Hongloumeng/Chapter 9
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第九回
恋风流情友入家塾
起嫌疑顽童闹学堂
Vertraute Freunde, die das Schöne lieben, treten in die Familienschule ein; ungezogene Knaben, die einen Verdacht hegen, stiften Unruhe im Schulzimmer.
| 中文原文 (庚辰本) | Deutsche Übersetzung (Schwarz) |
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話說秦業父子專候賈家的人來送上學擇日之信。原來寶玉急於要和秦鐘相遇,卻顧不得別的,遂擇了後日一定上學。「後日一早,請秦相公到我這裡,會齊了,一同前去。」——打發了人送了信。 至是日一早,寶玉起來時,襲人早已把書筆文物包好,收拾得停停妥妥,坐在床沿上發悶。見寶玉醒來,只得伏待他梳洗。寶玉見他悶悶的,因笑問道:「好姐姐,你怎麼又不自在了?難道怪我上學去丟的你們冷清了不成?」襲人笑道:「這是那裡話。讀書是極好的事,不然就潦倒一輩子,終久怎麼樣呢。但只一件,只是念書的時節想著書,不念的時節想著家些。別和他們一處玩鬧,碰見老爺不是頑的。雖說是奮志要強,那工課寧可少些,一則貪多嚼不爛,二則身子也要保重。這就是我的意思,你可要體諒。」襲人說一句,寶玉答應一句。襲人又道:「大毛衣服我也包好了,交出給小子們去了。學里冷,好歹想著添換,比不得家裡有人照顧。腳爐手爐的炭也交出去了,你可逼著他們添。那一起懶賊,你不說,他們樂得不動,白凍壞了你。」寶玉道:「你放心,出外頭我自己都會調停的。你們也別悶死在這屋裡,長和林妹妹一處去頑笑才好。」說著,俱已穿戴齊備,襲人催他去見賈母、賈政、王夫人等。寶玉且又囑咐了晴雯麝月等幾句,方出來見賈母。賈母也未免有幾句囑咐的話。然後去見王夫人,又出來書房中見賈政。 偏生這日賈政回家早些,正在書房中與相公清客們閒談。忽見寶玉進來請安,回說上學里去,賈政冷笑道:「你如果再提『上學』兩個字,連我也羞死了。依我的話,你竟頑你的去是正理。仔細站臟了我這地,靠臟了我的門!」眾清客相公們都早起身笑道:「老世翁何必又如此。今日世兄一去,三二年就可顯身成名的了,斷不似往年仍作小兒之態了。天也將飯時,世兄竟快請罷。」說著便有兩個年老的攜了寶玉出去。 賈政因問:「跟寶玉的是誰?」只聽外面答應了兩聲,早進來三四個大漢,打千兒請安。賈政看時,認得是寶玉的奶母之子,名喚李貴。因向他道:「你們成日家跟他上學,他到底念了些什麼書!倒念了些流言混話在肚子里,學了些精緻的淘氣。等我閒一閒,先揭了你的皮,再和那不長進的算賬!」嚇的李貴忙雙膝跪下,摘了帽子,碰頭有聲,連連答應「是」,又回說:「哥兒已經念到第三本《詩經》,什麼『呦呦鹿鳴,荷葉浮萍』,小的不敢撒謊。」說的滿座哄然大笑起來。賈政也掌不住笑了。因說道:「那怕再念三十本《詩經》,也都是掩耳偷鈴,哄人而已。你去請學里太爺的安,就說我說了:什麼《詩經》古文,一概不用虛應故事,只是先把《四書》一氣講明背熟,是最要緊的。」李貴忙答應「是」,見賈政無話,方退出去。 此時寶玉獨站在院外屏聲靜候,待他們出來,便忙忙的走了。李貴等一面彈衣服,一面說道:「哥兒可聽見了不曾?可先要揭我們的皮呢!人家的奴才跟主子賺些好體面,我們這等奴才白陪挨打受罵的。從此後也可憐見些才好。」寶玉笑道:「好哥哥,你別委曲,我明兒請你。」李貴道:「小祖宗,誰敢望你請?只求聽一句半句話就有了。」說著,又至賈母這邊,秦鐘已早來候著了,賈母正和他說話兒呢。於是二人見過,辭了賈母。寶玉忽想起未辭黛玉,因又忙至黛玉房中來作辭。彼時黛玉才在窗下對鏡理妝,聽寶玉說上學去,因笑道:「好!這一去,可定是要『蟾宮折桂』去了。我不能送你了。」寶玉道:「好妹妹,等我下學再吃晚飯。和胭脂膏子也等我來再制。」勞叨了半日,方撤身去了。黛玉忙又叫住問道:「你怎麼不去辭辭你寶姐姐呢?」寶玉笑而不答。一徑同秦鐘上學去了。 原來這賈家義學離此也不甚遠,不過一里之遙,原系始祖所立,恐族中子弟有貧窮不能請師者,即入此中肄業。凡族中有官爵之人,皆供給銀兩,按俸之多寡幫助,為學中之費。特共舉年高有德之人為塾掌,專為訓課子弟。如今寶秦二人來了,一一的都互相拜見過,讀起書來。自此以後,他二人同來同往,同起同坐,愈加親密。又兼賈母愛惜,也時常的留下秦鐘,住上三天五日,與自己的重孫一般疼愛。因見秦鐘不甚寬裕,更又助他些衣履等物。不上一月之工,秦鐘在榮府便熟了。寶玉終是不安分之人,竟一味的隨心所欲,因此又發了癖性,又特向秦鐘悄說道:「咱們倆個人一樣的年紀,況又是同窗,以後不必論叔侄,只論弟兄朋友就是了。」先是秦鐘不肯,當不得寶玉不依,只叫他「兄弟」,或叫他的表字「鯨卿」,秦鐘也只得混著亂叫起來。 原來這學中雖都是本族人丁與些親戚家的子弟,俗語說的好,「一龍生九種,種種各別。」未免人多了,就有龍蛇混雜,下流人物在內。自寶、秦二人來了,都生的花朵兒一般的模樣,又見秦鐘靦腆溫柔,未語面先紅,怯怯羞羞,有女兒之風;寶玉又是天生成慣能做小服低,賠身下氣,性情體貼,話語綿纏,因此二人更加親厚,也怨不得那起同窗人起了疑,背地裡你言我語,詬誶謠諑,佈滿書房內外。 原來薛蟠自來王夫人處住後,便知有一家學,學中廣有青年子弟,不免偶動了龍陽之興,因此也假來上學讀書,不過是三日打魚,兩日曬網,白送些束修禮物與賈代儒,卻不曾有一些兒進益,只圖結交些契弟。誰想這學內就有好幾個小學生,圖了薛蟠的銀錢吃穿,被他哄上手的,也不消多記。更有兩個多情的小學生,亦不知是那一房的親眷,亦未考真名姓,只因生得嫵媚風流,滿學中都送了他兩個外號,一號「香憐」,一號「玉愛」。誰都有竊慕之意,將不利於孺子之心,只是都懼薛蟠的威勢,不敢來沾惹。如今寶、秦二人一來了,見了他兩個,也不免繾綣羡慕,亦因知系薛蟠相知,故未敢輕舉妄動。香、玉二人心中,也一般的留情與寶、秦。因此四人心中雖有情意,只未發跡。每日一入學中,四處各坐,卻八目勾留,或設言托意,或詠桑寓柳,遙以心照,卻外面自為避人眼目。不意偏又有幾個滑賊看出形景來,都背後擠眉弄眼,或咳嗽揚聲,這也非此一日。 可巧這日代儒有事,早已回家去了,又留下一句七言對聯,命學生對了,明日再來上書;將學中之事,又命賈瑞暫且管理。妙在薛蟠如今不大來學中應卯了,因此秦鐘趁此和香憐擠眉弄眼,遞暗號兒,二人假裝出小恭,走至後院說體己話。秦鐘先問他:「家裡的大人可管你交朋友不管?」一語未了,只聽背後咳嗽了一聲。二人唬的忙回頭看時,原來是窗友名金榮者。香憐本有些性急,羞怒相激,問他道:「你咳嗽什麼?難道不許我兩個說話不成?」金榮笑道:「許你們說話,難道不許我咳嗽不成?我只問你們:有話不明說,許你們這樣鬼鬼祟祟的幹什麼故事?我可也拿住了,還賴什麼!先得讓我抽個頭兒,咱們一聲兒不言語,不然大家就奮起來。」秦、香二人急得飛紅的臉,便問道:「你拿住什麼了?」金榮笑道:「我現拿住了是真的。」說著,又拍著手笑嚷道:「貼的好燒餅!你們都不買一個吃去?」秦鐘香憐二人又氣又急,忙進來向賈瑞前告金榮,說金榮無故欺負他兩個。 原來這賈瑞最是個圖便宜沒行止的人,每在學中以公報私,勒索子弟們請他;後又附助著薛蟠,圖些銀錢酒肉,一任薛蟠橫行霸道,他不但不去管約,反助紂為虐討好兒。偏那薛蟠本是浮萍心性,今日愛東,明日愛西,近來又有了新朋友,把香、玉二人丟開一邊。就連金榮亦是當日的好朋友,自有了香、玉二人,便棄了金榮。近日連香、玉亦已見棄。故賈瑞也無了提攜幫襯之人,不說薛蟠得新棄舊,只怨香、玉二人不在薛蟠前提攜幫補他,因此賈瑞金榮等一干人,也正在醋妒他兩個。今兒見秦、香二人來告金榮,賈瑞心中便不自在起來,不好呵叱秦鐘,卻拿著香憐作法,反說他多事,著實搶白了幾句。香憐反討了沒趣,連秦鐘也訕訕的各歸坐位去了。金榮越發得了意,搖頭咂嘴的,口內還說許多閒話,玉愛偏又聽了不忿,兩個人隔座咕咕唧唧的角起口來。金榮只一口咬定說:「方纔明明的撞見他兩個在後院子里親嘴摸屁股,一對一肏,撅草棍兒抽長短,誰長誰先干。」金榮只顧得意亂說,卻不防還有別人。誰知早又觸怒了一個。你道這個是誰? 原來這一個名喚賈薔,亦系寧府中之正派玄孫,父母早亡,從小兒跟賈珍過活,如今長了十六歲,比賈蓉生的還風流俊俏。他兄弟二人最相親厚,常相共處。寧府人多口雜,那些不得志的奴僕們,專能造言誹謗主人,因此不知又有了什麼小人詬誶謠諑之辭。賈珍想亦風聞得些口聲不大好,自己也要避些嫌疑,如今竟分與房舍,命賈薔搬出寧府,自去立門戶過活去了。這賈薔外相既美,內性又聰明,雖然應名來上學,亦不過虛掩眼目而已。仍是鬥雞走狗,賞花玩柳。總恃上有賈珍溺愛,下有賈蓉匡助,因此族中人誰敢來觸逆於他。他既和賈蓉最好,今見有人欺負秦鐘,如何肯依?如今自己要挺身出來報不平,心中卻忖度一番,想道:「金榮賈瑞一干人,都是薛大叔的相知,嚮日我又與薛大叔相好,倘或我一齣頭,他們告訴了老薛,我們豈不傷和氣?待要不管,如此謠言,說的大家沒趣。如今何不用計制服,又止息了口聲,又不傷了臉面。」想畢,也裝出小恭,走至外面,悄悄的把跟寶玉的書童名喚茗煙者喚到身邊,如此這般調撥他幾句。 這茗煙乃是寶玉第一個得用的,且又年輕不暗世事,如今聽賈薔說金榮如此欺負秦鐘,連他爺寶玉都干連在內,不給他個利害,下次越發狂縱難制了。這茗煙無故就要欺壓人的,如今得了這個信,又有賈薔助著,便一頭進來找金榮,也不叫金相公了,只說:「姓金的,你是什麼東西!」賈薔遂跺一跺靴子,故意整整衣服,看看日影兒說:「是時候了。」遂先向賈瑞說有事要早一步。賈瑞不敢強他,只得隨他去了。這裡茗煙先一把揪住金榮,問道:「我們肏屁股不肏屁股,管你相干?橫豎沒肏你爹去罷了!你是好小子,出來動一動你茗大爺!」嚇的滿屋中子弟都怔怔的痴望。賈瑞忙吆喝:「茗煙不得撒野!」金榮氣黃了臉,說:「反了!奴才小子都敢如此,我和你主子說。」便奪手要去抓打寶玉秦鐘。尚未去時,從得腦後「颼」的一聲,早見一方硯瓦飛來,並不知系何人打來的,幸未打著,卻又打了旁人的座上,這座上乃是賈藍賈菌。 賈菌亦系榮府近派的重孫,其母亦少寡,獨守著賈菌,這賈菌與賈藍最好,所以二人同桌而坐。誰知賈菌年紀雖小,志氣最大,極是淘氣不怕人的。他在座上冷眼看見金榮的朋友暗助金榮,飛硯來打茗煙,偏沒打著茗煙,便落在他座上,正打在面前,將一個磁硯水壺打了個粉碎,濺了一書黑水。賈菌如何依得,便罵:「好囚攮的們,這不都動了手了麼!」罵著,也抓起硯磚來要打回去。賈藍是個省事的,忙按住硯,極口勸道:「好兄弟,不與咱們相干。」賈菌如何忍得住,便兩手抱起書匣子來,照那邊掄了去。終是身小力薄,卻掄不到那裡,剛到寶玉秦鐘桌案上就落了下來,只聽「嘩啷啷」一聲,砸在桌上,書本紙片等至於筆硯之物撒了一桌,又把寶玉的一碗茶也砸得碗碎茶流。賈菌便跳出來,要揪打那一個飛硯的。金榮此時隨手抓了一根毛竹大板在手,地狹人多,那裡經得舞動長板。茗煙早吃了一下,亂嚷:「你們還不來動手!」寶玉還有三個小廝:一名鋤藥,一名掃紅,一名墨雨。這三個豈有不淘氣的,一齊亂嚷:「小婦養的!動了兵器了!」墨雨遂掇起一根門閂,掃紅鋤藥手中都是馬鞭子,蜂擁而上。賈瑞急攔一回這個,勸一回那個,誰聽他的話,肆行大鬧。眾頑童也有趁勢幫著打太平拳助樂的,也有膽小藏在一邊的,也有直立在桌上拍著手兒亂笑、喝著聲兒叫打的,登時間鼎沸起來。 外邊李貴等幾個大僕人聽見裡邊作反起來,忙都進來一齊喝住。問是何原故。眾聲不一,這一個如此說,那一個又如彼說。李貴且喝罵了茗煙四個一頓,攆了出去。秦鐘的頭早撞在金榮的板上,打去一層油皮,寶玉正拿褂襟子替他揉呢,見喝住了眾人,便命:「李貴,收書!拉馬來,我回去回太爺去!我們被人欺負了,不敢說別的,守禮來告訴瑞大爺,瑞大爺反倒派我們不是,聽人家罵我們,還調唆他們打我們茗煙,連秦鐘的頭也打破,這還在這裡念什麼書!茗煙他也是為有人欺侮我的。不如散了罷。」李貴勸道:「哥兒不要性急。太爺既有事回家去了,這會子為這點子事去聒噪他老人家,倒顯的咱們沒理。依我的主意,那裡的事那裡了結好,何必去驚動他老人家。這都是瑞大爺的不是,太爺不在這裡,你老人家就是這學里的頭腦了,眾人看你著行事。眾人有了不是,該打的打,該罰的罰,如何等鬧到這步田地不管?」賈瑞道:「我吆喝著都不聽。」李貴笑道:「不怕你老人家惱我,素日你老人家到底有些不正經,所以這些兄弟才不聽。就鬧到太爺跟前去,連你老人家也脫不過的。還不快作主意撕羅開了罷。」寶玉道:「撕羅什麼?我必是回去的!」秦鐘哭道:「有金榮,我是不在這裡念書的。」寶玉道:「這是為什麼?難道有人家來得的,咱們倒來不得?我必回明白眾人,攆了金榮去。」又問李貴:「金榮是那一房的親戚?」李貴想了一想:「也不用問了。若說起那一房的親戚,更傷了弟兄們的和氣了。」 茗煙在窗外道:「他是東衚衕里璜大奶奶的侄兒,那是什麼硬正仗腰子的,也來唬我們。璜大奶奶是他姑娘。你那姑媽只會打旋磨子,給我們璉二奶奶跪著借當頭。我眼裡就看不起他那樣的主子奶奶!」李貴忙斷喝不止,說:「偏你這小狗肏的知道,有這些蛆嚼!」寶玉冷笑道:「我只當是誰的親戚,原來是璜嫂子的侄兒,我就去問問他來!」說著便要走,叫茗煙進來包書。茗煙包著書,又得意道:「爺也不用自己去見,等我去到他家,就說老太太有說的話問他呢,雇上一輛車拉進去,當著老太太問他,豈不省事?」李貴忙喝道:「你要死!仔細回去我好不好先捶了你,然後再回老爺太太,就說寶玉全是你調唆的。我這裡好容易勸哄的好了一半了,你又來生個新法子。你鬧了學堂,不說變法兒壓息了才是,倒要往大里鬧!」茗煙方不敢作聲兒了。 此時賈瑞也怕鬧大了,自己也不乾淨,只得委曲著來央告秦鐘,又央告寶玉。先是他二人不肯。後來寶玉說:「不回去也罷了,只叫金榮賠不是便罷。」金榮先是不肯,後來禁不得賈瑞也來逼他去賠不是,李貴等只得好勸金榮說:「原來是你起的端,你不這樣,怎得了局?」金榮強不得,只得與秦鐘作了揖。寶玉還不依,偏定要磕頭。賈瑞只要暫息此事,又悄悄的勸金榮說:「俗語說的好,『殺人不過頭點地』。你既惹出事來,少不得下點氣兒,磕個頭就完事了。」金榮無奈,只得進前來與秦鐘磕頭。且聽下回分解。 注释 |
