Hongloumeng/de/Chapter 9
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Kapitel 9
“玉在”一联──玉在椟中求善价:典出《论语·子罕》:“子贡曰:‘有美玉于斯,韫椟而藏诸?求善贾而沽诸?’子曰:‘沽之哉,沽之哉!我待贾者也。’”(斯:此,这里。韫椟:收藏在柜子或木匣里。贾:一说为商人,一说通“价”,皆通。沽:出售,卖掉。)后人即以“椟玉”、“椟藏”或“待贾而沽”、“待贾沽”、“待贾”、“待沽”等来比喻怀才待用或待时出山的人。 钗于奁内待时飞:典出汉·郭宪《洞冥记》卷二:汉武帝元鼎元年,宫中起造招仙阁,有神女以玉钗赠汉武帝,帝赐与赵婕妤。至汉昭帝元凤年间,宫人欲毁之,将匣子打开时,玉钗化白燕飞去。这里的意思与“玉在椟中求善价”相同。 此联表明贾雨村雄心勃勃,信心十足,以为自己犹如椟中之玉、匣中之钗,虽然暂时落魄,将来定能仕途得意,飞黄腾达。
芹意──谦词。典出《列子·杨朱》:从前有人觉得芹菜味美,即向乡绅推荐并称赞,乡绅一尝,味道却很差,胃里也不舒服,在场的人都抱怨他,使他十分羞惭。后即以“芹意”、“芹献”、“献芹”、“芹曝”、“献曝”、“美芹”等代称菲薄的礼物。
Tjin Yä und sein Sohn warteten also nur darauf, daß ihnen ein Bote der Djias die Nachricht brachte, es sei ein Glückstag für den Schulanfang ausgesucht worden. Aber Bau-yü war so begierig darauf, mit Tjin Dschung zusammenzukommen, daß er nichts anderes mehr im Sinn hatte und bestimmte, er wolle unbedingt vom übernächsten Tag an den Unterricht besuchen. „Übermorgen früh bitte ich den jungen Herrn Tjin zu mir, und dann gehen wir gemeinsam zur Schule“, lautete die Nachricht, die er übermitteln ließ. Als der Tag gekommen war und Bau-yü in aller Frühe aufstand, hatte Hsi-jën längst die Bücher und das Schreibzeug ordentlich zusammengelegt und saß geistesabwesend bei Bau-yü auf der Bettkante. Als sie sah, daß er wach war, mußte sie ihm wohl oder übel beim Frisieren und Waschen zur Hand gehen. Bau-yü bemerkte, daß Hsi-jën in gedrückter Stimmung war, und so fragte er lächelnd: „Was fehlt dir wieder einmal, liebste Schwester? Du bist mir doch nicht etwa böse, weil ich zur Schule gehe und euch hier einsam zurücklasse?“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Hsi-jën: „Wie kannst du so etwas sagen! Lernen ist doch etwas sehr Gutes. Wenn man nicht lernt, vertut man leichtfertig sein Leben, und wie steht man dann da? Es geht mir nur darum: Denk beim Lernen an die Bücher, und sonst denk an Zuhause, anstatt mit denen dort herumzutoben! Wenn der gnädige Herr dich bei so etwas trifft, ist mit ihm nicht zu spaßen! Und dann – wenn es auch heißt, man muß sich tüchtig anstrengen –, solltest du besser nicht so viele Stunden nehmen. Zum einen kann man nicht richtig kauen, wenn man zu gierig ißt, zum anderen muß man auch auf seine Gesundheit achten. Das ist es, woran ich gedacht habe und was du erwägen solltest.“ Bau-yü stimmte jedem Wort zu, das sie gesagt hatte, und sie fuhr fort: „Den Pelz habe ich zusammengepackt und den Dienerknaben gegeben. Denk daran, ihn anzuziehen, wenn es kalt ist in der Schule! Dort ist es nicht wie zu Hause, wo andere für dich darauf achten. Holzkohle für den Fußofen und den Handofen habe ich ihnen auch gegeben. Aber du mußt ihnen befehlen nachzulegen, diese Faulenzer tun keinen Handschlag, wenn du nichts sagst, und lassen dich einfach erfrieren.“ „Sei unbesorgt!“ erwiderte Bau-yü darauf. „Außer Hause kann ich gut alles selbst regeln. Kommt ihr mir hier nicht um vor Langeweile! Ihr müßt öfter einmal zu Kusine Lin gehen und euch mit ihr zusammen die Zeit vertreiben!“ Inzwischen war Bau-yü fertig angezogen, und Hsi-jën drängte ihn, die Herzogimutter, Djia Dschëng und Dame Wang aufzusuchen. Bau-yü aber ermahnte erst noch Tjing-wën, Schë-yüä und die anderen mit ein paar Sätzen, ehe er zur Herzoginmutter ging, die ihm natürlich auch noch einiges mit auf den Weg zu geben hatte. Danach ging er zu Dame Wang und anschließend in die Bibliothek zu Djia Dschëng. Ausgerechnet heute war Djia Dschëng etwas früher nach Hause zurückgekommen und unterhielt sich in der Bibliothek eben mit seinen Schützlingen. Als plötzlich Bau-yü hereinkam, um ihm seinen Gruß zu entbieten, und dann berichtete, er gehe zur Schule, lachte Djia Dschëng sarkastisch und sagte: „Wenn du noch einmal sagst, du gehst zur Schule, komme ich um vor Scham! Mir scheint, es wäre richtiger zu sagen, du gehst spielen. Gib acht, daß du meinen Boden nicht beschmutzt, auf dem du stehst, und meine Tür, an die du dich lehnst!