Hongloumeng/Chapter 79
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第七十九回
薛文起悔娶河東獅 / 賈迎春誤嫁中山狼
Xue Wenqi bereut, eine Xanthippe geheiratet zu haben; Jia Yingchun heiratet versehentlich einen Zhongshan-Wolf
| 中文原文 (庚辰本) | Deutsche Übersetzung |
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話說寶玉祭完了晴雯,只聽花影中有人聲,倒唬了一跳。走出來細看,不是別人,卻是林黛玉,滿面含笑,口內說道:「好新奇的祭文!可與曹娥碑並傳的了。」 寶玉聽了,不覺紅了臉,笑答道:「我想著世上這些祭文都蹈於熟濫了,所以改個新樣,原不過是我一時的頑意,誰知又被你聽見了。有什麼大使不得的,何不改削改削。」黛玉道:「原稿在那裡?倒要細細一讀。長篇大論,不知說的是什麼,只聽見中間兩句,什麼‘紅綃帳裡,公子多情,黃土壟中,女兒薄命。’這一聯意思卻好,只是‘紅綃帳裡’未免熟濫些。放著現成真事,為什麼不用?」寶玉忙問:「什麼現成的真事?」黛玉笑道:「咱們如今都系霞影紗糊的窗槅,何不說‘茜紗窗下,公子多情’呢?」寶玉聽了,不禁跌足笑道:「好極,是極!到底是你想的出,說的出。可知天下古今現成的好景妙事盡多,只是愚人蠢子說不出想不出罷了。但只一件:雖然這一改新妙之極,但你居此則可,在我實不敢當。」說著,又接連說了一二十句「不敢」。黛玉笑道:「何妨。我的窗即可為你之窗,何必分晰得如此生疏。古人異姓陌路,尚然同肥馬,衣輕裘,敝之而無憾,何況咱們。」寶玉笑道:「論交之道,不在肥馬輕裘,即黃金白璧,亦不當錙銖較量。倒是這唐突閨閣,萬萬使不得的。如今我越性將『公子』『女兒』改去,竟算是你誄他的倒妙。況且素日你又待他甚厚,故今寧可棄此一篇大文,萬不可棄此『茜紗』新句。竟莫若改作『茜紗窗下,小姐多情,黃土壟中,丫鬟薄命。』如此一改,雖於我無涉,我也是愜懷的。」黛玉笑道:「他又不是我的丫頭,何用作此語。況且小姐丫鬟亦不典雅,等我的紫鵑死了,我再如此說,還不算遲。」寶玉聽了,忙笑道:「這是何苦又咒他。」黛玉笑道:「是你要咒的,並不是我說的。」寶玉道:「我又有了,這一改可妥當了。莫若說:『茜紗窗下,我本無緣;黃土壟中,卿何薄命。』」黛玉聽了,忡然變色,心中雖有無限的狐疑亂擬,外面卻不肯露出,反連忙含笑點頭稱妙,說:「果然改的好。再不必亂改了,快去幹正經事罷。才剛太太打發人叫你明兒一早快過大舅母那邊去。你二姐姐已有人家求准了,想是明兒那家人來拜允,所以叫你們過去呢。」寶玉拍手道:「何必如此忙?我身上也不大好,明兒還未必能去呢。」黛玉道:「又來了,我勸你把脾氣改改罷。一年大二年小,……」一面說話,一面咳嗽起來。寶玉忙道:「這裡風冷,咱們只顧呆站在這裡,快回去罷。」黛玉道:「我也家去歇息了,明兒再見罷。」說著,便自取路去了。寶玉只得悶悶的轉步,又忽想起來黛玉無人隨伴,忙命小丫頭子跟了送回去。自己到了怡紅院中,果有王夫人打發老嬤嬤來,吩咐他明日一早過賈赦那邊去,與方纔黛玉之言相對。 原來賈赦已將迎春許與孫家了。這孫家乃是大同府人氏,祖上系軍官出身,乃當日寧榮府中之門生,算來亦系世交。如今孫家只有一人在京,現襲指揮之職,此人名喚孫紹祖,生得相貌魁梧,體格健壯,弓馬嫻熟,應酬權變,年紀未滿三十,且又家資饒富,現在兵部候缺題升。因未有室,賈赦見是世交之孫,且人品家當都相稱合,遂青目擇為東床嬌婿。亦曾回明賈母。賈母心中卻不十分稱意,想來攔阻亦恐不聽,兒女之事自有天意前因,況且他是親父主張,何必出頭多事,為此只說「知道了」三字,餘不多及。賈政又深惡孫家,雖是世交,當年不過是彼祖希慕榮寧之勢,有不能了結之事才拜在門下的,並非詩禮名族之裔,因此倒勸諫過兩次,無奈賈赦不聽,也只得罷了。 寶玉卻從未會過這孫紹祖一面的,次日只得過去聊以塞責。只聽見說娶親的日子甚急,不過今年就要過門的,又見邢夫人等回了賈母將迎春接出大觀園去等事,越發掃去了興頭,每日痴痴呆呆的,不知作何消遣。又聽得說陪四個丫頭過去,更又跌足自嘆道:「從今後這世上又少了五個清潔人了。」因此天天到紫菱洲一帶地方徘徊瞻顧,見其軒窗寂寞,屏帳翛然,不過有幾個該班上夜的老嫗。再看那岸上的蓼花葦葉,池內的翠荇香菱,也都覺搖搖落落,似有追憶故人之態,迥非素常逞妍鬥色之可比。既領略得如此寥落凄慘之景,是以情不自禁,乃信口吟成一歌曰: 池塘一夜秋風冷,吹散芰荷紅玉影。 蓼花菱葉不勝愁,重露繁霜壓纖梗。 不聞永晝敲棋聲,燕泥點點污棋枰。 古人惜別憐朋友,況我今當手足情! 寶玉方纔吟罷,忽聞背後有人笑道:「你又發什麼呆呢?」寶玉回頭忙看是誰,原來是香菱。寶玉便轉身笑問道:「我的姐姐,你這會子跑到這裡來做什麼?許多日子也不進來逛逛。」香菱拍手笑嘻嘻的說道:「我何曾不來。如今你哥哥回來了,那裡比先時自由自在的了。才剛我們奶奶使人找你鳳姐姐的,竟沒找著,說往園子裡來了。我聽見了這信,我就討了這件差進來找他。遇見他的丫頭,說在稻香村呢。如今我往稻香村去,誰知又遇見了你。我且問你,襲人姐姐這幾日可好?怎麼忽然把個晴雯姐姐也沒了,到底是什麼病?二姑娘搬出去的好快,你瞧瞧這地方好空落落的。」寶玉應之不迭,又讓他同到怡紅院去吃茶。香菱道:「此刻竟不能,等找著璉二奶奶,說完了正經事再來。」寶玉道:「什麼正經事這麼忙?」香菱道:「為你哥哥娶嫂子的事,所以要緊。」寶玉道:「正是。說的到底是那一家的?只聽見吵嚷了這半年,今兒又說張家的好,明兒又要李家的,後兒又議論王家的。這些人家的女兒他也不知道造了什麼罪了,叫人家好端端議論。」香菱道:「這如今定了,可以不用搬扯別家了。」寶玉忙問:「定了誰家的?」香菱道:「因你哥哥上次出門貿易時,在順路到了個親戚家去。這門親原是老親,且又和我們是同在戶部掛名行商,也是數一數二的大門戶。前日說起來,你們兩府都也知道的。合長安城中,上至王侯,下至買賣人,都稱他家是‘桂花夏家’。」寶玉笑問道:「如何又稱為‘桂花夏家’?」香菱道:「他家本姓夏,非常的富貴。其餘田地不用說,單有幾十頃地獨種桂花,凡這長安城裡城外桂花局俱是他家的,連宮裡一應陳設盆景亦是他家貢奉,因此才有這個渾號。如今太爺也沒了,只有老奶奶帶著一個親生的姑娘過活,也並沒有哥兒兄弟,可惜他竟一門盡絕了。」寶玉忙道:「咱們也別管他絕後不絕後,只是這姑娘可好?你們大爺怎麼就中意了?」香菱笑道:「一則是天緣,二則是‘情人眼裡出西施’。當年又是通家來往,從小兒都一處廝混過。敘起親是姑舅兄妹,又沒嫌疑。雖離開了這幾年,前兒一到他家,夏奶奶又是沒兒子的,一見了你哥哥出落的這樣,又是哭,又是笑,竟比見了兒子的還勝。又令他兄妹相見,誰知這姑娘出落得花朵似的了,在家裡也讀書寫字,所以你哥哥當時就一心看準了。連當鋪裡老朝奉伙計們一群人蹧擾了人家三四日,他們還留多住幾日,好容易苦辭才放回家。你哥哥一進門,就咕咕唧唧求我們奶奶去求親。我們奶奶原也是見過這姑娘的,且又門當戶對,也就依了。和這裡姨太太鳳姑娘商議了,打發人去一說就成了。只是娶的日子太急,所以我們忙亂的很。我也巴不得早些過來,又添一個作詩的人了。」寶玉冷笑道:「雖如此說,但只我聽這話不知怎麼倒替你耽心慮後呢。」香菱聽了,不覺紅了臉,正色道:「這是什麼話!素日咱們都是廝抬廝敬的,今日忽然提起這些事來,是什麼意思!怪不得人人都說你是個親近不得的人。」一面說,一面轉身走了。 寶玉見他這樣,便悵然如有所失,呆呆的站了半天,思前想後,不覺滴下淚來,只得沒精打彩,還入怡紅院來。一夜不曾安穩,睡夢之中猶喚晴雯,或魘魔驚怖,種種不寧。次日便懶進飲食,身體作熱。此皆近日抄檢大觀園、逐司棋、別迎春、悲晴雯等羞辱驚恐悲凄之所致,兼以風寒外感,故釀成一疾,卧床不起。賈母聽得如此,天天親來看視。王夫人心中自悔不合因晴雯過於逼責了他。心中雖如此,臉上卻不露出。只吩咐眾奶娘等好生伏侍看守,一日兩次帶進醫生來診脈下藥。一月之後,方纔漸漸的痊愈。賈母命好生保養,過百日方許動葷腥油麵等物,方可出門行走。這一百日內,連院門前皆不許到,只在房中頑笑。四五十日後,就把他拘約的火星亂迸,那裡忍耐得住。雖百般設法,無奈賈母王夫人執意不從,也只得罷了。因此和那些丫鬟們無所不至,恣意耍笑作戲。又聽得薛蟠擺酒唱戲,熱鬧非常,已娶親入門,聞得這夏家小姐十分俊俏,也略通文翰,寶玉恨不得就過去一見才好。再過些時,又聞得迎春出了閣。寶玉思及當時姊妹們一處,耳鬢廝磨,從今一別,縱得相逢,也必不似先前那等親密了。眼前又不能去一望,真令人凄惶迫切之至。少不得潛心忍耐,暫同這些丫鬟們廝鬧釋悶,幸免賈政責備逼迫讀書之難。這百日內,只不曾拆毀了怡紅院,和這些丫頭們無法無天,凡世上所無之事,都頑耍出來。如今且不消細說。 且說香菱自那日搶白了寶玉之後,心中自為寶玉有意唐突他,「怨不得我們寶姑娘不敢親近,可見我不如寶姑娘遠矣;怨不得林姑娘時常和他角口氣的痛哭,自然唐突他也是有的了。從此倒要遠避他才好。」 因此,以後連大觀園也不輕易進來。日日忙亂著,薛蟠娶過親,自為得了護身符,自己身上分去責任,到底比這樣安寧些;二則又聞得是個有才有貌的佳人,自然是典雅和平的:因此他心中盼過門的日子比薛蟠還急十倍。好容易盼得一日娶過了門,他便十分殷勤小心伏侍。 原來這夏家小姐今年方十七歲,生得亦頗有姿色,亦頗識得幾個字。若論心中的邱壑經緯,頗步熙鳳之後塵。只吃虧了一件,從小時父親去世的早,又無同胞弟兄,寡母獨守此女,嬌養溺愛,不啻珍寶,凡女兒一舉一動,彼母皆百依百隨,因此未免嬌養太過,竟釀成個盜跖的性氣。愛自己尊若菩薩,窺他人穢如糞土;外具花柳之姿,內秉風雷之性。在家中時常就和丫鬟們使性弄氣,輕罵重打的。今日出了閣,自為要作當家的奶奶,比不得作女兒時靦腆溫柔,須要拿出這威風來,才鈐壓得住人;況且見薛蟠氣質剛硬,舉止驕奢,若不趁熱竈一氣炮製熟爛,將來必不能自豎旗幟矣;又見有香菱這等一個才貌俱全的愛妾在室,越發添了「宋太祖滅南唐」之意,「卧榻之側豈容他人酣睡」之心。因他家多桂花,他小名就喚做金桂。他在家時不許人口中帶出金桂二字來,凡有不留心誤道一字者,他便定要苦打重罰才罷。他因想桂花二字是禁止不住的,須另換一名,因想桂花曾有廣寒嫦娥之說,便將桂花改為嫦娥花,又寓自己身分如此。 薛蟠本是個憐新棄舊的人,且是有酒膽無飯力的,如今得了這樣一個妻子,正在新鮮興頭上,凡事未免盡讓他些。那夏金桂見了這般形景,便也試著一步緊似一步。一月之中,二人氣概還都相平;至兩月之後,便覺薛蟠的氣概漸次低矮了下去。一日薛蟠酒後,不知要行何事,先與金桂商議,金桂執意不從。薛蟠忍不住便發了幾句話,賭氣自行了,這金桂便氣的哭如醉人一般,茶湯不進,裝起病來。請醫療治,醫生又說「氣血相逆,當進寬胸順氣之劑。」薛姨娘恨的罵了薛蟠一頓,說:「如今娶了親,眼前抱兒子了,還是這樣胡鬧。人家鳳凰蛋似的,好容易養了一個女兒,比花朵兒還輕巧,原看的你是個人物,才給你作老婆。你不說收了心安分守己,一心一計和和氣氣的過日子,還是這樣胡鬧,撞嗓了黃湯,折磨人家。這會子花錢吃藥白遭心。」一席話說的薛蟠後悔不迭,反來安慰金桂。金桂見婆婆如此說丈夫,越發得了意,便裝出些張致來,總不理薛蟠。薛蟠沒了主意,惟自怨而已,好容易十天半月之後,才漸漸的哄轉過金桂的心來,自此便加一倍小心,不免氣概又矮了半截下來。那金桂見丈夫旗纛漸倒,婆婆良善,也就漸漸的持戈試馬起來。先時不過挾制薛蟠,後來倚嬌作媚,將及薛姨媽,又將至薛寶釵。寶釵久察其不軌之心,每隨機應變,暗以言語彈壓其志。金桂知其不可犯,每欲尋隙,又無隙可乘,只得曲意附就。一日金桂無事,因和香菱閑談,問香菱家鄉父母。香菱皆答忘記,金桂便不悅,說有意欺瞞了他。回問他「香菱」二字是誰起的名字,香菱便答:「姑娘起的。」金桂冷笑道:「人人都說姑娘通,只這一個名字就不通。」香菱忙笑道:「噯喲,奶奶不知道,我們姑娘的學問連我們姨老爺時常還誇呢。」欲明後事,且見下回。 |
