Hongloumeng/Chapter 33
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第三十三回
手足眈眈小动唇舌
不肖种种大承笞挞
Ein grimmiger Bruder bewegt leicht den Mund, und ein mißratener Sohn bekommt schwere Prügel.
| 中文原文 (庚辰本) | Deutsche Übersetzung (Schwarz) |
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卻說王夫人喚他母親上來,拿幾件簪環當面賞與,又吩咐請幾眾僧人念經超度。他母親磕頭謝了出去。 原來寶玉會過雨村回來聽見了,便知金釧兒含羞賭氣自盡,心中早又五內摧傷,進來被王夫人數落教訓,也無可回說。見寶釵進來,方得便出來,茫然不知何 往,背著手,低頭一面感嘆,一面慢慢的走著,信步來至廳上。剛轉過屏門,不想對面來了一人正往裡走,可巧兒撞了個滿懷。只聽那人喝了一聲「站住!」寶玉唬了一跳,抬頭一看,不是別人,卻是他父親,不覺的倒抽了一口氣,只得垂手一旁站了。賈政道:「好端端的,你垂頭喪氣嗐些什麼?方纔雨村來了要見你,叫你那半天你才出來;既出來了,全無一點慷慨揮灑談吐,仍是葳葳蕤蕤。我看你臉上一團思欲愁悶氣色,這會子又咳聲嘆氣。你那些還不足,還不自在?無故這樣,卻是為何?」寶玉素日雖是口角伶俐,只是此時一心總為金釧兒感傷,恨不得此時也身亡命殞,跟了金釧兒去。如今見了他父親說這些話,究竟不曾聽見,只是怔呵呵的站著。 賈政見他惶悚,應對不似往日,原本無氣的,這一來倒生了三分氣。方欲說話,忽有回事人來回:「忠順親王府里有人來,要見老爺。」賈政聽了,心下疑惑, 暗暗思忖道:「素日並不和忠順府來往,為什麼今日打發人來?」一面想,一面令「快請」,急走出來看時,卻是忠順府長史官,忙接進廳上坐了獻茶。未及敘談, 那長史官先就說道:「下官此來,並非擅造潭府,皆因奉王命而來,有一件事相求。看王爺面上,敢煩老大人作主,不但王爺知情,且連下官輩亦感謝不盡。」賈政 聽了這話,抓不住頭腦,忙陪笑起身問道:「大人既奉王命而來,不知有何見諭,望大人宣明,學生好遵諭承辦。」那長史官便冷笑道:「也不必承辦,只用大人一句話就完了。我們府里有一個做小旦的琪官,一向好好在府里,如今竟三五日不見回去,各處去找,又摸不著他的道路,因此各處訪察。這一城內,十停人倒有八停人都說,他近日和銜玉的那位令郎相與甚厚。下官輩等聽了,尊府不比別家,可以擅入索取,因此啟明王爺。王爺亦雲:『若是別的戲子呢,一百個也罷了;只是這 琪官隨機應答,謹慎老誠,甚合我老人家的心,竟斷斷少不得此人。』故此求老大人轉諭令郎,請將琪官放回,一則可慰王爺諄諄奉懇,二則下官輩也可免操勞求覓之苦。」說畢,忙打一躬。 賈政聽了這話,又驚又氣,即命喚寶玉來。寶玉也不知是何原故,忙趕來時,賈政便問:「該死的奴才!你在家不讀書也罷了,怎麼又做出這些無法無天的事來!那琪官現是忠順王爺駕前承奉的人,你是何等草芥,無故引逗他出來,如今禍及於我。」寶玉聽了唬了一跳,忙回道:「實在不知此事。究竟連『琪官』兩個字不知為何物,豈更又加『引逗』二字!」說著便哭了。賈政未及開言,只見那長史官冷笑道:「公子也不必掩飾。或隱藏在家,或知其下落,早說了出來,我們也少受些辛苦,豈不念公子之德?」寶玉連說不知,「恐是訛傳,也未見得。」那長史官冷笑道:「現有據證,何必還賴?必定當著老大人說了出來,公子豈不吃虧?既雲不知此人,那紅汗巾子怎麼到了公子腰裡?」寶玉聽了這話,不覺轟去魂魄,目瞪口呆,心下自思:「這話他如何得知!他既連這樣機密事都知道了,大約別的瞞他不過,不如打發他去了,免的再說出別的事來。」因說道:「大人既知他的底細,如何連他置買房舍這樣大事倒不曉得了?聽得說他如今在東郊離城二十里有個什 麼紫檀堡,他在那裡置了幾畝田地幾間房舍。想是在那裡也未可知。」那長史官聽了,笑道:「這樣說,一定是在那裡。我且去找一回,若有了便罷,若沒有,還要 來請教。」說著,便忙忙的走了。 賈政此時氣的目瞪口歪,一面送那長史官,一面回頭命寶玉「不許動!回來有話問你!」一直送那官員去了。才回身,忽見賈環帶著幾個小廝一陣亂跑。賈政喝令小廝「快打,快打!」賈環見了他父親,唬的骨軟筋酥,忙低頭站住。賈政便問:「你跑什麼?帶著你的那些人都不管你,不知往那裡逛去,由你野馬一般!」喝令叫跟上學的人來。賈環見他父親盛怒,便乘機說道:「方纔原不曾跑,只因從那井邊一過,那井里淹死了一個丫頭,我看見人頭這樣大,身子這樣粗,泡的實在可 怕,所以才趕著跑了過來。」賈政聽了驚疑,問道:「好端端的,誰去跳井?我家從無這樣事情,自祖宗以來,皆是寬柔以待下人。──大約我近年於家務疏懶,自然執事人操克奪之權,致使生出這暴殄輕生的禍患。若外人知道,祖宗顏面何在!」喝令快叫賈璉、賴大、來興。小廝們答應了一聲,方欲叫去,賈環忙上前拉住賈政的袍襟,貼膝跪下道:「父親不用生氣。此事除太太房裡的人,別人一點也不知道。我聽見我母親說……」說到這裡,便回頭四顧一看。賈政知意,將眼一看眾小 廝,小廝們明白,都往兩邊後面退去。賈環便悄悄說道:「我母親告訴我說,寶玉哥哥前日在太太屋裡,拉著太太的丫頭金釧兒強姦不遂,打了一頓。那金釧兒便賭氣投井死了。」話未說完,把個賈政氣的面如金紙,大喝:「快拿寶玉來!」一面說,一面便往裡邊書房裡去,喝 令:「今日再有人勸我,我把這冠帶家私一應交與他與寶玉過去!我免不得做個罪人,把這幾根煩惱鬢毛剃去,尋個乾凈去處自了,也免得上辱先人下生逆子之罪。 」眾門客僕從見賈政這個形景,便知又是為寶玉了,一個個都是啖指咬舌,連忙退出。那賈政喘吁吁直挺挺坐在椅子上,滿面淚痕,一疊聲「拿寶玉!拿大棍!拿索子捆上!把各門都關上!有人傳信往裡頭去,立刻打死!」眾小廝們只得齊聲答應,有幾個來找 寶玉。 那寶玉聽見賈政吩咐他「不許動」,早知多凶少吉,那裡承望賈環又添了許多的話。正在廳上乾轉,怎得個人來往裡頭去捎信,偏生沒個人,連焙茗也不知在那裡。正盼望時,只見一個老姆姆出來。寶玉如得了珍寶,便趕上來拉他,說道:「快進去告訴:老爺要打我呢!快去,快去!要緊,要緊!」寶玉一則急了,說話不明白;二則老婆子偏生又聾,竟不曾聽見是什麼話,把「要緊」二字只聽作「跳井」二字,便笑道:「跳井讓他跳去,二爺怕什麼?」寶玉見是個聾子,便著急道: 「你出去叫我的小廝來罷。」那婆子道:「有什麼不了的事?老早的完了。太太又賞了衣服,又賞了銀子,怎麼不了事的!」 寶玉急的跺腳,正沒抓尋處,只見賈政的小廝走來,逼著他出去了。賈政一見,眼都紅紫了,也不暇問他在外流蕩優伶,表贈私物,在家荒疏學業,淫辱母婢等語,只喝令:「堵起嘴來,著實打死!」小廝們不敢違拗,只得將寶玉按在凳上,舉起大板打了十來下。賈政猶嫌打輕了,一腳踢開掌板的,自己奪過來,咬著牙狠 命蓋了三四十下。眾門客見打的不祥了,忙上前奪勸。賈政那裡肯聽,說道:「你們問問他乾的勾當可饒不可饒!素日皆是你們這些人把他釀壞了,到這步田地還來 解勸。明日釀到他弒君殺父,你們才不勸不成!」 眾人聽這話不好聽,知道氣急了,忙又退出,只得覓人進去給信。王夫人不敢先回賈母,只得忙穿衣出來,也不顧有人沒人,忙忙趕往書房中來,慌的眾門客小廝等避之不及。王夫人一進房來,賈政更如火上澆油一般,那板子越發下去的又狠又快。按寶玉的兩個小廝忙鬆了手走開,寶玉早已 動彈不得了。賈政還欲打時,早被王夫人抱住板子。賈政道:「罷了,罷了!今日必定要氣死我才罷!」王夫人哭道:「寶玉雖然該打,老爺也要自重。況且炎天暑 日的,老太太身上也不大好,打死寶玉事小,倘或老太太一時不自在了,豈不事大!」 賈政冷笑道:「倒休提這話。我養了這不肖的孽障,已經不孝;教訓他一番,又有眾人護持;不如趁今日一發勒死了,以絕將來之患!」說著,便要繩索來勒死。王夫人連忙抱住哭道:「老爺雖然應當管教兒子,也要看夫妻分上。我如今已將五十歲的人,只有這個孽障,必定苦苦的以他為法,我也不敢深勸。今日越發要他死, 豈不是有意絕我。既要勒死他,快拿繩子來先勒死我,再勒死他。我們娘兒們不敢含怨,到底在陰司里得個依靠。」 說畢,爬在寶玉身上大哭起來。賈政聽了此話,不覺長嘆一聲,向椅上坐了,淚如雨下。王夫人抱著寶玉,只見他面白氣弱,底下穿著一條綠紗小衣皆是血漬。禁不住解下汗巾看,由臀至脛,或青或紫,或整或破,竟無一點好處,不覺失聲大哭起來,「苦命的兒嚇!」因哭出「苦命兒」來,忽又想起賈珠來,便叫著賈珠哭道: 「若有你活著,便死一百個我也不管了。」此時裡面的人聞得王夫人出來,那李宮裁王熙鳳與迎春姊妹早已出來了。王夫人哭著賈珠的名字,別人還可,惟有宮裁禁不住也放聲哭了。賈政聽了,那淚珠更似滾瓜一般滾了下來。 正沒開交處,忽聽丫鬟來說:「老太太來了。」一句話未了,只聽窗外顫巍巍的聲氣說道:「先打死我,再打死他,豈不乾凈了!」賈政見他母親來了,又急又痛,連忙迎接出來,只見賈母扶著丫頭,喘吁吁的走來。賈政上前躬身陪笑道:「大暑熱天,母親有何生氣親自走來?有話只該叫 了兒子進去吩咐。」賈母聽說,便止住步喘息一回,厲聲說道:「你原來是和我說話!我倒有話吩咐,只是可憐我一生沒養個好兒子,卻教我和誰說去!」賈政聽這話不象,忙跪下含淚說道:「為兒的教訓兒子,也為的是光宗耀祖。母親這話,我做兒的如何禁得起?」賈母聽說,便啐了一口,說道:「我說一句話,你就禁不起,你那樣下死手的板子,難道寶玉就禁得起了?你說教訓兒子是光宗耀 祖,當初你父親怎麼教訓你來!」說著,不覺就滾下淚來。賈政又陪笑道:「母親也不必傷感,皆是作兒的一時性起,從此以後再不打他了。」 賈母便冷笑道:「你也不必和我使性子賭氣的。你的兒子,我也不該管你打不打。我猜著你也厭煩我們娘兒們。不如我們趕早兒離了你,大家乾凈!」說著便令人去看轎馬,「我和你太太寶玉立刻回南京去!」家下人只得乾答應著。賈母又叫王夫人道:「你也不必哭了。如今寶玉年紀小,你疼他,他將來長大成人,為官作宰的,也未必想著你是他母親了。你如今倒不要疼他,只怕將來還少生一口氣呢。」賈政聽說,忙叩頭哭道:「母親如此說,賈政無立足之地。」賈母冷笑道:「你分明使我無立足之地,你反說起你來!只是我們回去了,你心裡乾凈,看有誰來許你打。」一面說,一面只令快打點行李車轎回去。賈政苦苦叩求認罪。 賈母一面說話,一面又記掛寶玉,忙進來看時,只見今日這頓打不比往日,又是心疼,又是生氣,也抱著哭個不了。王夫人與鳳姐等解勸了一會,方漸漸的止住。早有丫鬟媳婦等上來,要攙寶玉,鳳姐便罵道:「糊塗東西,也不睜開眼瞧瞧!打的這麼個樣兒,還要攙著走!還不快進去把那藤 屜子春凳抬出來呢。」眾人聽說連忙進去,果然抬出春凳來,將寶玉抬放凳上,隨著賈母王夫人等進去,送至賈母房中。 彼時賈政見賈母氣未全消,不敢自便,也跟了進去。看看寶玉,果然打重了。再看看王夫人,「兒」一聲,「肉」一聲,「你替珠兒早死了,留著珠兒,免你父親生氣,我也不白操這半世的心了。這會子你倘或有個好歹,丟下我,叫我靠那一個!」數落一場,又哭「不爭氣的兒」。賈政聽了,也就灰心,自悔不該下毒手打到如此地步。先勸賈母,賈母含淚說道:「你不出去,還在這裡做什麼!難道於心不足,還要眼看著他死了才去不 成!」賈政聽說,方退了出來。 此時薛姨媽同寶釵、香菱、襲人、史湘雲也都在這裡。襲人滿心委屈,只不好十分使出來,見眾人圍著,灌水的灌水,打扇的打扇,自己插不下手去,便越性走 出來到二門前,令小廝們找了焙茗來細問:「方纔好端端的,為什麼打起來?你也不早來透個信兒!」焙茗急的說:「偏生我沒在跟前,打到半中間我才聽見了。忙打聽原故,卻是為琪官金釧姐姐的事。」襲人道:「老爺怎麼得知道的?」焙茗道:「那琪官的事,多半是薛大爺素日吃醋,沒 法兒出氣,不知在外頭唆挑了誰來,在老爺跟前下的火。那金釧兒的事是三爺說的,我也是聽見老爺的人說的。」襲人聽了這兩件事都對景,心中也就信了八九分。 然後回來,只見眾人都替寶玉療治。調停完備,賈母令「好生抬到他房內去」。眾人答應,七手八腳,忙把寶玉送入怡紅院內自己床上卧好。又亂了半日,眾人漸漸散去,襲人方進前來經心服侍,問他端的。且聽下回分解。 |