“ Seine Kostgänger und Schützlinge, die sich längst von ihren Plätzen erhoben hatten, sagten jetzt lächelnd: „Warum müßt Ihr nur wieder so sein, ehrwürdiger Freund unserer Väter? Heute geht Euer Sohn zur Schule, und in zwei, drei Jahren kann er sich bei den Prüfungen einen Namen machen. Er ist ganz bestimmt nicht mehr so kindisch wie ehedem. Aber jetzt ist schon bald Essenszeit, und er muß sich endlich verabschieden!“ Damit faßten zwei ältere unter ihnen Bau-yü an den Händen und gingen mit ihm hinaus. „Wer begleitet Bau-yü?“ erkundigte sich Djia Dschëng. Von draußen waren Antwortrufe zu hören, und schon kamen drei, vier kräftige Männer herein, die mit gebeugtem Knie ihren Gruß entboten. Djia Dschëng erkannte Li Guee, den Sohn von Bau-yüs Amme Li, unter ihnen und sprach ihn an: „Ihr seid doch ganze Tage beim Unterricht mit ihm zusammen, was hat er denn nun für Bücher studiert? Wahrscheinlich hat er irgendwelchen haltlosen Unsinn gelesen und sich ein paar extrafeine Rüpeleien zu eigen gemacht. Wartet nur, bis ich ein wenig Muße habe, dann werde ich zuerst Euch die Haut vom Leibe schinden, und dann rechne ich mit diesem Versager ab!“ Damit hatte er Li Guee so sehr erschreckt, daß er rasch auf beide Knie niederfiel, die Mütze abnahm und hörbar mit der Stirn auf den Boden schlug, wobei er immer wieder sagte: „Sehr wohl, sehr wohl!“ Dann berichtete er: „Er hat das ‚Buch der Lieder‘ schon bis zum dritten Band gelesen, wo es heißt ‚You, you! schrei‘n die Hirsche, Lotosblätter und Entengrütze.‘ Ich sage wirklich die Wahrheit!“ Alle brachen in ein schallendes Gelächter aus, und selbst Djia Dschëng konnte nicht an sich halten und lachte mit. Dann sagte er: „Und wenn er noch dreißig Bände vom ‚Buch der Lieder‘ liest, macht er doch damit nur sich selbst etwas vor und hält die Leute zum besten. Bestell dem Herrn Lehrer in der Schule einen Gruß und richte ihm aus, ich hätte gesagt, er brauche sich nicht routinemäßig mit dem ‚Buch der Lieder‘ und der klassischen Prosa aufzuhalten, er solle vielmehr in einem Zug die Vier Bücher erklären und auswendig lernen lassen. Das ist das Allerwichtigste!“ Li Guee antwortete rasch : „Sehr wohl!“ Und als er merkte, daß Djia Dschëng ihm nichts weiter sagen wollte, zog er sich wieder zurück. Bau-yü hatte inzwischen ganz allein außerhalb des Hofes gewartet und dabei kaum zu atmen gewagt. Als jetzt seine Begleiter erschienen, ging er rasch mit ihnen davon. Li Guee klopfte sich den Staub von den Kleidern und sagte dabei: „Habt Ihr das gehört, kleiner Herr? Zuerst will er uns die Haut abziehen! Anderer Leute Sklaven gewinnen noch ein bißchen Ansehen durch ihren Herrn, unsereiner aber wird für nichts und wieder nichts mit geschlagen und mit gescholten. Habt doch in Zukunft ein wenig Mitleid mit uns!“ „Nimm es dir nicht zu Herzen, Bruder!“ erwiderte Bau-yü lächelnd. „Morgen werde ich dich bewirten.“ „Wer wagt wohl zu hoffen, von Euch bewirtet zu werden, kleiner Gebieter!“ sagte Li Guee. „Es reicht ja, wenn Ihr auf einen Satz hört, den man Euch sagt, oder wenigstens auf einen halben!“ Mittlerweile waren sie in die Räume der Herzoginmutter gekommen, wo Tjin Dschung schon lange wartete. Die Herzoginmutter sprach eben mit ihm. Als Tjin Dschung und Bau-yü einander begrüßt und sich dann von der Herzoginmutter verabschiedet hatten, fiel Bau-yü plötzlich ein, daß er Dai-yü noch nicht auf Wiedersehen gesagt hatte. Also ging er rasch in ihr Zimmer, wo sie am Fenster vor dem Spiegel saß und ihren Putz in Ordnung brachte. Als Dai-yü hörte, wie Bau-yü sagte, er gehe jetzt in die Schule, bemerkte sie lächelnd: „Dann wirst du ja bald ‚im Krötenpalast einen Kassiazweig brechen‘ . Begleiten kann ich dich nicht.“ „Liebstes Kusinchen“, bat Bau-yü, „iß bitte erst, wenn ich aus der Schule zurück bin, und misch auch deine Schminkpaste erst, wenn ich wieder hier bin!“ So schwatzten sie noch lange, ehe Bau-yü endlich ging. Da rief Dai-yü ihn noch einmal an und fragte: „Warum gehst du dich von Kusine Bau-tschai nicht verabschieden?