Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 24
< Hongloumeng | DE3-DE4
Jump to navigation
Jump to search
Kapitel 24: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)
| DE3 (Schwarz) | DE4 (Woesler, 2026) |
|---|---|
| 24.Der Betrunkene Himmelswächter achtet das Geld gering und beweist seinen Edelmut,ein törichtes Mädchen verliert sein Taschentuch und möchte jemandes Liebe erwecken. | Kapitel 24 |
| Dai-yü saß also gedankenverloren da, als jemand sie von hinten anstieß und fragte: „Was machst du hier ganz allein?“ | Der betrunkene Diamant-König zeigt großherzigen Sinn — Die verschlagene Schmeichelrede überzeugt Phönixglanz[1] — Hongyu begegnet Jia Yun im Traum |
| Dai-yü schreckte auf und fuhr herum, doch es war niemand anders als Hsiang-ling. „Dummes Ding!“ sagte Dai-yü. „Mich so zu erschrecken! Wohin willst du?“ „Ich suche unser Fräulein Bau-tschai“, sagte Hsiang-ling lachend. „Sie ist einfach nicht zu finden. Und du wirst von Dsï-djüan gesucht. Die junge gnädige Frau hat dir irgendwelchen Tee schicken lassen. Komm, wir gehen zu dir!“ Damit faßte sie Dai-yü bei der Hand und ging mit ihr zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß. Tatsächlich hatte Hsi-fëng zwei Dosen frischen Tee geschickt, wie er im Kaiserpalast getrunken wurde. Dai-yü setzte sich mit Hsiang-ling zusammen hin, aber es gab nichts, worüber sie sich ernsthaft unterhalten konnten. So hieß es nur, dies sei schön gestickt und jenes fein gearbeitet, sie spielten eine Partie Schach, lasen ein paar Sätze in einem Buch, und dann ging Hsiang-ling wieder fort, und mehr soll davon nicht die Rede sein. Als Hsi-jën mit Bau-yü ins Haus zurückkam, lag dort Yüan-yang schräg auf dem Bett und sah sich Hsi-jëns Nadelarbeit an. Als sie Bau-yü hereinkommen sah, sagte sie: „Wo warst du denn? Die alte gnädige Frau wartet auf dich. Du sollst hinüberreiten, um dem alten gnädigen Herrn deinen Gruß zu entbieten. Also zieh dich rasch um!“ |
Es wird erzählt, dass Kajaljade[2] gerade in Kummer und zärtliches Sinnieren versunken war, als ihr plötzlich jemand von hinten auf den Rücken klopfte und rief: „Was machst du hier ganz allein?" Kajaljade erschrak, drehte sich um — es war niemand anderes als Xiangling [Anm.: die entführte Tochter Wahrheitsverberger Echts, auch bekannt als Yinglian, nun Dienerin bei den Xues]. Kajaljade sagte: „Du dummes Mädchen, hast mich zu Tode erschreckt! Wo kommst du her?" Xiangling lachte kichernd: „Ich suche unsere Fräulein. Überall habe ich sie gesucht und kann sie nicht finden. Auch deine Purpurkuckuck sucht nach dir, sie sagt, dass die Frau Lian ein paar Teeblätter für dich geschickt hat. Komm, gehen wir nach Hause!" Dabei nahm sie Kajaljade an der Hand und ging mit ihr zum Xiaoxiang-Pavillon zurück. Tatsächlich hatte Phönixglanz zwei kleine Fläschchen erlesenen Tee geschickt. Kajaljade und Xiangling setzten sich zusammen. Da sie keine wichtigen Dinge zu besprechen hatten, plauderten sie nur über Stickereien — diese sei besonders hübsch, jene besonders fein —, spielten eine Partie Schach und lasen zwei Sätze in einem Buch, bis Xiangling sich verabschiedete. Davon sei nicht weiter die Rede. |
| Nachdem Hsi-jën in den Innenraum gegangen war, um Bau-yüs Kleider zu holen, setzte dieser sich auf die Bettkante und streifte die Schuhe ab. Während er auf die Stiefel wartete, wandte er den Kopf und sah, daß Yüan-yang eine rosa Seidenjacke und darüber eine schwarze Satinweste trug, um den Leib hatte sie eine Binde aus weißem Krepp geschlungen. Den Kopf hielt sie gesenkt, um die Nadelarbeit zu betrachten, ihren Hals schmückte ein gemusterter Kragen. Bau-yü näherte sein Gesicht ihrem Nacken und sog den Duft ihrer Creme ein, wobei er ihr unaufhörlich mit den Fingern über den Nacken strich. In Weiße und Glätte stand ihre Haut der von Hsi-jën nicht nach. Jetzt umklammerte er sie wie ein Affe und drängte lächelnd: „Laß mich von der Schminke auf deinen Lippen kosten, liebste Schwester!“ Wie festgeklebt hing er an ihr. „Hsi-jën, komm her und sieh dir das an!“ rief Yüan-yang. „Du bist doch ständig mit ihm zusammen, sagst du ihm denn nichts, daß er sich immer noch so benimmt?“ Mit den Kleidern im Arm trat Hsi-jën herein und sagte zu Bau-yü: „Was ist das nur mit dir, daß du dich nicht änderst, egal was man dir sagt? Wenn das nicht anders wird, kann ich hier nicht bleiben!“ Dann drängte sie ihn, sich umzuziehen und mit Yüan-yang zur Herzoginmutter zu gehen. |
Nun sei erzählt, dass Schatzjade[3], nachdem Dufthauch[4] ihn nach Hause geholt hatte, dort auf Mandarinenente [鸳鸯] traf, die auf dem Bett lag und Dufthauchs Näharbeit betrachtete. Als sie Schatzjade kommen sah, sagte sie: „Wo hast du dich herumgetrieben? Die alte Großmutter wartet auf dich und will, dass du drüben dem Großen Herrn deine Aufwartung machst. Beeil dich und zieh dich um!" Dufthauch ging sogleich ins Zimmer, um die Kleidung herauszusuchen. Schatzjade setzte sich auf die Bettkante, zog die Schuhe aus und wartete, dass man ihm die Stiefel brachte. Er blickte sich um und sah Mandarinenente in einem wasserroten Seidenhemd mit einer blauen Satinweste, um die Taille ein weißes Krepp-Schweißtuch gebunden, den Kopf gesenkt, die Näharbeit betrachtend, um ihren Hals trug sie ein Blumenhalsband. Schatzjade schmiegte sein Gesicht an ihren Nacken, sog den Duft des Haaröls ein und konnte nicht aufhören, sie zu streicheln — ihre Haut war ebenso weiß und zart wie die Dufthauchs. Schon kletterte er an ihr hoch und sagte grinsend: „Gute Schwester, lass mich die Schminke von deinen Lippen kosten." Dabei schmiegte er sich wie Zuckerstangen-Toffee an sie. |
| Als Bau-yü mit der Herzoginmutter gesprochen hatte und aus dem Haus trat, standen seine Begleiter schon mit einem Pferd bereit. Eben wollte er aufsitzen, da kam Djia Liän von draußen zurück und stieg vom Pferd. Während die beiden einige Worte miteinander wechselten, trat jemand von der Seite heran und grüßte: „Guten Tag, Onkel Bau-yü!“ Bau-yü erblickte einen hochaufgeschossenen Jüngling von achtzehn, neunzehn Jahren mit einem länglichen Gesicht, das schön und edel geformt war. Doch obwohl ihm der Jüngling sehr bekannt vorkam, wollte ihm nicht einfallen, zu welchem Zweig der Familie er gehörte und wie er hieß. Lächelnd fragte Djia Liän: „Was guckst du so entgeistert? Erkennst du ihn etwa nicht? Das ist doch Yün, der Sohn der fünften Schwägerin aus dem Westanbau.“ „Richtig, richtig!“ sagte Bau-yü lächelnd, „wie konnte ich ihn nur vergessen?“ Dann fragte er Djia Yün, wie es seiner Mutter gehe und was ihn hergeführt habe. „Ich habe ein paar Sätze mit dem Onkel zu reden“, erwiderte Djia Yün und wies dabei auf Djia Liän. „Im Vergleich zu früher hast du dich ganz schön herausgemacht“, bemerkte Bau-yü lächelnd. „Du könntest glatt mein Sohn sein.“ „Schämst du dich nicht?“ fragte Djia Liän lachend. „Er ist vier oder fünf Jahre älter als du, und da soll er dein Sohn sein?“ „Wie alt bist du jetzt?“ fragte Bau-yü. „Achtzehn“, gab Djia Yün Auskunft, dann fügte er flink und gewitzt, wie er war, hinzu: „Nicht umsonst sagt der Volksmund: ‚Der Großvater liegt in der Wiege, der Enkel geht am Stock.‘ Ich bin zwar der Ältere, aber selbst der höchste Berg überragt nicht die Sonne. In den Jahren, seitdem mein Vater tot ist, hat mir niemand Fürsorge und Belehrung zuteil werden lassen. Wenn ich Euch nicht zu dumm bin und Ihr mich als Sohn annehmt, wäre das ein großes Glück für mich!“ „Hast du das gehört?“ fragte Djia Liän lächelnd. „Aber jemanden an Sohnes Statt anzunehmen ist keine Kleinigkeit.“ Und damit ging er hinein. |
Mandarinenente rief laut: „Dufthauch, komm her und sieh dir das an! Du begleitest ihn ein ganzes Leben lang und ermahnst ihn nicht, und er benimmt sich immer noch so!" Dufthauch kam mit den Kleidern heraus und sagte zu Schatzjade: „Ob ich links ermahne oder rechts ermahne, du änderst dich nicht. Was soll nur werden? Wenn du so weitermachst, wird es schwierig, hier zu wohnen." Dabei half sie ihm, die Kleider anzuziehen, und zusammen mit Mandarinenente ging man nach vorne zu Herzoginmutter[5]. Nach dem Besuch bei Herzoginmutter ging Schatzjade hinaus — Pferde und Diener standen schon bereit. Gerade wollte er aufsteigen, da sah er Jadeschale Kaufmann, der gerade von einem Höflichkeitsbesuch zurückkam und abstieg. Die beiden standen einander gegenüber und wechselten ein paar Worte. Da trat eine Person von der Seite hervor und grüßte: „Guten Tag, Onkel Schatzjade." Schatzjade blickte hin und sah einen jungen Mann mit ovalem Gesicht und schlanker, hochgewachsener Gestalt, etwa achtzehn oder neunzehn Jahre alt, recht hübsch und gepflegt, der ihm irgendwie bekannt vorkam, nur konnte er sich nicht erinnern, aus welcher Linie der Familie er stammte und wie er hieß. Jadeschale Kaufmann lachte: „Was stehst du so verdutzt da? Erkennst du ihn nicht? Das ist der Sohn der Fünften Schwägerin aus dem hinteren Gang, unser Yun." Schatzjade lachte: „Ach ja, natürlich! Wie konnte ich das vergessen." Er fragte nach dem Befinden seiner Mutter und was er gerade zu tun habe. Jia Yun zeigte auf Jadeschale Kaufmann: „Ich wollte mit dem Zweiten Onkel ein Wort reden." Schatzjade lachte: „Du bist ja noch stattlicher geworden als früher. Du siehst aus wie mein Sohn." Jadeschale Kaufmann lachte: „Was für eine Unverschämtheit! Er ist vier oder fünf Jahre älter als du, und du machst ihn zu deinem Sohn?" Schatzjade lachte: „Wie alt bist du jetzt?" Jia Yun antwortete: „Achtzehn." |