echten Weg gefunden haben. Diese Mädchen hier haben keinen Vater und keine Mutter mehr und sind von ihrer Heimat weit entfernt. Nachdem sie in Reichtum und Vornehmheit gelebt haben, bedenken sie jetzt, wie hart ihr Geschick von klein auf gewesen ist, so daß sie sich einem leichtfertigen Gewerbe ergaben, und wissen auch, wie ihr zukünftiges Leben aussehen würde. Wenn sie sich deshalb abwenden vom Meer der Kümmernisse, das Haus verlassen und sich für eine zukünftige Existenz kultivieren, so ist das ein hohes Anliegen, und Ihr, gnädige Frau, solltet dieser guten Absicht keine Schranken setzen.“ Dame Wang war stets auf gute Taten bedacht, und als sie nach dem Bericht der Pflegemütter den Mädchen nicht ihren Willen lassen wollte, geschah das, weil sie sich sagte, Fang-guan und die anderen seien schließlich Kinder und hätten diese Absicht nur geäußert, weil es einmal nicht nach ihrem Kopf gehen sollte, es sei aber zu befürchten, daß sie die klösterliche Reinheit auf die Dauer nicht ertragen und sich dann Sünden zuschulden kommen lassen würden. Die Worte der beiden Mädchenräuberinnen klangen jedoch sehr einleuchtend, und außerdem hatte Dame Wang in den letzten Tagen vielerlei häusliche Sorgen. Darüberhinaus hatte Dame Hsing ihre Leute geschickt, um zu bestellen, sie wollten am nächsten Tag Ying-tschun für einige Zeit nach Hause holen, damit ihre künftigen Schwiegereltern sie kennenlernten, und eine Heiratsvermittlerin war erschienen, um eine Verlobung für Tan-tschun Aus: Jinyuyuan 1889a. vorzuschlagen. Angesichts dieser Probleme hatte Dame Wang natürlich für derartige Kleinigkeiten keinen Sinn. Darum entgegnete sie den Nonnen mit lächelnder Miene: „Wenn ihr so meint, wie wäre es dann, wenn ihr sie als eure Novizinnen mitnähmt?“ Kaum hatten die beiden Nonnen das gehört, riefen sie den Namen Buddhas an und sagten: „Bestens, bestens! Dadurch leistet Ihr im Verborgenen keine geringe Wohltat.“ Und schon bedankten sie sich kniefällig bei ihr. „So geht sie fragen, ob es wirklich ihr Ernst ist!“ wies Dame Wang die drei Pflegemütter an. „Dann sollen sie herkommen, um in meiner Gegenwart ihren Äbtissinnen den Respekt zu erweisen.“ Die drei Frauen gingen fort und kamen tatsächlich mit den drei Mädchen zurück. Dame Wang fragte sie immer wieder, aber die drei hatten ihren Entschluß gefaßt und vollzogen vor den beiden Nonnen ihren Stirnaufschlag. Auch vor Dame Wang fielen sie nieder, um sich zu verabschieden, und als Dame Wang sah, daß sie fest entschlossen waren und sich nicht umstimmen ließen, empfand sie Schmerz und Mitleid für sie und ließ rasch durch ihre Leute ein paar Sachen holen, die sie den Mädchen schenkte. Auch die beiden Nonnen bekamen Geschenke. So ging Fang-guan mit der Nonne Dschï-tung aus dem Wassermondkloster, Juee-guan und Ou-guan dagegen hielten sich an die Nonne Yüan-hsin aus dem Ksitigarbha-Kloster. Im nächsten Kapitel wird weitererzählt. 78. Ein alter Gelehrter läßt in müßiger Laune Gedichte über eine liebliche Schöne schreiben, ein törichtes Herrensöhnchen denkt sich eine Totenklage für das Hibiskusmädchen aus. Nachdem die beiden Nonnen Fang-guan und die anderen Mädchen weggeführt hatten, begab sich Dame Wang zur Herzoginmutter, um ihr den Morgengruß zu entbieten, und da sie sah, daß die Herzoginmutter in guter Stimmung war, berichtete sie ihr beiläufig: „Diese Tjing-wën in Bau-yüs Räumen ist ein großes Mädchen geworden. Außerdem ist sie das ganze Jahr über krank. Und wie ich oft gesehen habe, ist sie weitaus ungezogener als alle andern und obendrein faul. Jetzt hat sie wieder mehr als zehn Tage krank gelegen, und als der Arzt geholt wurde, um sie zu untersuchen, sagte er, sie leide an Auszehrung, wie das bei jungen Mädchen häufig der Fall ist. Deshalb habe ich sie schleunigst nach Hause geschickt. Wenn sie wieder gesund wird, braucht sie aber nicht wieder hergerufen zu werden. Man sollte ihrer Familie gestatten, ihr einen Mann zu geben, und damit Schluß. Außerdem habe ich mir auch erlaubt, diese Schauspielermädchen fortzuschicken. Zum einen wissen sie durch die Operntexte, die sie gelernt haben, ihre Worte nicht zu wägen und reden allen möglichen Unfug daher, der nicht das Richtige für die Ohren unserer Mädchen ist, zum andern gehört es sich auch so, sie unentgeltlich freizulassen, nachdem sie eine Zeitlang für uns gesungen haben. Zumal wir zu viele Mägde im Hause haben. Und wenn es einmal nicht genug sein sollten, können wir dann ein paar neue aussuchen.“ Die Herzoginmutter nickte beifällig und sagte dabei: „Das war ganz richtig von dir, ich hatte auch schon daran gedacht. Aber Tjing-wën hielt ich immer für ein gutes Mädchen. Wie kommt es nur, daß jetzt so etwas aus ihr geworden ist? In meinen Augen reichten die meisten andern Mädchen an sie nicht heran, ob es nun um Aussehen, Gewandtheit, Redefertigkeit oder Nadelarbeiten ging. In Zukunft hätte man sie Bau-yü wohl ganz und gar zuteilen können. Wer konnte schon ahnen, daß sie sich so verändert!“ „Eure Wahl war schon richtig, alte gnädige Frau“, erklärte Dame Wang lächelnd, „wahrscheinlich war dem Mädchen einfach kein Glück beschieden, und sie hat deshalb diese Krankheit bekommen. Auch der Volksmund sagt ja ‚Ehe ein Mädchen erwachsen ist, macht es achtzehn Verwandlungen durch.‘ Und wer begabt ist, wird unvermeidlich ein wenig kapriziös. Ihr habt doch das alles schon gesehen in Eurem Leben, alte gnädige Frau. Vor drei Jahren hatte ich mit ihr das gleiche im Sinn wie Ihr. Ich hatte sie für ihn vorgesehen und hatte seitdem ein Auge auf sie. Nüchtern betrachtet, übertraf sie die andern in jeder Beziehung, nur war sie nicht eben sehr gesetzt. In bezug auf Gesetztheit und Würde ist Hsi-jën die Erste von allen. Es heißt zwar ‚die Gattin sittsam, die Nebenfrau schön‘, aber es ist schon besser, wenn auch eine Nebenfrau einen folgsamen Charakter und ein gesetztes Wesen erkennen läßt. Dem Aussehen nach reicht Hsi-jën zwar nicht ganz an Tjing-wën heran, aber als Nebenfrau wäre sie bestens geeignet. Zumal ihre Handlungsweise großzügig ist und ihr Sinn redlich. In all den Jahren hat sie kein einziges Mal Bau-yüs Launen nachgegeben. Wenn er gar zu großen Unfug anstellte, hat sie jedesmal nach Kräften auf ihn eingeredet. Nachdem ich sie so zwei Jahre lang beobachtet und nicht den geringsten Fehler festgestellt hatte, veranlaßte ich stillschweigend, daß sie nicht mehr das Monatsgeld einer Magd bekommt. Vielmehr lasse ich ihr zwei Liang Silber von meinem eigenen Monatsgeld zahlen. Nur damit sie Bescheid weiß und sich um so aufmerksamer bemüht, sich in alles hineinzufinden. Offen habe ich nichts davon gesagt, zum einen weil Bau-yü noch zu jung ist und sein Vater der Meinung sein könnte, es lenke ihn von seinen Büchern ab, zum andern weil Bau-yü glauben würde, wenn sie schon seine Nebenfrau ist, habe sie ihm nichts mehr zu sagen, und sich deswegen noch zügelloser aufführen würde. So kommt es, daß ich Euch erst heute davon berichte, alte gnädige Frau.