Hongloumeng/zh-de/Chapter 33

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第三十三回

手足眈眈小动唇舌

不肖种种大承笞挞

Ein grimmiger Bruder bewegt leicht den Mund, und ein mißratener Sohn bekommt schwere Prügel.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

卻說王夫人喚他母親上來,拿幾件簪環當面賞與,又吩咐請幾眾僧人念經超度。他母親磕頭謝了出去。   原來寶玉會過雨村回來聽見了,便知金釧兒含羞賭氣自盡,心中早又五內摧傷,進來被王夫人數落教訓,也無可回說。見寶釵進來,方得便出來,茫然不知何 往,背著手,低頭一面感嘆,一面慢慢的走著,信步來至廳上。剛轉過屏門,不想對面來了一人正往裡走,可巧兒撞了個滿懷。只聽那人喝了一聲「站住!」寶玉唬了一跳,抬頭一看,不是別人,卻是他父親,不覺的倒抽了一口氣,只得垂手一旁站了。賈政道:「好端端的,你垂頭喪氣嗐些什麼?方纔雨村來了要見你,叫你那半天你才出來;既出來了,全無一點慷慨揮灑談吐,仍是葳葳蕤蕤。我看你臉上一團思欲愁悶氣色,這會子又咳聲嘆氣。你那些還不足,還不自在?無故這樣,卻是為何?」寶玉素日雖是口角伶俐,只是此時一心總為金釧兒感傷,恨不得此時也身亡命殞,跟了金釧兒去。如今見了他父親說這些話,究竟不曾聽見,只是怔呵呵的站著。   賈政見他惶悚,應對不似往日,原本無氣的,這一來倒生了三分氣。方欲說話,忽有回事人來回:「忠順親王府里有人來,要見老爺。」賈政聽了,心下疑惑, 暗暗思忖道:「素日並不和忠順府來往,為什麼今日打發人來?」一面想,一面令「快請」,急走出來看時,卻是忠順府長史官,忙接進廳上坐了獻茶。未及敘談, 那長史官先就說道:「下官此來,並非擅造潭府,皆因奉王命而來,有一件事相求。看王爺面上,敢煩老大人作主,不但王爺知情,且連下官輩亦感謝不盡。」賈政 聽了這話,抓不住頭腦,忙陪笑起身問道:「大人既奉王命而來,不知有何見諭,望大人宣明,學生好遵諭承辦。」那長史官便冷笑道:「也不必承辦,只用大人一句話就完了。我們府里有一個做小旦的琪官,一向好好在府里,如今竟三五日不見回去,各處去找,又摸不著他的道路,因此各處訪察。這一城內,十停人倒有八停人都說,他近日和銜玉的那位令郎相與甚厚。下官輩等聽了,尊府不比別家,可以擅入索取,因此啟明王爺。王爺亦雲:『若是別的戲子呢,一百個也罷了;只是這 琪官隨機應答,謹慎老誠,甚合我老人家的心,竟斷斷少不得此人。』故此求老大人轉諭令郎,請將琪官放回,一則可慰王爺諄諄奉懇,二則下官輩也可免操勞求覓之苦。」說畢,忙打一躬。   賈政聽了這話,又驚又氣,即命喚寶玉來。寶玉也不知是何原故,忙趕來時,賈政便問:「該死的奴才!你在家不讀書也罷了,怎麼又做出這些無法無天的事來!那琪官現是忠順王爺駕前承奉的人,你是何等草芥,無故引逗他出來,如今禍及於我。」寶玉聽了唬了一跳,忙回道:「實在不知此事。究竟連『琪官』兩個字不知為何物,豈更又加『引逗』二字!」說著便哭了。賈政未及開言,只見那長史官冷笑道:「公子也不必掩飾。或隱藏在家,或知其下落,早說了出來,我們也少受些辛苦,豈不念公子之德?」寶玉連說不知,「恐是訛傳,也未見得。」那長史官冷笑道:「現有據證,何必還賴?必定當著老大人說了出來,公子豈不吃虧?既雲不知此人,那紅汗巾子怎麼到了公子腰裡?」寶玉聽了這話,不覺轟去魂魄,目瞪口呆,心下自思:「這話他如何得知!他既連這樣機密事都知道了,大約別的瞞他不過,不如打發他去了,免的再說出別的事來。」因說道:「大人既知他的底細,如何連他置買房舍這樣大事倒不曉得了?聽得說他如今在東郊離城二十里有個什 麼紫檀堡,他在那裡置了幾畝田地幾間房舍。想是在那裡也未可知。」那長史官聽了,笑道:「這樣說,一定是在那裡。我且去找一回,若有了便罷,若沒有,還要 來請教。」說著,便忙忙的走了。   賈政此時氣的目瞪口歪,一面送那長史官,一面回頭命寶玉「不許動!回來有話問你!」一直送那官員去了。才回身,忽見賈環帶著幾個小廝一陣亂跑。賈政喝令小廝「快打,快打!」賈環見了他父親,唬的骨軟筋酥,忙低頭站住。賈政便問:「你跑什麼?帶著你的那些人都不管你,不知往那裡逛去,由你野馬一般!」喝令叫跟上學的人來。賈環見他父親盛怒,便乘機說道:「方纔原不曾跑,只因從那井邊一過,那井里淹死了一個丫頭,我看見人頭這樣大,身子這樣粗,泡的實在可 怕,所以才趕著跑了過來。」賈政聽了驚疑,問道:「好端端的,誰去跳井?我家從無這樣事情,自祖宗以來,皆是寬柔以待下人。──大約我近年於家務疏懶,自然執事人操克奪之權,致使生出這暴殄輕生的禍患。若外人知道,祖宗顏面何在!」喝令快叫賈璉、賴大、來興。小廝們答應了一聲,方欲叫去,賈環忙上前拉住賈政的袍襟,貼膝跪下道:「父親不用生氣。此事除太太房裡的人,別人一點也不知道。我聽見我母親說……」說到這裡,便回頭四顧一看。賈政知意,將眼一看眾小 廝,小廝們明白,都往兩邊後面退去。賈環便悄悄說道:「我母親告訴我說,寶玉哥哥前日在太太屋裡,拉著太太的丫頭金釧兒強姦不遂,打了一頓。那金釧兒便賭氣投井死了。」話未說完,把個賈政氣的面如金紙,大喝:「快拿寶玉來!」一面說,一面便往裡邊書房裡去,喝 令:「今日再有人勸我,我把這冠帶家私一應交與他與寶玉過去!我免不得做個罪人,把這幾根煩惱鬢毛剃去,尋個乾凈去處自了,也免得上辱先人下生逆子之罪。 」眾門客僕從見賈政這個形景,便知又是為寶玉了,一個個都是啖指咬舌,連忙退出。那賈政喘吁吁直挺挺坐在椅子上,滿面淚痕,一疊聲「拿寶玉!拿大棍!拿索子捆上!把各門都關上!有人傳信往裡頭去,立刻打死!」眾小廝們只得齊聲答應,有幾個來找 寶玉。   那寶玉聽見賈政吩咐他「不許動」,早知多凶少吉,那裡承望賈環又添了許多的話。正在廳上乾轉,怎得個人來往裡頭去捎信,偏生沒個人,連焙茗也不知在那裡。正盼望時,只見一個老姆姆出來。寶玉如得了珍寶,便趕上來拉他,說道:「快進去告訴:老爺要打我呢!快去,快去!要緊,要緊!」寶玉一則急了,說話不明白;二則老婆子偏生又聾,竟不曾聽見是什麼話,把「要緊」二字只聽作「跳井」二字,便笑道:「跳井讓他跳去,二爺怕什麼?」寶玉見是個聾子,便著急道: 「你出去叫我的小廝來罷。」那婆子道:「有什麼不了的事?老早的完了。太太又賞了衣服,又賞了銀子,怎麼不了事的!」   寶玉急的跺腳,正沒抓尋處,只見賈政的小廝走來,逼著他出去了。賈政一見,眼都紅紫了,也不暇問他在外流蕩優伶,表贈私物,在家荒疏學業,淫辱母婢等語,只喝令:「堵起嘴來,著實打死!」小廝們不敢違拗,只得將寶玉按在凳上,舉起大板打了十來下。賈政猶嫌打輕了,一腳踢開掌板的,自己奪過來,咬著牙狠 命蓋了三四十下。眾門客見打的不祥了,忙上前奪勸。賈政那裡肯聽,說道:「你們問問他乾的勾當可饒不可饒!素日皆是你們這些人把他釀壞了,到這步田地還來 解勸。明日釀到他弒君殺父,你們才不勸不成!」   眾人聽這話不好聽,知道氣急了,忙又退出,只得覓人進去給信。王夫人不敢先回賈母,只得忙穿衣出來,也不顧有人沒人,忙忙趕往書房中來,慌的眾門客小廝等避之不及。王夫人一進房來,賈政更如火上澆油一般,那板子越發下去的又狠又快。按寶玉的兩個小廝忙鬆了手走開,寶玉早已 動彈不得了。賈政還欲打時,早被王夫人抱住板子。賈政道:「罷了,罷了!今日必定要氣死我才罷!」王夫人哭道:「寶玉雖然該打,老爺也要自重。況且炎天暑 日的,老太太身上也不大好,打死寶玉事小,倘或老太太一時不自在了,豈不事大!」 賈政冷笑道:「倒休提這話。我養了這不肖的孽障,已經不孝;教訓他一番,又有眾人護持;不如趁今日一發勒死了,以絕將來之患!」說著,便要繩索來勒死。王夫人連忙抱住哭道:「老爺雖然應當管教兒子,也要看夫妻分上。我如今已將五十歲的人,只有這個孽障,必定苦苦的以他為法,我也不敢深勸。今日越發要他死, 豈不是有意絕我。既要勒死他,快拿繩子來先勒死我,再勒死他。我們娘兒們不敢含怨,到底在陰司里得個依靠。」 說畢,爬在寶玉身上大哭起來。賈政聽了此話,不覺長嘆一聲,向椅上坐了,淚如雨下。王夫人抱著寶玉,只見他面白氣弱,底下穿著一條綠紗小衣皆是血漬。禁不住解下汗巾看,由臀至脛,或青或紫,或整或破,竟無一點好處,不覺失聲大哭起來,「苦命的兒嚇!」因哭出「苦命兒」來,忽又想起賈珠來,便叫著賈珠哭道: 「若有你活著,便死一百個我也不管了。」此時裡面的人聞得王夫人出來,那李宮裁王熙鳳與迎春姊妹早已出來了。王夫人哭著賈珠的名字,別人還可,惟有宮裁禁不住也放聲哭了。賈政聽了,那淚珠更似滾瓜一般滾了下來。   正沒開交處,忽聽丫鬟來說:「老太太來了。」一句話未了,只聽窗外顫巍巍的聲氣說道:「先打死我,再打死他,豈不乾凈了!」賈政見他母親來了,又急又痛,連忙迎接出來,只見賈母扶著丫頭,喘吁吁的走來。賈政上前躬身陪笑道:「大暑熱天,母親有何生氣親自走來?有話只該叫 了兒子進去吩咐。」賈母聽說,便止住步喘息一回,厲聲說道:「你原來是和我說話!我倒有話吩咐,只是可憐我一生沒養個好兒子,卻教我和誰說去!」