Hongloumeng/de/Chapter 98
Achtundneunzigstes Kapitel
Die bittere Purpurperle kehrt heim in den Himmel des Trennungsschmerzes, Der kranke Göttliche Glanzstein vergießt Tränen am Ort der Sehnsucht
Wie berichtet, war Schatzjade [1] nach der Begegnung mit Kaufmann Aufrecht [2] in sein Zimmer zurückgekehrt und fühlte sich erst recht benommen und elend im Kopf, war zu träge, sich zu bewegen, aß nicht einmal etwas und fiel in dumpfen Schlummer. Man holte wieder Ärzte herbei und gab ihm Medizin, doch nichts wirkte; schließlich konnte er nicht einmal mehr die Leute um sich herum erkennen. Half man ihm in eine sitzende Stellung, sah er aus wie ein normaler Mensch. So ging es mehrere Tage lang.
Dann kam der Tag des „Rückbesuchs am neunten Tag", und man sagte, wenn sie nicht hinübergingen, würde Tante Schnee [3] das Gesicht verlieren; ginge man aber hin, dann wäre Schatzjades Zustand ein Hindernis. Die Herzoginmutter [4] wusste sehr wohl, dass seine Krankheit Kajaljades [5] wegen entstanden war, und hätte ihm gerne reinen Wein eingeschenkt, fürchtete aber, dass ein Schock in seinem aufgebrachten Zustand etwas Schlimmes auslösen könnte. Schatzspange [6] war eine frisch Vermählte, und es war schwierig, ihr Trost zu spenden; dazu wäre es nötig, dass ihre Mutter herüberkäme. Aber ginge man nicht zum "Rückbesuch am neunten Tag", würde die Tante sich beleidigt fühlen. So beriet sich die Herzoginmutter mit Frau Wang [7] und Phönixglanz [8]:
„Ich sehe, Schatzjades Geist ist außer Leib und Leben. Ihn zu bewegen macht nichts; nehmt zwei kleine Sänften, lasst ihn stützen, und tragt ihn durch den Garten hinüber. Damit ist die glückverheißende Frist des neunten Tages eingehalten. Danach bitten wir die Tante herüber, um Schatzspange zu trösten, und wir können uns einmütig um Schatzjades Behandlung kümmern. Wäre das nicht in beiderlei Hinsicht günstig?"
Frau Wang stimmte zu, und man traf unverzüglich Vorbereitungen. Zum Glück war Schatzspange eine frisch Vermählte und Schatzjade ein verwirrter Narr, und so ließen beide sich von anderen lenken und hinüberführen. Schatzspange kannte die wahren Umstände nur zu gut und machte in ihrem Herzen einzig ihrer Mutter Vorwürfe, alles so töricht eingefädelt zu haben. Da die Dinge nun einmal so standen, wollte sie nicht viel dazu sagen. Nur Tante Schnee, als sie Schatzjades erbärmlichen Zustand sah, bereute sie alles zutiefst und wollte die Sache nur hastig hinter sich bringen.
Nach der Rückkehr verschlimmerte sich Schatzjades Zustand weiter. Am nächsten Tag konnte er nicht einmal mehr sitzend aufrecht bleiben. Von Tag zu Tag wurde es schlimmer, bis er schließlich keinen Tropfen Suppe mehr hinunterbrachte. Tante Schnee und die anderen waren außer sich vor Sorge und ließen allenthalben berühmte Ärzte kommen, doch keiner konnte die Krankheitsursache benennen. Nur außerhalb der Stadtmauern, in einem verfallenen Tempel, wohnte ein mittelloser Arzt namens Bi, mit dem Beinamen Zhian, der die Ursache der Krankheit erkannte: Erschütterung durch Trauer und Freude zugleich, Durcheinander von Kälte und Wärme, unregelmäßiges Essen, Kummer und Zorn, die sich im Inneren gestaut hatten, so dass die aufrechte Lebensenergie blockiert war. Es handele sich um ein Zusammenspiel von innerer Verletzung und äußerer Erkältung. Er überlegte sorgfältig und verschrieb Medizin. Am Abend wurde sie verabreicht, und nach der zweiten Nachtwache zeigte sie tatsächlich etwas Wirkung: Schatzjade kam zu etwas Bewusstsein und verlangte nach Wasser. Die Herzoginmutter, Frau Wang und die anderen konnten endlich aufatmen. Man bat Tante Schnee, Schatzspange mitzunehmen, und alle gingen in die Gemächer der Herzoginmutter, um sich vorübergehend auszuruhen.
In einem kurzen Moment der Klarheit erkannte Schatzjade, dass er es wohl kaum überstehen würde. Als er sah, dass die anderen gegangen waren und nur Dufthauch [9] im Zimmer war, rief er sie zu sich, ergriff ihre Hand und sprach unter Tränen:
„Ich muss dich etwas fragen: Wie ist Schwester Schatzspange hierhergekommen? Ich erinnere mich doch, dass Vater mir Schwester Kajaljade [10] zur Frau genommen hat. Wie kann es sein, dass Schwester Schatzspange sie verdrängt hat? Was macht sie hier? Ich würde es ihr gern sagen, aber ich fürchte, sie zu beleidigen. Habt ihr gehört, wie es Schwester Kajaljade geht? Hat sie sehr geweint?"