re ich doch auch in der armen Familie eines kleinen Beamten geboren, dann hätte ich ihn schon längst kennenlernen können und hätte mein Leben nicht umsonst gelebt! Ich bin so viel vornehmer als er, und doch bin ich nur ein Holzklotz, den man in Gaze und bunte Seide wickelt, eine Jauchegrube, die man mit Wein und Lammfleisch füllt. Die Begriffe Reichtum und Vornehmheit werden durch mich beschmutzt und vergiftet.“ Als Tjin Dschung seinerseits sah, daß Bau-yü durch Ansehen und Betragen von der Menge abstach, daß er noch dazu goldenen Kopfschmuck und gestickte Kleidung trug und von stolzen Sklavenmädchen und übermütigen Sklavenjungen umgeben war, sagte er sich: ‚Kein Wunder, daß diesen Bau-yü jedermann liebt! Welch ein Jammer, daß ich ausgerechnet einer armen, ehrlichen Familie entstamme und nicht sein vertrauter Freund sein kann! Da sieht man, wie der Mensch durch die beiden Begriffe Armut und Dürftigkeit eingeschränkt wird. Auch das ist eine der großen Unerfreulichkeiten dieser Welt!‘ So hingen sie beide gleichermaßen unsinnigen und verworrenen Gedanken nach. Plötzlich fragte Bau-yü, welche Bücher Tjin Dschung lese. Tjin Dschung hörte, wie Bau-yü ihn ansprach, und antwortete wahrheitsgemäß. So gab ein Wort das andere, und als sie zehn Sätze miteinander gewechselt hatten, fühlten beide, wie sie vertraut miteinander wurden. Als bald darauf Tee und Naschwerk aufgetragen wurden, sagte Bau-yü: „Wir beide trinken doch keinen Wein, also laßt uns die Sachen auf das kleine Ofenbett im Innenraum stellen, dann setzen wir uns dorthin und stören euch nicht.“ So gingen sie beide in den Innenraum und tranken dort ihren Tee. Frau Tjin setzte Hsi-fëng Wein und Näschereien vor, dann ging sie den beiden nach und bat Bau-yü: „Onkel Bau-yü! Wenn etwa Euer Neffe etwas Ungebührliches sagt, nehmt es ihm bitte mir zuliebe nicht übel! Er ist zwar scheu, aber es kommt vor, daß er eigensinnig und nicht eben folgsam ist.“ „Geh nur, ich weiß schon Bescheid“, sagte Bau-yü lächelnd. Aber Frau Tjin erteilte ihrem Bruder erst noch einige Ermahnungen, ehe sie wieder zu Hsi-fëng hinüberging, um ihr Gesellschaft zu leisten. Ein Weilchen später schickten Hsi-fëng und Frau You jemanden hinüber, um Bau-yü zu fragen, was er essen wolle. Es sei alles da, er brauche nur etwas zu sagen. Bau-yü sagte zwar „Ja!“ dazu, aber ihm stand jetzt der Sinn nicht nach Essen, und er erkundigte sich bei Tjin Dschung nach dessen häuslichen Verhältnissen. Daraufhin berichtete ihm Tjin Dschung: „Im letzten Jahr ist mein Lehrer an einer Krankheit gestorben. Mein Vater ist alt und von allerlei Übeln geplagt, außerdem sind seine Amtsgeschäfte zu zahlreich. So ist noch nicht die Rede davon gewesen, einen neuen Lehrer zu suchen. Zur Zeit frische ich zu Hause nur den alten Lehrstoff auf. Um weiterzulernen, brauche ich ein, zwei gute Freunde, die mir Gesellschaft leisten. Nur wenn man sich ständig über alles ausspricht, kann man vorankommen...“ Ohne das Ende seiner Rede abzuwarten, sagte Bau-yü: „Du hast Recht! Aber wir haben hier eine Familienschule, die jeder besuchen kann, der zur Sippe gehört, wenn er nicht in der Lage ist, einen Lehrer anzustellen. Unter den Jungen sind auch angeheiratete Verwandte, die mitlernen dürfen. Ich mache jetzt ebenfalls eine Zwangspause, seitdem mein Lehrer im vergangenen Jahr in seine Heimat zurückgekehrt ist. Mein Vater möchte, daß ich einstweilen die Familienschule besuche, um die Texte zu wiederholen, die ich früher gelesen habe, und dann wieder allein zu Hause weiterlerne, wenn im nächsten Jahr ein neuer Lehrer gekommen ist. Aber meine Großmutter fand, es seien zu viele Jungen in der Schule und sie seien alle miteinander ungezogen, was nicht gut für mich wäre. Außerdem bin ich auch ein paar Tage krank gewesen, wodurch sich die Sache verzögert hat. Wenn sich also dein Herr Vater Sorgen deswegen macht, warum willst du ihm dann nicht heute, wenn du nach Hause kommst, davon berichten und dann in unsere bescheidene Familienschule kommen? Ich würde dir Gesellschaft leisten, und wir hätten beide einen Nutzen davon. Wäre das nicht eine gute Sache?“ Lächelnd erwiderte Tjin Dschung: „Als mein Vater neulich davon sprach, einen neuen Hauslehrer zu suchen, hat er auch die hiesige Freischule erwähnt und gesagt, sie sei sehr gut. Eigentlich wollte er herkommen, um mit Herrn Djia Dschën darüber zu sprechen und mich für die Schule vorzuschlagen. Aber da hier alle viel zu tun haben, kann er schlecht jemanden wegen so einer Kleinigkeit belästigen. Wenn Ihr Euch tatsächlich für mich einsetzt, Onkel Bau-yü, kann ich vielleicht die Tusche für Euch reiben und Euren Tuschereibstein waschen. Warum können wir das nicht schnell in Ordnung bringen? Dann brauchte keiner von uns das Lernen zu vernachlässigen, und wir könnten uns immer miteinander unterhalten. Unsere Eltern wären beruhigt, und wir könnten die Freuden der Freundschaft genießen. Wäre das nicht wirklich schön?“ „Keine Sorge, keine Sorge!“ sagte Bau-yü. „Wir sprechen mit deinem Schwager, mit deiner Schwester und mit Djia Liäns Frau. Wenn du heute nach Hause kommst, berichtest du deinem Herrn Vater davon, und ich berichte es meiner Großmutter. Dann gibt es keinen Grund mehr, warum die Sache nicht bald in Ordnung gehen sollte.“ Als sie so alles abgesprochen hatten, war es bereits Zeit, die Lampen anzuzünden. Sie gingen ins andere Zimmer hinüber und sahen beim Dominospiel zu. Als abgerechnet wurde, hatten Frau Tjin und Frau You wieder einmal verloren und mußten dafür eine Theatervorstellung mit Umtrunk ausrichten. Nachdem sie festgelegt hatten, die Vorstellung solle am übernächsten Tag stattfinden, befahlen sie, das Abendessen aufzutragen. Nach dem Essen war es bereits dunkel, und so sagte Frau You: „Zwei Diener sollen den jungen Herrn Tjin nach Hause begleiten!