“ Aber Bau-yü lachte nur, anstatt zu antworten. Er begab sich jetzt mit Tjin Dschung geradeswegs zur Schule. Die Freischule der Djias war nicht weit entfernt, nicht mehr als ein Li. Der Urahn hatte sie eingerichtet, weil er fürchtete, es könnte junge Leute in der Sippe geben, für die aus Armut kein Lehrer angestellt werden konnte. Sie sollten hier eintreten und lernen können. Jeder aus der Sippe, der einen Beamtenposten innehatte, steuerte je nach der Höhe seines Gehalts eine bestimmte Menge Silber für die Schulkosten bei, und gemeinsam wählten sie einen bejahrten, tugendhaften Mann zum Schulleiter, der die jungen Leute unterrichtete. Als Bau-yü und Tjin Dschung heute in die Schule gekommen waren und mit jedem einzelnen Mitschüler den zeremoniellen Gruß gewechselt hatten, begannen sie ihre Lektüre. Von diesem Tag an kamen und gingen sie gemeinsam, setzten sich zusammen hin und standen zusammen wieder auf, und so wurden sie immer vertrauter miteinander. Es kam noch hinzu, daß die Herzoginmutter in ihrer liebevollen Fürsorge Tjin Dschung häufig für drei oder fünf Tage dabehielt und ihn genausogern hatte wie ihre Urenkelkinder. Weil sie sah, daß Tjin Dschung nicht eben sehr begütert war, half sie ihm auch mit Kleidung, Schuhen und anderen Dingen. Es brauchte keinen vollen Monat, damit Tjin Dschung im Jung-guo-Anwesen heimisch wurde. Nun war Bau-yü ein Mensch, der mit seinem Los nie zufrieden war und den Regungen seines Herzens stets freien Lauf ließ. Er zeigte auch jetzt seine alte Schwäche, indem er verstohlen zu Tjin Dschung sagte: „Wir beide sind gleichaltrig, überdies sind wir Schulkameraden, darum wollen wir uns in Zukunft nicht mehr als Onkel und Neffe anreden, sondern nur noch als Bruder und Freund!“ Tjin Dschung sträubte sich anfangs dagegen, aber als Bau-yü nicht auf ihn hören wollte und ihn nur noch Bruder nannte oder ihn mit seinem Ehrennamen Djing-tjing anredete, blieb ihm nichts weiter übrig, als ihn einmal so, einmal so anzureden. In die Schule gingen zwar nur Angehörige der eigenen Sippe und einige angeheiratete junge Leute, aber wie der Volksmund richtig sagt, kann ein Drache neun Junge haben, und jedes ist von einer anderen Art. Wo viele Menschen beisammen sind, findet man unvermeidlich Schlangen unter die Drachen gemischt, und so gab es auch hier niedriggesinnte Menschen. Als jetzt Bau-yü und Tjin Dschung dazugekommen waren, die beide ein blumengleiches Aussehen hatten, und die Mitschüler bemerkten, daß Tjin Dschung sanft und schüchtern war, ein jedes Mal errötete, bevor er den Mund aufmachte, und daß Bau-yü imstande war, sich ihm zuliebe zu demütigen und seinen Zorn zu besänftigen, daß er mitfühlend in seiner Art und zart in seiner Sprache war, wodurch sie sich beide so nahe gekommen waren, da war es kein Wunder, daß sie bei einer Reihe von Mitschülern in Verdacht gerieten. Hinter ihrem Rücken wurde geschwatzt und gemunkelt, Schmähreden und Gerüchte verbreiteten sich in der Schule und außerhalb. Auch Hsüä Pan hatte, nachdem sie zu den Djias gezogen waren, erfahren, daß es hier eine Familienschule gab, die von vielen jungen Leuten besucht wurde, und da war es nicht zu vermeiden, daß sich ein plötzliches Gelüste nach Knabenschönheit bei ihm regte. So hatte auch er dem Namen nach begonnen, die Schule zu besuchen. Allerdings war er ein Fischer, der drei Tage lang fischte und zwei Tage lang die Netze trocknen ließ. Die Schulkosten und gelegentliche Geschenke, die Djia Dai-ju von Hsüä Pan bekam, waren sinnlos vertan, denn dieser lernte nicht das mindeste bei ihm, es kam ihm nur darauf an, hier seine ‚Brüderschaften‘ zu schließen. Tatsächlich gab es unter den kleineren Schülern etliche, die auf das Silber und das Geld, das Essen und die Kleidung aus waren, die sie von Hsüä Pan erhielten, und sich von ihm betören