| Lächelnd sagte Bau-yü: „Komm morgen zu mir, wenn du Zeit hast, und laß dich hier mit niemand auf krumme Geschäfte ein! Jetzt kann ich nicht, aber wenn du morgen zu mir in die Bibliothek kommst, können wir uns ausführlich unterhalten, und ich zeige dir den Garten.“ Damit schwang er sich in den Sattel und ritt, von seinen Sklavenjungen umringt, zu Djia Schë hinüber. Als Djia Schë ihn empfing, stellte sich heraus, daß es nur eine kleine Erkältung war, an der er litt. Bau-yü stellte zunächst die Fragen, die ihm die Herzoginmutter aufgetragen hatte, und dann entbot er Djia Schë seinen zeremoniellen Gruß. Stehend beantwortete Djia Schë die Fragen der Herzoginmutter, dann rief er jemanden und befahl: „Führ den kleinen Herrn in das Zimmer der gnädigen Frau!“ Also zog sich Bau-yü zurück und begab sich in den hinteren Hauptraum. Als Dame Hsing ihn hereinkommen sah, erhob sie sich und trug ihm einen Gruß an die Herzoginmutter auf. Dann erst konnte ihr Bau-yü seinen Gruß entbieten. Anschließend zog Dame Hsing ihn zu sich aufs Ofenbett und erkundigte sich nach dem Rest der Familie. Sie befahl, Tee einzugießen, und sie hatten die erste Tasse noch nicht geleert, als Djia Dsung hereinkam, um Bau-yü zu begrüßen. |
Nun war dieser Jia Yun von Natur aus äußerst geschickt und aufgeweckt. Als er hörte, was Schatzjade sagte, lachte er und erwiderte: „Man sagt ja: ›Der Großvater in der Wiege, das Enkelkind am Krückstock.‹ Obwohl ich älter bin — der Berg ist noch so hoch, er reicht nicht an die Sonne heran. Seit mein Vater gestorben ist, kümmert sich niemand mehr um mich oder leitet mich an. Wenn Onkel Schatzjade mich nicht verschmäht und mich als Sohn annähme, wäre das mein großes Glück." Jadeschale Kaufmann lachte: „Hast du gehört? Einen Sohn annehmen ist keine leichte Sache!" Damit ging er hinein. Schatzjade lachte: „Komm morgen, wenn du Zeit hast, zu mir. Treib dich nicht mit den anderen heimlich herum. Jetzt gerade habe ich keine Zeit. Morgen kommst du in die Bibliothek, wir unterhalten uns, und ich nehme dich mit in den Garten zum Spielen." Damit stieg er in den Sattel, und umgeben von seinen Dienern ritt er zu Begnadigung Kaufmann [贾赦]s Residenz hinüber. |
| „Das ist ja ein Affe, wie er im Buche steht!“ tadelte Dame Hsing. „Sind denn deine Ammen alle gestorben, daß dich niemand in Ordnung halten kann? Sieht so vielleicht ein Kind aus einer alten Beamtenfamilie aus, das schon Unterricht hat – mit schwarzer Stirn und schmutziger Schnute?“ Während sie das sagte, kamen auch Onkel und Neffe Djia Huan und Djia Lan herein. Nachdem sie ihren Gruß entboten hatten, ließ Dame Hsing sie auf zwei Stühlen Platz nehmen. Aber Djia Huan verdroß es, daß Bau-yü mit Dame Hsing auf demselben Sitzpolster saß und von ihr gestreichelt und gehätschelt wurde, darum gab er Djia Lan schon bald einen Wink, daß sie gehen wollten. Djia Lan mußte gehorchen, und so standen sie gemeinsam auf und verabschiedeten sich. Daraufhin erhob sich Bau-yü ebenfalls und wollte mit ihnen zusammen gehen, aber Dame Hsing sagte lächelnd zu ihm: „Bleib sitzen! Ich habe noch mit dir zu reden.“ Also mußte sich Bau-yü wieder hinsetzen. |
Als er Begnadigung Kaufmann sah — es war nichts als eine leichte Erkältung —, übermittelte er zuerst Herzoginmutters besorgte Frage und machte dann seine eigene Aufwartung. Begnadigung Kaufmann stand zunächst auf, um Herzoginmutters Worte zu erwidern, und befahl dann einem Diener: „Bringt den jungen Herrn hinein zur Gnädigen Frau." Schatzjade trat ab und ging nach hinten in die obere Stube. Als Frau Xing [Anm.: Begnadigung Kaufmanns Ehefrau] ihn kommen sah, stand sie zuerst auf und erkundigte sich nach Herzoginmutters Befinden; erst dann machte Schatzjade seine Verbeugung. Frau Xing zog ihn zu sich aufs Kang [Anm.: beheizbare Schlafbank], fragte nach dem Befinden der anderen und ließ Tee bringen. Noch hatte er keine Tasse ausgetrunken, da kam Jia Cong herein, um Schatzjade zu begrüßen. Frau Xing schalt: „Wo hat man diesen wilden Affen aufgetrieben! Ist deine Amme ausgestorben? Nicht einmal zurechtgemacht hat sie dich, mit schwarzem Gesicht und schmutzigem Mund — so sieht doch kein Kind aus guter Familie aus, das in die Schule geht!" |
| „Grüßt zu Hause eure Mütter von mir!“ trug Dame Hsing den beiden anderen auf. „Eure Mädchen sind alle hier und haben solchen Spektakel gemacht, daß mir ganz schwindlig davon ist, darum behalte ich euch heute nicht zum Essen hier.“ Djia Huan und Djia Lan sagten jawohl und gingen. „Warum sind die Mädchen nicht zu sehen, wenn sie alle hier sind?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Sie haben ein Weilchen hier gesessen und sind dann irgendwo nach hinten gegangen“, erwiderte Dame Hsing. „Ihr sagtet, Ihr wolltet mit mir reden“, fuhr Bau-yü fort. „Was gibt es denn?“ „Gar nichts“, sagte Dame Hsing lächelnd, „ich wollte nur, daß du noch bleibst und mit den Mädchen zusammen hier ißt. Außerdem habe ich etwas Schönes für dich, was du mitnehmen kannst.“ Tante und Neffe hatten nicht bemerkt, daß es über ihrem Gespräch Zeit geworden war, zu Abend zu essen, aber jetzt wurden Tische und Stühle zurechtgestellt und Becher und Schalen aufgetragen. Nachdem sie mit den Mädchen zusammen gegessen hatten, ging Bau-yü noch zu Djia Schë, um sich zu verabschieden, dann kehrte er mit den Mädchen nach Hause zurück, wo sie die Herzoginmutter und Dame Wang aufsuchten, ehe sich jeder in sein Wohngebäude begab und sich schlafen legte. Mehr ist davon nicht zu berichten. |
Gerade als sie so sprach, kamen auch Unheil Kaufmann und Jia Lan, der kleine Onkel und der Neffe, herein, machten ihre Verbeugung, und Frau Xing hieß sie auf Stühlen Platz nehmen. Unheil Kaufmann sah, dass Schatzjade neben Frau Xing auf derselben Sitzpolsterung saß und Frau Xing ihn auf alle erdenkliche Weise hätschelte und liebkoste — schon war er innerlich unzufrieden. Nach einer kurzen Weile machte er Jia Lan Zeichen, dass sie gehen sollten. Jia Lan musste ihm folgen, und beide standen auf, um sich zu verabschieden. Schatzjade sah, dass sie gehen wollten, und wollte selbst auch aufstehen, um mit ihnen zurückzukehren. Frau Xing lachte: „Bleib noch sitzen, ich habe noch etwas mit dir zu besprechen." Schatzjade musste sich wieder setzen. Frau Xing wandte sich an die beiden: „Geht nach Hause und grüßt mir eure Mütter. Eure Schwestern sind alle hier und haben mir schon Kopfschmerzen bereitet, deshalb behalte ich euch heute nicht zum Essen." Unheil Kaufmann und die anderen bejahten und gingen nach Hause. |
| Als Djia Yün zu Djia Liän gekommen war, hatte er sich erkundigt: „Gibt es nicht irgendeinen Auftrag, den ich übertragen bekommen könnte?“ „Neulich gab es etwas“, sagte Djia Liän, „aber deine Tante hat mich so lange gebeten, bis ich Tjin den Auftrag verschaffte. Sie hat mir jedoch gesagt, im Garten sollten demnächst noch an einigen Stellen Blumen und Bäume gepflanzt werden, und wenn diese Arbeit an der Reihe sei, solltest du sie ganz bestimmt übertragen bekommen.“ „Dann warte ich eben!“ erklärte Djia Yün nach längerer Pause. „Aber sagt der Tante nichts davon, daß ich mich erkundigt habe. Wenn es soweit ist, können wir immer noch darüber sprechen.“ „Warum sollte ich es ihr sagen?“ fragte Djia Liän. „Für müßiges Geschwätz habe ich keine Zeit. Morgen früh muß ich schon in der fünften Nachtwache nach Hsing-i aufbrechen, um noch am selben Tag zurück zu sein. Also warte ab und hol dir übermorgen zur ersten Nachtwache Bescheid! Eher kann ich nicht.“ Damit verschwand er in den Innenraum, um sich umzuziehen. |
Schatzjade fragte lächelnd: „Sind die Schwestern wirklich alle hier? Wie kommt es, dass ich sie nicht sehe?" Frau Xing sagte: „Sie haben eine Weile hier gesessen und sind dann irgendwohin nach hinten gegangen, ich weiß nicht, in welches Zimmer." Schatzjade fragte: „Was für etwas Gutes wollte die Tante mir denn geben, wovon sie eben sprach?" Frau Xing lächelte: „Wo gibt es da etwas Besonderes? Ich wollte nur, dass du wartest und mit deinen Schwestern zu Abend isst. Außerdem habe ich ein hübsches Spielzeug für dich, das du mitnehmen kannst." Mutter und Sohn plauderten, und ehe man sich versah, war es schon Essenszeit. Man stellte Tische und Stühle auf, reihte Tassen und Teller auf, und nachdem Mutter, Töchter und Schwestern gegessen hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Begnadigung Kaufmann, kehrte mit den Schwestern gemeinsam nach Hause zurück, besuchte Herzoginmutter und Frau Wang und ging dann jeweils in die eigenen Gemächer zur Ruhe. Davon sei nicht weiter die Rede. |
| Djia Yün verließ das Jung-guo-Anwesen und grübelte unentwegt nach. Dann kam ihm ein Gedanke, und sofort ging er zu seinem Onkel mütterlicherseits, der mit Namen Bu Schï-jën hieß. Dieser Bu Schï-jën betrieb eine Spezereihandlung und war eben aus dem Geschäft nach Hause gekommen, als plötzlich Djia Yün hereintrat. „Was willst du denn um diese Zeit noch hier?“ erkundigte er sich bei seinem Neffen, nachdem sie einander begrüßt hatten. „Ich möchte Euch um Eure Hilfe bitten“, sagte Djia Yün. „Ich brauche etwas Kampfer und etwas Moschus. Gebt mir doch je vier Liang auf Pump! Im achten Monat zahle ich Euch die volle Summe Silber dafür.“ „Red mir nicht von Pumpgeschäften!“ sagte Bu Schï-jën mit abweisendem Lächeln. „Einer unserer Verkäufer hatte auch mal etwas für mehrere Liang Silber auf Pump an einen Verwandten verkauft, aber der hat sie ihm bis heute noch nicht bezahlt. Darum haben wir alle zusammengelegt, um die Schuld zu begleichen, und haben ausgemacht, daß niemand mehr seinen Verwandten oder Freunden etwas auf Pump geben darf. Wer es doch tut, muß die andern zur Strafe für zwanzig Liang Silber bewirten. |
