Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 72
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Kapitel 72: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)
| DE3 (Schwarz) | DE4 (Woesler, 2026) |
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| 72.Hsi-fëng verläßt sich auf ihre kräftige Konstitution und schweigt schamhaft ihre Krankheit tot, Lai Wangs Frau nutzt die Machtposition ihrer Herrin aus und setzt gewaltsam eine Verlobung durch. | Zweiundsiebzigstes Kapitel |
| Als Yüan-yang den Garten durch das Nebentor verließ, war ihr Gesicht noch immer gerötet, und das Herz pochte ihr bis zum Halse. Denn was ihr da begegnet war, hätte sie nie für möglich gehalten. Sie sagte sich, dies sei etwas Außergewöhnliches, und wenn sie davon erzählte, wären durch die Verknüpfung von Unzucht und Einbruch Menschenleben gefährdet, und es wäre auch nicht auszuschließen, daß Unbeteiligte mit hineingezogen würden. Aber da es schließlich nicht sie selbst betraf, verschloß sie alles in ihrem Herzen und verriet keinem Menschen davon. Als sie in die Räume der Herzoginmutter zurückkam, berichtete sie, ihr Auftrag sei erledigt, und alle legten sich schlafen. | Phönixglanz verheimlicht aus Stolz ihre Krankheit, die Frau des Laiwang erzwingt mit Hilfe ihrer Stellung eine Heirat |
| Von nun an ging Yüan-yang des Abends nicht mehr oft in den Garten, denn sie fürchtete, dort noch mehr solcher Überraschungen zu erleben, und an anderen Stellen ebenfalls, darum ging sie auch sonst kaum noch ohne weiteres irgendwohin. | Nun sei erzählt, dass Mandarinenente [1] aus dem Seitentor heraustrat, noch immer mit rotem Gesicht, das Herz noch immer wild pochend — es war wirklich ein unerwartetes Ereignis gewesen. Da sie bedachte, dass diese Angelegenheit ungewöhnlich war, und dass, wenn sie davon erzählte, Unzucht und Diebstahl miteinander verknüpft würden und Menschenleben auf dem Spiel standen, und man obendrein nicht sicher sein konnte, ob nicht auch Unbeteiligte mit hineingezogen würden, sagte sie sich, da es sie ohnehin nichts anging, sei es besser, alles in ihrem Herzen zu verschließen und keinem einzigen Menschen davon zu erzählen. Sie ging in ihr Zimmer zurück, erstattete der Herzoginmutter [2] Bericht, und alle begaben sich zur Ruhe. Von da an kam sie abends kaum noch in den Garten. Da sie sich sagte, dass es im Garten schon solch merkwürdige Vorfälle gab, wie viel mehr mochte es dann anderswo geben, ging sie fortan auch an anderen Orten nicht mehr leichtfertig umher. |
| Mit Sï-tji und ihrem Vetter verhielt es sich so, daß sie sich schon als Kinder, als sie zusammen aufwuchsen und gemeinsam spielten, ihr Wort darauf gegeben hatten, einander zu heiraten oder unverheiratet zu bleiben. Inzwischen waren sie beide zu anmutiger Schönheit herangewachsen. Sooft Sï-tji nach Hause kam, hatten sie beredte Blicke miteinander getauscht, die alten Gefühle waren unvergessen. Das einzige, was sie trennte, war der Mangel an Gelegenheit. Und da sie Angst hatten, ihre Eltern würden nicht einwilligen, hatten sie Mittel gefunden, um die alten Wächterinnen im Garten von beiden Seiten zu bestechen, damit sie das Tor für sie offenhielten und darauf sahen, daß die Luft rein blieb. Unter Ausnutzung des allgemeinen Trubels, der zur Zeit herrschte, hatten sie sich jetzt zum ersten Mal getroffen. Dabei waren sie zwar noch kein Paar geworden, aber sie hatten einander geschworen, ihre Liebe solle ewig währen, ewig wie das Meer und die Berge. Zur Bekräftigung hatten sie Geschenke getauscht, und die wechselseitigen Zärtlichkeiten waren grenzenlos gewesen. |
Es verhielt sich nämlich so, dass Siqi [3] von klein auf mit ihrem Cousin mütterlicherseits zusammen gespielt und gescherzt hatte, und als Kinder hatten sie im Scherz einander versprochen, niemals jemand anderen zu heiraten. In den letzten Jahren waren sie herangewachsen und hatten sich beide zu ansehnlichen Erscheinungen entwickelt. Immer wenn Siqi nach Hause ging, tauschten die beiden verliebte Blicke, und die alte Zuneigung war nicht erloschen, nur konnten sie nicht zueinander finden. Da beide fürchteten, ihre Eltern könnten nicht einverstanden sein, hatten sie Mittel und Wege gefunden, die alten Dienerinnen im Garten zu bestechen, damit diese das Tor offen ließen und den Weg bewachten. Heute hatten sie das allgemeine Durcheinander genutzt, um zum ersten Mal zueinander zu finden. Obwohl sie nicht wirklich ein Paar geworden waren, hatten sie doch Schwüre wie Meer und Berge getauscht und heimlich Liebespfänder ausgetauscht, und es hatte zwischen ihnen bereits grenzenlose Zärtlichkeit gegeben. Da wurden sie plötzlich von Mandarinenente aufgeschreckt, und der junge Bursche war eilig durch Blumen und Weiden schlüpfend aus dem Seitentor verschwunden. |
| Nachdem sie von Yüan-yang überrascht worden waren, hatte sich der Bursche schnell einen Weg zwischen Blumen und Weiden gesucht und war durchs Nebentor verschwunden. Sï-tji fand zwar die ganze Nacht hindurch keinen Schlaf, aber Reue empfand sie nicht. Als sie am nächsten Tag Yüan-yang begegnete, wurde sie unwillkürlich abwechselnd rot und blaß und fühlte sich peinlichst berührt. Von ihrem unsagbaren Geheimnis gequält, konnte sie weder essen noch trinken und war unruhig, wohin sie ging und wo sie stand. Erst als sich nach mehreren Tagen immer noch nichts ereignet hatte, wurde sie ein wenig ruhiger. Doch dann kam am Abend plötzlich eine von den alten Sklavenfrauen zu ihr, um ihr verstohlen zu sagen: „Dein Vetter ist ausgerückt. Schon seit drei, vier Tagen ist er nicht mehr nach Hause gekommen. Heute hat man Leute ausgeschickt, die überall nach ihm suchen.“ Als Sï-tji das hörte, hätte der Ärger sie beinahe umgeworfen, und sie sagte sich: „Wenn es wirklich herauskäme, müßten wir gemeinsam sterben. Aber er hat sich einfach aus dem Staube gemacht. Da sieht man, daß seine Gefühle nichts Ernstes waren.“ Und so kam zur Furcht auch noch der Verdruß. Schon am nächsten Tag fühlte sich Sï-tji so beklommen ums Herz, daß sie sich auch mit größter Anstrengung nicht auf den Beinen zu halten vermochte. Sie stürzte förmlich ins Bett, um zu schlafen, und unversehens wurde eine ernsthafte Erkrankung daraus. |
Siqi lag die ganze Nacht wach und bereute es zutiefst. Am nächsten Tag, als sie Mandarinenente sah, wurde sie abwechselnd rot und blass und fühlte sich auf hunderterlei Weise unwohl. In ihrem Herzen trug sie einen schweren Stein, hatte keinen Appetit auf Tee und Reis und war beim Aufstehen und Sitzen ganz benommen. Zwei Tage vergingen, ohne dass sie die geringste Aufregung bemerkte, und so beruhigte sie sich allmählich ein wenig. Doch eines Abends kam plötzlich eine der alten Dienerinnen und flüsterte ihr zu: »Dein Bruder ist weggelaufen, seit drei oder vier Tagen ist er nicht nach Hause gekommen. Man hat Leute losgeschickt, ihn überall zu suchen.« Als Siqi das hörte, wurde sie so wütend, dass sie beinahe umkippte. Sie dachte bei sich: »Selbst wenn es herausgekommen wäre, hätten wir zusammen sterben sollen. Er denkt, weil er ein Mann ist, kann er einfach davonlaufen — das zeigt, dass er kein Herz hat!« So kam zu ihrem Kummer noch eine weitere Schicht des Zorns hinzu. Am nächsten Tag fühlte sie sich innerlich unwohl, konnte sich auf keine Weise mehr zusammenreißen, legte sich nieder und verfiel in eine ernste Krankheit. |
| Als Yüan-yang erfuhr, drüben sei ohne jeden Grund ein Sklavenjunge weggelaufen und im Garten sei Sï-tji so schwer erkrankt, daß man sie ausquartieren wolle, sagte sie sich, der Grund dafür müsse in beiden Fällen die Furcht vor Entdeckung sein. „Solche Angst haben sie also, ich könnte etwas verraten, daß ihnen der Schreck dermaßen in die Glieder gefahren ist!“ dachte sie, und von Mitleid bewegt, suchte sie Sï-tji unter dem Vorwand eines Krankenbesuchs auf. Nachdem sie alle anderen aus dem Zimmer geschickt hatte, stand sie auf, um Sï-tji zu versichern: „Wenn ich es irgendwem sage, will ich zur Strafe auf der Stelle tot umfallen!“ Dann setzte sie hinzu: „Sei nur ganz ruhig und kurier dich aus, verdirb dir nicht grundlos dein bißchen Leben!“ |
Als Mandarinenente erfuhr, dass drüben ohne ersichtlichen Grund ein junger Diener verschwunden war und dass Siqi im Garten schwer erkrankt sei und hinausgebracht werden müsse, war sie sicher, dass beides aus Angst vor Strafe geschah. »Sie fürchten, ich könnte es verraten, und haben sich so erschrecken lassen.« Deshalb fühlte sie sich ihrerseits unwohl. Sie ging Siqi besuchen, schickte alle anderen hinaus und schwor ihr feierlich: »Wenn ich auch nur einem einzigen Menschen davon erzähle, soll ich auf der Stelle sterben! Beruhige dich und werde wieder gesund, wirf dein junges Leben nicht nutzlos weg!« |
| Mit raschem Griff faßte Sï-tji nach ihrer Hand und sagte weinend: „Meine ältere Schwester! Von klein auf haben wir so dicht nebeneinander gelebt, daß unser beider Schläfenhaar sich berührt hat. Du hast mich nicht als Fremde behandelt, und auch ich habe nie gewagt, mich dir gegenüber respektlos zu verhalten. Wenn du jetzt von meinem Fehltritt wirklich niemand etwas sagst, bist du wie eine leibliche Mutter für mich. Jeder Tag, den ich noch leben darf, ist ein Geschenk von dir. Sobald ich wieder gesund bin, werde ich ein Täfelchen mit deinem Namen aufstellen und dann jeden Tag Weihrauch davor abbrennen und mich davor verbeugen, damit dir Glück und ein langes Leben beschieden sind. Und wenn ich sterbe, will ich als Esel oder als Hund wiedergeboren werden, damit ich dir vergelten kann, was du jetzt für mich tust. Wie das Sprichwort sagt, ‚Mag auch dein Festzelt tausend Li lang sein, es gibt kein Vergnügen, das nicht zu Ende geht.‘ So werden auch wir in ein paar Jahren alle von hier fortgehen. Aber das Sprichwort sagt auch ‚Wenn sogar treibende Wasserpflanzen einander wiederbegegnen, warum sollen sich dann zwei Menschen nicht wiedersehen?‘ Wie soll ich dir also für deine Güte danken, wenn wir uns vielleicht in Zukunft einmal wiedertreffen?“ Das hatte sie schluchzend vorgebracht und Yüan-yang das Herz damit so schwer gemacht, daß sie jetzt ebenfalls zu weinen begann und kopfnickend zu Sï-tji sagte: „Du hast vollkommen recht. Außerdem gehöre ich nicht zu den Verwalterinnen, warum also sollte ich dein Ansehen zerstören, bloß um meinen Diensteifer unter Beweis zu stellen?! Zumal ich in so einer Sache nicht gut von mir aus den Mund auftun kann, um jemand davon zu erzählen. Sei also wirklich unbesorgt! Und wenn du wieder gesund bist, mußt du dich in dein Los fügen und darfst keine Dummheiten mehr machen!“ |
