Hongloumeng/DE3-DE4/Kapitel 83

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Kapitel 83: DE3 (Schwarz) ↔ DE4 (Woesler)

DE3 (Schwarz) DE4 (Woesler, 2026)
83.Eine Unpäßlichkeit der kaiserlichen Nebenfrau Djia Yüan[-tschun] – Rufe nach einem FamilienbesuchUngehorsamkeit in den inneren Gemächern – Das Leid der Hsüä Bau-tschai. Dreiundachtzigstes Kapitel
Im letzten Kapitel wurde erzählt, wie Tan-tschun und Hsiang-yün, die gerade im Begriff waren zu gehen, draußen eine Stimme hörten. Diese rief: Ein Besuch im Palast: Die Kaiserliche Gemahlin Jia[1] liegt krank darnieder,
„Was macht so ein kleiner Unruhestifter wie du überhaupt im Garten? Du bist nichts als eine Plage!“ Aufruhr in der Frauenkammer: Schatzspange schluckt stumm ihre Tränen
Dai-yü stieß plötzlich einen fürchterlichen Schrei aus:

„Ich kann hier nicht länger bleiben!“

Sie verdrehte die Augen und bewegte eine Hand in Richtung des Fensters.

Tatsächlich litt Dai-yü nach all der Zeit, trotz der beständigen Liebe und dem Schutz der Herzoginmutter, immer noch unter dem Gefühl, ein „Außenseiter im Garten“ zu sein. Anscheinend dachte sie, die alte Amme hätte sie beschimpft, und stellte sich sofort folgende Verschwörung vor: Irgendjemand, der sich einen Vorteil davon verschaffen wollte, schickte diese Amme, um sie, ein feines Hoffräulein und Waise, öffentlich zu verhöhnen. Sie glaubte, ihr Herz und ihre Eingeweide müßten zerreißen. Diese Ungerechtigkeit war mehr, als sie ertragen konnte. Sie weinte und wurde ohnmächtig.

„Was ist los, Fräulein?“, Dsï-djüan war selbst in Tränen aufgelöst. „Bitte wacht auf!“

Tan-tschun rief auch eine Weile, und endlich kam Dai-yü zu sich. Sie konnte nicht sprechen, die Hand zeigte immer noch in Richtung des Fensters. Tan-tschun verstand. Sie öffnete die Tür und entdeckte draußen eine alte Amme mit einem Stock in der Hand, mit welchem sie ein schmutziges kleines Mädchen verfolgte.

„Ich versuche, mit meiner Gartenarbeit voranzukommen“, schimpfte sie. „Du hast hier nichts verloren. Warte nur, bis wir zu Hause sind und ich dich in die Finger bekomme! Ich werde es dir schon zeigen!“

Das kleine Mädchen verdrehte den Kopf, steckte einen Finger in den Mund und starrte die alte Amme mit einem frechen Grinsen an.

„Habt ihr beide den Verstand verloren?“, rief Tan-tschun in strengem Ton. „Wie kannst du hier herumschimpfen?“
Wie berichtet, wollten Spürfrühling[2] [探春] und Wolke vom Xiang-Fluss[3] [湘云] gerade aufbrechen, als sie draußen jemanden schimpfen hörten: „Du nichtsnutziges Balg! Was bist du für ein Ding, dass du dich hier im Garten herumtreibst!" Kajaljade[4] [黛玉] rief laut: „Hier kann man nicht mehr wohnen!" — mit einer Hand zum Fenster deutend, verdrehten sich ihre Augen nach oben. Denn obwohl Kajaljade im Großen Garten der Betrachtung unter dem Schutz der Alten Ahnin lebte, war sie doch in Gegenwart anderer stets auf der Hut. Als sie nun die alte Dienerin draußen so fluchen hörte, hätte es bei anderen Menschen nichts zu bedeuten gehabt, doch Kajaljade bezog es gänzlich auf sich. Sie dachte: „Ein Mädchen aus vornehmem Haus — nur weil es keine Eltern mehr hat, schickt irgendwer diese Alte, um so zu schmähen!" Die Kränkung zerriss ihr Herz, und sie fiel in Ohnmacht. Purpurkuckuck[5] [紫鹃] rief unter Tränen: „Fräulein, was ist mit Euch? Wacht doch auf!" Auch Spürfrühling rief eine Weile. Erst nach langer Zeit kam Kajaljade wieder zu Atem, doch sprechen konnte sie noch nicht; ihre Hand wies immer noch zum Fenster hinaus.
Als die alte Amme sah, dass es Tan-tschun war, nahm sie sich geschickt zusammen und antwortete mit ihrem schmeichelhaftesten Lächeln:

„Dies hier ist meine Enkelin. Sie hat mich gesehen und ist mir hierher gefolgt. Ich hatte Angst, daß das Kind Krach macht, deshalb schimpfe ich, um sie nach Hause zu scheuchen. Meine Liebe, hätte ich bedacht, wo ich bin, hätte ich niemals so meine Stimme erhoben.“

„Das reicht“, sagte Tan-tschun, „geht beide fort. Fräulein Lin fühlt sich heute nicht gut, – also beeilt euch und verschwindet!“

„Sehr wohl, Fräulein! Auf der Stelle, Fräulein!“ Die alte Amme setzte sich in Bewegung, und ihre Enkelin folgte ihr.

Als sie wieder eintrat, fand Tan-tschun Hsiang-yün Dai-yüs Hand halten und hilflos weinen, während Dsï-djüan Dai-yü mit der einen Hand stützte und mit der anderen Dai-yüs Brust massierte. Langsam kehrte wieder Leben in Dai-yüs Augen und sie blickte auf. Tan-tschun lächelte freundlich:

„Fühltest du dich angegriffen durch das, was die alte Amme sagte?“

Dai-yü antwortete mit einem kraftlosen Kopfschütteln.

„Sie hat ihre eigene Enkelin angeschrien,“ Tan-tschun fuhr fort zu erklären: „Sie erzählte mir alles. Menschen wie sie sind das Letzte. Sie wissen niemals, wann sie den Mund zu halten haben.“
Spürfrühling verstand, öffnete die Tür und trat hinaus. Sie sah, wie die alte Dienerin, einen Knotenstock in der Hand, ein schmutziges Mädchen vor sich hertrieb: „Ich bin hier, um die Blumen und Bäume im Garten zu beaufsichtigen — was hast du hier zu suchen? Wart nur, zu Hause werde ich dir eine Lektion erteilen!" Das Mädchen drehte den Kopf zur Seite, steckte den Finger in den Mund und grinste die Alte an. Spürfrühling schalt: „Ihr Leute werdet immer frecher! Ist dies ein Ort zum Schimpfen?" Die Alte sah, dass es Spürfrühling war, und sagte eilig mit unterwürfigem Lächeln: „Das war meine Enkelin — als sie mich kommen sah, lief sie mir nach. Ich wollte sie nur verjagen, ich würde doch hier nicht fluchen!" Spürfrühling rief: „Genug der Worte, verschwindet sofort! Das Fräulein Lin ist nicht wohl — macht, dass ihr fortkommt!" Die Alte gehorchte mit mehrfachem „Jawohl" und trollte sich; auch das Mädchen rannte davon.
Dai-yü seufzte und hielt Tan-tschuns Hand.

„Oh Tan...“, sie weinte kläglich, doch konnte nichts weiter sagen.

„Komm, zerbrich dir nicht den Kopf“, sagte Tan-tschun. „Wir sind Kusinen und Kusinen halten zusammen. Deshalb kam ich zu dir. Nebenbei, du kannst mir ein bißchen behilflich sein. Hör’ zu, alles, was du tun mußt, ist vernünftig deine Medizin zu nehmen und die Dinge von ihrer guten Seite zu betrachten, bald wird sich deine Kraft wieder herstellen. Dann können wir wieder unsere Treffen im Poesie-Verein abhalten, wie könnte das nicht gut werden.“

„Die dritte Schwester Tan hat recht, wie könnte das nicht lustig werden“ wiederholte Hsiang-yün. – „Ach, wenn ihr wüßtet!“ seuftze Dai-yü. „Ich fühle mich so schwach. Ich denke nicht, daß ich durchkomme.“

„So sollten wir nicht reden“, sagte Tan-tschun. „Wir alle werden mal krank, und wir alle haben unsere Sorgen. Du hast keinen Grund, so pessimistisch zu sein. Sei einsichtig und ruhe dich gut aus. Wir gehen besser zur alten Dame. Wir kommen dann später wieder, um nach dir zu sehen. Wenn es irgendetwas gibt, das du brauchst, sag’ es Dsï-djüan, sie wird mir Bescheid sagen.“

„Gute Tan, wenn du die alte Dame siehst, sag’ ihr bitte, daß ich sie auch besuchen möchte, mach’ einen Knicks für mich, ich fühle mich nur ein bißchen schlecht, es ist keine große Krankheit. Ich will nicht, daß sie sich Sorgen macht.“ Tränen flossen über Dai-yüs Gesicht, während sie sprach.

„Natürlich. Doch nun rege dich nicht mehr auf. Ruhe dich aus, und es wird besser.“ Tan-tschun und Hsiang-yün machten sich auf den Weg.

Als sie gegangen waren, legte Dsï-djüan Dai-yü wieder hin. Sie überließ alle Besorgungen Hsüä-yüan und blieb die ganze Zeit an Dai-yüs Seite, wobei sie versuchte, ihren Kummer zurückzuhalten. Dai-yü schloß die Augen und lag einen Moment ruhig da. Doch der Schlaf kam nicht. Der Garten draußen, der sonst immer ein Paradies der Ruhe und Einsamkeit war, schien durch Geräusche sehr belebt – der Wind, das Summen der Insekten, das Schnattern der Vögel, der Klang menschlicher Schritte, Kinder, die in der Ferne schrieen – all dies zog leicht durch das Fenster und ging ihr auf die Nerven. Sie trug Dsï-djüan auf, einen Vorhang um ihr Bett herabzulassen.
Spürfrühling kehrte zurück und fand Wolke vom Xiang-Fluss, die Kajaljades Hand hielt und weinte. Purpurkuckuck stützte Kajaljade mit einem Arm und rieb ihr mit der anderen Hand die Brust. Kajaljades Augen drehten sich allmählich zurück. Spürfrühling sagte lächelnd: „Du hast wohl die Worte der alten Frau gehört und dir etwas eingebildet?" Kajaljade schüttelte nur den Kopf. Spürfrühling fuhr fort: „Sie hat ihre Enkelin gescholten — auch ich habe es gehört. Solche Leute reden ohne jede Rücksicht; was verstehen die von Feingefühl?" Kajaljade seufzte, fasste Spürfrühlings Hand und rief: „Schwester …" — doch weiter sagte sie nichts. Spürfrühling sprach: „Nimm dir das nicht zu Herzen. Dass ich dich besuche, gehört sich unter Schwestern, zumal du wenig Bedienung hast. Wenn du nur ruhig deine Arznei nimmst und an Erfreuliches denkst und Tag für Tag wieder zu Kräften kommst — dann können wir wieder eine Dichtgesellschaft gründen und Verse schmieden, wäre das nicht schön?" Wolke vom Xiang-Fluss stimmte zu: „Genau, wie die Dritte Schwester sagt — warum sollte man sich nicht darüber freuen?" Kajaljade schluchzte: „Ihr wollt nur, dass ich fröhlich bin — aber mir armen ist solche Freude nicht mehr vergönnt. Ich fürchte, es wird nicht mehr reichen." Spürfrühling sagte: „Das sagst du zu hart. Wer wird nicht einmal krank? Wie kommst du nur auf solche Gedanken? Ruh dich gut aus, wir gehen zur Alten Ahnin und kommen später wieder nach dir sehen. Wenn du etwas brauchst, lass es Purpurkuckuck mir ausrichten." Kajaljade sagte unter Tränen: „Liebe Schwester, wenn du zur Alten Ahnin gehst, sag nur, ich lasse grüßen, mir sei etwas unwohl — es sei nichts Ernstes, die Alte Ahnin brauche sich keine Sorgen zu machen." Spürfrühling bejahte: „Ich weiß, ruh dich nur aus." Damit gingen sie und Wolke vom Xiang-Fluss hinaus.
Sogleich erschien Hsüä-yän, die eine Schüssel Vogelnestsuppe bei sich trug und sie Dsï-djüan gab, welche durch die Vorhänge flüsterte:

