Lu Xun Complete Works/zh-de/Kuangren Riji

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A Madman's Diary (狂人日记)

Lu Xun (鲁迅, Lǔ Xùn, 1881–1936)


中文(原文) Deutsch

狂人日记




 某君昆仲。今隐其名,皆余昔日在中学校时良友;分隔多年,消息渐阙。日前偶闻其一大病;适归故乡,迂道往访,则仅晤一人,言病者其弟也。劳君远道来视,然已早愈,赴某地候补矣。因大笑,出示日记二册,谓可见当日病状,不妨献诸旧友。持归阅一过,知所患盖“迫害狂”之类。语颇错杂无伦次,又多荒唐之言;亦不著月日,惟墨色字体不一,知非一时所书。间亦有略具联络者,今撮录一篇,以供医家研究,记中语误,一字不易;惟人名虽皆村人,不为世间所知,无关大体,然亦悉易去。至于书名,则本人愈后所题,不复改也。七年四月二日识。



 今天晚上,很好的月光。
 我不见他,已是三十多年;今天见了,精神分外爽快。才知道以前的三十多年,全是发昏;然而须十分小心。不然,那赵家的狗,何以看我两眼呢?
 我怕得有理。



 今天全没月光,我知道不妙。早上小心出门,赵贵翁的眼色便怪:似乎怕我,似乎想害我。还有七八个人,交头接耳的议论我。又怕我看见。一路上的人,都是如此。其中最凶的一个人,张着嘴,对我笑了一笑;我便从头直冷到脚跟,晓得他们布置,都已妥当了。
 我可不怕,仍旧走我的路。前面一伙小孩子,也在那里议论我;眼色也同赵贵翁一样,脸色也都铁青。我想我同小孩子有什么仇,他也这样。忍不住大声说:“你告诉我!”他们可就跑了。
 我想:我同赵贵翁有什么仇,同路上的人又有什么仇;只有廿年以前,把古久先生的陈年流水簿子,踹了一脚,古久先生很不高兴。赵贵翁虽然不认识他,一定也听到风声,代抱不平;约定路上的人,同我作冤对。但是小孩子呢?那时候,他们还没有出世,何以今天也睁着怪眼睛,似乎怕我,似乎想害我。这真教我怕,教我纳罕而且伤心。
 我明白了,这是他们娘老子教的!



 晚上总是睡不着。凡事须得研究,才会明白。
 他们——也有给知县打枷过的,也有给绅士掌过嘴的,也有衙役占了他妻子的,也有老子娘被债主逼死的;他们那时候的脸色,全没有昨天这么怕,也没有这么凶。
 最奇怪的是昨天街上的那个女人,打他儿子,嘴里说道,“老子呀!我要咬你几口才出气!”他眼睛却看着我。我出了一惊,遮掩不住;那青面獠牙的一伙人,便都哄笑起来。陈老五赶上前,硬把我拖回家中了。
 拖我回家,家里的人都装作不认识我;他们的眼色,也全同别人一样。进了书房,便反扣上门,宛然是关了一只鸡鸭。这一件事,越教我猜不出底细。
 前几天,狼子村的佃户来告荒,对我大哥说,他们村里的一个大恶人,给大家打死了;几个人便挖出他的心肝来,用油煎炒了吃,可以壮壮胆子。我插了一句嘴,佃户和大哥便都看我几眼。今天才晓得他们的眼光,全同外面的那伙人一模一样。
 想起来,我从顶上直冷到脚跟。
 他们会吃人,就未必不会吃我。
 你看那女人“咬你几口”的话,和一伙青面獠牙人的笑,和前天佃户的话,明明是暗号。我看出他话中全是毒,笑中全是刀,他们的牙齿,全是白厉厉的排着,这就是吃人的家伙。
 照我自己想,虽然不是恶人,自从踹了古家的簿子,可就难说了。他们似乎别有心思,我全猜不出。况且他们一翻脸,便说人是恶人。我还记得大哥教我做论,无论怎样好人,翻他几句,他便打上几个圈;原谅坏人几句,他便说:“翻天妙手,与众不同”。我那里猜得到他们的心思,究竟怎样;况且是要吃的时候。
 凡事总须研究,才会明白,古来时常吃人,我也还记得,可是不甚清楚。我翻开历史一查,这历史没有年代,歪歪斜斜的每页上都写着“仁义道德”几个字。我横竖睡不着,仔细看了半夜,才从字缝里看出字来,满本都写着两个字是“吃人”!
 书上写着这许多字,佃户说了这许多话,却都笑吟吟的睁着怪眼睛
 看我。
 我也是人,他们想要吃我了!



 早上,我静坐了一会。陈老五送进饭来,一碗菜,一碗蒸鱼;这鱼的眼睛,白而且硬,张着嘴,同那一伙想吃人的人一样。吃了几筷,滑溜溜的不知是鱼是人,便把他兜肚连肠的吐出。
 我说“老五,对大哥说,我闷得慌,想到园里走走。”老五不答应,走了,停一会,可就来开了门。
 我也不动,研究他们如何摆布我;知道他们一定不肯放松。果然!我大哥引了一个老头子,慢慢走来;他满眼凶光,怕我看出,只是低头向着地,从眼镜横边暗暗看我。大哥说:“今天你仿佛很好。”我说:“是的。”大哥说:“今天请何先生来,给你诊一诊。”我说:“可以!”其实我岂不知道这老头子是刽子手扮的!无非借了看脉这名目,揣一揣肥瘠:因这功劳,也分一片肉吃。我也不怕;虽然不吃人,胆子却比他们还壮。伸出两个拳头,看他如何下手。老头子坐着,闭了眼睛,摸了好一会,呆了好一会;便张开他鬼眼睛说:“不要乱想。静静的养几天,就好了。”
 不要乱想,静静的养!养肥了,他们是自然可以多吃;我有什么好处,怎么会“好了”?他们这群人,又想吃人,又是鬼鬼祟祟,想法子遮掩,不敢直捷下手,真要令我笑死,我忍不住,便放声大笑起来,十分快活。自己晓得这笑声里面,有的是义勇和正气。老头子和大哥,都失了色,被我这勇气正气镇压住了。
 但是我有勇气,他们便越想吃我,沾光一点这勇气。老头子跨出门,走不多远,便低声对大哥说道:“赶紧吃罢!”大哥点点头。原来也有你!这一件大发见,虽似意外,也在意中:合伙吃我的人,便是我的
 哥哥!
 吃人的是我哥哥!
 我是吃人的人的兄弟!
 我自己被人吃了,可仍然是吃人的人的兄弟!



