寶玉回至園中,襲人正記掛著他去見賈政,不知是禍是福,只見寶玉醉醺醺的回來,問其原故,寶玉一一向他說了。襲人道:「人家牽腸掛肚的等著,你且高樂去,也到底打發人來給個信兒。」寶玉道:「我何嘗不要送信兒,只因馮世兄來了,就混忘了。」 正說,只見寶釵走進來笑道:「偏了我們新鮮東西了。」寶玉笑道:「姐姐家的東西,自然先偏了我們了。」寶釵搖頭笑道:「昨兒哥哥倒特特的請我吃,我不吃他,叫他留著請人送人罷。我知道我命小福薄,不配吃那個。」說著,丫鬟倒了茶來,吃茶說閑話兒,不在話下。 卻說那林黛玉聽見賈政叫了寶玉去了,一日不回來,心中也替他憂慮。至晚飯後,聞聽寶玉來了,心裡要找他問問是怎麼樣了。一步步行來,見寶釵進寶玉的院內去了,自己也便隨後走了來。剛到了沁芳橋,只見各色水禽都在池中浴水,也認不出名色來,但見一個個文彩炫耀,好看異常,因而站住看了一會。再往怡紅院來,只見院門關著,黛玉便以手扣門。 誰知晴雯和碧痕正拌了嘴,沒好氣,忽見寶釵來了,那晴雯正把氣移在寶釵身上,正在院內抱怨說:「有事沒事跑了來坐著,叫我們三更半夜的不得睡覺!」忽聽又有人叫門,晴雯越發動了氣,也並不問是誰,便說道:「都睡下了,明兒再來罷!」林黛玉素知丫頭們的情性,他們彼此頑耍慣了,恐怕院內的丫頭沒聽真是他的聲音,只當是別的丫頭們來了,所以不開門,因而又高聲說道:「是我,還不開麽?」晴雯偏生還沒聽出來,便使性子說道:「憑你是誰,二爺吩咐的,一概不許放人進來呢!」林黛玉聽了,不覺氣怔在門外,待要高聲問他,逗起氣來,自己又回思一番:「雖說是舅母家如同自己家一樣,到底是客邊。如今父母雙亡,無依無靠,現在他家依棲。如今認真淘氣,也覺沒趣。」一面想,一面又滾下淚珠來。正是回去不是,站著不是。正沒主意,只聽裡面一陣笑語之聲,細聽一聽,竟是寶玉、寶釵二人。林黛玉心中益發動了氣,左思右想,忽然想起了早起的事來:「必竟是寶玉惱我要告他的原故。但只我何嘗告你了,你也打聽打聽,就惱我到這步田地。你今兒不叫我進來,難道明兒就不見面了!」越想越傷感,也不顧蒼苔露冷,花徑風寒,獨立牆角邊花陰之下,悲悲戚戚嗚咽起來。 原來這林黛玉秉絕代姿容,具希世俊美,不期這一哭,那附近柳枝花朵上的宿鳥棲鴉一聞此聲,俱忒楞楞飛起遠避,不忍再聽。真是: 花魂默默無情緒,鳥夢痴痴何處驚。 因有一首詩道:
那林黛玉正自啼哭,忽聽「吱嘍」一聲,院門開處,不知是那一個出來。要知端的,且聽下回分解。
注释 |
Kapitel 26 An der Wespentaillenbrücke werden Worte gewechselt, die Herzensgeheimnisse verraten In der Xiaoxiang-Bambushain[1] weckt Frühlingsmüdigkeit verborgene Gefühle Wie erzählt wird, war Schatzjade[2] nach dreiunddreißig Tagen des Krankenlagers nicht nur vollständig genesen und wieder bei Kräften, auch die Narben in seinem Gesicht waren verheilt, und so konnte er in den Garten der Großen Aussicht zurückkehren. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Sprechen wir zunächst von Efeu Kaufmann[3]. Während Schatzjades Krankheit hatte er mit den Dienern des Hauses Nachtwache gehalten, Tag und Nacht im Anwesen. Auch Rotjädchen[4] hatte zusammen mit den übrigen Mädchen bei Schatzjade Dienst getan, und so hatten sich die beiden tagelang sehen können und waren allmählich miteinander vertraut geworden. Dabei hatte Rotjädchen bemerkt, dass Efeu Kaufmann ein Taschentuch in Händen hielt, das ganz so aussah wie jenes, das sie einst verloren hatte. Sie hätte ihn gerne danach gefragt, doch das ging schlecht an. Nachdem dann der buddhistische und der daoistische Mönch erschienen waren und kein männliches Personal mehr bei Schatzjade gebraucht wurde, kehrte Efeu Kaufmann zu seiner Arbeit beim Bäumepflanzen zurück. Nun hätte Rotjädchen die Sache mit dem Taschentuch auf sich beruhen lassen können, doch ihr Herz ließ es nicht zu. Andererseits traute sie sich nicht zu fragen, aus Angst, bei anderen Verdacht zu erregen. So schwankte sie hin und her, während sich ihre Seele in Unruhe verzehrte, als sie plötzlich von draußen vor dem Fenster eine Stimme vernahm: „Schwester, bist du im Zimmer?" Rotjädchen spähte durch die Fensterlöcher hinaus und erkannte ein kleines Mädchen aus ihrem eigenen Gehöft namens Schönorchidee [佳蕙]. Also antwortete sie: „Ja, ich bin hier. Komm nur herein!" Schönorchidee kam flink hereingelaufen, setzte sich aufs Bett und strahlte: „Was für ein Glück ich habe! Eben war ich gerade im Hof beim Waschen, da hat Schatzjade befohlen, Tee zu Fräulein Lin[5] zu bringen, und Schwester Hua hat mich damit losgeschickt. Als ich dort ankam, hatte die Herzoginmutter[6] gerade Fräulein Lin Geld geschickt, und sie verteilte es eben an ihre Mädchen. Als sie mich sah, griff sie gleich zwei Handvoll heraus und gab sie mir – ich weiß gar nicht, wie viel es ist. Heb du es bitte für mich auf!" Damit knüpfte sie ihr Taschentuch auf und schüttete die Münzen heraus. Rotjädchen zählte sie sorgfältig durch, eine nach der anderen, und legte sie dann beiseite. Schönorchidee fragte nun: „Wie fühlst du dich eigentlich in letzter Zeit? Ich finde, du solltest für ein paar Tage nach Hause gehen, einen Arzt kommen lassen und ein wenig Medizin nehmen, dann wird es dir bald besser gehen." Rotjädchen erwiderte: „Was redest du da? Mir geht es doch gut. Wozu sollte ich nach Hause gehen?" Schönorchidee meinte: „Da fällt mir ein – Fräulein Lin ist doch auch von schwächlicher Konstitution und nimmt ständig Medizin. Du könntest dir ebenso gut etwas von ihr geben lassen, das käme aufs Gleiche hinaus." Rotjädchen schüttelte den Kopf: „Unsinn! Kann man denn einfach so irgendwelche Medizin einnehmen?" Schönorchidee beharrte: „Aber so kann es auf Dauer mit dir doch nicht weitergehen! Du isst kaum noch, trinkst kaum noch – wohin soll das führen?" Rotjädchen seufzte: „Was kümmert es mich? Es wäre besser, früh zu sterben, dann wäre wenigstens Ruhe." Schönorchidee rief: „Wie kannst du nur so reden! Einfach so, ohne Grund!" Rotjädchen entgegnete leise: „Du weißt ja nicht, was in meinem Herzen vorgeht." Schönorchidee nickte und dachte ein Weilchen nach. Dann sagte sie: „Man kann es dir wirklich nicht verübeln, wenn du denkst, du hättest hier einen schweren Stand. Nimm nur gestern, als die