Siqi ergriff ihre Hand und sagte weinend: »Liebe Schwester! Wir sind von Kindheit an Seite an Seite aufgewachsen, du hast mich nie als Fremde behandelt, und ich hätte es nie gewagt, dir gegenüber nachlässig zu sein. Nun habe ich einen falschen Schritt getan. Wenn du wirklich keinem einzigen Menschen davon erzählst, bist du mir wie eine leibliche Mutter. Von nun an ist jeder Tag, den ich lebe, ein Tag, den du mir schenkst. Wenn ich von meiner Krankheit genesen bin, werde ich dir eine Ahnentafel für langes Leben aufstellen und täglich Räucherwerk verbrennen und dich anbeten, um dir Glück und ein langes Leben zu sichern. Und wenn ich sterbe, will ich als Esel oder Hund wiedergeboren werden, um es dir zu vergelten. Außerdem heißt es im Volksmund: ›Tausend Meilen lang kann man ein Festzelt aufstellen, doch jedes Gastmahl geht einmal zu Ende.‹ In zwei oder drei Jahren werden wir alle von hier fortgehen. Und ein anderes Sprichwort sagt: ›Selbst Wasserlinsen treffen sich wieder, wie sollten Menschen sich nie wiedersehen!‹ Wenn wir uns eines Tages wiederbegegnen, wie könnte ich dir dann deine Güte vergelten!« Während sie sprach, weinte sie unablässig. Diese Worte rührten Mandarinenente so sehr, dass auch sie zu weinen begann. Sie nickte und sagte: »Ganz recht. Ich bin keine Aufseherin, warum sollte ich deinen guten Ruf zerstören und mir unnötig Verdienste anmaßen? Zudem wäre es auch für mich selbst nicht angemessen, so etwas jemandem zu erzählen. Sei ganz unbesorgt. Werde nur erst wieder gesund, aber dann musst du dich anständig betragen und darfst dir keine weiteren Torheiten erlauben.« Siqi nickte vom Kopfkissen her wieder und wieder. |
| Auf ihrem Kissen liegend, nickte Sï-tji eifrig dazu, und Yüan-yang sprach noch ein Weilchen begütigend auf sie ein, ehe sie endlich wieder fortging. Da Yüan-yang wußte, daß Djia Liän nicht zu Hause war, und da Hsi-fëng in der jüngsten Zeit ein schwungloses Benehmen an den Tag gelegt hatte, wie man es gar nicht von ihr gewöhnt war, wollte sie jetzt die Gelegenheit nutzen, um auch ihr einen Besuch zu machen. Also begab sie sich zu Hsi-fëngs Wohngehöft, und als die Leute am Innentor sie sahen, standen sie auf, um sie hineinzugeleiten. Als sie in den Vorraum trat, kam Ping-örl gerade aus den inneren Gemächern, und kaum hatte sie Yüan-yang erblickt, trat sie sofort auf sie zu und sagte leise und mit lächelnder Miene: „Sie hat eben einen Happen gegessen und hält jetzt Mittagsschlaf. Komm, setz dich ein Weilchen hier drüben herein!“ |
Nachdem Mandarinenente sie noch ein wenig getröstet hatte, ging sie hinaus. Da sie wusste, dass Kette Kaufmann [4] nicht zu Hause war und Phönixglanz [5] in den letzten Tagen matter und lustloser als gewöhnlich wirkte, machte sie unterwegs noch einen Besuch bei ihr. Als sie durch das Tor zu Phönixglanz' Hof trat, erhoben sich die Diener am inneren Tor respektvoll und ließen sie passieren. Mandarinenente hatte kaum die Haupthalle betreten, als Friedchen [6] aus dem Innenraum herauskam. Bei Mandarinenentes Anblick kam sie eilig herbei und flüsterte lächelnd: »Sie hat gerade gegessen und hält ihren Mittagsschlaf. Setz dich doch einstweilen hier ein Weilchen.« Mandarinenente folgte Friedchen in das östliche Zimmer. Ein kleines Mädchen brachte Tee. Mandarinenente fragte leise: »Was ist denn in den letzten Tagen mit deiner Herrin los? Sie sieht so matt aus.« |
| Also mußte Yüan-yang notgedrungen mit Ping-örl in das östliche Seitenzimmer gehen. Ein kleineres Sklavenmädchen brachte Tee, dann fragte Yüan-yang leise: „Was ist deiner jungen Herrin in den letzten Tagen? Sie wirkte richtig träge auf mich.“ | Friedchen sah, dass sie allein im Raum waren, und seufzte: »Diese Mattigkeit ist nicht erst seit heute. Schon vor einem Monat hat es angefangen. Dann kamen diese paar hektischen Tage, und sie hat sich auch noch allerlei Ärger anhören müssen, das hat alles wieder aufgewühlt. In den letzten zwei Tagen ist noch eine Krankheit dazugekommen, so dass sie es einfach nicht mehr verbergen konnte.« |
| So gefragt, antwortete Ping-örl, da weiter niemand im Zimmer war, nach einem Seufzer: „Diese Trägheit ist nichts Neues an ihr, die hat sie schon vor mehr als einem Monat gehabt. Durch die Aufregung der jüngsten Zeit und durch den unnötigen Ärger, den sie hatte, ist diese Trägheit jetzt erneut aufgetreten. In den letzten beiden Tagen sind noch ein paar andere Beschwerden dazugekommen, bis es schließlich zuviel für sie war und sie die Sache nicht länger verheimlichen konnte.“ | »Wenn es so steht, warum habt ihr dann nicht früher einen Arzt gerufen?« fragte Mandarinenente besorgt. |
| „Aber warum holt ihr denn nicht schnell einen Arzt, der sie wieder gesund macht?“ fragte Yüan-yang sofort. | Friedchen seufzte: »Ach Schwester, du kennst doch ihr Temperament! Von einem Arzt und Medizin will sie nichts hören. Ich konnte es nicht mehr mit ansehen und habe nur einmal beiläufig gefragt, wie sie sich fühle — da wurde sie gleich wütend und warf mir vor, ich wolle sie krank reden. Trotzdem ist sie Tag für Tag noch immer damit beschäftigt, alles und jeden zu beaufsichtigen und kontrollieren, und will einfach nicht auf sich achten und ihren Körper schonen.« |
| „Du weißt noch immer nicht, wie sie ist, meine Schwester“, sagte Ping-örl darauf. „Von wegen Arztbesuch und Medizinschlucken! Als ich es nicht mehr mit ansehen konnte und nur einmal gefragt habe, wie sie sich fühle, ist sie schon böse geworden und hat mir vorgeworfen, ich wolle ihr eine Krankheit anhexen. Und ungeachtet ihres Zustands muß sie jeden Tag dies überprüfen und jenes kontrollieren, anstatt ein bißchen einsichtig zu sein und sich zu schonen.“ „Aber trotzdem muß doch ein Arzt geholt werden, der feststellt, was ihr fehlt, damit sich alle abregen können“, beharrte Yüan-yang. |
»Auch wenn es so ist«, sagte Mandarinenente, »sollte man doch unbedingt einen Arzt kommen lassen, damit man weiß, was für eine Krankheit es ist, und alle beruhigt sein können.« |
| „So geringfügig, glaube ich, ist ihre Krankheit gar nicht, meine Schwester“, deutete Ping-örl an. „Ja, was hat sie denn?“ fragte Yüan-yang sofort. |
»Schwester«, sagte Friedchen, »wenn wir von der Krankheit sprechen — so wie ich es sehe, ist es keine Kleinigkeit.« |
| Also rückte Ping-örl noch ein Stück näher zu ihr heran und sagte ihr direkt ins Ohr: „Seitdem sie im vergangenen Monat ihre Regel hatte, blutet und blutet sie ununterbrochen. Ist das eine ernsthafte Erkrankung oder nicht?“ | »Was für eine Krankheit ist es denn?« fragte Mandarinenente dringend. |
| „O weh!“ entgegnete Yüan-yang sogleich. „Nach dem, was du sagst, wird sie doch nicht etwa einen Blutsturz bekommen?“ | Friedchen rückte noch ein Stückchen näher und flüsterte ihr ins Ohr: »Seit sie letzten Monat ihre Blutung hatte, hat diese einen ganzen Monat lang nicht aufgehört, sie tröpfelt und tröpfelt unablässig. Ist das etwa keine schwere Krankheit?« |
| Hastig spuckte Ping-örl aus, dann sagte sie leise und mit lächelnder Miene: „Wie kann ein Mädchen wie du so etwas sagen?! Und beschrei es bloß nicht!“ | Als Mandarinenente das hörte, rief sie erschrocken: »Ach du meine Güte! Nach dem, was du sagst, ist das ja ein Blutsturz!« |
| Unwillkürlich wurde Yüan-yang rot, ehe sie genauso leise und ebenfalls lächelnd erwiderte: „Ich weiß ja eigentlich auch nicht richtig, was das ist, ein Blutsturz. Aber hast du vergessen, daß damals meine ältere Schwester daran gestorben ist? Ich wußte erst gar nicht, was sie hatte, aber zufällig hörte ich dann, wie meine Mutter mit der Schwiegermutter meiner Schwester darüber sprach, und wunderte mich noch, was das wohl sei. Später habe ich dann noch gehört, wie meine Mutter den Hergang genau geschildert hat, da ist es mir dann zu ein, zwei Zehnteln klar geworden.“ | Friedchen spuckte rasch einmal aus und flüsterte dann lachend: »Du als unverheiratetes Mädchen — wie kannst du so etwas sagen! Du verfluchst sie ja geradezu!« |
| „Richtig!“ sagte Ping-örl lächelnd, „ich hatte ganz vergessen, daß du es ja wissen mußt.“ | Mandarinenente wurde unwillkürlich rot im Gesicht und flüsterte dann ebenfalls lachend: »Ich weiß ja eigentlich auch nicht, was ein Blutsturz ist und was nicht. Hast du denn vergessen, dass meine ältere Schwester an dieser Krankheit gestorben ist? Ich wusste auch nicht, was das für eine Krankheit war. Ich hatte nur zufällig gehört, wie meine Mutter und meine Schwägerin darüber sprachen, und war ganz verwundert. Erst später, als meine Mutter alles genau erklärte, habe ich ein oder zwei Dinge davon begriffen.« |
| Während die beiden noch miteinander sprachen, kam ein kleines Sklavenmädchen herein und sagte zu Ping-örl: „Eben war diese Tante Dschu wieder da. Wir haben ihr gesagt, daß die junge Herrin ihren Mittagsschlaf hält, da ist sie zur gnädigen Frau gegangen.“ | »Stimmt, du müsstest es wissen«, sagte Friedchen lachend. »Das hatte ich ganz vergessen.« |
| Ping-örl nickte nur, Yüan-yang aber erkundigte sich: „Was ist das für eine Tante Dschu?“ | Während die beiden noch miteinander sprachen, kam ein kleines Mädchen herein und sagte zu Friedchen: »Eben war Frau Zhu schon wieder da. Wir haben ihr gesagt, die Herrin halte gerade Mittagsschlaf, da ist sie zur gnädigen Frau hinübergegangen.« Friedchen nickte. |
| „Schwägerin Dschu, die Heiratsvermittlerin“, gab Ping-örl Auskunft. „Irgendein Herr Sun will sich mit unserer Familie verschwägern, darum schickt sie uns in der letzten Zeit jeden Tag ihre Karte und tötet uns regelrecht den Nerv.“ | »Welche Frau Zhu?« fragte Mandarinenente. |
| Kaum hatte sie das gesagt, kam das kleine Sklavenmädchen wieder hereingelaufen und meldete: „Der junge Herr ist gekommen.“ | »Die offizielle Heiratsvermittlerin, Frau Zhu«, erklärte Friedchen. »Irgendein Herr Sun hat bei uns um eine Heirat nachgesucht, und deshalb kommt sie dieser Tage jeden Tag mit einer Besuchskarte und lässt nicht locker.« |
| Im nächsten Augenblick stand Djia Liän schon in der Tür des Vorraums und rief nach Ping-örl. Ehe sie ihm antworten und entgegengehen konnte, trat Djia Liän bereits ins Zimmer. Als er von der Tür aus sah, daß Yüan-yang auf dem Ofenbett saß, blieb er stehen und sagte lächelnd: „Schwester Yüan-yang! Hat dein edler Fuß heute einmal mein schäbiges Heim betreten?“ Yüan-yang blieb ruhig sitzen, während sie lächelnd erwiderte: „Ich kam, um Euch und der jungen Herrin meine Aufwartung zu machen, aber Ihr wart nicht zu Hause, und die junge Herrin schläft.“ |