Nun sei erzählt, wie Jia Yun zu Jadeschale Kaufmann ging und sich erkundigte, ob es nicht irgendeine Aufgabe für ihn gäbe. Jadeschale Kaufmann berichtete ihm: „Vor ein paar Tagen kam tatsächlich eine Sache auf, doch dummerweise hat deine Tante [Anm.: Phönixglanz] mich mehrmals darum gebeten, und ich habe sie Jia Qin gegeben. Sie hat mir versprochen, dass es im Garten noch einige Stellen gibt, an denen Blumen und Bäume gepflanzt werden müssen — wenn dieses Projekt herauskommt, bekommst du es ganz bestimmt." Jia Yun hörte das und sagte nach langem Schweigen: „Wenn dem so ist, dann warte ich eben. Der Onkel braucht der Tante gegenüber auch nicht zu erwähnen, dass ich heute hier war und mich erkundigt habe. Wenn es soweit ist, ist es noch früh genug." Jadeschale Kaufmann sagte: „Warum sollte ich das erwähnen? Ich habe doch gar nicht so viel Zeit für müßiges Geschwätz. Morgen früh um fünf muss ich nach Xingyi reiten und am selben Tag zurück sein. Geh du erst mal und warte. Übermorgen nach Einbruch der Dunkelheit kommst du wieder, um Bescheid zu holen; kommst du zu früh, habe ich keine Zeit." Damit ging er in den hinteren Teil, um sich umzuziehen. |
| Außerdem sind die Sachen, die du haben willst, im Augenblick sowieso knapp. Selbst wenn du sie mit barem Silber in unserem Lädchen kaufen wolltest, hätten wir sie nicht am Lager und müßten sie irgendwo anders kaufen gehen. Das ist das eine. Zum andern ist doch das bestimmt nichts Reelles, was du vorhast. Du kaufst die Sachen auf Pump und stellst dann irgendwelchen Blödsinn damit an. Du siehst, daß dein Onkel dir nur Vorhaltungen macht, sooft wir uns treffen. Aber jung, wie du bist, hast du von nichts eine Ahnung. Du solltest dir endlich etwas einfallen lassen, um zu ein wenig Geld zu kommen, damit du zu essen und anzuziehen hast, dann werde auch ich mich freuen.“ „Ihr habt ganz recht, Onkel!“ sagte Djia Yün und lächelte. „Als mein Vater starb, war ich noch klein und unverständig. Von meiner Mutter hörte ich später, wie Ihr alles in die Hand genommen und das Begräbnis ausgerichtet habt. Wißt Ihr da nicht, daß wir nicht mehr haben als ein Mu Land und das Haus mit zwei Räumen? Soll ich das jetzt verkaufen, oder wie? Die geschickteste Hausfrau kann ohne Reis keine Reissuppe kochen, sagt man. Was meint Ihr denn, was ich machen soll? Ihr habt noch Glück, daß ich bin wie ich bin und kein unverschämter Kerl, der Euch in drei Tagen zweimal auf die Pelle rückt und mal drei Schëng Reis und dann zwei Schëng Bohnen verlangt. Dann könntet Ihr nämlich auch nichts dagegen machen.“ „Du solltest ja alles kriegen, mein Junge, wenn ich es nur hätte!“ beteuerte Bu Schï-jën. „Tag für Tag sage ich zu deiner Tante, es sei ein Jammer, daß du so wenig Verstand besitzt. Du brauchtest dich nur aufzuraffen und zu deiner reichen Verwandtschaft zu gehen. Wenn du die Herrschaften nicht zu Gesicht bekommst, bescheide dich nur und stell dich mit ihren Verwaltern und Aufsehern gut, damit man dir einen Auftrag gibt, für den du verantwortlich bist. |
Jia Yun verließ die Rong-Guo-Residenz und ging nach Hause. Unterwegs überlegte er und kam auf eine Idee. Er ging geradewegs zum Haus seines Onkels mütterlicherseits, Bu Shiren [Anm.: der Name klingt im Chinesischen wie „nicht menschlich/unmenschlich"]. Dieser Bu Shiren betrieb einen Gewürzladen. Er war gerade aus dem Laden gekommen, als plötzlich Jia Yun hereinkam. Sie begrüßten einander, und Bu Shiren fragte, was ihn so spät herführe. Jia Yun sagte: „Ich habe eine Bitte an den Onkel. Es gibt eine Sache, für die ich etwas Kampfer und Moschus brauche. Guter Onkel, könntest du mir je vier Liang [Anm.: chinesisches Gewichtsmaß, ca. 37 g] davon auf Kredit geben? Im achten Monat bringe ich pünktlich das Geld." Bu Shiren lachte kalt: „Red nicht von Kredit! Neulich hat auch ein Angestellter in unserem Laden für einen Verwandten ein paar Liang Silber Ware auf Kredit genommen und bis heute nicht zurückgezahlt. Deshalb haben wir alle zusammengelegt und eine Vereinbarung getroffen: Kein Kredit mehr an Verwandte oder Freunde. Wer dennoch Kredit gibt, muss zwanzig Liang Silber Strafe zahlen und die anderen bewirten. Außerdem ist diese Ware jetzt knapp — selbst wenn du mit Bargeld in unseren bescheidenen Laden kämst, hätten wir das nicht. Das ist erstens. Zweitens: Was hast du schon für ordentliche Geschäfte? Du nimmst es auf Kredit und vertust es wieder. Du wirst nur sagen, der Onkel hat dich wieder einmal zurechtgewiesen. Du junger Mann weißt wirklich nicht, was gut für dich ist — du solltest dir mal einen Plan machen, etwas Geld verdienen, damit du ordentlich angezogen bist und zu essen hast, dann freue auch ich mich." |
| Neulich war ich außerhalb der Stadt und habe den viertältesten Sohn deines dritten Onkels getroffen. Er ritt auf einem kräftigen Esel und hatte fünf Wagen mit vierzig oder fünfzig jungen Nonnen bei sich, die er in den Familientempel brachte. Das ist ein tüchtiger Kerl, und ihm vertraut man auch Aufträge an.“ Djia Yün konnte das Geschwätz nicht länger anhören, darum stand er auf und verabschiedete sich. „Warum so eilig?“ fragte Bu Schï-jën. „Iß doch mit uns, bevor du gehst, und...“ |
Jia Yun lachte: „Der Onkel redet sich leicht. Als mein Vater starb, war ich noch klein und wusste nichts von der Welt. Später erzählte mir meine Mutter, dass es die Onkel waren, die bei der Beerdigung alles organisiert haben. Da weiß der Onkel doch selbst — hatten wir etwa noch einen Morgen Land oder zwei Zimmer Haus, die ich jetzt durchgebracht hätte? Eine geschickte Frau kann keinen Brei ohne Reis kochen — was soll ich denn tun? Und ich bin noch einer der Besseren! Wäre es ein anderer, der käme schamlos alle paar Tage, um drei Sheng Reis oder zwei Sheng Bohnen zu betteln, da wüsste der Onkel auch keinen Rat!" |
| Aber noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, schaltete seine Frau sich ein und sagte: „Was redest du wieder für Unsinn? Ich habe dir doch gesagt, daß wir keinen Reis mehr im Haus haben. Ich habe ein halbes Djin Nudeln gekauft, die will ich dir kochen, und du tust hier wer weiß wie dick. Willst du deinen Neffen einladen, hungrig dabeizusitzen, oder was?“ „Dann kaufst du eben noch ein halbes Djin und tust es dazu!“ entschied Bu Schï-jën. Also befahl seine Frau, die Tochter Yin-djiä solle gegenüber bei Mutter Wang fragen, ob sie ihnen bis morgen zwanzig oder dreißig Bronzemünzen borgen könne. Aber während die Ehegatten noch miteinander sprachen, sagte Djia Yün mehrmals hintereinander: „Nur keine Umstände, bitte!“ und war im nächsten Augenblick spurlos verschwunden. Lassen wir also die Familie Bu und erzählen weiter von Djia Yün! Als er das Haus seines Onkels wütend verlassen hatte, ging er den Weg wieder zurück, den er gekommen war, und hing dabei zornigen Gedanken nach. Und während er so mit gesenktem Kopf dahinging, prallte er auf einmal unversehens mit voller Wucht gegen einen Betrunkenen. Erschrocken sprang Djia Yün beiseite und hörte den anderen fluchen: „Schänd deine Mutter! Hast du keine Augen im Kopf, daß du mich anrempeln mußt?“ Ehe Djia Yün sich aus dem Staube machen konnte, hatte der Betrunkene ihn schon gepackt, und jetzt erkannte Djia Yün, daß es niemand anders war als sein Nachbar Ni Örl. Dieser Ni Örl war ein Taugenichts, der von Wucherzinsen und vom Glücksspiel lebte und dessen ganzes Vergnügen Schlägereien und Saufgelage waren. Heute hatte er bei einem Schuldner Zinsen kassiert und kam eben betrunken zurück, als er plötzlich angerempelt wurde. Wütend fuchtelte er mit der Faust und wollte gerade zuschlagen, als der andere plötzlich rief: „Halt ein, Ni Örl, ich bin es doch!“ |
Bu Shiren sagte: „Mein Lieber, wenn der Onkel hätte, würde es sich doch von selbst verstehen. Ich sage jeden Tag zu deiner Tante, ich sorge mich nur, dass du keine Pläne hast. Wenn du dich nur ein wenig auf die Beine stellen könntest und zur Hauptfamilie gingest — selbst wenn du die jungen Herren nicht sehen kannst, dann beug dich ein wenig und mach dich bei den Verwaltern oder Vorarbeitern beliebt, dann bekommst du auch etwas zu tun. Neulich war ich vor der Stadt und traf euren Vierten aus der dritten Linie — er ritt auf einem großen Esel, hatte fünf Fuhrwerke dabei, vierzig oder fünfzig Mönche und Daoisten, und zog zum Familientempel! Wäre er nicht tüchtig gewesen, wäre ihm diese Aufgabe nie zugefallen!" Jia Yun hörte seinem endlosen Gerede zu und konnte es nicht mehr ertragen. Er erhob sich und wollte sich verabschieden. Bu Shiren sagte: „Warum so eilig? Iss doch erst zu Mittag." Kaum hatte er das gesagt, da rief seine Frau von drinnen: „Da bist du wieder ganz verwirrt! Wir haben doch gesagt, wir haben keinen Reis mehr, und haben für ein halbes Pfund Nudeln Geld ausgegeben, damit du etwas zu essen hast. Und jetzt tust du wieder dick! Soll der Neffe etwa hungern?" Bu Shiren sagte: „Dann kaufe noch ein halbes Pfund dazu." Die Frau rief dem Mädchen: „Yinjie, geh rüber zu Frau Wang auf der anderen Straßenseite und frag, ob wir zwanzig oder dreißig Münzen borgen können, morgen geben wir sie zurück." Während das Ehepaar noch redete, hatte Jia Yun bereits mehrmals „Macht euch keine Umstände!" gerufen und war spurlos verschwunden. |
