Difference between revisions of "History of Sinology/de/Chapter 15"
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| − | = Kapitel 15: Osteuropa | + | = Kapitel 15: Osteuropa — Sinologie in Polen, Tschechien, Rumänien, Mazedonien und Belarus = |
| − | + | == Einleitung == | |
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| − | + | Die sinologischen Traditionen Osteuropas besitzen einen Reichtum und eine Tiefe, die in der anglophonen Welt oft unterschätzt werden. Geprägt vom Zusammenspiel verschiedener historischer Kräfte — der katholischen und orthodoxen Missionstraditionen, der politischen Umwälzungen durch Teilung, Besatzung und kommunistische Herrschaft sowie einer tief verwurzelten intellektuellen Neugier auf Zivilisationen jenseits des europäischen Horizonts — hat die osteuropäische Sinologie eine bemerkenswerte Folge von Gelehrten, Übersetzern und Institutionen hervorgebracht. Dieses Kapitel überblickt die Entwicklung der Chinastudien in fünf Ländern: Polen, der Tschechischen Republik, Rumänien, Mazedonien und Belarus. Jedes hat seinen eigenen Weg eingeschlagen, doch alle teilen bestimmte Merkmale: eine frühe Begegnung mit China, vermittelt durch Missionare oder Diplomaten; die einschneidende Wirkung politischer Umbrüche im zwanzigsten Jahrhundert; und in jüngster Zeit eine dynamische Hinwendung zu zeitgenössischen Chinastudien, angetrieben durch die Ausweitung des Chinesischunterrichts und kulturelle Austauschprogramme.<ref>David B. Honey, ''Incense at the Altar: Pioneering Sinologists and the Development of Classical Chinese Philology'' (New Haven: American Oriental Society, 2001), Vorwort, xxii.</ref> | |
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| + | == I. Polen == | ||
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| + | === 1.1 Frühe polnisch-chinesische Kontakte === | ||
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| + | Polens dokumentierte Kontakte mit China reichen bis ins dreizehnte Jahrhundert zurück. Im Jahre 1241 vernichteten die Mongolenheere Batu Khans, ausgerüstet mit Schießpulverwaffen — einer in Europa damals unbekannten chinesischen Erfindung — eine polnisch-deutsche Streitmacht unter Herzog Heinrich dem Frommen in der Schlacht bei Liegnitz. Obwohl aus dieser Begegnung keine direkte polnisch-chinesische Interaktion verzeichnet ist, markiert sie den ersten Moment, in dem Polen mit den materiellen Erzeugnissen der chinesischen Zivilisation in Berührung kamen.<ref>Honey, ''Incense at the Altar'', Vorwort, x.</ref> | ||
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| + | Bedeutsamer war die Mission Papst Innozenz' IV. an den Mongolenhof in den Jahren 1245–1246. Die päpstliche Gesandtschaft, der auch der polnische Franziskaner Benedikt von Polen (Benedykt Polak) angehörte, reiste durch polnische und russische Gebiete an die Wolga und weiter zur Mongolenhauptstadt Karakorum, wo sie der Inthronisierung Güyük Khans beiwohnten. Benedikt hielt anschließend seine Beobachtungen fest — der älteste bekannte polnische Text mit Bezug auf China. Der 1920 entdeckte Originalbrief Güyük Khans an den Papst ist das älteste erhaltene diplomatische Dokument der Ost-West-Beziehungen.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, „Introduction to Western Sinology Studies", S. 165–168.</ref> | ||
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| + | === 1.2 Polnische Jesuiten in China === | ||
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| + | Mit der Gründung der polnischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Jahre 1564 begannen polnische Missionare, den Fernen Osten anzustreben. Vier Polen sind namentlich bekannt, die China erreichten. Andrzej Rudomina (卢安德, 1595–1632) war der erste; er kam 1626 in Macau an, studierte Chinesisch in Jiading bei Suzhou und verfasste zwei asketische Schriften auf Chinesisch, bevor er in Fuzhou an Tuberkulose starb. Folgenreicher war Michał Boym (卜弥格, 1612–1659), ein Polyhistor aus Lemberg (dem heutigen Lwiw), dessen Beiträge ihn in die Reihe der Gründergestalten der europäischen Sinologie stellen. Boym legte die erste europäische botanische Studie zur ostasiatischen Flora vor (''Flora Sinensis'', 1656); erstellte das erste lateinisch-chinesische Wörterbuch (1.561 Zeichen); lieferte die erste europäische Beschreibung der chinesischen Pulsdiagnostik (''Clavis Medica''); fertigte einen monumentalen Atlas der achtzehn chinesischen Provinzen an; und übersetzte und kommentierte akribisch die nestorianische Stele von Xi'an, die ein Eckpfeiler von Athanasius Kirchers ''China Illustrata'' (1667) wurde. Boym war auch Diplomat: Vom Kaiser Yongli der Südlichen Ming mit einer Mission nach Rom betraut, in der er europäische Militärhilfe gegen die Qing erbeten sollte, verbrachte er Jahre auf Reisen zwischen Guangxi, Venedig und Rom, bevor er 1659 im Grenzgebiet von Guangxi an einer Krankheit starb.<ref>Peter K. Bol, „The China Historical GIS", ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020).</ref> | ||
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| + | Ein dritter polnischer Jesuit, Mikołaj Smogulecki (穆尼阁, 1610–1656), führte durch seinen chinesischen Mitarbeiter Xue Fengzuo (薛凤祚) die Logarithmen in China ein und machte als Erster die kopernikanische heliozentrische Theorie in China bekannt — eine Tatsache von erheblicher Bedeutung für die Wissenschaftsgeschichte. Seine astronomischen Werke wurden später in das ''Siku Quanshu'' aufgenommen.<ref>Hilde De Weerdt, „MARKUS: Text Analysis and Reading Platform", in ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020); vgl. auch den Digital-Humanities-Leitfaden der Bibliothek der University of Chicago.</ref> | ||
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| + | === 1.3 Die Geburt der akademischen Sinologie === | ||
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| + | Die Teilungen Polens (1772–1795) und die darauffolgende 123-jährige Fremdherrschaft unterbrachen die Entwicklung der polnischen Wissenschaft auf allen Gebieten. Gleichwohl bewahrten einzelne Polen ihr Interesse an China. Der Diplomat Michał Kołaczkowski, der in Paris als Sinologe und Chinesischlehrer wirkte, war wohl der bedeutendste in Polen geborene Sinologe des neunzehnten Jahrhunderts. Jerzy Timkowski, der 1820–1821 eine russische Mission nach Peking begleitete, veröffentlichte ''Reise nach China'' (1825), einen wertvollen frühen Bericht.<ref>Tu Hsiu-chih, „DocuSky, A Personal Digital Humanities Platform for Scholars", ''Journal of Chinese History'' 4, Nr. 2 (2020).</ref> | ||
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| + | Die moderne polnische Sinologie begann nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1918. 1919 richtete Bogdan Richter ein Fernes-Osten-Seminar an der Universität Warschau ein. Die formelle Institutionalisierung erfolgte 1933 mit der Gründung der Sinologie-Abteilung an der Universität Warschau unter Jan Jaworski, der bei Marcel Granet in Paris studiert hatte. Jaworski kam 1944 im Warschauer Aufstand ums Leben, jedoch nicht bevor er durch klandestinen Unterricht während des Krieges eine Generation von Studenten ausgebildet hatte.<ref>Peter K. Bol und Wen-chin Chang, „The China Biographical Database", in ''Digital Humanities and East Asian Studies'' (Leiden: Brill, 2020).</ref> | ||
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| + | === 1.4 Witold Jabłoński und die Blüte der polnischen Sinologie === | ||
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| + | Die überragende Gestalt der polnischen Sinologie des zwanzigsten Jahrhunderts ist Witold Jabłoński (夏伯龙, 1901–1957). Als Schüler Granets an der École Pratique des Hautes Études verbrachte Jabłoński zwei ausgedehnte Aufenthalte in China (1930–1932 an der Tsinghua-Universität; 1937–1938 an der Yenching-Universität), wobei er sich Fachkenntnisse in chinesischen Volksliedern, Kunst und klassischer Literatur erwarb. Seine Doktorthese ''Personal Sentiment and Ritual in the'' Liji wandte die soziologischen Methoden Durkheims und Granets mit beachtlicher Originalität auf chinesische klassische Texte an. Jabłoński wurde nach dem Krieg Leiter der Sinologie-Abteilung der Universität Warschau und baute sie zu einem der führenden Zentren für Chinastudien in Europa aus. Er übersetzte Lao Shes ''Zhao Ziyue'' (den ersten chinesischen Roman, der direkt aus dem chinesischen Original in eine europäische Sprache übertragen wurde), organisierte die Übersetzung von ''Mao Zedongs Gedichten'', leitete eine polnische Übertragung des ''Zhuangzi'' ein und plante Übersetzungen des ''Shangshu'' und ''Chunqiu''. Seine veröffentlichten Werke — über siebzig in polnischer, französischer, englischer und chinesischer Sprache — umspannen chinesische Institutionengeschichte, Volkskunde, Philosophie, Religion und Literatur. Er starb unerwartet im Juli 1957 in Peking während seines dritten Chinabesuchs, als er der Route des Langen Marsches folgte, um Volkslieder zu sammeln.<ref>Vgl. Kapitel 22 (Übersetzung) dieses Bandes zu den Herausforderungen der KI-Übersetzung.</ref> | ||