i-fëng lächelnd, die daneben stand. „Kostspielig sind seine Wünsche nicht, aber anspruchsvoll ist es doch, ausgerechnet danach zu verlangen!“ Die Herzoginmutter aber befahl ein um das andere Mal, man solle ihm die Suppe machen. „Nicht so aufgeregt, alte Ahne!“ bat Hsi-fëng lächelnd. „Ich muß mich erst besinnen, wer die Formen dafür in Verwahrung hat.“ Dann wandte sie sich an eine Sklavin und befahl: „Geh und frag den Verantwortlichen für die Küche danach!“ Die Sklavin ging fort, und als sie nach langer Zeit endlich wiederkam, berichtete sie: „Der Verantwortliche für die Küche sagt, alle vier Satz Formen habe er wieder abgeliefert.“ „Ich weiß, wer sie hat“, sagte Hsi-fëng nach einigem Nachdenken, „sicher sind sie in der Teeküche.“ Und wieder schickte sie jemanden los, um den Verantwortlichen für die Teeküche danach zu fragen, aber auch dort waren sie nicht. Schließlich fanden sich die Formen beim Verantwortlichen für das Gold- und Silbergeschirr, und als erstes nahm sie nun Tante Hsüä in die Hand, um sie sich anzusehen. Es war ein Kästchen mit vier silbernen Formen darin, von denen jede über ein Tschï lang und ein Tsun breit war. Bohnengroße Vertiefungen in Gestalt von Chrysanthemen- und Aprikosenblüten, Lotoskapseln und Wassernüssen waren darin eingearbeitet. Insgesamt waren es dreißig oder vierzig unterschiedliche Figuren, und alle sahen sie fein und zierlich aus. Darum bemerkte Tante Hsüä jetzt lächelnd zur Herzoginmutter und zu Dame Wang: „Bei Euch ist aber auch alles bis ins letzte durchdacht. So viele Muster nur für eine Schüssel Suppe! Ohne Erklärung hätte ich nicht einmal erkannt, wozu das dient.“ Ohne abzuwarten, ob jemand anders etwas darauf erwidern wollte, erklärte Hsi-fëng schon lächelnd: „Woher solltet Ihr das auch wissen, Frau Tante! Das hatten sie sich im vorigen Jahr ausgedacht, um für die kaiserliche Nebenfrau das Mahl zu bereiten. Woraus der Teig gemacht war, den sie damit gepreßt haben, weiß ich nicht. Es sollte an den Geschmack von frischen Lotosblättern erinnern, aber die Hauptsache ist und bleibt eine gute Brühe, das Aussehen allein macht nicht viel Sinn. Und wer würde schon ständig so etwas essen! Als die Formen damals gebracht wurden, haben wir einmal solche Suppe gemacht. Wer weiß, warum ihm das jetzt wieder eingefallen ist!“ Damit nahm sie ihr die Formen ab und übergab sie einer Sklavin. Dann ordnete sie an: „Sie sollen in der Küche sofort ein paar Hühner nehmen und was sonst noch dazugehört und gute zehn Schalen Suppe kochen!“ „Wozu das?“ fragte Dame Wang. „Ich habe schon meine Gründe“, erwiderte Hsi-fëng lächelnd. „Normalerweise wird diese Suppe selten gekocht. Darum wäre es – nachdem Schwager Bau-yü einmal danach verlangt hat – nicht schön, wenn sie nur für ihn allein gekocht würde, für die alte gnädige Frau, die gnädige Frau Tante und Euch, gnädige Frau, aber nicht. Darum will ich die Gelegenheit nutzen und mehr davon kochen lassen, damit es für alle reicht. So fällt auch für mich etwas ab!“ „Dich werde ich lehren, Äffchen!“ drohte die Herzoginmutter im Spaß. „Mit öffentlichen Geldern spielst du dich als Wohltäterin auf!“ Alles lachte darüber, und auch Hsi-fëng lächelte, als sie erwiderte: „Keine Bange! So eine kleine Bewirtung kann auch ich mir leisten!“ Dann wandte sie sich erneut an die Sklavin und befahl: „Sag in der Küche, sie sollen ordentlich etwas daranmachen, und das Silber sollen sie auf meine Rechnung setzen!“ Die Sklavin sagte: „Jawohl!“ und ging hinaus, da bemerkte Bau-tschai mit lächelnder Miene: „In den Jahren, die ich jetzt hier bin, habe ich stets darauf achtgegeben und mußte feststellen, daß Kusine Hsi-fëng bei allem Witz an die alte gnädige Frau nicht heranreicht.“ „Was habe ich schon noch für Witz, alt wie ich bin“, entgegnete die Herzoginmutter. „Als ich so alt war wie sie, hätte ich mich mit ihr messen können. Aber wenn sie auch an uns nicht heranreicht, ist sie doch immer noch gut, weit besser als deine Tante. Die Ärmste redet nicht viel und kommt einem vor wie ein Holzklotz. Dadurch konnte sie ihre guten Seiten vor den Schwiegereltern nicht recht zur Geltung bringen. Hsi-fëng dagegen hat eine flinke Zunge, da ist es kein Wunder, daß die Leute sie mögen.“ Lächelnd fragte Bau-yü: „Ihr mögt also niemand, der keine flinke Zunge hat?“ „Wer keine flinke Zunge hat, besitzt andere Vorzüge, für die man ihn gern hat“, antwortete die Herzoginmutter. „Genauso wie jemand mit flinker Zunge auch Schwächen hat, durch die er gegen den, der nicht reden kann, zurücksteht.“ „Eben!“ sagte Bau-yü lächelnd, „mir scheint, meine ältere Schwägerin sagt nicht viel, und dennoch behandelt Ihr sie nicht anders als Schwägerin Hsi-fëng. Wenn Ihr nur gern haben würdet, wer flink mit der Zunge ist, dürftet Ihr von den Mädchen nur Schwägerin Hsi-fëng und Kusine Dai-yü gern haben.“ „Wenn von den Mädchen die Rede ist, kann von unseren vieren keine einzige Bau-tschai auch nur das Wasser reichen“, erwiderte die Herzoginmutter. „Das sage ich nicht, um ihrer Mutter zu schmeicheln, das ist tausend und zehntausend Mal wahr.“ „Oh, das ist voreingenommen von Euch“, wandte Tante Hsüä sofort lächelnd ein. Dame Wang aber lächelte ebenfalls, als sie sagte: „Die alte gnädige Frau hat mir unter vier Augen schon oft gesagt, Bau-tschai sei ein gutes Mädchen. Das ist nicht gelogen.“ Bau-yü hatte die Herzoginmutter nur deshalb auf dieses Thema gebracht, damit sie Dai-yü lobte, doch wider Erwarten hatte sie nicht Dai-yü, sondern Bau-tschai gelobt. Darum blickte er jetzt lächelnd zu Bau-tschai hinüber, aber diese hatte sich längst abgewandt und unterhielt sich mit Hsi-jën. Plötzlich kam jemand vom Gesinde und bat zum Essen. Die Herzoginmutter erhob sich und sagte Bau-yü, er solle sich schön ausruhen. Anschließend erteilte sie seinen Sklavenmädchen noch einige Anweisungen, ehe sie endlich hinausging, wobei sie sich nur auf Hsi-fëng stützte und Tante Hsüä höflich den Vortritt ließ. Die anderen folgten ihnen. „Ist die Suppe fertig?“ erkundigte sich die Herzoginmutter. Dann fragte sie Tante Hsüä: „Habt Ihr auf irgend etwas Appetit? Sagt es mir nur! Ich weiß, wie ich Hsi-fëng dazu bringe, es zubereiten zu lassen, und dann teilen wir es uns!“ Lächelnd erwiderte Tante Hsüä: „Müßt Ihr sie immer aufziehen? Sie verehrt Euch doch etwas von allen Speisen. Aber Ihr eßt ja nicht viel.“ „Sagt das nicht, Tante!