ließen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden. Besonders waren es zwei gefühlvolle kleinere Schüler, von denen ich nicht weiß, zu welchem Zweig der Familie sie gehörten. Ich habe auch nicht nachgeforscht, wie sie hießen. In der Schule hatten sie, weil sie von edlem, anmutigem Wuchs waren, die Spitznamen ‚Duftliebchen‘ und ‚Jadeschätzchen‘ bekommen. Und obwohl alle ein heimliches Verlangen nach ihnen hatten und Wünsche hegten, die den Knaben schädlich sind, wagte es aus Furcht vor Hsüä Pans Macht niemand, sich ihnen zu nähern. Als jetzt Bau-yü und Tjin Dschung in die Schule kamen und die beiden sahen, war es nicht anders möglich, als daß auch sie sich unwiderstehlich zu ihnen hingezogen fühlten. Doch weil sie erfuhren, die beiden seien mit Hsüä Pan befreundet, wagten sie nicht, leichtfertig vorzugehen. Duftliebchen und Jadeschätzchen fanden genauso an Bau-yü und Tjin Dschung Gefallen. So hatten zwar alle vier denselben Wunsch, aber noch war er nicht Wirklichkeit geworden. Jeder von ihnen setzte sich täglich bei Unterrichtsbeginn auf seinen Platz, aber ihre Blicke trafen sich, sie redeten in Anspielungen miteinander, machten sich versteckte Komplimente und verstanden einander auch von weitem. Dabei waren sie äußerlich bemüht, alles vor fremden Augen geheimzuhalten. Wider Erwarten gab es aber doch ein paar gewiefte Burschen, die die Sache durchschauten und hinter dem Rücken der vier die Augen verdrehten, hüstelten oder die Stimme erhoben. Und so ging es nicht nur einen Tag. Einmal war Djia Dai-ju einer Erledigung wegen schon früher nach Hause gegangen und hatte den Schülern aufgegeben, zu einem siebensilbigen Satz einen Parallelsatz zu bilden, den sie am nächsten Tag vorlegen sollten. Die Aufsicht über die Schulangelegenheiten hatte er einstweilen Djia Juee übertragen. Der Zufall wollte es, daß Hsüä Pan in der letzten Zeit nicht einmal zu jeder Anwesenheitskontrolle in die Schule kam. So nahm Tjin Dschung die Gelegenheit wahr und machte Duftliebchen mit Augen und Brauen heimliche Zeichen, woraufhin sie beide unter dem Vorwand, ein kleines Geschäft verrichten zu wollen, in den hinteren Hof gingen, um ein vertrautes Gespräch zu führen. „Kümmern sich die Erwachsenen bei dir zu Hause darum, mit wem du befreundet bist...?“ fragte Tjin Dschung den anderen als erstes. Aber noch ehe er ausgesprochen hatte, hustete es hinter ihnen, und als sie erschrocken mit den Köpfen herumfuhren, erblickten sie ihren Schulkameraden Djin Jung. Duftliebchen, dessen Temperament etwas hitzig war, fragte, erregt vor Scham und Zorn: „Was gibt es da zu husten? Dürfen wir beide vielleicht nicht miteinander sprechen?“ „Und darf ich vielleicht nicht husten, wenn ihr miteinander sprecht?“ fragte Djin Jung grinsend. „Ich möchte bloß wissen, warum ihr euch nicht in aller Öffentlichkeit unterhaltet, wenn ihr etwas zu bereden habt. Wer hat euch eigentlich erlaubt, so heimlich und verstohlen hierher zu schleichen, und was treibt ihr hier für Geschichten? Jetzt habe ich euch erwischt, da hilft kein Leugnen! Entweder ihr laßt mich auch mal mitmachen, dann sage ich kein Wort davon, oder aber die ganze Schule erfährt es!“ Tjin Dschung und Duftliebchen schoß vor Erregung das Blut ins Gesicht, und sie fragten: „Wobei hast du uns erwischt?“ „Auf frischer Tat habe ich euch erwischt“, sagte Djin Jung. Dann klatschte er in die Hände und rief lachend: „Hier werden prima Sesambrötchen gebacken! Wer kauft eins zum Essen?