Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 20"

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(DE4 Korrektur-Update Kap. 20)
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Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht — geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.“
 
Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht — geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.“
  
Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Heitermuster, Qixia [绮霰], Qiuwen und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Yuanyang [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen.
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Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Heitermuster, Qixia [绮霰], Herbstmuster und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Mandarinenente [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen.
  
 
Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“
 
Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“
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Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei.
 
Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei.
  
Hagedorn Kaufmann [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Xiangling [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Hagedorn Kaufmann sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös.
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Hagedorn Kaufmann [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Duftkastanie [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Hagedorn Kaufmann sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös.
  
 
Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Hagedorn Kaufmann starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs — sieben — acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen.
 
Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Hagedorn Kaufmann starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs — sieben — acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen.

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Kapitel 20 Phönixglanz spricht ein ernstes Wort und zügelt die Eifersucht — Kajaljade neckt mit witzigen Worten den lispelnden Akzent

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Schatzjade[1] [宝玉] erzählte gerade in Kajaljades[2] [黛玉] Zimmer die Geschichte von den „Ratten-Geistern“, als Schatzspange[3] [宝钗] hereinkam und Schatzjade damit aufzog, dass er am Laternenfest-Abend die Anspielung auf den „grünen Wachs“ [绿蜡] nicht erkannt hatte. Die drei neckten und verspotteten sich gegenseitig im Zimmer.

Schatzjade sorgte sich, Kajaljade könne nach dem Essen einschlafen und sich den Magen verderben, oder nachts nicht müde genug sein — beides wäre der Gesundheit nicht zuträglich. Glücklicherweise war Schatzspange gekommen, und man konnte zusammen lachen und plaudern, sodass Kajaljade keine Lust mehr zum Schlafen hatte. Schatzjade war erleichtert.

Plötzlich hörte man aus seinem Zimmer lautes Geschrei. Alle spitzten die Ohren. Kajaljade sagte lächelnd als Erste: „Das sind deine Mutter und Dufthauch[4] [袭人], die sich zanken. Bei Dufthauch mag es ja angehen, aber wenn deine Amme sie wirklich ernsthaft ausschimpft, dann ist sie wohl altersverwirrt geworden.“

Schatzjade wollte sofort hinübereilen, doch Schatzspange hielt ihn fest: „Streit nicht mit deiner Amme! Sie ist alt und verwirrt — lass ihr etwas nach.“

Schatzjade sagte: „Ich weiß.“ Damit ging er hinüber.

Die alte Amme Li [李嬷嬷] stand mit ihrem Stock mitten im Zimmer und beschimpfte Dufthauch: „Du undankbares kleines Miststück! Ich habe dich großgezogen, und jetzt, wo ich herkomme, liegst du breit auf dem Kang und beachtest mich nicht! Du denkst nur daran, dich wie ein Füchsin aufzuspielen und Schatzjade zu bezirzen, damit er nur noch auf dich hört und nicht mehr auf mich! Du bist doch nichts als ein für ein paar läppische Silberlinge gekauftes kleines Ding — und du spielst dich hier als Herrin auf? Das geht nicht! Am besten zerrt man dich raus und verheiratet dich mit irgendeinem kleinen Diener — dann sehen wir, ob du immer noch Schatzjade verführst!“

Dufthauch hatte anfangs geglaubt, die alte Li sei nur böse, weil sie gelegen hatte, und versuchte sich zu erklären: „Ich bin krank und habe geschwitzt, den Kopf zugedeckt — ich habe Euch wirklich nicht kommen sehen.“ Doch als die alte Li weiter von „Schatzjade verführen“ und „Füchsin spielen“ und „mit einem Diener verheiraten“ sprach, kamen Scham und Kränkung zusammen, und Dufthauch konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.

Schatzjade hörte das alles, konnte aber nichts tun und versuchte, Dufthauch zu verteidigen, indem er von ihrer Krankheit und den Medikamenten sprach: „Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt die anderen Mädchen!“

Die alte Li wurde nur noch wütender: „Du beschützt immer nur diese Füchsinnen und erkennst mich gar nicht mehr! Wen soll ich denn fragen? Die helfen doch alle nur dir! Dufthauch hat sie alle auf ihre Seite gezogen! Ich weiß über alles Bescheid! Ich gehe jetzt zur Herzoginmutter und zur Herrin und erkläre ihnen alles. Ich habe dich mit meiner Milch großgezogen, und jetzt, wo du keine Milch mehr brauchst, wirst du mich los und lässt dich von den Mädchen aufhetzen!“

So jammerte und weinte sie. Inzwischen waren Kajaljade und Schatzspange gekommen und redeten ihr gut zu: „Mama, Ihr alte Dame, habt ein wenig Nachsicht — dann ist alles gut.“

Als die alte Li die beiden sah, ergriff sie deren Hände und klagte über all ihr Unrecht: den Vorfall mit dem Tee und der Entlassung von Qianxü, den Milchrahm von gestern — sie redete und redete ohne Ende.