 这几天是退一步想:假使那老头子不是刽子手扮的,真是医生,也仍然是吃人的人。他们的祖师李时珍做的“本草什么”上,明明写着人肉可以煎吃;他还能说自己不吃人么?
 至于我家大哥,也毫不冤枉他。他对我讲书的时候,亲口说过可以“易子而食”;又一回偶然议论起一个不好的人,他便说不但该杀,还当“食肉寝皮”。我那时年纪还小,心跳了好半天。前天狼子村佃户来说吃心肝的事,他也毫不奇怪,不住的点头。可见心思是同从前一样狠。既然可以“易子而食”,便什么都易得,什么人都吃得。我从前单听他讲道理,也胡涂过去;现在晓得他讲道理的时候,不但唇边还抹着人油,而且心里满装着吃人的意思。



 黑漆漆的,不知是日是夜。赵家的狗又叫起来了。
 狮子似的凶心,兔子的怯弱,狐狸的狡猾,……


 我晓得他们的方法,直捷杀了,是不肯的,而且也不敢,怕有祸祟。所以他们大家连络,布满了罗网,逼我自戕。试看前几天街上男女的样子,和这几天我大哥的作为,便足可悟出八九分了。最好是解下腰带,挂在梁上,自己紧紧勒死;他们没有杀人的罪名,又偿了心愿,自然都欢天喜地的发出一种呜呜咽咽的笑声。否则惊吓忧愁死了,虽则略瘦,也还可以首肯几下。
 他们是只会吃死肉的!——记得什么书上说,有一种东西,叫“海乙那”的,眼光和样子都很难看;时常吃死肉,连极大的骨头,都细细嚼烂,咽下肚子去,想起来也教人害怕。“海乙那”是狼的亲眷,狼是狗的本家。前天赵家的狗,看我几眼,可见他也同谋,早已接洽。老头子眼看着地,岂能瞒得我过。
 最可怜的是我的大哥,他也是人,何以毫不害怕;而且合伙吃我呢?还是历来惯了,不以为非呢?还是丧了良心,明知故犯呢?
 我诅咒吃人的人,先从他起头;要劝转吃人的人,也先从他下手。



 其实这种道理,到了现在,他们也该早已懂得,……
 忽然来了一个人;年纪不过二十左右,相貌是不很看得清楚,满面笑容,对了我点头,他的笑也不像真笑。我便问他,“吃人的事,对么?”他仍然笑着说,“不是荒年,怎么会吃人。”我立刻就晓得,他也是一伙,喜欢吃人的;便自勇气百倍,偏要问他。
 “对么?”
 “这等事问他甚么。你真会……说笑话。……今天天气很好。”
 天气是好,月色也很亮了。可是我要问你,“对么?”
 他不以为然了。含含胡胡的答道,“不……”
 “不对?他们何以竟吃?!”
 “没有的事……”
 “没有的事?狼子村现吃;还有书上都写着,通红斩新!”
 他便变了脸,铁一般青。睁着眼说,“有许有的,这是从来如此……”
 “从来如此,便对么?”
 “我不同你讲这些道理;总之你不该说,你说便是你错!”
 我直跳起来,张开眼,这人便不见了。全身出了一大片汗,他的年纪,比我大哥小得远,居然也是一伙;这一定是他娘老子先教的。还怕已经教给他儿子了;所以连小孩子,也都恶狠狠的看我。



 自己想吃人,又怕被别人吃了,都用着疑心极深的眼光,面面相觑。……
 去了这心思,放心做事走路吃饭睡觉,何等舒服。这只是一条门槛,一个关头。他们可是父子、兄弟、夫妇、朋友、师生、仇敌和各不相识的人,都结成一伙,互相劝勉,互相牵掣,死也不肯跨过这一步。



 大清早,去寻我大哥;他立在堂门外看天,我便走到他背后,拦住门,格外沉静,格外和气的对他说:
 “大哥,我有话告诉你。”
 “你说就是。”他赶紧回过脸来,点点头。
 “我只有几句话,可是说不出来。大哥,大约当初野蛮的人,都吃过一点人。后来因为心思不同,有的不吃人了,一味要好,便变了人,变了真的人。有的却还吃,——也同虫子一样,有的变了鱼、鸟、猴子,一直变到人。有的不要好,至今还是虫子。这吃人的人比不吃人的人,何等惭愧。怕比虫子的惭愧猴子,还差得很远很远。
 “易牙蒸了他儿子,给桀纣吃,还是一直从前的事。谁晓得从盘古开辟天地以后,一直吃到易牙的儿子;从易牙的儿子,一直吃到徐锡林;从徐锡林,又一直吃到狼子村捉住的人。去年城里杀了犯人,还有一个生痨病的人,用馒头蘸血舐。
 “他们要吃我,你一个人,原也无法可想;然而又何必去入伙。吃人的人,什么事做不出;他们会吃我,也会吃你,一伙里面,也会自吃。但只要转一步,只要立刻改了,也就人人太平。虽然从来如此,我们今天也可以格外要好,说是不能!大哥,我相信你能说,前天佃户要减租,你说过不能。”
 当初,他还只是冷笑,随后眼光便凶狠起来,一到说破他们的隐情,那就满脸都变成青色了。大门外立着一伙人,赵贵翁和他的狗,也在里面,都探头探脑的挨进来。有的是看不出面貌,似乎用布蒙着;有的是仍旧青面獠牙,抿着嘴笑。我认识他们是一伙,都是吃人的人。可是也晓得他们心思很不一样,一种是以为从来如此,应该吃的;一种是知道不该吃,可是仍然要吃,又怕别人说破他,所以听了我的话,越发气愤不过,可是抿着嘴冷笑。
 这时候,大哥也忽然显出凶相,高声喝道:
 “都出去!疯子有什么好看!”
 这时候,我又懂得一件他们的巧妙了。他们岂但不肯改,而且早已布置;预备下一个疯子的名目罩上我。将来吃了,不但太平无事,怕还会有人见情。佃户说的大家吃了一个恶人,正是这方法。这是他们的老谱!
 陈老五也气愤愤的直走进来。如何按得住我的口,我偏要对这伙人说,
 “你们可以改了,从真心改起!要晓得将来容不得吃人的人,活在世上。
 “你们要不改,自己也会吃尽。即使生得多,也会给真的人除灭了,同猎人打完狼子一样!——同虫子一样!”
 那一伙人,都被陈老五赶走了。大哥也不知那里去了。陈老五劝我回屋子里去。屋里面全是黑沉沉的。横梁和椽子都在头上发抖;抖了一会,就大起来,堆在我身上。
 万分沉重,动弹不得;他的意思是要我死。我晓得他的沉重是假的,便挣扎出来,出了一身汗。可是偏要说,
 “你们立刻改了,从真心改起!你们要晓得将来是容不得吃人的人,……”