Bevor sie ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen gelaufen und rief: »Der zweite junge Herr kommt herein!« Und schon war Kette Kaufmann in der Tür zur Haupthalle und rief nach Friedchen. Friedchen antwortete und wollte ihm gerade entgegengehen, als er bereits in dieses Zimmer herüberkam. Als er vor der Tür plötzlich Mandarinenente auf dem Ofenbett sitzen sah, blieb er stehen und sagte lächelnd: »Mandarinenente, welch seltene Ehre, dass dein edler Fuß unseren bescheidenen Boden betritt!« |
| „So aufopferungsvoll, wie du das ganze Jahr über die alte gnädige Frau bedienst, hätte zuerst ich dir einen Besuch machen müssen, ehe ich wagen dürfte, dich hierher zu uns zu bemühen“, versicherte Djia Liän, „aber es trifft sich gut, denn ich wollte sowieso zu dir. Nur weil mir dieses Übergewand zu warm ist, hatte ich mir zuerst ein dünner gefüttertes anziehen wollen, ehe ich zu dir hinübergehe. Nun aber meint es der Himmel gut mit mir und hat mir den Weg erspart, indem du schon hier im Zimmer sitzt.“ Während er das sagte, hatte er sich auf einem Stuhl niedergelassen. | Mandarinenente blieb sitzen und sagte lächelnd: »Ich wollte dem jungen Herrn und der jungen Herrin meinen Gruß entbieten, aber der eine ist nicht da und die andere schläft.« |
| „Was gibt es denn zu besprechen?“ erkundigte sich Yüan-yang. | Kette Kaufmann lachte: »Du dienst das ganze Jahr über der Herzoginmutter mit solcher Aufopferung — ich habe es noch nicht einmal geschafft, dich zu besuchen, und nun machst du dir noch die Mühe, herzukommen und nach uns zu sehen! Aber das ist ein glücklicher Zufall: Ich wollte gerade zu dir gehen. Nur war mir in diesem Gewand zu warm, und ich wollte zuerst ein leichteres anziehen, bevor ich zu dir gehe. Und nun, dem Himmel sei Dank, hast du mir den Weg gespart und wartest schon hier auf mich!« Dabei setzte er sich auf einen Stuhl. |
| Djia Liän lachte erst einmal, ehe er schließlich sagte: „Da ist etwas, was ich einfach vergessen habe. Aber ich glaube, du wirst es noch wissen. Als die alte gnädige Frau letztes Jahr ihren Geburtstag beging, hat ihr ein auswärtiger Mönch eine Buddhahand-Zitrone aus gelbem Wachsstein verehrt, die ihr so gut gefiel, daß sie sie gleich dabehielt, um sie bei sich aufzustellen. Als sie jetzt wieder Geburtstag hatte, sah ich, daß diese Position im Raritätenverzeichnis noch offen ist, weiß aber nicht, wo das Stück abgeblieben ist. | »Was gibt es denn?« fragte Mandarinenente. |
| Die Verantwortlichen in der Raritätenkammer haben mich auch schon ein paarmal darauf aufmerksam gemacht und verlangt, daß ich mich danach erkundige, damit sie es entsprechend vermerken können. Deshalb wollte ich dich fragen, ob das Stück noch bei der alten gnädigen Frau steht oder ob sie es jemand anders gegeben hat.“ | Kette Kaufmann lächelte erst, bevor er zu sprechen begann: »Es geht um eine Sache, die ich tatsächlich vergessen hatte, aber du erinnerst dich vielleicht noch. Im vorigen Jahr zum Geburtstag der Herzoginmutter kam ein Mönch von auswärts und brachte als Geschenk eine Buddhahand [7] aus Wachsöl. Die Herzoginmutter mochte sie so gern, dass sie sie sofort herüberbringen und aufstellen ließ. Neulich beim Geburtstag der Herzoginmutter habe ich im Antiquitätenregister diesen Posten gefunden, weiß aber nicht, wo sich das Stück jetzt befindet. Die Leute aus der Antiquitätenkammer haben mich schon zweimal danach gefragt, damit sie die Sache in den Büchern vermerken können. Deshalb frage ich dich, Schwester: Hat die Herzoginmutter das Stück noch bei sich stehen, oder ist es jemandem übergeben worden?« |
| „Bei der alte gnädigen Frau stand es nur ein paar Tage, dann hatte sie es über und gab es Eurer Frau, und Ihr fragt jetzt mich danach“, erwiderte Yüan-yang. „Ich erinnere mich sogar noch an den Tag, an dem das war. Ich selbst habe die Frau von Alt Wang damit hinübergeschickt. Wenn Ihr es vergessen habt, solltet Ihr vielleicht Eure Frau oder Schwester Ping-örl fragen.“ | »Die Herzoginmutter hat es ein paar Tage aufgestellt«, erwiderte Mandarinenente, »dann war sie es leid und hat es eurer Herrin geschenkt. Und jetzt fragst du mich! Ich erinnere mich sogar noch an den Tag. Ich habe die alte Frau Wang beauftragt, es hierher zu bringen. Du hast es vergessen — frag deine Herrin und Friedchen.« |
| Ping-örl, die eben etwas anderes zum Anziehen für Djia Liän holte, kam herüber, als sie das hörte, und bestätigte: „Wir haben das bekommen, es liegt jetzt oben im Speichergebäude. Die junge Herrin hatte auch jemand geschickt, um in der Raritätenkammer Bescheid zu sagen, daß es unseren Räumen zugeteilt worden ist, aber die müssen das wohl verschlafen haben und haben es nicht notiert, daß sie jetzt wegen so einer Kleinigkeit solches Gewese machen.“ „Aber warum weiß ich nichts davon, wenn sie es bekommen hat?“ fragte Djia Liän lächelnd. „Ihr müßt es wohl vor mir versteckt haben.“ |
Friedchen, die gerade ein Kleidungsstück geholt hatte, hörte das und eilte heraus: »Es wurde hierher gegeben und steht jetzt oben im Stockwerk. Die Herrin hat schon jemanden hinausgeschickt, um Bescheid zu sagen, dass es in diesem Haus ist. Die Leute dort drüben haben es in ihrer Vergesslichkeit nicht eingetragen, und jetzt kommen sie noch einmal wegen solch unwichtiger Sachen.« |
| „Die junge Herrin hat Euch davon berichtet, und Ihr wolltet es sogar noch an jemand verschenken, es hat ziemliche Mühe gekostet, Euch davon abzubringen“, stellte Ping-örl richtig. „Jetzt, nachdem Ihr alles vergessen habt, behauptet Ihr plötzlich, wir hätten es vor Euch versteckt. Was ist das schon für ein kostbares Einzelstück?! Wir haben noch ganz andere Sachen nicht vor Euch versteckt, obwohl sie zehnmal besser waren, und plötzlich sollen wir Gefallen an so einem wertlosen Ding gefunden haben?!“ | »Aha!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Wenn sie sie eurer Herrin geschenkt hat, warum weiß ich dann nichts davon? Ihr habt sie einfach unterschlagen!« |
| Djia Liän dachte ein Weilchen lächelnd und mit gesenktem Kopf darüber nach, dann schlug er die Hände ineinander und sagte: „Ich habe wirklich nicht mehr alle beisammen. Alles vergesse ich, alles entfällt mir, und jedermann bringe ich damit in Zorn. Ich erkenne mich selbst nicht mehr wieder.“ | »Die Herrin hat es dem zweiten jungen Herrn gesagt«, entgegnete Friedchen, »aber der junge Herr wollte das Stück gleich verschenken. Die Herrin war dagegen und hat es mit Mühe und Not behalten. Jetzt hat er es selbst vergessen und behauptet, wir hätten es unterschlagen! Was ist das schon für eine Kostbarkeit, was für ein unersetzliches Stück! Zehnmal wertvollere Dinge haben wir kein einziges Mal unterschlagen, und jetzt soll es ausgerechnet dieses billige Ding sein!« |
| „Wer sollte Euch zürnen?“ fragte Yüan-yang mit lächelnder Miene. „Sorgen habt Ihr genug, geredet wird manches, und wenn Ihr dann noch ein paar Becher Wein trinkt, könnt Ihr natürlich nicht mehr alles klar unterscheiden.“ Mit diesen Worten erhob sie sich, um zu gehen. | Kette Kaufmann ließ den Kopf sinken, dachte lächelnd einen Moment nach und schlug sich dann auf die Schenkel: »Ich bin in letzter Zeit wirklich ganz verwirrt! Ich vergesse alles, bringe die Leute gegen mich auf — ganz anders als früher!« |
| Sofort stand auch Djia Liän auf und bat: „Setz dich wieder hin, Schwester! Ich habe noch ein anderes Anliegen an dich.“ Dann fuhr er plötzlich die kleinen Sklavenmädchen an: „Warum habt ihr keinen ordentlichen Tee gebrüht? Holt schnell ein sauberes Deckelschälchen und brüht von dem neuen Tee auf, der gestern gebracht worden ist!“ | »Das ist kein Wunder«, sagte Mandarinenente lächelnd. »So viele Geschäfte, so viel Gerede — und wenn du dann noch ein paar Gläser Wein dazu trinkst, wie soll da noch Klarheit herrschen?« Bei diesen Worten stand sie auf und wollte gehen. |
| Danach wandte er sich wieder Yüan-yang zu und erklärte ihr: „Durch den Geburtstag der alten gnädigen Frau haben wir die paar tausend Liang Silber, die im Hause waren, alle verbraucht. Den Mietzins für unsere Häuser und die Steuergelder für unsere Ländereien können wir erst im neunten Monat kassieren, aber so lange kommen wir nicht mehr aus. In den nächsten Tagen haben wir Geschenke in das Anwesen des Prinzen Nan-an zu schicken, dann müssen wir zum neunten neunten Geschenke für die kaiserliche Nebenfrau vorbereiten, und schließlich ist noch an Freudenfeste und Trauerfeiern in mehreren Familien zu denken. So brauchen wir mindestens noch zwei- oder dreitausend Liang Silber, die wir im Augenblick nirgendwo auftreiben können. Nun sagt das Sprichwort ‚Besser, als bei andern zu suchen, ist es, bei sich selber zu suchen.‘ Darum bleibt nicht viel anderes übrig, als daß du das Vergehen auf dich nimmst, von den Gold- und Silbersachen, die die alte gnädige Frau nicht so leicht kontrollieren kann, eine Truhe voll heimlich herauszuschaffen, damit wir sie vorläufig für tausend Liang Silber oder so verpfänden können, mit denen wir die Lücke schließen können. In weniger als einem halben Jahr werden wir wieder Silber haben, dann löse ich die Sachen aus und gebe sie dir zurück. Auf keinen Fall wirst du dadurch in die Patsche geraten.“ „Ihr seid wirklich einfallsreich“, sagte Yüan-yang lächelnd. „Wie konntet Ihr bloß auf diesen Gedanken verfallen?!“ |
Kette Kaufmann stand rasch ebenfalls auf und sagte: »Liebe Schwester, bleib doch noch einen Augenblick! Dein Bruder hat noch eine Bitte an dich.« Dann schalt er die kleinen Mädchen: »Warum bringt ihr keinen anständigen Tee! Holt schnell eine saubere Deckeltasse und brüht eine Tasse von dem neuen Tee auf, den man gestern für den Hof geliefert hat!« Dann wandte er sich an Mandarinenente: »Wegen des Geburtstags der Herzoginmutter haben wir in den letzten Tagen alle paar tausend Liang Silber ausgegeben. Die Mieteinnahmen und Grundsteuern von verschiedenen Stellen kommen erst im neunten Monat herein, jetzt klafft eine Lücke. Morgen müssen wir die Geschenke für das Fürstentum Nan'an absenden, dann die Geschenke zum Doppelneunfest [8] für die Kaiserliche Nebenfrau vorbereiten, und dann sind da noch einige Geschenke für Hochzeiten und Trauerfälle in befreundeten Häusern. Es werden mindestens noch zwei- bis dreitausend Liang gebraucht, und für den Moment ist es schwierig, die irgendwo aufzutreiben. Wie das Sprichwort sagt: ›Besser, man bittet sich selbst, als andere um Hilfe zu bitten.‹ Da bleibt mir nichts anderes übrig, als dich in eine unangenehme Lage zu bringen: Könntest du heimlich eine Kiste mit goldenen und silbernen Geräten der Herzoginmutter herausschaffen, die sie nicht gleich vermissen wird, damit wir sie vorübergehend für etwa tausend Liang versetzen? In weniger als einem halben Jahr, wenn das Silber hereinkommt, löse ich sie sofort wieder aus und gebe alles zurück. Auf keinen Fall werde ich dich in Schwierigkeiten bringen.« |
