Hongloumeng/zh-de/Chapter 32
| 中文原文 (程甲本 1982) | Deutsche Übersetzung (4. Auflage Woesler 2026) |
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話說寶玉見那麒麟,心中甚是歡喜,便伸手來拿,笑道:「虧你揀著了。你是那裡揀的?」史湘雲笑道:「幸而是這個,明兒倘或把印也丟了,難道也就罷了不 成?」寶玉笑道:「倒是丟了印平常,若丟了這個,我就該死了。」襲人斟了茶來與史湘雲吃,一面笑道:「大姑娘,聽見前兒你大喜了。」史湘雲紅了臉,吃茶不答。襲人道:「這會子又害臊了。你還記得十年前,咱們在西邊暖閣住著,晚上你同我說的話兒?那會子不害臊,這會子怎麼又害臊了?」史湘雲笑道:「你還說呢。那會子咱們那麼好。後來我們太太沒了,我家去住了一程子,怎麼就把你派了跟二哥哥,我來了,你就不象先待我了。」襲人笑道:「你還說呢。先姐姐長姐姐短哄著我替你梳頭洗臉,作這個弄那個,如今大了,就拿出小姐的款來。你既拿小姐的款,我怎敢親近呢?」史湘雲道:「阿彌陀佛,冤枉冤哉!我要這樣,就立刻死了。你瞧瞧,這麼大熱天,我來了,必定趕來先瞧瞧你。不信你問問縷兒,我在家時時刻刻那一回不念你幾聲。」話未了,忙的襲人和寶玉都勸道:「頑話你又認真了。還是這麼性急。」史湘雲道:「你不說你的話噎人,倒說人性急。」一面說,一面打開手帕子,將戒指遞與襲人。襲人感謝不盡,因笑道:「你前兒送你姐姐們的,我已得了;今兒你親自又送來,可見是沒忘了我。只這個就試出你來了。戒指兒能值多 少,可見你的心真。」史湘雲道:「是誰給你的?」襲人道:「是寶姑娘給我的。」湘雲笑道:「我只當是林姐姐給你的,原來是寶釵姐姐給了你。我天天在家裡想 著,這些姐姐們再沒一個比寶姐姐好的。可惜我們不是一個娘養的。我但凡有這麼個親姐姐,就是沒了父母,也是沒妨礙的。」說著, 眼睛圈兒就紅了。寶玉道:「罷,罷,罷!不用提這個話。」史湘雲道:「提這個便怎麼?我知道你的心病,恐怕你的林妹妹聽見,又怪嗔我贊了寶姐姐。可是為這個不是?」襲人在旁嗤的一笑,說道:「雲姑娘,你如今大了,越發心直口快了。」寶玉笑道:「我說你們這幾個人難說話,果然不錯。」史湘雲道:「好哥哥,你 不必說話教我噁心。只會在我們跟前說話,見了你林妹妹,又不知怎麼了。」 襲人道:「且別說頑話,正有一件事還要求你呢。」史湘雲便問:「什麼事?」襲人道:「有一雙鞋,摳了墊心子。我這兩日身上不好,不得做,你可有工夫替 我做做?」史湘雲笑道:「這又奇了,你家放著這些巧人不算,還有什麼針線上的,裁剪上的,怎麼教我做起來?你的活計叫誰做,誰好意思不做呢。」襲人笑道: 「你又糊塗了。你難道不知道,我們這屋裡的針線,是不要那些針線上的人做的。」史湘雲聽了,便知是寶玉的鞋了, 因笑道:「既這麼說,我就替你做了罷。只是一件,你的我才作,別人的我可不能。」襲人笑道:「又來了,我是個什麼,就煩你做鞋了。實告訴你,可不是我的。 你別管是誰的,橫豎我領情就是了。」史湘雲道:「論理,你的東西也不知煩我做了多少了,今兒我倒不做了的原故,你必定也知道。」襲人道:「倒也不知道。 」 史湘雲冷笑道:「前兒我聽見把我做的扇套子拿著和人家比,賭氣又鉸了。我早就聽見了,你還瞞我。這會子又叫我做,我成了你們的奴才了。」寶玉忙笑道:「前 兒的那事,本不知是你做的。」襲人也笑道:「他本不知是你做的。是我哄他的話,說是新近外頭有個會做活的女孩子,說扎的出奇的花,我叫他拿了一個扇套子試 試看好不好。他就信了,拿出去給這個瞧給那個看的。不知怎麼又惹惱了林姑娘,鉸了兩段。回來他還叫趕著做去,我才說了是你作的,他後悔的什麼似的。」史湘雲道:「越發奇了。林姑娘他也犯不上生氣,他既會剪,就叫他做。」襲人道:「他可不作呢。饒這麼著,老太太還怕他勞碌著了。大夫又說好 生靜養才好,誰還煩他做?舊年好一年的工夫,做了個香袋兒;今年半年,還沒見拿針線呢。」 正說著,有人來回說:「興隆街的大爺來了,老爺叫二爺出去會。」寶玉聽了,便知是賈雨村來了,心中好不自在。襲人忙去拿衣服。寶玉一面蹬著靴子,一面抱怨道:「有老爺和他坐著就罷了,回回定要見我。」史湘雲一邊搖著扇子,笑道:「自然你能會賓接客,老爺才叫你出去呢。」寶玉道: 「那裡是老爺,都是他自己要請我去見的。」湘雲笑道:「主雅客來勤,自然你有些警他的好處,他才只要會你。」寶玉道:「罷,罷,我也不敢稱雅,俗中又俗的 一個俗人,並不願同這些人往來。」湘雲笑道:「還是這個情性不改。如今大了,你就不願讀書去考舉人進士的,也該常常的會會這些為官做宰的人們,談談講講些仕途經濟的學問,也好將來應酬世務,日後也有個朋友。沒見你成年家只在我們隊里攪些什麼!」寶玉聽了 道:「姑娘請別的姊妹屋裡坐坐,我這裡仔細污了你知經濟學問的。」襲人道:「雲姑娘快別說這話。上回也是寶姑娘也說過一回,他也不管人臉上過的去過不去,他就咳了一聲,拿起腳來走了。這裡寶姑娘的話也沒說完,見他走了,登時羞的臉通紅,說又不是,不說又不是。幸而是寶姑娘,那要是林姑娘,不知又鬧到怎麼樣,哭的怎麼樣呢。提起這個話來,真真的寶姑娘叫人敬重,自己訕了一會子去了。我倒過不去,只當他惱了。誰知過後還是照舊一樣,真真有涵養,心地寬大。誰知這一個反倒同他生分了。那林姑娘見你賭氣不理他,你得賠多少不是呢。」寶玉道:「林姑娘從來說過這些混帳話不曾?若他也說過這些混帳話,我早和他生分了。」襲人和湘雲都點頭笑道:「這原是混帳話。」 原來林黛玉知道史湘雲在這裡,寶玉又趕來,一定說麒麟的原故。因此心下忖度著,近日寶玉弄來的外傳野史,多半才子佳人都因小巧玩物上撮合,或有鴛鴦, 或有鳳凰,或玉環金珮,或鮫帕鸞絛,皆由小物而遂終身。今忽見寶玉亦有麒麟,便恐藉此生隙,同史湘雲也做出那些風流佳事來。因而悄悄走來,見機行事,以察二人之意。不想剛走來,正聽見史湘雲說經濟一事,寶玉又說:「林妹妹不說這樣混帳話,若說這話,我也和他生分了。」林黛玉聽了這話,不覺又喜又驚,又悲又 嘆。所喜者,果然自己眼力不錯,素日認他是個知己,果然是個知己。所驚者,他在人前一片私心稱揚於我,其親熱厚密,竟不避嫌疑。所嘆者,你既為我之知己, 自然我亦可為你之知己矣;既你我為知己,則又何必有金玉之論哉;既有金玉之論,亦該你我有之,則又何必來一寶釵哉!所悲者,父母早逝,雖有銘心刻骨之言, 無人為我主張。況近日每覺神思恍惚,病已漸成,醫者更云氣弱血虧,恐致勞怯之症。你我雖為知己,但恐自不能久待;你縱為我知己,奈我薄命何!想到此間,不 禁滾下淚來。待進去相見,自覺無味,便一面拭淚,一面抽身回去了。 這裡寶玉忙忙的穿了衣裳出來,忽見林黛玉在前面慢慢的走著,似有拭淚之狀,便忙趕上來,笑道:「妹妹往那裡去?怎麼又哭了?又 是誰得罪了你?」林黛玉回頭見是寶玉,便勉強笑道:「好好的,我何曾哭了。」寶玉笑道:「你瞧瞧,眼睛上的淚珠兒未乾,還撒謊呢。」一面說,一面禁不住抬 起手來替他拭淚。林黛玉忙向後退了幾步,說道:「你又要死了!作什麼這麼動手動腳的!」寶玉笑道:「說話忘了情,不覺的動了手,也就顧不的死活。」林黛玉道:「你死了倒不值什麼,只是丟下了什麼金,又是什麼麒麟,可怎麼樣呢?」一句話又把寶玉說急了,趕上來問道:「你還說這話,到底是咒我還是氣我呢?」林黛玉見問,方想起前日的事來,遂自悔自己又說造次了,忙笑道:「你別著急,我原說錯了。這有什麼的,筋都暴起來,急的一臉汗。」一面說,一面禁不住近前伸手替他拭面上的汗。寶玉瞅了半天,方說道「你放心」三個字。林黛玉聽了,怔了半天,方說道:「我有什麼不放心的?我不明白這話。你倒說說怎麼放心不放心?」寶玉嘆了一口氣,問道:「你果不明白這話?難道我素日在你身上的心都用錯了?連你的意思若體貼不著,就難怪你天天為我生氣了。」林黛玉道:「果然我不明白放心不放心的話。」寶玉點頭嘆道:「好妹妹,你別哄我。果然不 明白這話,不但我素日之意白用了,且連你素日待我之意也都辜負了。你皆因總是不放心的原故,才弄了一身病。但凡寬慰些,這病也不得一日重似一日。」林黛玉聽了這話,如轟雷掣電,細細思之,竟比自己肺腑中掏出來的還覺懇切,竟有萬句言語,滿心要說,只是半個字也不能吐,卻怔怔的望著他。此時寶玉心中也有萬句言語,不知從那一句上說起,卻也怔怔的望著黛玉。兩個人怔了半天,林黛玉只咳了一聲,兩眼不覺滾下淚來,回身便要走。寶玉忙上前拉住,說道:「好妹妹,且略站住,我說一句話再走。」林黛玉一面拭淚,一面將手推開,說道:「有什麼可說 的。你的話我早知道了!」口裡說著,卻頭也不回竟去了。 寶玉站著,只管發起呆來。原來方纔出來慌忙,不曾帶得扇子,襲人怕他熱,忙拿了扇子趕來送與他,忽抬頭見了林黛玉和他站著。一時黛玉走了,他還站著不動,因而趕上來說道:「你也不帶了扇子去,虧我看見,趕了送來。」寶玉出了神,見襲人和他說話,並未看出是何人來,便一把拉住,說道:「好妹妹,我的這心 事,從來也不敢說,今兒我大膽說出來,死也甘心!我為你也弄了一身的病在這裡,又不敢告訴人,只好掩著。只等你的病好了,只怕我的病才得好呢。睡里夢裡也 忘不了你!」襲人聽了這話,嚇得魄消魂散,只叫「神天菩薩,坑死我了!」便推他道:「這是那裡的話!敢是中了邪?還不快去?」寶玉一時醒過來,方知是襲人 送扇子來,羞的滿面紫漲,奪了扇子,便忙忙的抽身跑了。 這裡襲人見他去了,自思方纔之言,一定是因黛玉而起,如此看來,將來難免不才之事,令人可驚可畏。想到此間,也不覺怔怔的滴下淚來,心下暗度如何處治 方免此醜禍。正裁疑間,忽有寶釵從那邊走來,笑道:「大毒日頭地下,出什麼神呢?」襲人見問,忙笑道:「那邊兩個雀兒打架,倒也好玩,我就看住了。」寶釵道:「寶兄弟這會子穿了衣服,忙忙的那去了?我才看見走過去,倒要叫住問他呢。他如今說話越發沒了經緯,我故此沒叫他了,由他過去罷。」襲人道:「老爺叫 他出去。」寶釵聽了,忙道:「噯喲!這麼黃天暑熱的,叫他做什麼!別是想起什麼來生了氣,叫出去教訓一場。」襲人笑道:「不是這個, 想是有客要會。」寶釵笑道:「這個客也沒意思,這麼熱天,不在家裡涼快,還跑些什麼!」襲人笑道:「倒是你說說罷。」 寶釵因而問道:「雲丫頭在你們家做什麼呢?」襲人笑道:「才說了一會子閑話。你瞧,我前兒粘的那雙鞋,明兒叫他做去。」寶釵聽見這話,便兩邊回頭,看 無人來往,便笑道:「你這麼個明白人,怎麼一時半刻的就不會體諒人情。我近來看著雲丫頭神情,再風裡言風裡語的聽起來,那雲丫頭在家裡竟一點兒作不得主。 他們家嫌費用大,竟不用那些針線上的人,差不多的東西多是他們娘兒們動手。