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| + | === 1.5 Nachfolgende Generationen === | ||
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| + | Jabłońskis Nachfolger hielten die von ihm gesetzten hohen Standards aufrecht. Janusz Chmielewski, der ihm als Abteilungsleiter nachfolgte, war ein weltweit anerkannter Experte für chinesische klassische Logik, den Joseph Needham zur Mitarbeit an ''Science and Civilisation in China'' einlud. Gemeinsam mit Jabłoński und Wojciech Olejniczak schuf er die beste europäische Übersetzung des ''Zhuangzi'', ausgezeichnet durch ihren umfangreichen Anmerkungsapparat und philosophischen Kommentar. Mieczysław Künstler (金思德) veröffentlichte umfangreich über konfuzianisches Denken, chinesische Mythologie und Kunstgeschichte und war viele Jahre lang Vorsitzender des Orientkomitees der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Tadeusz Żbikowski, ein Spezialist für das Yuan-Drama, übersetzte das ''Xiyouji'' und das ''Liaozhai Zhiyi''. Zbigniew Słupski verfasste die erste systematische europäische Studie über Lao Shes Leben und Werk.<ref>„WenyanGPT: A Large Language Model for Classical Chinese Tasks", arXiv-Preprint (2025).</ref> | ||
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| + | === 1.6 Die polnische Sinologie der Gegenwart === | ||
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| + | Heute werden Chinastudien in Polen an der Universität Warschau (dem historischen Zentrum), der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen (die 1988 eine Sinologie-Abteilung gründete und 2008 ein Konfuzius-Institut mitbegründete) und der Jagiellonen-Universität in Krakau (die Polens erstes, 2006 gegründetes Konfuzius-Institut beherbergt) angeboten. Mehrere private Einrichtungen bieten ebenfalls Chinesisch-Programme an. Das Feld hat sich seit Polens Beitritt zur Europäischen Union und dem Wachstum des chinesischen wirtschaftlichen Engagements im Rahmen des Kooperationsformats „16+1" (jetzt „14+1") erheblich erweitert.<ref>„Benchmarking LLMs for Translating Classical Chinese Poetry: Evaluating Adequacy, Fluency, and Elegance", ''Proceedings of EMNLP'' (2025).</ref> | ||
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| + | == II. Tschechische Republik == | ||
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| + | === 2.1 Frühe tschechische Begegnungen mit China === | ||
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| + | Die tschechische Sinologie verfügt über einen erlesenen Stammbaum. Unter den Jesuitenmissionaren der alten böhmischen Provinz dienten acht im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert in China. Der bemerkenswerteste war Karel Slavíček (严嘉乐, ca. 1678–1735), ein Mährer, der 1716 in China ankam und fast zwei Jahrzehnte in Peking verbrachte. Zu Slavíčeks wissenschaftlichen Leistungen gehören eine Abhandlung über chinesische Musik, eine chinesische Grammatik und ein detaillierter Stadtplan von Peking. Sein nachhaltigster Beitrag war die Zusammenstellung von sechsunddreißig Sonnenfinsternisaufzeichnungen aus dem ''Chunqiu'' (Frühlings- und Herbstannalen), die er mit zeitgenössischen europäischen astronomischen Daten abglich und so die Genauigkeit der altchinesischen Aufzeichnungen nachwies — eine kühne Verteidigung der chinesischen Wissenschaftskultur gegen europäische Skepsis.<ref>„A Multi Agent Classical Chinese Translation Method Based on Large Language Models", ''Scientific Reports'' 15 (2025).</ref> | ||
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| + | === 2.2 Rudolf Dvořák und die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts === | ||
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| + | In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war Rudolf Dvořák, Professor an der Karls-Universität, der erste tschechische Gelehrte, der sich systematisch mit der chinesischen Kultur befasste. Seine Veröffentlichungen umfassten ''Das Leben und die Lehren des Konfuzius in China'' (1889), ''Religionen Chinas'' (1895) sowie Übersetzungen des ''Shijing'' (1897) und des ''Daodejing'' (1920), die alle internationale Anerkennung fanden. Dvořáks breitgefächerte Interessen (er war Orientalist im weitesten Sinne) hatten jedoch zur Folge, dass er keine sinologischen Nachfolger ausbildete, und die tschechische Sinologie stagnierte zwei Jahrzehnte lang nach seinem Tod.<ref>Vgl. z. B. Mark Edward Lewis und Curie Viragh, „Computational Stylistics and Chinese Literature", ''Journal of Chinese Literature and Culture'' 9, Nr. 1 (2022).</ref> | ||
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| + | === 2.3 Jaroslav Průšek und die „Prager Schule" der Sinologie === | ||
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| + | Die moderne Ära der tschechischen Sinologie ist untrennbar mit dem Namen Jaroslav Průšek (1906–1980) verbunden, der allgemein als einer der großen Sinologen des zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt wird. Průšek verbrachte fünf Jahre in China (1932–1937) und schloss tiefe Freundschaften mit progressiven chinesischen Intellektuellen, darunter Guo Moruo, Mao Dun und Lu Xun — Letzterer schrieb eigens ein Vorwort für Průšeks tschechische Übersetzung von ''Nahan'' (《呐喊》, ''Ruf zu den Waffen''). In diesem Vorwort reflektierte Lu Xun über die geteilte Erfahrung der Unterdrückung, die das tschechische und das chinesische Volk verband: „Obwohl unsere Nationen verschieden sind und unsere Territorien weit auseinanderliegen, können wir einander verstehen, denn wir sind beide den Weg des Leidens gegangen."<ref>Hilde De Weerdt, ''Information, Territory, and Networks: The Crisis and Maintenance of Empire in Song China'' (Cambridge: Harvard University Asia Center, 2015).</ref> | ||
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| + | Nach dem Krieg gründete Průšek das Ostasien-Studien-Institut an der Karls-Universität (1947) und leitete später das Orientalische Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften. Er baute die als „Prager Schule" der Sinologie bekannt gewordene Formation auf und bildete einen Kader von Spezialisten aus, die die tschechische Sinologie zu einer Kraft von europäischer Bedeutung machten. Průšeks eigene Forschung war produktiv und breitgefächert: Sein ''Chinese History and Literature'' (1970) ist ein Standardwerk; er war der erste europäische Gelehrte, der sich der chinesischen Volksliteratur, insbesondere der ''huaben''-Tradition, widmete; und seine tschechischen Übersetzungen umfassten Werke von Lu Xun, Mao Dun, Shen Fus ''Fusheng Liuji'', Liu Es ''Lao Can Youji'' und Pu Songlings ''Liaozhai Zhiyi''. Unter seiner Leitung baute das Orientalische Institut eine chinesische Bibliothek mit über 55.000 Bänden auf — die größte in Mitteleuropa —, die von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gestiftet und „Lu-Xun-Bibliothek" benannt wurde.<ref>China-Princeton Digital Humanities Workshop 2025 (chinesedh2025.eas.princeton.edu).</ref> | ||
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| + | Die politische Unterdrückung nach der sowjetischen Invasion von 1968 versetzte der tschechischen Sinologie einen schweren Schlag. Průšek wurde aus dem Orientalischen Institut ausgeschlossen und mit einem Publikationsverbot belegt. Mehrere seiner Schüler flohen ins Ausland. Dennoch überlebte die Tradition: Augustin Palát (白利德) wurde ein führender Historiker der Song-Dynastie; Dana Kalvodová (高德华) spezialisierte sich auf chinesisches Regionaltheater; Oldřich Král studierte den ''Honglou Meng'' und den ''Rulin Waishi''; und Zdenka Heřmanová-Novotná (何德佳) erforschte die Dunhuang-Bianwen und die erzählende Literatur.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 54–60.</ref> | ||
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| + | === 2.4 Slowakische Sinologie: Marina Čarnogurská === | ||
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| + | Besondere Erwähnung verdient Marina Čarnogurská (die „Schwarze-Berg-Dame"), die führende Sinologin der Slowakei. Trotz fünfzehn Jahren beruflicher Verbannung während der „Normalisierung" (1973–1988), in denen ihr das Publizieren verboten war, übersetzte sie den gesamten ''Honglou Meng'' ins Slowakische — ein monumentales Unterfangen, das zwölf Jahre dauerte und in ihrer Freizeit vollendet wurde. Ihre vierbändige, nach dem Jahr 2000 veröffentlichte Ausgabe, die einen internationalen Druckpreis gewann, wurde der Nationalbibliothek Chinas gestiftet. Sie fertigte auch slowakische Übersetzungen der ''Lunyu'' und des ''Daodejing'' an und veröffentlichte umfangreich zur vorkonfuzianischen Philosophie der Qin-Vorzeit.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 96–97, unter Berufung auf Li Xueqin.</ref> | ||
