Lu Xun Complete Works/zh-de/Fengbo

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The Storm (风波)

Lu Xun (鲁迅, Lǔ Xùn, 1881–1936)


中文(原文) Deutsch

临河的土场上,太阳渐渐的收了他通黄的光线了。场边靠河的乌桕树叶,干巴巴的才喘过气来,几个花脚蚊子在下面哼着飞舞。面河的农家的烟突里,逐渐减少了炊烟,女人孩子们都在自己门口的土场上波些水,放下小桌子和矮凳;人知道,这已经是晚饭的时候了。

老人男人坐在矮凳上,摇着大芭蕉扇闲谈,孩子飞也似的跑,或者蹲在乌桕树下赌玩石子。女人端出乌黑的蒸干菜和松花黄的米饭,热蓬蓬冒烟。河里驶过文人的酒船,文豪见了,大发诗兴,说,“无思无虑,这真是田家乐呵!”

Auf dem Lehmplatz am Fluss zog die Sonne allmählich ihre goldgelben Strahlen ein. Die Blätter der Talgbäume am Uferrand hatten, dürr und trocken, endlich aufgeatmet; ein paar buntbeinige Mücken summten und tanzten darunter. Aus den Schornsteinen der Bauernhäuser zum Fluss hin stieg immer weniger Kochrauch auf; Frauen und Kinder sprengten Wasser auf den Lehmplatz vor der eigenen Tür und stellten kleine Tische und niedrige Hocker auf — man wusste: Es war Abendbrotzeit.

Die Alten und Männer saßen auf den Hockern, fächelten sich mit großen Bananenblattwedeln und plauderten; Kinder rannten wie der Wind oder hockten unter den Talgbäumen und spielten mit Steinchen. Die Frauen trugen schwarze gedämpfte Trockenkost und maisgoldenen Reis auf, alles dampfte heiß. Ein Vergnügungsboot der Literaten glitt den Fluss hinab; der Dichter war beim Anblick ganz begeistert und rief: „Ohne Sorgen, ohne Kummer — das ist wahrhaft die Freude des Landlebens!“

但文豪的话有些不合事实,就因为他们没有听到九斤老太的话。这时候,九斤老太正在大怒,拿破芭蕉扇敲着凳脚说:

“我活到七十九岁了,活够了,不愿意眼见这些败家相,——还是死的好。立刻就要吃饭了,还吃炒豆子,吃穷了一家子!”

伊的曾孙女儿六斤捏着一把豆,正从对面跑来,见这情形,便直奔河边,藏在乌桕树后,伸出双丫角的小头,大声说,“这老不死的!”

九斤老太虽然高寿,耳朵却还不很聋,但也没有听到孩子的话,仍旧自己说,“这真是一代不如一代!”

Doch die Worte des Dichters stimmten nicht ganz, eben weil er die Worte der alten Neun-Jin nicht gehört hatte. Die alte Neun-Jin war in diesem Moment höchst erzürnt; sie schlug mit dem alten Fächer auf das Stuhlbein und sagte:

„Neunundsiebzig Jahre bin ich alt geworden, lange genug — ich will diese Verschwendung nicht mehr mit ansehen! Gleich wird gegessen, und sie knabbert gebratene Bohnen — will sie die ganze Familie arm machen!“

Ihre Urenkelin Sechs-Jin kam mit einer Handvoll Bohnen von drüben hergelaufen, sah die Szene, rannte sofort zum Fluss, versteckte sich hinter dem Talgbaum, streckte ihr Köpfchen mit den zwei Zöpfchen hervor und rief laut: „Die alte Kröte, die einfach nicht sterben will!“

Die alte Neun-Jin war zwar hochbetagt, aber noch nicht sehr schwerhörig — und dennoch hatte sie die Worte des Kindes nicht gehört; sie sagte weiterhin vor sich hin: „Es wird wirklich von Generation zu Generation schlimmer!“

这村庄的习惯有点特别,女人生下孩子,多喜欢用秤称了轻重,便用斤数当作小名。九斤老太自从庆祝了五十大寿以后,便渐渐的变了不平家,常说伊年青的时候,天气没有现在这般热,豆子也没有现在这般硬;总之现在的时世是不对了。何况六斤比伊的曾祖,少了三斤,比伊父亲七斤,又少了一斤,这真是一条颠扑不破的实例。所以伊又用劲说,“这真是一代不如一代!”

伊的儿媳七斤嫂子正捧着饭篮走到桌边,便将饭篮在桌上一摔,愤愤的说,“你老人家又这么说了。六斤生下来的时候,不是六斤五两么?你家的秤又是私秤,加重称,十八两秤;用了准十六,我们的六斤该有七斤多哩。我想便是太公和公公,也不见得正是九斤八斤十足,用的秤也许是十四两……”

“一代不如一代!”