賈政聽這話不象,忙跪下含淚說道:「為兒的教訓兒子,也為的是光宗耀祖。母親這話,我做兒的如何禁得起?」賈母聽說,便啐了一口,說道:「我說一句話,你就禁不起,你那樣下死手的板子,難道寶玉就禁得起了?你說教訓兒子是光宗耀 祖,當初你父親怎麼教訓你來!」說著,不覺就滾下淚來。賈政又陪笑道:「母親也不必傷感,皆是作兒的一時性起,從此以後再不打他了。」 賈母便冷笑道:「你也不必和我使性子賭氣的。你的兒子,我也不該管你打不打。我猜著你也厭煩我們娘兒們。不如我們趕早兒離了你,大家乾凈!」說著便令人去看轎馬,「我和你太太寶玉立刻回南京去!」家下人只得乾答應著。賈母又叫王夫人道:「你也不必哭了。如今寶玉年紀小,你疼他,他將來長大成人,為官作宰的,也未必想著你是他母親了。你如今倒不要疼他,只怕將來還少生一口氣呢。」賈政聽說,忙叩頭哭道:「母親如此說,賈政無立足之地。」賈母冷笑道:「你分明使我無立足之地,你反說起你來!只是我們回去了,你心裡乾凈,看有誰來許你打。」一面說,一面只令快打點行李車轎回去。賈政苦苦叩求認罪。   賈母一面說話,一面又記掛寶玉,忙進來看時,只見今日這頓打不比往日,又是心疼,又是生氣,也抱著哭個不了。王夫人與鳳姐等解勸了一會,方漸漸的止住。早有丫鬟媳婦等上來,要攙寶玉,鳳姐便罵道:「糊塗東西,也不睜開眼瞧瞧!打的這麼個樣兒,還要攙著走!還不快進去把那藤 屜子春凳抬出來呢。」眾人聽說連忙進去,果然抬出春凳來,將寶玉抬放凳上,隨著賈母王夫人等進去,送至賈母房中。   彼時賈政見賈母氣未全消,不敢自便,也跟了進去。看看寶玉,果然打重了。再看看王夫人,「兒」一聲,「肉」一聲,「你替珠兒早死了,留著珠兒,免你父親生氣,我也不白操這半世的心了。這會子你倘或有個好歹,丟下我,叫我靠那一個!」數落一場,又哭「不爭氣的兒」。賈政聽了,也就灰心,自悔不該下毒手打到如此地步。先勸賈母,賈母含淚說道:「你不出去,還在這裡做什麼!難道於心不足,還要眼看著他死了才去不 成!」賈政聽說,方退了出來。   此時薛姨媽同寶釵、香菱、襲人、史湘雲也都在這裡。襲人滿心委屈,只不好十分使出來,見眾人圍著,灌水的灌水,打扇的打扇,自己插不下手去,便越性走 出來到二門前,令小廝們找了焙茗來細問:「方纔好端端的,為什麼打起來?你也不早來透個信兒!」焙茗急的說:「偏生我沒在跟前,打到半中間我才聽見了。忙打聽原故,卻是為琪官金釧姐姐的事。」襲人道:「老爺怎麼得知道的?」焙茗道:「那琪官的事,多半是薛大爺素日吃醋,沒 法兒出氣,不知在外頭唆挑了誰來,在老爺跟前下的火。那金釧兒的事是三爺說的,我也是聽見老爺的人說的。」襲人聽了這兩件事都對景,心中也就信了八九分。 然後回來,只見眾人都替寶玉療治。調停完備,賈母令「好生抬到他房內去」。眾人答應,七手八腳,忙把寶玉送入怡紅院內自己床上卧好。又亂了半日,眾人漸漸散去,襲人方進前來經心服侍,問他端的。且聽下回分解。

Dame Wang ließ also Djin-tschuans Mutter rufen und schenkte ihr mit eigener Hand ein paar Haarpfeile und Ringe. Außerdem befahl sie, es sollten Mönche gebeten werden, die Sutras zu lesen, um die Seele der Toten zur Erlösung zu geleiten. Djin-tschuans Mutter bedankte sich kniefällig und ging wieder fort. Als Bau-yü von seinem Gespräch mit Djia Yü-tsun zurückkam, mußte er die Schreckensnachricht vernehmen, Djin-tschuan habe sich vor Scham und Wut umgebracht, und schon das hatte ihm gleichsam alle fünf Eingeweide zerrissen. Als er dann ins Haus trat und von Dame Wang Vorhaltungen und Belehrungen erfuhr, wußte er nichts darauf zu erwidern. Erst der Eintritt von Bau-tschai eröffnete ihm eine Möglichkeit, sich zu entfernen. Blindlings und ohne Ziel trottete er dahin, die Hände auf den Rücken gelegt, den Kopf gesenkt, und seufzte dabei. Als er an der Haupthalle war und eben durch das Vortor bog, kam ihm unversehens jemand entgegen, der hinein wollte und mit dem er nun voll zusammenprallte. Er hörte nur, wie der andere rief: „Bleib stehen!“ Und als er erschrocken zusammenfuhr und dann aufblickte, erkannte er, daß es niemand anders war als sein Vater. Unwillkürlich schnappte er nach Luft und nahm dann mit herabhängenden Armen am Wegrand Aufstellung. „Warum läßt du den Kopf hängen und jammerst?“ fragte Djia Dschëng. „Als eben Yü-tsun zu Besuch war und dich zu sehen verlangte, hat es wer weiß wie lange gedauert, ehe du herübergekommen bist, und als du endlich da warst, bist du überhaupt nicht lebhaft und gesprächig gewesen, sondern nur matt und schlaff. In deinem Gesicht aber habe ich nur Sehnsucht und Kümmernis gelesen. Jetzt nun seufzt du und ächzt du. Fehlt dir denn immer noch etwas? Hast du noch nicht Freiheit genug? Warum führst du dich grundlos so auf?“ Für gewöhnlich hatte Bau-yü zwar eine flinke Zunge, aber jetzt war sein ganzes Inneres vom Kummer um Djin-tschuan erfüllt, und am liebsten wäre er ebenfalls gestorben, um ihr nachzufolgen. Die Worte seines Vaters hatte er gar nicht gehört, er stand nur da wie betäubt. Als sein Vater ihn in diesem verstörtem Zustand sah, der so gar nicht seinem früheren Wesen entsprach, geriet er, nachdem er eigentlich überhaupt nicht zornig gewesen war, jetzt doch zu drei Zehnteln in Zorn. Eben wollte er etwas sagen, aber da kam ein Melder mit der Nachricht: „Es ist jemand aus der Residenz des kaiserlichen Prinzen Dschung-schun da, der Euch zu sprechen wünscht, gnädiger Herr!“ Verwundert fragte sich Djia Dschëng: „Für gewöhnlich pflegen wir keinerlei Umgang mit dem Hause des Prinzen. Warum schickt er heute jemanden zu uns?“ Aber während er noch darüber nachdachte, befahl er schon: „Bitte ihn schnell herein!