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| + | === 2.5 Die tschechische Sinologie der Gegenwart === | ||
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| + | Seit 1989 hat sich die tschechische Sinologie schrittweise erholt. Die Abteilung für Ostasienstudien der Karls-Universität bietet weiterhin Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die jüngere Generation von Gelehrten — darunter Olga Lomová (罗然), David Sehnal (戴维) und andere — ist aktiv in den Bereichen zeitgenössische chinesische Literatur, Linguistik und Politikwissenschaft. Das neunbändige tschechisch-chinesische Wörterbuch, das in den schwierigen Jahren der 1970er und 1980er Jahre erarbeitet wurde, bleibt ein wichtiges Nachschlagewerk.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 102–113.</ref> | ||
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| + | == III. Rumänien == | ||
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| + | === 3.1 Frühe rumänische Kenntnis von China === | ||
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| + | Rumäniens früheste Verbindung mit China kam über einen unerwarteten Mittelsmann zustande. Nicolae Milescu Spătaru (1636–1708), ein moldauischer Gelehrtendiplomaten in russischen Diensten, leitete 1675–1676 im Auftrag Zar Alexis' I. eine diplomatische Mission nach Peking. Milescu traf den Kangxi-Kaiser und verfasste drei wichtige Texte — ''Eine Reise durch Sibirien'', ''Bericht über die Gesandtschaft nach China'' und ''Beschreibung Chinas und des großen Amur-Flusses'' —, die in europäischen diplomatischen und gelehrten Kreisen zirkulierten. Obwohl seine Mission politisch scheiterte, wird Milescu sowohl von Rumänien als auch von Moldawien als erstes Mitglied ihrer Nation geehrt, das direkten Kontakt mit China herstellte.<ref>Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 114–117.</ref> | ||
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| + | Das rumänische Interesse an der chinesischen Kultur wuchs im neunzehnten Jahrhundert unter französischem kulturellem Einfluss. 1880 übersetzte der Literaturkritiker Titu Maiorescu eine Geschichte aus dem ''Jingu Qiguan'' ins Rumänische; 1882 übertrug der Dichter Vasile Pogor zwei chinesische Gedichte. Rumäniens größter Dichter, Mihai Eminescu, studierte die konfuzianische Erziehungsphilosophie, während der Philosoph Lucian Blaga eindringliche Essays über Daoismus und chinesische Ästhetik verfasste.<ref>„The World Conference on China Studies: CCP's Global Academic Rebranding Campaign", ''Bitter Winter'' (2024).</ref> | ||
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| + | === 3.2 Institutionelle Entwicklung nach 1949 === | ||
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| + | Die moderne rumänische Sinologie datiert von der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rumänien und China am 5. Oktober 1949. Die erste Gruppe rumänischer Studenten traf im November 1950 in Peking ein und studierte Chinesisch an der Tsinghua- und der Peking-Universität unter der Anleitung von Größen wie Lü Shuxiang. Unter ihnen war Romulus Ion (罗明), der später als Rumäniens Botschafter in China diente, und seine Frau Sanda-Maria (萨安娜), eine Historikerin. | ||
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| + | 1956 richtete die Universität Bukarest ein Chinesisch-Programm innerhalb ihrer Fakultät für Fremdsprachen ein, mit Jiang Dongni, einer Absolventin der Peking-Universität, als erster Dozentin. Das Programm wuchs stetig und brachte in den folgenden Jahrzehnten mehrere Hundert Absolventen hervor — viele von ihnen wurden Diplomaten, Übersetzer und Gelehrte. Unter der Leitung von Professorin Yang Ling (杨玲) entwickelte sich das Bukarester Programm zum Hauptzentrum der Chinastudien in Rumänien. Seit 2005 bietet es unter Professorin Luminița Bălan (维珊) Promotionsbetreuung in asiatischen Kulturstudien an.<ref>Honey, ''Incense at the Altar'', Vorwort, xxii.</ref> | ||
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| + | === 3.3 Übersetzung und literarische Rezeption === | ||
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| + | Rumänische Übersetzungen chinesischer Literatur waren reich und vielfältig. Die 1950er Jahre brachten eine Welle von Übersetzungen aus russischen Zwischenübertragungen, die sich auf revolutionäre und sozialistisch-realistische Werke konzentrierten (Ding Ling, Zhao Shuli, Zhou Libo). Ab den 1960er Jahren verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf die klassische chinesische Dichtung: Alexandru Stamatiads ''Din Flautul de Jad'' (Aus der Jadeflöte, 1938), eine Auswahl von Li Bais Gedichten, hatte bereits den Rumänischen Nationalen Poesiepreis gewonnen. Es folgten bedeutende Übersetzungen des ''Daodejing'', der ''Lunyu'' und von Werken Wang Chongs. Rumänische Schriftsteller wie Mihail Sadoveanu, Lucian Blaga und der große Religionshistoriker Mircea Eliade griffen in ihren Romanen und philosophischen Werken kreativ chinesische Kulturthemen auf.<ref>„Academic Freedom and China", AAUP-Bericht (2024); ''Sinology vs. the Disciplines, Then & Now'', China Heritage (2019).</ref> | ||
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| + | === 3.4 Die rumänische Sinologie der Gegenwart === | ||
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| + | Seit 1989 hat sich die rumänische Sinologie durch das Programm der Universität Bukarest, das Konfuzius-Institut an der Universität Bukarest (gegründet 2007) und die fortlaufende Arbeit rumänisch ausgebildeter Sinologen weiterentwickelt. Das Feld hat sich um zeitgenössische Chinastudien, Wirtschaftschinesisch und Übersetzungswissenschaft erweitert und zugleich seine traditionellen Stärken in der literarischen und philosophischen Forschung bewahrt.<ref>„They Don't Understand the Fear We Have: How China's Long Reach of Repression Undermines Academic Freedom at Australia's Universities", Human Rights Watch (2021).</ref> | ||
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| + | == IV. Mazedonien == | ||
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| + | === 4.1 Eine junge Tradition === | ||
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| + | Die Sinologie in der Republik Mazedonien (seit 2019 Nordmazedonien) ist eine vergleichsweise junge Entwicklung, deren erste Regungen 1979 einsetzten. Wie Sara Cvetanovska dokumentiert hat, manifestiert sich das Fach vor allem in drei Bereichen: Übersetzung, Literatur- und Philosophieforschung sowie Chinesisch-Unterricht. Während der jugoslawischen Periode war die einzige sinologische Einrichtung in der Föderation das Lektorat für Chinesische Sprache und Literatur an der Universität Belgrad (gegründet 1974). Mazedonien als Teilrepublik verfügte bis nach der Unabhängigkeit über kein eigenes Chinastudien-Programm.<ref>Kubin, ''Hanxue yanjiu xin shiye'', Kap. 7, S. 100–111.</ref> | ||
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| + | === 4.2 Pioniere der Übersetzung === | ||
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| + | Die erste Direktübersetzung aus dem Chinesischen ins Mazedonische wurde 1979 von Verka Jovanova-Modanu (莫达努) geleistet, die von 1973 bis 1978 mit einem Regierungsstipendium in China studiert hatte. Ihre Übersetzungen von Lu Xuns Erzählungen (1979), einer Auswahl moderner chinesischer Prosa (1983) und Mao Duns ''Mitternacht'' (1984) setzten hohe Maßstäbe für das Feld. Eine zweite Generation von Übersetzern trat in den späten 1990er Jahren hervor: Dr. Chen Siyin-Ilievska, Igor Radev (冯海城) und Sara Cvetanovska (席晓兰) arbeiteten gemeinsam an einer zweisprachigen chinesisch-mazedonischen Ausgabe der Gedichte Lü Yuans für das Struga-Poesiefestival (1998). Seit 2012 hat diese Gruppe eine beeindruckende Produktion vorgelegt, darunter Übersetzungen von Zhang Ailing, Laozis ''Daodejing'', den ''Lunyu'', dem ''Shijing'', Mo Yan, Bei Dao sowie klassischer chinesischer Dichtung und Dramatik.<ref>Thomas Michael, „Heidegger's Legacy for Comparative Philosophy and the Laozi", ''International Journal of China Studies'' 11, Nr. 2 (2020): 299.</ref> | ||
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| + | === 4.3 Institutioneller Rahmen === | ||