In diesem Dorf gab es eine besondere Sitte: Wenn eine Frau ein Kind gebar, wog man es gern auf der Waage und nahm das Gewicht in Jin als Rufnamen. Seit die alte Neun-Jin ihren fünfzigsten Geburtstag gefeiert hatte, war sie allmählich zur ewigen Nörglerin geworden und sagte stets, in ihrer Jugend sei das Wetter nicht so heiß gewesen und die Bohnen nicht so hart; kurz, die heutige Zeit sei nicht in Ordnung. Zumal Sechs-Jin drei Jin weniger wog als ihre Urgroßmutter und ein Jin weniger als ihr Vater Sieben-Jin — ein wahrlich unwiderlegbares Beispiel. Also sagte sie nochmals mit Nachdruck: „Es wird wirklich von Generation zu Generation schlimmer!“

Ihre Schwiegertochter, die Frau Sieben-Jin, kam gerade mit dem Essenskorb zum Tisch, knallte ihn auf die Tischplatte und sagte empört: „Alte Mutter, Ihr sagt das schon wieder! Als Sechs-Jin geboren wurde, wog sie doch sechs Jin und fünf Liang! Und Eure Waage ist eine Privatwaage, eine schwere Waage mit achtzehn Liang pro Jin. Mit einer geeichten Sechzehn-Liang-Waage würde unsere Sechs-Jin über sieben Jin wiegen. Und ob der Urgroßvater und der Großvater wirklich volle neun und acht Jin wogen, und was für eine Waage da benutzt wurde — vielleicht eine mit nur vierzehn Liang...“

„Von Generation zu Generation schlimmer!“

七斤嫂还没有答话,忽然看见七斤从小巷口转出,便移了方向,对他嚷道,“你这死尸怎么这时候才回来,死到那里去了!不管人家等着你开饭!”

七斤虽然住在农村,却早有些飞黄腾达的意思。从他的祖父到他,三代不捏锄头柄了;他也照例的帮人撑着航船,每日一回,早晨从鲁镇进城,傍晚又回到鲁镇,因此很知道些时事:例如什么地方,雷公劈死了蜈蚣精;什么地方,闺女生了一个夜叉之类。他在村人里面,的确已经是一名出场人物了。但夏天吃饭不点灯,却还守着农家习惯,所以回家太迟,是该骂的。

七斤一手捏着象牙嘴白铜斗六尺多长的湘妃竹烟管,低着头,慢慢地走来,坐在矮凳上。六斤也趁势溜出,坐在他身边,叫他爹爹。七斤没有应。

“一代不如一代!”九斤老太说。

七斤慢慢地抬起头来,叹一口气说,“皇帝坐了龙庭了。”

Frau Sieben-Jin hatte noch nicht geantwortet, als sie plötzlich Sieben-Jin um die Ecke der Gasse biegen sah; sofort änderte sie die Richtung und schrie ihn an: „Du Leichnam! Warum kommst du erst jetzt? Bist du irgendwo verreckt? Die Leute warten auf dich zum Essen!“

Sieben-Jin lebte zwar auf dem Land, hegte aber schon eine gewisse Vorstellung vom Aufstieg. Seit seinem Großvater hatte die Familie drei Generationen lang keinen Pflugstiel mehr angefasst. Auch er half wie üblich beim Steuern eines Passagierbootes, einmal täglich: morgens von Lu in die Stadt und abends zurück — daher wusste er allerlei Neuigkeiten. Etwa: wo der Donnergott einen Tausendfüßlerdämon erschlagen hatte; wo ein Mädchen einen Yaksha geboren hatte. Unter den Dörflern war er zweifellos eine Persönlichkeit. Doch im Sommer aß man ohne Licht, nach alter Bauernsitte — so spät nach Hause zu kommen, dafür war er zu Recht zu schelten.

Sieben-Jin hielt in einer Hand seine über sechs Fuß lange Pfeife aus geflecktem Bambusrohr mit Elfenbeinmundstück und Weißkupferkopf, senkte den Kopf, kam langsam herbei und setzte sich auf den niedrigen Hocker. Sechs-Jin nutzte die Gelegenheit, schlüpfte herbei, setzte sich neben ihn und rief ihn „Papa“. Sieben-Jin antwortete nicht.

„Von Generation zu Generation schlimmer!“ sagte die alte Neun-Jin.

Sieben-Jin hob langsam den Kopf und seufzte: „Der Kaiser hat sich auf den Drachenthron gesetzt.“

七斤嫂呆了一刻,忽而恍然大悟的道,“这可好了,这不是又要皇恩大赦了么!”