“ Einige Zeit, nachdem die Sklavenfrauen den Befehl nach draußen weitergegeben hatten, verabschiedete sich Tjin Dschung und stand auf. „Wer ist beauftragt mitzugehen?“ erkundigte sich Frau You, und die Sklavinnen meldeten ihr: „Die von draußen wollten Djiau Da schicken, aber er ist betrunken und hat wieder einmal geschimpft.“ „Warum mußten sie ausgerechnet ihn schicken?“ fragten Frau You und Frau Tjin. „All die jungen Diener werden in Ruhe gelassen, von denen braucht keiner zu gehen, nein, Djiau Da muß es sein, den sie wieder mal damit triezen.“ „Ich sage ja immer, ihr seid zu weich“, mischte Hsi-fëng sich ein. „Ist denn das die Möglichkeit? Wie kann man so viel Nachsicht mit dem Gesinde haben?“ „Du weißt wohl nicht, wer Djiau Da ist?“ fragte Frau You und seufzte. „Selbst der alte gnädige Herr macht ihm keine Vorschriften, und dein Schwager Dschën ebensowenig. Von klein auf hat er die gnädigen Ahnherren auf drei oder vier Feldzügen begleitet. Unsern gnädigen Ahn hat er auf seinem Rücken aus einem Leichenhaufen herausgetragen, und nachdem er ihm so das Leben gerettet hatte, hat er selbst gehungert, aber für seinen Herrn hat er etwas zu essen gestohlen. Als sie tagelang nichts getrunken hatten und er eine halbe Schale Wasser beschaffen konnte, hat er sie seinem Herrn gegeben, und er selber hat Pferdeharn getrunken. Das sind die Verdienste, auf die er sich beruft, und solange der gnädige Ahnherr noch lebte, wurde auch Djiau Da mit besonderen Augen angesehen. Wer brächte es da heute fertig, ihm zu nahe zu treten! Jetzt ist er alt geworden und hat auch keinen Sinn mehr für Anstand. Er trinkt nur in einem fort, und wenn er betrunken ist, macht er mit seinem Geschimpfe vor niemand halt. Ich habe den Verantwortlichen immer wieder gesagt, sie sollten ihm keine Aufträge mehr geben und einfach so tun, als ob er gar nicht da wäre, und damit basta. Aber jetzt wollten sie ihn wieder losschicken.“ „Wie sollte ich Djiau Da nicht kennen!“ wehrte sich Hsi-fëng. „Aber ihr seid wirklich einfallslos. Wenn die Sache so ist, warum schickt ihr ihn nicht weit weg aufs Dorf? Damit wäre der Fall erledigt.“ Dann erkundigte sie sich: „Ist unser Wagen bereit?“ „Er ist bereit“, antworteten die zahlreichen Sklavinnen, die dabeistanden. Hsi-fëng stand auf und verabschiedete sich. Dann ging sie mit Bau-yü an der Hand hinaus. Frau You und die anderen begleiteten sie bis zur Vorhalle, wo die Menge der Sklaven im hellen Licht der Laternen auf der Treppe der Plattform wartete. Djiau Da nutzte die Abwesenheit von Djia Dschën – der aber, selbst wenn er zu Hause gewesen wäre, kaum etwas dagegen vermocht hätte – und ließ sich nach Herzenslust gehen. Zuerst beschimpfte er in seiner Trunkenheit den Hauptverwalter Lai Schëng und warf ihm vor, er sei ungerecht, bedrücke die Schwachen und fürchte die Starken. Hauptverwalter Lai Schëng. Aus: Jinyuyuan 1889b. „Wenn du einen guten Auftrag hast, schickst du die andern, aber wenn mitten in finstrer Nacht jemand zu begleiten ist, schickst du mich, du gemeiner Hurensohn!“ warf er ihm vor. „Hast du mal daran gedacht, du Idiot von Verwalter, daß du deinen Kopf nicht so hoch heben kannst wie ich meine Füße? Zwanzig Jahre lang hat sich Herr Djiau Da hier von niemand etwas sagen lassen müssen, von euch Bastarden und Hurensöhnen schon gar nicht!“ Er war gerade im besten Schimpfen, als Djia Jung den Wagen mit Hsi-fëng hinausbegleitete, und obwohl ihm alle zuriefen, er solle still sein, hörte er nicht darauf. Djia Jung konnte nicht an sich halten und schrie ihn an, außerdem befahl er den Leuten, ihn zu binden. „Wenn er morgen wieder nüchtern ist, wollen wir ihn fragen, ob ihm immer noch danach ist, sich ins Verderben zu stürzen!“ sagte er. Wer aber war in Djau Das Augen schon Djia Jung! Er begann erst recht zu krakeelen, lief hinter ihm her und schrie: „Spiel dich nicht vor Djiau Da als Herr auf, Söhnchen! Einer wie du will sich vor Djiau Da großtun? Sogar dein Vater würde das nicht wagen, nicht einmal dein Großvater. Was wäre denn heute mit Euren Beamtenrängen, Eurer Vornehmheit, Eurem Reichtum, wenn ich nicht gewesen wäre?! Euer Ahnherr war es, der sein Leben riskiert hat, damit etwas wird aus der Familie, aber meine Verdienste sind mir bis heute noch nicht gelohnt worden. Statt dessen kehrt Ihr vor mir den Herrn heraus. Seid bloß still, sonst geht mein Messer blank rein und kommt rot wieder raus!“ Hier sagte Hsi-fëng aus dem Wagen heraus zu Djia Jung: „Wenn ihr diesen aufrührerischen Kerl nicht aufs Land schickt, tut er noch jemand etwas zuleide! Und wenn etwa Verwandte oder Freunde erfahren, wie er sich aufführt, werden sie uns dafür auslachen, daß bei Leuten wie uns weder Gesetz noch Anstand gelten!“ „Ganz recht!“ erwiderte Djia Jung. Die Sklavenjungen sahen, daß Djiau Da sich zu unverschämt benahm, und so blieb ihnen keine andere Wahl, als mit ein paar Mann auf ihn loszugehen, ihn zu Boden zu werfen und in den Pferdestall zu schleppen. Aber das brachte Djiau Da nur noch mehr in Wut. Er ließ jetzt selbst Djia Dschën nicht mehr ungeschoren und zeterte wild: „Ich will in den Ahnentempel und meinen gnädigen Herrn beweinen! Der hätte sich auch nicht träumen lassen, daß es solches Viehzeug in seiner Familie geben würde, solche läufigen Hunde und geilen Hennen! Die einen kriechen in der Asche, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT die andern halten‘s mit ihren jüngeren Schwägern. Ich weiß alles! Aber wenn der Arm gebrochen ist, wird er im Ärmel versteckt.“ Als die Sklavenjungen diese haltlosen und respektlosen Anschuldigungen hörten, waren sie zu Tode erschrocken. Nun gab es für sie nur noch eins: Sie fesselten Djiau Da und stopften ihm den Mund voll Erde und Pferdemist. Hsi-fëng und Djia Jung, die von weitem alles mit angehört hatten, gaben sich den Anschein, als hätten sie nichts gehört. Bau-yü aber hatte das Toben des Betrunkenen vom Wagen aus ganz amüsant gefunden und fragte jetzt Hsi-fëng: „Hast du gehört, wie er gesagt hat, die einen kriechen in der Asche? Was heißt das, ‚in der Asche kriechen‘?