“ Als er dann geschwind hinaustrat, um den Besucher zu empfangen, erwies sich dieser als der Kanzler des prinzlichen Hauses. Ohne zu zögern führte Djia Dschëng ihn in die Halle, wo er ihn Platz zu nehmen bat und Tee bringen ließ. Er hatte das Gespräch noch nicht eröffnet, da sagte der Kanzler schon: „Nicht aus eigenem Antrieb kommt meine Wenigkeit in Euer wertes Haus. Der Prinz hat es mir aufgetragen, weil er ein Anliegen an Euch hat. Im Interesse seines Ansehens möchte ich Euch bitten, darüber zu entscheiden. Nicht nur der Prinz wird sich erkenntlich zeigen, auch meine Wenigkeit wird Euch unendlich dankbar sein.“ Djia Dschëng konnte sich keinen Vers darauf machen, darum fragte er rasch mit einem Lächeln: „Welche Botschaft bringt Ihr also, mein Herr, wenn Ihr im Auftrage des Prinzen kommt? Ich hoffe, Ihr werdet sie mir verkünden, damit ich danach zu handeln vermag.“ Kühl lächelnd gab der Kanzler zurück: „Ihr sollt nicht handeln, mein Herr, es braucht nur ein Wort von Euch, das ist alles. Wir haben einen Schauspieler Tji-guan in unserer Residenz, der die Rollen von jungen Mädchen spielt. Er ist immer brav bei uns gewesen, in den letzten Tagen jedoch ist er nicht mehr zu uns zurückgekehrt. Wir haben überall nach ihm gesucht, konnten aber nicht feststellen, wo er sich aufhält. So haben wir bei jedermann nachgefragt, und von zehn Leuten in der Stadt sagen acht, er sei in jüngster Zeit mit Eurem werten Sohn sehr vertraut, der mit dem Jadestein im Mund geboren wurde. Als meine Wenigkeit das erfuhr, habe ich, da man in Eure werte Residenz nicht einfach eindringen kann, um nach ihm zu forschen, wie in anderer Leute Haus, dem Prinzen davon Mitteilung gemacht, und der Prinz hat gesagt: ‚In jedem anderen Falle wäre es mir auch um hundert Schauspieler nicht leid, dieser Tji-guan aber ist einfühlend und aufmerksam, und ich alter Mann habe ihn sehr gern, darum kann ich durchaus nicht auf ihn verzichten.‘ Ich muß ich Euch daher ersuchen, mein Herr, Eurem werten Sohn zu sagen, er möge Tji-guan zurückkommen lassen. Zum einen wäre damit der dringende Wunsch des Prinzen erfüllt, zum anderen wäre auch meine Wenigkeit der Mühe des Suchens enthoben.“ Nach diesen Worten machte er flink eine Verbeugung. Djia Dschëng war erschrocken und verärgert zugleich über das, was er gehört hatte. Sofort befahl er, Bau-yü zu rufen. Als Bau-yü, der keine Ahnung hatte, worum es sich handelte, eilig hereinkam, sagte Djia Dschëng: „Du todeswürdiger Sklave! Magst du immerhin zu Hause das Lernen vernachlässigen, wozu aber mußtest du so eine ruchlose Tat begehen? Dieser Tji-guan gehört zum Gefolge des Prinzen Dschung-schun, wie konntest du Null ihn da ohne jeden Grund abspenstig machen, so daß jetzt Unheil über mich kommt?“ Bau-yü war bei diesen Worten vor Schreck zusammengefahren. Rasch antwortete er: „Ich weiß wirklich nichts über diese Sache. Ich weiß nicht einmal, was für ein Gegenstand mit tji-guan gemeint ist, geschweige denn, was der Ausdruck ‚abspenstig machen‘ dabei soll.“ Und schon begann er zu weinen. Noch ehe Djia Dschëng dazu kam, auch nur den Mund aufzumachen, sagte der Kanzler schon mit kühlem Lächeln: „Ihr müßt uns nichts verheimlichen, junger Herr! Entweder habt Ihr ihn hier im Hause versteckt, oder Ihr wißt, wo er sich aufhält. Je eher Ihr es sagt, desto weniger Unannehmlichkeiten werden wir haben. Kennt Ihr denn nicht die Tugenden eines Sohnes aus vornehmem Hause?“ Aber wieder und wieder beteuerte Bau-yü, nichts mit der Sache zu tun zu haben. „Vielleicht seid Ihr falsch unterrichtet!“ sagte er. „Wer weiß!“ Doch noch einmal nahm der Kanzler kühl lächelnd das Wort. „Es gibt ein Beweisstück, also warum sträubt Ihr Euch, junger Herr?“ fragte er. „Muß Euch das nicht zum Schaden gereichen, wenn Ihr mich zwingt, vor Eurem hochverehrten Herrn Vater darüber zu sprechen? Ihr sagt, Ihr kennt Tji-guan nicht, aber wie kommt dann diese rote Binde um Euren Leib?