“ mischte sich Hsi-fëng lächelnd ein. „Unsere alte Ahne mag nur kein Menschenfleisch, weil es ihr zu sauer ist, sonst hätte sie mich schon längst gefressen!“ Kaum hatte sie das gesagt, platzten die Herzoginmutter und alle anderen laut heraus. Auch Bau-yü drinnen im Zimmer konnte nicht an sich halten und lachte mit. Lächelnd sagte Hsi-jën zu ihm: „Also wirklich! Vor der Zunge der jungen gnädigen Frau kann man sich zu Tode fürchten!“ Bau-yü streckte die Hand nach Hsi-jën aus und sagte lächelnd: „Du hast so lange gestanden, bestimmt bist du müde!“ Und er zog sie heran, damit sie sich neben ihn setzte. Lächelnd erinnerte ihn Hsi-jën: „Jetzt hast du es wieder vergessen! Sprich schnell mit Fräulein Bau-tschai, solange sie noch im Hof ist, und bitte sie, Ying-örl zu uns zu schicken, damit sie für uns Netze knüpft!“ „Gut, daß du mich daran erinnerst“, sagte Bau-yü. Damit hob er den Kopf und sprach zum Fenster hinaus: „Kusine Bau-tschai! Schick doch nach dem Essen Ying-örl herüber! Ich möchte sie bitten, ein paar Netze zu knüpfen. Sie hat doch Zeit, ja?“ Bau-tschai wandte den Kopf und antwortete: „Warum sollte sie keine Zeit haben? Ich werde es ihr gleich sagen!“ Die Herzoginmutter und ihr Gefolge hatten nicht richtig verstanden, worum es ging, darum blieben sie stehen und erkundigten sich bei Bau-tschai danach. Bau-tschai erklärte es ihnen, und nun war es allen klar. Daraufhin sagte die Herzoginmutter: „Schick sie nur her, mein gutes Kind, damit sie für Bau-yü die Netze knüpft! Und sollte euch dadurch jemand zu eurer Bedienung fehlen, so gibt es bei mir Mägde genug, die nichts zu tun haben. Such dir von ihnen aus, welche du willst, damit sie bei euch bedient!“ Aber lächelnd erwiderten Tante Hsüä und Bau-tschai: „Soll sie nur hergehen und knüpfen! Was brauchen wir sie zur Bedienung! Sie hat den ganzen Tag nichts zu tun und wird schon frech vor lauter Müßiggang.“ Während des Gesprächs waren sie weitergegangen und trafen nun auf Hsiang-yün, Ping-örl und Hsiang-ling, die vor einem Felsen Balsaminen pflückten. Sobald sie die Ankömmlinge erblickten, kamen sie ihnen zur Begrüßung entgegen. Als sie dann den Garten verließen, hatte Dame Wang die Befürchtung, daß die Herzoginmutter müde sei, darum bot sie ihr an, sich in ihren Hauptraum zu setzen. Wirklich taten der Herzoginmutter die Beine weh, darum erklärte sie kopfnickend ihr Einverständnis. Sofort beauftragte Dame Wang ihre Sklavenmädchen, sie sollten vorauseilen und einen Sitz herrichten lassen. Weil sich Nebenfrau Dschau krankheitshalber entschuldigt hatte, waren nur Nebenfrau Dschou sowie die Sklavinnen da, die sich jetzt beeilten, den Türvorhang aufzuheben, Rückenpolster aufzubauen und Sitzkissen zurechtzurücken. Auf Hsi-fëngs Arm gestützt, trat die Herzoginmutter ein und nahm mit Tante Hsüä zusammen die Ehrenplätze von Gast und Gastgeber ein, während Bau-tschai und Hsiang-yün die einfachen Plätze bekamen. Dame Wang brachte selbst den Tee für die Herzoginmutter, während Li Wan den für Tante Hsüä brachte. „Sollen die jungen Frauen uns bedienen!“ sagte die Herzoginmutter zu Dame Wang. „Setz du dich dorthin, damit wir uns unterhalten können!“ Jetzt erst nahm Dame Wang auf einem Hocker Platz. Dann unterwies sie Hsi-fëng: „Der Reis für die alte gnädige Frau soll zusammen mit ein paar Zuspeisen hierher gebracht werden!“ Hsi-fëng sagte: „Jawohl!“ und ging hinaus, wo sie befahl, in den Räumen der Herzoginmutter Bescheid zu geben. Die Sklavinnen der Herzoginmutter gingen den Befehl übermitteln, und rasch kamen die Sklavenmädchen herüber. Inzwischen ordnete Dame Wang an: „Bittet die jungen Fräulein her!“ Es verging jedoch einige Zeit, ehe sie kamen, und dann erschienen nur Tan-tschun und Hsi-tschun. Ying-tschun fühlte sich nicht wohl und mochte deshalb nichts essen. Von Dai-yü aber war man es ohnehin gewöhnt, daß sie von zehn Mahlzeiten nur fünf zu sich nehmen konnte, und so kümmerte sich niemand um sie. Bald darauf wurden die Speisen gebracht, und das Gesinde stellte die Tische auf. Hsi-fëng kam mit einem Packen elfenbeinerner Eßstäbchen herein, der in ein Tuch gewickelt war, und sagte lächelnd: „Ihr müßt Euch nicht gegenseitig auf den Ehrenplatz nötigen, alte Ahne und gnädige Frau Tante! Laßt besser mich bestimmen!“ Lächelnd sagte die Herzoginmutter zu Tante Hsüä: „Wollen wir es so machen?“ Und ebenfalls lächelnd erklärte Tante Hsüä sich einverstanden. Daraufhin legte Hsi-fëng vier Paar Eßstäbchen auf, zwei Paar in der Mitte für die Herzoginmutter und Tante Hsüä, und zwei Paar an den Seiten für Bau-tschai und Hsiang-yün. Dame Wang und Li Wan standen dabei und beaufsichtigten das Servieren. Hsi-fëng ließ sauberes Geschirr bringen und wählte die Zuspeisen für Bau-yü aus. Kurze Zeit später kam die Lotosblättersuppe. Nachdem die Herzoginmutter sie sich angesehen hatte, wandte Dame Wang sich um, und ihr Blick fiel auf Yü-tschuan, die eben dort stand, und so gab sie ihr den Befehl, Bau-yü das Essen zu bringen. „Allein kann sie das nicht tragen“, wandte Hsi-fëng ein. Aber da kamen eben Ying-örl und Hsi-örl herein, und Bau-tschai, die sich denken konnte, daß die beiden schon gegessen hatten, sagte zu Ying-örl: „Dich hat der junge Herr sowieso rufen lassen, damit du ihm Netze knüpfst, also geh du mit hinüber!“ Ying-örl sagte: „Jawohl!“ und ging mit Yü-tschuan hinaus. Dort fragte sie: „Wie wollen wir das tragen? Der Weg ist so weit und das Essen so heiß!“ „Keine Sorge!“ erwiderte Yü-tschuan. „Ich weiß, wie wir es machen.“ Und sie befahl einer alten Sklavin, die Suppe und die übrigen Gerichte in eine Speiseschachtel zu stellen und ihnen damit zu folgen, sie aber gingen mit leeren Händen. Erst als sie im Hof der Freude am Roten waren, nahm Yü-tschuan der Alten die Schachtel ab und trat gemeinsam mit Ying-örl zu Bau-yü ins Zimmer. Hier scherzten und lachten Hsi-jën, Schë-yüä und Tjiu-wën eben mit Bau-yü. Als sie die beiden Mädchen hereinkommen sahen, standen sie rasch auf und sagten lächelnd: „Wie gut es sich trifft, daß ihr zusammen kommt!