Herzoginmutter – da Schatzjade ja so viele Tage krank gewesen war – meinte, alle, die ihm während seiner Krankheit treu zur Seite gestanden hatten, sollten jetzt, da er wieder genesen und alle Gelübde erfüllt seien, ihrem Rang entsprechend belohnt werden. Dass wir nicht bedacht wurden, kann ich verstehen – wir gelten ja noch als zu jung, um mitzuzählen, und ich beschwere mich auch nicht. Aber dass auch du übergangen wurdest, das finde ich ungerecht! Dufthauch[7] mag meinetwegen die höchste Belohnung erhalten – dagegen sage ich kein Wort, das gehört sich so. Wenn man ehrlich ist, kann sich keine andere mit ihr messen. Ganz abgesehen von ihrer täglichen Gewissenhaftigkeit und Aufmerksamkeit – selbst wenn sie nicht so eifrig wäre, man könnte auf sie nicht verzichten. Was mich ärgert, ist, dass Heitermuster[8] und Qixia [绮霰] und ihresgleichen allesamt der höchsten Stufe zugerechnet werden, nur weil ihre Eltern Ansehen genießen und sie deshalb von allen hofiert werden. Sag selbst, ob das ärgerlich ist oder nicht!" Rotjädchen erwiderte: „Lohnt es sich, sich über sie aufzuregen? Sagt nicht das Sprichwort: 'Mag auch das Festzelt tausend Li lang sein – es gibt kein Gelage, das nicht zu Ende geht.' Wer von uns bleibt denn schon ein ganzes Leben lang hier? In drei oder fünf Jahren geht jede ihres Weges, und dann kümmert sich keine mehr um die andere." Diese beiden Sätze berührten Schönorchidees Herz so sehr, dass ihr unwillkürlich die Augen feucht wurden. Da es ihr aber peinlich war, einfach so loszuweinen, zwang sie sich zu einem Lächeln und sagte: „Du hast ganz recht. Gestern erst hat Schatzjade davon geredet, wie er demnächst die Zimmer neu einrichten und welche Kleider er anfertigen lassen will – als hätten wir noch ein paar hundert Jahre hier auszuhalten." Rotjädchen hörte es und lachte kalt, zwei kurze, spöttische Lacher. Gerade wollte sie etwas sagen, als ein kleines Mädchen hereingelaufen kam, das sein Haar noch nicht aufgesteckt trug. In der Hand hielt es einige Stickmuster und zwei Bogen Papier. „Hier sind zwei Muster, die sollst du abzeichnen", sagte das Mädchen, warf Rotjädchen die Sachen hin, drehte sich um und rannte davon. Rotjädchen rief ihr nach: „Von wem sind die denn? Man kann doch nicht einfach davonlaufen, ohne ordentlich Bescheid zu sagen! Wartet jemand mit frischen Dampfbrötchen auf dich, die kalt werden könnten?" Das kleine Mädchen rief von draußen durchs Fenster nur noch: „Von Schwester Qi!" Und schon trappelte es mit schnellen Schritten davon. Verärgert warf Rotjädchen die Stickmuster beiseite und suchte in der Schublade nach einem Pinsel. Doch wie lange sie auch suchte, sie fand nur abgenutzte. „Wo habe ich neulich den neuen Pinsel hingelegt?" murmelte sie. „Warum fällt mir das nicht mehr ein?" Dabei versank sie in Nachdenken. Nach einer Weile lachte sie plötzlich auf: „Ach ja, richtig! Neulich abends hat sich Yinger [莺儿] ihn geholt." Dann wandte sie sich an Schönorchidee: „Geh du ihn mir holen!" Schönorchidee wehrte ab: „Schwester Hua wartet doch auf mich, ich soll ihr einen Kasten tragen. Geh ihn dir lieber selbst holen!" Rotjädchen hielt dagegen: „Wenn sie auf dich wartet, wieso sitzt du dann hier und schwatzt? Hätte ich dich nicht zum Pinselholen schicken wollen, würde sie auch nicht auf dich warten. Du verdorbenes kleines Spitzbein!" Damit stand sie auf, verließ das Zimmer, trat aus dem Hof der Roten Freude [怡红院] und schlug den Weg zu Schatzspanges[9] Gehöft ein. Gerade war sie am Pavillon am Duftgetränkten Quell [沁芳亭] angelangt, als ihr Schatzjades alte Amme Li von der anderen Seite entgegenkam. Rotjädchen blieb stehen und fragte lächelnd: „Amme Li, wohin des Weges? Was verschlägt Euch hierher?" Amme Li blieb stehen, klatschte die Hände zusammen und sagte: „Stell dir vor! Jetzt hat er sich in den da verschaut, der die Bäume pflanzt, diesen Wolken- oder Regenjungen, und hat mir zugesetzt, ich solle ihn herbeordern. Wenn das morgen die Herrschaften oben erfahren, gibt es wieder Ärger!" Rotjädchen lächelte: „Habt Ihr wirklich zugestimmt und ihn holen lassen?" Amme Li seufzte: „Was blieb mir denn anderes übrig?" Rotjädchen meinte: „Wenn der Betreffende wüsste, was sich gehört, würde er erst gar nicht herkommen." Amme Li entgegnete: „Er ist doch nicht dumm. Warum sollte er nicht kommen?" Rotjädchen gab zu bedenken: „Dann hättet Ihr ihn wenigstens begleiten sollen. Wenn er allein hier herumläuft, ist das doch nicht schicklich." Amme Li winkte ab: „Hab ich etwa die Muße, mit ihm herumzulaufen? Ich habe es ihm ausrichten lassen, und dann kann ihn ja eines der kleinen Mädchen oder eine der älteren Frauen hereinführen – das reicht!" Sprach's, stützte sich auf ihren Stock und ging davon. Rotjädchen blieb stehen und hing ihren Gedanken