七斤又叹一口气,说,“我没有辫子。”

“皇帝要辫子么?”

“皇帝要辫子。”

“你怎么知道呢?”七斤嫂有些着急,赶忙的问。

“咸亨酒店里的人,都说要的。”

七斤嫂这时从直觉上觉得事情似乎有些不妙了,因为咸亨酒店是消息灵通的所在。伊一转眼瞥见七斤的光头,便忍不住动怒,怪他恨他怨他;忽然又绝望起来,装好一碗饭,搡在七斤的面前道,“还是赶快吃你的饭罢!哭丧着脸,就会长出辫子来么?”

Frau Sieben-Jin war einen Moment starr, dann rief sie, als ginge ihr ein Licht auf: „Das ist ja großartig! Dann gibt es doch bestimmt wieder eine kaiserliche Amnestie!“

Sieben-Jin seufzte erneut: „Ich habe keinen Zopf.“

„Will der Kaiser einen Zopf?“

„Der Kaiser will einen Zopf.“

„Woher weißt du das?“ fragte Frau Sieben-Jin besorgt und hastig.

„Die Leute in der Xianheng-Schenke sagen alle, er will einen.“

Frau Sieben-Jin ahnte instinktiv, dass die Dinge nicht gut standen, denn die Xianheng-Schenke war ein Ort, wo man gut informiert war. Ihr Blick fiel auf Sieben-Jins kahlen Kopf, und sie konnte ihren Zorn nicht zurückhalten — sie machte ihm Vorwürfe, war wütend auf ihn, grollte ihm. Dann packte sie plötzlich die Verzweiflung; sie schöpfte eine Schüssel Reis voll, schob sie Sieben-Jin vor die Nase und sagte: „Iss lieber schnell dein Essen! Wird dir etwa durch Trauermiene ein Zopf wachsen?“

太阳收尽了他最末的光线了,水面暗暗地回复过凉气来;土场上一片碗筷声响,人人的脊梁上又都吐出汗粒。七斤嫂吃完三碗饭,偶然抬起头,心坎里便禁不住突突地发跳。伊透过乌桕叶,看见又矮又胖的赵七爷正从独木桥上走来,而且穿着宝蓝色竹布的长衫。

赵七爷是邻村茂源酒店的主人,又是这三十里方圆以内的唯一的出色人物兼学问家;因为有学问,所以又有些遗老的臭味。他有十多本金圣叹批评的《三国志》,时常坐着一个字一个字的读;他不但能说出五虎将姓名,甚而至于还知道黄忠表字汉升和马超表字孟起。革命以后,他便将辫子盘在顶上,像道士一般;常常叹息说,倘若赵子龙在世,天下便不会乱到这地步了。七斤嫂眼睛好,早望见今天的赵七爷已经不是道士,却变成光滑头皮,乌黑发顶;伊便知道这一定是皇帝坐了龙庭,而且一定须有辫子,而且七斤一定是非常危险。因为赵七爷的这件竹布长衫,轻易是不常穿的,三年以来,只穿过两次:一次是和他呕气的麻子阿四病了的时候,一次是曾经砸烂他酒店的鲁大爷死了的时候;现在是第三次了,这一定又是于他有庆,于他的仇家有殃了。

Die Sonne hatte ihre letzten Strahlen eingezogen, über dem Wasser stieg kühl die Dämmerung auf; auf dem Lehmplatz klapperten die Schüsseln und Stäbchen, und auf jedem Rücken traten Schweißperlen hervor. Als Frau Sieben-Jin drei Schüsseln Reis gegessen hatte und zufällig den Kopf hob, begann ihr Herz unwillkürlich heftig zu klopfen. Durch die Talgbaumblätter hindurch sah sie den kleinen, dicken Zhao Qi-ye über die Bohlenbücke kommen — und er trug seinen königsblauen Bambusstoff-Talar.

