Hongloumeng/zh-de/Chapter 59
Kapitel: [1-10] · [11-20] · [21-30] · [31-40] · [41-50] · 51 · 52 · 53 · 54 · 55 · 56 · 57 · 58 · 59 · 60 · [61-70] · [71-80] · [81-90] · [91-100] · [101-110] · [111-120] · ← Inhalt
第五十九回
柳葉渚邊嗔鶯叱燕 / 絳芸軒裡召將飛符
Am Weidenblattufer schimpft man auf Drosseln und scheucht Schwalben; Im Jiangyun-Pavillon werden Befehle erteilt und Botschaften versandt
Am Weidenblattufer schimpft man auf Drosseln und scheucht Schwalben; Im Jiangyun-Pavillon werden Befehle erteilt und Botschaften versandt
| 中文原文 (庚辰本) | Deutsche Übersetzung |
|---|---|
|
話說寶玉聽說賈母等回來,隨多添了一件衣服,拄杖前邊來,都見過了。賈母等因每日辛苦,都要早些歇息,一宿無話,次日五鼓,又往朝中去。 離送靈日不遠,鴛鴦、琥珀、翡翠、玻璃四人都忙著打點賈母之物,玉釧、彩雲、彩霞等皆打疊王夫人之物,當面查點與跟隨的管事媳婦們。跟隨的一共大小六個丫鬟,十個老婆子媳婦子,男人不算。連日收拾馱轎器械。鴛鴦與玉釧兒皆不隨去,只看屋子。一面先幾日預發帳幔鋪陳之物,先有四五個媳婦並幾個男人領了出來,坐了幾輛車繞道先至下處,鋪陳安插等候。 臨日,賈母帶著蓉妻坐一乘馱轎,王夫人在後亦坐一乘馱轎,賈珍騎馬率了眾家丁護衛。又有幾輛大車與婆子丫鬟等坐,並放些隨換的衣包等件。是日薛姨媽尤氏率領諸人直送至大門外方回。賈璉恐路上不便,一面打發了他父母起身趕上賈母王夫人馱轎,自己也隨後帶領家丁押後跟來。 榮府內賴大添派人丁上夜,將兩處廳院都關了,一應出入人等,皆走西邊小角門。日落時,便命關了儀門,不放人出入。園中前後東西角門亦皆關鎖,只留王夫人大房之後常系他姊妹出入之門,東邊通薛姨媽的角門,這兩門因在內院,不必關鎖。裡面鴛鴦和玉釧兒也各將上房關了,自領丫鬟婆子下房去安歇。每日林之孝之妻進來,帶領十來個婆子上夜,穿堂內又添了許多小廝們坐更打梆子,已安插得十分妥當。 一日清曉,寶釵春困已醒,搴帷下榻,微覺輕寒,啟戶視之,見園中土潤苔青,原來五更時落了幾點微雨。於是喚起湘雲等人來,一面梳洗,湘雲因說兩腮作癢,恐又犯了杏癍癬,因問寶釵要些薔薇硝來。寶釵道:「前兒剩的都給了妹子。」因說:「顰兒配了許多,我正要和他要些,因今年竟沒發癢,就忘了。」因命鶯兒去取些來。鶯兒應了才去時,蕊官便說:「我同你去,順便瞧瞧藕官。」說著,一徑同鶯兒出了蘅蕪苑。 二人你言我語,一面行走,一面說笑,不覺到了柳葉渚,順著柳堤走來。因見柳葉才吐淺碧,絲若垂金,鶯兒便笑道:「你會拿著柳條子編東西不會?」蕊官笑道:「編什麼東西?」鶯兒道:「什麼編不得?頑的使的都可。等我摘些下來,帶著這葉子編個花籃兒,採了各色花放在裡頭,才是好頑呢。」說著,且不去取硝,且伸手輓翠披金,採了許多的嫩條,命蕊官拿著。他卻一行走一行編花籃,隨路見花便採一二枝,編出一個玲瓏過梁的籃子。枝上自有本來翠葉滿佈,將花放上,卻也別緻有趣。喜的蕊官笑道:「姐姐,給了我罷。」鶯兒道:「這一個咱們送林姑娘,回來咱們再多採些,編幾個大家頑。」說著,來至瀟湘館中。 黛玉也正晨妝,見了籃子,便笑說:「這個新鮮花籃是誰編的?」鶯兒笑說:「我編了送姑娘頑的。」黛玉接了笑道:「怪道人贊你的手巧,這頑意兒卻也別緻。」一面瞧了,一面便命紫鵑掛在那裡。鶯兒又問候了薛姨媽,方和黛玉要硝。黛玉忙命紫鵑包了一包,遞與鶯兒。黛玉又道:「我好了,今日要出去逛逛。你回去說與姐姐,不用過來問候媽了,也不敢勞他來瞧我,梳了頭同媽都往你那裡去,連飯也端了那裡去吃,大家熱鬧些。」 鶯兒答應了出來,便到紫鵑房中找蕊官。只見藕官與蕊官二人正說得高興,不能相舍,因說:「姑娘也去呢,藕官先同我們去等著豈不好?」紫鵑聽如此說,便也說道:「這話倒是,他這裡淘氣的也可厭。」一面說,一面便將黛玉的匙箸用一塊洋巾包了,交與藕官道:「你先帶了這個去,也算一趟差了。」 藕官接了,笑嘻嘻同他二人出來,一徑順著柳堤走來。鶯兒便又採些柳條,越性坐在山石上編起來,又命蕊官先送了硝去再來。他二人只顧愛看他編,那裡捨得去。鶯兒只顧催說:「你們再不去,我也不編了。」藕官便說:「我同你去了,再快回來。」二人方去了。 這裡鶯兒正編,只見何婆的小女春燕走來,笑問:「姐姐織什麼呢?」正說著,蕊藕二人也到了。春燕便向藕官道:「前兒你到底燒什麼紙?被我姨媽看見了,要告你沒告成,倒被寶玉賴了他一大些不是,氣的他一五一十告訴我媽。你們在外頭這二三年積了些什麼仇恨,如今還不解開?」藕官冷笑道:「有什麼仇恨?他們不知足,反怨我們了。在外頭這兩年,別的東西不算,只算我們的米菜,不知賺了多少家去,合家子吃不了,還有每日買東買西賺的錢。在外逢我們使他們一使兒,就怨天怨地的。你說說可有良心?」春燕笑道:「他是我的姨媽,也不好向著外人反說他的。怨不得寶玉說:『女孩兒未出嫁,是顆無價之寶珠;出了嫁,不知怎麼就變出許多的不好的毛病來,雖是顆珠子,卻沒有光彩寶色,是顆死珠了;再老了,更變的不是珠子,竟是魚眼睛了。分明一個人,怎麼變出三樣來?』這話雖是混話,倒也有些不差。別人不知道,只說我媽和姨媽,他老姊妹兩個,如今越老了越把錢看的真了。先時老姐兒兩個在家抱怨沒個差使,沒個進益,幸虧有了這園子,把我挑進來,可巧把我分到怡紅院。家裡省了我一個人的費用不算外,每月還有四五百錢的餘剩,這也還說不夠。後來老姊妹二人都派到梨香院去照看他們,藕官認了我姨媽,芳官認了我媽,這幾年著實寬裕了。如今挪進來也算撒開手了,還只無厭。你說好笑不好笑?我姨媽剛和藕官吵了,接著我媽為洗頭就和芳官吵。芳官連要洗頭也不給他洗。昨日得月錢,推不去了,買了東西先叫我洗。我想了一想:我自有錢,就沒錢要洗時,不管襲人、晴雯、麝月,那一個跟前和他們說一聲,也都容易,何必借這個光兒?好沒意思。所以我不洗。他又叫我妹妹小鳩兒洗了,才叫芳官,果然就吵起來。接著又要給寶玉吹湯,你說可笑死了人?我見他一進來,我就告訴那些規矩。他只不信,只要強做知道的,足的討個沒趣兒。幸虧園裡的人多,沒人分記的清楚誰是誰的親故。若有人記得,只有我們一家人吵,什麼意思呢?你這會子又跑來弄這個。這一帶地上的東西都是我姑娘管著,一得了這地方,比得了永遠基業還利害,每日早起晚睡,自己辛苦了還不算,每日逼著我們來照看,生恐有人糟踏,又怕誤了我的差使。如今進來了,老姑嫂兩個照看得謹謹慎慎,一根草也不許人動。你還掐這些花兒,又折他的嫩樹,他們即刻就來,仔細他們抱怨。」鶯兒道:「別人亂折亂掐使不得,獨我使得。自從分了地基之後,每日里各房皆有分例,吃的不用算,單管花草頑意兒。誰管什麼,每日誰就把各房裡姑娘丫頭戴的,必要各色送些折枝的去,還有插瓶的。惟有我們說了:『一概不用送,等要什麼再和你們要。』究竟沒有要過一次。我今便掐些,他們也不好意思說的。」 一語未了,他姑娘果然拄了拐走來。鶯兒春燕等忙讓坐。那婆子見採了許多嫩柳,又見藕官等都採了許多鮮花,心內便不受用;看著鶯兒編,又不好說什麼,便說春燕道:「我叫你來照看照看,你就貪住頑不去了。倘或叫起你來,你又說我使你了,拿我做隱身符兒你來樂。」春燕道:「你老又使我,又怕,這會子反說我。難道把我劈做八瓣子不成?」鶯兒笑道:「姑媽,你別信小燕的話。這都是他摘下來的,煩我給他編,我攆他,他不去。」春燕笑道:「你可少頑兒,你只顧頑兒,老人家就認真了。」那婆子本是愚頑之輩,兼之年近昏耄,惟利是命,一概情面不管,正心疼肝斷,無計可施,聽鶯兒如此說,便以老賣老,拿起拄杖來向春燕身上擊上幾下,罵道:「小蹄子,我說著你,你還和我強嘴兒呢。你媽恨的牙根癢癢,要撕你的肉吃呢。你還來和我強梆子似的。」打的春燕又愧又急,哭道:「鶯兒姐姐頑話,你老就認真打我。我媽為什麼恨我?我又沒燒胡了洗臉水,有什麼不是!」鶯兒本是頑話,忽見婆子認真動了氣,忙上去拉住,笑道:「我才是頑話,你老人家打他,我豈不愧?」那婆子道:「姑娘,你別管我們的事,難道為姑娘在這裡,不許我管孩子不成?」鶯兒聽見這般蠢話,便賭氣紅了臉,撒了手冷笑道:「你老人家要管,那一刻管不得,偏我說了一句頑話就管他了。我看你老管去!」說著,便坐下,仍編柳籃子。 偏又有春燕的娘出來找他,喊道:「你不來舀水,在那裡做什麼呢?」那婆子便接聲兒道:「你來瞧瞧,你的女兒連我也不服了!在那裡排揎我呢。」那婆子一面走過來說:「姑奶奶,又怎麼了?我們丫頭眼裡沒娘罷了,連姑媽也沒了不成?」鶯兒見他娘來了,只得又說原故。