„Möchten sie etwas Suppe, Fräulein?“
Purpurkuckuck stützte Kajaljade beim Hinlegen. Xueyan besorgte alles Nötige; Purpurkuckuck selbst wachte an ihrer Seite, blickte auf Kajaljade, und ihr Herz tat weh, doch sie wagte nicht zu weinen. Kajaljade lag mit geschlossenen Augen da, fand aber keinen Schlaf. Sonst empfand sie den Garten als still und einsam — jetzt, da sie im Bett lag, hörte sie plötzlich überall Wind, Insektenzirpen, Vogelstimmen, Schritte und aus der Ferne das Weinen von Kindern. Alles zusammen machte sie nervös. Sie rief: „Lass den Bettvorhang herab."
Ein schwaches „Ja“ war von innen zu hören, Dsï-djüan reichte die Suppe einen Moment an Hsüä-yän zurück, um Dai-yü zu einer angenehmen Sitzposition zu helfen. Als sie sich umdrehte, um die Schüssel entgegenzunehmen, probierte sie selber den Inhalt und hielt sie vorsichtig an Dai-yüs Lippen, während sie behutsam einen Arm um ihre Schulter legte. Dai-yü öffnete kraftlos ihre Augen, nahm ein paar Schlucke und zeigte mit einem leichten Kopfschütteln an, daß sie nicht mehr schaffe. Dsï-djüan gab Hsüä-yän die Schüssel zurück, und legte sie sanft wieder hin.

Für einige Minuten war alles still und Dai-yü schien friedvoller. Dann hörten sie außerhalb des Fensters ein Flüstern:

„Ist Schwester Dsï-djüan hier?“

Hsüä-yän eilte hinaus. Es war Hsi-jën.

„Komm herein,“ flüsterte sie.

„Wie geht es dem Fräulein?“, fragte Hsi-jën.

Sie gingen gemeinsam zum Eingang, und Hsi-jën lauschte entsetzt, als Hsüä-yän beschrieb, was an diesem Morgen und in der vorhergehenden Nacht geschehen war.

„Kein Wunder!“, rief sie. „Tsuee-lü erzählte auch so etwas und der zweite junge Herr Bau war so besorgt, daß er mich sofort losgeschickt hat.“

Während sie redeten, hob Dsï-djüan den Vorhang an und winkte Hsi-jën zu, die leise in den Raum schlich:

„Ist das Fräulein eingeschlafen?“

Dsï-djüan nickte. „Hast du, Schwester, es jetzt erst gehört?“, Hsi-jën nickte.

Sie blickte finster drein und sagte:
Xueyan brachte eine Schale Schwalbennestersuppе und reichte sie Purpurkuckuck. Purpurkuckuck fragte leise durch den Vorhang: „Fräulein, trinkt einen Schluck Suppe." Kajaljade machte nur ein leises Geräusch der Zustimmung. Purpurkuckuck gab die Schale an Xueyan zurück, half Kajaljade beim Aufsetzen, nahm die Schale zurück, prüfte die Temperatur an den Lippen; mit einem Arm stützte sie Kajaljades Schultern, mit der anderen Hand führte sie die Schale an deren Lippen. Kajaljade öffnete leicht die Augen, trank zwei, drei Schlucke und schüttelte den Kopf — sie mochte nicht mehr. Purpurkuckuck gab die Schale Xueyan zurück und half Kajaljade behutsam, sich wieder hinzulegen.
„Das ist schrecklich! Jemand hat mir letzte Nacht auch große Sorgen bereitet!“

„Was meinst du?“, fragte Dsï-djüan. Hsi-jën erzählte:

„Als er an diesem Abend schlafen ging, schien noch alles in Ordnung. Doch mitten in der Nacht begann er fürchterlich zu schreien, zuerst über ein Stechen in seinem Herzen, dann darüber, erstochen zu werden – er war im Delirium und beruhigte sich nicht bis zum Morgengrauen. Wärst du nicht auch erschrocken gewesen? Er darf heute nicht in die Schule gehen, der Arzt wurde bereits gerufen, um ihm etwas zu verschreiben.“

Während sie redeten, hörten sie Dai-yü in ihrem Bett wieder husten, und Dsï-djüan eilte herbei, um den Spucknapf zu holen. Dai-yü öffnete leicht ihre Augen und fragte Dsï-djüan:
Nach einer Weile der Stille kam etwas Ruhe auf. Dann hörte man vor dem Fenster eine leise Stimme fragen: „Ist die Schwester Purpurkuckuck zu Hause?" Xueyan eilte hinaus und sah, dass es Dufthauch[6] [袭人] war. Sie flüsterte: „Komm herein, Schwester." Dufthauch flüsterte ebenfalls: „Wie geht es dem Fräulein?" Auf dem Weg berichtete Xueyan von den Geschehnissen der Nacht und des Morgens. Dufthauch erschrak und sagte: „Kein Wunder! Eben kam Cuilü zu uns und erzählte, das Fräulein sei krank. Der Zweite Herr Bao hat mich sofort geschickt, nachzusehen."
„Mit wem redest du?“ – „Es ist Hsi-jën, Fräulein. Sie kam, um zu fragen, wie es dir geht.“

Während sie sprach, kam Hsi-jën ans Bett. Dai-yü bat Dsï-djüan, sie aufzurichten, und zeigte Hsi-jën an, sich auf den Bettrand zu setzen. Hsi-jën setzte sich auf die Ecke und sagte mit ihrer besten Krankenbett-Manier:

„Sollten Sie nicht lieber liegen, Fräulein?“ –

„Keine Sorge“, erwiderte Dai-yü, „übertreibe nicht! Von wem erzähltest du gerade eben, er habe heute Nacht einen stechenden Schmerz im Herzen gehabt?“

„Ach, das war nichts Ernstes!“, sagte Hsi-jën. „Es war nur ein Alptraum, den der zweite Herr Bau hatte.“

Dai-yü hatte sofort verstanden: ,Hsi-jën versucht aus Rücksicht, mich von meinem Kummer abzubringen. Sie war ihr dankbar, und gleichzeitig war sie schmerzlich berührt.‘ Sie versuchte es noch einmal, diesmal noch eindringlicher:

„Was war das für einen Alptraum? Was hat er gesagt?“

„Ach, er hat gar nichts mehr gesagt“, sagte Hsi-jën.

Dai-yü nickte nachdenklich und verharrte für einige Minuten still. Dann seufzte sie wieder und sagte:
Gerade sprachen sie noch, als Purpurkuckuck den Vorhang des inneren Gemachs hob und nach draußen spähte. Als sie Dufthauch sah, winkte sie sie herbei. Dufthauch trat leise ein und fragte: „Schläft das Fräulein?" Purpurkuckuck nickte und fragte: „Hast du eben alles gehört, Schwester?" Dufthauch nickte ebenfalls und sagte mit gerunzelter Stirn: „Was soll nur daraus werden? Auch jener hat mich gestern Nacht halb zu Tode erschreckt." Purpurkuckuck fragte hastig: „Was war denn?" Dufthauch erzählte: „Gestern Abend ging er noch völlig gesund schlafen, doch mitten in der Nacht schrie er plötzlich auf, er habe Herzschmerzen. Er redete wirres Zeug und sagte, es fühle sich an, als werde sein Herz mit einem Messer herausgeschnitten — das ging so bis nach dem Vierten Nachtwachenschlag. Ist das nicht erschreckend? Heute kann er nicht in die Schule; es soll noch ein Arzt kommen."
„Du solltest meine Krankheit dem zweiten Herrn Bau gegenüber nicht erwähnen. Es könnte seine Arbeit beeinträchtigen und ihm Ärger mit dem gnädigen Herrn [Dschëng] bescheren.“

„Natürlich nicht, Fräulein,“ versicherte Hsi-jën ihr. „Doch nun lege dich hin und ruhe dich aus.“

Dai-yü nickte und bat Dsï-djüan, sie niederzulegen. Hsi-jën blieb etwas länger an ihrer Seite, sagte ein paar tröstende Worte und brach auf. Als sie wieder in seinem Hof der Freude am Roten anlangte, berichtete sie, Dai-yü sei zur Zeit unpäßlich, doch daß es nichts Ernstes sei, dies beruhigte Bau-yü zutiefst.

Tan-tschun und Hsiang-yün verließen die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß und machten sich auf den Weg zum Hof der Herzoginmutter. Als sie gingen, warnte Tan-tschun Hsiang-yün:

„Wenn wir die alte Dame sehen, sei bitte vorsichtig mit dem, was du sagst.“

Hsiang-yün nickte:

„Das werde ich. Nur vorhin war ich von Herrin Dai-yüs Zustand so erschüttert, daß ich im Moment die Fassung verlor.“

Sie gelangten bei der Herzoginmutter an und Tan-tschun erwähnte Dai-yüs Krankheit. Wie sie es vorhergesehen hatte, war die Herzoginmutter sehr genervt: „Ausgerechnet meine zwei Jade-Enkelsind mit soviel Krankheiten und Katastrophen übersät! Fräulein Lin muß ja krank werden von so viel Hin und Her in letzter Zeit. Ihre Gesundheit ist das Wichtigste. Ich weiß, daß sie sich zuviel Gedanken macht.“