Zhao Qi-ye war der Besitzer der Maoyuan-Schenke im Nachbardorf und zugleich die einzige herausragende Persönlichkeit und der einzige Gelehrte im Umkreis von dreißig Li; weil er gelehrt war, haftete ihm auch der Geruch eines Überbleibsels der alten Ordnung an. Er besaß über zehn Bände der von Jin Shengtan kommentierten „Drei Reiche“ und las darin häufig, Wort für Wort. Er konnte nicht nur die Namen der Fünf Tigergeneräle aufsagen, sondern wusste sogar, dass Huang Zhongs Beiname Hansheng und Ma Chaos Beiname Mengqi lautete. Nach der Revolution hatte er seinen Zopf auf dem Scheitel aufgerollt wie ein Daoist und seufzte oft: Wenn Zhao Zilong noch lebte, wäre das Reich nicht in solche Unordnung geraten. Frau Sieben-Jin hatte gute Augen und sah sofort, dass Zhao Qi-ye heute nicht mehr wie ein Daoist aussah, sondern eine glatt rasierte Glatze und ein schwarzes Scheitelkäppchen trug — da wusste sie: Der Kaiser hatte sich gewiss auf den Drachenthron gesetzt, und man brauchte gewiss einen Zopf, und Sieben-Jin war gewiss in großer Gefahr. Denn diesen Bambusstoff-Talar trug Zhao Qi-ye nicht leichtfertig; in drei Jahren hatte er ihn nur zweimal getragen: einmal, als sein Widersacher, der pockennarbige Asi, krank geworden war, und einmal, als Herr Lu, der einst seine Schenke zertrümmert hatte, gestorben war. Dies war das dritte Mal — es musste wieder Freude für ihn und Unheil für seine Feinde bedeuten.

七斤嫂记得,两年前七斤喝醉了酒,曾经骂过赵七爷是“贱胎”,所以这时便立刻直觉到七斤的危险,心坎里突突地发起跳来。

赵七爷一路走来,坐着吃饭的人都站起身,拿筷子点着自己的饭碗说,“七爷,请在我们这里用饭!”七爷也一路点头,说道“请请”,却一径走到七斤家的桌旁。七斤们连忙招呼,七爷也微笑着说“请请”,一面细细的研究他们的饭菜。

“好香的菜干,——听到了风声了么?”赵七爷站在七斤的后面七斤嫂的对面说。

“皇帝坐了龙庭了。”七斤说。

七斤嫂看着七爷的脸,竭力陪笑道,“皇帝已经坐了龙庭,几时皇恩大赦呢?”

“皇恩大赦?——大赦是慢慢的总要大赦罢。”七爷说到这里,声色忽然严厉起来,“但是你家七斤的辫子呢,辫子?这倒是要紧的事。你们知道:长毛时候,留发不留头,留头不留发,……”

Frau Sieben-Jin erinnerte sich: Vor zwei Jahren hatte Sieben-Jin betrunken Zhao Qi-ye als „niedrige Brut“ beschimpft — daher spürte sie jetzt sofort Sieben-Jins Gefahr, und ihr Herz begann wild zu klopfen.

Zhao Qi-ye kam herangeschritten; alle, die beim Essen saßen, standen auf, tippten mit den Stäbchen auf ihre Reisschüsseln und sagten: „Herr Qi-ye, essen Sie bei uns!“ Qi-ye nickte der Reihe nach und sagte „Bitte, bitte“, ging aber geradewegs zum Tisch der Sieben-Jins. Diese begrüßten ihn eilends; Qi-ye lächelte und sagte „Bitte, bitte“, während er sorgfältig ihre Speisen musterte.

„Wie gut das Trockenkraut riecht! — Habt ihr schon etwas gehört?“ fragte Zhao Qi-ye, hinter Sieben-Jin und gegenüber von Frau Sieben-Jin stehend.

„Der Kaiser hat sich auf den Drachenthron gesetzt“, sagte Sieben-Jin.

Frau Sieben-Jin blickte in Qi-yes Gesicht und zwang sich zu einem Lächeln: „Der Kaiser hat sich also auf den Drachenthron gesetzt — wann gibt es denn eine kaiserliche Amnestie?“

„Kaiserliche Amnestie? — Nun, eine Amnestie wird es wohl irgendwann geben.“ An dieser Stelle wurde Qi-yes Miene plötzlich streng: „Aber wo ist der Zopf deines Sieben-Jin? Der Zopf? Das ist eine ernste Angelegenheit. Ihr wisst doch: Zur Zeit der Langhaarigen hieß es — wer das Haar behält, verliert den Kopf; wer den Kopf behalten will, verliert das Haar...“

七斤和他的女人没有读过书,不很懂得这古典的奥妙,但觉得有学问的七爷这么说,事情自然非常重大,无可挽回,便仿佛受了死刑宣告似的,耳朵里嗡的一声,再也说不出一句话。

“一代不如一代,——”九斤老太正在不平,趁这机会,便对赵七爷说,“现在的长毛,只是剪人家的辫子,僧不僧,道不道的。从前的长毛,这样的么?我活到七十九岁了,活够了。从前的长毛是——整匹的红缎子裹头,拖下去,拖下去,一直拖到脚跟;王爷是黄缎子,拖下去,黄缎子;红缎子,黄缎子,——我活够了,七十九岁了。”

Sieben-Jin und seine Frau hatten nie lesen gelernt und verstanden nicht recht die Feinheiten dieses klassischen Spruchs; aber wenn der gelehrte Herr Qi-ye so etwas sagte, musste die Sache gewiss äußerst ernst und nicht mehr abzuwenden sein. Es war ihnen, als hätte man ihnen das Todesurteil verkündet — ein Summen ging ihnen durch die Ohren, und sie konnten kein Wort mehr hervorbringen.