| Die Stimme kam Ni Örl bekannt vor, und als er seine Säuferaugen aufriß, erkannte er Djia Yün. Rasch ließ er ihn los, torkelte zurück und sagte lächelnd: „Ach, der junge Herr Djia ist das! Verflucht will ich sein! Wohin willst du?“ „Das kann ich dir schlecht sagen“, erwiderte Djia Yün. „Für nichts und wieder nichts habe ich mir eine Abfuhr geholt.“ „Nur keine falsche Bescheidenheit!“ forderte Ni Örl ihn auf. „Sag es mir nur, wenn dir jemand ein Unrecht getan hat, und ich rechne für dich mit ihm ab! In unsern drei Straßen und sechs Gassen hier gibt es niemand, den ich, der Betrunkene Himmelswächter, nicht in Teufels Küche brächte, wenn er meinen Nachbarn beleidigt.“ „Reg dich nicht auf, ich werde dir alles erzählen!“ sagte Djia Yün und berichtete ihm, was sich bei Bu Schï-jën zugetragen hatte. Ni Örl bebte vor Zorn, als er die Geschichte gehört hatte. „Wenn er nicht dein Onkel wäre, sollte ihm das schlecht bekommen!“ erklärte er. „Es bringt mich um vor Wut! Aber laß gut sein, du mußt dich deswegen nicht grämen! Ich habe ein paar Liang Silber bei mir. Nimm sie nur, wenn du etwas brauchst! Aber nur unter einer Bedingung. Wir sind nun schon so viele Jahre Nachbarn, und ich bin überall als Geldverleiher bekannt, aber du hast mich nie deswegen angesprochen. Nun weiß ich nicht, ob du mich für einen Taugenichts hältst und mich deswegen verachtest und meinst, du würdest dir dadurch etwas vergeben, oder ob du fürchtest, mit mir sei schlecht auszukommen und ich würde zu hohe Zinsen nehmen. Wenn es wegen der Zinsen ist – ich will für dieses Geld keine Zinsen, ich will nicht einmal etwas Schriftliches darüber. Wenn du aber Angst hast, du könntest dir mit mir etwas vergeben, dann will ich dir das Silber nicht aufdrängen, dann geht eben jeder von uns seines Weges.“ Bei diesen Worten holte er wirklich ein Päckchen Silber aus dem Gürtel. Djia Yün sagte sich: ‚Dieser Ni Örl ist zwar ein Taugenichts, aber er ist doch auch hilfsbereit und weithin dafür bekannt, daß er sich furchtlos für die Gerechtigkeit einsetzt. Wenn ich jetzt seine Großzügigkeit zurückweise, wird er beleidigt sein, und wer weiß, was dann daraus wird. Besser ist, ich nehme das Silber und gebe ihm später das Doppelte wieder. Also sei‘s drum!‘ |
Von der Familie Bu sei nicht weiter die Rede. Nun erzählen wir, wie Jia Yun zornig das Haus seines Onkels verließ und den alten Weg zurückging, innerlich ganz verstimmt. Er überlegte hin und her, den Kopf gesenkt, und achtete nicht auf den Weg. Da stieß er prompt mit einem Betrunkenen zusammen, was Jia Yun einen gehörigen Schreck einjagte. Er hörte den Betrunkenen fluchen: „Zum Teufel mit deiner Mutter! Bist du blind, rempelst mich an!" Jia Yun wollte schnell ausweichen, doch der Betrunkene hatte ihn schon am Kragen gepackt. Als er genauer hinsah, war es niemand anderes als sein direkter Nachbar Ni Er. Dieser Ni Er war ein Raufbold, der mit Wucherzinsen Geld verlieh und in Spielhöllen sein Unwesen trieb. Gerade kam er betrunken von einem Schuldner zurück, bei dem er Zinsen eingetrieben hatte, und war in übler Stimmung. Als Jia Yun ihn anrempelte, holte er schon mit der Faust aus. Da rief die Person: „Zweiter, halt! Ich bin es, der dich angerempelt hat!" Ni Er hörte die vertraute Stimme, riss die trunkenen Augen auf und sah, dass es Jia Yun war. Sofort ließ er los, schwankte und lachte: „Ach, der Zweite Herr Jia! Verzeih, verzeih. Wo willst du hin?" Jia Yun sagte: „Ach, du willst es gar nicht wissen — ich habe mir eine Abfuhr geholt, ganz umsonst." Ni Er sagte: „Kein Problem, kein Problem! Was für eine Ungerechtigkeit ist dir widerfahren? Sag es mir, ich helfe dir. In diesen drei Straßen und sechs Gassen — ganz gleich wer es ist — wer meinen Nachbarn, den Betrunkenen Diamant-König Ni Er, beleidigt, den jage ich in den Ruin!" Jia Yun sagte: „Zweiter, beruhige dich erst. Lass mich dir die Sache erzählen." Dann berichtete er die ganze Geschichte mit Bu Shiren. Ni Er geriet in Rage: „Wäre er nicht dein Onkel, würde ich solche Flüche ausstoßen, die nicht wiederholbar sind! Das macht mich wahrhaftig wütend! Aber so ist es nun einmal. Du brauchst dir keine Sorgen zu machen — ich habe hier gerade ein paar Liang Silber. Was immer du brauchst, nimm es und kaufe dir, was du willst. Nur eines: All die Jahre sind wir Nachbarn, und ich bin draußen bekannt als Geldverleiher, aber du hast mich noch nie um etwas gebeten. Ich weiß nicht, ob du mich für einen Rüpel hältst und dich durch Umgang mit mir erniedrigen würdest, oder ob du meine hohen Zinsen fürchtest. Wenn du die hohen Zinsen fürchtest — dieses Silber verleihe ich dir ohne Zinsen und ohne Schuldschein. Wenn du dich aber erniedrigen würdest, wage ich es nicht, dir etwas zu leihen, und wir gehen jeder unserer Wege." Damit zog er tatsächlich ein Bündel Silber aus seiner Umhängetasche. |
| Als er diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte er lächelnd: „Ni Örl, du bist wirklich ein guter Kerl! Und natürlich hatte ich schon an dich gedacht und wollte mich an dich wenden. Aber ich habe gesehen, daß deine Freunde nur mutige und tüchtige Menschen sind und solche unfähigen Gestalten wie ich gar keine Beachtung bei dir finden. Bestimmt hättest du mir nichts borgen wollen, wenn ich mich an dich gewandt hätte. Wenn mir jetzt deine Großmut zuteil wird, sage ich natürlich nicht nein, und sobald ich zu Hause bin, schreibe ich dir einen Schuldschein, wie es sich gehört, und bringe ihn zu dir.“ Lachend erwiderte Ni Örl: „Du hast eine flinke Zunge, aber ich nehme dir das nicht ab. Wenn jemand mein Freund ist, kann ich ihm nicht Geld auf Zinsen leihen, und bei wem es mir um die Zinsen geht, der ist nicht mein Freund. Aber wir haben genug geschwatzt. Wenn du einverstanden bist, gebe ich dir hier etwas über fünfzehn Liang und drei Tjiän, und du kaufst dir dafür, was du brauchst. Aber wenn du darauf bestehst, mir einen Schuldschein zu schreiben, gib es nur gleich wieder her, und ich verborge es an jemand anders, bei dem etwas zu holen ist.“ Lächelnd nahm Djia Yün das Silber entgegen und sagte: „Also schreibe ich nichts! Das ist doch kein Grund, sich aufzuregen!“ „So ist es recht!“ erwiderte Ni Örl lächelnd. „Jetzt ist es schon dunkel, da will ich dich nicht noch zu Tee oder Wein einladen. Ich habe auch noch etwas zu erledigen, also geh du nur nach Hause und tu mir nur den Gefallen, meinen Leuten Bescheid zu sagen, sie sollen rechtzeitig das Tor schließen und schlafen gehen. Wenn etwas ist, kann mich die Tochter morgen früh beim Pferdehändler Wang Kurzbein finden.“ Damit ging er schwankenden Schrittes davon, und mehr soll hier nicht von ihm die Rede sein. Verwundert über dieses unverhoffte Erlebnis, sagte sich Djia Yün: „Dieser Ni Örl ist gar nicht so übel, aber vielleicht ist er nur so großzügig, wenn er betrunken ist, und verlangt morgen die doppelte Summe von mir? Was mache ich dann?“ Während er unschlüssig darüber nachgrübelte, fiel ihm plötzlich ein: „Wenn die Sache klappt und ich bekomme den Auftrag, kann ich ihm auch die doppelte Summe zahlen!“ |
Jia Yun überlegte bei sich: „Obwohl Ni Er ein Raufbold ist, handelt er doch nach der Person — er hat durchaus einen Ruf als großherziger Gerechtigkeitskämpfer. Wenn ich heute seine Gunst nicht annehme und ihn vor den Kopf stoße, könnte er womöglich Ärger machen. Besser, ich nehme sein Geld und zahle es ihm später doppelt zurück." So gefasst, lachte er: „Zweiter, du bist wahrhaftig ein Ehrenmann. Wie hätte ich nicht an dich denken sollen! Nur sah ich, dass du mit lauter mutigen und tatkräftigen Leuten verkehrst — solche Nichtsnutze wie mich beachtest du gar nicht. Hätte ich dich angesprochen, du hättest mir doch nichts geliehen. Heute, da du mir so großzügig entgegenkommst — wie könnte ich ablehnen? Morgen gehe ich nach Hause und schreibe einen ordentlichen Schuldschein." Ni Er lachte laut: „Was für ein Redner! Was du da sagst, mag ich gar nicht hören. Wenn man ›Freundschaft pflegen‹ sagt, wie kann man dann Geld verleihen und Zinsen nehmen? Wenn man Geld verleiht und Zinsen kassiert, ist es keine Freundschaft mehr. Genug der Reden! Wenn du mich wirklich mit einem freundlichen Auge ansiehst — hier sind fünfzehn Liang und drei Qian mit ein paar Fen Silber obendrauf. Nimm es und kaufe, was du brauchst. Wenn du einen Schuldschein schreiben willst, dann gib mir lieber gleich das Silber zurück, damit ich es anderen verleihe, die zahlungsfähig sind." Jia Yun hörte das, nahm das Silber an und lachte: „Dann schreibe ich eben keinen — was die Eile!" Ni Er lachte: „So ist es recht. Es wird dunkel, ich biete dir weder Tee noch Wein an — ich muss noch drüben etwas erledigen. Geh bitte nach Hause. Aber tu mir einen Gefallen und richte meiner Familie aus, sie sollen früh die Tür abschließen und schlafen gehen; ich komme heute Nacht nicht nach Hause. Falls es etwas Dringendes gibt, soll meine Tochter mich morgen früh bei dem Pferdehändler Wang Kurzbein suchen." Damit schwankte er taumelnd davon. Davon sei nicht weiter die Rede. |
| Nun begab er sich geradewegs in eine Wechselstube, um das Silber abwiegen zu lassen, und es waren fünfzehn Liang, drei Tjiän, vier Fën und zwei Li. Ni Örl hatte ihn also nicht belogen, und das gab Djia Yün erst recht Grund zur Freude. Er packte das Silber wieder ein, und als er nach Hause kam, richtete er zuerst nebenan bei Ni Örls Frau dessen Botschaft aus. Als er dann in sein eigenes Haus trat, fand er seine Mutter auf dem Ofenbett, wo sie damit beschäftigt war, Garn zu drehen. „Wo warst du den ganzen Tag?“ fragte sie, als er hereinkam. Weil Djia Yün befürchtete, die Mutter könnte sich aufregen, wenn sie davon erfuhr, erzählte er nicht, was ihm bei Bu Schï-jën widerfahren war, und sagte nur, er habe so lange im Westanwesen auf Djia Liän gewartet. Dann erkundigte er sich, ob die Mutter schon gegessen habe. Ja, sagte sie, und sie habe auch etwas für ihn aufgehoben. Das kleine Sklavenmädchen brachte ihm das Essen, und da schon die Lampen brannten, machte sich Djia Yün gleich danach zum Schlafengehen zurecht und legte sich hin. Über die Nacht aber ist nichts zu berichten. Am nächsten Tag stand Djia Yün in aller Frühe auf, und nachdem er sich das Gesicht gewaschen hatte, begab er sich zu einer großen Spezereihandlung vor dem Südtor und kaufte dort Kampfer und Moschus. Dann begab er sich ins Jung-guo-Anwesen, und ging, als er erfahren hatte, Djia Liän sei wirklich außer Haus, bis zum Tor von Djia Liäns Wohngehöft hinein, wo ein paar kleine Sklavenjungen mit großen Bambusbesen den Hof fegten. Plötzlich kam Dschou Juees Frau aus dem Haus und befahl ihnen, für ein Weilchen damit aufzuhören, weil jetzt die junge Herrin herauskomme. |