為什麼這幾次他來了,他和我說話兒,見沒人在跟前,他就說家裡累的很。我再問他 兩句家常過日子的話,他就連眼圈兒都紅了,口裡含含糊糊待說不說的。想其形景來,自然從小兒沒爹娘的苦。我看著他, 也不覺的傷起心來。」襲人見說這話,將手一拍,說:「是了,是了。怪道上月我煩他打十根蝴蝶結子,過了那些日子才打發人送來,還說『打的粗,且在別處能著 使罷;要勻凈的,等明兒來住著再好生打罷』。如今聽寶姑娘這話,想來我們煩他他不好推辭,不知他在家裡怎麼三更半夜的做呢。可是我也糊塗了,早知是這樣, 我也不煩他了。」寶釵道:「上次他就告訴我,在家裡做活做到三更天,若是替別人做一點半點,他家的那些奶奶太太們還不受用呢。」襲人道:「偏生我們那個牛心左性的小爺,憑著小的大的活計,一概不要家裡這些活計上的人作。我又弄不開這些。」寶釵笑道:「你理他呢!只 管叫人做去,只說是你做的就是了。」襲人笑道:「那裡哄的信他,他才是認得出來呢。說不得我只好慢慢的累去罷了。」寶釵笑道: 「你不必忙,我替你作些如何?」襲人笑道:「當真的這樣,就是我的福了。晚上我親自送過來。」 一句話未了,忽見一個老婆子忙忙走來,說道:「這是那裡說起!金釧兒姑娘好好的投井死了!」襲人唬了一跳,忙問:「那個金釧兒?」那老婆子道:「那裡 還有兩個金釧兒呢?就是太太屋裡的。前兒不知為什麼攆他出去,在家裡哭天哭地的,也都不理會他,誰知找他不見了。剛纔打水的人在那東南角上井里打水,見一個屍首,趕著叫人打撈起來,誰知是他。他們家裡還只管亂著要救活,那裡中用了!」寶釵道:「這也奇了。」襲人聽說,點頭贊嘆,想素日同氣之情,不覺流下淚 來。寶釵聽見這話,忙向王夫人處來道安慰。這裡襲人回去不提。 卻說寶釵來至王夫人處,只見鴉雀無聞,獨有王夫人在裡間房內坐著垂淚。寶釵便不好提這事,只得一旁坐了。王夫人便問:「你從那裡來?」寶釵道:「從園裡來。」王夫人道:「你從園裡來,可見你寶兄弟?」寶釵道:「才倒看見了。他穿了衣服出去了,不知那裡去。」王夫人點頭哭道:「你可知道一樁奇事?金釧兒忽然投井死了!」寶釵見說,道:「怎麼好好的 投井?這也奇了。」王夫人道:「原是前兒他把我一件東西弄壞了,我一時生氣,打了他幾下,攆了他下去。我只說氣他兩天,還叫他上來,誰知他這麼氣性大,就 投井死了。豈不是我的罪過。」寶釵嘆道:「姨娘是慈善人,固然這麼想。據我看來,他並不是賭氣投井。多半他下去住著,或是在井跟前憨頑,失了腳掉下去的。 他在上頭拘束慣了,這一出去,自然要到各處去頑頑逛逛,豈有這樣大氣的理!縱然有這樣大氣,也不過是個糊塗人,也不為可惜。」 王夫人點頭嘆道:「這話雖然如此說,到底我心不安。」寶釵嘆道:「姨娘也不必念念於茲,十分過不去,不過多賞他幾兩銀子發送他,也就盡主僕之情了。」王夫 人道:「剛纔我賞了他娘五十兩銀子,原要還把你妹妹們的新衣服拿兩套給他妝裹。誰知鳳丫頭說可巧都沒什麼新做的衣服,只有你林妹妹作生日的兩套。我想你林 妹妹那個孩子素日是個有心的,況且他也三災八難的,既說了給他過生日,這會子又給人妝裹去,豈不忌諱。因為這麼樣,我現叫裁縫趕兩套給他。要是別的丫頭, 賞他幾兩銀子也就完了,只是金釧兒雖然是個丫頭,素日在我跟前比我的女兒也差不多。」口裡說著,不覺淚下。寶釵忙道:「姨娘這會子又何用叫裁縫趕去,我前 兒倒做了兩套,拿來給他豈不省事。況且他活著的時候也穿過我的舊衣服,身量又相對。」王夫人道:「雖然這樣,難道你不忌諱?」寶釵笑道:「姨娘放心,我從 來不計較這些。」一面說,一面起身就走。王夫人忙叫了兩個人來跟寶姑娘去。 一時寶釵取了衣服回來,只見寶玉在王夫人旁邊坐著垂淚。王夫人正才說他,因寶釵來了,卻掩了口不說了。寶釵見此光景,察言觀色,早知覺了八分,於是將衣服交割明白。王夫人將他母親叫來拿了去。再看下回便知。
注释 |
Kapitel 32 Herzensgeständnisse verwirren den lebhaften Schatzjade Schande und Schmach treiben die leidenschaftliche Goldarmreif in den Tod Als Schatzjade [宝玉] also das Einhorn erblickte, war er überaus erfreut. Lächelnd streckte er die Hand danach aus und sagte: „Ein Glück, dass du es gefunden hast! Wo hast du es denn aufgelesen?" Xiangfluss-Wolke [史湘云] lachte und erwiderte: „Ein Glück, dass es nur so eine Kleinigkeit war! Stell dir vor, morgen verlierst du auch noch dein Amtssiegel — wirst du das etwa genauso leichtnehmen?" Schatzjade lachte: „Ein Amtssiegel zu verlieren, wäre halb so schlimm. Aber hätte ich das hier verloren, müsste ich glatt sterben!" Inzwischen hatte Dufthauch [袭人] Tee eingeschenkt und reichte ihn Xiangfluss-Wolke zum Trinken. Lächelnd sagte sie dabei: „Großes Fräulein, ich habe gehört, neulich gab es bei Euch frohe Nachricht!" [Anm.: Gemeint ist die Verlobung Xiangfluss-Wolkes.] Xiangfluss-Wolke errötete und trank schweigend ihren Tee, ohne zu antworten. „Jetzt auf einmal so schüchtern?" fragte Dufthauch. „Erinnert Ihr Euch noch, was wir vor zehn Jahren miteinander geredet haben, als wir drüben im Westgehöft auf dem warmen Ofenbett schliefen? Damals wart Ihr nicht schüchtern — warum seid Ihr es jetzt?" Xiangfluss-Wolke lachte: „Du hast gut reden! Damals haben wir uns so gut verstanden! Aber dann ist unsere gnädige Frau gestorben, und ich musste eine Weile zu Hause bleiben. Und als ich wiederkam, hatte man dich inzwischen dem Zweiten Herrn zugeteilt, und du warst zu mir nicht mehr so wie früher." Dufthauch erwiderte lächelnd: „Ihr habt gut reden! Früher hieß es ‚liebe Schwester' hier und ‚liebe Schwester' dort, und Ihr habt mich dazu gebracht, Euch zu kämmen und zu waschen und dies und jenes für Euch zu tun. Jetzt seid Ihr groß und gebt das gnädige Fräulein. Da wage ich es natürlich nicht mehr, Euch zu nahe zu treten!" „Amitabha Buddha, welch ein Unrecht!" rief Xiangfluss-Wolke. „Wenn ich so wäre, möchte ich auf der Stelle sterben! Schau doch nur — bei dieser Affenhitze bin ich hergekommen und musste unbedingt zuerst bei dir vorbeischauen. Wenn du mir nicht glaubst, frag Smaragdgrün [翠缕] — zu Hause erwähne ich ständig und bei jeder Gelegenheit deinen Namen!" Kaum hatte sie das gesagt, beschwichtigten Dufthauch und Schatzjade sie beide zugleich: „Es war doch nur ein Scherz, und du nimmst es gleich ernst! Immer noch derselbe Hitzkopf!" „Anstatt zuzugeben, dass deine Worte einem den Atem verschlagen, sagst du lieber, ich sei hitzig!" erwiderte Xiangfluss-Wolke. Dabei knotete sie ihr Taschentuch auf und reichte Dufthauch einen Ring. Dufthauch dankte überschwänglich und sagte lächelnd: „Die Ringe, die Ihr neulich Euren Kusinen geschickt habt — einen davon habe ich auch bekommen. Und heute bringt Ihr mir persönlich noch einen. Man sieht daran, dass Ihr mich nicht vergessen habt. Allein