“ Sofort zog Hsi-fëng die Brauen steil zusammen und sagte böse: „Red nicht solchen Unsinn! Wie schamlos von dir, das Geschwafel eines Trunkenbolds nicht einfach zu überhören, sondern dich sogar noch genau danach zu erkundigen! Warte, wenn wir erst zu Hause sind und ich deiner Mutter davon berichte! Da wollen wir sehen, ob du nicht Prügel dafür bekommst!“ Erschrocken sagte Bau-yü sogleich: „Ich will es nie wieder tun!“ „So ist es recht!“ lobte Hsi-fëng. „Wenn wir zu Hause sind, sprichst du mit der Großmutter, damit sie dich mit deinem Neffen Tjin Dschung zusammen zur Schule schickt. Das ist wichtig.“ Als sie dies sagte, waren sie bereits im Jung-guo-Anwesen angelangt. Wahrlich: Ohne seine Schönheit hätte er nicht einen Freund gefunden, nur seine Eleganz hat ihm den Weg zum Lernen geebnet. 8. Bei der Betrachtung des beseelten Jadesteins wird Ying-örls Aufmerksamkeit geweckt, bei einem Besuch bei Bau-tschai wird Dai-yüs Eifersucht erregt. Nachdem Hsi-fëng und Bau-yü wieder zu Hause waren und überall ihren Gruß entboten hatten, berichtete Bau-yü der Herzoginmutter von Tjin Dschungs Wunsch, die Familienschule zu besuchen. So würde er, Bau-yü, einen Lerngefährten haben, und das würde seinen Eifer beflügeln, sagte er. Dann lobte er wahrheitsgemäß, Tjin Dschungs Aussehen und Betragen seien bestens geeignet, Sympathie für ihn zu erwecken. Hsi-fëng unterstützte ihn, indem sie sagte: „Er wird dieser Tage noch kommen, um Euch seinen Respekt zu bezeugen, alte Ahne.“ Die Herzoginmutter freute sich, und Hsi-fëng nahm die Gelegenheit wahr, um sie einzuladen, am übernächsten Tag die Theatervorstellung im Ning-guo-Anwesen zu besuchen. Die Herzoginmutter konnte sich trotz ihres hohen Alters durchaus noch für derlei Dinge begeistern, und als zwei Tage später auch Frau You kam, um sie einzuladen, ging sie mit Dame Wang, Dai-yü, Bau-yü und den anderen zusammen hinüber. Zu Mittag ging die Herzoginmutter wieder nach Hause, um zu ruhen, und Dame Wang, die eher die Stille liebte, ging daraufhin ebenfalls. Jetzt nahm Hsi-fëng den Ehrenplatz ein und vergnügte sich ungeniert bis zum Abend. Aber davon soll hier nicht weiter die Rede sein. Bau-yü hatte die Herzoginmutter zurückbegleitet, und als sie ihren Mittagsschlaf hielt, wollte er eigentlich wieder hinübergehen, um sich weiter am Theaterspiel zu ergötzen. Aber dann erschien es ihm peinlich, Frau Tjin und den anderen durch seine Gegenwart lästig zu werden. Da fiel ihm ein, daß Bau-tschai schon seit Tagen krank zu Hause saß und er noch nicht selbst nach ihr gesehen hatte. Also beschloß er, sie zu besuchen. Aber wenn er durch das Seitentor hinter dem Hauptgebäude ginge, würde ihm bestimmt etwas begegnen, was ihn abhielt, oder wenn er dort gar auf seinen Vater stieße, würde das noch unangenehmer sein. Besser war es, er machte einen großen Umweg! Die Ammen und Sklavenmädchen wollten ihm beim Umziehen helfen, aber er blieb so, wie er war. Und als er zum Innentor hinausging, mußten sie ihm notgedrungen folgen. Sie glaubten nicht anders, als daß er wieder ins Ning-guo-Anwesen hinübergehen würde, um sich weiter das Theaterspiel anzusehen. Aber dann bog er nach Osten in die Durchgangshalle ein, wandte sich nach Norden und machte einen Bogen um die Haupthalle herum. Ausgerechnet hier aber lief er Dschan Guang und Schan Pin-jën, zwei Schützlingen seines Vaters, in die Arme. Kaum daß sie ihn erblickt hatten, kamen sie freudestrahlend auf ihn zu, der eine faßte ihn um die Taille, der andere griff nach seiner Hand. „Wir träumen wohl, kleiner Bodhisattwa, daß wir Euch endlich einmal treffen!“ sagten sie, beugten ein Knie zum Gruß und fragten nach Bau-yüs Gesundheit. Nachdem sie eine Weile geschwatzt hatten und dann endlich weitergingen, rief eine der alten Ammen sie noch einmal an und fragte: „Kommen die beiden Herren eben von unserm gnädigen Herrn?“ Da nickten die beiden und sagten: „Der gnädige Herr hält seinen Mittagsschlaf in der kleinen Bibliothek der Studierstube Berghang der Träume. Kein Grund zur Sorge!“ Und damit setzten sie sich wieder in Bewegung. Bau-yü, der über ihre Worte lachen mußte, wandte sich jetzt nach Norden und ging in Richtung Birnendufthof. Aber da trat eben der Hauptschatzmeister Wu Hsin-dëng mit dem Speicheraufseher Dai Liang und fünf weiteren Aufsehern aus dem Kassenhaus, und sobald sie Bau-yü erblickten, kamen sie auf ihn zu und blieben ehrerbietig mit herabhängenden Armen stehen. Nur der Einkäufer Tjiän Hua, der Bau-yü lange Zeit nicht gesehen hatte, kniete mit einem Bein halb vor ihm nieder und wünschte ihm Wohlbefinden. Lächelnd half Bau-yü ihm rasch auf, und die Männer sagten: „Neulich haben wir quadratische Inschriftenzettel gesehen, die Ihr geschrieben habt, junger Herr. Eure Handschrift ist ja noch besser geworden! Wann endlich werdet ihr uns ein paar schenken, damit wir sie uns ankleben können?“ „Wo habt ihr sie denn gesehen?“ erkundigte sich Bau-yü lächelnd. „An etlichen Stellen“, erwiderten die Männer, „und jeder lobt sie als unübertrefflich. Man hat uns sogar gebeten, noch welche zu beschaffen.“ „Aber sie sind doch nichts wert“, sagte Bau-yü lächelnd. „Ihr braucht nur meine Diener danach zu fragen, dann geht das in Ordnung.“ Und indem er das sagte, ging er weiter. Die Männer warteten, bis er an ihnen vorüber war, erst dann ging jeder seines Weges. Aber wir wollen nicht viel überflüssige Worte machen! Als Bau-yü in den Birnendufthof kam, ging er zuerst in die Räume von Tante Hsüä, die er dabei traf, wie sie ihren Sklavenmädchen Nadelarbeiten zuteilte. Bau-yü begrüßte die Tante, und sie zog ihn sofort an ihre Brust und sagte lächelnd: „Daß du dir an so einem kalten Tag die Mühe machst, uns zu besuchen, mein Hsüä Bau-tschai. Aus: Gai Qi 1879. Junge! Komm, setz dich schnell aufs Ofenbett!