“ Als Bau-yü diese Frage vernahm, war es ihm, als wollte seine Seele den Körper verlassen, sein Blick wurde starr, sein Mund war stumm. „Woher weiß er das?“ fragte er sich. „Wenn er sogar in dieses Geheimnis eingeweiht ist, werde ich wahrscheinlich auch den Rest nicht verschweigen können. Darum ist es besser, ich schicke ihn dorthin, ehe er hier noch mehr ausplaudert!“ Und so sagte er: „Wenn Ihr selbst solche Einzelheiten von ihm wißt, hoher Herr, wie kommt es dann, daß Euch von so einer wichtigen Sache wie seinem Hauskauf nichts bekannt ist? Wie ich gehört habe, gibt es in der Ostvorstadt zwanzig Li vom Stadttor entfernt einen Ort namens Dsï-tan bau, dort soll er ein paar Mou Land sowie einige Gebäude gekauft haben. Vielleicht hält er sich da auf!“ Lächelnd sagte darauf der Kanzler: „Wenn Ihr es sagt, wird er schon dort sein. Ich gehe hin und suche ihn. Ist er da, dann ist der Fall erledigt. Wenn aber nicht, komme ich wieder, um mir neue Auskunft zu holen.“ Und schon eilte er hinaus. Djia Dschëng war inzwischen so in Wut geraten, daß sein Blick starr war und sein Mund verzerrt. Während er den Kanzler hinausbegleitete, wandte er den Kopf und befahl Bau-yü: „Du rührst dich nicht von der Stelle! Wenn ich wiederkomme, will ich dich befragen!“ Kaum hatte Djia Dschëng den Besucher verabschiedet, machte er kehrt, als er plötzlich Djia Huan erblickte, der mit einigen Sklavenjungen zusammen in wilder Hast angestürmt kam. „Haut ihn, haut ihn!“ rief Djia Dschëng seinen Sklavenjungen zu. Als Djia Huan seinen Vater vor sich sah, erschrak er so, daß seine Knochen schwach und seine Sehnen kraftlos wurden. Sofort blieb er mit gesenktem Kopf stehen. „Was hast du hier herumzurennen?“ fragte Djia Dschëng. „Und deine Begleiter treiben sich irgendwo herum, anstatt sich um dich zu kümmern, und lassen es zu, daß du dich aufführst wie ein wildes Pferd.“ Er befahl, man solle die Diener holen, deren Aufgabe es war, Djia Huan zur Schule zu begleiten. Djia Huan bemerkte, daß sein Vater in heller Wut war, und so nahm er die Gelegenheit wahr, um zu sagen: „Eben bin ich eigentlich gar nicht gerannt, aber ich kam am Brunnen vorbei, und da lag eine Magd, die sich darin ertränkt hat. So groß war ihr Kopf, und so dick ihr Leib! Es war schrecklich, wie aufgedunsen sie war. Nur deshalb bin ich so schnell von dort weg hier herüber gelaufen.“ Bestürzt fragte Djia Dschëng: „Wer springt denn mir nichts, dir nichts in den Brunnen? So etwas hat es in unserem Haus nie gegeben. Von alters her haben wir das Gesinde mit Großmut und Sanftheit behandelt. In den letzten Jahren habe ich wohl den Haushalt vernachlässigt, da führten natürlich die Verwalter ein hartes Regiment, so muß es zu dem Unglück gekommen sein, daß jemand sein Leben geringschätzt und vernichtet. Was wird aus dem Ansehen unserer Ahnen, wenn Fremde davon erfahren?“ Und er befahl: „Ruft Djia Liän, Lai Da und Lai Hsing zu mir!“ „Jawohl!“ antworteten die Sklavenjungen und wollten sie eben holen gehen, als Djia Huan rasch vortrat und Djia Dschëng am Saum seines Gewandes zupfte. Dann kniete er zu seinen Füßen nieder und sagte: „Ihr müßt nicht zürnen, Vater! Von dieser Sache weiß man allein in den Räumen der gnädigen Frau. Meine Mutter hat erzählt, ...“ Hier hielt er inne und sah sich nach allen Seiten um. Djia Dschëng verstand, was er meinte, und gab den Sklavenjungen einen Wink mit den Augen. Gehorsam traten sie nach beiden Seiten zurück. Jetzt fuhr Djia Huan leise fort: „Meine Mutter hat mir erzählt, wie Bau-yü vorgestern Djin-tschuan, die Magd der gnädigen Frau, gepackt hat, um sie zu mißbrauchen. Als sie ihm nicht zu Willen sein wollte, hat er sie geschlagen, und da hat sie sich vor Verzweiflung in den Brunnen gestürzt...“ Djia Huan hatte noch nicht ausgeredet, als Djia Dschëngs Gesicht schon gelb wie Goldpapier war und er schrie: „Holt sofort Bau-yü!