Dufthauch wagte nicht, offen zu sprechen, und sagte nur: „Fräulein Kajaljade ist krank."
Schatzjade erwiderte: „Ich will zu ihr gehen und nach ihr sehen." Er wollte aufstehen, doch nach den vielen Tagen ohne Essen und Trinken konnte er sich nicht mehr rühren. Da weinte er: „Ich werde sterben! Ich habe eine Bitte, die mir auf dem Herzen liegt: Richte der Herzoginmutter aus — auch Schwester Kajaljade liegt im Sterben, und auch ich kann nicht durchhalten. Zwei Kranke an zwei verschiedenen Orten, beide dem Tode nah — wenn dann beide sterben, wird es erst recht schwer sein, alles zu bewältigen. Besser wäre es, ein leeres Zimmer herzurichten und uns beide, mich und Schwester Kajaljade, dorthin zu bringen. Solange wir leben, kann man uns zusammen pflegen und behandeln; sterben wir, kann man uns zusammen aufbahren. Wenn du mir diesen Wunsch erfüllst, dann waren unsere Jahre der Freundschaft nicht vergebens."
Dufthauch hörte diese Worte und wusste zugleich nicht, ob sie erschrecken, lachen oder weinen sollte.
Schatzspange kam zufällig gerade mit Goldamsel [11] vorbei, hörte alles mit an und sagte:
„Statt dich zu schonen und deine Krankheit auszukurieren, redest du solches Unheil! Die Herzoginmutter hat sich gerade erst etwas beruhigt, und du schaffst neuen Kummer. Sie hat ihr ganzes Leben lang nur dich allein verwöhnt. Sie ist nun über achtzig Jahre alt. Selbst wenn ihr nicht an deinem Amt und deinem Titel liegt — wenn du ein rechtschaffener Mensch wirst, wird sie einen glücklichen Tag erleben. Das wäre nicht umsonst, nach all ihren Mühen. Und von deiner Mutter brauchen wir gar nicht erst zu sprechen — mit ihrem ganzen Herzblut und ihrer Kraft hat sie dich als einzigen Sohn großgezogen. Wenn du auf halbem Weg stirbst, was soll dann aus deiner Mutter werden? Ich selbst bin vielleicht vom Schicksal nicht begünstigt, aber so schlimm steht es auch mit mir nicht. Betrachte es von diesen drei Seiten: Selbst wenn du sterben wolltest — der Himmel würde es dir nicht erlauben! Also kannst du gar nicht sterben. Ruh dich vier, fünf Tage aus, lass den schädlichen Wind sich verflüchtigen, und wenn die große Harmonie und die aufrechte Lebensenergie sich wieder einstellen, verschwinden alle diese krankhaften Erscheinungen von selbst."
Schatzjade hörte dies und hatte wahrhaftig nichts darauf zu erwidern. Nach einer langen Weile sagte er schließlich, albern grinsend: „Du hast nun schon seit geraumer Zeit kein Wort mehr mit mir geredet, und jetzt hältst du mir diese großen Reden! Für wen sind die bestimmt?"
Schatzspange hörte dies und sagte darauf: „Dann will ich dir die Wahrheit sagen. Vor ein paar Tagen, als du ohne Bewusstsein warst, ist Schwester Kajaljade gestorben."
Schatzjade fuhr plötzlich hoch und rief laut und fassungslos: „Ist sie wirklich tot?"
Schatzspange sagte: „Wirklich und wahrhaftig tot. Sollte ich etwa mit rotem Mund und weißer Zunge jemanden totfluchten? Die Herzoginmutter und deine Mutter wussten, wie innig ihr Geschwisterkinder wart. Sie fürchteten, wenn du von ihrem Tod erfährst, willst du auch sterben. Deshalb haben sie es dir verschwiegen."
Als Schatzjade dies hörte, brach er hemmungslos in lautes Weinen aus und fiel aufs Bett zurück. Plötzlich wurde alles vor seinen Augen pechschwarz, und er konnte keine Richtung mehr erkennen. In seinem Herzen war alles verschwommen und benebelt, da sah er, wie jemand vor ihm auftauchte und auf ihn zukam. Verwirrt fragte Schatzjade: „Verzeiht, wo bin ich hier?"
Jener erwiderte: „Dies ist der Weg zur Unterwelt, zu den Gelben Quellen. Deine Lebensspanne ist noch nicht abgelaufen — wie kommst du hierher?"
Schatzjade sagte: „Ich habe eben erfahren, dass eine alte Bekannte gestorben ist, und bin hergekommen, um sie zu suchen. Ohne es zu bemerken, habe ich mich verirrt."
Jener fragte: „Wer ist diese alte Bekannte?"
Schatzjade sagte: „Lin Kajaljade aus Suzhou."
