Hongloumeng/de4/Chapter 2
第二回 / Kapitel 2
贾夫人仙逝扬州城
冷子兴演说荣国府
In dem Regendorf Kaufmann von einem Freund die Geschichte der Kaufmann-Familie erfährt und Frostig Aufsteiger[1] die Wechselfälle des Prunkwille-Anwesens[2] schildert
Das Eingangsgedicht lautet:
Ob Gewinn oder Verlust in dieser Partie – wer weiß es schon? Räucherwerk verloschen, Tee ausgetrunken – doch man verweilt noch. Willst du das Zeichen für Aufstieg und Verfall erkennen, So frage den kühlen Beobachter am Rand.
Es wird erzählt, dass Schlicht Siegel [封肃], als er die Gerichtsdiener nach ihm rufen hörte, eilig hinausging und mit einem Lächeln fragte, was los sei. Die Männer riefen nur: „Bringt den Herrn Echt schnell heraus!" Schlicht Siegel erklärte lächelnd: „Ich heiße Feng, nicht Zhen. Mein ehemaliger Schwiegersohn hieß Zhen, doch er ist schon seit ein, zwei Jahren als Mönch davongegangen. Meint Ihr vielleicht ihn?" Die Gerichtsdiener erwiderten: „Wir wissen nicht, ob es einen echten oder falschen Echt gibt. Wir folgen nur dem Befehl des Herrn Magistrats. Da er Euer Schwiegersohn war, nehmen wir Euch mit, damit Ihr persönlich vor dem Magistrat aussagt und wir nicht vergeblich herumrennen müssen." Ohne Schlicht Siegel zu Wort kommen zu lassen, drängten sie ihn hinaus. Die ganze Familie war erschrocken und wusste nicht, was das zu bedeuten hatte.
Gegen die zweite Nachtwache kehrte Schlicht Siegel fröhlich und guter Dinge zurück. Alle fragten ihn aufgeregt nach den Einzelheiten. Er berichtete: „Der neue Magistrat heißt mit Familiennamen Kaufmann und mit Vornamen Wandlung, mit Vornamen Hua, und stammt aus Huzhou. Er war früher ein Bekannter meines Schwiegersohnes. Als er heute an unserer Tür vorbeikam und die Zofe Zarte Aprikose[3] [娇杏] beim Garnkaufen sah, dachte er, mein Schwiegersohn sei hierher gezogen. Ich erklärte ihm alles, worauf der Magistrat sehr bewegt war und seufzte. Dann fragte er nach der Enkeltochter, und ich sagte, sie sei beim Laternenfest verloren gegangen. Der Magistrat versprach: ‚Keine Sorge, ich werde meine Leute anweisen, sie unbedingt aufzuspüren.' Nach einem langen Gespräch gab er mir beim Abschied noch zwei Liang Silber." Frau Echt hörte dies und konnte ihre Rührung nicht unterdrücken. So verging die Nacht.
Am nächsten Tag schickte Regendorf gleich in der Früh jemanden mit zwei Beuteln Silber und vier Rollen Brokat als Dank für Frau Echt, außerdem mit einem vertraulichen Brief an Schlicht Siegel, in dem er um die Zofe Zarte Aprikose als Zweitfrau bat. Schlicht Siegel war überglücklich und drängte seine Tochter, einzuwilligen. Noch in derselben Nacht wurde Zarte Aprikose in einer kleinen Sänfte zu Regendorf gebracht. Regendorf war hoch erfreut und schenkte Schlicht Siegel hundert Liang Silber, dazu viele Geschenke für Frau Echt, und bat ihn, gut für sie zu sorgen, bis die Tochter gefunden wäre. Schlicht Siegel kehrte nach Hause zurück, und damit hatte es sein Bewenden.
Jene Zofe Zarte Aprikose war dieselbe, die sich damals im Vorbeigehen nach Regendorf umgedreht hatte. Durch diesen einen zufälligen Blick war diese ganze Geschichte entstanden – ein Schicksal, das sie selbst nie erwartet hätte. Wer hätte gedacht, dass ihr Glück und Schicksal zusammentrafen: Kaum ein Jahr an Regendorfs Seite, gebar sie ihm einen Sohn, und nach einem weiteren halben Jahr starb Regendorfs erste Frau an einer Krankheit, so dass er Zarte Aprikose zur rechtmäßigen Hauptfrau erhob. Wahrlich:
Durch einen einzigen Fehler im Spiel ward sie zur Herrin über andere.