“ „So ist das also!“ sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Na, um so besser! Hsi-jën ist von klein auf so still gewesen, daß ich schon glaubte, sie sei auf den Mund gefallen. Aber wenn du sie so genau kennst, kann sie wohl keine schwerwiegenden Fehler haben. Auch deine Überlegung, Bau-yü nichts davon zu sagen, ist gut. Es soll auch niemand etwas davon erwähnen, es reicht, wenn alle Bescheid wissen. Ich kenne Bau-yü gut genug, um zu wissen, daß er nicht auf die Ratschläge von Frau und Nebenfrau hören wird. Ich werde aus ihm nicht klug und habe auch nie ein Kind von dieser Art gesehen. Alle andern Unarten müssen sein, aber daß es ihn so zu den Mädchen zieht, ist schwer zu verstehen. Ich mache mir Sorgen deswegen und habe ihn immer wieder nüchtern beobachtet. Zuerst glaubte ich nicht anders, als daß er mit den Mädchen herumtollt, weil er erwachsen wird und von den Dingen zwischen Mann und Frau Bescheid weiß, so daß er den Mädchen deshalb gern nahe ist. Aber bei näherer Betrachtung erkennt man, daß es ihm gar nicht darum geht. Wird die Sache dadurch nicht noch merkwürdiger? Ich denke mir, er sollte bestimmt selbst als Mädchen zur Welt kommen und ist nur aus Versehen als Junge geboren worden.“ Alle lachten darüber, und nun berichtete Dame Wang noch, wie Djia Dschëng heute Bau-yü gelobt und ihn dann mit den anderen zusammen zu einem Besuch mitgenommen hatte. Als die Herzoginmutter das hörte, wurde ihre Stimmung noch fröhlicher als zuvor. Bald darauf erschien, fertig zurechtgemacht, Ying-tschun, um sich zu verabschieden, bevor sie sich zu ihren Eltern hinüberbegab. Auch Hsi-fëng erschien zum Morgengruß, wartete der Herzoginmutter beim Frühstück auf und plauderte dann eine Zeitlang mit ihr. Nachdem die Herzoginmutter sich zur Mittagsruhe zurückgezogen hatte, erkundigte sich Dame Wang bei Hsi-fëng, ob ihre Arzneikugeln schon zubereitet worden seien. „Nein“, erwiderte Hsi-fëng, „noch nehme ich flüssige Medizin. Aber seid nur unbesorgt, gnädige Frau, es geht mir schon viel besser.“ Da Dame Wang sah, daß Hsi-fëng wieder ganz die alte war, zweifelte sie nicht an ihren Worten und berichtete ihr, wie sie Tjing-wën hinausgeworfen hatte. Dann fragte sie: „Wie kommt es, daß Bau-tschai aus eigenem Antrieb wieder zu Hause schläft und ihr nichts davon wißt? Neulich nämlich habe ich, da ich einmal dabei war, überall kontrolliert und zu meiner Überraschung gefunden, daß Lans neue Amme0 von verführerischer Schönheit war, was mir gründlich mißfiel. Darum sagte ich deiner Schwägerin, es sei besser, sie ihres Weges zu schicken, zumal der kleine Lan schon groß genug ist, um ohne Amme auszukommen. Dann fragte ich deine Schwägerin, ob sie etwa nichts davon wisse, daß Bau-tschai außerhalb schläft, und darauf erwiderte sie, Bau-tschai habe es ihr gesagt, und es sei nur für zwei, drei Tage gewesen, bis ihre Mutter wieder gesund sei, dann habe sie in den Garten zurückkehren wollen. Dabei hat ihre Mutter gar nichts Ernstliches, nur Husten und Hüftschmerzen wie in jedem Jahr. Bestimmt wird Bau-tschai einen anderen Grund haben, außerhalb zu schlafen. Ob etwa jemand sie gekränkt hat? Sie nimmt sich doch alles so zu Herzen. Es wäre wirklich besser, wenn es unter Verwandten, die zusammen wohnen, ohne Kränkungen abgehen könnte.“ „Wer sollte sie für nichts und wieder nicht gekränkt haben?“ fragte Hsi-fëng lächelnd. „Zumal sie den ganzen Tag im Garten ist, wo sie mit niemand anders zusammenkommt als mit ihren Kusinen.“ „Ob vielleicht Bau-yü unbedacht etwas gesagt hat?“ überlegte Dame Wang in anderer Richtung. „Dumm, wie er ist, kennt er kein Tabu, und wenn er in der Stimmung dazu ist, läßt er seinem Mund freien Lauf.“ „Jetzt macht Ihr Euch übertriebene Sorgen, gnädige Frau“, wandte Hsi-fëng ein und lächelte wieder. „Wenn er in der Öffentlichkeit etwas Ernsthaftes zu erledigen hat und über ernsthafte Dinge sprechen muß, benimmt er sich wohl wie ein Narr, aber drinnen vor seinen Schwestern und Kusinen und vor den großen und kleinen Mägden ist er außerordentlich nachgiebig und hat im Gegenteil Angst, jemanden zu kränken. Seinetwegen kann bestimmt niemand böse sein. Ich denke mir, Kusine Bau-tschai wird den Garten deshalb verlassen haben, weil neulich der Besitz aller Mägde durchsucht worden ist. Sie sagt sich natürlich, daß die Durchsuchung nur stattgefunden hat, weil wir jemand im Garten mißtrauen. Und da sie als Verwandte mit Mägden und alten Ammen im Garten wohnt, bei denen wir nicht gut eine Durchsuchung anstellen können, wird sie befürchten, wir könnten einen Verdacht gegen sie hegen, und hat empfindlich darauf reagiert, indem sie sich zurückzog. Sie mußte ja etwas tun, um dem Verdacht zu entgehen.“ Diese Worte erschienen Dame Wang sehr vernünftig, und nachdem sie einige Zeit mit gesenktem Kopf nachgedacht hatte, ließ sie Bau-tschai zu sich bitten und erläuterte ihr die Sache von neulich, um ihre Zweifel zu zerstreuen. Dann befahl sie ihr, in den Garten zurückzukehren und hier zu wohnen wie bisher. Daraufhin setzte Bau-tschai ein Lächeln auf und erwiderte: „Den Garten zu verlassen war schon lange mein Plan, aber da Ihr mit so vielen wichtigen Dingen beschäftigt wart, konnte ich schlecht deswegen zu Euch kommen. Der Zufall wollte es, daß es meiner Mutter neulich wieder einmal nicht gut ging und daß auch die beiden Frauen bei ihr, auf die Verlaß ist, krank waren. Darum bin ich einfach zu ihr hinübergezogen. Es trifft sich gut, daß Ihr es jetzt erfahren habt, da kann ich Euch die Gründe darlegen und mich ab heute verabschieden, um auch meine Sachen hinüberschaffen zu lassen.