nach, ohne daran zu denken, den Pinsel zu holen. Nach kurzer Zeit kam ein kleines Mädchen angelaufen. Als es Rotjädchen dort stehen sah, fragte es: „Schwester Lin, was machst du hier?" Rotjädchen blickte auf und erkannte das kleine Mädchen Anhänger [坠儿]. „Wohin willst du?" fragte sie. Anhänger antwortete: „Ich soll den zweiten jungen Herrn Duft hereinführen." Und schon lief sie in großen Schritten davon. Rotjädchen war eben an das Tor vor der Wespentaillenbrücke [蜂腰桥] gelangt, als ihr auf der anderen Seite Anhänger mit Efeu Kaufmann entgegenkam. Efeu Kaufmann ließ im Gehen seinen Blick über Rotjädchen gleiten, und auch Rotjädchen, unter dem Vorwand, mit Anhänger zu sprechen, warf einen verstohlenen Blick auf Efeu Kaufmann. Als sich ihre vier Augen trafen, wurde Rotjädchen unwillkürlich rot im Gesicht, wandte sich ab und ging zum Haselwurzpark [蘅芜苑]. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Efeu Kaufmann folgte Anhänger auf verschlungenen Pfaden zum Hof der Roten Freude. Anhänger ging zunächst allein hinein, um ihn anzumelden, und führte ihn dann erst herein. Als Efeu Kaufmann sich im Hof umschaute, erblickte er einige kunstvoll gesetzte Felsen und Bananenstauden. Dort drüben putzten zwei Mandschurenkraniche unter Kieferbäumen ihr Gefieder, und entlang des Wandelgangs hingen die verschiedensten Käfige mit allerlei seltenen und wundersamen Vögeln. Vor ihm erhob sich ein zierlicher Bau von fünf Säulenzwischenräumen, dessen geschnitzte Gitter neuartige Blumenmuster zeigten. Darüber hing eine Tafel mit vier großen Schriftzeichen: „Freude am Roten, Vergnügen am Grünen" [怡红快绿]. Efeu Kaufmann dachte: „Daher also der Name 'Hof der Roten Freude' – nach diesen Schriftzeichen auf der Tafel!" Während er noch sann, hörte er von drinnen durch das Gazefenster eine lachende Stimme: „Komm schnell herein! Wie konnte ich dich nur zwei, drei Monate lang vergessen!" Da er Schatzjades Stimme erkannte, trat Efeu Kaufmann eilig ins Haus. Er blickte empor und sah nur Gold und Grün funkeln, glänzende Zierrate allenthalben, doch von Schatzjade keine Spur. Als er sich umwandte, erblickte er linker Hand einen großen Ganzkörperspiegel, hinter dem nun zwei gleich große Mädchen von fünfzehn, sechzehn Jahren hervortraten und sprachen: „Bitte, nehmt drinnen im Zimmer des zweiten jungen Herrn Platz!" Efeu Kaufmann wagte kaum, sie unverhohlen anzusehen, und antwortete rasch. Er trat durch eine weitere, mit grüner Gaze bespannte Trennwand und erblickte ein niedliches kleines Bett mit lackiertem Rahmen, über dem ein großer, dunkelroter, mit Goldbrokat und Streublumen verzierter Vorhang hing. Schatzjade saß in Hauskleidung, die Schuhe nur halb angezogen, an das Bett gelehnt und hielt ein Buch in der Hand. Als er Efeu Kaufmann hereinkommen sah, warf er das Buch beiseite, und schon stand er mit strahlendem Lächeln auf. Efeu Kaufmann trat rasch vor und verneigte sich zur Begrüßung. Schatzjade bat ihn, sich zu setzen, und so nahm er auf einem Stuhl unterhalb Platz. Schatzjade sprach lächelnd: „Seit ich dich damals traf und dir sagte, du solltest mich in der Bibliothek besuchen, hat sich so vieles ereignet, eines nach dem anderen, dass ich dich völlig vergessen habe." Efeu Kaufmann erwiderte lächelnd: „Es ist eben mein mangelndes Glück. Gerade erst hatte ich Euch getroffen, und schon musstet Ihr erkranken. Seid Ihr denn jetzt vollständig genesen, Onkel?" Schatzjade versicherte: „Vollkommen. Man hat mir erzählt, dass du meinetwegen viele Tage lang Mühe hattest." Efeu Kaufmann sagte: „Das war doch nur meine Pflicht. Dass Ihr wieder gesund seid, Onkel, ist ein Glück für unsere ganze Familie." Während er sprach, kam ein Mädchen mit Tee herein und reichte ihm eine Schale. Efeu Kaufmann unterhielt sich mit Schatzjade, ließ seinen Blick dabei aber verstohlen über das Mädchen gleiten: eine schlanke Gestalt, ein längliches Gesicht, gekleidet in eine silberrosa Jacke mit einer Weste aus schwarzem Satin darüber und einen weißen Seidenrock mit feinen Falten. Es war niemand anders als Dufthauch. Seit er während Schatzjades Krankheit ein paar Tage im Anwesen zugebracht hatte, kannte Efeu Kaufmann die wichtigsten Personen dort zur Hälfte. Er wusste auch, dass Dufthauch in Schatzjades Gemächern eine andere Stellung einnahm als die übrigen Mädchen. Als sie nun den Tee brachte und Schatzjade danebensaß, stand Efeu Kaufmann rasch auf und sagte lächelnd: „Wie könnt Ihr mir Tee eingießen, Schwester! Wenn ich zu meinem Onkel komme, bin ich doch kein Gast – erlaubt mir, ihn mir selbst einzuschenken!" Schatzjade sagte: „Bleib nur sitzen. Vor den Mädchen brauchst du dich nicht so zu zieren." Efeu Kaufmann erwiderte lächelnd: „Auch wenn Ihr das sagt, Onkel – wie könnte ich es wagen, mich vor den Schwestern in