他姑娘那裡容人說話,便將石上的花柳與他娘瞧道:「你瞧瞧,你女兒這麼大孩子頑的。他先領著人糟踏我,我怎麼說人?」他娘也正為芳官之氣未平,又恨春燕不遂他的心,便走上來打耳刮子,罵道:「小娼婦,你能上去了幾年?你也跟那起輕狂浪小婦學,怎麼就管不得你們了?乾的我管不得,你是我屄里掉出來的,難道也不敢管你不成!既是你們這起蹄子到的去的地方我到不去,你就該死在那裡伺候,又跑出來浪漢。」一面又抓起柳條子來,直送到他臉上,問道:「這叫作什麼?這編的是你娘的屄!」鶯兒忙道:「那是我們編的,你老別指桑罵槐。」那婆子深妒襲人晴雯一干人,已知凡房中大些的丫鬟都比他們有些體統權勢,凡見了這一干人,心中又畏又讓,未免又氣又恨,亦且遷怒於眾,復又看見了藕官,又是他令姊的冤家,四處湊成一股怒氣。 那春燕啼哭著往怡紅院去了。他娘又恐問他為何哭,怕他又說出自己打他,又要受晴雯等之氣,不免著起急來,又忙喊道:「你回來!我告訴你再去。」春燕那裡肯回來?急的他娘跑了去又拉他。他回頭看見,便也往前飛跑。他娘只顧趕他,不防腳下被青苔滑倒,引的鶯兒三個人反都笑了。鶯兒便賭氣將花柳皆擲於河中,自回房去。這裡把個婆子心疼的只念佛,又罵:「促狹小蹄子!糟踏了花兒,雷也是要打的。」自己且掐花與各房送去不提。 卻說春燕一直跑入院中,頂頭遇見襲人往黛玉處去問安。春燕便一把抱住襲人,說:「姑娘救我!我娘又打我呢。」襲人見他娘來了,不免生氣,便說道:「三日兩頭兒打了乾的打親的,還是買弄你女兒多,還是認真不知王法?」這婆子來了幾日,見襲人不言不語是好性的,便說道:「姑娘你不知道,別管我們閑事!都是你們縱的,這會子還管什麼?」說著,便又趕著打。襲人氣的轉身進來,見麝月正在海棠下晾手巾,聽得如此喊鬧,便說:「姐姐別管,看他怎樣。」一面使眼色與春燕,春燕會意,便直奔了寶玉去。眾人都笑說:「這可是沒有的事都鬧出來了。」麝月向婆子道:「你再略煞一煞氣兒,難道這些人的臉面,和你討一個情還討不下來不成?」那婆子見他女兒奔到寶玉身邊去,又見寶玉拉了春燕的手說:「別怕,有我呢。」春燕又一行哭,又一行說,把方纔鶯兒等事都說出來。寶玉越發急起來,說:「你只在這裡鬧也罷了,怎麼連親戚也都得罪起來?」麝月又向婆子及眾人道:「怨不得這嫂子說我們管不著他們的事,我們雖無知錯管了,如今請出一個管得著的人來管一管,嫂子就心服口服,也知道規矩了。」便回頭叫小丫頭子:「去把平兒給我們叫來!平兒不得閑就把林大娘叫了來。」那小丫頭應了就走。眾媳婦上來笑說:「嫂子,快求姑娘們叫回那孩子罷。平姑娘來了,可就不好了。」那婆子說道:「憑你那個平姑娘來也憑個理,沒有娘管女兒大家管著娘的。」眾人笑道:「你當是那個平姑娘?是二奶奶屋裡的平姑娘。他有情呢,你說兩句;他一翻臉,嫂子你吃不了兜著走!」 說話之間,只見小丫頭子回來說:「平姑娘正有事,問我作什麼,我告訴了他,他說:『既這樣,且攆他出去,告訴了林大娘在角門外打他四十板子就是了。 』」那婆子聽如此說,自不捨得出去,便又淚流滿面,央告襲人等說:「好容易我進來了,況且我是寡婦,家裡沒人,正好一心無掛的在裡頭伏侍姑娘們。姑娘們也便宜,我家裡也省些攪過。我這一去,又要去自己生火過活,將來不免又沒了過活。」襲人見他如此,早又心軟了,便說:「你既要在這裡,又不守規矩,又不聽說,又亂打人。那裡弄你這個不曉事的來,天天鬥口,也叫人笑話,失了體統。」晴雯道:「理他呢,打發去了是正經。誰和他去對嘴對舌的。」那婆子又央眾人道:「我雖錯了,姑娘們吩咐了,我以後改過。姑娘們那不是行好積德。」一面又央春燕道:「原是我為打你起的,究竟沒打成你,我如今反受了罪?你也替我說說。」寶玉見如此可憐,只得留下,吩咐他不可再鬧。那婆子走來一一的謝過了下去。 只見平兒走來,問系何事。襲人等忙說:「已完了,不必再提。」平兒笑道:「『得饒人處且饒人』,得省的將就省些事也罷了。能去了幾日,只聽各處大小人兒都作起反來了,一處不了又一處,叫我不知管那一處的是。」襲人笑道:「我只說我們這裡反了,原來還有幾處。」 平兒笑道:「這算什麼。正和珍大奶奶算呢,這三四日的工夫,一共大小出來了八九件了。你這裡是極小的,算不起數兒來,還有大的可氣可笑之事。」不知襲人問他果系何事,且聽下回分解。 |
Bau-yü zog sich noch etwas an und ging, auf seinen Stock gestützt, hinüber, um seine Grüße zu entbieten. Weil sich aber die Herzoginmutter und alle anderen Tag für Tag hatten anstrengen müssen, wollten sie sich früh schlafen legen, und so ist über die Nacht nichts zu berichten. Am nächsten Morgen in der fünften Nachtwache begaben sich alle wieder zu Hofe. Da der Tag der Sargüberführung nicht mehr fern war, waren Yüan-yang, Hu-po, Fee-tsuee und Bo-li emsig damit beschäftigt, die Sachen der Herzoginmutter zusammenzupacken. Yü-tschuan, Tsai-yün und Tsai-hsia packten die Sachen für Dame Wang. Stück für Stück wurde den mitreisenden Sklavinnen alles vorgezählt. Mitfahren sollten sechs größere und kleinere Sklavenmädchen sowie zehn Sklavenfrauen, die männlichen Sklaven zählten extra. Tagelang wurden die Maultiersänften und alle Gerätschaften instand gesetzt. Yüan-yang und Yü-tschuan selbst gehörten nicht zur Begleitung, sie sollten vielmehr zu Hause die Räume hüten. Einige Tage im voraus mußten vier, fünf Sklavinnen und eine Anzahl von Sklaven in mehreren Wagen Bettzeug und Vorhänge auf Umwegen an die Absteigeorte bringen, um dort alles einzurichten und dann zu warten. Als der Tag der Abreise gekommen war, nahm die Herzoginmutter mit Djia Jungs Frau zusammen in einer Maultiersänfte Platz und Dame Wang in einer zweiten. Djia Dschën ritt zu Pferde an der Spitze der Sklavenschar, die sie zum Schutz umgab. In mehreren großen Wagen folgten die Sklavenfrauen und -mädchen mit den Kleiderbündeln und anderen Dingen. Mit Tante Hsüä und Frau You an der Spitze gab die Familie den Abreisenden das Geleit bis vor das Außentor. Auch Djia Liän wollte, daß es die Herzoginmutter unterwegs möglichst bequem hatte, darum stieg er aufs Pferd, sobald er seine Eltern verabschiedet hatte, und begab sich hinter die Sänften mit der Herzoginmutter und Dame Wang an die Spitze des Gefolges. Im Jung-guo-Anwesen setzte Lai Da zusätzliche Nachtwächter ein und ließ die Zugänge der beiden großen Gehöfte verschließen, so daß