daran zeigt sich Euer wahres Herz, denn der Ring mag zwar nicht viel wert sein, aber Eure Aufrichtigkeit ist unbezahlbar." „Wer hat dir den gegeben?" wollte Xiangfluss-Wolke wissen. „Fräulein Schatzspange [宝钗]", antwortete Dufthauch. Xiangfluss-Wolke lachte: „Ich dachte, er wäre von Schwester Kajaljade [黛玉], aber er ist von Schwester Schatzspange! Tag für Tag denke ich zu Hause daran, dass es unter all den Schwestern keine Bessere gibt als Schwester Schatzspange. Schade nur, dass wir nicht dieselbe Mutter haben! Hätte ich eine leibliche ältere Schwester wie sie, dann könnte ich selbst den Verlust meiner Eltern verschmerzen." Bei diesen Worten röteten sich schon ihre Augenränder. „Genug! Genug! Lass das Thema!" warf Schatzjade ein. „Warum denn?" fragte Xiangfluss-Wolke. „Ich kenne ja dein Leiden — du hast Angst, deine Schwester Kajaljade könnte es hören und mir übelnehmen, dass ich Schwester Schatzspange lobe. Hab ich recht?" Dufthauch lachte leise auf und sagte: „Fräulein Xiangfluss-Wolke, seit Ihr erwachsen seid, redet Ihr noch offenherziger als früher!" Schatzjade meinte lächelnd: „Ich habe ja gleich gesagt, mit euch ist schwer reden — und wirklich!" „Das muss ich mir nicht anhören, lieber Vetter!" konterte Xiangfluss-Wolke. „Große Reden schwingst du nur uns gegenüber. Aber wenn du dein Kusinchen Kajaljade siehst, bist du plötzlich ganz anders!" „Hört jetzt auf mit dem Geplänkel", bat Dufthauch. „Es gibt nämlich etwas, worum ich dich bitten wollte." „Was denn?" fragte Xiangfluss-Wolke. „Ich habe ein Paar Schuhe angefangen," erklärte Dufthauch, „die Innensohlen sind schon durchbrochen und gefüttert. Aber mir geht es seit ein paar Tagen nicht gut, und ich konnte nicht daran weiterarbeiten. Hättest du Zeit, sie für mich fertigzumachen?" Xiangfluss-Wolke lachte: „Das ist ja merkwürdig! Ganz abgesehen von all den geschickten Mädchen bei euch, gibt es doch auch eigens Näherinnen und Schneiderinnen — warum soll ausgerechnet ich das machen? Wen du darum bittest, der traut sich doch nicht nein zu sagen." Dufthauch lächelte: „Ihr seid wieder einmal vergesslich! Wisst Ihr denn nicht, dass die Näharbeiten in unseren Räumen nicht von den Näherinnen gemacht werden?" Als Xiangfluss-Wolke das hörte, wusste sie, dass die Schuhe für Schatzjade bestimmt waren, und sagte lächelnd: „Wenn das so ist, nehme ich dir die Arbeit gerne ab. Aber nur unter einer Bedingung: Wenn sie für dich sind, mache ich sie; für jemand anderen kann ich es nicht." Dufthauch lachte: „Wie denn das? Was bin ich denn, dass ich es wagen könnte, Euch zum Schuhnähen zu bitten? Ehrlich gesagt, sie sind gar nicht für mich. Aber kümmert Euch nicht darum, für wen sie sind — Hauptsache, ich bin Euch dankbar." „Genau genommen habe ich schon unzählige Dinge für dich angefertigt", erwiderte Xiangfluss-Wolke. „Warum ich jetzt plötzlich nicht mehr will — den Grund kennst du bestimmt." „Den kenne ich wirklich nicht", sagte Dufthauch. Xiangfluss-Wolke lächelte verächtlich: „Neulich habe ich gehört, dass die Fächerhülle, die ich gemacht hatte, mit der von jemand anderem verglichen und dann vor Wut mit der Schere zerschnitten wurde. Ich weiß das schon längst, und du willst es mir immer noch verheimlichen! Und jetzt soll ich wieder nähen — bin ich etwa eure Sklavin?" Schatzjade schaltete sich rasch lächelnd ein: „Von der Sache neulich — ich wusste wirklich nicht, dass du die Fächerhülle gemacht hattest!" Auch Dufthauch lachte und erklärte: „Er wusste tatsächlich nicht, dass sie von Euch war. Ich hatte ihm weisgemacht, draußen gäbe es neuerdings ein Mädchen, das wunderschön sticken könne. Ich hätte sie gebeten, probeweise eine Fächerhülle zu machen, um zu sehen, wie gut sie sei. Er hat es geglaubt und die Hülle überall herumgezeigt. Irgendwie hat das dann Fräulein Kajaljade verärgert, und sie hat die Hülle mittendurch geschnitten. Als er nach Hause kam und mich drängte, schnell eine neue anfertigen zu lassen, habe ich ihm erst verraten, dass sie von Euch stammte. Wie hat er das bedauert!" „Das wird ja immer seltsamer!" sagte Xiangfluss-Wolke. „Warum musste Fräulein Kajaljade sich auch darüber aufregen? Wenn sie so geschickt mit der Schere umgeht, lass sie doch die Schuhe machen!" „Sie macht so etwas nicht!" erwiderte Dufthauch. „Dabei hat die Herzoginmutter schon jetzt Angst, sie könnte sich überanstrengen. Auch der Arzt sagt, sie müsse sich schonen und pflegen. Wer wollte ihr da Handarbeiten zumuten? Letztes