Euren Gemächern unhöflich zu benehmen!" Dann erst setzte er sich wieder und trank seinen Tee. Schatzjade plauderte mit ihm über allerlei Belanglosigkeiten – welche Familie die besten Schauspieler habe, welche den schönsten Garten, und erzählte ihm, wessen Mädchen am hübschesten seien, wessen Festessen am üppigsten, wer die ausgefallensten Raritäten und wer die seltensten Kostbarkeiten besitze. Efeu Kaufmann pflichtete ihm in allem bei, doch nach einer Weile bemerkte er, dass Schatzjade allmählich träge wurde. So stand er auf und verabschiedete sich. Schatzjade hielt ihn nicht weiter zurück und sagte nur: „Komm ein andermal wieder, wenn du Muße hast." Dann befahl er dem kleinen Mädchen Anhänger, ihn hinauszubegleiten. Als sie den Hof der Roten Freude verlassen hatten und Efeu Kaufmann sich umblickte, war ringsum kein Mensch zu sehen. So verlangsamte er seine Schritte immer mehr und begann, sich des Langen und Breiten mit Anhänger zu unterhalten. Zunächst fragte er: „Wie alt bist du? Wie heißt du? Was machen deine Eltern? Wie lange dienst du schon in Onkel Schatzjades Gemächern? Wie viel Geld bekommst du im Monat? Wie viele Mädchen gibt es insgesamt bei Onkel Schatzjade?" Anhänger beantwortete ihm bereitwillig alles, Punkt für Punkt. Dann fragte Efeu Kaufmann weiter: „Die da vorhin mit dir gesprochen hat – heißt sie etwa Kleine Rote [小红]?" Anhänger lachte: „Ja, sie heißt Kleine Rote. Warum fragt Ihr nach ihr?" Efeu Kaufmann sagte: „Vorhin hat sie dich nach einem Taschentuch gefragt. Ich habe tatsächlich eines aufgelesen." Anhänger hörte es und lachte: „Sie hat mich schon so viele Male gefragt, ob ich ihr Taschentuch gesehen hätte. Als ob ich die Muße hätte, mich um solche Dinge zu kümmern! Heute fragte sie wieder und sagte, wenn ich es für sie fände, wolle sie sich bei mir bedanken. Gerade eben, vor dem Tor zum Haselwurzpark, hat sie es gesagt – Ihr habt es doch selbst gehört, junger Herr, ich lüge nicht. Lieber junger Herr, wenn Ihr es gefunden habt, dann gebt es mir! Ich bin neugierig, womit sie sich bei mir bedanken wird." Nun hatte Efeu Kaufmann im vergangenen Monat, als er hereingekommen war, um Bäume zu pflanzen, tatsächlich ein Seidentuch aufgelesen. Er vermutete, dass es jemandem gehören musste, der im Garten wohnte, wusste aber nicht, wem, und hatte daher nichts überstürzt. Als er heute gehört hatte, wie Rotjädchen Anhänger danach fragte, und dadurch erfuhr, dass es Rotjädchens Tuch war, hüpfte sein Herz vor Freude. Und als nun Anhänger ihn darum bat, stand sein Entschluss bereits fest. Er zog aus seinem Ärmel sein eigenes Taschentuch hervor und sprach lächelnd zu Anhänger: „Ich gebe es dir. Aber wenn du ihre Belohnung erhältst, darfst du sie mir nicht vorenthalten!" Anhänger versprach es bereitwillig und nahm das Taschentuch entgegen. Sie begleitete Efeu Kaufmann hinaus und kehrte dann zurück, um Rotjädchen zu suchen. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Sprechen wir nun davon, wie Schatzjade, nachdem er Efeu Kaufmann verabschiedet hatte, sich träge und lustlos auf das Bett fallen ließ und in einen halbwachen Schlummer zu gleiten drohte. Da trat Dufthauch heran, setzte sich auf die Bettkante und schob ihn an: „Was, du willst schon wieder schlafen? Dir ist langweilig – warum gehst du nicht hinaus und machst einen Spaziergang?" Schatzjade ergriff ihre Hand und sagte lächelnd: „Ich würde schon gehen, aber ich kann mich nicht von dir trennen." Dufthauch lachte: „Steh endlich auf!" Und schon zog sie ihn hoch. Schatzjade klagte: „Aber wohin soll ich denn gehen? Es ist alles so öde und langweilig." Dufthauch sagte: „Wenn du erst draußen bist, wird es schon besser. Je länger du hier so dahindämmerst, desto bedrückter wird dein Gemüt." Lustlos gehorchte Schatzjade und schlurfte zur Tür hinaus. Im Wandelgang neckte er eine Weile die Vögel, dann verließ er den Hof und schlenderte am Duftgetränkten Bach entlang, wo er eine Weile die Goldfische betrachtete. Plötzlich sah er, wie zwei kleine Hirsche pfeilschnell den Berghang herabgerannt kamen. Er konnte sich nicht erklären, was das zu bedeuten hatte, und wunderte sich noch, da sah er schon Orchidee Kaufmann[10] mit einem kleinen Bogen in der Hand hinter ihnen herjagen. Kaum erblickte er Schatzjade, blieb er stehen und rief lächelnd: „Seid Ihr zu Hause, zweiter Onkel? Ich dachte, Ihr wäret ausgegangen!" Schatzjade schalt: „Bist du schon wieder unartig? Was schießt du auf die armen Hirsche?" Orchidee Kaufmann lachte: „Ich habe gerade keinen Unterricht. Was soll ich sonst tun, wenn ich nichts zu lernen habe? Da übe ich eben Reiten und Bogenschießen." Schatzjade meinte: „Pass auf, dass du dir nicht die Zähne ausschlägst! Dann wirst du schon aufhören zu üben." Schatzjade ging weiter, wohin ihn