| „Ich meine es wirklich ehrlich!“ beteuerte Djia Liän und lächelte ebenfalls. „Es gibt natürlich außer dir auch noch andere, die Zugang zu Wertsachen haben, für die man seine tausend Liang bekommen würde, aber die sind weder so verständnisvoll noch so mutig wie du. Wenn ich sie deswegen ansprechen wollte, würde ich ihnen nur einen Schreck einjagen. Darum sage ich mir, es ist besser, einmal die goldene Glocke anzuschlagen als dreitausendmal eine geplatzte Trommel.“ | Mandarinenente lachte: »Dir fallen aber auch immer wieder neue Tricks ein! Wie du nur auf solche Ideen kommst!« |
| Kaum hatte er das gesagt, als plötzlich ein kleineres Sklavenmädchen aus den Räumen der Herzoginmutter hereinkam, das dringend nach Yüan-yang suchte, und sagte: „Die alte gnädige Frau wartet schon eine Ewigkeit auf Euch, Schwester. Nirgends wart Ihr zu finden, und jetzt sitzt Ihr hier!“ | Kette Kaufmann lachte: »Ich übertreibe nicht — wenn wir von dir absehen, gibt es zwar andere, die über tausend Liang verfügen können, aber keiner von ihnen ist so verständig und mutig wie du. Wenn ich es mit denen bespreche, sind sie nur erschrocken. Deshalb sage ich: ›Lieber einmal die goldene Glocke anschlagen als dreitausend Mal auf die kaputte Trommel hauen.‹« |
| Als Yüan-yang das gehört hatte, machte sie sich sofort auf den Weg zur Herzoginmutter. | Bevor er ausgesprochen hatte, kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter eilig herübergelaufen und suchte Mandarinenente: »Die Herzoginmutter sucht dich schon eine ganze Weile! Wir haben dich überall gesucht, und jetzt finden wir dich hier!« Als Mandarinenente das hörte, verabschiedete sie sich hastig und ging zur Herzoginmutter. |
| Als Djia Liän sah, daß sie fort war, mußte er sich wohl oder übel um Hsi-fëng kümmern gehen. Wider Erwarten war sie schon wach gewesen, doch als sie gehört hatte, daß sich Djia Liän etwas zum Verpfänden von Yüan-yang borgen wollte, hatte sie sich nicht gut bemerkbar machen können, deshalb war sie einfach auf ihrer Ruhebank liegengeblieben. Als sie hörte, wie Yüan-yang wegging, und Djia Liän jetzt zu ihr hereintrat, fragte sie: „Hat sie eingewilligt?“ „Das nicht“, berichtete Djia Liän lächelnd, „aber einigen Erfolg habe ich schon gehabt. Du mußt am Abend noch einmal mit ihr sprechen, dann ist die Sache perfekt.“ |
Nachdem Kette Kaufmann sah, dass sie gegangen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als herüberzugehen und nach Phönixglanz zu sehen. Doch Phönixglanz war bereits aufgewacht und hatte sein Gespräch mit Mandarinenente über das Verpfänden gehört. Da sie nicht gut dazwischenreden konnte, war sie einfach auf ihrem Ruhebett liegengeblieben. Als sie nun hörte, dass Mandarinenente gegangen war und Kette Kaufmann hereinkam, fragte sie: »Hat sie zugestimmt?« |
| „Ich will nichts damit zu tun haben“, erklärte Hsi-fëng lächelnd, „was ist, wenn sie wirklich zustimmt? Jetzt machst du schöne Worte, aber wenn du das Geld erst hast, sind die schönen Worte vergessen. Wer möchte dann mit dir rechten? Und wenn die alte gnädige Frau etwa doch von der Sache erfährt, ist es mit dem Ansehen, das ich mir in all den Jahren bei ihr erworben habe, aus und vorbei.“ | »Noch nicht ganz«, antwortete Kette Kaufmann lächelnd, »aber es sieht zu acht oder neun Teilen gut aus. Wenn du heute Abend noch einmal mit ihr sprichst, ist es so gut wie sicher.« |
| „Du meine Wohltäterin!“ schmeichelte Djia Liän ihr lächelnd, „was möchtest du zum Dank haben, wenn du die Sache für mich zum Abschluß bringst?“ Ebenfalls lächelnd, forderte Hsi-fëng ihn auf: „Sag du, was du mir geben würdest!“ „Du kannst haben, was du willst“, versicherte Djia Liän, immer noch lächelnd. |
»Da halte ich mich heraus«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Wenn sie einverstanden ist, redest du jetzt schön, aber wenn das Geld da ist, vergisst du alles und wirfst es hinter dich. Wer soll dann hinter dir herlaufen? Und wenn die Herzoginmutter es erfährt, habe ich mein ganzes Ansehen der letzten Jahre verspielt.« |
| Da mischte auch Ping-örl sich lächelnd ein und sagte: „Laßt Euch kein einfaches Dankgeschenk geben, junge gnädige Frau! Gestern erst habt Ihr erwähnt, daß Euch für einen bestimmten Zweck ein-, zweihundert Liang Silber fehlen. Da ist es doch das beste, Ihr sorgt dafür, daß er die Wertsachen geborgt bekommt, und nehmt ein-, zweihundert Liang von dem Silber. Wäre dann nicht für beide Seiten alles aufs beste geregelt?“ | »Liebste«, sagte Kette Kaufmann lächelnd, »wenn du das für mich regelst, wie soll ich dir danken?« |
| „Gut, daß du mich daran erinnerst. So werden wir es machen!“ entschied Hsi-fëng lächelnd. | »Sag schon«, erwiderte Phönixglanz lächelnd, »womit willst du mir danken?« |
| „Ihr seid wirklich zu hart“, wandte Djia Liän, nach wie vor lächelnd, ein. „Ihr wärt doch nicht in Verlegenheit um ein Pfand, das tausend Liang Silber wert ist, nicht einmal um drei- oder fünftausend Liang bares Silber. Seid doch zufrieden, daß ich nicht von euch borgen will! Statt dessen verlangt ihr Prozente, nur weil ich euch bemühen will, einen einzigen Satz zu sagen. Das ist doch wahrhaftig die Höhe!“ | »Nenn mir, was du willst, und du bekommst es«, versprach Kette Kaufmann lächelnd. |
| Jetzt richtete Hsi-fëng sich auf, ehe sie ihm erwiderte: „Wenn ich dreitausend oder fünftausend Liang besitze, habe ich sie schließlich nicht dir weggenommen. Drinnen und draußen schwatzt hoch und niedrig hinter meinem Rücken schon genug über mich. Das fehlte gerade noch, daß auch du damit anfängst. Da sieht man, daß man sich wahrhaftig keine Feinde unter Fremden macht, wenn man nicht in der eigenen Familie welche hat! | Friedchen lachte von der Seite: »Die Herrin braucht keinen Dank. Gestern hat sie gerade gesagt, sie wolle etwas erledigen und brauche ein- oder zweihundert Liang Silber. Wenn wir die leihen und die Herrin nimmt sich davon ein- oder zweihundert Liang, wäre das nicht für beide Seiten ideal?« |
| Woher haben denn wir Wangs all unser Geld? Von euch Djias vielleicht? Ihr seid mir gerade die richtigen Schï Tschungs und Dëng Tungs. Allein was man bei uns aus den Fußbodenritzen fegen könnte, würde doch ausreichen, damit ihr euer Leben lang ein Auskommen hättet. Das kann ich sagen, ohne daß ich Angst haben muß, mich einer Übertreibung zu schämen. Hier ist der Beweis: Schau dir nur an, was von der gnädigen Frau als Mitgift ins Haus gebracht wurde und von mir genauso. Welches Stück davon müßte den Vergleich mit euren Sachen scheuen?“ | »Gut, dass du mich daran erinnerst«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Also gut, so machen wir es.« |
| „Kaum daß man einen kleinen Scherz macht, regst du dich auf“, sagte Djia Liän lächelnd. „Was soll sein! Was macht es schon, wenn du ein-, zweihundert Liang Silber brauchst? Wenn ich auch mehr nicht habe, aber die habe ich noch. Ich werde sie holen, du gibst sie aus, und dann sehen wir weiter!“ | »Ihr seid wirklich unbarmherzig!« lachte Kette Kaufmann. »Ihr habt jetzt bestimmt nicht nur tausend Liang Pfand, sondern auch drei- oder fünftausend Liang in bar, da bin ich mir sicher. Dass ich gar nicht bei euch borge! Und jetzt, wo ich euch bitte, ein Wort für mich einzulegen, verlangt ihr auch noch Zinsen! Das ist wirklich die Höhe!« |
| „Ich brauche sie ja nicht für meine Beerdigung, damit man sie mir als Totenamulett in den Mund steckt und unter den Rücken legt. Wozu also die Eile?“ gab Hsi-fëng zurück. | Als Phönixglanz das hörte, setzte sie sich mit einem Ruck auf und sagte: »Ob ich drei- oder fünfzigtausend habe, nichts davon ist auf deine Kosten verdient! Hinter meinem Rücken reden innen wie außen, oben wie unten schon genug Leute schlecht über mich — nur du hast noch gefehlt! Man sieht, ohne Verräter im eigenen Haus kommen die Geister von außen nicht herein. Wo unser Geld aus der Familie Wang herkommt? Alles ist von euch Kaufmanns verdient worden! Mir wird schlecht davon! Eure Familie hält sich wohl für Shi Chong oder Deng Tong [9]! Wenn man die Ritzen im Boden des Hauses Wang auskehrte, würde das für euch ein ganzes Leben lang reichen! Ihr solltet euch schämen, so etwas zu sagen! Hier gibt es den Beweis: Schaut euch die Aussteuer der gnädigen Frau und meine an und vergleicht sie mit eurer — in welcher Hinsicht steht sie eurer nach?« |
| „Warum mußt du dich so ereifern? Du bringst nur wieder das Feuer der Leber zum Lodern“, beschwichtigte sie Djia Liän. | »Ich habe doch nur Spaß gemacht, und du regst dich gleich auf!« sagte Kette Kaufmann lächelnd. »Was ist denn schon dabei? Ein- oder zweihundert Liang Silber, das ist doch nichts. Mehr habe ich zwar nicht, aber so viel habe ich schon. Ich bringe es dir herein, du gibst es aus, und dann sehen wir weiter, einverstanden?« |
| „Nicht ich rege mich auf, du durchbohrst einem mit deinen Worten das Herz“, sagte Hsi-fëng und lächelte wieder. „Ich hatte daran gedacht, daß sich übermorgen der Todestag der zweiten Schwester You zum erstenmal jährt, und da wir befreundet waren, wollte ich, wenn ich schon sonst nichts tun kann, zu ihrem Grab gehen und Opfergeld für sie verbrennen, um zu zeigen, daß ich sie als meine Schwester betrachte. Wenn sie uns auch keinen Sohn und keine Tochter hinterlassen hat, so müssen doch die Überlebenden dafür geradestehen, was die Verstorbenen verschuldet haben.“ | »Mir liegt niemand im Sterben, dem ich etwas in den Mund legen und unter den Kopf schieben müsste [10]«, erwiderte Phönixglanz. »Was soll die Eile?« |
| Damit hatte sie Djia Liän zum Schweigen gebracht, und er dachte mit gesenktem Koppf eine Zeitlang nach, ehe er schließlich sagte: „Es ist lieb von dir, daß du so an alles denkst. Ich hatte das ganz vergessen. Da du das Silber erst übermorgen brauchst, kannst du, wenn ich morgen diese Summe bekomme, so viel davon haben, wie du willst.“ | »Warum quälst du dich«, sagte Kette Kaufmann, »es ist doch nicht nötig, sich solche Galle zu machen.« |
| Bei den letzten Worten war Lai Wangs Frau eingetreten, und Hsi-fëng fragte sie: „Hat es geklappt?“ | Als Phönixglanz das hörte, musste sie selbst wieder lachen: »Ich bin nicht aufgeregt, aber deine Worte stechen ins Herz. Ich muss nämlich daran denken, dass übermorgen der Jahrestag von Zweitschwester You [11] ist. Wir haben uns doch eine Zeitlang gut verstanden, und wenn wir auch nichts Großes tun können, sollten wir wenigstens ihr Grab besuchen und ein Blatt Papiergeld verbrennen, das schulden wir ihr als Schwestern. Auch wenn sie kein Kind hinterlassen hat, sollte man doch bedenken: ›Der Vorgänger streut Sand, um dem Nachfolger die Augen zu verblenden.‹ [12]« |