Jener lächelte kühl: „Lin Kajaljade war im Leben kein gewöhnlicher Mensch und im Tod kein gewöhnlicher Geist. Sie hat keine Seele und keinen Geisthauch wie andere — wo willst du sie suchen? Die Seele und der Geisthauch gewöhnlicher Menschen vereinen sich bei der Geburt und bilden die Gestalt; im Tod lösen sie sich auf und werden wieder zu Äther. Was bei normalen Sterblichen ist, kann man schon nicht suchen und finden — wie erst bei Lin Kajaljade? Kehre schleunigst zurück!"
Schatzjade hörte dies und stand eine ganze Weile wie erstarrt da, dann sagte er: „Wenn es heißt, die Toten lösen sich auf — wozu gibt es dann diese Unterwelt?"
Jener lächelte kühl: „Diese Unterwelt — sagst du, es gibt sie, dann gibt es sie; sagst du, es gibt sie nicht, dann gibt es sie nicht. Sie wurde nur eingerichtet, weil die Welt der Sterblichen in Vorstellungen von Leben und Tod befangen ist. Man hat sie als warnende Belehrung erdacht. Denn der Himmel zürnt über die Torheiten der Menschen: Solche, die sich nicht mit ihrem Schicksal zufriedengeben; solche, deren Lebensfrist noch nicht abgelaufen ist und die sich doch selbst das Leben nehmen; solche, die der Wollust frönen, dem Zorn nachgeben und Gewalt ausüben und ohne Grund sich selbst zugrunde richten. Eigens für diese wurde die Hölle eingerichtet, um ihre Seelen einzukerkern und sie grenzenlose Qualen erleiden zu lassen — als Sühne für ihre Sünden zu Lebzeiten. Dass du nach Kajaljade suchst, ist ein Hineintappen in die eigene Falle. Zudem ist Kajaljade bereits ins Reich der Großen Leere zurückgekehrt. Wenn du sie aufrichtig suchen willst, pflege Besonnenheit und Selbstzucht in deinem Herzen — dann wirst du sie eines Tages wiedersehen. Wenn du aber nicht in Frieden lebst und dich des vorzeitigen Selbstmords schuldig machst, wirst du in der Unterwelt eingekerkert. Dann darfst du zwar deine Eltern sehen, aber Kajaljade wiederzusehen — das wird dir nimmer vergönnt sein."
Als jener ausgeredet hatte, zog er einen Stein aus seinem Ärmel und warf ihn Schatzjade gegen die Brust.
Schatzjade hatte diese Worte gehört und wurde zudem von dem Stein am Herzen getroffen; er erschrak so sehr, dass er sofort nach Hause zurückkehren wollte, doch er kannte den Weg nicht mehr. Gerade stand er ratlos da, als er plötzlich jemanden rufen hörte. Er blickte sich um — und es war niemand anderes als die Herzoginmutter, Frau Wang, Schatzspange, Dufthauch und die anderen, die weinend um ihn herumstanden und ihn beim Namen riefen. Er lag nach wie vor in seinem Bett. Auf dem Tischchen brannte die rote Lampe, vor dem Fenster schien der helle Mond — noch immer befand er sich inmitten von Brokat und Pracht, in der blühenden Welt. Als er sich sammelte und nachdachte, erkannte er: Es war alles nur ein großer Traum gewesen. Am ganzen Leib brach kalter Schweiß aus, aber sein Herz fühlte sich klar und rein an. Als er genauer darüber nachdachte, blieb nichts als ein hilfloses Seufzen.
Von Anfang an hatte Schatzspange längst von Kajaljades Tod gewusst. Da die Herzoginmutter und die anderen dem gesamten Personal verboten hatten, Schatzjade davon zu erzählen — aus Angst, dass die Krankheit sonst unheilbar würde —, hatte sie sich zurückgehalten. Doch sie selbst kannte die wahre Ursache von Schatzjades Krankheit genau: Es war wegen Kajaljade, und der Verlust des Jade kam erst an zweiter Stelle. Darum nutzte sie die Gelegenheit, ihm reinen Wein einzuschenken, damit der Schmerz einmal voll ausbrechen, die Seele sich wieder sammeln und eine Heilung möglich werden konnte. Die Herzoginmutter, Frau Wang und die anderen verstanden Schatzspanges Absicht nicht und waren ihr böse wegen ihres unbesonnenen Handelns. Als sie dann jedoch sahen, dass Schatzjade wieder zu Bewusstsein kam, waren sie erleichtert. Sogleich ließ man den Arzt Bi aus dem vorderen Arbeitszimmer hereinbitten, um den Puls zu nehmen. Der Arzt trat ein, fühlte den Puls und sagte:
„Wie erstaunlich! Dieses Mal ist der Puls tief und ruhig, der Geist ist beruhigt und die gestaute Beklemmung hat sich aufgelöst. Morgen gebe ich ein regulierendes Mittel, und man darf auf Genesung hoffen."
Er ging hinaus. Alle waren beruhigt und gingen auseinander.
Dufthauch hatte Schatzspange von Anfang an tief übelgenommen, dass sie alles verraten hatte, doch es kam ihr nicht über die Lippen. Goldamsel rügte ihre Herrin im Vertrauen: „Sie waren doch allzu voreilig, Fräulein."