Nachdem Wahrheitsverberger ihm damals das Silber geschenkt hatte, brach Regendorf am sechzehnten Tag auf und reiste in die Hauptstadt. Bei der großen Prüfung bestand er wider Erwarten mit Bravour als Jinshi und wurde in den auswärtigen Beamtendienst aufgenommen. Inzwischen war er zum Magistrat eben dieses Bezirks aufgestiegen. Obwohl er von großem Talent war, neigte er doch zu Habgier und Grausamkeit und verließ sich zu sehr auf seine Begabung, wobei er Vorgesetzte brüskierte. So blickten die anderen Beamten ihn scheel an. Innerhalb eines Jahres fand sein Vorgesetzter einen Vorwand und erstattete dem Kaiser Bericht, in dem er ihn als „hinterhältig und von zwielichtigem Charakter" bezeichnete, der „eigenmächtig die Sitten verändere, sich den Anschein der Rechtschaffenheit gebe, insgeheim aber gefährliche Verbindungen pflege, so dass die öffentliche Ordnung gestört und das Volk unterdrückt werde". Der Kaiser war erzürnt und ordnete seine sofortige Entlassung an. Als der Erlass eintraf, freuten sich alle Beamten des Bezirks. Regendorf aber, obwohl innerlich tief beschämt und verbittert, zeigte äußerlich keine Spur von Unmut und blieb lachend und gelassen wie eh und je. Er übergab die Amtsgeschäfte, schickte sein gesamtes Vermögen samt Familie in die Heimat, und machte sich selbst auf, Wind und Mond als Gefährten, die schönsten Orte des Reiches zu bereisen.
Eines Tages gelangte er auf seinen Wanderungen in die Gegend von Yangzhou und erfuhr, dass der diesjährige Salz-Kommissar[4] ein gewisser Ozeangleich Wald [林如海][5] sei. Dieser Ozeangleich Wald war ein Tanhua-Absolvent[6] der letzten Prüfung, inzwischen zum Rat der Lantai-Akademie aufgestiegen und nun als kaiserlicher Salz-Inspektor nach Yangzhou entsandt worden, wo er erst seit gut einem Monat im Amt war.
Die Vorfahren dieses Ozeangleich Wald hatten einst den Rang eines Marquis geerbt. Bis zu Ozeangleich Wald waren fünf Generationen vergangen. Ursprünglich war der Titel nur für drei Generationen verliehen worden, doch dank der besonderen Gnade des gegenwärtigen Kaisers wurde er verlängert. Ozeangleich Walds Vater konnte ihn noch einmal erben, doch Ozeangleich Wald selbst machte seinen Weg über die Beamtenprüfungen. Obwohl die Familie zu den großen Häusern zählte, war sie zugleich eine Familie von Gelehrten. Leider war die Familie Lin nicht zahlreich, und obwohl es einige Seitenlinien gab, waren sie alle nur entfernte Verwandte. Ozeangleich Wald war nun bereits über vierzig, hatte aber nur einen einzigen dreijährigen Sohn gehabt, der im vergangenen Jahr gestorben war. Trotz einiger Nebenfrauen war es ihm nicht bestimmt, einen Sohn zu haben. So hatte er nur seine rechtmäßige Gattin, eine geborene Jia, die ihm eine Tochter geboren hatte, mit dem Milchnamen Kajaljade[7], die nun fünf Jahre alt war. Da das Ehepaar keinen Sohn hatte, liebten sie das Mädchen wie einen kostbaren Schatz. Und da sie klug und hübsch war, ließen sie sie sogar lesen und schreiben lernen – gleichsam als Ersatz für einen Sohn, um die Einsamkeit ein wenig zu lindern.
Regendorf erkältete sich gerade und lag krank in einer Herberge. Nach etwa einem Monat genas er allmählich. Einerseits war er erschöpft, andererseits gingen ihm die Mittel aus, und so suchte er nach einer passenden Gelegenheit, sich vorübergehend niederzulassen. Glücklicherweise hatten zwei alte Freunde, die ebenfalls in der Gegend wohnten, gehört, dass der Salz-Kommissar einen Hauslehrer suchte, und so empfahlen sie Regendorf, der die Stelle annahm. Es war eine angenehme Stellung: Er hatte nur eine einzige Schülerin und zwei Zofen, die sie beim Lernen begleiteten. Das Mädchen war noch jung und zart, und der Unterricht war nicht allzu anstrengend.
So verging etwa ein Jahr, als die Mutter der jungen Schülerin, Frau Kaufmann (Feinsinn), plötzlich an einer Krankheit starb. Das Mädchen pflegte die Mutter bis zuletzt und trauerte aufrichtig. Der Hauslehrer wollte daraufhin seine Stelle aufgeben. Ozeangleich Wald aber bat ihn zu bleiben, damit seine Tochter während der Trauerzeit weiter lesen könne. In letzter Zeit hatte die Schülerin vor Kummer so sehr gelitten, dass ihre ohnehin schwache Konstitution angegriffen war und eine alte Krankheit wieder ausbrach, so dass sie tagelang nicht zur Schule kam. Regendorf, ohne Beschäftigung, ging bei schönem Wetter nach dem Essen gern spazieren.