seine Schritte trugen, und gelangte vor ein Gehöft, wo dichter Bambus wie Phönixschwänze emporragte und der Wind leise wie ein Drachensummen durch die schlanken Halme strich. Er blickte empor zum Tor und las die Inschrift auf der Tafel: „Xiaoxiang-Bambushain[11]" [潇湘馆]. Er schlenderte hinein und sah, wie der Bambusvorhang bis zum Boden herabhing. Lautlose Stille herrschte, kein Menschenlaut war zu vernehmen. Als er ans Fenster trat, nahm er einen zarten, verborgenen Duft wahr, der durch die grüne Gaze heraussickerte. Er presste sein Gesicht an das Gazefenster und spähte hinein, da vernahm sein Ohr einen feinen, langen Seufzer, gefolgt von den leise gesprochenen Worten: „Tag für Tag von Liebessehnsucht müd und schlaftrunken ..." [Anm.: Zitat aus dem Stück „Die Päonienlauben" (牡丹亭) von Tang Xianzu, Szene „Traumsuche" (寻梦). Die Zeile drückt Frühlingsschwermut und Liebessehnsucht aus.] Schatzjade hörte es, und sein Herz begann zu kribbeln. Als er genauer hinsah, erkannte er Kajaljade, die sich auf dem Bett räkelte und streckte. Lachend rief er durchs Fenster: „Warum bist auch du 'Tag für Tag von Liebessehnsucht müd und schlaftrunken'?" Und damit schob er den Vorhang beiseite und trat ein. Kajaljade erschrak über ihre eigene Unbesonnenheit, wurde unwillkürlich rot, bedeckte ihr Gesicht mit dem Ärmel, drehte sich zur Wand und tat, als schliefe sie. Schatzjade trat zu ihr und wollte sie gerade sanft zu sich drehen, da kamen Kajaljades alte Amme und zwei ältere Frauen hinterher herein und sagten: „Das Fräulein schläft. Kommt wieder, wenn sie aufgewacht ist!" Kaum hatten sie das gesagt, setzte sich Kajaljade auf und lachte: „Wer schläft denn hier?" Die zwei, drei Frauen sahen, dass Kajaljade aufgestanden war, und sagten lächelnd: „Wir dachten, Ihr schlaft, Fräulein." Dann riefen sie nach Purpurkuckuck[12]: „Das Fräulein ist wach, komm herein und warte ihr auf!" Damit gingen sie hinaus. Kajaljade saß auf dem Bett, ordnete mit einer Hand ihr Schläfenhaar und fragte Schatzjade lächelnd: „Wozu kommst du herein, während andere schlafen?" Als Schatzjade ihre Sternenaugen halb verschleiert und ihre duftenden Wangen zart gerötet sah, gab es seinem Herzen einen Stoß. Er ließ sich schräg auf einen Stuhl sinken und fragte lächelnd: „Was hast du gerade eben gesagt?" Kajaljade erwiderte: „Ich habe nichts gesagt." Schatzjade lachte: „Warte nur, du bekommst eine Kopfnuss von mir! Ich habe alles gehört." Während die beiden noch redeten, trat Purpurkuckuck herein. Schatzjade bat lächelnd: „Purpurkuckuck, gieß mir doch eine Schale von eurem guten Tee ein!" Purpurkuckuck erwiderte: „Was sollen wir schon für guten Tee haben? Wenn Ihr guten Tee wollt, müsst Ihr warten, bis Dufthauch kommt." Kajaljade mischte sich ein: „Kümmere dich nicht um ihn! Geh mir erst einmal Wasser schöpfen!" Purpurkuckuck lachte: „Er ist doch ein Gast. Natürlich gieße ich ihm erst Tee ein, ehe ich Wasser schöpfen gehe." Damit ging sie, um Tee zu holen. Schatzjade rezitierte lächelnd: „Du liebes Mädchen, du! Wenn ich mit deinem schönen Fräulein unter dem Liebesvorhang läge, wie könntest du es über dich bringen, die Betten zu richten?" [Anm.: Zitat aus dem Drama „Das Westzimmer" (西厢记), in dem der junge Gelehrte Zhang Sheng zur Dienerin Hongniang spricht.] Kajaljade ließ sofort die Miene erstarren und sagte: „Zweiter Bruder, was hast du da gesagt?" Schatzjade beteuerte lächelnd: „Ich habe doch gar nichts gesagt!" Da brach Kajaljade in Tränen aus: „Ist das jetzt die neueste Mode, dass du draußen ordinäre Reden aufschnappst und sie mir ins Gesicht sagst? Dass du verdorbene Bücher liest und dich dann über mich lustig machst? Dazu bin ich den Herren wohl gerade gut genug – um ihre Langeweile an mir auszulassen!" Weinend stieg sie vom Bett und wollte hinausgehen. Schatzjade wusste nicht, was er tun sollte, Panik ergriff sein Herz, und er eilte ihr nach: „Liebste Schwester, ich habe es verdient, auf der Stelle zu sterben! Bitte, sag es niemandem! Wenn ich so etwas je wieder wage, soll mir ein Furunkel am Mund wachsen und die Zunge verfaulen!" Gerade als er noch sprach, kam Dufthauch herein und sagte: „Schnell, komm zurück und zieh dich um! Der gnädige Herr[13] ruft nach dir!" Als Schatzjade das hörte, traf es ihn wie ein Donnerschlag. Ohne an etwas anderes zu denken, rannte er zurück, zog sich hastig um und eilte aus dem Garten. Am Innentor wartete bereits Beiming [焙茗] auf ihn. Schatzjade fragte: „Was ist los?" Beiming drängte: „Beeilt Euch nur, junger Herr! Hingehen müsst Ihr so oder so. Dort erfahrt Ihr alles." Und er trieb Schatzjade zur Eile an. Als Schatzjade um die große Halle bog, das Herz noch immer voller Bangen, ertönte plötzlich aus dem Mauerwinkel schallendes Gelächter. Er drehte sich um und sah Becken Schnee[14], der klatschend und springend hervorkam und lachte: „Hätte ich nicht gesagt, der Onkel ruft nach dir, wärst du niemals so schnell herausgekommen!" Auch Beiming kniete lachend nieder. Schatzjade starrte lange verblüfft, bis er endlich begriff, dass Becken Schnee ihn nur aus dem Garten hatte locken wollen. Eilig verbeugte sich Becken Schnee mit zusammengelegten Händen, um sich zu entschuldigen, und bat: „Macht dem Jungen keine Schwierigkeiten, ich war es, der ihn dazu gezwungen hat." Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu lächeln, und sagte: „Dass du mich zum Narren hältst, sei noch dahingestellt. Aber wie konntest du dich als meinen Vater ausgeben? Das werde ich der Tante erzählen und sie urteilen lassen, ob man das tun darf!" Becken Schnee rief: „Liebster Bruder, ich wollte doch nur, dass du dich ein wenig beeilst, und habe dabei ganz vergessen, dass so etwas tabu ist. Ein andermal darfst du mich genauso anführen, dann sind wir quitt!" Schatzjade stöhnte: „O weh! Das wird ja immer schlimmer." Dann wandte er sich an Beiming: „Was kniest du Verräter noch da unten? Steh auf!" Beiming machte eilig einen Kotau und stand auf. Becken Schnee erklärte nun: „Ich hätte dich ja nicht gestört, aber am dritten Tag des fünften Monats ist mein Geburtstag, und der Antiquitätenhändler Cheng Rixing [程日兴] hat, wer weiß woher, so dicke und so lange, knackig-frische Lotosknollen aufgetrieben, dazu so riesige Wassermelonen, einen so langen, frischen Stör und ein so gewaltiges, mit feinstem Zypressenholzweihrauch geräuchertes Schwein, das als Tributgabe aus Siam [暹罗] gekommen war. Sag selbst, sind das nicht seltene Gaben? Der Fisch und das Schwein sind einfach teuer und schwer zu bekommen, aber bei den Lotosknollen und den Melonen fragt man sich, wie er sie nur herangezogen hat! Ich habe meiner Mutter sogleich etwas davon verehrt und auch eurer Herzoginmutter, dem Onkel und der Tante eilends etwas geschickt. Vom Rest, den ich aufhob, wollte ich selbst essen, doch fürchtete ich, mein Glück zu verspielen. Ich habe hin und her überlegt: Außer mir bist nur du allein würdig, davon zu kosten. Darum habe ich dich eigens eingeladen. Und zufällig ist eben auch noch ein Sängerknabe gekommen. Also wollen wir uns zusammen einen vergnügten Tag machen, was meinst du?" Bei diesen Worten gelangten sie in Xue Pans Bibliothek. Dort saßen bereits Zhan Guang [詹光], Cheng Rixing, Hu Silai [胡斯来], Shan Pingren [单聘仁] und der Sängerknabe. Als sie Schatzjade eintreten sahen, begrüßten sie ihn mit Verneigungen und Höflichkeitsbezeugungen. Man tauschte Grüße, trank Tee, und dann befahl Becken Schnee, den Wein aufzutragen. Kaum hatte er es ausgesprochen, begannen die Diener eifrig, den Tisch herzurichten, und nach einer Weile war alles bereit, und man nahm Platz. Schatzjade überzeugte sich, dass die Melonen und Lotosknollen tatsächlich von seltener Güte waren, und sprach lächelnd: „Meine Geburtstagsgeschenke habe ich dir noch nicht geschickt, und du bewirtest mich schon!" Becken Schnee erwiderte: „Ja wirklich! Was gedenkst du mir denn morgen zu schenken?" Schatzjade sagte: „Was kann ich dir schon schenken? Silber und Gold, Essen und Kleider – das alles gehört ja gar nicht mir. Nur was ich selbst mit dem Pinsel schreibe oder male, das allein ist wirklich von mir." Becken Schnee lachte: „Da du gerade vom Malen sprichst, fällt mir etwas ein. Gestern habe ich bei jemandem ein Frühlingsbild gesehen [Anm.: ein erotisches Bild], das wirklich vorzüglich gemalt war. Es standen auch viele Schriftzeichen darauf, die ich mir nicht näher angesehen habe, aber die Signatur lautete 'Geng Huang' [庚黄]. Ein wahrhaft großartiges Bild!" Schatzjade überlegte verwundert: „Ich habe doch schon allerhand alte und neue Kalligraphien und Gemälde gesehen – einen 'Geng Huang' gibt es nicht!" Er sann eine Weile nach, lachte dann plötzlich auf, ließ sich einen Pinsel bringen und schrieb zwei Schriftzeichen auf seinen Handteller. Dann fragte er Becken Schnee: „Bist du dir sicher, dass dort 'Geng Huang' stand?" Becken Schnee sagte: „Natürlich! Wie sollte ich mich da irren?" Schatzjade öffnete die Hand und zeigte ihm die Zeichen: „Waren es nicht vielleicht diese hier? Die Ähnlichkeit mit 'Geng Huang' ist in der Tat groß." Alle schauten hin und lasen: „Tang Yin" [唐寅]. Lachend sagten sie: „Das werden sie wohl gewesen sein – der hohe Herr hat sich wohl einen Augenblick lang versehen." Becken Schnee fühlte sich beschämt und sagte unwillig: „Wer kennt sich schon aus, ob das 'Bonbonsilber' oder 'Obstsilber' heißt!" [Anm.: Wortspiel – 唐 tang klingt wie 糖 „Zucker", 寅 yin wie 银 „Silber"] Gerade als man noch darüber sprach, meldete ein Diener: „Der junge Herr Feng ist da!" Schatzjade wusste sofort, dass es Feng