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| + | Die institutionelle Infrastruktur zur Unterstützung der Chinastudien in Mazedonien hat sich schrittweise entwickelt. 2004 wurde erstmals Chinesisch an der Universität Hl. Kyrill und Method in Skopje gelehrt. 2010 wurde ein Haus der chinesischen Kultur in der Nationalbibliothek eröffnet, das 2013 in Partnerschaft mit der Southwestern University of Finance and Economics zu einem Konfuzius-Institut aufgewertet wurde. 2014 gründete Suzana Nedevska die erste private Chinesisch-Sprachschule „Ni Hao". Jüngst hat das kulturelle Kooperationsformat „16+1" die Publikationstätigkeit angeregt, wobei der Skopjer Verlag Makedonika Litera 2018 dem „16+1-Verlagsverband" beitrat. Sara Cvetanovska hat darüber hinaus einen neuen Transkriptionsstandard für chinesisches Pinyin in der mazedonischen kyrillischen Schrift erarbeitet, der vom Institut für Mazedonische Sprache veröffentlicht wurde.<ref>Steven Burik, ''The End of Comparative Philosophy and the Task of Comparative Thinking: Heidegger, Derrida, and Daoism'' (Albany: SUNY Press, 2009).</ref> | ||
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| + | == V. Belarus == | ||
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| + | === 5.1 Frühe belarussische Verbindungen zu China === | ||
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| + | Belarus existierte, wie Darya Nechyparuk dokumentiert hat, bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991 nicht als unabhängiger Staat. Sein Territorium gehörte nacheinander zum Großfürstentum Litauen, zur Polnisch-Litauischen Union, zum Russischen Kaiserreich und zur Sowjetunion. Gleichwohl leisteten mehrere auf belarussischem Boden geborene Gelehrte bemerkenswerte Beiträge zum Studium Chinas im Rahmen dieser größeren Gemeinwesen.<ref>David L. Hall und Roger T. Ames, ''Thinking Through Confucius'' (Albany: SUNY Press, 1987), Vorwort.</ref> | ||
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| + | Die früheste identifizierte Persönlichkeit ist Osip Kowalewski, ein gebürtiger Grodnenser, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts als angesehener Orientalist und Tibetologe wirkte. Bedeutender für die Sinologie war Josif Goschkewitsch (1814–1875), geboren in der Gegend von Gomel, der von 1839 bis 1848 als Mitglied der zwölften Russischen Geistlichen Mission in Peking diente. Während neun Jahren in der chinesischen Hauptstadt führte Goschkewitsch umfangreiche Studien zur chinesischen Geschichte, Natur, Politik, Landwirtschaft und Seidenraupenzucht durch und veröffentlichte Aufsätze zu Themen von der chinesischen Abakusrechnung bis zur Seidenproduktion in den Protokollen der Mission. Seinem Werk wird ein tiefgreifender Einfluss auf das spätere belarussische Chinabild zugeschrieben.<ref>François Jullien, ''Detour and Access: Strategies of Meaning in China and Greece'' (New York: Zone Books, 2000); vgl. „China as Method: Methodological Implications of François Jullien's Philosophical Detour through China", ''Contemporary French and Francophone Studies'' 28, Nr. 1 (2024).</ref> | ||
| + | |||
| + | Weitere frühe Gestalten sind Michail Pawlowski (geb. 1885, Mogiljow), der ''Chinese-Russian Relations'' in New York veröffentlichte, und der Übersetzer Wassil Panasyuk (geb. 1924, Polozk), der Luo Guanzhongs ''Sanguo Yanyi'', ausgewählte Werke Sima Qians und Cao Xueqins ''Honglou Meng'' ins Russische übertrug und über sechzig wissenschaftliche Aufsätze verfasste. Der Philosoph Wassili Feoktistow (geb. 1930, Mogiljow) spezialisierte sich auf die altchinesische Philosophie, mit besonderer Aufmerksamkeit für Xunzi.<ref>Wolfgang Kubin, ''Hanxue yanjiu xin shiye'' (Guilin: Guangxi shifan daxue chubanshe, 2013), Kap. 11, S. 194–195.</ref> | ||
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| + | === 5.2 Die sowjetische Periode und das belarussische Interesse an China === | ||
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| + | In den 1920er und 1930er Jahren begannen belarussische Gelehrte, sich mit den chinesisch-belarussischen Beziehungen und der chinesischen politischen Entwicklung zu befassen, weitgehend im Rahmen sowjetischer ideologischer Prioritäten. P. Kogans Essay „Die große Sonne" (über Sun Yat-sen) war die erste auf belarussischem Boden entstandene schriftliche Behandlung der chinesischen Geschichte. W. Serbentas ''Die chinesische Revolution'' (1930) bot eine detaillierte Analyse der revolutionären Umwälzungen. Die Zwischenkriegszeit war jedoch durch das Fehlen professioneller Sinologen gekennzeichnet, und die belarussische Sinologie entwickelte sich nicht zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin.<ref>Bryan W. Van Norden, ''Taking Back Philosophy: A Multicultural Manifesto'' (New York: Columbia University Press, 2017).</ref> | ||
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| + | === 5.3 Literarische Übersetzungen === | ||
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| + | Ein eigenständiger Beitrag der belarussischen Kultur war die Übersetzung chinesischer Lyrik und Prosa in die belarussische Sprache. Der Dichter Uladsimir Dubouka (geb. 1900) war der Erste, der chinesische Dichtung ins Belarussische übertrug und in den 1950er Jahren Gedichte Du Fus publizierte. Der Nationaldichter Ryhor Baradulin übersetzte Gedichte von Wang Wei, Li Bai und Du Fu. In jüngerer Zeit hat der Philosoph Ihar Babkou Li Bai übersetzt. 2023 übertrug Darya Nechyparuk selbst Shang Gangs ''A Concise History of Chinese Arts and Crafts'' ins Belarussische.<ref>Carine Defoort, „Is There Such a Thing as Chinese Philosophy? Arguments of an Implicit Debate", ''Philosophy East and West'' 51, Nr. 3 (2001): 393–413.</ref> | ||
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| + | Bedeutende Anthologien sind ''Ein Jahrhundert der Bekanntschaft'' (''Стагоддзе на знаёмства''), das chinesische literarische Werke von der Ära Qu Yuans bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in belarussischer Übersetzung versammelt; ''Leuchtende Zeichen: Dichter Chinas'' (''Светлыя знакі: паэты Кітая''), mit Dichtern von Wang Wei bis Xu Zhimo; und ''Blütenblätter von Lotus und Chrysantheme'' (2018), das Werke von hundert chinesischen Dichtern des zwanzigsten Jahrhunderts enthält.<ref>Carine Defoort, „'Chinese Philosophy' at European Universities: A Threefold Utopia", ''Dao'' 16, Nr. 1 (2017): 55–72.</ref> | ||
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| + | === 5.4 Zeitgenössische Chinastudien in Belarus === | ||
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| + | Heute beherbergt Belarus sechs Konfuzius-Institute, mehrere Konfuzius-Klassenzimmer, ein Chinesisches Kulturzentrum und ein Chinesisch-Belarussisches Freundschaftszentrum. Diese Einrichtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf den Chinesischunterricht und die kulturelle Förderung, während die Sinologie als Forschungsdisziplin relativ unterentwickelt bleibt. Unter den zeitgenössischen belarussischen Gelehrten, die über China geschrieben haben, ragt Waleri Hermantschuk hervor: Sein Buch ''China: Flügel des Drachen'' (2017) analysiert westliche politikwissenschaftliche Einschätzungen Chinas. Wladimir Dubowiks ''Belarus und China: Auf dem Weg umfassender Kooperation'' (2015) untersucht die bilateralen Beziehungen aus medienwissenschaftlicher Perspektive. Die Volkskundlerin Tatjana Schamjakina hat zu Parallelen zwischen dem chinesischen Tierkreis und der slawischen Mythologie publiziert.<ref>Zur koreanischen Druckkunst und Textüberlieferung vgl. die UNESCO-Eintragung ins Weltdokumentenerbe für das ''Jikji'' (ältester erhaltener Druck mit beweglichen Metalllettern, 1377); zur Goryeo Tripitaka vgl. die UNESCO-Welterbe-Eintragung.</ref> | ||
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| + | == VI. Schluss: Gemeinsame Fäden und divergierende Wege == | ||
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| + | Die sinologischen Traditionen Osteuropas teilen bestimmte prägende Merkmale. In jedem Fall wurde die frühe Kenntnis Chinas durch religiöse oder diplomatische Missionen vermittelt. Die Etablierung einer akademischen Sinologie wurde durch die politischen Turbulenzen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts verzögert — Teilung, Krieg, Besatzung und ideologische Gleichschaltung. Doch gerade weil diese Nationen ihre eigenen Formen der Unterordnung und des kulturellen Ringens erlebten, näherten sich ihre Gelehrten China oft mit einer Sympathie und Offenheit, die sich deutlich von den Perspektiven der Kolonialmächte unterschied. Průšeks Freundschaft mit Lu Xun, Jabłońskis Eintauchen in die chinesische Volkskultur, Milescus diplomatische Mission, die Hingabe der mazedonischen Übersetzer an die chinesische Dichtung — all dies zeugt von einem Modus des Engagements, der durch genuine intellektuelle Neugier und ein Gefühl zivilisatorischer Verwandtschaft gekennzeichnet war. | ||
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| + | Die Zeit nach 1989 hat sowohl Chancen als auch Herausforderungen gebracht. Die Ausweitung des Chinesischunterrichts durch Konfuzius-Institute, das Wachstum von Studentenaustauschprogrammen und die Vertiefung wirtschaftlicher Verbindungen haben eine neue Nachfrage nach Chinastudien geschaffen. Zugleich bedrohen Finanzierungsprobleme, Abwanderung qualifizierter Kräfte und die institutionelle Fragilität kleiner Abteilungen die Nachhaltigkeit des Feldes. Die Zukunft der osteuropäischen Sinologie wird davon abhängen, ob es diesen Nationen gelingt, auf ihrem bemerkenswerten gelehrten Erbe aufzubauen und sich zugleich an die Anforderungen einer sich rasch wandelnden Welt anzupassen. | ||