“ „Du bist wirklich starrsinnig!“ bemerkten Dame Wang und Hsi-fëng. „Das einzig Richtige ist, daß du in den Garten zurückkehrst. Entfremde dich doch nicht so einer Nichtigkeit wegen deiner Verwandtschaft!“ „Ich verstehe überhaupt nicht, worum es geht“, erklärte Bau-tschai und lächelte wieder. „Ausgezogen bin ich nicht, weil etwas vorgefallen wäre, sondern weil der Gesundheitszustand meiner Mutter viel schlechter ist als früher und weil sie abends und nachts niemand anders hat, auf den sie sich verlassen kann, als mich allein. Zum anderen will mein Bruder in allernächster Zeit heiraten, und es sind noch so viele Nadelarbeiten zu machen, und soviel Hausrat ist noch zu besorgen. Ihr, Frau Tante, und auch du, Kusine Hsi-fëng, seid doch über unsere Familienangelegenheiten im Bilde und wißt, daß ich euch nichts vormache. Zum dritten steht, seitdem ich im Garten wohne, das kleine Seitentor im Südosten ständig offen. Ich sollte es benutzen können, dazu war das eigentlich gedacht. Es ist aber nicht zu verhindern, daß auch andere dort ein- und ausgehen, um sich den Weg abzukürzen. Eine Kontrolle darüber gibt es jedoch nicht. Wenn daraus etwas entstünde, wäre das unerfreulich für beide Seiten. Außerdem war ich ja nicht aus irgendeinem schwerwiegenden Grund in den Garten gezogen, um hier zu wohnen. Vor ein paar Jahren waren wir alle noch klein und hatten zu Hause keine Aufgaben. Anstatt draußen allein herumzuhocken, war es besser für mich, hier mit den Kusinen zusammen zu sein und Nadelarbeiten zu machen oder zu scherzen. Jetzt aber sind wir alle groß, und jede hat ihre Pflichten. Außerdem sind Euch, Frau Tante, in diesem Jahr immer wieder Unannehmlichkeiten begegnet. Denn der Garten ist zu groß und nicht mit einem Blick zu überschauen. Das spielt alles eine Rolle. Ein paar Leute weniger, und Ihr habt weniger Sorgen. Deshalb bestehe ich jetzt nicht nur auf meinem Auszug, ich rate Euch auch zu reduzieren, was zu reduzieren ist, ehe alle darüber an Anstand verlieren. Wie ich meine, könnte auch an den Kosten für den Garten gespart werden, und die Zeiten sind ja nicht mehr dieselben, die sie einmal waren. Ihr wißt gut genug über unsere Verhältnisse Bescheid, Frau Tante. War es seinerzeit vielleicht auch schon so still um uns wie jetzt?“ Nachdem Hsi-fëng diese Worte vernommen hatte, sagte sie lächelnd zu Dame Wang: „Sie hat vollkommen recht, wir sollten sie nicht drängen.“ „Ich kann dir nichts darauf erwidern“, sagte Dame Wang zu Bau-tschai und nickte. „Also mach, wie du meinst!“ Während sie das eben sagte, kam Bau-yü mit den anderen beiden zurück und berichtete, sein Vater sei noch dort geblieben, habe sie aber schon nach Hause geschickt, bevor es dunkel werde. „Hast du dich auch nicht wieder einmal lächerlich gemacht?“ erkundigte Dame Wang sich rasch. „Ich habe mich nicht nur nicht lächerlich gemacht, ich habe sogar eine Menge Geschenke eingeheimst“, antwortete Bau-yü lächelnd. Im nächsten Augenblick brachten die alten Sklavenfrauen die Gaben, die sie am Innentor aus den Händen der Sklavenjungen entgegengenommen hatten, und Dame Wang erblickte drei Fächer, drei Fächeranhänger, sechs Kästchen mit Schreibpinseln und Tusche, drei Gebetsketten aus Duftholzperlen und drei jadene Gürtelringe. Bau-yü erklärte: „Das ist von Herrn Mee, dem Mitglied der Kaiserlichen Akademie, das vom stellvertretenden Minister Yang und das von Unterstaatssekretär Li. Davon bekommt jeder von uns seinen Anteil.“ Dann zog er ein aus Sandelholz geschnitztes Amulett in Form eines Buddhafigürchens aus dem Busen und sagte: „Das hier hat der Herzog Tjing-guo mir ganz allein geschenkt.“ Nachdem Dame Wang sich noch erkundigt hatte, wer alles dabei gewesen sei und was für Gedichte verfaßt worden seien, befahl sie, man solle Bau-yüs Anteil an den Geschenken nehmen, und ging dann mit Bau-yü, Djia Lan und Djia Huan zur Herzoginmutter. Als diese die Geschenke sah, kannte ihre Freude keine Grenze, und natürlich stellte auch sie etliche Fragen. Bau-yü indessen hatte nichts anderes im Kopf als den Gedanken an Tjing-wën, darum sagte er, als alle Fragen beantworten waren, er sei vom Reiten so durchgeschüttelt, daß ihm die Knochen weh täten. Daraufhin befahl ihm die Herzoginmutter: „Geh schnell in deine Räume, zieh dich um und verschaff dir ein wenig Auflockerung, dann wird es wieder gut. Aber du darfst dich nicht schlafen legen.“ Kaum hatte Bau-yü das gehört, ging er auch schon hinaus. Draußen warteten Schë-yüä und Tjiu-wën mit zwei weiteren Sklavenmädchen. Als sie ihn kommen sahen, nahm ihm Tjiu-wën die Kästchen mit den Schreibpinseln und der Tusche ab, dann folgten sie ihm in den Garten. „Heiß ist es!“ beklagte sich Bau-yü in einem fort, nahm im Gehen seine Kopfbedeckung ab, löste seinen Gürtel, zog das Übergewand aus und gab alles Schë-yüä zum Tragen. Jetzt hatte er nur noch ein dünn gefüttertes Gewand aus dunkelgrüner Seide an, unter dem blutrote Hosen hervorlugten. Tjiu-wën erkannte, daß es die roten Hosen waren, die Tjing-wën genäht hatte, und so bemerkte sie seufzend: „Diese Hosen sollten wir beiseite legen, denn hier kann man wirklich sagen: ‚Der Mensch ist tot, doch seine Dinge leben fort.‘“ Und Schë-yüä bestätigte lächelnd: „Ja, das ist Tjing-wëns Arbeit.“ Dann seufzte sie ebenfalls und sagte nun auch: „Wirklich, ‚das Werk hat seinen Schöpfer überdauert.