“ Dann befahl sie, ihm heißen Tee einzuschenken. „Ist Vetter Pan nicht zu Hause?“ fragte Bau-yü. „Er ist ein Pferd ohne Zaumzeug“, seufzte Tante Hsüä. „Tag für Tag ist er unaufhörlich unterwegs. Nie bleibt er einmal zu Hause.“ „Und geht es der Kusine besser?“ erkundigte sich Bau-yü weiter. „Aber ja!“ sagte Tante Hsüä. „Letztens hast du sogar daran gedacht, jemand herzuschicken, um dich nach ihr zu erkundigen! Sie ist drinnen. Willst du nicht nach ihr sehen? Drinnen ist es auch wärmer als hier. Setz dich dort hin, und wenn ich hier aufgeräumt habe, komme ich auch und unterhalte mich mit dir!“ Kaum hatte sie das gesagt, stieg Bau-yü hurtig vom Ofenbett und ging in den Innenraum. In der Tür hing ein abgenutzter Vorhang aus roter Seide. Als Bau-yü ihn zurückschlug und ins Zimmer trat, erblickte er als erstes Bau-tschai, die auf dem Ofenbett saß und mit einer Nadelarbeit beschäftigt war. Ihr glänzendes lackschwarzes Haar war zu einem Knoten geschlungen. Gekleidet war sie in eine honigfarbene Steppjacke, ein rosenrotes ärmelloses Übergewand, das mit Feuermarder und Hermelin gefüttert war, sowie einen lauchgrünen wattierten Seidenrock. Alle diese Kleider waren nicht neu und machten nicht den Eindruck von verschwenderischem Luxus. Bau-tschais Lippen waren rot ohne Schminke, ihre Brauen schwarz ohne Tusche. Ihr Gesicht glich einer Silberschale, ihre Augen feuchten Aprikosen. Sie war wortkarg und schweigsam, was die Leute Zurückhaltung nannten. Sie wußte sich in ihr Los zu fügen und den Umständen zu folgen und bezeichnete es selbst als Zurückgezogenheit. Kaum daß Bau-yü sie erblickte, fragte er schon: „Geht es dir besser, Kusine?“ Bau-tschai schaute auf, und als sie Bau-yü hereinkommen sah, erhob sie sich rasch und erwiderte lächelnd: „Viel besser! Hab Dank für deine Sorge!“ Sie bat ihn, auf dem Rand des Ofenbetts Platz zu nehmen, und befahl Ying-örl, Tee für ihn einzugießen. Dann fragte sie nach dem Befinden der alten gnädigen Frau, der Tante und der Kusinen. Als sie Bau-yü betrachtete, sah sie, daß er einen mit Juwelen besetzten Kopfschmuck aus Goldfiligran trug und eine Binde um die Stirn, die mit zwei Drachen verziert war, welche mit einer Perle spielten. Gekleidet war er in eine braungelbe Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit vierklauigen Drachen bestickt und mit Fuchsklaue gefüttert war. Um den Leib hatte er einen Seidengürtel gebunden, der mit bunten Schmetterlingen bestickt und an beiden Enden mit Fransen verziert war. Um den Hals trug er zwei Amulette und außerdem den Jadestein, den er im Mund gehabt hatte, als er geboren wurde. Lächelnd sagte Bau-tschai: „Tagelang ist nur von deinem Jadestein die Rede, und ich habe ihn noch nie richtig bewundern können. Heute möchte ich ihn sehen!“ Indem sie das sagte, rückte sie näher an ihn heran. Auch Bau-yü rückte ein Stück näher, nahm sich den Stein vom Hals und reichte ihn Bau-tschai. Bau-tschai legte ihn auf ihre Handfläche und sah ihn sich an. Er war so groß wie ein Spatzenei, schimmerte wie das Morgenrot, glänzte wie Butter und war mit einem bunten Geäder überzogen. Dies war die Truggestalt des Steinblocks von der Felswand Grüne Erhebung im Großen Wüsten Gebirge. Später hat jemand ein Spottgedicht darüber verfaßt: Phantastisch, daß Nü-wa einst Steine schmolz, doch die Steinphantasie geht noch weiter. Als aus der Feenwelt der Stein erst entfernt, schlüpft er in eines Menschenleibs Hülle. Doch im Unglück verliert Gold seinen Glanz, und auch Jade büßt ein seinen Schimmer. Namenlos liegen Gerippe zuhauf, edle Herrn, schöne Mädchen es waren. Die Truggestalt und die Schriftzeichen, die der grindköpfige Mönch darin eingeschnitten hatte, waren auf dem Steinblock mit aufgezeichnet, und danach geben wir sie hier wieder. In Wirklichkeit waren sie natürlich sehr klein, anders hätte ein Kind im Mutterleib den Stein nicht im Mund tragen können. Aber wenn wir sie hier in richtiger Größe abbilden würden, wären die Schriftzeichen zu winzig, und unsere Leser würden sich die Augen daran verderben. Das wäre auch nicht schön. Darum halten wir uns nur an die Form und vergrößern notgedrungen die Maße so weit, daß der Leser sie auch bei Lampenlicht und betrunken noch bequem lesen kann. Dies vermerken wir hier, damit uns niemand den Vorwurf macht: ‚Wie groß ist denn der Mund eines Kindes im Mutterleib, daß es so ein klobiges Ding darin haben kann?‘ Wertvoller beseelter Jade Nicht verlieren, nicht vergessen, und ewiges Leben beständig blüht. 1. Löst bösen Zauber. 2. Heilt tückische Krankheit. 3. Kündet Glück und Unglück. Aus: Jinyuyuan Tongwen 1889 Als Bau-tschai sich den Stein zu Ende angesehen hatte, drehte sie ihn wieder um, sah sich noch einmal die Vorderseite an und las dabei laut die Inschrift: „Nicht verlieren, nicht vergessen, und ewiges Leben beständig blüht.“ Als sie sie zweimal hintereinander gelesen hatte, wandte sie sich zu Ying-örl um und fragte lächelnd: „Warum stehst du hier wie versteinert, anstatt den Tee zu holen?“ Kichernd erwiderte Ying-örl: „Die beiden Zeilen bilden ein Pendant zu denen auf dem Amulett an Eurem Halsring, Fräulein!“ Als Bau-yü das hörte, sagte er sofort lächelnd: „Also hast du ebenfalls eine Inschrift aus acht Schriftzeichen an deinem Halsring! Die möchte ich mir auch ansehen!“ „Hör nicht auf sie!“ sagte Bau-tschai. „Da ist keine Inschrift.“ „Liebstes Kusinchen!“ bat Bau-yü. „Du hast doch auch meinen Stein angesehen!“ Damit hatte er Bau-tschai in die Enge getrieben, und sie sagte: „Es ist eine glückverheißende Inschrift darauf, die mir jemand gestiftet hat, damit sie eingraviert wird und ich sie ständig um den Hals trage, sonst ist an dem schweren Ding nichts Interessantes zu finden.