An diesem Tag gelangte er zufällig an den Stadtrand, wo er die ländliche Landschaft bewundern wollte. Er wanderte zu einer Stelle, wo Berge das Wasser umgaben, dichte Wälder und hohe Bambushaine standen, und erblickte undeutlich einen Tempel, dessen Tore und Mauern verfallen waren. Über dem Tor hing ein Schild mit den drei Zeichen „Tempel der Allwissenheit", und daneben stand ein altes, verwittertes Spruchpaar:
Wer schon mehr als genug für nach dem Tod hat, vergisst dennoch die Hand zurückzuziehen; Wer keinen Weg mehr vor sich sieht, will umkehren.
Regendorf las es und dachte: Diese Worte sind zwar schlicht, doch tief im Sinn. Ich habe viele berühmte Berge und große Tempel besucht, doch solche Worte nie gesehen. Vielleicht lebt hier jemand, der die Welt durchschaut hat. Warum nicht eintreten und sehen? Er ging hinein und fand nur einen gebrechlichen alten Mönch, der Reisbrei kochte. Regendorf beachtete ihn kaum. Als er ihm ein paar Fragen stellte, war der alte Mönch taub und senil, mit ausgefallenen Zähnen und steifer Zunge – seine Antworten gingen völlig am Thema vorbei.
Regendorf, ungeduldig geworden, verließ den Tempel wieder. Er wollte in einer Dorfschenke drei Becher Wein trinken, um die ländliche Stimmung zu genießen. Er schlenderte gemächlich hin, und gerade als er die Schenke betreten wollte, stand einer der Gäste auf, lachte laut und kam ihm entgegen. Er rief: „Was für ein Zufall! Was für ein Zufall!" Regendorf erkannte den Mann: Es war ein Antiquitätenhändler aus der Hauptstadt namens Leng Selbstaufsteiger [冷子兴], den er von früher kannte. Regendorf schätzte Leng Selbstaufsteiger als einen Mann von Format und Tatkraft, und Aufsteiger wiederum nutzte Regendorfs Gelehrtenruf. Daher verstanden sich die beiden bestens. Regendorf fragte lächelnd: „Wann bist du hier angekommen, mein Freund? Ich wusste gar nichts davon. Welch ein Zufall, uns heute zu treffen!" Aufsteiger erwiderte: „Ich kam zum Jahresende nach Hause und bin jetzt auf dem Rückweg in die Hauptstadt. Ich besuchte einen Freund hier in der Gegend, der mich bat, ein paar Tage zu bleiben. Da ich keine dringenden Geschäfte habe, blieb ich noch etwas. Heute schlenderte ich hierher, um mich ein wenig auszuruhen – und dann dieses glückliche Zusammentreffen!" Während er sprach, ließ er Regendorf neben sich Platz nehmen und bestellte neuen Wein und Speisen. Die beiden plauderten gemütlich und erzählten, was sich seit ihrem letzten Treffen zugetragen hatte.
Regendorf fragte: „Gibt es Neuigkeiten in der Hauptstadt?" Aufsteiger antwortete: „Eigentlich nicht besonders. Aber in der Familie Eures verehrten Namensvetters hat sich eine kleine Merkwürdigkeit zugetragen." Regendorf lachte: „In meiner Sippe hat niemand in der Hauptstadt zu tun. Wie kommt Ihr darauf?" Aufsteiger lachte: „Ihr tragt denselben Familiennamen – seid Ihr nicht vom gleichen Stamm?" Regendorf fragte, welche Familie er meine.
Aufsteiger sagte: „Das Prunkwille-Anwesenguo, die Kaufmann-Familie – die bringt doch Eurem guten Namen keine Schande, oder?" Regendorf lachte: „Ach, die! Wenn man es genau nimmt, so ist unsere Sippe weitverzweigt, von der Han-Dynastie her über den Ahnen Kaufmann Wiederkehr[8], mit Seitenlinien in allen Provinzen – wer könnte das alles nachprüfen? Was den Zweig des Prunkwille-Anwesens[9] betrifft, so stehen wir zwar im selben Stammbaum, doch angesichts ihrer Pracht haben wir uns nicht getraut, uns als Verwandte auszugeben, und so sind wir einander mit der Zeit fremd geworden." Aufsteiger seufzte: „Sagt das nicht, verehrter Herr! Die beiden Häuser Ning und Rong sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren."
Regendorf fragte: „Seinerzeit waren die beiden Residenzen doch überaus bevölkert. Wie kann es sein, dass sie so verödet sind?" Aufsteiger antwortete: „Genau, das ist eine lange Geschichte." Regendorf erzählte: „Letztes Jahr kam ich nach Jinling[10] und wollte die Überreste der Sechs Dynastien besichtigen. An jenem Tag betrat ich die Stadt am Steintor und kam an dem alten Anwesen vorbei. Östlich der Straße liegt die Stillfriede-Anwesen, westlich[11] die Prunkwille-Anwesen. Beide zusammen nehmen mehr als die Hälfte der Straße ein. Obwohl es vor dem Haupttor still und menschenleer war, konnte man durch die Mauer hindurch sehen, dass die Hallen, Paläste und Pavillons im Inneren noch immer stattlich und majestätisch ragten, und auch in den hinteren Gärten verströmten Bäume und Steine noch eine Aura von Üppigkeit und Frische. Das sah keineswegs nach einer Familie im Niedergang aus."