 十一


 太阳也不出,门也不开,日日是两顿饭。
 我捏起筷子,便想起我大哥;晓得妹子死掉的缘故,也全在他。那时我妹子才五岁,可爱可怜的样子,还在眼前。母亲哭个不住,他却劝母亲不要哭;大约因为自己吃了,哭起来不免有点过意不去。如果还能过意不去,……
 妹子是被大哥吃了,母亲知道没有,我可不得而知。
 母亲想也知道;不过哭的时候,却并没有说明,大约也以为应当的了。记得我四五岁时,坐在堂前乘凉,大哥说爷娘生病,做儿子的须割下一片肉来,煮熟了请他吃,才算好人;母亲也没有说不行。一片吃得,整个的自然也吃得。但是那天的哭法,现在想起来,实在还教人伤心,这真是奇极的事!


 十二


 不能想了。
 四千年来时时吃人的地方,今天才明白,我也在其中混了多年;大哥正管着家务,妹子恰恰死了,他未必不和在饭菜里,暗暗给我们吃。
 我未必无意之中,不吃了我妹子的几片肉,现在也轮到我自己,……
 有了四千年吃人履历的我,当初虽然不知道,现在明白,难见真的人!


 十三


 没有吃过人的孩子,或者还有?
 救救孩子……


 (一九一八年四月。)

Tagebuch eines Verrückten


Zwei Brüder, deren Namen ich hier verschweige, waren einst gute Freunde von mir während unserer gemeinsamen Zeit an der Mittelschule. Über die Jahre verloren wir einander aus den Augen, und Nachrichten von ihnen wurden immer seltener. Kürzlich erfuhr ich zufällig, dass einer von ihnen schwer erkrankt sei. Als ich gerade in meine Heimat zurückkehrte, machte ich einen Umweg, um sie zu besuchen, traf jedoch nur einen der beiden an. Er sagte mir, der Kranke sei sein jüngerer Bruder gewesen. „Ihr habt euch die Mühe gemacht, von weit her zu kommen, um nach ihm zu sehen; doch er ist längst genesen und hat sich an einen Ort begeben, wo er auf eine amtliche Anstellung wartet." Dabei lachte er laut und zeigte mir zwei Hefte mit Tagebuchaufzeichnungen, die, wie er sagte, den Zustand seines Bruders während der Krankheit erkennen ließen. Es stehe nichts dagegen, sie einem alten Freund zu überlassen. Ich nahm sie mit und las sie durch. Daraus ging hervor, dass der Patient an einer Art „Verfolgungswahn" gelitten hatte. Die Sprache war wirr und zusammenhanglos, voller absurder Äußerungen; Datumsangaben fehlten, doch die unterschiedliche Tintenfarbe und Handschrift verrieten, dass die Einträge nicht auf einmal niedergeschrieben worden waren. Manche wiesen einen gewissen inneren Zusammenhang auf. Ich habe nun eines dieser Stücke abgeschrieben, um es der medizinischen Forschung zur Verfügung zu stellen. An den sprachlichen Fehlern im Text habe ich kein einziges Zeichen geändert; lediglich die Namen — allesamt Dorfbewohner, die der Welt ohnehin unbekannt sind und für die Sache keine Bedeutung haben — habe ich sämtlich geändert. Was den Titel betrifft, so hat ihn der Patient selbst nach seiner Genesung gewählt, und ich habe ihn nicht weiter abgeändert. Niedergeschrieben am 2. April des siebten Jahres.


I


Heute Abend herrliches Mondlicht.

Ich habe ihn seit über dreißig Jahren nicht gesehen; heute, als ich ihn erblickte, fühlte ich mich außerordentlich erfrischt. Erst jetzt begreife ich, dass die vergangenen dreißig und mehr Jahre nichts als ein einziger Taumel waren. Doch man muss äußerst vorsichtig sein. Warum sonst hätte mich der Hund der Familie Zhao (趙) mit solchen Blicken gemustert?

Ich habe guten Grund, mich zu fürchten.


II


Heute gar kein Mondlicht — ich weiß, das bedeutet nichts Gutes. Als ich am Morgen vorsichtig das Haus verließ, hatte der alte Zhao Guiweng (趙貴翁) schon einen sonderbaren Blick: Er schien sich vor mir zu fürchten — und zugleich mir schaden zu wollen. Sieben oder acht andere Leute steckten die Köpfe zusammen und tuschelten über mich, und sie hatten Angst, ich könnte sie dabei sehen. Alle Leute, denen ich auf der Straße begegnete, waren genauso. Der Boshafteste unter ihnen riss das Maul auf und grinste mich an; da lief mir ein Schauder vom Scheitel bis in die Fußsohlen, denn ich wusste: Ihre Vorbereitungen waren abgeschlossen.

Ich aber fürchte mich nicht und gehe weiterhin meinen Weg. Vor mir eine Schar Kinder — auch sie redeten über mich; und der Ausdruck in ihren Augen war derselbe wie bei Zhao Guiweng, und ihre Gesichter waren aschfahl. Ich überlegte, was für eine Feindschaft ich wohl mit Kindern haben sollte, dass auch sie so taten. Ich konnte nicht an mich halten und rief laut: „Sagt es mir!" Doch sie rannten davon.

Ich grübelte: Was für eine Feindschaft besteht zwischen mir und Zhao Guiweng? Was für eine Feindschaft zwischen mir und den Leuten auf der Straße? Das Einzige, woran ich denken kann, ist, dass ich vor zwanzig Jahren dem alten Herrn Gujiu (古久先生) auf sein uraltes Hauptbuch getreten habe, worüber er sich mächtig geärgert hat. Obwohl Zhao Guiweng ihn gar nicht kennt, muss er davon Wind bekommen und sich in seinem Namen entrüstet haben; er hat sich mit den Leuten auf der Straße verbündet, um mir feind zu sein. Aber die Kinder? Zu jener Zeit waren sie noch gar nicht auf der Welt — warum mustern sie mich heute mit so befremdlichen Blicken, als fürchteten sie sich vor mir und wollten mir zugleich schaden? Das jagt mir wahrhaftig Angst ein, es ist mir unbegreiflich und schmerzt mich zutiefst.