Schatzspange erwiderte: „Was verstehst du schon davon? Komme, was da mag — ich stehe dafür ein."
So ließ Schatzspange alle Vorwürfe und Tadel gelassen an sich abperlen und beobachtete nur aufmerksam Schatzjades Krankheit, um verborgen Nadelstiche zur Heilung zu setzen.
Eines Tages fühlte Schatzjade allmählich, wie sein Geist sich beruhigte. Wenn auch der Gedanke an Kajaljade ihn zuweilen überkam, war er dabei noch halb verwirrt. Zudem sprach Dufthauch ihm beständig zu und erklärte nach und nach: „Der Herr hat Fräulein Schatzspange ausgewählt, weil sie eine gütige und aufrichtige Natur hat. Er fand, Fräulein Kajaljades Wesen sei zu eigensinnig, und fürchtete ohnehin, dass sie nicht lange leben würde. Die Herzoginmutter hatte Sorge, Ihr wüsstet nicht, was gut für Euch ist, und würdet Euch in Eurer Krankheit noch mehr aufregen. Darum ließ sie Schneegans [12] herüberkommen, um Euch zu beruhigen."
Schatzjade fühlte sich trotzdem voller Bitterkeit und vergoss immer wieder Tränen. Wollte er den Tod suchen, so dachte er an die Worte des Fremden im Traum und fürchtete auch, der Herzoginmutter und seiner Mutter Kummer zu bereiten. Loslösen konnte er sich nicht. Dann dachte er auch: Kajaljade war nun tot, und Schatzspange war eine Persönlichkeit allerersten Ranges. So begann er an die „Bestimmung von Gold und Jade" zu glauben und fand allmählich etwas Frieden.
Schatzspange sah, dass keine ernste Gefahr mehr drohte, und so beruhigte sich auch ihr eigenes Herz. Nachdem sie gewissenhaft alle Pflichten einer Schwiegertochter gegenüber der Herzoginmutter und Frau Wang erfüllt hatte, sann sie auf Wege, Schatzjades Kummer zu lindern. Obwohl Schatzjade nicht oft aufsitzen konnte, sah er doch häufig Schatzspange an seinem Bett sitzen, und das alte Verlangen regte sich unwillkürlich wieder. Schatzspange ermahnte ihn jedes Mal mit ernsthaften Worten und tröstete ihn: „Die Gesundheit geht vor. Da wir nun Mann und Frau sind, kommt es auf die eine Stunde nicht an."
In Schatzjades Herzen war zwar vieles nicht nach seinem Willen, doch tagsüber leisteten ihm die Herzoginmutter, Frau Wang, Tante Schnee und andere abwechselnd Gesellschaft. Nachts ging Schatzspange allein schlafen, und die Herzoginmutter schickte zudem Leute, um auf ihn achtzugeben. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich in Ruhe pflegen zu lassen. Als er Schatzspanges sanftes und zartes Wesen erlebte, übertrug er allmählich etwas von seiner Liebe zu Kajaljade auf Schatzspange. Doch davon wird später berichtet.
Nun muss erzählt werden, was sich am Tag von Schatzjades Hochzeit ereignete. Kajaljade hatte bei hellem Tag bereits das Bewusstsein verloren. Doch ein winziger Faden von Atemhauch in Brust und Mund riss nicht ab. Li Schleierfrau [13] und Purpurkuckuck [14] weinten, als ginge es um ihr eigenes Leben. Am Abend kam Kajaljade noch einmal zu sich, öffnete schwach die Augen und schien nach Wasser oder Suppe zu verlangen. Zu dieser Zeit war Schneegans [15] bereits gegangen; nur Purpurkuckuck und Li Schleierfrau waren noch an ihrer Seite. Purpurkuckuck brachte eine kleine Schale Longansuppe, vermischt mit Birnensaft, und flößte ihr mit einem silbernen Löffelchen zwei, drei Löffel ein. Kajaljade schloss die Augen und ruhte eine Weile. In ihrem Herzen war es bald hell, bald dunkel. Da Li Schleierfrau sah, dass es Kajaljade etwas besser ging, wusste sie genau, dass es das letzte Aufflackern vor dem Tod war, rechnete aber damit, dass es noch einen halben Tag dauern würde. So kehrte sie zum Duftreisdorf [16] zurück, um sich um ihre eigenen Angelegenheiten zu kümmern.
Hier öffnete Kajaljade die Augen und sah, dass nur Purpurkuckuck, ihre Amme und einige kleine Mägde da waren. Mit einer Hand griff sie nach Purpurkuckucks Hand, presste sie fest und sagte unter größter Anstrengung:
„Ich bin am Ende. Du hast mir so viele Jahre gedient, und ich hatte gehofft, wir beide könnten immer zusammenbleiben. Aber nun..."
Sie brach ab und keuchte eine Weile, schloss die Augen und ruhte. Purpurkuckuck spürte, wie Kajaljade ihre Hand nicht losließ, und wagte selbst nicht, sich zu rühren. Ihrem Aussehen nach ging es ihr besser als am Vormittag, und Purpurkuckuck dachte schon, vielleicht könnte sie noch einmal umkehren. Doch als sie diese Worte hörte, lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Nach langer Zeit sprach Kajaljade wieder:
„Schwester — ich habe hier keine Verwandten. Mein Leib ist rein. Bitte sorge dafür, dass man mich nach Hause bringt."
