Hongloumeng/de/Chapter 61
Kapitel 61 Aus Furcht, beim Rattenfang die Jadevase zu beschädigen, vertuscht Schatzjade [宝玉] den Diebstahl Einen ungerechten Fall entscheidend, übt Friedchen [平儿] weise Autorität aus
Die Frau Liu [1] lachte und sagte: „Du Affenbalg! Deine leibliche Tante hat sich einen Liebhaber gesucht, da hättest du doch einen Onkel dazugewonnen — was gibt es da zu zweifeln! Soll ich dir etwa die paar Haare vom Kopf reißen! Machst du mir nun die Tür auf und lässt mich hinein oder nicht?" Der kleine Bursche öffnete die Tür noch nicht, sondern hielt sie fest und sagte lachend: „Gute Tante, wenn du jetzt hineingehst, stiehl mir wenigstens ein paar Aprikosen und bring sie mir zum Essen heraus. Ich warte hier. Wenn du es vergisst, dann öffne ich dir künftig mitten in der Nacht, wenn du Wein oder Öl holen willst, nicht mehr die Tür und antworte dir auch nicht — dann kannst du rufen, so viel du willst." Frau Liu spuckte aus und sagte: „Du bist ja ganz verrückt! Dieses Jahr ist es nicht wie in früheren Jahren — die ganzen Sachen sind unter die verschiedenen Damen aufgeteilt worden. Eine jede von ihnen ist versessen darauf; kaum geht jemand unter einem Baum vorbei, glotzen sie schon wie eine Fasanenhenne, und wehe, man rührt das Obst an! Gestern erst ging ich unter dem Pflaumenbaum entlang, da flog mir zufällig eine Biene ins Gesicht, ich wedelte mit der Hand — und prompt hatte deine werte Tante mütterlicherseits es gesehen. Von weitem konnte sie es nicht genau erkennen und meinte, ich pflückte Pflaumen. Da fing sie gleich an, mit schriller Stimme zu schreien: ‚Die sind noch nicht den Buddhas geopfert worden!' und ‚Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind noch nicht zu Hause, die Früchte sind noch nicht nach oben gebracht worden; wenn das geschehen ist, bekommen die Schwägerinnen alle ihren Anteil!' — Gerade als ob jemand vor Gier darauf lauerte, dass die Pflaumen reiften! Da blieb mir auch nichts Gutes zu sagen übrig, und ich habe sie gehörig zurechtgewiesen. Deine Tante mütterlicherseits und zwei, drei Verwandte der Konkubinen haben ja alle die Aufsicht — warum gehst du nicht zu denen und bittest sie, sondern kommst zu mir! Das ist ja wie das Sprichwort sagt: ‚Die Lagerratte bittet die Krähe um Getreide — die, die es bewacht, hat keins, aber die, die fliegt, soll welches haben!'"
Der kleine Bursche lachte: „Na na na, wenn es eben nichts gibt, dann eben nicht — wozu all das Geschwätz! Ich sehe wohl, du wirst mich künftig nicht mehr brauchen? Wenn Schwester erst einen guten Posten hat, werden die Tage, an denen ihr mich herbeiruft, noch zahlreicher — ich muss nur bereitwillig sein, und alles wird gut." Frau Liu hörte das und lachte: „Du kleiner Affengeist, was führst du wieder im Schilde — was für einen guten Posten soll deine Schwester denn haben?" Der kleine Bursche lachte: „Versucht nicht, mich zu täuschen, ich weiß längst Bescheid. Nicht nur ihr habt Verbindungen nach drinnen — haben wir etwa keine? Ich mag hier draußen nur Handlangerdienste tun, aber drinnen habe ich auch zwei Schwestern, die etwas zu sagen haben — welche Angelegenheit bliebe uns wohl verborgen!"
Während sie noch redeten, rief eine alte Dienerin von drinnen heraus: „Ihr kleinen Affen, holt schnell eure Tante Liu herbei! Wenn sie nicht bald kommt, ist es zu spät!" Frau Liu hörte das und kümmerte sich nicht mehr um das Gespräch mit dem Burschen, sondern drängte eilig durch die Tür und sagte lachend: „Nur keine Eile, ich bin schon da." Dabei begab sie sich in die Küche — obwohl dort etliche Mitarbeiterinnen waren, wagte keine von ihnen, eigenmächtig zu handeln; alle warteten, dass sie kam, um die Dinge zu regeln und zu verteilen — und fragte die Anwesenden: „Wo ist Fünfchen hingegangen?" Alle sagten: „Sie ist gerade in die Teestube gegangen, um ihre Schwestern zu suchen."