Nun sei erzählt, dass Jia Yun über diesen Zufall höchst erstaunt war und fand, dass Ni Er tatsächlich ein wahrer Kerl sei. Nur fürchtete er, der Betrunkene könnte in seiner momentanen Großzügigkeit morgen das Doppelte fordern — was dann? Er war unschlüssig. Da dachte er: „Macht nichts. Wenn die Sache klappt, kann ich es ihm doppelt zurückzahlen." Damit ging er geradewegs zu einem Geldwechsler und ließ das Silber wiegen: fünfzehn Liang, drei Qian, vier Fen und zwei Li. Jia Yun sah, dass Ni Er nicht gelogen hatte, und freute sich noch mehr. Er steckte das Silber ein und ging nach Hause. Zuerst schaute er beim Nachbarn vorbei und gab Ni Ers Frau die Nachricht weiter, dann ging er heim. Seine Mutter saß auf dem Kang und drehte Fäden. Als sie ihn hereinkommen sah, fragte sie, wo er den ganzen Tag gewesen sei. Jia Yun wollte seine Mutter nicht verärgern und erwähnte Bu Shiren mit keinem Wort, sondern sagte nur, er habe in der Westresidenz auf den Zweiten Onkel Lian gewartet. Dann fragte er, ob seine Mutter schon gegessen habe. Die Mutter hatte schon gegessen und sagte, sein Essen stehe dort bereit. Ein kleines Dienstmädchen brachte es ihm. |
| Rasch trat Djia Yün an Dschou Juees Frau heran und fragte lächelnd: „Wohin geht denn meine Tante?“ „Die alte gnädige Frau hat sie rufen lassen“, sagte Dschou Juees Frau. „Sie soll wohl Stoff zuschneiden.“ |
Es war bereits Lampenzündzeit. Jia Yun aß, machte sich fertig und legte sich schlafen. Eine Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse. Am nächsten Morgen stand er zeitig auf, wusch sich und ging aus dem Südtor zum großen Gewürzhändler, wo er Kampfer und Moschus kaufte. Dann machte er sich auf den Weg zur Rong-Guo-Residenz. Er erfuhr, dass Jadeschale Kaufmann bereits ausgegangen war, und so ging Jia Yun nach hinten. |
| Als sie das eben sagte, trat Hsi-fëng, von einem ganzen Schwarm Begleiterinnen umringt, aus dem Haus. Djia Yün wußte genau, daß Hsi-fëng es mochte, wenn man im Umgang mit ihr alle Formen des Anstands wahrte, darum legte er rasch die Hände zusammen, trat respektvoll näher und wünschte ihr Gesundheit. Hsi-fëng aber sah ihn kaum an und fragte nur im Weitergehen: „Wie geht es deiner Mutter? Warum kommt sie uns nie besuchen?“ „Sie fühlt sich nicht recht wohl“, erwiderte Djia Yün. „Sie denkt immer an Euch, Tante, und möchte Euch gern sehen, aber sie ist leider nicht imstande herzukommen.“ „Du kannst aber lügen!“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Wenn ich nicht nach ihr gefragt hätte, wärst du doch nicht darauf gekommen zu sagen, sie denke an mich.“ „Glaubt Ihr, ich hätte keine Angst, daß mich der Donner erschlägt, wenn ich Ältere anlüge?“ sagte Djia Yün, ebenfalls lächelnd. „Noch gestern Abend hat Mutter gesagt, so zart, wie Ihr seid, müßtet Ihr eine Menge Energie haben, um hier alles so umsichtig zu leiten, und wenn es Euch auch nur ein bißchen daran mangeln würde, müßtet Ihr wer weiß wie erschöpft sein.“ Als Hsi-fëng das hörte, strahlte sie über das ganze Gesicht und blieb unwillkürlich stehen. „Was hattet ihr denn hinter meinem Rücken über mich zu schwatzen?“ fragte sie. „Das hatte seinen Grund“, erwiderte Djia Yün. „Ein Freund von mir, der einiges Geld besitzt, hatte bisher eine Spezereihandlung, aber dann hat er sich den Posten eines Präfekturassistenten gekauft und neulich irgendwo in Yün-nan eine Anstellung bekommen. Nun fährt er mit der ganzen Familie dorthin und hat deshalb seinen Laden aufgegeben. Er machte eine Bestandsaufnahme und gab den Leuten, was er ihnen schuldig war. Anderes hat er billig verkauft, aber die besseren Waren hat er an Verwandte und Freunde verschenkt. |
Am Tor von Jadeschale Kaufmanns Hof sah er einige Diener, die mit großen Besen den Hof fegten. Da kam die Frau des Zhou Rui aus der Tür und rief den Dienern zu: „Hört auf zu fegen, die Gnädige Frau kommt heraus!" Jia Yun trat eilig vor und fragte lächelnd: „Wohin geht die Zweite Tante?" Die Frau des Zhou Rui sagte: „Die Alte Großmutter hat rufen lassen. Vermutlich soll ein Stoff zugeschnitten werden." Gerade als sie sprach, kam eine ganze Schar von Dienerinnen heraus, die Phönixglanz begleiteten. Jia Yun kannte Phönixglanz gut genug, um zu wissen, dass sie Schmeichelei liebte und großen Aufwand schätzte. Eilig verschränkte er die Hände, verneigte sich tief und eilte vor, um seine Aufwartung zu machen. Phönixglanz würdigte ihn keines geraden Blickes, ging weiter und fragte nur: „Geht es deiner Mutter gut? Warum kommt sie nicht einmal zu uns herüber?" Jia Yun sagte: „Sie ist nicht ganz gesund, denkt aber immer an die Tante und möchte sie besuchen, nur kann sie nicht kommen." Phönixglanz lachte: „Da ist er wieder, der Schmeichler! Wenn ich nicht von ihr angefangen hätte, hättest du gar nicht erwähnt, dass sie an mich denkt." Jia Yun lachte: „Der Neffe fürchtet den Blitzschlag! Würde ich es wagen, vor Älteren zu lügen? Erst gestern Abend sprach meine Mutter von der Tante und sagte, die Tante sei von zarter Konstitution und habe doch so viel zu tun — wie bewundernswert, dass sie alles so vollkommen erledige. Wäre eine andere nur ein wenig schwächer, sie wäre längst erschöpft zusammengebrochen." |
| Ich habe dabei etwas Kampfer und Moschus bekommen und habe nun mit meiner Mutter beratschlagt, was wir damit machen sollen. Wenn wir es verkauften, würden wir nicht den vollen Preis dafür bekommen.Wer hätte schon das Silber, um so viel zu kaufen, und was soll er auch damit? Selbst den großen, begüterten Familien fällt es schwer genug, die wenigen Fën oder Tjiän zu kaufen, die sie davon brauchen. Wenn wir es aber verschenken wollten, haben wir niemand, der selbst Verwendung dafür hätte. Jeder würde es für ein Spottgeld verkaufen. Und dann seid Ihr mir eingefallen, Tante. Früher habe ich selbst gesehen, wie Ihr dicke Silberpakete für so etwas ausgegeben habt. Ganz zu schweigen von der kaiserlichen Nebenfrau im Palast, werdet Ihr allein zum Drachenbootfest zehnmal so viel Duftstoffe brauchen wie sonst. So haben wir hin und her überlegt, und schließlich sagten wir uns, daß es das beste sei, diese Sachen Euch zum Geschenk zu machen, denn nur so sind sie nicht sinnlos verschwendet.“ Und mit diesen Worten hielt er ihr ein brokatbezogenes Kästchen hin. Hsi-fëng hatte gerade die Gaben zum Drachenbootfest zu beschaffen und brauchte deshalb auch Duft- und Arzneistoffe. Darum war sie froh und zufrieden, als Djia Yün so plötzlich auftauchte und ihr seine Geschichte erzählte. „Nimm ihm das ab“, befahl sie Fëng-örl, „und bring es ins Haus zu Ping-örl!“ Dann wandte sie sich wieder zu Djia Yün und sagte: „So verständig, wie du bist, ist es kein Wunder, daß dein Onkel oft von dir spricht und sagt, du wüßtest dich klar auszudrücken und hättest einen wachen Verstand.“ Als Djia Yün merkte, daß er mit seinen Worten gut angekommen war, trat er einen Schritt näher und vergewisserte sich: „Der Onkel hat also von mir gesprochen?“ |
Phönixglanz hörte das, und ihr Gesicht strahlte. Unwillkürlich blieb sie stehen und fragte: „Wieso redet ihr Mutter und Sohn hinter meinem Rücken über mich?" Jia Yun sagte: „Es gibt einen Grund dafür. Ich habe einen Freund, dessen Familie etwas Geld hat und einen Gewürzladen betreibt. Da er sich einen Posten als Bezirksrichter erkauft hat, wurde er neulich irgendwohin nach Yunnan versetzt. Mitsamt seiner Familie zog er fort und gab den Laden hier auf. So hat er seine Waren zusammengerechnet, die Schulden bezahlt, die billigen Sachen billig verschleudert, und die feinen, teuren Waren als Geschenke an Verwandte und Freunde verteilt. Mir schenkte er einiges an Kampfer und Moschus. Nun überlegte ich mit meiner Mutter: Wenn man es weiterverkauft, bekommt man nicht den Originalpreis — und wer hätte schon so viel Silber, um diese Dinge zu kaufen? Selbst reiche Familien verwenden höchstens ein paar Fen oder Qian davon, da würden sie vor den Kosten zurückschrecken. Wollte man es verschenken — es gäbe niemanden, der es verdient hätte. Es wäre dann keinen Heller wert und müsste unter Wert verschleudert werden. Da dachte ich an die Tante. In früheren Jahren sah ich die Tante noch große Beutel Silber ausgeben, um solche Dinge zu kaufen. Ganz zu schweigen davon, dass dieses Jahr die Kaiserliche Gemahlin im Palast ist — allein schon zum Drachenbootfest braucht man gewiss zehnmal mehr von solchen Duftessenzen als sonst. So kam ich nach langem Nachdenken darauf, dass einzig die Tante es verdient, sie zu empfangen — nur so würde man diese Kostbarkeiten nicht verschleudern." Während er sprach, hob er eine Brokatschatulle hoch. |
| Schon wollte Hsi-fëng ihm sagen, daß er einen Auftrag bekommen sollte, aber dann beherrschte sie sich, weil sie dachte: „Wenn ich es ihm jetzt sage, glaubt er womöglich, ich sei so dumm, ihm den Auftrag zu verschaffen, bloß weil er mir diese Kleinigkeit von Duftstoffen geschenkt hat. Besser, ich sage noch nichts davon!“ Also erwähnte sie mit keinem Wort, daß er beim Anpflanzen der Bäume und Blumen die Aufsicht führen sollte, sprach nur noch ein paar belanglose Sätze mit ihm und ging dann zur Herzoginmutter. Auch Djia Yün konnte schlecht von sich aus danach fragen, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als wieder zu gehen. Da Bau-yü ihn am Tag zuvor aufgefordert hatte, in seiner Bibliothek auf ihn zu warten, kam Djia Yün nach dem Essen noch einmal ins Jung-guo-Anwesen zurück und ging zur Studierstube der Seidenwolken außerhalb des Innentors zum Wohngehöft der Herzoginmutter. Hier fand er die beiden Sklavenjungen Bee-ming und Tschu-yau beim Hsiang-tji-Schach, als sie sich eben eines Steins wegen stritten, während Yin-tjüan, Sau-hua, Tiau-yün und Bau-hë auf dem Dach hockten und ein Nest mit jungen Sperlingen ausnahmen. Als Djia Yün in den Hof trat, stampfte er mit dem Fuß auf und sagte: „Seht ihr nicht, daß Besuch da ist, ihr ungezogenen Affen?“ Worauf die Knaben vom Dach verschwanden. Djia Yün trat ins Haus, nahm auf einem Stuhl Platz und fragte: „Ist der junge Herr Bau-yü noch nicht hier gewesen?“ |