Gerade kam Phönixglanz[5] [熙凤] aus dem oberen Saal, wo sie Gewinn und Verlust beim Glücksspiel abgerechnet hatte. Als sie hinten das Geschrei hörte, wusste sie sofort, dass die alte Amme Li wieder einen ihrer Anfälle hatte und Schatzjades Leute drangsalierte — zumal sie an diesem Tag selbst beim Spiel verloren hatte und ihren Ärger an anderen ausließ.

Phönixglanz eilte herein, ergriff die alte Lis Arm und sagte lächelnd: „Liebe Mama, regt Euch nicht auf! Am Neujahrstag war die Herzoginmutter gerade einmal fröhlich, und Ihr als ältere Person solltet die anderen zügeln, wenn sie laut werden — Ihr könnt doch nicht selbst hier Lärm schlagen und die Herzoginmutter ärgern! Sagt mir einfach, wer Euch etwas getan hat, und ich verprügel ihn für Euch. Bei mir zu Hause gibt es dampfend heißes Wildhuhn — kommt, trinken wir zusammen Wein!“

Während sie so redete, zog sie die alte Li schon mit sich fort und rief: „Feng'er [丰儿], nimm der Amme Li den Stock und das Tränentuch ab!“ Die alte Li ließ sich widerstandslos von Phönixglanz mitziehen, redete aber weiter: „Mir ist dieses alte Leben nicht mehr wichtig! Heute mache ich einmal ordentlich Skandal, verliere dabei mein Gesicht — immer noch besser, als mir den Spott dieser frechen Weiber gefallen zu lassen!“

Kajaljade und Schatzspange folgten und sahen, wie Phönixglanz die Sache handhabte. Lächelnd klatschten sie in die Hände und sagten: „Glück, dass dieser Wirbelwind kam und die alte Frau wegfegte!“

Schatzjade nickte seufzend: „Schon wieder unergründliche Vorwürfe — und wie immer trifft es die Schwachen. Gestern muss irgendein Mädchen sie geärgert haben, und jetzt wird es auf mein Konto geschrieben.“

Kaum hatte er ausgesprochen, sagte Heitermuster [晴雯] von der Seite lächelnd: „Wer wäre denn so verrückt, sie zu ärgern? Und wenn schon — dann hätte man den Mut, es zuzugeben, statt andere mit hineinzuziehen!“

Dufthauch weinte und zog an Schatzjades Ärmel: „Wegen mir hast du dich mit der alten Amme angelegt, und jetzt machst du wegen mir auch noch mit allen anderen Streit — das ist mir doch schon mehr als genug. Musst du noch andere hineinziehen?“

Schatzjade sah ihren Zustand, dachte an ihre Krankheit und all den Kummer, und schluckte seinen Ärger hinunter. Er beruhigte sie und bat sie, sich wieder hinzulegen und zu schwitzen. Dann ließ er ihr noch eine Dosis Medizin kochen und überwachte, dass sie sie trank.

Dufthauch sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn ich mich wegen jeder solchen Sache aufregen würde, könnte ich hier keinen Augenblick mehr bleiben. Aber auf die Dauer — wie soll das gehen? Ich sage dir immer: Mach meinetwegen keinen Streit mit anderen! Du tust es im Moment für uns, aber die anderen merken sich alles und reden gut oder schlecht — was soll das bringen?“ Während sie so sprach, kamen ihr wieder die Tränen, doch sie wollte Schatzjade nicht noch mehr belasten und hielt sie mühsam zurück.

Eine alte Dienerin brachte die zweite Dosis Medizin. Schatzjade sah, dass Dufthauch gerade zu schwitzen begann, und wollte sie nicht aufstehen lassen — er reichte ihr die Medizin selbst ans Bett. Dann ließ er das Lager für sie richten.

Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht — geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.“

Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Heitermuster, Qixia [绮霰], Herbstmuster und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Mandarinenente [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen.

Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“

Sheyü sagte: „Ich habe kein Geld.“

Schatzjade sagte: „Unter dem Bett liegt doch ein ganzer Haufen — reicht das nicht?“

Sheyü sagte: „Wenn alle weggehen, wer passt dann auf das Zimmer auf? Die eine ist krank, überall brennen Laternen, überall sind Öfen. Die alten Dienerinnen haben den ganzen Tag geschuftet — sie sollten sich ausruhen dürfen. Und die kleinen Mädchen haben auch den ganzen Tag bedient — sollen sie jetzt wenigstens etwas spielen gehen. Also habe ich sie alle gehen lassen und passe allein auf.“

Schatzjade hörte diese Worte und dachte: Genau so wie Dufthauch. Er lächelte: „Ich bleibe hier und passe auf — geh du ruhig.“

Sheyü sagte: „Da du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir beide können uns unterhalten und Spaß haben — ist das nicht besser?“

Schatzjade lächelte: „Was sollen wir denn machen? Es ist doch langweilig. Na gut — heute Morgen hast du gesagt, dein Kopf juckt. Da wir nichts zu tun haben, kämme ich dir die Haare.“

Sheyü sagte: „Warum nicht.“ Sie stellte den Schminkspiegel hin, nahm die Haarnadeln ab, öffnete das Haar, und Schatzjade kämmte es ihr sorgfältig Strähne für Strähne.

Nach kaum fünf Strichen kam Heitermuster eilig herein, um Geld zu holen. Als sie die beiden sah, sagte sie spöhtisch: „Na, den Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht getrunken, aber die Brauttoilette wird schon gemacht!“

Schatzjade lächelte: „Komm her, ich kämme dir auch die Haare.“

Heitermuster sagte: „So viel Glück habe ich nicht!“ Damit nahm sie das Geld und rauschte hinaus, wobei der Vorhang klirrte.

Schatzjade stand hinter Sheyü, Sheyü sass vor dem Spiegel, und beide sahen sich darin an. Schatzjade lächelte im Spiegel: „Von allen hier ist sie die Einzige, die ständig stichelt.“

Sheyü sah das im Spiegel und winkte hastig mit der Hand. Schatzjade verstand. Da hörte man schon den Vorhang klirren — Heitermuster stürmte zurück und fragte: „Ich stichle also? Das müssen wir uns mal genauer ansehen!“

Sheyü lächelte: „Geh du und spiel! Was fragst du mich?“

Heitermuster lächelte: „Du beschützt ihn wieder! Was ihr beide hinter vorgehaltener Hand treibt, weiß ich ganz genau. Wartet, bis ich mein Geld zurückgewonnen habe, dann reden wir weiter!“ Damit rauschte sie wieder hinaus.

Schatzjade kämmte Sheyüs Haar fertig und bat sie, leise aufzupassen, damit Dufthauch nicht gestört würde. Die Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse.

Am nächsten Morgen, als Dufthauch aufstand, fühlte sie sich besser — sie hatte nachts geschwitzt und die Erkältung überwunden. Sie ass nur etwas Reissuppe und ruhte sich weiter aus.

Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei.

Hagedorn Kaufmann [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Duftkastanie [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Hagedorn Kaufmann sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös.

Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Hagedorn Kaufmann starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs — sieben — acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen.

Hagedorn Kaufmann wurde hektisch, griff nach dem Würfel und dann nach dem Geld und behauptete, es sei eine Sechs gewesen.

Ying'er sagte: „Das war eindeutig eine Eins!“

Schatzspange sah, dass Hagedorn Kaufmann wütend wurde, und wies Ying'er zurecht: „Je größer du wirst, desto weniger Anstand hast du! Würde ein junger Herr dich betrügen? Leg das Geld sofort hin!“

Ying'er, zutiefst gekränkt, wagte nicht zu widersprechen, da Schatzspange es so befahl, und legte das Geld hin. Dabei murmelte sie: „Ein junger Herr — und betrügt uns um ein paar läppische Münzen! Mich beachtet er auch nicht. Als ich neulich mit dem jungen Herren Schatzjade spielte und er verlor — viel mehr als das! — hat er es einfach hingenommen. Das restliche Geld haben ein paar kleine Mädchen sich gegriffen, und er hat nur gelacht.“

Schatzspange unterbrach sie hastig. Hagedorn Kaufmann sagte: „Was soll ich mich mit Schatzjade vergleichen! Ihr habt alle Angst vor ihm, seid nett zu ihm und gemein zu mir — bloß weil er der Sohn der Hauptfrau ist und ich nicht!“

Dabei begann er zu weinen. Schatzspange tröstete ihn eilig: „Lieber Bruder, sag so etwas nicht — man lacht dich aus!“ Und sie schimpfte noch einmal mit Ying'er.