Niemand wagte, etwas zu sagen. Sie wandte sich zu Yüan-yang: „Der Arzt kommt morgen, um nach Bau-yü zu sehen. Danach wird er bei Fräulein Lin vorbeischauen.“ – „Ja, meine Dame“, antwortete Yüan-yang und ging hinaus, um die Dienstmädchen zu unterweisen, welche die Anweisungen weitergaben. Tan-tschun und Hsiang-yün verweilten bei der Herzoginmutter bis zum Abendessen und kehrten gemeinsam in den Garten zurück.
Gerade sprachen sie, als Kajaljade hinter dem Vorhang erneut zu husten begann. Purpurkuckuck eilte herbei und hielt die Spuckschale. Kajaljade öffnete matt die Augen und fragte: „Mit wem sprichst du?" Purpurkuckuck antwortete: „Die Schwester Dufthauch ist gekommen, nach dem Fräulein zu sehen." Dufthauch trat ans Bett. Kajaljade ließ sich von Purpurkuckuck aufrichten und deutete auf den Bettrand, damit Dufthauch Platz nehme. Dufthauch setzte sich seitwärts und drängte lächelnd: „Fräulein, bleibt lieber liegen." Kajaljade sagte: „Das macht nichts. Macht mir doch bitte nicht solch ein Aufheben. Vorhin war die Rede davon, dass jemand mitten in der Nacht Herzschmerzen bekam — wer war das?" Dufthauch antwortete: „Der Zweite Herr Bao hatte nur einen Albtraum, es war nichts Ernstes." Kajaljade verstand, dass Dufthauch fürchtete, sie würde sich Sorgen machen, und war ihr zugleich dankbar und traurig. Sie fragte beiläufig: „Wenn es ein Albtraum war — hat er denn sonst nichts gesagt?" Dufthauch sagte: „Nein, nichts." Kajaljade nickte, schwieg lange, seufzte und sagte dann: „Sagt dem Zweiten Herrn Bao nicht, dass es mir schlecht geht — sonst stört es seinen Unterricht und macht den Herrn Vater zornig." Dufthauch bejahte und ermahnte nochmals: „Fräulein, legt Euch hin und ruht Euch aus." Kajaljade nickte und ließ sich von Purpurkuckuck stützen.
Am nächsten Tag kam der Doktor. Er schaute bei Bau-yü vorbei und berichtete, daß nur das Essen nicht ausgewogen genug war, er sei ein bißchen erkältet, das sei nichts Besonderes, er müsse sich nur ein wenig ausruhen, dann würde es schon wieder besser werden. Die Damen Wang und Hsi-fëng schickten das Rezept zur Herzoginmutter und schickten zur selben Zeit jemanden zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß, um Bescheid zu sagen, daß der Arzt auf dem Weg sei. Dsï-djüan deckte Dai-yü eilig zu und ließ den Bettvorhang herunter, während Hsüä-yän schnell das Zimmer aufräumte. Dufthauch saß noch eine Weile daneben und sprach einige tröstende Worte, dann verabschiedete sie sich. Im Yihong-Hof sagte sie nur, das Fräulein fühle sich ein wenig unwohl, es sei aber nichts Ernstes. Erst da beruhigte sich Schatzjade[7] [宝玉].
Dann traf bereits Djia Liän mit dem Arzt ein, er kündigte an, daß dies ihr vertrauter Hausarzt sei und die Mädchen nicht verschwinden müßten. Eine Amme hob den Vorhang hoch, Djia Liän führte den Arzt ins Zimmer und die beiden Männer setzten sich. Djia Liän begann: „Schwester Dsï-djüan, bitte erzähle Doktor Wang, was du über die Krankheit deiner Herrin weißt.“

„Langsam,“ warf der Arzt ein, „bitte erlaubt mir doch, zunächst ihren Puls zu messen, um meine eigene Diagnose zu machen. Dann können Sie mir sagen, ob ich richtig liege. Wenn ich daneben liege, korrigieren Sie mich bitte.“

Dsï-djüan setzte Dai-yü so hin, daß eine ihrer Hände für die Untersuchungen aus dem Vorhang herausragte, legte die Hand auf ein Kissen vor dem Bett und schob behutsam ihren Armreif und Ärmel beiseite, sodaß sie den Puls nicht behindern konnten. Der Arzt fühlte lange Zeit den Puls der einen Hand, dann den der anderen. Als er fertig war, zog er sich mit Djia Liän in den äußeren Raum zurück, wo sie sich beide setzten.

„Alle sechs Pulse haben einen extrem langsamen Wert“, sagte der Arzt, „und verweisen auf eine fortgeschrittene schwere Krankheit.“
Spürfrühling und Wolke vom Xiang-Fluss gingen inzwischen aus dem Xiaoxiang-Pavillon geradewegs zur Alten Ahnin. Spürfrühling ermahnte Wolke vom Xiang-Fluss unterwegs: „Schwester, wenn wir gleich die Alte Ahnin sehen, sei nicht wieder so unbesonnen wie vorhin." Wolke vom Xiang-Fluss nickte lachend: „Ich weiß. Vorhin war ich so erschrocken, dass ich den Kopf verlor." Damit waren sie bei der Alten Ahnin. Spürfrühling erwähnte Kajaljades Krankheit. Die Alte Ahnin wurde unruhig und sagte: „Diese beiden Jade-Kinder machen immer Ärger mit Krankheiten! Das Mädchen Lin wird auch älter — auf ihren Körper muss man achtgeben. Ich finde, das Kind nimmt sich alles zu sehr zu Herzen." Niemand wagte zu antworten. Die Alte Ahnin wies Mandarinenente[8] [鸳鸯] an: „Sag ihnen: Wenn morgen der Arzt kommt, um Schatzjade zu untersuchen, soll er anschließend auch das Fräulein Lin besuchen." Mandarinenente bejahte und übermittelte die Botschaft den Dienerinnen, die ihrerseits die Nachricht weitergaben. Spürfrühling und Wolke vom Xiang-Fluss aßen mit der Alten Ahnin zu Abend und kehrten dann gemeinsam in den Garten zurück.
Während er sprach, erschien Dsï-djüan im Eingang. Der Arzt wandte sich ihr zu und sagte: „Der Zustand läßt sich wie folgt beschreiben: Schwächeanfälle, Appetitverlust, häufige Träume und unruhiger Schlaf in den frühen Morgenstunden; tagsüber Überempfindlichkeit und generell eine psychotische Empfindlichkeit gegenüber anderen Menschen. Außenstehende würden dies als Charakterzug mißdeuten, doch damit irren sie. Dies alles setzt sich zusammen aus einem Mangel an Yin in der Leber mit einer begleitenden fortschreitenden Herzschwäche. Stimmt meine Diagnose mit dem überein, was ihr beobachtet habt?“

Dsï-djüan nickte und sagte zu Djia Liän gewandt: „Sie haben es schon ganz richtig gesagt.“

„Gut“, sagte Doktor Wang, sich von seinem Stuhl erhebend. „Wir fahren fort.“
Am nächsten Tag kam der Arzt, untersuchte Schatzjade und befand, es sei nichts als eine Verdauungsstörung mit leichter Erkältung — nicht weiter schlimm; einige schweißtreibende Mittel, und es werde sich geben. Wang Furen und Feng Jie schickten jemanden mit dem Rezept zur Alten Ahnin, und gleichzeitig wurde dem Xiaoxiang-Pavillon mitgeteilt, der Arzt komme gleich. Purpurkuckuck bejahte und deckte Kajaljade eilig zu, ließ den Bettvorhang herab; Xueyan räumte hastig das Zimmer auf.
Djia Liän geleitete ihn aus dem Schlafzimmer heraus und hinüber in das Arbeitszimmer, wo die Dienstmädchen bereits rote Blätter für Rezepte bereit gelegt hatten. Tee wurde serviert, dann nahm Doktor Wang den Pinsel und schrieb:

DIAGNOSE

Die sechs Pulse sind langsam. Der Grund ist eine Ansammlung verschiedener Schwächen.

Der linker Fernpuls ist schwach. Fortschreitende Herzschwäche.

Der Hauptpuls ist stark und unregelmäßig. Die Leber (Holz) ist hyperaktiv.

Ihre Kraft kann nicht abfließen. Das beeinträchtigt nach oben hin die Milz (Erde), das führt zu konsequentem Appetitverlust. Und das Ganze wird noch verstärkt durch eine Schwächung der Lunge (Metall).

Daß die Körpersäfte nicht mehr richtig zirkulieren, hat den Schleim erstarren lassen. Aufwallen und Auswurf von Blut.

Behandlung

1. Beruhigung der Leber.

2. Wiederherstellung der Lungen.

3. Stärkung von Herz und Milz.
Bald kam Jadeschale Kaufmann[9] [贾琏] mit dem Arzt herein und sagte: „Dieser Herr Doktor kommt öfter — die Fräulein brauchen sich nicht zurückzuziehen." Die alten Dienerinnen hoben den Vorhang, Jadeschale Kaufmann ließ dem Arzt den Vortritt, und sie nahmen im Zimmer Platz. Jadeschale Kaufmann sagte: „Schwester Purpurkuckuck, schildere dem Herrn Doktor Wang zunächst den Krankheitsverlauf des Fräuleins." Der Arzt Wang sagte: „Warten wir erst. Lasst mich den Puls fühlen, dann sage ich, was ich gefunden habe. Wenn etwas nicht stimmt, können die Schwestern mich korrigieren." Purpurkuckuck schob durch den Vorhang Kajaljades eine Hand auf das Pulskissen heraus und streifte behutsam Armreif und Ärmel zurück, damit der Puls nicht gestört werde.
„Stärkungsmittel werden keine Wirkung zeigen. Für den Anfang schlage ich die Mischung ‚Schwarze ätherische Essenz‘ vor, dadurch wird die Lunge gestärkt und damit das Metall gefestigt. Hilft dies nicht, müssen Sie einen besseren Arzt kommen lassen.“

Der Arzt schrieb ein Rezept für sieben Zutaten und eine Zubereitungs-Anleitung. Djia Liän nahm das Papier und begutachtete die Liste.

„Ich sehe, sie führen Sichelblättriges Hasenohr in dem Rezept auf“, sagte er. „Entschuldigen sie, wenn ich falsch liege, doch ich dachte es würde die Hyperaktivität des Blutkreislaufes erhöhen?“
Doktor Wang fühlte lange den Puls, ließ auch die andere Hand reichen und trat dann mit Jadeschale Kaufmann ins Vorzimmer. Er verbeugte sich vor Jadeschale Kaufmann und sagte: „Alle sechs Pulse sind gespannt — die Ursache liegt in lang angestauter innerer Bedrückung." Purpurkuckuck kam ebenfalls heraus und stellte sich an die Tür des inneren Gemachs. Doktor Wang wandte sich an sie: „Die Patientin dürfte häufig an Schwindel leiden, wenig Appetit haben und viel träumen. Gegen fünf Uhr morgens wacht sie gewiss mehrfach auf. Auch wenn sie tagsüber etwas hört, das sie nichts angeht, regt sie sich darüber auf; dazu kommen Argwohn und Ängstlichkeit. Wer sie nicht kennt, hält ihr Wesen vielleicht für launisch, aber in Wirklichkeit liegt es an der Erschöpfung des Leber-Yin und dem Verfall der Herz-Energie — alles Auswirkungen dieser Krankheit. Stimmt das?" Purpurkuckuck nickte und sagte zu Jadeschale Kaufmann: „Er hat es genau getroffen." Der Arzt sagte: „Wenn dem so ist, dann ist es klar."
„Es erhöht auch das Tji, so daß das schlechte Blut ausgespuckt wird“, antwortete Doktor Wang mit einem wissenden Lächeln. „Es ist wohlbekannt, daß im Falle von Bluthusten oder Nasenbluten dieses bestimmte Kraut kontraindiziert ist. Doch gestatte mir, dich darüber aufzuklären, daß es in Verarbeitung mit Schildkrötenblut (wie in meinem Rezept) das einzig effektive Heilmittel erzeugt, womit wir den Körpersaft der niederen Yang-Peripherie der Gallenblase ableiten können. Wie man sieht, hat die verständige Beimischung von Schildkrötenblut den bemerkenswerten Effekt, die Brechreiz-Eigenschaften vom Hasenohr zu fördern, während es das Yin der Leber wiederherstellt und die entzündlichen Störungen (Feuer) eindämmt. Mit den Worten des kaiserlichen Medizinbuchs: „Bekämpfe Durchfall mit Beruhigungsmittel, bekämpfe Verstopfungen mit Stärkungsmittel.“ Und die – auf den ersten Blick – paradoxe Verwendung von Hasenohr ist die klassische List aus der Han-Dynastie, daß sich ein loyaler Berater mit dem Thronräuber anfreundete.“ Damit stand er auf und ging mit Jadeschale Kaufmann in das äußere Arbeitszimmer, um das Rezept zu schreiben. Die Diener hatten bereits ein Blatt korallenrotes Briefpapier vorbereitet. Doktor Wang trank seinen Tee und schrieb dann mit dem Pinsel:
„Ich verstehe“, sagte Djia Liän verständig nickend. „Ach so verhält es sich also, das ist es.“

Der Arzt fuhr fort:

„Ich hätte gern, daß sie zwei Dosen von dem Sud einnimmt, dann werden wir sehen, ob wir etwas an der Rezeptur ändern sollten oder zusammen eine neue anfertigen müssen. Ich habe jetzt einen weiteren Termin, bitte entschuldige Sie mich. Ich werde mich in den nächsten Tagen melden.“

Djia Liän begleitete den Arzt nach draußen und fragte ihn:

„Und was haben sie meinem Vetter [Bau-yü] verschrieben?“

„Ach, er hat keine schwere Krankheit. Nur eine Dosis von dem Pulver, das ich ihm verschrieben habe, und alles ist wieder gut.“

Mit diesen Worten stieg Doktor Wang in seinen Wagen.