Jahr hat sie das ganze Jahr über gerade mal ein einziges Duftsäckchen fertiggebracht, und dieses Jahr ist schon ein halbes Jahr vergangen, und man hat sie noch nicht einmal Nadel und Faden in die Hand nehmen sehen." Während sie noch sprachen, kam jemand mit der Meldung: „Der Herr aus der Xinglong-Straße ist da, und der gnädige Herr lässt den Zweiten Herrn bitten, hinauszugehen und den Gast zu empfangen." Schatzjade verstand sofort, dass Jia Regendorf [贾雨村] gekommen war, und war darüber höchst ungehalten. Dufthauch eilte sogleich, seine Kleidung zu holen. Während Schatzjade in seine Stiefel stieg, schimpfte er: „Es reicht doch, wenn der gnädige Herr ihm Gesellschaft leistet! Warum muss er mich jedes Mal sehen wollen?" Xiangfluss-Wolke schwenkte lächelnd ihren Fächer und sagte: „Natürlich weil du dich auf den Empfang von Gästen verstehst — deshalb lässt der gnädige Herr dich rufen." „Ach wo, das kommt nicht vom gnädigen Herrn", erwiderte Schatzjade. „Er selbst ist es, der jedes Mal darauf besteht, mich zu sehen." Xiangfluss-Wolke lachte: „‚Ist der Wirt von Adel, kommt der Gast gern wieder.' Du musst irgendwelche Vorzüge haben, die ihn anziehen, sonst würde er nicht ständig nach dir verlangen." „Lass das! Lass das!" wehrte Schatzjade ab. „Ich wage nicht, mich als vornehm zu bezeichnen — ich bin der Gewöhnlichste unter den Gewöhnlichen und habe nicht das geringste Verlangen nach Umgang mit solchen Leuten." Xiangfluss-Wolke lachte: „Du hast dich immer noch nicht geändert! Jetzt bist du schon groß — selbst wenn du keine Lust hast, für die Beamtenprüfungen zu lernen und den Juren- oder Jinshi-Grad zu erwerben, solltest du doch häufiger mit Leuten verkehren, die im Staatsdienst stehen, und dich mit ihnen über Fragen der Laufbahn und Verwaltung unterhalten [Anm.: 仕途经济, wörtl. ‚Karriere und Wirtschaft' — die konfuzianische Ideal-Beschäftigung eines Gelehrten]. So könntest du dich auf das Leben in der Welt vorbereiten und dir Freunde machen. Stattdessen treibst du dich jahraus, jahrein nur in unserer Mädchenrunde herum!" Als Schatzjade das hörte, sagte er: „Das Fräulein möge sich bitte in die Gemächer der Kusinen begeben. Meine bescheidene Hütte hier könnte ihr wirtschaftswissenschaftliches Wissen besudeln." Dufthauch schaltete sich ein: „Fräulein Xiangfluss-Wolke, hört lieber auf mit solchen Reden! Letztens hat auch Fräulein Schatzspange einmal dasselbe gesagt. Er hat sich nicht im Geringsten darum geschert, ob er sie damit vor den Kopf stößt, sondern hat sich nur geräuspert und ist aufgestanden und davonmarschiert. Fräulein Schatzspange hatte nicht einmal ausgesprochen, und als sie sah, dass er ging, ist sie vor Scham ganz rot geworden — sagen konnte sie nichts, und schweigen auch nicht. Ein Glück, dass es Fräulein Schatzspange war! Wäre es Fräulein Kajaljade gewesen, wer weiß, was die für einen Aufstand gemacht und wie sie geweint hätte! Wenn ich daran denke — Fräulein Schatzspange verdient wirklich allen Respekt! Sie hat sich einen Moment geschämt und ist dann gegangen. Ich machte mir Vorwürfe und dachte, nun sei sie böse. Aber hinterher war sie wieder genauso freundlich wie immer. Was für eine Nachsicht, was für ein großes Herz! Er aber hat sie deswegen noch kühler behandelt als zuvor. Und wenn du Fräulein Kajaljade so brüskiert und so über sie hinweggesehen hättest — weißt du, wie oft du dich hättest entschuldigen müssen?" Das Letzte richtete sie direkt an Schatzjade. „Fräulein Kajaljade hat nie solchen Unsinn geredet!" erklärte Schatzjade. „Hätte sie je solchen Unsinn geredet, hätte ich mich schon längst von ihr abgewandt." Dufthauch und Xiangfluss-Wolke nickten lächelnd und sagten: „Da hast du recht, es ist tatsächlich Unsinn." Nun muss man wissen, dass Kajaljade [黛玉] erfahren hatte, dass Xiangfluss-Wolke hier weilte und Schatzjade sogleich zu ihr geeilt war — gewiss, um ihr von dem Einhorn zu erzählen. Deshalb ging ihr allerlei durch den Sinn: In den inoffiziellen Geschichten und Abenteuerromanen, die Schatzjade in letzter Zeit aufgetrieben hatte, fanden die begabten Jünglinge und schönen Mädchen zumeist durch irgendeinen niedlichen Gegenstand zueinander — sei es ein gesticktes Mandarinenentenpaar, sei es ein Phönix, ein jadener Ring oder ein goldener Anhänger, ein Tüchlein aus Wassermannseide oder ein bestickter Gürtel. Stets war es ein kleines Ding, das am Anfang stand, und am Ende hatte es über das ganze Leben entschieden. Da Schatzjade nun plötzlich