Phönixglanz hatte gerade die Festgeschenke für das Drachenbootfest vorzubereiten und Gewürze und Arzneien einzukaufen. Als Jia Yun so mit seiner Gabe erschien und diese wohlgesetzte Rede hielt, war sie im Herzen gleichermaßen geschmeichelt und erfreut. Sie befahl Feng'er: „Nimm das Geschenk des Yun-Neffen entgegen und bring es nach Hause, gib es Friedchen[6]." Dann sagte sie weiter: „Man sieht, dass du ein dankbarer Mensch bist. Kein Wunder, dass dein Onkel immer von dir spricht und sagt, du redest verständig und hast Einsicht." Jia Yun hörte, dass er im Hafen war, und wagte einen Schritt weiter, indem er absichtlich fragte: „Hat der Onkel denn wirklich einmal von mir gesprochen?" Phönixglanz wollte gerade antworten und ihm von der geplanten Aufgabe erzählen, doch hielt sie rasch inne und dachte bei sich: „Wenn ich ihm das jetzt sage, sieht es so aus, als könnte ich keinen Geschenken widerstehen und würde ihm für diese kleine Aufmerksamkeit sofort eine Stelle verschaffen. Nein, heute erwähne ich das lieber nicht." So vertuschte sie die Sache mit der Blumenpflanzung vollständig, sprach ein paar belanglose Worte und ging dann zu Herzoginmutter hinüber. Jia Yun wagte auch nicht, die Sache anzusprechen, und ging zurück. |
| „Er war heute überhaupt noch nicht hier“, erwiderte Bee-ming, „aber ich werde auskundschaften, was er Euch sagen läßt!“ Und damit ging er hinaus. Djia Yün sah sich Bilder, Kalligraphien und Antiquitäten an, doch dann war schon so viel Zeit vergangen, wie man sie braucht, um eine Schale Reis zu essen, ohne daß Bee-ming wiedergekommen war. Die anderen Sklavenjungen aber waren alle verschwunden, um irgendwo anders zu spielen. Djia Yün wurde schon ungeduldig, da ertönte draußen plötzlich eine zarte Stimme und rief: „Bruder!“ |
Da er sich erinnerte, dass Schatzjade ihm gestern gesagt hatte, er solle in der äußeren Bibliothek auf ihn warten, ging Jia Yun nach dem Essen erneut hinein und zum Qixian-Studio bei Herzoginmutters Hoftor. Dort sah er die kleinen Diener Beiming und Chuyao beim Schachspielen — sie stritten gerade um einen „Wagen" und zankten sich. Weitere vier oder fünf Diener, Yinquan, Saohua, Tiaoyun und Banhe, kletterten auf den Dachvorsprüngen herum und fingen kleine Sperlinge zum Spielen. |
| Djia Yün schaute hinaus und erblickte ein Sklavenmädchen von sechzehn, siebzehn Jahren, das schlank und sauber aussah. Als sie ihn sah, verbarg sie sich rasch, aber da kam gerade Bee-ming zurück, und als er das Mädchen vor der Tür fand, sagte er: „Das trifft sich gut! Eben konnte ich niemand finden, der eine Bestellung ausrichtet.“ Als Djia Yün bemerkte, daß Bee-ming zurück war, kam er vor die Tür und fragte: „Nun, was ist?“ „Ich habe die ganze Zeit gewartet, und es ist niemand gekommen. Aber hier ist jemand aus den Räumen des jungen Herrn“, sagte Bee-ming. Dann wandte er sich an das Mädchen und fuhr fort: „Sei so gut und richte drinnen aus, der zweite junge Herr aus dem Westanbau sei hier!“ |
Jia Yun betrat den Hof, stampfte mit dem Fuß auf und rief: „Ihr Affenbande! Schluss mit dem Unfug, ich bin da!" Die Diener sahen Jia Yun und stoben auseinander. Jia Yun betrat das Zimmer, setzte sich auf einen Stuhl und fragte: „Ist der Zweite Herr noch nicht heruntergekommen?" Beiming sagte: „Heute ist er den ganzen Tag nicht heruntergekommen. Sagen Sie mir, was es ist, und ich spioniere für Sie." Damit ging er hinaus. Hier betrachtete Jia Yun nun die Kalligrafien, Gemälde und Antiquitäten. Es verging eine gute Mahlzeit lang, und noch immer kam Beiming nicht zurück. Als er nach den anderen Dienern sah, waren auch die alle zum Spielen davongelaufen. Gerade als Jia Yun sich langweilte, hörte er vor der Tür eine zarte, jugendliche Stimme „Bruder" rufen. |
| Jetzt wußte das Mädchen, daß der Besucher zur Familie gehörte, darum war sie nicht mehr ganz so zurückhaltend und sah ihn ein paarmal unverwandt an. „Was soll der Anbau? Sag ihm einfach, sein Neffe Yün sei hier!“ hörte sie Djia Yün sagen, und nach einer Pause erwiderte sie kühl: „Meiner Meinung nach solltet Ihr nach Hause gehen und morgen wiederkommen, wenn Ihr etwas besprechen wollt. Heute abend werde ich es ausrichten, wenn sich eine Gelegenheit bietet.“ „Wie meinst du das?“ fragte Bee-ming. „Unser junger Herr hat keinen Mittagsschlaf gehalten und wird bestimmt früh zu Abend essen und dann nicht mehr hierher kommen“, sagte das Mädchen. „Soll der junge Herr vielleicht zum Spaß hier sitzen und hungern? Da ist es doch besser, er geht jetzt und kommt morgen wieder. Es hat nicht einmal Sinn, jemand zu bitten, er solle Bescheid sagen, denn auf wen ist schon Verlaß? Versprechen wird er es sicher, aber halten nicht unbedingt.“ Djia Yün fand den Gedanken vernünftig, aber auch schön gesagt und wollte das Mädchen schon nach ihrem Namen fragen, aber dann schien ihm das unangebracht, weil sie zu Bau-yüs Bedienung gehörte, und so sagte er einfach: „Das ist richtig, ich komme morgen wieder!“ Und damit ging er hinaus. „Ich werde Euch Tee eingießen!“ bot Bee-ming an. „Trinkt erst einmal, ehe Ihr geht!“ Aber Djia Yün wandte nur den Kopf und sagte: „Nicht nötig, ich habe noch etwas zu erledigen!“ Dabei ruhten seine Augen auf dem Sklavenmädchen, das noch immer da stand. Dann ging er geradewegs nach Hause. |
Jia Yun blickte hinaus und sah ein Mädchen von sechzehn oder siebzehn Jahren, recht fein und hübsch. Als das Mädchen Jia Yun erblickte, wich sie zur Seite aus. Da kam gerade Beiming zurück, sah das Mädchen vor der Tür stehen und sagte: „Gut, gut, endlich finde ich jemanden zum Nachrichtenbringen." Jia Yun kam auch heraus und fragte, was los sei. Beiming sagte: „Den ganzen Tag gewartet und keine Menschenseele kam vorbei. Das hier ist ein Mädchen aus dem Zimmer des Zweiten Herrn. Gutes Fräulein, geh hinein und richte aus, dass der Zweite Herr vom Gang da ist." Das Mädchen hörte das und wusste nun, dass es ein Neffe aus der eigenen Familie war. Nicht mehr so scheu wie zuvor, musterte sie Jia Yun eingehend mit starrem Blick. Dann hörte sie Jia Yun sagen: „Was heißt hier ›vom Gang‹? Sag einfach, Yun ist da." Nach einer langen Weile lächelte das Mädchen kalt: „Meiner Meinung nach sollte der Zweite Herr lieber nach Hause gehen und morgen wiederkommen, was es auch zu sagen gibt. Heute Abend findet sich sicher keine Gelegenheit mehr. Und selbst wenn ich es ausrichte — die meisten hier sind unzuverlässig. Der Herr sagt zwar ja, aber dann vergisst er es doch!" Jia Yun hörte dem Mädchen zu, das so klug und anmutig sprach. Er hätte gerne nach ihrem Namen gefragt, doch da sie zu Schatzjades Haushalt gehörte, wagte er es nicht. So sagte er nur: „Du hast recht. Ich komme morgen wieder." Damit ging er hinaus. Beiming sagte: „Ich hole Tee, der Zweite Herr trinkt noch eine Tasse, bevor er geht." Jia Yun ging bereits, drehte sich aber im Gehen um und sagte: „Kein Tee nötig, ich habe noch zu tun." Während er sprach, blickte er zurück — das Mädchen stand immer noch dort. |
| Als er am nächsten Tag wiederkam, traf er am Außentor auf Hsi-fëng, die eben ins Ning-guo-Anwesen fahren wollte, um ihren Gruß zu entbieten. Sie saß schon im Wagen, als sie Djia Yün kommen sah, und befahl, man solle ihn zu ihr rufen. Dann sagte sie lächelnd durchs Wagenfenster zu ihm: „Du hast also doch die Stirn gehabt, mir etwas vorzumachen! Kein Wunder, daß du mir Geschenke machst, wenn du etwas von mir willst! Gestern hat mir dein Onkel erzählt, du hättest dich schon an ihn gewandt.“ „Erinnert mich nur nicht daran, Tante!“ sagte Djia Yün lächelnd. „Ich habe es wirklich bereut. Hätte ich vorher gewußt, wie das ausgeht, hätte ich mich gleich zu Anfang an Euch gewandt, und die Sache wäre längst erledigt. Wie konnte ich ahnen, daß der Onkel nichts zuwege bringt!“ „Da bist du also erst zu mir gekommen, als du bei ihm nichts erreichtest?“ fragte Hsi-fëng lächelnd. „Ihr dürft meine kindliche Ehrerbiertung nicht falsch verstehen, Tante!“ sagte Djia Yün. „Das habe ich durchaus nicht gewollt. Wenn das meine Absicht gewesen wäre, hätte ich Euch doch gestern darum gebeten. Aber nachdem Ihr es einmal wißt, muß ich den Onkel aus dem Spiel lassen und statt dessen Euch bitten, mir ein wenig Liebe zu erweisen!“ „Wenn du so einen Umweg machst, wird es mir auch nicht leicht“, sagte Hsi-fëng mit kühlem Lächeln. „Hättest du mir nur früher einen Ton davon gesagt, dann könnte schon alles erledigt sein. Was ist das schon für eine großartige Sache, daß sie bis heute hinausgezögert werden mußte? Im Garten sind noch Bäume und Blumen zu pflanzen, und mir war niemand eingefallen, den man damit beauftragen konnte. Wärst du nur früher gekommen, hätte alles längst perfekt sein können.“ „Dann setzt mich doch morgen dafür ein, Tante!“ bat Djia Yün lächelnd. Hsi-fëng ließ ihn eine Weile warten, ehe sie sagte: „Das erscheint mir nicht so sehr gut. Warte, bis nächstes Jahr im ersten Monat der große Auftrag für Feuerwerk und Kerzen kommt, und laß dich dafür einsetzen!“ „Beste Tante, setzt mich doch erst für den Gartenauftrag ein, und wenn ich es gut mache, gebt Ihr mir später den anderen Auftrag auch“, bat Djia Yün weiter. „Na, du verstehst es ja wirklich, auf lange Sicht Vorsorge zu treffen“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Aber genug jetzt! Wenn nicht dein Onkel darum gebeten hätte, würde ich nichts für dich tun. Nach dem Essen bin ich zurück. Also komm am Nachmittag wieder und nimm das Silber in Empfang! Übermorgen fängst du im Garten zu pflanzen an!“ Damit befahl sie abzufahren. |