Djia Liän schickte einen Diener, um die erforderlichen Arzneimittel zu besorgen, und ging wieder hinein, um Hsi-fëng über Dai-yüs Diagnose zu informieren. Sie hatten noch nicht lange miteinander gesprochen, da erschien Dschou Juees Frau, um mit Hsi-fëng über einige drängende Dinge in der Haushaltsführung zu sprechen. Nachdem sie eine Weile zugehört hatte, erhob sich Djia Liän, um aufzubrechen.

„Berichten Sie ruhig der zweiten Herrin [Hsi-fëng] weiter, ich habe noch etwas zu erledigen.“
„Alle sechs Pulse sind gespannt und langsam, verursacht durch lang angestaute Bedrückung. Der linke Cun-Puls ist kraftlos — die Herz-Energie ist bereits erschöpft. Der Guan-Puls allein ist stark — Leber-Feuer dominiert. Da das Holz-Qi nicht freien Lauf hat, wird es unausweichlich die Milz-Erde angreifen: der Appetit schwindet. Im äußersten Fall obsiegt es über die Lunge — das Lungen-Metall erleidet unweigerlich Schaden. Wenn das Qi nicht die Essenz bewegt, verdichtet sie sich zu Schleim; das Blut folgt dem aufsteigenden Qi — so kommt es zum Bluthusten. Die angemessene Behandlung ist: Leber befreien, Lunge schützen, Herz und Milz nähren. Obgleich stärkende Mittel nötig sind, können sie nicht überstürzt angewendet werden. Vorläufig verordne ich die ‚Schwarze Xiaoyao-Formel' als Einstieg, gefolgt von der ‚Guifei Guijin-Formel' zur Fortsetzung. Mit aller Bescheidenheit unterbreite ich dies der Beurteilung höherer Sachverständiger."
Nun, da er aus dem Zimmer war und der verbleibende Hausstand seiner Arbeit nachging, war Dschou Juees Frau in der Lage, zum eigentlichen Anliegen ihres Besuches zu kommen. Darunter notierte er sieben Bestandteile nebst Zubereitungshinweisen.
„Ich komme gerade von Fräulein Lin. Ich kann ihren Anblick nicht ertragen! Da ist nicht ein Hauch Farbe auf ihren Wangen und wenn man sie berührt, spürt man nur Haut und Knochen. Ich fragte sie, was denn los sei, doch sie konnte nicht sprechen, saß nur da und weinte. Danach sagte mir Dsï-djüan, das Fräulein sei derzeit sehr krank. Wenn sie etwas brauche, sei sie zu stolz, um das zu äußern. Ich habe vor, die zweite Herrin [Hsi-fëng] zu fragen, ob sie ihr ein bis zwei Monate Geld borgen könne. Die Arznei wurde ja aus der Haushaltkasse bezahlt, aber sie benötigt das Geld für kleinere Ausgaben. Ich versicherte ihr, es an Sie weiterzuleiten, gnädige Frau.“

Hsi-fëng senkte ihren Kopf für einen Moment, antwortete dann:

„In Ordnung, machen wir es so, ich schenke ihr einige Dutzend Tael Silber. Dennoch muß man es Fräulein Lin nicht erzählen. Das Geld für diesen Monat ist nicht einfach zu bezahlen. Wenn ich bei einer Person eine Ausnahme mache, wollen es andere auch. Beginnt man einmal damit, gibt es kein Ende mehr. Erinnerst du dich noch daran, als Frau Dschau und das dritte Fräulein [Tan-tschun] sich darüber lebhaft gestritten haben? Damals ging es auch um das Monatsgeld. Außerdem weißt du doch, daß wir derzeit hohe Ausgaben haben und wenig Einnahmen. Wir hoffen, daß wir über die Runden kommen.“

Nach einer Pause fuhr sie fort:
Jadeschale Kaufmann nahm das Rezept und fragte: „Bei Blutstau und Blutandrang — darf man Chaihu verwenden?" Doktor Wang lachte: „Der Zweite Herr weiß, dass Chaihu ein aufsteigendes Mittel ist und bei Blutungen als kontraindiziert gilt. Doch wenn man es in Schildkrötenblut anbrät, ist Chaihu unentbehrlich, um das Qi der Leber und Gallenblase zu entfalten. Das Schildkrötenblut verhindert das Aufsteigen und nährt zugleich das Leber-Yin und unterdrückt das Feuer. Deshalb heißt es im ‚Inneren Klassiker': ‚Durchlässiges mit Durchlässigem behandeln, Verstopftes mit Verstopftem behandeln.' Chaihu in Schildkrötenblut gewendet — das ist die Methode, den Feldherrn Zhou Bo zu gebrauchen, um die Dynastie Liu zu sichern." Jadeschale Kaufmann nickte: „So ist das also — nun verstehe ich." Doktor Wang fügte hinzu: „Zunächst zwei Dosen, dann wird angepasst oder eine neue Formel verschrieben. Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen und kann nicht lange bleiben; ich komme ein andermal wieder zur Visite." Jadeschale Kaufmann begleitete ihn hinaus und fragte: „Und die Arznei für meinen Bruder?" Der Arzt sagte: „Beim Zweiten Herrn Bao ist es nichts Ernstes, noch eine Dosis, und er ist wohlauf." Damit stieg er in die Kutsche und fuhr davon.
„Manche behaupten, ich wirtschaftete schlecht. Manche böse Zungen behaupten, ich würde die Familie Wang auf Kosten der Familie Djia ernähren. Doch du weißt es besser, Schwägerin Dschou. Du bist ja eine gute Hauswirtschafterin, du weißt sicher Bescheid.“ – Jadeschale Kaufmann ließ die Arznei besorgen und ging zu Feng Jie, um ihr Kajaljades Diagnose und das Rezept zu berichten. Da kam Zhou Ruis Frau und trug einige unwichtige Angelegenheiten vor. Jadeschale Kaufmann hörte die Hälfte und sagte: „Berichte das der Zweiten Herrin — ich habe noch zu tun." Damit ging er.
„Dieses Gerede kann ja wirklich jemanden so unfair behandeln, daß er stirbt“, sagte Dschou Juees Gattin. „Wer außer Euch, aufopferungsvoller Schwägerin könnte diesen großen und weitläufigen Haushalt aufrechterhalten? Man sagt immer, wir Frauen könnten das nicht. Selbst ein ausgewachsener Mann mit sechs Armen und drei Köpfen würde an dieser Belastung verzweifeln, da bin ich sicher! Was für ein Blödsinn wird da geredet!“ Während sie redete, lachte sie auf. Als Zhou Ruis Frau mit ihrem Bericht fertig war, sagte sie: „Ich war vorhin beim Fräulein Lin. So wie die aussieht, geht es ihr wirklich schlecht: kein Tropfen Farbe im Gesicht, nur noch Haut und Knochen. Ich fragte sie, aber sie sagte nichts und weinte nur. Dann hat mir Purpurkuckuck im Vertrauen gesagt: ‚Das Fräulein ist jetzt krank; wenn sie etwas braucht, will sie selbst nicht bitten. Ich möchte bei der Zweiten Herrin vorschüssig ein oder zwei Monatslöhne abholen: Die Arznei wird zwar aus dem Gemeinschaftsfonds bezahlt, aber für Kleinigkeiten braucht man auch Bargeld.' Das habe ich ihr zugesagt und komme nun in ihrem Auftrag zur Herrin."
„Sie haben ja noch nicht gehört, daß Leute von außerhalb noch blöder sind! Vor einiger Zeit, als Dschou Juee nach Hause kam, erzählte er, daß jemand von außerhalb versucht herauszubekommen, wie wohlhabend die Familie ist. Manche erzählen, „die Djias haben einige Gemächer für Silber und einige für Gold! Jedes Möbelstück im Haus ist aus Gold und mit Jadesteinen verziert!“ Manche lästern über die kaiserliche Nebenfrau: „Ihre Tochter am Hofe, ist die Frau des Kaisers. Natürlich wird der Kaiser die Hälfte seines Reichtums dem Mädchen geschenkt haben. Als sie damals zu ihrem großen Besuch war, sahen wir mit unseren eigenen Augen, daß sie Fuhren Gold und Silber mit sich brachte, so daß sich zu Hause die Reichtümer wie ein Kristallpalast auftürmten … Und als die Familie zu der großen Feier am Tempel einlud, hat sie dafür zigtausend Tael Silber ausgegeben, das hat sie noch nicht einmal gejuckt! Manche sagten, daß die Steinlöwen vor dem Haupttor aus massiver Jade seien, und im Garten gibt es ein goldenes Kylin-Fabeltier, ursprünglich seien es zwei gewesen, bis eines gestohlen wurde! Von den Damen in der Familie Djia braucht man gar nicht zu sprechen. Selbst die Dienstmädchen würden sich kaum bewegen, tränken Wein, spielten Go, musizierten und malten Kalligraphie. Es gäbe unvorstellbar viele Diener. Sie kümmern sich nur darum, was sie anziehen, was sie essen, was sie tragen; kennen normale Menschen nicht. Und die Kinder! So verwöhnt, daß selbst wenn sie nach einem Mondscheinstrahl verlangten, sich jemand auf den Weg machen würde, einen zu besorgen, daß die kleinen Lieblinge damit spielen können! Es gibt sogar ein Lied über Sie: Feng Jie senkte lange den Kopf und sagte dann: „So machen wir es: Ich schenke ihr ein paar Tael Silber. Aber sag dem Fräulein Lin nichts davon. Die Monatslöhne vorschüssig auszuzahlen geht nicht: Wenn eine damit anfängt, wollen es alle — das ginge doch nicht! Erinnerst du dich noch, wie die Tante Zhao und das Dritte Fräulein sich wegen der Monatslöhne stritten? Außerdem, wie du selbst weißt: Es geht mehr hinaus als hereinkommt, das Geld reicht hinten und vorne nicht. Wer es nicht weiß, meint, ich wirtschafte schlecht; und dann gibt es noch die Sorte, die behauptet, ich schleppe alles zu meiner Herkunftsfamilie. Schwester Zhou, du hast doch selbst die Bücher in der Hand — davon wirst du wohl etwas wissen."
‚Familie Ning-guo, Familie Jung-guo

Gold, Silber und Reichtum ist wie Kot und Erde.

Sie können sich nicht arm fressen und nicht arm anziehen.

Wenn man es zusammenrechnet ...’“

Frau Dschou brach in der Mitte ab. Die letzten zwei Zeilen ihres Liedes lauteten wirklich:

„Wenn man sie zusammenrechnet, ist alles nichts!“

Sie hatte sich von ihrer eigenen Darbietung davontragen lassen, sie schluckte, und es verschlug ihr die Sprache. Hsi-fëng konnte erahnen, daß das Lied eine bittere Pointe hatte.