Ziying[15] sein musste, der Sohn des Generals Feng Tang von der Shenwu-Garnison. „Schnell hereinbitten!" riefen Becken Schnee und die übrigen wie aus einem Munde. Und noch ehe sie zu Ende gesprochen hatten, kam Feng Ziying auch schon lachend und plaudernd herein. Alle standen auf und baten ihn, Platz zu nehmen. Feng Ziying lachte: „Nicht übel! Statt auszugehen, macht ihr es euch fein zu Hause bequem!" Schatzjade und Becken Schnee erwiderten lächelnd: „Wir haben uns lange nicht gesehen. Ist der Herr Vater wohlauf?" Feng Ziying antwortete: „Meinem Vater geht es, Gott sei Dank, gut. Nur meine Mutter hat sich vor ein paar Tagen erkältet und war zwei Tage lang unwohl." Becken Schnee hatte einige blaue Flecke in Feng Ziyings Gesicht entdeckt und erkundigte sich lächelnd: „Mit wem hast du dich denn wieder geprügelt? Du hast ja ein richtiges Aushängeschild im Gesicht!" Feng Ziying lachte: „Seit ich damals bei der Schlägerei den Sohn von Oberst Qiu verletzt habe, habe ich mir geschworen, mich nicht mehr aufzubrausen. Warum also sollte ich mich geprügelt haben? Nein, das war neulich auf der Jagd. In den Eisennetzbergen [铁网山] hat mir ein Jagdfalke einen Hieb mit dem Flügel versetzt." Schatzjade fragte: „Wann war das denn?" Feng Ziying sagte: „Am achtundzwanzigsten des dritten Monats bin ich aufgebrochen, und vorgestern war ich zurück." Schatzjade meinte: „Dann ist es kein Wunder, dass ich dich am dritten oder vierten vorigen Monats nicht gesehen habe, als ich bei Shen zu Gast war. Ich wollte noch nach dir fragen, habe es dann aber irgendwie vergessen. Warst du allein, oder war dein Herr Vater auch mit?" Feng Ziying erwiderte: „Weil mein Vater auf die Jagd wollte, blieb mir ja nichts anderes übrig, als mitzugehen! Meinst du, ich wäre verrückt geworden? Lieber trinke ich hier mit euch und höre Lieder, statt mir diese Strapazen aufzuladen. Doch diesmal hatte ich großes Glück im Unglück." Da Becken Schnee und die Übrigen sahen, dass Feng Ziying seinen Tee ausgetrunken hatte, drängten sie: „Setz dich erst einmal zu uns an den Tisch und erzähle in aller Ruhe!" Doch Feng Ziying stand auf und sagte: „Eigentlich müsste ich wirklich ein paar Becher mit euch trinken, aber heute habe ich eine äußerst dringende Angelegenheit und muss meinem Vater noch persönlich Bericht erstatten, wenn ich zurückkomme. Ich wage es wirklich nicht, eure Einladung anzunehmen." Becken Schnee, Schatzjade und die anderen ließen sich das natürlich nicht bieten und hielten ihn mit aller Kraft fest. Feng Ziying lachte: „Das ist doch seltsam! Wir kennen uns nun schon so viele Jahre – wann hat es das zwischen uns jemals gegeben? Es ist mir wirklich nicht möglich. Aber wenn ihr darauf besteht, dann holt einen großen Becher, den ich zweimal leeren will – und dann muss ich gehen." Die anderen gaben sich widerwillig zufrieden. Becken Schnee führte die Kanne, Schatzjade hielt den Becher, und zweimal wurde der große Humpen randvoll gefüllt. Feng Ziying leerte ihn beide Male im Stehen in einem Zug. Schatzjade bat: „Aber erzähl uns wenigstens, was es mit dem 'Glück im Unglück' auf sich hat, bevor du gehst!" Feng Ziying lachte: „Wenn ich es jetzt erzähle, wird es nicht spannend genug. Ich werde euch eigens dazu einladen und alles in Ruhe berichten. Außerdem gibt es dann noch eine Bitte, die ich an euch habe." Damit ergriff er ihre Hände zum Abschied und ging. Becken Schnee rief ihm nach: „Jetzt hast du uns erst recht neugierig gemacht! Wann wirst du uns einladen? Sag es uns wenigstens, damit wir nicht im Ungewissen bleiben!" Feng Ziying antwortete: „Höchstens zehn Tage, mindestens acht." Damit ging er hinaus, stieg aufs Pferd und ritt davon. Die Zurückgebliebenen kehrten an den Tisch zurück und tranken noch eine Weile, ehe sie auseinandergingen. Als Schatzjade in den Garten zurückkam, hatte Dufthauch die ganze Zeit bangen Herzens auf ihn gewartet und sich gefragt, ob es Glück oder Unglück bedeute, dass Aufrecht Kaufmann ihn zu sich gerufen hatte. Als sie ihn nun angeheitert zurückkommen sah, fragte sie nach dem Hergang, und Schatzjade erzählte ihr alles der Reihe nach. Dufthauch warf ihm vor: „Hier sitzt man vor Angst wie auf glühenden Kohlen, und du amüsierst dich nach Herzenslust! Hättest du wenigstens jemanden mit einer Nachricht hergeschickt!" Schatzjade versicherte: „Das wollte ich ja. Aber als der junge Feng kam, habe ich es in dem Durcheinander ganz vergessen." Gerade als er noch sprach, trat Schatzspange lächelnd herein und sagte: „Die schönen Sachen habt ihr uns alle weggegessen!" Schatzjade erwiderte lächelnd: „Die kamen doch aus dem Hause der Schwester – da wurden natürlich zuerst wir bedacht!" Schatzspange schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Gestern hat mein Bruder mich eigens