“ Dann schritt er zur inneren Bibliothek und erklärte dabei laut: „Wer mich diesmal wieder davon abzubringen versucht, dem übergebe ich mit Bau-yü zusammen meine Amtstracht und meinen Besitz, sonst werde ich unvermeidlich zum Verbrecher! Ich schneide mir die paar Haare ab, durch die die weltlichen Begierden in den Körper dringen, und suche mir einen reinen Ort, wo ich mein Leben in Einsamkeit beschließe. Nur so ist es zu verhindern, daß ich zum Verbrecher werde, der Schande über seine Ahnen bringt und einen ungehorsamen Sohn besitzt!“ Als seine zahlreichen Schützlinge und Diener sahen, wie er sich gebärdete, und begriffen, daß es schon wieder Bau-yüs wegen war, bissen sie sich in den Finger oder auf die Zunge und zogen sich eiligst zurück. Steif aufgerichtet und heftig keuchend, das Gesicht voller Tränen, saß Djia Dschëng dann auf seinem Stuhl und befahl in einem Atemzug: „Bringt Bau-yü hierher! Bringt mir einen Knüppel, bringt mir einen Strick! Bindet ihn und schließt alle Türen! Wer in den inneren Gemächern Bescheid sagt, wird auf der Stelle erschlagen!“ Die Sklavenjungen hatten keine andere Wahl, als einstimmig ja zu sagen, und ein paar von ihnen machten sich auf die Suche nach Bau-yü. Schon als Bau-yü von Djia Dschëng den Befehl erhielt, sich nicht von der Stelle zu rühren, war ihm klar, daß dies viel Schlechtes und wenig Gutes verhieß, aber wie konnte er ahnen, daß inzwischen Djia Huan so viel dazufügen würde! Als er noch in der Halle wartete, überlegte er verzweifelt, wie er jemanden finden könnte, der eine Nachricht in die inneren Gemächer brachte, aber wie zum Hohn war niemand da, sogar Bee-ming war verschwunden. Während er so inständig hoffte, es möge jemand erscheinen, kam eine alte Sklavin von den inneren Gemächern her, und Bau-yü war zumute, als sei er auf einen kostbaren Schatz gestoßen. Rasch trat er auf sie zu, faßte sie am Ärmel und sagte: „Geh schnell hinein und sag Bescheid, der gnädige Herr will mich schlagen! Schnell, schnell, es ist dringend!“ Aber zum einen sprach Bau-yü vor lauter Aufregung die Wörter nicht deutlich genug aus, und zum anderen war die Alte auch schwerhörig und so gar nicht fähig, ihn richtig zu verstehen. Statt yaudjin – ‚dringend‘ – hatte sie tiau-djing – ‚in den Brunnen springen‘ – verstanden. Darum sagte sie lächelnd: „Soll sie doch in den Brunnen springen, wenn sie will! Wovor habt Ihr Angst, junger Herr?“ Nun bemerkte Bau-yü, daß er es mit einer Schwerhörigen zu tun hatte, und bat aufgeregt: „Geh und hol meinen Diener!“ „Was ist noch nicht erledigt?“ fragte die Alte. „Alles ist längst erledigt, die gnädige Frau hat Kleider für sie gegeben und auch Silber. Was soll da noch fehlen?“ Bau-yü stampfte vor Erregung mit dem Fuß auf und war ratlos, was er nun machen sollte. Aber da kamen schon Djia Dschëngs Sklavenjungen und zwangen ihn mitzugehen. Kaum daß Djia Dschëng dann Bau-yüs ansichtig wurde, bekam er blutunterlaufene Augen. Ohne sich die Zeit zu nehmen, Bau-yü danach zu fragen, warum er sich draußen mit Schauspielern herumtrieb und persönliche Gegenstände als Geschenk mit ihnen wechselte, zu Hause aber das Lernen vernachlässigte und die Sklavenmädchen seiner Mutter mißbrauchte, befahl er: „Knebelt ihn und schlagt ihn tot!“ Die Sklavenjungen wagten nicht, sich zu widersetzen. Sie drückten Bau-yü auf eine Bank nieder, hoben den schweren Prügel und schlugen vielleicht zehn Mal zu. Aber Djia Dschëng schienen diese Schläge noch zu leicht zu sein, denn er stieß den Sklaven, der den Prügel führte, mit einem Fußtritt beiseite, nahm selbst den Prügel in die Hände und schlug mit zusammengebissenen Zähnen dreißig, vierzig Mal aus voller Kraft zu. Als seine Schützlinge sahen, daß ein Unglück drohte, versuchten sie, ihm mit begütigenden Worten in den Arm zu fallen, aber Djia Dschëng wollte nichts hören und erwiderte ihnen: „Fragt ihn selbst, ob man verzeihen kann, was er getan hat! Ihr seid es, die ihn so weit verdorben haben, und jetzt wollt Ihr mir zureden. Damit wollt Ihr wohl erst aufhören, wenn Ihr ihn demnächst dazu gebracht habt, seinen Herrscher und seinen Vater umzubringen?