“ Gleichzeitig nahmen sie ihnen die Schachtel mit dem Essen ab. Yü-tschuan nahm auf einem Hocker Platz, Ying-örl aber wagte sich nicht zu setzen. Auch als Hsi-jën rasch eine Fußbank für sie brachte, blieb sie stehen. Beim Eintritt von Ying-örl hatte Bau-yü sich sehr gefreut, aber als er dann plötzlich auch Yü-tschuan erblickte, mußte er an ihre Schwester Djin-tschuan denken und fühlte sich ebenso traurig wie beschämt. Daher ließ er von Ying-örl ab und sprach mit Yü-tschuan. Als Hsi-jën bemerkte, daß Ying-örl von Bau-yü vernachlässigt wurde, hatte sie Angst, das könnte Ying-örl peinlich sein, und weil sich Ying-örl auch nicht setzen wollte, nahm sie sie schließlich bei der Hand und ging mit ihr ins Nebenzimmer, um mit ihr Tee zu trinken und zu plaudern. Hier aber hatte Schë-yüä Schälchen und Eßstäbchen aufgelegt und wollte Bau-yü beim Essen bedienen. Bau-yü aß jedoch nicht und fragte statt dessen Yü-tschuan: „Wie geht es deiner Mutter? Gut?“ Yü-tschuan aber machte ein bitterböses Gesicht, und ohne Bau-yü richtig anzusehen, sagte sie nach einer langen Pause nur: „Ja.“ Bau-yü war enttäuscht. Ein Weilchen später versuchte er es noch einmal, indem er sich lächelnd erkundigte: „Wer hat dich hergeschickt?“ „Niemand anders als die junge gnädige Frau und die gnädige Frau“, gab Yü-tschuan zur Antwort. An dem todernsten Gesicht, das sie immer noch machte, erkannte Bau-yü, daß sie Djin-tschuans wegen so zu ihm war, und er wollte versuchen, sie durch Aufrichtigkeit und Güte umzustimmen. In Gegenwart all der anderen war das aber schlecht möglich, darum schickte er zuerst die anderen unter allerhand Vorwänden fort und richtete dann mit lächelnder Miene die verschiedensten Fragen an Yü-tschuan. Anfangs blieb Yü-tschuan auch weiter ernst, aber als sie sah, daß Bau-yü nicht böse wurde, sondern trotz ihrer abweisenden Haltung gütig und herzlich zu ihr war, schämte sie sich und machte ein freundlicheres Gesicht. Lächelnd bat jetzt Bau-yü: „Gib mir von der Suppe, liebe Schwester! Ich möchte sie kosten.“ Aber Yü-tschuan erwiderte: „Ich habe mich nie darauf verstanden, jemand zu füttern. Du mußt warten, bis die andern zurück sind!“ „Du sollst mich ja nicht füttern“, sagte Bau-yü lächelnd. „Du sollst mir die Suppe nur geben, weil ich nicht laufen kann. Desto eher kannst du wieder hinübergehen und melden, dein Auftrag sei erfüllt, so daß du selbst etwas essen kannst. Ich halte dich schon lange genug auf, bestimmt hast du schrecklichen Hunger! Wenn du aber zu faul bist, mich zu bedienen, muß ich mir eben den Schmerz verbeißen und die Suppe selber holen!“ Bei diesen Worten versuchte er, aus dem Bett aufzustehen, konnte aber ein „Au weh!“ nicht unterdrücken. Diesen Anblick vermochte Yü-tschuan nicht zu ertragen. „Leg dich hin!“ sagte sie und erhob sich von ihrem Sitz. „So rächen sich die Sünden aus einer früheren Existenz! Wie soll ich das mitansehen?“ Und mit spöttischem Lächeln reichte sie ihm die Suppe. „Wenn du wütend bist, bleib besser noch hier, Schwester!“ riet Bau-yü ihr lächelnd. „Vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau mußt du freundlicher sein. Wenn du weiter so bist wie eben, wirst du gescholten.“ „Iß, iß!“ sagte Yü-tschuan. „Spar dir deine honigsüßen Reden, ich falle nicht darauf herein!“ Und noch einmal mahnte sie ihn zu essen, bis Bau-yü endlich zwei Schlucke von der Suppe kostete. „Es schmeckt nicht“, behauptete er, „mehr mag ich nicht!“ „Buddha Amitabha!“ sagte Yü-tschuan, „wenn das nicht schmeckt, was soll dann schmecken?“ „Aber es schmeckt nach gar nichts“, klagte Bau-yü. „Wenn du es nicht glaubst, dann koste selbst!“ Ärgerlich kostete Yü-tschuan von der Suppe, da sagte Bau-yü lächelnd: „Jetzt schmeckt es!“ Yü-tschuan begriff, daß es ihm nur darum gegangen war, daß auch sie von der Suppe aß, darum sagte sie: „Du hast gesagt, es schmeckt nicht, also bekommst du nichts mehr, auch wenn du jetzt sagst, es schmeckt.“ Und obwohl Bau-yü lächelnd bat, er wolle noch mehr von der Suppe essen, gab Yü-tschuan ihm nichts. Gleichzeitig rief sie, es solle jemand kommen, um ihm beim Essen Gesellschaft zu leisten. Eben traten seine Sklavenmädchen ins Zimmer, da wurde gemeldet, zwei alte Ammen aus dem Hause des zweiten Herrn Fu wollten Bau-yü sehen, um ihm ihren Gruß zu entbieten. Bau-yü verstand, daß die Ammen aus dem Hause des Präfekturassistenten Fu Schï kamen, eines Schülers von Djia Dschëng, der schon seit Jahren dank des Ansehens und der Macht der Djias erfolgreich Karriere machte. Djia Dschëng wußte ihn richtig einzuschätzen und behandelte ihn daher anders als seine übrigen Schüler, Fu Schï seinerseits schickte häufig jemanden von seinen Leuten, um den Kontakt zu pflegen. Nun haßte Bau-yü im allgemeinen dumme Männer genauso wie törichte Frauen. Warum also ließ er heute die beiden alten Sklavinnen zu sich herein? Dafür hatte er einen Grund. Denn er hatte erfahren, Fu Schï besitze eine jüngere Schwester namens Fu Tjiu-fang, die ebenfalls ein köstlicher Jade in wertvollem Gehäuse sei. Wie es hieß, war sie ebenso talentiert wie schön. Und wenn er sie auch nie zu Gesicht bekommen hatte, verehrte er sie doch aus der Ferne und fürchtete, sie zu beleidigen, wenn er die Sklavenfrauen aus ihrem Hause nicht eintreten ließ. Deshalb befahl er rasch, sie sollten hereinkommen. Dieser Fu Schï war allerdings ein Emporkömmling, und weil seine Schwester von einiger Schönheit war und obendrein klüger als andere Leute, hegte er die Hoffnung, sich mit ihrer Hilfe mit einer mächtigen und vornehmen Familie zu