jedermann durch das kleine westliche Seitentor gehen mußte. Bei Sonnenuntergang wurde auch das Zeremonialtor geschlossen, und niemand durfte mehr passieren. Auch im Garten wurden das vordere und das hintere Tor sowie das östliche und das westliche Nebentor verschlossen. Offen blieb nur das Tor hinter der Haupthalle von Dame Wang, das von den Mädchen des Hauses ständig benutzt wurde, sowie das Nebentor im Osten, das zu den Räumen von Tante Hsüä führte. Diese Tore gehörten zum inneren Hof, und so brauchten sie nicht verschlossen zu werden. Drinnen im inneren Bereich schlossen Yüan-yang und Yü-tschuan die Türen der Haupträume ab und schliefen bei den anderen Sklavenmädchen und -frauen in den Gesindestuben. Außerdem kam jeden Abend Lin Dschï-hsiaus Frau mit zehn weiteren Sklavinnen, um Nachtwache zu halten, und in den Durchgangshallen saßen zahlreiche zusätzliche Sklavenjungen mit Holzklappern. So war alles bestens eingeteilt. Eines Morgens war Bau-tschai zeitig aus ihrem Frühlingsschlummer erwacht, und verspürte, als sie die Vorhänge zurückschob und vom Bett aufstand, eine leichte Kühle. Sie öffnete die Tür, um hinauszuschauen, und fand den Boden feucht und das Moos dunkel, denn in der fünften Nachtwache hatte es ein wenig geregnet. Nun rief sie Hsiang-yün und die anderen wach. Als sie beim Frisieren und Waschen waren, klagte Hsiang-yün über ein Jucken in den Wangen und meinte, sie müsse wohl wieder die Aprikosenflechte haben. Deshalb bat sie Bau-tschai um etwas Rosensalpeter. „Was von neulich noch übrig war, habe ich Kusine Bau-tjin gegeben“, sagte Bau-tschai. „Aber Dai-yü hat sich viel davon zubereiten lassen. Ich hatte sie schon darum bitten wollen, doch dann vergaß ich es wieder, weil es mich in diesem Jahr nicht juckt.“ Und sie befahl Ying-örl, sie solle gehen und etwas holen. Ying-örl sagte: „Jawohl!“ und wollte eben losgehen, als Juee-guan erklärte: „Ich gehe mit und schaue nach Ou-guan.“ Und damit verließ sie mit Ying-örl zusammen den Haselwurzpark. In ein fröhliches Zwiegespräch vertieft, gelangten sie zum Inselchen der Seekannenblätter und folgten dem Weidendamm. Hier zeigten die Weidenzweige erst ein zartes Grün und hingen wie goldene Schnüre herab. Lächelnd erkundigte sich Ying-örl: „Verstehst du dich auf Flechtarbeiten aus Weidengerten?“ „Was kann man denn daraus flechten?“ wollte Juee-guan wissen. „Alles mögliche“, erwiderte Ying-örl, „zum Spielen und auch zum Gebrauch. Warte, ich will ein paar Gerten abbrechen und ein Blumenkörbchen daraus flechten, das füllen wir dann mit den verschiedensten Blüten. Mit den Blättchen zusammen sieht das sehr schön aus.“ Und anstatt nach dem Salpeterpuder zu gehen, streckte sie die Arme nach den grüngoldenen Zweigen aus und brach davon, soviel sie brauchte. Dann gab sie die Zweige Juee-guan zu tragen und begann im Weitergehen zu flechten. Wo sie unterwegs Blüten sahen, pflückten sie eine oder zwei, und zwischen den grünen Blättchen, von denen die Zweige voll saßen, sah das zierlich und originell aus. „Schenk es mir!“ bat Juee-guan entzückt. „Nein“, sagte Ying-örl, „das hier bekommt Fräulein Lin. Aber auf dem Rückweg brechen wir mehr Zweige und flechten noch ein paar Körbchen.“ Bei diesen Worten waren sie in der Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß angelangt, wo Dai-yü eben bei der Morgentoilette saß. Als sie das Mitbringsel sah, fragte sie lächelnd: „Wer hat das hübsche Körbchen geflochten?“ „Ich“, sagte Ying-örl, „ich möchte es Euch schenken, Fräulein.“ Dai-yü nahm das Körbchen in die Hand und bemerkte lächelnd: „Kein Wunder, daß man sagt, du hättest geschickte Hände! Das ist einmal etwas Besonderes.