Als Frau Liu das hörte, stellte sie den Porlingsschnee [2] beiseite und verteilte gemäß den jeweiligen Gemächern die Speisen. Da kam plötzlich die kleine Dienerin Lotusblümchen aus Willkommensfrühling [迎春]s Gemach und sagte: „Schwester Schachspielerin[3] [司棋] hat gesagt, sie möchte eine Schale Eier, ganz zart gedünstet." Frau Liu erwiderte: „Was für eine vornehme Dame! Ich weiß nicht, wie es kommt, aber dieses Jahr sind die Eier so knapp — man bekommt sie für zehn Kupferstücke das Stück noch nicht. Gestern sollte man den Verwandten Congee-Reis schicken; vier oder fünf Einkäufer gingen los und brachten mit Müh und Not zweitausend Stück zusammen. Wo soll ich die herzaubern? Sag ihr, ein andermal." Lotusblümchen sagte: „Neulich hat sie Tofu verlangt, und du hast ihr verdorbenen gebracht — dafür hat sie mich gehörig ausgescholten. Heute verlangt sie Eier und es gibt wieder keine. Was sind das schon für kostbare Sachen! Ich kann einfach nicht glauben, dass es nicht einmal Eier geben soll — lass mich nur nicht selbst welche heraussuchen kommen!" Dabei kam sie wirklich herbei, öffnete den Vorratsbehälter und sah, dass darin tatsächlich etwa zehn Eier lagen. Sie rief: „Sind die etwa nichts? Du bist wirklich unverschämt! Das Essen gehört den Herrschaften, es steht uns zu — warum tut es dir leid? Du hast die Eier ja nicht selbst gelegt, und trotzdem fürchtest du, dass jemand sie isst!"
Frau Liu warf hastig ihre Arbeit hin, kam herüber und sagte: „Halt dein ungewaschenes Maul! Deine Mutter hat die Eier gelegt! Die paar verbliebenen hier sind für die Beilagen zu den Speisen reserviert. Selbst wenn die Fräulein sie nicht verlangen, mag ich sie nicht einmal als Gericht zubereiten — sie sind für Notfälle aufgehoben. Wenn ihr sie aufesst und dann plötzlich welche verlangt werden, gibt es nichts Ordentliches mehr, nicht einmal mehr Eier. Ihr lebt in euren tiefen Gemächern und großen Häusern, streckt die Hand aus, wenn Wasser kommt, und öffnet den Mund, wenn das Essen da ist — ihr wisst nur, dass Eier gewöhnliche Dinge sind, aber von den Marktpreisen draußen habt ihr keine Ahnung. Das ist noch gar nichts — es gab Jahre, da waren nicht einmal mehr Graswurzeln zu haben. Ich sage ihnen: feiner Reis und weißer Reis, jeden Tag fette Hühner und große Enten — da könnten sie doch zufrieden sein! Wenn sie davon genug haben, fangen sie jeden Tag neue Geschichten an: Eier, Tofu, dann noch Weizengluten, eingemachte Rettichschnitzel — allesamt wollen sie den Geschmack abwechseln. Nur bin ich doch nicht euer Dienstmädchen; jedes Gemach verlangt etwas anderes, das sind schon zehn verschiedene Dinge. Dann bräuchte ich mich gar nicht mehr um die eigentlichen Herrschaften zu kümmern und könnte ausschließlich euch Dienerinnen zweiten Ranges versorgen!"
Lotusblümchen hörte das und errötete, rief: „Wer verlangt denn jeden Tag etwas von dir? Du hältst zwei Wagenladungen Reden! Wenn man dich herbeiruft, dann doch nicht, um dich zu schikanieren, sondern der Bequemlichkeit wegen! Neulich kam Xiaoyan und sagte, Schwester Heitermuster [晴雯] möchte Beifuß-Sprossen essen. Da warst du ganz eifrig und fragtest noch, ob sie die mit Fleisch oder Huhn gebraten haben wollte! Xiaoyan sagte: ‚Eben weil das Fleischige nicht gut war, bat sie dich, ihr Weizengluten zu braten, mit wenig Öl.' Da sagtest du eiligst, du seist ganz verwirrt, wuschest schnell die Hände und brietest es, und wie ein wedelnder Hund trugst du es persönlich hin. Heute aber benutzt du mich als Sündenbock und erzählst das vor allen Leuten!" Frau Liu sagte hastig: „Amitabha! Alle hier können das bezeugen. Nicht nur jenes eine Mal — seit vorletztem Jahr, als ich die Küche übernahm, hat jedes Mal, wenn in irgendeinem Gemach ein Fräulein oder eine Zofe zusätzlich ein halbes Gericht verlangte, immer zuerst jemand Geld gebracht, und ich habe eigens dafür eingekauft. Ohne jeden Grund heißt es, ich hätte es in der Fräulein-Küche bequem und es bliebe etwas übrig — aber wenn man nachrechnet, wird einem ganz übel: Für alle Fräulein und Zofen, vierzig bis fünfzig Personen