“ Zornig und aufgebracht eilten Tjin Dschung und Duftliebchen in den Unterrichtsraum zurück und beklagten sich bei Djia Juee über Djin Jung. Djin Jung habe sie ohne jeden Grund beleidigt, sagten sie. Nun war dieser Djia Juee ein Mensch, der vor allem auf seinen Vorteil bedacht war und keinerlei Anstand besaß. Seine Stellung in der Schule nutzte er aus, um die Jüngeren zu zwingen, ihn freizuhalten. Später hatte er sich an Hsüä Pan gehängt, weil er auf das Silber und das Geld, den Wein und das Fleisch erpicht war, das er bei ihm bekam. Er ließ ihm jede tyrannische Eigenmächtigkeit durchgehen, und anstatt ihn zu zügeln, machte er sich, nur um sein Wohlgefallen zu erringen, sogar zum ‚Helfershelfer des Tyrannen‘. Hsüä Pan aber hatte die Beständigkeit von Entengrütze, die auf dem Wasser treibt, seine Zuneigung ging heute nach Ost und morgen nach West. Er hatte unlängst neue Freunde gefunden, Duftliebchen und Jadeschätzchen aber hatte er fallengelassen. Selbst Djin Jung war einstmals sein Freund gewesen, hatte aber zugunsten von Duftliebchen und Jadeschätzchen den Laufpaß bekommen. Jetzt waren Duftliebchen und Jadeschätzchen ihrerseits verstoßen worden, und Djia Juee hatte niemanden mehr, der bei Hsüä Pan ein gutes Wort für ihn einlegen konnte. Er störte sich aber nicht etwa an Hsüä Pans Treulosigkeit, vielmehr war er auf Duftliebchen und Jadeschätzchen böse, weil sie ihm nicht mehr als Fürsprecher dienten. So waren Djia Juee, Djin Jung und ihresgleichen eifersüchtig auf Duftliebchen und Jadeschätzchen, und als sich jetzt Tjin Dschung und Duftliebchen über Djin Jung beschwerten, ging das Djia Juee erst recht gegen den Strich. Nun konnte er Tjin Dschung nicht gut herunterputzen, statt dessen wollte er an Duftliebchen ein Exempel statuieren und hielt ihm entgegen, er sei ein aufdringlicher Nörgler. Dazu machte er ihm noch einige ernsthafte Vorhaltungen. So holte sich nicht nur Duftliebchen eine Abfuhr, auch Tjin Dschung fühlte sich mit beschämt, und sie kehrten beide auf ihre Plätze zurück. Djin Jung war außerordentlich zufrieden. Er wiegte seinen Kopf, schnalzte mit der Zunge und schwatzte allen möglichen Unsinn. Das aber konnte Jadeschätzchen nicht mit anhören, und so begannen sie sich von Platz zu Platz tuschelnd zu zanken. Dabei behauptete Djin Jung steif und fest: „Eben habe ich klar und deutlich gesehen, wie sich die beiden im Hof geküßt und die Hintern befummelt haben. Sie hatten ausgemacht, sich gegenseitig zu ficken, und wollten Grashalme ziehen, damit der, der den längeren zog, als erster durfte.“ So redete er den größten Unfug daher, nur weil es ihm Spaß machte, und war nicht auf der Hut, daß auch noch andere ihn hören konnten. Und schon hatte er jemanden in Wut gebracht. Wer das war? Er hieß Djia Tjiang und war einer der Ururenkel der Hauptlinie der Djias im Ning-guo-Anwesen. Seine Eltern waren beide früh gestorben, er hatte von klein auf bei Djia Dschën gelebt. Jetzt war er sechzehn Jahre alt und sah noch edler und lieblicher aus als sein Vetter Djia Jung, mit dem er auf vertrautem Fuß stand und häufig beisammen war. Nun gab es aber viele Leute im Ning-guo-Anwesen und ebensoviel Geschwätz. Unzufriedene Sklaven verstehen sich bestens darauf, Gerüchte in die Welt zu setzen und ihre Herrschaft zu schmähen. Ich weiß nicht, welcher niedrigdenkende Mensch wieder Verleumdungen in Umlauf gesetzt hatte, aber Djia Dschën mußte wohl etwas Häßliches munkeln gehört haben und hatte, um sich auch selbst vor Verdächtigungen zu schützen, Djia Tjiang eigene Räume außerhalb des Ning-guo-Anwesens zugewiesen, wo er einen selbständigen Haushalt führen sollte. Djia Tjiang war nicht nur schön von Gestalt, er war dabei auch schlau. Dem Namen nach ging er zwar zur Schule, aber das war bloße Tarnung, denn er besuchte weiter Hahnenkämpfe und Hunderennen und verbrachte seine Zeit in Freudenhäusern. Dabei verließ er sich ganz darauf, daß Djia Dschën eine Schwäche für ihn hatte und Djia Jung ihm behilflich war. Wer von den Sippenangehörigen hätte es da gewagt, ihm zu nahe zu treten! So gut wie sich Djia Tjiang mit Djia Jung stand, konnte er es nicht dulden, daß Tjin Dschung von jemandem beleidigt wurde. Schon wollte er mutig vortreten, um das Unrecht zu sühnen, aber dann überdachte er die Sache noch einmal in seinem Herzen. „Djin Jung und Djia Juee sind mit Onkel Hsüä befreundet“, sagte er sich. „Und ich bin mit Onkel Hsüä auch immer gut ausgekommen. Wenn ich jetzt offen in Erscheinung trete und die anderen erzählen es Alt Hsüä, leidet natürlich unser gutes Verhältnis darunter. Mische ich mich aber nicht ein, sind doch diese Gerüchte zu beschämend für alle. Warum sollte ich nicht eine List gebrauchen, damit dieses Gerede aufhört und gleichzeitig mein Ansehen gewahrt bleibt?