Aufsteiger lachte: „Und Ihr seid ein Jinshi! Kennt Ihr denn nicht das alte Sprichwort: ‚Ein Tausendfüßler stirbt, aber er fällt nicht um'? Obwohl es heute nicht mehr so prächtig ist wie einst, ist es verglichen mit gewöhnlichen Beamtenfamilien immer noch ganz anders. Doch die Bevölkerung wächst, die Geschäfte mehren sich, Herren und Diener leben in Saus und Braus, aber keiner unter ihnen kann planen und vorausdenken. Die täglichen Ausgaben und der Aufwand lassen sich nicht einschränken. Zwar steht die äußere Fassade noch, aber das innere Polster ist so gut wie aufgebraucht. Das ist noch das Geringste. Schlimmer ist, dass in solch einem Haus von Glocken und Dreifüßen, von Dichtung und Gelehrsamkeit die Kinder und Enkel mit jeder Generation schlechter werden!" Regendorf hörte es verwundert und sagte: „Eine solche Familie der Dichtung und des Anstands – wie kann es sein, dass sie ihre Kinder nicht gut erzieht? Andere Familien kenne ich nicht, doch was die beiden Häuser Ning und Rong betrifft, so sind diese doch berühmt für ihre strenge Kindererziehung."
Aufsteiger seufzte: „Ich spreche genau von diesen beiden Häusern. Lasst mich erzählen: Einst waren der Herzog von Ningguo und der Herzog von Rongguo leibliche Brüder von derselben Mutter. Der ältere war der Ninguo-Herzog. Er hatte vier Söhne. Nach seinem Tod erbte Kaufmann Generationswandel[12] das Amt und zeugte ebenfalls zwei Söhne. Der ältere, Kaufmann Wiederkehr[13], starb schon mit acht oder neun Jahren. So erbte der jüngere, Andacht Kaufmann [贾敬], das Amt. Doch dieser widmet sich heutzutage nur noch der taoistischen Alchemie und kümmert sich um nichts anderes mehr. Zum Glück hatte er noch rechtzeitig einen Sohn hinterlassen, namens Herrlichkeit Kaufmann [贾珍], dem er das Amt überließ, da er selbst nur noch das Elixier der Unsterblichkeit brauen wollte. Er weigert sich, in die Heimat zurückzukehren, und lebt mit Priestern vor den Toren der Hauptstadt. Dieser Herrlichkeit Kaufmann hat einen Sohn namens Herrlichkeit Kaufmann, der jetzt erst sechzehn Jahre alt ist. Der alte Andacht Kaufmann kümmert sich um gar nichts mehr. Herrlichkeit Kaufmann aber hat keine Lust zu studieren und führt nur ein ausschweifendes Leben, sodass die Ninguo-Residenz völlig auf den Kopf gestellt ist, und niemand wagt, ihn zu zügeln.
Was nun die Rongguo-Residenz betrifft – die merkwürdige Begebenheit, von der ich erzählen will, geschah genau dort. Nach dem Tod des Rongguo-Herzogs erbte sein ältester Sohn, Kaufmann Generationsgüte[14], das Amt. Er heiratete ein Fräulein aus dem ebenfalls hochangesehenen Haus der Marquis Shi in Jinling und bekam zwei Söhne: den älteren Begnadigung Kaufmann [贾赦][15] und den jüngeren Aufrecht Kaufmann [贾政][16]. Kaufmann Generationsgüte starb früh, doch seine Gemahlin, die alte Fürstin, lebt noch. Der ältere Sohn Begnadigung Kaufmann erbte das Amt. Der jüngere Aufrecht Kaufmann war von Kindheit an ein eifriger Leser, den sein Großvater am meisten liebte. Eigentlich hätte er die Beamtenlaufbahn über die Prüfungen einschlagen sollen, doch als Kaufmann Generationsgüte[17] auf dem Sterbebett eine letzte Bittschrift an den Thron richtete, erkundigte sich der Kaiser aus Mitgefühl für den verdienten Beamten, ob es noch weitere Söhne gebe, und verlieh Aufrecht Kaufmann sogleich den Titel eines Aufwärters im Ministerium. Inzwischen ist er zum Außenamtsdirektor aufgestiegen. Die Gemahlin von Aufrecht Kaufmann, eine geborene Wang, brachte als erstgeborenen Sohn Herrlichkeit Kaufmann zur Welt, der mit vierzehn in die höhere Schule aufgenommen wurde, vor seinem zwanzigsten Lebensjahr heiratete und einen Sohn zeugte, dann aber starb. Die zweitgeborene war eine Tochter, die am Neujahrstag geboren wurde – das allein schon war bemerkenswert. Doch dann wurde noch ein Sohn geboren, und das ist noch erstaunlicher: Dieser Junge kam mit einem Stück fünffarbig schimmerndem Jade im Mund zur Welt, auf dem sogar Schriftzeichen eingraviert waren. Man nannte ihn daher Schatzjade [宝玉][18]. Ist das nicht eine höchst merkwürdige Geschichte?"