“ Und nachdem sie das Körbchen angesehen hatte, befahl sie Dsï-djüan, sie solle es aufhängen. Erst nachdem sich Ying-örl auch nach Tante Hsüä erkundigt hatte, bat sie Dai-yü um den Salpeterpuder. Sofort erhielt Dsï-djüan den Befehl, ein Päckchen davon einzuwickeln und Ying-örl zu geben, dann sagte Dai-yü: „Ich fühle mich wieder wohl und will heute spazierengehen. Sag also deinem Fräulein, sie brauche nicht herüberzukommen, um ihre Mutter zu begrüßen, und solle sich auch nicht die Mühe machen, nach mir zu sehen. Sobald ich frisiert bin, komme ich mit ihrer Mutter zu euch hinüber, und auch das Essen lassen wir uns zu euch bringen. Wenn wir alle zusammen sind, wird es lustiger!“ Ying-örl bestätigte den Auftrag und ging hinaus, um in Dsï-djüans Zimmer nach Juee-guan zu sehen. Aber Ou-guan und Juee-guan waren eben so in ihr Gespräch vertieft, daß sie sich nicht voneinander trennen mochten. Also schlug Ying-örl ihnen vor: „Das Fräulein kommt auch zu uns hinüber, da kann doch Ou-guan mit uns vorgehen und bei uns auf sie warten!“ „Das wäre gut, so ungezogen, wie sie ist!“ lobte Dsï-djüan den Vorschlag. Dann wickelte sie Dai-yüs Löffel und Eßstäbchen in ein europäisches Leinentuch und reichte Ou-guan das Päckchen mit den Worten: „Nimm das mit hinüber, damit du auch einen Auftrag hast!“ Freudestrahlend nahm Ou-guan das Päckchen entgegen und folgte den beiden hinaus. Als sie den Weidendamm entlanggingen, brach Ying-örl wieder Zweige von den Bäumen, dann nahm sie ungeniert auf einem Felsbrocken Platz und begann zu flechten, Juee-guan aber befahl sie, zuerst den Salpeterpuder abliefern zu gehen und dann wiederzukommen. Doch die Ying-örl. Aus: Gai Qi 1879. beiden waren so begierig, ihr beim Flechten zuzusehen, daß sie erst drohen mußte: „Wenn du nicht gehst, höre ich auf!“ Da erbot sich Ou-guan: „Ich gehe mit dir, und dann kommen wir schnell zurück!“ Als die beiden fort waren, erschien Tschun-yän, die Tochter der Sklavenfrau Hë, und fragte lächelnd: „Was flichtst du da, Schwester?“ Kaum hatte sie das gesagt, waren Juee-guan und Ou-guan wieder da, und nun erkundigte sich Tschun-yän bei Ou-guan: „Was für Papier hast du da neulich verbrannt, als meine Tante mütterlicherseits dazukam und dich melden wollte und es nur deshalb nicht tat, weil Bau-yü ihr einen Haufen Vorwürfe machte? Sie war so in Wut, daß sie meiner Mutter alles haarklein erzählte. Was hat sich in den zwei, drei Jahren, die du drüben warst, für ein Haß zwischen euch angestaut, daß ihr immer noch nicht darüber hinwegkommt?“ „Wieso Haß?“ fragte Ou-guan mit verächtlichem Lächeln. „Unersättlich sind die, aber uns machen sie Vorwürfe. Von allem andern ganz zu schweigen, was haben sie sich in diesen Jahren allein von unserm Essen eingesteckt! Was sie mit der Familie nicht schaffen konnten, haben sie Tag für Tag nach links und rechts verkauft. Aber wenn wir mal einen Auftrag für sie hatten, stöhnten und klagten sie. Sag selbst, kann man das gütig nennen?“ „Sie ist meine Tante, und ich kann schlecht vor andern über sie reden“, sagte Tschun-yän lächelnd. „Aber es ist kein Wunder, wenn Bau-yü sagt: ‚Ein unverheiratetes Mädchen ist eine unschätzbare Perle, aber wenn sie dann verheiratet ist, nimmt sie, ehe man sich‘s versieht, viele häßliche Fehler an und wird zu einer glanzlosen blinden Perle. Noch später aber, wenn sie älter wird, ist sie gar keine Perle mehr, sondern nur noch ein Fischauge. Wie kann sich ein und derselbe Mensch so verwandeln!