| „Nein, es hat nichts genützt“, erwiderte jene. „Ich glaube, Ihr müßt das in die Hand nehmen, junge gnädige Frau, damit etwas daraus wird.“ „Worum geht es denn wieder?“ wollte Djia Liän wissen. |
Diesem Satz hatte Kette Kaufmann nichts entgegenzusetzen. Er senkte den Kopf, überlegte eine ganze Weile und sagte dann: »Es ist rührend, dass du so umsichtig bist. Ich hatte es ganz vergessen. Wenn es erst übermorgen gebraucht wird und wir morgen das Geld bekommen, dann nimm dir davon, so viel du brauchst.« |
| „Ach, es ist nichts Besonderes“, erklärte ihm Hsi-fëng, „Lai Wang hat einen Sohn, der jetzt siebzehn ist und noch keine Braut hat. Er wollte gern um Tsai-hsia aus den Räumen der gnädigen Frau für ihn freien, aber da man nicht wissen konnte, wie die gnädige Frau darüber denkt, hatte er noch nicht mit Tsai-hsias Eltern darüber gesprochen. | Bevor er ausgesprochen hatte, kam die Frau des Laiwang [13] herein. Phönixglanz fragte: »Ist es gelungen?« |
| Nun hatte die gnädige Frau neulich geäußert, angesichts dessen, daß Tsai-hsia schon groß ist und viel von Krankheit und anderem Unheil befallen wird, wolle sie großzügig sein und sie freigeben, damit ihre Eltern nach eigenem Ermessen einen Bräutigam für sie suchen können. Deshalb hat sich Lai Wangs Frau an mich gewandt. Mir schien, die beiden Familien seien einander ebenbürtig und deshalb müsse die Sache auf Anhieb gelingen, aber nun kommt sie und sagt mir, ihre Bemühungen hätten nichts genützt.“ | »Leider nicht«, antwortete Laiwangs Frau. »Ich sagte ja, wenn die Herrin selbst die Sache in die Hand nimmt, gelingt es bestimmt.« |
| „Was für ein schwerwiegendes Problem ist das schon?“ meinte Djia Liän. „Es gibt doch bessere als Tsai-hsia!“ | »Was ist denn los?« fragte Kette Kaufmann. |
| „Das sagt Ihr so, Herr“, erwiderte Lai Wangs Frau mit lächelnder Miene, „aber wenn nicht einmal ihre Familie uns achtet, werden andere es noch viel weniger tun. Es hat uns viel Mühe gekostet, bis wir endlich diese Braut für ihn gefunden haben, deshalb möchte ich Euch bitten, junger gnädiger Herr und junge gnädige Frau, daß Ihr uns die Gnade erweist und die Sache zum Abschluß bringt. | Phönixglanz sagte: »Es ist nichts Großes. Laiwang hat einen Sohn, der dieses Jahr siebzehn geworden ist und noch keine Frau hat. Er will Caixia [14] aus dem Haushalt der gnädigen Frau haben, aber wir wissen nicht, was die gnädige Frau davon hält, und so ist nichts entschieden worden. Vor einigen Tagen hat die gnädige Frau gesehen, dass Caixia erwachsen geworden ist, und da sie auch noch kränklich war, hat sie sie gnädigerweise freigelassen, damit ihre Eltern sich selbst einen Schwiegersohn für sie suchen können. Deshalb kam Laiwangs Frau zu mir. Ich dachte, die beiden Familien wären einander ebenbürtig, und wenn man nachfrage, würde es von selbst klappen. Doch nun kommt sie und sagt, es sei nichts daraus geworden.« |
| Nur weil Ihr, junge gnädige Frau, sagtet, Tsai-hsias Eltern würden ganz gewiß zustimmen, habe ich jemand bemüht, einen Versuch zu wagen, doch wider Erwarten hat sich meine Botin für nichts und wieder nichts eine Anfuhr geholt. Gegen das Mädchen selbst ist ja nichts zu sagen. Als ich ihr in meiner Art beiläufig auf den Zahn fühlte, machte sie keinerlei Einwendungen. Nur ihre Eltern, diese beiden alten Stücke, haben Höheres mit ihr im Sinn.“ | »Was ist das schon für eine große Sache!« sagte Kette Kaufmann. »Viel besser als Caixia gibt es doch genug.« |
| Durch diese Worte fühlten sich Hsi-fëng und Djia Liän an ihrer Ehre gepackt, doch weil Djia Liän mit dabei war, sagte Hsi-fëng kein Wort und wartete nur ab, wie er sich dazu stellen würde. Djia Liän aber hatte ganz andere Sorgen, um sich solche Kleinigkeit zu Herzen zu nehmen, und wollte sich am liebsten aus der Sache heraushalten. Aber dann sagte er sich, Lai Wangs Frau sei nun einmal von Hsi-fëng mit in die Ehe gebracht worden und habe ihre Verdienste, so daß eine Ablehnung ihrem Ansehen wirklich zu großen Abbruch tun würde. | Laiwangs Frau sagte mit beflissenem Lächeln: »Wenn der junge Herr das so sagt — wenn selbst ihre Familie auf uns herabschaut, dann werden andere erst recht auf uns herabschauen! Endlich hatten wir eine passende Schwiegertochter gefunden, und ich dachte, ich bitte den jungen Herrn und die Herrin um ihre Gnade, damit die Sache zustande kommt. Die Herrin sagte auch, sie würden gewiss einverstanden sein, also bat ich jemanden, es zu versuchen. Aber wider Erwarten wurde ich abgewiesen. Gegen das Mädchen selbst ist nichts zu sagen, und als ich sie in meiner Art beiläufig auf den Zahn fühlte, schien sie nichts dagegen zu haben. Nur ihre Eltern, diese beiden alten Sturköpfe, haben Höheres mit ihr im Sinn.« |
| Darum sagte er: „Was ist das schon großartig, daß man noch lange darüber palavern muß?! Geh nur unbesorgt wieder nach Hause! Morgen werde ich den Vermittler spielen und zwei angesehene Leute zu Tsai-hsias Vater schicken, die mit ihm sprechen und gleich die Verlobungsgeschenke mitnehmen, wobei sie darauf hinweisen sollen, daß diese Hochzeit meine Idee ist. Und wenn er sich dann immer noch nicht einverstanden erklärt, lasse ich ihm bestellen, ich wolle ihn bei mir sehen.“ | Diese Worte trafen Phönixglanz und Kette Kaufmann ins Ehrgefühl. Phönixglanz sagte nichts, da Kette Kaufmann anwesend war, und wartete ab, wie er reagieren würde. Kette Kaufmann hatte seine eigenen Sorgen im Kopf und nahm sich diese Kleinigkeit nicht zu Herzen. Er wollte sich am liebsten heraushalten, doch da Laiwangs Frau nun einmal von Phönixglanz mit in die Ehe gebracht worden war und ihre Verdienste hatte, konnte er schlecht nein sagen. Also sprach er: »Was ist das schon Großes, dass ihr ewig herumzischelt und tuschelt! Geh nur unbesorgt nach Hause. Morgen spiele ich den Vermittler und schicke zwei angesehene Leute, die mit ihnen reden und gleich die Verlobungsgeschenke mitbringen, und sie sollen sagen, es sei mein Wunsch. Wenn sie sich dann immer noch sträuben, sollen sie zu mir kommen.« |
| Lai Wangs Frau warf einen fragenden Blick auf Hsi-fëng, und diese machte ihr mit dem Kinn ein Zeichen. Lai Wangs Frau verstand, was sie damit meinte, und ließ sich rasch auf die Knie nieder, um sich mit einem Stirnaufschlag für Djia Liäns Gnadenbeweis zu bedanken. | Laiwangs Frau warf Phönixglanz einen fragenden Blick zu. Phönixglanz verzog leicht den Mund. Laiwangs Frau verstand und kniete sogleich nieder, um Kette Kaufmann mit einem Stirnaufschlag zu danken. |
| „Vor deiner Herrin mußt du einen Stirnaufschlag machen!“ belehrte Djia Liän sie sofort. „Ich habe zwar gesagt, so wird es gehen, aber trotzdem muß auch deine Herrin ihren Leuten befehlen, Tsai-hsias Mutter rufen zu lassen und mit ihr zu sprechen. Das wäre besser, denn wenn sie auch ganz bestimmt ja sagen werden, darf man doch in so einer Angelegenheit nicht tyrannisch vorgehen.“ | »Deiner Herrin musst du danken!« sagte Kette Kaufmann rasch. »Ich habe zwar gesagt, so soll es gehen, aber trotzdem muss deine Herrin noch jemanden schicken und Caixias Mutter rufen lassen, um freundlich mit ihr zu sprechen, das wäre besser. Auch wenn sie gewiss zustimmen werden, darf man in solchen Angelegenheiten nicht tyrannisch vorgehen.« |
| „Wenn sogar du dermaßen gnädig bist und dir solche Mühe gibst, kann ich nicht gut teilnahmslos daneben stehen und die Hände in die Ärmel stecken“, beteuerte Hsi-fëng rasch mit lächelnder Miene, um dann, an Lai Wangs Frau gewandt, fortzufahren: „Hör zu! Nachdem diese Angelegenheit entschieden ist, mußt auch du so schnell wie möglich etwas für mich erledigen! Sag deinem Mann, er soll alle Schulden, die die Leute noch bei mir haben, bis zum Jahresende für mich eintreiben, und keine einzige Bronzemünze darf fehlen! Mein Ruf ist schon schlecht genug, und wenn ich noch ein weiteres Jahr Gelder verleihe, frißt man mich bei lebendigem Leibe.“ | »Wenn sogar du so gnädig bist und dir solche Mühe gibst«, sagte Phönixglanz rasch, »dann kann ich doch nicht die Hände in den Schoß legen und zusehen! Laiwangs Frau, hör zu: Nachdem diese Sache erledigt ist, musst du auch schnell meine Aufträge erfüllen. Sag deinem Mann, er soll alle Schulden da draußen noch vor Jahresende eintreiben. Nicht ein einziger Heller darf fehlen! Mein Ruf ist schon schlecht genug, und wenn ich noch ein Jahr Geld verleihe, werden sie mich bei lebendigem Leibe auffressen.« |
| „Ihr seid zu kleinmütig, junge gnädige Frau. Wer würde es wagen, mit Euch zu streiten?“ erwiderte Lai Wangs Frau lächelnd. „Doch ehrlich gesagt, würden wir uns einige Mühe ersparen und nicht so leicht jemand eine Kränkung zufügen, wenn Ihr damit Schluß machen würdet.“ | »Ihr seid zu ängstlich, Herrin«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Wer würde es wagen, schlecht über die Herrin zu reden? Ehrlich gesagt, wenn alles eingezogen würde, wäre das auch für uns weniger Arbeit und weniger Ärger mit den Leuten.« |
| Mit kühlem Lächeln erklärte Hsi-fëng: „Ich habe das auch nur aus purer Dummheit gemacht. Wirklich, warum sollte ich für mich auf Geld aussein?! Es ging einzig und allein darum, daß wir für unsern täglichen Bedarf mehr ausgeben, als wir hereinbekommen. Was ich mit dem jungen Herrn zusammen bekomme, dazu noch das Monatsgeld für die vier Mägde, macht alles in allem nur zwischen zehn und zwanzig Liang im Monat aus. Das reicht knapp für die Ausgaben von drei bis fünf Tagen. | »Ich habe mich auch nur aus reiner Dummheit darauf eingelassen«, sagte Phönixglanz mit kühlem Lächeln. »Wozu brauche ich wirklich das Geld? Es geht nur darum, dass die täglichen Ausgaben höher sind als die Einnahmen. Was dieses Haus betrifft: Das Monatsgeld für mich und den Herrn zusammen, dazu das Monatsgeld für die vier Dienstmädchen, macht insgesamt zehn bis zwanzig Liang — das reicht nicht einmal für drei bis fünf Tage! Wenn ich nicht alles zusammengekratzt hätte, was nur ging, wüsste der Himmel, in welcher verfallenen Hütte wir längst gelandet wären! Und jetzt habe ich den Ruf eines heruntergekommenen Geldverleihers. Gut denn, ich ziehe alles ein. Geld ausgeben kann ich so gut wie jeder andere auch. In Zukunft sitzen wir einfach da und geben aus, solange es reicht, reicht es. |