“ Als dieser Gedanke zur Klarheit gereift war, gab er ebenfalls vor, ein kleines Geschäft verrichten zu müssen, und ging hinaus, wo er heimlich Bau-yüs Bücherknaben Ming-yän zu sich rief und ihn, „So und so...“, mit ein paar Sätzen aufstachelte. Ming-yän war der tüchtigste von Bau-yüs Sklavenjungen, dazu jung und unerfahren. Jetzt hörte er von Djia Tjiang, Djin Jung habe Tjin Dschung so beleidigt, daß selbst sein Herr Bau-yü mit davon betroffen sei, und Djin Jung würde sich ohne einen ordentlichen Denkzettel beim nächsten Mal sicher noch größere Dreistigkeiten erlauben und dann kaum noch zu bändigen sein. Nun war Ming-yän fähig, auch ohne Grund jemandem Gewalt anzutun. Darum stürmte er jetzt, als er die Nachricht vernommen hatte und sich von Djia Tjiang unterstützt sah, Hals über Kopf in den Unterrichtsraum, um sich Djin Jung vorzuknöpfen. Er redete ihn nicht einmal mit ‚junger Herr‘ an, sondern sagte einfach: „He, Djin! Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Jetzt stampfte Djia Tjiang mit den Stiefeln auf, brachte betont seine Kleidung in Ordnung, schaute nach dem Sonnenstand, sagte: „Es wird Zeit!“, und erklärte Djia Juee, er habe eine Besorgung zu machen und müsse deshalb etwas früher gehen. Djia Juee, der es nicht wagte, ihn aufzuhalten, mußte ihn gehen lassen. Inzwischen hatte Ming-yän Djin Jung am Arm gepackt und fragte ihn: „Hat das etwas mit deinem Schwanz zu tun, ob wir arschficken oder nicht? Schließlich haben wir nicht deinen Vater gefickt, verdammt noch mal! Wenn du ein Kerl bist, komm raus und versuch dein Glück mit Herrn Ming-yän!“ Alle im Raum glotzten vor Schreck wie versteinert. Djia Juee schrie Ming-yän an, er solle sich benehmen, und Djin Jung, dessen Gesicht vor Wut fahl geworden war, sagte: „Du wagst es, du Sklave, du niedriger Wicht? Das werde ich mit deinem Herrn abmachen!“ Damit riß er sich los und wollte sich auf Bau-yü und Tjin Dschung stürzen. Aber noch ehe er den ersten Schritt gemacht hatte, kam sausend ein Tuschereibstein von hinten geflogen, den wer weiß wer geworfen hatte. Glücklicherweise traf er nicht und schlug vielmehr auf einem der Nachbarplätze auf, wo Djia Lan und Djia Djün saßen. Djia Djün gehörte zur Generation der Urenkel im Jung-guo-Anwesen und entstammte einer nahe verwandten Nebenlinie der Sippe. Auch seine Mutter war in jungen Jahren Witwe geworden und hatte nur diesen einen Sohn. Djia Djün war mit Djia Lan eng befreundet, und darum saßen sie zusammen an einem Tisch. Wenn Djia Djün auch noch klein war, hatte er doch große Vorsätze und war dreist und unerschrocken. Es hatte ihn kalt gelassen, als er sah, daß einer von Djin Jungs Freunden diesen heimlich unterstützen wollte, indem er einen Tuschereibstein nach Ming-yän schleuderte. Aber wie konnte er ruhig bleiben, als der Reibstein, anstatt
Aus: Jinyuyuan 1889b. Ming-yän zu treffen, gerade vor ihm auf den Tisch niederkrachte und den Wasserbehälter aus Porzellan zertrümmerte, so daß schmutziges Wasser seine Bücher bespritzte! „Ihr Sträflingspack!“ schimpfte er. „Jetzt geht es erst richtig los!“ Damit ergriff er den Tuschereibstein und wollte ihn zurückwerfen, aber Djia Lan, der Unannehmlichkeiten lieber aus dem Wege ging, hielt den Reibstein fest und redete nach Kräften auf Djia Djün ein. „Liebster Vetter“, sagte er, „uns geht doch das nichts an!