Bei diesen Worten schloss sie wieder die Augen und verstummte. Ihre Hand aber wurde immer fester, der Atem ging stoßweise, die Atemzüge kamen lang heraus und kurz hinein, bereits sehr eilig und gehetzt.
Purpurkuckuck geriet in Panik und ließ sogleich nach Li Schleierfrau schicken. Zum Glück kam gerade Frühlingsbote [17] vorbei. Als Purpurkuckuck sie sah, flüsterte sie hastig:
„Drittes Fräulein, schauen Sie doch bitte nach Fräulein Kajaljade!"
Dabei fielen ihre Tränen wie Regen. Frühlingsbote trat heran und befühlte Kajaljades Hand — sie war bereits kalt. Auch der Blick aus ihren Augen hatte sich zerstreut. Frühlingsbote und Purpurkuckuck weinten und ließen Wasser bringen, um Kajaljade zu waschen. Gerade eilte Li Schleierfrau herein. Die drei sahen einander an, doch bevor sie ein Wort sagen konnten — gerade als sie Kajaljade abzuwischen begannen —, rief Kajaljade plötzlich mit lauter, durchdringender Stimme:
„Schatzjade! Schatzjade! Du hast doch ..."
Beim Wort „doch" brach kalter Schweiß aus ihrem ganzen Körper, und sie verstummte. Purpurkuckuck und die anderen stützten sie eilig, doch der Schweiß strömte nur stärker, und ihr Körper wurde allmählich kalt. Frühlingsbote und Li Schleierfrau ließen die Mägde in aller Eile Haar und Kleidung richten. Da rollten Kajaljades Augen nach oben — es war aus!
Die duftende Seele, ein Faden nur, verwehte im Wind, Die Sorge, ein Gespinst, floss in den Traum der dritten Nachtwache.
In dem Augenblick, als Kajaljade den letzten Atemzug tat, war es genau die Stunde, in der Schatzjade Schatzspange zur Frau nahm. Purpurkuckuck und die anderen brachen in lautes Weinen aus. Li Schleierfrau und Frühlingsbote dachten an Kajaljades liebenswerte Art von einst, und wie sie heute erst recht zu bedauern war. Sie weinten ebenfalls bittere Tränen. Da die Hsiaohsiang-Klause [18] sehr weit von den Hochzeitsgemächern entfernt lag, hörte man dort drüben nichts davon. Eine Weile weinten alle laut, als sie in der Ferne den Klang von Musik vernahmen. Sie lauschten, doch dann war es wieder still. Frühlingsbote und Li Schleierfrau traten in den Hof hinaus und lauschten nochmals — nur das Rascheln der Bambusspitzen im Wind war zu hören, und der Mondschatten wanderte über die Mauer. Wie trostlos und einsam! Man schickte nach der Frau von Lin Zhixiao, ließ Kajaljade aufbahren und Leute zur Totenwache bestellen und wartete auf den nächsten Morgen, um Phönixglanz zu benachrichtigen.
Phönixglanz hatte gesehen, wie die Herzoginmutter und Frau Wang bereits vor Aufregung ganz erschöpft waren. Kaufmann Aufrecht brach auf, und Schatzjades Zustand hatte sich noch verschlimmert. Sie war ohnehin schon äußerst besorgt. Würde sie jetzt auch noch die Todesnachricht von Kajaljade überbringen, fürchtete sie, dass die Herzoginmutter und Frau Wang vor Kummer und Sorge ernsthaft erkranken könnten. So ging sie persönlich in den Garten. Als sie in der Hsiaohsiang-Klause ankam, konnte auch sie nicht anders als zu weinen. Sie traf Li Schleierfrau und Frühlingsbote und erfuhr, dass alles Nötige vorbereitet war.
„Sehr gut", sagte sie. „Nur — warum habt ihr vorhin nichts gesagt? Ich habe mir solche Sorgen gemacht."
Frühlingsbote sagte: „Wir haben gerade den Herrn verabschiedet. Wie hätten wir es da sagen können?"
Phönixglanz sagte: „Ihr beide habt Mitleid mit ihr gehabt, das war rücksichtsvoll. Aber jetzt muss ich drüben nach dem Sorgenkind sehen. Diese Sache hier ist aber schwierig: Wenn wir es heute nicht melden, geht es nicht. Melden wir es aber, fürchte ich, dass die Herzoginmutter es nicht verkraftet."
Li Schleierfrau sagte: „Geh erst einmal hin und handle nach den Umständen. Berichte es dann, wenn sich die Gelegenheit ergibt."
Phönixglanz nickte und eilte fort.