| Wer weiß, in welchem verfallenen Brennofen wir schon wohnen würden, wenn ich nicht alles zusammengekratzt hätte, was ich nur konnte.Aber das hat mir jetzt den Ruf eines heruntergekommenen Taugenichtses eingebracht, der Gelder verleiht. Und wenn das so ist, gebe ich die Sache einfach auf. Geld auszugeben verstehe ich nicht schlechter als jeder andere auch, also werden wir in Zukunft herumsitzen und nur noch ausgeben. Mag es reichen, solange es reicht! Ist denn das noch eine Art? Als die alte gnädige Frau jetzt Geburtstag hatte, hat sich die gnädige Frau volle zwei Monate lang Sorgen gemacht, weil sie nicht wußte, woher sie Geld nehmen sollte, bis schließlich ich ihr den Tip gegeben habe, daß im Obergeschoß des rückwärtigen Speichergebäudes vier, fünf Truhen mit großen Messing- und Zinngefäßen standen, auf die es nicht weiter ankam. Die haben wir hinausgeschafft und haben dreihundert Liang Silber dafür bekommen. Nur so ist die gnädige Frau zu einem Proformageschenk gekommen, mit dem sie die Situation retten konnte. |
Und was für Zustände herrschen hier: Als die Herzoginmutter kürzlich Geburtstag hatte, hat sich die gnädige Frau zwei Monate lang Sorgen gemacht und wusste sich keinen Rat, bis schließlich ich den Hinweis gab, dass oben im Lagerhaus vier oder fünf Kisten mit großen Messing- und Zinngeräten stünden, auf die es nicht weiter ankäme. Die wurden fortgeschafft und brachten dreihundert Liang Silber ein — erst damit konnte die gnädige Frau ihr Gesicht wahren und die Sache überstehen. Ich habe, wie ihr wisst, die goldene Schlaguhr für fünfhundertsechzig Liang verkauft. Noch kein halber Monat war vergangen, da gab es schon zehn große und kleine Angelegenheiten, und alles wurde für nichts und wieder nichts verschlungen. Jetzt reicht auch draußen das Geld nicht mehr, und irgendwer — ich weiß nicht, wer — ist auf den Einfall gekommen, die Sachen der Herzoginmutter anzugehen. In einem weiteren Jahr werden sie an Schmuck und Kleider gehen — dann wird es erst richtig schön!« |
| Ich habe, wie ihr wißt, diese goldene Uhr mit Schlagwerk verkauft, für die ich fünfhundertsechzig Liang Silber bekommen habe. Aber es ist noch kein halber Monat vergangen, schon habe ich in die zehn, zwölf großen und kleinen Angelegenheiten, die seitdem vorgefallen sind, für nichts und wieder nichts alles hineinstecken müssen. Jetzt reicht das Geld sogar im äußeren Bereich des Anwesens nicht, und irgend jemand – ich weiß nicht wer – ist auf den Einfall gekommen, deswegen an die Sachen der alten gnädigen Frau zu gehen. In einem Jahr werden wir soweit sein, daß jeder an unseren Kopfschmuck und unsere Kleider geht. Das wird erst gut werden!“ | »Schmuck und Kleider jeder einzelnen gnädigen Frau würden, zu Geld gemacht, für ein ganzes Leben reichen«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. »Nur wird sich keine auf so etwas einlassen.« |
| „Schmuck und Kleider einer jeden gnädigen Frau würden, zu Geld gemacht, gewiß ausreichen, um ein Leben lang davon zu zehren. Nur welche der gnädigen Frauen würde sich auf so etwas einlassen?“ sagte Lai Wangs Frau lächelnd. | »Ich will nicht sagen, dass ich zu nichts mehr fähig bin«, fuhr Phönixglanz fort, »aber auf diese Art kann ich wirklich nicht mehr. Gestern Nacht hatte ich plötzlich einen Traum — er klingt vielleicht sogar komisch. Im Traum suchte mich jemand auf, der mir zwar bekannt vorkam, dessen Namen ich aber nicht kannte. Als ich fragte, was er wolle, sagte er, die Kaiserliche Nebenfrau habe ihn geschickt, um hundert Stück Brokat zu holen. Ich fragte, welche Kaiserliche Nebenfrau, und er nannte eine, die nicht aus unserer Familie stammt. Ich wollte ihm die Seide nicht geben, da kam er auf mich zu und wollte sie mir entreißen. Gerade als er zupackte, wachte ich auf.« |
| „Ich will nicht sagen, daß ich zu nichts mehr fähig bin“, fuhr Hsi-fëng fort, „aber auf diese Art kann ich wirklich nicht mehr. Gestern nacht hatte ich plötzlich einen Traum, er hört sich vielleicht sogar komisch an. Im Traum hat mich jemand aufgesucht, der mir zwar bekannt vorkam, dessen Name mir aber nicht einfallen wollte. Als ich ihn fragte, was er wolle, sagte er, die kaiserliche Nebenfrau schicke ihn, um hundert Stücken bunten Seidenstoff von mir zu holen. Als ich dann wissen wollte, welche kaiserliche Nebenfrau das sei, sagte er, nicht die aus unserer Familie. Und als ich ihm die Seide deshalb nicht geben wollte, kam er auf mich zu und wollte sie mir wegnehmen. In dem Augenblick bin ich wach geworden.“ | »Das liegt nur daran, dass die Herrin sich tagsüber zu viel Sorgen macht und ständig mit Aufträgen für den kaiserlichen Palast zu tun hat«, sagte Laiwangs Frau lächelnd. |
| Lächelnd sagte Lai Wangs Frau: „Das lag nur daran, daß Ihr Euch den Tag über angestrengt hattet und daß Ihr ständig mit Aufträgen für den kaiserlichen Harem zu tun habt.“ | Bevor sie ausgesprochen hatte, wurde gemeldet: »Der Oberhofkämmerer Xia hat einen jungen Eunuchen geschickt.« |
| Das hatte sie kaum gesagt, als gemeldet wurde: „Der Oberhofkämmerer Hsia hat einen jungen Eunuchen geschickt, um etwas mit Euch zu besprechen.“ | Als Kette Kaufmann das hörte, runzelte er sofort die Stirn und sagte: »Was will er denn schon wieder! In einem Jahr schleppen die mehr als genug weg!« |
| Sofort runzelte Djia Liän die Brauen und fragte: „Was will er wohl schon wieder besprechen? Hat er das ganze Jahr über noch nicht genug weggeschleppt?“ | »Versteck dich«, sagte Phönixglanz. »Ich empfange ihn. Wenn es eine Kleinigkeit ist, lasse ich es durchgehen. Wenn es etwas Größeres ist, weiß ich schon, was ich ihm sage.« |
| „Du versteck dich!“ forderte Hsi-fëng ihn auf, „ich werde ihn empfangen, und wenn es nur einer Kleinigkeiten wegen ist, mag es angehen. Wenn es sich jedoch um etwas Größeres handelt, weiß ich schon, was ich ihm sage.“ | Kette Kaufmann versteckte sich im Innenraum. Phönixglanz ließ den jungen Eunuchen hereinführen, bot ihm einen Stuhl an und ließ ihm Tee bringen. Dann fragte sie, worum es gehe. |
| Wirklich versteckte sich Djia Liän im Innenraum, Hsi-fëng aber ließ den jungen Eunuchen hereinrufen. Als er dann auf einem Stuhl Platz genommen hatte und Tee trank, fragte sie, was es gebe. Darauf erwiderte er: „Seine Exzellenz Hsia hat heute durch Zufall ein Haus gesehen, aber es fehlen ihm zweihundert Liang Silber. Darum hat er mich geschickt, um Euch zu fragen, ob Ihr soviel Silber im Haus habt, daß Ihr ein- oder zweihundert Liang für ihn auslegen könnt. In ein, zwei Tagen schickt er es wieder zurück.“ | Der junge Eunuch sagte: »Exzellenz Xia hat heute zufällig ein Haus gesehen, aber es fehlen ihm zweihundert Liang Silber. Er schickt mich, um die Frau Tante zu fragen, ob im Haus zweihundert Liang bar verfügbar sind, die er sich kurz leihen könnte. In ein, zwei Tagen schickt er sie zurück.« |
| „Mit dem Zurückschicken hat es Zeit“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Silber haben wir mehr als genug, also soll er es nur einstweilen nehmen. Wenn wir ein andermal damit knapp sind, können wir immer noch bei ihm borgen kommen.“ | »Was heißt hier zurückschicken«, sagte Phönixglanz lächelnd. »Silber haben wir mehr als genug, er soll es nur ruhig nehmen. Wenn wir ein andermal knapp bei Kasse sind, borgen wir bei ihm — das ist doch dasselbe.« |
| „Außerdem hat seine Exzellenz gesagt, von den letzten beiden Malen sei er noch eintausendzweihundert Liang schuldig“, fuhr der junge Eunuch fort. „Er könne dann natürlich zum Jahresende alles auf einmal zurückzahlen.“ | »Exzellenz Xia lässt außerdem ausrichten«, fuhr der junge Eunuch fort, »dass von den letzten beiden Malen noch eintausendzweihundert Liang ausstehen. Zum Jahresende werde er natürlich alles auf einmal zurückzahlen.« |
| Wieder lächelte Hsi-fëng, als sie jetzt sagte: „Exzellenz Hsia ist recht kleinlich, wenn er das so genau nimmt. Ohne ihm nahe treten zu wollen, möchte ich sagen, wenn er uns alles vollständig zurückerstatten wollte, hätte er eine ganz schöne Menge zu zahlen. Das einzige, was passieren könnte, ist, daß uns das Silber ausgeht. Aber solange wir welches haben, soll er es sich nur holen!“ Dann ließ sie Lai Wangs Frau hereinrufen und befahl ihr: „Geh und hol mir zweihundert Liang Silber, egal woher!“ | »Exzellenz Xia ist aber kleinlich!« sagte Phönixglanz lächelnd. »Das ist doch nicht der Rede wert! Ohne ihm zu nahe treten zu wollen: Wenn er alles so genau abrechnen und zurückzahlen wollte, dann wüsste ich gar nicht, wie viel er schon zurückgezahlt haben müsste! Solange wir welches haben, soll er es sich nur nehmen.« Dann rief sie Laiwangs Frau herein: »Geh hinaus und treib irgendwoher zweihundert Liang auf!« |
| Lai Wangs Frau verstand, worum es ging, und sagte lächelnd: „Nur weil ich woanders nichts bekommen konnte, bin ich zu Euch gekommen, um mir welches geben zu lassen.“ | Laiwangs Frau verstand, worum es ging, und sagte lächelnd: »Eben konnte ich nirgendwo etwas auftreiben, deshalb bin ich ja zu Euch gekommen.« |
| „Ihr versteht es nur, hierher zu mir zu kommen und Geld zu verlangen, aber wenn ihr draußen welches borgen sollt, seid ihr unfähig“, warf Hsi-fëng ihr vor. Dann rief sie Ping-örl und befahl: „Nimm meine beiden Halsreifen und geh sie für vierhundert Liang Silber versetzen!“ | »Ihr versteht es nur, hier hereinzukommen und Geld zu verlangen, aber wenn ihr es draußen beschaffen sollt, seid ihr unfähig!« rügte Phönixglanz. Dann rief sie Friedchen: »Nimm meine beiden goldenen Halsketten heraus und versetz sie für vierhundert Liang Silber!« |
| Ping-örl sagte: „Jawohl!“ und ging hinaus. Als sie nach geraumer Zeit wiederkam, brachte sie wirklich eine seidenbezogene Schatulle, in der, in Seide gehüllt, zwei Halsreifen lagen. Als sie sie auswickelte, zeigte sich, daß der eine aus Goldfiligran bestand und mit Perlen verziert war, die so groß waren wie Lotoskerne, während der andere mit Eisvogelfedern besetzt und mit Edelsteinen geschmückt war. Beide standen in keiner Weise den Schmuckstücken nach, die im Kaiserpalast getragen wurden. Ping-örl ging damit fort, und als sie zurückkam, brachte sie wirklich vierhundert Liang Silber. | Friedchen sagte »Jawohl« und ging. Nach einer ganzen Weile brachte sie tatsächlich ein mit Seide bezogenes Kästchen, in dem zwei seidene Tücher lagen. Als man sie aufwickelte, zeigte sich: Die eine Kette war aus Goldfiligran mit aufgereihten Perlen, jede so groß wie ein Lotuskern. Die andere war mit Eisvogelfedern besetzt und mit Edelsteinen verziert. Beide standen den Schmuckstücken aus dem Kaiserpalast in nichts nach. Als Friedchen sie fortbrachte und zurückkam, hatte sie tatsächlich vierhundert Liang Silber. |
