Difference between revisions of "History of Sinology/de/Chapter 2"
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= Kapitel 2: Das jesuitische Unternehmen -- Von der Missionslinguistik zur Proto-Sinologie (1582-1773) = | = Kapitel 2: Das jesuitische Unternehmen -- Von der Missionslinguistik zur Proto-Sinologie (1582-1773) = | ||
| − | == 1. Einleitung: Die Jesuiten und die Geburt der | + | == 1. Einleitung: Die Jesuiten und die Geburt der europäischen sinologischen Gelehrsamkeit == |
| − | Das vorangegangene Kapitel zeichnete die lange Vorgeschichte des | + | Das vorangegangene Kapitel zeichnete die lange Vorgeschichte des europäischen Wissens über China nach, von den frühesten griechischen Verweisen auf die "Serer" über die mittelalterlichen Reiseberichte und die portugiesische Eroeffnung des Seewegs. Es schloss mit einem breiten Überblick über die Beitraege der Jesuitenmission zum europäischen Verständnis Chinas. Dieses Kapitel kehrt zu jener Mission zurück und untersucht sie weit eingehender, indem es sie als die folgenreichste Episode in der Entstehung der westlichen Sinologie vor der Einrichtung von Universitätslehrstuehlen im neunzehnten Jahrhundert behandelt. |
| − | Zwischen 1582, als die ersten Jesuiten nach China kamen, und 1773, als Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu aufloeste, wirkten rund 456 Jesuiten in der Chinamission.<ref>David B. Honey, ''Incense at the Altar: Pioneering Sinologists and the Development of Classical Chinese Philology'' (New Haven: American Oriental Society, 2001), Vorwort, xxii.</ref> Sie brachten ein aussergewoehnliches Corpus an Gelehrsamkeit hervor: Woerterbucher, Grammatiken, | + | Zwischen 1582, als die ersten Jesuiten nach China kamen, und 1773, als Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu aufloeste, wirkten rund 456 Jesuiten in der Chinamission.<ref>David B. Honey, ''Incense at the Altar: Pioneering Sinologists and the Development of Classical Chinese Philology'' (New Haven: American Oriental Society, 2001), Vorwort, xxii.</ref> Sie brachten ein aussergewoehnliches Corpus an Gelehrsamkeit hervor: Woerterbucher, Grammatiken, Übersetzungen der chinesischen Klassiker, historische Kompilationen, geographische Atlanten, astronomische Beobachtungen, philosophische Abhandlungen und eine umfangreiche Korrespondenz, die in ihrem Umfang und ihrer Detailliertheit den reichsten Bestand europäischer Schriften über eine nichteuropäische Zivilisation vor der modernen Aera darstellte. Sie waren die ersten Europaeer, die eine echte Beherrschung des klassischen Chinesisch erlangten, die ersten, die den konfuzianischen Kanon in eine westliche Sprache übersetzten, und die ersten, die originale Werke der Philosophie und Wissenschaft auf Chinesisch fuer eine chinesische Leserschaft verfassten. |
Doch die Jesuiten waren keine Gelehrten im modernen Sinne. Sie waren Missionare, deren ubergeordneter Zweck die Bekehrung Chinas zum Christentum war. Jedes wissenschaftliche Unternehmen, das sie betrieben, war letztlich diesem evangelischen Ziel untergeordnet. Diese Doppelidentitaet als sowohl Gelehrte als auch Missionare praegte den Charakter des von ihnen produzierten Wissens zutiefst. Wie David Mungello beobachtet hat, wurden "Quellenmaterialien im Hinblick auf den Triumph ausgewaehlt und nicht auf die Wahrheit".<ref>Honey, ''Incense at the Altar'', Vorwort, x.</ref> | Doch die Jesuiten waren keine Gelehrten im modernen Sinne. Sie waren Missionare, deren ubergeordneter Zweck die Bekehrung Chinas zum Christentum war. Jedes wissenschaftliche Unternehmen, das sie betrieben, war letztlich diesem evangelischen Ziel untergeordnet. Diese Doppelidentitaet als sowohl Gelehrte als auch Missionare praegte den Charakter des von ihnen produzierten Wissens zutiefst. Wie David Mungello beobachtet hat, wurden "Quellenmaterialien im Hinblick auf den Triumph ausgewaehlt und nicht auf die Wahrheit".<ref>Honey, ''Incense at the Altar'', Vorwort, x.</ref> | ||
| − | == 2. Michele Ruggieri: Der erste | + | == 2. Michele Ruggieri: Der erste europäische Student des Chinesischen == |
Die konventionelle Erzaehlung der Jesuitenmission in China beginnt mit Matteo Ricci, und das zu Recht. Aber die Pionierarbeit von Michele Ruggieri (1543-1607) verdient groeessere Aufmerksamkeit als sie gewoehnlich erhaelt, denn es war Ruggieri, der zuerst demonstrierte, dass ein Europaeer die chinesische Sprache systematisch erlernen und als Werkzeug der Kommunikation und des Studiums einsetzen konnte. | Die konventionelle Erzaehlung der Jesuitenmission in China beginnt mit Matteo Ricci, und das zu Recht. Aber die Pionierarbeit von Michele Ruggieri (1543-1607) verdient groeessere Aufmerksamkeit als sie gewoehnlich erhaelt, denn es war Ruggieri, der zuerst demonstrierte, dass ein Europaeer die chinesische Sprache systematisch erlernen und als Werkzeug der Kommunikation und des Studiums einsetzen konnte. | ||
| − | Ruggieri, ein neapolitanischer Jurist, der 1572 in die Gesellschaft Jesu eintrat, kam 1579 in Macau an mit dem | + | Ruggieri, ein neapolitanischer Jurist, der 1572 in die Gesellschaft Jesu eintrat, kam 1579 in Macau an mit dem ausdrücklichen Ziel, Chinesisch zu lernen. Er war der erste Jesuit, der diese Aufgabe unternahm, und die Schwierigkeiten, denen er gegenuberstand, waren gewaltig. Es existierte keine chinesische Grammatik oder kein Woerterbuch in irgendeiner europäischen Sprache. Ruggieris Ansatz war empirisch und muehsam: Er stellte chinesische Tutoren ein, lernte Schriftzeichen auswendig und baute schrittweise ein Arbeitswissen sowohl der gesprochenen als auch der geschriebenen Sprache auf. |
| − | Bis 1583, als Ricci sich ihm in Guangdong anschloss, hatte Ruggieri ein ausreichendes Chinesisch erlangt, um einen Katechismus in klassischem Chinesisch zu verfassen -- das erste originale Werk auf Chinesisch eines Europaerers. Obwohl Ruggieris Chinesisch stets weniger geschliffen war als Riccis, war seine Leistung, die Machbarkeit des direkten Chinesischstudiums zu demonstrieren, fundamental. Es war Ruggieri, der das Prinzip etablierte, das die Jesuitenmission von allen | + | Bis 1583, als Ricci sich ihm in Guangdong anschloss, hatte Ruggieri ein ausreichendes Chinesisch erlangt, um einen Katechismus in klassischem Chinesisch zu verfassen -- das erste originale Werk auf Chinesisch eines Europaerers. Obwohl Ruggieris Chinesisch stets weniger geschliffen war als Riccis, war seine Leistung, die Machbarkeit des direkten Chinesischstudiums zu demonstrieren, fundamental. Es war Ruggieri, der das Prinzip etablierte, das die Jesuitenmission von allen früheren europäischen Beruehrungen mit China unterscheiden sollte: Wissen über China muss durch chinesische Texte gesucht werden, nicht bloss durch aeusserliche Beobachtung oder einheimische Informanten.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, "Einführung in die westliche Sinologie", S. 165-168.</ref> |