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| + | == Bibliographie == | ||
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| + | Cvetanovska, Sara. „Sinology in Macedonia: A Brief Overview from the Beginnings to 2019." Unveröffentlichtes Manuskript. | ||
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| + | Jabłoński, Witold. „Personal Sentiment and Ritual in the ''Liji''." Diss. Universität Warschau, 1933. | ||
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| + | Kajdański, Edward. ''The Envoy of China: Michał Boym''. Übers. Zhang Zhenhui. Zhengzhou: Elephant Press, 2001. | ||
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| + | Nechyparuk, Darya. „The Development of Sinology in Belarus" [汉学在白俄罗斯的发展历程]. Unveröffentlichtes Manuskript, Xi'an International Studies University. | ||
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| + | Průšek, Jaroslav. ''Chinese History and Literature''. Dordrecht: Reidel, 1970. | ||
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| + | Zhang Xiping 张西平. ''Xifang Hanxue Shiliu Jiang'' 西方汉学十六讲. Peking: Foreign Language Teaching and Research Press, 2011. Vorlesungen 11–13. | ||
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| + | == Einzelnachweise == | ||
| + | <references /> | ||
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Kapitel 15: Osteuropa — Sinologie in Polen, Tschechien, Rumänien, Mazedonien und Belarus
Einleitung
Die sinologischen Traditionen Osteuropas besitzen einen Reichtum und eine Tiefe, die in der anglophonen Welt oft unterschätzt werden. Geprägt vom Zusammenspiel verschiedener historischer Kräfte — der katholischen und orthodoxen Missionstraditionen, der politischen Umwälzungen durch Teilung, Besatzung und kommunistische Herrschaft sowie einer tief verwurzelten intellektuellen Neugier auf Zivilisationen jenseits des europäischen Horizonts — hat die osteuropäische Sinologie eine bemerkenswerte Folge von Gelehrten, Übersetzern und Institutionen hervorgebracht. Dieses Kapitel überblickt die Entwicklung der Chinastudien in fünf Ländern: Polen, der Tschechischen Republik, Rumänien, Mazedonien und Belarus. Jedes hat seinen eigenen Weg eingeschlagen, doch alle teilen bestimmte Merkmale: eine frühe Begegnung mit China, vermittelt durch Missionare oder Diplomaten; die einschneidende Wirkung politischer Umbrüche im zwanzigsten Jahrhundert; und in jüngster Zeit eine dynamische Hinwendung zu zeitgenössischen Chinastudien, angetrieben durch die Ausweitung des Chinesischunterrichts und kulturelle Austauschprogramme.[1]
I. Polen
1.1 Frühe polnisch-chinesische Kontakte
Polens dokumentierte Kontakte mit China reichen bis ins dreizehnte Jahrhundert zurück. Im Jahre 1241 vernichteten die Mongolenheere Batu Khans, ausgerüstet mit Schießpulverwaffen — einer in Europa damals unbekannten chinesischen Erfindung — eine polnisch-deutsche Streitmacht unter Herzog Heinrich dem Frommen in der Schlacht bei Liegnitz. Obwohl aus dieser Begegnung keine direkte polnisch-chinesische Interaktion verzeichnet ist, markiert sie den ersten Moment, in dem Polen mit den materiellen Erzeugnissen der chinesischen Zivilisation in Berührung kamen.[2]
Bedeutsamer war die Mission Papst Innozenz' IV. an den Mongolenhof in den Jahren 1245–1246. Die päpstliche Gesandtschaft, der auch der polnische Franziskaner Benedikt von Polen (Benedykt Polak) angehörte, reiste durch polnische und russische Gebiete an die Wolga und weiter zur Mongolenhauptstadt Karakorum, wo sie der Inthronisierung Güyük Khans beiwohnten. Benedikt hielt anschließend seine Beobachtungen fest — der älteste bekannte polnische Text mit Bezug auf China. Der 1920 entdeckte Originalbrief Güyük Khans an den Papst ist das älteste erhaltene diplomatische Dokument der Ost-West-Beziehungen.[3]
1.2 Polnische Jesuiten in China
Mit der Gründung der polnischen Provinz der Gesellschaft Jesu im Jahre 1564 begannen polnische Missionare, den Fernen Osten anzustreben. Vier Polen sind namentlich bekannt, die China erreichten. Andrzej Rudomina (卢安德, 1595–1632) war der erste; er kam 1626 in Macau an, studierte Chinesisch in Jiading bei Suzhou und verfasste zwei asketische Schriften auf Chinesisch, bevor er in Fuzhou an Tuberkulose starb. Folgenreicher war Michał Boym (卜弥格, 1612–1659), ein Polyhistor aus Lemberg (dem heutigen Lwiw), dessen Beiträge ihn in die Reihe der Gründergestalten der europäischen Sinologie stellen. Boym legte die erste europäische botanische Studie zur ostasiatischen Flora vor (Flora Sinensis, 1656); erstellte das erste lateinisch-chinesische Wörterbuch (1.561 Zeichen); lieferte die erste europäische Beschreibung der chinesischen Pulsdiagnostik (Clavis Medica); fertigte einen monumentalen Atlas der achtzehn chinesischen Provinzen an; und übersetzte und kommentierte akribisch die nestorianische Stele von Xi'an, die ein Eckpfeiler von Athanasius Kirchers China Illustrata (1667) wurde. Boym war auch Diplomat: Vom Kaiser Yongli der Südlichen Ming mit einer Mission nach Rom betraut, in der er europäische Militärhilfe gegen die Qing erbeten sollte, verbrachte er Jahre auf Reisen zwischen Guangxi, Venedig und Rom, bevor er 1659 im Grenzgebiet von Guangxi an einer Krankheit starb.[4]
Ein dritter polnischer Jesuit, Mikołaj Smogulecki (穆尼阁, 1610–1656), führte durch seinen chinesischen Mitarbeiter Xue Fengzuo (薛凤祚) die Logarithmen in China ein und machte als Erster die kopernikanische heliozentrische Theorie in China bekannt — eine Tatsache von erheblicher Bedeutung für die Wissenschaftsgeschichte. Seine astronomischen Werke wurden später in das Siku Quanshu aufgenommen.[5]
1.3 Die Geburt der akademischen Sinologie
Die Teilungen Polens (1772–1795) und die darauffolgende 123-jährige Fremdherrschaft unterbrachen die Entwicklung der polnischen Wissenschaft auf allen Gebieten. Gleichwohl bewahrten einzelne Polen ihr Interesse an China. Der Diplomat Michał Kołaczkowski, der in Paris als Sinologe und Chinesischlehrer wirkte, war wohl der bedeutendste in Polen geborene Sinologe des neunzehnten Jahrhunderts. Jerzy Timkowski, der 1820–1821 eine russische Mission nach Peking begleitete, veröffentlichte Reise nach China (1825), einen wertvollen frühen Bericht.[6]
Die moderne polnische Sinologie begann nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1918. 1919 richtete Bogdan Richter ein Fernes-Osten-Seminar an der Universität Warschau ein. Die formelle Institutionalisierung erfolgte 1933 mit der Gründung der Sinologie-Abteilung an der Universität Warschau unter Jan Jaworski, der bei Marcel Granet in Paris studiert hatte. Jaworski kam 1944 im Warschauer Aufstand ums Leben, jedoch nicht bevor er durch klandestinen Unterricht während des Krieges eine Generation von Studenten ausgebildet hatte.[7]
1.4 Witold Jabłoński und die Blüte der polnischen Sinologie
Die überragende Gestalt der polnischen Sinologie des zwanzigsten Jahrhunderts ist Witold Jabłoński (夏伯龙, 1901–1957). Als Schüler Granets an der École Pratique des Hautes Études verbrachte Jabłoński zwei ausgedehnte Aufenthalte in China (1930–1932 an der Tsinghua-Universität; 1937–1938 an der Yenching-Universität), wobei er sich Fachkenntnisse in chinesischen Volksliedern, Kunst und klassischer Literatur erwarb. Seine Doktorthese Personal Sentiment and Ritual in the Liji wandte die soziologischen Methoden Durkheims und Granets mit beachtlicher Originalität auf chinesische klassische Texte an. Jabłoński wurde nach dem Krieg Leiter der Sinologie-Abteilung der Universität Warschau und baute sie zu einem der führenden Zentren für Chinastudien in Europa aus. Er übersetzte Lao Shes Zhao Ziyue (den ersten chinesischen Roman, der direkt aus dem chinesischen Original in eine europäische Sprache übertragen wurde), organisierte die Übersetzung von Mao Zedongs Gedichten, leitete eine polnische Übertragung des Zhuangzi ein und plante Übersetzungen des Shangshu und Chunqiu. Seine veröffentlichten Werke — über siebzig in polnischer, französischer, englischer und chinesischer Sprache — umspannen chinesische Institutionengeschichte, Volkskunde, Philosophie, Religion und Literatur. Er starb unerwartet im Juli 1957 in Peking während seines dritten Chinabesuchs, als er der Route des Langen Marsches folgte, um Volkslieder zu sammeln.[8]
1.5 Nachfolgende Generationen