zusammen, bekomme ich am Tag nur zwei Hühner, zwei Enten, etwa zehn Pfund Fleisch und für einen Faden Kupferstücke Gemüse. Rechnet selbst — wofür reicht das? Nicht einmal die zwei regulären Mahlzeiten lassen sich davon bestreiten, geschweige denn, dass die eine dies bestellt und die andere jenes, und was gekauft wurde, essen sie nicht und wollen etwas anderes. Wenn es schon so ist, dann soll man doch der Gnädigen Frau berichten, den Etat erhöhen, und so wie in der Großen Küche für die Alte Herrin alles vorhandene Gemüse auf Holztafeln aufschreiben und jeden Tag der Reihe nach durchessen; am Monatsende wird dann abgerechnet — das wäre besser. Sogar neulich, als das Dritte Fräulein und Fräulein Bao zufällig vereinbarten, einmal mit Öl und Salz gebratene Goji-Sprossen essen zu wollen, schickten sie gleich ein Mädchen mit fünfhundert Kupferstücken zu mir. Da musste ich lachen und sagte: ‚Selbst wenn die beiden Fräulein ein dickbäuchiger Maitreya-Buddha wären, könnten sie nicht für fünfhundert Kupferstücke davon essen. Für diese zwanzig, dreißig Kupferstücke kann ich schon aufkommen.' Eilig brachte ich das Geld zurück, aber sie nahmen es nicht an und sagten, ich solle mir davon Wein kaufen. Dann sagten sie noch: ‚Jetzt, wo die Küche hier im Inneren ist, lässt es sich nicht vermeiden, dass die Leute vom Haus kommen und bald Salz, bald Soße holen — alles kostet ja Geld. Wenn du es ihnen nicht gibst, ist es schlecht; gibst du es, kannst du es nicht ersetzen. Nimm dies Geld als Ausgleich für die Sachen, die sie dir gewöhnlich abzapfen.' Das sind wahrhaft verständige und rücksichtsvolle Fräulein — wir können in unserem Herzen nur ein Gebet für sie sprechen! Ohne Grund hat es die Konkubine Zhao dann gehört und war unzufrieden, sagte, ich hätte es zu gut; keine zehn Tage vergehen, ohne dass sie auch ein Dienstmädchen schickt, das bald dies, bald jenes verlangt — da muss ich wirklich lachen. Ihr macht es schon zur Gewohnheit: Wenn es nicht das eine ist, ist es das andere — wo soll ich das alles herholen?"
Mitten in dem Durcheinander schickte Schachspielerin erneut jemanden, um Lotusblümchen anzutreiben, und ließ sagen: „Bist du dort gestorben? Warum kommst du nicht zurück?" Lotusblümchen kehrte aufgebracht zurück und fügte noch eine lange Geschichte hinzu, die sie Schachspielerin erzählte. Als Schachspielerin hörte, stieg ihr unweigerlich der Zorn zu Kopf. Gerade hatte sie Willkommensfrühlings Mahlzeit beendet und kam nun mit den kleinen Mädchen herbei. Dort saßen viele Leute beim Essen; als sie Schachspielerins drohende Haltung sahen, sprangen alle auf, machten lächelnd Platz und boten ihr einen Sitz an. Schachspielerin aber befahl den kleinen Mädchen, zuzugreifen: „Werft sämtliche Speisen aus den Schränken und Kisten heraus, füttert sie den Hunden — dann hat niemand etwas davon!" Die kleinen Mädchen waren geradezu begierig darauf; mit fliegenden Händen stürzten sie sich darauf und warfen alles wild durcheinander. Die Leute hielten sie teils zurück, teils flehten sie Schachspielerin an: „Fräulein, hört nicht auf das Gerede der Kinder. Selbst wenn Schwägerin Liu acht Köpfe hätte, würde sie es nicht wagen, Euch zu beleidigen. Dass die Eier schwer zu bekommen sind, stimmt wirklich. Wir haben ihr auch gerade gesagt, sie solle vernünftig sein — was immer es sei, man müsse eben einen Weg finden. Sie hat es eingesehen und hat sofort welche aufgesetzt. Wenn das Fräulein es nicht glaubt, seht nur dort auf dem Herd."
Nachdem alle gute Worte eingelegt hatten, legte sich Schachspielerins Zorn allmählich. Die kleinen Mädchen hatten noch nicht alles zertrümmert, also ließ man sie aufhören. Schachspielerin schimpfte und tobte noch eine Weile, wurde dann aber von allen beruhigt und ging. Frau Liu konnte nur Schüsseln und Teller hinwerfen, vor sich hin schimpfen und dann eine Schale gedünstete Eier zubereiten und hinüberschicken lassen. Schachspielerin schüttete sie vollständig auf den Boden. Die Person, die sie gebracht hatte, wagte es nicht zu berichten, aus Furcht, erneut Ärger zu verursachen.