== 3. Matteo Ricci: Akkommodation, Akkulturation und die wissenschaftlichen Nebenprodukte der Evangelisation == | == 3. Matteo Ricci: Akkommodation, Akkulturation und die wissenschaftlichen Nebenprodukte der Evangelisation == | ||
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Matteo Ricci (1552-1610) wurde in Macerata in der Region Marken in Italien geboren und studierte am Roemischen Kolleg bei Christopher Clavius, dem fuehrenden Jesuiten-Astronomen und Architekten des gregorianischen Kalenders. Er kam 1582 in Macau an und betrat im folgenden Jahr die Provinz Guangdong. Die verbleibenden achtundzwanzig Jahre seines Lebens verbrachte er in China und starb 1610 in Peking. | Matteo Ricci (1552-1610) wurde in Macerata in der Region Marken in Italien geboren und studierte am Roemischen Kolleg bei Christopher Clavius, dem fuehrenden Jesuiten-Astronomen und Architekten des gregorianischen Kalenders. Er kam 1582 in Macau an und betrat im folgenden Jahr die Provinz Guangdong. Die verbleibenden achtundzwanzig Jahre seines Lebens verbrachte er in China und starb 1610 in Peking. | ||
| − | Riccis Ansatz unterschied sich radikal von dem | + | Riccis Ansatz unterschied sich radikal von dem früherer katholischer Missionare. Wo die portugiesischen und spanischen Franziskaner und Dominikaner die Chinesen als goetzendienerische Heiden behandelt hatten, die durch Predigt und Zwang bekehrt werden sollten, strebte Ricci das an, was spätere Gelehrte "Akkommodation durch Akkulturation" nannten.<ref>Peter K. Bol, "The China Historical GIS," ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020).</ref> Wie Howard Goodman und Anthony Grafton ihn charakterisiert haben, war Ricci "ein Humanist und ein Gelehrter... er arbeitete mit Texten: konfuzianische Klassiker, die er als Eintrittspreis zu Gesprächen mit der chinesischen Elite beherrschte, und westliche Klassiker, die ihm die Autoritaet gaben, eine Alternative zum Konfuzianismus anzubieten".<ref>Hilde De Weerdt, "MARKUS: Text Analysis and Reading Platform," in ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020).</ref> |
| − | Ricci lernte klassisches Chinesisch auf einem hohen Niveau der Kompetenz. Er | + | Ricci lernte klassisches Chinesisch auf einem hohen Niveau der Kompetenz. Er übernahm die Kleidung eines konfuzianischen Gelehrten -- zunächst hatten die Jesuiten buddhistische Gewander getragen, aber Ricci erkannte, dass der Buddhismus in der chinesischen intellektuellen Hierarchie einen niedrigeren Status einnahm als der Konfuzianismus, und wechselte entsprechend.<ref>Tu Hsiu-chih, "DocuSky," ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020).</ref> |
Die gelehrten Werke, die Ricci in China produzierte, fielen in mehrere Kategorien: | Die gelehrten Werke, die Ricci in China produzierte, fielen in mehrere Kategorien: | ||
| − | ''Kartographie''. Riccis ''Kunyu wanguo quantu'' (Karte aller | + | ''Kartographie''. Riccis ''Kunyu wanguo quantu'' (Karte aller Länder der Welt, 1602) war die erste Weltkarte auf Chinesisch, die europäisches geographisches Wissen einbezog. |
| − | ''Philosophie und moralische Schriften''. Riccis ''Jiaoyou lun'' ( | + | ''Philosophie und moralische Schriften''. Riccis ''Jiaoyou lun'' (Über die Freundschaft, 1595) schoepfte aus klassischen europäischen Quellen -- Cicero, Seneca, Plutarch --, um eine Abhandlung über Freundschaft in elegantem klassischem Chinesisch zu verfassen. Sein ''Tianzhu shiyi'' (Der wahre Sinn des Herrn des Himmels, 1603) war ein ehrgeizigeres Werk: ein philosophischer Dialog, in dem Ricci die Vereinbarkeit von Christentum und Konfuzianismus zu demonstrieren versuchte. |
| − | ''Wissenschaft und Mathematik''. In Zusammenarbeit mit dem Gelehrten-Beamten Xu Guangqi | + | ''Wissenschaft und Mathematik''. In Zusammenarbeit mit dem Gelehrten-Beamten Xu Guangqi übersetzte Ricci die ersten sechs Bücher von Euklids ''Elementen'' ins Chinesische (1607). |
''Woerterbucher und Sprachstudium''. Ricci kompilierte ein Manuskript-Woerterbuch und leistete Pionierarbeit bei der Romanisierung des Chinesischen.<ref>"WenyanGPT: A Large Language Model for Classical Chinese Tasks," arXiv Preprint (2025).</ref> | ''Woerterbucher und Sprachstudium''. Ricci kompilierte ein Manuskript-Woerterbuch und leistete Pionierarbeit bei der Romanisierung des Chinesischen.<ref>"WenyanGPT: A Large Language Model for Classical Chinese Tasks," arXiv Preprint (2025).</ref> | ||
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== 4. Die linguistische Infrastruktur: Woerterbucher, Grammatiken und die ersten Werkzeuge der Sinologie == | == 4. Die linguistische Infrastruktur: Woerterbucher, Grammatiken und die ersten Werkzeuge der Sinologie == | ||
| − | Der polnische Jesuit Michael Boym (1612-1659) | + | Der polnische Jesuit Michael Boym (1612-1659) veröffentlichte die ersten beiden von einem Europaeer erstellten Woerterbucher des Chinesischen: ein chinesisch-lateinisches Woerterbuch 1667 und eine chinesisch-französische Ausgabe 1670. Sein moderner Landsmann Boleslaw Szczesniak hat ihn als "vielleicht den ersten Sinologen im wahren Sinne des Wortes" betrachtet. |
Umfangreicher war das chinesisch-lateinische Woerterbuch des italienischen Jesuiten Basilio Brollo (1648-1703) von 1694, revidiert 1699. Die erste Version enthielt 7.000 Zeichen; die zweite erweiterte dies auf 9.000. | Umfangreicher war das chinesisch-lateinische Woerterbuch des italienischen Jesuiten Basilio Brollo (1648-1703) von 1694, revidiert 1699. Die erste Version enthielt 7.000 Zeichen; die zweite erweiterte dies auf 9.000. | ||
| − | Die erste | + | Die erste veröffentlichte Grammatik des Chinesischen war die ''Arte de la Lengua Mandarina'' (Kanton, 1703) von Francisco Varo, einem spanischen Dominikaner. Die wichtigste chinesische Grammatik des achtzehnten Jahrhunderts war jedoch Premares ''Notitia Linguae Sinicae'' (1728), die Harbsmeier als "eine schlichtweg erstaunliche wissenschaftliche Leistung, die dem Vorangegangenen weit überlegen war" bezeichnet hat. |