Regendorf sagte lachend: „Wahrhaftig seltsam. Dieser Mensch dürfte keinen geringen Ursprung haben."
Aufsteiger lachte kühl: „Alle sagen das. Daher vergöttert ihn auch seine Großmutter. Als er ein Jahr alt war, wollte der Vater seine zukünftige Neigung testen und legte unzählige Gegenstände vor ihn hin, damit er zugreife. Doch der Junge interessierte sich für nichts davon und griff nur nach Schminke, Haarnadeln und Schmuck. Da wurde der Vater sehr zornig und sagte: ‚Aus dem wird nichts als ein Wüstling!' Seither mag er ihn nicht besonders. Nur die alte Großmutter liebt ihn wie ihren Augapfel. Und auch das ist merkwürdig: Obwohl er jetzt sieben, acht Jahre alt ist und über alle Maßen ungezogen, ist er dabei so klug und liebenswürdig, dass hundert andere Kinder ihm nicht das Wasser reichen können. Er sagt auch seltsame Dinge: ‚Mädchen sind aus Wasser gemacht, Männer aus Lehm. Wenn ich Mädchen sehe, fühle ich mich erfrischt; wenn ich Männer sehe, empfinde ich nur Ekel.' Ist das nicht lächerlich? Der wird bestimmt ein Lüstling!" Regendorf wurde ernst und wehrte ab: „Nein, nein! Schade, dass Ihr seine Herkunft nicht kennt. Auch der alte Herr Aufrecht hat sich wohl geirrt, wenn er ihn für einen gewöhnlichen Wüstling hält. Ohne umfangreiche Bildung und tiefes Nachdenken vermag man solche Menschen nicht zu verstehen."
Aufsteiger, erstaunt über die Gewichtigkeit dieser Worte, bat um Erläuterung. Regendorf sprach: „Himmel und Erde bringen die Menschen hervor, und außer den ganz Guten und den ganz Bösen gleichen sich alle. Die ganz Guten werden geboren, wenn die Zeit es erfordert, die ganz Bösen, wenn ein Unheil droht. In Zeiten des Friedens kommen die Guten, in Zeiten der Not die Bösen. Yao, Shun, Yu, Tang, Wen König, König Wu, der Herzog von Zhou, der Herzog von Shao, Konfuzius, Mengzi, Dong Zhongshu, Han Yu, die Brüder Cheng, Zhu Xi – sie alle kamen, als die Zeit es erforderte. Chi You, Gonggong, Jie, Zhou, der Erste Kaiser, Wang Mang, Cao Cao, Huan Wen, An Lushan, Qin Hui – sie alle wurden in Zeiten des Unheils geboren. Die ganz Guten ordnen die Welt, die ganz Bösen bringen sie in Verwirrung. Die reine, leuchtende, geistreiche Essenz von Himmel und Erde ist die rechte Kraft, die den Guten verliehen wird; die grausame, widerspenstige Kraft ist die unrechte, die den Bösen zuteil wird. In einer Zeit des Wohlstands und des ewigen Friedens durchdringt die reine, geistreiche Essenz alles, vom Hof bis zu den einfachsten Leuten. Was davon übrig bleibt und nirgends hingehört, wird zu süßem Tau und mildem Wind, der überallhin strömt. Die grausame, widerspenstige Kraft aber kann nicht im hellen Tageslicht wirken, sondern verdichtet sich in tiefen Gräben und Schluchten. Wenn gelegentlich durch Wind oder Wolken ein Faden davon herausgeweht wird und auf die geistreiche Essenz trifft, können sich die beiden weder vertragen noch einander weichen und müssen aufeinanderprallen, bis ihre Energie erschöpft ist. So wird auch diese Kraft Menschen verliehen. Wer als Mann oder Frau diese doppelte Kraft empfängt, steht in seiner Klugheit und Brillanz über zehntausend anderen, in seiner Sonderbarkeit und Widerspenstigkeit aber unter allen. In einem Haus des Reichtums und Adels wird solch ein Mensch zum Narren der Liebe; in einer Familie von Dichtern und Armut wird er zum freien Geist und Erhabenen; und selbst wenn er in ärmlichste Verhältnisse geboren wird, kann er nie ein gewöhnlicher Knecht sein, sondern wird zu einem berühmten Schauspieler oder einer gefeierten Kurtisane. So waren es einst Xu You, Tao Qian, Ruan Ji, Ji Kang, Liu Ling, die Familien Wang und Xie, Gu Kaizhi, der letzte Kaiser Chen, Kaiser Xuanzong der Tang, Kaiser Huizong der Song, Liu Tingzhi, Wen Tingyun, Mi Fu, Shi Manqing, Liu Yong, Qin Guan, und in jüngerer Zeit Ni Yunlin, Tang Yin, Zhu Zhishan, ferner Li Guinian, Huang Fanchuo, Jing Xinmo, Zhuo Wenjun, Hongfu, Xue Tao, Cui Ying und Chaoyun. Sie alle hätten an einem anderen Ort dieselben Menschen sein können."