„Von Generation zu Generation schlimmer —“ Die alte Neun-Jin war gerade wieder in Wallung und nutzte die Gelegenheit, um zu Zhao Qi-ye zu sagen: „Die heutigen Langhaarigen schneiden den Leuten nur die Zöpfe ab — nicht Mönch, nicht Daoist. Waren die Langhaarigen von früher etwa so? Neunundsiebzig bin ich geworden, lange genug. Die Langhaarigen von einst wickelten sich ganze Ballen roten Satin um den Kopf, herabhängend, herabhängend, bis zu den Fersen; die Fürsten trugen gelben Satin, herabhängend, gelben Satin; roten Satin, gelben Satin — ich habe lange genug gelebt, neunundsiebzig Jahre.“

七斤嫂站起身,自言自语的说,“这怎么好呢?这样的一班老小,都靠他养活的人,……”

赵七爷摇头道,“那也没法。没有辫子,该当何罪,书上都一条一条明明白白写着的。不管他家里有些什么人。”

七斤嫂听到书上写着,可真是完全绝望了;自己急得没法,便忽然又恨到七斤。伊用筷子指着他的鼻尖说,“这死尸自作自受!造反的时候,我本来说,不要撑船了,不要上城了。他偏要死进城去,滚进城去,进城便被人剪去了辫子。从前是绢光乌黑的辫子,现在弄得僧不僧道不道的。这囚徒自作自受,带累了我们又怎么说呢?这活死尸的囚徒……”

村人看见赵七爷到村,都赶紧吃完饭,聚在七斤家饭桌的周围。七斤自己知道是出场人物,被女人当大众这样辱骂,很不雅观,便只得抬起头,慢慢地说道:

“你今天说现成话,那时你……”

“你这活死尸的囚徒……”

Frau Sieben-Jin stand auf und murmelte: „Was soll man nur tun? Eine ganze Schar von Alt und Jung, alle von ihm ernährt...“

Zhao Qi-ye schüttelte den Kopf: „Da ist nichts zu machen. Wer keinen Zopf hat, welche Strafe ihm gebührt, steht alles Punkt für Punkt im Gesetzbuch geschrieben. Ganz gleich, wer bei ihm zu Hause lebt.“

Als Frau Sieben-Jin hörte, dass es im Buch geschrieben stand, war ihre Verzweiflung vollkommen. In ihrer Ratlosigkeit richtete sich ihr Zorn plötzlich wieder gegen Sieben-Jin. Sie zeigte mit den Essstäbchen auf seine Nasenspitze: „Dieser Leichnam hat es sich selbst zuzuschreiben! Als die Rebellion ausbrach, habe ich doch gesagt: Fahr nicht mit dem Boot, geh nicht in die Stadt! Aber nein, er musste unbedingt in die Stadt, ist in die Stadt gerollt, und dort hat man ihm den Zopf abgeschnitten. Früher ein seidig glänzender, pechschwarzer Zopf, und jetzt sieht er aus wie weder Mönch noch Daoist. Dieser Sträfling hat sich's selbst eingebrockt — und uns hat er mit hineingezogen! Dieser lebende Leichnam von einem Sträfling...“

Die Dörfler hatten Zhao Qi-ye im Dorf ankommen sehen, schnell aufgegessen und sich um Sieben-Jins Esstisch geschart. Sieben-Jin, der sich bewusst war, eine Person von Rang zu sein, fand es höchst unwürdig, vor allen Leuten so von seiner Frau beschimpft zu werden, hob deshalb den Kopf und sagte langsam:

„Heute redest du so klug daher, aber damals hast du...“

„Du lebendiger Leichnam von einem Sträfling...!“

看客中间,八一嫂是心肠最好的人,抱着伊的两周岁的遗腹子,正在七斤嫂身边看热闹;这时过意不去,连忙解劝说,“七斤嫂,算了罢。人不是神仙,谁知道未来事呢?便是七斤嫂,那时不也说,没有辫子倒也没有什么丑么?况且衙门里的大老爷也还没有告示,……”

七斤嫂没有听完,两个耳朵早通红了;便将筷子转过向来,指着八一嫂的鼻子,说,“阿呀,这是什么话呵!八一嫂,我自己看来倒还是一个人,会说出这样昏诞胡涂话么?那时我是,整整哭了三天,谁都看见;连六斤这小鬼也都哭,……”六斤刚吃完一大碗饭,拿了空碗,伸手去嚷着要添。七斤嫂正没好气,便用筷子在伊的双丫角中间,直扎下去,大喝道,“谁要你来多嘴!你这偷汉的小寡妇!”