| − | Diese Woerterbucher und Grammatiken, so unvollkommen sie auch waren, stellten einen wesentlichen | + | Diese Woerterbucher und Grammatiken, so unvollkommen sie auch waren, stellten einen wesentlichen Übergang dar: vom Erlernen des Chinesischen durch Immersion und mündlichen Unterricht zum Erlernen durch kodifizierte, übertragbare Werkzeuge. |
| − | == 5. Die grossen Kompilationen: Martini, Kircher und die | + | == 5. Die grossen Kompilationen: Martini, Kircher und die europäische Rezeption == |
| − | Martino Martini (1614-1661), ein italienischer Jesuit aus Trient, kam 1643 nach China und wurde Zeuge des dramatischen | + | Martino Martini (1614-1661), ein italienischer Jesuit aus Trient, kam 1643 nach China und wurde Zeuge des dramatischen Übergangs von der Ming- zur Qing-Dynastie. |
| − | Martinis ''De Bello Tartarico Historia'' (Geschichte des Tartarenkrieges, 1654) war der erste | + | Martinis ''De Bello Tartarico Historia'' (Geschichte des Tartarenkrieges, 1654) war der erste ausführliche europäische Bericht über die mandschurische Eroberung Chinas. Sein ''Atlas Sinensis'' (Atlas von China, 1655) mit siebzehn Karten auf der Grundlage chinesischer Quellen war der erste europäische Atlas, der die innere Topographie der chinesischen Provinzen im Detail zeigte.<ref>"Benchmarking LLMs for Translating Classical Chinese Poetry," ''Proceedings of EMNLP'' (2025).</ref> |
| − | Eine ganz andere Art von Kompilation war Athanasius Kirchers ''China monumentis qua sacris qua profanis... illustrata'' (China Illustriert), | + | Eine ganz andere Art von Kompilation war Athanasius Kirchers ''China monumentis qua sacris qua profanis... illustrata'' (China Illustriert), veröffentlicht in Amsterdam 1667. Kircher (1602-1680) war kein Jesuitenmissionar in China, sondern ein polymathischer Gelehrter in Rom, der manchmal als "der letzte Renaissance-Mensch" bezeichnet wird.<ref>"A Multi Agent Classical Chinese Translation Method Based on Large Language Models," ''Scientific Reports'' 15 (2025).</ref> |
Kircher wurde in ganz Europa gelesen. Sein gelehrter Wert wurde jedoch durch sein Engagement fuer den Hermetismus beeintraechtigt -- den Glauben, dass alle antiken Zivilisationen Spuren der urspruenglichen goettlichen Offenbarung bewahrten.<ref>Siehe Mark Edward Lewis und Curie Viragh, "Computational Stylistics and Chinese Literature," ''Journal of Chinese Literature and Culture'' 9, Nr. 1 (2022).</ref> | Kircher wurde in ganz Europa gelesen. Sein gelehrter Wert wurde jedoch durch sein Engagement fuer den Hermetismus beeintraechtigt -- den Glauben, dass alle antiken Zivilisationen Spuren der urspruenglichen goettlichen Offenbarung bewahrten.<ref>Siehe Mark Edward Lewis und Curie Viragh, "Computational Stylistics and Chinese Literature," ''Journal of Chinese Literature and Culture'' 9, Nr. 1 (2022).</ref> | ||
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Unter den intellektuell ambitioniertesten -- und hermeneutisch problematischsten -- jesuitischen Zugaengen zur chinesischen Gelehrsamkeit war der Figurismus, eine Bewegung, die kodierte Verweise auf biblische Wahrheiten in den chinesischen Klassikern zu finden suchte. | Unter den intellektuell ambitioniertesten -- und hermeneutisch problematischsten -- jesuitischen Zugaengen zur chinesischen Gelehrsamkeit war der Figurismus, eine Bewegung, die kodierte Verweise auf biblische Wahrheiten in den chinesischen Klassikern zu finden suchte. | ||
| − | Der fuehrende Figurist war Joachim Bouvet (1656-1730), ein | + | Der fuehrende Figurist war Joachim Bouvet (1656-1730), ein französischer Jesuit, der 1687 als Teil der ersten französischen Mission nach China kam und ein Guenstling des Kangxi-Kaisers wurde. Bouvet war fasziniert vom ''Yi Jing'' (Buch der Wandlungen) und entwickelte eine ausgeklueegelte Theorie, dass dessen Hexagrammsystem dieselben Wahrheiten kodiere wie der biblische Schoepfungsbericht.<ref>China-Princeton Digital Humanities Workshop 2025.</ref> |
| − | Bouvet korrespondierte | + | Bouvet korrespondierte ausführlich mit Leibniz, der von der offensichtlichen Entsprechung zwischen der binaeren Struktur der Hexagramme und seinem eigenen Binaerzahlensystem fasziniert war.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 54-60.</ref> |
Joseph de Premare (1666-1736) produzierte eine figuristische Lesart des ''Shi Jing'' (Buch der Lieder), in der er eine der Hymnen als Lobgesang auf die Geburt Christi identifizierte.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 96-97.</ref> Premare war auch der Autor der ''Notitia Linguae Sinicae'' (1728), die Christopher Harbsmeier als "die wichtigste chinesische Grammatik des achtzehnten Jahrhunderts" bezeichnet hat.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 102-113.</ref> | Joseph de Premare (1666-1736) produzierte eine figuristische Lesart des ''Shi Jing'' (Buch der Lieder), in der er eine der Hymnen als Lobgesang auf die Geburt Christi identifizierte.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 96-97.</ref> Premare war auch der Autor der ''Notitia Linguae Sinicae'' (1728), die Christopher Harbsmeier als "die wichtigste chinesische Grammatik des achtzehnten Jahrhunderts" bezeichnet hat.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 102-113.</ref> | ||
| − | == 7. Der ''Confucius Sinarum Philosophus'' (1687): Ein Meilenstein der | + | == 7. Der ''Confucius Sinarum Philosophus'' (1687): Ein Meilenstein der Übersetzung == |
| − | Die | + | Die Veröffentlichung des ''Confucius Sinarum Philosophus'' (Konfuzius, Philosoph der Chinesen) in Paris 1687 war eines der folgenreichsten Ereignisse in der Geschichte der europäischen Auseinandersetzung mit dem chinesischen Denken. |
| − | Das Projekt hatte seinen Ursprung in den | + | Das Projekt hatte seinen Ursprung in den frühesten Jahren der Ricci-Mission. Die veröffentlichte Ausgabe, ein Folioband von 412 Seiten mit Illustrationen, wurde von Philippe Couplet (1622-1693) zusammengestellt und redigiert.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 114-117.</ref> Sie praesentierte lateinische Übersetzungen von drei der Vier Bücher -- den ''Lunyu'' (Analekten), dem ''Zhongyong'' (Lehre von der Mitte) und dem ''Daxue'' (Das Grosse Lernen). Der ''Mengzi'' (Menzius) wurde ausgelassen, offenbar weil seine politische Philosophie -- mit ihrer Rechtfertigung des Rechts des Volkes, tyrannische Herrscher zu stuerzen -- als zu subversiv fuer die europäischen Monarchien betrachtet wurde. |