Aufsteiger sagte: „Nach Eurer Theorie wäre es also: Wer Erfolg hat, wird zum König, wer scheitert, zum Räuber?" Regendorf antwortete: „Genau so. Und wisst Ihr, seit ich aus dem Amt entlassen wurde, habe ich in den letzten zwei Jahren alle Provinzen bereist und dabei ebenfalls zwei ungewöhnliche Kinder getroffen. Deshalb vermutete ich sogleich, als Ihr von Schatzjade sprachtet, dass er zur selben Sorte gehört. Um nicht in die Ferne zu schweifen: Allein in Jinling, im Hause des kaiserlichen Kommissars des Zensors Echt – kennt Ihr das?" Aufsteiger nickte: „Natürlich! Die Familie Echt und die Kaufmann-Familie sind seit alters her verschwägert und befreundet. Beide Familien pflegen regen Umgang. Auch ich selbst verkehre schon seit langem bei ihnen." Regendorf lachte: „Letztes Jahr in Jinling empfahl man mich als Hauslehrer bei den Zhens. Als ich ihr Haus betrat, sah ich, dass diese äußerst vornehme Familie zugleich von edler Gesinnung war – ein seltener Posten. Doch diese eine Schülerin, obwohl erst ein Anfänger, machte mehr Mühe als ein Kandidat für die Prüfungen. Das Lustigste war: Er sagte – denn es war ein Junge, trotz des weiblichen Namens –: ‚Nur wenn zwei Mädchen mich beim Lesen begleiten, kann ich die Zeichen verstehen und habe einen klaren Kopf, sonst bin ich ganz verwirrt.' Und er sagte zu seinen Dienern: ‚Die zwei Zeichen für „Mädchen" sind äußerst edel und rein, noch erhabener als die beiden Namen „Amitabha Buddha" und „Yuanshi Tianzun". Ihr mit eurem dreckigen Mund dürft diese beiden Zeichen niemals entweihen. Bevor ihr sie aussprecht, müsst ihr euch den Mund mit klarem Wasser und duftendem Tee ausspülen, sonst werden euch die Zähne ausgebrochen!' Seine Wildheit und Ungestümtheit, sein Eigensinn und seine Naivität waren ganz außergewöhnlich. Doch sobald er aus der Schule kam und die Mädchen sah, verwandelte er sich völlig – wurde sanft, friedlich, klug und kultiviert. Sein Vater hat ihn schon mehrfach hart geschlagen, doch es nützte nichts. Wenn er Schmerzen hatte, rief er nur ‚Schwester!' und ‚Schwester!' Die Mädchen drinnen machten sich über ihn lustig und fragten: ‚Warum rufst du nach den Schwestern, wenn es dir wehtut? Sollen sie für dich bitten? Schämst du dich nicht?' Und seine Antwort war köstlich: ‚Bei heftigem Schmerz rufe ich nur „Schwester", und vielleicht lindert das den Schmerz – tatsächlich, als ich es einmal versuchte, hörte der Schmerz auf. So habe ich ein Geheimmittel gefunden und rufe seither bei jedem Schmerz nach den Schwestern.' Da auch seine Großmutter ihn verwöhnte und den Lehrer tadelte, wenn er den Jungen bestrafte, gab ich meinen Posten auf und bin jetzt als Hauslehrer beim Salz-Inspektor Lin. Seht Ihr – solche Kinder können unmöglich das Erbe ihrer Vorväter bewahren oder den Anweisungen ihrer Lehrer folgen. Doch die Schwestern dieser Familie sind allesamt hervorragend."
Aufsteiger sagte: „Auch im Hause Kaufmann gibt es derzeit drei bemerkenswerte Töchter. Die älteste Tochter des Herrn Aufrecht, Urfrühling [元春], wurde wegen ihrer Tugend und Begabung als Palastdame in den Kaiserpalast berufen. Die zweite, Willkommensfrühling[19], ist die Tochter einer Nebenfrau von Herrn Begnadigung. Die dritte, Erkundefrühling, ist eine natürliche Tochter von Herrn Aufrecht. Die vierte, Bedauerfrühling, ist die leibliche Schwester von Herrlichkeit Kaufmann aus der Ninguo-Residenz. Da die alte Fürstin ihre Enkelinnen sehr liebt, wohnen alle bei der Großmutter und lesen gemeinsam. Man hört, sie seien alle ausgezeichnet."