Jabłońskis Nachfolger hielten die von ihm gesetzten hohen Standards aufrecht. Janusz Chmielewski, der ihm als Abteilungsleiter nachfolgte, war ein weltweit anerkannter Experte für chinesische klassische Logik, den Joseph Needham zur Mitarbeit an Science and Civilisation in China einlud. Gemeinsam mit Jabłoński und Wojciech Olejniczak schuf er die beste europäische Übersetzung des Zhuangzi, ausgezeichnet durch ihren umfangreichen Anmerkungsapparat und philosophischen Kommentar. Mieczysław Künstler (金思德) veröffentlichte umfangreich über konfuzianisches Denken, chinesische Mythologie und Kunstgeschichte und war viele Jahre lang Vorsitzender des Orientkomitees der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Tadeusz Żbikowski, ein Spezialist für das Yuan-Drama, übersetzte das Xiyouji und das Liaozhai Zhiyi. Zbigniew Słupski verfasste die erste systematische europäische Studie über Lao Shes Leben und Werk.[9]
1.6 Die polnische Sinologie der Gegenwart
Heute werden Chinastudien in Polen an der Universität Warschau (dem historischen Zentrum), der Adam-Mickiewicz-Universität in Posen (die 1988 eine Sinologie-Abteilung gründete und 2008 ein Konfuzius-Institut mitbegründete) und der Jagiellonen-Universität in Krakau (die Polens erstes, 2006 gegründetes Konfuzius-Institut beherbergt) angeboten. Mehrere private Einrichtungen bieten ebenfalls Chinesisch-Programme an. Das Feld hat sich seit Polens Beitritt zur Europäischen Union und dem Wachstum des chinesischen wirtschaftlichen Engagements im Rahmen des Kooperationsformats „16+1" (jetzt „14+1") erheblich erweitert.[10]
II. Tschechische Republik
2.1 Frühe tschechische Begegnungen mit China
Die tschechische Sinologie verfügt über einen erlesenen Stammbaum. Unter den Jesuitenmissionaren der alten böhmischen Provinz dienten acht im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert in China. Der bemerkenswerteste war Karel Slavíček (严嘉乐, ca. 1678–1735), ein Mährer, der 1716 in China ankam und fast zwei Jahrzehnte in Peking verbrachte. Zu Slavíčeks wissenschaftlichen Leistungen gehören eine Abhandlung über chinesische Musik, eine chinesische Grammatik und ein detaillierter Stadtplan von Peking. Sein nachhaltigster Beitrag war die Zusammenstellung von sechsunddreißig Sonnenfinsternisaufzeichnungen aus dem Chunqiu (Frühlings- und Herbstannalen), die er mit zeitgenössischen europäischen astronomischen Daten abglich und so die Genauigkeit der altchinesischen Aufzeichnungen nachwies — eine kühne Verteidigung der chinesischen Wissenschaftskultur gegen europäische Skepsis.[11]
2.2 Rudolf Dvořák und die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts
In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war Rudolf Dvořák, Professor an der Karls-Universität, der erste tschechische Gelehrte, der sich systematisch mit der chinesischen Kultur befasste. Seine Veröffentlichungen umfassten Das Leben und die Lehren des Konfuzius in China (1889), Religionen Chinas (1895) sowie Übersetzungen des Shijing (1897) und des Daodejing (1920), die alle internationale Anerkennung fanden. Dvořáks breitgefächerte Interessen (er war Orientalist im weitesten Sinne) hatten jedoch zur Folge, dass er keine sinologischen Nachfolger ausbildete, und die tschechische Sinologie stagnierte zwei Jahrzehnte lang nach seinem Tod.[12]
2.3 Jaroslav Průšek und die „Prager Schule" der Sinologie
Die moderne Ära der tschechischen Sinologie ist untrennbar mit dem Namen Jaroslav Průšek (1906–1980) verbunden, der allgemein als einer der großen Sinologen des zwanzigsten Jahrhunderts anerkannt wird. Průšek verbrachte fünf Jahre in China (1932–1937) und schloss tiefe Freundschaften mit progressiven chinesischen Intellektuellen, darunter Guo Moruo, Mao Dun und Lu Xun — Letzterer schrieb eigens ein Vorwort für Průšeks tschechische Übersetzung von Nahan (《呐喊》, Ruf zu den Waffen). In diesem Vorwort reflektierte Lu Xun über die geteilte Erfahrung der Unterdrückung, die das tschechische und das chinesische Volk verband: „Obwohl unsere Nationen verschieden sind und unsere Territorien weit auseinanderliegen, können wir einander verstehen, denn wir sind beide den Weg des Leidens gegangen."[13]
Nach dem Krieg gründete Průšek das Ostasien-Studien-Institut an der Karls-Universität (1947) und leitete später das Orientalische Institut der Tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften. Er baute die als „Prager Schule" der Sinologie bekannt gewordene Formation auf und bildete einen Kader von Spezialisten aus, die die tschechische Sinologie zu einer Kraft von europäischer Bedeutung machten. Průšeks eigene Forschung war produktiv und breitgefächert: Sein Chinese History and Literature (1970) ist ein Standardwerk; er war der erste europäische Gelehrte, der sich der chinesischen Volksliteratur, insbesondere der huaben-Tradition, widmete; und seine tschechischen Übersetzungen umfassten Werke von Lu Xun, Mao Dun, Shen Fus Fusheng Liuji, Liu Es Lao Can Youji und Pu Songlings Liaozhai Zhiyi. Unter seiner Leitung baute das Orientalische Institut eine chinesische Bibliothek mit über 55.000 Bänden auf — die größte in Mitteleuropa —, die von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften gestiftet und „Lu-Xun-Bibliothek" benannt wurde.[14]
Die politische Unterdrückung nach der sowjetischen Invasion von 1968 versetzte der tschechischen Sinologie einen schweren Schlag. Průšek wurde aus dem Orientalischen Institut ausgeschlossen und mit einem Publikationsverbot belegt. Mehrere seiner Schüler flohen ins Ausland. Dennoch überlebte die Tradition: Augustin Palát (白利德) wurde ein führender Historiker der Song-Dynastie; Dana Kalvodová (高德华) spezialisierte sich auf chinesisches Regionaltheater; Oldřich Král studierte den Honglou Meng und den Rulin Waishi; und Zdenka Heřmanová-Novotná (何德佳) erforschte die Dunhuang-Bianwen und die erzählende Literatur.[15]
2.4 Slowakische Sinologie: Marina Čarnogurská
Besondere Erwähnung verdient Marina Čarnogurská (die „Schwarze-Berg-Dame"), die führende Sinologin der Slowakei. Trotz fünfzehn Jahren beruflicher Verbannung während der „Normalisierung" (1973–1988), in denen ihr das Publizieren verboten war, übersetzte sie den gesamten Honglou Meng ins Slowakische — ein monumentales Unterfangen, das zwölf Jahre dauerte und in ihrer Freizeit vollendet wurde. Ihre vierbändige, nach dem Jahr 2000 veröffentlichte Ausgabe, die einen internationalen Druckpreis gewann, wurde der Nationalbibliothek Chinas gestiftet. Sie fertigte auch slowakische Übersetzungen der Lunyu und des Daodejing an und veröffentlichte umfangreich zur vorkonfuzianischen Philosophie der Qin-Vorzeit.[16]
2.5 Die tschechische Sinologie der Gegenwart
Seit 1989 hat sich die tschechische Sinologie schrittweise erholt. Die Abteilung für Ostasienstudien der Karls-Universität bietet weiterhin Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die jüngere Generation von Gelehrten — darunter Olga Lomová (罗然), David Sehnal (戴维) und andere — ist aktiv in den Bereichen zeitgenössische chinesische Literatur, Linguistik und Politikwissenschaft. Das neunbändige tschechisch-chinesische Wörterbuch, das in den schwierigen Jahren der 1970er und 1980er Jahre erarbeitet wurde, bleibt ein wichtiges Nachschlagewerk.[17]
III. Rumänien
3.1 Frühe rumänische Kenntnis von China
Rumäniens früheste Verbindung mit China kam über einen unerwarteten Mittelsmann zustande. Nicolae Milescu Spătaru (1636–1708), ein moldauischer Gelehrtendiplomaten in russischen Diensten, leitete 1675–1676 im Auftrag Zar Alexis' I. eine diplomatische Mission nach Peking. Milescu traf den Kangxi-Kaiser und verfasste drei wichtige Texte — Eine Reise durch Sibirien, Bericht über die Gesandtschaft nach China und Beschreibung Chinas und des großen Amur-Flusses —, die in europäischen diplomatischen und gelehrten Kreisen zirkulierten. Obwohl seine Mission politisch scheiterte, wird Milescu sowohl von Rumänien als auch von Moldawien als erstes Mitglied ihrer Nation geehrt, das direkten Kontakt mit China herstellte.[18]
Das rumänische Interesse an der chinesischen Kultur wuchs im neunzehnten Jahrhundert unter französischem kulturellem Einfluss. 1880 übersetzte der Literaturkritiker Titu Maiorescu eine Geschichte aus dem Jingu Qiguan ins Rumänische; 1882 übertrug der Dichter Vasile Pogor zwei chinesische Gedichte. Rumäniens größter Dichter, Mihai Eminescu, studierte die konfuzianische Erziehungsphilosophie, während der Philosoph Lucian Blaga eindringliche Essays über Daoismus und chinesische Ästhetik verfasste.[19]
3.2 Institutionelle Entwicklung nach 1949
Die moderne rumänische Sinologie datiert von der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Rumänien und China am 5. Oktober 1949. Die erste Gruppe rumänischer Studenten traf im November 1950 in Peking ein und studierte Chinesisch an der Tsinghua- und der Peking-Universität unter der Anleitung von Größen wie Lü Shuxiang. Unter ihnen war Romulus Ion (罗明), der später als Rumäniens Botschafter in China diente, und seine Frau Sanda-Maria (萨安娜), eine Historikerin.