Jetzt verstehe ich: Ihre Mütter und Väter haben es ihnen beigebracht!


III


Nachts kann ich nie einschlafen. Man muss die Dinge ergründen, erst dann versteht man sie.

Diese Leute — manche von ihnen sind vom Bezirksrichter in den Stock gelegt worden, manchen hat der Grundherr ins Gesicht geschlagen, manchen hat der Gerichtsdiener die Frau genommen, manchen sind Vater und Mutter von ihren Gläubigern in den Tod getrieben worden; ihre Gesichter trugen damals bei weitem nicht einen solchen Ausdruck der Furcht und der Grausamkeit wie gestern.

Am seltsamsten war die Frau gestern auf der Straße, die ihren Sohn schlug und dabei sagte: „Du Mistkerl! Ich möchte dich am liebsten auffressen, ein paar Bissen von dir nehmen, um meiner Wut Luft zu machen!" Dabei starrte sie mich an. Ich erschrak so heftig, dass ich es nicht verbergen konnte; da brach die ganze Bande mit den grünlichen Fratzen und den Reißzähnen in schallendes Gelächter aus. Der alte Chen Wu (陳老五) eilte herbei und zerrte mich mit Gewalt nach Hause.

Als er mich nach Hause gezerrt hatte, taten alle im Haus, als kennten sie mich nicht; ihre Blicke waren genauso wie die aller anderen. Sie brachten mich ins Arbeitszimmer und verriegelten die Tür hinter mir, als sperrten sie ein Huhn oder eine Ente ein. Diese Sache machte mich erst recht ratlos.

Vor einigen Tagen kam ein Pächter aus dem Dorf Langzi (狼子村) und berichtete meinem älteren Bruder von einer Hungersnot. Er erzählte, in ihrem Dorf habe man einen großen Bösewicht erschlagen; einige Leute hätten ihm Herz und Leber herausgerissen, sie in Öl gebraten und gegessen, um sich Mut zu machen. Als ich ein Wort dazwischen warf, musterten mich der Pächter und mein Bruder mit denselben Blicken. Erst heute begreife ich: Ihre Blicke waren haargenau dieselben wie die der Bande draußen.

Wenn ich daran denke, läuft es mir eiskalt vom Scheitel bis in die Fußsohlen.

Wenn sie Menschen fressen können, dann könnten sie auch mich fressen.

Man bedenke nur die Worte der Frau — „dich auffressen, ein paar Bissen" — und das Gelächter der Bande mit den grünlichen Fratzen und Reißzähnen, und die Worte des Pächters neulich: Das alles sind offenkundig geheime Zeichen. Ich erkenne in ihren Reden nichts als Gift und in ihrem Lachen nichts als Messer. Ihre Zähne stehen weiß und scharf aufgereiht — das sind die Werkzeuge zum Menschenfressen.

Wenn ich es recht bedenke: Obwohl ich selbst kein schlechter Mensch bin, kann man von dem Augenblick an, da ich auf das Hauptbuch des alten Gujiu getreten bin, für nichts mehr bürgen. Sie scheinen etwas anderes im Schilde zu führen, das ich nicht durchschaue. Außerdem brauchen sie nur die Miene zu verziehen, und schon erklären sie einen zum Bösewicht. Ich erinnere mich noch, wie mein älterer Bruder mich Aufsätze schreiben lehrte: Ganz gleich, wie gut ein Mensch war — sobald man ein paar Wendungen gegen ihn fand, malte er ein paar Kreise daran; vergab man aber einem Übeltäter mit ein paar Worten, so lobte er: „Geniale Umkehr, ganz außergewöhnlich!" Wie soll ich ihre Absichten durchschauen — zumal wenn sie einen fressen wollen?

Man muss alle Dinge erforschen, erst dann versteht man. Schon in alten Zeiten wurden häufig Menschen gefressen, das weiß ich noch, wenn auch nicht mehr ganz genau. Ich schlug die Geschichtsbücher auf — diese Geschichte hat keine Jahreszahlen, aber auf jeder Seite stehen in krakeliger Schrift die Worte „Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Moral und Tugend". Da ich ohnehin nicht schlafen konnte, las ich die halbe Nacht lang aufmerksam, bis ich schließlich zwischen den Zeilen die Worte herauslesen konnte: Das ganze Buch war voll von nur zwei Zeichen — „Menschenfresser"!

All diese Worte stehen in den Büchern, all diese Dinge hat der Pächter erzählt — und dabei grinsen sie mich alle mit seltsam starrenden Augen an.

Auch ich bin ein Mensch, und sie wollen mich fressen!


IV


Am Morgen saß ich eine Weile still da. Der alte Chen Wu brachte das Essen herein: eine Schüssel Gemüse und eine Schüssel gedünsteten Fisch. Die Augen dieses Fisches, weiß und hart, und sein aufgerissenes Maul sahen genauso aus wie die jener Bande, die Menschen fressen will. Als ich ein paar Bissen mit den Stäbchen genommen hatte — so schlüpfrig, dass ich nicht wusste, ob es Fisch war oder Menschenfleisch — spuckte ich alles mitsamt den Eingeweiden wieder aus.

Ich sagte: „Alter Wu, sag meinem Bruder, mir ist so beklommen zumute, ich möchte ein wenig im Garten spazieren gehen." Der alte Wu antwortete nicht und ging hinaus; nach einer Weile aber kam er und öffnete die Tür.

Ich rührte mich nicht und beobachtete, was sie mit mir anzufangen gedachten; ich wusste, sie würden mich nicht einfach laufen lassen. Und tatsächlich! Mein älterer Bruder führte einen alten Mann langsam herein. Dessen Augen waren voller Mordlust, und aus Angst, ich könnte es bemerken, senkte er den Kopf und spähte nur seitwärts über den Rand seiner Brille zu mir herüber. Mein Bruder sagte: „Du scheinst heute recht wohl zu sein." Ich sagte: „Ja." Er sagte: „Ich habe heute Herrn He (何先生) gebeten, dich einmal zu untersuchen." Ich sagte: „Meinetwegen!" In Wahrheit aber wusste ich sehr wohl, dass dieser Alte ein verkleideter Henker war! Er nahm mir nur unter dem Vorwand des Pulsfühlens die Maße, um zu prüfen, ob ich fett oder mager war — und als Belohnung für diesen Dienst würde auch er ein Stück Fleisch abbekommen. Ich fürchtete mich nicht; obwohl ich selbst keine Menschen esse, ist mein Mut größer als ihrer. Ich streckte beide Fäuste vor, um zu sehen, wie er vorgehen würde. Der Alte setzte sich, schloss die Augen und tastete mich eine ganze Weile ab, verharrte noch eine ganze Weile reglos; dann öffnete er seine gespenstischen Augen und sprach: „Denken Sie nicht zu viel nach. Pflegen Sie sich ein paar Tage in aller Ruhe, dann wird es Ihnen besser gehen."