扑的一声,六斤手里的空碗落在地上了,恰巧又碰着一块砖角,立刻破成一个很大的缺口。七斤直跳起来,捡起破碗,合上检查一回,也喝道,“入娘的!”一巴掌打倒了六斤。六斤躺着哭,九斤老太拉了伊的手,连说着“一代不如一代”,一同走了。

Unter den Zuschauern war Frau Ba-yi die herzensguteste; sie trug ihr zwei Jahre altes nachgeborenes Kind und stand neben Frau Sieben-Jin, um sich das Schauspiel anzusehen. Nun konnte sie es nicht mehr mit ansehen und redete beschwörend auf sie ein: „Sieben-Jin-Schwester, lass es gut sein. Kein Mensch ist ein Unsterblicher; wer kann in die Zukunft sehen? Du selbst, Sieben-Jin-Schwester, hast damals doch auch gesagt, ohne Zopf sei doch auch nichts Schlimmes daran. Außerdem hat der große Herr im Amtsgebäude noch keinen Erlass herausgegeben...“

Frau Sieben-Jin hatte noch nicht zu Ende gehört, da waren ihr beide Ohren schon feuerrot geworden. Sie drehte die Essstäbchen um und richtete sie auf die Nase von Frau Ba-yi: „Was sagst du da! Frau Ba-yi, ich halte mich durchaus für einen vernünftigen Menschen — könnte ich so einen hirnverbrannten Unsinn sagen? Damals habe ich drei volle Tage geweint, das hat jeder gesehen; selbst Sechs-Jin, die Kleine, hat geweint...“ Sechs-Jin hatte gerade eine große Schüssel Reis aufgegessen, hielt die leere Schüssel in der Hand und streckte sie aus, um Nachschlag zu verlangen. Frau Sieben-Jin war ohnehin übelgelaunt; sie stieß mit den Essstäbchen zwischen die zwei Zöpfchen des Kindes hindurch und schrie: „Wer hat dich um deine Meinung gebeten! Du kleine Witwe, du Mannstolle!“

Patsch! — Die leere Schüssel fiel Sechs-Jin aus der Hand, traf ausgerechnet eine Ziegelkante und bekam sofort einen großen Sprung. Sieben-Jin sprang auf, hob die zerbrochene Schüssel auf, setzte die Stücke zusammen und prüfte sie, dann fluchte er: „Zum Teufel!“ und ohrfeigte Sechs-Jin zu Boden. Sechs-Jin lag da und weinte; die alte Neun-Jin nahm sie bei der Hand, sagte ein ums andere Mal „Von Generation zu Generation schlimmer“ und ging mit ihr fort.

八一嫂也发怒,大声说,“七斤嫂,你‘恨棒打人’……”

赵七爷本来是笑着旁观的;但自从八一嫂说了“衙门里的大老爷没有告示”这话以后,却有些生气了。这时他已经绕出桌旁,接着说,“‘恨棒打人’,算什么呢。大兵是就要到的。你可知道,这回保驾的是张大帅,张大帅就是燕人张翼德的后代,他一支丈八蛇矛,就有万夫不当之勇,谁能抵挡他,”他两手同时捏起空拳,仿佛握着无形的蛇矛模样,向八一嫂抢进几步道,“你能抵挡他么!”

八一嫂正气得抱着孩子发抖,忽然见赵七爷满脸油汗,瞪着眼,准对伊冲过来,便十分害怕,不敢说完话,回身走了。赵七爷也跟着走去,众人一面怪八一嫂多事,一面让开路,几个剪过辫子重新留起的便赶快躲在人丛后面,怕他看见。赵七爷也不细心察访,通过人丛,忽然转入乌桕树后,说道“你能抵挡他么!”跨上独木桥,扬长去了。

村人们呆呆站着,心里计算,都觉得自己确乎抵不住张翼德,因此也决定七斤便要没有性命。七斤既然犯了皇法,想起他往常对人谈论城中的新闻的时候,就不该含着长烟管显出那般骄傲模样,所以对七斤的犯法,也觉得有些畅快。他们也仿佛想发些议论,却又觉得没有什么议论可发。嗡嗡的一阵乱嚷,蚊子都撞过赤膊身子,闯到乌桕树下去做市;他们也就慢慢地走散回家,关上门去睡觉。七斤嫂咕哝着,也收了家伙和桌子矮凳回家,关上门睡觉了。