ebenfalls ein Einhorn besaß, fürchtete sie, dies könnte zum Anlass werden, dass zwischen ihm und Xiangfluss-Wolke jene Art von romantischer Liebesgeschichte entstand. Darum schlich sie sich leise heran, um die Lage zu erkunden und die wahren Absichten der beiden zu ergründen. Kaum war sie angekommen, hörte sie, wie Xiangfluss-Wolke über Karriere und Verwaltung sprach und wie Schatzjade daraufhin sagte: „Fräulein Kajaljade hat nie solchen Unsinn geredet. Hätte sie das, hätte ich mich schon längst von ihr abgewandt." Als Kajaljade diese Worte vernahm, durchfuhren sie unwillkürlich Freude und Erschrecken, Trauer und Wehmut zugleich. Die Freude kam daher, dass sie sich nicht geirrt hatte: Sie hatte ihn stets für einen Seelenverwandten gehalten, und er war tatsächlich ein Seelenverwandter. Das Erschrecken kam daher, dass er vor aller Ohren sein Herz für sie öffnete und sie lobte — so vertraut, so innig, ohne jede Scheu vor Verdächtigungen. Die Wehmut kam daher, dass sie dachte: Wenn du mein Seelenverwandter bist, bin natürlich auch ich die deine. Und wenn wir einander so gut kennen — wozu dann die Prophezeiung von Gold und Jade? [Anm.: Die Prophezeiung besagt, dass Schatzjades goldenes Amulett und Schatzspanges jadener Haarschmuck sie füreinander bestimmen.] Und wenn es schon eine solche Prophezeiung geben muss, so sollte sie doch für uns beide gelten — wozu dann noch eine Schatzspange? Die Trauer kam daher, dass ihre Eltern früh gestorben waren und niemand da war, der die tief in ihrem Herzen eingegrabenen Worte für sie zur Geltung bringen konnte. Zudem hatte sie in letzter Zeit bemerkt, wie ihr Geist immer verwirrter wurde und ihre Krankheit sich zusehends verschlimmerte. Der Arzt hatte gesagt, ihre Lebenskraft sei geschwächt und ihr Blut erschöpft — es drohe Auszehrung. Selbst wenn sie und Schatzjade Seelenverwandte waren — sie fürchtete, nicht mehr lange leben zu können. Mochte er ihr Seelenverwandter sein — was half es gegen ihr bitteres Schicksal! Bei diesem Gedanken rollten ihr unwillkürlich die Tränen über die Wangen. Sie mochte nicht mehr eintreten und sich sehen lassen — es schien ihr sinnlos. So wischte sie sich mit der einen Hand die Tränen ab und kehrte mit der anderen um, um davonzugehen. Unterdessen war Schatzjade eilig in seine Kleider geschlüpft und nach draußen getreten. Da erblickte er vor sich Kajaljade, die langsam dahinschritt und sich offenbar Tränen abzuwischen schien. Rasch holte er sie ein und fragte lächelnd: „Wohin gehst du, Kusinchen? Warum weinst du schon wieder? Wer hat dich gekränkt?" Kajaljade wandte den Kopf und sah, dass es Schatzjade war. Mit einem erzwungenen Lächeln sagte sie: „Mir fehlt nichts, ich habe doch gar nicht geweint." Schatzjade lachte: „Sieh nur — die Tränen auf deinen Wimpern sind noch nicht getrocknet, und du willst mir etwas vorschwindeln!" Während er das sagte, konnte er nicht anders und hob die Hand, um ihr die Tränen abzuwischen. Sofort wich Kajaljade ein paar Schritte zurück und rief: „Willst du sterben? Was fällt dir ein, so zudringlich zu werden!" Schatzjade lachte: „Im Reden habe ich mich vergessen und ohne nachzudenken die Hand gehoben — da schert man sich nicht um Leben und Tod." Kajaljade erwiderte: „Wenn du stirbst, ist das nicht weiter schade. Nur — was wird dann aus dem ‚Gold' und dem Einhorn, die du zurücklassen musst?" Diese Worte versetzten Schatzjade erneut in Aufregung. Er trat einen Schritt näher und fragte: „Fängst du schon wieder damit an? Willst du mich verfluchen oder mir Vorwürfe machen?" Erst da fiel Kajaljade das Gespräch von neulich wieder ein, und sie bereute, wieder etwas Unüberlegtes gesagt zu haben. Rasch lächelte sie und sagte: „Reg dich nicht auf! Ich habe mich wirklich versprochen. Was gibt es da, dass dir die Adern an den Schläfen schwellen und dein Gesicht vor Aufregung schweißüberströmt ist?" Während sie das sagte, konnte sie nicht anders, trat näher und streckte die Hand aus, um ihm den Schweiß von der Stirn zu wischen. Schatzjade blickte sie lange an, dann brachte er endlich die drei Worte hervor: „Sei ganz unbesorgt." Als Kajaljade das hörte, war sie eine Weile wie erstarrt, dann sagte sie: „Was soll das heißen — unbesorgt? Ich verstehe nicht, was du meinst. Erkläre mir doch, worüber ich besorgt oder unbesorgt sein sollte." Schatzjade seufzte und fragte: „Verstehst du das wirklich nicht? War denn alles, was ich die ganze Zeit für dich empfunden