Regendorf sagte: „Noch merkwürdiger ist der Brauch der Familie Echt, dass die Mädchen Jungennamen erhalten, anstatt die üblichen Zeichen wie Frühling, Rot, Duft und Jade zu verwenden. Warum folgt das Haus Kaufmann dann dieser gewöhnlichen Mode?" Aufsteiger erklärte: „Weil die älteste Tochter am Neujahrstag geboren wurde und daher Urfrühling heißt, haben die übrigen einfach das Zeichen ‚Frühling' übernommen. Die vorige Generation hingegen folgte den Brüdernamen. Zum Beweis: Die Gemahlin Eures jetzigen Dienstherrn, des Herrn Lin, ist die leibliche Schwester der Herren Begnadigung und Aufrecht aus dem Hause Rongguo und hieß als Mädchen Feinsinn Kaufmann[20]." Regendorf schlug begeistert auf den Tisch: „Natürlich! Kein Wunder, dass meine Schülerin jedes Mal, wenn im Buch das Zeichen ‚min' vorkam, es als ‚mi' aussprach, und wenn sie es schrieb, immer einen oder zwei Striche wegließ. Ich hatte schon den Verdacht, und nun bestätigt Ihr es. Da ihre Mutter eine solche Herkunft hat, ist es kein Wunder, dass das Mädchen so außergewöhnlich ist. Leider ist sie letzten Monat verstorben." Aufsteiger seufzte: „Von den vier Schwestern der älteren Generation ist diese die jüngste, und nun ist auch sie dahin. Schauen wir, was aus den Schwiegersöhnen der jüngeren Generation wird."
Regendorf sagte: „Eben. Herr Aufrecht hat also den Schatzjade, und dann noch den schwächlichen Enkel seines ältesten Sohnes. Hat der alte Herr Begnadigung denn gar keinen Sohn?" Aufsteiger erwiderte: „Herr Aufrecht hat nach dem Schatzjade noch einen weiteren Sohn von einer Nebenfrau bekommen, dessen Qualitäten man noch nicht kennt. Was den alten Herrn Begnadigung betrifft, so hat auch er zwei Söhne. Der ältere heißt Kette Kaufmann [贾琏], ist nun um die zwanzig und hat die Nichte von Herrn Aufrechts Gemahlin Wang geheiratet – also in der eigenen Verwandtschaft. Dieser Kette Kaufmann hat sich einen Amtstitel erkauft. Er mag nicht lesen, versteht sich aber auf gesellschaftlichen Umgang. Daher wohnt er im Haus seines Onkels Zheng und hilft bei der Verwaltung der Haushaltsangelegenheiten. Doch seit er seine Gemahlin geheiratet hat, loben alle im Haus nur noch sie, und er tritt in den Hintergrund. Man sagt, sie sei äußerst schön, beredt und von scharfem Verstand – wahrhaft eine Frau, der zehntausend Männer nicht das Wasser reichen können."
Regendorf lachte: „Da seht Ihr – alles, was ich gesagt habe, bestätigt sich. Die paar Menschen, von denen wir gesprochen haben, sind wohl alle Geschöpfe der doppelten Kraft von Recht und Unrecht." Aufsteiger sagte: „Ob unrecht oder recht – hört auf, in fremden Büchern zu rechnen, und trinkt lieber noch einen Becher!" Regendorf lachte: „Stimmt, ich habe über dem Reden schon zu viel getrunken." Aufsteiger lachte: „Wenn man über andere Leute redet, schmeckt der Wein erst recht – ein paar Becher mehr schaden nicht." Regendorf blickte aus dem Fenster: „Es wird dunkel, wir sollten uns beeilen, bevor das Stadttor schließt. Wir können drinnen weiterplaudern." Daraufhin standen sie auf und bezahlten die Zeche.
Gerade als sie gehen wollten, hörten sie hinter sich jemanden rufen: „Bruder Regendorf, ich gratuliere! Ich komme eigens, um Euch eine frohe Nachricht zu bringen!" Regendorf drehte sich hastig um –
Anmerkungen
- ↑ Chin. 冷子兴 Lěng Zǐxīng. 冷 lěng „kalt/kühl"; 子兴 zǐxīng „Sohn des Aufblühens". Ein „kühler Beobachter" der aufstrebenden Familie.
- ↑ Chin. 荣国府 Róngguó Fǔ „Residenz des Reiches des Ruhms". 荣 róng „Ruhm/Blüte".
- ↑ Chin. 嬌杏 Jiāo Xìng. 嬌 jiāo „zart/hübsch"; 杏 xìng „Aprikose". Der Name klingt wie 侥幸 jiǎoxìng „durch einen Glücksfall".