Frau Liu gab ihrer Tochter zu trinken — etwas Suppe, eine halbe Schale Congee — und erzählte ihr dann auch die Sache mit dem Porlingsschnee. Fünfchen hörte es und beschloss sofort, etwas davon Duftblümchen zu schenken. Sie wickelte also die Hälfte in Papier ein und machte sich in der Abenddämmerung, als wenige Leute unterwegs waren, zwischen Blumen und Weiden verborgen auf den Weg, um Duftblümchen zu suchen. Zu ihrem Glück fragte niemand sie aus. Sie ging geradewegs bis vor das Tor des Yihongyuan [4], wagte aber nicht einzutreten und stand nur vor einem Rosenstrauch, von ferne hinüberschauend. Nachdem sie dort eine Teezeit lang gewartet hatte, kam gerade Xiaoyan heraus. Fünfchen eilte ihr entgegen und rief sie an. Xiaoyan wusste nicht, wer es war; erst als sie näher kam, erkannte sie sie und fragte, was sie wolle. Fünfchen lachte: „Ruf mir Duftblümchen heraus, ich möchte mit ihr sprechen." Xiaoyan flüsterte lachend: „Schwester, du bist zu ungeduldig! In zehn Tagen oder so kommst du ohnehin her — warum musst du sie unbedingt suchen? Gerade eben hat man sie nach vorne geschickt. Warte noch ein wenig auf sie. Wenn du etwas zu sagen hast, dann sage es mir, ich richte es ihr aus. Ich fürchte, du kannst nicht so lange warten; bald wird das Gartentor geschlossen." Fünfchen gab Xiaoyan den Porlingsschnee und erklärte ihr, dies sei Porlingsschnee, wie man sie einnehme, wie stärkend sie wirke: „Ich habe davon etwas bekommen und möchte es ihr schenken. Bitte richte es ihr aus und gib es ihr." Damit verabschiedete sie sich und ging zurück.
Als sie gerade die Gegend um den Liaoxu-Teich entlangging, kam ihr plötzlich Frau Lin Zhixiao mit einigen alten Dienerinnen entgegen. Fünfchen konnte sich nicht mehr verbergen und musste sie begrüßen. Frau Lin Zhixiao fragte: „Ich hörte, du warst krank — wie kommst du hierher?" Fünfchen lächelte höflich: „Weil es mir die letzten zwei Tage besser ging, bin ich mit meiner Mutter hereingekommen, um mich ein wenig zu zerstreuen. Gerade hat mich meine Mutter zum Yihongyuan geschickt, um Küchengerät abzuliefern." Frau Lin Zhixiao sagte: „Das stimmt nicht. Eben habe ich gesehen, wie deine Mutter hinausging, und da habe ich erst das Tor geschlossen. Wenn deine Mutter dich geschickt hätte, warum hat sie mir dann nicht gesagt, dass du noch hier bist? Sie ist einfach hinausgegangen und hat mich das Tor schließen lassen — was hat sie sich dabei gedacht? Es ist klar, dass du lügst." Fünfchen wusste darauf nichts zu antworten und sagte nur: „Eigentlich hat meine Mutter mir schon am Morgen gesagt, ich solle die Sachen holen; ich habe es vergessen und erst jetzt daran gedacht. Vermutlich hat meine Mutter irrtümlich gedacht, ich sei schon vorher hinausgegangen, und darum der Frau Hauswirtin nichts gesagt."
Frau Lin Zhixiao hörte ihre stockenden Worte und sah ihren verlegenen Ausdruck. Da zudem in den letzten Tagen Yuchuan'er gemeldet hatte, dass im Hauptgebäude drüben Gegenstände abhanden gekommen seien und mehrere Mädchen sich gegenseitig beschuldigten, ohne dass sich die Schuldige fand, wurde sie sofort argwöhnisch. Gerade kamen Xiaochan, Lotusblümchen und einige Frauen herbei. Als sie die Szene sahen, sagten sie: „Frau Lin sollte sie einmal verhören. Die letzten Tage rennt sie ständig hier herum — ganz verdächtig, heimlich und verstohlen, wer weiß, was sie treibt." Xiaochan fügte hinzu: „Genau! Gestern sagte Schwester Yuchuan, dass in der Gnädigen Frau Seitenraum der Schrank geöffnet worden sei und allerlei Kleinigkeiten fehlten. Und als die Zweite Herrin Lian Friedchen und Schwester Yuchuan losschickte, um etwas Rosenwasser zu holen, fehlte auch ein Krug davon. Hätte man nicht nach dem Rosenwasser gesucht, wäre es gar nicht aufgefallen." Lotusblümchen lachte: „Von dem habe ich zwar nichts gehört, aber heute habe ich tatsächlich eine Flasche für Rosenwasser gesehen." Frau Lin Zhixiao, die ohnehin wegen dieser ungeklärten Sachen beunruhigt war — jeden Tag trieb Phönixglanz [王熙凤] sie durch Friedchen an —, fragte beim Hören dieser Worte hastig, wo sie die Flasche gesehen habe. Lotusblümchen sagte: „In deren Küche." Frau Lin Zhixiao befahl sofort, Laternen anzuzünden, und ging mit allen los, um die Küche zu durchsuchen. Fünfchen sagte verzweifelt: „Das war ursprünglich ein Geschenk von Duftblümchen aus dem Zimmer des Zweiten Jungen Herrn Bao!" Frau Lin Zhixiao erwiderte: „Ob es nun von einer ‚eckigen' oder ‚runden Beamtin' ist — es gibt ein Beweisstück; ich werde es nur melden, und dann könnt ihr euch vor eurer Herrschaft verantworten." Damit betraten sie die Küche. Lotusblümchen führte sie zur Flasche mit dem Rosenwasser. Aus Furcht, es könnte noch mehr Gestohlenes geben, durchsuchten sie alles gründlich und fanden noch ein Päckchen Porlingsschnee. Sie nahmen alles mit, führten Fünfchen ab und gingen, um Seidenweiß Pflaume [李纨] und Erkundefrühling [探春] Bericht zu erstatten.