“ Damit knöpfte sie ihre Steppjacke auf und holte einen Halsreifen aus funkelndem Gold hervor, an dem Perlen und Edelsteine blitzten und den sie auf der dunkelroten Unterjacke getragen hatte. Rasch legte ihn Bau-yü mit dem Amulett, das daran befestigt war, auf seine Hand. Tatsächlich standen vier Schriftzeichen auf jeder Seite und bildeten zusammen einen Segensspruch. Auch sie sollen hier in ihrer ursprünglichen Form abgebildet werden: Nicht verlassen, nicht verwerfen, und blühendes Dasein ewiglich währt. Aus: Jinyuyuan Tongwen 1889 Als Bau-yü das Amulett angesehen hatte, las er zweimal laut den Spruch darauf, dann las er zweimal den auf seinem Jadestein und sagte schließlich lächelnd: „Deine acht Schriftzeichen sind wirklich ein Pendant zu meinen!“ „Ein verrückter grindköpfiger Mönch hat ihr den Spruch gegeben“, verriet Ying-örl. „Er hat gesagt, die Schriftzeichen müßten in Gold eingraviert werden, und...“ Ehe sie zu Ende sprechen konnte, schalt Bau-tschai sie erneut, weil sie den Tee nicht holte, und fragte dann Bau-yü, woher er gekommen sei. Bau-yü saß jetzt so dicht neben Bau-tschai, daß er einen frischen, süßen Geruch wahrnahm, der von ihr ausging und den er nicht kannte. Darum fragte er: „Womit hast du geräuchert? Diesen Duft habe ich noch nie gerochen.“ „Nichts mag ich weniger als Räucherwerk“, erwiderte Bau-tschai. „Die schönen Kleider riechen versengt und brenzlig davon.“ „Aber was für ein Duft ist das dann?“ fragte Bau-yü. Bau-tschai dachte kurz nach und sagte lächelnd: „Richtig! Es ist der Duft von der Arznei, die ich heute morgen genommen habe.“ „Was ist das für eine Arznei, die so gut riecht?“ fragte Bau-yü. „Laß mich davon kosten, Kusinchen!“ „Unsinn!“ sagte Bau-tschai. „Man kann doch nicht aufs Geratewohl Medizin einnehmen.“ Eben hatte sie ausgesprochen, da hörten sie, wie draußen jemand sagte „Fräulein Lin ist gekommen!“ Bei diesen Worten trat Dai-yü schwankenden Schrittes zur Tür herein. PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT Kaum daß sie Bau-yü erblickte, sagte sie lächelnd: „Ach, du meine Güte! Ich komme ungelegen!“ Rasch stand Bau-yü auf und bat sie lächelnd, Platz zu nehmen. Bau-tschai aber fragte, ebenfalls lächelnd: „Wie meinst du das?“ „Hätte ich eher gewußt, daß er hier ist, wäre ich nicht gekommen“, antwortete Dai-yü. „Das verstehe ich erst recht nicht“, sagte Bau-tschai. „Wenn Besuch kommt, kommt er in Scharen, und sonst kommt keine Menschenseele“, erklärte Dai-yü lächelnd. „Wenn aber heute er kommt, morgen komme ich, und so immer abwechselnd, dann hast du jeden Tag Besuch, und es ist weder zu einsam noch zu unruhig für dich. Was ist daran nicht zu verstehen?“ „Schneit es draußen?“ erkundigte sich Bau-yü, weil Dai-yü eine in der Mitte geknöpfte lange Jacke aus dunkelrotem Wollstoff trug. „Es grieselt schon eine ganze Zeit“, meldeten die Sklavinnen. „Habt ihr meinen wollenen Umhang geholt?“ fragte Bau-yü. Da sagte Dai-yü: „Habe ich nicht recht gehabt? Wenn ich komme, muß er gehen!“ „Wann habe ich denn gesagt, daß ich gehe?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Sie sollen mir den Umhang nur holen, damit er bereitliegt.“ „Draußen schneit es, und es wird auch schon spät“, sagte jetzt Bau-yüs alte Amme Li. „Aber bleib nur noch hier bei den Kusinen, die Frau Tante läßt Tee und Naschwerk auftragen. Ich schicke eine der Mägde nach deinem Umhang und sage deinen Dienern, daß sie nicht länger warten sollen.“ Bau-yü stimmte zu, und Amme Li ging hinaus und sagte den Sklavenjungen, sie könnten gehen. Inzwischen stand der Tee bereit, und Tante Hsüä bat zu Tisch. Bau-yü lobte die schönen Gänsefüße und Entenzungen, die vor zwei Tagen im Ning-guo-Anwesen die Frau von Vetter Dschën hatte zubereiten lassen, und rasch holte auch Tante Hsüä welche, die sie selbst eingelegt hatte, und gab sie ihm zu kosten. „Wirklich gut schmecken sie erst, wenn man Wein dazu trinkt“, sagte Bau-yü lächelnd, und Tante Hsüä schickte jemanden, um vom besten Wein abzufüllen und herzubringen. Da trat Amme Li vor und sagte: „Lassen Sie den Wein, gnädige Frau!“ „Aber ich trinke nur einen Becher!“ bettelte Bau-yü. „Kommt nicht in Frage!“ sagte Amme Li. „Wenn die alte gnädige Frau und die gnädige Frau dabei sind, kannst du meinethalben einen ganzen Kübel trinken. Aber ich weiß noch, wie es neulich war, als ich einmal einen Moment nicht aufgepaßt habe. Irgend so ein unerzogener Flegel, der sich bei dir einschmeicheln wollte, egal ob andere deswegen zu leiden haben oder nicht, gab dir einen Schluck Wein zu trinken, und ich hatte es auszubaden und musste mich zwei Tage lang ausschimpfen lassen. Ihr wißt ja nicht, gnädige Frau, daß er so schon einen abscheulichen Charakter hat, und wenn er Wein trinkt, spielt er erst recht verrückt. Wenn die alte gnädige Frau in Stimmung ist, läßt sie ihn trinken, soviel er will, aber sonst nicht. Warum müßt Ihr mich für nichts und wieder nichts mit hineinziehen?“ „Sei du nur unbesorgt und geh selbst einen Schluck trinken, Alte!“ sagte Tante Hsüä lächelnd. „Ich erlaube ihm ja nicht, zuviel zu trinken. Und wenn die alte gnädige Frau wirklich etwas sagt, bin ich ja auch noch da.“ Dann rief sie eines der Sklavenmädchen und befahl: „Laß Amme Li und die anderen auch einen Becher Wein zum Aufwärmen trinken!“ Als Amme Li das hörte, blieb ihr keine andere Wahl, als mit dem übrigen Gesinde hinüberzugehen und etwas Wein zu trinken. Bau-yü aber sagte: „Der Wein braucht nicht gewärmt zu werden, ich mag ihn nur kalt.“ „Das geht aber nicht!“ sagte Tante Hsüä rasch. „Wenn du kalten Wein trinkst, werden dir beim Schreiben die Finger zittern.“ Und Bau-tschai sagte lächelnd: „Du liest doch jeden Tag alle möglichen Bücher, weißt du etwa nicht, daß Reiswein seiner Natur nach heiß ist? Wenn man ihn warm trinkt, verteilt er sich schnell, trinkt man ihn aber kalt, dann ballt er sich im Leibesinnern zusammen und entzieht den fünf Eingeweiden die Wärme. Wie sollte man dadurch keinen Schaden nehmen?! Also trink ihn in Zukunft nicht mehr kalt!