| Hsi-fëng ordnete an, die Hälfte davon dem jungen Eunuchen einzupacken, und die andere Hälfte mußte jemand zu Lai Wangs Frau bringen, damit sie die Vorbereitungen für das Mittelherbstfest treffen konnte. Nun verabschiedete sich der junge Eunuch wieder, und Hsi-fëng befahl noch, jemand solle das Silber für ihn bis zum Außentor tragen. | Phönixglanz befahl, die Hälfte für den jungen Eunuchen einzupacken. Die andere Hälfte ließ sie Laiwangs Frau übergeben, damit diese die Vorbereitungen für das Mittelherbstfest [15] treffen konnte. Der junge Eunuch verabschiedete sich, und Phönixglanz befahl jemandem, das Silber für ihn bis zum Haupttor zu tragen. |
| „Wann werden diese fremden Hungergeister endlich einmal genug haben?“ fragte Djia Liän lächelnd, als er wieder hereinkam. | »Wann nehmen diese Plagegeister von draußen endlich ein Ende!« sagte Kette Kaufmann lachend, als er wieder herauskam. |
| „Gerade hatte ich davon gesprochen, da mußte er hier auftauchen!“ kommentierte Hsi-fëng, ebenfalls lächelnd. | »Gerade sprachen wir davon, und schon kam der nächste Schwall«, erwiderte Phönixglanz lächelnd. |
| „Gestern ist der Obereunuch Dschou hier gewesen“, berichtete Djia Liän. „Kaum daß er den Mund aufmachte, wollte er eintausend Liang haben, und als ich einen Moment zögerte, wurde er gleich ärgerlich. In Zukunft werden wir noch oft jemand kränken müssen. Es wäre schon schön, wenn man noch einmal zu zwei oder drei Millionen kommen könnte.“ Während er das sagte, war Ping-örl schon Hsi-fëng behilflich, sich das Gesicht zu waschen und andere Kleider anzulegen, damit sie zur Herzoginmutter hinübergehen und ihr beim Abendessen aufwarten konnte. | »Gestern war der Obereunuch Zhou hier«, berichtete Kette Kaufmann. »Kaum hatte er den Mund aufgemacht, wollte er tausend Liang. Als ich einen Moment zögerte, wurde er gleich unwillig. In Zukunft wird es noch viele Gelegenheiten geben, wo wir jemanden vor den Kopf stoßen müssen. Es wäre schön, wenn wir noch einmal zwei oder drei Millionen verdienen könnten.« Während er sprach, half Friedchen Phönixglanz bereits, sich zu waschen und umzukleiden, damit sie zur Herzoginmutter hinübergehen und beim Abendessen aufwarten konnte. |
| Nun ging auch Djia Liän aus dem Hause, und als er eben zu seiner äußeren Bibliothek kam, sah er plötzlich Lin Dschï-hsiau auf sich zukommen. Als er ihn fragte, was es gebe, antwortete Lin Dschï-hsiau: „Gerade habe ich erfahren, Herr Yü-tsun sei seines Postens enthoben worden. Ich weiß aber nicht, warum. Vielleicht ist es also gar nicht wahr.“ | Kette Kaufmann ging ebenfalls hinaus, und als er gerade bei seinem äußeren Arbeitszimmer angekommen war, sah er plötzlich Lin Zhixiao [16] auf sich zukommen. Er fragte, was es gebe. |
| „Wahr oder nicht wahr, lange wird er sein Amt bestimmt nicht behalten“, erwiderte Djia Liän. „Es ist nicht einmal gesagt, daß wir nicht mit hineingezogen werden, wenn ihm so etwas widerfährt. Darum wäre es besser, sich von ihm fernzuhalten.“ | »Ich habe gerade erfahren, dass Yucun [17] seines Amtes enthoben worden sein soll«, sagte Lin Zhixiao. »Aber ich weiß nicht, warum, und möglicherweise stimmt es gar nicht.« |
| „Da habt Ihr ganz recht“, bestätigte Lin Dschï-hsiau, „nur wird sich das im Moment schlecht machen lassen. Der gnädige Herr aus dem Ostanwesen versteht sich besser mit ihm als je zuvor, und unser älterer gnädiger Herr hat ihn ebenfalls gern, immerzu besuchen sie einander. Wer wüßte das nicht!“ | »Ob es stimmt oder nicht«, erwiderte Kette Kaufmann, »sein Amt wird er kaum lange behalten. Wenn er in Schwierigkeiten gerät, ist nicht auszuschließen, dass er uns mit hineinzieht. Es wäre besser, auf Abstand zu gehen.« |
| „Jedenfalls dürfen wir uns nicht auf Geschäfte mit ihm einlassen, dann kann uns auch nicht viel passieren“, entschied Djia Liän. „Geh und erkundige dich, ob die Sache wahr ist und was der Grund ist!“ | »Da habt Ihr völlig recht«, bestätigte Lin Zhixiao, »nur lässt sich das im Moment schlecht bewerkstelligen. Der ältere Herr aus dem Östlichen Anwesen [18] versteht sich besser mit ihm als je zuvor, und auch der gnädige Herr hat ihn gern und verkehrt häufig mit ihm. Wer wüsste das nicht!« |
| Lin Dschï-hsiau sagte zwar jawohl, rührte sich aber nicht von der Stelle. Vielmehr blieb er auf seinem Stuhl sitzen und hielt das Gespräch in Gang. Als sie dabei auch auf die häuslichen Schwierigkeiten zu sprechen kamen, war das für ihn das passende Stichwort, um einzuflechten: „Es sind zu viele Leute im Haus. Es wäre das beste, der alten gnädigen Frau und dem gnädigen Herrn in einer Mußestunde darüber Bericht zu erstatten, damit einige von den alten Leuten, die zwar ihre Verdienste haben, jetzt aber zu nichts mehr nütze sind, aus Gnade freigegeben werden. Zum einen hat sowieso jeder von ihnen seine eigene Wirtschaft, zum andern läßt sich dadurch jedes Jahr einiges an Verpflegung und Monatsgeldern einsparen. | »Solange wir keine gemeinsamen Geschäfte mit ihm machen, kann uns nicht viel passieren«, entschied Kette Kaufmann. »Geh und erkundige dich, ob es wahr ist und was der Grund ist.« |
| Außerdem gibt es auch zu viele Mägde in den inneren Gemächern. Der Volksmund sagt richtig ‚Eine Zeit gleicht nicht der andern.‘ Darum können auch wir jetzt nicht länger an den alten Regelungen festhalten, und notgedrungen muß sich jeder ein bißchen einschränken. Wem acht Mägde zur Bedienung zustanden, der muß eben mit sechsen auskommen, und wer vier hatte, muß mit zweien zufrieden sein. Wenn man das für alle Wohnräume zusammenzählt, kann man in einem Jahr ebenfalls eine ganze Menge an Verpflegung und Monatsgeldern einsparen. Außerdem ist die Hälfte aller Mägde in den inneren Gemächern schon überaltert und muß verheiratet werden. Bringen sie uns nicht wieder Leute zur Welt, wenn sie erst eine Familie haben?“ | Lin Zhixiao sagte zwar jawohl, rührte sich aber nicht von der Stelle. Er blieb auf seinem Stuhl sitzen und führte das Gespräch weiter. Als sie auf die Schwierigkeiten des Haushalts zu sprechen kamen, ergriff er die Gelegenheit und sagte: »Es sind zu viele Leute im Haus. Es wäre das beste, der Herzoginmutter und dem gnädigen Herrn bei Gelegenheit Bericht zu erstatten und einige der alten Bediensteten, die ihre Verdienste haben, aber nicht mehr gebraucht werden, gnädigerweise freizulassen. Erstens hat ohnehin jeder von ihnen seine eigene Wirtschaft, und zweitens ließe sich dadurch jährlich einiges an Verpflegung und Monatsgeld einsparen. |
| „Dasselbe habe ich mir auch schon gesagt“, versicherte Djia Liän, „aber der gnädige Herr ist eben erst wieder nach Hause gekommen, und soundso viele wichtige Dinge habe ich ihm noch nicht gemeldet, wie kann ich ihm da mit so etwas kommen?! Neulich erst ist die Heiratsvermittlerin mit einer Verlobungskarte dagewesen, um uns eine Hochzeit anzutragen, aber die | Außerdem gibt es auch zu viele Mädchen in den inneren Gemächern. Der Volksmund sagt richtig: ›Eine Zeit gleicht nicht der anderen.‹ Wir können jetzt nicht mehr an den alten Maßstäben festhalten, und notgedrungen muss sich jeder ein wenig einschränken: Wem acht Mägde zustanden, der muss mit sechs auskommen, und wer vier hatte, muss mit zwei zufrieden sein. Rechnet man das für alle Räume zusammen, kann man im Jahr eine beträchtliche Menge an Reis und Monatsgeld einsparen. Zudem ist die Hälfte der Mädchen drinnen bereits zu alt geworden und sollte verheiratet werden. Wenn sie erst Familien gründen, bringen sie dann nicht noch mehr Leute hervor?« |
| gnädige Frau hat gesagt, der gnädige Herr sei gerade erst zurückgekommen und genieße es jeden Tag von neuem, wieder mit seiner Familie vereint zu sein, deshalb sei zu befürchten, daß es ihn betrübt, wenn man ihm auf einmal vorschlägt, seine Tochter zu verheiraten. Darum sollte noch nicht davon gesprochen werden.“ | »Dasselbe habe ich mir auch schon gedacht«, versicherte Kette Kaufmann, »aber der gnädige Herr ist eben erst nach Hause zurückgekehrt, und so viele wichtige Angelegenheiten habe ich ihm noch nicht gemeldet — wie soll ich da mit so etwas kommen? Neulich hat die offizielle Heiratsvermittlerin eine Verlobungskarte gebracht, um eine Hochzeit anzutragen, aber die gnädige Frau meinte, der gnädige Herr sei gerade erst heimgekehrt und genieße es jeden Tag, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Wenn man jetzt plötzlich von Heirat spräche, fürchtete sie, er werde wieder traurig. Deshalb solle vorerst nicht davon gesprochen werden.« |
| „Das ist auch völlig richtig, und die gnädige Frau hat da sehr umsichtig gehandelt“, beeilte sich Lin Dschï-hsiau zu bestätigen. | »Das ist auch richtig«, bestätigte Lin Zhixiao. »Die gnädige Frau denkt sehr umsichtig.« |
| „Eben!“ sagte Djia Liän, „aber da fällt mir gerade etwas ein. Der Sohn von unserm Lai Wang möchte gern Tsai-hsia aus den Räumen der gnädigen Frau heiraten. Gestern hat sich Lai Wang deswegen an mich gewandt, aber mir scheint, so ein großes Problem kann das nicht sein, und darum ist es ganz egal, wer hingeht, um mit den Eltern des Mädchens zu reden. Sieh also zu, wer gerade frei ist, und schick ihn hin, um in meinem Namen dort vorzusprechen!“ | »Eben!« sagte Kette Kaufmann. »Aber da fällt mir gerade etwas ein. Der Sohn von unserem Laiwang will Caixia aus den Gemächern der gnädigen Frau heiraten. Gestern hat er sich deswegen an mich gewandt. Ich denke, es ist keine große Sache — schick jemanden hin, der ein Wort mit den Eltern spricht, egal wen. Schau, wer gerade frei ist, und schick ihn hin, in meinem Namen.« |
| Notgedrungen mußte Lin Dschï-hsiau ja sagen, aber nach einiger Zeit empfahl er dann lächelnd: „Wenn Ihr mich fragt, junger Herr, solltet Ihr besser die Finger davon lassen! Lai Wangs Sohn ist zwar noch jung, aber er treibt sich draußen herum, um zu trinken und Glücksspiele zu spielen, und kennt überhaupt keine Hemmungen. Die beiden sind zwar Sklaven, aber eine Hochzeit ist doch fürs ganze Leben. Tsai-hsia habe ich zwar in den letzten Jahren nicht mehr zu Gesicht bekommen, aber es wird erzählt, sie habe sich prächtig herausgemacht. Warum soll man sie mir nichts, dir nichts ins Unglück stürzen?!“ | Lin Zhixiao sagte notgedrungen ja, aber nach einer Weile riet er lächelnd: »Wenn Ihr mich fragt, junger Herr, solltet Ihr besser die Finger davon lassen. Laiwangs Sohn ist zwar noch jung, aber er treibt sich draußen herum, trinkt und spielt um Geld und kennt keine Grenzen. Auch wenn alle Beteiligten Dienstleute sind, so ist eine Heirat doch eine Sache fürs ganze Leben. Caixia habe ich zwar in den letzten Jahren nicht mehr gesehen, aber man erzählt, sie habe sich prächtig entwickelt. Warum soll man sie ohne Grund ins Unglück stürzen?« |