‘“ Jetzt griff Tjiu-wën nach Schë-yüäs Hand und sagte lächelnd: „Mit dem grünen Gewand und den dunkelblauen Stiefeln zusammen bringen diese Hosen das blauschwarze Haar und das schneeweiße Gesicht besonders gut zu Geltung.“ Bau-yü, der vor ihnen ging, tat so, als ob er es nicht gehört habe, machte noch ein paar Schritte, blieb dann stehen und sagte: „Ich möchte noch ein Stück laufen. Geht das wohl?“ „Wovor hast du Angst am hellichten Tag?“ fragte Schë-yüä. „Glaubst du vielleicht, du könntest verloren gehen?“ Dann befahl sie den beiden kleineren Sklavenmädchen, sie sollten Bau-yü begleiten, und setzte hinzu: „Wir tragen die Sachen weg und kommen dann nach.“ „Ich kann auch ein wenig später gehen, Schwesterchen“, bot Bau-yü an. „Wir sind ja gleich wieder da“, sagte Schë-yüä. „Was macht denn das für einen Eindruck, wenn wir beide dich mit vollen Händen begleiten – als ob wir dir deine Ranginsignien nachtrügen, die eine trägt die Vier Schätze der Studierstube0, die andere Hut, Gewand, Gürtel und Schuhe.“ Das war es, was Bau-yü hören wollte, und so ließ er die beiden gehen. Dann führte er die beiden kleineren Sklavenmädchen hinter einen künstlichen Felsen und fragte dort ohne Umschweife: „Hat Schwester Hsi-jën jemand zu Schwester Tjing-wën geschickt, als ich fort war?“ „Sie hat Mutter Sung geschickt, um nach ihr zu sehen“, antwortete eines der Mädchen. „Und was hat Mutter Sung gesagt, als sie zurückkam?“ wollte Bau-yü wissen. „Sie hat gesagt, Schwester Tjing-wën habe die ganze Nacht über geschrien“ berichtete das Mädchen. „Heute früh habe sie mit geschlossenen Augen ruhig dagelegen, sei nicht mehr bei Bewußtsein gewesen, habe keinen Ton mehr hervorgebracht und nur noch mit Mühe Luft bekommen.“ „Nach wem hat sie die ganze Nacht geschrien?“ fragte Bau-yü begierig. „Nach ihrer Mutter“, gab das Mädchen Auskunft. „Und nach wem noch?“ ließ Bau-yü nicht locker und wischte sich die Tränen ab. „Davon weiß ich nichts, daß sie noch nach jemand anders gerufen haben soll“, erklärte das Mädchen. „Du bist dumm“, urteilte Bau-yü, „wahrscheinlich hast du nicht richtig zugehört.“ Das andere Sklavenmädchen kannte sich besser aus, darum trat es nach Bau-yüs letzten Worten näher und sagte: „Sie ist wirklich dumm. Ich aber habe nicht nur genau zugehört, ich bin sogar selbst heimlich bei Schwester Tjing-wën gewesen.“ „Warum das?“ fragte Bau-yü sofort. „Weil ich bedacht habe, daß Schwester Tjing-wën anders war als die übrigen, sie war immer so gut zu uns“, berichtete das Mädchen. „Nachdem sie jetzt so ungerecht behandelt worden ist und hinaus mußte, konnte unsereins nichts anderes für sie tun, als sie zu besuchen, um ihr ihre Liebe zu uns zu vergelten. Hätte das jemand bemerkt und der gnädigen Frau gemeldet, hätte es eine Tracht Prügel gesetzt, aber das mußte man in Kauf nehmen. So habe ich mich heimlich zu ihr geschlichen, auch auf die Gefahr hin, Schläge zu bekommen. Und siehe da, sie ist ihr Leben lang klug gewesen, und daran hat sich auch nichts geändert, als es ans Sterben ging. Sie hielt die Augen nur geschlossen, um Kräfte zu sammeln, weil sie sich sagte, daß die profanen Leute, die um sie waren, doch nicht zu reden verständen. Als ich kam, schlug sie die Augen auf, nahm mich bei der Hand und fragte: ‚Wohin ist Bau-yü gegangen?‘ Ich gab ihr wahrheitsgemäß Auskunft, da hat sie geseufzt und gesagt: ‚Wir können uns nicht mehr wiedersehen.‘ ‚Warum wartest du nicht, bis er zurück ist und zu dir kommt, Schwester?‘ fragte ich sie. ‚Wäre dann euer beider Wunsch nicht erfüllt?‘ Daraufhin hat sie mit lächelndem Gesicht gesagt: ‚Ihr wißt es noch nicht, ich sterbe gar nicht. Im Himmel fehlt eine Blumengöttin, und der Jadekaiser0 hat befohlen, ich solle den Posten übernehmen. Heute nachmittag um halb drei muß ich mein Amt antreten. Bau-yü aber kommt erst um dreiviertel drei nach Hause zurück. Einer einzigen Viertelstunde wegen können wir uns nicht mehr wiedersehen. Wenn jemand stirbt auf der Welt und der Höllenkönig läßt ihn holen, werden kleine Teufel geschickt, die seine Seele gefangennehmen. Wenn aber der Sterbende noch ein Stündchen dableiben soll, braucht man nur etwas Opfergeld zu verbrennen oder ein wenig Brei zu vergießen, dann stürzen sich die Teufel darauf, und der Sterbende erhält einen Aufschub. Ich aber werde von Götterboten in den Himmel gebeten, wie dürfte ich mich da verspäten?!‘ Als ich das hörte, wollte ich es nicht recht glauben, aber als ich wieder im Zimmer war und genau nach der Uhr sah, ergab sich, daß sie wirklich um halb drei aufgehört hatte zu atmen, und um dreiviertel erschien jemand, um uns zu holen, weil du zurückgekommen warst. Da zeigte sich, daß alles übereinstimmte.“ „Du kannst nicht lesen und kennst die Bücher nicht, deshalb weißt du nichts davon, aber es gibt das wirklich“, erklärte Bau-yü eifrig. „Nicht nur, daß jede Blumenart ihre Göttin hat, es gibt auch noch eine Göttin für alle Blumen. Jetzt weiß ich nicht, ob sie die Göttin aller Blumen geworden ist oder nur für eine einzige Art verantwortlich ist.“ Im ersten Moment wußte das Sklavenmädchen nichts darauf zu erwidern, aber da eben der achte Monat war und im Garten am Teich der Hibiskus in voller Blüte stand, inspirierte der Anblick sie, rasch zu behaupten: „Ich habe Schwester Tjing-wën gebeten, mir zu sagen, für welche Blume sie zuständig sein werde, damit wir ihr Opfer bringen könnten, da hat sie gesagt: ‚Die Geheimnisse des Himmels dürfen nicht enthüllt werden, aber weil du so ergeben und aufrichtig bist, will ich es dir verraten, doch du darfst es nur Bau-yü allein weitersagen. Wenn jemand anders als er das Geheimnis erfährt, wird dich ein fünffacher Donner erschlagen.‘ Und dann hat sie mir anvertraut, daß sie speziell für den Hibiskus zuständig sein wird.