1956 richtete die Universität Bukarest ein Chinesisch-Programm innerhalb ihrer Fakultät für Fremdsprachen ein, mit Jiang Dongni, einer Absolventin der Peking-Universität, als erster Dozentin. Das Programm wuchs stetig und brachte in den folgenden Jahrzehnten mehrere Hundert Absolventen hervor — viele von ihnen wurden Diplomaten, Übersetzer und Gelehrte. Unter der Leitung von Professorin Yang Ling (杨玲) entwickelte sich das Bukarester Programm zum Hauptzentrum der Chinastudien in Rumänien. Seit 2005 bietet es unter Professorin Luminița Bălan (维珊) Promotionsbetreuung in asiatischen Kulturstudien an.[20]
3.3 Übersetzung und literarische Rezeption
Rumänische Übersetzungen chinesischer Literatur waren reich und vielfältig. Die 1950er Jahre brachten eine Welle von Übersetzungen aus russischen Zwischenübertragungen, die sich auf revolutionäre und sozialistisch-realistische Werke konzentrierten (Ding Ling, Zhao Shuli, Zhou Libo). Ab den 1960er Jahren verlagerte sich die Aufmerksamkeit auf die klassische chinesische Dichtung: Alexandru Stamatiads Din Flautul de Jad (Aus der Jadeflöte, 1938), eine Auswahl von Li Bais Gedichten, hatte bereits den Rumänischen Nationalen Poesiepreis gewonnen. Es folgten bedeutende Übersetzungen des Daodejing, der Lunyu und von Werken Wang Chongs. Rumänische Schriftsteller wie Mihail Sadoveanu, Lucian Blaga und der große Religionshistoriker Mircea Eliade griffen in ihren Romanen und philosophischen Werken kreativ chinesische Kulturthemen auf.[21]
3.4 Die rumänische Sinologie der Gegenwart
Seit 1989 hat sich die rumänische Sinologie durch das Programm der Universität Bukarest, das Konfuzius-Institut an der Universität Bukarest (gegründet 2007) und die fortlaufende Arbeit rumänisch ausgebildeter Sinologen weiterentwickelt. Das Feld hat sich um zeitgenössische Chinastudien, Wirtschaftschinesisch und Übersetzungswissenschaft erweitert und zugleich seine traditionellen Stärken in der literarischen und philosophischen Forschung bewahrt.[22]
IV. Mazedonien
4.1 Eine junge Tradition
Die Sinologie in der Republik Mazedonien (seit 2019 Nordmazedonien) ist eine vergleichsweise junge Entwicklung, deren erste Regungen 1979 einsetzten. Wie Sara Cvetanovska dokumentiert hat, manifestiert sich das Fach vor allem in drei Bereichen: Übersetzung, Literatur- und Philosophieforschung sowie Chinesisch-Unterricht. Während der jugoslawischen Periode war die einzige sinologische Einrichtung in der Föderation das Lektorat für Chinesische Sprache und Literatur an der Universität Belgrad (gegründet 1974). Mazedonien als Teilrepublik verfügte bis nach der Unabhängigkeit über kein eigenes Chinastudien-Programm.[23]
4.2 Pioniere der Übersetzung
Die erste Direktübersetzung aus dem Chinesischen ins Mazedonische wurde 1979 von Verka Jovanova-Modanu (莫达努) geleistet, die von 1973 bis 1978 mit einem Regierungsstipendium in China studiert hatte. Ihre Übersetzungen von Lu Xuns Erzählungen (1979), einer Auswahl moderner chinesischer Prosa (1983) und Mao Duns Mitternacht (1984) setzten hohe Maßstäbe für das Feld. Eine zweite Generation von Übersetzern trat in den späten 1990er Jahren hervor: Dr. Chen Siyin-Ilievska, Igor Radev (冯海城) und Sara Cvetanovska (席晓兰) arbeiteten gemeinsam an einer zweisprachigen chinesisch-mazedonischen Ausgabe der Gedichte Lü Yuans für das Struga-Poesiefestival (1998). Seit 2012 hat diese Gruppe eine beeindruckende Produktion vorgelegt, darunter Übersetzungen von Zhang Ailing, Laozis Daodejing, den Lunyu, dem Shijing, Mo Yan, Bei Dao sowie klassischer chinesischer Dichtung und Dramatik.[24]
4.3 Institutioneller Rahmen
Die institutionelle Infrastruktur zur Unterstützung der Chinastudien in Mazedonien hat sich schrittweise entwickelt. 2004 wurde erstmals Chinesisch an der Universität Hl. Kyrill und Method in Skopje gelehrt. 2010 wurde ein Haus der chinesischen Kultur in der Nationalbibliothek eröffnet, das 2013 in Partnerschaft mit der Southwestern University of Finance and Economics zu einem Konfuzius-Institut aufgewertet wurde. 2014 gründete Suzana Nedevska die erste private Chinesisch-Sprachschule „Ni Hao". Jüngst hat das kulturelle Kooperationsformat „16+1" die Publikationstätigkeit angeregt, wobei der Skopjer Verlag Makedonika Litera 2018 dem „16+1-Verlagsverband" beitrat. Sara Cvetanovska hat darüber hinaus einen neuen Transkriptionsstandard für chinesisches Pinyin in der mazedonischen kyrillischen Schrift erarbeitet, der vom Institut für Mazedonische Sprache veröffentlicht wurde.[25]
V. Belarus
5.1 Frühe belarussische Verbindungen zu China
Belarus existierte, wie Darya Nechyparuk dokumentiert hat, bis zur Auflösung der Sowjetunion 1991 nicht als unabhängiger Staat. Sein Territorium gehörte nacheinander zum Großfürstentum Litauen, zur Polnisch-Litauischen Union, zum Russischen Kaiserreich und zur Sowjetunion. Gleichwohl leisteten mehrere auf belarussischem Boden geborene Gelehrte bemerkenswerte Beiträge zum Studium Chinas im Rahmen dieser größeren Gemeinwesen.[26]
Die früheste identifizierte Persönlichkeit ist Osip Kowalewski, ein gebürtiger Grodnenser, der in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts als angesehener Orientalist und Tibetologe wirkte. Bedeutender für die Sinologie war Josif Goschkewitsch (1814–1875), geboren in der Gegend von Gomel, der von 1839 bis 1848 als Mitglied der zwölften Russischen Geistlichen Mission in Peking diente. Während neun Jahren in der chinesischen Hauptstadt führte Goschkewitsch umfangreiche Studien zur chinesischen Geschichte, Natur, Politik, Landwirtschaft und Seidenraupenzucht durch und veröffentlichte Aufsätze zu Themen von der chinesischen Abakusrechnung bis zur Seidenproduktion in den Protokollen der Mission. Seinem Werk wird ein tiefgreifender Einfluss auf das spätere belarussische Chinabild zugeschrieben.[27]
Weitere frühe Gestalten sind Michail Pawlowski (geb. 1885, Mogiljow), der Chinese-Russian Relations in New York veröffentlichte, und der Übersetzer Wassil Panasyuk (geb. 1924, Polozk), der Luo Guanzhongs Sanguo Yanyi, ausgewählte Werke Sima Qians und Cao Xueqins Honglou Meng ins Russische übertrug und über sechzig wissenschaftliche Aufsätze verfasste. Der Philosoph Wassili Feoktistow (geb. 1930, Mogiljow) spezialisierte sich auf die altchinesische Philosophie, mit besonderer Aufmerksamkeit für Xunzi.[28]
5.2 Die sowjetische Periode und das belarussische Interesse an China
In den 1920er und 1930er Jahren begannen belarussische Gelehrte, sich mit den chinesisch-belarussischen Beziehungen und der chinesischen politischen Entwicklung zu befassen, weitgehend im Rahmen sowjetischer ideologischer Prioritäten. P. Kogans Essay „Die große Sonne" (über Sun Yat-sen) war die erste auf belarussischem Boden entstandene schriftliche Behandlung der chinesischen Geschichte. W. Serbentas Die chinesische Revolution (1930) bot eine detaillierte Analyse der revolutionären Umwälzungen. Die Zwischenkriegszeit war jedoch durch das Fehlen professioneller Sinologen gekennzeichnet, und die belarussische Sinologie entwickelte sich nicht zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin.[29]
5.3 Literarische Übersetzungen
Ein eigenständiger Beitrag der belarussischen Kultur war die Übersetzung chinesischer Lyrik und Prosa in die belarussische Sprache. Der Dichter Uladsimir Dubouka (geb. 1900) war der Erste, der chinesische Dichtung ins Belarussische übertrug und in den 1950er Jahren Gedichte Du Fus publizierte. Der Nationaldichter Ryhor Baradulin übersetzte Gedichte von Wang Wei, Li Bai und Du Fu. In jüngerer Zeit hat der Philosoph Ihar Babkou Li Bai übersetzt. 2023 übertrug Darya Nechyparuk selbst Shang Gangs A Concise History of Chinese Arts and Crafts ins Belarussische.[30]