Als Phönixglanz bei Schatzjade eintraf und hörte, dass der Arzt sagte, es bestehe keine Gefahr, waren die Herzoginmutter und Frau Wang etwas erleichtert. Da sprach Phönixglanz, abseits von Schatzjade, behutsam über Kajaljades Tod. Die Herzoginmutter und Frau Wang erschraken zutiefst. Der Herzoginmutter strömten die Tränen übers Gesicht:
„Ich habe sie ins Verderben gestürzt! Aber dieses Kind war auch allzu töricht."
Sie wollte in den Garten gehen, um an ihrem Totenbett zu weinen, doch ihr Herz hing auch an Schatzjade — sie konnte sich weder für das eine noch das andere entscheiden. Frau Wang und die anderen unterdrückten ihre Trauer und redeten der Herzoginmutter zu:
„Gehen Sie nicht selbst hin, Mutter. Ihre Gesundheit ist wichtiger."
Die Herzoginmutter hatte keine Wahl und bat Frau Wang, an ihrer Stelle zu gehen, und sagte noch: „Richte ihrem Geist von mir aus: ‚Nicht aus Herzlosigkeit bin ich nicht gekommen, um dich auf deinem letzten Weg zu begleiten. Nur gibt es Näheres und Ferneres: Du bist die Tochter meiner leiblichen Tochter, das ist mir nah genug. Aber verglichen mit Schatzjade ist Schatzjade mir noch näher. Sollte Schatzjade etwas zustoßen — wie könnte ich dann seinem Vater gegenübertreten?'"
Bei diesen Worten weinte sie aufs Neue. Frau Wang sprach ihr Trost zu:
„Fräulein Kajaljade war die, die die Herzoginmutter am meisten geliebt hat. Doch über Leben und Tod entscheidet das Schicksal; nun, da sie gestorben ist, können wir nichts mehr für sie tun. Nur bei der Bestattung sollten wir sie auf das Beste verabschieden. Erstens können wir damit unser Gewissen ein wenig beruhigen. Zweitens werden die Seelen der verstorbenen Tante und ihrer Tochter ein wenig Frieden finden."
Die Herzoginmutter weinte bei diesen Worten nur noch bitterer.
Phönixglanz fürchtete, dass die Alte sich zu sehr grämte, und schickte, da sie ja wusste, dass Schatzjades Verstand getrübt war, heimlich jemanden mit einer Notlüge: „Schatzjade drüben sucht nach der Herzoginmutter."
Die Herzoginmutter hielt erst da inne mit Weinen und fragte: „Es gibt doch nicht wieder ein Unglück?"
Phönixglanz lächelte beschwichtigend: „Nein, nichts dergleichen. Er vermisst wohl einfach seine Großmutter."
Die Herzoginmutter stützte sich sogleich auf Perle [19], und Phönixglanz folgte ihr.
Auf halbem Weg trafen sie Frau Wang, die gerade zurückkam, und die erstattete der Herzoginmutter Bericht. Die Herzoginmutter trauerte natürlich von Neuem, doch da sie auf dem Weg zu Schatzjade war, schluckte sie ihre Tränen und sprach gefasst:
„Wenn dem so ist, gehe ich auch nicht mehr hin. Macht ihr das unter euch aus. Wenn ich es sehe, bricht es mir das Herz. Nur tut ihr nicht unrecht — das ist alles, worum ich bitte."
Frau Wang und Phönixglanz sagten einhellig zu.
Die Herzoginmutter kam zu Schatzjades Bett. Als sie ihn sah, fragte sie: „Was wolltest du von mir?"
Schatzjade lächelte: „Ich habe gestern Abend Schwester Kajaljade gesehen. Sie sagte, sie wolle nach Süden zurückkehren. Ich dachte, niemand könnte sie zum Bleiben bewegen außer Ihnen, Großmutter. Halten Sie sie doch für mich zurück!"
Die Herzoginmutter sagte: „Gewiss, mach dir keine Sorgen."
Dufthauch half Schatzjade sich hinzulegen. Die Herzoginmutter ging hinüber zu Schatzspange.
Zu jener Zeit war Schatzspange noch nicht zum „Rückbesuch am neunten Tag" aufgebrochen, und so war ihr in Gesellschaft noch etwas schamhaft zumute. An diesem Tag sah sie, dass die Herzoginmutter mit tränennassem Gesicht kam. Sie reichte ihr Tee, und die Herzoginmutter bat sie, Platz zu nehmen. Schatzspange setzte sich seitlich neben sie und fragte:
„Ich höre, Schwester Kajaljade ist krank. Geht es ihr besser?"
Als die Herzoginmutter dies hörte, konnte sie die Tränen nicht zurückhalten und sagte:
„Mein Kind, ich sage es dir, aber du darfst Schatzjade nichts verraten. Alles ist wegen deiner Schwester Kajaljade geschehen, und du hast deswegen so viel Unrecht erdulden müssen. Nun, da du seine Ehefrau bist, sage ich es dir: Deine Schwester Kajaljade ist schon seit zwei, drei Tagen tot. Genau in der Stunde deiner Hochzeit ist sie gestorben. Diese Krankheit Schatzjades — sie rührt daher. Ihr alle habt früher zusammen im Garten gelebt. Ihr wisst das sicherlich."