| − | Wie Paul Rule formuliert hat, beinhaltete die jesuitische Interpretation des Konfuzianismus "einen Prozess des kreativen | + | Wie Paul Rule formuliert hat, beinhaltete die jesuitische Interpretation des Konfuzianismus "einen Prozess des kreativen Missverständnisses, der intellektuell produktiv war, auch wenn er textlich untreu war".<ref>Honey, ''Incense at the Altar'', Vorwort, xxii.</ref> |
| − | == 8. Die | + | == 8. Die französischen Jesuiten und Antonine Gaubil == |
| − | Die Ankunft der ersten | + | Die Ankunft der ersten französischen Mission in China 1687, angefuehrt von Jean de Fontaney (1643-1710) und bestehend aus jesuitischen Mathematikern, die von Ludwig XIV. entsandt wurden, markierte eine neue Phase im jesuitischen Unternehmen. |
| − | Der groesste | + | Der groesste französische Jesuiten-Sinologe in Peking war Antonine Gaubil (1689-1759), der 1733 ankam und dort bis zu seinem Tod sechsundzwanzig Jahre später blieb. Gaubils wissenschaftlicher Ansatz war charakteristisch bescheiden und methodisch solide. C.R. Boxer fasste ihn so zusammen: "Er erhob nicht den Anspruch, ein origineller Autor zu sein, sondern erklaerte, dass er versuchte, den Europaeern einige genaue und kritische Vorstellungen von der chinesischen Geschichte zu vermitteln, wie sie von den zuverlaessigsten chinesischen Historikern überliefert wurde." |
| − | Joseph de Maillas ''Histoire generale de la Chine'' (1777-1783), ein dreizehnbaendiges Werk, das weitgehend auf | + | Joseph de Maillas ''Histoire generale de la Chine'' (1777-1783), ein dreizehnbaendiges Werk, das weitgehend auf Übersetzungen aus Zhu Xis ''Tongjian gangmu'' basierte, war ein weiteres bedeutendes Produkt der französischen Mission. |
== 9. Du Haldes ''Description de l'Empire de la Chine'' (1735): Die Enzyklopaedie Chinas == | == 9. Du Haldes ''Description de l'Empire de la Chine'' (1735): Die Enzyklopaedie Chinas == | ||
| − | Jean-Baptiste Du Halde (1674-1743) war ein | + | Jean-Baptiste Du Halde (1674-1743) war ein französischer Jesuit, der China nie besucht hatte. Seine ''Description geographique, historique, chronologique, politique et physique de l'Empire de la Chine et de la Tartarie chinoise'' (1735) war die Synthese des angesammelten Wissens: eine vierbaendige Enzyklopaedie der chinesischen Zivilisation. |
| − | Erik Zuercher hat Du Haldes ''Description'' als "die Bibel der | + | Erik Zuercher hat Du Haldes ''Description'' als "die Bibel der europäischen Sinophilie" bezeichnet.<ref>"Academic Freedom and China," AAUP-Bericht (2024).</ref> Das Werk praesentierte China im guenstigsten moeglichen Licht und vermied systematisch alles, was die chinesische Zivilisation in ein negatives Licht rücken koennte. Du Haldes Kompilation illustriert auch die strukturellen Grenzen des jesuitischen Ansatzes: Da sie aus Berichten von Missionaren zusammengestellt wurde, deren primaere Sorge die Evangelisation war, spiegelte sie deren Prioritaeten und Perspektiven wider.<ref>"They Don't Understand the Fear We Have," Human Rights Watch (2021).</ref> |
== 10. Die chinesische Ritenstreitigkeit und ihre Auswirkungen auf die Gelehrsamkeit == | == 10. Die chinesische Ritenstreitigkeit und ihre Auswirkungen auf die Gelehrsamkeit == | ||
| − | Die Ritenstreitigkeit, kurz in Kapitel 1 eingefuehrt, war die grosse Krise der Jesuitenmission in China, und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Sinologie waren weitreichend. Der Streit drehte sich um zwei Fragen: (1) ob die chinesischen Begriffe ''Tian'' (Himmel) und ''Shangdi'' (Herr in der Hoehe) legitimerweise zur | + | Die Ritenstreitigkeit, kurz in Kapitel 1 eingefuehrt, war die grosse Krise der Jesuitenmission in China, und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Sinologie waren weitreichend. Der Streit drehte sich um zwei Fragen: (1) ob die chinesischen Begriffe ''Tian'' (Himmel) und ''Shangdi'' (Herr in der Hoehe) legitimerweise zur Übersetzung des christlichen Gottesbegriffs verwendet werden konnten, und (2) ob chinesische Konvertiten zum Christentum weiterhin Ahnenriten praktizieren und am Konfuzius-Kult teilnehmen durften. |
| − | Die Jesuiten beantworteten beide Fragen bejahend im Sinne von Riccis Akkommodationsstrategie. Dominikaner und Franziskaner widersprachen scharf. Die Kontroverse eskalierte, involvierte schliesslich das Papsttum, die | + | Die Jesuiten beantworteten beide Fragen bejahend im Sinne von Riccis Akkommodationsstrategie. Dominikaner und Franziskaner widersprachen scharf. Die Kontroverse eskalierte, involvierte schliesslich das Papsttum, die französische und portugiesische Krone und den Kangxi-Kaiser selbst. 1704 und erneut 1715 entschied Papst Clemens XI. gegen die jesuitische Position. 1742 verurteilte Papst Benedikt XIV. die chinesischen Riten definitiv, und 1773 hob Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu auf.<ref>Kubin, ''Hanxue yanjiu xin shiye'', Kap. 7, S. 100-111.</ref> |
| − | == 11. Noelas und die ''Dao De Jing''- | + | == 11. Noelas und die ''Dao De Jing''-Übersetzung: Die Trinitaet in Laozi hineinlesen == |
| − | Eine der aufschlussreichsten Episoden in der Geschichte der jesuitischen Gelehrsamkeit | + | Eine der aufschlussreichsten Episoden in der Geschichte der jesuitischen Gelehrsamkeit über China war die Übersetzung des ''Dao De Jing'', die um 1720 vom französischen Jesuiten Jean-Francois Noel (auch bekannt als Noelas, 1651-1729) angefertigt wurde. Noels lateinische Wiedergabe von Laozis Klassiker war so gruendlich von christlichen theologischen Annahmen geformt, dass sie den Text in etwas verwandelte, was sein Autor nicht wiedererkannt haette. |
Noel identifizierte das daoistische Konzept des ''Dao'' mit dem christlichen Logos, das ''De'' (Tugend oder Kraft) mit dem Heiligen Geist und den gesamten metaphysischen Rahmen des ''Dao De Jing'' mit der christlichen Trinitaetstheologie. | Noel identifizierte das daoistische Konzept des ''Dao'' mit dem christlichen Logos, das ''De'' (Tugend oder Kraft) mit dem Heiligen Geist und den gesamten metaphysischen Rahmen des ''Dao De Jing'' mit der christlichen Trinitaetstheologie. | ||
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== 12. Die Aufhebung der Jesuiten (1773) und die Wissenslueecke == | == 12. Die Aufhebung der Jesuiten (1773) und die Wissenslueecke == | ||
| − | Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 brachte die Jesuitenmission in China abrupt zum Erliegen. Die Aufhebung schuf eine bedeutende Luecke im | + | Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 brachte die Jesuitenmission in China abrupt zum Erliegen. Die Aufhebung schuf eine bedeutende Luecke im europäischen Wissen über China. Fast zwei Jahrhunderte lang waren die Jesuiten der primaere Kanal gewesen, durch den Informationen über China nach Europa flossen. |