eingeladen, davon zu kosten, aber ich habe nichts gegessen und ihm gesagt, er solle es aufheben und Gäste einladen oder es verschenken. Ich weiß ja, dass mir ein kümmerliches Geschick bestimmt ist und es mir nicht gebührt, solche guten Dinge zu essen." Ein Mädchen brachte Tee, und sie plauderten beim Teetrinken. Doch davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Wenden wir uns nun Kajaljade zu. Als sie gehört hatte, dass Aufrecht Kaufmann nach Schatzjade geschickt habe und dieser den ganzen Tag nicht zurückgekehrt war, hatte auch sie sich Sorgen um ihn gemacht. Nach dem Abendessen vernahm sie, Schatzjade sei zurück, und so trieb es sie, ihn aufzusuchen und zu erfahren, was vorgefallen war. Langsamen Schrittes ging sie hinüber. Da sah sie, wie Schatzspange eben in Schatzjades Hof verschwand. Also folgte sie ihr. Gerade an der Brücke am Duftgetränkten Quell [沁芳桥] angelangt, erblickte sie allerlei Wasservögel, die im Teich badeten. Sie konnte die einzelnen Arten nicht unterscheiden, sah nur, dass ein jeder bunt schillernde Federn trug und wunderbar anzusehen war. So blieb sie stehen und betrachtete sie eine Weile. Als sie dann zum Hof der Roten Freude weiterging, fand sie das Hoftor verschlossen. Sie klopfte mit der Hand dagegen. Nun hatten sich Heitermuster und Bihen [碧痕] gerade gestritten, und Heitermuster war übelster Laune. Als dann Schatzspange erschienen war, hatte Heitermuster ihren Ärger auf sie übertragen und im Hof geschimpft: „Ob was ist oder nicht, sie kommt einfach anmarschiert und sitzt herum, und wir kommen dann bis tief in die Nacht nicht zum Schlafen!" Als nun plötzlich wieder jemand ans Tor klopfte, steigerte das Heitermusters Zorn nur noch mehr. Ohne zu fragen, wer es sei, rief sie: „Es sind schon alle schlafen gegangen! Kommt morgen wieder!" Kajaljade kannte die Art der Mädchen und wusste, wie gern sie einander zum Narren hielten. Sie glaubte, das Mädchen im Hof habe ihre Stimme nicht erkannt und sie für eine andere Dienstmagd gehalten, die keinen Einlass brauchte. Darum rief sie mit erhobener Stimme: „Ich bin es! Willst du nicht endlich aufmachen?" Doch Heitermuster hatte immer noch nicht erkannt, wer da rief, und fauchte eigensinnig: „Ganz gleich, wer Ihr seid – der junge Herr hat befohlen, dass ausnahmslos niemand mehr eingelassen wird!" Als Kajaljade das hörte, erstarrte sie vor Zorn, dort draußen vor dem verschlossenen Tor. Schon wollte sie laut aufbegehren und ihrem Ärger Luft machen, doch dann besann sie sich: „Es heißt zwar, bei der Tante sei es wie zu Hause – doch am Ende bin ich hier nur zu Gast. Vater und Mutter sind beide gestorben, ich habe weder Rückhalt noch Zuflucht, und lebe auf die Gastfreundschaft dieser Familie angewiesen. Wenn ich jetzt einen Streit anfange, ist das auch nicht gerade würdevoll." Bei diesen Gedanken rollten ihr schon die Tränen über die Wangen. Es war ihr gleichermaßen unmöglich umzukehren wie dort stehen zu bleiben. Noch während sie unschlüssig dastand, drangen Gesprächsfetzen und Gelächter aus dem Inneren an ihr Ohr, und als sie genauer hinhörte, erkannte sie die Stimmen von Schatzjade und Schatzspange. Da wallte der Zorn in Kajaljades Brust noch heftiger auf. Sie dachte hin und her, und plötzlich fiel ihr der Vorfall vom Morgen wieder ein: „Gewiss ist Schatzjade böse auf mich, weil ich gedroht habe, mich über ihn zu beschweren. Doch habe ich mich je wirklich beschwert? Du hättest dich wenigstens erkundigen können, ehe du mich so behandelst! Heute lässt du mich nicht herein – aber morgen werden wir uns doch sehen müssen!" Je länger sie darüber nachsann, desto mehr grämte sie sich. Ohne auf das kalte, betaute Moos unter ihren Füßen oder den kühlen Wind auf dem Blumenpfad zu achten, stand sie einsam in einem Mauerwinkel unter blühenden Bäumen und schluchzte bitterlich. Nun war Kajaljade von einzigartiger Schönheit und unvergleichlicher Anmut. Als sie jetzt zu weinen begann, flogen die Vögel, die sich auf den Zweigen und Blüten ringsum zur Nacht niedergelassen hatten, bei ihrem Klagelaut allesamt mit rauschenden Flügeln auf und in die Ferne davon, weil sie es nicht ertragen konnten, dies länger mit anzuhören. Wahrlich: Stumm stehen die Blumengeister, ohne Regung, erschreckt flattern die traumverlorenen Vögel auf — wohin? Ein Gedicht sagt: An Schönheit und Begabung sucht Kajaljade auf Erden ihresgleichen, einsam tritt sie, den keuschen Duft im Arm, aus ihrem Boudoir hervor. Noch ehe ihr klägliches Schluchzen verhallt, fallen die Blüten zu Boden, die Vögel flattern erschreckt davon. Während Kajaljade noch weinte und klagte, ging mit einem Knarren das Hoftor auf – doch wer dort heraustrat, das erfahre, wer es wissen will, im nächsten Kapitel.
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