„Das ist nicht so schlimm,“ bemerkte sie beiläufig, „nur was könnte die Geschichte des goldenen Kylins begründet haben?“

„Es muß das kleine Kylin gemeint sein, welches der alte Abt Dschang dem zweiten jungen Herrn Bau im Tempel gegeben hat“, antwortete Frau Dschou. „Er verlor es, und einige Tage später fand das junge Fräulein Schï es für ihn wieder. Eine solche Kleinigkeit ist schon genug für diese Stadtleute, um ihre Fäden herumzuspinnen! Sind sie nicht alle lächerlich, gnädige Frau?“ –

„Ich finde das nicht unbedingt witzig“, antwortete Hsi-fëng, „es ist eher beängstigend. Bei uns wird es Tag für Tag schwieriger, und die Leute draußen reden so etwas. Es gibt ein bekanntes Sprichwort: Ein Mensch fürchtet die Berühmtheit, ein Schwein die Fettleibigkeit. Das Schlimmste ist, daß es bei uns nur so scheint. Manchmal frage ich mich, wohin das ganze führen soll.“ –

„Ich verstehe Eure Sorgen, gnädige Frau“, sagte die Gemahlin Dschou Juees Frau. „Doch Geschwätz wie dieses kursiert bestimmt mindestens schon ein Jahr in der Stadt, in den Teestuben und Weinläden, in jeder Passage. Wie könnte man den Mund von so vielen stopfen?“

Hsi-fëng nickte. Sie wies Ping an, ein Paar Tael Silber abzuwiegen und gab sie Dschou Juees Frau.

„Gib dies Dsï-djüan. Sag’, es sei nur eine Kleinigkeit von mir, um zusätzliche Dinge zu kaufen. Falls noch weitere Anschaffungen anfallen sollten, soll sie sich nicht scheuen, es zu sagen. Trotzdem, keine Rede mehr von Vorschüssen. Ich weiß, daß Dsï-djüan ein kluges Kind ist und versteht, was ich meine. Sag’ ihr, daß ich hinüber gehen werde, um nach Fräulein zu sehen, wenn ich Zeit habe.“

Dschou Juees Frau nahm das Geld und ging, um die Anweisungen auszuführen.
Zhou Ruis Frau sagte: „Das ist wahrhaftig zum Verzweifeln! Bei einem solchen Haushalt — außer unserer Herrin mit ihrem Geschick könnte das niemand führen. Nicht nur eine Frau brächte das nicht fertig — selbst ein Mann mit drei Köpfen und sechs Armen käme nicht zurecht. Und dann noch solch dummes Geschwätz!" Dann lachte sie und fuhr fort: „Und das ist noch nicht alles! Draußen reden die Leute noch größeren Unsinn. Neulich kam Zhou Rui nach Hause und erzählte, was die Leute auf der Straße sagen. Die bilden sich ein, unser Haus schwimme in Gold: ‚Das Haus Jia hat mehrere Schatzkammern voller Silber und Gold, und alles Geschirr ist mit Gold eingelegt und Jade besetzt.' Andere sagen: ‚Die Tochter ist Kaiserliche Gemahlin, natürlich bekommt die Familie die Hälfte der kaiserlichen Schätze. Als die Gemahlin zum Heimatbesuch kam, brachte sie wagenweise Gold und Silber mit — deshalb ist das Haus eingerichtet wie ein Kristallpalast. Als sie im Tempel ein Gelübde einlösten, gaben sie Zigtausende Tael aus — das war wie ein Haar vom Ochsen!' Wieder andere behaupten: ‚Die Löwen vor dem Tor sind wahrscheinlich aus Jade! Im Garten stand ein goldener Qilin — einen haben sie gestohlen, jetzt ist nur noch einer übrig. Die Frauen und Fräulein im Haus, gar nicht zu reden, aber selbst die Mägde rühren keinen Finger: Sie trinken Wein, spielen Schach, spielen Laute und malen — es gibt ja genug Bedienstete. Sie tragen nur Seide und Brokat und essen und tragen lauter Dinge, die gewöhnliche Leute nicht kennen. Und die jungen Herren und Fräulein — wenn sie den Mond am Himmel wollen, steigt jemand hinauf und holt ihn.' Es gibt sogar ein Lied: ‚Haus Ningguo, Haus Rongguo, Gold und Silber wie Kehricht. Aufessen kann man's nicht, auftragen nicht — rechnet man zusammen …'" Bei diesen Worten stockte sie plötzlich. Denn im Lied hieß es: „rechnet man zusammen, ist alles nur leerer Schein." Zhou Ruis Frau hatte sich verplappert und brach erschrocken ab.
Djia Liän ging nach draußen, sah einen Dienstboten auf ihn zukommern, der ihm berichtete: „Der Herr wünscht den zweiten Herrn zu sprechen.“ Djia Liän lief direkt zu [seinem Vater] Djia Schë.

„Vorhin habe ich gehört, daß der Kaiserliche Hofarzt und zwei Berater verlangt werden, weil jemand am Hof krank ist“, sagte Djia Schë. „Ich denke, daß es [unsere Tochter] die kaiserliche Nebenfrau ist. Haben wir in den letzten Tagen etwas von ihr gehört.“

„Nein, nichts“, antwortete Djia Liän.

„Geh los und frage den zweiten Herrn und deinen Onkel Dschën“, sagte Djia Schë. „Find heraus, ob sie mehr darüber wissen. Wenn nicht, schicke jemanden, der sich im Kaiserlichen Krankenhaus erkundigt. Wir müssen herausbekommen, um was es geht.“ –

„Ja, Vater.“

Djia Liän verfolgte beide Erkundungslinien gleichzeitig, entsendete einen seiner Männer zum Krankenhaus, während er sich eiligst auf den Weg machte, Djia Dschëng und Djia Dschën zu besuchen.

„Wo hast du das denn gehört?“, fragte Djia Dschëng, nachdem er die Geschichte gehört hatte.

„Gerade eben von dem alten Herrn.“ –

„Du solltest mit deinem Vetter Dschën zusammen zum kaiserlichen Krankenhaus gehen und sehen, was man dort herausfinden kann.“

„Ich habe bereits jemanden zum Krankenhaus geschickt“, antwortete Djia Liän, „um zu sehen, ob es etwas Neues gibt.“
Feng Jie hatte es bereits verstanden — es musste ein ungünstiger Vers sein — und fragte nicht weiter nach. Sie sagte nur: „Das alles ist nicht so wichtig. Aber woher kommt die Sache mit dem goldenen Qilin?" Zhou Ruis Frau lachte: „Das ist der kleine goldene Qilin, den der Taoistenpriester im Tempel dem Zweiten Herrn Bao schenkte. Er ging verloren, und das Fräulein Shi fand ihn und gab ihn zurück — und daraus wurde dieses Gerücht. Ist das nicht zum Lachen?" Feng Jie sagte: „Das ist nicht zum Lachen, das ist zum Fürchten. Uns geht es von Tag zu Tag schlechter, und nach außen hin prangt es so. Wie das Sprichwort sagt: ‚Menschen fürchten den Ruhm wie Schweine die Mast.' Und es ist ja nur leerer Ruhm — wer weiß, was daraus noch wird!" Zhou Ruis Frau sagte: „Die Herrin hat recht. Nur — in der ganzen Stadt, in jedem Teehaus, jeder Schenke und jeder Gasse redet man so, und das nicht erst seit gestern. Wie will man allen Leuten den Mund stopfen?"
Während er sprach, machte er sich auf den Weg, um Djia Dschën zu suchen. Er sah aber, daß ihm Djia Dschën entgegenkam, und erzählte ihm, was los war. Dieser entgegnete: „Ja, Ich habe das gleiche auch gehört. Der alte und der zweite Herr gehen auch dorthin.“ Beide gingen zusammen wieder zu Djia Dschëng, der sagte:

„Wenn es die kaiserliche Nebenfrau Yüan ist, werden wir gewiß früher oder später darüber aufgeklärt.“

Während er sprach, kam auch noch Djia Schë dazu.
Feng Jie nickte nachdenklich, ließ dann Friedchen[10] ein paar Tael Silber abwiegen und gab sie Zhou Ruis Frau: „Bring das Purpurkuckuck und sag nur, ich schicke es ihr zum Einkaufen. Wenn sie etwas aus dem Gemeinschaftsfonds braucht, soll sie sich nehmen, aber sprich nicht von Monatlohn-Vorschuss. Sie ist ein kluges Mädchen und wird verstehen. Wenn ich Zeit habe, komme ich selbst nach dem Fräulein sehen." Zhou Ruis Frau nahm das Silber und ging.
Am Mittag warteten die vier immer noch auf die Rückkehr von Kundschaftern aus dem Krankenhaus, als einer der Torwächter eintrat, um die Ankunft zweier Eunuchen aus dem Palast mit einer kaiserlichen Nachricht für die zwei Herren anzukündigen.

„Führ sie herein,“ befahl Djia Schë und ging mit Djia Dschëng zum inneren Tor, um sie zu begrüßen. In der Art der Manchus knieten die Brüder nieder und gaben Ehrenbekundungen wie „Die allerdemütigsten Diener der kaiserlichen Nebenfrau“ von sich, bevor sie die kaiserliche Delegation durch den Torweg und über den Innenhof zur Empfangshalle führten, wo sie jene baten, sich zu setzen. Einer der Eunuchen erhob sich und sagte:

„Die kaiserliche Nebenfrau, fühlte sich vorgestern unwohl. Gestern befahl der Kaiser, daß vier Verwandten aus Eurer Familie sie im Palast besuchen. Jeder Dame ist es gestattet, ein Dienstmädchen zur Begleitung zu wählen. Mehr ist nicht erforderlich. Männliche Verwandte dürfen nur bis zu den Palasttoren voranschreiten und ihre Karten vorlegen. Sie dürfen nicht weitergehen, sollen jedoch ihre Huldigung bezeugen und außerhalb des Tores weitere Anweisungen erwarten. Morgens sollen Sie zwischen neun bis elfUhr ankommen, abends zwischen siebzehn und neunzehn Uhr abreisen.“

Djia Dschëng und Djia Schë und alle anderen Anwesenden empfingen den Erlaß stehend. Als er geendet hatte, setzten sie sich wieder hin und boten den Eunuchen Tee an, danach verabschiedete sich die kaiserliche Gesellschaft. Djia Schë und Djia Dschëng sahen ihnen bis zum Haupttor nach und gingen wieder hinein, um der Herzoginmutter davon zu berichten.

„Vier?“, fragte die Herzoginmutter. „Eure beiden Damen und ich selber sind drei. Für wen ist der vierte Platz bestimmt?“

Nach einer Weile des Nachdenkens fuhr die Herzoginmutter fort: „Damit muß Hsi-fëng gemeint sein. Sie findet sich in jeder Situation zurecht. Nun, ihr Männer geht jetzt und besprecht das.“
Inzwischen war Jadeschale Kaufmann hinausgegangen. Ein Diener kam ihm entgegen und meldete: „Der Ältere Herr lässt den Zweiten Herrn rufen." Jadeschale Kaufmann eilte zu Begnadigung Kaufmann [贾赦]. Begnadigung Kaufmann sagte: „Ich habe eben gehört, dass im Palast ein Kaiserlicher Arzt und zwei Assistenten zu einer Patientin gerufen wurden — das dürfte keine gewöhnliche Hofdame sein. Gibt es in den letzten Tagen Nachrichten aus dem Palast der Gemahlin?" Jadeschale Kaufmann verneinte. Begnadigung Kaufmann sagte: „Erkundige dich beim Zweiten Herrn und bei deinem Cousin Zhen. Oder schicke jemanden zur Kaiserlichen Akademie, um Näheres zu erfahren." Jadeschale Kaufmann bejahte, schickte Boten zur Akademie und eilte zu Aufrecht Kaufmann[11] [贾政] und Schein Kaufmann-Echt[12] [贾珍]. Aufrecht Kaufmann fragte: „Woher stammt das Gerücht?" Jadeschale Kaufmann antwortete: „Der Ältere Herr hat es eben erzählt." Aufrecht Kaufmann sagte: „Geh am besten mit Cousin Zhen und erkundige dich genauer." Jadeschale Kaufmann sagte: „Ich habe schon jemanden zur Kaiserlichen Akademie geschickt." Damit zog er sich zurück und traf Schein Kaufmann-Echt, der ihm bereits entgegenkam und denselben Bericht brachte. Beide gingen gemeinsam zu Aufrecht Kaufmann. Aufrecht Kaufmann sagte: „Falls es die Kaiserliche Gemahlin Yuan betrifft, werden wir früher oder später Nachricht erhalten." Auch Begnadigung Kaufmann kam hinzu.
Djia Schë und Djia Dschëng nickten, brachen unverzüglich auf und gaben Anweisungen, daß abgesehen von Djia Liän und Djia Jung, deren Aufgabe es war, zu bleiben und sich um die beiden Wohnhäuser zu kümmern, ein volles Aufgebot aller Generationen erwartet würde. Darauf wurden die Diener beauftragt, vier der besten grünen Hofsänften der Familie ausstaffieren zu lassen und mehr als zehn große Wagen und all dies vor dem ersten Licht des Tages herzurichten. Die Diener gingen eilig ihrer Arbeit nach, während Djia Schë und Djia Dschëng zu einer letzten Besprechung mit der Herzoginmutter zurückkehrten.