Zu jener Zeit war Seidenweiß Pflaume gerade deshalb untätig, weil ihr Sohn Lan'ge erkrankt war, und befahl nur, zu Erkundefrühling zu gehen. Erkundefrühling war bereits in ihre Gemächer zurückgekehrt. Man meldete sich an; die Zofen waren alle im Hof und kühlten sich ab; Erkundefrühling war drinnen bei der abendlichen Toilette, und nur Daishu ging hinein, um Bericht zu erstatten. Nach einer Weile kam sie heraus und sagte: „Das Fräulein hat es zur Kenntnis genommen und lässt euch sagen, ihr sollt Friedchen suchen und es der Zweiten Herrin melden." Frau Lin Zhixiao hatte keine andere Wahl und brachte die Sache dorthin. Bei Phönixglanz angekommen, suchte sie zuerst Friedchen auf. Friedchen ging hinein und berichtete Phönixglanz [熙凤]. Phönixglanz hatte sich gerade schlafen gelegt. Als sie von der Sache hörte, ordnete sie an: „Gebt der Mutter vierzig Stockschläge und jagt sie hinaus; sie darf nie wieder den Inneren Hof betreten. Gebt Fünfchen vierzig Stockschläge und übergebt sie sofort dem Landgut — ob man sie verkauft oder verheiratet, ist einerlei." Friedchen hörte es, kam heraus und gab Frau Lin Zhixiao die Anweisungen entsprechend weiter. Fünfchen war so verängstigt, dass sie schluchzend vor Friedchen niederkniete und ihr die ganze Geschichte mit Duftblümchen erzählte. Friedchen sagte: „Das ist nicht schwer — morgen braucht man nur Duftblümchen zu fragen, dann stellt sich heraus, ob es wahr ist oder nicht. Aber der Porlingsschnee wurde erst neulich als Geschenk gebracht, und man wartete noch auf die Rückkehr der Alten Herrin und der Gnädigen Frau, um ihn ihnen vorzulegen, bevor man ihn anrühren durfte — den hätte man nicht stehlen sollen." Als Fünfchen das hörte, erzählte sie eilig auch die Geschichte, dass ihr Onkel ihn ihr geschickt hatte. Friedchen hörte das und lachte: „Wenn das so ist, bist du ja vollkommen unschuldig und wirst nur als Sündenbock benutzt. Jetzt ist es spät, die Herrin hat gerade ihre Medizin genommen und sich hingelegt; ich möchte sie wegen dieser Kleinigkeit nicht belästigen. Für heute soll sie der Nachtwache übergeben und über Nacht bewacht werden; morgen berichte ich der Herrin und man wird weitersehen." Frau Lin Zhixiao wagte nicht zu widersprechen und übergab Fünfchen den Nachtwächterinnen zur Bewachung; dann ging sie davon.
Fünfchen, nun unter Hausarrest gestellt, wagte keinen Schritt zu tun. Einige der Frauen rieten ihr zwar gutmütig, sie hätte solch unschickliche Dinge nicht tun sollen; andere schimpften: „Schon die reguläre Nachtwache ist schwer genug — und nun hat man uns auch noch eine Diebin zur Bewachung gebracht! Wenn sie sich, ohne dass wir es sehen, erhängt oder davonläuft, sind wir schuld." Dazu kamen etliche Leute, die seit langem mit Frau Lius Familie verfeindet waren und dies nun genüsslich auskosteten, um sie zu verhöhnen und zu verspotten. Fünfchen fühlte in ihrem Herzen Zorn und Unrecht zugleich und hatte nirgends, wohin sie sich wenden konnte. Ohnehin schüchtern und kränklich, verbrachte sie diese Nacht ohne Tee, ohne Wasser, ohne Bettzeug und Kissen, leise schluchzend bis zum Morgen.