Frau Ba-yi wurde ebenfalls wütend und sagte laut: „Sieben-Jin-Schwester, du schlägst die Leute mit dem Hass-Knüppel!“

Zhao Qi-ye hatte eigentlich lächelnd zugesehen; aber seit Frau Ba-yi gesagt hatte, „der große Herr im Amt hat noch keinen Erlass herausgegeben“, war er ärgerlich geworden. Inzwischen war er hinter dem Tisch hervorgetreten und fuhr fort: „‘Hass-Knüppel’, was soll das schon heißen? Die Soldaten kommen bald. Wisst ihr, wer diesmal den Kaiser beschützt? Generalissimus Zhang! Generalissimus Zhang ist ein Nachkomme von Zhang Yide aus Yan — mit seinem achtzehn Fuß langen Schlangenspeer hat er die Tapferkeit, der zehntausend Mann nicht widerstehen können! Wer kann ihm standhalten?“ Er ballte beide Fäuste, als hielte er einen unsichtbaren Speer, und drang einige Schritte auf Frau Ba-yi vor: „Kannst du ihm standhalten?“

Frau Ba-yi zitterte vor Wut, das Kind im Arm, als sie plötzlich sah, wie Zhao Qi-ye, das Gesicht von öligem Schweiß bedeckt und mit stieren Augen, geradewegs auf sie zukam; da bekam sie große Angst, wagte ihren Satz nicht zu beenden, drehte sich um und ging. Zhao Qi-ye folgte ihr; die Menge schalt Frau Ba-yi wegen ihrer Einmischung und wich zur Seite. Einige, die ihren Zopf abgeschnitten und wieder wachsen ließen, versteckten sich eilig hinter anderen, aus Furcht, er könnte sie bemerken. Zhao Qi-ye sah nicht genau hin, schritt durch die Menge, verschwand plötzlich hinter dem Talgbaum, rief „Kannst du ihm standhalten!“, stieg auf die Bohlenbücke und ging erhobenen Hauptes davon.

Die Dörfler standen stumm da und rechneten bei sich; alle kamen zu dem Schluss, dass sie Generalissimus Zhang Yide tatsächlich nicht standhalten konnten, und beschlossen daher, dass Sieben-Jin wohl sein Leben verlieren werde. Da Sieben-Jin das Kaisergesetz übertreten hatte, erinnerten sie sich, wie er sonst, die lange Pfeife im Mund, mit so selbstgefälliger Miene Stadtnachrichten zum Besten gegeben hatte — und so empfanden sie angesichts seines Gesetzesbruchs sogar eine gewisse Genugtuung. Sie wollten noch dies und das dazu sagen, fanden aber nichts zu sagen. Ein wirres Gesumm erhob sich; die Mücken stießen an nackte Oberkörper und zogen sich unter den Talgbaum zurück. Die Dörfler gingen ebenfalls nach und nach auseinander, schlossen die Türen und gingen schlafen. Auch Frau Sieben-Jin brummte vor sich hin, räumte Geschirr, Tisch und Hocker zusammen, ging nach Hause, schloss die Tür und ging schlafen.

七斤将破碗拿回家里,坐在门槛上吸烟;但非常忧愁,忘却了吸烟,象牙嘴六尺多长湘妃竹烟管的白铜斗里的火光,渐渐发黑了。他心里但觉得事情似乎十分危急,也想想些方法,想些计画,但总是非常模糊,贯穿不得:“辫子呢辫子?丈八蛇矛。一代不如一代!皇帝坐龙庭。破的碗须得上城去钉好。谁能抵挡他?书上一条一条写着。入娘的!……”

Sieben-Jin trug die zerbrochene Schüssel ins Haus und setzte sich auf die Türschwelle zum Rauchen; doch er war so besorgt, dass er das Rauchen vergaß — das Feuer im Weißkupferkopf seiner über sechs Fuß langen Pfeife aus geflecktem Bambusrohr mit Elfenbeinmundstück schwelte allmählich herunter. In seinem Innern spürte er nur, dass die Lage äußerst gefährlich schien; er versuchte Auswege zu finden, Pläne zu schmieden, aber alles blieb verschwommen und ließ sich nicht zu Ende denken: „Zopf, wo Zopf? Achtzehn-Fuß-Schlangenspeer. Von Generation zu Generation schlimmer! Kaiser sitzt auf Drachenthron. Die kaputte Schüssel muss in der Stadt geflickt werden. Wer kann ihm standhalten? Im Buch steht's Punkt für Punkt. Zum Teufel...!“