Nicht zu viel nachdenken, sich ruhig pflegen! Mich fett füttern, damit sie umso mehr zu fressen haben! Was habe ich davon, wieso soll es mir dann „besser gehen"? Diese Bande — einerseits wollen sie Menschen fressen, andererseits schleichen sie hinterlistig herum und suchen nach Ausflüchten, wagen es nicht, offen zuzugreifen — das ist wirklich zum Totlachen. Ich konnte mich nicht halten und brach in schallendes Gelächter aus, was mir große Befriedigung verschaffte. Ich wusste: In diesem Lachen steckt nichts als Tapferkeit und Rechtschaffenheit. Der Alte und mein Bruder wurden bleich — meine Tapferkeit und Aufrichtigkeit hatte sie eingeschüchtert.

Doch gerade weil ich mutig bin, wollen sie mich umso lieber fressen, um etwas von diesem Mut abzubekommen. Der Alte trat zur Tür hinaus, und kaum war er ein paar Schritte gegangen, da sagte er leise zu meinem Bruder: „Esst ihn rasch!" Und mein Bruder nickte. Also auch du! Diese gewaltige Entdeckung, obschon sie mich überrascht, kommt doch nicht unerwartet: Derjenige, der sich mit den anderen verschworen hat, mich zu fressen, ist mein eigener

Bruder!

Ein Menschenfresser — das ist mein Bruder!

Ich bin der Bruder eines Menschenfressers!

Ich selbst werde von Menschen gefressen — und bin dennoch der Bruder eines Menschenfressers!


V


In den letzten Tagen habe ich einen Schritt weiter gedacht: Selbst wenn der Alte kein verkleideter Henker, sondern ein wirklicher Arzt wäre, so wäre er dennoch ein Menschenfresser. In dem „Bencao-Irgendwas" ihres Altmeisters Li Shizhen (李時珍) steht schwarz auf weiß geschrieben, dass Menschenfleisch aufgeschnitten und gebraten gegessen werden kann — wie kann er da noch behaupten, er esse keine Menschen?

Was meinen älteren Bruder betrifft, so tue ich ihm keineswegs Unrecht. Als er mir Bücher erklärte, sagte er selbst mit eigenem Munde, man dürfe „die Kinder tauschen und sie essen"; und ein andermal, als zufällig die Rede auf einen verabscheuungswürdigen Menschen kam, sagte er, man solle ihn nicht nur töten, sondern ihm „das Fleisch fressen und auf seiner Haut schlafen". Damals war ich noch klein, und mir klopfte eine ganze Weile lang das Herz. Als neulich der Pächter aus dem Dorf Langzi von der Sache mit dem Herz- und Leberfressen erzählte, zeigte er sich nicht im Geringsten verwundert und nickte unentwegt. Daran sieht man: Seine Gesinnung ist genauso grausam wie eh und je. Wenn man schon „die Kinder tauschen und essen" darf, dann lässt sich alles tauschen und jeder Mensch essen. Früher ließ ich mich von seinem Gerede über die Vernunft einlullen; jetzt weiß ich: Wenn er über die Vernunft sprach, klebte nicht nur Menschenfett an seinen Lippen, sondern sein Herz war auch bis zum Rand voll von der Absicht, Menschen zu fressen.


VI


Pechschwarz ringsum — ich weiß nicht, ob es Tag ist oder Nacht. Der Hund der Familie Zhao hat wieder zu bellen angefangen.

Grausam wie ein Löwe, feige wie ein Hase, schlau wie ein Fuchs …


VII


Ich kenne ihre Methoden. Einen glatten Mord begehen — das wollen sie nicht, und dazu fehlt ihnen auch der Mut, sie fürchten das böse Nachspiel. Darum tun sie sich alle zusammen, spannen ihr Netz und treiben mich in den Selbstmord. Man betrachte nur das Gebaren der Männer und Frauen auf der Straße in den letzten Tagen und das Verhalten meines älteren Bruders — dann begreift man acht oder neun Zehntel der Sache. Am besten wäre es, ich nähme mir den Gürtel ab, hinge ihn an den Deckenbalken und erdrosselte mich selbst. Dann hätten sie keine Schuld an einem Mord auf sich geladen und ihren Herzenswunsch dennoch erfüllt — natürlich würden sie vor Freude ein schluchtartiges, unterdrücktes Lachen ausstoßen. Oder aber ich stürbe vor Schreck und Kummer — dann wäre ich zwar etwas mager, doch auch dazu könnten sie noch beifällig nicken.

Sie fressen nur totes Fleisch! Ich erinnere mich, dass in irgendeinem Buch von einem Geschöpf die Rede war, das „Hyäne" heißt, mit einem hässlichen Blick und hässlichem Äußeren; es frisst ständig Aas und zerkaut selbst die größten Knochen fein, bis es sie hinunterschlucken kann — schon der Gedanke daran ist grauenerregend. Die Hyäne ist verwandt mit dem Wolf, und der Wolf ist ein Vetter des Hundes. Neulich hat mich der Hund der Familie Zhao angestarrt — offenbar steckt auch er mit ihnen unter einer Decke und hat sich längst mit ihnen abgesprochen. Der Alte glotzt zu Boden — meint er, das könnte mich täuschen?

Am erbärmlichsten ist mein älterer Bruder: Auch er ist ein Mensch — warum fürchtet er sich nicht im Geringsten, ja macht sogar gemeinsame Sache, um mich zu fressen? Ist es Gewohnheit, weil es seit jeher so war, und er sieht nichts Verwerfliches daran? Oder hat er sein Gewissen verloren und handelt wider besseres Wissen?

Ich verfluche die Menschenfresser — und fange bei ihm an; ich will die Menschenfresser zur Umkehr bewegen — und beginne ebenfalls bei ihm.