„Wir müssen zwischen sieben und neun Uhr ankommen und zwischen siebzehn und neunzehn Uhr herauskommen. Es scheint ratsam, noch früher als gewöhnlich aufzustehen, wenn wir am Morgen unverzüglich aufbrechen wollen. Wir brauchen ausreichend Zeit, um uns für den Hof herzurichten.“

„Nun gut“, antwortete die Herzoginmutter, „ihr könnt jetzt gehen.“

Schë und Dschëng entfernten sich, verließen die Herzoginmutter mit Dame Hsing, Dame Wang und Hsi-fëng. Sie sprachen eine Weile über die Krankeit der kaiserlichen Nebenfrau Yüän und über Belanglosigkeiten und zogen sich für die Nacht zurück.
Gegen Mittag waren die Kundschafter noch nicht zurück. Da meldeten die Pförtner: „Zwei Eunuchen sind draußen und wünschen die beiden Herren zu sprechen." Begnadigung Kaufmann sagte: „Bittet sie herein." Die Pförtner führten die Eunuchen herein. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann empfingen sie am zweiten Tor. Zuerst erkundigten sie sich nach dem Wohlbefinden der Kaiserlichen Gemahlin; dann traten alle in die Halle und nahmen Platz. Der Eunuch sprach: „Die Kaiserliche Gemahlin Eures Hauses war in den letzten Tagen unwohl. Gestern erging ein kaiserlicher Erlass: Vier weibliche Verwandte dürfen sie besuchen, jede mit einer Magd; weitere Begleitung ist nicht gestattet. Die männlichen Verwandten dürfen nur am äußeren Palasttor ihre Visitenkarten abgeben und auf Nachricht warten; das Betreten des Palastes ist ihnen untersagt. Der Besuch ist morgen zwischen der Chen- und Si-Stunde gestattet, die Abreise zwischen der Shen- und You-Stunde." Aufrecht Kaufmann und Begnadigung Kaufmann standen auf und nahmen den Erlass entgegen. Man bot den Eunuchen Tee an, und sie verabschiedeten sich.
Am nächsten Morgen noch vor Tagesanbruch, zündeten Mägde die Lichter in allen Wohnungen an, und die Damen begannen, sich herzurichten. Um fünf Uhr, als die Damen bereit waren, und die Herren ihren feierlichen Gewändern den letzten Schliff verliehen hatten, kamen Lin Dschï-hsiau und Lai Da zum Inneren Tor, um zu berichten, daß die Sänften und Wagen wie angeordnet draußen bereit stünden. Djia Schë und die Dame Hsing kamen an, und die Gesellschaft war vollständig. Nach dem Frühstück, welches sie zusammen einnahmen, führte die Herzoginmutter, die sich auf Hsi-fëngs Arm stützte, alle hinaus, und der Hausstand versammelte sich, als die vier Damen, jede von einer einzigen Magd begleitet, langsam hinausgingen. Eine Vorhut, bestehend aus Li Guee und einem Älteren, ritt zu den äußeren Toren des Palastes, um die Vorbereitungen abzusprechen. Alle Generationen der Familie Djia stiegen in ihre Wagen oder setzten sich auf ihre Pferde. Die Prozession schloß sich an und mit Gefolgsleuten, die den Zug begleiteten, bewegten sie sich über die Straßen. Djia Liän und Djia Jung blieben zurück, um die beiden Wohnsitze zu beaufsichtigen.

Die Prozession hielt unter dem Westwall-Tor an, einem der äußeren Tore der Verbotenen Stadt, und kurz darauf traten die Eunuchen hervor, um anzukündigen:

„Angehörige der Familie Djia! Die Damen werden jetzt den Palast für ihren privaten Besuch betreten. Die Herren treten vor und halten am inneren Tor. Sie werden den inneren Bereich nicht betreten, sondern von dort ihre Ehrerbietungen erweisen.“
Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann begleiteten sie bis zum Haupttor und kehrten zurück, um die Alte Ahnin zu informieren. Die Alte Ahnin überlegte: „Vier weibliche Verwandte — das werden ich, die beiden Schwiegertöchter und noch eine sein." Niemand wagte etwas zu sagen. Die Alte Ahnin dachte nach: „Es muss Feng Jie sein — sie versteht es, sich um alles zu kümmern." Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann verbeugten sich und gingen, um die weiteren Vorbereitungen zu treffen. Jadeschale Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann [贾蓉] sollten das Haus hüten; alle anderen männlichen Verwandten vom „Wen"-Radikal bis zum „Cao"-Radikal sollten mitgehen. Vier grüne Sänften und über zehn Kutschen mit grünem Verdeck wurden für den Morgen bereitgestellt. Begnadigung Kaufmann und Aufrecht Kaufmann gingen wieder hinein und berichteten der Alten Ahnin: „Der Besuch ist zwischen der Chen- und Si-Stunde; der Rückweg beginnt zwischen Shen und You. Bitte ruht Euch heute früh aus, damit Ihr morgen zeitig aufbrechen könnt." Die Alte Ahnin sagte: „Ich weiß, geht nur." Die Herren zogen sich zurück. Xing Furen, Wang Furen und Feng Jie sprachen noch eine Weile über Urfrühling [元春]s Krankheit und gingen dann auseinander.
Die Männer am Tor drängten die Gesellschaft herein. Ein jüngerer Eunuch leitete die vier Sänften der Damen weiter, während die Herren, ihre Diener am äußeren Tor zurücklassend, den Sänften gemessenenSchrittes zu Fuß folgten. Als sie sich dem inneren Tor näherten, konnten sie dort einige ältere Eunuchen sitzen sehen, die sich erhoben, als die Prozession ankam, und meldeten:

„Herren der Djia Familie! Haltet hier!“

Djia Schë und Djia Dschëng ließen ihre Männer außerhalb des Tores ihre Stellung beziehen, während die Sänften der Damen unter dem inneren Tor anhielten, wo die Damen ausstiegen. Eine Eskorte jüngerer Eunuchen zeigte den Weg, und die Djia Damen, jede am Arm von ihrer Magd gestützt, gingen zu Fuß weiter in den inneren Bereich des Palastes, bis sie vor sich die überreich verzierte Fassade und die glanzvoll verglasten Dachziegel der Kaiserlichen Schlafgemächer der Konkubinen vor sich sahen.
Am nächsten Morgen, in der Dämmerung, waren alle Lichter angezündet, alle Damen gewaschen und geschmückt, alle Herren bereit. Zur ersten Stunde kamen Lin Zhixiao und Lai Da zum zweiten Tor und meldeten: „Sänften und Wagen stehen bereit." Bald darauf erschienen auch Begnadigung Kaufmann und Xing Furen. Man frühstückte; Feng Jie stützte die Alte Ahnin zum Wagen. Jeder Dame folgte eine Magd. Zwei Reitknechte ritten voraus zum äußeren Palasttor; die Familie folgte. Jadeschale Kaufmann und Herrlichkeit Kaufmann hüteten das Haus.
Zwei junge Kammerfrauen kamen ihnen entgegen, um sie darüber aufzuklären, daß die einzig notwenige Formalität ein Knicks sei. Die Wertschätzung für diese Gunst bekundend, näherten sich die Besucher dem Bett und knicksten der Reihe nach. Die kaiserliche Nebenfrau Yüän forderte sie auf, sich zu setzen, was sie nach einem freundlichen Zögern auch taten. Zuerst sprach sie zur Herzoginmutter:

„Sind Sie bei guter Gesundheit?“

An ihre Magd gelehnt, erhob sich die Herzoginmutter zitternd und antwortete:

„Dank der wohltätigen Aura der kaiserlichen Nebenfrau bin ich noch wohlauf.“

Die kaiserliche Nebenfrau Yüän sprach nun weiter zu den Damen Wang und Hsing, die beide auf die gleiche Art antworteten. Dann wandte sie sich an Hsi-fëng:

„Wie läuft es zu Hause?

Hsi-fëng erhob sich.

„Wir schaffen es, zurechtzukommen, kaiserliche Nebenfrau“, antwortete sie und setzte sich hin.

„Ich schätze“, sagte die kaiserliche Nebenfrau Yüän, „daß es in den vergangenen Jahren nicht leicht für euch war.“

Hsi-fëng war dabei, sich wieder zu erheben und zu antworten, als eine Kammerfrau mit vielen offiziellen Karten zur Begutachtung für die kaiserliche Nebenfrau eintrat. Als sie die Familiennamen erkannte, fühlte die kaiserliche Nebenfrau Yüän einen stechenden Schmerz und Tränen liefen ihr über die Wangen. Die Kammerfrau nahm ein Seidentaschentuch, mit dem sie ihre Tränen wegwischte und sagte dabei:

„Es geht mir heute ein wenig besser, bitte sag’ es ihnen. Und bitte sie, draußen zu warten.“

Die Djia Damen erhoben sich noch einmal und drückten ihre Dankbarkeit aus. Die kaiserliche Nebenfrau Yüän Augen waren immer noch gefüllt mit Tränen.
Am äußeren westlichen Palasttor hielt die Gesellschaft an. Zwei Eunuchen traten heraus und verkündeten: „Die Damen des Hauses Jia mögen eintreten; die Herren haben am inneren Palasttor zu warten und dürfen nicht eintreten." Die vier Sänften folgten den Eunuchen; die Herren gingen zu Fuß hinterher. Am inneren Tor verweilten die Herren; die Sänften wurden bis zum Palast der Kaiserlichen Gemahlin getragen. Dort stiegen die Damen aus und wurden von Hofdamen geführt. Als sie das Schlafgemach der Gemahlin erreichten, erstrahlte es in feierlichem Glanz. Zwei Hofdamen übermittelten: „Es genügt ein Gruß — alle Zeremonien sind erlassen." Die Alte Ahnin dankte, trat ans Bett, grüßte die Gemahlin, und alle nahmen die angewiesenen Plätze ein. Urfrühling fragte die Alte Ahnin: „Wie geht es Euch in letzter Zeit?" Die Alte Ahnin erhob sich zitternd, gestützt auf ein Mädchen, und antwortete: „Dank der Gnade Ihrer Majestät bin ich noch bei guter Gesundheit." Urfrühling fragte auch Xing Furen und Wang Furen nach ihrem Wohlbefinden. Dann wandte sie sich an Feng Jie: „Wie steht es mit dem Haushalt?" Feng Jie erhob sich und antwortete: „Wir kommen zurecht." Urfrühling sagte: „Diese Jahre haben dir viel Mühe gemacht."
„Familien einfachen Standes sind so viel glücklicher als wir! Wenigstens können sie zusammen sein!“

Der Herzoginmutter und den anderen standen auch die Tränen in den Augen.