Gerade kam Schatzjade herein. Er sah die Situation und fragte, was los sei. Hagedorn Kaufmann wagte nichts zu sagen. Schatzspange kannte die Familienregeln: Jüngere Brüder fürchteten ihre älteren Brüder. Doch sie wusste auch, dass Schatzjade anders war — er wollte nicht, dass man ihn fürchtete. Er dachte: Die Brüder haben alle Vater und Mutter, die sie erziehen — warum sollte ich mich einmischen und die Beziehung kaputt machen? Außerdem bin ich der Sohn der Hauptfrau, er der einer Konkubine — selbst so gibt es schon Gerede hinter meinem Rücken.

Und dann war da noch ein weiterer eigensinniger Gedanke: Seit seiner Kindheit unter Schwestern aufgewachsen — leibliche wie Urfrühling und Erkundefrühling, Cousinen wie Willkommensfrühling und Bedauerfrühling, Verwandte wie Xiang-Flusswolke Geschichte[6][7] [史湘云], Kajaljade und Schatzspange — war er überzeugt, dass der Himmel seine Essenz nur in Frauen goss, während Männer nichts als trüber Abschaum waren. Deshalb behandelte er seine Brüder nur mit der angemessenen Höflichkeit, die Konfuzius vorschrieb, ohne sich als Vorbild aufzuspielen. Hagedorn Kaufmann und die anderen fürchteten ihn daher nicht — nur die Herzoginmutter ließen sie ihm drei Schritte voraus.

Schatzspange, die befürchtete, Schatzjade könne Hagedorn Kaufmann zurechtweisen und die Sache verschlimmern, vertuschte die Angelegenheit. Schatzjade sagte: „Am Neujahrstag weinen — was soll das? Wenn es dir hier nicht gefällt, geh woanders spielen! Das ist wie mit einem Gegenstand — wenn dieser nicht gefällt, nimm einen anderen. Musst du vor diesem einen Ding sitzen und weinen? Wird es dadurch besser? Du bist doch hergekommen, um Spaß zu haben — wenn es keinen Spaß macht, geh woanders, wo es Spaß macht. Zu weinen ist doch kein Vergnügen — das bringt nur Kummer!“

Hagedorn Kaufmann hörte das und trollte sich.

Konkubine Zhao [赵姨娘] sah ihn kommen und fragte: „Woher kriechst du wieder angeschlichen?“ Auf ihre erste Frage antwortete er nicht. Beim zweiten Mal sagte Hagedorn Kaufmann: „Ich habe mit Schwester Schatzspange gespielt, Ying'er hat mich betrogen und mein Geld genommen, und Bruder Schatzjade hat mich weggeschickt.“

Konkubine Zhao spuckte aus: „Wer hat dich geheißen, dich auf die große Bühne zu stellen? Du hast keinen Stolz! Überall könntets du spielen — aber nein, du musst dorthin rennen und dich blamieren!“

Gerade sprach sie so, als Phönixglanz draußen am Fenster vorbeiging und jedes Wort hörte. Durch das Fenster sagte sie: „Schon wieder Ärger am Neujahrstag? Bruder Hagedorn ist noch ein Kind — wenn er einen kleinen Fehler macht, dann erzieh ihn, statt solchen Unsinn zu reden! Egal was er tut — es gibt noch seinen Vater und seine Mutter, die ihn erziehen — was geht es dich an? Bruder Hagedorn, komm raus, spiel mit mir!“

Hagedorn Kaufmann fürchtete Phönixglanz noch mehr als Dame König. Als er ihren Ruf hörte, kam er eilig und gehorsam heraus. Konkubine Zhao wagte nichts zu sagen.