VIII


Eigentlich hätten sie diese Wahrheit längst begreifen müssen …

Da kam plötzlich ein Mann herein, kaum zwanzig Jahre alt, sein Gesicht konnte ich nicht deutlich erkennen; er war voller Lächeln und nickte mir zu, doch sein Lächeln sah nicht echt aus. Ich fragte ihn: „Ist es recht, Menschen zu fressen?" Er lächelte noch immer und sagte: „Es ist doch kein Hungerjahr — wie sollte man da Menschen fressen?" Sofort war mir klar, dass auch er zu der Bande gehörte und gern Menschen fraß; da fasste ich hundertfachen Mut und bestand darauf, ihn zu fragen:

„Ist es recht?"

„Was fragst du nach solchen Dingen? Du verstehst es wirklich … Scherze zu machen. … Heute ist schönes Wetter."

Das Wetter ist schön, und auch der Mond scheint hell. Aber ich will dich fragen: „Ist es recht?"

Er hielt das für ungehörig. Undeutlich murmelte er: „Nein …"

„Nicht recht? Warum fressen sie dann trotzdem?!"

„So etwas gibt es doch gar nicht …"

„Gibt es nicht? Im Dorf Langzi werden gerade Menschen gefressen, und in den Büchern steht es auch — rot und frisch!"

Da veränderte sich sein Gesicht, es wurde eisengrau. Er riss die Augen auf und sagte: „Mag sein, dass es das gibt … So war es schon immer …"

„Schon immer so — ist es deshalb recht?"

„Ich will nicht mit dir über solche Dinge reden. Jedenfalls hättest du das nicht sagen sollen; wenn du es sagst, bist du im Unrecht!"

Ich sprang auf, riss die Augen auf — da war der Mann verschwunden. Am ganzen Leib brach mir der Schweiß aus. Er ist viel jünger als mein Bruder, aber auch er gehört zur Bande; das müssen ihm seine Eltern beigebracht haben. Und ich fürchte, er hat es seinerseits bereits seinen eigenen Kindern gelehrt; deshalb blicken mich sogar die kleinen Kinder so hasserfüllt an.


IX


Sie selbst wollen Menschen fressen und fürchten zugleich, von anderen gefressen zu werden — darum mustern sie einander mit zutiefst misstrauischen Blicken …

Wenn sie nur diesen Gedanken ablegten, könnten sie unbeschwert arbeiten, gehen, essen und schlafen — wie behaglich das wäre! Es ist nur eine einzige Schwelle, ein einziger Wendepunkt. Aber sie — Väter und Söhne, Brüder, Ehegatten, Freunde, Lehrer und Schüler, Todfeinde und Wildfremde — haben sich allesamt zusammengetan, ermutigen einander und halten einander zurück; lieber sterben sie, als diesen einen Schritt zu tun.


X


Am frühen Morgen ging ich meinen älteren Bruder suchen. Er stand vor der Tür der Halle und schaute zum Himmel. Ich trat hinter ihn, versperrte die Tür und sagte mit besonderer Ruhe und besonderer Freundlichkeit:

„Bruder, ich habe dir etwas zu sagen."

„Dann sag es", erwiderte er hastig, wandte das Gesicht zu mir und nickte.

„Es sind nur ein paar Worte, aber ich bringe sie nicht heraus. Bruder, vermutlich haben in grauer Vorzeit die Wilden alle irgendwann einmal ein wenig Menschenfleisch gegessen. Später aber, weil sich die Gesinnung änderte, hörten manche auf, Menschen zu fressen, und strebten beständig nach dem Guten — sie verwandelten sich in Menschen, in wahre Menschen. Andere aber fraßen weiter — wie die Insekten: Manche verwandelten sich in Fische, Vögel, Affen und schließlich in Menschen; andere aber strebten nicht nach dem Guten und sind bis heute Insekten geblieben. Wie beschämt müssen sich die Menschenfresser fühlen vor denen, die keine Menschen fressen! Weit beschämter noch, als sich die Insekten vor den Affen schämen müssten.

Yi Ya (易牙) kochte seinen Sohn und setzte ihn dem Tyrannen Jie und Zhou (桀紂) vor — das ist eine Sache aus grauer Vorzeit. Aber wer weiß, seit Pangu (盤古) Himmel und Erde schied, wird ununterbrochen gefressen: von Yi Ya's Sohn bis zu Xu Xilin (徐錫林); von Xu Xilin bis zu dem, den sie im Dorf Langzi geschnappt haben. Letztes Jahr in der Stadt, als man einen Verbrecher hinrichtete, tränkte ein Schwindsüchtiger sein Mantou (饅頭) mit dem Blut und leckte es auf.

Sie wollen mich fressen — du allein kannst dagegen auch nichts ausrichten. Aber warum musst du dich ihnen anschließen? Die Menschenfresser sind zu allem fähig; wenn sie mich fressen können, können sie auch dich fressen — selbst innerhalb der Bande fressen sie einander. Aber man brauchte nur einen einzigen Schritt zu tun, sofort die Richtung zu ändern, und alle hätten Frieden. Obwohl es seit jeher so war — wir könnten heute beschließen, besonders gut zu sein, und sagen: Es geht nicht anders! Bruder, ich glaube, du kannst es sagen — neulich, als der Pächter die Pacht senken wollte, hast du doch auch gesagt, es gehe nicht."

Anfangs lächelte er nur kalt. Dann aber wurde sein Blick grimmig, und als ich ihr Geheimnis aussprach, wurde sein ganzes Gesicht aschfahl. Vor dem großen Tor stand eine ganze Bande — Zhao Guiweng und sein Hund darunter —, und sie alle schoben sich neugierig und spähend herein. Manchen konnte ich das Gesicht nicht erkennen, als hätten sie es mit Tuch verhüllt; andere hatten nach wie vor grünliche Fratzen und Reißzähne und grinsten mit zusammengekniffenen Lippen. Ich erkannte sie als Bande, allesamt Menschenfresser. Doch ich wusste auch, dass sie nicht alle gleich dachten: Die einen meinten, es sei schon immer so gewesen und man solle eben fressen; die anderen wussten, dass man nicht fressen sollte, wollten es aber dennoch tun und fürchteten nur, jemand könnte ihr Geheimnis aussprechen — darum wurden sie, als sie meine Worte hörten, nur noch wütender, doch sie grinsten kalt mit zusammengekniffenen Lippen.

Da nahm plötzlich auch mein Bruder eine grimmige Miene an und schrie mit lauter Stimme:

„Hinaus mit euch allen! Was gibt es an einem Verrückten zu gaffen!"