“ Aber Djia Djün konnte die Angelegenheit natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Er packte deshalb mit beiden Händen einen Kasten mit Büchern und warf ihn durch den Raum. Aber klein und schlapp, wie er war, erreichte sein Geschoß nicht das Ziel und landete genau auf dem Tisch, an dem Bau-yü und Tjin Dschung saßen. Krach! machte es, und Bücher, Papier, Pinsel und Reibstein flogen durcheinander über den ganzen Tisch. Auch Bau-yüs Teeschale war mit getroffen. Die Schale zerbrach, und der Tee lief aus. Nun sprang Djia Djün auf, um den Jungen zu packen, der den Tuschereibstein geworfen hatte. Djin Jung hatte sich inzwischen einen großen Bambusprügel gegriffen, konnte aber in dem engen Raum voller Jungen das lange Ding nicht richtig herumwirbeln lassen. Doch schon hatte Ming-yän einen Schlag damit abbekommen und schrie jetzt aufgeregt: „Wollt ihr nicht endlich mitmachen?“ Bau-yü hatte noch drei andere kleine Sklavenjungen – Tschu-yau, Sau-hung und Mo-yü, einer so frech wie der andere. „Ihr Konkubinenbrut, habt ihr zu den Waffen gegriffen?!“ schrien sie, und Mo-yü faßte den schweren Balken, der dazu diente, die Tür zu versperren, während Sau-hung und Tschu-yau ihre Pferdepeitschen zur Hand hatten. So stürzten sie wie ein Bienenschwarm hinein. Djia Juee stellte sich in seiner Aufregung hier jemandem in den Weg und redete dort auf jemanden ein, aber wer hörte schon auf ihn! Alle tobten wild durcheinander. Von der Menge der zuchtlosen Knaben trugen die einen dazu bei, die Stimmung zu heben, indem sie im rechten Augenblick ungefährdet ein paar Schläge von hinten austeilten, andere verkrochen sich ängstlich am Rande, und manche standen hoch aufgerichtet auf den Tischen, klatschten in die Hände, lachten wie verrückt und schrien: „Feste, feste!“ So war der Raum in wenigen Augenblicken zu einem brodelnden Kessel geworden. Als Li Guee und die anderen erwachsenen Sklaven von draußen hörten, daß drinnen der Aufruhr tobte, gingen sie rasch hinein, geboten Ruhe und fragten nach dem Grund für die Aufregung. Aber darüber war die Meinung geteilt, der eine sagte so, der andere so. Also schimpfte Li Guee erst einmal Ming-yän und seine drei Gefährten aus und jagte sie aus dem Raum. Tjin Dschung hatte eine Schramme am Kopf, der mit Djin Jungs Bambusprügel Bekanntschaft gemacht hatte, und Bau-yü wischte sie eben mit dem Aufschlag seines Gewandes ab. Als er sah, daß alle zur Ruhe gebracht waren, befahl er Li Guee: „Sammle meine Bücher ein und bring mein Pferd! Ich will zum gnädigen Herrn, ihm alles zu berichten! Man hat uns beleidigt, mehr will ich gar nicht davon sagen, und als wir uns in aller Form bei Herrn Djia Juee darüber beklagten, hat er uns die Schuld aufgegeben. Er hat geduldet, daß die andern uns beschimpfen, und hat sie noch aufgestachelt, unsern Ming-yän zu hauen. Tjin Dschung haben sie sogar den Kopf aufgeschlagen. Wie soll ich noch länger hier lernen? Ming-yän hatte sich doch nur eingemischt, weil ich beleidigt worden war. Das Beste ist wirklich, ich gehe!“ „Nicht so hitzig, kleiner Herr!“ redete Li Guee ihm zu. „Wenn der gnädige Herr schon wieder zu Hause ist, weil er hier etwas zu tun hat, und Ihr ihn wegen so einer Lappalie belästigt, würde uns das sehr ins Unrecht setzen. Ich halte es für das Beste, solche Sachen immer gleich an Ort und Stelle zu erledigen. Warum müßt Ihr unbedingt den gnädigen Herrn auf Euch aufmerksam machen?“ Dann fuhr er fort: „Alles ist nur Eure Schuld, Herr Djia Juee! Wenn Euer Großvater nicht in der Schule ist, seid Ihr hier der Leiter, und alle verhalten sich so, wie Ihr sie leitet. Wenn sie sich etwas zuschulden kommen lassen, muß Schläge bekommen, wer Schläge verdient, und Strafe, wer Strafe verdient. Wie konntet Ihr es zulassen, daß so ein Tumult entsteht, ohne daß Ihr eingegriffen habt?“ „Ich habe ja geschrien, aber keiner hat auf mich gehört“, verteidigte sich Djia Juee. „Nehmt es mir nicht übel“, erwiderte Li Guee mit einem Lächeln, „aber für gewöhnlich benehmt Ihr Euch selbst nicht ganz korrekt, und deshalb hören sie nicht auf Euch. Wenn der Skandal jetzt bis vor den gnädigen Herrn gelangt, kommt Ihr auch nicht ungeschoren davon. Also macht Euch lieber rasch Gedanken, wie die Sache beizulegen ist!