‘ Das ist zwar Unsinn, aber es ist etwas Wahres daran. Von andern kann ich nichts sagen, aber meine Mutter und meine Tante hängen immer stärker am Geld, je älter sie werden. Solange sie beide noch zu Hause saßen, klagten sie, sie hätten keinen Posten und keine Verdienstmöglichkeit. Als dann der Garten da war und ich hier aufgenommen und ausgerechnet dem Hof der Freude am Roten zugeteilt wurde, da sparten sie zu Hause nicht nur meinen Unterhalt ein, sondern hatten jeden Monat sogar noch einen Gewinn von vier-, fünfhundert Bronzemünzen. Aber das war ihnen immer noch nicht genug. Später wurden meine Mutter und meine Tante in den Birnendufthof geschickt, um dort nach dem Rechten zu sehen, Ou-guan erkannte meine Tante als Pflegemutter an und Fang-guan meine Mutter. In den nächsten Jahren hatten wir dann wirklich reichlich. Jetzt sind die Mädchen in den Garten gekommen, und sie müßten die Finger von ihnen lassen, aber sie geben noch immer keine Ruhe. Ist das nicht zum Lachen? Erst hat meine Tante mit Ou-guan gezankt und dann meine Mutter wegen des Haarewaschens mit Fang-guan. Nicht einmal den Kopf sollte sie sich waschen dürfen! Als es das Monatsgeld gab, konnte sie es ihr nicht länger verweigern und hat gekauft, was notwendig ist. Dann hat sie befohlen, zuerst solle ich mir das Haar waschen. Aber ich sagte mir, ich habe doch mein eigenes Geld, und auch wenn ich es nicht hätte, brauchte ich nur Hsi-jën, Tjing-wën oder Schë-yüä etwas zu sagen, wenn ich mir den Kopf waschen wollte. Warum also sollte ich es auf ihre Kosten tun? Das ist doch Unsinn. Also habe ich mir das Haar nicht gewaschen, und meine Mutter hat meiner kleinen Schwester Hsiau-djiu befohlen, sie solle sich das Haar zuerst waschen und Fang-guan erst danach. So ist es dann zum Streit gekommen. Anschließend wollte sie für Bau-yü die Suppe blasen. Sag selbst, ist das nicht lächerlich? Als sie hier in den Garten kam, habe ich ihr gesagt, welche Regeln hier gelten, aber sie wollte alles besser wissen, und nun hat sie sich Ärger eingehandelt. Ein Glück nur, daß so viele Leute hier im Garten sind, daß sich niemand genau merken kann, wer mit wem verwandt ist! Was würde daraus werden, wenn alle wüßten, daß nur meine Familie so zänkisch ist?! Jetzt bist wieder du hierher gelaufen und machst solche Sachen. Aber hier hat meine Tante väterlicherseits die Aufsicht. Sie geht strenger damit um als mit einem Familienerbgut. Nicht nur, daß sie jeden Tag früh aufsteht und spät schlafengeht, weil sie sich so damit abmüht, sie zwingt auch uns noch, hier aufzupassen, weil sie fürchtet, jemand könnte etwas verderben. Dabei habe ich Angst, ich könnte meinen Dienst darüber versäumen. Meine Tante und meine Mutter bewachen alles aufs sorgsamste, damit niemand auch nur einen Grashalm anrührt, du aber pflückst Blumen und brichst Zweige ab. Wenn sie jetzt kommen, kannst du dich darauf gefaßt machen, daß sie böse werden.“ „Andere dürfen auch nicht einfach etwas abreißen, aber ich darf“, erwiderte Ying-örl darauf. „Seitdem die Gartenflächen vergeben sind, bekommt jedes Haus seine täglichen Zuteilungen. Von Eßbarem ganz abgesehen, haben auch die Frauen, die für die verschiedenen Blumen zu sorgen haben, jeden Tag von allen Sorten zu schicken, was die Fräulein und ihre Mägde im Haar tragen, und außerdem etwas für die Vasen. Nur unser Fräulein hat gesagt, ihr brauche man nichts zu schicken, wenn sie etwas haben wolle, lasse sie Bescheid sagen. Aber sie hat kein einziges Mal etwas verlangt. Da kann wohl schlecht jemand etwas dagegen einwenden, wenn ich mir heute etwas pflücke.“ Sie hatte kaum zu Ende gesprochen, als Tschun-yäns Tante, auf ihren Stock gestützt, herankam. Sofort baten Ying-örl und Tschun-yän, sie solle Platz nehmen. Die Alte sah, wie viele Weidengerten Ying-örl abgebrochen und wie viele Blumen Ou-guan gepflückt hatte, und war sehr unzufrieden, aber da sie Ying-örl flechten sah, konnte sie schlecht etwas dagegen sagen. Deshalb wandte sie sich an Tschun-yän und warf ihr vor: „Wenn ich dir sage, du sollst hier ein bißchen aufpassen, spielst du statt dessen. Und wenn du gerufen wirst, sagst du, du hättest von mir einen Auftrag. So versteckst du dich hinter mir und denkst nur an dein Vergnügen!