Als Jean-Pierre Abel-Remusat 1814 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl fuer Chinesisch am College de France berufen wurde, klagte er, er betrete "ein oedes Land, noch unkultiviert. Die Sprache, mit der wir uns in diesem Kurs beschaeftigen werden, ist in Europa nur dem Namen nach bekannt".<ref>Thomas Michael, "Heidegger's Legacy for Comparative Philosophy and the Laozi," ''International Journal of China Studies'' 11, Nr. 2 (2020): 299.</ref> | Als Jean-Pierre Abel-Remusat 1814 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl fuer Chinesisch am College de France berufen wurde, klagte er, er betrete "ein oedes Land, noch unkultiviert. Die Sprache, mit der wir uns in diesem Kurs beschaeftigen werden, ist in Europa nur dem Namen nach bekannt".<ref>Thomas Michael, "Heidegger's Legacy for Comparative Philosophy and the Laozi," ''International Journal of China Studies'' 11, Nr. 2 (2020): 299.</ref> | ||
| − | Die Luecke zwischen der Aufhebung der Jesuiten 1773 und der Einrichtung des ersten | + | Die Luecke zwischen der Aufhebung der Jesuiten 1773 und der Einrichtung des ersten Universitätslehrstuhls fuer Chinesisch 1814 -- eine Luecke von einundvierzig Jahren -- stellt eine Übergangsperiode in der Geschichte der Sinologie dar. |
== 13. Bilanz: Was die Jesuiten leisteten und was sie verzerrten == | == 13. Bilanz: Was die Jesuiten leisteten und was sie verzerrten == | ||
| − | Der jesuitische Beitrag zum | + | Der jesuitische Beitrag zum europäischen Wissen über China war nach jedem Massstab aussergewoehnlich. Im Verlauf von zwei Jahrhunderten waren die Jesuiten die ersten Europaeer, die eine echte Beherrschung des klassischen Chinesisch erlangten. Sie produzierten die ersten chinesisch-europäischen Woerterbucher und Grammatiken. Sie übersetzten die chinesischen Klassiker ins Lateinische. Sie kompilierten den ersten europäischen Atlas Chinas (Martini), die erste Geschichte des alten China (Martini) und die erste umfassende Enzyklopaedie der chinesischen Zivilisation (Du Halde).<ref>Steven Burik, ''The End of Comparative Philosophy'' (Albany: SUNY Press, 2009).</ref> |
Doch das jesuitische Vermaechtnis war auch zutiefst problematisch. Das von den Jesuiten produzierte Wissen war an jedem Punkt durch ihre evangelische Mission geformt, und dies fuehrte zu systematischen Verzerrungen: | Doch das jesuitische Vermaechtnis war auch zutiefst problematisch. Das von den Jesuiten produzierte Wissen war an jedem Punkt durch ihre evangelische Mission geformt, und dies fuehrte zu systematischen Verzerrungen: | ||
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# ''Hermeneutische Verzerrung''. Die Jesuiten lasen chinesische Texte durch die Linse der christlichen Theologie. | # ''Hermeneutische Verzerrung''. Die Jesuiten lasen chinesische Texte durch die Linse der christlichen Theologie. | ||
# ''Sozialer Bias''. Die Jesuiten engagierten sich fast ausschliesslich mit der chinesischen Elite. | # ''Sozialer Bias''. Die Jesuiten engagierten sich fast ausschliesslich mit der chinesischen Elite. | ||
| − | # ''Mandschurische Perspektive''. Ihre produktivste Periode fiel mit der | + | # ''Mandschurische Perspektive''. Ihre produktivste Periode fiel mit der frühen Qing-Dynastie zusammen. |
| − | # '' | + | # ''Abhängigkeit von Informanten''. Selbst die sprachlich begabtesten Jesuiten verliessen sich stark auf chinesische Informanten. |
| − | Der | + | Der Übergang von der jesuitischen Missionssinologie zur professionellen akademischen Sinologie war kein sauberer Bruch, sondern ein allmaehlicher Prozess. Wie Johansson argumentiert hat, fungierte die europäische Sinologie als "eine wichtige epistemologische Brücke zwischen Kulturen".<ref>Francois Jullien, ''Detour and Access'' (New York: Zone Books, 2000).</ref> |
== Anmerkungen == | == Anmerkungen == | ||
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* Rule, Paul A. ''K'ung-tzu or Confucius: The Jesuit Interpretations of Confucianism''. Sydney: Allen and Unwin, 1986. | * Rule, Paul A. ''K'ung-tzu or Confucius: The Jesuit Interpretations of Confucianism''. Sydney: Allen and Unwin, 1986. | ||
* Spence, Jonathan D. ''The Memory Palace of Matteo Ricci''. New York: Viking, 1984. | * Spence, Jonathan D. ''The Memory Palace of Matteo Ricci''. New York: Viking, 1984. | ||
| − | * Zhang Xiping. ''Ouzhou zaoqi Hanxue shi'' [Geschichte der | + | * Zhang Xiping. ''Ouzhou zaoqi Hanxue shi'' [Geschichte der frühen europäischen Sinologie]. Beijing: Zhonghua shuju, 2007. |
== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
Latest revision as of 02:34, 26 March 2026
Kapitel 2: Das jesuitische Unternehmen -- Von der Missionslinguistik zur Proto-Sinologie (1582-1773)
1. Einleitung: Die Jesuiten und die Geburt der europäischen sinologischen Gelehrsamkeit
Das vorangegangene Kapitel zeichnete die lange Vorgeschichte des europäischen Wissens über China nach, von den frühesten griechischen Verweisen auf die "Serer" über die mittelalterlichen Reiseberichte und die portugiesische Eroeffnung des Seewegs. Es schloss mit einem breiten Überblick über die Beitraege der Jesuitenmission zum europäischen Verständnis Chinas. Dieses Kapitel kehrt zu jener Mission zurück und untersucht sie weit eingehender, indem es sie als die folgenreichste Episode in der Entstehung der westlichen Sinologie vor der Einrichtung von Universitätslehrstuehlen im neunzehnten Jahrhundert behandelt.
Zwischen 1582, als die ersten Jesuiten nach China kamen, und 1773, als Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu aufloeste, wirkten rund 456 Jesuiten in der Chinamission.[1] Sie brachten ein aussergewoehnliches Corpus an Gelehrsamkeit hervor: Woerterbucher, Grammatiken, Übersetzungen der chinesischen Klassiker, historische Kompilationen, geographische Atlanten, astronomische Beobachtungen, philosophische Abhandlungen und eine umfangreiche Korrespondenz, die in ihrem Umfang und ihrer Detailliertheit den reichsten Bestand europäischer Schriften über eine nichteuropäische Zivilisation vor der modernen Aera darstellte. Sie waren die ersten Europaeer, die eine echte Beherrschung des klassischen Chinesisch erlangten, die ersten, die den konfuzianischen Kanon in eine westliche Sprache übersetzten, und die ersten, die originale Werke der Philosophie und Wissenschaft auf Chinesisch fuer eine chinesische Leserschaft verfassten.