„Wir flehen die kaiserliche Nebenfrau an, nicht traurig zu sein. Euer erhabener Segen ließ unsere Familie sich bereits tausendfach glücklich fühlen.“

„Wie geht es Bau-yü?“, fragte die kaiserliche Nebenfrau Yüän.

„Er nimmt seine Studien zur Zeit sehr ernst“, antwortete die Herzoginmutter. „Sein Vater war sehr streng mit ihm, er entwickelt sich langsam zu einem kleinen Gelehrten.“

„Ich bin sehr froh, das zu hören.“

Die kaiserliche Nebenfrau Yüän gab Anweisungen, das Mittagessen in der äußeren Empfangshalle servieren zu lassen, und zwei Kammerfrauen, von vier jüngeren Eunuchen unterstützt, geleiteten sie hinaus. Die Sitzordnung wurde in Übereinstimmung mit der Rangordnung der Dija Familie festgelegt und die Damen setzten sich nieder zu einem tadellosen Mahl, Einzelheiten brauchen wir nicht schildern.
Gerade wollte Feng Jie antworten, da brachte eine Hofdame eine Liste mit vielen Visitenkarten. Urfrühling las die Namen — Begnadigung Kaufmann, Aufrecht Kaufmann und die anderen —, und Tränen stiegen ihr in die Augen. Sie trocknete sie mit einem Seidentuch und befahl: „Heute fühle ich mich etwas besser — lasst sie draußen ruhen." Die Alte Ahnin erhob sich und dankte. Urfrühling sagte unter Tränen: „Als Vater, Tochter und Geschwister sind wir schlechter daran als eine einfache Familie, die sich jederzeit sehen kann." Die Alte Ahnin unterdrückte ihre Tränen: „Eure Majestät braucht sich nicht zu grämen — die Familie genießt dank Eurer Majestät viele Segnungen." Urfrühling fragte noch: „Wie steht es mit Schatzjade?" Die Alte Ahnin antwortete: „In letzter Zeit lernt er recht fleißig. Sein Vater hält ihn streng, und seine Aufsätze sind auch besser geworden." Urfrühling sagte: „So ist es recht." Dann befahl sie, im Außenpalast ein Bankett auszurichten. Hofdamen und Eunuchen geleiteten die Besucher in einen Saal, wo alles gerichtet war. Man nahm nach Rang Platz und speiste.
Als das Mittagessen vorüber war, dankten die Herzoginmutter und ihre drei Schwiegertöchter für das Essen und blieben noch eine Weile. Schließlich sahen sie, daß es bald fünf Uhr war und aus Angst, die Vorgabe zu überschreiten, machten sie sich auf den Weg. Die kaiserliche Nebenfrau Yüän schickte eine ihrer Kammerfrauen, sie bis zum inneren Tor zu begleiten, wo bereits dieselben vier Eunuchen warteten, sie hinauszuführen. Die Herzoginmutter und ihre Begleitung bestiegen ihre Sänften und wurden

zum äußeren Tor getragen, wo sie Djia Schë und die Männer antrafen. Die ganze Familie kehrte so in ihrer Prozession zurück.

Der Besuch wurde am nächsten Tag wiederholt und am Tag darauf und da die Prozeduren alle miteinander die gleichen waren, müssen wir dies hier nicht weiter ausführen.
Nach dem Essen dankte die Alte Ahnin. Man verweilte noch eine Weile, doch als die You-Stunde nahte, wagte man nicht länger zu bleiben. Alle verabschiedeten sich von Urfrühling; Hofdamen geleiteten sie bis zum inneren Tor, und die Eunuchen brachten sie hinaus. Die Alte Ahnin und ihre Begleiterinnen stiegen in die Sänften, wurden draußen von Begnadigung Kaufmann und den anderen empfangen, und alle kehrten gemeinsam heim. Man beriet auch schon die Besuche der folgenden Tage.
Währenddessen erging es der Familie Hsüä immer schlechter. Seit Hsia Djin-guee Hsüä Pan rausgeworfen hatte, hatte sie niemals Mangel an Partnern gespürt. Tjiu-ling zog aus, und lebte bei Bau-tschai, und die einzig übriggebliebene Person in diesem Bereich war Bau-tschan. Doch seit ihrer Beförderung in des Herren Bett, hatte sich Bau-tschan eine neue Selbstversicherung besorgt und Djin-guee beobachtete bald, daß ihre List, Bau-tschan Pan zu geben, versagt hatte. Ihre Magd wurde in der Tat ihre größte Rivalin. ‚Nun gut‘, dachte sie bei sich eines Tages, nachdem sie viel getrunken hatte und auf ihrem Ofenbett mit weinerlichem Gemüt lag, ‚laß uns sehen, was sie wert ist ...‘ Eine Runde oder zwei mit Bau-tschan könnte genau das Selters sein, das sie brauchte. Nun zu Xue Jinguis Haushalt: Seit sie Becken Schnee [薛蟠] fortgejagt hatte, fehlte ihr tagsüber der Streitpartner. Xiangling wohnte inzwischen bei Schatzspange[13] [宝钗], und nur Baochan war noch bei ihr. Doch seit Baochan zur Nebenfrau Becken Schnees bestimmt worden war, gab sie sich nicht mehr so unterwürfig wie zuvor. In Jinguis Augen war sie damit nur eine weitere Gegnerin — zu spät bereute sie es.
„Komm schon!“ verhöhnte sie sie. „Wohin ist unser prächtiger Herr bloß verschwunden? Wo versteckt er sich? Du weißt es, natürlich weißt du es, oder?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung“, antwortete Bau-tschan. „Wenn er es euch nicht erzählt hat, meine Herrin, wird es wohl sonst keiner wissen.“

„Verschone mich bloß mit „Herrin! Das ist doch auch Eure Welt geworden“, sagte Djin-guee mit einem hämischen Lächeln. „Andere Leute können wir nicht verärgern, die haben Beschützer. Ich wage es auch nicht, auf dem Kopf des Tigers nach Flöhen zu suchen. Doch du bist immer noch meine Magd, von dir muß ich mir keine Frechheiten gefallen lassen! Du versteckst Sachen vor mir. Wenn du deiner selbst so sicher bist, warum machst du nicht weiter und erwürgst mich? Dann haben du und Tjiu-ling euer Ziel erreicht! Wer möchte denn dann die Dame werden? Leider bin ich noch nicht tot und stehe Euch im Weg!“

Bau-tschan konnte dies nicht so hinnehmen. Sie schaute Djin-guee an:
Eines Tages hatte Jingui ein paar Gläser Wein getrunken und lag auf dem Kang. Sie wollte Baochan als Zielscheibe benutzen. „Wohin ist der Herr neulich verreist?" fragte sie. „Du weißt es natürlich." Baochan entgegnete: „Woher soll ich das wissen? Wenn er es nicht einmal der Herrin sagt, woher sollte ich es wissen?" Jingui lachte höhnisch: „Wo gibt es heute noch Herrinnen und Mägde? Es ist alles eure Welt geworden. Andere darf man ja nicht reizen — die haben ihren Schutzschild. Du bist immerhin noch meine Magd; ich frage dich ein einziges Wort, und du schneidest mir eine Grimasse. Da du so mächtig bist, warum erdrosselst du mich nicht? Dann könntest du oder Xiangling die Herrin spielen — wäre das nicht fein? Aber leider sterbe ich nicht, und das steht euch im Weg."
„Herrin, das was Sie erzählt haben, kann ja nur von fremden Leuten stammen. Ich habe der Herrin gar nicht widersprochen. Die Herrin möchte die anderen nicht verärgern, warum müssen Sie das an mir auslassen, der kleinen schwachen? Tatsächlich tut ihr immer so, als hättet ihr nichts gehört. Alle sind immer unschuldig.“

Beim Sprechen fing sie an, laut zu weinen. Djin-guee wurde noch wütender, stand vom Ofenbett auf und wollte sie schlagen. Bau-tschan hatte den Charakter der Familie Hsia und wollte kein Stück zurückweichen. Djin-guee überhörte Bau-tschans Unschuldsbeteuerungen und schlug mit voller Wucht Tische und Stühle kurz und klein.

Frau Hsüä war gerade in Bau-tschais Zimmer und hörte den fürchterlichen Lärm, den sie machten.
Baochan konnte das nicht hinnehmen und starrte Jingui mit weit aufgerissenen Augen an: „Diese Reden, Herrin, spart Euch für andere. Ich habe Euch kein Wort widersprochen. Wenn Ihr es nicht wagt, andere zu reizen, warum lasst Ihr's dann an uns aus? Was anständig wäre, tut Ihr, als hörtet Ihr es nicht!" Damit brach sie in lautes Weinen aus. Jingui wurde noch wilder, sprang vom Kang und wollte Baochan schlagen. Doch Baochan hatte das Temperament der Familie Xia und gab keinen Fingerbreit nach. Jingui fegte Tische, Stühle und Tassen um. Baochan schrie nach Gerechtigkeit, ohne sich um sie zu kümmern.
„Hsiang-ling,“ befahl sie, ohne nachzudenken, „geh hinüber und sieh nach, was los ist! Bring’ sie dazu, sich zu beruhigen.“

„Du kannst unmöglich Hsiang-ling schicken,“ erinnerte sie Bau-tschai. „Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen.“

„Nun gut, dann gehe ich eben selbst“, erklärte Frau Hsüä.

„Tu das besser nicht, Mama,“ wandte Bau-tschai ein, „sie sollen das unter sich ausmachen. Ich fürchte, es gibt nichts, das wir tun können.“

„Dieser Zustand ist einfach nicht tragbar!“ schrie Frau Hsüä und, von einer ihrer Mägde gestützt, begab sie sich in Richtung von Djin-guees Wohnung. Bau-tschai folgte ihr unwillig, gab dabei Hsiang-ling strenge Anweisungen, zurückzubleiben. Als sie sich Djin-guees Wohnung näherten, konnten sie innen den Sturm hören, der nicht abklingen wollte.
Tante Schnee[14] [薛姨妈], die drüben bei Schatzspange saß, hörte den Tumult und rief: „Xiangling, geh hinüber und sieh nach — versuch, sie zu beruhigen." Schatzspange sagte: „Das geht nicht, Mama. Wenn sie hingeht, ist das Öl ins Feuer." Tante Schnee sagte: „Dann gehe ich selbst." Schatzspange erwiderte: „Meiner Meinung nach solltest du auch nicht gehen. Lass sie sich austoben — es hilft doch nichts." Tante Schnee rief: „So geht das nicht weiter!" und ging, gestützt auf eine Magd, zu Jingui hinüber. Schatzspange folgte, ermahnte aber Xiangling: „Bleib hier."
„Was hat das alles zu bedeuten?“, rief Frau Hsüä. „Schaut euch nur an! Was für eine schändliche Art, sich zu benehmen! Ihr wißt, daß andere Leute euch hören können. Schämt ihr euch nicht für das, was die Verwandschaft wohl denken mag? Habt ihr keine Angst, euch zu Witzfiguren zu machen?“