verschwägern. Deshalb wollte er sie nicht leichtfertig mit dem ersten besten verloben, und so war sie mit dreiundzwanzig Jahren noch immer niemandem versprochen. Das war aber auch kein Wunder, denn die mächtigen und vornehmen Familien verachteten Fu Schï, weil er ein armer Schlucker war und ein seichter Charakter außerdem. Aus diesem Grunde mochte keiner um seine Schwester anhalten, und so hatte Fu Schï bei seinem vertrauten Umgang mit der Familie Djia seine eigenen Pläne und Absichten. Die beiden Sklavinnen, die Fu Schï heute geschickt hatte, waren ausgerechnet die unwissendsten Geschöpfe, die man sich denken kann. Als sie hörten, Bau-yü wolle sie empfangen, traten sie ein, wußten aber nach der Begrüßung kaum zwei Sätze zu sagen. Yü-tschuan, die in Gegenwart der fremden Frauen nicht wagte, Bau-yü weiter zu necken, stand mit der Suppenschüssel in beiden Händen da und hörte zu. Bau-yü aber aß unbekümmert weiter, während er mit den Frauen sprach, und stieß, als er dabei den Arm ausstreckte, weil er noch Suppe wollte, den Blick aber genau wie Yü-tschuan auf die Besucherinnen gerichtet hielt, so unvorsichtig gegen die Schüssel, daß ihm die Suppe über die Hand schwappte. Yü-tschuan hatte sich zwar nicht die Hände dabei verbrüht, dennoch fuhr sie vor Schreck zusammen und sagte lächelnd: „Was machst du denn!“ Erschrocken traten die anderen Sklavenmädchen näher und nahmen ihr die Schüssel ab. Bau-yü, der sich die Hand verbrüht hatte, merkte gar nichts davon. Vielmehr fragte er Yü-tschuan: „Wo hast du dich verbrannt? Tut es weh?“ Yü-tschuan lachte auf, und mit ihr auch die anderen, dann sagte sie: „Das fragst du mich? Du hast dich doch verbrüht!“ Das bemerkte Bau-yü erst jetzt. Alle traten zu ihm ans Bett, um Ordnung zu schaffen. Bau-yü, der jetzt nichts mehr essen wollte, wusch sich die Hände und trank dann Tee. Dabei unterhielt er sich wieder mit den beiden alten Sklavenfrauen, die sich aber schon nach wenigen Sätzen verabschiedeten und fortgingen. Tjing-wën begleitete sie bis an die Brücke, dann kam sie wieder zurück. Als die beiden Sklavenfrauen allein waren, begannen sie ein Gespräch. „Kein Wunder“, sagte die eine lächelnd, „wenn die Leute sagen, dieser Bau-yü sei zwar äußerlich eine gute Erscheinung, aber eigentlich sei er dumm – ein Herr, der nur zum Ansehen tauge. Er ist tatsächlich ein wenig töricht, verbrüht sich die Hand und fragt jemand anders, ob es weh tut! Wenn das kein Tölpel ist!“ „Als ich das vorige Mal hier war“, sagte die andere ebenfalls lächelnd, „haben mir viele Leute geklagt, er sei wirklich und wahrhaftig ein wenig närrisch. Er ließ sich naßregnen wie ein Huhn und sagte dabei zu jemand anders, es regne und er solle sich rasch unterstellen gehen. Ist das nicht lächerlich? Wenn niemand dabei ist, weint oder lacht er vor sich hin. Sieht er eine Schwalbe in der Luft, dann spricht er mit der Schwalbe, und sieht er einen Fisch im Wasser, dann spricht er mit dem Fisch. Wenn er den Mond und die Sterne anschaut, seufzt und klagt er, oder er murmelt etwas in seinen zukünftigen Bart. Er hat überhaupt keinen Willen, jede dumme Magd kann mit ihm machen, was ihr gefällt. Und mal tut es ihm um jedes Fädchen leid, mal aber verdirbt er Sachen, die tausende oder zehnntausende wert sind.“ Unter solchen Reden verließen sie den Garten, verabschiedeten sich vom Gesinde und gingen nach Hause. Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Als Hsi-jën bemerkte, daß die Besucherinnen fort waren, führte sie Ying-örl wieder zu Bau-yü hinüber und fragte ihn: „Was für Netze soll sie dir knüpfen?“ Bau-yü sah Ying-örl strahlend an und sagte: „Dich hatte ich über dem Gespräch ganz vergessen. Dabei hatte ich dich extra zum Netzeknüpfen hierher gebeten.“ „Wofür sollen die Netze sein?“ erkundigte sich Ying-örl. „Egal, wofür“, sagte Bau-yü lächelnd, „mach mir von jeder Sorte ein paar!“ Da klatschte Ying-örl in die Hände und erklärte lächelnd: „Hat man so etwas schon gehört! Auf diese Weise werde ich auch in zehn Jahren nicht fertig!“ „Aber du hast doch weiter nichts zu tun, liebste Schwester“, sagte Bau-yü lächelnd. „Also mach sie mir nur!“ „Sie kann doch aber nicht alles auf einmal machen“, griff Hsi-jën ein. „Wir wollen auswählen, was am wichtigsten ist, und davon macht sie dir zwei Stück.“ „Was für ein Netz ist denn wichtig?“ fragte Ying-örl. „Doch wohl nur eins für einen Fächer, einen Riechbeutel, eine Leibbinde oder dergleichen.“ „Eins für eine Leibbinde wäre nicht schlecht“, sagte Bau-yü. „Welche Farbe hat sie?“ erkundigte sich Ying-örl. „Dunkelrot“, gab Bau-yü zur Antwort. „Für eine dunkelrote müßte es ein schwarzes Netz sein, damit es gut aussieht“, erläuterte Ying-örl. „Auch ein azuritblaues würde gut zur Geltung kommen.“ „Und was würde zu einer mattgrünen passen?“ fragte Bau-yü. „Ein zartes Rosa“, erwiderte Ying-örl. „Das wird zauberhaft aussehen“, sagte Bau-yü. „Aber dann möchte ich noch eins, das vornehm hell und zugleich zauberhaft ist.“ „Da würde ich ein gelbliches Grün wie von jungem Lauch oder von jungen Weidenblättern am schönsten finden“, schlug Ying-örl ihm vor. „Also gut“, sagte Bau-yü, „dann möchte ich eins in Zartrosa und eins in Lauchgrün.“ „Und was für Muster?“ fragte Ying-örl. „Wie viele Muster gibt es denn?“ fragte Bau-yü zurück. „Es gibt Stäbchen, Trapeze, Rhomben, verbundene Quadrate, verschlungene Ringe, Aprikosenblüten, Weidenblätter, ...“, zählte Ying-örl auf. „Und was war das für ein Muster, das du neulich für das dritte Fraülein geknüpft hast?“ wollte Bau-yü wissen. „Das waren Aprikosenblütenbüschel“, gab Ying-örl Auskunft. „Das wird das richtige Muster sein!“ entschied Bau-yü und befahl Hsi-jën, sie solle das Garn holen. Eben als sie es brachte, sagte eine Sklavin vor dem Fenster: „Das Essen für die Mädchen ist da.