Jia Yun ging geradewegs nach Hause. Am nächsten Tag kam er zum großen Tor und traf zufällig auf Phönixglanz, die gerade drüben ihre Aufwartung machen wollte und soeben in den Wagen gestiegen war. Als sie Jia Yun kommen sah, ließ sie ihn rufen und lachte durch das Wagenfenster: „Yun, du hast aber Mut, vor mir Mätzchen zu treiben. Du sagst, du schickst mir Geschenke, dabei hast du etwas von mir zu erbitten. Gestern hat dein Onkel mir erzählt, dass du ihn darum gebeten hast." Jia Yun lachte: „Was den Onkel betrifft, erwähne die Tante das lieber nicht. Gestern habe ich es schon bereut. Hätte ich das von Anfang an gewusst, hätte ich gleich die Tante gebeten — dann wäre alles schon erledigt. Wer hätte gedacht, dass der Onkel es nicht regeln kann!" Phönixglanz lachte: „Kein Wunder, dass du dort keinen Erfolg hattest. Gestern kamst du dann wieder zu mir." Jia Yun sagte: „Die Tante tut meiner Aufrichtigkeit Unrecht. Das war gar nicht meine Absicht. Wenn es so gewesen wäre, hätte ich doch schon gestern die Tante darum gebeten. Jetzt, da die Tante es weiß, komme ich nicht umhin, den Onkel beiseite zu lassen und die Tante zu bitten, mir ein wenig entgegenzukommen." Phönixglanz lachte kalt: „Ihr müsst immer den Umweg nehmen! Hättet ihr mir früher ein Wort gesagt, was wäre da nicht möglich gewesen! Was für eine große Sache — und bis jetzt aufgeschoben! Im Garten müssen noch Blumen gepflanzt werden, und ich konnte einfach niemanden finden — wärst du früher gekommen, wäre es längst erledigt!" Jia Yun lachte: „Wenn es so ist — dann beauftragt mich die Tante doch morgen." Phönixglanz schwieg eine Weile und sagte: „Das ist wohl nicht so gut. Warte lieber bis zum nächsten Neujahr, wenn das große Feuerwerksprojekt ansteht — dann beauftrage ich dich." Jia Yun sagte: „Gute Tante, beauftragt mich erst mit diesem hier. Wenn ich das gut erledige, bekomme ich dann auch noch jenes dazu." Phönixglanz lachte: „Du verstehst es, eine lange Angel auszuwerfen! Nun gut, wenn dein Onkel es nicht erwähnt hätte, kümmerte ich mich nicht darum. Ich komme gleich nach dem Essen zurück. Gegen Mittag holst du dir das Silber ab." Damit ließ sie den Duft-Wagen anspannen und fuhr davon. |
| Vor Freude ganz außer sich, ging Djia Yün zur Studierstube der Seidenwolken und fragte nach Bau-yü, aber dieser war schon seit dem Morgen beim Prinzen Bee-djing. Also saß Djia Yün bis zum Mittag müßig herum, und als er erfuhr, Hsi-fëng sei zurückgekehrt, schrieb er eine Empfangsbescheinigung und wollte sich die Hausmarke geben lassen. Vom Hoftor aus schickte er jemanden hinein, um Bescheid sagen zu lassen, und daraufhin kam Tsai-ming heraus, verlangte die Empfangsbescheinigung und verschwand damit im Haus, wo sie die Summe und das Datum eintragen ließ. Dann brachte sie Djia Yün den Schein mit der Hausmarke zusammen wieder. Djia Yün sah, daß als Betrag zweihundert Liang Silber eingetragen waren, und seine Freude kannte keine Grenze. Er machte kehrt und ging zur Silberkammer, wo er die Empfangsbescheinigung und die Hausmarke dem Verantwortlichen übergab und das Silber ausgehändigt bekam. Dann kehrte er nach Hause zurück und sagte seiner Mutter Bescheid, die sich genauso darüber freute wie er selbst. Am nächsten Morgen ging Djia Yün noch in der fünften Nachtwache zu Ni Örl, um ihm das geliehene Silber zurückzuerstatten. Und weil Ni Örl sah, daß Djia Yün jetzt genügend Silber hatte, nahm er es ohne weiteres an. Mit fünfzig Liang Silber begab sich Djia Yün dann zum Haus des Gärtners Fang Tschun vor dem Westtor, um Bäume zu kaufen. Mehr soll davon einstweilen nicht die Rede sein. |
Jia Yun konnte seine Freude kaum verbergen und ging ins Qixian-Studio, um nach Schatzjade zu fragen. Doch Schatzjade war schon früh morgens zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen. Jia Yun saß dumpf bis zum Mittag da und wartete. Als er hörte, dass Phönixglanz zurück war, schrieb er eine Quittung und holte sich die Anweisung. Im Hof draußen ließ er durch einen Diener Bescheid geben, worauf Caiming herauskam und nur die Quittung verlangte. Er ging hinein, auf ihr waren die Silbersumme und das Datum vermerkt, und zusammen mit der Anweisung wurde sie Jia Yun ausgehändigt. Jia Yun sah, dass die Summe zweihundert Liang betrug, und konnte seine Freude nicht verbergen. Er eilte zum Silberspeicher, überreichte die Quittung dem Kassenführer und empfing das Silber. Zu Hause erzählte er es seiner Mutter — Mutter und Sohn waren gleichermaßen beglückt. Am nächsten Morgen, noch vor dem fünften Trommelschlag, suchte Jia Yun zuerst Ni Er auf und gab ihm das Silber pünktlich zurück. Ni Er sah, dass Jia Yun Silber hatte, nahm die Summe vollständig entgegen; davon sei nicht weiter die Rede. Hier nahm Jia Yun fünfzig weitere Liang und ging zum Westtor, um beim Blumengärtner Fang Chun Bäume zu kaufen. Davon sei ebenfalls nicht weiter die Rede. |
| Als Bau-yü vor zwei Tagen Djia Yün traf und ihn einlud, am nächsten Tag zu ihm zu kommen, war das nur so dahingesagt, wie es bei reichen Herrensöhnen die Art ist, und er hatte nicht weiter daran gedacht. Als er jetzt am Abend vom Prinzen Bee-djing zurückkam und sich bei der Herzoginmutter und Dame Wang gemeldet hatte, ging er in den Garten, zog sich um und wollte sich baden. Nun war Hsi-jën von Bau-tschai gebeten worden, ihr beim Knüpfen von Zierknoten zu helfen. Tjiu-wën und Bi-hën waren wegen des Wassers unterwegs. Tan-yün war nach Hause geholt worden, weil ihre Mutter Geburtstag hatte. Schë-yüä schließlich lag krank zu Hause. Die anderen Sklavenmädchen aber, die die gröberen Arbeiten und Handreichungen verrichteten, hatten gemeint, man werde sie nicht brauchen, und waren alle fortgegangen, um sich Gesellschaft zu suchen und Vergnügungen nachzugehen. So war Bau-yü allein im Zimmer, und als er Tee trinken wollte, kamen nach mehrmaligem Rufen nur ein paar alte Ammen herein. |
Nun sei von Schatzjade erzählt: Nachdem er an jenem Tag Jia Yun getroffen und gesagt hatte, er solle am nächsten Tag zu ihm kommen, hatte er als verwöhnter junger Herr dies sogleich wieder vergessen. An jenem Abend kehrte er spät von der Residenz des Nordfriedenskönigs zurück, besuchte Herzoginmutter und Frau Wang und ging dann in den Garten zurück, wo er sich umzog und baden wollte. Dufthauch war von Schatzspange[7] gebeten worden, Knoten zu knüpfen. Qiuwen und Bihen waren losgegangen, um heißes Wasser zu holen. Tanyun war von ihrer Mutter zum Geburtstag nach Hause geholt worden. Moschusmond lag gerade krank zu Hause. Obwohl noch einige grobe Dienstmädchen da waren, rechneten sie damit, nicht gebraucht zu werden, und waren alle ausgegangen, um Freundinnen zu suchen. So blieb Schatzjade ganz allein im Zimmer zurück. Als er Tee wollte und zwei-, dreimal rief, kamen schließlich zwei oder drei alte Ammen hereingewatschelt. Schatzjade winkte hastig ab: „Schon gut, schon gut! Ich brauche euch nicht." Die alten Frauen mussten sich zurückziehen. |
| Als Bau-yü sie sah, winkte er rasch ab und sagte: „Nein, euch brauche ich nicht!“ Also gingen sie wieder hinaus, Bau-yü aber mußte sich selbst eine Schale nehmen und zur Teekanne gehen, um sich einzuschenken. Da hörte er plötzlich, wie hinter ihm jemand sagte: „Seid vorsichtig, junger Herr, damit Ihr Euch nicht die Hand verbrüht! Laßt lieber mich eingießen!"“Und schon trat jemand heran und nahm ihm die Teeschale aus der Hand. Erschrocken fuhr Bau-yü zurück und fragte: „Wo kommst du denn so plötzlich her? Du hast mir einen schönen Schreck eingejagt!“ Das Sklavenmädchen reichte ihm den Tee und sagte dabei: „Ich war hinten im Hof und bin durch die Hintertür des Innenraums hereingekommen. Habt Ihr denn meine Schritte nicht gehört?“ Bau-yü trank seinen Tee und musterte dabei sorgfältig das Sklavenmädchen. Ihre Kleider waren zwar abgetragen, aber sie hatte tiefschwarzes Haar, das zu einem Knoten geschlungen war, ihr Gesicht war schmal, ihr Körper schlank, und sie machte einen hübschen und reinlichen Eindruck. „Gehörst du mit in meine Räume?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Ja“, antwortete das Mädchen. „Aber warum kenne ich dich dann nicht?“ fragte er sie verwundert. Das Mädchen lachte spöttisch auf, ehe sie sagte: „Ich bin nicht die einzige, die ihr nicht kennt. Solche wie mich gibt es viele. Ich habe Euch nie Tee oder Wasser gereicht oder irgend etwas gebracht. Ich mache nichts, was Ihr zu sehen bekommt. Woher solltet Ihr mich also kennen?“ „Und warum machst du nichts, was ich sehe?“ erkundigte sich Bau-yü. „Das kann ich wohl schlecht sagen“, erwiderte das Mädchen, „aber ich habe Euch etwas auszurichten. Gestern war ein gewisser Yün da und hat Euch gesucht. Ich glaubte, Ihr hättet bestimmt keine Zeit für ihn, und habe Bee-ming beauftragt, ihm zu sagen, er solle heute früh wiederkommen. Aber da seid Ihr beim Prinzen Bee-djing gewesen.“ Gerade als sie das sagte, kamen Tjiu-wën und Bi-hën kichernd und gackernd mit einem Eimer Wasser ins Haus, wobei sie ihre Kleider mit einer Hand hochgerafft hielten, weil das Wasser durch ihren schwankenden Gang überschwappte. Rasch ging ihnen das Mädchen entgegen, um ihnen den Eimer abzunehmen. |