- ↑ 巡盐御史 Xúnyán yùshǐ, ab dem späten Ming einer der einflussreichsten Provinzposten: zugleich kaiserlicher Zensor und Aufseher über das lukrative staatliche Salzmonopol — der Inhaber kontrollierte den Salzhandel von Yangzhou (扬州) und Lianghuai (两淮), das wirtschaftliche Herzstück des Reiches im 18. Jahrhundert. Cao Xueqins eigener Großvater 曹寅 Cáo Yín bekleidete dieses Amt zur Kangxi-Zeit; die Lin-Familie spiegelt also den realen sozialen Hintergrund des Autors.
- ↑ Chin. 林如海 Lín Rúhǎi, wörtl. „wie das Meer". Er ist Kajaljades Vater und Schwiegersohn der Kaufmann-Familie.
- ↑ 探花 Tànhuā — drittplatzierter Absolvent des kaiserlichen Hauptpalastexamens (殿试 diànshì), nach 状元 zhuàngyuán (1. Platz) und 榜眼 bǎngyǎn (2. Platz). Das im Folgenden genannte 兰台寺 Lántáisì „Orchideenterrassen-Hof" ist eine archaisierende Bezeichnung des kaiserlichen Zensorenrats (御史台 yùshǐ tái), zuständig für die Kontrolle der Beamten und die direkte Berichterstattung an den Thron. Die Kombination Tanhua → Zensorenrat → Salzinspektor zeichnet eine ideale Beamtenkarriere der Hochqing.
- ↑ Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade". 黛 dài bedeutet „Kajal" (schwarze Augenbrauenfarbe), 玉 yù „Jade".
- ↑ Chin. 贾复 Jiǎ Fù. 复 fù „wiederkehren/erwidern".
- ↑ Chin. 荣国府 Róngguó Fǔ „Residenz des Reiches des Ruhms". 荣 róng „Ruhm/Blüte".
- ↑ 金陵 Jīnlíng — alter literarischer Name für 南京 Nánjīng (Stadt am „Goldenen Hügel"). Im Roman ist Jinling/Nanjing der südliche Schauplatz der Familie 甄 Zhēn („Echt") und des Stammsitzes mehrerer großer Häuser; der direkt folgende Hinweis auf die „sechs Dynastien" (六朝 Liùcháo) verweist auf die zwischen Wu (3. Jh.) und Chen (6. Jh.) hier residierenden Dynastien, deren Aufstieg und Untergang zum sprichwörtlichen Bild der Vergänglichkeit wurde — ein Leitmotiv des Romans. Die in Kapitel 5 zentralen „Zwölf Schönen von Jinling" tragen diesen Stadtnamen als Programm.
- ↑ 宁国府 Níngguó Fǔ „Residenz des Reiches der Stille/des Friedens". 宁 níng „Stille/Frieden". Die Ningguo-Residenz und die Rongguo-Residenz sind Wohnsitze der beiden gleichrangigen Brüder, die als Gründungsherzöge unter der gegenwärtigen Dynastie ausgezeichnet wurden — die Ningguo-Linie ist die ältere. Ihre topographische Anordnung (östlich vs. westlich) entspricht dem chinesischen Hierarchieprinzip „links-zuerst" (zuǒ wéi shàng): Ningguo links/östlich = Älterenseite, Rongguo rechts/westlich = Jüngerenseite.
- ↑ Chin. 贾代化 Jiǎ Dàihuà. 代 dài „Generation"; 化 huà „Wandlung".
- ↑ Chin. 贾复 Jiǎ Fù. 复 fù „wiederkehren/erwidern".
- ↑ Chin. 贾代善 Jiǎ Dàishàn. 代 dài „Generation"; 善 shàn „Güte/Tugend".
- ↑ Chin. 贾赦 Jiǎ Shè. 赦 shè bedeutet „Begnadigung/Amnestie". Er ist der älteste Sohn der Herzoginmutter.
- ↑ Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng. 政 zhèng bedeutet „Regierung/aufrecht". Er ist der zweite Sohn der Herzoginmutter und Vater von Schatzjade.
- ↑ Chin. 贾代善 Jiǎ Dàishàn. 代 dài „Generation"; 善 shàn „Güte/Tugend".
- ↑ Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz" des Jia-Hauses. Der Familienname 贾 Jiǎ ist homophon zu 假 jiǎ „falsch/fiktiv".
- ↑ Die vier Kaufmann-Schwestern heißen 元春 (Urfrühling), 迎春 (Willkommensfrühling), 探春 (Erkundefrühling), 惜春 (Bedauerfrühling). Ihre Anfangszeichen 元迎探惜 klingen zusammen wie 原应叹息 yuán yīng tànxī „man sollte nur seufzen" — ein Vorverweis auf ihre tragischen Schicksale.
- ↑ Chin. 贾敏 Jiǎ Mǐn. 敏 mǐn „feinsinnig/gewandt". Mutter von Kajaljade (林黛玉).