Phönixglanz sagte zu Hagedorn Kaufmann: „Du hast auch gar keinen Mumm! Ich sage dir immer: Wenn du essen, trinken, spielen oder lachen willst, dann spiel mit wem du willst — der Schwester oder dem Bruder, der dir gefällt. Du hörst nicht auf mich und lässt dich von diesen Leuten mit bösen Gedanken füttern. Wenn du dich selbst nicht achtst und unter dein Niveau sinkst und dann andere beschuldigst, parteiisch zu sein — ein paar Münzen verloren, und schon so ein Gezeter!“

Sie fragte: „Wie viel hast du verloren?“

Hagedorn Kaufmann murmelte kleinlaut: „Ein- bis zweihundert.“

Phönixglanz sagte: „Und du willst ein junger Herr sein? Wegen ein- bis zweihundert Münzen so ein Theater!“ Sie rief: „Feng'er, hol eine Schnur Geld!“ Dann wandte sie sich wieder an ihn: „Die Schwestern spielen alle hinten — bring ihn hin und lass ihn spielen. Und wenn du noch einmal so eine Szene machst, verprügel ich dich erst und lass es dann in der Schule melden, dass man dir das Fell abzieht!“ Sie scheuchte ihn weg: „Los jetzt!“

Hagedorn Kaufmann folgte Feng'er gehorsam, bekam sein Geld und ging mit Willkommensfrühling und den anderen spielen. Davon ist nicht weiter zu berichten.

Schatzjade sass noch bei Schatzspange, als plötzlich jemand meldete: „Fräulein Xiang-Flusswolke Geschichte [史湘云] ist da!“ Schatzjade sprang auf und wollte gehen. Schatzspange lächelte: „Warte, wir gehen zusammen und begrüssen sie!“ Sie stiegen vom Kang und gingen gemeinsam zur Herzoginmutter.

Dort lachte und redete Xiang-Flusswolke Geschichte schon laut und fröehlich. Als sie die beiden kommen sah, begrüsste sie sie herzlich. Gerade stand Kajaljade daneben und fragte Schatzjade: „Wo warst du?“

Schatzjade sagte: „Bei Schwester Schatzspange.“

Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Ach so! Kein Wunder — dort war er festgehalten, sonst wäre er längst hergeflogen.“

Schatzjade lächelte: „Darf ich denn nur mit dir spielen und dir die Langeweile vertreiben? Kaum gehe ich einmal zu ihr, sagst du so etwas.“

Kajaljade sagte: „Was für ein sinnloses Gerede! Ob du gehst oder nicht, geht mich doch nichts an! Ich habe dich ja nicht gebeten, mir die Langeweile zu vertreiben! Du brauchst mir nie wieder zu kommen!“

Damit ging sie verargert in ihr Zimmer.

Schatzjade eilte ihr nach und fragte: „Was ist denn schon wieder? Wenn ich etwas Falsches gesagt habe — du hättest wenigstens dort sitzen bleiben und mit den anderen plaudern können! Stattdessen gehst du hierher und grübelst allein vor dich hin.“

Kajaljade sagte: „Was geht es dich an!“

Schatzjade lächelte: „Natürlich kümmere ich mich — ich kann doch nicht zusehen, wie du dir selbst schadest.“

Kajaljade sagte: „Wenn ich mir schade und krank werde und sterbe — was geht es dich an!“

Schatzjade sagte: „Na hör mal, Neujahr — gleich ist es Tod und Sterben!“

Kajaljade sagte: „Ich sage eben 'Tod'! Ich sterbe jetzt sofort! Hast du Angst vor dem Sterben? Du sollst hundert Jahre lang leben — bitte sehr!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du so weitermachst, brauche ich gar nicht Angst vor dem Sterben zu haben — dann sterbe ich besser gleich.“

Kajaljade sagte rasch: „Genau! Wenn es so weitergeht, ist es besser, gleich zu sterben.“

Schatzjade sagte: „Ich meine mich — ich sterbe besser gleich. Hör genau zu und schieb mir nichts in die Schuhe!“

Da kam Schatzspange herein und sagte: „Xiangfluss-Wolke wartet auf dich!“ Sie schob Schatzjade mit sich fort.

Kajaljade, nun allein, wurde nur noch trübsinniger, setzte sich ans Fenster und weinte. Kaum waren zwei Tassen Tee vergangen, kam Schatzjade schon zurück. Als Kajaljade ihn sah, schluchzte sie nur noch heftiger.