“ „Und du gibst mir Aufträge und hast doch Angst deswegen, jetzt aber machst du mir Vorwürfe“, gab Tschun-yän zurück. „Kann ich mich vielleicht zerreißen?“ „Glaubt ihr nicht!“ sagte Ying-örl lächelnd. „Sie hat das alles abgerissen und hat verlangt, daß ich etwas flechte. Als ich sie wegschickte, ist sie nicht gegangen.“ „Laß diese Späße!“ verlangte Tschun-yän. „Für dich ist das Spaß, aber die Alte glaubt es.“ Die Frau, die ohnehin stets einen törichten Sinn gehabt hatte, kannte, seitdem ihr Verstand vom Alter getrübt war, nur noch ihren Gewinn, und jedes verwandtschaftliche Gefühl war ihr fremd. Als sie in ihrem hilflosen Zorn hörte, was Ying-örl behauptete, machte sie sofort vom Recht der Älteren Gebrauch, hob ihren Stock und schlug Tschun-yän ein paarmal damit. Dazu schimpfte sie: „Du kleines Spitzbein! Mußt du noch widersprechen, wenn ich etwas sage? Deiner Mutter jucken vor Wut schon die Zähne. Am liebsten möchte sie dir das Fleisch vom Leibe reißen, um es zu essen, du aber wirst hier noch laut vor mir!“ Erregt und beschämt heulte Tschun-yän: „Schwester Ying-örl hat nur einen Scherz gemacht, aber du nimmst es ernst und schlägst mich. Warum soll meine Mutter wütend auf mich sein? Habe ich vielleicht das Waschwasser anbrennen lassen?“ Ying-örl hatte sich wirklich nur einen Scherz erlauben wollen. Als sie jetzt sah, daß die Alte ihn ernst nahm und wütend wurde, trat sie schnell näher zu ihr, hielt ihren Arm fest und sagte lächelnd: „Ich habe doch eben nur Spaß gemacht. Ihr beschämt auch mich, wenn Ihr sie schlagt.“ „Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten, Mädchen!“ sagte die Alte. „Darf ich vielleicht meine Nichte nicht erziehen, nur weil du dabei bist?“ Als Ying-örl diese unvernünftigen Worte hörte, wurde sie rot vor Zorn, ließ die Alte los und sagte mit kühlem Lächeln: „Ihr könnt sie doch erziehen, wann immer Ihr wollt. Warum müßt Ihr es ausgerechnet jetzt tun, nachdem ich einen Scherz gemacht habe? Aber erzieht sie nur!“ Mit diesen Worten setzte sie sich hin und flocht weiter an ihrem Körbchen. Da erschien auch Frau Hë und rief Tschun-yän an: „Willst du nicht Wasser schöpfen? Was machst du denn da?“ Doch an Tschun-yäns Statt sagte die Alte: „Komm her und sieh sie dir an, deine Tochter! Nicht einmal vor mir hat sie Respekt und macht mir hier Vorwürfe.“ „Was ist denn wieder einmal, Schwägerin?“ fragte Frau Hë, um dann, an Tschun-yän gewandt, fortzufahren: „Wenn schon deine Mutter nichts gilt in deinen Augen, solltest du wenigstens deine Tante achten.“ Ying-örl wollte Frau Hë alles erklären, aber die Alte ließ sie nicht zu Wort kommen. Sie wies auf die Blumen und die Weidenzweige und sagte: „Groß, wie dein Mädel ist, muß sie immer noch spielen. Wenn sie andere hierher bringt, um alles kaputt zu machen, was soll ich dann noch sagen?“ Frau Hë, deren Zorn auf Fang-guan noch nicht verraucht war und die sich ärgerte, daß Tschun-yän ihr nicht gehorchte, trat jetzt näher, gab Tschun-yän eine Ohrfeige und schimpfte: „Du kleines Hurending! Bist ein paar Jahre in feiner Gesellschaft und machst nach, was die liederlichen Weiber tun. Meinst du, ich werde nicht fertig mit euch? Wenn ich auch mit der Pflegetochter nicht fertig werde, aber du bist aus meinem eigenen Bauch geplumpst, glaubst du, da hätte ich Angst, dich zu belehren? Wenn ich auch dort nichts zu suchen habe, wo ihr kleinen Spitzbeine hingehört, so hast du doch dort aufzuwarten und dich nicht hier herumzutreiben!“ Dann griff sie nach den Weidenzweigen, fuchtelte damit vor Tschun-yäns Gesicht herum und fuhr fort: „Was soll das? Ein Dreck ist das, was du da flichtst!“ Sofort unterbrach Ying-örl sie: „Ich habe das geflochten. Zeigt doch nicht auf den Maulbeerbaum, wenn Ihr den Schnurbaum scheltet!