Doch die Jesuiten waren keine Gelehrten im modernen Sinne. Sie waren Missionare, deren ubergeordneter Zweck die Bekehrung Chinas zum Christentum war. Jedes wissenschaftliche Unternehmen, das sie betrieben, war letztlich diesem evangelischen Ziel untergeordnet. Diese Doppelidentitaet als sowohl Gelehrte als auch Missionare praegte den Charakter des von ihnen produzierten Wissens zutiefst. Wie David Mungello beobachtet hat, wurden "Quellenmaterialien im Hinblick auf den Triumph ausgewaehlt und nicht auf die Wahrheit".[2]
2. Michele Ruggieri: Der erste europäische Student des Chinesischen
Die konventionelle Erzaehlung der Jesuitenmission in China beginnt mit Matteo Ricci, und das zu Recht. Aber die Pionierarbeit von Michele Ruggieri (1543-1607) verdient groeessere Aufmerksamkeit als sie gewoehnlich erhaelt, denn es war Ruggieri, der zuerst demonstrierte, dass ein Europaeer die chinesische Sprache systematisch erlernen und als Werkzeug der Kommunikation und des Studiums einsetzen konnte.
Ruggieri, ein neapolitanischer Jurist, der 1572 in die Gesellschaft Jesu eintrat, kam 1579 in Macau an mit dem ausdrücklichen Ziel, Chinesisch zu lernen. Er war der erste Jesuit, der diese Aufgabe unternahm, und die Schwierigkeiten, denen er gegenuberstand, waren gewaltig. Es existierte keine chinesische Grammatik oder kein Woerterbuch in irgendeiner europäischen Sprache. Ruggieris Ansatz war empirisch und muehsam: Er stellte chinesische Tutoren ein, lernte Schriftzeichen auswendig und baute schrittweise ein Arbeitswissen sowohl der gesprochenen als auch der geschriebenen Sprache auf.
Bis 1583, als Ricci sich ihm in Guangdong anschloss, hatte Ruggieri ein ausreichendes Chinesisch erlangt, um einen Katechismus in klassischem Chinesisch zu verfassen -- das erste originale Werk auf Chinesisch eines Europaerers. Obwohl Ruggieris Chinesisch stets weniger geschliffen war als Riccis, war seine Leistung, die Machbarkeit des direkten Chinesischstudiums zu demonstrieren, fundamental. Es war Ruggieri, der das Prinzip etablierte, das die Jesuitenmission von allen früheren europäischen Beruehrungen mit China unterscheiden sollte: Wissen über China muss durch chinesische Texte gesucht werden, nicht bloss durch aeusserliche Beobachtung oder einheimische Informanten.[3]
3. Matteo Ricci: Akkommodation, Akkulturation und die wissenschaftlichen Nebenprodukte der Evangelisation
Matteo Ricci (1552-1610) wurde in Macerata in der Region Marken in Italien geboren und studierte am Roemischen Kolleg bei Christopher Clavius, dem fuehrenden Jesuiten-Astronomen und Architekten des gregorianischen Kalenders. Er kam 1582 in Macau an und betrat im folgenden Jahr die Provinz Guangdong. Die verbleibenden achtundzwanzig Jahre seines Lebens verbrachte er in China und starb 1610 in Peking.
Riccis Ansatz unterschied sich radikal von dem früherer katholischer Missionare. Wo die portugiesischen und spanischen Franziskaner und Dominikaner die Chinesen als goetzendienerische Heiden behandelt hatten, die durch Predigt und Zwang bekehrt werden sollten, strebte Ricci das an, was spätere Gelehrte "Akkommodation durch Akkulturation" nannten.[4] Wie Howard Goodman und Anthony Grafton ihn charakterisiert haben, war Ricci "ein Humanist und ein Gelehrter... er arbeitete mit Texten: konfuzianische Klassiker, die er als Eintrittspreis zu Gesprächen mit der chinesischen Elite beherrschte, und westliche Klassiker, die ihm die Autoritaet gaben, eine Alternative zum Konfuzianismus anzubieten".[5]
Ricci lernte klassisches Chinesisch auf einem hohen Niveau der Kompetenz. Er übernahm die Kleidung eines konfuzianischen Gelehrten -- zunächst hatten die Jesuiten buddhistische Gewander getragen, aber Ricci erkannte, dass der Buddhismus in der chinesischen intellektuellen Hierarchie einen niedrigeren Status einnahm als der Konfuzianismus, und wechselte entsprechend.[6]
Die gelehrten Werke, die Ricci in China produzierte, fielen in mehrere Kategorien:
Kartographie. Riccis Kunyu wanguo quantu (Karte aller Länder der Welt, 1602) war die erste Weltkarte auf Chinesisch, die europäisches geographisches Wissen einbezog.
Philosophie und moralische Schriften. Riccis Jiaoyou lun (Über die Freundschaft, 1595) schoepfte aus klassischen europäischen Quellen -- Cicero, Seneca, Plutarch --, um eine Abhandlung über Freundschaft in elegantem klassischem Chinesisch zu verfassen. Sein Tianzhu shiyi (Der wahre Sinn des Herrn des Himmels, 1603) war ein ehrgeizigeres Werk: ein philosophischer Dialog, in dem Ricci die Vereinbarkeit von Christentum und Konfuzianismus zu demonstrieren versuchte.
Wissenschaft und Mathematik. In Zusammenarbeit mit dem Gelehrten-Beamten Xu Guangqi übersetzte Ricci die ersten sechs Bücher von Euklids Elementen ins Chinesische (1607).
Woerterbucher und Sprachstudium. Ricci kompilierte ein Manuskript-Woerterbuch und leistete Pionierarbeit bei der Romanisierung des Chinesischen.[7]
Riccis Tod in Peking im Jahr 1610 -- er war der erste Europaeer, dem durch kaiserlichen Erlass eine Begraebnisstaette in der chinesischen Hauptstadt gewaehrt wurde -- markierte das Ende der Gruendungsphase der Jesuitenmission, aber nicht ihrer wissenschaftlichen Produktivitaet.
4. Die linguistische Infrastruktur: Woerterbucher, Grammatiken und die ersten Werkzeuge der Sinologie
Der polnische Jesuit Michael Boym (1612-1659) veröffentlichte die ersten beiden von einem Europaeer erstellten Woerterbucher des Chinesischen: ein chinesisch-lateinisches Woerterbuch 1667 und eine chinesisch-französische Ausgabe 1670. Sein moderner Landsmann Boleslaw Szczesniak hat ihn als "vielleicht den ersten Sinologen im wahren Sinne des Wortes" betrachtet.
Umfangreicher war das chinesisch-lateinische Woerterbuch des italienischen Jesuiten Basilio Brollo (1648-1703) von 1694, revidiert 1699. Die erste Version enthielt 7.000 Zeichen; die zweite erweiterte dies auf 9.000.
Die erste veröffentlichte Grammatik des Chinesischen war die Arte de la Lengua Mandarina (Kanton, 1703) von Francisco Varo, einem spanischen Dominikaner. Die wichtigste chinesische Grammatik des achtzehnten Jahrhunderts war jedoch Premares Notitia Linguae Sinicae (1728), die Harbsmeier als "eine schlichtweg erstaunliche wissenschaftliche Leistung, die dem Vorangegangenen weit überlegen war" bezeichnet hat.
Diese Woerterbucher und Grammatiken, so unvollkommen sie auch waren, stellten einen wesentlichen Übergang dar: vom Erlernen des Chinesischen durch Immersion und mündlichen Unterricht zum Erlernen durch kodifizierte, übertragbare Werkzeuge.
5. Die grossen Kompilationen: Martini, Kircher und die europäische Rezeption
Martino Martini (1614-1661), ein italienischer Jesuit aus Trient, kam 1643 nach China und wurde Zeuge des dramatischen Übergangs von der Ming- zur Qing-Dynastie.