“ „Geht essen!“ sagte Bau-yü, „aber beeilt euch und kommt wieder!“ „Wie können wir weggehen, wenn Besuch hier ist!“ sträubte sich Hsi-jën. „Was soll denn das heißen?“ fragte Ying-örl, während sie das Garn ordnete. „Geht nur rasch essen und kommt dann wieder her!“ Jetzt erst war Hsi-jën bereit zu gehen, ließ aber zwei von den kleineren Sklavenmädchen zur Bedienung da. Bau-yü schaute Ying-örl beim Knüpfen zu und plauderte dabei mit ihr. „Wie alt bist du?“ fragte er. „Sechzehn“, sagte Ying-örl, ohne die Arbeit zu unterbrechen. „Und wie heißt du mit Familiennamen?“ wollte er nun wissen. „Ich heiße Huang – ‚gelb‘“, antwortete Ying-örl. „Da hast du den richtigen Namen“, scherzte Bau-yü, „du bist wirklich eine Huang Ying-örl, ein gelbes Amselchen.“ „Eigentlich habe ich einen richtigen zweisilbigen Rufnamen, ich heiße Djin-ying – ‚Goldamsel‘“, verriet Ying-örl. „Aber das war dem Fräulein zu umständlich, darum hat sie einfach Ying-örl daraus gemacht, und das hat sich eingebürgert.“ „Meine Kusine Bau-tschai hat dich sehr gern“, fuhr Bau-yü fort. „Wenn sie einmal heiratet, wird sie dich bestimmt in ihren Haushalt mitnehmen.“ Ying-örl verzog den Mund zu einem Lächeln, sagte aber nichts. „Ich habe mich schon oft mit Hsi-jën darüber unterhalten, wer wohl der Glückliche sein wird, der euch beide, Herrin und Sklavin, einmal bekommt“, sagte Bau-yü lächelnd. „Dabei weißt du nicht einmal, daß unser Fräulein Eigenschaften hat wie sonst keine auf der Welt“, erwiderte Ying-örl. „Ihr Aussehen kommt erst an zweiter Stelle.“ Unter dem Eindruck von Ying-örls naiver Schönheit schwatzte Bau-yü wie ein Tor und tat seinen Gefühlen nicht den mindesten Zwang an. Darum fragte er auch, als jetzt von Bau-tschai die Rede war: „Was für Eigenschaften sind das? Erzähl es mir ganz genau, liebe Schwester!“ „Ich werde es dir erzählen“, versprach Ying-örl lächelnd. „Aber du darfst ihr nichts davon sagen!“ „Das versteht sich von selbst!“ erklärte Bau-yü lächelnd. Kaum hatte er das gesagt, waren von draußen die Worte zu hören: „Warum ist es denn hier so still?“ Und als sie sich beide umsahen, war es niemand anders als Bau-tschai, die hereintrat. Rasch bot ihr Bau-yü einen Platz an, sie aber erkundigte sich bei Ying-örl: „Was knüpfst du?“ Und dabei musterte sie die halbfertige Arbeit, die Ying-örl in den Händen hielt. „Das ist doch nichts!“ befand Bau-tschai. „Mach besser ein Netz für seinen Jadestein!“ Gleich klatschte Bau-yü in die Hände und sagte: „Du hast vollkommen recht, Kusinchen! Warum habe ich daran nicht gedacht? Aber welche Farbe würde dazu passen?“ „Auf keinen Fall sollte es bunt sein“, empfahl Bau-tschai. „Dunkelrot würde sich beißen, Gelb würde sich nicht richtig abheben, und Schwarz wäre wieder zu dunkel. Jetzt hab ich‘s! Wir nehmen einen Goldfaden und knüpfen schwarzes Perlgarn dazwischen. So muß es gut aussehen!“ Als Bau-yü das hörte, kannte seine Freude keine Grenze. Immer wieder fragte er nach Hsi-jën, die ihm den Goldfaden holen sollte. Da kam sie auch schon zur Tür herein, zwei Eßschälchen in den Händen. „Seltsame Dinge passieren heute!“ sagte sie zu Bau-yü. „Eben schickt mir die gnädige Frau zwei Schälchen mit Zuspeisen.“ „Bestimmt war zuviel davon da, und sie hat es für euch alle geschickt“, mutmaßte Bau-yü und lächelte dabei. „Aber nein“, erwiderte Hsi-jën. „Es war ausdrücklich für mich bestimmt, und sie hat noch bestellen lassen, ich brauchte deswegen nicht hinüberzukommen, um mich mit einem Kniefall dafür zu bedanken. Das ist doch wirklich seltsam!“ „Wenn es für dich bestimmt ist, dann iß es auf! Was gibt es da herumzurätseln!“ riet Bau-tschai ihr mit lächelnder Miene. „Aber so etwas war noch nie da“, sagte Hsi-jën lächelnd. „Es ist mir direkt peinlich.“ Wieder verzog Bau-tschai den Mund zu einem Lächeln und sagte: „Wenn dir das peinlich ist, wirst du bald noch mehr erleben, was dir peinlich ist!“ Hsi-jën begriff, das mehr hinter diesen Worten stecken mußte, und da sie wußte, daß Bau-tschai keine leichtfertigen Reden führte, um sich über andere lustig zu machen, dachte sie jetzt auch daran, was Dame Wang am Vortag zu ihr gesagt hatte, und bemerkte nichts mehr dazu. Sie zeigte nur Bau-yü die beiden Schälchen mit dem Essen und versprach: „Sobald ich dann saubere Hände habe, bringe ich den Faden!“ Damit ging sie hinaus, und nachdem sie gegessen und sich die Finger gewaschen hatte, kam sie wieder und brachte Ying-örl den Goldfaden für das Netz. Bau-tschai war inzwischen durch eine Botin zu Hsüä Pan gerufen worden, und Bau-yü sah wieder Ying-örl beim Knüpfen zu. Da erschienen auf einmal zwei Sklavenmädchen von Dame Hsing und brachten Bau-yü zweierlei Sorten Obst zum Essen. Außerdem sollten sie ihn fragen, ob er wieder laufen könne. „Falls ja“, sagten sie, „möchtet Ihr morgen hinüberkommen, um Euch dort ein wenig zu zerstreuen! Die gnädige Frau macht sich Gedanken um Euch.“ Rasch erwiderte Bau-yü: „Wenn ich wieder laufen kann, komme ich ohne Frage, um der gnädigen Frau meinen Gruß zu entbieten. Es tut schon nicht mehr ganz so weh. Die gnädige Frau kann unbesorgt sein.“ Dann bat er die beiden, Platz zu nehmen, Tjiu-wën aber gab er den Auftrag: „Nimm die Hälfte von den Früchten und bring sie zu Fräulein Lin!“ Tjiu-wën sagte: „Jawohl!“ und wollte eben losgehen, da war von draußen Dai-yüs Stimme zu hören. Sofort befahl Bau-yü: „Bittet sie schnell herein!“ Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen. 36. Während Mandarinenten gestickt werden, kündigt ein Traum die Zukunft an; im Birnendufthof muß Bau-yü erkennen, daß einem jeden sein Teil bestimmt ist. Als die Herzoginmutter aus den Räumen von Dame Wang zurückkehrte, war sie natürlich froh, daß es Bau-yü von Tag zu Tag besser ging. Aber da sie befürchtete, Djia Dschëng könnte Bau-yü in Zukunft wieder zu sich rufen, ließ sie Djia Dschëngs ersten Leibdiener zu sich rufen und befahl: „Wenn künftig ein Gast empfangen wird und dein Herr will Bau-yü rufen lassen, brauchst du das nicht zu übermitteln. Du erwiderst einfach, ich hätte gesagt, zum einen habe Bau-yü so schwere Schläge bekommen, daß er sich mehrere Monate gründlich erholen muß, ehe er wieder gehen kann, und zum andern stehe sein Horoskop ungünstig. Solange deswegen den Sternen geopfert werde, dürfe er keinem Fremden begegnen, erst nach dem achten Monat dürfe er wieder zum Innentor hinaus.“ Der Diener bestätigte den Befehl und ging wieder fort, die Herzoginmutter aber ließ Amme Li und Hsi-jën holen, damit sie Bau-yü von der Anordnung in Kenntnis setzten, so daß er beruhigt war. Bau-yü mochte sich ohnehin nicht mit Beamten und mit Männern im allgemeinen unterhalten, in Zeremonialgewändern gratulieren oder kondolieren zu gehen war ihm zutiefst verhaßt. Als er jetzt von der Anordnung der Herzoginmutter erfuhr, war er höchst zufrieden und brach nicht nur den Verkehr mit Freunden und Verwandten ab, selbst mit den Morgen- und Abendgrüßen innerhalb der Familie verfuhr er ganz nach Belieben. Tag für Tag blieb er im Garten, streifte umher oder schlief und ging nur jeden Morgen zur Herzoginmutter und zu Dame Wang. Anschließend kam er wieder zurück und war jederzeit gern bereit, den Sklavenmädchen seine Dienste anzubieten. So führte er ein ganz und gar müßiges Leben, und wenn etwa Bau-tschai ihm zuzureden versuchte, wurde er böse und sagte: „Wie kann nur ein gutes, sauberes Mädchen so auf Ruhm und Ehre aussein und sich unter die Staatsbetrüger und Postenjäger drängen? Ohne jeden Grund haben die Alten Unheil angerichtet, indem sie Lehren und Maximen aufstellten, die dazu dienen sollen, in zukünftigen Zeiten törichte Männer zu leiten. Nie hätte ich gedacht, daß ich das Pech haben würde, in einer Zeit zu leben, da auch die Bewohnerinnen edler Gemächer diese Unsitte annehmen! Das ist wahrhaftig ein Verstoß gegen die Gnade von Himmel und Erde, durch die an schönen Stätten Schönes entsteht.“ So erstreckte sich sein Ärger bis auf die Alten, und er verbrannte schließlich alle Bücher mit Ausnahme der Vier Klassiker. Als die anderen diese Verrücktheiten sahen, sprachen sie kein ernsthaftes Wort mehr mit ihm. Einzig Dai-yü hatte Bau-yü von klein auf niemals geraten, nach einer Position zu streben oder sich einen Namen zu machen, und deshalb verehrte er sie zutiefst. Doch genug jetzt der müßigen Worte! Seitdem Djin-tschuan tot war, mußte Hsi-fëng erleben, wie ihr einige Sklavenfamilien von Zeit zu Zeit Geschenke machten und immer wieder zu ihr kamen, um ihr den Gruß zu entbieten und Schmeicheleien zu sagen. Da sie das stutzig machte und sie keine Erklärung dafür fand, fragte sie eines Abends, als sie wieder einmal Geschenke erhalten hatte und nun mit Ping-örl allein war: „Eigentlich habe ich doch mit diesen Leuten nicht viel zu schaffen, warum hängen sie sich plötzlich so an mich?“ „Kommt Ihr wirklich nicht darauf, junge gnädige Frau?“ fragte Ping-örl mit abfälligem Lächeln. „Ich vermute, jeder von ihnen hat eine Tochter, die zu den Mägden der gnädigen Frau gehört. Die gnädige Frau hat vier bevorzugte Mägde, die je ein Liang Silber pro Monat erhalten, die übrigen bekommen nur ein paar hundert Bronzemünzen. Nachdem Djin-tschuan tot ist, trachten jetzt bestimmt alle nach dieser schönen Stellung!“ „Richtig! Richtig!“ sagte Hsi-fëng. „Jetzt wird mir alles klar! Diese Leute sind aber auch zu unbescheiden! Geld bekommen sie genug, mit schweren Aufträgen werden sie auch nicht behelligt. Da müßte es ihnen doch genügen, wenn ihre Tochter als Magd eingesetzt ist. Aber nein, sie wollen auch das noch! Aber sollen sie nur! Wie anders würden sie sonst ihr Geld für mich ausgeben?! Sie selbst haben es so gewollt, also nehme ich, was ich bekommen kann. Was ich machen muß, weiß ich auch ohnedem.“ Mit diesem Vorsatz im Herzen, zögerte sie die Angelegenheit hinaus, und erst als ihr die Leute genug gebracht hatten, unterrichtete sie bei Gelegenheit Dame Wang davon. Eines Mittags, als eben Tante Hsüä mit ihrer Tochter sowie Dai-yü bei Dame Wang aßen, brachte Hsi-fëng den Fall zur Sprache und meldete Dame Wang: „Seitdem Yü-tschuans Schwester tot ist, fehlt Euch eine Magd, gnädige Frau. Habt Ihr vielleicht schon ein Mädchen ausgesucht, das dafür geeignet ist? Dann befehlt nur, damit ich ihr nächstes Mal das Monatsgeld richtig auszahlen kann!“ Dame Wang dachte nach und sagte dann: „Was soll diese Regel, nach der es unbedingt vier oder fünf sein müssen? Es reicht doch, wenn es genug sind, um mich zu bedienen. Verzichten wir also darauf!“ Hsi-jën Aus: Gai Qi 1879. „Eigentlich habt Ihr recht, gnädige Frau“, erwiderte Hsi-fëng lächelnd. „Aber es ist die alte Regel, und auch die anderen haben zwei Mägde in ihren Räumen. Wenn Ihr Euch nicht daran haltet, spart Ihr wohl ein Liang Silber, aber das ist nicht viel.“ Dame Wang ließ sich die Sache noch einmal durch den Kopf gehen, dann entschied sie: „Also gut! Laß dir die Monatsgelder auszahlen wie bisher, aber eine neue Magd brauche ich nicht. Dieses eine Liang Silber gibst du ihrer Schwester Yü-tschuan. Die Tote hat mir so lange gedient und hat kein gutes Ende gehabt. Da ist es nicht zuviel, wenn ihre Schwester, die noch bei mir ist, das doppelte Geld bekommt.“ Hsi-fëng sagte: „Jawohl!“ Dann wandte sie sich um, suchte Yü-tschuan und sagte zu ihr: „Ich gratuliere!“ Yü-tschuan kam herüber und bedankte sich mit einem Stirnaufschlag bei Dame Wang. Anschließend sagte Dame Wang zu Hsi-fëng: „Eben wollte ich dich noch fragen, wieviel Monatsgeld die Nebenfrauen Dschau und Dschou jetzt bekommen.