Schatzjade wusste, dass er sie nicht so einfach zurückgewinnen konnte, sammelte tausend sanfte Worte und begann, sie zu trösten. Doch bevor er den Mund öffnen konnte, sagte Kajaljade: „Was kommst du noch? Geh! Du hast jetzt jemanden zum Spielen, die besser lesen, besser schreiben, besser dichten, besser reden und besser lachen kann als ich, die dir nicht böse wird und dich mitzieht, wenn du gehen willst. Was willst du hier? Lass mich leben oder sterben, wie es kommt!“

Schatzjade trat näher und fluisterte: „Du bist doch ein kluger Mensch — weißt du nicht, dass 'Nähere nicht durch Fernere verdrängt werden und Fruhe nicht durch Späte' [亲不间疏,先不僭后]? Auch ich bin zwar einfältig, aber diese beiden Sätze verstehe ich. Erstens: Wir sind Kinder von Geschwistern mütterlicherseits, Schatzspange dagegen ist eine Cousine väterlicherseits — von der Verwandtschaft her steht sie dir nach. Zweitens: Du kamst zürst, wir haben am selben Tisch gegessen und im selben Bett geschlafen und sind so gross geworden. Sie ist erst später gekommen — wie könnte ich ihretwegen dich vernachlässigen?“

Kajaljade spuckte aus: „Glaubst du, ich verlange von dir, sie zu vernachlässigen? Was wäre ich dann für ein Mensch? Mir geht es um mein Herz!“

Schatzjade sagte: „Mir auch! Mir geht es auch um mein Herz! Weißt du nur von deinem Herzen und nicht von meinem?“

Kajaljade senkte den Kopf und schwieg lange. Dann sagte sie: „Du beklagst dich immer nur, dass andere dich ohne Grund schmähen. Aber weißt du gar nicht, dass du selbst die Menschen zum Verzweifeln bringst? Nimm nur das heutige Wetter: Es ist offensichtlich so kalt — und du hast deinen grüngesäumten Pelzumhang ausgezogen!“

Schatzjade lächelte: „Natürlich hatte ich ihn an! Aber als ich sah, wie du dich aufregtest, wurde mir so heiß, dass ich ihn ausgezogen habe.“

Kajaljade seufzte: „Wenn du dir eine Erkältung holst, musst du wieder hungern und nach Essen jammern.“

Während sie noch sprachen, kam Xiangfluss-Wolke herein und lächelte: „Großer Bruder, Schwester Lin — ihr spielt immer zusammen! Kaum komme ich einmal, beachtet ihr mich gar nicht.“

Kajaljade lächelte: „Da ist ja jemand, der sich gern verspricht und trotzdem so viel redet! Du kriegst nicht einmal 'Zweiter Bruder' [二哥哥] über die Lippen — immer nur 'Ai-Bruder, Ai-Bruder' [爱哥哥]. Wenn wir dann Brettspiel spielen, rufst du wohl: 'Ai-eins-drei-vier-fünf' statt 'Zwei-eins-drei-vier-fünf'!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du ihn ständig nachahmst, fängst du morgen selbst noch an zu lispeln!“

Xiangfluss-Wolke sagte: „Nie lässt sie jemanden in Ruhe — immer muss sie Fehler finden! Zeig mir eine einzige Person, die du nicht zu kritisieren wagst, und ich erkenne deine Überlegenheit an!“

Kajaljade fragte: „Wer denn?“

Xiangfluss-Wolke sagte: „Wenn du dich traust, Schwester Schatzspanges Fehler aufzuzeigen, dann erkenne ich dich an. Ich bin gewiss nicht so gut wie du — aber ist sie etwa schlechter als du?“

Kajaljade hörte das und sagte kühl lächelnd: „Ach so — natürlich sie! Wie könnte ich es wagen, sie zu kritisieren!“

Schatzjade wollte rasch ablenken und das Thema wechseln. Xiangfluss-Wolke aber lächelte: „In diesem Leben kann ich mich nicht mit dir messen. Ich kann nur den Himmel bitten, dass du einen lispelnden Schwager bekommst [林姐夫], der dir den ganzen Tag lang 'Ai' und 'Er' ins Ohr redet. Amitabha, das wäre ein Anblick für mich!“

Alle lachten. Xiangfluss-Wolke drehte sich um und rannte davon.

Was als Nächstes geschah, wird im folgenden Kapitel erzählt.

[Ende des zwanzigsten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.
  2. Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.
  3. Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.
  4. Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.
  5. Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts.
  6. Chin. 史湘云 Shǐ Xiāngyún. 史 shǐ „Geschichte“ (Familienname); 湘云 xiāngyún „Wolke über dem Xiang-Fluss“. Schatzjades quirlige Cousine.
  7. Xiang-Flusswolke Geschichte (史湘云, Shǐ Xiāngyún) – Cousine von Schatzjade, lebhaft und unkonventionell.