Martinis De Bello Tartarico Historia (Geschichte des Tartarenkrieges, 1654) war der erste ausführliche europäische Bericht über die mandschurische Eroberung Chinas. Sein Atlas Sinensis (Atlas von China, 1655) mit siebzehn Karten auf der Grundlage chinesischer Quellen war der erste europäische Atlas, der die innere Topographie der chinesischen Provinzen im Detail zeigte.[8]
Eine ganz andere Art von Kompilation war Athanasius Kirchers China monumentis qua sacris qua profanis... illustrata (China Illustriert), veröffentlicht in Amsterdam 1667. Kircher (1602-1680) war kein Jesuitenmissionar in China, sondern ein polymathischer Gelehrter in Rom, der manchmal als "der letzte Renaissance-Mensch" bezeichnet wird.[9]
Kircher wurde in ganz Europa gelesen. Sein gelehrter Wert wurde jedoch durch sein Engagement fuer den Hermetismus beeintraechtigt -- den Glauben, dass alle antiken Zivilisationen Spuren der urspruenglichen goettlichen Offenbarung bewahrten.[10]
6. Die Figuristen: Bouvet und die Suche nach biblischen Wahrheiten in chinesischen Texten
Unter den intellektuell ambitioniertesten -- und hermeneutisch problematischsten -- jesuitischen Zugaengen zur chinesischen Gelehrsamkeit war der Figurismus, eine Bewegung, die kodierte Verweise auf biblische Wahrheiten in den chinesischen Klassikern zu finden suchte.
Der fuehrende Figurist war Joachim Bouvet (1656-1730), ein französischer Jesuit, der 1687 als Teil der ersten französischen Mission nach China kam und ein Guenstling des Kangxi-Kaisers wurde. Bouvet war fasziniert vom Yi Jing (Buch der Wandlungen) und entwickelte eine ausgeklueegelte Theorie, dass dessen Hexagrammsystem dieselben Wahrheiten kodiere wie der biblische Schoepfungsbericht.[11]
Bouvet korrespondierte ausführlich mit Leibniz, der von der offensichtlichen Entsprechung zwischen der binaeren Struktur der Hexagramme und seinem eigenen Binaerzahlensystem fasziniert war.[12]
Joseph de Premare (1666-1736) produzierte eine figuristische Lesart des Shi Jing (Buch der Lieder), in der er eine der Hymnen als Lobgesang auf die Geburt Christi identifizierte.[13] Premare war auch der Autor der Notitia Linguae Sinicae (1728), die Christopher Harbsmeier als "die wichtigste chinesische Grammatik des achtzehnten Jahrhunderts" bezeichnet hat.[14]
7. Der Confucius Sinarum Philosophus (1687): Ein Meilenstein der Übersetzung
Die Veröffentlichung des Confucius Sinarum Philosophus (Konfuzius, Philosoph der Chinesen) in Paris 1687 war eines der folgenreichsten Ereignisse in der Geschichte der europäischen Auseinandersetzung mit dem chinesischen Denken.
Das Projekt hatte seinen Ursprung in den frühesten Jahren der Ricci-Mission. Die veröffentlichte Ausgabe, ein Folioband von 412 Seiten mit Illustrationen, wurde von Philippe Couplet (1622-1693) zusammengestellt und redigiert.[15] Sie praesentierte lateinische Übersetzungen von drei der Vier Bücher -- den Lunyu (Analekten), dem Zhongyong (Lehre von der Mitte) und dem Daxue (Das Grosse Lernen). Der Mengzi (Menzius) wurde ausgelassen, offenbar weil seine politische Philosophie -- mit ihrer Rechtfertigung des Rechts des Volkes, tyrannische Herrscher zu stuerzen -- als zu subversiv fuer die europäischen Monarchien betrachtet wurde.
Wie Paul Rule formuliert hat, beinhaltete die jesuitische Interpretation des Konfuzianismus "einen Prozess des kreativen Missverständnisses, der intellektuell produktiv war, auch wenn er textlich untreu war".[16]
8. Die französischen Jesuiten und Antonine Gaubil
Die Ankunft der ersten französischen Mission in China 1687, angefuehrt von Jean de Fontaney (1643-1710) und bestehend aus jesuitischen Mathematikern, die von Ludwig XIV. entsandt wurden, markierte eine neue Phase im jesuitischen Unternehmen.
Der groesste französische Jesuiten-Sinologe in Peking war Antonine Gaubil (1689-1759), der 1733 ankam und dort bis zu seinem Tod sechsundzwanzig Jahre später blieb. Gaubils wissenschaftlicher Ansatz war charakteristisch bescheiden und methodisch solide. C.R. Boxer fasste ihn so zusammen: "Er erhob nicht den Anspruch, ein origineller Autor zu sein, sondern erklaerte, dass er versuchte, den Europaeern einige genaue und kritische Vorstellungen von der chinesischen Geschichte zu vermitteln, wie sie von den zuverlaessigsten chinesischen Historikern überliefert wurde."
Joseph de Maillas Histoire generale de la Chine (1777-1783), ein dreizehnbaendiges Werk, das weitgehend auf Übersetzungen aus Zhu Xis Tongjian gangmu basierte, war ein weiteres bedeutendes Produkt der französischen Mission.
9. Du Haldes Description de l'Empire de la Chine (1735): Die Enzyklopaedie Chinas
Jean-Baptiste Du Halde (1674-1743) war ein französischer Jesuit, der China nie besucht hatte. Seine Description geographique, historique, chronologique, politique et physique de l'Empire de la Chine et de la Tartarie chinoise (1735) war die Synthese des angesammelten Wissens: eine vierbaendige Enzyklopaedie der chinesischen Zivilisation.
Erik Zuercher hat Du Haldes Description als "die Bibel der europäischen Sinophilie" bezeichnet.[17] Das Werk praesentierte China im guenstigsten moeglichen Licht und vermied systematisch alles, was die chinesische Zivilisation in ein negatives Licht rücken koennte. Du Haldes Kompilation illustriert auch die strukturellen Grenzen des jesuitischen Ansatzes: Da sie aus Berichten von Missionaren zusammengestellt wurde, deren primaere Sorge die Evangelisation war, spiegelte sie deren Prioritaeten und Perspektiven wider.[18]
10. Die chinesische Ritenstreitigkeit und ihre Auswirkungen auf die Gelehrsamkeit
Die Ritenstreitigkeit, kurz in Kapitel 1 eingefuehrt, war die grosse Krise der Jesuitenmission in China, und ihre Auswirkungen auf die Entwicklung der Sinologie waren weitreichend. Der Streit drehte sich um zwei Fragen: (1) ob die chinesischen Begriffe Tian (Himmel) und Shangdi (Herr in der Hoehe) legitimerweise zur Übersetzung des christlichen Gottesbegriffs verwendet werden konnten, und (2) ob chinesische Konvertiten zum Christentum weiterhin Ahnenriten praktizieren und am Konfuzius-Kult teilnehmen durften.