habe, vergeblich? Wenn du nicht einmal meine Gefühle spürst, ist es kein Wunder, dass du dich Tag für Tag über mich ärgerst." „Ich verstehe wirklich nicht, was du mit ‚besorgt' oder ‚unbesorgt' meinst", beharrte Kajaljade. Schatzjade nickte und sagte seufzend: „Täusch mich nicht, liebste Kusine. Wenn du das wirklich nicht verstehst, dann waren nicht nur all meine Gedanken an dich umsonst, sondern auch all deine Gedanken an mich wären vergebens gewesen. Du bist nur deshalb so krank geworden, weil du dir stets Sorgen machst. Wenn du nur ein wenig gelassener wärst, würde deine Krankheit nicht von Tag zu Tag schlimmer." Als Kajaljade diese Worte hörte, war es, als träfe sie ein Donnerschlag, als führe ein Blitz in sie. Sie durchdachte sie genau und fand, dass sie noch aufrichtiger klangen, als hätte man sie ihr aus dem tiefsten Innern herausgeholt. Zehntausend Worte drängten sich in ihrem Herzen, zehntausend Sätze wollte sie sagen — doch nicht eine halbe Silbe kam über ihre Lippen. So starrte sie ihn nur stumm an. Auch Schatzjade hatte zehntausend Worte im Herzen, wusste aber nicht, mit welchem er beginnen sollte, und so starrte auch er nur stumm Kajaljade an. So standen sie einander lange Zeit gegenüber. Dann stieß Kajaljade nur einen leisen Seufzer aus, und ohne dass sie es wollte, rollten ihr die Tränen über die Wangen. Sie wandte sich um und wollte gehen. Schatzjade eilte ihr nach und hielt sie am Ärmel fest: „Liebste Kusine, bleib doch einen Augenblick! Lass mich nur noch einen einzigen Satz sagen, dann darfst du gehen." Kajaljade wischte sich mit der einen Hand die Tränen ab und schob mit der anderen seine Hand weg: „Was gibt es da noch zu sagen? Was du mir sagen willst, weiß ich längst!" Während sie das sagte, ging sie, ohne sich auch nur einmal umzublicken, davon. Schatzjade blieb stehen und versank in Gedanken. Als er vorhin eilig hinausgegangen war, hatte er vergessen, seinen Fächer mitzunehmen. Dufthauch, die fürchtete, ihm könnte heiß werden, ergriff den Fächer und eilte ihm nach. Als sie aufsah, erblickte sie Kajaljade bei ihm stehen. Im nächsten Moment ging Kajaljade davon, doch Schatzjade stand immer noch reglos da. Also trat Dufthauch zu ihm und sagte: „Du bist ohne Fächer losgegangen. Ein Glück, dass ich es bemerkt und ihn dir nachgebracht habe." Schatzjade aber war so in Gedanken versunken, dass er gar nicht wahrnahm, wer zu ihm sprach. Er ergriff ihre Hand und sagte: „Liebste Kusine! Was ich auf dem Herzen habe, habe ich mich nie zu sagen getraut, aber heute will ich es wagen. Und sollte ich dafür sterben, bin ich bereit! Deinetwegen bin ich ganz krank geworden, doch ich wage es niemandem zu sagen und muss es vor allen verbergen. Erst wenn deine Krankheit geheilt ist, wird auch die meine besser werden. Im Schlaf und im Traum — nie kann ich dich vergessen!" Als Dufthauch diese Worte hörte, verlor sie beinahe die Besinnung und rief: „Allmächtiger Bodhisattva! Das bringt mich ins Grab!" Dann stieß sie ihn an und rief: „Was redest du da? Du musst von Sinnen sein! Geh jetzt endlich!" Da erwachte Schatzjade wie aus einem Traum und erkannte, dass es Dufthauch war, die ihm den Fächer gebracht hatte. Vor Scham lief er bis in die Haarwurzeln rot an, riss ihr den Fächer aus der Hand und rannte davon. Als Dufthauch ihn fortlaufen sah, war ihr klar, dass seine Worte Kajaljade gegolten hatten. Wenn es so stand, waren in Zukunft Verfehlungen kaum zu vermeiden — ein beängstigender, ein erschreckender Gedanke. Ganz benommen standen ihr die Tränen in den Augen, und insgeheim begann sie darüber nachzusinnen, wie sich dieses drohende Unheil abwenden ließe. Während Dufthauch noch grübelnd dastand, kam plötzlich Schatzspange [宝钗] des Weges und fragte lächelnd: „Was stehst du hier in der sengenden Sonne und bist so in Gedanken versunken?" Als Dufthauch die Frage hörte, erwiderte sie rasch mit einem Lächeln: „Dort drüben haben sich zwei Spatzen gezankt — das war so lustig, dass ich ganz gefesselt war." „Wohin ist mein Vetter Schatzjade eben so eilig gelaufen, ganz festlich angekleidet?" fragte Schatzspange. „Ich habe ihn gerade vorbeigehen sehen und wollte ihn schon anrufen, aber seine Reden sind in letzter Zeit noch wirrer geworden, also habe ich ihn gehen lassen." „Der gnädige Herr hat ihn rufen lassen", erklärte Dufthauch. „Ach du meine Güte!" sagte Schatzspange sogleich besorgt. „Bei dieser glühenden Hitze — wozu lässt er ihn rufen? Er wird ihm doch nicht etwas