Schatzspange lief das Blut ins Gesicht. Als sie an Kajaljades Tod dachte, konnte auch sie die Tränen nicht halten. Die Herzoginmutter sprach noch eine Weile, dann ging sie.
Von da an dachte Schatzspange tausendmal hin und her und fasste einen Plan, wagte aber nicht, überstürzt zu handeln. Erst als der „Rückbesuch am neunten Tag" vorüber war, setzte sie ihren Plan um. Und tatsächlich ging es Schatzjade daraufhin besser. Erst dann konnte man miteinander reden, ohne ständig auf der Hut sein zu müssen.
Nur Schatzjade — obwohl seine Krankheit von Tag zu Tag besser wurde, konnte sein eigensinniges Herz nicht loslassen: Er wollte unbedingt selbst hingehen und um sie weinen. Die Herzoginmutter und die anderen wussten, dass die Krankheit noch nicht an der Wurzel geheilt war, und erlaubten ihm kein wildes Grübeln. Doch sein Kummer war unerträglich, und er erlitt immer wieder Rückfälle. Da war es schließlich der Arzt, der die seelische Ursache der Krankheit erkannte und riet, man solle ihn ruhig seinen Gefühlen freien Lauf lassen, und danach mit Medizin regulieren — so würde die Heilung schneller voranschreiten.
Als Schatzjade das hörte, wollte er sofort zur Hsiaohsiang-Klause. Die Herzoginmutter und die anderen ließen einen Bambusstuhl herbeibringen und halfen Schatzjade hinein. Die Herzoginmutter und Frau Wang gingen voraus. Als sie die Hsiaohsiang-Klause betraten und Kajaljades Sarg erblickten, hatte die Herzoginmutter bereits so viele Tränen vergossen, dass sie kaum noch atmen konnte. Phönixglanz und die anderen redeten mehrfach auf sie ein, bis sie sich beruhigte. Auch Frau Wang weinte bitterlich. Li Schleierfrau bat die Herzoginmutter und Frau Wang, sich im inneren Zimmer auszuruhen. Auch dort vergossen sie noch Tränen. Als Schatzjade eintraf, dachte er daran, wie er vor seiner Krankheit oft hierhergekommmen war. Heute standen die Räume noch, doch die Bewohnerin war nicht mehr. Er brach in hemmungsloses Schluchzen aus. Er dachte daran, wie vertraut sie einst miteinander gewesen waren, und dass er sie heute im Tod verabschiedete — wie konnte er da nicht erst recht von Trauer übermannt werden? Alle hatten befürchtet, Schatzjade würde sich nach seiner Krankheit zu sehr grämen, und versuchten, ihn zu trösten. Aber Schatzjade weinte bereits, als ginge es um sein Leben, und man musste ihn stützen und zur Ruhe bringen. Auch die anderen Begleiter, darunter Schatzspange, weinten alle bitterlich.
Doch Schatzjade bestand darauf, Purpurkuckuck zu sich zu rufen, und fragte sie, was seine Schwester vor ihrem Tod noch gesagt habe. Purpurkuckuck hatte Schatzjade von Herzen gehasst, doch als sie ihn so sah, wurde ihr Herz etwas weicher. Zudem waren die Herzoginmutter und Frau Wang beide zugegen, und sie wagte nicht, Schatzjade zu schelten. So erzählte sie der Reihe nach: wie Fräulein Kajaljade wieder krank geworden war, wie sie die Tücher verbrannt und die Gedichtmanuskripte dem Feuer übergeben hatte, und was sie vor ihrem Tod gesagt hatte. Schatzjade weinte aufs Neue, bis ihm die Kehle zugeschnürt und der Mund ausgetrocknet war. Frühlingsbote nutzte die Gelegenheit und erzählte auch noch von Kajaljades letztem Wunsch, den Sarg in den Süden zurückzubringen. Die Herzoginmutter und Frau Wang begannen wieder zu weinen. Zum Glück verstand Phönixglanz es, mit guten Worten Trost zu spenden, so dass sie sich etwas beruhigten. Dann schlug sie vor, in die Gemächer zurückzukehren. Schatzjade wollte sich nicht losreißen, doch die Herzoginmutter drängte ihn, und er kehrte widerwillig in sein Zimmer zurück.
Die Herzoginmutter, betagt wie sie war, hatte seit dem Beginn von Schatzjades Krankheit Tag und Nacht keine Ruhe gehabt. Nun, nach diesem erneuten Ausbruch tiefer Trauer, spürte sie Schwindel und Fieber aufkommen. Obwohl sie sich um Schatzjade sorgte, konnte sie sich nicht mehr aufrecht halten. Sie musste in ihr Zimmer zurückkehren und sich niederlegen. Auch Frau Wang, deren Herz noch stärker schmerzte, zog sich zurück. Sie schickte Buntwolke [20], um Dufthauch zu helfen und nach Schatzjade zu sehen, und sagte: „Wenn Schatzjade wieder trauert, kommt sofort und sagt uns Bescheid."