Jene Leute aber, die sich mit Mutter und Tochter nicht vertrugen, konnten es kaum erwarten, dass man sie vertrieb; aus Furcht, am nächsten Tag könnte sich die Lage ändern, standen sie alle frühzeitig auf und gingen heimlich zu Friedchen, um sie zu beeinflussen. Teils schenkten sie ihr etwas, teils schmeichelten sie ihr, wie entschieden und tüchtig sie die Dinge handhabe, und teils erzählten sie ausgiebig von den vielen Vergehen der Mutter im Alltag. Friedchen bejahte alles der Reihe nach und schickte sie weg. Dann ging sie leise zu Dufthauch [袭人] und fragte sie, ob es denn wirklich stimme, dass Duftblümchen Fünfchen das Rosenwasser gegeben habe. Dufthauch sagte: „Das Rosenwasser hat Schatzjade tatsächlich Duftblümchen gegeben; an wen Duftblümchen es weitergegeben hat, weiß ich allerdings nicht." Dufthauch fragte daraufhin Duftblümchen. Als Duftblümchen das hörte, geriet sie in helle Aufregung und bestätigte eilig, dass sie es selbst geschenkt habe. Duftblümchen erzählte es sogleich auch Schatzjade. Schatzjade erschrak ebenfalls und sagte: „Mit dem Rosenwasser ist es zwar geklärt, aber wenn die Sache mit dem Porlingsschnee aufgerollt wird, wird sie natürlich auch wahrheitsgemäß aussagen. Wenn man dann erfährt, dass sie es von ihrem Onkel bekommen hat, gerät dieser auch in Schwierigkeiten — und das gute Geschenk eines anderen hat ihnen nur Unglück gebracht." Eilig beratschlagte er mit Friedchen: „Die Sache mit dem Rosenwasser ist erledigt, aber auch beim Porlingsschnee gibt es ein Problem. Liebe Schwester, lass sie doch sagen, der sei ebenfalls ein Geschenk von Duftblümchen — dann wäre alles erledigt." Friedchen lachte: „Das mag ja sein, aber gestern Abend hat sie bereits vor den Leuten gesagt, er sei von ihrem Onkel. Wie kann sie nun plötzlich sagen, du hättest ihn gegeben? Außerdem ist auch beim Rosenwasser drüben noch keine Schuldige gefunden. Wenn man nun die Ertappte mit dem Beweis freilässt, wen soll man dann suchen? Wer würde es noch zugeben? Die Leute wären auch nicht zufrieden." Da kam Heitermuster herein und sagte lachend: „Bei dem Rosenwasser der Gnädigen Frau kommt niemand anderes in Frage — es war ganz offensichtlich Caiyun, die es für Huan'ge gestohlen hat. Redet nicht so wild durcheinander!" Friedchen lachte: „Wer wüsste das nicht! Aber als Yuchuan'er sich weinend an sie wandte und sie leise fragte, und jene es zugab, war Yuchuan'er zufrieden, und alle ließen es auf sich beruhen. Wir werden doch nicht freiwillig diese Sache an uns reißen! Das Ärgerliche ist, dass Caiyun es nicht nur nicht zugibt, sondern Yuchuan'er sogar beschuldigt, sie habe es gestohlen. Die beiden liefern sich einen Schlagabtausch, und das ganze Haus weiß davon — wie sollen wir da unbeteiligt bleiben? Natürlich muss nachgeforscht werden. Aber bekanntlich: ‚Wer den Diebstahl meldet, ist selbst der Dieb' — und ohne Beweis, wie soll man sie überführen?" Schatzjade sagte: „Nun gut, diese Sache nehme ich auch auf mich. Ich sage einfach, ich hätte sie erschrecken wollen und heimlich etwas von der Gnädigen Frau entwendet. Dann sind beide Angelegenheiten erledigt." Dufthauch sagte: „Das wäre allerdings ein gutes Werk — jemandes Diebesruf zu tilgen. Nur: Wenn die Gnädige Frau davon hört, wird sie wieder sagen, du seist kindisch und wüsstest nicht, was sich gehört." Friedchen lachte: „Das ist noch ein kleines Problem. Selbst wenn man jetzt bei Konkubine Zhao das Diebesgut beschlagnahmte — das wäre zwar leicht —, fürchte ich doch, dass es eine anständige Person in ihrem Ansehen verletzen würde. Von allen anderen ganz abgesehen: Diese eine Person — würde sie sich nicht darüber ärgern? Mir tut sie leid; ich möchte nicht ‚beim Rattenfang die Jadevase beschädigen'." Dabei streckte sie drei Finger aus. Dufthauch und die anderen verstanden sofort, dass sie von Erkundefrühling sprach. Alle sagten eilig: „Ja, genau so ist es. Am besten nehmen wir es hier auf uns." Friedchen lachte wieder: „Allerdings müssen wir erst diese beiden Übeltäterinnen Caiyun und Yuchuan'er herbeirufen und sie genau befragen, bevor es geht. Sonst glauben sie, sie seien davongekommen — und nicht, weil ich es um ihretwillen so gelöst habe, sondern weil ich die Sache nicht aufklären konnte und es von hier aus regeln musste. Dann werden sie künftig nur noch dreister stehlen und sich nicht mehr darum scheren." Dufthauch und die anderen lachten: „Ganz recht, du musst dir auch ein Hintertürchen offenhalten."