Die Jesuiten beantworteten beide Fragen bejahend im Sinne von Riccis Akkommodationsstrategie. Dominikaner und Franziskaner widersprachen scharf. Die Kontroverse eskalierte, involvierte schliesslich das Papsttum, die französische und portugiesische Krone und den Kangxi-Kaiser selbst. 1704 und erneut 1715 entschied Papst Clemens XI. gegen die jesuitische Position. 1742 verurteilte Papst Benedikt XIV. die chinesischen Riten definitiv, und 1773 hob Papst Clemens XIV. die Gesellschaft Jesu auf.[19]
11. Noelas und die Dao De Jing-Übersetzung: Die Trinitaet in Laozi hineinlesen
Eine der aufschlussreichsten Episoden in der Geschichte der jesuitischen Gelehrsamkeit über China war die Übersetzung des Dao De Jing, die um 1720 vom französischen Jesuiten Jean-Francois Noel (auch bekannt als Noelas, 1651-1729) angefertigt wurde. Noels lateinische Wiedergabe von Laozis Klassiker war so gruendlich von christlichen theologischen Annahmen geformt, dass sie den Text in etwas verwandelte, was sein Autor nicht wiedererkannt haette.
Noel identifizierte das daoistische Konzept des Dao mit dem christlichen Logos, das De (Tugend oder Kraft) mit dem Heiligen Geist und den gesamten metaphysischen Rahmen des Dao De Jing mit der christlichen Trinitaetstheologie.
12. Die Aufhebung der Jesuiten (1773) und die Wissenslueecke
Die Aufhebung der Gesellschaft Jesu durch Papst Clemens XIV. am 21. Juli 1773 brachte die Jesuitenmission in China abrupt zum Erliegen. Die Aufhebung schuf eine bedeutende Luecke im europäischen Wissen über China. Fast zwei Jahrhunderte lang waren die Jesuiten der primaere Kanal gewesen, durch den Informationen über China nach Europa flossen.
Als Jean-Pierre Abel-Remusat 1814 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl fuer Chinesisch am College de France berufen wurde, klagte er, er betrete "ein oedes Land, noch unkultiviert. Die Sprache, mit der wir uns in diesem Kurs beschaeftigen werden, ist in Europa nur dem Namen nach bekannt".[20]
Die Luecke zwischen der Aufhebung der Jesuiten 1773 und der Einrichtung des ersten Universitätslehrstuhls fuer Chinesisch 1814 -- eine Luecke von einundvierzig Jahren -- stellt eine Übergangsperiode in der Geschichte der Sinologie dar.
13. Bilanz: Was die Jesuiten leisteten und was sie verzerrten
Der jesuitische Beitrag zum europäischen Wissen über China war nach jedem Massstab aussergewoehnlich. Im Verlauf von zwei Jahrhunderten waren die Jesuiten die ersten Europaeer, die eine echte Beherrschung des klassischen Chinesisch erlangten. Sie produzierten die ersten chinesisch-europäischen Woerterbucher und Grammatiken. Sie übersetzten die chinesischen Klassiker ins Lateinische. Sie kompilierten den ersten europäischen Atlas Chinas (Martini), die erste Geschichte des alten China (Martini) und die erste umfassende Enzyklopaedie der chinesischen Zivilisation (Du Halde).[21]
Doch das jesuitische Vermaechtnis war auch zutiefst problematisch. Das von den Jesuiten produzierte Wissen war an jedem Punkt durch ihre evangelische Mission geformt, und dies fuehrte zu systematischen Verzerrungen:
- Selektive Praeentation. Die Jesuiten praesentieren China im fuer ihre Mission guenstigsten Licht.
- Hermeneutische Verzerrung. Die Jesuiten lasen chinesische Texte durch die Linse der christlichen Theologie.
- Sozialer Bias. Die Jesuiten engagierten sich fast ausschliesslich mit der chinesischen Elite.
- Mandschurische Perspektive. Ihre produktivste Periode fiel mit der frühen Qing-Dynastie zusammen.
- Abhängigkeit von Informanten. Selbst die sprachlich begabtesten Jesuiten verliessen sich stark auf chinesische Informanten.
Der Übergang von der jesuitischen Missionssinologie zur professionellen akademischen Sinologie war kein sauberer Bruch, sondern ein allmaehlicher Prozess. Wie Johansson argumentiert hat, fungierte die europäische Sinologie als "eine wichtige epistemologische Brücke zwischen Kulturen".[22]
Anmerkungen
Bibliographie
- Barrett, Timothy H. Singular Listlessness: A Short History of Chinese Books and British Scholars. London: Wellsweep, 1989.
- Collani, Claudia von. P. Joachim Bouvet S.J.: Sein Leben und sein Werk. Nettetal: Steyler Verlag, 1985.
- Dawson, Raymond. The Chinese Chameleon. London: Oxford University Press, 1967.
- Du Halde, Jean-Baptiste. Description geographique, historique, chronologique, politique et physique de l'Empire de la Chine et de la Tartarie chinoise. 4 Bde. Paris, 1735.
- Goodman, Howard L. und Anthony Grafton. "Ricci, the Chinese, and the Toolkits of Textualists." Asia Major, 3. Reihe 3 (1990): 95-148.
- Honey, David B. Incense at the Altar. New Haven: American Oriental Society, 2001.
- Johansson, Perry. "Cross-Cultural Epistemology." In The Making of the Humanities, Bd. III, 449-67. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2014.
- Mungello, David E. Curious Land: Jesuit Accommodation and the Origins of Sinology. Wiesbaden: Franz Steiner, 1985.
- Rule, Paul A. K'ung-tzu or Confucius: The Jesuit Interpretations of Confucianism. Sydney: Allen and Unwin, 1986.
- Spence, Jonathan D. The Memory Palace of Matteo Ricci. New York: Viking, 1984.
- Zhang Xiping. Ouzhou zaoqi Hanxue shi [Geschichte der frühen europäischen Sinologie]. Beijing: Zhonghua shuju, 2007.
Einzelnachweise
- ↑ David B. Honey, Incense at the Altar: Pioneering Sinologists and the Development of Classical Chinese Philology (New Haven: American Oriental Society, 2001), Vorwort, xxii.
- ↑ Honey, Incense at the Altar, Vorwort, x.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, "Einführung in die westliche Sinologie", S. 165-168.
- ↑ Peter K. Bol, "The China Historical GIS," Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020).
- ↑ Hilde De Weerdt, "MARKUS: Text Analysis and Reading Platform," in Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020).
- ↑ Tu Hsiu-chih, "DocuSky," Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020).
- ↑ "WenyanGPT: A Large Language Model for Classical Chinese Tasks," arXiv Preprint (2025).
- ↑ "Benchmarking LLMs for Translating Classical Chinese Poetry," Proceedings of EMNLP (2025).
- ↑ "A Multi Agent Classical Chinese Translation Method Based on Large Language Models," Scientific Reports 15 (2025).
- ↑ Siehe Mark Edward Lewis und Curie Viragh, "Computational Stylistics and Chinese Literature," Journal of Chinese Literature and Culture 9, Nr. 1 (2022).
- ↑ China-Princeton Digital Humanities Workshop 2025.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 54-60.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 96-97.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 102-113.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 114-117.
- ↑ Honey, Incense at the Altar, Vorwort, xxii.
- ↑ "Academic Freedom and China," AAUP-Bericht (2024).
- ↑ "They Don't Understand the Fear We Have," Human Rights Watch (2021).
- ↑ Kubin, Hanxue yanjiu xin shiye, Kap. 7, S. 100-111.
- ↑ Thomas Michael, "Heidegger's Legacy for Comparative Philosophy and the Laozi," International Journal of China Studies 11, Nr. 2 (2020): 299.
- ↑ Steven Burik, The End of Comparative Philosophy (Albany: SUNY Press, 2009).
- ↑ Francois Jullien, Detour and Access (New York: Zone Books, 2000).