“ Diese Vorwürfe waren heftig genug, und den Schützlingen wurde klar, daß Djia Dschëng eine schreckliche Wut haben mußte. Darum gingen sie wieder hinaus und wußten sich keinen besseren Rat, als jemanden zu suchen, durch den sie eine Nachricht in die inneren Gemächer schickten. Dame Wang wagte es nicht, zuerst der Herzoginmutter Meldung zu machen. Sie zog sich nur in größter Eile vollständig an und kam in die äußeren Gemächer heraus. Ohne darauf zu achten, ob Leute anwesend waren oder nicht, stürzte sie in die Bibliothek und ließ dadurch Djia Dschëngs verdutzten Schützlingen und Dienern keine Zeit, sich zurückzuziehen. Auf Djia Dschëng selbst wirkte ihr Erscheinen so, als ob man Öl ins Feuer gegossen hätte, und der Prügel sauste noch härter und schneller herab. Die beiden Sklavenjungen aber, die Bau-yü niederhielten, ließen ihn jetzt rasch los und traten beiseite, doch Bau-yü konnte sich längst nicht mehr rühren. Djia Dschëng wollte ihn trotzdem weiterschlagen, da hatte Dame Wang bereits den Prügel umklammert. „Hör auf!“ sagte Djia Dschëng. „Diesmal willst du wohl erst ablassen, wenn mich die Wut umgebracht hat?“ „Bau-yü hat zwar Schläge verdient, aber Ihr dürft doch auch Eure Selbstachtung nicht vergessen!“ sagte Dame Wang unter Tränen. „Außerdem fühlt sich in diesen Hitzetagen auch die alte gnädige Frau gar nicht wohl. Wenn Ihr Bau-yü erschlagt, ist das noch das wenigste, wenn aber die alte gnädige Frau deswegen leiden müßte, wäre das keine Kleinigkeit!“ „Hör auf!“ gab Djia Dschëng mit kaltem Lachen zurück. „Dadurch, daß ich so einen mißratenen Sohn habe, verstoße ich ohnehin gegen meine Kindespflicht. Und will ich ihn einmal belehren, dann wird er von allen in Schutz genommen. Darum ist es das beste, er wird jetzt erdrosselt, um künftigem Unheil vorzubeugen!“ Und er verlangte den Strick, um Bau-yü die Kehle zuzuschnüren. Rasch umfaßte ihn Dame Wang mit beiden Armen und sprach unter Tränen: „Ihr tut zwar recht daran, Euren Sohn zu belehren, Herr, aber denkt auch an unsere Beziehungen als Gatten! Ich bin schon bald fünfzig und habe nur diesen einen mißratenen Sohn. Wenn Ihr unbedingt ein hartes Exempel an ihm statuieren müßt, will ich nichts groß dagegen sagen, aber wenn Ihr ihn umbringen wollt, heißt das nichts anderes, als daß Ihr vorhabt, mich zu vernichten. Wollt Ihr ihn also erdrosseln, so nehmt nur schnell den Strick und erdrosselt zuerst mich und dann ihn! Mutter und Sohn werden es nicht wagen, Euch deswegen gram zu sein, und in der Unterwelt haben wir eine Stütze aneinander.“ Nach diesen Worten warf sie sich über Bau-yü und ließ ihren Tränen freien Lauf. Unwillkürlich mußte Djia Dschëng über ihre Worte seufzen. Er ließ sich auf einen Stuhl fallen, und die Tränen flossen ihm wie Regen herab. Dame Wang hielt Bau-yü umklammert und bemerkte dabei, daß sein Gesicht weiß war und sein Atem schwach. Seine Hosen aus grüner Seidengaze waren völlig mit Blut durchtränkt, und so konnte sie sich nicht enthalten, seine Leibbinde zu lösen und ihn zu untersuchen. Vom Gesäß bis zu den Unterschenkeln war alles grün und blau, und wenn auch nicht alles aufgeplatzt war, so war doch keine einzige heile Stelle zu finden. „Mein armer Sohn!“ heulte sie auf. Bei diesen Worten fiel ihr plötzlich Djia Dschu ein, und sie rief seinen Namen und stöhnte: „Wenn nur du noch am Leben wärst, könnten meinethalben hundert andere sterben!“ Mittlerweile war in den inneren Gemächern bekanntgeworden, daß Dame Wang draußen war, und deshalb waren auch Li Wan und Hsi-fëng sowie Ying-tschun mit ihren Kusinen längst herausgekommen. Als Dame Wang jetzt Djia Dschus Namen rief, war das wohl für die anderen nicht so schlimm, Li Wan aber fing ebenfalls laut zu weinen an, und als Djia Dschëng das hörte, rollten ihm die Tränen nur so herab. Mitten in dieses Durcheinander platzte ein Sklavenmädchen mit den Worten: „Die alte gnädige Frau kommt!