“ Frau Hë beneidete die größeren Sklavenmädchen wie Hsi-jën und Tjing-wën zutiefst, weil sie wußte, daß sie mehr Ansehen und Macht besaßen als sie selbst. Wenn sie mit ihnen zusammentraf, war sie ängstlich und unterwürfig, zugleich aber auch wütend und ärgerlich, nur lud sie das stets bei anderen ab. Als sie jetzt Ou-guan erblickte, mit der ihre Schwester verfeindet war, floß all ihr Zorn in eins zusammen. Inzwischen ging Tschun-yän weinend in Richtung des Hofes der Freude am Roten davon, und weil Frau Hë fürchtete, dort könnte man Aus: Jinyuyuan 1889a. Tschun-yän fragen, warum sie weine, und dann würde sie sagen, daß sie von ihr Schläge bekommen habe, was wieder einmal Tjing-wëns Zorn erwecken würde, rief sie ihr nach: „Komm zurück! Ich habe dir etwas zu sagen.“ Aber Tschun-yän dachte nicht daran zurückzukommen. Also lief Frau Hë hinter ihr her, um sie zu fassen. Als Tschun-yän sich umschaute und dies bemerkte, stürzte sie um so schneller davon. Frau Hë, die nur den einen Gedanken hatte, sie einzuholen, achtete nicht auf den Weg, glitt auf dem feuchten Moos aus und stürzte zu Boden, worüber Ying-örl und die beiden anderen Mädchen sich ausschütten wollten vor Lachen. Dann warf Ying-örl die Blumen und die Weidengerten ärgerlich ins Wasser und ging in ihre Räume hinüber. Die Alte aber blieb blutenden Herzens zurück, rief den Namen Buddhas an und fluchte: „So ein gemeines kleines Spitzbein! Die ganzen Blumen zu verderben! Der Donner soll sie erschlagen!“ Dann machte sie sich daran, andere Blumen zu pflücken, um sie in die einzelnen Häuser zu tragen. Doch genug jetzt von ihr. Als Tschun-yän in den Hof gestürzt kam, traf sie dort auf Hsi-jën, die eben zu Dai-yü gehen wollte. Rasch klammerte sich Tschun-yän an ihr fest und bat: „Rette mich! Meine Mutter schlägt mich wieder einmal!“ Da Frau Hë wirklich herbeigeeilt kam, wurde Hsi-jën zornig und fragte: „Willst du zeigen, wieviel Kinder du hast, indem du gestern deine Pflegetochter schlägst und heute deine leibliche Tochter, oder weißt du tatsächlich nicht, was Recht und Gesetz ist?“ Frau Hë, die in der kurzen Zeit, die sie im Garten war, den Eindruck gewonnen hatte, Hsi-jën rede nicht viel und sei friedfertig, sagte nur: „Ihr wißt nicht, worum es geht, Fräulein, also kümmert Euch nicht um unsere Angelegenheiten. Ihr seid es, von der sie verzogen wird, was wollt Ihr Euch da einmischen?“ Und wieder versuchte sie, Tschun-yän zu fassen, um sie zu schlagen. Wütend wandte Hsi-jën sich ab, um hineinzugehen, da sagte Schë-yüä, die eben unter dem Zierapfelbaum Taschentücher zum Trocknen ausbreitete und den Lärm gehört hatte: „Kümmer dich nicht um sie, Schwester! Wir wollen doch sehen, was sie macht!“ Und sie gab Tschun-yän einen Wink mit den Augen. Tschun-yän verstand, was gemeint war, und flüchtete zu Bau-yü. „Das hat es noch nicht gegeben!“ sagten die Mädchen lachend, Schë-yüä aber riet Frau Hë: „Nun reg dich ein bißchen ab! Das bist du wohl den Anwesenden schuldig, oder nicht?“ Frau Hë mußte sehen, wie Tschun-yän bei Bau-yü Zuflucht suchte. Jetzt griff Bau-yü auch noch nach Tschun-yäns Hand und sagte: „Hab keine Angst, ich bin ja da.“ Immer noch weinend, erzählte Tschun-yän, was passiert war, und erregt sagte Bau-yü zu Frau Hë: „Ist es nicht genug, daß du hier Lärm machst, mußt du auch noch deine eigenen Angehörigen beleidigen?“ Zugleich an Frau Hë und an alle Anwesenden gewandt, sagte Schë-yüä: „Die Frau hat ja recht, wenn sie sagt, wir sollten uns nicht um ihre Angelegenheiten kümmern. Wir haben keine Ahnung und würden alles falsch machen, darum wollen wir jemand kommen lassen, der das Zeug hat, sich darum zu kümmern, und der sie wieder zu Verstand und zum Schweigen bringt und ihr gleichzeitig klarmacht, was sich hier gehört.“ Sie wandte den Kopf nach einem der kleineren Sklavenmädchen und befahl: „Hol Ping-örl her, und wenn sie keine Zeit hat, Lin Dschï-hsiaus Frau!