“ „Was heißt hier beilegen?“ wandte Bau-yü ein. „Ich gehe es melden, auf jeden Fall!“ Und Tjin Dschung sagte unter Tränen: „Wo Djin Jung ist, gehe ich nicht länger zur Schule!“ „Was soll denn das heißen?“ fragte Bau-yü. „Sollen die etwa kommen dürfen und wir nicht? Ich werde allen genau darüber berichten, und Djin Jung wird hinausgeworfen.“ Dann wandte er sich an Li Guee, um zu fragen: „Über welchen Zweig der Familie ist Djin Jung überhaupt mit uns verwandt?“ Li Guee dachte kurz nach und sagte dann: „Ihr solltet besser nicht danach fragen, damit das Verhältnis von Euch jungen Herren untereinander nicht noch mehr leidet.“ Aber da rief Ming-yän durchs Fenster: „Er ist der Neffe der Frau Eures Vetters Huang aus der Ostgasse, und so einer will kräftig genug sein, andern den Rücken zu stärken und uns Angst einzujagen! Herrn Djia Huangs Frau ist seine Tante väterlicherseits. – Du, Deine Tante ist eine Speichelleckerin, die vor der Frau von Herrn Djia Liän immer nur auf den Knien rutscht und sie bittet, ihr Sachen zu borgen, die sie in die Pfandleihe schaffen kann. Solche Art Herrschaften kann ich nur verachten!“ „Du verfluchtes kleines Aas!“ fuhr Li Guee ihn an. „Mußt ausgerechnet du von diesen Klatschgeschichten wissen?“ „Ich hatte gedacht, er sei mit wer weiß wem verwandt“, sagte Bau-yü mit höhnischem Lächeln. „Dabei ist er ein Neffe der Frau von Vetter Huang. Mit der werde ich gleich mal ein Wörtchen reden!“ Damit wollte er wirklich gehen und befahl Ming-yän, hereinzukommen und ihm die Bücher zusammenzupacken. Während Ming-yän damit beschäftigt war, sagte er mit Genugtuung: „Warum wollt Ihr selbst gehen, Herr? Ich werde zu ihr gehen und sagen, die alte gnädige Frau wolle sie etwas fragen. Dann miete ich einen Wagen und bringe sie, und Ihr könnt sie in Gegenwart der alten gnädigen Frau zur Rede stellen. Ist das nicht einfacher?“ „Daß du verrecken mögest!“ schrie Li Guee ihn an. „Paß auf, daß ich dir nicht zuerst eine ordentliche Tracht verpasse, wenn wir zu Hause sind, und dann dem gnädigen Herrn und der gnädigen Frau berichte, daß Bau-yü nur von dir aufgehetzt worden ist! Kaum habe ich ihn hier mit Müh und Not halbwegs zur Ruhe gebracht, da kommst du wieder mit einer neuen Idee. Du hast die ganze Schule in Aufruhr versetzt, und anstatt nun mit einem andern Mittel auch wieder für Ruhe zu sorgen, wie es sich gehören würde, willst du die Sache immer noch schlimmer machen.“ Jetzt erst wagte sich Ming-yän nicht mehr zu mucksen. Auch Djia Juee, dessen Gewissen alles andere als rein war, hatte Angst, der Skandal könnte noch weitere Kreise ziehen, darum demütigte er sich und leistete erst bei Tjin Dschung und dann bei Bau-yü Abbitte. Zuerst wollten die beiden nichts davon wissen, aber dann sagte Bau-yü: „Ich brauche es auch nicht zu melden, aber Djin Jung muß sich entschuldigen, dann erst ist die Sache erledigt!“ Djin Jung weigerte sich zunächst, aber Djia Juees Druck konnte er schließlich nicht widerstehen. Auch Li Guee und die anderen redeten ihm gut zu. „Du hast die Sache angefangen, jetzt mußt du ihr auch ein Ende machen“, sagten sie. Nun konnte sich Djin Jung nicht länger sträuben, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich vor Tjin Dschung zu verbeugen. Bau-yü war das noch nicht genug, er bestand auf einem Stirnaufschlag. Djia Juee, der keinen anderen Wunsch hatte, als die Sache erst einmal beizulegen, redete Djin Jung leise zu: „Was heißt hier umbringen, wenn nur der Kopf ab soll, sagt der Volksmund. Alles halb so schlimm! Und wer sich selbst in Unannehmlichkeiten bringt, der kann nicht umhin, seinen Zorn herunterzuschlucken. Mach einen Stirnaufschlag, und der Fall ist erledigt!“ Djin Jung blieb nun keine andere Wahl, er mußte vor Tjin Dschung niederknien und mit der Stirn den Boden berühren. Im nächsten Kapitel soll alles näher erläutert werden.