Da er keine Dienerinnen hatte, musste Schatzjade selbst aufstehen, eine Schale nehmen und zur Teekanne gehen. Da sagte jemand hinter ihm: „Vorsicht, Zweiter Herr, verbrennt Euch nicht die Hand! Lasst mich das machen." Noch während sie sprach, kam sie herbei und nahm ihm die Schale ab. Schatzjade erschrak: „Wo warst du? Plötzlich tauchst du auf und erschreckst mich!" Das Mädchen reichte ihm den Tee und erklärte: „Ich war im hinteren Hof und bin gerade durch die Hintertür hereingekommen. Hat der Zweite Herr denn meine Schritte nicht gehört?" Schatzjade trank seinen Tee und musterte das Mädchen genau: Sie trug einige halbneue, halbalte Kleider, hatte aber pechschwarzes, glänzendes Haar, zu einem Knoten aufgesteckt, ein längliches Gesicht, eine zierliche Figur — recht hübsch und proper. Schatzjade betrachtete sie und fragte lächelnd: „Gehörst du auch zu diesem Haushalt hier?" Das Mädchen sagte: „Ja." Schatzjade fragte: „Wenn du hier zum Haushalt gehörst, wie kommt es, dass ich dich nicht kenne?" Das Mädchen hörte das, lächelte kalt und sagte: „Es gibt viele, die der Herr nicht kennt, nicht nur mich. Ich habe nie Tee gereicht oder Wasser gebracht, nie dies geholt oder jenes getragen — nichts, was vor Augen liegt, habe ich je getan. Wie sollte der Herr mich da kennen?" Schatzjade fragte: „Warum tust du denn nicht diese sichtbaren Dinge?" Das Mädchen sagte: „Das lässt sich schwer erklären. Aber eines muss ich dem Zweiten Herrn sagen: Gestern kam ein gewisser Yun hierher, um den Zweiten Herrn zu suchen. Da ich dachte, der Zweite Herr sei beschäftigt, bat ich Beiming, ihm auszurichten, er solle heute früh wiederkommen. Doch der Zweite Herr ist dann zur Residenz des Nordfriedenskönigs aufgebrochen." |
| Eben warfen sich Tjiu-wën und Bi-hën gegenseitig vor: „Du hast mir den Rock naßgespritzt!“ – „Du hast mir auf den Schuh getreten!“ Da sahen sie plötzlich, wie jemand kam, um ihnen den Eimer abzunehmen, und entdeckten bei näherem Hinsehen, daß es Hsiau-hung war. Verblüfft stellten sie den Eimer ab und traten ins Zimmer, wo sie sich nach allen Seiten umsahen und niemand weiter als Bau-yü entdeckten, was sie reichlich verwirrte. Nachdem sie Bau-yü das Bad gerichtet hatten, warteten sie noch, bis er sich auszog, dann verließen sie das Zimmer und machten die Tür hinter sich zu. In den anderen Räumen suchten sie nach Hsiau-hung und fragten sie: „Was hattest du denn vorhin im Zimmer zu erzählen?“ | Gerade als sie das sagte, kamen Qiuwen und Bihen lachend und schwatzend herein, beide trugen gemeinsam einen Eimer Wasser, hielten mit einer Hand die Röcke hoch und schwankten und plätscherten. Da trat plötzlich jemand hervor und nahm ihnen den Eimer ab. Die beiden sahen hin — es war niemand anderes als Xiaohong. Beide waren verblüfft, stellten den Eimer ab und eilten ins Zimmer, spähten hier und dort — kein Mensch war da, nur Schatzjade. Das passte ihnen ganz und gar nicht. Sie bereiteten widerwillig das Badewasser vor. Als Schatzjade sich ausgezogen hatte, zogen die beiden die Tür hinter sich zu und gingen hinaus. |
| „Ich bin ja gar nicht im Zimmer gewesen“, verteidigte sich Hsiau-hung. „Ich vermißte mein Taschentuch und war nach hinten gegangen, um es zu suchen. Da rief der junge Herr auf einmal nach Tee, und weil von euch niemand hier war, bin ich hineingegangen. Kaum daß ich ihm den Tee eingegossen hatte, seid ihr gekommen.“ Zur Antwort spuckte Tjiu-wën sie an und schimpfte: „Du gemeines, schamloses Ding! Als du dich um das Wasser kümmern solltest, hast du gesagt, du hättest etwas anderes zu tun und wir sollten gehen. In Wirklichkeit hast du nur auf einen günstigen Augenblick gelauert, um dich rasch vorzudrängen. Du meinst wohl, wir könnten nicht mithalten mit dir? Sieh dich mal im Spiegel an, ob du wohl das Zeug hast, ihm den Tee zu reichen!“ Und Bi-hën sagte: „Morgen werde ich allen sagen, immer wenn der junge Herr Tee oder Wasser verlangt oder sonst etwas gebracht haben will, rühren wir uns nicht von der Stelle, und sie soll gehen!“ „Ach, das allerbeste wäre, wir gingen alle weg und ließen sie alleine hier!“ nahm wieder Tjiu-wën das Wort. So krakeelten sie abwechselnd weiter, bis endlich eine alte Amme erschien, um im Auftrag von Hsi-fëng zu melden: „Morgen wird jemand mit Gärtnern kommen, um hier Bäume zu setzen. Ihr sollt euch zurückhalten und nicht überall eure Röcke und Kleider zum Lüften hinhängen. Die Hügel werden mit Blendvorhängen abgeschirmt, und ihr dürft auch nicht überall herumlaufen.“ „Wer wird denn die Gärtner begleiten und die Aufsicht führen?“ fragte Tjiu-wën. „Ein gewisser Yün aus dem Westanbau soll es sein“, sagte die Alte. Da weder Tjiu-wën noch Bi-hën ihn kannten, erkundigten sie sich weiter nach anderen Dingen, Hsiau-hung aber begriff, daß es sich um den jungen Mann handelte, den sie am Tag zuvor draußen in Bau-yüs Studierstube gesehen hatte. |
Sie gingen ins andere Zimmer und suchten Xiaohong auf, fragten sie, was sie eben im Zimmer geredet hatte. Xiaohong sagte: „Wann soll ich denn drinnen gewesen sein? Ich habe nur mein Taschentuch vermisst und es hinten gesucht. Zufällig wollte der Zweite Herr Tee, und da keine der Schwestern da war, ging ich hinein und goss eben den Tee ein — und dann kamt ihr auch schon." Qiuwen hörte das, spuckte ihr ins Gesicht und schimpfte: „Du schamloses, gemeines Ding! Man hat dich losgeschickt, Wasser holen zu lassen, du sagtest, du hättest etwas zu tun, und wir mussten gehen. Und du wartest bequem ab, um diesen feinen Auftrag zu ergattern! Stück für Stück krabbelst du nach oben. Soll ich mich etwa nicht mit dir messen können? Schau doch mal in den Spiegel — bist du denn überhaupt würdig, Tee und Wasser zu reichen?" Bihen sagte: „Von morgen an — alles, was mit Tee, Wasser, Bringen und Holen zu tun hat, rühren wir nicht mehr an. Das soll alles sie machen." Qiuwen sagte: „Wenn schon, dann lasst uns gleich alle verschwinden und sie allein hier im Zimmer lassen!" Während die beiden so stritten, kam eine alte Amme herein und richtete von Phönixglanz aus: „Morgen bringt jemand Blumengärtner zum Bäumepflanzen herein. Seid bitte vorsichtig — hängt keine Kleider und Röcke wild zum Trocknen auf. Am Erdhügel sind überall Vorhänge aufgespannt, also lauft dort nicht unbedacht herum." Qiuwen fragte: „Wer beaufsichtigt morgen die Handwerker?" Die alte Frau sagte: „Es heißt, der junge Herr Yun vom hinteren Gang." Qiuwen und Bihen wussten nichts damit anzufangen und fragten nach anderem. Aber Xiaohong hatte es verstanden — sie wusste sofort, dass es der junge Mann war, den sie gestern in der äußeren Bibliothek gesehen hatte. |
| Diese Hsiau-hung hieß mit Familiennamen Lin, ihr Rufname lautete eigentlich Hung-yü – ‚Rotjade‘, weil sich aber das yü der Namen Dai-yü und Bau-yü wegen verbot, nannte man sie Hsiau-hung – ‚Rotchen‘. Hung-yüs Vorfahren dienten schon seit Generationen im Jung-guo-Anwesen, und Hung-yüs Eltern waren jetzt mit der Verwaltung des auswärtigen Haus- und Grundbesitzes betraut. Hung-yü war erst sechzehn Jahre alt, und als das Personal für den Garten des Großen Anblicks eingeteilt worden war, hatte man sie in den Hof der Freude am Roten geschickt, der still und abgeschieden lag. Als dann aber die kaiserliche Nebenfrau befohlen hatte, die jungen Leute sollten im Garten wohnen, war ausgerechnet dieser Platz Bau-yü zugefallen. Nun war Hung-yü nur ein unerfahrenes Sklavenmädchen, weil sie jedoch über drei Zehntel Schönheit verfügte, hegte sie den törichten Wunsch, etwas Besseres zu werden, und hatte sich schon lange vor Bau-yü produzieren wollen. Aber die Mädchen in Bau-yüs Gefolge hatten so scharfe Zähne und so spitze Krallen, daß sie nicht zum Zuge kommen konnte. Heute nun hatte sich endlich etwas ergeben, doch als sie dafür den Haß von Tjiu-wën und Bi-hën hatte ernten müssen, hatte sie ihre Hoffnungen zur Hälfte wieder begraben. Dann hatte sie mitten in ihrem Kummer den Namen Djia Yün gehört, und unversehens hatte sich dabei in ihrem Herzen etwas geregt. Benommen ging sie in ihr Zimmer und legte sich auf das Bett, um alles in Ruhe zu überdenken. Da hörte sie, während sie sich noch unschlüssig hin und her wälzte, auf einmal, wie vor dem Fenster jemand mit leiser Stimme rief: „Hung-yü! Hier ist dein Taschentuch, ich habe es gefunden!“ Als sie rasch hinaustrat, erblickte sie dort niemand anders als Djia Yün. Unwillkürlich rötete ihr die Scham die gepuderten Wangen, als sie fragte: „Wo habt Ihr es gefunden, junger Herr?“ |
Nun sei erzählt, dass diese Xiaohong eigentlich Lin hieß, mit dem Vornamen Hongyu [Anm.: „Roter Jade"]. Da jedoch der Schriftzeichen-Bestandteil „Yu" (Jade) mit Kajaljade und Schatzjade kollidierte, wurde dieses Zeichen unterdrückt, und man nannte sie nur noch „Xiaohong". Sie stammte aus einer alten Dienerfamilie der Rong-Guo-Residenz; ihre Eltern verwalteten diverse Landgüter und Häuser. Xiaohong war sechzehn Jahre alt. Als man die Dienerinnen im Daguan-Garten verteilte, war sie dem Yihong-Hof zugeteilt worden, was recht friedlich und elegant gewesen war. Doch als dann die jungen Herrschaften einzogen, fiel ausgerechnet dieser Hof an Schatzjade. Xiaohong, obwohl ein unerfahrenes Mädchen, hatte dank ihres ansprechenden Äußeren insgeheim den ehrgeizigen Wunsch, sich nach oben zu arbeiten, und wollte bei jeder Gelegenheit vor Schatzjade glänzen. Aber Schatzjades engster Kreis bestand aus lauter scharfzüngigen, gewitzten Mädchen, und es gab kein Hereinkommen für sie. Gerade heute, als sich endlich eine Gelegenheit bot, wurde sie von Qiuwen und den anderen so übel zugerichtet, dass ihr halbes Herz schon erkaltet war. In trüber Stimmung saß sie da, als sie plötzlich die alte Amme den Namen Jia Yun erwähnen hörte — und da regte sich etwas in ihrem Herzen. In schwermütiger Stimmung kehrte sie in ihr Zimmer zurück, legte sich aufs Bett und sann nach, wälzte sich hin und her, ohne einen Ausweg zu finden. Da hörte sie plötzlich draußen vor dem Fenster eine leise Stimme rufen: „Hongyu, ich habe dein Taschentuch gefunden!" Hongyu eilte hinaus — und da stand niemand anderes als Jia Yun. Hongyu wurde rot im Gesicht und fragte: „Wo hat der Zweite Herr es gefunden?" Jia Yun lachte: „Komm her, ich erzähle es dir." Während er sprach, griff er nach ihrer Hand. Hongyu drehte sich hastig um und wollte davonlaufen, stolperte aber über die Türschwelle. |
| „Komm her, ich will es dir sagen!“ erwiderte Djia Yün lächelnd, trat auf sie zu und griff nach ihr. Hastig wandte sich Hung-yü zur Flucht, aber da stolperte sie über die Türschwelle. | Was weiter geschieht, erzählt das nächste Kapitel. |
| Wer wissen will, was dann geschah, muß das nächste Kapitel lesen. |
|