“ „Auch dafür gibt es eine feststehende Regel“, sagte Hsi-fëng. „Jede von ihnen bekommt zwei Liang. Nebenfrau Dschau bekommt noch zwei Liang für Huan, das macht zusammen vier. Außerdem bekommt sie vier Schnüre Münzen.“ „Sie bekommen doch die volle Summe?“ vergewisserte sich Dame Wang. Verwundert über die seltsame Frage, antwortete Hsi-fëng, ohne zu zögern: „Wie denn sonst!“ „Mir schien neulich, ich hätte gehört, wie sich jemand beklagte, es habe eine Schnur Münzen gefehlt“, begründete Dame Wang ihre Frage. „Woran lag das?“ Prompt gab ihr Hsi-fëng lächelnd die Auskunft: „Das Monatsgeld für die Mägde der Nebenfrauen betrug ursprünglich eine Schnur Münzen pro Person. Aber im vorigen Jahr hat man draußen entschieden, das Geld um die Hälfte zu kürzen, so daß sie nur noch fünfhundert Bronzemünzen bekommen. Jede von ihnen hat zwei Mägde, deshalb macht es zusammen eine Münzschnur weniger. Deswegen darf mir keiner böse sein. Ich gönne es ihnen ja, aber wenn die Gelder nun einmal gekürzt worden sind, kann ich doch nicht aus der eigenen Tasche etwas zuschießen. Ich bin nur die Mittlerin. Was ich bekomme, gebe ich weiter, aber entscheiden kann ich nichts. Zwei, drei Mal habe ich gebeten, man solle doch diese beiden Monatsgelder wieder in der alten Höhe zahlen, aber man hat mir geantwortet: ‚Mehr gibt es nicht!‘ Also konnte ich schlecht darauf bestehen. Ich zahle ihnen das Geld Monat für Monat aus und nicht einmal am falschen Tag. Früher, als sie es draußen bekamen, gab es jedesmal Streit. Wann wäre es damals einmal reibungslos abgelaufen?“ Nach diesen Worten ließ Dame Wang die Sache auf sich beruhen, und erst nach einer längeren Pause fragte sie: „Wieviel Mägde gibt es in den Räumen der alten gnädigen Frau, die je ein Liang Silber bekommen?“ „Eigentlich acht“, sagte Hsi-fëng, „aber jetzt sind es nur sieben, denn die achte ist Hsi-jën.“ „Richtig!“ sagte Dame Wang. „Bau-yü hat keine Magd mit einem Liang im Monat, Hsi-jën ist aus den Räumen der alten gnädigen Frau.“ „Ursprünglich gehört Hsi-jën wirklich in die Räume der alten gnädigen Frau“, bestätigte Hsi-fëng lächelnd. „Bau-yü hat sie nur zu seiner Bedienung bekommen. Das eine Liang Silber für sie kommt aus den Monatsgeldern für die Mägde der alten gnädigen Frau. Wollte man jetzt sagen, sie gehört zu Bau-yüs Bedienung und deshalb wird ihr Monatsgeld gekürzt, ginge das auf keinen Fall an. Bekäme aber die alte gnädige Frau statt ihrer eine andere Magd, könnte man Hsi-jëns Monatsgeld kürzen. Sonst aber müßte auch Huan so eine Magd bekommen, wenn es gerecht zugehen soll. Daß die sieben älteren Mägde wie Tjing-wën und Schë-yüä eine Münzschnur pro Monat und die acht kleineren wie Djia-huee fünfhundert Bronzemünzen pro Monat bekommen, hat die alte gnädige Frau so befohlen. Darüber kann sich keiner aufregen.“ Lächelnd warf Tante Hsüä ein: „Hört euch nur an, wie ihr das von den Lippen geht! Das rasselt, als ob ein Wagen mit Nüssen umgekippt wäre. Und wie glatt ihre Rechnung aufgeht, und wie vernünftig alles ist!“ „Habe ich denn etwas Falsches gesagt?“ erkundigte sich Hsi-fëng lächelnd. „I wo!“ sagte Tante Hsüä und lächelte ebenfalls. „Aber könntest du nicht viel Kraft sparen, wenn du etwas langsamer sprächest?“ Schon wollte Hsi-fëng darüber lachen, aber dann besann sie sich und wartete weiter auf eine Weisung von Dame Wang. Dame Wang dachte lange nach, ehe sie endlich befahl: „Such in der nächsten Zeit eine ordentliche Magd aus, die bei der alten gnädigen Frau Hsi-jëns Platz einnehmen kann! Und statt eines gekürzten Monatsgeldes gibst du Hsi-jën zwei Liang Silber und eine Schnur Münzen von den zwanzig Liang Silber, die ich jeden Monat bekomme. In Zukunft soll Hsi-jën dasselbe haben wie Nebenfrau Dschau und Nebenfrau Dschou, nur daß es von meinem Monatsgeld genommen wird und nicht vom Haushaltsgeld!“ Hsi-fëng bestätigte das eine wie das andere, dann stieß sie lächelnd Tante Hsüä an und fragte: „Habt Ihr gehört, Frau Tante, wie alles eintrifft, was ich immer vorausgesagt habe?“ „Das war schon längst fällig“, sagte Tante Hsüä. „Über Hsi-jëns Äußeres brauche ich nichts zu sagen, aber so ein edles Betragen und so eine Freundlichkeit im Umgang bei gleichzeitiger innerer Festigkeit sind selten zu finden.“ „Ihr wißt ja nicht, was für ein gutes Kind Hsi-jën ist“, sagte Dame Wang unter Tränen. „Zehnmal besser als mein Bau-yü ist sie. Wenn er Glück haben soll, wäre es genug, daß sie ihm ihr Leben lang diente.“ „Wäre es dann nicht das beste, Ihr laßt sie ihr Gesicht zurechtmachen und gebt sie ihm regelrecht als Beischläferin?“ fragte Hsi-fëng. „Nein“, sagte Dame Wang. „Erstens sind die beiden noch jung, zweitens erlaubt es der gnädige Herr nicht, und drittens hört Bau-yü in seiner Ungezogenheit noch auf ihre Ermahnungen, solange sie als seine Magd gilt. Wenn sie aber erst seine Beischläferin ist, wird sie kaum noch wagen, ihm Vorhaltungen zu machen. Darum bleibt es besser, wie es ist, und in zwei, drei Jahren sehen wir weiter!“ Als Hsi-fëng merkte, daß Dame Wang diesen Worten keine weiteren mehr folgen ließ, wandte sie sich um und ging hinaus. Unter dem Dachvorsprung des Hauses erblickte sie mehrere verantwortliche Sklavenfrauen, die dort auf sie warteten, um ihr Bericht zu erstatten. „Was habt Ihr heute zu melden gehabt, junge gnädige Frau, daß Ihr jetzt erst kommt?“ fragten sie lächelnd, als sie Hsi-fëng heraustreten sahen. „Man kommt ja um vor Hitze!“ Hsi-fëng schob sich die Ärmel hoch und stellte sich auf Zehenspitzen auf die Schwelle des Nebentors. „Hier in der Zugluft ist es schön frisch“, bemerkte sie lächelnd. „Ich will mich ein wenig abkühlen, bevor ich gehe!“ Dann fuhr sie fort: „Was ich so lange zu melden hatte, fragt ihr? Die gnädige Frau hat die letzten zweihundert Jahre Revue passieren lassen und mich darüber ausgefragt. |