Bedeutende Anthologien sind Ein Jahrhundert der Bekanntschaft (Стагоддзе на знаёмства), das chinesische literarische Werke von der Ära Qu Yuans bis zur Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts in belarussischer Übersetzung versammelt; Leuchtende Zeichen: Dichter Chinas (Светлыя знакі: паэты Кітая), mit Dichtern von Wang Wei bis Xu Zhimo; und Blütenblätter von Lotus und Chrysantheme (2018), das Werke von hundert chinesischen Dichtern des zwanzigsten Jahrhunderts enthält.[31]
5.4 Zeitgenössische Chinastudien in Belarus
Heute beherbergt Belarus sechs Konfuzius-Institute, mehrere Konfuzius-Klassenzimmer, ein Chinesisches Kulturzentrum und ein Chinesisch-Belarussisches Freundschaftszentrum. Diese Einrichtungen konzentrieren sich hauptsächlich auf den Chinesischunterricht und die kulturelle Förderung, während die Sinologie als Forschungsdisziplin relativ unterentwickelt bleibt. Unter den zeitgenössischen belarussischen Gelehrten, die über China geschrieben haben, ragt Waleri Hermantschuk hervor: Sein Buch China: Flügel des Drachen (2017) analysiert westliche politikwissenschaftliche Einschätzungen Chinas. Wladimir Dubowiks Belarus und China: Auf dem Weg umfassender Kooperation (2015) untersucht die bilateralen Beziehungen aus medienwissenschaftlicher Perspektive. Die Volkskundlerin Tatjana Schamjakina hat zu Parallelen zwischen dem chinesischen Tierkreis und der slawischen Mythologie publiziert.[32]
VI. Schluss: Gemeinsame Fäden und divergierende Wege
Die sinologischen Traditionen Osteuropas teilen bestimmte prägende Merkmale. In jedem Fall wurde die frühe Kenntnis Chinas durch religiöse oder diplomatische Missionen vermittelt. Die Etablierung einer akademischen Sinologie wurde durch die politischen Turbulenzen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts verzögert — Teilung, Krieg, Besatzung und ideologische Gleichschaltung. Doch gerade weil diese Nationen ihre eigenen Formen der Unterordnung und des kulturellen Ringens erlebten, näherten sich ihre Gelehrten China oft mit einer Sympathie und Offenheit, die sich deutlich von den Perspektiven der Kolonialmächte unterschied. Průšeks Freundschaft mit Lu Xun, Jabłońskis Eintauchen in die chinesische Volkskultur, Milescus diplomatische Mission, die Hingabe der mazedonischen Übersetzer an die chinesische Dichtung — all dies zeugt von einem Modus des Engagements, der durch genuine intellektuelle Neugier und ein Gefühl zivilisatorischer Verwandtschaft gekennzeichnet war.
Die Zeit nach 1989 hat sowohl Chancen als auch Herausforderungen gebracht. Die Ausweitung des Chinesischunterrichts durch Konfuzius-Institute, das Wachstum von Studentenaustauschprogrammen und die Vertiefung wirtschaftlicher Verbindungen haben eine neue Nachfrage nach Chinastudien geschaffen. Zugleich bedrohen Finanzierungsprobleme, Abwanderung qualifizierter Kräfte und die institutionelle Fragilität kleiner Abteilungen die Nachhaltigkeit des Feldes. Die Zukunft der osteuropäischen Sinologie wird davon abhängen, ob es diesen Nationen gelingt, auf ihrem bemerkenswerten gelehrten Erbe aufzubauen und sich zugleich an die Anforderungen einer sich rasch wandelnden Welt anzupassen.
Bibliographie
Cvetanovska, Sara. „Sinology in Macedonia: A Brief Overview from the Beginnings to 2019." Unveröffentlichtes Manuskript.
Jabłoński, Witold. „Personal Sentiment and Ritual in the Liji." Diss. Universität Warschau, 1933.
Kajdański, Edward. The Envoy of China: Michał Boym. Übers. Zhang Zhenhui. Zhengzhou: Elephant Press, 2001.
Nechyparuk, Darya. „The Development of Sinology in Belarus" [汉学在白俄罗斯的发展历程]. Unveröffentlichtes Manuskript, Xi'an International Studies University.
Průšek, Jaroslav. Chinese History and Literature. Dordrecht: Reidel, 1970.
Zhang Xiping 张西平. Xifang Hanxue Shiliu Jiang 西方汉学十六讲. Peking: Foreign Language Teaching and Research Press, 2011. Vorlesungen 11–13.
Einzelnachweise
- ↑ David B. Honey, Incense at the Altar: Pioneering Sinologists and the Development of Classical Chinese Philology (New Haven: American Oriental Society, 2001), Vorwort, xxii.
- ↑ Honey, Incense at the Altar, Vorwort, x.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, „Introduction to Western Sinology Studies", S. 165–168.
- ↑ Peter K. Bol, „The China Historical GIS", Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020).
- ↑ Hilde De Weerdt, „MARKUS: Text Analysis and Reading Platform", in Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020); vgl. auch den Digital-Humanities-Leitfaden der Bibliothek der University of Chicago.
- ↑ Tu Hsiu-chih, „DocuSky, A Personal Digital Humanities Platform for Scholars", Journal of Chinese History 4, Nr. 2 (2020).
- ↑ Peter K. Bol und Wen-chin Chang, „The China Biographical Database", in Digital Humanities and East Asian Studies (Leiden: Brill, 2020).
- ↑ Vgl. Kapitel 22 (Übersetzung) dieses Bandes zu den Herausforderungen der KI-Übersetzung.
- ↑ „WenyanGPT: A Large Language Model for Classical Chinese Tasks", arXiv-Preprint (2025).
- ↑ „Benchmarking LLMs for Translating Classical Chinese Poetry: Evaluating Adequacy, Fluency, and Elegance", Proceedings of EMNLP (2025).
- ↑ „A Multi Agent Classical Chinese Translation Method Based on Large Language Models", Scientific Reports 15 (2025).
- ↑ Vgl. z. B. Mark Edward Lewis und Curie Viragh, „Computational Stylistics and Chinese Literature", Journal of Chinese Literature and Culture 9, Nr. 1 (2022).
- ↑ Hilde De Weerdt, Information, Territory, and Networks: The Crisis and Maintenance of Empire in Song China (Cambridge: Harvard University Asia Center, 2015).
- ↑ China-Princeton Digital Humanities Workshop 2025 (chinesedh2025.eas.princeton.edu).
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 54–60.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 96–97, unter Berufung auf Li Xueqin.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 102–113.
- ↑ Zhang Xiping, Vorlesung 1, S. 114–117.
- ↑ „The World Conference on China Studies: CCP's Global Academic Rebranding Campaign", Bitter Winter (2024).
- ↑ Honey, Incense at the Altar, Vorwort, xxii.
- ↑ „Academic Freedom and China", AAUP-Bericht (2024); Sinology vs. the Disciplines, Then & Now, China Heritage (2019).
- ↑ „They Don't Understand the Fear We Have: How China's Long Reach of Repression Undermines Academic Freedom at Australia's Universities", Human Rights Watch (2021).
- ↑ Kubin, Hanxue yanjiu xin shiye, Kap. 7, S. 100–111.
- ↑ Thomas Michael, „Heidegger's Legacy for Comparative Philosophy and the Laozi", International Journal of China Studies 11, Nr. 2 (2020): 299.
- ↑ Steven Burik, The End of Comparative Philosophy and the Task of Comparative Thinking: Heidegger, Derrida, and Daoism (Albany: SUNY Press, 2009).
- ↑ David L. Hall und Roger T. Ames, Thinking Through Confucius (Albany: SUNY Press, 1987), Vorwort.
- ↑ François Jullien, Detour and Access: Strategies of Meaning in China and Greece (New York: Zone Books, 2000); vgl. „China as Method: Methodological Implications of François Jullien's Philosophical Detour through China", Contemporary French and Francophone Studies 28, Nr. 1 (2024).
- ↑ Wolfgang Kubin, Hanxue yanjiu xin shiye (Guilin: Guangxi shifan daxue chubanshe, 2013), Kap. 11, S. 194–195.
- ↑ Bryan W. Van Norden, Taking Back Philosophy: A Multicultural Manifesto (New York: Columbia University Press, 2017).
- ↑ Carine Defoort, „Is There Such a Thing as Chinese Philosophy? Arguments of an Implicit Debate", Philosophy East and West 51, Nr. 3 (2001): 393–413.
- ↑ Carine Defoort, „'Chinese Philosophy' at European Universities: A Threefold Utopia", Dao 16, Nr. 1 (2017): 55–72.
- ↑ Zur koreanischen Druckkunst und Textüberlieferung vgl. die UNESCO-Eintragung ins Weltdokumentenerbe für das Jikji (ältester erhaltener Druck mit beweglichen Metalllettern, 1377); zur Goryeo Tripitaka vgl. die UNESCO-Welterbe-Eintragung.