“ Bau-yü schien vernünftig, was sie sagte, darum stellte er den kalten Wein wieder hin und befahl jemandem, ihn zu wärmen, ehe er ihn trank. Dai-yü, die Melonenkerne knackte, lächelte nur verstohlen. Da kam gerade ihr Sklavenmädchen Hsüä-yän und brachte ihr ein Handöfchen. Lächelnd fragte Dai-yü: „Wer hat dir gesagt, dass du es mir bringen sollst? Besten Dank für die Sorge! Ich erfriere wohl hier?“ „Schwester Dsï-djüan hatte Angst, Euch könnte kalt sein, deshalb hat sie mich damit hergeschickt“, sagte Hsüä-yän. Dai-yü nahm ihr das Handöfchen ab, schob es in den Ausschnitt ihres Gewandes und sagte lächelnd: „Auf sie hörst du also! Alles, was ich dir sage, ist nur Wind, der dir um die Ohren säuselt, aber wenn sie etwas sagt, befolgst du es schneller als einen kaiserlichen Befehl.“ Als Bau-yü diese Worte hörte, wußte er, daß in Wirklichkeit er es war, über den sich Dai-yü durch die Blume mokierte, aber er antwortete nicht darauf und lachte nur ein paarmal. Bau-tschai wußte, daß Dai-yüs übliche Art so war, und achtete deshalb nicht weiter darauf, Tante Hsüä aber sagte: „Du bist doch zart und verträgst keine Kälte. Ist es nicht gut, wenn sie sich um dich sorgen?“ „Ihr versteht mich nicht, Tante!“ sagte Dai-yü lächelnd. „Nur gut, daß es bei Euch passiert ist. Ein anderer hätte sich bestimmt darüber geärgert. Es sieht ja gerade so aus, als ob man glaubt, die Leute hätten nicht einmal einen Handofen, wenn man sich extra einen von zu Hause bringen läßt. Man würde nicht sagen, die Mägde seien übermäßig besorgt, sondern annehmen, ich sei immer so überspannt.“ „Du machst dir zu viele Gedanken, darum erscheint dir das so“, sagte Tante Hsüä. „Ich hatte an so etwas nicht gedacht.“ Inzwischen hatte Bau-yü bereits den dritten Becher geleert, und Amme Li trat vor, um ihn zu hindern, noch mehr zu trinken. Bau-yü aber war so wohl ums Herz und so zufrieden zumute, weil er mit den beiden Kusinen plaudern und lachen konnte, daß er nicht aufhören wollte. Darum bat er versöhnlich: „Nur noch zwei Becher, dann ist Schluß!“ Amme Li aber warnte: „Nimm dich in acht, falls der gnädige Herr heute zu Hause ist! Paß auf, wenn er dich nach deinen Büchern fragt!“ Das brachte Bau-yü so aus der Fassung, daß er den Becher langsam hinstellte und den Kopf sinken ließ. „Verdirb uns nicht allen die Stimmung!“ sagte Dai-yü rasch. „Wenn dein Vater dich rufen läßt, kann man ja sagen, die Tante habe dich bei sich behalten. Deine Amme hat getrunken und will jetzt bloß ihre Laune an uns auslassen.“ Dann stieß sie Bau-yü heimlich an, um ihn aufzustacheln, und Tante Hsüä. Aus: Gai Qi 1879. flüsterte ihm zu: „Kümmer dich nicht um die Alte! Wir lassen uns unseren Spaß nicht nehmen!“ „Ihr solltet ihn nicht auch noch unterstützen, Fräulein Lin!“ sagte Amme Li, die nicht wußte, was Dai-yü im Sinn hatte. „Redet ihm lieber gut zu, auf Euch hört er vielleicht noch!“ „Wer unterstützt ihn denn?“ fragte Dai-yü mit kühlem Lächeln. „Und ihm zuzureden lohnt auch nicht. Du bist wirklich zu ängstlich! Die alte gnädige Frau erlaubt ihm ja auch immer, Wein zu trinken, da macht es doch nichts, wenn er hier bei der Tante einen Schluck zuviel trinkt! In deinen Augen ist wohl die Tante eine Fremde, bei der er das nicht darf?“ Als Amme Li das hörte, wurde sie ärgerlich, zugleich aber mußte sie darüber lachen und sagte: „Jeder Satz, den Ihr sprecht, ist spitz wie ein Dolch. Was soll denn das heißen, Fräulein Lin?“ Auch Bau-tschai konnte sich das Lachen nicht verbeißen. Sie kniff Dai-yü in die Wange und sagte: „Man weiß wirklich nicht, ob man sich ärgern oder freuen soll, wenn die mit den gerunzelten Brauen den Mund aufmacht!“ Tante Hsüä aber sagte: „Hab keine Angst, mein Junge! Trink nur, wenn du bei mir bist, auch wenn es nichts Besonderes ist! Nimm dir doch so eine Kleinigkeit nicht so zu Herzen, du machst mich ganz krank damit! Trink ruhig, ich werde dafür geradestehen! Wir essen noch zu Abend, und wenn du wirklich einen Schwips bekommst, schläfst du bei uns!“ Nun befahl sie: „Macht uns noch Wein warm!“ Dann fuhr sie, wieder an Bau-yü gewandt, fort: „Jetzt trinken wir zusammen zwei Becher, und dann wird gegessen!“ Ihre Worte brachten Bau-yü wieder in Stimmung. Amme Li befahl den Sklavenmädchen: „Paßt hier schön auf ihn auf! Ich gehe nach Hause und ziehe mich nur um, dann komme ich wieder. Und sagt der gnädigen Frau Tante noch einmal leise, sie solle ihm nicht zu sehr seinen Willen lassen, damit er nicht zuviel trinkt!“ Damit ging sie hinaus. Jetzt waren nur noch zwei, drei ältere Frauen da, die sich aber um Bau-yü keine großen Gedanken machten, sondern mehr auf ihr eigenes Wohl bedacht waren und deshalb heimlich verschwanden, kaum daß Amme Li gegangen war. Die beiden kleinen Sklavenmädchen aber waren froh, sich bei Bau-yü einschmeicheln zu können. Glücklicherweise verstand es Tante Hsüä, mit immer neuen Kunstgriffen dafür zu sorgen, daß Bau-yü nur noch ein paar Becher trank, dann ließ sie den Wein abräumen und eine Suppe aus sauren Bambussprossen und Hühnerhaut zubereiten, von der Bau-yü gierig zwei Schalen aß, dazu eine halbe Schale Reis und dann noch etwas nüchterne Suppe aus grünem Reis. Bald hatten auch Bau-tschai und Dai-yü aufgegessen, und nun wurde starker Tee gebrüht, von dem alle tranken. Dann erst war Tante Hsüä beruhigt. Auch Hsüä-yän und zwei, drei andere Sklavenmädchen hatten inzwischen gegessen und kamen wieder herein, um aufzuwarten. „Gehst du auch?“ erkundigte sich Dai-yü bei Bau-yü. Bau-yü blinzelte sie aus müden Augen an und sagte: „Wenn du gehst, gehe ich mit.“ Daraufhin erhob sich Dai-yü und sagte: „Wir sind schon den ganzen Tag hier und müssen jetzt gehen. Wer weiß, wie sie uns drüben vermissen!