Schatzspange wusste, dass Schatzjade seinen Schmerz nicht so bald verwinden konnte. Anstatt ihn zu trösten, stichelte sie mit feinen Worten. Schatzjade fürchtete, Schatzspange könnte sich gekränkt fühlen, und hielt seine Tränen zurück und fasste sich. Nach einer ruhigen Nacht kamen am nächsten Morgen alle, um nach ihm zu sehen. Er war zwar noch schwach und kraftlos, doch seine Seelennot schien um einiges leichter geworden. So pflegte man ihn mit besonderer Sorgfalt, und er erholte sich allmählich. Zum Glück erkrankte die Herzoginmutter nicht ernsthaft. Nur Frau Wang konnte ihren Herzschmerz nicht überwinden.
Eines Tages kam Tante Schnee zu Besuch, sah, dass es Schatzjade etwas besser ging, und war beruhigt. Sie blieb vorläufig.
An einem Tag lud die Herzoginmutter Tante Schnee eigens zu einer Besprechung ein und sagte:
„Schatzjades Leben haben wir allein der Tante zu verdanken. Nun scheint keine Gefahr mehr zu drohen. Nur Eure Tochter hat so viel erdulden müssen. Wenn Schatzjade sich hundert Tage erholt hat und wieder bei Kräften ist, und die Trauerzeit für die Kaiserliche Nebenfrau [21] vorüber ist, wäre der rechte Zeitpunkt für die Hochzeitsnacht. Ich möchte Euch bitten, einen besonders günstigen Tag auszuwählen."
Tante Schnee sagte: „Die Herzoginmutter hat eine vortreffliche Idee. Warum mich fragen? Meine Schatzspange mag äußerlich einfach wirken, aber sie hat ein klares Herz. Ihre Herzoginmutter kennt ihr Wesen seit jeher. Wenn die beiden nur in Eintracht miteinander leben — dann wird die Herzoginmutter viel Sorge los, meine Schwester wird getröstet, und auch mir fällt ein Stein vom Herzen. Die Herzoginmutter möge den Tag bestimmen. Werden wir auch Verwandte einladen oder nicht?"
Die Herzoginmutter sagte: „Die Hochzeit von Schatzjade und Eurer Tochter — das ist die größte Sache ihres Lebens! Und nach wie vielen Schwierigkeiten haben wir endlich diesen Punkt erreicht. Wir müssen unbedingt mehrere Tage festlich feiern und alle Verwandten einladen. Erstens danken wir dem Himmel. Zweitens trinken wir gemeinsam ein Glas Wein zum Fest — ich als alte Frau habe mir genug Sorgen gemacht, das soll nicht umsonst gewesen sein."
Tante Schnee hörte das und freute sich natürlich. Dann sprach sie über die Mitgiftvorbereitungen. Die Herzoginmutter sagte:
„Wir sind Verwandte, die untereinander heiraten. Ich denke, all dieser Aufwand ist nicht nötig. Was die Einrichtung betrifft — ihr Zimmer ist ohnehin schon voll ausgestattet. Wenn Schatzspange ein paar besondere Lieblingsstücke hat, bringen Sie die einfach mit. Schatzspange ist nicht empfindlich in solchen Dingen — ganz anders als meine arme Enkelin, deren empfindliches Wesen der Grund war, dass sie nicht alt werden konnte."
Bei diesen Worten weinte auch Tante Schnee.
Gerade in diesem Moment kam Phönixglanz herein und fragte lachend: „Herzoginmutter, Tante — worüber seid ihr schon wieder traurig?"
Tante Schnee sagte: „Wir sprachen gerade über Schwester Kajaljade, und da wurde es uns schwer ums Herz."
Phönixglanz lachte: „Die Herzoginmutter und die Tante mögen jetzt bitte aufhören, traurig zu sein. Ich habe gerade einen Witz gehört und wollte ihn der Herzoginmutter und der Tante erzählen."
Die Herzoginmutter wischte sich die Tränen ab und lächelte schwach: „Du willst dich bestimmt wieder über jemanden lustig machen! Erzähl schon, die Tante und ich hören zu. Aber wenn wir nicht lachen, lassen wir dich nicht so leicht davon."
Da begann Phönixglanz, noch bevor sie den Mund aufgemacht hatte, schon mit beiden Händen herumzufuchteln, und bog sich vor Lachen.
Was sie erzählte, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).
- ↑ Chinesisch: 宝玉
- ↑ Chinesisch: 贾政
- ↑ Chinesisch: 薛姨妈
- ↑ Chinesisch: 贾母
- ↑ Chinesisch: 黛玉
- ↑ Chinesisch: 宝钗
- ↑ Chinesisch: 王夫人
- ↑ Chinesisch: 王熙凤
- ↑ Chinesisch: 袭人
- ↑ Chinesisch: 林妹妹
- ↑ Chinesisch: 莺儿
- ↑ Chinesisch: 雪雁
- ↑ Chinesisch: 李纨
- ↑ Chinesisch: 紫鹃
- ↑ Chinesisch: 雪雁
- ↑ Chinesisch: 稻香村
- ↑ Chinesisch: 探春
- ↑ Chinesisch: 潇湘馆
- ↑ Chinesisch: 珍珠
- ↑ Chinesisch: 彩云
- ↑ Chinesisch: 元妃