“ Nicht nur daß diese Nachricht Bau-yü nicht erstaunte, vielmehr verwandelte sie seinen Kummer in Freude. Er wies mit der Hand nach den Hibiskusstauden und sagte strahlend: „Diese Blume ist es wert, in der Obhut eines solchen Menschen zu stehen! Ich hatte mir schon gedacht, daß eine Aufgabe sie erwartet. Jetzt ist sie dem Meer des Kummers entronnen, aber wir können uns nie wiedersehen, und so werde ich unvermeidlich um sie trauern und mich nach ihr sehnen.“ Dann überlegte er: „Auch wenn ich sie vor ihrem Tod nicht mehr wiedergesehen habe, kann ich doch hingehen und mich vor ihrem Sarg verneigen, um meiner Pflicht nach den fünf, sechs Jahren unserer Freundschaft Genüge zu tun.“ Nachdem er sich das überlegt hatte, ging er in seine Räume und zog sich um. Dann verließ er unter dem Vorwand, Dai-yü einen Besuch machen zu wollen, ohne jede Begleitung den Garten und begab sich dorthin, wo er Tjing-wën zuletzt gesehen hatte, weil er annahm, dort werde sie aufgebahrt sein. In Wirklichkeit aber hatten ihr Vetter und seine Frau, kaum daß Tjing-wën ihren letzten Atem ausgehaucht hatte, drinnen davon Meldung gemacht, um nur ja so schnell wie möglich die paar Liang Silber zu bekommen, die es für gewöhnlich als Zuschuß für eine Beerdigung gab. Als Dame Wang die Nachricht erhielt, befahl sie, man solle den beiden ein Einäscherungsgeld von zehn Liang Silber zahlen. „Der Leichnam soll sofort vor die Stadt geschafft und verbrannt werden“, lautete ihre Anordnung. „Ein Mädchen, das an der Auszehrung gestorben ist, darf auf keinen Fall im Hause behalten werden.“ Auf Dame Wangs Befehl hin hatten Tjing-wëns Vetter und seine Frau das Geld empfangen und dann Leute angeheuert, die die Tote einsargen und nach dem Verbrennungsplatz außerhalb der Stadt schaffen mußten. Tjing-wëns Kleidung und Schmuck, die vielleicht drei- oder vierhundert Liang Silber wert sein mochten, hatten sie zur späteren Verwendung beiseite gelegt. Dann hatten sie die Haustür abgeschlossen und waren zu zweit dem Sarg gefolgt. Bau-yüs Besuch erwies sich somit als ein Schlag ins Wasser, und nachdem er eine Zeitlang herumgestanden hatte, blieb ihm keine andere Wahl, als in den Garten zurückzukehren. In seinen Räumen kam es ihm jedoch so öde vor, daß er sich nun wirklich auf den Weg machte, um Dai-yü zu besuchen. Dai-yü aber war gerade nicht da, und als er fragte, wohin sie gegangen sei, antworteten ihre Sklavenmädchen: „Sie ist zu Fräulein Bau-tschai gegangen.“ Bau-yü ging also weiter zum Haselwurzpark. Hier fand er alles still und verlassen, und die Zimmer waren ausgeräumt, was ihm unwillkürlich einen tüchtigen Schreck einjagte. Dann erblickte er plötzlich eine alte Sklavin, die auf ihn zukam, und fragte rasch, was hier los sei. „Fräulein Bau-tschai ist ausgezogen“, antwortete die Alte. „Das Haus ist uns zur Aufsicht übergeben worden, aber es ist noch nicht ganz geräumt. Wir helfen noch ein paar Sachen hinüberbringen, dann ist hier Schluß. Und Ihr geht jetzt bitte, Herr, damit wir ausfegen können. Eure Besuche hier könnt Ihr Euch in Zukunft sparen.“ Bau-yü stand lange Zeit völlig verwirrt da und schaute auf die duftenden Rankenpflanzen und die exotischen Klettergewächse im Hof, die noch immer so frisch und grün waren, aber plötzlich erschien es ihm hier öde und kalt im Vergleich zu früher, und das vermehrte seinen Schmerz. Schweigend trat er hinaus, und dort fiel ihm auf, daß auf dem baumbestandenen Deich vor dem Tor, wo früher der Strom der Sklavenmädchen, die hier spazierengingen, nie abgerissen war, lange Zeit kein Mensch vorüberkam. Er beugte sich vor und schaute auf das Wasser unten am Deich, aber es floß genauso schwellend und munter dahin wie ehedem, so daß er sich fragte: „Wie kann es nur so etwas Gefühlloses geben auf der Welt?“ So trauerte er ein Weilchen vor sich hin, dann fiel ihm mit einem Mal wieder ein, daß Sï-tji, Ju-hua, Fang-guan und zwei weitere Mädchen den Garten verlassen hatten und daß Tjing-wën gestorben war. So hatte Bau-tschai nun mit ihrem ganzen Anhang ihr Gartenhaus geräumt. Ying-tschun war zwar noch nicht fort, aber sie kam schon tagelang nicht mehr in den Garten, und ständig erschienen Heiratsvermittlerinnen, um auf eine baldige Hochzeit zu drängen. Über kurz oder lang würden wohl alle den Garten verlassen, und es half gar nichts, wenn er sich daraüber aufregte. Darum war es wohl das beste, wenn er zu Dai-yü ging und ihr für den Rest des Tages Gesellschaft leistete, um dann in seine eigenen Räume zurückzukehren und sich dort mit Hsi-jën abzugeben. Mit diesen beiden würde er wohl bis ans Ende seiner Tage zusammenbleiben. Als er diesen Gedanken zu Ende geführt hatte, ging er noch einmal zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß, aber Dai-yü war noch immer nicht da. Jetzt dachte er daran, daß es wahrscheinlich richtig sein würde, hinauszugehen und Tjing-wën das letzte Geleit zu geben. Aber dann sagte er sich, diesem Schmerz sei er nicht gewachsen und er täte besser daran hierzubleiben. So ging er schließlich niedergeschlagen und mit hängendem Kopf nach Hause. Während er sich noch fragte, was er mit sich anfangen sollte, erschien plötzlich eines der Sklavenmädchen der Dame Wang, um ihm zu bestellen: „Der gnädige Herr ist zurück und verlangt nach dir. Er hat wieder ein gutes Thema parat. Beeil dich, beeil dich!“ Notgedrungen mußte Bau-yü ihr folgen, aber als er zu Dame Wang kam, war sein Vater schon fort, und Dame Wang erteilte den Befehl, jemand solle Bau-yü zur Bibliothek begleiten. Währenddessen berichtete Djia Dschëng im Kreis seiner Hausgäste von seinem Herbstausflug und sagte dabei: „Kurz bevor wir auseinandergingen, kam das Gespräch plötzlich auf ein Thema, das für alle Zeiten ein Gegenstand der Bewunderung bleiben wird. Es geht dabei ebenso um Schönheit und Eleganz wie um Treue und Edelsinn. Überhaupt ist es ein ausgezeichnetes Thema, auf das wir zusammen Trauergedichte schreiben sollten.