“ Und noch ehe der Satz verklungen waren, hörte man vor dem Fenster die Herzoginmutter mit bebender Stimme rufen: „Schlag zuerst mich tot, ehe du ihn erschlägst! Hieße das nicht reinen Tisch machen?!“ Als Djia Dschëng hörte, daß seine Mutter kam, war er beunruhigt und bekümmert zugleich. Rasch ging er ihr entgegen und sah, wie sie, auf die Arme von Sklavenmädchen gestützt, keuchend näher kam. Er trat vor, verbeugte sich und fragte mit lächelnder Miene: „Worüber mußtet Ihr Euch aufregen, Mutter, daß Ihr an so einem heißen Tag selbst herüberkommt, anstatt Euren Sohn zu Euch zu rufen und ihm Eure Aufträge zu erteilen?“ Bei seinen Worten war die Herzoginmutter stehengeblieben und rang nach Atem. Dann stieß sie mit heftiger Stimme hervor: „Sprichst du mit mir? Ja, ich habe einen Auftrag, nur leider habe ich in meinem Leben keinen guten Sohn geboren. Wem also soll ich meinen Auftrag erteilen?“ Als Djia Dschëng diese schwerwiegenden Worte hörte, kniete er rasch nieder und sprach unter Tränen: „Daß Euer Sohn seinem Sohn eine Belehrung erteilte, geschah zum Ruhme unserer Ahnen. Wie soll ich Eure Worte ertragen, Mutter?“ Wütend spuckte die Herzoginmutter aus und erwiderte dann: „So, wenn ich ein paar Worte sage, ist das für dich nicht zu ertragen, Bau-yü aber soll es ertragen, daß du ihn so mörderisch verprügelst, ja? Du sagst, du belehrst ihn zum Ruhme unserer Ahnen, aber wie bist denn du seinerzeit von deinem Vater belehrt worden?“ Und während sie das sagte, liefen ihr unwillkürlich die Tränen herab. Djia Dschëng machte rasch wieder ein lächelndes Gesicht, ehe er sagte: „Ihr müßt Euch deswegen nicht kränken, Mutter! Es war nur eine vorüberge-

Aus: Jinyuyuan 1889a. hende Aufwallung von mir, in Zukunft werde ich ihn nicht mehr schlagen!“ „Meinetwegen brauchst du dich nicht zu erregen und in Zorn zu geraten“, gab die Herzoginmutter kühl lächelnd zurück. „Und was kümmert es mich, ob du deinen Sohn schlägst oder nicht! Doch mir scheint, du bist auch meiner und der Kinder überdrüssig. Deshalb ist es das beste, wenn wir dich so schnell wie möglich verlassen. Dann hat jeder seine Ruhe!“ Und sie befahl: „Seht nach Sänften und Pferden! Ich gehe auf der Stelle mit der gnädigen Frau und mit Bau-yü nach Nan-djing zurück.“ Notgedrungen antwortete das Gesinde: „Jawohl!“ Nun wandte sich die Herzoginmutter Dame Wang zu. „Du mußt nicht weinen!“ sagte sie. „Jetzt ist Bau-yü noch klein, und du liebst ihn. Aber wenn er groß und erwachsen ist und erst einmal Beamter wird, denkt er vielleicht nicht mehr daran, daß du seine Mutter bist. Wenn du ihn schon heute nicht mehr liebst, ersparst du dir für die Zukunft viel Ärger.“ Als Antwort auf ihre Worte kniete Djia Dschëng rasch nieder, schlug mit der Stirn auf den Boden und klagte unter Tränen: „Wenn Ihr so etwas sagt, weiß ich nicht mehr, wohin ich noch meine Füßen setzen soll, Mutter!“ Aber die Herzoginmutter lächelte wieder nur kühl, als sie ihm sagte: „Zweifellos bist du derjenige, der mir keinen Platz läßt, wohin ich meine Füße setzen könnte, und doch fängst du von dir an! Wenn wir wegfahren, hast du deine Ruhe und brauchst von niemandem mehr eine Erlaubnis, wenn du jemanden prügeln möchtest!“ Und wieder befahl sie: „Macht schnell ein wenig Gepäck zurecht und haltet Wagen und Sänften bereit, damit wir abfahren können!“ Jetzt bat Djia Dschëng mit heftigen Stirnaufschlägen um Verzeihung und bekannte seine Schuld. Die Herzoginmutter aber machte sich Sorgen um Bau-yü, darum trat sie eilig in den Raum und mußte dort feststellen, daß die Züchtigung diesmal weit schlimmer ausgefallen war als je zuvor. Das schmerzte und empörte sie zu gleicher Zeit. Sie nahm Bau-yü in die Arme und weinte unaufhörlich dabei. Erst als Dame Wang, Hsi-fëng und die übrigen ihr eine Zeitlang gut zuredeten, hielt sie allmählich ein. Sofort traten die Sklavenfrauen und -mädchen heran, um Bau-yü aufzuhelfen. „Ihr dummen Dinger!