Friedchen ließ die beiden holen und sagte: „Keine Angst, die Diebin ist gefunden." Yuchuan'er fragte sofort, wo die Diebin sei. Friedchen sagte: „Sie ist gerade im Zimmer der Zweiten Herrin; fragt sie, und sie gesteht alles. Ich weiß in meinem Herzen, dass nicht sie es gestohlen hat; das arme Ding hat vor lauter Angst alles zugegeben. Der Zweite Junge Herr Bao hier hat Mitleid mit ihr und will die Hälfte auf sich nehmen. Ich wollte die Wahrheit sagen, aber die Diebin ist im Alltag eine Schwester, die mir nahesteht; die Hehlerin ist eine gewöhnliche Person; und drittens wäre eine anständige Person in ihrem Ansehen betroffen. Darum bin ich in einer Zwickmühle und muss den Zweiten Jungen Herrn bitten, es zu übernehmen, damit alle in Frieden sind. Nun frage ich euch beide: Wie wollt ihr es halten? Wenn ihr von jetzt an alle aufpasst und den Anstand wahrt, dann bitte ich den Zweiten Jungen Herrn, es auf sich zu nehmen. Andernfalls berichte ich der Zweiten Herrin — dann soll keine Unschuldige leiden." Caiyun hörte das, und ihr stieg die Röte ins Gesicht; ein Gefühl der Scham erfasste sie, und sie sagte: „Schwester, sei unbesorgt. Keine Unschuldige soll leiden, und kein Unbeteiligter soll in seinem Ansehen beschädigt werden. Den Diebstahl hat Konkubine Zhao wieder und wieder auf mich eingeredet; ich habe einiges für Huan'ge genommen — das ist wahr. Selbst wenn die Gnädige Frau zu Hause war, haben wir immer wieder etwas herausgenommen und an Leute verschenkt, das war nichts Ungewöhnliches. Ich dachte, nach ein paar Tagen Aufregung wäre es vorbei. Aber nun, da eine Unschuldige beschuldigt wird, kann ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Schwester, führe mich zur Herrin; ich gestehe alles." Alle waren erstaunt, dass sie so aufrichtig und mutig war. Schatzjade sagte eilig lachend: „Schwester Caiyun ist wahrhaftig ein rechtschaffener Mensch! Aber du brauchst nichts zuzugeben; ich sage einfach, ich hätte heimlich etwas der Gnädigen Frau entwendet, um euch zu erschrecken und mich zu amüsieren. Nun, da es Ärger gegeben hat, muss ich es natürlich eingestehen. Ich bitte nur die Schwestern, künftig etwas zurückhaltender zu sein, dann ist allen geholfen." Caiyun sagte: „Was ich getan habe — warum sollst du dafür geradestehen? Ob es mich den Kopf kostet oder nicht, ich muss die Folgen tragen." Friedchen und Dufthauch sagten eilig: „So geht es nicht. Wenn du es zugibst, wird unweigerlich auch die Konkubine Zhao hineingezogen. Wenn dann das Dritte Fräulein davon erfährt, wie wird sie sich ärgern! Am besten nimmt der Zweite Junge Herr es auf sich; dann ist alles friedlich. Außerdem erfährt außer uns wenigen niemand davon — wie sauber! Nur müsst ihr in Zukunft alle vorsichtig sein. Wenn ihr etwas nehmen wollt, wartet wenigstens, bis die Gnädige Frau zurück ist — selbst wenn ihr dann das ganze Haus herschenkt, haben wir nichts damit zu schaffen." Caiyun senkte den Kopf, dachte einen Moment nach und stimmte schließlich zu.
So berieten sie alles miteinander. Friedchen nahm die beiden und Duftblümchen mit und ging zum Vorderhaus, holte aus der Wachstube Fünfchen und unterwies sie leise, auch bei dem Porlingsschnee zu sagen, er sei ein Geschenk Duftblümchens. Fünfchen war unendlich dankbar. Friedchen nahm sie alle mit in ihre eigene Abteilung, wo Frau Lin Zhixiao bereits mit mehreren Frauen wartete und Frau Liu in Gewahrsam hatte. Frau Lin Zhixiao sagte noch zu Friedchen: „Heute Morgen habe ich sie hierhergebracht, und damit im Garten niemand fehlt, der den Fräulein das Essen bereitet, habe ich vorläufig die Frau des Qin Xian dorthin geschickt. Bitte berichtet es der Herrin — sie ist wirklich sauber und gewissenhaft; man könnte sie von nun an dauerhaft dort einsetzen." Friedchen fragte: „Wer ist die Frau des Qin Xian? Ich kenne sie nicht gut." Frau Lin Zhixiao sagte: „Sie hat Nachtdienst in der Südecke des Gartens; tagsüber hat sie nichts zu tun, darum kennt das Fräulein sie nicht so gut. Hohe Wangenknochen, große Augen, sehr sauber und ordentlich." Yuchuan'er sagte: „Richtig! Schwester, erinnerst du dich nicht? Sie ist die Tante von Schachspielerin, der Zofe des Zweiten Fräuleins. Schachspielerins