vorhalten wollen, das ihm eingefallen ist, und ihn zur Rede stellen?" „Nein, nein", erwiderte Dufthauch lächelnd. „Es ist wohl ein Gast da, den er empfangen soll." Schatzspange lachte: „Was für ein Gast! Bei dieser Sommerhitze kann man doch zu Hause bleiben und sich abkühlen, anstatt herumzulaufen!" Dufthauch lachte: „Das sagt Ihr!" Dann fragte Schatzspange: „Was macht denn Xiangfluss-Wolke bei euch?" Dufthauch lächelte: „Wir haben ein Weilchen geplaudert. Übrigens — die Schuhe, die ich neulich geklebt habe, wollte ich ihr geben, damit sie sie morgen fertigstellt." Als Schatzspange das hörte, blickte sie sich nach beiden Seiten um. Da niemand in der Nähe war, sagte sie lächelnd: „So ein verständiger Mensch wie du — und dann auf einmal kein Gespür für die Lage eines anderen! Ich habe in letzter Zeit Xiangfluss-Wolkes Miene und Stimmung beobachtet und auch einiges gehört, was einem der Wind so zuträgt. Das arme Kind — zu Hause hat sie rein gar nichts zu bestimmen! Ihre Familie scheut die Kosten für Näherinnen und Schneider, und so müssen die Frauen im Haushalt so ziemlich alles selbst machen. Warum hätte sie mir sonst bei ihren letzten Besuchen, als wir unter uns waren, gesagt, sie müsse sich zu Hause so abrackern? Und als ich sie ein wenig nach ihrem Alltagsleben fragte, bekam sie rote Augenränder und hat nur noch gestammelt. Wenn man ihre Lage bedenkt — sie hat eben von klein auf unter dem Verlust ihrer Eltern gelitten. Wenn ich sie so ansehe, wird mir unwillkürlich das Herz schwer." Dufthauch schlug die Hände zusammen und rief: „Natürlich, natürlich! Da ist es auch kein Wunder! Letzten Monat habe ich sie gebeten, mir zehn Schmetterlings-Zierknoten zu knüpfen. Es hat ewig gedauert, bis sie jemanden damit hergeschickt hat, und sie ließ mir noch ausrichten: ‚Die Knoten sind etwas grob geraten, nehmt sie lieber für weniger Feines. Wenn ihr hübschere wollt, wartet, bis ich das nächste Mal bei euch zu Besuch bin, dann mache ich sie ordentlich.' Nach dem, was Ihr mir gerade erzählt habt, war es ihr bestimmt peinlich, meine Bitte abzulehnen, und dann hat sie zu Hause bis tief in die Nacht daran gesessen. Wie dumm von mir! Hätte ich das gewusst, hätte ich sie gar nicht erst darum gebeten!" „Beim letzten Mal hat sie mir erzählt," ergänzte Schatzspange, „dass sie zu Hause bis in die tiefe Nacht arbeiten muss. Und wenn sie einmal eine Kleinigkeit für jemand Außenstehendes anfertigt, sind die gnädigen Frauen dort alles andere als erfreut." „Unser eigensinniger junger Herr will aber partout keine der größeren oder kleineren Handarbeiten von unseren hauseigenen Näherinnen machen lassen — und ich allein schaffe das nicht", klagte Dufthauch. Schatzspange lächelte: „Kümmere dich nicht um ihn! Lass die Sachen ruhig von anderen machen und sag ihm einfach, du hättest sie selbst gemacht." Dufthauch seufzte lächelnd: „Das lässt sich bei ihm nicht machen — gerade er erkennt sofort, wer etwas gearbeitet hat. Da bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich so gut es geht selbst damit abzumühen." „Nur keine Hast!" sagte Schatzspange lächelnd. „Wie wäre es, wenn ich dir einiges davon abnähme?" Dufthauch strahlte: „Wenn Ihr das wirklich meint, wäre das ein wahrer Segen für mich! Heute Abend bringe ich die Sachen persönlich zu Euch hinüber." Sie hatte den Satz noch nicht beendet, als plötzlich eine alte Dienerin herbeigelaufen kam und keuchend sagte: „Was sagt ihr dazu! Fräulein Goldarmreif [金钏] hat sich mir nichts, dir nichts im Brunnen ertränkt!" Dufthauch erschrak zutiefst und fragte hastig: „Welche Goldarmreif?" „Wie viele Goldarmreifs gibt es denn?" erwiderte die Alte. „Natürlich die aus den Gemächern der gnädigen Frau! Vorgestern ist sie, warum auch immer, hinausgeworfen worden und hat zu Hause nur geweint und geweint, aber keiner hat sich um sie gekümmert. Dann war sie plötzlich verschwunden. Eben hat einer der Wasserträger, als er am Brunnen in der Südostecke Wasser schöpfen wollte, eine Leiche entdeckt. Er rief sofort um Hilfe, und als sie die Leiche herausgezogen hatten, erkannte man sie. Die Familie versucht noch, sie wiederzubeleben, aber es ist wohl vergeblich." „Das ist ja furchtbar!" sagte Schatzspange. Dufthauch nickte betrübt und seufzend. Sie dachte an ihre herzliche Freundschaft mit Goldarmreif, und unwillkürlich flossen ihr die Tränen. Schatzspange aber eilte sogleich zu Dame König [王夫人], um sie zu trösten. Dufthauch kehrte in ihre Gemächer