“ Als seine Gäste das hörten, baten sie sogleich um Aufklärung, was für eine wunderbare Geschichte damit gemeint sei, und Djia Dschëng erzählte: „Es war einmal ein Prinz, der den Titel Prinz Hëng0 trug und dem das Gebiet Tjing-dschou0 anvertraut war. Dieser Prinz Hëng war ein großer Freund weiblicher Schönheit, außerdem fand er in seiner Freizeit Gefallen an Waffenübungen. Darum wählte er eine große Zahl schöner Mädchen aus und ließ sie tagtäglich exerzieren. Wann immer er Zeit dazu hatte, hielt er mehrtägige Gelage ab und ließ seine Schönen dabei Kampf- und Eroberungsspiele vorführen. Eine seiner Nebenfrauen hieß mit Familiennamen Lin, und weil sie das vierte Kind ihrer Eltern war, wurde sie von allen nur die Vierte Lin genannt. Sie war die Schönste von allen, aber noch mehr übertraf sie die andern durch die Geschicklichkeit, mit der sie die Waffen handhabte. Prinz Hëng war so begeistert von ihr, daß er ihr den Oberbefehl über all seine Nebenfrauen übertrug und sie General Lieblich nannte...“ „Wie wunderbar und wie ausgefallen!“ erklärten die Hausgäste. „Mit dem Generalstitel zusammen kommt das Wort ‚lieblich‘ ganz besonders zur Wirkung. Das ist wirklich ein einzigartiger Ausdruck. Dieser Prinz Hëng war gewiß der größte Romantiker aller Zeiten.“ „Das ist schon richtig“, sagte Djia Dschëng lächelnd, „aber es kommt noch seltsamer und auch beklagenswerter.“ „Was hat sich denn Seltsames zugetragen?“ erkundigten sich seine Gäste. Und Djia Dschëng fuhr fort: „Unerwartet rotteten sich dann versprengte Räuberbanden vom Schlage der Gelben Turbane und der Roten Augenbrauen0 zusammen, um die Gegend von Schan-dung zu plündern. Prinz Hëng war der Meinung, wegen so einer Meute brauche man nicht viel Aufhebens zu machen, und setzte nur leichte Reiterei ein, um die Räuber zu vernichten. Wider Erwarten zeigte sich jedoch, daß diese Räuber sehr gewitzt waren. Nach zwei Schlachten waren sie noch immer nicht besiegt, und Prinz Hëng wurde von ihnen erschlagen. Daraufhin sagten die Zivil- und Militärbeamten von Tjing-dschou: ‚Wenn der Prinz sie nicht bezwingen konnte, um wieviel weniger werden dann wir dazu in der Lage sein!‘ Und sie schickten sich an, die Stadt auszuliefern. Als aber die Vierte Lin0 die Schreckensnachricht erfuhr, rief sie ihre Kriegerinnen zusammen und sagte: ‚Die Gnade, die wir stets vom Prinzen erfahren haben, ist so hoch wie der Himmel und so stark wie die Erde. Wir werden auch nicht den zehntausendsten Teil davon je vergelten können. Jetzt, wo der Prinz sein Leben dem Vaterland zum Opfer gebracht hat, bin ich entschlossen, mein Leben dem Prinzen zum Opfer zu bringen. Wer von euch gewillt ist, es mir gleichzutun, der folge mir. Wer dazu nicht bereit ist, der gehe seines Weges.‘ Als die Kriegerinnen das hörten, erklärten sie einmütig, sie wollten mit ihr ziehen. Daraufhin verließ die Vierte Lin noch in derselben Nacht mit ihnen die Stadt und drang geradewegs in das Lager der Räuber ein, die darauf nicht gefaßt waren und mehrere ihrer Anführer verloren. Dann aber bemerkten sie, daß sie nur einer Handvoll Frauen gegenüberstanden, die nicht viel ausrichten konnten, griffen zu den Waffen und lieferten ihnen ein heftiges Gefecht, in dem von der Vierten Lin und ihren Gefährtinnen keine einzige am Leben blieb, so daß der Treueschwur der Vierten Lin erfüllt war. Als das in der Hauptstadt bekannt wurde, waren Kaiser und Beamtenschaft gleichermaßen erschüttert und verwundert. Vom Hof wurden dann natürlich Leute entsandt, und als diese Regierungstruppen eintrafen, wurden die Räuberhorden restlos aufgerieben, aber das ist nicht weiter der Rede wert. Doch was sagen Sie jetzt zu der Standhaftigkeit der Vierten Lin, meine Herren? Ist sie nicht bewunderungswürdig?“ „Bewunderungswürdig und höchst erstaunlich, in der Tat!“ pflichteten seine Gäste ihm bei. „Das ist wirklich ein hervorragendes Thema, um Verse des Gedenkens zu schreiben.“ Und schon hatte einer der Männer Schreibpinsel und Tuschereibstein geholt und schrieb nach Djia Dschëngs Erzählung eine kurze Einleitung nieder, wobei er nur wenige Wörter leicht veränderte. Djia Dschëng sah das Geschriebene durch, dann sagte er: „Es kann so bleiben. Auch dort hat man schon eine Einleitung geschrieben. Gestern wurde ein kaiserlicher Sondererlaß empfangen, in dem befohlen wird, alle Personen festzustellen, die Lob und Auszeichnung verdienen, bisher aber übergangen worden sind. Auch wenn es sich um Mönche, Nonnen, Bettler oder Frauen handelt – wenn jemand eine rühmenswerte Tat vollbracht hat, soll sein Lebenslauf sogleich ans Ministerium der Riten eingesandt werden, damit dieses den Kaiser um eine Auszeichnung bitten kann. So ist auch jene Einleitung schon ans Ritenministerium geschickt worden. Nachdem Sie von der Sache erfahren haben, meine Herren, sollte jeder von Ihnen ein Gedicht über General Lieblich verfassen, um ihrer Treue ein Denkmal zu setzen.“ „Das müssen wir tun!“ stimmten ihm alle zu, „aber am bewunderungswürdigsten ist es, daß unsere herrschende Dynastie solche lange nicht geübten Riten wiederbelebt und so große Gnade walten läßt. Darin wird sie wahrhaftig von keiner der früheren Dynastien erreicht, und hier kann man wirklich sagen ‚Vom heiligen Herrscherhaus wird nichts versäumt.‘ Diese Formulierung hat jemand unter der Tang-Dynastie vorweggenommen, und unter unserer Dynastie erfüllt sie sich. Heute erst sind das nicht mehr nur leere Worte.