Eltern gehören zwar zum Haushalt des Ersten Herrn, aber ihr Onkel gehört zu unserem Haushalt." Friedchen hörte das und erinnerte sich. Sie lachte: „Oh, hättest du gleich gesagt, dass sie es ist, hätte ich es sofort gewusst." Dann lachte sie: „Da seid ihr ja etwas vorschnell gewesen! Inzwischen ist die Sache von allen Seiten aufgeklärt, und auch bei dem, was neulich im Zimmer der Gnädigen Frau fehlte, ist die Schuldige gefunden. Als Schatzjade neulich herüberkam und von diesen beiden Unholdinnen etwas verlangte, neckten die ihn und sagten, wenn die Gnädige Frau nicht da sei, wagten sie nicht, etwas herauszugeben. Da hat Schatzjade, als die beiden nicht aufpassten, heimlich etwas herausgenommen. Die beiden wussten es nicht und erschraken ganz furchtbar. Nun, da Schatzjade gehört hat, dass andere in Schwierigkeiten geraten sind, hat er mir alles genau erzählt und mir die Sachen gezeigt — nicht ein einziges Stück fehlte. Der Porlingsschnee hat Schatzjade von draußen bekommen und schon vielen Leuten geschenkt — nicht nur die Leute im Garten haben davon, auch die älteren Dienerinnen haben sich welchen erbeten und ihn ihren Verwandten mitgebracht, und die verschenkten ihn weiter. Dass Dufthauch ihn Duftblümchen und deren Freundinnen gegeben hat — das sind private Freundlichkeiten, die unter ihnen üblich sind. Vor ein paar Tagen standen die zwei Körbe noch oben in der Beratungshalle, ordentlich verpackt und unberührt — wie kann man da aufs Geratewohl Leute beschuldigen! Wartet, bis ich es der Herrin berichtet habe." Damit ging sie ins Schlafgemach und erzählte Phönixglanz die ganze Geschichte genau so, wie sie es vorbereitet hatte.
Phönixglanz sagte: „Das mag alles stimmen, aber Schatzjade ist einer, der ungeachtet aller Umstände gern Dinge auf sich nimmt. Kaum bitten ihn andere, und er hört zwei freundliche Worte, lässt er sich schon alles aufsetzen — was gäbe es, das er nicht zugeben würde. Wenn wir ihm glauben, wird er künftig auch bei ernsten Angelegenheiten so handeln — wie soll man dann die Leute in Ordnung halten? Man muss noch gründlich nachforschen. Nach meinem Sinn: Holt alle Zofen der Gnädigen Frau her, und wenn man sie auch nicht ohne Weiteres schlagen darf, so lasst sie auf Porzellanscherben knien in der prallen Sonne; gebt ihnen weder Tee noch Essen. Wer an einem Tag nicht gesteht, kniet einen Tag — selbst Eiserne würden dann eingestehen. Und wie man so sagt: ‚Fliegen setzen sich nicht auf Eier ohne Riss.' Auch wenn diese Frau Liu nicht gestohlen hat, muss irgendetwas daran gewesen sein, sonst hätten die Leute nicht von ihr gesprochen. Wenn man sie auch nicht wie eine Diebin bestraft, so soll man sie doch entlassen. Selbst bei Hofe gibt es Fälle, wo Unschuldige mitgehangen werden — so große Ungerechtigkeit ist das auch nicht." Friedchen sagte: „Wozu sich so den Kopf zerbrechen! ‚Wenn es Zeit ist loszulassen, dann lass los' — was kann schon Schlimmes dabei sein, ein wenig Gnade walten zu lassen? Wenn ich es recht bedenke: Wie viel Mühe wir uns auch in diesem Haus geben, am Ende gehen wir ja in jenes Haus drüben. Unnötig, sich die Feindschaft der kleinen Leute zuzuziehen und Groll zu ernten. Zudem hast du selbst allerlei Unglück erlitten — mit Müh und Not warst du schwanger geworden, und im sechsten, siebten Monat hast du es verloren. Wer weiß, ob das nicht von der täglichen Überarbeitung und dem Ärger kam, der dich innerlich verletzt hat. Von jetzt an wäre es doch gut, manches zu sehen und manches zu übersehen und es dabei zu belassen." Diese Worte brachten Phönixglanz zum Lachen. Sie sagte: „Du kleines Biest, mach du es, wie du willst! Mir geht es gerade etwas besser, ich will mich nicht aufregen." Friedchen lachte: „Das ist erst vernünftig!" Damit ging sie hinaus und erledigte alles der Reihe nach.
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
- ↑ Frau Liu, die Köchin in der Gartenküche, Mutter von Fünfchen
- ↑ Fuling 茯苓, lat. Poria cocos, ein wertvolles Tonikum der traditionellen chinesischen Medizin
- ↑ Chin. 司棋 Sīqí. 司 sī „verwalten“; 棋 qí „Schach“. Willkommensfrühlings Kammerzofe.
- ↑ Hof der Versammelten Pracht, Schatzjades Wohnsitz im Großen Garten