„Ich eine Witzfigur – das reicht!“ keifte Djin-guee von innen. „Eure ganze verkommene Familie ist eine Witzfigur. Es gibt keinen Familienvorstand, keine Dienstmagd, keine Ehefrau und Nebenfrau, das ist eine Welt der Chaoten! Ich wurde ganz anders erzogen, das kann ich euch sagen! Bei mir zu Hause kannte jeder seinen Platz. Ich habe genug in eurer Familie ertragen müssen!“
Mutter und Tochter kamen an Jinguis Zimmertür, und drinnen wurde immer noch gekreischt und geweint. Tante Schnee rief: „Was soll das wieder? Stellt ihr das Haus auf den Kopf? Sieht das noch aus wie ein ordentlicher Haushalt? Bei unseren niedrigen Mauern und kleinen Höfen — habt ihr keine Angst, dass die Verwandten euch auslachen?" Aus Jinguis Zimmer kam die Antwort: „Ich hätte ja Angst vor Gerede! Aber hier steht der Besen auf dem Kopf — es gibt keine Herrin, keine Magd, keine Hauptfrau, keine Nebenfrau — alles geht drunter und drüber! Wir von der Familie Xia kennen solche Zustände nicht; das halte ich nicht aus!"
„Schwägerin,“ flehte Bau-tschai, „Mutter ist nur gekommen, weil sie euch zwei kämpfen hörte. Falls du glaubst, sie hätte dich beleidigt, ist es nur, weil sie nicht zwischen der Herrin und Bau-tschan unterschied, sie war doch nur traurig. Mit Sicherheit meinte sie es nicht so. Wäre es nicht besser, in Ruhe zu erklären, was dir nicht gefällt, und wir alle finden gemeinsam eine friedliche Lösung? Arme Mutter, wir bekümmern sie noch zu Tode.“

„Ja,“ fügte Frau Hsüä hinzu, „bevor du mich beschuldigst, erklär’ mir bitte, welche Probleme es gibt.“
Schatzspange sagte: „Liebe Schwägerin, Mama ist nur gekommen, weil sie den Lärm hörte. Wenn sie vor Aufregung nicht zwischen ‚Schwägerin' und ‚Baochan' unterschieden hat — was macht das schon? Lasst uns die Sache klären und friedlich zusammenleben, damit Mama nicht jeden Tag um unseretwillen Sorgen hat." Tante Schnee stimmte zu: „Ja, klärt erst die Sache — danach könnt ihr mir immer noch Vorwürfe machen!"
„So ein gutes Mädchen!“, sagte Djin-guee an Bau-tschai gewandt. „Ich bin sicher, so eine feine Dame wie du wird sicher einen guten Ehemann finden und in einem schönen Haus wohnen – nicht wie ich, ich sitze hier, wie eine lebendige Witwe, keine Verwandten um mich und werde von allen und jedem ausgenutzt! Was für eine Närrin ich nur bin! Verurteile mich nicht zu hart. Ich bin nur eine arme vaterlose Kreatur, die es nicht besser gelernt hat. Und ich bin sicher, es wäre dir lieber, wenn ich die schmutzigen Details von dem aussparen würde, was wirklich zwischen meinem Mann und großen und kleinen Damen vorgeht, ganz zu schweigen von den Dienstmägden!“ Jingui höhnte: „Liebes Fräulein, liebes Fräulein, du bist ja so tugendhaft und gütig! Du wirst sicher einen guten Mann und eine gute Familie bekommen — ganz anders als ich, die lebend Witwe spielt, ohne Verwandte, der man auf dem Kopf herumtanzt. Ich bin eben ein einfältiger Mensch — nur bitte, Fräulein, nimm mir nicht jedes Wort übel. Ich hatte keine Eltern, die mich erzogen haben. Und was in meinem Schlafgemach zwischen Mann und Frauen geschieht, hat das Fräulein ohnehin nicht zu bestimmen!"
Als Bau-tschai dies hörte, schämte sie sich und wurde wütend. Ihre Mutter in dieser Situation zu sehen, tat ihr im Herzen weh. Sie hielt die Luft an und sprach zur Schwägerin:

„Schwägerin,“ flehte sie, „bitte sag’ nichts mehr. Niemand verurteilt dich, niemand nutzt dich aus – auch Tjiu-ling niemals.“

Darauf begann Djin-guee auf ihr Ofenbett zu schlagen und schrie mit grellster Stimme:
Schatzspange hörte das — Scham und Zorn zugleich, und der Anblick ihrer Mutter tat ihr zusätzlich weh. Sie schluckte ihren Ärger hinunter und sagte: „Schwägerin, ich rate dir, weniger zu reden. Wer kritisiert dich? Wer schikaniert dich? Von Xiangling gar nicht zu reden — ich habe nie ein lautes Wort gegen sie gesagt."
„Tjiu-ling! Wie kann man mich nur mit ihr vergleichen? Ich bin den Schlamm unter ihren Füßen nicht wert, nicht wahr? Sie ist viel länger als ich hier, sie versteht euch und weiß, wie man euch Honig ums Maul schmiert und ich nicht, ich bin nur ein Neuankömmling! Ich kann das nicht. Wie könntet Ihr mich mit ihr vergleichen. Was solls. Wir können nicht alle Kaiserliche Nebenfrau sein; gehe besser deinen eigenen Weg und paß auf, daß du nicht so enden wirst wie ich, verheiratet mit einem dummen Tölpel und wie eine lebendige Witwe dasitzend, daß mich jeder beliebig verspotten kann!“

Frau Hsüä hörte das, wurde sehr wütend, stand auf und sagte:
Jingui schlug auf den Kangrand und weinte noch lauter: „Wie könnte ich mich mit Xiangling vergleichen! Nicht einmal den Staub unter ihren Füßen bin ich wert! Sie ist lange genug hier, kennt die Absichten des Fräuleins und versteht sich einzuschmeicheln. Ich bin neu hier und kann nicht schmeicheln — wie darf man mich mit ihr vergleichen? Wie grausam! Es können eben nicht alle das Glück einer Kaiserlichen Gemahlin haben. Seid lieber gütig — sonst müsst ihr am Ende noch wie ich einen Dummkopf heiraten und lebendig Witwe spielen, das wäre eine schöne Blamage!"
„Ich verteidige sie nicht nur, weil sie meine Tochter ist; ich rate dir, hüte deinen Mund. Sie hat alles versucht, um sich mit dir zu vertragen, doch du hast nur im Sinn, sie weiter zu reizen. Was auch immer dein Problem ist, laß das arme Mädchen in Ruhe! Wenn du jemanden bestrafen willst, warum erwürgst du nicht mich stattdessen?“ –

„Bitte werd du nicht auch noch böse, Mama,“ bettelte Bau-tschai. „Wir haben nur versucht zu helfen. Wenn alles, was wir tun, es nur noch schlimmer macht, denke ich ehrlich, wir sollten gehen. Laß uns ihr Zeit geben, über alles nachzudenken. Und du hör’ auf, noch weiteren Ärger zu verursachen!“ Die letzte Bemerkung war an Bau-tschan gerichtet.
Tante Schnee konnte nicht mehr an sich halten, stand auf und rief: „Ohne meiner eigenen Tochter schmeicheln zu wollen — sie redet dir mit jedem Satz gut zu, und du stachelst sie mit jedem Satz! Wenn du etwas auszusetzen hast, lass es an mir aus — mich umzubringen wäre kein großes Ding!" Schatzspange beschwichtigte: „Mama, rege dich nicht auf. Wir sind doch gekommen, um zu schlichten — wenn wir uns selbst aufregen, kommt noch mehr Ärger hinzu. Gehen wir lieber und lassen die Schwägerin zur Ruhe kommen." Sie wies Baochan an: „Du hörst auch auf." Und damit gingen sie.
So gingen die beiden und kehrten in ihre eigene Wohnung zurück. Als sie den Hof durchquerten, sahen sie ein Dienstmädchen der Herzoginmutter mit Tjiu-ling herauskommen, und sie liefen ihnen entgegen, um sie zu grüßen.

„Welchen Weg habt ihr genommen?“, fragte Frau Hsüä und fügte hinzu: „Wir hoffen, der Herzoginmutter geht es gut.“

„Es geht ihr gut, vielen Dank, gnädige Frau“, antwortete die Magd. „Die Herzoginmutter trug mir auf, Euch ihre Hochachtung zu übermitteln, Euch für die Lychees zu danken, die Ihr letztens geschickt habt und Fräulein Tjin zu ihrer Verlobung zu gratulieren.“

„Wann sind Sie denn gekommen?“, fragte Bau-tschai.

„Vor einer ganzen Weile,“ war ihre Antwort. Frau Hsüä wurde rot, als sie bemerkte, wieviel die Magd mitgehört haben mußte.

„Ich fürchte, bei uns ist es so chaotisch derzeit“, sagte sie, „wir müssen in euren Augen Witzfiguren sein.“

„Ach, gnädige Frau, das ist nichts Ernstes“, sagte die Magd. „Jede Familie hat ihre kleinen Probleme. Das ist so natürlich wie das Klirren von Tellern im Picknickkorb. Ihr sorgt euch zu sehr.“
Im Hof begegneten ihnen eine Magd der Alten Ahnin und Xiangling. Tante Schnee fragte: „Woher kommst du? Geht es der Alten Ahnin gut?" Das Mädchen antwortete: „Der Alten Ahnin geht es gut. Sie schickt mich, um der Tante guten Tag zu sagen, für die Litschis neulich zu danken und dem Fräulein Qin zu gratulieren." Schatzspange fragte: „Wann bist du gekommen?" Die Magd antwortete: „Schon vor einer ganzen Weile." Tante Schnee errötete verlegen: „Wie du siehst, gibt es bei uns zu Hause solchen Aufruhr — euer Haus lacht gewiss über uns." Das Mädchen sagte: „Aber Tante, so etwas gibt es doch überall — wo gibt es nicht einmal Streit? Das denkt Ihr Euch nur." Man kehrte in Tante Schnees Zimmer zurück, und nach einer kurzen Weile ging die Magd.
Sie ging mit ihnen hinein und setzte sich einen Moment hin, bevor sie zur Herzoginmutter zurückkehrte.

Eine Weile später, Bau-tschai war damit beschäftigt, Hsiang-ling Anweisungen zu geben, als Frau Hsüä plötzlich schrie:

„Au! Meine linke Brust!“
Schatzspange hatte gerade Xiangling etwas zugeflüstert, als Tante Schnee plötzlich aufschrie: „Mein linker Rippenbogen schmerzt fürchterlich!" Damit sank sie auf den Kang. Schatzspange und Xiangling waren entsetzt.
Sie legte sich nieder auf das Ofenbett und versetzte Bau-tschai und Hsiang-ling in große Panik. Doch wenn Sie den Ausgang dieser Begebenheit wissen wollen, müssen Sie zum nächsten Kapitel übergehen. Wie es weiterging, erfährt der geneigte Leser im folgenden Kapitel.
  1. Die Kaiserliche Gemahlin Jia (贾元春, Yuánchūn): Älteste Tochter Aufrecht Kaufmanns, Nebengemahlin des Kaisers.
  2. Spürfrühling: Chin. 探春 Tànchūn, wörtl. „Suchender Frühling".
  3. Wolke vom Xiang-Fluss: Chin. 湘云 Xiāngyún, wörtl. „Wolke des Xiang-Flusses".
  4. Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".
  5. Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpur-Kuckuck".
  6. Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „Angreifender Duft".
  7. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.
  8. Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente".
  9. Jadeschale Kaufmann: Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadeschale".
  10. Friedchen: Chin. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedliche".
  11. Aufrecht Kaufmann: Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng, wörtl. „aufrecht/Regierung".
  12. Schein Kaufmann-Echt: Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, wörtl. „Schein-Echtheit".
  13. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange" des Xue-Hauses.
  14. Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante des Xue-Hauses".
Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本).

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