In diesem Augenblick verstand ich einen weiteren ihrer schlauen Tricks: Sie waren nicht nur nicht bereit, sich zu ändern, sondern hatten auch längst alles vorbereitet — sie hatten mir im Voraus das Etikett „Verrückter" aufgeklebt. Wenn sie mich dann fressen, wird nicht nur niemand Ärger machen, sondern es werden sich womöglich noch Leute finden, die Mitleid zeigen. Als der Pächter erzählte, wie alle gemeinsam einen Übeltäter gefressen hatten — das war genau dieselbe Methode. Das ist ihr altes Rezept!

Auch der alte Chen Wu kam wutschnaubend hereingestürmt. Wie wollte er mir den Mund verschließen? Ich bestand darauf, dieser Bande zu sagen:

„Ihr könnt euch ändern, ändert euch von Herzen! Wisset: In der Zukunft ist kein Platz mehr für Menschenfresser auf dieser Welt.

Wenn ihr euch nicht ändert, werdet ihr selbst aufgefressen werden. Und mögt ihr euch noch so zahlreich vermehren — die wahren Menschen werden euch austilgen, so wie Jäger die Wölfe erlegen! — So wie die Insekten!"

Die ganze Bande wurde vom alten Chen Wu vertrieben. Mein Bruder war auch irgendwohin verschwunden. Der alte Chen Wu überredete mich, in mein Zimmer zurückzukehren. Im Zimmer war alles stockfinster. Die Balken und Dachsparren zitterten über meinem Kopf; sie zitterten eine Weile, dann wurden sie größer und türmten sich auf mir auf.

Unendlich schwer, ich konnte mich nicht rühren. Er wollte, dass ich sterbe. Doch ich wusste, dass diese Schwere nur ein Trug war, und befreite mich mit aller Kraft; der Schweiß brach mir aus. Aber ich bestand darauf zu sagen:

„Ändert euch sofort, ändert euch von Herzen! Wisset: In der Zukunft ist kein Platz mehr für Menschenfresser …"


XI


Die Sonne geht nicht auf, die Tür geht nicht auf, Tag für Tag zwei Mahlzeiten.

Als ich die Essstäbchen nahm, musste ich an meinen Bruder denken; da verstand ich auch den Grund für den Tod meiner kleinen Schwester — es war ganz allein sein Werk. Damals war meine kleine Schwester gerade fünf Jahre alt — ihr liebes, jämmerliches Gesicht steht mir noch vor Augen. Unsere Mutter weinte unaufhörlich, doch er riet ihr, nicht zu weinen — vermutlich, weil er sie selbst gegessen hatte und das Weinen ihm ein wenig peinlich war. Wenn es ihm überhaupt noch peinlich sein konnte …

Meine kleine Schwester wurde von meinem Bruder gefressen. Ob unsere Mutter es wusste — das kann ich nicht sagen.

Unsere Mutter wusste es vermutlich; doch als sie weinte, sprach sie es nicht aus — wohl weil auch sie es für selbstverständlich hielt. Ich erinnere mich: Als ich vier oder fünf Jahre alt war und auf der Veranda saß, um die Abendkühle zu genießen, sagte mein Bruder, wenn Vater und Mutter krank seien, müsse ein guter Sohn ein Stück Fleisch von seinem Körper schneiden, es kochen und ihnen zu essen geben — erst dann gelte man als anständiger Mensch. Und unsere Mutter widersprach nicht. Wenn man ein Stück essen darf, dann natürlich auch alles übrige. Aber die Art, wie sie an jenem Tag weinte — wenn ich jetzt daran denke, zerreißt es mir noch immer das Herz. Das ist wahrlich eine Sache von äußerster Seltsamkeit!


XII


Ich kann nicht mehr daran denken.

Viertausend Jahre lang wurden an diesem Ort ständig Menschen gefressen, und erst heute begreife ich, dass auch ich all die Jahre mittendrin gelebt habe. Gerade als mein Bruder die Haushaltsführung übernahm, starb unsere kleine Schwester. Womöglich hat er sie unter das Essen gemischt und sie uns heimlich zu essen gegeben.

Vielleicht habe auch ich, ohne es zu wollen, ein paar Stücke von meiner kleinen Schwester gegessen, und jetzt bin ich an der Reihe …

Ich, mit meiner viertausendjährigen Geschichte des Menschenfressens — obwohl ich es anfangs nicht wusste: jetzt, da ich es weiß, ist es schwer, einem wahren Menschen ins Gesicht zu sehen!


XIII


Gibt es vielleicht noch Kinder, die keine Menschen gefressen haben?

Rettet die Kinder …


(April 1918.)

母亲想也知道;不过哭的时候,却并没有说明,大约也以为应当的了。记得我四五岁时,坐在堂前乘凉,大哥说爷娘生病,做儿子的须割下一片肉来,煮熟了请他吃,才算好人;母亲也没有说不行。一片吃得,整个的自然也吃得。但是那天的哭法,现在想起来,实在还教人伤心,这真是奇极的事!



十二



不能想了。


四千年来时时吃人的地方,今天才明白,我也在其中混了多年;大哥正管着家务,妹子恰恰死了,他未必不和在饭菜里,暗暗给我们吃。


我未必无意之中,不吃了我妹子的几片肉,现在也轮到我自己,……


有了四千年吃人履历的我,当初虽然不知道,现在明白,难见真的人!



十三



没有吃过人的孩子,或者还有?


救救孩子……



(一九一八年四月。)

【一九一九年】






【对于“新潮”一部分的意见】




孟真先生:


来信收到了。现在对于《新潮》没有别的意见:倘以后想到什么,极愿意随时通知。


《新潮》每本里面有一二篇纯粹科学文,也是好的。但我的意见,以为不要太多;而且最好是无论如何总要对于中国的老病刺他几针,譬如说天文忽然骂阴历,讲生理终于打医生之类。现在老先生听人说“地球椭圆”,“元素七十七种”,是不反对的了。《新潮》里装满了这些文章,他们或者还暗地里高兴。(他们有许多很鼓吹少年专讲科学,不要议论,《新潮》三期通信内有史志元先生的信,似乎也上了他们的当。)现在偏要发议论,而且讲科学,讲科学而仍发议论,庶几乎他们依然不得安稳,我们也可告无罪于天下了。总而言之,从三皇五帝时代的眼光看来,讲科学和发议论都是蛇,无非前者是青梢蛇,后者是蝮蛇罢了;一朝有了棍子,就都要打死的。既然如此,自然还是毒重的好。——但蛇自己不肯被打,也自然不消说得。