“ „Genau so ist es“, bestätigte Djia Dschëng kopfnickend. Bei diesen Worten erschienen Djia Huan und Djia Lan und mußten sich auf Djia Dschëngs Geheiß das Thema durchlesen. Die beiden verstanden sich wohl auch darauf, Gedichte zu schreiben, und der Wortschatz, den sie im Kopf hatten, war nicht viel geringer als der von Bau-yü, aber erstens gingen sie einen ganz anderen Weg als Bau-yü, indem sie ihn scheinbar weit übertrafen, wenn es um Prüfungsaufsätze ging, während sie auf dem Gebiet der übrigen Literatur bei weitem nicht an ihn heranreichten. Und zweitens war der Geist der beiden stumpf im Vergleich zu Bau-yüs wachem und feinsinnigem Verstand, und ihre Gedichte schrieben sie nach denselben Prinzipien wie die achtgliedrigen Prüfungsaufsätze, wodurch sie unvermeidlich pedantisch und mittelmäßig ausfallen mußten. Bau-yü war durchaus kein Buchgelehrter, aber er verfügte über eine natürliche Klugheit und las gern alle möglichen Bücher, deshalb war er der Meinung, daß es auch bei den Klassikern frei erfundene und fehlerhafte Stellen gab, so daß man sich nicht zu eng an sie halten konnte. Wenn man stets ängstlich darauf bedacht war, sich an bewährte Vorbilder zu halten, konnte man zwar auch etwas zusammenpappen, aber das würde dann ohne jeden Reiz sein. Mit diesen Ansichten im Kopf wagte er sich an jedes beliebige Thema, so wie es zungenfertige Redner tun, die aus dem Nichts heraus einzig mit Hilfe ihrer Beredsamkeit lange Vorträge halten. Wenn es auch keiner Prüfung standhält, was sie sagen, so fühlen sich doch alle durch sie belehrt, und Männer ernster Worte sind nicht in der Lage, gegen solche Schönredner aufzukommen. Djia Dschëng war in der Letzten Zeit gealtert, und sein Streben nach Ruhm und Gewinn hatte stark nachgelassen, auch war er seiner ursprünglichen Natur nach ein Freund von Gedichten, Wein und ausgelassenen Reden. Seinen Söhnen und Neffen gegenüber kam er natürlich nicht umhin, sie auf den rechten Weg zu führen, aber neuerdings war er zu der Ansicht gekommen, daß Bau-yü sich zwar nicht den klassischen Büchern widmete, jedoch ein großes Verständnis für die Dichtkunst hatte und so bei sorgfältiger Betrachtung den Ahnen keine allzu große Schande machte. Genau genommen, waren auch die Ahnen nicht anders gewesen. Einige von ihnen hatten es zwar auf dem Gebiet der Prüfungsaufsätze zu großer Perfektion gebracht, aber aufsehenerregende Verdienste hatte sich keiner damit erworben. Wie es aussah, war es der Sippe der Djias nicht anders beschieden. Zumal auch Djia Dschëngs Mutter eine zärtliche Schwäche für Bau-yü hatte, wollte er ihn nicht gewaltsam drängen, sich mit Prüfungsvorbereitungen zu beschäftigen. In diesem Sinne hatte er ihn in der jüngsten Zeit behandelt, und er hätte es gern gesehen, wenn sich Djia Huan und Djia Lan mit Ausnahme der Prüfungsaufsätze an Bau-yü ein Beispiel genommen hätten. Darum ließ er, wenn er sie Gedichte schreiben lassen wollte, stets alle drei rufen, um sie zum Wetteifern anzuregen. Djia Huan und Djia Lan hatten in letzter Zeit schon mehrmals in Gesellschaft Gedichte verfaßt, und das hatte ihnen Mut gegeben. Als sie jetzt das Thema sahen, begannen sie nachzugrübeln, und Djia Lan wurde als erster fertig. Aus Angst, letzter zu werden, war auch Djia Huan schon fertig geworden, und während sie beide ihre Gedichte schon aufschrieben, war Bau-yü noch ganz in Gedanken. Djia Lans Gedicht war der folgende Vierzeiler: „General Lieblich, die Vierte Frau Lin, war schön wie Jade und mutig zugleich. Seitdem für Prinz Hëng sie ihr Leben gab, duftet die Erde von Tjing-dschou nach ihr.“ Als Djia Dschëngs Gäste diese Zeilen gelesen hatten, lobten sie: „Um als Dreizehnjähriger so ein Gedicht zu schreiben, muß man schon aus einer hochgebildeten Familie stammen. Das ist wirklich nicht gelogen.“ Lächelnd erwiderte Djia Dschëng: „Es ist die Ausdrucksweise eines Kindes. Aber trotzdem, er hat sich Mühe gegeben.“ Dann las er, was Djia Huan geschrieben hatte: „Sorglos verlief ihr Leben bislang, jetzt hat es nur noch den einen Zweck. Weinend tritt sie aus dem Prunkgemach, zürnend verläßt sie die Stadt Tjing-dschou. Zu rächen gilt es des Prinzen Tod, wiewohl die Räuber in Übermacht. Wer singt den Nachruf am Grabe ihr, die für ewig Einmaliges tat?“ „Das ist noch besser!“ sagten alle. „Schließlich ist er ja auch ein paar Jahre älter, doch auch sein Ansatz ist ein anderer.“ „Es ist zwar nicht ganz verkehrt, aber doch nichts Echtes“, urteilte Djia Dschëng. „Laßt es gut sein!“ sagten seine Gäste. „Der dritte junge Herr ist nur wenig älter als sein Neffe. Wenn er schon als Junge so etwas zuwege bringt, werden vielleicht bei einigem Fleiß in ein paar Jahren noch Juan der Große und Juan der Kleine0 aus den beiden.“ „Zuviel des Lobes!“ wehrte Djia Dschëng ab. „Der Fehler der beiden ist, daß sie nicht lernen wollen.“ Dann fragte er, wie weit Bau-yü mit seinem Gedicht sei. „Der zweite junge Herr ziseliert seine Verse sorgfältig, bestimmt wird es wieder etwas Elegantes und Ergreifendes, anders als die beiden Gedichte eben“, sagten seine Gäste. Bau-yü aber erklärte lächelnd: „Für dieses Thema scheint mir der Neue Stil nicht geeignet, es muß ein Lied oder eine Ballade im Alten Stil und von entsprechender Länge sein, damit es etwas Rechtes wird.“0 Als die Hausgäste das hörten, standen sie auf und nickten, klatschten in die Hände und sagten: „Haben wir nicht gesagt, er packt es anders an?! Bei jedem Thema muß man zuerst überlegen, ob sich der Stil dafür eignet oder nicht. Das ist das Geheimnis erfahrener Meister. Es ist genau wie beim Schneidern – man muß maßnehmen, bevor man die Schere ansetzt. Das Thema lautet ‚General Lieblich‘, außerdem liegt schon eine Einleitung vor, also kommt als Form nur eine lange Ballade in Betracht, vielleicht in der Art des ‚Liedes von der ewigen Reue‘ von Bai Djü-i0 oder auch in der Art eines Lobliedes auf das Altertum, halb Schilderung und halb Festgesang, fließend und anmutig. Nur so kann man den Reiz des Themas voll ausschöpfen.“ Djia Dschëng stimmte ihnen zu und griff selber zu Schreibpinsel und Papier. |