“ Sie verabschiedeten sich, und rasch brachte eines der kleinen Sklavenmädchen Bau-yüs dunkelrote Filzkapuze. Bau-yü hielt den Kopf etwas tiefer und befahl ihr, sie ihm aufzusetzen. Mit einem einzigen Griff wollte sie ihm die Kapuze überstülpen, als Bau-yü sagte: „Halt, halt, du dummes Ding! Ein bißchen sanfter mußt du das machen! Hast du nie gesehen, wie eine Kapuze aufgesetzt wird? Ich werde sie mir selber aufsetzen!“ Aber schon stellte sich Dai-yü auf den Rand des Ofenbetts und sagte: „Reg dich nicht auf! Komm her und laß mich einmal sehen!“ Rasch trat Bau-yü nahe an sie heran, und nachdem sie alles in Ordnung gebracht hatte, hielt sie vorsichtig die eine Hand über seinen Kopfschmuck und zog mit der anderen den Rand der Kapuze bis über seine Stirnbinde. Dann rückte sie den walnußgroßen roten Plüschpompon so zurecht, daß er wippend aus der Kapuze herausragte. Als sie fertig war, sah sie Bau-yü prüfend an, dann sagte sie: „In Ordnung! Du kannst deinen Umhang überziehen.“ Bau-yü ließ sich den Umhang geben und legte ihn um die Schultern. Besorgt sagte Tante Hsüä: „Die Ammen sind noch nicht wieder hier. Wartet noch ein bißchen, bevor ihr geht!“ „Was sollen wir auf sie warten?“ entgegenete Bau-yü. „Es reicht, wenn die Mägde uns begleiten!“ Aber Tante Hsüä gab sich damit nicht zufrieden und befahl zwei Frauen, ihnen zu folgen. Bau-yü und Dai-yü entschuldigten sich für die Umstände, die sie Tante Hsüä bereitet hatten, und kehrten in die Räume der Herzoginmutter zurück. Die Herzoginmutter, die noch nicht zu Abend gegessen hatte, freute sich, als sie hörte, sie seien bei Tante Hsüä gewesen. Da sie bemerkte, daß Bau-yü Wein getrunken hatte, ordnete sie an, er solle in sein Zimmer gehen und sich schlafen legen, ohne noch einmal herauszukommen. Dann befahl sie seinem Gesinde, schön auf ihn aufzupassen. Plötzlich fiel ihr ein, wer alles zu seiner Begleitung gehörte, und sie fragte: „Warum ist Amme Li nicht hier?“ Die anderen wagten es nicht, geradeheraus zu sagen, daß sie nach Hause gegangen war, darum sagten sie einfach: „Sie ist eben mit uns hereingekommen, wahrscheinlich hat sie etwas zu erledigen.“ Bau-yü aber drehte sich noch einmal schwankend um und sagte: „Der geht es doch besser als Euch! Warum müßt Ihr Euch nach ihr erkundigen? Ohne sie würde ich wahrscheinlich ein paar Tage länger leben!“ Damit ging er in sein Schlafzimmer, wo er Schreibpinsel und Tusche auf dem Tisch bereitliegen sah. Tjing-wën kam ihm entgegen und sagte: „Fein hast du das gemacht! Hast mich zum Spaß die Tusche reiben lassen und morgens ganze drei Zeichen damit geschrieben, als du in Stimmung warst. Dann hast du den Pinsel hingeworfen und bist gegangen, wir aber konnten den ganzen Tag umsonst auf dich warten. Also komm jetzt und brauch die Tusche auf!“ „Wo sind denn die drei Schriftzeichen geblieben, die ich geschrieben habe?“ fragte Bau-yü, dem die Ereignisse dieses Morgens allmählich wieder einfielen. „Der Mensch ist ja betrunken!“ lachte Tjing-wën. „Bevor du ins Ning-guo-Anwesen hinübergegangen bist, hast du selbst mir befohlen, die Schriftzeichen auf das Paneel über der Tür zu kleben, und jetzt fragst du danach! Ich hatte Angst, jemand anders könnte sie beim Ankleben verderben, darum bin ich selbst auf die hohe Leiter gestiegen. Ich habe so kalte Finger dabei bekommen, daß sie jetzt noch ganz klamm sind!“ „Ich hatte es vergessen“, sagte Bau-yü lächelnd. „Wenn du kalte Hände hast, werde ich sie dir wärmen!“ Damit streckte er seine Arme aus und ergriff Tjing-wëns Finger. Dann schauten sie gemeinsam nach der neuen Inschrift über der Tür. Als bald darauf Dai-yü hereinkam, bat Bau-yü sie lächelnd: „Kusinchen! Sag mir, ohne zu schwindeln, welches von den drei Schriftzeichen dir gefällt!“ Dai-yü hob den Kopf und erblickte über der Tür des Innenraums die frisch angeklebte Inschrift ‚Studierstube Purpurwolke‘. Lächelnd sagte sie: „Eins ist so gut wie das andere. Wie hast du das nur so gut hinbekommen? Morgen mußt du für mein Zimmer auch eine Inschrift schreiben!“ „Wieder machst du dich lustig über mich!“ sagte Bau-yü lachend. Dann fragte er: „Wo ist denn Schwester Hsi-jën?“ Tjing-wën wies mit dem Kinn nach dem Ofenbett im Innenraum. Als Bau-yü hinblickte, sah er Hsi-jën angezogen daliegen und schlafen. „Auch gut“, sagte er lächelnd. „Nur ein bißchen früh hat sie sich hingelegt.“ Dann fragte er Tjing-wën: „Als ich heute morgen drüben im Ning-guo-Anwesen gefrühstückt habe, gab es Klößchen mit Bohnenkäsefüllung, und weil ich weiß, daß du sie gern ißt, habe ich der jungen gnädigen Frau gesagt, ich würde mir gern etwas davon zum Abend aufheben, und habe jemand damit herübergeschickt. Hast du sie gegessen?“ „Erinner mich bloß nicht daran!“ sagte Tjing-wën. „Als sie gebracht wurden, wußte ich sofort, daß sie für mich sind. Aber weil ich gerade erst gegessen hatte, ließ ich sie stehen. Als dann Amme Li kam, sah sie sie und sagte: ‚Die wird Bau-yü vielleicht gar nicht essen wollen, ich nehme sie für mein Enkelkind mit!‘ Und dann hat sie sie zu sich nach Hause tragen lassen.“ Tjiän-hsüä brachte Tee, und Bau-yü sagte: „Komm Tee trinken, Kusinchen!“ Alle lachten und sagten ihm: „Kusine Lin ist längst fort, und du bietest ihr noch Tee an!“ Als Bau-yü eine halbe Schale Tee getrunken hatte, fiel ihm der Tee vom Morgen ein, und er fragte Tjiän-hsüä: „Ich hatte doch heute morgen eine Schale Tee mit dem Tau von Ahornblättern aufbrühen lassen und gesagt, er entfalte sein volles Aroma erst beim dritten oder vierten Aufguß. Warum hast du jetzt anderen Tee gebrüht?“ „Ich hatte ihn ja aufgehoben“, rechtfertigte sich Tjiän-hsüä, „aber dann kam Amme Li und wollte ihn gern kosten, dabei hat sie ihn ausgetrunken.“ Kaum hatte Bau-yü das gehört, schleuderte er wütend die Teeschale hin, daß sie klirrend auf dem Boden zersplitterte und der Tee sich über Tjiän-hsüäs Rock ergoß. |