“ schimpfte Hsi-fëng. „Seht ihr denn nicht, wie er zugerichtet ist, und da soll er gehen können? Vielleicht bemüht ihr euch bald hinein und holt einen Liegestuhl!“ Sofort eilten die Sklavinnen hinein und brachten wirklich den Liegestuhl. Dann legten sie Bau-yü darauf und trugen ihn hinter der Herzoginmutter und Dame Wang her bis in die Räume der Herzoginmutter. Auch Djia Dschëng, der gesehen hatte, daß der Zorn der Herzoginmut­ter noch nicht verraucht war, wagte es nicht, sich eigenmächtig zu entfernen, und ging mit hinein. Wie es aussah, hatte er Bau-yü diesmal wirklich zu hart gestraft. Dann mußte er hören, wie Dame Wang immer wieder rief: „Mein Junge! Mein Liebling!“ Und anschließend hielt sie ihm vor: „Warum konntest du nicht an Dschus Stelle jung sterben, so daß er am Leben geblieben wäre und dein Vater sich nicht über dich zu ärgern brauchte! Dann hätte ich mir nicht mein halbes Leben lang für nichts und wieder nichts solche Sorgen machen müssen! Wenn dir jetzt etwas zustößt und du läßt mich im Stich, wer soll mir dann eine Stütze sein?“ Dann wieder nannte sie ihn weinend: „Mein armer Sohn, der nicht für sich einstehen kann!“ Als Djia Dschëng diese Worte hörte, überwältigte ihn der Kummer und bereute er, Bau-yü so grausam mißhandelt zu haben. Doch als er erst einmal die Herzoginmutter zu besänftigen suchte, fuhr sie ihn unter Tränen an: „Verschwinde! Was willst du noch hier? Reicht es dir immer noch nicht? Willst du vielleicht mit eigenen Augen sehen, wie er stirbt, ehe du endlich gehst?“ So zog sich Djia Dschëng zurück. Inzwischen waren auch noch Tante Hsüä mit Bau-tschai und Hsiang-ling sowie Hsi-jën und Hsiang-yün eingetroffen. Hsi-jën fühlte sich zutiefst gekränkt, aber das konnte sie nicht so deutlich zeigen. Als sie sah, wie sich alle um Bau-yü bemühten, indem ihn die einen mit Wasser begossen, während die anderen ihm Luft zufächelten, und sie überhaupt nicht zum Zuge kommen ließen, ging sie kurzentschlossen hinaus bis zum Innentor und ließ hier durch die Sklavenjungen Bee-ming herbeiholen, um von ihm eine genaue Auskunft zu verlangen. „Eben war doch noch alles gut“, sagte sie. „Warum hat er plötzlich Schläge bekommen? Und warum hast du uns nicht rechtzeitig einen Wink gegeben?“ Aufgeregt erklärte Bee-ming: „Ich war gerade nicht da und habe erst davon erfahren, als das Strafgericht schon in vollem Gange war. Ich habe mich sofort nach den Gründen erkundigt, und es hieß, es sei wegen Tji-guan und Djin-tschuan.“ „Wie hat der gnädige Herr davon erfahren können?“ fragte Hsi-jën. „Die Sache mit Tji-guan geht höchstwahrscheinlich auf den jungen Herrn Hsüä zurück, der immer eifersüchtig war und seine Wut nirgends auslassen konnte“, sagte Bee-ming. „Wer weiß, wen er außerhalb des Hauses aufgestachelt hat, den Zorn des gnädigen Herrn zu entfachen! Die Sache mit Djin-tschuan aber hat der dritte junge Herr ihm verraten. Ich habe gehört, wie die Leute des gnädigen Herrn davon sprachen.“ Da beides sehr einleuchtend klang, war Hsi-jën zu acht, neun Zehnteln von der Richtigkeit überzeugt. Bei ihrer Rückkehr in die Räume der Herzoginmutter fand sie alle mit Bau-yüs Wunden beschäftigt. Als schließlich alles getan war, befahl die Herzoginmutter: „Tragt ihn jetzt vorsichtig in seine Räume!“ Alle sagten jawohl, und jeder legte rasch mit Hand an, um Bau-yü in den Hof der Freude am Roten hinüberzubringen, wo man ihn auf sein Bett legte. Alle machten sich noch lange mit ihm zu schaffen, dann gingen sie nach und nach fort. Jetzt erst trat Hsi-fëng in den Innenraum, half Bau-yü behutsam mit dem Arm auf und fragte ihn, wie es dazu gekommen sei. Aber das wird im nächsten Kapitel erzählt.