《新潮》里的诗写景叙事的多,抒情的少,所以有点单调。此后能多有几样作风很不同的诗就好了。翻译外国的诗歌也是一种要事,可惜这事很不容易。


《狂人日记》很幼稚,而且太逼促,照艺术上说,是不应该的。来信说好,大约是夜间飞禽都归巢睡觉,所以单见蝙蝠能干了。我自己知道实在不是作家,现在的乱嚷,是想闹出几个新的创作家来,——我想中国总该有天才,被社会挤倒在底下,——破破中国的寂寞。


《新潮》里的《雪夜》,《这也是一个人》,《是爱情还是苦痛》,(起首有点小毛病,)都是好的。上海的小说家梦里也没有想到过。这样下去,创作很有点希望。《扇误》译的很好。《推霞》实在不敢恭维。




鲁迅。四月十六日。


(一九一九年五月,《新潮》一卷五号所载。)

Mutter wusste es vermutlich auch; doch als sie weinte, sprach sie es nicht aus — wohl weil auch sie es für selbstverständlich hielt. Ich erinnere mich: Als ich vier oder fünf Jahre alt war und auf der Veranda saß, um die Abendkühle zu genießen, sagte mein Bruder, wenn Vater und Mutter krank seien, müsse ein guter Sohn ein Stück Fleisch von seinem Körper schneiden, es kochen und ihnen zu essen geben — erst dann gelte man als anständiger Mensch. Und unsere Mutter widersprach nicht. Wenn man ein Stück essen darf, dann natürlich auch alles übrige. Aber die Art, wie sie an jenem Tag weinte — wenn ich jetzt daran denke, zerreißt es mir noch immer das Herz. Das ist wahrlich eine Sache von äußerster Seltsamkeit!


XII


Ich kann nicht mehr daran denken.

Viertausend Jahre lang wurden an diesem Ort ständig Menschen gefressen, und erst heute begreife ich, dass auch ich all die Jahre mittendrin gelebt habe. Gerade als mein Bruder die Haushaltsführung übernahm, starb unsere kleine Schwester. Womöglich hat er sie unter das Essen gemischt und sie uns heimlich zu essen gegeben.

Vielleicht habe auch ich, ohne es zu wollen, ein paar Stücke von meiner kleinen Schwester gegessen, und jetzt bin ich an der Reihe …

Ich, mit meiner viertausendjährigen Geschichte des Menschenfressens — obwohl ich es anfangs nicht wusste: jetzt, da ich es weiß, ist es schwer, einem wahren Menschen ins Gesicht zu sehen!


XIII


Gibt es vielleicht noch Kinder, die keine Menschen gefressen haben?

Rettet die Kinder …


(April 1918.)

【1919】


【Über einen Teil der „Neuen Flut" — Meinungen】


Herr Mengzhen,

Ihren Brief habe ich erhalten. Gegenwärtig habe ich keine besonderen Anmerkungen zur „Neuen Flut" (新潮); sollte mir später etwas einfallen, teile ich es Ihnen gerne jederzeit mit.

Dass jede Ausgabe der „Neuen Flut" ein oder zwei rein naturwissenschaftliche Aufsätze enthält, ist gut. Meine Meinung jedoch: Es sollten nicht zu viele sein, und am besten sollte man auf jeden Fall der alten Krankheit Chinas ein paar Nadelstiche versetzen — etwa wenn man über Astronomie schreibt, plötzlich auf den Mondkalender schimpfen oder bei einer Abhandlung über Physiologie am Ende den Arzt schlagen. Die alten Herren haben mittlerweile nichts mehr einzuwenden, wenn jemand sagt: „Die Erde ist eine Ellipse" oder „Es gibt siebenundsiebzig Elemente." Wenn die „Neue Flut" voll von solchen Aufsätzen ist, freuen sie sich womöglich insgeheim darüber. (Viele von ihnen ermutigen die Jugend ja nachdrücklich, sich nur mit Wissenschaft zu befassen und keine Meinungen zu äußern; im Leserbriefteil der dritten Ausgabe der „Neuen Flut" findet sich ein Schreiben von Herrn Shi Zhiyuan, der offenbar auch auf diesen Trick hereingefallen ist.) Aber wenn man nun eben doch Meinungen äußert, und zwar unter dem Banner der Wissenschaft — Wissenschaft betreibt, aber trotzdem Meinungen vertritt —, dann werden sie womöglich immer noch nicht zur Ruhe kommen, und wir können uns frei von Schuld fühlen. Kurz gesagt: Aus Sicht der Ära der Drei Erhabenen und Fünf Kaiser sind Wissenschaft und Meinungsäußerung beides Schlangen — nur dass erstere grüne Nattern und letztere Vipern sind; sobald man einen Stock hat, schlägt man beide tot. Wenn dem so ist, dann ist es natürlich besser, die giftigere zu sein. — Dass die Schlange selbst aber nicht geschlagen werden will, versteht sich von selbst.

Die Gedichte in der „Neuen Flut" beschreiben zumeist Landschaften und erzählen Begebenheiten; lyrische Gedichte gibt es wenige, weshalb eine gewisse Eintönigkeit herrscht. Es wäre gut, wenn es künftig mehr Gedichte in ganz verschiedenen Stilen gäbe. Auch die Übersetzung ausländischer Dichtung ist eine wichtige Angelegenheit, nur ist sie leider sehr schwierig.

Das „Tagebuch eines Verrückten" ist recht unreif und zudem zu gedrängt; vom künstlerischen Standpunkt aus ist das nicht in Ordnung. Dass Ihr Brief es lobt, liegt wohl daran, dass nachts die Vögel alle in ihren Nestern schlafen, so dass nur die Fledermaus etwas zu leisten scheint. Ich weiß selbst, dass ich kein eigentlicher Schriftsteller bin; mein derzeitiges Lärmen zielt darauf ab, ein paar neue Autoren ans Licht zu bringen — ich denke, in China muss es Talente geben, die von der Gesellschaft nach unten gedrückt werden — und die Stille Chinas zu durchbrechen.

In der „Neuen Flut" sind „Schneenacht", „Auch dies ist ein Mensch" und „Ist es Liebe oder Leid" (am Anfang mit einem kleinen Makel) allesamt gut. Die Romanschreiber in Shanghai hätten sich so etwas nicht einmal im Traum ausgedacht. Wenn es so weitergeht, hat die Literatur durchaus Aussichten. „Das Fächermissverständnis" ist gut übersetzt. „Tui Xia" kann ich hingegen wirklich nicht loben.


Lu Xun. 16. April.

(Mai 1919, veröffentlicht in „Neue Flut", Band 1, Nr. 5.)