第二日清晨,七斤依旧从鲁镇撑航船进城,傍晚回到鲁镇,又拿着六尺多长的湘妃竹烟管和一个饭碗回村。他在晚饭席上,对九斤老太说,这碗是在城内钉合的,因为缺口大,所以要十六个铜钉,三文一个,一总用了四十八文小钱。

九斤老太很不高兴的说,“一代不如一代,我是活够了。三文钱一个钉;从前的钉,这样的么?从前的钉是……我活了七十九岁了,——”

此后七斤虽然是照例日日进城,但家景总有些黯淡,村人大抵回避着,不再来听他从城内得来的新闻。七斤嫂也没有好声气,还时常叫他“囚徒”。

Am nächsten Morgen fuhr Sieben-Jin wie gewohnt mit dem Boot von Lu in die Stadt und kehrte am Abend nach Lu zurück, wieder mit seiner über sechs Fuß langen Pfeife und einer Reisschüssel. Beim Abendessen teilte er der alten Neun-Jin mit, die Schüssel sei in der Stadt geflickt worden; wegen des großen Sprungs habe sie sechzehn Kupfernieten gebraucht, drei Wen pro Stück, insgesamt achtundvierzig Wen.

Die alte Neun-Jin sagte höchst ungehalten: „Von Generation zu Generation schlimmer, ich habe lang genug gelebt. Drei Wen für eine Niete! Waren die Nieten von früher so? Die Nieten von früher waren... Neunundsiebzig bin ich geworden —“

Danach fuhr Sieben-Jin zwar wie üblich täglich in die Stadt, doch zu Hause lag ein trüber Schatten über allem; die Dörfler gingen ihm meist aus dem Weg und kamen nicht mehr, um die Neuigkeiten aus der Stadt zu hören. Auch Frau Sieben-Jin hatte keine freundliche Stimme mehr und nannte ihn oft „Sträfling“.

过了十多日,七斤从城内回家,看见他的女人非常高兴,问他说,“你在城里可听到些什么?”

“没有听到些什么。”

“皇帝坐了龙庭没有呢?”

“他们没有说。”

“咸亨酒店里也没有人说么?”

“也没人说。”

“我想皇帝一定是不坐龙庭了。我今天走过赵七爷的店前,看见他又坐着念书了,辫子又盘在顶上了,也没有穿长衫。”

“…………”

“你想,不坐龙庭了罢?”

“我想,不坐了罢。”

现在的七斤,是七斤嫂和村人又都早给他相当的尊敬,相当的待遇了。到夏天,他们仍旧在自家门口的土场上吃饭;大家见了,都笑嘻嘻的招呼。九斤老太早已做过八十大寿,仍然不平而且健康。六斤的双丫角,已经变成一支大辫子了;伊虽然新近裹脚,却还能帮同七斤嫂做事,捧着十八个铜钉的饭碗,在土场上一瘸一拐的往来。

Nach gut zehn Tagen kam Sieben-Jin aus der Stadt nach Hause und fand seine Frau in bester Laune; sie fragte ihn: „Hast du in der Stadt etwas gehört?“

„Nichts gehört.“

„Hat der Kaiser sich auf den Drachenthron gesetzt oder nicht?“

„Die Leute haben nichts gesagt.“

„Auch in der Xianheng-Schenke hat keiner was gesagt?“

„Auch da nicht.“

„Ich glaube, der Kaiser hat sich bestimmt nicht auf den Drachenthron gesetzt. Als ich heute an Zhao Qi-yes Laden vorbeikam, saß er wieder beim Lesen, hatte den Zopf wieder oben aufgerollt und trug kein Langkleid.“

„...“

„Meinst du nicht, er hat sich nicht auf den Thron gesetzt?“

„Ich denke, nein.“

So war es denn: Sieben-Jin genoss bei seiner Frau und den Dörflern bald wieder die gebührende Achtung und die übliche Behandlung. Im Sommer aßen sie immer noch auf dem Lehmplatz vor ihrem Haus; alle grüßten lachend. Die alte Neun-Jin hatte längst ihren achtzigsten Geburtstag gefeiert und war noch immer unzufrieden und bei bester Gesundheit. Die zwei Zöpfchen von Sechs-Jin hatten sich in einen einzigen dicken Zopf verwandelt; obwohl man ihr kürzlich die Füße gebunden hatte, konnte sie Frau Sieben-Jin noch bei der Arbeit helfen und humpelte mit der Reisschüssel mit den achtzehn Kupfernieten auf dem Lehmplatz hin und her.