zurück, und es soll jetzt nicht weiter von ihr die Rede sein. Als Schatzspange bei Dame König eintrat, herrschte dort Totenstille. Dame König saß allein im inneren Zimmer und weinte. Schatzspange mochte den Vorfall nicht anschneiden und setzte sich einfach neben sie. „Woher kommst du?" fragte Dame König. „Aus dem Garten", antwortete Schatzspange. „Hast du deinen Vetter Schatzjade im Garten gesehen?" fragte Dame König weiter. „Eben noch habe ich ihn gesehen," antwortete Schatzspange. „Er war fertig angekleidet und hat den Garten verlassen. Wohin er ging, weiß ich nicht." Dame König nickte und sagte unter Tränen: „Weißt du, was Schreckliches geschehen ist? Goldarmreif hat sich plötzlich im Brunnen ertränkt!" „Warum hat sie das nur getan?" fragte Schatzspange bestürzt. „Das ist ja entsetzlich!" Dame König erzählte: „Vorgestern hat sie mir einen Gegenstand beschädigt. Da wurde ich wütend, habe ihr ein paar Ohrfeigen gegeben und sie hinausgeschickt. [Anm.: Die wahre Ursache war, dass Dame König Goldarmreif bei einem zweideutigen Gespräch mit Schatzjade ertappte — vgl. Kap. 30.] Ich wollte nur ein paar Tage mit ihr böse sein und sie dann wieder zurückholen lassen. Wer hätte gedacht, dass sie so empfindlich ist und sich in den Brunnen stürzt! Bin nicht ich daran schuld?" Schatzspange seufzte: „Ihr seid ein gütiger Mensch, Tante, darum denkt Ihr so. Aber meiner Meinung nach hat sie sich gar nicht aus Trotz in den Brunnen gestürzt. Wahrscheinlich ist sie, als sie draußen war und am Brunnenrand spielte, ausgerutscht und hineingefallen. Sie war hier drinnen immer streng gehalten worden, und kaum war sie draußen, wollte sie natürlich überall herumstreifen und spielen. Welchen Grund hätte sie für solch maßlosen Zorn gehabt? Und selbst wenn sie es im Zorn getan haben sollte, war sie nichts weiter als ein Dummkopf, dem kein Mitleid gebührt." Dame König nickte seufzend: „Das stimmt schon, und dennoch finde ich in meinem Herzen keine Ruhe." Schatzspange erwiderte seufzend: „Aber Ihr dürft Euch auch nicht so damit quälen, Tante. Gebt einfach ein paar Liang Silber mehr für ein anständiges Begräbnis, und damit ist die Pflicht einer Herrin gegenüber ihrer Dienerin erfüllt." Dame König sagte: „Eben habe ich ihrer Mutter schon fünfzig Liang geschenkt. Eigentlich wollte ich auch noch zwei Garnituren neue Kleider von einem meiner Mädchen nehmen, um Goldarmreif für die Aufbahrung einzukleiden. Aber Phönixglanz [凤姐, 王熙凤] hat mir gesagt, es gäbe zufällig keine neuen Kleider vorrätig — nur die zwei Garnituren, die für den Geburtstag deiner Kusine Kajaljade bestimmt seien. Nun kenne ich aber dieses Kind — sie ist immer so abergläubisch, und außerdem hat sie seit jeher alle möglichen Leiden und Gebrechen. Da hat man ihr versprochen, die Kleider für ihren Geburtstag zu machen — und jetzt soll man sie einer Toten mitgeben? Das wird sie bestimmt für ein böses Omen halten. Deshalb habe ich angeordnet, den Schneider schnell zwei Garnituren anfertigen zu lassen. Bei einem anderen Mädchen hätte ich es bei ein paar Liang Silber bewenden lassen, aber Goldarmreif — obwohl sie nur ein Dienstmädchen war, war sie für mich beinahe wie eine eigene Tochter." Bei diesen Worten rannen ihr erneut die Tränen über die Wangen. Schatzspange sagte rasch: „Wozu Tante den Schneider bemühen und in aller Eile etwas anfertigen lassen? Ich habe neulich erst zwei komplette Garnituren nähen lassen. Die bringe ich her — wäre das nicht einfacher? Zumal sie, als sie noch lebte, auch meine getragenen Kleider aufgetragen hat und unsere Maße ungefähr übereinstimmen." Dame König zögerte: „Das ist zwar lieb von dir, aber empfindest du das nicht als ein schlechtes Zeichen?" Schatzspange lächelte: „Keine Sorge, Tante! Um solche Dinge habe ich mir noch nie Gedanken gemacht." Mit diesen Worten stand sie auf und ging. Dame König rief sogleich zwei Dienerinnen und befahl ihnen: „Begleitet Fräulein Schatzspange!" Als Schatzspange kurze Zeit später mit den Kleidern zurückkam, sah sie Schatzjade neben Dame König sitzen und weinen. Dame König war gerade dabei gewesen, ihn zu schelten, doch als Schatzspange eintrat, hielt sie inne und sprach nicht weiter. Bei diesem Anblick konnte sich Schatzspange nach Worten und Mienen die Sache zu acht Zehnteln zusammenreimen. Sie übergab die Kleider Stück für Stück, und Dame König ließ Goldarmreifs Mutter rufen, damit diese sie abholte. Was weiter geschah, wird im nächsten Kapitel erzählt. |