“ Das Mädchen sagte: „Jawohl!“ und ging hinaus, die alten Sklavenfrauen aber traten zu Frau Hë und rieten ihr lächelnd: „Bitte die Fräulein schnell, das Mädchen zurückzurufen, Schwägerin! Wenn Fräulein Ping-örl kommt, sieht es böse für dich aus.“ „Soll sie doch kommen und Recht sprechen!“ entgegnete Frau Hë. „Das gibt es wohl nirgends, daß eine Mutter ihr Kind nicht erziehen darf und sich statt dessen von den Leuten erziehen lassen muß.“ Lächelnd sagten die alten Sklavenfrauen: „Was glaubst du denn, welches Fräulein Ping-örl gemeint ist? Es ist das Fräulein Ping-örl aus den Räumen der zweiten jungen Herrin. Wenn sie in guter Stimmung ist, bekommst du ein paar Sätze zu hören, aber wenn sie wütend ist, geht es dir dreckig.“ Bei diesen Worten kam das kleine Sklavenmädchen schon zurück und berichtete: „Fräulein Ping-örl hat zu tun. Sie hat mich gefragt, worum es geht, und als ich es ihr erzählt hatte, hat sie gesagt, die Frau solle hinausgeworfen werden, außerdem solle Lin Dschï-hsiaus Frau Bescheid bekommen, damit sie ihr vor dem Seitentor vierzig Stockhiebe geben läßt.“ Frau Hë wollte natürlich den Garten nicht verlassen und flehte Hsi-jën mit tränenüberströmtem Gesicht an: „Mit so viel Mühe bin ich hier hereingekommen! Außerdem bin ich Witwe und habe niemand, der für mich sorgt. Ich diene Euch doch hier ehrlich und ergeben. Ihr habt es gut mit mir, und ich habe etwas zum Leben. Wenn ich jetzt fort muß, muß ich allein für mich sorgen und werde eines Tages nicht wissen, wie ich auskommen soll.“ Hsi-jën war bei diesem Anblick schon längst wieder weich geworden, aber sie sagte: „Hierbleiben willst du, aber dich nicht an die Regeln halten, auf niemand hören und prügeln, wie es dir gefällt. Was sollen wir mit so einem unverständigen Wesen, das jeden Tag zankt? Auslachen wird man uns, und unser Ansehen werden wir verlieren.“ „Hör doch gar nicht auf sie!“ mischte Tjing-wën sich ein. „Das einzig Richtige ist, sie wegzuschicken. Wer will sich schon immer wieder mit ihr streiten?“ Aber Frau Hë bat weiter: „Ich habe zwar etwas falsch gemacht, aber nun habt Ihr mich belehrt, und in Zukunft werde ich mich bessern. Wollt Ihr nicht eine gute Tat vollbringen, die Euch später einmal angerechnet wird?“ Dann wandte sie sich an Tschun-yän und sagte: „Nur weil ich dich schlagen wollte, muß ich jetzt leiden, noch hatte ich dich nicht geschlagen. Bitte auch du für mich!“ Bau-yü tat Frau Hë inzwischen so leid, daß er nicht anders konnte, als ihr zu erlauben, sie dürfe bleiben. Aber er befahl ihr, sie solle in Zukunft keinen Skandal mehr machen. Frau Hë bedankte sich bei jedem einzeln, dann ging sie hinaus. Nun kam Ping-örl und erkundigte sich noch einmal, was vorgefallen sei, aber rasch sagte Hsi-jën: „Es ist schon erledigt, und wir brauchen nicht noch einmal damit anzufangen.“ „Wo man nachgeben kann, soll man nachgeben, und Ärger soll man nach Möglichkeit vermeiden“, sagte Ping-örl lächelnd. „Kaum ist die Herrschaft ein paar Tage fort, fängt groß und klein an, sich aufzulehnen. Ehe man an der einen Stelle fertig ist, wird man zur nächsten gerufen, so daß man nicht weiß, worum man sich zuerst kümmern soll.“ „Ich dachte, nur hier bei uns hätte sich jemand widersetzt“, sagte Hsi-jën lächelnd, „und nun ist es woanders auch vorgekommen.“ „Was war das schon bei euch“, sagte Ping-örl und lächelte ebenfalls. „Gerade habe ich es mit der jungen gnädigen Frau von drüben zusammengezählt. In diesen drei, vier Tagen hat es schon acht oder neun Zwischenfälle gegeben. Der hier war noch der harmloseste und zählt gar nicht mit. Es hat schlimmere Dinge gegeben, bei denen man nicht wußte, ob man lachen oder weinen soll.“ Hsi-jën fragte, was das gewesen sei, aber wer wissen will, was Ping-örl darauf erwiderte, muß das nächste Kapitel lesen. |