| „Trinkt denn sein Sohn so stark, daß er deshalb kein Mensch mehr ist?“ erkundigte sich Djia Liän. | »Ist sein Sohn wirklich ein solcher Trinker, dass er kein brauchbarer Mensch mehr ist?« fragte Kette Kaufmann. |
| „Nicht nur daß er trinkt und um Geld spielt, er schreckt draußen vor keiner Schlechtigkeit zurück“, sagte Lin Dschï-hsiau mit einem verächtlichen Lächeln um die Lippen. „Nur weil er zum Gesinde der jungen gnädigen Frau gehört, haben wir immer wieder ein Auge zugedrückt.“ | »Nicht nur, dass er trinkt und spielt«, sagte Lin Zhixiao mit kühlem Lächeln, »er schreckt da draußen vor keiner Schandtat zurück. Nur weil er zu den Leuten der Herrin gehört, haben wir immer ein Auge zugedrückt.« |
| „Davon habe ich nichts gewußt“, versicherte Djia Liän, „aber wenn das so ist, soll er statt einer Braut eine Tracht Prügel bekommen und eingesperrt werden! Und dann sollen sich seine Eltern für ihn verantworten!“ | »Davon wusste ich nichts!« sagte Kette Kaufmann. »Wenn das so ist, bekommt er statt einer Frau eine Tracht Prügel und wird eingesperrt! Und dann müssen sich seine Eltern verantworten!« |
| „Nicht gerade jetzt!“ riet ihm Lin Dschï-hsiau. „Wir wollen warten, bis er wieder einmal etwas angestellt hat, und dann melden wir es Euch, damit Ihr ihn bestrafen könnt. Jetzt aber laßt es ihm noch einmal durchgehen!“ | »Nicht gerade jetzt«, riet Lin Zhixiao lächelnd. »Warten wir, bis er wieder etwas anstellt, dann melden wir es Euch, und Ihr könnt ihn bestrafen. Für diesmal lasst es ihm noch durchgehen.« |
| Djia Liän erwiderte nichts darauf, und einige Zeit später ging Lin Dschï-hsiau fort. | Kette Kaufmann erwiderte nichts, und nach einer Weile ging Lin Zhixiao. |
| Am Abend ließ Hsi-fëng durch eine Botin Tsai-hsias Mutter zu sich rufen, um für Lai Wangs Sohn die Brautwerberin zu spielen. Und obwohl Tsai-hsias Mutter aus tiefstem Herzen dagegen war, hatte sie doch angesichts der Ehre, die Hsi-fëng ihr durch diese persönliche Werbung antat, keine andere Wahl, als gegen den eigenen Willen lauthals zuzustimmen. | Am Abend hatte Phönixglanz bereits jemanden geschickt, um Caixias Mutter hereinrufen zu lassen und die Heirat für sie zu vermitteln. Obwohl Caixias Mutter innerlich ganz und gar dagegen war, konnte sie angesichts der Ehre, dass Phönixglanz persönlich mit ihr sprach, nicht anders, als gegen den eigenen Willen lauthals zuzustimmen und zu gehen. |
| Als Hsi-fëng sich dann bei Djia Liän erkundigte, ob jemand mit Tsai-hsias Vater gesprochen habe, sagte er: „Ich hatte es schon befohlen, aber dann erfuhr ich, daß Lai Wangs Sohn ein großer Taugenichts ist, darum habe ich den Befehl zurückgenommen. Wenn es wirklich stimmt, was man von ihm sagt, sollte man ihn erst einmal eine Zeitlang unter Aufsicht stellen und erziehen. Danach ist immer noch Zeit, ihm eine Frau zu geben.“ | Als Phönixglanz nun Kette Kaufmann fragte, ob man schon mit dem Vater gesprochen habe, sagte er: »Ich wollte es schon veranlassen, aber dann erfuhr ich, dass sein Sohn ein großer Taugenichts ist, darum habe ich den Befehl zurückgenommen. Wenn es wirklich so schlimm mit ihm steht, sollte man ihn erst einmal eine Zeitlang unter Aufsicht erziehen. Danach ist immer noch Zeit, ihm eine Frau zu geben.« |
| „Wer hat dir denn das gesagt, daß er ein Taugenichts ist?“ wollte Hsi-fëng wissen. | »Von wem hast du gehört, dass er ein Taugenichts ist?« wollte Phönixglanz wissen. |
| „Nur einer von unsern Leuten, wer sonst?“ wich Djia Liän aus. | »Nur von einem aus dem Haus, von wem sonst?« wich Kette Kaufmann aus. |
| „Wer aus dem Hause Wang kommt, ist freilich nicht nach Eurem Geschmack, das trifft auf mich zu, und auf die Sklaven natürlich erst recht“, sagte Hsi-fëng mit lächelndem Gesicht. „Eben erst habe ich mit Tsai-hsias Mutter gesprochen, und sie war Feuer und Flamme. Soll ich sie vielleicht gleich noch einmal holen lassen, um ihr zu sagen, wir wollten nicht mehr, oder wie?“ | Phönixglanz lachte: »Wer aus der Familie Wang kommt, ist euch ja nicht gut genug — das trifft auf mich zu und auf die Dienstleute erst recht. Eben habe ich schon mit Caixias Mutter gesprochen, und sie war Feuer und Flamme. Soll ich sie etwa noch einmal hereinrufen lassen und ihr sagen, es sei nichts mehr daraus?« |
| „Wenn du schon mit ihr gesprochen hast, dürfen wir die Sache natürlich nicht wieder rückgängig machen“, sagte Djia Liän. „Morgen beauftrage ich Lai Wang, seinen Sohn ordentlich streng zu halten, und damit hat sich der Fall.“ | »Wenn du schon mit ihr gesprochen hast, können wir natürlich nicht mehr davon abrücken«, sagte Kette Kaufmann. »Morgen sage ich Laiwang, er soll seinen Sohn streng im Zaum halten, und damit hat es sich.« |
| Was an diesem Abend sonst noch gesagt wurde, braucht hier nicht erzählt zu werden. | Was an diesem Abend sonst noch gesprochen wurde, braucht hier nicht erzählt zu werden. |
| Seitdem Tsai-hsia von Dame Wang freigegeben worden war, hatte sie darauf gewartet, daß ihre Eltern einen Bräutigam für sie suchten. Zwar gab es die alte Bindung an Djia Huan, an der sie innerlich weiter festhielt, doch dazu hatte noch niemand seine Zustimmung gegeben. Jetzt mußte Tsai-hsia sehen, daß immer wieder Lai Wang für seinen Sohn um sie anhielt, aber sie hatte längst erfahren, daß Lai Wangs Sohn ein Trinker und Spieler war, der obendrein ein häßliches Aussehen hatte und sich auf keinerlei Handwerk verstand, und das hatte ihre Seelenqual nur vergrößert. | Nun sei erzählt, dass Caixia, seit sie vor einigen Tagen freigelassen worden war, darauf wartete, dass ihre Eltern einen Bräutigam für sie finden würden. Zwar gab es die alte Bindung an Huan Kaufmann [19], an der sie innerlich festhielt, doch es war noch nichts entschieden. Jetzt musste sie mit ansehen, wie Laiwang immer wieder für seinen Sohn um sie anhielt, und sie hatte längst erfahren, dass dieser ein Trinker und Spieler war, dazu von hässlichem Aussehen und ohne jede Fertigkeit. Ihr Herz wurde immer schwerer. |
| Da sie zutiefst befürchtete, Lai Wang könnte seine Absicht, gestützt auf Hsi-fëngs Machtposition durchsetzen, was für sie ein Unglück fürs ganze Leben bedeuten würde, war ihr Herz in größter Bedrängnis. Deshalb gab sie am Abend heimlich ihrer jüngeren Schwester Hsiau-hsia den Auftrag, in den inneren Bereich des Anwesens zu gehen und Nebenfrau Dschau zu fragen, wie die Dinge stünden. | In größter Angst, Laiwang könnte gestützt auf Phönixglanz' Machtstellung die Heirat erzwingen, was für sie ein lebenslanges Unglück bedeuten würde, war ihr Herz in äußerster Bedrängnis. Am Abend gab sie heimlich ihrer jüngeren Schwester Xiaoxia [20] den Auftrag, durch das innere Tor hineinzugehen und Nebenfrau Zhao [21] aufzusuchen, um die wahre Lage zu erfahren. |
| Nebenfrau Dschau hatte sich mit Tsai-hsia immer bestens verstanden und hatte nichts sehnlicher gewünscht, als sie für Djia Huan zu bekommen, weil sie sich von ihr eine tatkräftige Hilfe versprach. Jetzt aber war Tsai-hsia plötzlich ganz wider Erwarten durch Dame Wang freigegeben worden. Zwar hatte Nebenfrau Dschau immer wieder versucht, Djia Huan anzustacheln, er solle Tsai-hsia für sich verlangen, aber erstens war Djia Huan zu scheu, um den Mund aufzumachen, und zweitens hatte er auch gar keine rechte Lust, denn er sagte sich, Tsai-hsia sei nur eine Magd, und wenn sie ginge, müßten natürlich andere nach ihr kommen. Längst bereit, Tsai-hsia fallenzulassen, hatte er die Sache immer wieder hinausgeschoben. | Nebenfrau Zhao hatte sich seit langem bestens mit Caixia verstanden und nichts sehnlicher gewünscht, als sie für Huan Kaufmann zu bekommen, weil sie sich von ihr eine tatkräftige Stütze versprach. Doch wider alles Erwarten hatte die gnädige Frau [22] Caixia freigelassen. Zwar hatte Nebenfrau Zhao immer wieder versucht, Huan Kaufmann anzustacheln, er solle Caixia für sich verlangen, aber erstens schämte er sich, den Mund aufzumachen, und zweitens lag ihm auch nicht sonderlich viel daran — schließlich war Caixia nur eine Magd, und wenn sie ging, würden natürlich andere kommen. So hatte er die Sache immer wieder aufgeschoben und war längst bereit, sie fallen zu lassen. |
| Nebenfrau Dschau wollte auf Tsai-hsia nicht so leicht verzichten, und als diese jetzt auch noch ihre kleinere Schwester schickte, um sich Klarheit zu verschaffen, machte sie es sich zunutze, daß sie an diesem Abend keine Verpflichtungen hatte, und ging zu Djia Dschëng, um zunächst ihm ihre Bitte vorzutragen. | Nebenfrau Zhao wollte jedoch nicht so leicht auf sie verzichten, und als jetzt auch noch Caixias jüngere Schwester kam, um sich Gewissheit zu verschaffen, nutzte sie die freie Stunde des Abends und ging zunächst zu Aufrecht Kaufmann [23], um ihm ihre Bitte vorzutragen. |
| Djia Dschëng aber fragte: „Wozu die Eile? Sollen sich die beiden Jungen nur noch ein, zwei Jahre mit den Büchern beschäftigen, dann ist es immer noch früh genug, daß sie ein Mädchen bekommen! Ich habe schon zwei von den Mägden ausgesucht, eine für Bau-yü und eine für Huan. Vorerst sind sie noch zu jung dafür, außerdem wäre zu befürchten, daß sie die Bücher darüber vernachlässigen, darum will ich noch ein bis zwei Jahre warten.“ | Aufrecht Kaufmann sagte: »Was soll die Eile? Die beiden Jungen sollen sich noch ein oder zwei Jahre ihren Büchern widmen, dann ist immer noch früh genug, ihnen ein Mädchen zu geben. Ich habe bereits zwei Mägde ausgesucht, eine für Schatzjade [24] und eine für Huan. Nur sind sie noch zu jung dafür, und ich befürchte, sie würden die Bücher vernachlässigen, darum will ich noch ein bis zwei Jahre warten.« |
| „Aber Bau-yü hat schon seit zwei Jahren ein Mädchen“, sagte Nebenfrau Dschau. „Wißt Ihr das nicht?“ | »Aber Schatzjade hat doch schon seit zwei Jahren ein Mädchen«, sagte Nebenfrau Zhao. »Wisst Ihr das nicht, gnädiger Herr?« |
| „Wer hat es ihm gegeben?“ wollte Djia Dschëng sofort wissen, doch bevor Nebenfrau Dschau darauf antworten konnte, war von draußen ein Krachen zu hören, das allen Anwesenden einen nicht geringen Schreck einjagte. | »Wer hat es ihm gegeben?« wollte Aufrecht Kaufmann sofort wissen. Doch bevor Nebenfrau Zhao antworten konnte, war plötzlich draußen ein lautes Krachen zu hören, und alle erschraken nicht wenig. |
| Wer wissen will, was das war, muß das nächste Kapitel lesen. | Wer wissen will, was das war, der lese das nächste Kapitel. |
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